Bewegung – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 23 Jun 2023 07:52:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Bewegung – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Anbaden zum Abgewöhnen https://ansch.4lima.de/anbaden-zum-abgewoehnen/ https://ansch.4lima.de/anbaden-zum-abgewoehnen/#respond Fri, 23 Jun 2023 06:17:16 +0000 https://anschlaege.at/?p=110381 Wien bietet wunderbare Bademöglichkeiten –die einem Spanner und Exhibitionisten regelmäßig vermiesen. Von Laura Kroth. Es gibt eine sportliche Disziplin in Wien, die alljährlich ihren Saison­start feiert, wenn das Thermometer über 25 Grad klettert. In diesem Sport sind mir an den städtischen Gewässern bisher ausschließlich männliche Athleten begegnet. Es handelt sich um das Bespannen von Frauen, […]]]>

Wien bietet wunderbare Bademöglichkeiten –
die einem Spanner und Exhibitionisten regelmäßig vermiesen. Von Laura Kroth.

Es gibt eine sportliche Disziplin in Wien, die alljährlich ihren Saison­start feiert, wenn das Thermometer über 25 Grad klettert. In diesem Sport sind mir an den städtischen Gewässern bisher ausschließlich männliche Athleten begegnet. Es handelt sich um das Bespannen von Frauen, vorzugsweise nackt, inklusive Zurschaustellung des Genitals, wahlweise in erigiertem Zustand.

Mittwoch am späten Nachmittag: Zweieinhalb Stunden habe ich Zeit für mich, am frühen Abend muss ich zu Hause sein, um mein Kind wieder in Empfang zu nehmen. Gemeinsam mit einer Freundin will ich nur mal kurz ins Wasser hüpfen, den Sommer begrüßen, unsere Kinder sind bei ihren Vätern. Wir freuen uns über eine kurze Auszeit. Was wir hätten ahnen können: Eine Pause davon, ein sexualisiertes Objekt zu sein, ist uns nicht vergönnt.

Wir finden ein idyllisches Plätzchen gleich am Wasser. Außer uns nur eine weitere Sonnenanbeterin. Wir grüßen ihr freundlich zu, als wir in einiger Entfernung unsere Handtücher ins Gras legen, bevor wir in den See steigen.

Das Wasser reicht uns bis zum Nabel, unsere Beine werden von ein paar Pflanzen gestreichelt, das weiche Wasser der Lobau ist wärmer als gedacht und fühlt sich gut an. Zurück am Ufer, legen wir uns tropfend auf unsere Handtücher.

In unmittelbarer Nähe lässt sich ein Mann nieder, gefühlt ein bisschen nah, aber gerade nicht so nah, als dass wir ihn bitten, sich einen anderen Platz zu suchen. Schon zieht er sich nackt aus und präsentiert sich breitbeinig.

Wir üben uns darin, ihm so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken. Doch ich spüre, wie unser zuvor offenes, unbeschwertes Gespräch kippt, unsere Stimmen leiser werden, wie allmählich und unweigerlich ein Unwohlsein in uns aufsteigt, das sich genauso wenig ignorieren lässt wie der breitbeinige Typ neben uns.

„Jetzt kriegt er auch noch eine Erektion‘‘, bemerkt Lilith augenrollend und beschließt: „Komm, wir gehen!“ Sie springt auf und packt hastig ihre Sachen zusammen. Ich winde mich, in ein Handtuch gewickelt, aus meinem Badeanzug. Auch die Sonnenanbeterin hat er in die Flucht geschlagen.

„Unnötig!“, ruft Lilith in seine Richtung.
„Ein bisschen Spaß muss sein“, antwortet er.
In Windeseile hat sich mein Unwohlsein in eine bebende Wut verwandelt. Ich zittere, während ich auf einem Bein balancierend in meine Sandale schlüpfe.
„Wir sind nicht hier, damit Sie sich an uns aufgeilen!“, schreie ich ihn an. „Mein Körper gehört mir!“ Ich bin überrascht, dass mir dieser Spruch so spontan über die Lippen kommt.

Wir sitzen im Auto, atmen durch. In zwanzig Minuten müssen wir zurück in der Stadt sein, die Polizei zu rufen, geht sich nicht aus, außerdem hätten wir ihn filmen oder zumindest fotografieren müssen. Nacktbaden ist hier ja kein Strafdelikt. Nachdem ich vor ein paar Jahren am Wienerberg ähnliche Erfahrungen gemacht habe, gehe ich nicht mehr alleine baden.

