Fußball – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 26 Aug 2011 11:42:46 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Fußball – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.sage: Doch kein Sommermädchen https://ansch.4lima.de/doch-kein-sommermadchen/ https://ansch.4lima.de/doch-kein-sommermadchen/#respond Fri, 26 Aug 2011 11:42:46 +0000 https://anschlaege.at/?p=704 Ein Kommentar von FIONA SARA SCHMIDT

 

Die Japanerinnen sind absolut verdient Weltmeisterinnen geworden, Fukushima-Mitleidsbonus hin oder her. Auch wer sonst mit Fußball nicht viel am Hut hat, konnte die Spannung des Endspiels greifen, das japanische Team überzeugte mit starken Nerven beim Elfmeterschießen und spielte auf höchstem Niveau.

Doch wie sieht die Bilanz nach der WM aus? Hat das Turnier dafür gesorgt, Frauenfußball für die breite Masse populär zu machen? Immerhin wird eingestanden, dass er schön aussieht, technisch und taktisch anspruchsvoll und zum Zusehen auch für Frauen und Kinder bestens geeignet, ja sogar ein „Familienfest“ sei. Gleichzeitig haben sich viele Schreiber und „Experten“ gegenseitig darin überboten zu erklären, warum sie Frauenfußball nicht mögen. So etwa der deutsche Formel-1-Darling Nico Rosberg, der die WM mit den Paralympics verglich und nicht verstand, was die Aufregung danach sollte. Nein, meinen andere, es habe nichts damit zu tun, dass Frauen nicht spielen könnten, im Gegenteil sei das Niveau ja stetig gestiegen. Doch SZ- Kolumnist Axel Hacke ist eben „damit aufgewachsen, dass Fußball Männersache ist“, und findet es gut, dass es so geblieben ist, weil er so schöne Erinnerungen an seinen Vater pflegen kann. Es ist also nicht der Umstand, dass Frauen Fußball spielen können, der etwa „Klartext“-Blogger Matthias Heitmann Bauchschmerzen bereitet. Es ist die Tatsache, dass die mit Frauen und dem Frauenfußball verbundenen Werte in die Offensive gehen und „der Fußball“ Gefahr läuft, sowohl als Sport als auch als kulturelles Massenphänomen „entmannt“, ein „emotionsloses Abziehbild“ des kulturellen Phänomens Fußball zu werden, „einem der letzten Refugien von Freiheit und emotionaler Ausgelassenheit in einer ansonsten immer stärker geregelten und kontrollierten Gesellschaft“. Seltsam, eigentlich wird Emotionalität doch Frauen zugeschrieben? Doch plötzlich sind es weibliche Werte, die in der Gesellschaft überhand genommen haben, der Männerfußball die letzte Erholung davon. Wenn selbst ARD-Moderator Michael Antwerpes doch tatsächlich zur Eröffnung in die Kamera sagt, „Fußball-WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat“, zeigt das, was viele insgeheim gedacht haben: Noch mal Männer-WM wäre viel schöner gewesen. Medial verordnete Ekstase, kollektive Fußballeuphorie als Zwangsmaßnahme gab es trotzdem. In Deutschland war schon Wochen vor dem Termin Frau, Klischee und Fußball allerorten: 16 Kandidatinnen traten bei der Wahl zur Miss WM im Trikot des jeweiligen Nationalteams an. Die ARD zeigte einen unerträglichen „Tatort“ mit kickender Star-Muslima. Im „Playboy“ „zum Sommermärchen 2011“ dann „Weltmeisterlich! So schön sind Deutschlands Fußball-Nationalspielerinnen“. Dass es sich dabei um U20- und U17-Weltmeisterinnen handelte, war eigentlich egal, die Spielerinnen kennt ja eh niemand. Die Playmates wollten „das Klischee von den Mannweibern im Frauenfußball widerlegen“. Und auch von offizieller Seite sollte die Nationalelf als Ansammlung attraktiver, junger, moderner und heterosexueller Frauen präsentiert werden. (Drei französische Nationalspielerinnen antworteten darauf, indem sie sich ebenfalls für ein Magazin auszogen. Allerdings bedeckten sie ihre Brüste mit den Armen und versa-hen das Foto mit der Überschrift: „Is this how we should show up before you come to our games?”)

Für die echten Fans waren ohnehin andere Themen wichtiger als Nacktfotos und Fahnenschwenken: Die nigerianische Trainerin Ngozi Uche hatte im Vorfeld lesbische Spielerinnen aus dem Team geworfen. Im Gegensatz zur FIFA, die das Transparent „Fußball ist alles – auch lesbisch“ einkassieren ließ, hat sich der DFB als einigermaßen engagiert gegen Homophobie erwiesen. Erfreulich auch die Antwort der deutschen Torfrau Nadine Angerer auf die Frage nach Lesben in ihrem Sport: „Ich persönlich bin da offen, weil ich der Meinung bin, dass es nette Männer und nette Frauen gibt, und weil ich eine Festlegung generell total albern finde.“ Außerdem gab es den Abschied von Birgit Prinz, die Taktiken der Teams, theatralische Brasilianerinnen, lustige Wortspiele mit dem Namen der deutschen Trainerin Silvia Neid und die coolen Frisuren der Japanerinnen zu diskutieren. Eigentlich gibt es also nach der WM nur noch einen Grund, die „neue Sportart“ abzulehnen. Irgendwo im Netz ist zu lesen: „Mir persönlich ist Frauenfußball zu schwul.“

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an.sehen: Kicken für Kim https://ansch.4lima.de/an-sehen-kicken-fur-kim/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-kicken-fur-kim/#respond Fri, 01 Jul 2011 08:29:30 +0000 https://anschlaege.at/?p=342 Frauen, Fußball, Führerstaat: Der Doku-Film „Hana, dul, sed …“ ist alles andere als sensationslüstern. Von VINA YUN

