queerverweis – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sat, 29 Jun 2024 13:45:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png queerverweis – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Vulva Riot https://ansch.4lima.de/vulva-riot/ https://ansch.4lima.de/vulva-riot/#respond Tue, 18 Jun 2024 10:19:44 +0000 https://anschlaege.at/?p=118770 Meine Vulva brennt mal wieder. Sie juckt auch und ohne Wundsalbe kann ich weder pinkeln, ohne vor Schmerz zusammenzuzucken, noch eine Unterhose tragen. Jede Berührung ist eine zu viel. Ich weiß, was mein Gynäkologe dazu sagen wird: Candidose (also Scheidenpilz). Oder bakterielle Vaginose (also eine bakterielle Infektion). Oder überhaupt am besten: Vulvovaginale Candidose. In dem […]]]>

Meine Vulva brennt mal wieder. Sie juckt auch und ohne Wundsalbe kann ich weder pinkeln, ohne vor Schmerz zusammenzuzucken, noch eine Unterhose tragen. Jede Berührung ist eine zu viel. Ich weiß, was mein Gynäkologe dazu sagen wird: Candidose (also Scheidenpilz). Oder bakterielle Vaginose (also eine bakterielle Infektion). Oder überhaupt am besten: Vulvovaginale Candidose. In dem Fall feiern die Bakterien und Pilze eine fette Party miteinander und es tut einfach scheiße weh. Ich leide bereits seit Jahren unter diesen chronischen vaginalen Entzündungen. Es hat Jahre gedauert, bis ich überhaupt herausgefunden habe, dass diese Erkrankungen chronisch sein können und dass meine Symptomatik gar nicht so selten vorkommt. Meine Verzweiflung hat mich zu einem Privat-Gynäkologen geführt, der „Spezialist“ auf diesem Gebiet ist. Tatsächlich hat mir seine Langzeittherapie besser geholfen als all die Cremes und Mittelchen zuvor – aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Anstatt alle zwei Monate habe ich jetzt nur noch jedes halbe Jahr Beschwerden. Besagter Gynäkologe bekommt von mir allerdings auch für jede Ordination beinahe 200 Euro. Ich kann auch gar nicht mehr zählen, wie viel Geld ich bereits für Probiotika ausgegeben habe, um nach all den hochdosierten Antimykotika und Antibiotika meine Flora wieder einigermaßen aufzubauen. Mittlerweile habe ich die Nase gestrichen voll von der androzentrischen Medizin, die es nicht für wichtig genug erachtet, mehr Ressourcen in die Forschung zu stecken und ganzheitliche, sinnvolle Lösungen für „frauenspezifische“ Probleme zu finden. Denn zusätzlich zu den Kosten nervt auch die Abgabe der Verantwortung an die betroffenen Personen: Hätte ich nicht mal wieder zu viele wechselnde Sexpartner*innen gehabt, wäre meine Flora vielleicht in Ordnung. Hätte ich nicht vergessen, meine Unterhosen immer mit neunzig Grad zu waschen, keinen Zucker zu essen, nie zu rauchen, keinen Kaffee und keinen Alkohol zu trinken und niemals in die Sauna oder einen Pool zu gehen, wäre meine Flora vielleicht ebenfalls in Ordnung. Ich will aber auch noch leben. Gebt mir eine Alternative!

Sophia Foux träumt von kompetenten, kassen– finanzierten, verständnisvollen und sexpositiven Gynäkolog*innen und ist mehr als offen für Empfehlungen.

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Dreißig werden https://ansch.4lima.de/dreissig-werden/ https://ansch.4lima.de/dreissig-werden/#respond Fri, 26 Apr 2024 01:27:31 +0000 https://anschlaege.at/?p=117575 Illustration: Sabrina WegererIn ein paar Wochen werde ich dreißig. Ich freue mich darauf, den Zweier gegen einen Dreier zu tauschen. Dreißig fühlt sich so stimmig an, irgendwie genau nach dem Ort, an dem ich in meinem Leben gerade sein möchte. Ich fühle mich angekommen. Dabei bin ich, wenn Maßstäbe aus der Mainstream- Hetero-Welt angewendet werden, sehr weit […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

In ein paar Wochen werde ich dreißig. Ich freue mich darauf, den Zweier gegen einen Dreier zu tauschen. Dreißig fühlt sich so stimmig an, irgendwie genau nach dem Ort, an dem ich in meinem Leben gerade sein möchte. Ich fühle mich angekommen.

