lebenslauf – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 06 Sep 2020 13:22:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png lebenslauf – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 lebenslauf: Totenbetthupferl https://ansch.4lima.de/lebenslauf-totenbetthupferl/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-totenbetthupferl/#respond Wed, 22 Nov 2017 18:11:36 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9168 Kolumne Lebenslauf - Illustration: Nadine KappacherSterben ist DER Orgasmus! Von MICHÈLE THOMA]]> Kolumne Lebenslauf - Illustration: Nadine Kappacher

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Frauen leben länger, super, immerhin. Vielleicht hängt es an unsern tollen Doppel-X-en? Nicht nur, die Herren sind bezüglich Jenseitsbeförderung deutlich motivierter. Was sie alles tun bzw. nicht tun! Couch potatoes auf Steinzeitdiät. Sie duellieren sich häufiger, neigen zu Risiko und Raserei und haben im Raufen und Saufen immer noch einen Vorsprung. Letzteres, unfair, wegen ihrer extrem strapazierfähigen Leber, die sie dann, what else?, überstrapazieren. Frauen, so liest frau häufig, seien dafür generell strapazierfähiger, würden mit ihren Ressourcen haushalten und dann eben hausfraulich ein paar Jahre mehr für sich herausschinden. Durch die Pamper Canyons zu robben ist zwar nicht der Thrill, aber mit deutlich weniger unmittelbarem Ablebenspotenzial verbunden als von einer schroffen Klippe ins Nada zu jumpen. Wenn die von der XY-Abteilung sich mit Drogen zudröhnen, gehen sie meist auch radikaler ans Werk. Selbst bei der Gottesdroge machen sie gern einen auf Ex. Statt einfach mal an die Luft zu gehen, sprengen sie sich in dieselbe. Sie gehen eben gern aufs Ganze, und dann eben drauf. So sind sie halt.
Späterer Exitus, streng, aber gerächt! Ein Trost für trostlose Etappen, allein Stehen, allein Liegen, allein Erziehen? Für all die Spagate, die akrobatischen Kunststücke, um es allen recht zu machen, in allen Rollen nicht aus der Rolle zu fallen, es sind meist keine Prinzessinnenrollen? Gut, Mütterchen, ein paar Jährchen gibt’s noch drauf. Jetzt hast du Ruhe, vor der ewigen, es kann plötzlich sehr ruhig werden, wo sind sie plötzlich alle? Eben sind mir noch alle auf der Nase herum getanzt.
Old school boys’ and girls’ stories, bald Legenden aus fernen Zeiten?, grübelgrübelt Greisin. Weil Männer und Frauen ja bald ganz andere sind und jede(r) einfach nur sie_er selbst, was wahrscheinlich auch nicht einfach ist.
Wie auch immer, ein kleines Totenbetthupferl. Lotte Ingrisch, die in ihrer Hofburgwohnung bei Rotwein und Schokolade mit Gespenstern konversiert, kann ihren Tod kaum erwarten. Sterben ist DER Orgasmus! Für alle. Auch für Männer.
Schon ok, wir sind ja nicht so.

 

Michèle Thoma geht auf die hundert zu.

 

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lebenslauf: End of story, end of glory! https://ansch.4lima.de/lebenslauf-end-of-story-end-of-glory/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-end-of-story-end-of-glory/#respond Thu, 31 Aug 2017 08:35:20 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8900 „Keine Angst vor 50!“ Von MICHÈLE THOMA]]>

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„Jeanne Moreau wird 50!“ steht auf dem „Emma“-Cover, unter ihrem schönen Gesicht.
End of story, end of glory! Fünfzig, Kap der Hoffnungslosigkeit, wir reden von Frauen, natürlich. Die einzige Abwechslung, die sie erwartet, heißt Wechseljahre.
Extra dramatisch für die, die im Licht der Öffentlichkeit stehen. Für sie gibt es kleine Hunde und schwule Walker. Statt Catwalk Katzenjammerwalk, etwas schwankend, mit Dauerkater Richtung Urne. Ein strahlender neuer Himmelskörper ist nämlich gerade neu geboren, in einer perfekt sitzenden irdischen Hülle. Neben ihm versinkt der Star, der die vierzig überlebt hat, ich rede natürlich vom weiblichen Star, im gnädigen Dunkel. Nur ein tragisches Ende hievt ihn noch mal auf die Titelseite.
Erica Jongs trotziger Aufruf gegen die kollektive Panikattacke „Keine Angst vor 50!“ ist noch nicht erschienen. Und all die anderen Trösterinnen der Betrübten, die bald den Markt überschwemmen werden, sind auch noch nicht da. Wie toll es doch ist, Falten zu haben, und wie frau sich mit ihren Jahresringen schmücken soll.
Von all dem sind wir noch weit entfernt, wie Jeanne Moreau zu ihrem Fünfziger im „Emma“-Interview erzählt. Seit einigen Jahren würden ihr nur noch Rollen angeboten, in denen sie Alkoholikerinnen und Selbstmörderinnen spielen soll. Dauernd soll sie leidende Frauen spielen. Verschmähte, schmachtende Frauen, Frauen mit durchbohrten Herzen, Frauen, die mit stieren Blicken vor leeren Weinflaschen lallen. Märtyrerinnen. Opfer. Und dann sagt Jeanne Moreau den schönen Satz, den allerschönsten, den unvergesslichen Sister-Soli-Satz, für den ihr ewige Seligkeit gebührt im Heilige-Schwestern-Himmel: „Das wollte ich den Frauen nicht antun.“ Diesen kranken Tragische-Tote-Frauen-Kult zu nähren. Romy, Piaf, Monroe, gebrochene Herzen, angebliche Verfallserscheinungen eines von einer voyeuristischen Öffentlichkeit belauerten Frauenfleischs. Der zerrupfte Spatz von Paris, am schönsten singt er, wenn er leidet.
Da spielte sie nicht mit.

