II / 2015 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Wed, 29 Jul 2020 21:12:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png II / 2015 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.künden: Fotografie mal drei https://ansch.4lima.de/an-kuenden-fotografie-mal-drei/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-fotografie-mal-drei/#respond Fri, 27 Feb 2015 19:01:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=6092 In der Ausstellung „From Our Rooms“ setzen sich Bilder mit Queerness auseinander.]]>

In „From Our Rooms“ zeigen die drei Fotografinnen Paula Winkler, Goodyn Green und Alexa Vachon ihre Bilder, die sich auf unterschiedliche Arten mit dem Konzept von Queerness auseinandersetzen. Alle drei fragen nach Geschlechterrollen und inwieweit diese Menschen definieren. Paula Winkler hat Timo, einen Mann, der Kleider liebt und sich gerne kostümiert, begleitet und abgelichtet. Goodyn Green fotografierte in ihrer Serie „Between Sheets“ (queere) Frauen in den verschiedenen Stadien des Entkleidens. Alexa Vachon zeigt Portraits von Paaren, von denen sich mindestens eine Person als queer identifiziert.

From Our Rooms © Alexa Vachon
From Our Rooms © Alexa Vachon

21.3.–12.4.: From Our Rooms, aff Galerie, 10249 Berlin, Kochhannstr. 14,  www.aff-galerie.de

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an.künden: Was bleibt https://ansch.4lima.de/an-kuenden-hass-der-bleibt/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-hass-der-bleibt/#respond Thu, 26 Feb 2015 18:57:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=6090 In ihrer Ausstellung widmet Marika Schmiedt sich ihrer eigenen Familiengeschichte.]]>

Marika Schmiedt ist bildende Künstlerin, Aktivistin, Filmemacherin und Romni. Bereits 2012 sorgte sie für Furore, als sie provokative und ironische Plakate zur politischen Situation von Sinti und Roma in Ungarn an einem Linzer Bauzaun anbrachte.
In der neuen Wiener Ausstellung widmet Schmiedt sich ihrer eigenen Familiengeschichte, der Verfolgung in der NS-Zeit und der Ermordung ihrer Großmutter im KZ Ravensbrück. Die Künstlerin zeigt, dass diese Vergangenheit fortwirkt.  So weist sie auf die aktuelle Zunahme von Diskriminierung und Stigmatisierung in Europa hin – und wehrt sich mit künstlerischen Mitteln.

Marika Schmiedt – was bleibt. Fragmente einer fortwährenden Vergangenheit. © Marika Schmiedt
Marika Schmiedt – was bleibt. Fragmente einer fortwährenden Vergangenheit. © Marika Schmiedt

Bis 12.3.: Marika Schmiedt – was bleibt. Fragmente einer fortwährenden Vergangenheit.
DÖW, 1010 Wien, Wipplingerstr. 6–8, www.doew.at

 

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Prinzip Selbstverwirklichung https://ansch.4lima.de/prinzip-selbstverwirklichung/ https://ansch.4lima.de/prinzip-selbstverwirklichung/#comments Wed, 25 Feb 2015 18:44:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=6054 Interview: Neos-Nationalratsabgeordnete BEATE MEINL-REISINGER über Quoten und Eigenverantwortung. Von BRIGITTE THEIßL und LEA SUSEMICHEL]]>

BEATE MEINL-REISINGER ist die einzige weibliche  Nationalratsabgeordnete der Neos. Warum sie dennoch zuversichtlich ist, dass liberale Politik auch für Frauen  gut ist, erklärt sie BRIGITTE THEIßL und LEA SUSEMICHEL.

 

an.schläge: Sie sind derzeit die einzige weibliche Nationalratsabgeordnete Ihrer Partei, die Neos haben damit den geringsten Frauenanteil der im Parlament vertretenen Parteien. Warum können Sie Quoten dennoch nichts abgewinnen?

Beate Meinl-Reisinger: Ich bin mit der Situation nicht glücklich, niemand von uns ist das. Das Problem ist, dass wir schon bei den Vorwahlen zu wenige Frauen hatten, die sich bei uns engagiert haben – da hätte uns auch eine Quote nichts genützt. Ich möchte aber schon betonen, dass wir eigentlich bei jeder Wahl eine Frau als Spitzenkandidatin hatten. Dennoch ist die Anzahl an Frauen, die in eine Kandidatur geht, im Vergleich zu den Männern nicht befriedigend.

Sie lehnen Quoten auch in der Wirtschaft ab.

Na gut, das ist ein Ausdruck unserer Geisteshaltung im Sinne der Privatautonomie. Wir alle sollten ein Interesse daran haben, dass Unternehmen möglichst gut arbeiten und Jobs sichern. Auch in der Politik müssen wir anderswo ansetzen und danach fragen, warum sich Frauen weniger engagieren, warum wir weniger weibliche Mitglieder haben als männliche. Das betrifft nicht nur uns als Neos. Auf anderen Ebenen sieht man das Engagement der Frauen sehr wohl: Viele Bürgerinitiativen werden beispielsweise von Frauen geleitet. Wenn man dann aber auf die Frauen zugeht und sagt, stell dich auf, werde Mandatarin, sagen wenige Frauen zu. Jetzt kann man sagen, eine Quote würde da helfen, aber ich bin davon überzeugt, dass zum Beispiel unser Promotorinnenprogramm allein einen großen Effekt haben wird.

Ihre Maßnahmen wie das Promotorinnenprogramm setzen beim Befund an, dass die politische Kultur noch zu stark männlich geprägt ist und hier Veränderung passieren muss. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt – wann sagen Sie: Wir sind auch ohne Quote erfolgreich?

Wenn wir eine gleichmäßige Geschlechterverteilung haben. Dasselbe Problem haben wir übrigens bei Personen mit Migrationshintergrund. Wir haben keine Vorfeldorganisationen wie andere Parteien, wir laden Menschen einfach ein, sich bei uns zu engagieren, und da kommen auch weit weniger Personen mit Migrationshintergrund. Hier kann man Menschen aktiv ansprechen, aber es ist immer auch eine Frage der Ressourcen.