Dabei bin ich, wenn Maßstäbe aus der Mainstream- Hetero-Welt angewendet werden, sehr weit entfernt von einem gelungenen Lebensentwurf: Ich befinde mich nicht in einer zumindest eheähnlichen Partner*innenschaft. Ich wohne in einer WG mit fünf anderen Personen, mit keiner dieser Personen befinde ich mich in einer romantischen Beziehung. Ich kämpfe seit Jahren mit meiner immer noch unfertigen Dissertation, die Uni-Karriere habe ich an den Nagel gehängt. Momentan bin ich arbeitslos und beziehe Sozialleistungen. Das Teuerste, das ich besitze, ist wahrscheinlich die Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt, in der ich lebe. Ich mache seit Jahren einmal die Woche Therapie, um mich selbst zu bewältigen. Ich gehe immer noch manchmal bis sechs Uhr morgens tanzen.

Wenn ich allerdings meine eigenen Standards der kleinen queeren Welt, die ich mir im letzten Jahrzehnt aufgebaut habe, ansetze, sieht die Situation ganz anders aus: Meine Wahlfamilie ist groß und liebevoll. Wir haben gemeinsam Kinderpläne und ich bin mir sicher, dass wir auch im Alter noch füreinander sorgen werden, ganz egal, in welchem sozialen sowie rechtlichen Absicherungsverhältnis wir zueinander stehen. Es gibt wunderbare Menschen in meinem Leben, mit denen
ich Intimität und Sexualität in den unterschiedlichsten Formen teilen kann. Ich bin verliebt: in Personen, in die Stadt, in der ich lebe, in die queerfeministischen Theorietexte, die ich für meine Dissertation lese. Ich freue mich jeden Abend, nach Hause zu kommen und mit meiner WG die Erlebnisse des Alltags zu teilen. Die Pause zwischen meiner ehemaligen und einer neuen Lohnarbeit gibt mir die Möglichkeit, mich selbst wieder zu spüren und mir zu überlegen, wo ich jobtechnisch eigentlich hinwill. Ich hatte noch nie so eine zärtliche und wohlwollende Beziehung zu mir selbst. Ich gehe immer noch manchmal bis sechs Uhr morgens tanzen.

SOPHIA FOUX liebt das queere Leben und all die zauberhaften Menschen darin – und das sogar jedes Jahr mehr.

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Ohnmacht und Staatsmacht https://ansch.4lima.de/ohnmacht-und-staatsmacht/ https://ansch.4lima.de/ohnmacht-und-staatsmacht/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:47:39 +0000 https://anschlaege.at/?p=112740 Illustration: Sabrina WegererWährend meines Studiums habe ich sehr viel Foucault gelesen. Der französische Philosoph ist bekannt für seine Analysen von Macht. Seither kann auch ich nicht mehr durch die Welt gehen, ohne überall selbst feinste Machtverhältnisse zu sehen und zu analysieren, wo denn hier die Handlungsmacht des Individuums beginnt und wo sie aufhört. Welche Subjektpositionen vom Staat […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Während meines Studiums habe ich sehr viel Foucault gelesen. Der französische Philosoph ist bekannt für seine Analysen von Macht. Seither kann auch ich nicht mehr durch die Welt gehen, ohne überall selbst feinste Machtverhältnisse zu sehen und zu analysieren, wo denn hier die Handlungsmacht des Individuums beginnt und wo sie aufhört. Welche Subjektpositionen vom Staat – um mit Foucault zu sprechen – wie genau regiert werden.

