Kolumnen – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sat, 29 Jun 2024 13:45:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Kolumnen – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 »DDR von unten« statt Verklärung https://ansch.4lima.de/ddr-von-unten-statt-verklaerung/ https://ansch.4lima.de/ddr-von-unten-statt-verklaerung/#respond Tue, 18 Jun 2024 10:20:18 +0000 https://anschlaege.at/?p=118768 Die Debatte um den Osten liegt voll im Trend. So auch das Buch „Diesseits der Mauer. Eine neue Geschichte der DDR 1949-90“ von Katja Hoyer, die in England lebt. Sie ist Jahrgang 1985 und Kind eines NVA-Offiziers, der wohl zwei (!) Tage im Knast saß. Katja Hoyer will uns die DDR neu erklären. Leider bedeuten […]]]>

Die Debatte um den Osten liegt voll im Trend. So auch das Buch „Diesseits der Mauer. Eine neue Geschichte der DDR 1949-90“ von Katja Hoyer, die in England lebt. Sie ist Jahrgang 1985 und Kind eines NVA-Offiziers, der wohl zwei (!) Tage im Knast saß. Katja Hoyer will uns die DDR neu erklären. Leider bedeuten solche Neuerzählungen meist eine Beschönigung der Verhältnisse in der DDR, auch Hoyer muss sich Kritik an der Auswahl der Zeitzeug*innen und den Leerstellen im Buch gefallen lassen sowie den Fehlern, die ihr Historiker*innen nachgewiesen haben. Dank Marketings ist das Buch trotzdem ein Bestseller. Man sollte sich lieber den neuen Film „Schleimkeim – Otze und die DDR von unten“ ansehen, dort ist zu erfahren, wie die Staatsmacht zum Beispiel mit dem Punkmusiker Dieter „Otze“ Ehrlich umging. Wer erfahren will, wie die Punks mittels Musik dem Staat trotzten, greift am besten zum Buch „Tanz den Kommunismus“.

In der Linken habe ich einiges zu dem Thema erlebt. Eine Frau, die die DDR nur als kleines Kind erlebt hat und dazu auch noch im Ostberliner Nikolaiviertel – dem DDR-Vorzeigeviertel – aufgewachsen ist, sagte mir einmal: „Was hast du gegen die DDR? Mir hat sie nicht geschadet.“ In einer Kulturkneipe wurde uns ein Dokumentarfilm gezeigt, in dem die privilegierten DEFA-Filmleute genüsslich das Scheitern von proletarischen Übersiedler*innen im Westen vorführen, diese finden keine Wohnung und keine Arbeit. Man stelle sich solch eine Lächerlichmachung bei Migrant*innen vor? Einmal war ich während einer Feier empört, als wieder alle DDR-Übersiedler*innen als „Konsumidioten“ bezeichnet wurden. Sein Leben lang innerhalb einer Mauer verbringen zu müssen, wird hingegen normalisiert. Der Höhepunkt aber war, als ich im Zug einem Westlinken meine lange, komplizierte Geschichte mit Ausreiseantrag und Übersiedlung erzählte. Im Westen studierte ich dann zwar, war aber zunächst mit Kind in der Wohnungslosigkeit gelandet. Nachdem er sich alles angehört hatte, reagierte er eiskalt: Wir DDR-Übersiedler*innen seien doch privilegiert gewesen, hätten die deutsche Staatsbürgerschaft und Sozialleistungen bekommen. Warum übernehmen Linke die Sichtweise der DDR-Privilegierten und nicht die der Unterdrückten?

Anne Seeck hat 27 Jahre die DDR erlebt und wird von Linken des Öfteren als Antikommunistin gebrandmarkt.

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Vulva Riot https://ansch.4lima.de/vulva-riot/ https://ansch.4lima.de/vulva-riot/#respond Tue, 18 Jun 2024 10:19:44 +0000 https://anschlaege.at/?p=118770 Meine Vulva brennt mal wieder. Sie juckt auch und ohne Wundsalbe kann ich weder pinkeln, ohne vor Schmerz zusammenzuzucken, noch eine Unterhose tragen. Jede Berührung ist eine zu viel. Ich weiß, was mein Gynäkologe dazu sagen wird: Candidose (also Scheidenpilz). Oder bakterielle Vaginose (also eine bakterielle Infektion). Oder überhaupt am besten: Vulvovaginale Candidose. In dem […]]]>

Meine Vulva brennt mal wieder. Sie juckt auch und ohne Wundsalbe kann ich weder pinkeln, ohne vor Schmerz zusammenzuzucken, noch eine Unterhose tragen. Jede Berührung ist eine zu viel. Ich weiß, was mein Gynäkologe dazu sagen wird: Candidose (also Scheidenpilz). Oder bakterielle Vaginose (also eine bakterielle Infektion). Oder überhaupt am besten: Vulvovaginale Candidose. In dem Fall feiern die Bakterien und Pilze eine fette Party miteinander und es tut einfach scheiße weh. Ich leide bereits seit Jahren unter diesen chronischen vaginalen Entzündungen. Es hat Jahre gedauert, bis ich überhaupt herausgefunden habe, dass diese Erkrankungen chronisch sein können und dass meine Symptomatik gar nicht so selten vorkommt. Meine Verzweiflung hat mich zu einem Privat-Gynäkologen geführt, der „Spezialist“ auf diesem Gebiet ist. Tatsächlich hat mir seine Langzeittherapie besser geholfen als all die Cremes und Mittelchen zuvor – aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Anstatt alle zwei Monate habe ich jetzt nur noch jedes halbe Jahr Beschwerden. Besagter Gynäkologe bekommt von mir allerdings auch für jede Ordination beinahe 200 Euro. Ich kann auch gar nicht mehr zählen, wie viel Geld ich bereits für Probiotika ausgegeben habe, um nach all den hochdosierten Antimykotika und Antibiotika meine Flora wieder einigermaßen aufzubauen. Mittlerweile habe ich die Nase gestrichen voll von der androzentrischen Medizin, die es nicht für wichtig genug erachtet, mehr Ressourcen in die Forschung zu stecken und ganzheitliche, sinnvolle Lösungen für „frauenspezifische“ Probleme zu finden. Denn zusätzlich zu den Kosten nervt auch die Abgabe der Verantwortung an die betroffenen Personen: Hätte ich nicht mal wieder zu viele wechselnde Sexpartner*innen gehabt, wäre meine Flora vielleicht in Ordnung. Hätte ich nicht vergessen, meine Unterhosen immer mit neunzig Grad zu waschen, keinen Zucker zu essen, nie zu rauchen, keinen Kaffee und keinen Alkohol zu trinken und niemals in die Sauna oder einen Pool zu gehen, wäre meine Flora vielleicht ebenfalls in Ordnung. Ich will aber auch noch leben. Gebt mir eine Alternative!

Sophia Foux träumt von kompetenten, kassen– finanzierten, verständnisvollen und sexpositiven Gynäkolog*innen und ist mehr als offen für Empfehlungen.

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Die Oma wird’s schon schaukeln! https://ansch.4lima.de/die-oma-wirds-schon-schaukeln/ https://ansch.4lima.de/die-oma-wirds-schon-schaukeln/#respond Fri, 08 Mar 2024 04:25:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=116447 »Die halten mich auf Trab!«, stößt sie, freudig dem Nachnachwuchs hinterherhechelnd, hervor. Eh so vü liab, die Enkerln! Vielleicht widmet sie sich ihnen bald ganz, ganz und gar, mit Haut, Haar und allem andern, den Knochen und den Nerven, die jetzt leider manchmal so gegenwärtig sind. Der Herr Bundeskanzler hat es geträumt. Viel schöner als […]]]>

»Die halten mich auf Trab!«, stößt sie, freudig dem Nachnachwuchs hinterherhechelnd, hervor. Eh so vü liab, die Enkerln! Vielleicht widmet sie sich ihnen bald ganz, ganz und gar, mit Haut, Haar und allem andern, den Knochen und den Nerven, die jetzt leider manchmal so gegenwärtig sind. Der Herr Bundeskanzler hat es geträumt. Viel schöner als so eine Fremdlingsbetreuung! Karenz-Oma! Wie proaktiv das klingt! Wie systemrelevant!

