positionswechsel – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 18 Apr 2022 15:13:16 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png positionswechsel – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 positionswechsel: Sprachlos https://ansch.4lima.de/positionswechsel-sprachlos/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-sprachlos/#respond Mon, 18 Apr 2022 15:13:14 +0000 https://anschlaege.at/?p=68648 Mona Elvert Ich stehe auf Dirty Talk – theoretisch. In meiner Vorstellung ist es wahnsinnig hot, beim Sex von meinem Partner zu hören, was ihn gerade anmacht: Wie ich aussehe, wie ich rieche, wie ich mich anfühle. Dass ich schwitze, dass ich laut bin, dass meine Vulva tropft. Und auch ich stöhne meinem Partner ins […]]]>

Mona Elvert

Ich stehe auf Dirty Talk – theoretisch. In meiner Vorstellung ist es wahnsinnig hot, beim Sex von meinem Partner zu hören, was ihn gerade anmacht: Wie ich aussehe, wie ich rieche, wie ich mich anfühle. Dass ich schwitze, dass ich laut bin, dass meine Vulva tropft. Und auch ich stöhne meinem Partner ins Ohr, was ich an ihm heiß finde und was ich als nächstes will.

In Wirklichkeit bin ich beim Sex oft sprachlos. Als Mädchen und Frau habe ich gelernt, mich für meine Lust, meine Wünsche und Fantasien zu schämen. An starken Tagen schaffe ich es, mich davon zu befreien. Aber wenn ich dann beschreiben will, was ich genau möchte, fallen mir nur Wörter ein, die ich nicht benutzen will. Zwischen ihnen stecke ich fest. Es gibt technische oder medizinische Begriffe, die sich viel zu steril für meinen Sex anfühlen: Niemand soll mich fragen, ob er sein „Glied einführen“ darf, cringe! Und es gibt viele Worte, die ich erniedrigend, respektlos und eklig finde. Fotze. Titten. Die Sprache, die ich habe, kommt aus den einzigen Bereichen, in denen diese verschämte Gesellschaft mir Worte für Sex gegeben hat: aus dem Biounterricht und aus den frauenfeindlichen Pornos, die ich als Teenie heimlich anschaute. Dazwischen klafft eine riesige Lücke. Mir fehlt ein Vokabular, das ich mag. Das aufregend und verrucht ist; liebevoll, aber nicht kitschig.

Also habe ich neulich meinen Mut zusammengenommen und mit meinem Freund darüber gesprochen. Ich wollte mit ihm unseren eigenen Sexwortschatz kreieren und habe erzählt, welche Worte ich mag und welche nicht. Er hat mir zugehört, ohne selbst viel zu sagen. Seitdem sagt er mir beim Sex Dinge, die mich wahnsinnig heiß machen. Ich aber bin weiterhin sprachlos. Denn er hat mir nie rückgemeldet, wie er meine Wörter findet und welche er selbst mag. Ihm fällt es seit unserem Gespräch leichter, Wörter einfach auszuprobieren. Aber meine Scham ist so groß, dass ich erst mehr Feedback brauche, bevor ich mich sicher fühle. Danke, weibliche Sozialisation! Aber so schnell gebe ich nicht auf. Ich werde ein neues Gespräch anstoßen.

Mona Elvert freut sich über anonyme Leser*innenbriefe mit Empfehlungen für den schönsten Dirty Talk: tinyurl.com/2p997n72

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positionswechsel: Yee Haw! https://ansch.4lima.de/positionswechsel-yee-haw/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-yee-haw/#respond Sun, 02 May 2021 20:57:52 +0000 https://anschlaege.at/?p=37351 14.835 Leserinnen der „Jolie“ kürten mit 27 Prozent das Reiten zu ihrer Lieblingssexstellung. Die Frauenzeitschrift, eine Frontfrau des Sex-Journalismus und heimliche Heldin uninformierter Heranwachsender, zeigt sich überrascht. Dito, beim Sex oben zu sein ist mir ein Graus. Überhaupt vermeide ich Bewegung, wo es nur geht. Als mein Pandemie+ mich also bat, aufzusatteln, lehnte ich höflich […]]]>

14.835 Leserinnen der „Jolie“ kürten mit 27 Prozent das Reiten zu ihrer Lieblingssexstellung. Die Frauenzeitschrift, eine Frontfrau des Sex-Journalismus und heimliche Heldin uninformierter Heranwachsender, zeigt sich überrascht. Dito, beim Sex oben zu sein ist mir ein Graus. Überhaupt vermeide ich Bewegung, wo es nur geht.

Als mein Pandemie+ mich also bat, aufzusatteln, lehnte ich höflich ab – obwohl es doch auch seine Lieblingsstellung ist. Das spräche für einen aufmerksamen Mann, dessen oberste Priorität das Vergnügen der Frau sei, meint die „Jolie“. Das schmeichelt ihm offenbar. Sein Generve: fast so anstrengend wie das Reiten.

Als wäre die unzumutbare Anstrengung nicht schon genug, ist die Penetration im Neunzig-Grad-Winkel auch sehr tief. Für viele wohl ganz besonders geil – ich gehöre nicht dazu. Selbst die von Jolie empfohlene Vierzig- bis Fünfzig-Grad-Variante ist nichts für mich. So oder so trage ich eh schon genug. Mich in seine Wohnung z. B. Nach dem halbstündigen Marsch trage ich die präkoitale Konversation und währenddessen auch noch die Sorge um mein Aussehen.

Übrigens gibt es durchaus Situationen, in denen ich „das Ding reite, als wären die Bullen hinter mir her“, wie Poetin Cardi B sagen würde. Diese ungelenke Bekundung meiner Leidenschaft wird von den Auserkorenen dann meist so verstanden, wie sie gemeint ist: als Anregung, wieder zu übernehmen.

Falls ihr euch fragt: „Warum dann nicht beim Corona-­Buddy?“ Standfestigkeit ist nicht alles. Ich verhandle nicht mit Typen, die eine zweites und drittes Mal nachfragen.

Hoffentlich ein Trost für Leser: Am Ende hält immer noch Leidenschaft und Vorspiel die Welt am Galoppieren.

Rosa benutzt einen Besen, um das Licht am Abend auszumachen, ohne aufzustehen. Sie ist etwa so stark wie eine kleine Katze.