Die Frauenagenden sind in Österreich derzeit im Bildungsministerium untergebracht. Braucht es aus Ihrer Sicht ein eigenständiges Frauenministerium?

Ob es ein eigenes Frauenministerium braucht, das weiß ich nicht, tendenziell gibt es gute Beispiele von Ministerien, in denen mehrere Agenden gut und kompetent zusammengefasst sind. Frauenpolitik ist auf jeden Fall eine Querschnittsmaterie. Was es viel eher bräuchte, ist eine effektive Koordination mit den anderen Ressorts. Ich halte es schon für wichtig, dass es die Funktion der Frauenministerin gibt, die Frage ist, ob man sie nicht gleich auf eine Gleichstellungsministerin ausweiten könnte.

Ist eine Regierung mit den Neos ganz ohne Frauenministerin vorstellbar?

Nein, da gibt es schon noch genug zu tun. Vielleicht könnte es auch eine Staatssekretärin sein.

In Ihrer Partei gibt es Themengruppen für Familienpolitik und Gleichstellungspolitik.

Ja, aber das sind schon getrennte Gruppen. Bei der Frauenpolitik und Familienpolitik gibt es natürliche eine große Schnittmenge, deshalb finde ich es wichtig, dass hier eng verzahnt gearbeitet wird – aber es sind eigenständige Bereiche.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Frauenministerin Heinisch-Hosek, wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken?

Sie schafft es auf jeden Fall, eine starke und prononcierte Stimme zu manchen Themen zu sein. Das halte ich schon für wichtig. Auch zum Beispiel in dieser an sich wirklich unsäglichen Hymnen-Diskussion. Ich habe mir dazu die Postings auf ihrer Facebook-Seite angeschaut – verstörend ist hier noch zu verharmlosend. Allgemein ist die Frauenpolitik eben ein sehr schwieriges Feld: Wirkliche Fortschritte sehen wir nicht, weil auch vielleicht noch nicht ganz klar ist, wo der Hebel ist, bei dem man ansetzen muss. Bewusstseinsbildung funktioniert schon sehr gut – das ist aber natürlich zu wenig.

 

Beate Meinl-Reisinger © Christine Weislein
Beate Meinl-Reisinger © Christine Weislein

Ein wichtiges Gleichstellungsthema sind auch die Steuern. Inwiefern sind Überlegungen zu einer gerechteren Verteilung von Einkommen und Vermögen zwischen den Geschlechtern in das Steuerkonzept der Neos miteingeflossen? Sie lehnen etwa eine Vermögenssteuer ab.

Ja gut, aber Vermögenssteuern sind kein frauenpolitischer Ansatz. Und bei unserem Konzept ist es so, dass niedrigere Einkommen deutlich mehr profitieren würden als höhere.

Aber Vermögenssteuern sind schon ein wesentlicher Aspekt, wenn man bedenkt, dass Vermögen sich in Österreich klar in Männerhand befindet.

Es wird Sie nicht überraschen, dass wir gegen Vermögenssteuern sind. Über eine Vermögenszuwachssteuer, also eine Ertragssteuer, kann man immer reden, ich bin auch offen für Gerechtigkeitsdiskussionen in der Steuerpolitik. Primär geht es uns aber darum, eine Entlastung zu erwirken. Insofern finde ich unser Konzept sehr wichtig, wir sind die Einzigen, die auf der Ausgabenseite schauen, was überhaupt an Volumen drinnen ist. Und wir wollen gerade bei den unteren Einkommen, die ja Frauen betreffen, eine Entlastung. Und was mir auch ganz wichtig ist: Es ist ein Konzept der Individualbesteuerung. Ich halte es aus frauenpolitischer Sicht für ganz wichtig, bei der Individualbesteuerung zu bleiben und nicht zu einem Splitting-Modell zu wechseln.

Ihr Abgeordneter Gerald Loacker bezeichnet die Forderung nach einem Mindestlohn als einen Denkfehler. Stimmen Sie dem zu?

Es ist ein Denkfehler, weil unser System das nicht vorsieht. Wir haben Kollektivverträge und damit de facto einen Mindestlohn. Und wir glauben auch – so sehr wir die Sozialpartnerschaft kritisieren –, dass das gut funktioniert. Mit einer Ausnahme, die wir auch in unserem Gleichstellungspapier notiert haben: In den Kollektivverträgen passieren Festschreibungen von typisch männlich und typisch weiblich. Das ist ein Thema, das die Sozialpartnerschaft hätte angehen können und müssen.

Die Kollektivverträge sind in manchen Berufssparten allerdings sehr niedrig. Eine zahnärztliche Assistentin verdient etwa zum Berufseinstieg 1.200 Euro brutto, das sind 1.000 Euro netto.

Glauben Sie, dass ein Mindestlohn deutlich darüber liegen würde? Ein realistischer Mindestlohn? Das ist eine illusorische Vorstellung. Ein Kollektivvertrag setzt immer dort an, wo sich Angebot und Nachfrage treffen. Wenn man sich davon entfernt, ist es nicht mehr leistbar. Ich meine, es wäre eine wunderschöne Vorstellung, wenn ich jetzt sage: 2.000 Euro Mindestlohn für alle, aber das wird es nicht geben.

Zusammengefasst: Frauen verdienen in Österreich weniger, besitzen weit weniger Vermögen und erben auch weniger. Allein lebende Pensionistinnen und Alleinerzieherinnen sind zudem am häufigsten armutsgefährdet. Nun ist Sicherung einer eigenständigen Existenz von Frauen eine alte feministische Forderung – wo würden Sie also ansetzen, um dies zu erreichen?