Auf dem Rückweg erzählt mir Lilith von einem Vorfall sexueller Belästigung, den sie zur Anzeige gebracht hat. In einer fast leeren S-Bahn hat sich ein Typ einen runtergeholt. Als sie ihn ein paar Wochen später bei der Polizei aus einem Stapel dutzender Fotos identifiziert, sagt die Polizistin: „Ach der! Der tut nix!“

Ein bisschen Spaß darf also offenbar wirklich sein. Ich finde es allerdings gar nicht lustig, dass drei Frauen ihr erstes Badevergnügen des Jahres abbrechen müssen, weil das ein Mann spaßig findet. Noch weniger Verständnis habe ich dafür, dass die Polizei sexualisierte Gewalt, die von dem Spanner oder einem übergriffigen Typen in der S-Bahn ausgeht, als harmlose Bagatelle abtut.

Das nächste Mal, so beschließen wir auf der Heimfahrt, werden wir jeden Spanner sofort in seine Schranken weisen, sobald er uns nur einen Zentimeter zu nah kommt. I will grab him by his Spatzi. Ein bisschen Spaß muss sein. •

Laura Kroth arbeitet als Organisationsentwicklerin bei einer großen sozialen Trägerin, hat ein Kind und ist alleinerziehend. Eigentlich will sie die Revolution, ein Care-Streik scheint ihr dazu ein legitimes Mittel.

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Alt werden, wie geht das? https://ansch.4lima.de/alt-werden-wie-geht-das/ https://ansch.4lima.de/alt-werden-wie-geht-das/#respond Fri, 23 Jun 2023 05:51:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=110374 Illustration: Sabrina WegererZum Thema Alter fallen mir immer wieder dieselben Sätze ein. Nervige Binsenweisheiten, aber sie bleiben hängen.„Altern ist nichts für Feiglinge“ soll uns darauf vorbereiten, dass es richtig hart werden könnte. Wir wissen zwar, dass wir alle irgendwann alt werden, trotzdem können wir es nicht so richtig glauben. Dass es tatsächlich auch uns selbst passieren wird. […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Zum Thema Alter fallen mir immer wieder dieselben Sätze ein. Nervige Binsenweisheiten, aber sie bleiben hängen.
„Altern ist nichts für Feiglinge“ soll uns darauf vorbereiten, dass es richtig hart werden könnte. Wir wissen zwar, dass wir alle irgendwann alt werden, trotzdem können wir es nicht so richtig glauben. Dass es tatsächlich auch uns selbst passieren wird.

Aber dann: Die Zeit verfliegt und plötzlich ist es auch für dich so weit. Das Ringen um die innere Akzeptanz von Lesebrille, Knieschmerzen, Arthrose, Haarausfall und Mundwinkelfalten beginnt. Da musst du durch. Eben, nichts für Feiglinge.
Der Spruch vom „Altern in Würde“ ist auch nicht ohne. Er lässt mich mit der vagen Vorstellung zurück, dass altern durchaus in Ordnung ist, also sein könnte.
Sofern wir uns altersgerecht verhalten. Und nicht mehr verlangen, nicht mehr fordern, nicht mehr wünschen und begehren als den Alten – und im Besonderen den alten Frauen – zugestanden wird.

Eine befreundete Schriftstellerin sagte mal: „Für Frauen gibt es kein Altern in Würde. Du kannst es nur falsch machen. Punkt.“
Klingt hart. Aber mit dem Verlust jugendlicher Attraktivität setzt automatisch die gesellschaftliche Abwertung älterer Frauen ein. Der hübsche Ausdruck Fuckability bringt es recht klar auf den Punkt. But don’t panic! Das heißt keinesfalls, dass niemand mehr mit euch ins Bett möchte. Es handelt sich eher um eine Art Platzverweis. Damit die alten Weiber nicht zu selbstbewusst werden.
Das offizielle künftige Rollenangebot hat Oma, Ehrenamt und Fürsorge für die noch älteren Eltern oder den Ehemann im Programm. Und sich mit allen Mitteln fit, gesund und in Form halten. Dem System nicht auf der Tasche liegen. Nicht sonderlich glamourös.

Es sei denn, du hast genug Geld. Es ist viel einfacher, in Würde zu altern, wenn du über ausreichend Kohle verfügst. Geld ist wirtschaftliche Macht und Menschen mit Macht werden respektiert und besser behandelt – egal wie sie aussehen.
Wie hoch ist noch mal die durchschnittliche Frauenpension in Österreich?
Gabi Schweiger setzt sich in ihren feministischen Dokumentarfilmen mit Rollenbildern, diversen Lebensrealitäten, Vulva, Penis und toxischer Männlichkeit auseinander.