Als queere Person spüre ich dieses „regiert werden“ schon lange sehr deutlich. Es sind die kleinen Momente, die ein bisschen stechen und piksen, immer wenn ich realisiere, dass ich gerade aus der Norm falle. Ich habe sie bisher meist in kleinen Dosen gespürt, diese Macht der Normen, zum Beispiel durch seltsame Blicke auf der Straße, Misgendering oder Nicht-Repräsentation in Filmen und Büchern. Doch das hat sich schlagartig geändert, als eine Freundin und ich Anfang des Jahres gemeinsam beschlossen haben, Pflegeeltern zu werden. Noch nie zuvor hatte ich so stark wahrgenommen, wie krass dieser Staat über mein Leben bestimmen kann. Es ist nämlich nicht verboten, als platonische Freund*innen ein Pflegekind aufzunehmen, aber es ist – hier sind sie wieder, die Normen – doch irgendwie seltsam. Wir mussten also genau unter die Lupe genommen werden. Wir wurden zu unserer Wohnform befragt, zu unserer Sexualität und Geschichte, warum und woher und wie lange und wie gut wir uns kennen. Stets mit dem kritischen Blick, den mensch auch einem unbekannten Insekt zuwerfen würde, bei dem noch nicht eingeschätzt werden kann, ob es harmlos ist oder nicht.

Wir haben sie über uns ergehen lassen, diese Verhöre und Überprüfungen, die keines der monogamen, romantischen Heteropaare, die sich ebenfalls für eine Pflegeelternschaft interessierten, absolvieren musste. Mehr noch, wir haben versucht, sie möglichst souverän zu bestehen, um nicht noch zusätzliche „Probleme“ zu bereiten. Es hat sich beschissen angefühlt, so autoritätshörig nach diesen Regeln zu spielen – doch was wäre die Alternative gewesen?

Sophia Foux bastelt an ihrer Elternschaft und daran, sich im staatlichen Behördenapparat möglichst viel Handlungsmacht zurück zu erkämpfen.

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Alt werden, wie geht das? https://ansch.4lima.de/alt-werden-wie-geht-das/ https://ansch.4lima.de/alt-werden-wie-geht-das/#respond Fri, 23 Jun 2023 05:51:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=110374 Illustration: Sabrina WegererZum Thema Alter fallen mir immer wieder dieselben Sätze ein. Nervige Binsenweisheiten, aber sie bleiben hängen.„Altern ist nichts für Feiglinge“ soll uns darauf vorbereiten, dass es richtig hart werden könnte. Wir wissen zwar, dass wir alle irgendwann alt werden, trotzdem können wir es nicht so richtig glauben. Dass es tatsächlich auch uns selbst passieren wird. […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Zum Thema Alter fallen mir immer wieder dieselben Sätze ein. Nervige Binsenweisheiten, aber sie bleiben hängen.
„Altern ist nichts für Feiglinge“ soll uns darauf vorbereiten, dass es richtig hart werden könnte. Wir wissen zwar, dass wir alle irgendwann alt werden, trotzdem können wir es nicht so richtig glauben. Dass es tatsächlich auch uns selbst passieren wird.

Aber dann: Die Zeit verfliegt und plötzlich ist es auch für dich so weit. Das Ringen um die innere Akzeptanz von Lesebrille, Knieschmerzen, Arthrose, Haarausfall und Mundwinkelfalten beginnt. Da musst du durch. Eben, nichts für Feiglinge.
Der Spruch vom „Altern in Würde“ ist auch nicht ohne. Er lässt mich mit der vagen Vorstellung zurück, dass altern durchaus in Ordnung ist, also sein könnte.
Sofern wir uns altersgerecht verhalten. Und nicht mehr verlangen, nicht mehr fordern, nicht mehr wünschen und begehren als den Alten – und im Besonderen den alten Frauen – zugestanden wird.

Eine befreundete Schriftstellerin sagte mal: „Für Frauen gibt es kein Altern in Würde. Du kannst es nur falsch machen. Punkt.“
Klingt hart. Aber mit dem Verlust jugendlicher Attraktivität setzt automatisch die gesellschaftliche Abwertung älterer Frauen ein. Der hübsche Ausdruck Fuckability bringt es recht klar auf den Punkt. But don’t panic! Das heißt keinesfalls, dass niemand mehr mit euch ins Bett möchte. Es handelt sich eher um eine Art Platzverweis. Damit die alten Weiber nicht zu selbstbewusst werden.
Das offizielle künftige Rollenangebot hat Oma, Ehrenamt und Fürsorge für die noch älteren Eltern oder den Ehemann im Programm. Und sich mit allen Mitteln fit, gesund und in Form halten. Dem System nicht auf der Tasche liegen. Nicht sonderlich glamourös.

