Kommentare zu: Diagnose: Zu unauffällig https://ansch.4lima.de/diagnose-zu-unauffaellig/ Thu, 24 Jun 2021 18:30:11 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Mike https://ansch.4lima.de/diagnose-zu-unauffaellig/#comment-73771 Thu, 24 Jun 2021 18:30:11 +0000 https://anschlaege.at/?p=40520#comment-73771 Als Antwort auf Matty.

Das Wort Behinderung ist eine neutrale Beschreibung eines Zustands oder einer Situation. Alles Negative wird von uns Menschen dazugegeben. Deshalb liegt es an jenen, die einen Behinderten abwerten, auf dessen Augenhöhe zu begegnen. Und zwar nicht, sich auf Augenhöhe herabzulassen, sondern den abgewerteten Menschen wieder auf Augehhöhe aufzuwerten. Sonst ist keine konstruktive Begegnung möglich.

Autismus behindert einem bei Tätigkeiten, die NTs problemlos erledigen können.
Negativ wird es dann, wenn ein Autist durch Spott, Zynismus oder gar tätliche Über- oder Angriffe abgewertet wird. Würde einfach akzeptiert, dass es Menschen gibt, die anders sind, gewisse Fähigkeiten nicht haben, Dinge anders wahrnehmen oder anders reagieren (müssen), wäre dieses Wort das, was es ist: eine Zustandsbeschreibung. Und ein Hinweis, bewusst rücksichtsvoll und tolerant zu sein, mehr zu unterstützen oder zusätzliche Hilfe anzubieten. Das betrifft übrigens alle Menschen mit Behinderungen, also physisch oder psychisch.

Zudem gäbe einem diese Einstufung das Recht, zusätzliche Unterstützung anzufordern oder von bestehenden Angeboten zu profitieren, die Nichtbehinderte nicht erhalten. Man darf diese Rechte brauchen, muss aber nicht. Auch hier liegt es beim Mensch gegenüber, der behinderten Person auf Augenhöhe zu begegnen und nicht herabzuwürdigen.

Der „Zustand“ von nichtbehindert zu behindert verändert sich logischerweise in dem Augenblick, wenn offiziell anerkannt wird, dass sich dieser Mensch schon länger in diesem Zustand befand. Der Weg dorthin ist immer mit Demütigungen, Verletzungen und Diskriminierungen gepflastert, und das Selbstwertgefühl wird massiv heruntergedrückt. Ja, „neuen Status in der Gesellschaft“ grenzt ab. Beschreibt ein Anderssein. Man muss dies jedoch nicht kommunizieren und sich Ablehnungen aussetzen. Man darf es sagen. Zwischendurch bekommt man wirklich auch echtes Verständnis und Unterstützung.

Bis hierhin kann jeder behinderte und nichtbehinderte Mensch etwas unternehmen, um dem Gegenüber mit Respekt und Würde zu begegnen. Seine eigene Einstellung zu Behinderung ändern. Das ist sehr schwer. Besonders für den mit Behinderung.

Leider ist es aber so, wie es Marlies Hübner oben sagt, dass diese Gesellschaft grundsätzlich kein Interesse an Inklusion hat:
„Die Gesellschaft hat ein Interesse an Ungleichheit, an Ungerechtigkeit.“
Das ist aber ein anderes Thema.

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Von: Anja https://ansch.4lima.de/diagnose-zu-unauffaellig/#comment-72298 Tue, 08 Jun 2021 06:36:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=40520#comment-72298 Wow, Danke für dieses Interview. Mir sind direkt 2 Sätze unter die Haut gegangen, die ich in Zukunft sicher noch oft zitieren werde: Der Satz mit dem Interesse der finanzstarken Wohlfahrtindustrie – so wahr! Und dass die größte Barriere das Menschenbild der Nichtbehinderten ist.

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Von: Matty https://ansch.4lima.de/diagnose-zu-unauffaellig/#comment-72023 Wed, 02 Jun 2021 10:40:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=40520#comment-72023 Ich verstehe nicht, warum manche Autisten von sich und auch über andere Autisten sagen, sie seien behindert.
Es geht um Augenhöhe, mich als Behinderter, weil Autist, respektvoll zu behandeln?
Ich bin nicht behindert, ich bin Autist. Da fängt es meiner Meinung nach schon an. Als ich meine Diagnose bekam, sagte die Diagnostikerin zu mir, ich hätte nun ein Anrecht auf einen Behindertenausweis. Ach so?! Vor 4h war ich noch nicht behindert, jetzt mit der Diagnose bin ich plötzlich behindert und erhalte einen neuen Status in der Gesellschaft, der mich abgrenzt und ausgrenzt.

Und bevor wir feststellen, dass es mit aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso viele autistische Mädchen wie Jungen gibt und wir aller Wahrscheinlichkeit viel mehr als 1-2 % auf der Welt sind, weil so sehr viele gar nicht diagnostiziert sind und selbst auch nicht wissen, dass sie autistisch sind, sollte man lieber daran arbeiten, dass Kinderärzte, Psychiater/Psychologen, Erzieher und Lehrer im Studium und ihrer Ausbildung lernen, dass es Autismus gibt und was es ist und was es eben nicht ist.
Die Realität ist, das kaum einer Bescheid weiß. Und wenn keiner Bescheid weiß, kann auch keiner diagnostizieren. Es gibt Falschdiagnosen und Falschinterpretationen. Besonders bei den Mädchen und Frauen. Aber auch bei den Jungs/Männern.

Ich Autistin

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