 

Michèle Thoma geht auf die Hundert zu.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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lebenslauf: Ältere Dramen https://ansch.4lima.de/lebenslauf-aeltere-dramen/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-aeltere-dramen/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:49:45 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8482 LebenslaufWer hört sich Fortsetzungsgeschichten von Liebe und Kummer an? Von MICHÈLE THOMA]]> Lebenslauf

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Was wäre die Gesellinnenschaft ohne sie, ohne uns? Ohne jene Wesen, die meist unbemerkt irgendwo eintreten, und auch wenn sie gehen, fällt es nicht auf. Sie haben das Stadium der Unsichtbarkeit erreicht, von dem sie oft hörten. Sie könnten alles tun, nackt auf Tischen tanzen oder terroristische Akte vollbringen. Aber okay, die Tische sind etwas hoch und anders als junge Männer haben sie auch nicht die geringste Lust zu sterben.
Die, die also irgendwie auch da sind, sind halt irgendwie auch da. Bei Kulturveranstaltungen sind sie in der Mehrzahl, ältere Dramen scheinen ein Bedürfnis zu haben, sich weiterzuentwickeln, die seltenen männlichen Begleiterscheinungen outen sich als Verschleppte. Ihrem Glaserl Wein sprechen sie eher abseits zu, vielleicht spricht es ja mit ihnen. „Lauter alte Frauen!“, dachte ich, knackige 55plusminus, angeödet. Ich hütete mich davor, von einer älteren Person weiblichen Geschlechts in ein Gespräch verwickelt zu werden, es würde sicher langatmig werden, vielleicht hatte dieser oder jener Herr etwas Geistreiches auf Lager, oder ein andrer Mensch mit Jugend und Stil.
Seit ich die Alters-Schamschwelle schamlos überschritten habe, finde ich ältere Dramen plötzlich interessant. Was sie alles zu erzählen haben! Und sie können erzählen. Die 100-jährige Künstlerin, Liebesveteranin und Kunstpionierin. Ältere Dramen sind außerdem gut. Eine Mindestpensionistin überreicht dem Bettler mit Plastikbeinen ein Scherflein, säuberlich füllt die Greisin Erlagsscheine aus, für Kinder mit schrecklichen Krankheiten in Afrika. Das letzte Reservat der Güte, eine vollkommen unkapitalistische Eigenschaft. Wer steht bei sozialen Aktivitäten hinter dem Stand, wer liest mit Volksschulkindern? Wer hört sich Fortsetzungsgeschichten von Liebe und Kummer an und grenzt sich nicht ab und sagt nicht „dein Problem“? Wer hat all das schon gehabt und war all das schon, wer ist so ein Lebensprofi? Großzügig, großmütig wie eine Großmutter.
Und wer will nicht so ein großartiges Wesen sein?
Vielleicht übertreibe ich ein bisschen.

 

Michèle Thoma hat die 55plusminus überschritten, war aber immer schon gern bei Kulturveranstaltungen.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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lebenslauf: Totentänze und Klageweiber https://ansch.4lima.de/lebenslauf-totentaenze-und-klageweiber/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-totentaenze-und-klageweiber/#respond Wed, 23 Nov 2016 13:28:18 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8099 LebenslaufJetzt soll auch das Totsein noch Happy-Hour-Flair haben. Von MICHÈLE THOMA]]> Lebenslauf

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Es gibt so viele Möglichkeiten, tot zu sein! Alles kann, nichts muss, wenn man standesgemäß beziehungsweise verstandesgemäß unter die Erde will. Man ist inzwischen so überfordert vom Planen des Totseins wie vom Planen des Lebendigseins. Hört das denn nie auf? Ewige-Ruhe-Schnäppchen! Was es nicht alles gibt, wenn es eine nicht mehr gibt. Wen wurmt die Vorstellung der bodenständigen Variante nicht? Dann vielleicht Weltall statt Erdgeschoß? – für die, die ganz hoch hinaus wollen. Oder, statt aschgrau den Abfluss zu verstopfen, ein schillernder Diamant sein? Und einem/einer Auserwählten („Ich hänge so an dir!“) am Hals hängen.
Aber jetzt soll der letzte Trip auch noch Happy-Hour-Flair haben. Sonst kommt vielleicht keiner! Wenn alles so todernst ist, auch noch so ganz ohne Himmel, das vertragen die meisten nicht mehr, es geht ihnen zu sehr unter die Haut.
Deswegen seid lustig! Kommt bunt angezogen! Lieber Tänze als Tränen! Wir müssen von anderen Kulturen lernen, dauernd gibt es Berichte, wie toll es woanders ist, tot zu sein oder zu trauern. Der Tod ist eine Mordsgaudi, nur hier bei uns nicht, hier ist es todlangweilig, es herrscht Grabesstimmung. Die Mexikaner_innen schlecken Zuckertotenschädel, in Serbien spendieren sie den abgefahrenen Vorfahren Zigaretten, die Russ_innen tanzen Kasatschok auf der Oma. Sie haben sie mit Wodka gegossen. Bloß keine Grabesmienen! Lustig!
Toller Trauertrend, ist es so lustig, wenn alle lustig sind und man selber ist nicht mit dabei? Sie sind sogar lustig, weil man nicht mit dabei ist! Und so etwas soll die Verblichene auch noch fördern, es sogar noch organisieren und bezahlen, will sie keine Spaßverderberin sein.
Aber das Leben ist doch nicht immer lustig! In Tiefschwarz sollen sie kommen und herzzerreißend wehklagen, notfalls sollen Klageweiber gebucht werden (ich weiß nicht, ob Klagemänner kompetent genug wären). Sie sollen sich auf die Erde schmeißen, sich die Haare ausreißen, die Klamotten zerreißen, wie es sich gehört. Und sie sollen untröstlich sein, wenigstens einen schicklichen Moment lang, und sie sollen heucheln und Tränen verdrücken und runterschlucken, sich gegenseitig bebeileiden und verdammt noch mal leiden. Wenigstens kurz, ist das zu viel verlangt?