Es sei denn, du hast genug Geld. Es ist viel einfacher, in Würde zu altern, wenn du über ausreichend Kohle verfügst. Geld ist wirtschaftliche Macht und Menschen mit Macht werden respektiert und besser behandelt – egal wie sie aussehen.
Wie hoch ist noch mal die durchschnittliche Frauenpension in Österreich?
Gabi Schweiger setzt sich in ihren feministischen Dokumentarfilmen mit Rollenbildern, diversen Lebensrealitäten, Vulva, Penis und toxischer Männlichkeit auseinander.

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Please don’t stop caring https://ansch.4lima.de/please-dont-stop-caring/ https://ansch.4lima.de/please-dont-stop-caring/#respond Sun, 12 Feb 2023 18:57:10 +0000 https://anschlaege.at/?p=99436 Illustration: Sabrina WegererSophia Foux Diese Kolumne ist einem Freund gewidmet, der seinem Leben im September letzten Jahres ein Ende gesetzt hat. Wobei „getötet worden ist“ vielleicht eine adäquatere Beschreibung wäre, denn wie kann es seine Entscheidungsfreiheit gewesen sein angesichts seiner Angst vor der Staatsgewalt, Abschiebung, Verfolgung, Terror und Folter, im Angesicht von Isolation und Verzweiflung? Der Tod […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Sophia Foux

Diese Kolumne ist einem Freund gewidmet, der seinem Leben im September letzten Jahres ein Ende gesetzt hat. Wobei „getötet worden ist“ vielleicht eine adäquatere Beschreibung wäre, denn wie kann es seine Entscheidungsfreiheit gewesen sein angesichts seiner Angst vor der Staatsgewalt, Abschiebung, Verfolgung, Terror und Folter, im Angesicht von Isolation und Verzweiflung?

Der Tod dieses Freundes markierte für mich den Beginn einer Abwärtsspirale im letzten Jahr. Ich wusste nicht, wie ich weitermachen sollte in dieser verabscheuenswerten Welt und wäre beinahe zerbrochen an einer Mischung aus rasendem Schmerz und mindestens ebenso rasender white guilt. In dieser schwierigen Zeit erlebte ich auch noch Enttäuschungen: Enge Bezugspersonen, denen ich vertraut hatte, schafften es nicht, sich so um mich zu kümmern, wie ich es gebraucht hätte. Der Tod ist immer noch ein Thema, mit dem viele Menschen nicht umgehen können. Es wäre sicher gut gewesen, mich mehr um mich selbst zu kümmern und weniger Fürsorge von anderen zu verlangen, aber das habe ich nicht geschafft.

Wo liegt die Grenze zwischen Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für andere? Wo sollte die Grenze von Care liegen, wo ist Abgrenzung wichtig und das eigene Wohlbefinden zu priorisieren? Und wie können wir uns trotzdem besser umeinander kümmern in dieser prekären, bitterkalten Welt? Ich habe noch nicht mal im Ansatz eine Antwort. Für all jene, die nicht in die neoliberale, weiße Heteronorm passen, die gegen unterschiedliche Formen von Gewalt und Diskriminierung kämpfen, ist es oft schon übermäßig anstrengend, nur den Tag zu überstehen. Dennoch bin ich mir sicher: Was alleine oft unmöglich wirkt, ist als Kollektiv leichter schaffbar. Deshalb meine Bitte an euch: Please don’t stop caring, im doppelten Sinne. Hört nicht auf, euch umeinander zu kümmern und hört nicht auf, euch Sorgen zu machen um die Welt, um die Kämpfe anderer sowie um eure eigenen. Schaut bitte nicht weg. Diese Welt braucht so viel mehr Care.

Sophia Foux möchte sich in Selbstfürsorge und Selbstliebe üben und mehr radikale Sanftheit mit sich selbst und ihrem Umfeld leben.