Also diese Forderung teile ich. Ich glaube, dass die Eigenständigkeit der Frauen nur über die eigene Erwerbstätigkeit funktioniert. Die Problematik der unbezahlten Arbeit ist mir klar, da kann man etwas tun und da wird auch viel getan, aber es ist die Erwerbsarbeit, die im Vordergrund steht. Und hier sind wir auch beim Thema Familie und Beruf. Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber ich habe das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld miterfunden, weil ich gesehen habe, dass es notwendig ist, die Männer stärker in die Verantwortung zu nehmen und die Karotte vor der Nase größer zu machen. Ich kann mir auch ein Splitting vorstellen: Einen Teil der Karenzzeit gibt es nur, wenn der Mann auch in Karenz geht. Ein wichtiger Punkt sind außerdem Pensionen. Dass die Pensionshöhe mittlerweile über die gesamte Erwerbsarbeitszeit errechnet wird, war sehr einschneidend für Frauen. Genau deshalb – das wird Ihnen jetzt nicht gefallen – verstehe ich die Diskussion nicht, die es um das Frauenpensionsalter gibt. Denn genau diese fünf Jahre wären wichtig für eine höhere Pension. Ich glaube nicht, dass den Frauen mit dem niedrigeren Antrittsalter etwas Gutes getan wird, auch weil sie früher „alt“ sind am Arbeitsmarkt. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Ausbildung, das ist halt immer so eine zweischneidige Sache. Unser Promotorinnen-Programm begleiten wir mit Seminaren und Schulungen, aber damit suggeriert man auch, Frauen müssten noch besser ausgebildet sein und hätten Defizite – das ist es ja nicht.

Mit einem höheren Pensionsantrittsalter werden es ältere Arbeitnehmerinnen aber nicht wirklich leichter haben am Arbeitsmarkt.

Na ja, denken Sie es einmal durch. Wenn Sie Unternehmer sind und regelmäßig in Weiterbildung investieren, bis zu welchem Alter machen Sie das? Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass wegen des früheren Pensionsantrittsalters gesagt wird: In die investiere ich jetzt nicht mehr. Ich finde es unerträglich, dass es einem abgesprochen wird, das aus frauenpolitischer Sicht zu problematisieren. Es ist ein Grund, warum Frauenpensionen niedriger sind. Diese fünf Jahre, in denen es in der Regel keine Kinderbetreuungsaufgaben mehr gibt und hoffentlich noch keine Betreuung der Eltern, werden einfach gekappt. Und ich halte auch das frühere Pensionsantrittsalter für einen ganz schlechten Ausgleich für die Lasten, die Frauen tragen müssen – dieses Argument wird hier ja verwendet.

Das faktische Pensionsantrittsalter unterscheidet sich bei Männern und Frauen allerdings nicht um fünf Jahre.

Das ist richtig. Aber es ist niedriger.

Die Neos haben ein Konzept eines „Bürger_innengeldes“ erstellt. Verknüpft wird es mit dem Grundsatz „Leistung soll sich auszahlen“.

Damit ist das Prinzip der Negativsteuer gemeint. Wer ein paar Stunden arbeiten geht, verliert nicht gleich den Anspruch, d. h. durch Arbeit entsteht immer mehr Einkommen. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung setzt derzeit negative Leistungsanreize. Wer arbeitet, verliert den Anspruch, das halte ich nicht für klug. Und das kommt jetzt darauf an, von wem wir reden, aber es gibt Leute, denen würde es guttun, wieder sukzessive in den primären Arbeitsmarkt hineingeführt zu werden und einen Tagesrhythmus zu haben.

Um auf die Leistung zurückzukommen, die sich auszahlen muss. Allein die geschätzte Wertschöpfung der – meist von Frauen ausgeübten – unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern sowie Pflege von kranken und pflegebedürftigen Angehörigen beträgt ca. 35 Milliarden Euro pro Jahr. Sind Slogans wie „Leistung muss sich lohnen“ angesichts dessen nicht zynisch?

Ist das der Slogan von uns? Ich glaube, das ist eher der Slogan der ÖVP.

Ich habe ihn auch in Ihrem Programm mehrmals gelesen.

Natürlich ist es wichtig, dass es, wenn du mehr Leistung bringst, auch rewarded wird. Nur weil einige Menschen sich anstrengen und Risiken eingehen, gibt es Jobs. Deshalb gibt es Unternehmen, die für andere Jobs schaffen. Insofern stehe ich schon zu diesem Prinzip – auch im Steuerkontext. Aber Sie haben natürlich Recht bei der unbezahlten Arbeit, das ist eine riesige Summe, keine Frage.

Und wäre die unbezahlte Arbeit nicht auch etwas, das in die Pension einfließen müsste?

Bis zu einem gewissen Grad ja, das haben wir schon besprochen: Kinderbetreuungszeiten, Pflegezeiten. Die Frage bleibt aber, was leistbar ist. Wir haben budgetär derzeit keinen großen Spielraum. Ich bin immer offen, wenn man mir auch realistische Finanzierungsmodelle bringt.

In der Familienpolitik treten die Neos für eine automatische gemeinsame Obsorge ein – für viele feministische Organisationen ist das ein rotes Tuch.

Wenn Sie wollen, dass die Pflichten gleich verteilt sind, können Sie die Rechte nicht vorenthalten. Wenn wir Gleichstellung und Gleichbehandlung ernst nehmen, dann ist das auch ein Thema. Es steht dabei selbstverständlich immer das Kindeswohl im Mittelpunkt und es betrifft ja nur die Fälle, wo es wirklich nicht zum absoluten Streit kommt. Und wenn ich will, dass der Vater auch die Pflichten übernimmt, muss ich ihm auch die Rechte geben.

Die Neos treten dafür ein, dass homosexuelle Partnerschaften gleichgestellt werden. In allen Aspekten – auch bei der Adoption?

In jeder Hinsicht, ja, wir sind auch für die Öffnung der Ehe.

Kommen wir zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Dieser ist derzeit in Österreich im Strafgesetzbuch verankert. Soll das so bleiben?

Das ist eine schwierige Frage. Also ich kann mit dieser Lösung ganz gut leben, solange sie nicht verändert wird. Sie ist ein hart erkämpfter Kompromiss. Und wenn ich mir die Debatte um das Fortpflanzungsmedizingesetz anschaue, bin ich froh, dass wir diesen Kompromiss haben, mit dem ich als Frau leben kann – auch wenn ich mir andere Lösungen vorstellen könnte.