 

„Wenn man das Spielfeld betritt, dann ist es, als ob das Herz weit wird und als ob man in jede Welt eintreten könnte“, beschreibt Hyang-Ok Ri das Hochgefühl, mit dem sie ins Stadion einläuft. Bis 2004 war Ri Mittelfeldspielerin des nordkoreanischen Fußballnationalteams, heute ist sie als eine von vier FIFA-Schiedsrichterinnen Nordkoreas aktiv. Sie und drei weitere Ex-Profi-Kickerinnen sind die Protagonistinnen der Dokumentation „Hana, dul, sed …“ (Koreanisch für „Eins, zwei, drei“), dem Erstlingswerk von Regisseurin Brigitte Weich. Die anderen drei: Mi-Ae Ra, ehemalige Verteidigerin und glühender Maradona-Fan („Er ist kaum größer als ich und wird weltberühmt? Okay, das kann ich auch!“), die frühere Goalkeeperin Jong-Hi Ri, die für ihre Baby-Tochter schon mal das Fußball-Trikot herrichtet („Vielleicht wächst sie da hinein und wird eine Torfrau“), sowie Pyol-Hi Jin, vormals Stürmerin und Top-Torjägerin („Mir war es immer das Wichtigste, dem General Freude zu bereiten“).

In Sachen Frauenfußball gehört Nordkorea zur internationalen Spitze. Nach ihren Erfolgen bei den Asienmeisterschaften 2001 und 2003 wurden die nordkoreanischen Fußballerinnen in ihrer Heimat als Superstars gefeiert, die für ausverkaufte Stadien sorgten – anderswo alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wie Co-Regisseurin Karin Macher in den Produktionsnotizen anmerkt: „Die deutschen Fußballerinnen, die Weltmeister sind, machen Werbung für Damenbinden.“ Die verpatzte Olympia-Qualifikation 2004 in Athen (mit einer 0:3-Niederlage gegen die einstige Kolonialmacht Japan) beendete die Laufbahn der Fußball-Profis jedoch jäh: Umgehend wurden sie gegen jüngere Spielerinnen ausgetauscht.

„Chefsache“ Frauenfußball. Gleich in der Eröffnungssequenz verdeutlichen zwei Zitate das von Widersprüchen durchzogene gesellschaftliche Kräftefeld, in dem sich die Sportlerinnen bewegen. Kim Il-Sungs Satz „Große Ideologie erschafft große Zeiten“ wird der berühmte Ausspruch von Simone de Beauvoir gegenübergestellt: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ Denn im nordkoreanischen Frauenfußball, der in den 1980ern „von oben“ verordnet wurde, manifestiert sich nicht nur absolute Regimetreue, wie sie sich in der Verehrung für den derzeitigen „Geliebten Führer“ Kim Jong-Il äußert. Ebenso lässt sich an ihm die wandelbare Interpretation der Geschlechterrollen exemplarisch festhalten: Während Nordkoreas Propaganda Frauen als „Blumen“ besingt darf am Spielfeld sehr wohl geschwitzt und gespuckt werden – solange der Körpereinsatz im Namen der Nation erfolgt.

Trotzdem: Um ganz sicher zu gehen, lässt der Coach die Spielerinnen nicht nur am Rasen, sondern auch am Herd trainieren – auf dass sie sich nach ihrer Fußball-Karriere zu guten Hausfrauen wandeln mögen.

Auch wenn einige Rezensionen behaupten, „Hana, dul, sed …“ sei kein Fußball-Film – er ist es wohl: Schließlich fungiert gerade das Fußballfeld auch als Bühne, auf der Politik mit den Mitteln des Sports gemacht wird, sei es im Namen der Nation oder, wie in diesem Fall, als eine Form der persönlichen Befreiung aus gesellschaftlichen Konventionen.

Vertrautes und Fremdes. Die Bilder über Nordkorea, wie sie in den hiesigen Medien kursieren, illustrieren mit den Aufnahmen von Massenchoreografien, sozialistischen Prestigebauten und monumentalen Statuen vor allem den patriarchalen Führerkult im Land. Auch „Hana, dul, sed …“ kommt nicht gänzlich ohne diese visuellen Inszenierungen aus, jedoch überlässt der Film das Kinopublikum nicht, wie sonst üblich, der bloßen Faszination und dem Befremden. Die Kamera (wunderbar geführt von Judith Benedikt) begleitet die Frauen auf dem Weg zur Arbeit, beim Zoo-Besuch, im Kindergarten, beim Friseur. Es ist der mehr oder weniger „normale“ Alltag der vier Genossinnen, über den sich die Regisseurin der Realität in Nordkorea annähert. Armut ist – wenig überraschend – keine zu sehen, und doch lässt sie sich zwischen dem Gezeigten erahnen. Für ihre Dokumentation war Brigitte Weich auf die Kooperation mit Korfilm, der staatlichen Filmagentur Nordkoreas, angewiesen – was ihr auch die Kritik einbrachte, sich von der dortigen Propagandamaschinerie einspannen zu lassen. In ihrem Regie-Statement erklärt Weich: „Für mich waren die Restriktionen bereits ein Teil der Geschichte: Wir wollten nicht zeigen, was wir in Nordkorea sehen, wir wollten sehen, was diese Frauen uns zeigen.“

„Hana, dul, sed …“ (A 2009) läuft derzeit in den österreichischen und deutschen Kinos. www.hanadulsed.com

WM-Tipp: Am 28. Juni spielt Nordkorea bei der Fußball-WM gegen den „Erzfeind“ USA in Dresden.

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