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queerverweis: Famous Last Words https://ansch.4lima.de/queerverweis-famous-last-words/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-famous-last-words/#respond Fri, 31 Jan 2020 15:34:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=18445 Illustration: Sabrina WegererI already said goodbye once, left the lesben.nest column and then I just moved to another page in this glorious magazine. This time however, I’m saying, “Ciao bellissimas!!” and I am leaving an.schläge and writing for good. This will be the last column I write. Ever. It has been twelve years … Can you believe […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

I already said goodbye once, left the lesben.nest column and then I just moved to another page in this glorious magazine. This time however, I’m saying, “Ciao bellissimas!!” and I am leaving an.schläge and writing for good. This will be the last column I write. Ever.
It has been twelve years … Can you believe it??? Twelve fucking amazing years!!!
Twelve years ago I had not yet discovered the performance stage for me. I had a lesbian country band, was doing some amateur dj-ing and I was good at socialising at parties and bringing people together; that was my “career”.
Then that email came asking me if I wanted to write for an.schläge, and it changed my life. All of a sudden I could reach people and people reached out to me. (This was all pre-social media; there were bloggers but I was too lazy to blog). I shared personal stories from my life and people wrote me and told me that it made them feel less alone and I felt like I had won a million bucks. It was my column, I wrote it, but it felt like we were in constant dialogue with each other. We talked about being femme, open relationships, going back to monogamy, trans_* identities and the rise of non-binary, racism in the queer scene, cross-generational desires, resisting the mainstream straight society and of course my endless quest of searching for love. I did my best at trying to entertain you while being political. I sometimes failed, and after crying a bit about it, I learned that that was ok as well. It hurt, but it was very liberating to realise that not every text had to be brilliant.
But I am done now and it’s time you met someone new. Why? “Because I truly have nothing more to say”, she said and laughed her much too loud, cigarette-stained laugh.
And listen, I know that the world seems ugly and is literally on fire and that there is still so much hate, yes.
However, I want you to remember this:
The queer universe today is very different from what it was in 2008 when we first met; it’s bigger, brighter and broader. We continue daily to move forward and nobody can ever put that baby back in a corner.
Thank you. Like (almost) all of my ex-lovers, you will always have a place in my heart.

 

Au revoir, honeys … Denice Bourbon is saying goodbye to writing overall. And what better place to do that than where it all began?

 

 

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queerverweis: Wohlfühl-Inklusion https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:09:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=11674 Illustration: Sabrina WegererIch habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen. Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Ich habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen.
Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens bin ich kleine Teams mit flacher Hierarchie gewöhnt und nach einigen Wochenenden und Nächten, die ich durchgearbeitet habe, ist mir der Befindlichkeitszirkus im Haus am Ring nur noch wie der Limbus erschienen, der vor dem Eingang zum Höllenkrater durchschritten werden muss. Natürlich ist die Uni nicht die Hölle, aber die hierarchisch motivierten Befindlichkeiten, die in vielen Abteilungen dort herrschen, sind eine Arbeits- und Motivationsvernichtungsmaschinerie, die jeden Anspruch an effiziente Arbeitsweisen im Keim erstickt. My own personal hell.
Das zweite strukturelle Problem – und hier verlassen wir den Boden der persönlichen Betroffenheit – stellt die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität dar. Dank gesellschaftlicher Veränderungen ist ein Anspruch an Diversität und Inklusion zwar als State of the Art auch an der Uni angekommen, doch aufgrund der homogenen Suppe aus weißen, körperlich und psychisch normativ befähigten, cis-geschlechtlichen Personen in Leitungsfunktionen wird „Diversität und Inklusion“ nicht als Mittel zur Durchsetzung von Politiken der Gerechtigkeit behandelt, sondern als Vorbeugung gegen ein scheinbar immanent drohendes PR-Desaster. „Inkludiert werden“ müssen immer nur „die Anderen“ und das führt dazu, dass diese Inklusion permanent so in Erscheinung treten muss, dass sich Mehrheitsangehörige dabei nicht unwohl fühlen. Anders formuliert: Die Umsetzung von Diversitätsmaßnahmen an der Uni ist zuallererst dazu da, dass sich Mehrheitsangehörige dadurch beruhigt fühlen. Anti-Rassismus klingt halt einfach so hart. Muss es denn Anti? Und muss es Rassismus? Brrr.