Die Kosten des Schwangerschaftsabbruchs sind privat zu tragen – können Sie sich den Abbruch als Kassenleistung vorstellen?

Das muss man sich anschauen, in welchen Fällen das möglich sein könnte. Generell würde ich nicht dafür eintreten. Das sehe ich nicht ein, Eigenverantwortung gibt es ja auch noch.

Und wie sieht es bei Verhütungsmitteln aus?

Nein. Vielleicht für Jugendliche, aber nicht für die Allgemeinheit. Oder in bestimmten Fällen, wo es besonders begründet ist.

Sie sind Spitzenkandidatin der Neos für die Wiener Gemeinderatswahl. In Wien ist derzeit Sexarbeit ein umstrittenes Thema. Sexarbeiterinnen werden zunehmend in die Randgebiete der Stadt verdrängt. Wie stehen Sie dazu?

Ich halte die derzeitige Lösung nicht für ideal. Wir haben allerdings noch keinen Gegenvorschlag, muss ich ganz offen sagen. Prostitution zu verbieten, ist jedenfalls nicht meine Lösung.

Wie sieht es mit der Bestrafung von Freiern aus?

Nein. Wir sind generell nicht fürs Bestrafen. Man muss einen Weg finden, der einen hohen Grad an Sicherheit und Selbstbestimmtheit der Frauen ermöglicht. Dass es Konflikte gibt in bestimmten Wohngebieten, kann ich schon nachvollziehen. Ich habe selbst einmal im 14. Bezirk gewohnt, was man dort erlebt, das ist sicher nicht angenehm, aber irgendeine Lösung müssen wir finden.

Kommen wir zum Schluss zur Bildung, einem wichtigen Thema für die Neos, vor allem in den Anfängen der Partei. Warum ist eine Gesamtschule für Sie nicht vorstellbar?

Also erstens einmal ist das Bildungsthema nach wie vor unser Hauptthema, wo wir auch in der überparteilichen Initiative „Talente blühen“ gerade ein Diskussionspapier zur autonomen Schule vorgelegt haben. Und wir haben generell sehr viel gegen die Selektion mit zehn. Wir glauben nur nicht, dass eine vereinheitlichte Schule mit demselben Stundenplan für alle Schüler der ideale Weg ist. Wenn wir – und das ist unser fester Glaube – die Talente und Begabungen der Kinder in den Mittelpunkt stellen, dann können wir nicht ein strenges Regime haben, das alle gleich macht. In unserem Konzept gibt es eine Vielfalt von Schulen, die auch eigene pädagogisch-didaktische Wege gehen können, aber alle erreichen dasselbe: die mittlere Reife.

Wenn es viele differenzierte Schulformen gibt, wird sich dann nicht früher oder später dasselbe Problem zeigen – nämlich, dass es Kinder privilegierter Eltern in Schulen schaffen, die eher den Weg auf die Uni eben?

Also ich glaube, dass in Wien derzeit der Wohnbezirk am meisten determiniert. Das ist eine Selektion, die passiert, ohne dass man es will. Es ist einfach etwas anderes, ob ich in eine Schule im 18. oder im 10. Bezirk gehe. Das kann ich nicht ändern. Ich kann aber schon schauen, dass es einen besseren Austausch gibt in den Stadtteilen. Man hat hier einen Hebel über die Finanzierung. Wir wollen eine Gleichbehandlung von öffentlichen, konfessionell-privaten, aber auch Privatschulen, und damit auch von Schulen unter freier Trägerschaft, die jetzt eindeutig benachteiligt sind. Sie alle sollen Geld bekommen, wenn ein Schüler die Schule besucht. Aber das reicht sicher nicht aus, das heißt, es braucht eine Art Sozialindex, damit die Schulen, die Brennpunktschulen sind oder besondere Herausforderungen in Sachen Sprache oder Bildungsmobilität haben, mehr Geld bekommen. In Schweden macht man es einfach am höchsten Bildungsabschluss der Eltern fest, das ist schon sehr aussagekräftig. Und durch diese Gleichbehandlung würde es aus unserer Sicht ein viel größeres Angebot geben, weil es derzeit nicht sehr attraktiv ist, eine Schule zu eröffnen, nachdem es keine öffentlichen Mittel gibt. Auf jeden Fall ist kein Schulgeld in unserem Modell vorgesehen. Wenn sich eine Schule diesem Finanzierungsmodell unterwirft, dann darf sie auch kein Schulgeld verlangen für den Kernunterricht.

„Wir sind keine neoliberalen Säcke“, hat Matthias Strolz in einem Interview gesagt. Ihr Parteiprogramm enthält jedoch zahllose Appelle an Eigenverantwortung und Entlastung der Solidargemeinschaft. Politikwissenschaftlerinnen wie Eva Kreisky haben jedoch immer wieder überzeugend dargelegt, dass der Neoliberalismus Frauen schadet. Wie, glauben Sie, lassen sich Wirtschaftsliberalismus und Feminismus unter einen Hut bringen?