Sie hat eh schon Übung, einmal mindestens schon hat sie ewig lang den Haushalt geschmissen statt hingeschmissen und viel Lego gespielt und Sandkuchen gebacken und Kreatives getrieben mit den Lieben, Karenz hieß der Zustand, sie war immer die Zuständige. Kann das also eh! Zwar hat ihre Nicht-Karriere da einen Knick bekommen und sie einen Knacks, nein, stimmt nicht, nur ein kleiner Scherz unter alten Freundinnen, aber was sind schon Geld und Ruhm? Verglichen mit dem trauten Glück der Herde am Herd?

Sie ist ja dann schon geübt, auch und v. a. im Zurückstecken, damit andere vorpreschen können. Oder müssen. Und was braucht man denn noch in dem Alter? Bestimmt keine Karriere, die leuchtenden Kinderaugen wiegen das auf. Die Kassa-Brille ist eh a schee, und sie wird doch nicht so eine Ego-Alte sein, nichts als Weinwandern und Vietnam-Reisen und Abhängen mit den Freundinnen im Kopf?

Viele alte Dramen sind zwar in PennSion und kriegen dann wohl nix, aber wer denkt schon an den schnöden Mammon, ist Kinderlachen nicht unbezahlbar? Oder sie sind nicht in PennSion und werden es auch nie sein, weil sie einst auf den verwegenen Gedanken kamen, „bei den Kindern“ zu bleiben. Weil sie nicht nur Kinder kriegen und haben wollten, sondern sogar mit ihnen sein wollten. Sie hatten das Unbezahlbare gewählt und das wurde ihnen heimgezahlt. Aber trotzdem, sie sind doch Profis, könnten sie nicht noch mal ran?

Hat so eine Großmutter nicht ein Herz wie ein Bergwerk? Irgendeine muss ja zuständig sein für Fläschchen, Bäuerchen und Windeln. Bis dass der Herzinfarkt sie in die Windeln prackt.

MICHÈLE THOMA, ü70, ist nicht in Pension und wird es nie sein. Sie hat ja nicht gearbeitet. Nur vier Kinder groß-„gezogen“!

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neuland: hidden playlist https://ansch.4lima.de/neuland-hidden-playlist/ https://ansch.4lima.de/neuland-hidden-playlist/#respond Mon, 04 Sep 2023 04:30:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=111784 Illustration: Sabrina WegererAls Teenager ist einem alles peinlich. Die Eltern zum Beispiel, wenn der Vater am Strand einen Badeslip trägt, statt – wie alle anderen Männer – Badeshorts. Auch das eigene Aussehen war mir lange unangenehm, ein Klassiker der Teenagerprobleme. In meinem Fall gehörte aber auch die Musik dazu, die ich in der Öffentlichkeit nur heimlich hörte. […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Als Teenager ist einem alles peinlich. Die Eltern zum Beispiel, wenn der Vater am Strand einen Badeslip trägt, statt – wie alle anderen Männer – Badeshorts. Auch das eigene Aussehen war mir lange unangenehm, ein Klassiker der Teenagerprobleme.

In meinem Fall gehörte aber auch die Musik dazu, die ich in der Öffentlichkeit nur heimlich hörte. In Dauerschleife klang aus meinen Kopfhörern Pop aus Tokyo und Seoul – aber wehe, jemand bekam davon Wind. Sobald ich in die Nähe des Schulhofs kam, drehte ich die Musik leise.

Zehn Jahre später könnte ich mich fragen, was meine Musik von jener der anderen unterschied, doch die Antwort liegt auf der Hand: sehr wenig. Ich hörte japanische Singer-Songwriter, die ein Liebeslied nach dem anderen raushauten, sie waren Japans Taylor Swifts und ­Rihannas. Ich hörte koreanische Männerbands, die in ihren Musik­videos Tänze aufführten, und reiste bis nach Paris, um auf ihren Konzerten zu kreischen – wie es andere bei Coldplay taten. Aber alles, was nicht der amerikanischen oder deutschen Mainstreamproduktion angehörte, wurde bespöttelt. Und das wollte ich in der Schule um jeden Preis vermeiden: Ich hatte keine Lust, den Stempel der Außenseiterin zu haben.

Seit meinem Schulabschluss sind zehn Jahre vergangen, ein bisschen ist ost-asiatischer Kitsch auch in Europa angekommen. Angefangen mit „Gangnam Style“ hat koreanische Popmusik auch dank TikTok an Popularität gewonnen, ganz vorn mit dabei sind BTS und Blackpink. Wirklich Mainstream ist ihre Musik in Europa trotzdem nicht. Heartthrobs sind Jungs wie jene von BTS für die meisten auch nicht, dafür sind sie für nicht-asiatische Augen nicht „männlich genug“ – als gäbe es eine globale Definition der Männlichkeit. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, auch beim Pop. Aber nicht, wenn der Unterschied lediglich in Sprache und Aussehen liegt.

Shoko Bethke ist Kolumnistin von neuland und Nachrichtenchefin bei der taz Tageszeitung. Außerdem schreibt sie als freie Autorin für weitere Medien.

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Meerjungfrauen und Menstruations-Apps https://ansch.4lima.de/meerjungfrauen-und-menstruations-apps/ https://ansch.4lima.de/meerjungfrauen-und-menstruations-apps/#respond Fri, 23 Jun 2023 05:47:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=110372 Wie queer sind Kinder- und Jugendbücher? Carla Heher kann von erfreulichen Entwicklungen berichten. „Heartstopper“, die Coming-of-Age-Graphic-Novel, die die Liebesgeschichte zweier Jungen erzählt, ist ein Bestseller. Dass eine queere Geschichte so erfolgreich ist, dass sie sogar von Netflix verfilmt wird, hätte ich mir 2013 kaum vorstellen können. Damals machte ich mich für die an.schläge auf die […]]]>

Wie queer sind Kinder- und Jugendbücher? Carla Heher kann von erfreulichen Entwicklungen berichten.

„Heartstopper“, die Coming-of-Age-Graphic-Novel, die die Liebesgeschichte zweier Jungen erzählt, ist ein Bestseller. Dass eine queere Geschichte so erfolgreich ist, dass sie sogar von Netflix verfilmt wird, hätte ich mir 2013 kaum vorstellen können. Damals machte ich mich für die an.schläge auf die mühsame Suche nach progressiven Kinderbüchern mit queerfeministischem Anspruch – und es war gar nicht so einfach, Werke zu finden, die sich kritisch mit Geschlechterrollen und -normen auseinandersetzen, Familienkonstellationen jenseits von Mutter-Vater-Kind thematisieren oder auch einfach nur Vielfalt darstellen. Zehn Jahre später sieht das zum Glück anders aus.

Vulva & Vulvina. Insbesondere bei Aufklärungsbüchern für Kinder und Jugendliche ist ein deutlicher Paradigmenwechsel erkennbar. Wurden Schwangerschaft, Geburt und Familie früher sehr (hetero-)normativ verhandelt, ist Vielfalt in vielen Neuerscheinungen Standard. Das zeigt sich bereits auf den ersten Blick durch Illustrationen, die Menschen mit unterschiedlichen Diversitätsmerkmalen darstellen, etwa was Hauttöne, Körperformen und Geschlechter­stereotype betrifft. Doch auch das Thema Fortpflanzung wird abseits von Heterosexualität verhandelt und im Wochenbett kümmern sich nun auch Väter liebevoll um das Neugeborene. Transgeschlechtlichkeit und Nicht-Binarität werden ebenso thematisiert wie andere Aspekte der Sexualerziehung, die mindestens genauso wichtig sind wie Körperfunktionen: Gefühle (und der Umgang damit) sowie Konsens zum Beispiel. Immer häufiger liest man auch die korrekte Bezeichnung der Genitalien, nämlich Vulva für die äußerlich sichtbaren Bereiche und Vagina für den inneren Muskelschlauch. Im intersektionalen Aufklärungsbuch „Samira und die Sache mit den Babys“ greift die Autorin auf den neuen, emanzipatorischen Begriff „Vulvina“ zurück.