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positionswechsel: Good Vibrations https://ansch.4lima.de/positionswechsel-good-vibrations/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-good-vibrations/#comments Sat, 11 Apr 2020 14:22:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=20440 Meinen ersten Vibrator musste ich vor Kurzem wegwerfen. Er hatte sich langsam aufgelöst. Lange hat er gehalten, vielleicht weil ich ihn gar nicht so oft verwendet habe. Ich hatte ihn Mitte der Neunziger schüchtern in einem schmuddeligen Sexshop in meiner Heimatstadt gekauft. Die Verkäuferin hatte mich immerhin mit dem Material beraten: am besten weich. Was […]]]>

Meinen ersten Vibrator musste ich vor Kurzem wegwerfen. Er hatte sich langsam aufgelöst. Lange hat er gehalten, vielleicht weil ich ihn gar nicht so oft verwendet habe. Ich hatte ihn Mitte der Neunziger schüchtern in einem schmuddeligen Sexshop in meiner Heimatstadt gekauft. Die Verkäuferin hatte mich immerhin mit dem Material beraten: am besten weich. Was sich prompt als Fehlkauf herausstellte. Auch sonst war dieser violette Penisverschnitt nicht der Bringer: Die Vibrationen waren genauso soft wie das Material. Ich hatte meine Lust an Spielzeug also gleich wieder verloren. Bis ich mir etwa zehn Jahre später einen Rabbit-Vibrator bestellte. Durch die Erfindung des Internets konnte ich seitenweise Lustbringer durchforsten, ohne einen schmierigen Laden betreten zu müssen. Die Exponate mit den kleinen Häschen als Klitoris-Stimulator lösten in mir quietschendes Vergnügen aus. Und in der Tat erlebte ich nach Eintreffen des „diskret verpackten“ Päckchens eine klitorale wie vaginale Offenbarung! Mein Gehirn musste die nie geahnten Orgasmen geradezu verkraften. Ich war nicht mehr zu stoppen und kaufte mir alles Mögliche: Liebeskugeln, mini Vibratoren, Riesendildos, Kitzler-Stimulatoren.
Mittlerweile benutze ich leidenschaftlich gerne hin und wieder auch Toys mit meinen Partner_innen. Mein Partner ist ein richtiger Abenteurer: Ständig schleppt er etwas Neues an. Seinen Magic Wand Massager hat er netterweise irgendwann ganz mir (und meiner Geliebten) überlassen. Die meisten Spielzeuge kann man übrigens bei allen Geschlechtern anwenden. Dildos sind nicht nur was für Frauen. Viele Männer begehren es, mit Toys verwöhnt zu werden, manche aber trauen sich nicht, sich etwa passiven Analsex zu wünschen. Und für alle Gender gilt: Gerade jetzt in Corona-Quarantänezeiten können Sextoys Abwechslung bringen, egal ob man alleine oder gemeinsam in der Butze festsitzt. Spieltipp: Jede_r darf oder „muss“ sich mal was wünschen, mit oder ohne Toys, etwa: sich mit dem Lieblingsspielzeug verwöhnen zu lassen oder beim Masturbieren zusehen zu lassen. Beides kann aufregend und sogar sehr lehrreich sein.
Für Safer Toy Use gilt übrigens: Kondom drüber und reinigen 

Daphne Danowskis letzter Schrei ist ein vibrierender Wecker, den man nachts im Schlüpfer trägt. Es war ein Geschenk. Damit sie immer glücklich aufwache.  

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positionswechsel: Es ist dir kein Knochen gebrochen! https://ansch.4lima.de/es-ist-dir-kein-knochen-gebrochen/ https://ansch.4lima.de/es-ist-dir-kein-knochen-gebrochen/#respond Sat, 07 Mar 2020 00:25:12 +0000 https://anschlaege.at/?p=19394 „Und, wie war es?“ Eine Frage, die Freundinnen oft stellen. „Geht so.“ Leider, eine häufige Antwort darauf. Begleitet von entschuldigend zuckenden Frauenschultern, die es akzeptiert haben, dass die Chancen für einen Orgasmus bei heterosexuellem Sex nicht allzu hoch stehen. „Warum bist du nicht einfach gegangen?“ Wow, okay, was?!  Diese Frage hatte mir noch niemand gestellt. […]]]>

Und, wie war es?“ Eine Frage, die Freundinnen oft stellen.
Geht so.“ Leider, eine häufige Antwort darauf. Begleitet von entschuldigend zuckenden Frauenschultern, die es akzeptiert haben, dass die Chancen für einen Orgasmus bei heterosexuellem Sex nicht allzu hoch stehen.
Warum bist du nicht einfach gegangen?“ Wow, okay, was?! 
Diese Frage hatte mir noch niemand gestellt. Einfach aufstehen und gehen? Was für ein radikales Konzept. Da las und sprach ich seit Jahren von Feminismus, aber sowas ist mir nie in den Sinn gekommen. Obwohl ich zumindest theoretisch weiß, dass man es sich auch mitten im Sex anders überlegen kann. Wieso eigentlich?
Vielleicht, weil ich seit Jahrzehnten von (gefakten) weiblichen Orgasmen lese und Frauenmagazine alle möglichen Stellungen und Tricks anbieten, dabei aber nie erwähnen, dass Gehen auch eine Option ist. Vielleicht hat mich die Gesellschaft zu einer passiven Person erzogen, die Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt, um männliche Egos zu schonen. Wahrscheinlich ist es das ganze Sexismus-Paket. 
Als mir meine Freundin also erzählt, dass sie einfach geht, wenn es ihr nicht gefällt, fühle ich mich geradezu erleuchtet. Am liebsten würde ich jede Frau, die ich sehe, fragen, ob sie schon Bescheid weiß oder es gar schon mal gemacht hat. 
Da ich aber schlecht eine Fremde an der Haltestelle fragen kann, richte ich die Frage an dich. Stehst du auf und gehst?
ROSA schreibt Artikel und Kolumnen, um ihre wahre Leidenschaft, das Erstellen von Instagram-Stories, zu finanzieren.  

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positionswechsel: Paranoid Android https://ansch.4lima.de/positionswechsel-paranoid-android/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-paranoid-android/#respond Mon, 03 Sep 2018 07:43:38 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9963 Illustration: Sabrina WegererEine Wand voller Dildos im Sexshop. Von LILY KASTRO]]> Illustration: Sabrina Wegerer

eine lady genießt und schreibt

 

Nach Jahren überzeugter Handarbeit ließ ich mich dennoch kürzlich wieder einmal dazu hinreißen, einen Sexshop zu besuchen. Vor einer Wand voller Dildos stehend kamen mir alte Erinnerungen in den Sinn. Erinnerungen an meinen ersten und einzigen Dildo. Die Erwartungen konnten nicht erfüllt werden, nach zahlreichen Versuchen war klar: Es funktioniert einfach nicht. Nicht mal im Alleingang.
Aufgereiht wie eine auseinandergenommene Matrjoschka standen da also die verschiedenen Formen und Größen und als letzte und kleinste Version: das damals von mir gewählte Modell. Und trotzdem zu groß für mich? Gibt’s das?
Zurück daheim machte ich mich an die Recherche und siehe da! Nach mehreren absurd klingenden Suchanfragen, unzähligen Foren, in denen Frauen von schmerzhafter Penetration berichteten, und noch mehr Websites über die menschliche Anatomie konnte ich die Puzzleteile endlich zusammensetzen: Ich habe ein androides Becken. Einen engen Vaginaleingang in steilem Winkel. Ich bildete es mir also nicht ein. Und die Frauen im Internet auch nicht. Da ist ein Schambein im Weg, um das manövriert werden muss. Vielleicht hätte ich mir auch schon eher Gedanken gemacht, hätten meine Partner_innen im wahrsten Sinne des Wortes keine(n) Finger gekrümmt bzw. hätte ich mehr mit unbiegsamem „Sexspielzeug“ zu tun gehabt. Erwähnt wird diese anatomische Variante leider nur in Zusammenhang mit dem Gebären. Scheint ja das Wichtigste zu sein, das Frauen mit ihrem Körper tun können bzw. wollen sollen. Würde dieses Thema auch anderweitig besprochen, so wären derartige sexuelle Schwierigkeiten einfacher lösbar. Den Winkel bzw. die Stellung verändern und beim Spielzeugkauf auf die notwendige Form achten. Aber woher soll man das wissen, wenn niemand darüber spricht? Das Gute an meiner Geschichte ist immerhin, dass ich durch meine intensive Recherche über eine Website (wetforher.com) gestolpert bin, die schon vorab ein Bedürfnis befriedigt: Ein Sexshop, bei dem jegliche Größenangabe mit der Anzahl von Fingern erklärt wird.