Ich glaube ganz gut, weil sie auf dem Prinzip der Selbstverwirklichung basieren. Wir sind liberal, eine liberale Bürgerbewegung. Das heißt, wir sind wirtschaftspolitisch, aber auch gesellschaftspolitisch liberal, wir versuchen hier konsistent im Sinne unserer Grundwerte zu agieren. Allerdings sind wir nicht dogmatisch, der Matthias ist es nicht, und ich bin es auch nicht. Ich habe mich sehr über seine Aussage gefreut. Jetzt könnte man natürlich lange Diskussionen über die Begriffsdefinition des Wortes Neoliberalismus führen. Ursprünglich hat das ja geheißen, dass man den Liberalismus zügelt. Wir sind der Idee der ökosozialen Marktwirtschaft verpflichtet. Markt ja, aber dort, wo es ein Marktversagen gibt, jemand sich nicht selbst verwirklichen kann, weil er zum Beispiel durch Krankheit daran gehindert wird, da muss es ein soziales Netz geben. Das ist überhaupt nicht neoliberal. Es ist uns aber wichtig, die Eigenverantwortung und die Entfaltungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen. Es muss eine Freiheit im und vom Staat geben, also die Betonung der Bürgerrechte, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Datenschutz – alle diese Bereiche. Aber auch, wenn ich sage, jetzt mache ich etwas, ich gründe etwas, packe es an, dass ich dann nicht von einem bürokratischen Monster zerrieben werde. Und mir vielleicht auch noch jemand sagt: Es ist doch besser, wenn du in den öffentlichen Dienst gehst und dich nicht selbstständig machst als EPU (Anm. Ein-Personen-Unternehmen). Da haben wir schon eine Mentalität in Österreich, angesichts derer es nicht schaden würde, mehr Freiheit zu leben.

Das kann man aber auch alles mit einem starken Sozialstaat kombinieren.

Zum Sozialstaat komme ich noch. Die Entfaltungsmöglichkeit ist aus meiner Sicht durchaus sehr wichtig für Frauen. Das hat etwas Emanzipatorisches, einfach frei zu sein von – sicherlich auch ökonomischen – Zwängen, aber vor allem von staatlichen Zwängen, von Meinungszwängen, von Gesinnungszwängen. Uns ist das Unternehmerische ganz wichtig. Wir sprechen nicht den großen Konzernen das Wort, da sind wir durchaus kritisch, aber es geht um Unternehmergeist, den Europa und Österreich dringend brauchen. Eigentümergeführte Unternehmen, mit denen Leute ein Risiko eingehen, innovativ sind und Mehrwert und Jobs schaffen. Es wird nicht möglich sein, allen Menschen ein decent life im öffentlichen Dienst zur Verfügung zu stellen. Der Sozialstaat ist etwas Gutes und Wichtiges, wir wollen ihn nicht zerstören, sondern nachhaltig sichern. Unserer Meinung nach ist dieser aber eben nicht nachhaltig gesichert. Ein Beispiel ist das Pensionssystem, das in 25 Jahren nicht mehr in dieser Form existieren kann. Und das sagt auch die Pensionsreformskommission. Oder das Gesundheitssystem, wo wir aufgrund eines völlig fehlgeleiteten Föderalismus Unsummen an Ineffizienzen haben, nur weil manche Landeskaiser ein Landesspital an einer bestimmten Stelle haben wollen. Es geht nicht darum, etwas zu zerstören, sondern überkommene Machtspielwiesen zu überwinden.

Wie unterscheiden Sie sich eigentlich von der deutschen FDP?

Dazu kenne ich ihre Positionen zu wenig. Ich war bei der FDP in Berlin einmal eingeladen und ich kann nur sagen, die FDP ist von ihrer Art, von ihrem Habitus ganz anders. Da waren lauter alte Männer und ich habe mich eher wie bei SPÖ oder ÖVP gefühlt und nicht wie bei den Neos. Ich glaube, dass wir außerdem wesentlich partizipativer sind in unserer Arbeitsweise.

 

Beate Meinl-Reisinger ist stellvertretende Vorsitzende und Wiener Landessprecherin der Neos.

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Revolutionen der Liebe https://ansch.4lima.de/revolutionen-der-liebe/ https://ansch.4lima.de/revolutionen-der-liebe/#respond Wed, 25 Feb 2015 18:15:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=6056 Der feministische Blick auf die Liebe war noch nie romantisierend. Von LEA SUSEMICHEL]]>

Love hurts! Von der frühen Ehekritik zu den Love Studies: Der feministische Blick auf  Liebe war nie romantisierend. Von LEA SUSEMICHEL

 

Die Einsicht, dass Liebe etwas mit gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun hat, kann sehr verstörend sein. Die Liebe zu unseren PartnerInnen, unseren FreundInnen, Kindern oder Eltern scheint zu unserem Privatesten, Persönlichsten und auch Wertvollsten zu gehören. Sie ist sinnstiftend und gilt als etwas, das uns im Innersten ausmacht. Die These, dass diese Liebe weder einfach „passiert“ oder uns wie eine Himmelsmacht überkommt, noch notwendigerweise mit der Muttermilch einschießt, sondern stattdessen immer auch das Resultat kultureller Konventionen ist, kann deshalb unser Selbstverständnis und unsere identitären Grundüberzeugungen zutiefst erschüttern.
Doch Feministinnen hatten schon sehr früh allen Grund dazu, der Liebe in ihren unterschiedlichen Formen zu misstrauen. Die Reinheit und Selbstlosigkeit, die sowohl der Mutterliebe als auch der romantischen Liebe zugeschrieben wurden, ging schließlich historisch meist auf Kosten der Frauen. Aufopfernde Liebe als weibliche Kardinaltugend wurde als perfide Strategie patriarchaler Macht entlarvt, um Frauen die selbstlose Sorge für ihre Liebsten zu überantworten und sie in der „Knechtschaft der Ehe“ zu halten.

Liebe wird oft überbewertet. Wenn Christiane Rösinger also „Liebe wird oft überbewertet” und „Pärchen verpisst euch“ singt, dann spricht sie nicht erst heute vielen Feministinnen aus den vorsorglich verhärteten Herzen. Schließlich stand das ideologische Ideal der romantischen, monogamen Paarbeziehung nicht nur weiblicher Selbstbestimmung im Weg, sondern auch der Herausbildung alternativer und egalitärer Liebes- und Lebensformen. Neue Beziehungsformen ohne Besitzansprüche zu entwickeln, war deshalb nicht nur erklärtes Ziel emanzipatorischer Bewegungen wie der 68er (die damit allerdings vor allem die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen im Sinn hatten), es stand auch ganz oben auf der feministischen Agenda für eine bessere Welt. Entsprechend wurde nicht erst mit der Zweiten Frauenbewegung lesbisches und polygames bzw. polyamouröses Leben als privates wie politisches Projekt gegen männliche Herrschaft und Heteronormativität in Stellung gebracht. In die Kritik gerieten dabei auch die allgegenwärtigen verkitschten Liebesrepräsentationen und Liebesregime, die Menschen mit den falschen Körpern oder der falschen Herkunft bis heute systematisch ausschließen.