 

Michèle Thoma erbittet angesichts des Angebots Bedenkzeit.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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lebenslauf: Go, go Greisin! https://ansch.4lima.de/lebenslauf-go-go-greisin/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-go-go-greisin/#respond Thu, 30 Jun 2016 12:41:37 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7621 LebenslaufSiebzig ist das neue Fünfzig, lese ich. Von MICHÈLE THOMA]]> Lebenslauf

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Das Imperium, über das sie herrscht, gibt es nicht mehr, sie hingegen gibt es noch. Die Queen hat Geburtstag, der wird ausgiebig gefeiert, sie schreitet Spaliere ab oder durch ihre 775 Räume, absolviert Alltägliches und reitet täglich auf einem Pony. Das Haupthaar des Enkels lichtet sich bereits bedenklich, doch Ihre Majestät winkt und nickt und lächelt, sparsam, es muss noch lang halten.
Eine Inderin, sweet seventy, hält ihr erstes Kind in den knochigen Armen. Es ist ganz neu, der Gemahl und sie staunen dieses Wesen an, wie haben sie das nur zustande gekriegt? Eine ebenfalls hochmotivierte deutsche Mittsechzigerin ist mit Vierlingen gesegnet. Der Expertin, die in die Zukunft schauen kann, sagen wir zwei Jahre weiter, erscheint dies ein unfaires Match: ein Wurf von Turbo-Terrorist_innen gegen eine einzige, wenn auch relativ rüstige, Dame.
Dass hochbetagte Damen ihre Wohnung und sich selber bis zum Schluss in Schuss halten, wie oft lobend erwähnt wird, ist nicht neu, nun aber hört frau immer öfter von solchen Top-Leistungen ihrer Geschlechtsgenossinnen, ihr wird angst und bange. Achtzigjährige Models! Neunzigjährige Fallschirmspringerin! Die machen nicht einfach schlapp und legen sich nackt auf die Donauinsel.
Siebzig ist das neue Fünfzig, lese ich. Ist das eine Drohung? Mit fünfzig startet frau schließlich noch mal neu durch, gründet eine Firma, sucht sich einen Lover, der ihren Hormonhaushalt durcheinanderwirbelt. Hormonhaushalt ist viel interessanter als Haushalt. Sie zieht Stöckelschuhe an wie zuletzt mit vier und schmiert sich abenteuerlich an.
Neuerdings wird Speeddating für Senior_innen angeboten, vierzig Sekunden! Bei der unstimmigen Geschlechterproportion müssen die alten Konkurrentinnen aber ordentlich anspeeden! Natürlich kann frau nicht ausschließen, dass sie mit coolen hundert noch mal der Wandertrieb packt, oder sonst ein Trieb, es ist schön, dass unsere Gesellinnenschaft uns diese Option offen lässt.
Aber mit siebzig … da könnte frau sich doch mal zurücklehnen, den Wölkchen zuschauen, die über den Abendhimmel ziehen, und an der Zigarette ziehen – oder am Joint.

 

Michèle Thoma, ewige Anfängerin.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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lebenslauf: Oida! https://ansch.4lima.de/lebenslauf-oida/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-oida/#respond Thu, 14 Apr 2016 17:10:12 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7293 LebenslaufDas gerade angeschnittene Lebensjahr ist das allerallerbeste. VON MICHÈLE THOMA]]> Lebenslauf

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Ich (ich?) soll also eine Senior_innenkolumne schreiben? Ich (wieso ich?)? Okay, Sex und Kinder sind schon besetzt, spannende neue Geschlechtsidentitäten habe ich derzeit auch nicht zu bieten. Es gibt aber doch so vieles, worüber frau schreiben kann, man kann über alles schreiben, schlussendlich. Über Computerinnen, über Kaffeesiederinnen oder vorkolumbianische Hunderassen, es gibt so vieles auf der Welt.
Beweise gibt es anscheinend genug, dass ich die Altersschamschwelle überschritten habe, es gibt Befindlichkeiten, bestimmt vorübergehende, es gibt Spiegel, sie sind sicher surrealistisch, es gibt Fotos, wirklich kranke Aufnahmen. Manchmal reden Leute über eine ältere Person, meinen sie mich damit? Sie müssen an verzerrter Wahrnehmung leiden.
„Das Alter ist plötzlich da“, diese Botschaft tauchte vor einigen Jährchen auf dem Bildschirm meiner Geldtankstelle auf, mit dieser Mahnung, grübel, stopfte ich mir den Zaster in die Tasche, vielleicht sollte ich ihn nicht verjuxen. Ihn anlegen, in etwas ein bisschen Dauerhaftes, Zahnplantagen z. B., vielleicht mich mal etwas näher mit dem rätselhaften Begriff Pension beschäftigen, schon Zwanzigjährige sind Profis diesbezüglich. Oder in die letzte Ruhestätte investieren? Immerhin etwas Bodenständiges, für all jene, die bisher nur in Luft- und Lustschlössern hausten. Komischerweise flattern ja seit einiger Zeit so tolle Angebote zwischen meine Facebook-Postings, nicht mehr nur läppische Arthrose-Optionen oder Bypass-Tipps, nein, Grabengel spuken anmutig zwischen den Palmen und Hündchen und Demo-Videos herum, auch sehr Angesagtes, der letzte Schrei, gern auch punkig, ab so viel Kies sind Sie dabei.
Während Altersgenoss_innen Euphorisches zu runden Geburtstagen posten („Sweet Sixty!“), und T- Shirts aufscheinen, die einer weismachen, dass das gerade angeschnittene Lebensjahr das allerallerbeste ist, das je erfunden wurde. Eh … Eine verlockende Alternative wurde bisher jedenfalls noch nicht erfunden.