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Die Wut in die Welt https://ansch.4lima.de/die-wut-in-die-welt/ https://ansch.4lima.de/die-wut-in-die-welt/#respond Fri, 26 May 2023 15:16:08 +0000 https://anschlaege.at/?p=109804 Golnar Shahyar verbindet verschiedenste Traditionen zwischen Jazz, Kammermusik, Pop, nordwest-afrikanischer Folklore und Mikroton-Musik – und ist Aktivistin für die feministische Revolution im Iran. Von Sonja Eismann „Bitte sagt meiner Mutter, dass sie keine Tochter mehr hat“ ist eine der Parolen der feministischen Revolution im Iran. Protestierende rufen sie immer wieder, um daran zu erinnern, dass […]]]>

Golnar Shahyar verbindet verschiedenste Traditionen zwischen Jazz, Kammermusik, Pop, nordwest-afrikanischer Folklore und Mikroton-Musik – und ist Aktivistin für die feministische Revolution im Iran. Von Sonja Eismann

„Bitte sagt meiner Mutter, dass sie keine Tochter mehr hat“ ist eine der Parolen der feministischen Revolution im Iran. Protestierende rufen sie immer wieder, um daran zu erinnern, dass die Angst vor den Kanonen, Panzern und Gewehren des Regimes jetzt keine Macht mehr über sie hat. Dass sie sogar ihr eigenes Leben riskieren, um für die Freiheit anderer zu kämpfen. Die Musikerin Golnar Shahyar hat diese Zeilen in einen Song gegossen. Es ist ein Song, den alle, die ihn jemals gehört haben, schwerlich wieder vergessen werden. In einer Live-Aufnahme aus dem Jazzclub Porgy & Bess in Wien, wo die 1985 in Teheran geborene Multi-Instrumentalistin und Sängerin seit 2008 lebt, sieht man Golnar am Flügel sitzen. Sie beginnt, auf Farsi, mit der ruhigen Aufforderung, das Recht auf Zärtlichkeit, auf das Küssen zurückzuerobern – um sich dann immer lauter, immer leidenschaftlicher bis zu der revolutionären Vision zu steigern, dass der Iran von all den protestierenden Mädchen und Jungen, von den Müttern und Vätern von Baluchistan bis Kurdistan zurückerobert werden wird. Und wie sie da singt, mit erhobenem Kopf und von Schmerz und Hoffnung gleichzeitig gezeichnetem Gesicht, scheint sie wirklich mit der Kraft der Stimmen aller Demonstrierenden gemeinsam zu singen, ihre Wut in die gesamte Welt zu tragen. Als könnte sie mit der Intensität ihres Gesangs die Wände des Gefängnisses, in das sich der Iran verwandelt hat, zum Einsturz bringen.

Auch im Interview ist Shahyar, die bis zu ihrem 17. Lebensjahr in Teheran lebte und dann nach einigen Jahren in Kanada mit 23 zum Musikstudium nach Wien kam, deutlich anzumerken, wie sehr allein das Sprechen über dieses Lied sie bewegt. Denn neben ihrer unfassbar umtriebigen Tätigkeit als Musikerin – sie ist neben ihrer Solokarriere in mehreren Bands wie Choub und Gabbeh aktiv und hat schon an prestigereichen Orten wie der Royal Festival Hall oder dem Wiener Musikverein performt – sieht sie sich immer auch als Aktivistin, die mit ihrer Kunst den Anliegen von Marginalisierten eine Stimme geben will. Das hat sicherlich auch mit ihrer eigenen Geschichte zu tun, denn an eine Karriere als Sängerin war im Iran, wo Frauen das öffentliche Singen verboten ist, nicht zu denken. „Ich komme aus einer iranischen Mittelklassefamilie, wo es damals ganz normal war, die Töchter Musikinstrumente lernen zu lassen. Ich habe mich für Klavier, meine Schwester für Geige entschieden, wir waren auch in einer Orff-Gruppe. Ich hatte schon immer diese tiefe Sehnsucht danach zu singen, aber diese Vision war für mich im Iran unmöglich. Ich halte Singen nach wie vor für einen inhärent politischen Akt, und für mich sind Kunst und Politik ohnehin nie zu trennen. Natürlich braucht es für konkreten politischen Aktivismus noch ein anderes Level von Engagement. Für mich war das durch meine Familiengeschichte gegeben, wo immer schon viel politisch diskutiert und analysiert wurde. Die Folgen der islamischen Revolution haben meine Familie von Grund auf erschüttert und wir haben einige Mitglieder verloren“, erzählt Shahyar im an.schläge-Gespräch.

Ihr Leben auf drei Kontinenten, ihr stetes Unterwegssein hat nicht nur den vielfältigen musikalischen Stil der Komponistin und Performerin geprägt, es ist der Motor für ihr Schaffen. Denn Musik ist für sie immer Sprache, und all die verschiedenen Einflüsse, von denen sie nach eigener Aussage nie genug bekommen kann, erweitern kontinuierlich ihr Vokabular. Kein Wunder, dass Shahyars Musik in kein vorgefertigtes Genre passt und dadurch vollkommen einzigartig wirkt: Sie ist genauso vom klassischen europäischen Kanon und seiner Kammermusik geprägt wie von Musiken aus dem nordwestlichen Afrika, von alten iranischen Revolutionsliedern wie von Folklore und MTV, von Jazzimprovisation ebenso wie von mikrotonaler oder elektronischer Musik. Die Energie, die aus ihren Kompositionen sprudelt, setzt sich auch in ihrem Leben fort. Entsprechend energisch fordert sie auch, dass die weltweite Unterstützung für die feministische Revolution im Iran auf keinen Fall abreißen darf: „Wir im Westen müssen unser Bewusstsein und unsere Augen für diesen völlig neuen Feminismus aus dem Iran öffnen. Denn er ist auf ganz neue Weise intersektional und dabei auch auf fürsorgliche Weise mütterlich – wir alle können davon lernen.“ •