© Henna Räsanen, https://hennarasanen.wordpress.com
© Henna Räsanen, https://hennarasanen.wordpress.com

Liebe und Ethik. Auch wenn die feministische Kritik an Liebesverhältnissen zunehmend von einem Fokus auf Sexualität und den ihr innewohnenden Dominanzstrukturen abgelöst wurde, beforschten vor allem Differenzfeministinnen Liebe im engeren Sinne auch weiterhin. Sie setzten dabei etwa auf die Unhintergehbarkeit von Liebe als moralischer und verbindender Kraft. Feministische Ethikerinnen, allen voran Carol Gilligan, plädierten für die Anerkennung einer spezifisch weiblichen Fürsorge-Ethik, die dem männlichen Gerechtigkeitsempfinden gegenübergestellt werden müsse.
Doch trotz solcher vereinzelter Forschungsarbeiten bestand lange ein eklatantes Gefälle zwischen dem großen Stellenwert, den die meisten Menschen der Liebe in ihrem Leben einräumen, und der weitgehenden Ausblendung des Themas Liebe im akademischen Feld. Dieses Missverhältnis konstatieren auch Anna G. Jonasdottir und Ann Ferguson, die Herausgeberinnen des Bandes „Love: A Question for Feminism in the Twenty-First Century“. Seit den frühen 1990er-Jahren habe sich das allerdings schlagartig geändert, inzwischen könne von einem regelrechten wissenschaftlichen Boom des Liebesthemas gesprochen werden, was sich wohl nicht alleine durch das sozialwissenschaftliche Interesse an Phänomenen wie dem Singlestatus oder seriellen Beziehungen in der neuen Liebeslandschaft westlicher Gesellschaften erklärt.

Liebesarbeit und globale Revolution. Als lang unterdrücktes Wissen, das sich jetzt endlich Bahn bricht, könne diese Beschäftigung mit dem Liebestopos interpretiert werden, schreiben Jonasdottir und Ferguson. Genauso gut könne es aber auch als akademisches Ausschlachten des letzten Refugiums menschlicher Regungen interpretiert werden. Doch dieser Vorwurf lässt sich wohl selbst der feministischen Auseinandersetzung mit Liebe machen. Um die ungewürdigten und unbezahlten Leistungen von Frauen sichtbar zu machen, haben sich in feministischen Diskursen längst Begriffe wie Pflege- bzw. Sorgearbeit, aber auch explizit
„Liebesarbeit“ etabliert, womit letztlich eine Ökonomisierung von Lebensbereichen betrieben wird, die auf vielen anderen Ebenen scharf in der Kritik steht. Gleichzeitig macht die Benennung sichtbar, welche „Liebesdienste“ selbstverständlich von Frauen erwartet werden. Jonasdottir und Ferguson stehen in der Tradition eines materialistischen Feminismus – sie wollen Liebe und Arbeit als etwas verstanden wissen, das sowohl im Dienste von Befreiung stehen kann, wie es auch ausbeutbar ist, um Unterdrückungsverhältnisse zu sichern.
Man mag nicht alle Thesen und theoretischen Zugänge dieser neuen „Love Studies“ teilen, die so unterschiedliche Beiträge wie eine Analyse der Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin, aber auch klassische Heteronormativitätskritik umfassen oder eine von liebevoller Zuwendung geprägte „Frauenzeit“ einfordern, um die herrschende „Zeit ist Geld“-Logik abzulösen. Die Einschätzung der Autorinnen, dass die feministische Theorie durch eine Forcierung feministischer Liebesforschung viel zu gewinnen hat, ist jedoch sicher nicht falsch. Schließlich finden sich unter den Beiträgen des Sammelbandes auch solche, die „Liebe als Schlüsselkonzept einer politischen Theorie globaler Revolution“ präsentieren und dabei auf „Liebe, Solidarität und Fürsorge“ als gemeinschaftsstiftende Kräfte setzen. Love Revolutions – das fordern Feministinnen letztlich also alle irgendwie.

 

* Anna G. Jonasdottir/Ann Ferguson (Hg.): Love. A Question for Feminism in the Twenty-First Century. Routledge 2013.

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an.sehen: Web in Serie https://ansch.4lima.de/an-sehen-web-in-serie/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-web-in-serie/#comments Wed, 25 Feb 2015 17:48:59 +0000 https://anschlaege.at/?p=6058 Abbi in „Broad City“ nach ihrer Weisheitszahn-Operation. © Matt PeytonIn Online-Serien gibt es viel Feministisches zu entdecken. Von ARTEMIS LINHART]]> Abbi in „Broad City“ nach ihrer Weisheitszahn-Operation. © Matt Peyton

Von der Flimmerkiste ins Internet und umgekehrt: TV-Serien ergänzen ihr Programm im Netz und Webserien avancieren ins Hauptprogramm. ARTEMIS LINHART präsentiert einige Highlights.

 

Beim Genre der Webserie regiert das Do-It-Yourself-Prinzip: Die Erfinder_innen der Serie schreiben und produzieren diese meist selbst und stehen vor und hinter der Kamera. Oft werden auch Ton und Schnitt selbst erledigt. Meistens ist DIY im Ergebnis auch sichtbar – ist die Serie überzeugend, tut ihr das allerdings keinen Abbruch. Dass die Episoden kurz und frei verfügbar im Netz zugänglich sind, sorgt für rasche Verbreitung.
Ein Paradebeispiel für den Schritt vom Internet ins US-amerikanische TV ist „Broad City“. Ilana Glazer, eine der beiden Schöpferinnen der Serie, machte 2012 auch mit „Chronic Gamer Girl“ von sich reden. In dem gleichnamigen Youtube-Kanal kann man ihr und gelegentlich Gäst_innen dabei zusehen, wie sie bekifft Videospiele spielen. Glazers Vorliebe für berauschtes Abhängen kommt auch in „Broad City“ zur Geltung. Die mit Abbi Jacobson kreierte Webserie erzählt von den Abenteuern zweier Slacker-Freundinnen in New York. Sogar Comedy-Göttin Amy Poehler wurde auf die Produktion der beiden jüdischen Feministinnen aufmerksam, wirkte in der finalen Folge mit und sorgte dafür, dass der Serie der Sprung ins Kabelfernsehen gelang.