 

Michèle Thoma war früher „heimspiel“-Kolumnistin, musste dies allerdings aufgrund von Protest ihrer Pubertierenden aufgeben.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

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lebenslauf: Lebensfragen https://ansch.4lima.de/lebenslauf-lebensfragen/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-lebensfragen/#respond Wed, 09 Sep 2015 15:19:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=6539 LebenslaufLöcher in Betonwände bohren konnte ich noch nie gut. Von CHRISTINE HARTMANN]]> Lebenslauf

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Löcher in Betonwände bohren konnte ich sowohl maschinenausstattungsmäßig als auch muskelbedingt noch nie gut, mit den Jahren kam dazu noch Unlust. FreundInnen geht es ähnlich, ich kenne leider keine begeisterten HeimwerkerInnen, weshalb auch Freundschaftsdienste nicht infrage kommen. Auch ein Handwerker, der für zehn bis zwanzig Bohrlöcher freudig herbeieilt, findet sich schwer. Doch hier im Westen verfügt nahezu jede Region, Talschaft oder Stadt über SeniorInnendienste, die zur großen Freude von GemeinwesenarbeiterInnen und PolitikerInnen freiwillig bestens organisiert sind. Informelles Ehrenamt ist bekanntlich weit häufiger und bringt angeblich auch dreimal höheren wirtschaftlichen Nutzen als formelles. Wegen der Löcher in den Betonwänden bin ich jetzt also bei der „Seniorenbörse“ mitorganisiert. Ich entrichte den marginalen Jahresbeitrag und kreuze in einer langen Liste von gefragten Tätigkeiten an, was ich denn so könnte und anböte. Neben Diensten, die Haus, Hof, Garten und Haustiere betreffen, wird offensichtlich auch weniger Zeitaufwändiges und Kräftezehrendes nachgefragt.
Ich gebe an, dass ich zwar keine Spaziergänge begleiten möchte, jedoch gerne Kulturbegleitungen übernehme. Auch mache ich öffentlich, dass ich mich mit Formularen und Büroorganisation auskenne, mich zwar nicht an Kurzweiligem wie Spielen, Vorlesen oder Gesprächen, aber gerne an sonstigem Austausch beteilige. Eines sticht mir dabei besonders ins Auge: Lebensfragen! Diesen Punkt kreuze ich begeistert an! Lebensfragen habe
ich ja weit mehr, als ich selber benötige, die würde ich mit Freuden abgeben oder tauschen. Vielleicht treffe ich durch die „Seniorenbörse“ auf Lebensfragen, die mir noch nie in den Sinn gekommen sind, wundersame, völlig überraschende Fragen! Ich befürchte fast, dass meine Lebensfragen im Austausch mit denen anderer Menschen vielleicht abgegriffen und mickrig ausschauen könnten. Hoffentlich werde ich in naher Zukunft dafür angefragt!

Christine Hartmann ist hochzufrieden und dankbar über nunmehr stabil montierte Wandregale.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher
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lebenslauf: The Bearded Ladies https://ansch.4lima.de/lebenslauf-the-bearded-ladies/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-the-bearded-ladies/#respond Thu, 18 Jun 2015 08:38:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=6424 LebenslaufIch vernehme, dass viele von der bärtigen Kunstfigur schon wieder genug haben. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> Lebenslauf

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Ich vernehme, dass viele von der bärtigen Kunstfigur schon wieder genug haben: Conchita hier, Conchita da. Conchita mit Ulrike Lunacek im Europaparlament für Offenheit gegen Diskriminierung. Conchita mit Ban Ki-moon für den Weltfrieden. Conchita baut Brücken für den Song Contest und setzt sich sogar für Russland ein. Zu allem hat „die Wurst“ eine Meinung und wurde auch nach dieser gefragt, obwohl sie doch – wie sie selbst in bekannter Bescheidenheit äußerte – nur Show macht und eben nicht Herzchirurgie. Mit einer Aussage hat sie jedenfalls tausendprozentig Recht: Kaum etwas provoziert so viel Aufmerksamkeit und Reaktion wie eine Dame mit Bart. Nichts irritiert so sehr wie ein Oberlippenbart in einem Frauengesicht, bereits ein Hauch davon wird als störend wahrgenommen und von der Betroffenen deshalb meist auch sofort entfernt.
Mit fortschreitendem Alter sprießt auch bei mir der Oberlippenbart. Während ich also mit der Nagelschere mein Bärtchen trimme, denke ich an die „bärtige Frau“ Julia Pastrana. Ihr Leben war tragisch. Pastrana litt an Hypertrichose, einer Haarwuchsstörung, und war nicht nur im Gesicht, sondern am ganzen Körper behaart. Sie war ausgebildete Sängerin und Tänzerin und tourte als Attraktion durch das Europa des 19. Jahrhunderts, wo sie als „hässlichste Frau der Welt“, „Affenfrau“ oder „Bärenfrau“ präsentiert wurde. Sie war mit dem Mann verheiratet, der auch ihre Shows organisierte. Pastrana starb 1860 erst Mitte zwanzig an den Folgen der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Ihr skrupelloser Mann ließ die tote Julia und das ebenfalls verstorbene Kind präparieren und stellte die beiden noch über ihren Tod hinaus zur Schau. Erst 2013 wurde der Leichnam Pastranas von Norwegen nach Mexiko überstellt und die tiefgläubige Katholikin konnte ihrem letzten Willen entsprechend in ihrer Heimat begraben werden. Könnte nicht Conchita über Julias Leben singen?