Sonja Eismann lebt als Mitherausgeberin des „Missy Magazine“ in Berlin und ist immer noch überwältigt von Golnar Shahyars Power – und von der iranischen feministischen Revolution, für die weltweit erstmalig alle Genders gemeinsam kämpfen.

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„Die Frauen kommen! Die Frauen!“ https://ansch.4lima.de/die-frauen-kommen-die-frauen/ Mon, 05 Dec 2011 10:55:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=208 Der Internationale Frauentag wird hundert. Und blickt auf eine aufregende Geschichte zurück. Von GABI HORAK und LEA SUSEMICHEL

„Eine neue, ungewohnte Erscheinung. Frauen ziehen hinter roten Fahnen her! Ernst und schweigsam. Der ganze Zug atmet die Würde des Augenblicks. Dieser große, gewaltige Zug und doch erst im Anfang – ein Anfang freilich von eindrucksvoller Größe. Tausende, viele Tausende sind es, die im Sonnenglanz des warmen Vorfrühlingstages dahinschreiten (…). ‚Die Frauen kommen!‘ Man sagte nicht: ‚Die Demonstration kommt!‘, nicht: ‚Der Zug ist da!‘ Nein, man raunte sich nur zu: ‚Die Frauen kommen! Die Frauen!‘“

So steht es am 20. März 1911 in der österreichischen „Arbeiter-Zeitung“. Am Tag zuvor, dem 19. März 1911, wurde in einigen europäischen Ländern und den USA erstmals der Internationale Frauentag begangen. Auch in Wien zogen 20.000 Menschen den Ring entlang bis zum Rathausplatz. Es waren großteils Arbeiterinnen, die sich zu diesem Aufsehen erregenden Aufmarsch zusammengeschlossen hatten, um für die politische Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf die Straße zu gehen.

Das Datum jährt sich heuer zum hundertsten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums wieder die Massen zu mobilisieren, das hat sich die „Plattform 20.000 Frauen“ zum Ziel gesetzt. Sie ruft Frauen* und feministische Initiativen zu einer breiten Allianz und gemeinsamen Demonstration auf, „ohne Differenzen und Vielfalt zu leugnen“. „AUS. Aktion.Umsetzung.Sofort“ nennt sich die Aktion, die auf ihrer Homepage außerdem aktuelle Forderungen von Feminist_innen und Frauenorganisationen sammelt und veröffentlicht.(1) Denn auch wenn das zentrale Anliegen von 1911 – „Heraus mit dem Frauenwahlrecht!“ – inzwischen erfüllt ist, andere Forderungen sind es bis heute nicht: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ etwa war schon vor 100 Jahren auf den Plakaten zu lesen.

Politik der Geschichtsschreibung. Manche Slogans hätten sich überhaupt nicht geändert, bestätigt auch die Historikerin Johanna Zechner, die gemeinsam mit Heidi Niederkofler und Maria Mesner ein Forschungsprojekt des Wiener Kreisky-Archivs zum Frauentag in Österreich durchgeführt hat. Eine wichtige Motivation für den Start des Projekts vor drei Jahren war, dass „es bisher ganz wenig Wissenschaftliches zum Frauentag gibt, sowohl in Österreich als auch international. Es gibt sehr wenige Publikationen“, so Heidi Niederkofler. Das Forschungsinteresse: „Den Frauentag als Institution zu erforschen, seine Veränderungen und seine Akteurinnen. Was waren die wichtigen Themen, wie wurde er gefeiert und warum?“
Eine erste wesentliche Frage dabei ist wohl: Feiern wir 2011 wirklich 100 Jahre Frauentag? Und wieso wurde der feministische Feiertag schlussendlich auf den 8. März gelegt? „Wir stützen uns auf die Jahreszahl 1911, sagen aber gleichzeitig, dass sie umstritten ist“, erklärt Niederkofler. Weshalb sie strittig ist, ist auch Thema der Publikation zum Forschungsprojekt, die pünktlich zum diesjährigen Frauentag erscheinen wird und einen Betrag leisten soll, die Forschungslücke zu schließen. In der Einleitung heißt es: „Es gibt kaum einen Zeitungsartikel zum Frauentag oder eine Fernsehsendung, die nicht seine Gründung im Jahr 1911 erwähnen. Wie darauf Bezug genommen wird, sagt wiederum viel über die politische Position derer aus, die da sprechen: Berufen sie sich auf die Sozialdemokratin, die Kommunistin oder die Feministin Clara Zetkin als Initiatorin des Frauentags? Wird sie als alt-ehrwürdige oder als junge Frau dargestellt? Soll der Textilarbeiterinnenstreik, an den mit dem Frauentag angeknüpft wurde, in St. Petersburg oder in New York stattgefunden haben? Wird das Datum des 8. März mit den kommunistischen Frauen verknüpft oder mit der UNO? (…) Anlässlich des Frauentags wird also oft die Geschichte angerufen. Wie das geschieht, sagt viel über die jeweilige Gegenwart.“(2)