Abbi in „Broad City“ nach ihrer Weisheitszahn-Operation. © Matt Peyton
Abbi in „Broad City“ nach ihrer Weisheitszahn-Operation. © Matt Peyton

Frankenstein reloaded. Eine interessante Entwicklung in der Webserienwelt sind Literatur-Adaptionen. Klassische Vorlagen werden auf queer-feministische Weise neu interpretiert. Ein wunderbares Beispiel ist „Carmilla“. Basierend auf der Novelle über eine – damals sehr subtil angedeutet lesbische – Vampirin von 1872 geht es in der kanadischen Webserie um den Video-Blog der Studienanfängerin Laura und deren neue, düstere Zimmergenossin, die ihr nicht ganz geheuer erscheint. Die Serie funktioniert großartig als hinreißend queere Neuschöpfung des Klassikers und hat eine dementsprechend enthusiastische Fangemeinde.
Von ähnlichem Schlag ist „The Lizzie Bennet Diaries“, eine kreative Interpretation von „Stolz und Vorurteil“. Ebenfalls im Vlog-Stil rollt die Protagonistin die turbulenten romantischen Verhältnisse ihrer Schwester Jane und deren Verehrer Bing Lee (bei Austen Mr. Bingley) auf. Die Serie ist köstlich ausgelassen und detailreich umgesetzt, inklusive aufwändiger Reenactments und zusätzlicher Goodies wie etwa einer parallel laufenden Spin-off-Serie von Lizzies kleiner Schwester.
Die dritte Klassiker-Adaption ist „Frankenstein, MD“. Die angehende Ärztin Victoria Frankenstein kann ganz nach Shelley-Manier ihre Experimentierwut nicht im Zaum halten und erschafft aus gesammelten Körperteilen ein eigenes „Monster“. Das Ganze wird im Stil einer edukativen Wissenschafts-Serie präsentiert, entwickelt sich jedoch sehr schnell zum Reißer für Sensationslüsterne.

Homoneurotik. Ingrid Jungermann ist eine Koryphäe unter den Brooklyner Homoneurotiker_innen. In der Tat schreibt sie sich diese Bezeichnung selbst auf die Fahnen. Mit ihrer neuen Webserie „F to 7th“ beschreitet Jungermann nun nach der lesbischen Beziehungs-Comedy „The Slope“ in etwas geschliffenerer Ästhetik neue Wege der Verwirrung zwischen Queerfeminismus und der eigenen Homophobie und konnte dafür eine ganze Reihe an TV-Lieblingen wie Janeane Garofalo und Gaby Hoffmann als Gaststars gewinnen. Frauen mittleren Alters haben ansonsten wenig Platz in Film und Fernsehen – mit ihren Webserien räumt Jungermann sich diesen Platz selbst ein.
Issa Rae ist ein Nachwuchsstar der Serienlandschaft und eine starke Stimme für Diversität in den US-Medien. In der extrem erfolgreichen Webserie „The Mis-Adventures of Awkward Black Girl“ erzählt  die Protagonistin J (gespielt von Rae) irrsinnig witzig aus dem ganz normalen Wahnsinn ihres Alltags. Rae veröffentlichte nicht nur ein Buch zur Serie, sondern produziert auch andere Web- und TV-Serien mit, in denen Women of Color die Bildschirme erobern.

 

Artemis Linhart ist begeisterte  Serien-Schauerin, sowohl on- als auch offline.

 

Broad City, www.broadcitytheshow.com
Carmilla, Youtube: VervegirlMagazine
The Lizzie Bennet Diaries, Youtube: LizzieBennet
Frankenstein, MD, Youtube: pbsdigitalstudios
F to 7th, www.fto7th.com
The Mis-Adventures of Awkward Black Girl, http://awkwardblackgirl.com

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positionswechsel: Im Namen des Arsches https://ansch.4lima.de/positionswechsel-im-namen-des-arsches/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-im-namen-des-arsches/#respond Wed, 25 Feb 2015 17:36:36 +0000 https://anschlaege.at/?p=6060 Ich liebe Hintern. Von SUZY FOUNTAIN]]>

eine lady genießt und schreibt

 

Ich liebe Hintern. Nein, richtig ist: Ich liiiieeeebe Hintern! Schon in der Schule schielte ich gern auf den Po meiner Altersgenoss_innen. Ich selbst war (und bin) in Hinblick auf meine vier Buchstaben eher mager ausgestattet – platt wie eine Flunder und ohne nennenswerte Rundungen. Umso interessierter zeigte ich mich am kurvigen Rückenende der anderen. Die meisten meiner Schulfreundinnen erklärten ihren Hintern jedoch zur permanenten Problemzone: zu groß, zu breit, zu fett! Für mich vollkommen unverständlich. Was sie verächtlich „Stockerlarsch“ schimpften, fand ich einfach hinreißend.
Angeblich kennt die deutsche Sprache über hundert (regionale) Synonyme für den Allerwertesten, aber es ist dennoch vor allem das Englische, das einen Berg an Bezeichnungen für das Hinterteil parat hat. Ob butt oder buns, fanny oder caboose, rump oder tush – die US-Popkultur hat nicht nur eine Fülle an Namen und Bildern, sondern auch alternative Schönheitsideale im Namen des (weiblichen) Arsches in Umlauf gebracht: Baby got back.
Eigentlich könnte ich mich über so viel Booty-Präsenz freuen. Aber die Tatsache, dass das dicke Ende mit einer Reihe von kolonialistisch-rassistischen Stereotypen belegt und seine Kommerzialisierung meistens arg sexistisch ist (vielsagend der Begriff „money maker“), verwickelt meine Hinternliebe auch in Widersprüche. Zugegeben, ich kann nicht weggucken, wenn Kim Kardashian auf dem berüchtigten „Paper“-Magazincover ihr Derrière präsentiert. Aber statt dieses retuschierten, schablonenhaft geformten Pfirsichgesäßes, das glänzt wie ein glasierter Donut, würde ich gerne Pos „au naturel“ in den Zeitschriften sehen: mit Dellen, Dehnungsstreifen und Falten, mit Haaren und Muttermalen. Kleine und große, alte und junge, flache und volle. Kurzum: ein Sprung mit dem Arsch ins Photoshop-besessene Gesicht dieser Gesellschaft.