 

Lily Kastro hat immer noch kein Faible für Sexspielzeug. Trotzdem: Wieder was gelernt.

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positionswechsel: Switch, please! https://ansch.4lima.de/positionswechsel-switch-please/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-switch-please/#respond Sat, 26 May 2018 14:06:42 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9752 Illustration: Sabrina WegererDurch die Gedankenspirale in die nicht-queere Parallelwelt. Von LILY KASTRO]]> Illustration: Sabrina Wegerer

eine lady genießt und schreibt

 

Ich verliere mich nicht selten in Gedankenspiralen – und denke dann z. B. darüber nach, wie ich wohl von außen wahrgenommen werde. Mit „außen“ meine ich all jene, die sich mit mir im queeren Wien tummeln – wie die Heterowelt mich sieht, ist mir inzwischen klar. Nämlich als 16-jährigen Jungen, der unbedingt Zigaretten und Alkohol kaufen will, um mit seinen viel älteren Freundinnen mitzuhalten. Aber zurück in die queere Parallelwelt: Es häufen sich die Beweise, dass viele meiner Mitqueers mich tendenziell als Butch lesen würden. Doch aus Gründen, die mir selbst nicht immer klar sind, sträube ich mich gegen dieses Label. Aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes kann ich diese Einordnung zwar irgendwie nachvollziehen, aber ich fühle mich einfach nicht butch-y. Viel wohler fühle ich mich bei dem Gedanken an einen androgynen Raum, den ich als Person bewohnen darf, die sich dennoch als Frau definiert. Was das alles mit meinem Sexleben zu tun hat? Als Mitbegründerin der „Femme Appreciation Society“ lag für mich leider der Gedanke nah, dass von mir als vermeintliche Butch auch im Bett (oder woanders) eine gewisse Rolle erwartet wird. Eine Rolle, die ich zwar erfüllen kann, aber nicht immer will. In meinen Augen war ich eine Disappointment Butch. Enttäuschend für jene Partnerinnen, die, wie ich, Butch mit Top in Verbindung brachten, und enttäuschend für mich selbst, weil ich mich die längste Zeit nicht getraut habe, aus der (falschen) Rolle zu fallen und den Sex zu leben, den ich eigentlich gerne gehabt hätte. Eine Lose-lose-Situation, dachte ich. Falsch gedacht. In einem Moment der Offenheit durfte ich nämlich doch die Erfahrung machen, dass es Femmes gibt, die es genießen zu toppen – auch ich selbst war also letztlich nur unnötigen und unwahren Klischees auf den Leim gegangen.

 

Lily Kastro ist und bleibt letztlich Switch mit Leib und Seele. Dennoch überlegte, sie sich auf das Label der Disappointment Butch einzulassen. Die passende Failure Femme wäre bestimmt trotzdem nicht enttäuscht.

 

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positionswechsel: Küchenexhibitionismus https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kuechenexhibitionismus/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kuechenexhibitionismus/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:23:49 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9335 Illustration: Nadine KappacherMeine Nachbarin hat ihr Fenster geschlossen, weil mein Orgasmus sie beim Sonntagsfrühstück gestört hat. Von DAPHNE DANOWSKI]]> Illustration: Nadine Kappacher

eine lady genießt und schreibt

 

Gestern haben wir es in der Küche gemacht. Lukas kam zur Tür hinein und hat mich ausgezogen – wie immer einfach so, ohne zu fragen (Das ist Konsens bei uns. Ich darf das auch). Hose runtergezogen, Höschen zur Seite geschoben und mich auf Knien mit der Zunge verwöhnt. Total heiß war ich. Dann sein liebevoller Befehl: „Dreh dich um!“, meine Arme landen auf dem Tisch, ich stütze mich ab, ich stöhne schon, bevor ich von hinten etwas Festes in mir spüre. Gänsehaut und heiß-kalte Beben gehen durch meinen Körper.
Mein Blick zum Fenster erinnert mich daran, dass in der Nachbarsküche, im Haus gegenüber, auch wer ist. Ich sage: „Warte, Baby, ich muss erst …“, doch Lukas hat meine Lust schon so angeheizt, dass es mir mittlerweile egal ist, wer meine neue Nachbarin ist und ob die Jalousien unten sind. Sowieso und eigentlich: Ich mag es, wenn mir wer zusieht.
Vor zwei Wochen nämlich, als die Frau Nachbarin mit ihrem Partner dort einzog und ich mit Luise eine erotische Fesselsession hatte und sich mir Nat in unserem verrückten Königin-Untergebene_r-Rollenspiel unterwarf, deuchte es mir, als sähe sie meiner Chefin Frau Dr. Bellheim zu ähnlich.
Und nicht zuletzt als ich Lukas mit meinem pinken Dildo beglückte. Ich hatte mich damals gefragt, ob meine Nachbarin mich wohl genauso sexy mit meinem neuen Strap-on findet, wie ich mich darin fühle?
Nachdem ich in allen möglichen Stellungen bei offenem Fenster der Lust gefrönt hatte, hatte ich angefangen, mich mit meinen zurückhaltenden Nachbarn abzufinden. Sie sind nämlich langweilig im Gegensatz zu den vorigen: Ein lesbisches Paar, das mir hin und wieder zugewinkt hat – ihre Orgasmen haben meinen Pornokonsum erübrigt.
Heute schlendere ich gedankenverloren in meinem Viertel herum, dabei streift mein Blick über das Klingelschild meiner Nachbarn. Da steht in großen Lettern: BELLHEIM. Ich gehe weiter. Stopp. Ein Schritt zurück. BELLHEIM: WTF. Meine Chefin! Sie ist es doch!
Meine Chefin hat ihr Fenster geschlossen, weil mein Orgasmus sie beim Sonntagsfrühstück gestört hat. Meine Chefin hat gerade Geschirr gespült, während ich es auf dem Küchentisch getrieben habe und sie dabei angeschaut habe. Meine Chefin weiß alles.