Ursprungsmythen. Der 19. März 1911 war zweifellos ein wichtiges Datum: An diesem Tag wurde erstmals gemeinsam in vielen europäischen Ländern der Frauentag als politische Veranstaltung begangen, und nicht nur in Wien gingen tausende Frauen und Männer auf die Straße. Allerdings wurde in Österreich schon 1893 der erste „Frauentag“ gefeiert, getragen von bürgerlich-liberalen Frauen. Um 1900 wurden oft „Frauentage“ veranstaltet, wenn auch nicht mit der politischen Bedeutung, die diese heute haben – die Bezeichnung umfasste alles vom „Hausfrauen-Frauentag“ bis zum „katholischen Frauentag“. „Es war einfach eine gängige Bezeichnung für Veranstaltungen für Frauen“, erläutert Heidi Niederkofler.

International gibt es noch weitere Ursprungsmythen wie etwa den 8. März 1857, als in New York eine spontane Demo von Textilarbeiterinnen gegen niedrige Löhne und Ausbeutung von der Polizei blutig niedergeschlagen worden sein soll. Gesichert ist, dass der 19. März 1911 auf Initiative von Clara Zetkin entstand, die auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vorschlug. Doch in der Zeit des starken Antikommunismus in den 1950er Jahren berief man sich beispielsweise weit lieber auf den erwähnten Textilarbeiterinnenstreik in den USA. 1921 legten die Kommunistinnen bei ihrer internationalen Frauenkonferenz den 8. März als ihren Frauentag fest. Schließlich erklärten die Vereinten Nationen 1977 den 8. März zum Internationalen Frauentag. So war es nun auch den bürgerlichen Frauen in Österreich möglich, den Frauentag zu begehen, „weil er nicht mehr im kommunistischen, sozialistischen Eck war, sondern von der UNO abgesegnet“, berichtet Heidi Niederkofler. Auch für die autonome Frauenbewegung war diese Festlegung von großer Bedeutung, weil der Frauentag damit endgültig von jeglicher parteipolitischen Vereinnahmung befreit war.

FACTBOX: Kunst zum 8.3.

Einen Monat lang wird entlang der Route der ersten Frauentagsdemonstration täglich demonstriert. Auf einer Straßenbahn-Garnitur der Linie 2 werden Fotografien der Künstlerin Lisl Ponger zu sehen sein, die inszenierte Demonstrationsszenen zeigen. In der Arbeit „Repair Democracy. Ein Demonstrationszug zu 100 Jahre Frauentag“ sind es nun aber vor allem Migrant_innen, die noch offene Forderungen haben.

Pongers Beitrag ist einer von insgesamt drei künstlerischen Projekten, die parallel zur Ausstellung im Wiener Volkskundemuseum realisiert werden und auch in den öffentlichen Raum und auf die Straße vordringen sollen. Stefanie Seibold entwirft eine Gratiszeitung, die Bildmaterial der Ausstellung enthält und am 8. März in einer Auflage von 100.000 Stück verteilt wird.

Magda Tóthová hat mit einer Schulklasse ein Jahr lang zu den Themen Feminismus und Frauenbewegung gearbeitet. Ein Film zeigt die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen, zur Ausstellungseröffnung gibt es außerdem eine Performance mit den Schüler_innen. (les)

Ausstellung:
4.3.–30.6., „FESTE. KÄMPFE. 100 Jahre Frauentag“, Eröffnung 3.3., 18.00, Österreichisches Museum für Volkskunde, 1080 Wien, Laudongasse 15–19,
Di-So, 10-17.00, Mo geschlossen außer an Feiertagen, www.volkskundemuseum.at. Führungen mit den Kuratorinnen: 6.3., 15.00; 8.3., 16.00; 20.3., 15.00.