Christiane Erharter trägt im Sommer 2015 wieder Bart.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher
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lebenslauf: Elefantenfüße https://ansch.4lima.de/lebenslauf-elefantenfuesse/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-elefantenfuesse/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:19:28 +0000 https://anschlaege.at/?p=5348 LebenslaufNeugierig gehe ich durchs Freibad, sondiere das körperliche Geschehen und die neuen Trends. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> Lebenslauf

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Neugierig gehe ich durchs Freibad, sondiere das körperliche Geschehen und die neuen Trends. Intimrasuren und Bikinifiguren haben das ganze Jahr Saison, aber im Sommer ist der Blick darauf unverstellter. Je nach hetero- oder homosexueller Neigung lässt sich sagen, dass in Wien Brazilian Waxing mit oder ohne Landungsstreifen absolut out ist und stattdessen jetzt Sugaring mit Undercut angesagt ist. In der „New York Times“ habe ich zudem gelesen, dass auch meine wuchernde Intimfrisur voll im Schamhaartrend liegt, den Stars wie Gwyneth Paltrow und Lady Gaga gestartet haben. Angesichts der medialen Präsenz des Themas „pubic hair“ wäre wohl die Bezeichnung „public hair“ treffender.
Auf der Freibadpromenade mache ich keine Bikinifigur, denn am Nacktstrand vom Gänsehäufl trage ich ohnehin keine Badetextilien. Hinzu kommt, dass meine Füße nicht dem klassischen Schönheitsideal der Antike, wonach der Zeigezeh länger zu sein hat als der große Zeh, entsprechen. Weiters kann ich auch nicht mehr mit schlanken Fesseln aufwarten. Hoffentlich bekomme ich keine Elefantenfüße. Auch die Feministin setzt sich ein Leben lang mit dem Körper auseinander, vor allem beschäftigt sie sich dabei kritisch mit den Normvorstellungen, denen er unterliegt. Selbstverständlich teile auch ich die Kritik an der körperlichen Selbst- und Fremdoptimierung, richtet sich der Blick allerdings auf die eigene Körperlichkeit, wird die Liste der zu bemängelnden Makel und Alterserscheinungen dennoch immer länger. Dann erinnere ich mich an einen Beitrag über Krampfadern und Schönheitsoperationen, den ich vor Jahren für die Radiosendung „CH.I.C. in der Wunderwelt“ gemacht habe. Die Conclusio des damaligen Beitrages: Zeigt her eure Beine – trotz Besenreisern und Krampfadern! Im Sommer 2014 bitte auch die Elefantenfüße!

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christiane Erharter hatte schon mit 14 ihre erste Krampfader, im Laufe der Jahre sind unzählige Besenreiser dazugekommen. Diese werden nicht nur im Wiener Stadionbad und im FKK-Bereich des Gänsehäufls zur Schau gestellt.

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lebenslauf: Vierzigwerden, vierzig sein https://ansch.4lima.de/lebenslauf-vierzigwerden-vierzig-sein/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-vierzigwerden-vierzig-sein/#respond Fri, 28 Mar 2014 15:12:35 +0000 https://anschlaege.at/?p=4888 LebenslaufVon heute an will ich nicht älter werden. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> Lebenslauf

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„Von heute an will ich nicht älter werden / vom Älterwerden krieg ich nur Beschwerden / da läuft die Nase, ich hab ein Raucherbein / die Zähne fallen aus, ich krieg ’nen Heiligenschein …“ Im Radio er-öffnen Bärchen und die Milchbubis mit dem Song „Ich will nix älter werden“ einen Beitrag über ein neues Buch, das in 36 Interviews vom Älterwerden prominenter Punks erzählt. Zwar nicht von einem Raucherbein, aber doch von Rückenschmerzen und einer laufenden Nase – Nebenhöhlenprobleme! – kann ich auch bereits berichten. Ich bin nämlich frische vierzig! Und damit in bester Gesellschaft! Mein soziales Umfeld ist überzeugt, dass vierzig sein o.k. ist. Auch eine Freundin, die zwei Wochen vor mir Geburtstag hat, versichert mir, dass der runde Geburtstag gar nicht so schlimm sei. Sie muss es wissen, denn ihr Vater hat ihr eine Geburtstagstorte in Form eines Männertorsos geschenkt – inklusive eines gepiercten Marzipanpenis! Während ich ein Stück Hoden verspeiste, ziehe ich kurz Bilanz: Ich habe noch keinen Doktortitel, kein Buch geschrieben und keine Biennale kuratiert, aber immerhin bei einer ausgestellt. Auf einer internationalen Website, auf der zeitgenössische Künstler_innen nach Erfolg bewertet werden, belege ich Platz 46.895. Zum Vergleich: Andy Warhol belegt Platz eins, ist allerdings bereits tot, und Cindy Sherman Platz sieben. Von Beruf prominente Künstlerin zu sein, bleibt wohl eher unerreicht. Positiv bilanziere ich, dass ich, seit ich die Haare färbe, nie für vierzig gehalten werde, fast immer positiv bin, nicht schnell aufgebe, in einer aufregenden Beziehung lebe, von den besten Freundinnen der Welt umgegeben bin und meine Eltern so geschmackssicher sind, dass mir mein Vater nie im Leben einen Gag-Kuchen mit einer Vagina aus Marzipan schenken wird.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christiane Erharter wurde am 19. März 1974 geboren und ist im Sternzeichen Fisch, Aszendent Jungfrau. Sie ist seit Dezember verpartnert und keine Jungfrau mehr, aber immer noch ein bisschen Punk.