Die Macher_innen von „Lina die Entdeckerin“ (Achse), ein Kinderbuch über die Vulva, haben mit der ganzseitigen Abbildung einer Klitoris und der Beschreibung ihrer Funktionen ein Tabu gebrochen und neue Standards gesetzt. Das gilt auch für das sehr empfehlenswerte Aufklärungsbuch „Untenrum. Und wie sagst du?“ (Beltz & Gelberg) für Kinder schon ab vier Jahren. An eine ältere Zielgruppe, nämlich an Heranwachsende ab zwölf Jahren, richten sich „Selma, Küsse, Kuddelmuddel“ und „Yunus, Zocken, Liebeszeugs“ (beide Leykam Verlag), zwei Geschichten über Freund_innenschaft und die Veränderungen, die die Pubertät mit sich bringt.

Bücher, die sich mit Teilaspekten der Pubertät auseinandersetzen, sind eine hilfreiche Ergänzung. Gerade das Thema Menstruation kann auch erstmal ohne Sex und Schwangerwerdenkönnen auskommen, schließlich geht es in erster Linie darum, dass man jeden Monat blutet. Das aktuell inklusivste Buch darüber heißt „Mut zum Blut“ (Zuckersüß Verlag). Es rüstet für einen positiven und selbstbewussten Umgang mit der Menstruation und bestärkt Kinder und Jugendliche, mit ihren Gedanken und Gefühlen rund um die Periode offen umzugehen. Es liefert Infos rund um Hygieneprodukte und hilfreiche Hinweise zu (daten-)sicheren Menstruationsapps.

Auch zum Thema Queerness gibt es explizite und spannende Neuerscheinungen. „Was ist eigentlich dieses LGBTIQ*“ (migo) ist ein Jugendsachbuch zum Thema Queerness. In zehn Kapiteln werden Themen rund um Geschlechteridentitäten und sexuelle Orientierung besprochen und die einschlägigen Begriffe verständlich und anschaulich erklärt. Es erläutert, mit welchen Formen von Diskriminierung queere Menschen hier und anderswo zu kämpfen haben oder wie ein Coming-out ablaufen könnte. Dazwischen gibt es immer wieder Mitmachseiten, die zur Reflexion anregen.

Märchen- und Bilderbücher. Queere und feministische Inhaltein Kinderbüchern beschränken sich erfreulicherweise nicht nur auf Sachbücher. Wer gerne Märchen vorliest, aber auf überkommene Rollenzuschreibungen
verzichten will, hat mittlerweile eine gute Auswahl. Die Idee, Märchen umzuschreiben und dabei etwa die Geschlechter der Hauptfiguren auszutauschen (Der Prinz auf der Erbse, Kein & Aber) oder mal die Prinzessinnen Karriere machen zu lassen (Power to the Princess, Carlsen) wurde bereits aus verschiedenen Perspektiven aufgegriffen. International für besonders viel Aufregung hat eine Publikation aus Ungarn gesorgt. Das von einer lesbischen Initiative herausgegebene Märchenbuch „Meseország mindenkié“ löste eine politische Debatte aus und wurde von der rechtskonservativen Regierung unter Victor Orban zum Anlass genommen, queerfeindliche Gesetzesreformen durchzusetzen. Die deutsche Übersetzung des Buchs, in dem unter anderem schwule Prinzen, eine Romnja Prinzessin und ein trans Reh eine Rolle spielen, wurde unter dem Titel „Märchenland für alle“ (DK Verlag) veröffentlicht.

Wem das Märchen-Genre auch feministisch modernisiert zu wenig bekömmlich ist und wer auf der Suche nach feinen Vorlese-Bilderbüchern ist, wird mittlerweile auch fündig, etwa mit „Julian ist eine Meerjungfrau“ (Knesebeck). Das bemerkenswerte Werk über Individualität und Akzeptanz mit einer Hauptfigur, die fernab von Geschlechterklischees agiert – und agieren darf –, ist ziemlich eingeschlagen. Die Geschichte über ein Kind, das sich als Meerjungfrau verkleidet und mit seiner Oma in kunstvollen und expressionistischen Kostümen an einer Mermaid-Parade teilnimmt, kommt mit wenig Text aus, umso stärker wirkt die Bildsprache der eindrucksvollen Illustrationen.
Ein niedliches Bilderbuch (nicht nur) über unerfüllten Geschwisterwunsch ist „Der beste Babysitter der Welt“ (Beltz & Gelberg). Hier wird der Hauptfigur kein Gender zugewiesen, das Nachbarsbaby heißt zwar Bruno, trägt aber eine Schleife am Kopf, und auch seine beiden Mamas repräsentieren eine Familienform abseits des Mainstreams.

Queer-feministische Jugendbücher. Auch queer-feministische Romane für Heranwachsende gibt es mitterweile einige. In der Graphic Novel „Regenbogentage“ (Klett Kinderbuch) geht es um die elfjährige Tuva und ihren Alltag mit Schule, sich wandelnder Freund_innenschaft und ihrem alleinerziehenden Papa. Gelungen ist nicht nur die ganze Geschichte, sondern auch die Tatsache, dass Tuva sich in ein Mädchen verliebt und das unaufgeregt und nicht problematisierend erzählt wird. Eine ebenso berührende Freundschafts- und Liebesgeschichte, in der ein trans Junge eine Rolle spielt, ist „Fred und ich“ (Beltz & Gelberg). Das Thema Geschlechtsidentität wird darin behutsam und gleichzeitig selbstverständlich miterzählt.

Für viel Aufregung in der Kinder- und Jugendliteraturwelt hat „Papierklavier“ (Beltz & Gelberg) gesorgt. 2021 hätte es, von einer unabhängigen Jury gewählt, den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewinnen sollen. Die zuständige Bischofskonferenz hat allerdings offenbar vorab einen Blick in das prachtvoll illustrierte Buch geworfen und ein Veto eingelegt. Warum konkret, blieb unklar, aber es gibt so einiges, das Bischöfen nicht gefallen könnte: Es geht um die Tochter einer alleinerziehenden Mutter, um Armut, Klassenunterschiede, einen offenen Umgang mit Sexualität und Körpern und eine trans bzw. nicht-binäre Nebenfigur. Immerhin: Es gab eine Welle der Solidarität mit der Autorin und dem Verlag, zahlreiche Menschen haben sich hinter dieses Buch gestellt und nicht zuletzt durch diesen Skandal hat es die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient. Am Einfluss der katholischen Kirche auf die Kinder- und Jugendliteratur ändert das leider nichts. Ein queer-feministisches Pendant zu einem solchen Preis gibt es bislang nicht.
Gequeert wurde 2023 allerdings der deutsche Jugendliteraturpreis! „Die Sonne, so strahlend und Schwarz“, ein kraftvoller Versroman, in dem es unter anderem um häusliche Gewalt und rassistische Polizeigewalt, aber auch um Freundinnenschaft, Familienzusammenhalt, Resilienz, Rollkunstlauf, erstes Verliebtsein, Begehren und um queere Ahninnen geht, ist dieses Jahr nominiert. Egal, ob das großartige Buch gewinnt oder nicht, es hat die Autorin Chantal-Fleur Sandjon als starke Schwarze queere Stimme in der deutschsprachigen
Jugendliteratur bekannt gemacht. •

Carla Heher ist Literaturvermittlerin, Kinderbuchinfluencerin, Volksschullehrerin und Vorleserin zweier Kinder.

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heimspiel: leben mit kindern https://ansch.4lima.de/heimspiel-leben-mit-kindern/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-leben-mit-kindern/#respond Fri, 26 May 2023 15:16:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=109811 Illustration: Sabrina WegererBeate Hausbichler Zurück in die 50er-Jahre. Ich hasse Autofahren. Das ist angesichts der Klimakatastrophe und des längst überfälligen Umbruchs der Automobilindustrie nun wirklich kein Problem. Es ist auch ziemlich 1980er zu glauben, man müsse sich eines liberal-feministischen Ansatzes wegen mit allem beschäftigen, was unzähligen Männern unfassbar wichtig ist. Allein, um in sämtlichen Bereichen des Hirnverbrannten […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Beate Hausbichler

Zurück in die 50er-Jahre.

Ich hasse Autofahren. Das ist angesichts der Klimakatastrophe und des längst überfälligen Umbruchs der Automobilindustrie nun wirklich kein Problem. Es ist auch ziemlich 1980er zu glauben, man müsse sich eines liberal-feministischen Ansatzes wegen mit allem beschäftigen, was unzähligen Männern unfassbar wichtig ist. Allein, um in sämtlichen Bereichen des Hirnverbrannten gleichziehen zu können. Eine Frau, und – huch! – eine schlechte Autofahrerin? Wenig ist mir egaler.