Suzy Fountain fühlt sich seelenverwandt mit Peggy Bundy aus der TV-Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“, die im Bett immerzu nur das eine will: „Reib mir den Hintern!“

 

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Illustration: Nadine Kappacher
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an.sage: Frauenpolitik auf die Titelseiten! https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenpolitik-auf-die-titelseiten/ https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenpolitik-auf-die-titelseiten/#respond Wed, 25 Feb 2015 17:29:55 +0000 https://anschlaege.at/?p=6063 Feministische Analysen haben wenig Nachrichtenwert. Von GABI HORAK-BÖCK]]>

Ein Kommentar von GABI HORAK-BÖCK

 

Frauenpolitik kommt in Medien kaum vor. Dieser Befund ist nicht neu, eine aktuelle Studie belegt es nun für 2014. Die Agentur Media Affairs untersuchte die Berichterstattung über frauenpolitische Inhalte in den österreichischen Tageszeitungen „Der Standard“, „Die Presse“, „Kurier“ und „Kronen Zeitung“. Die umfangreichste Berichterstattung gab es zu Frauenquoten. An zweiter Stelle stand die geschlechtsneutrale Sprache (wir erinnern uns …). Die Studie untersuchte die Zahl der Wörter, die zu den einzelnen Themen veröffentlicht wurden. Eine Analyse der Qualität der Berichte – nach welchen Qualitätskriterien auch immer – müssten andere leisten.
Aber welche Schlüsse können wir nun daraus ziehen? Kommt Frauenpolitik wenig vor, weil es kaum frauenpolitische Aktionen, Maßnahmen und Statements gibt? Oder berichten Medien selten über frauenpolitische Aktivitäten, weil sie keinen hohen Nachrichtenwert haben? Tatsache ist: Es gibt wenige Frauenpolitikerinnen in den Parlamenten, die sich hörbar und regelmäßig zu Wort melden. Unsere Frauenministerin ist auch und in erster Linie für Bildung zuständig. Immerhin ist sie trotzdem – laut Studie – aber noch jene Politikerin, die Frauenpolitik am stärksten in den Medien transportiert hat. Gefolgt übrigens überraschenderweise von ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin. Auf der anderen Seite gibt es einiges an frauenpolitischem Engagement, das es kaum oder gar nicht in die Medien schafft. Denn Frauensprecherinnen und Expertinnen, Arbeitskreise und Projektgruppen haben keinen Promi-Faktor.
Doch Frauenpolitik muss auch über Massenmedien verhandelt und vermittelt werden, um einen öffentlichen Diskurs überhaupt zu ermöglichen. Müssen Medien also ihre Auswahlkriterien ändern? Oder müssen Frauenpolitikerinnen sich mehr um Medienkompatibilität bemühen bzw. prominente Frauen und Politikerinnen ihre Verantwortung stärker wahrnehmen? Beides.

Frauenpolitik ist eine Querschnittsmaterie, sie ist kompliziert und unbequem. Frauenpolitik ist … ja, was eigentlich? Der Duden kennt zwei Bedeutungen: „… von Frauen bestimmte Politik“ und „… auf die Wahrung der Interessen von Frauen gerichtete Politik“. Für den Österreichischen Frauenring muss Frauenpolitik den „Abbau noch bestehender kriminierungen und die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern“ behandeln. Die österreichische Verfassung bleibt da vergleichsweise vorsichtig: „… Maßnahmen zur faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern … sind zulässig.“ (Artikel 7, Absatz 2) Na immerhin sind sie nicht verboten.
Einiges an frauenpolitischem Engagement hat sich heutzutage ins Social Web verlagert. Der jährliche Grüne Frauenbericht, in Zeitungen kaum erwähnt, fand dort Verbreitung. Frauenministerin Heinisch-Hosek stellt dieses Jahr in ihrer Aktion #365Frauen jeden Tag auf Facebook eine andere Frau vor, die uns als Vorbild dienen kann. Ein Ersatz für die massenmediale Verbreitung frauenpolitischer Forderungen ist das freilich nicht.
Abgesehen von den wenig schlagzeilentauglichen Befunden hat Frauenpolitik eigentlich eine enorm hohe Relevanz – auch im Sinne des Nachrichtenwerts. Es gibt kaum einen Bereich in Gesellschaft und Recht, der keine frauenpolitische Dimension hat. So stark wie die Ungleichheit der Geschlechter uns alle beeinflusst und schwächt, und so kritisch, wie die Auswirkungen auf die Ökonomien, die Volkswirtschaft, die Familien sind, müsste Frauenpolitik mindestens jeden zweiten Tag auf den Titelseiten zu finden sein. Alleine in den vergangenen Wochen hätte es einige aktuelle Themen gegeben, die ohne feministische Perspektive eigentlich gar nicht gedacht werden können: Pränataldiagnostik, Asylpolitik, Bildungsreform, Pensionszahlen, Arbeitslosenzahlen. Stattdessen wird über geschlechtsneutrale Mathematikaufgaben polemisiert, im besten Falle. Und solange Frauenpolitikerinnen mit feministischem Kampfgeist nicht oft und laut genug schreien, wird sich daran kaum etwas ändern.

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