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lebenslauf: Sechzig und Dreißig https://ansch.4lima.de/lebenslauf-sechzig-und-dreisig/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-sechzig-und-dreisig/#respond Fri, 27 Sep 2013 10:12:31 +0000 https://anschlaege.at/?p=4460 lebenslauf_anschlaege_juni_2012In den Siebzigerjahren war ich heftigst damit beschäftigt, einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden. Von CHRISTINE HARTMANN]]> lebenslauf_anschlaege_juni_2012

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In den Siebzigerjahren war ich heftigst damit beschäftigt, einen Platz in dieser Gesellschaft zu finden und mit Unverständlichkeiten, Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen zurechtzukommen, ohne daran zu verzweifeln. Mein Engagement in kulturellen, gesellschaftspolitischen und politischen Aktionsgruppen verstärkte die in meinem Charakter bereits angelegte Tendenz zu tageslichttauglichem Galgenhumor, trug jedoch auch zu noch mehr persönlicher Verwirrung bei. Glücklicherweise gab es feministische Literatur! Sowohl BuchhändlerInnen als auch PostzustellerInnen schauten zwar verlegen nach unten, wenn sie mir – neben Büchern europäischer und US-amerikanischer Autorinnen, die mir Erklärungsmodelle und Analysen boten – die Berliner „Courage“ und später die Wiener „AUF“ überreichen mussten. Für mich war die Auseinandersetzung mit den Stimmen und Themensetzungen all dieser Frauen zentral für die Schärfung und Weiterentwicklung sowohl meines analytischen als auch des verstehenden Blicks.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

In den Achtzigern kamen zu den genannten Zeitschriften die an.schläge dazu: Eine der Gründungsfrauen sprach mich an und gewann mich als Abonnentin, noch vor der Nullnummer. Zu Beginn ihres Zeitungslebens waren die an.schläge nicht gerade atemberaubend informativ, auch optisch nicht überwältigend, doch solidarische Haltung und die Tatsache, dass ich zu jener Zeit in meiner Lebensnische an eher schlecht gestaltete Publikationen mit suboptimaler Druckqualität gewöhnt war, ließen mich dranbleiben. Aber das war der an.schläge-Anfang! Inhaltliche Ergiebigkeit und Neuigkeitswert der Themen und Thesen nahmen ebenso beständig zu wie Lesbarkeit und Layout. Gleich geblieben während der drei Jahrzehnte dürfte allerdings der Grad der Selbstausbeutung der Redakteurinnen und Autorinnen sein – so vermute ich zumindest.
Die an.schläge begleiten mich also bereits mein halbes Leben. Ich halte uns beide mittlerweile für richtig gut und nahezu unentbehrlich. Ich wünsche uns entwicklungsreiche und interessante nächste Jahrzehnte!

Christine Hartmann lebt seit den Siebzigern in der Provinz und ist nach wie vor über perturbierende Denkanstöße glücklich.

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lebenslauf: Be part of the game https://ansch.4lima.de/lebenslauf-be-part-of-the-game/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-be-part-of-the-game/#respond Sat, 30 Mar 2013 16:29:29 +0000 https://anschlaege.at/?p=4037 lebenslauf_anschlaege_juni_2012Jeder Tag, an dem ein neues spannendes oder dummes Computerspiel auf dem Notebook erscheint, ist ein gewonnener Tag. Von BIRGIT REINHARD-SCHIEBEL]]> lebenslauf_anschlaege_juni_2012

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Jeder Tag, an dem ein neues spannendes oder dummes Computerspiel auf dem Notebook erscheint, ist ein gewonnener Tag. Vor allem dann, wenn noch niemand auf die Idee gekommen ist, dass Menschen ab dem sechzigsten Lebensjahr nicht mitspielen dürfen. Weil sie sowieso nichts von PCs verstehen, erst einen Grundkurs als AnalphabetInnen machen müssen und in den SeniorInnen-Club zu Kaffee und Kuchen gehören, wo sie ruhig und friedlich gehalten werden.
Seltsamerweise sieht man immer häufiger ergraute Köpfe, die zusammenstecken, um auf dem Smartphone zum Beispiel „Talking Tom“ über den Screen hopsen zu lassen. Die Hoffnung, dass die lieben Enkelkinder ihnen ein neues Spiel zeigen, wird göttinseidank oft genug erfüllt. So kann man in einer geheimen Session gemeinsam neue Spiele entdecken, ohne dass der Eltern-Generation bereits wieder Verbotsregelungen einfallen. Denn wenn schon die Großmütter sich nicht zu blöd sind, stundenlang „Farmville 2“ oder Ähnliches zu spielen, halbe Nächte lang Felder zu bewirtschaften, Kühe einzukaufen oder Schweine zu füttern, dann ist der Untergang des Abendlandes sowieso absehbar.
Natürlich gibt es auch seriöse ältere Menschen, die sich weigern, Computerspiele zu spielen. Ob sie nicht heimlich nachts ihr Netbook aufschlagen und dann auf die Jagd gehen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
Spaß macht es auch, in Wimmel-Spielen stundenlang irgendwelche Gegenstände zu suchen, um in die nächste Stufe zu kommen. Besser als allein vor dem Fernseher zu verrotten ist es allemal.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Birgit Meinhard-Schiebel ist u.a. Gründerin der Facebook-Gruppe „Alter ist nichts für Feiglinge“, www.facebook.com/birgit.meinhard-schiebel