Aber Auto haben wir eines. Einen Hybrid, sei zu meiner Ehrenrettung gesagt. Dass das nicht meine Idee war, muss ich wohl nicht dazusagen. Fahren? Wenn es nicht unbedingt sein muss: lieber nicht. Das entgeht der Anwesenden im Kindersitz natürlich nicht: Mama ist meistens Beifahrerin, Papa meistens der am Steuer. Meine Güte, es gibt schlimmere Schieflagen bei Hetero-Paaren. Alles cool. Jedenfalls bis die Sechsjährige ein Gespräch darüber beginnt. Ob ich denn einen Führerschein habe, fragt sie auf dem Nachhauseweg, zu Fuß. Ja, habe ich. Dass ich trotzdem kaum fahre, gell? Wieder ja, ich mags einfach nicht. Ihre Conclusio: Sie macht keinen Führerschein. Voll okay, so meine noch zurückgelehnte Reaktion. Fall erledigt? Nun ja, nicht ganz. Ich such mir einen Mann mit Führerschein – der soll mich dann herumführen, präsentiert sie mir ihr Mobilitätskonzept.

Was folgt, ist ein widersprüchliches Dahinstottern meinerseits, im Schweiße meines Angesichts. Zwischen klimafreundlichem Anti-Führerschein-Diskurs und Ablehnung dieses 50er-Jahre-Modells, dass ich ihr – zumindest beim Autofahren – vorlebe.

Hm, vielleicht doch nicht so gescheit, wenn du dich da von einem Mann abhängig machst, oder? Wie wäre es außerdem mit einem autofreien Leben zu zweit? Und überhaupt, muss ja auch nicht ein Mann sein, schaust einfach mal, hm? Die Vorschläge für Alternativen sollen locker daherkommen, tun sie offenbar nicht. Zu gestresst klingt das alles wohl. Das darf doch wohl ich selbst entscheiden, faucht sich mich schließlich an, das bestimme ich, nicht du! Tja, mit Choice-Feminismus kennt sie sich zumindest schon ganz gut aus.

Beate Hausbichler ist Redakteurin bei „dieStandard“.

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zeitausgleich: Recht auf Urlaub! https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-recht-auf-urlaub/ https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-recht-auf-urlaub/#respond Fri, 20 May 2022 09:42:19 +0000 https://anschlaege.at/?p=71662 Illustration: Sabrina WegererKarin Stanger Gefälschte Diplomarbeiten, Korruptionsverdacht – Rücktrittsgründe in der Politik. Auf manche Rücktritte wartet man vergebens. Von einem Rücktritt wegen eines Urlaubs aber habe ich noch nie gehört. Anne Spiegel, die ehemalige Familienministerin in Deutschland, begründet ihn in ihrer Rücktrittsrede aber genau so: „Das war ein Fehler, dass wir auch so lange in Urlaub gefahren […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Karin Stanger

Gefälschte Diplomarbeiten, Korruptionsverdacht – Rücktrittsgründe in der Politik. Auf manche Rücktritte wartet man vergebens. Von einem Rücktritt wegen eines Urlaubs aber habe ich noch nie gehört. Anne Spiegel, die ehemalige Familienministerin in Deutschland, begründet ihn in ihrer Rücktrittsrede aber genau so: „Das war ein Fehler, dass wir auch so lange in Urlaub gefahren sind. Und dass wir in Urlaub gefahren sind. Und ich bitte für diesen Fehler um Entschuldigung.“

Da stellt es mir alle Haare auf. Gerade als Familienministerin solche Worte über die Lippen zu bringen, ist für mich völlig kurios. Wo kommen wir denn hin, wenn man sich für Urlaub entschuldigen muss? Denn ein Recht auf Urlaub hat jede*r! Das ist sogar im Artikel 24 der Menschenrechte festgeschrieben: „Jeder Mensch hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“

Klar, wir kennen im Arbeitsrecht Zeiten für Urlaubssperren, beispielsweise in Saisonbetrieben. Es muss der Urlaub auch zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ausgemacht werden. Oft spielt beim Urlaubszeitpunkt die Familie eine große Rolle. Genauso wie der Erholungsbedarf. Das ist immer eine Interessensabwägung.

Auf alle Fälle kann es doch kein Problem sein, dass eine Ministerin einen Urlaub macht. Noch dazu, wenn sie Kinder und einen Mann hat, der sich gerade von einem Schlaganfall erholt. Die Gleichzeitigkeit von Dingen – wie eine Flutkatastrophe und ein Familienurlaub – sind in dieser Welt immanent. Daraus Anne Spiegel einen Strick zu drehen, ist vermessen. Zudem: Der Kopf (eines Ministeriums) zu sein bedeutet, vorbereitet zu sein, sich ein gutes Team einzurichten, an das man delegiert, das einspringt und übernimmt. Gerade in einer Demokratie dürfen einzelne Personen nicht derart unverzichtbar sein, dass ein kurzfristiger Ausfall nicht möglich ist. Das ist nicht gesund. Weder für die Einzelperson noch für eine moderne Demokratie.

Karin Stanger ist Gewerkschafterin und lebt in Wien.

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zeitausgleich: Emotionale Arbeit ist Arbeit https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-emotionale-arbeit-ist-arbeit/ https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-emotionale-arbeit-ist-arbeit/#respond Fri, 03 Dec 2021 15:50:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=55439 Illustration: Sabrina WegererKarin Stanger „Karin – geh, redest du dann bitte noch mit ihm!“ „Ja klar, hatte ich eh vor!“ Ich bin in meinen Dreißigern und schon einige Jahre politisch aktiv. Im Ehrenamt, in NGOs, in den Gewerkschaften – überall das gleiche Phänomen. Wenn es darum geht, das Gruppengefüge zusammenzuhalten, Konflikte zu lösen, jemanden wieder aufzufangen, auszugleichen, […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Karin Stanger

„Karin – geh, redest du dann bitte noch mit ihm!“ „Ja klar, hatte ich eh vor!“

Ich bin in meinen Dreißigern und schon einige Jahre politisch aktiv. Im Ehrenamt, in NGOs, in den Gewerkschaften – überall das gleiche Phänomen. Wenn es darum geht, das Gruppengefüge zusammenzuhalten, Konflikte zu lösen, jemanden wieder aufzufangen, auszugleichen, dann werden meist sie losgeschickt. Wer? Na, die Frauen.

Selbstverständlich, dass sie es sind, die nach der geplatzten Sitzung nachtelefonieren. Die beordert werden, um mit dem Kollegen die heikle Situation noch mal zu besprechen. Oder die in einem Gremium ausgleichend wirken und die Wogen glätten.

Oft auf Kosten der eigenen Emotionen, der eigenen Zeit, der eigenen Ressourcen. Und manchmal auch auf Kosten der eigenen Positionen.

Das ist „emotionale Arbeit“. Der Begriff ist weit gefasst, meint alles vom Trösten der eigenen Partnerin bis hin zum einfühlsamen Gespräch mit dem Kollegen im Büro. Für die Arbeiterin mag es sich gleich anfühlen, ob sie diese Arbeit zu Hause oder im Job macht. Aber im marxistischen Sinne verändert der Lohn natürlich die Situation. Denn die geleistete Arbeit hat damit nicht nur einen Gebrauchswert, sondern auch einen Tauschwert. Dessen (Wert) sollten sich Frauen bewusst sein und ihre Arbeit nicht als Selbstverständlichkeit betrachten.

„Das muss dann einfach bezahlt werden!“, könnte jetzt angeführt werden. Doch finanzielle Kompensation alleine würde die vergeschlechtlichte emotionale Arbeitsteilung weiter festschreiben. Es muss stattdessen darum gehen, Stereotype aufzubrechen und Verantwortung zu teilen.

Zudem braucht es eine Neubewertung von Arbeit. Dringend nötig ist auch eine höhere Anerkennung für Berufe, in denen permanent emotionale Arbeit geleistet werden muss. Die Anerkennung dafür, dass emotionale Arbeit oft auch mit Belastung und Selbstentfremdung einhergeht, sollte sich im Lohn ebenso widerspiegeln wie in der Ausbildung, in der Berufskrankheitenliste oder bei den Schwerarbeiterregelungen.

Karin Stanger ist Gewerkschafterin und lebt in Wien.