Buchpräsentation:
18.3., 18.00, „Frauentag! Erfindung und Karriere einer Tradition“ von Heidi Niederkofler, Maria Mesner, Johanna Zechner (Hg. innen), Österreichisches Museum für Volkskunde, 1080 Wien, Laudongasse 15–19, www.volkskundemuseum.at

Demos:
8.3., Treffpunkt 14.00 Europaplatz, Innere Mariahilferstraße/Ecke Gürtel
19.3., AUS! Aktion. Umsetzung. Sofort. Demonstration für Frauenrechte am Wiener Ring, Treffpunkt 14.00 Schwarzenbergplatz, Abschlusskundgebung 16.00 Parlament, http://zwanzigtausendfrauen.at

Frauentage in Österreich. Seit der Großdemonstration am 19.3.1911 war es in Österreich Tradition, dass Sozialdemokratinnen und bürgerlich-liberale Frauen (und Männer) gemeinsam den Frauentag begingen. Die zentrale Forderung war das Frauenwahlrecht, seine Einführung im Jahr 1918 führte allerdings auch zur ersten großen Lücke in der Geschichte der Frauentage in Österreich. Erst im Laufe der Zwischenkriegszeit wurde die politische Arbeit auf der Straße wieder aufgenommen – mit neuen Forderungen wie etwa jener nach sozialer Absicherung in allen Lebensbereichen oder der Abwehr faschistischer Tendenzen. Von da an gingen auch die Akteurinnen unterschiedliche Wege: Während die Kommunistinnen den 8. März als „ihren“ Frauentag fixiert hatten, feierten die Sozialdemokratinnen jedes Jahr zu einem anderen Termin, irgendwann im ersten Halbjahr. Bald musste die nächste große Hürde genommen werden: der Austrofaschismus und das nationalsozialistische Regime. Von 1933 bis 1945 waren die sozialistische und die kommunistische Partei verboten.
Höchstwahrscheinlich wurde der Frauentag weiter gefeiert, jedoch im Untergrund und nur vereinzelt, wenn sich die Gelegenheit bot. Es gibt schriftliche Erinnerungen an den Frauentag 1939, als kommunistische Spanien-Kämpferinnen in Frankreich im Lager feierten, ebenso wie an den Frauentag 1941, als sich in London Sozialdemokratinnen aus ganz Europa zu einer Feier versammelten, und an den Frauentag 1945 im KZ Ravensbrück.
Nach 1945 wurden die Frauentage rasch wieder aufgenommen, und zu den bestehenden Forderungen kam eine weitere zentrale dazu: Frieden. Die von der größten und (an Ressourcen) stärksten Trägerorganisation SPÖ veranstalteten Frauendemos waren bis in die 1960er Jahre regelrechte Massenveranstaltungen. Zehntausende Frauen und Männer wurden jährlich mobilisiert und mit Bussen aus den übrigen Bundesländern nach Wien gebracht, wo der Frauentag zunächst noch zentral abgehalten wurde. Ähnlich wie am 1. Mai marschierten die Bezirksorganisationen auf, sämtliche Teilnehmer_innen bekamen Abzeichen. Johanna Zechner wundert sich: „Diese Massenveranstaltungen sind aus dem öffentlichen Gedächtnis erstaunlicherweise fast völlig verschwunden.“

Allianzen und Spaltungen. Ab den 1980ern nahm sich die autonome Frauenbewegung des Frauentags an, teilweise wurde gemeinsam mit den Kommunistinnen gefeiert, die ihrerseits auf Bündnisse angewiesen waren. Die Sozialdemokratinnen bewerben weiterhin und zusätzlich ihre eigenen Veranstaltungen – nicht zuletzt, um Mitglieder und WählerInnen zu mobilisieren. Die längste Zeit waren bei den Frauentags-Demos Männer dabei. Erst seit der jüngsten Vergangenheit gilt bei der autonomen Frauendemo die Regel: women only. Rückblickend waren die frühen 1980er die bislang einzige Phase, in der unterschiedlichste Akteur_innen gemeinsam auf die Strasse gingen. Später kam es wieder zu stärkeren Fragmentierungen. Wiederholt gab es Solidarisierungen auch über Parteigrenzen hinweg, daraufhin folgten unweigerlich neue Spaltungen. Innerhalb der autonomen Frauenbewegung etwa entlang der Frage, ob Transgender-Personen oder gar Männer mitdemonstrieren dürfen, oder ob breite Bündnisse auch mit konservativeren Frauenorganisatorinnen gewünscht sind.. Auch diese Teilungen zeichnen die Geschichte des Frauentages aus.
Die ÖVP-Frauen tauchen übrigens erst in den 1990er Jahren als Akteurinnen bei Frauentagen auf, mit vereinzelten Pressekonferenzen und Veranstaltungen. Auch sie wollen auf den „Markt“ rund um den Frauentag nicht verzichten.