 

Daphne Danowski verspricht euch ab jetzt ungeschönte Sexstories aus dem Leben einer perversen pan- und polysexuellen Femme.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Boyband Material https://ansch.4lima.de/positionswechsel-boyband-material/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-boyband-material/#respond Thu, 12 Oct 2017 06:39:35 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9014 Illustration: Nadine KappacherWie die Zeit des sexuellen Erwachens die Sehgewohnheiten prägt. Von LOTTA LUISE]]> Illustration: Nadine Kappacher

eine lady genießt und schreibt

 

Vor dem Siegeszug des Breitbandinternets aufzuwachsen, prägte auch mein Sexualleben nachhaltig: Als ich Anfang der 1990er-Jahre die Freuden sexueller Selbstbeschäftigung entdeckte, war an Hardcore-Pornografie nicht zu denken. Alte „Playboy“-Ausgaben waren das Schmutzigste, das ich in die Finger bekam, und in den heimlich im Nachtprogramm erspähten Soft-Sexfilmchen dominierte das komödiantische Element eindeutig das Laien-Gestöhne. Masturbations-Vorlagen fand ich trotzdem – in Form von „Take That“-Videos. Mark Owen, der sich im zarten Alter von 21 in „Pray“ mit nacktem Oberkörper lasziv am Strand räkelte, wurde zu meiner Boyband-Einstiegsdroge, in „Relight My Fire“ verliebte ich mich in seine Dance-Moves im bauchfreien Shirt (das waren die 90er!). Am meisten angetan hatte es mir allerdings das Video zu „Could It Be Magic“, in dem Mark erst unglaublich provokant sein weißes Unterhemd nach oben schiebt und dann in Liegestütz-Position mit seinen Hüften mehr als eindeutige Bewegungen vollführt. Diese Stelle spulte ich für den Gebrauch bei Solo-Dates so oft zurück, bis das Band der VHS-Kassette riss. Zum Runterkommen diente das Close-up seines verschwitztes Delfin-Tattoos auf Hüfthöhe (wie gesagt, die 90er). Babyface-Mark spielte in meinen sexuellen Fantasien so viele versaute Rollen – wäre ich heute Musikjournalistin und müsste ihn interviewen, ich könnte ihm nicht in die Augen schauen.
25 Jahre später prägt die Zeit des sexuellen Erwachens noch immer meine Sehgewohnheiten. Auch wenn ich mittlerweile gut gemachte Pornografie durchaus zu schätzen weiß, es bleibt oft der Nachgeschmack von lauwarmem Fast Food: schnell verfügbar und sättigend, das gewisse Etwas fehlt dann aber doch. Nach wie vor bin ich auf der Suche nach Mark-Owen-Momenten, die vieles der Fantasie überlassen und die ich heute meist in Hollywood finde. Gael Garcia Bernal, wie er in „Y tu mama tambien“ zärtlich Diego Luna küsst und dabei sein Gesicht in den Händen hält – meine Youtube-Playlist ist lang. Material für das Drei-Sterne-Menü im Einzelzimmer.

 

Lotta Luise bedankt sich und sagt Bye – das war ihr letzter Kolumnentext.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Fille terrible https://ansch.4lima.de/positionswechsel-fille-terrible/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-fille-terrible/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:44:43 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8787 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumnePolitical Correctness schießt mittlerweile längst übers Ziel hinaus. Von LOTTA LUISE]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

eine lady genießt und schreibt

 

Sebastian Kurz als neues Gesicht und neuer Parteichef einer neuen Bewegung? Aus autobiografischen und stadthistorischen Motiven möchte ich da schon anmerken, dass die Buben der Jungen ÖVP aus den frühen Nullerjahren, die ich auf Mediziner-Clubbings kennenlernte und die mit mir schliefen, weil sie schon immer mal von einer echten Feministin rangenommen werden wollten, genauso gekleidet waren und genauso sprachen. Da hängt sicher noch eine Barbour-Jacke im Vorzimmer von Basti. Ich als Expertin muss das wissen. Und ich nehme mir heraus, das einfach mal zu sagen – auch wenn der Shitstorm vermutlich schon vorprogrammiert ist. Political Correctness, in den 80er-Jahren noch ein ambitioniertes Projekt, das als akademische (und vielleicht ein wenig puritanische) Antwort auf die Mackerinnenkultur gelesen werden konnte, schießt mittlerweile längst übers Ziel hinaus. Aus der sinnvollen und notwendigen Kritik an nackten Ärschen, die bei jeder Rasierschaum- oder Baumarktwerbung in die Kamera gestreckt wurden, ist eine verbissene Sittenpolizei entstanden, die letztendlich auch der (einst als befreit gefeierten!) Sexualität jeden Reiz nimmt. Männer-Aktivisten zelebrieren angesichts der im Westen längst erfüllten Gleichstellungsforderungen im Netz die vielfältige Schönheit ihrer Hodensäcke („beauty at every ball shape“) oder sinnieren über den „essentialistischen“ Eichel-Begriff. Ist auf dem Plakat einer Bierwerbung aber auch nur der Ansatz einer rückseitigen Rundung junger, kerniger Burschen zu sehen, klebt sofort ein Sexismus!-Sticker an der Plakatwand. Kaum verwunderlich, dass zuletzt gerade Autorinnen wie Josefine Lottmann oder Thea Glavinic Erfolge feierten, die ihre Protagonistinnen auch mal in die Tabledance-Bar schicken und sie dort auf die prallen Ärsche blutjunger Rumänen starren lassen. Und die eine nasse Möse einfach mal eine nasse Möse sein lassen.

 

Lotta Luise verweist auf den satirischen Gehalt dieser Kolumne – und die realen politischen Ereignisse, die dahinterstehen.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Disruptive Fantasien https://ansch.4lima.de/positionswechsel-disruptive-fantasien/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-disruptive-fantasien/#respond Sat, 04 Feb 2017 15:52:09 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8367 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumneWie wäre wohl eine Karriere als Aussteigerin? Von LOTTA LUISE]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

eine lady genießt und schreibt

 

Immer, wenn mir meine fünf bis sieben Jobs mal wieder derart über den Kopf wachsen, dass ich verschwitzt das Wort „Burnout“ in die Suchmaschine tippe, denke ich in freien Minuten angestrengt über eine Karriere als Aussteigerin nach. Damit meine ich Jobs, die mir ein Überleben in einem kleinen Häuschen in der Provinz ermöglichen würden – vorzugsweise ohne allzu viel menschlichen Kontakt.
Da man in dieser kapitalistischen Schweißwelt ohne Erbe ja immer noch seine Arbeitskraft verkaufen muss, um wohnen und essen zu dürfen, und Katzenanimateurin kein anerkanntes Berufsbild ist und ich auch kein Händchen für die Speisepilz-Zucht habe, erscheint mir eine Karriere als Erotik-Autorin am logischsten. Ich träume keineswegs davon, eine E. L. James („50 Shades“) zu werden, nein, es würde mir völlig reichen, wenn meine Romane zwischen den anderen 2,99-Angeboten auf dem Libro-Grabbeltisch zu finden wären. So einfach ist das aber natürlich nicht. An Hetero-Frauen (die wichtigste Zielgruppe schmutziger Literatur) lassen sich vor allem Unterwerfungsfantasien verkaufen, variiert werden dabei lediglich die Berufsfelder der reichen und mächtigen Männer (Unternehmer, Graf, Anwalt) und das Ausmaß der SM-Praktiken (Fesseln mit Seidentüchern, Lederpeitschen, nackt durch die Stadt führen). Klingt nach einem einfachen Rezept, aber mal ehrlich, kaum jemand wartet wohl auf „Befreie mich, versklave mich“ Teil 17.
Bleibt nur die Nische – oder noch besser: eine disruptive Innovation (Business, Baby!). Mein Konzept wird die literarische Sex-Reportage. Meine Protagonistin wagt es, sexuell zu begehren, und arbeitet sich an ihrer Liste von Zielpersonen und (selbstverständlich auf Konsens basierenden!) Fantasien ab. Für das erste Kapitel leihe ich ihr R., Verkäufer im Gourmet-Spar um die Ecke, dessen völlige Teilnahmslosigkeit und zugleich unglaublich schmutzige Ausstrahlung (dieser Blick, diese vollen Lippen!) mich beim Brotkauf regelmäßig aus der Fassung bringen. Würdet ihr 99 Cent bezahlen, um zu erfahren, wo und wie es R. nach Ladenschluss gerne treibt?