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eu-kolumne: Fairness für die Lieferkette! https://ansch.4lima.de/eu-kolumne-fairness-fuer-die-lieferkette/ https://ansch.4lima.de/eu-kolumne-fairness-fuer-die-lieferkette/#respond Fri, 09 Oct 2020 17:43:29 +0000 https://anschlaege.at/?p=24967 Miriam-Lena Horn Mit vorsichtigem Optimismus lässt sich aus der Europapolitik berichten, dass die Europäische Kommission endlich einen Gesetzesentwurf zu den Lieferketten vorlegen wird. Bislang oblag es vor allem den Konsument*innen, sich zu fragen, ob die eigene Jeans vielleicht auf Kosten der Atemwege einer äthiopischen Textilarbeiterin sandgestrahlt wurde – Frauen sind nämlich in überproportional vielen Fällen […]]]>

Miriam-Lena Horn

Mit vorsichtigem Optimismus lässt sich aus der Europapolitik berichten, dass die Europäische Kommission endlich einen Gesetzesentwurf zu den Lieferketten vorlegen wird. Bislang oblag es vor allem den Konsument*innen, sich zu fragen, ob die eigene Jeans vielleicht auf Kosten der Atemwege einer äthiopischen Textilarbeiterin sandgestrahlt wurde – Frauen sind nämlich in überproportional vielen Fällen die Leidtragenden schlechter Bedingungen in den globalen Lieferketten. Die verantwortliche Industrie versteckte sich bisher hinter freiwilligen Initiativen gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen Umweltstandards.

Jetzt endlich hat die Kommission in einer Befragung von 334 Unternehmen festgestellt, dass nur die wenigsten freiwillig sicherstellen, dass ihre Lieferketten keine Umweltschäden anrichten und dass Arbeitnehmer*innen fair behandelt werden. Aus dieser – nicht sehr überraschenden – Erkenntnis rührt also der Wille, nach vielen Jahren der strikten Weigerung endlich eine gesetzliche Regelung zu schaffen.

Natürlich laufen Teile der industriellen Verbandslandschaft in Brüssel und anderswo Sturm. Man könne nicht die gesamte Lieferkette der eigenen Produkte kontrollieren und wolle auch nicht dafür haftbar gemacht werden. Diese Blockadehaltung sorgt bei Konsument*innen wie auch progressiven Politiker*innen zu Recht für Verwunderung. Ist es wirklich unmöglich, die Komponenten und Produktionswege des eigenen – in der Regel ja durchaus einträglichen –  Produkts nachzuvollziehen? Zum Beispiel anhand von Zertifikaten und mittels Zusammenarbeit mit zertifizierten Rohstoffproduzent*innen?

Im nächsten Schritt legt das Europäische Parlament einen Anforderungskatalog an das Gesetz vor. Dann bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Kommission vom industriellen Entrüstungssturm beeindrucken lässt, bevor sie im Januar einen Entwurf vorlegt. Ein weiter Weg liegt vor uns, der erste Schritt jedoch ist getan.

Miriam-Lena Horn ist eine der Organisatorinnen von Period. Brussels. Sie arbeitet seit 2014 als handelspolitische Referentin für einen Abgeordneten der SPD im Europäischen Parlament.

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satira: Er war so verzweifelt https://ansch.4lima.de/er-war-so-verzweifelt/ https://ansch.4lima.de/er-war-so-verzweifelt/#respond Mon, 31 Aug 2020 12:41:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=23997 Illustration: Sabrina WegererNachdem Postler Herbert aus dem Weinviertel der Gattin den Garaus gemacht hatte, kam es in den Medien zu allerhand Beileidsbekundungen. Beigelitten wurde ausgiebig, was hatte den armen Postler Herbert nur dazu getrieben? Ausgerechnet Herbert. Er ist Postler im Ruhestand, im bestimmt wohlverdienten Ruhestand, immerhin ist Herbert 88. Er war immer gesellig und allseits beliebt. Eben […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Nachdem Postler Herbert aus dem Weinviertel der Gattin den Garaus gemacht hatte, kam es in den Medien zu allerhand Beileidsbekundungen. Beigelitten wurde ausgiebig, was hatte den armen Postler Herbert nur dazu getrieben? Ausgerechnet Herbert.

Er ist Postler im Ruhestand, im bestimmt wohlverdienten Ruhestand, immerhin ist Herbert 88. Er war immer gesellig und allseits beliebt. Eben noch hatte er Ribiseln geerntet, mit der Seinigen. Und dann so was.

Er hatte sich zurückgezogen, seit Wochen, der Alte war nicht mehr der Alte, grübelten die Nachbar_innen. War er vielleicht krank, rätselte Mann auf oe24.at. Also etwas, an dem Mann hätte sterben können, mit beinahe neunzig? Und war er darob derart verzweifelt, dass er zur Verzweiflungstat schritt? Aus purer Fürsorglichkeit? Weil er die Gattin nicht allein lassen wollte, fühlten die Mannen auf oe24.at schon mal mit.  

Er nahm sein Geheimnis mit ins Grab, die Seinige leider auch. Halt, nein! Uff, Ersteres verschob er im letzten Augenblick noch, kein Stress, stattdessen marschierte er ins zuständige Polizeikommissariat und stellte sich wie ein Mann.

Herbert harrt jetzt der Strafe, aber wahrscheinlich war er eh schon gestraft genug gewesen. Mit derjenigen. Wer sie war, außer dass sie Ribiseln sammelte und Kinder hatte, mit ihm, erfuhren wir nicht, und dann war schon wieder was anderes, Beirut und Bank im Burgenland, ein bisschen Verschnaufpause auch. Bevor der Nächste verzweifelt.

Weil sie ihn verlassen will, zum Beispiel. Da muss sich eine natürlich nicht wundern. Nicht nur in den Kreisen, in denen Gehen ein No-Go ist. Ihn verlassen! Allein! Lassen! Mama! Kein Wunder, dass das Messer plötzlich steckt, in ihr. Die Weiber bringen die Männer um den Verstand. Und die sie dann um. Logisch.

Oder er verzweifelt, weil sie ihn nicht verlässt. Weil sie in Windeln im Rollstuhl sitzt, zum Beispiel. Weil sie alt ist und seine Mutter oder alt und seine Frau. Weil sie ein Pflegefall ist. Er war so überfordert, ein mitleidiges Murmeln breitet sich aus, das den armen Hinterbliebenen wärmt wie ein Mantel.  

Es ist wirklich zum Verzweifeln!

Michèle Thoma, die auf die Hundert zugeht, verzweifelt so langsam.

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positionswechsel: Es ist dir kein Knochen gebrochen! https://ansch.4lima.de/es-ist-dir-kein-knochen-gebrochen/ https://ansch.4lima.de/es-ist-dir-kein-knochen-gebrochen/#respond Sat, 07 Mar 2020 00:25:12 +0000 https://anschlaege.at/?p=19394 „Und, wie war es?“ Eine Frage, die Freundinnen oft stellen. „Geht so.“ Leider, eine häufige Antwort darauf. Begleitet von entschuldigend zuckenden Frauenschultern, die es akzeptiert haben, dass die Chancen für einen Orgasmus bei heterosexuellem Sex nicht allzu hoch stehen. „Warum bist du nicht einfach gegangen?“ Wow, okay, was?!  Diese Frage hatte mir noch niemand gestellt. […]]]>

Und, wie war es?“ Eine Frage, die Freundinnen oft stellen.
Geht so.“ Leider, eine häufige Antwort darauf. Begleitet von entschuldigend zuckenden Frauenschultern, die es akzeptiert haben, dass die Chancen für einen Orgasmus bei heterosexuellem Sex nicht allzu hoch stehen.
Warum bist du nicht einfach gegangen?“ Wow, okay, was?! 
Diese Frage hatte mir noch niemand gestellt. Einfach aufstehen und gehen? Was für ein radikales Konzept. Da las und sprach ich seit Jahren von Feminismus, aber sowas ist mir nie in den Sinn gekommen. Obwohl ich zumindest theoretisch weiß, dass man es sich auch mitten im Sex anders überlegen kann. Wieso eigentlich?
Vielleicht, weil ich seit Jahrzehnten von (gefakten) weiblichen Orgasmen lese und Frauenmagazine alle möglichen Stellungen und Tricks anbieten, dabei aber nie erwähnen, dass Gehen auch eine Option ist. Vielleicht hat mich die Gesellschaft zu einer passiven Person erzogen, die Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt, um männliche Egos zu schonen. Wahrscheinlich ist es das ganze Sexismus-Paket. 
Als mir meine Freundin also erzählt, dass sie einfach geht, wenn es ihr nicht gefällt, fühle ich mich geradezu erleuchtet. Am liebsten würde ich jede Frau, die ich sehe, fragen, ob sie schon Bescheid weiß oder es gar schon mal gemacht hat. 
Da ich aber schlecht eine Fremde an der Haltestelle fragen kann, richte ich die Frage an dich. Stehst du auf und gehst?
ROSA schreibt Artikel und Kolumnen, um ihre wahre Leidenschaft, das Erstellen von Instagram-Stories, zu finanzieren.  