 

Towander Flagg hat nicht den Schneid, der Uni-Leitung eine Ausgabe von „Talking Back“ zu schenken. Sie ist jetzt aber mal auf Urlaub und liest dort Sara Ahmed.

 

 

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queerverweis: Wohlfühl-Inklusion https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion-2/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion-2/#respond Wed, 28 Aug 2019 12:35:31 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10738 Über die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität Wien. Von TOWANDER FLAGG]]>

Ich habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen.
Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens bin ich kleine Teams mit flacher Hierarchie gewöhnt und nach einigen Wochenenden und Nächten, die ich durchgearbeitet habe, ist mir der Befindlichkeitszirkus im Haus am Ring nur noch wie der Limbus erschienen, der vor dem Eingang zum Höllenkrater durchschritten werden muss. Natürlich ist die Uni nicht die Hölle, aber die hierarchisch motivierten Befindlichkeiten, die in vielen Abteilungen dort herrschen, sind eine Arbeits- und Motivationsvernichtungsmaschinerie, die jeden Anspruch an effiziente Arbeitsweisen im Keim erstickt. My own personal hell.
Das zweite strukturelle Problem – und hier verlassen wir den Boden der persönlichen Betroffenheit – stellt die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität dar. Dank gesellschaftlicher Veränderungen ist ein Anspruch an Diversität und Inklusion zwar als State of the Art auch an der Uni angekommen, doch aufgrund der homogenen Suppe aus weißen, körperlich und psychisch normativ befähigten, cis-geschlechtlichen Personen in Leitungsfunktionen wird „Diversität und Inklusion“ nicht als Mittel zur Durchsetzung von Politiken der Gerechtigkeit behandelt, sondern als Vorbeugung gegen ein scheinbar immanent drohendes PR-Desaster. „Inkludiert werden“ müssen immer nur „die Anderen“ und das führt dazu, dass diese Inklusion permanent so in Erscheinung treten muss, dass sich Mehrheitsangehörige dabei nicht unwohl fühlen. Anders formuliert: Die Umsetzung von Diversitätsmaßnahmen an der Uni ist zuallererst dazu da, dass sich Mehrheitsangehörige dadurch beruhigt fühlen. Anti-Rassismus klingt halt einfach so hart. Muss es denn Anti? Und muss es Rassismus? Brrr.
 
Towander Flagg hat nicht den Schneid, der Uni-Leitung eine Ausgabe von „Talking Back“ zu schenken. Sie ist jetzt aber mal auf Urlaub und liest dort Sara Ahmed.
 

Illustration: Sabrina Wegerer
Illustration: Sabrina Wegerer

 
 