 

Lotta Luise hat gelesen, dass im Waldviertel Menschen ihren Lebensunterhalt mit Shiitake-Pilzen verdienen, die sie auf Baumstämmen züchten. Come on!

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

 

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positionswechsel: Petting mit Dr. Sommer https://ansch.4lima.de/positionswechsel-petting-mit-dr-sommer/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-petting-mit-dr-sommer/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:00:08 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7938 Sexual-Aufklärung in der „Bravo“. Von LOTTA LUISE]]>

eine lady genießt und schreibt

 

Die „Bravo“ ist vor Kurzem sechzig geworden. Mit geschrumpfter Auflage hält sie sich auch im Internet-Zeitalter über Wasser, doch ihren eigentlichen Auftrag hat sie wohl verloren: die Sexual-Aufklärung. Für Teenager wie mich, die in einem Dorf ohne Internetanschluss aufwuchsen (das könnt ihr Millennials euch doch gar nicht mehr vorstellen!), war die „Bravo“ (abseits von schlüpfrigen Reportagen zu später Stunde auf RTL 2 und einer hin und wieder ergatterten „Praline“) der Zugang zur Welt des Pettings und des frühzeitigen Samenergusses. Von Dr. Sommer lernte ich wirklich Fundiertes. Akribisch sammelte ich die Informationen über alle möglichen Wege, schwanger zu werden oder sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Geduldig beantwortete indes das Ratgeber-Team gefühlte 5.000 Mal die Fragen „Kann ich im Badewasser schwanger werden?“ und „Ist mein Penis zu klein?“ und erklärte, dass es völlig normal sei, sich gleichgeschlechtlich zu verlieben. Gut möglich, dass ich meinen „Bravo“-Aufklärungsunterricht im Rückblick verkläre, aber in meiner Erinnerung ist er unter der Kategorie „pädagogisch wertvoll“ abgespeichert. Entsprechend schockiert hat mich ein Blick auf die aktuelle Website mit Themen wie: „Auf welche Sexstellung stehen Jungs am meisten?“ und „Bei welcher Sexstellung verbrennt man am meisten Kalorien?“. Es kommt noch schlimmer: „Zögerst Du seinen Einsatz ein bisschen heraus, indem du ihn nicht sofort ranlässt, ist ihm bald jede Stellung Recht“, ist in einem Text zu lesen. Der Backlash hat bei der „Bravo“ voll zugeschlagen. Da passt der Shitstorm, den im vergangenen Jahr ein Artikel mit hundert Tipps, um Jungs aufzufallen, zum Glück ausgelöst hat, gut ins Bild. Höchste Zeit, beim Kult-Jugendmagazin wieder Alt-68er für den Sex-Content zu beschäftigen – oder besser noch: Mich zu rekrutieren! Wer könnte besser über Sex aufklären als eine Feministin?

 

Lotta Luise fragt sich immer noch, ob das Bild in der „Praline“ von zwei Typen mit Penissen bis zu den Kniescheiben echt war.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: I want to ride no bicylce https://ansch.4lima.de/positionswechsel-i-want-to-ride-no-bicylce/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-i-want-to-ride-no-bicylce/#comments Thu, 30 Jun 2016 12:44:33 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7623 Nichts könnte mich mehr abtörnen als Fahrradfahren. Von LOTTA LUISE]]>

eine lady genießt und schreibt

 

Dass Autofahren für mich untrennbar mit Sex verbunden ist, habe ich hier bereits ausgeführt. Anders sieht es da mit dem Fahrradfahren aus: Nichts könnte mich mehr abtörnen. Schuld daran ist ein prägendes Erlebnis während meines Auslandssemesters. Da lernte ich Florian kennen – Sportfreak und Gesundheitsapostel, Nachbar im Studierendenheim. Ich war so verschossen in den Kerl, dass ich vor dem Einschlafen nur noch an ihn und seine Dehnungsübungen in Lauf-Shorts denken konnte und mich zu kindischen Lügen hinreißen ließ. Rauchen? Ich? Wie eklig! Unsere Dates liefen – obwohl wir absolut gar nichts gemeinsam hatten – überraschend gut, nur meinen wilden Sex-Träumen war ich noch nicht mal einen Kuss nähergekommen. Drei Wochen vor meiner Abreise dann die verheißungsvolle Einladung: Sein Mitbewohner war verreist, ich könnte doch bei ihm übernachten. Davor: ein Radausflug. Die Frage nach meiner Sportlichkeit beantwortete ich nicht ganz wahrheitsgemäß – die Pfandflaschenrückgabe mit der Sporttasche war zu dieser Zeit meine regelmäßigste Anstrengung –, sondern stimmte begeistert dem Angebot zu, das Mountainbike seines Mitbewohners benutzen zu dürfen. Das Schicksal schlug zurück. Zwar überstand ich die Hinfahrt röchelnd mit stechendem Schmerz in der Brust, doch auf dem Rückweg zog just auf einem Steilstück mitten im Wald ein heftiges Gewitter auf. Während erste Äste auf den Weg stürzten und Florian panisch „Los, das ist gefährlich!“ schrie, strampelte ich völlig durchnässt um mein Leben. Nach dreihundert Metern Bergfahrt war ich so fertig, dass Florian nicht nur sein eigenes, sondern auch mein Rad schieben musste. Zurück in der Zivilisation parkten wir wortlos unsere Räder im Keller und Florians Gesichtsausdruck zeigte mir, dass ich diese Nacht nicht in seinem Bett verbringen würde. Einsam in der StudentInnenbude verfluchte ich Fahrradtouren, alle Drahtesel und ganz besonders Mountainbikes – die einem doch tatsächlich die Nacht des Lebens versauen können.

 

Lotta Luise wünschte, die Mountainbike-Tour wäre die einzige Dummheit, die sie aus sexueller Gier begangen hat.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Capitalism kills libido https://ansch.4lima.de/positionswechsel-capitalism-kills-libido/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-capitalism-kills-libido/#respond Thu, 14 Apr 2016 17:17:38 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7297 Die Karriere lenkt vom Sexleben ab. Von LOTTA LUISE]]>