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queerverweis: Famous Last Words https://ansch.4lima.de/queerverweis-famous-last-words/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-famous-last-words/#respond Fri, 31 Jan 2020 15:34:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=18445 Illustration: Sabrina WegererI already said goodbye once, left the lesben.nest column and then I just moved to another page in this glorious magazine. This time however, I’m saying, “Ciao bellissimas!!” and I am leaving an.schläge and writing for good. This will be the last column I write. Ever. It has been twelve years … Can you believe […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

I already said goodbye once, left the lesben.nest column and then I just moved to another page in this glorious magazine. This time however, I’m saying, “Ciao bellissimas!!” and I am leaving an.schläge and writing for good. This will be the last column I write. Ever.
It has been twelve years … Can you believe it??? Twelve fucking amazing years!!!
Twelve years ago I had not yet discovered the performance stage for me. I had a lesbian country band, was doing some amateur dj-ing and I was good at socialising at parties and bringing people together; that was my “career”.
Then that email came asking me if I wanted to write for an.schläge, and it changed my life. All of a sudden I could reach people and people reached out to me. (This was all pre-social media; there were bloggers but I was too lazy to blog). I shared personal stories from my life and people wrote me and told me that it made them feel less alone and I felt like I had won a million bucks. It was my column, I wrote it, but it felt like we were in constant dialogue with each other. We talked about being femme, open relationships, going back to monogamy, trans_* identities and the rise of non-binary, racism in the queer scene, cross-generational desires, resisting the mainstream straight society and of course my endless quest of searching for love. I did my best at trying to entertain you while being political. I sometimes failed, and after crying a bit about it, I learned that that was ok as well. It hurt, but it was very liberating to realise that not every text had to be brilliant.
But I am done now and it’s time you met someone new. Why? “Because I truly have nothing more to say”, she said and laughed her much too loud, cigarette-stained laugh.
And listen, I know that the world seems ugly and is literally on fire and that there is still so much hate, yes.
However, I want you to remember this:
The queer universe today is very different from what it was in 2008 when we first met; it’s bigger, brighter and broader. We continue daily to move forward and nobody can ever put that baby back in a corner.
Thank you. Like (almost) all of my ex-lovers, you will always have a place in my heart.

 

Au revoir, honeys … Denice Bourbon is saying goodbye to writing overall. And what better place to do that than where it all began?

 

 

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leib & leben: Tüchtig! https://ansch.4lima.de/leib-leben-tuechtig/ https://ansch.4lima.de/leib-leben-tuechtig/#respond Sun, 24 Nov 2019 23:24:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=15108 Illustration: Sabrina WegererKürzlich ging ich wandern im schönen Höllental in Niederösterreich. Es war einer dieser letzten sonnig-warmen Tage im Spätherbst. Meine Hand umfasste einen langen Ast, der mir als Wanderstock diente. Links neben mir strömte die klare, smaragdgrüne Schwarza, die Sonne glitzerte auf der Wasseroberfläche. Rechts ragten die Kalkalpen in die Höhe, der Boden war mit Blättern […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Kürzlich ging ich wandern im schönen Höllental in Niederösterreich. Es war einer dieser letzten sonnig-warmen Tage im Spätherbst. Meine Hand umfasste einen langen Ast, der mir als Wanderstock diente. Links neben mir strömte die klare, smaragdgrüne Schwarza, die Sonne glitzerte auf der Wasseroberfläche. Rechts ragten die Kalkalpen in die Höhe, der Boden war mit Blättern bedeckt. Ich atmete den Geruch der Kiefern und Farne. Die Vögel, die Falter, die Käfer und ich – wir alle waren unbehelligt in unserem eigenen Tempo unterwegs. Mein Körper erfreute sich mit allen Sinnen an der paradiesischen Umgebung. Es war perfekt.
Und dann kam das Kompliment.
Von hinten huschte es heran und ließ mich stolpern wie eine Baumwurzel. „Hey, finde ich super, dass du das machst!“, rief mir jemand in den Rücken. Die schlanke, agile Frau, die an mir vorbeieilte, strahlte mich an und lobte: „Tüchtig!“ Die geduldige Felswand bot mir Halt, während sie sich bemüßigt fühlte, mir zu sagen, sie wisse, wovon sie rede, sie habe nämliche eine Nichte oder Cousine, die auch so sei wie ich, „so einen“ Körper habe. Aber die würde sie nie dazu kriegen, sich zu bewegen und etwas zu tun.
Wo immer andere Menschen sind, ist mein Körper nie einfach nur mein Körper, darf nie einfach nur sein, ist niemals selbstverständlich Teil eines großen Ganzen, sondern immer das Andere. Abgegrenzt, ohne Zugeständnis einer Privatsphäre, frei, kommentiert und reglementiert zu werden, von allen, die wollen oder es als ihre Aufgabe sehen.
Nein, auch in den Bergen habe ich offenbar keine Pause davon. In den Augen der Kommentatorin konnte (oder sollte?) mein Aufenthalt in der Natur nur dem Zweck dienen, etwas an mir zu ändern, zu verbessern. Sie weiß nicht, dass sie dort das einzige Lebewesen war, das sich an meiner Gestalt störte. Und wirklich „super“ ist, dass ich trotzdem da bin.

 

Julischka Stengele hätte dieser Tante gern gesagt, dass das Beste, was sie für ihre Nichte und deren Körper tun könne, sei, aufzuhören sie zu kontrollieren. Außerdem vielen Dank für den Beistand an den Felsen und ein „You go, girl!“ an alle dicken Nichten und Cousinen dieser Welt!

 

 

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satira: Zahnpasta in die Vagina https://ansch.4lima.de/satira-zahnpasta-in-die-vagina/ https://ansch.4lima.de/satira-zahnpasta-in-die-vagina/#respond Sun, 24 Nov 2019 23:02:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=15107 Illustration: Sabrina WegererDas klingt gut. So einfach, so bodenständig. Und auch so billig. Schnell, praktisch, günstig. Was will frau mehr? Weil einfach ist das ja nicht mit dieser Vagina. Diesem Loch Ness, puh, der reinste Monsterfilm. Diese dramatischen, purpurroten Vorhänge, das ganze Gehänge. Diese Schlabberlippen. OMG, so kann frau sich nicht präsentieren! Wenn der Richtige kommt, oder […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Das klingt gut. So einfach, so bodenständig. Und auch so billig. Schnell, praktisch, günstig. Was will frau mehr?
Weil einfach ist das ja nicht mit dieser Vagina. Diesem Loch Ness, puh, der reinste Monsterfilm. Diese dramatischen, purpurroten Vorhänge, das ganze Gehänge. Diese Schlabberlippen. OMG, so kann frau sich nicht präsentieren! Wenn der Richtige kommt, oder die Richtige, und das unter die Lupe nimmt! Und dann Reißaus, und schon ist es aus. Kein Marsmensch will diesen Venushügel erklimmen! Nicht mal mehr einen anständigen Porno-Job kann frau mit so was kriegen.
Gott sei Dank gibt es schon viele Angebote. Immer mehr Chirurg_innen haben erkannt, was frau mitmacht da unten. Wo sie lieber nicht hinschaut, weil sie sich nicht traut, und wenn ist es zu spät und sie kommt auf den Horrortrip. Wegen der Unterwelt. Von wo es ja auch noch dramatisch blutet, und plötzlich kommt was raus, sogar wer, und schreit sie an. Was sie sieht, ist so schröcklich! Bei den andern ist es bestimmt Lilifee. Schmetterlingsflügel.
Immer mehr Chirurg_innen wollen uns befreien, wir müssen unser Schicksenschicksal nicht mehr tragen. Einfühlsame Ärzte und dünne, blonde Ärztinnen, die sehr straff ausschauen und uns motiviert anschauen, entfernen unmotiviert herumhängende Hautjammerlappen. Unsere Vaginen können gestrafft, verengt und sogar verjüngt werden, aber auch cosy gepolstert. Beschneidungen werden ambulant angeboten, Labienliftings to go! Immer mehr Frauen nehmen diese Hilfe in Anspruch, manche gönnen sie sich, wollen sich öfters was Gutes tun!
Aber auch Angsthäsinnen und welche mit kleinem Börserl müssen nicht verzweifeln. Weil jetzt gibt es Zahnpasta! Für uns alle super. Frau muss nicht mal Inhaberin einer Vagina Dentata sein. Hat denselben Effekt wie eine OP und tut nicht weh. Auch noch gut gegen Gebärmuttermundgeruch, davon war noch nicht mal die Rede. Dann noch ein Schamlippenstift und alles wird geil.