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lebenslauf: Ladyfriends https://ansch.4lima.de/lebenslauf-ladyfriends/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-ladyfriends/#respond Tue, 02 Oct 2012 12:02:37 +0000 https://anschlaege.at/?p=3492 lebenslauf_anschlaege_juni_2012Ich bin in dem Alter, in dem für vieles, was mir früher wichtig war, nicht mehr genug bzw. gar keine Zeit ist und in dem neue Prioritäten gesetzt werden müssen. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> lebenslauf_anschlaege_juni_2012

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Ich bin in dem Alter, in dem für vieles, was mir früher wichtig war, nicht mehr genug bzw. gar keine Zeit ist und in dem neue Prioritäten gesetzt werden müssen. Früher bin ich stundenlang durch Plattenläden gestreunt und habe mich durch unzählige Tonträger gehört, bevor ich dann ein, zwei neue erworben habe. Mehr konnte ich mir sowieso nicht leisten, und manchmal habe ich auch gar nichts gekauft. Stundenlang, auch tagelang habe ich Musik gehört. Jetzt fehlt mir dazu die Freizeit und die mit ihr einhergehende Muße. In der mir verbleibenden freien Zeit ist es mir wichtiger, mich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Doch seit mein bester Freund – ich kannte ihn zwanzig Jahre – vor einem Jahr verstorben ist, habe ich eigentlich fast nur noch Freundinnen. Alle sind in einem Alter, in dem sie zeitintensive Jobs haben: Einige sind vollbeschäftigt, einige in mehreren prekären Jobs gleichzeitig tätig und andere arbeiten, um sich das Kunstmachen zu finanzieren. Oder ihre Lebensmittelpunkte haben sich verlagert: Eine ist nach Rotterdam, eine in die Nähe von Athen und eine nach Berlin gezogen, eine ist in Oslo geblieben. Teilweise sind sie in lesbischen oder heterosexuellen Beziehungen und haben Familien gegründet und Kinder bekommen. Manche haben Job, Kind und Partnerschaft. Mit manchen muss ein gemeinsamer Termin – wenn wir uns zu dritt oder viert treffen wollen – zwei Monate im Voraus abgestimmt werden. An dem einen Wochenende ist eine auf Geschäftsreise oder nimmt an einer Konferenz im In- oder Ausland teil. An dem anderen Wochenende besucht eine ihre Eltern oder muss auf eine Familien- oder Geburtstagsfeier. Optimistisch stimmt mich die Tatsache, dass meine Mutter mittlerweile keine Zeit mehr hat, weil sie sich ständig mit ihren ehemaligen Schulfreundinnen trifft. In der Pension haben sie wieder zueinander gefunden. Und müssen sich erst mal erzählen, womit sie die letzten vierzig Jahre so ihre Zeit verbracht haben.

Christiane Erharter hat für die besten Freundinnen und Freunde weniger Zeit als ihr lieb ist.

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lebenslauf: Zu alt für … gibt es nicht https://ansch.4lima.de/lebenslauf-zu-alt-fuer-gibt-es-nicht/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-zu-alt-fuer-gibt-es-nicht/#respond Sat, 25 Aug 2012 14:04:59 +0000 https://anschlaege.at/?p=3320 LebenslaufZu alt für den Job, das wäre ja noch nicht das Schlimmste. Von BIRGIT MEINHARD-SCHIEBEL]]> Lebenslauf

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Zu alt für den Job, das wäre ja noch nicht das Schlimmste. Immerhin gibt es abseits des Erwerbslebens auch noch ein Leben vor dem Tod. Nein, nicht das Orchideenstudium, nicht das Leben auf der Insel, sondern einfach weiterarbeiten. Weil es ohne Arbeit halb so lustig ist. Weil die Arbeit seltsamerweise dem Leben Sinn gibt. Weil Arbeit Prestige und Status verleiht. Und hilft, nicht einfach aussortiert zu werden aus einer Gesellschaft, zu der man zwar nicht wirklich gehören möchte, aber ohne sie auch nicht sein kann.
Zu alt für die Liebe gibt es auch nicht, denn Gefühle haben keine Mascherln mit Jahreszahlen. Verlieben kann mensch sich immer, und es gibt keine Garantie dafür, dass es „nicht mehr passiert“. Nicht umsonst sind die PartnerInnenbörsen voll mit Menschen jenseits der berüchtigten Altersgrenzen, die noch mal im Tal der Schmetterlinge landen wollen. Wären die Altersheime nicht so borniert und würden glauben, dass Erotik, Liebe und Sex nur was für Jüngere sind, wären sie ein idealer Ort für Speed Dating. Nur trauen müssten sie sich halt.
Zu alt für die Politik heißt es zwar nicht explizit, aber immer noch werden alte Menschen dort als Ausnahme gesehen. Zwar werden immer mehr Menschen in der Politik älter, einfach weil sie älter werden als früher. Aber sich als Ältere in die Politik zu stürzen und auf das spiegelglatte Parkett tanzen zu gehen, scheint noch zu den „Dont’s“ zu gehören. Wo kommen wir denn da hin, wenn die GreisInnen sich einmischen und womöglich zu einer Wahl antreten. Dass sie es können, zeigen sie gerade. Und sorgen für Unruhe in der Politik.
„Zu alt für“ gibt es nicht, nur ein „zu spät Draufkommen“, dass es nie zu spät ist.