„Viel Flachware“. Die konkrete Arbeit für das Forschungsprojekt des Kreisky-Archivs bestand häufig aus mühevoller Recherche: Zeitungen und andere Medien wurden durchforstet, die unterschiedlichsten Organisationen abgeklappert und deren Archive gesichtet. Eine Auswahl des dabei angehäuften Materials wird nun in der Ausstellung „Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag“ zu sehen sein, die im Rahmen des Projekts organisiert wurde. In der Schau im Museum für Volkskunde in Wien werden beispielsweise Frauentagsplakate, die nahezu für den gesamten Zeitraum vorhanden sind, zu einer Timeline arrangiert, die durch das letzte Jahrhundert führt. „Das Material der Parteien besteht hauptsächlich aus Schriftstücken. Es gibt also viel ‚Flachware‘. Die Aussendungen zur Mobilisierung haben aber oft auch grafischen Charakter und sind deshalb gut ausstellbar“, sagt Johanna Zechner.
Prinzipiell war es den Kuratorinnen ein Anliegen, Dokumente der autonomen Frauenbewegung und der Parteien möglichst ausgewogen zu präsentieren, „was aber nicht leicht war, weil die Unterlagen von den Parteien einfach besser – wenn auch ebenfalls nicht lückenlos – archiviert wurden“. Trotzdem kam es immer wieder zu Überraschungen, „wo und wie die Dinge auftauchen. Wir hätten nicht gedacht, dass es oftmals Privatpersonen sind, von denen wir die interessantesten Objekte bekommen“, so Zechner. Neben Flugblättern, Transparenten oder Demoschutzmasken sind das kuriose Artefakte wie etwa „Mehlstäuberinnen“, mit deren Hilfe Männer, die stören wollten, bestäubt und so markiert wurden. Ein T-Shirt, dessen Aufschrift den Ausschluss von Trans-Personen anprangert, findet sich ebenso im Fundus wie eine Frauentags-Petition zur Überwindung der geschlechtlichen Zwangsordnung oder eine lila Strickmütze mit Frauenzeichen, die extra zum feministischen Feiertag angefertigt wurde.

Vor allem von den Sozialdemokrat_innen ist viel Fotomaterial erhalten. So gehören alljährlich angelegte SPÖ-Frauentagsalben mit Bildern, Abzeichen und Eintragungen zu den wenigen „Objekten“, die in der Ausstellung zu sehen sind. Sie vermitteln einen guten Eindruck, welch ungeheuer aufwändige Organisation der Frauentag in seiner Blütezeit erfordert hat. Auch Filme, die zwischen 1947 und 1960 von den Frauentagsaufmärschen gemacht wurden, dokumentieren die Massenveranstaltungen dieser Periode eindrücklich.

Fußnoten:

(1) Siehe auch Kommentarseite „an.sprüche“
(2) Heidi Niederkofler, Maria Mesner, Johanna Zechner (Hg.innen): Frauentag! Erfindung und Karriere einer Tradition, Löcker Verlag 2011 Frauentagsdemonstration am 19. März 1911 in Wien © Kreisky Archiv

Initiationsritus. Heidi Niederkofler hat für die Ausstellung auch einen eigenen Dokumentarfilm produziert, für den sie Zeitzeug_innen und Akteur_innen der österreichischen Frauenbewegung aus unterschiedlichen Kontexten und Generationen interviewt hat. Zwei der darin Porträtierten sind mittlerweile tot: die legendäre österreichische Frauenministerin Johanna Dohnal und die Sozialistin und Antifaschistin Jenny Strasser.

So unterschiedlich der Frauentag im Laufe des letzten Jahrhunderts auch begangen wurde, eines hat sich nicht verändert, er war zu allen Zeiten für viele Feminist_innen ein zentrales Initiationserlebnis, erinnert Niederkofler: „Am Frauentag manifestiert sich ganz konkret Frauenbewegung. Aber der Frauentag war auch immer total aufregend und belebend für ganz viele Frauen – und ist es auch in der Gegenwart.“

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an.sprüche: „As we go marching, marching…“ https://ansch.4lima.de/an-spruche-as-we-go-marching-marching/ Sat, 03 Dec 2011 10:49:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=203 Bianca Tschaikner Feminismus Frauentag Österreich DemonstrationWer darf bei der Jubiläumsdemonstration zum 100. Frauentag mitmarschieren? Kommentare von ULLI WEISH und dem KOLLEKTIV des FrauenLesbenMädchenZentrum. ]]> Bianca Tschaikner Feminismus Frauentag Österreich Demonstration

Der Frauentag wird hundert – auch in Wien wird anlässlich des runden Jubiläums zur Großdemo aufgerufen. Wer dort mitdemonstrieren darf, ist unter Feministinnen allerdings umstritten. Das KOLLEKTIV des Wiener FrauenLesbenMädchenZentrums (FZ) und ULLI WEISH von der Plattform „20.000 Frauen“ erklären, warum.
 