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Letztens stieß ich in einem Nachrichtenmagazin auf die Geschichte eines jungen Fußballprofis. Er hatte seinen Arzt gefragt, ob es ein Medikament gebe, das die Libido unterdrückt – sein Sexualtrieb lenke ihn nämlich von seiner sportlichen Karriere ab. Erschreckenderweise fand ich mich in dieser Erzählung wieder – allerdings verhält es sich bei mir genau umgekehrt: Mit zunehmendem Alter beschleicht mich das Gefühl, meine „Karriere“ (fette Anführungszeichen sind hier angebracht) lenkt mich von meinem Sexleben ab. Dass Frauen mit zunehmendem Alter immer besseren Sex hätten, ist ja eigentlich ständig in Illustrierten zu lesen. Mal abgesehen davon, dass Sex-Journalismus oft biologistischer Unsinn ist, frage ich mich, wie solche Theorien zustande kommen. Schon möglich, dass ein besseres Körpergefühl und das Kennenlernen eigener Vorlieben für mehr Orgasmen sorgen, aber was ist mit den nicht unwesentlichen Faktoren Zeit und Entspanntheit? Stichwort: Lohnarbeit! Angeblich soll es ja (kinderlose) Paare geben, die Termine für ihre sexuellen Begegnungen vereinbaren. 17.30 Uhr Steuerberaterin, 19.30 Uhr Geschlechtsverkehr. So will ich nun wirklich nicht enden, auch wenn ich mich schon mehrmals bei dem Gedanken ertappt habe, ob es trotz zu erwartender abendlicher Vergnügungen nicht vernünftiger wäre, den Text/die Präsentation fertigzustellen.
Den besten Sex meines bisherigen Lebens hatte ich entgegen gängiger Theorie eben doch in jungen Jahren: Ganze Wochenenden kaum das Bett verlassen, all die kreative Energie in dreckige Sexfantasien stecken, vögeln, ohne über das Morgen nachzudenken – und zwar frei von Existenzängsten, die sich mit Anfang zwanzig noch herrlich einfach verdrängen lassen. Als ob es noch ein weiteres Argument für das bedingungslose Grundeinkommen gebraucht hätte: radikale Umverteilung – mehr Sex für Prekäre!

 

Lotta Luise summt „Er war gerade 18 Jahr“ von Dalida vor sich hin.

 

Illustration: Nadine Kappacher
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positionswechsel: Ich kenn mich aus https://ansch.4lima.de/positionswechsel-ich-kenn-mich-aus/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-ich-kenn-mich-aus/#respond Wed, 02 Mar 2016 09:54:18 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7097 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumneIm Bett ist Sex ja doch am bequemsten. Von LILY KASTRO]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

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Die Verwunderung meines sozialen Umfeldes darüber, dass ich neuerdings Sexkolumnistin der an.schläge bin, ist groß. Denn alle glauben, ich könne weder Vagina noch Klitoris laut aussprechen, ohne rot zu werden.
Das kommt wohl auch daher, dass niemand weiß, dass ich während meines Nebenjobs in einer Videothek diverse Beratungsgespräche geführt habe. Aus Umsatzgründen bestanden 85 Prozent des DVD-Sortiments aus Pornos. Ich kenn mich also aus. Mich wundert nichts mehr. Vielleicht ist auch das der Grund für mein prüdes Image. Übersättigung quasi. Ich bin eine Goldstar-Lesbe, die am liebsten Sex im Bett hat. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Mir fallen nämlich fast so viele Fragen ein wie Plastikteile, die im Meer treiben: Fühlen sich Orgasmen für alle gleich an? Sind Liebesschaukeln speziell für Lesben eine Marktlücke? Könnten sie mein Karrieredurchbruch sein? Wer sagt, ich muss mich beim Sex ausziehen? Wie haben Heteros Sex? Und so weiter und so fort.
Doch zurück zu meinem Goldstar-Dasein. Habe ich meine Teenagerjahre noch damit verbracht, mich zu fragen, ob ich nicht etwas verpasse, so kann ich heute guten Gewissens sagen: Sicherlich nicht! Zu dieser Gewissheit verhalfen mir zweifelsohne auch zahlreiche Anekdoten verschiedener Partner_innen über ihre vergangenen Hetero-Sexgeschichten. Die klangen nämlich eher nach „Such-die-Klitoris“-Spieleabenden. Die Tatsache, dass mir diese Berichte meist nackt und bei der symbolischen „Zigarette danach“ erzählt wurden – entsprechend also vielleicht ein gewisses sugar coating zur Schonung meines Egos stattfand –, habe ich bislang immer ignoriert und werde dies auch weiterhin tun. Dennoch: Wenn ich mir überlege, was ich oder meine Partner_innen verpasst haben könnten, fällt mir nichts ein. Und da bestimmt viele gerade an penetrativen Sex denken – mir stehen alle größenspezifischen Möglichkeiten offen. Wenige Finger, viele Finger, die ganze Hand. Und im Zweifelsfall ist es immer noch so, dass ich noch nie von einem Penis gehört habe, der größer ist als mein Unterarm.

 

Trotz ihres prüden Images hatte Lily Kastro schon an vielen Orten Sex. Deshalb weiß sie auch, dass es im Bett am bequemsten ist.

 

Illustration: Nadine Kappacher
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positionswechsel: Alles Alltag https://ansch.4lima.de/positionswechsel-alles-alltag/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-alles-alltag/#respond Fri, 29 Jan 2016 15:21:42 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=6942 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumneNur Vergewaltiger verursachen Vergewaltigungen. Von LOTTA LUISA]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

eine lady genießt und schreibt

 

Unter all den Frauen, mit denen ich bereits über sexuelle Übergriffe gesprochen habe, war keine Einzige, die diese Erfahrung noch nicht gemacht hat. Meine ersten Erinnerungen an solche Grenzüberschreitungen sind die Klassenkollegen in der Hauptschule, die mich verbal belästigten und meine Schwester begrapschten. Mit 15 fing ich an, samstagabends auf Partys und in Discos zu gehen. Begrapscht zu werden gehörte bald so selbstverständlich zum Discobesuch wie der Eintrittsstempel auf dem Handgelenk. Ich lernte, mich zu wehren. Dass solche Vorfälle „ganz normal“ seien, dachte ich aber nach wie vor. Alle meine Freundinnen dachten dasselbe.
Die Wohnung meiner Studienzeit lag am Ende einer dunklen Gasse, unzählige Male ging ich nachts alleine nach Hause – einmal war da der Typ, der mir folgte, mich umklammerte und nach einigem Ringen von mir abließ. Und dann war da er. Es fing auf der Studienparty an, auf der ich den Liebeskummer mit Alkohol betäubte und mit einem Typen tanzte. Er war mir nicht wirklich sympathisch, ein Poser, ein Blender – aber ich wollte Frustsex. Ich fuhr mit ihm nach Hause und mir wurde schnell klar, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Als ich mehrmals „Nein“ sagte und
er das ignorierte, war ich zu betrunken, um mich zu wehren. Am nächsten Tag konnte ich mich nur mehr an wenig erinnern. Aber da waren die Schuld, die Scham und über allem die Wut. Ich fuhr zu seiner Wohnung, läutete vergeblich und traf ihn schließlich in der Straßenbahn. Er stritt alles ab. Er hätte nicht gewusst, was plötzlich mit mir los gewesen sei. „Frauen“.
Angst vor einer Anzeige hatte er wohl keine: Nicht von einer Frau, die stockbetrunken auf einer Party mit einem Typen flirtet und zu ihm fährt, weil sie mit ihm schlafen will. Natürlich ging ich auch wirklich nicht zur Polizei. Die Reaktion der Polizisten malte ich mir schlimmer aus als das, was mir passiert war.
Doch ich begriff, dass ich mich nicht schämen musste. Ich trage kein bisschen Schuld an dem Ereignis. Egal, wie betrunken ich war, egal, wie sehr mich mein Bauchgefühl gewarnt hatte. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Nur Vergewaltiger verursachen Vergewaltigungen.