anschlaege_lebenslauf_september_2012_feminismus
Illustration: Nadine Kappacher

Birgit Meinhard-Schiebel, www.facebook.com/birgit.meinhardschiebel

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lebenslauf: Feministische Dirndln https://ansch.4lima.de/lebenslauf-feministische-dirndln/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-feministische-dirndln/#respond Mon, 28 May 2012 13:43:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=3013 lebenslauf_anschlaege_juni_2012Als Kind hatte ich eine Lederhose. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> lebenslauf_anschlaege_juni_2012

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Als Kind hatte ich eine Lederhose. Für meinen Bruder und mich war sie das Spielgewand. Ich habe die Lederhose geliebt und wie eine zweite Haut ständig, nicht nur zum Spielen, getragen. Diese Vorliebe wurde auch auf Fotos, auf denen wir beide Lederhose und rot-weiß karierte Hemden tragen, festgehalten. Während die Tracht in Kindertagen integraler Bestandteil meiner Garderobe war, habe ich in der Pubertät Lederhose und Dirndl selbstverständlich abgelehnt. Das Distinktionsbedürfnis war zu groß und Tracht absolut uncool und politisch unkorrekt, weil sie immer von den Falschen (den TraditionalistInnen und Burschenschaftern) aus den falschen Gründen (beim Tirolerabend für die TouristInnen) getragen wurde.
Eine Wiederaneignung meinerseits erfolgte erst in der Adoleszenz, und ich ging – Subversion durch Affirmation – ab und zu in Dirndl. Dann kam die Seppi Bar in München, in der die Chicks on Speed die Klubnächte im Dirndl-Outfit bestritten. Und natürlich Vivienne Westwood mit ihrer Interpretation von Tracht. Forthin wurde sie auch in hippen Kreisen getragen. Und dennoch herrscht im gesamten FreundInnenkreis eine einmütige Ablehnunggegenüber der Tracht – das Thema wird nicht einmal kontroversiell diskutiert. Daran ändert selbst der Hinweis auf Anna Freud im Dirndl bzw. Gertrude Stein und Alice Toklas in trachtigen Kleidern nichts.
Auch der Einwand, dass die üppig ausgestellten Reifröcke, Goldhauben sowie die kanarigelben Lederhosen und mit bunten Federn geschmückten Filzhütchen der Appenzeller Sennentracht als Camp gelesen werden könnten, treibt die Debatte nicht voran. Geschweige denn trägt jemand Dirndl oder Lederhose. Deshalb bleibt meine Begeisterung heimlich, und ich teile sie lediglich mit zwei Freundinnen. Eine hat sich in einigen Kollektionen mit Trachten-Elementen dekonstruktivistisch auseinandergesetzt. Die andere besitzt ein eigenes Dirndl. Vielleicht sollten wir uns voll ausstaffiert beim nächsten Dyke March outen.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christiane Erharter ist 38 und spielt heimlich noch immer in der Lederhose.

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lebenslauf: Miriam in meiner Bank https://ansch.4lima.de/lebenslauf-miriam-in-meiner-bank/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-miriam-in-meiner-bank/#respond Wed, 21 Sep 2011 13:26:51 +0000 https://anschlaege.at/?p=1387 LebenslaufZu der Zeit, als ich mein erstes Girokonto eröffnete, war die Wahl des Geldinstitutes ein politisches Statement. Von CHRISTINE HARTMANN]]> Lebenslauf

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Zu der Zeit, als ich mein erstes Girokonto eröffnete, war die Wahl des Geldinstitutes ein politisches Statement. In den mittlerweile vergangenen vier Jahrzehnten wurde „meine“ Bank mehrmals umbenannt, hat Mitbewerber aufgekauft, wurde – auch mehrmals – fusioniert und schließlich globalisiert. Mein langgedienter Kundenbetreuer fand sich in einem Kleinraumbüro mit anderen langgedienten KollegInnen wieder, wo nun mehrere hundert Jahre Bankerfahrung versammelt und mit Kleinkundengeschäften befasst sind.
Am Schalter hingegen treffe ich auf einen Herrn, den ich auch vor einer Beratungspraxis für Schwangere angetroffen habe, als Sandwich verkleidet mit den bekannten Informationen, gestaltet von „Miriam– Verein fürs Leben“. Ich bin auf die andere Straßenseite ausgewichen und habe mich geistesabwesend gestellt, um ihm nicht grüßend zunicken zu müssen, in einer Kleinstadt kennen wir einander. Überwältigendes Fremdschämen ist steigerbar: Denselben Herrn sichtete ich in der Fußgängerzone als Teil einer Gruppe von Miriam- Jüngern singend und betend und auf dem Boden kniend, umgeben von den erwähnten Antiwerbetafeln. Diesmal war meine Reaktion: Augen zu und vorbei, dabei war ich hochkonzentriert, um die schlagartig aufgetretene starke Übelkeit zu bewältigen.
Gibt’s denn in diesem Arbeitsleben überhaupt keine Unvereinbarkeiten mehr? Beschränken sich Unvereinbarkeiten ausschließlich auf Dresscodes, Piercings und Tattoos? Und wie viele der Schalterangestellten sind noch anzugsgetarnte Extremisten, und ich weiß es nur nicht?
Das Geldinstitut zu wechseln ist auch keine Lösung, denn wer garantiert mir extremistenfreie Geldhallen, und wo nähme man mich als Kundin, die nicht nur von der Krise gründlich gebeutelt wurde, sondern auch, nicht zuletzt deshalb, alt ausschaut?
Anscheinend kann ich besser mit Bankern umgehen, die meine Rentengelder zur Gänze verzockten als mit christlichen Fundamentalisten. Klar ist, dass mir für den Umgang mit den jeweiligen Vertretern derzeit nur Verdrängung hilft.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christine Hartmann, Jg. ’53, lebt und arbeitet hauptsächlich in Bregenz und wundert sich je länger umso mehr. www.prozesswissen.at

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