FrauenLesbenMädchenZentrum: Wir haben uns als autonome Feministinnen bei den ersten Treffen an der Vorbereitung zur diesjährigen Frauendemonstration am 19. März beteiligt, weil der 8. März als internationaler Frauenkampftag und das Jubiläum „100 Jahre Frauentag“ Teil unserer Frauenbewegungsgeschichte sind. Wir wollen eine große Frauendemonstration mit vielen Frauen. Darin waren wir uns alle einig. Aber einige in der Vorbereitung begreifen „etablierte Frauenorganisationen“, Parteien, Gewerkschaften und „prominente“ Frauen als Ausdruck von (eigener) gesellschaftlicher „Stärke“ und „Breite“ und sehen eine Frauendemonstration nicht als „wichtige“, „große“ Demo. Wir betrachten es aber als notwendig, uns selbst ernst zu nehmen, die eigenen Kräfte aufzubauen und mit dem gemeinsamen Wunsch nach Veränderung zusammenzukommen – für eine starke feministische Bewegung „von unten“. Wir verstehen eine Frauendemonstration als einen wichtigen Bestandteil einer Selbstorganisierung von Frauen. Dafür braucht es einen kämpferischer Bruch mit dem patriarchalen System und seinen (hetero-) sexistischen Lebensbedingungen. Die autonome Selbstorganisierung von Frauen ist eine wichtige Kraft für Frauenbefreiung – für alle Frauen! Nach der Abstimmung im Vorbereitungsplenum (zehn waren für eine gemischte Demo, sechs für eine Frauendemo, einige haben sich der Stimme enthalten) haben autonome Feministinnen vom FZ die Vorbereitungsgruppe verlassen. Am 8. März 2011 wird es eine FrauenLesben-Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag geben; nicht weil es „in den letzten Jahren immer schon so war“, sondern weil uns die Selbstorganisierung wichtig ist und weil wir wollen, dass am 8.3. feministische Aktionen regional – mit internationaler Verbundenheit – stattfinden. Über die Beteiligung an der bundesweiten Demonstration am 19.3. mit einem Frauenblock und Aktionen diskutieren wir weiter. Es lebe der internationale Frauenbefreiungskampf!

Das FrauenLesbenMädchenZentrum Wien versteht sich als Teil der autonomen FrauenLesbenbewegung.

8. März-Demo: Treffpunkt 14.00 Europaplatz, Innere Mariahilferstraße/Ecke Gürtel, Kontakt: lesbenfrauennachrichten@gmx.at, T. 01/408 50 57

Bianca Tschaikner  Feminismus Frauentag Österreich Demonstration
Illustration: Bianca Tschaikner

 

Ulli Weish: Die 8. März-Demos sind Frauendemos, und das finde ich auch – fast – völlig richtig. In der Demonstrationspraxis jedoch stellen sich alte Fragen immer wieder neu: Ist Solidarität ausschließlich von persönlicher Betroffenheit getragen? Wenn Frausein allein das Kriterium für Solidarisierung ist, dann können wir die Gender- und Queer-Diskurse kübeln, uns häuslich auf die biologischen Geschlechterzugehörigkeiten zurückziehen und Dichotomien beklatschen – doch genau dagegen sind wir doch angetreten, oder? Am 19.3.1911 fand in Wien die erste Großdemonstration für Frauenrechte am Ring statt, 20.000 Menschen gingen damals auf die Straße, vorwiegend Frauen, aber auch einige männliche Gewerkschafter, Liberale und Linke. Am 19. März 2011 hat die Initiative AUS! das Ziel, wieder 20.000 Menschen für Frauenrechte auf die Straße zu bringen, die mit dem aktuellen Stillstand im Land in Fragen der Geschlechterdemokratie nicht einverstanden sind. Uns geht es um maximale Sichtbarkeit an einem Tag, der ein symbolischer Auftakt einer sich wieder formierenden feministischen Bewegung wird, die sich hörbar einmischt, öffentliche Räume besetzt, Themen bestimmt, radikale Forderungen stellt und in wechselseitiger Unterstützung Kooperationen schmiedet – u.a. mit der Frauenministerin wie es Johanna Dohnal vorgeführt hat und dabei einen Demokratisierungsschub erreichen konnte, von dem wir heute alle noch immer profitieren. Heute geht es vor allem um eine dringliche wirtschaftspolitische Einmischung, eine Repräsentationserneuerung und eine nicht müde werdende Infragestellung der Arbeits- und Lohnverhältnisse. Es geht um eine Fundamentalkritik an der völligen Kommerzialisierung des (vorwiegend) weiblichen Körpers und an den krassen Differenzen, die sich zwischen Herkunft, Klasse und Ethnizität in einer neoliberalen Ära tief eingegraben haben. All das klingt vertraut, nichts ist neu, unzählige Forderungen sind seit 100 Jahren und mehr auf dem Tisch. Deshalb: AUS. Aktion Umsetzung. Sofort! Frauen, meldet Euch! Frauen, beteiligt Euch! Frauen, bewegt!

Ulli Weish, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin, Moderatorin, Universitätslektorin, ist im Vernetzungsteam der Plattform „20.000 Frauen“ aktiv.

AUS! Aktion. Umsetzung. Sofort. Demonstration für Frauenrechte.
19.3., ab 14.00, Treffpunkt Schwarzenbergplatz, Abschlusskundgebung, 16.00 Parlament.
www.plattform20000frauen.at

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