 

Lotta Luise hatte schon viele One-Night-Stands und könnte kotzen, wenn sie liest, dass sie für Hetero-Frauen gefährlich wären.

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

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positionswechsel: No Camel No https://ansch.4lima.de/positionswechsel-no-camel-no/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-no-camel-no/#respond Wed, 18 Nov 2015 11:53:31 +0000 https://anschlaege.at/?p=6787 Cameltoes, so wird Frauen eingeredet, seien ein Grund, sich zu schämen. Von SUZY FOUNTAIN]]>

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Cameltoes (wörtlich: „Kamelzehen“), so wird Frauen eingeredet, seien geschmacklos und ein Grund, sich zu schämen. Tatsächlich war es alles andere als angenehm, als ich letztens an der Ampelkreuzung stand und plötzlich bemerkte, dass mich die gegenüber stehenden Passant_innen seltsam anstarrten. Erst viel später fiel mir auf, dass sich das untere Ende meines (viel zu langen) T-Shirts in meinem Schritt verfangen und sich dabei eine Kamelzehe im XL-Format geformt hatte. Oha.
Auch wenn mir nicht gleich jede Person zwischen die Beine gucken muss – ich mag meine Pussylippen, wie sie sind: groß, füllig, gut gepolstert. Manche mögen meinen: zu groß, zu füllig, zu gut gepolstert. Hey, euch lasst gesagt sein: Mein Kamel reitet ihr nicht! Dabei habe ich nicht einmal so sehr etwas gegen die – zumindest untenrum weitgehend – hügelfreie Barbie-Ästhetik, wo alles schön glatt, kontrolliert und eben ist. Bloß ist sie nicht meine Realität, weswegen mir Slip-ähnliche Einlagen wie „Camel No“ oder „Cuchini“, die verhindern sollen, dass sich die Vulva allzu deutlich durch die Kleidung abzeichnet, nicht ins Haus kommen. Natürlich gibt es aber auch das andere Paradox: Schamlippen-Tuning mittels Aufspritzungen und Straffungen, die einen prallen, „jugendlichen“ Cameltoe versprechen. Liebe Schönheits- und Kosmetikindustrie, lasst euch doch besser etwas einfallen, das uns den Anblick der vielen allzu freiheitsliebenden männlichen Arschritzen erspart …
Einer der besten Zehensager stammt übrigens aus einem Hollywoodfilm, in dem Shelly, ein 12-jähriges dickes Teen-Girl, das in der Schule für ihren „Cameltoe“ verspottet wird, mit großem Ernst erklärt: „Kamelzehen sind tough. Sie gehen über die ganze Wüste und heiße Steine. Auch ich bin tough.“ Mehr Shellys für diese Welt!

Suzy Fountain gönnt sich eine Schreibpause und verabschiedet sich vorübergehend aus dem Autorinnenreigen dieser Kolumne. Liebesbriefe und Fanpost gehen hierhin: suzy.fountain@gmail.com

 

Illustration: Nadine Kappacher
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positionswechsel: 300 PS https://ansch.4lima.de/positionswechsel-300-ps/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-300-ps/#comments Fri, 16 Oct 2015 08:47:42 +0000 https://anschlaege.at/?p=6639 „La- la- la- la- la- lass mich nicht los, le- le- le- le- le- leg dich zu mir“. Von LOTTA LUISE]]>

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„La- la- la- la- la- lass mich nicht los, le- le- le- le- le- leg dich zu mir“ – kennt ihr, ne? Das trällern die postpubertären Burschen von Bilderbuch in ihrem Song „Maschin“, dem eine besonders subtile Performance sexueller Inhalte attestiert wird. Aber seien wir mal ehrlich: So subtil ist das nicht. Und es geht dabei nicht um Maurice Ernst, der am Fensterheber herumfummelt, sondern um den Protagonisten des dazugehörigen Musikvideos: den gelben Lamborghini.
Der Grund, warum ich hier unter Pseudonym unterwegs bin, ist folgendes Geständnis, das mir einen sofortigen Verweis aus der Interessensgemeinschaft Feminismus und der Grünen Partei (wäre ich denn Mitglied) bescheren würde: Ich finde Autos sexy. Schlimmer noch: Ich weiß, wie der V8-Motor eines Maserati Gran-Turismo klingt (wie purer Sex), wer 2006 Formel-1-Weltmeister wurde, und ich habe die Vorzüge deutscher Autobahnen bereits mit mehreren Leihwagen erfahren (da darf es auch mal ein Audi sein). Schuld an dieser Fixierung ist vermutlich mein provinziell-proletarisches Aufwachsen: Umgeben von Jugendlichen, die auf ihren ersten tiefergelegten Honda Civic mit Sportauspuffsparten, erwartete ich nichts sehnlicher als den Führerschein, um meinen um zwei Jahre jüngeren Boyfriend und die damit verbundenen sexuellen Abenteuer zu erreichen. Das Ergebnis waren postkoital-berauschte Fahrten durch die Nacht und die Erkenntnis, dass Autofahren nach dem Orgasmus ebenso bedenklich ist wie nach drei Bier.
Mit dem bildungsbürgerlichen Aufstieg veränderten sich auch meine Vorlieben: Eine schnelle Testfahrt in einem Mazda MX5 befriedigte mich nicht mehr, der Traum vom Mercedes SLK Roadster erwachte. Nicht, dass ich jemals so viel Geld (das ich nicht habe) für diese pervers teure Karre ausgeben würde. Aber noch heute ziehe ich mir gelegentlich nachts diese kleinen schmutzigen Filmchen rein, die Marketing-Menschen der Autoindustrie auf ihre Websites stellen. Und lösche danach beschämt den Browserverlauf. Maschiiin.

Lotta Luise findet – wenig überraschend – „Bad Girls“ von M.I.A. ziemlich gut.

 

Illustration: Nadine Kappacher
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positionswechsel: Kalender Boys https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kalender-boys/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kalender-boys/#respond Thu, 14 May 2015 07:39:52 +0000 https://anschlaege.at/?p=6252 90er-Jahre-Boygroup-Style im Jungbauernkalender. Von LOTTA LUISE]]>

eine lady genießt und schreibt

 