 

Michèle Thoma hat ein Faible für Hausfrauenweisheit und begrüßt diesen bodenständigen Trend.

 

 

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satira: Fuck You, Peter? https://ansch.4lima.de/satira-fuck-you-peter/ https://ansch.4lima.de/satira-fuck-you-peter/#respond Fri, 11 Oct 2019 11:02:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=13643 Illustration: Sabrina WegererI had heard of all these men, mostly middle-aged white men, who hate on Greta Thunberg, but I never thought it was as bad as it turned out to be when I made the huge mistake of diving into a Google orgy by typing in „fuck you Greta bumper stickers“ (a Facebook „friend“ proudly posted […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

I had heard of all these men, mostly middle-aged white men, who hate on Greta Thunberg, but I never thought it was as bad as it turned out to be when I made the huge mistake of diving into a Google orgy by typing in „fuck you Greta bumper stickers“ (a Facebook „friend“ proudly posted a picture of his car carrying that sticker, he‘s deleted it now, and I hope his car dies!) and „white middle aged men hating Greta Thunberg“. Jesus Christ! High-profiled, grown up men; politicians, millionaires, CEOs; most of them fathers, all of them using social media to bully and puke hatred towards a 16-year-old girl. Adult men twittering about how they wish she would drown in the Atlantic, calling her a freak, a psycho and making jokes online about badly hidden rape fantasies. And when journalists write articles about the horrendous phenomenon of all these middle-aged white men and their hate obsession, they get attacked and accused of misandry in the comment section, where furious middle-aged white men fail to say a word about the horrifying verbal abuse that Greta is facing, but instead cry rivers because they are the real victims here, victims of evil attacks on poor innocent men, victims of generalisation. How is this real??? That made me wonder if it would look like this if Greta were an eloquent, calm 16-year-old boy with a similarly proper hair cut by the name of Peter. Would they hate as loudly? Would they hate at all? And then I took it a step further and tried to imagine hoards of middle-aged white women hating on Peter, screaming „Peter, you fucking freak!“ to a child, picking up their kids from school in SUVs with „fuck you Peter“-bumper stickers on them.
Can you see it? Can you visualise this in your wildest imagination? No? Yeah … neither can I!

 

Denice is of the opinion that middle-aged white men hate being called that because they think that they are just simply the „people“. Nothing makes them madder than being labelled. So let‘s label them. A lot!

 

 

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queerverweis: Wohlfühl-Inklusion https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion-2/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion-2/#respond Wed, 28 Aug 2019 12:35:31 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10738 Über die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität Wien. Von TOWANDER FLAGG]]>

Ich habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen.
Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens bin ich kleine Teams mit flacher Hierarchie gewöhnt und nach einigen Wochenenden und Nächten, die ich durchgearbeitet habe, ist mir der Befindlichkeitszirkus im Haus am Ring nur noch wie der Limbus erschienen, der vor dem Eingang zum Höllenkrater durchschritten werden muss. Natürlich ist die Uni nicht die Hölle, aber die hierarchisch motivierten Befindlichkeiten, die in vielen Abteilungen dort herrschen, sind eine Arbeits- und Motivationsvernichtungsmaschinerie, die jeden Anspruch an effiziente Arbeitsweisen im Keim erstickt. My own personal hell.
Das zweite strukturelle Problem – und hier verlassen wir den Boden der persönlichen Betroffenheit – stellt die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität dar. Dank gesellschaftlicher Veränderungen ist ein Anspruch an Diversität und Inklusion zwar als State of the Art auch an der Uni angekommen, doch aufgrund der homogenen Suppe aus weißen, körperlich und psychisch normativ befähigten, cis-geschlechtlichen Personen in Leitungsfunktionen wird „Diversität und Inklusion“ nicht als Mittel zur Durchsetzung von Politiken der Gerechtigkeit behandelt, sondern als Vorbeugung gegen ein scheinbar immanent drohendes PR-Desaster. „Inkludiert werden“ müssen immer nur „die Anderen“ und das führt dazu, dass diese Inklusion permanent so in Erscheinung treten muss, dass sich Mehrheitsangehörige dabei nicht unwohl fühlen. Anders formuliert: Die Umsetzung von Diversitätsmaßnahmen an der Uni ist zuallererst dazu da, dass sich Mehrheitsangehörige dadurch beruhigt fühlen. Anti-Rassismus klingt halt einfach so hart. Muss es denn Anti? Und muss es Rassismus? Brrr.
 
Towander Flagg hat nicht den Schneid, der Uni-Leitung eine Ausgabe von „Talking Back“ zu schenken. Sie ist jetzt aber mal auf Urlaub und liest dort Sara Ahmed.
 

Illustration: Sabrina Wegerer
Illustration: Sabrina Wegerer

 
 

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satira: Stranger than Fiction https://ansch.4lima.de/satira-stranger-than-fiction/ https://ansch.4lima.de/satira-stranger-than-fiction/#respond Fri, 28 Jun 2019 21:29:45 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10649 Illustration: Sabrina WegererI would like to pitch this idea I have for a movie. Von DENICE BOURBON]]> Illustration: Sabrina Wegerer

I would like to pitch this idea I have for a movie. Let me know what you think!
So: We’re in a luxury rental house on a Mediterranean island. Although it’s expensive, the interior looks cheap and generic. We see two men and a woman. The men are excited in a way that reminds you of drunken pubescent boys pumped up on their freshly produced testosterone. The woman looks lethargic. We very soon realise that one of the men is Austria’s vice chancellor and he is in the middle of trying to sell his country to Russia. The younger man is his prince and drilled successor, and with the air of an overly excited puppy, he plays gun charades to illustrate which companies have illegally donated money to the neo-fascist party. Both men are jacked up on cocaine.
The over-the-top masculinity that they are performing turns grotesque, like a parody of themselves. We do not see the other people in the picture, the buyer of Austria, a young, beautiful, wealthy niece of a Russian oligarch, and her translator. But we know that they are there, and we know that she is beautiful, because the vice chancellor keeps pointing this out to his faithful partner in crime. His words are profane and tacky. It sounds like lines from a really cheap pornographic clip. Then comes a drastic cut. What we see now is a press conference in which the vice chancellor portrays himself as a victim and his Sancho Panza, who’s in panic, claims he was drugged by an infamous substance often used for date rapes. The viewer gets confused. What the hell really went on in that house after the cut? How far did the situation escalate? Next scene: the streets of Vienna. Tens of thousands of people are cheering out of happiness, they are finally free from the evil oppressors. A big red bus glides into the picture. On its roof are the 90’s Eurotrash pop-act Vengaboys, singing the song of the Austrian Revolution. Fade out. To be continued. What the fuck will happen next???

Denice doubts that anyone will buy her script. The story is just too unbelievable.