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queerverweis: The Trans Kloset https://ansch.4lima.de/queerverweis-the-trans-kloset/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-the-trans-kloset/#respond Sun, 26 May 2019 14:12:32 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10568 Illustration: Sabrina WegererÜber geschlechtsneutrale öffentliche Toiletten. Von FREDE TJARK KAKTUS]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Wieder heißt es Elternbesuch. In meiner flint* WG habe ich einige Tage vorher zwei Listen in die Küche gehängt: Tatsachen, die meine Eltern nicht über mich wissen, und Themen, über die nicht gesprochen werden kann. Meine Eltern wissen nichts von meinem Trans*Sein. Es hat sich in den letzten Jahren einfach nicht ergeben. Wir sehen uns nur zweimal pro Jahr und es gibt dann oft genug unverfängliche Themen, über die sich sprechen lässt.
Nun habe ich es endlich geschafft, meine Thesis fertig zu schreiben. Meine Eltern wollten daran teilhaben und mit mir zur Feier gehen. Widerwillig stimmte ich zu. Ich weiß, wie viel ihnen das bedeutet. Schließlich bin ich die erste Person in der Familie, die studiert hat.
Ich hatte mir das folgendermaßen vorgestellt: Wir gehen hin, ich kriege das Zeugnis und der großen Gruppe wird das Beste gewünscht. Nicht ganz: Jede Person wird einzeln nach vorne gebeten, um einige Sätze zur Thesis zu sagen. Meine Eltern hatten keine Ahnung von meinem Trans*Themenschwerpunkt und den Seminaren, die ich gewählt habe. Und plötzlich stehe ich vor ihnen und versuche, das Thema geschlechtsneutrale öffentliche Toiletten so gut und verständlich es geht wiederzugeben, ohne trans* oder Geschlecht zu sagen. Gut, dass ich so geübt im „Tabu“-Spiel bin, denke ich. Nur ohne Quietscher. Die Worte „Trans*“, „Toiletten“, „Zweigeschlechtlichkeit“ dürfen nicht genannt werden. Schwierig, denn es gibt sonst selten Sätze, in denen ich nicht trans* sage. Ich besinne mich meiner in den letzten Jahren erlernten akademisierten Sprache. So spreche ich über panoptische Strukturen in öffentlichen Räumen, segregierende Politiken und Taktiken, sich zeigende Intersektionalität, Viktimisierung und von der Institutionalisierung cis-Privilegien sichernder Strukturen und hoffe inständig, dass meine in der vierten Reihe sitzenden Eltern den Faden verlieren würden. Ein Erfolg: Selbst im Nachgespräch wissen sie noch nicht, zu welchem Thema ich eigentlich geschrieben hatte.

Frede Tjark Kaktus findet es schade, sich nicht vor seinen Eltern outen zu können. Seine Eltern tolerieren, dass es homosexuell ist. Bis sie wissen, dass es trans* ist, wird es jedoch noch dauern.

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queerverweis: Ich bin ich https://ansch.4lima.de/queerverweis-ich-bin-ich/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-ich-bin-ich/#respond Sat, 26 May 2018 11:51:40 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9746 Illustration: Sabrina WegererIch bin keineswegs „nicht normal“. Von ANONYMOUS]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Jedes Jahr zum Töchtertag kommen einige Mädchen zu uns in die Redaktion, um für einen Tag in das Berufsfeld Journalismus und Medienarbeit reinzuschnuppern. Meist versuchen sie sich dabei auch an ersten eigenen Texten. Hier die Kolumne einer Töchtertag-Teilnehmerin.

 

In der Volksschule war ich immer bei den Mädchen. Ich fand sie schön und toll und irgendwann fragte ich mich: Was, wenn ich mich in eine meiner Freundinnen verliebe?
Da ich ihnen allen sehr nah war, hab ich ihnen in einer ernsten Runde davon erzählt. Damals war „anders“ sein für mich nichts Ungewöhnliches, mein Bruder ist schwul und meine Familie ist mit mir immer sehr offen umgegangen. Jedenfalls habe ich zu Anfang die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gruppe bekommen, doch als ich ihnen von meinen Gefühlen erzählte, lachten sie mich aus, einige fanden es eklig und sahen mich angewidert an. Und im selben Augenblick hatten sie meine gesamte Welt komplett auf den Kopf gestellt. War ich nicht normal? War ich ekelhaft? Danach haben sie sich von mir entfernt.
Später im Gymnasium wollte ich meine Gefühle für mich behalten. Ich habe nur meiner besten Freundin davon erzählt. In der dritten Klasse erfuhr ich dann, dass sie es nicht für sich behalten hatte und die ganze Klasse davon wusste. Ich fühlte mich nackt, verraten, aber vor allem fühlte ich mich allein. Eigentlich hatte ich nicht wenige Freund_innen, aber auch die schienen nicht mich selbst zu mögen, sondern meine Sexualität.
Es hat sich viel verändert. Meine Freund_innen, die Denkweise der Kinder, die um mich herum gelaufen sind und mir vorwurfsvoll „bi!“ hinterhergerufen haben, und auch meine Denkweise.
Ich bin keineswegs „ekelhaft“ oder „nicht normal“. Ich bin ich, und zwar auch, wenn ich lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell, asexuell, transsexuell oder sonst was bin.

 

 

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