Alle, die bisher angenommen haben, im Jungbauernkalender würden nur echte Landwirte ihre Heugabeln schwingen, kann ich eines Besseren belehren: alles Fake. Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich verbindet mich eine lange Geschichte mit den Kalender Boys: Ein Freund – der mir vermutlich einen Landwirtschafts-Fetisch unterstellt – schickt mir das Ding alljährlich persönlich kommentiert zu. Und dann war da Michael. Überflutet von Schnaps und jugendlichen Hormonen  entdeckte ich den schönen Jüngling (mein Faible für den Typ Boygroup war schon damals sehr ausgeprägt) bei einem Schulball in der Keller-Disco. Zwischen „Smells Like Teen Spirit“ und „Song 2“ fragte ich ihn um eine Zigarette, zehn Minuten später knutschten und fummelten wir zusammengekauert im Stiegenhaus herum. Erst als ich meine Hand in seine Hose stecken wollte, fiel mir auf, dass er einen Rock anhatte. Einen Schottenrock. Aber nicht, weil er gegen  Geschlechterkonventionen revoltierte, sondern weil er Mitglied in einem obskuren Trachtenverein war. Die Mischung aus Ekel und Erregung verdrängte ich erst einmal – bis ich ihn sieben Jahre später in meiner Stammkneipe wiedertraf. Er stach mir sofort ins Auge, immerhin war er der Einzige unter Punks und Emos, der ein mittelalterliches Kostüm trug. „Das ist eine absolute Ausnahme“, erklärte er mir bei einem Bier, „ich habe gerade in einer ATV-Doku mitgespielt.“ Sexuelle Anziehung kann tiefe Gräben überwinden, lernte ich in dieser Nacht – nach einem schweißtreibenden Drei-Stunden-Fick zog er seine weißen Strumpfhosen wieder an und verschwand aus meinem Leben. Bis wenige Monate später der druckfrische Jungbauern-Kalender im Postfach lag. Michael – ein Installateur ohne Kuhstall – schmiegte sich in einer verdammt kurzen Lederhose an landwirtschaftliches Gerät. Nach drei Formulierungsversuchen schlüpfriger SMS, die die Wörter „Mähdrescher“ und „pflügen“ enthielten, legte ich das Telefon wieder weg. Die Nummer gab ich stattdessen an meinen Freund und Kalender-Sammler weiter. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er sich noch mehr darüber freuen würde.

Lotta Luise findet den 90er-Jahre-Boygroup-Style eigentlich noch immer ganz gut und hofft, dass sich die Kerle ihre Vollbärte bald wieder abrasieren.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

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positionswechsel: Im Namen des Arsches https://ansch.4lima.de/positionswechsel-im-namen-des-arsches/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-im-namen-des-arsches/#respond Wed, 25 Feb 2015 17:36:36 +0000 https://anschlaege.at/?p=6060 Ich liebe Hintern. Von SUZY FOUNTAIN]]>

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Ich liebe Hintern. Nein, richtig ist: Ich liiiieeeebe Hintern! Schon in der Schule schielte ich gern auf den Po meiner Altersgenoss_innen. Ich selbst war (und bin) in Hinblick auf meine vier Buchstaben eher mager ausgestattet – platt wie eine Flunder und ohne nennenswerte Rundungen. Umso interessierter zeigte ich mich am kurvigen Rückenende der anderen. Die meisten meiner Schulfreundinnen erklärten ihren Hintern jedoch zur permanenten Problemzone: zu groß, zu breit, zu fett! Für mich vollkommen unverständlich. Was sie verächtlich „Stockerlarsch“ schimpften, fand ich einfach hinreißend.
Angeblich kennt die deutsche Sprache über hundert (regionale) Synonyme für den Allerwertesten, aber es ist dennoch vor allem das Englische, das einen Berg an Bezeichnungen für das Hinterteil parat hat. Ob butt oder buns, fanny oder caboose, rump oder tush – die US-Popkultur hat nicht nur eine Fülle an Namen und Bildern, sondern auch alternative Schönheitsideale im Namen des (weiblichen) Arsches in Umlauf gebracht: Baby got back.
Eigentlich könnte ich mich über so viel Booty-Präsenz freuen. Aber die Tatsache, dass das dicke Ende mit einer Reihe von kolonialistisch-rassistischen Stereotypen belegt und seine Kommerzialisierung meistens arg sexistisch ist (vielsagend der Begriff „money maker“), verwickelt meine Hinternliebe auch in Widersprüche. Zugegeben, ich kann nicht weggucken, wenn Kim Kardashian auf dem berüchtigten „Paper“-Magazincover ihr Derrière präsentiert. Aber statt dieses retuschierten, schablonenhaft geformten Pfirsichgesäßes, das glänzt wie ein glasierter Donut, würde ich gerne Pos „au naturel“ in den Zeitschriften sehen: mit Dellen, Dehnungsstreifen und Falten, mit Haaren und Muttermalen. Kleine und große, alte und junge, flache und volle. Kurzum: ein Sprung mit dem Arsch ins Photoshop-besessene Gesicht dieser Gesellschaft.

Suzy Fountain fühlt sich seelenverwandt mit Peggy Bundy aus der TV-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“, die im Bett immerzu nur das eine will: „Reib mir den Hintern!“

 

positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne
Illustration: Nadine Kappacher

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positionswechsel: Der Feind in meinem Bett https://ansch.4lima.de/positionswechsel-der-feind-in-meinem-bett/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-der-feind-in-meinem-bett/#respond Sun, 30 Nov 2014 21:02:50 +0000 https://anschlaege.at/?p=5792 Ich falle gleich mit einem Geständnis ins Haus: Ich war im Bett mit einem ÖVPler. Von SUZY FOUNTAIN]]>

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Ich falle gleich mit einem Geständnis ins Haus: Ich war im Bett mit einem ÖVPler. Zugegeben, es ist schon eine ganze Weile her – ich war jung und brauchte Sex (und davon nicht zu knapp). Kennengelernt hatten wir uns in einem Chat. David war respektvoll, hatte Schmäh und war, wie sich schon bald herausstellen sollte, ein verdammt guter Küsser, der mein Hirn in meine Muschi rutschen ließ. Dauergeil, wie ich war, hätte ich ihm bei unserem ersten Treffen am liebsten die Kleider vom Leib gerissen. Obendrein war ich, die sich bis dahin vor allem lesbischen Vergnügungen hingegeben hatte, neugierig und wollte mich in Sachen Hetero-Sex weiterbilden. Wie macht man Sex mit einem Mann? Diese Frage war mir vollkommen ernst und Antrieb, praktische Feldforschung zu betreiben. Warum auch nicht? Schließlich ist auch ein heterosexueller Fick ebenso wenig „natürlich“ wie jeder andere Sex.
David war in vielerlei Hinsicht ein typisch Konservativer: Er glaubte an die Ehe und die traditionelle Familie, ging in die Kirche und fantasierte ausgiebig davon, anal penetriert zu werden. Und trotzdem: Er war nicht das reaktionäre Arschloch, das man sich als politischen Gegner vorstellt, sondern gab sich durchwegs liberal und weltoffen.
„Spinnst du?“, schimpfte mich eine Freundin, als ich ihr meine Affäre beichtete. „Das ist doch der Klassiker: Machen einen auf humanistisch und legen dich dann erst recht aufs Kreuz.“ Ich begann zu grübeln: Sollte man wissen, wen die andere Person wählt, bevor man mit ihr ins Bett steigt? (Ein Sexleben nach Parteibuch, das klingt nach der Hölle auf Erden.) Zeugt es von mangelndem revolutionären Bewusstsein, wenn man mit dem politischen Gegner Körperflüssigkeiten austauscht? (Liebe mit dem Klassenfeind – schuldig im Sinne der Anklage!) Dürfte ich dann in diesem Fall nur mit linken Männern schlafen? (Haha.)
Indes erledigte sich die Sache mit David ohnehin bald von selbst: So wie seine politische Zugehörigkeit hatte er mir einfach nicht schmecken wollen. Und ich keinen Grund mehr, mir länger auf die Zunge zu beißen.

Suzy Fountain verteilt ungern Fragebögen, bevor sie mit jemandem auf Tuchfühlung geht.

positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne
Illustration: Nadine Kappacher

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