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neuland: Unauffällig österreichisch https://ansch.4lima.de/neuland-unauffaellig-oesterreichisch/ https://ansch.4lima.de/neuland-unauffaellig-oesterreichisch/#respond Fri, 28 Jun 2019 20:00:01 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10645 Illustration: Sabrina WegererIn allem, was du hier tust und bist, gilt: Austria first. Von MARYAM GHANEM]]> Illustration: Sabrina Wegerer

alltägliche grenzerfahrungen

Wenn du sichtbares Mitglied einer Minderheit bist, agierst du nie für dich selbst. Du bist immer und überall RepräsentantIn deiner Gruppe. Du kannst dir nicht leisten, in der Öffentlichkeit das Gesicht zu verziehen, schließlich bist du in diesem Land Gast und hast dankbar zu sein. In allem, was du tust und bist, musst du die wahren ÖsterreicherInnen dieses Landes höherstellen, because Austria first. Und wir wissen – Staatsbürgerschaft hin oder her –, ich bin nicht Austria.
Es sind diese alltäglichen Kleinigkeiten, die letztendlich Großes bewirken. Kleinigkeiten, die sich anhäufen und sich unbemerkbar in dein Leben einnisten, sodass nicht einmal ich von diesem Schubladendenken befreit bin. Ich bin strenger zu mir und meinesgleichen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir in einem Seminar wünsche, dass die Frage, die dieses muslimische Mädchen stellen will, keine dumme ist. Ich setze mich unter Leistungsdruck, um dem abwertenden Bild entgegenzuwirken, das subtil verbreitet wird.
Ich mache bei diesem Spielchen mit, um das gesellschaftliche Klima nicht zu verschlimmern. Um acht Uhr morgens ist mein Lächeln so breit wie kein anderes, dabei würde ich am liebsten die Wiener Grantlerin raushängen, wie auch der Rest der Wiener PassantInnen. Ich entschuldige mich, wenn mich jemand von hinten anrempelt, dabei trage ich meine Augen nicht am Rücken. Wenn die Medien von einem islamistischen Terrorakt berichten, bete ich für die Betroffenen und anschließend für die Muslime, die die Konsequenzen austragen und die schuldzuweisenden Blicke der anderen ertragen müssen. Wir wissen, wir dürfen es nicht persönlich nehmen, aber wir tun es. Trotzdem lächeln wir. Wir lächeln und stellen uns im selben Moment die unausgesprochene Frage, ob die Person, die dich gerade schief beäugt, dir den Tod wünscht.

Maryam Ghanem ist gebürtige Wienerin mit ägyptischen Wurzeln, Muslima sowie Studentin der Soziologie und Publizistik. Sie träumt von einem Österreich, das die Vielfalt begrüßt und nicht abschiebt.

 

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zeitausgleich: Wenig ausgeglichen https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-wenig-ausgeglichen/ https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-wenig-ausgeglichen/#respond Sat, 26 May 2018 13:11:59 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9744 © Sabrina WegererDie Flexibilität des Gleitzeitmodells. Von ANNA HERZ]]> © Sabrina Wegerer

arbeitsfragen in allen lebenslagen

 

Zeitausgleich. Schönes Thema. In meinem Brot-Job arbeiten wir im Gleitzeitmodell, wir können also an einzelnen Tagen Mehrstunden machen, die wir an anderen Tagen über „Zeitausgleich“ wieder zurückholen. Das Modell hat Vorteile. Ich bin nicht nur Teilzeit-Angestellte, sondern auch Teilzeit-Alleinerziehende. Drei Tage die Woche muss ich nach der Arbeit gleich in den Hort hasten, um das Kind abzuholen. Das Kind ist nicht gern im Hort. Darum bemühe ich mich, möglichst früh zu hasten. Das Kind weiß, dass ich ein bisschen flexibel bin in der Arbeit, und fordert die Mehrzeit auch selbstbewusst ein. Ich verbrauche also Mehrstunden aus meinen zwei langen Arbeitstagen für den Zeitausgleich an den drei kurzen Tagen. Wofür ich den Zeitausgleich sonst noch brauche: Elternsprechtage, Adventkonzert in der Schule, Familienausflug im Hort und so weiter und so weiter. De facto kämpfe ich (gegen meine eigene Erschöpfung) um jede halbe Stunde, die ich an langen Tagen mehr arbeiten kann, weil ich weiß, dass ich die Mehrstunden brauche. Die Flexibilität des Zeitausgleich-Modells macht es mir überhaupt erst möglich, trotz Betreuungspflichten doch relativ viele Stunden zu arbeiten. Zeitausgleich ist doch was Schönes. Ausgeglichener macht er mich aber nicht. Ich bin die flexible Komponente in diesem System. Ich reagiere flexibel auf Schulveranstaltungen, springe flexibel ein, wenn der Vater ausfällt und sowieso fast immer, wenn das Kind krank ist. Ganz flexibel schieb ich Termine herum und kümmere mich um Ersatzbetreuung, wenn dann doch mal mehr zu arbeiten ist. Das sind dann Mehrstunden selbstverständlich, für die es 1:1 Zeitausgleich gibt, keine höher bewerteten Überstunden. Ganz flexibel arbeite ich schon im Jänner stundenlang an einem Plan für die neun Wochen schulfrei im Sommer. Trotz aller Vorteile: An manchen Tagen wünsch ich mir einen vollbezahlten Vollzeit-Job mit starren Arbeitszeiten und eine Familie und Schule, die sich darauf einstellen, dass ich pünktlich gehe. Oder vielleicht auch mal länger bleibe und Überstunden mache, so mit Überbezahlung. Und damit nehme ich mir dann echten Zeitausgleich und buche ein Wochenende im Wellness-Hotel.

 

Anna Herz ist kurzfristig als Gastautorin eingesprungen, flexibel sein hat sie ja gelernt.

 

© Sabrina Wegerer
© Sabrina Wegerer

 

 

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heimspiel: Sexualerziehungs-Zuckerl für Schulen https://ansch.4lima.de/heimspiel-sexualerziehungs-zuckerl-fuer-schulen/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-sexualerziehungs-zuckerl-fuer-schulen/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:25:54 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9333 "My Fertility Matters" als neue Sexualkunde im Unterricht. Von THEO HOFFNUNGSTHAL]]>

leben mit kindern

 

Wenn die katholische Kirche, phobische Sexualpädagog*innen und ein Pharmakonzern sich in Bayern zu einem flotten Dreier zusammenfinden, kommt das dabei raus, – eine deutschland- und österreichweite weiße-hetero-binäre-Reproduktions-Veraufklärung.
My Fertility Matters” heißt das Programm, das nun „Mädchen und Jungen in die Pubertät begleiten” will und Workshops an Schulen anbietet.
Ich bin froh, dass unserer Tochter* das MFM-Mitmachtheater „KörperWunderWerkstatt“ in ihrer vierten Klasse erspart bleibt. Ihre andere Mutter* hat Eltern und Lehrerin* überzeugt, sich gegen den fast schon gebuchten Workshop auszusprechen.
Die MFM-Dreifaltigkeit (1) preist ihre Sexkunde als progressive Körperkompetenz bildende Vertiefung zum Biologieunterricht an, kann dabei jedoch nicht über ihren weißen binären Schatten springen und verkauft stur tradierte hetero Zwei-Geschlechter-Körperbilder als funktionierende Reproduktionsapparaturen. „Sich nicht vor der Fruchtbarkeit schützen, sondern sie zu beschützen!“ – so der Leitspruch, der vor allem durch eine „wertschätzende Sprache“ von den Kids verinnerlicht werden soll. Die Östrogene werden so zu den „besten Freundinnen der Frau“ (ich habe meine Androgene eigentlich viel lieber!) – und die Gebärmutter ist die „Bühne des Lebens“. Wo spielt nochmal die Musik? Im Großraum Klitoris, Anus, Finger, Ohrläppchen, Zehenzwischenraum, im Kopf oder lieber vorerst gar nicht?
Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Körper, -Identitäten und Sexualitäten existieren – auf explizite Nachfrage – nicht im Programm, weil sie die Schüler*innen „verunsicherten“.
Mit so einem klerikalen Apotheken-Cocktail werden die Lebensrealitäten und das Wissen von zum Beispiel muslimischen und jüdischen Schüler*innen einfach runtergespült. Und progressiv vertiefen lassen sich mit MFM nur die ohnehin im staatlichen Unterricht verordneten Rassismen, Homophobien und Körpernormierungen.

 

Theo Hoffnungsthal ist pendelnde Mutter* zwischen zwei Ländern und bedankt sich bei ihrer Ex für ihre Überzeugungsarbeit und Suche nach wertschätzender Sexpädagogik vor Ort und für ihre Nerven aus Stahl.

 

(1) Klerus, Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Phobie und Boehringer Ingelheim GmbH & Co KG

 

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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