Juni 2012 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 04 Jun 2012 17:04:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Juni 2012 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Bikes Rock! https://ansch.4lima.de/bikes-rock/ https://ansch.4lima.de/bikes-rock/#comments Mon, 04 Jun 2012 17:04:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=3080 Musikvideo-Clips, die durch Ohr und Bein gehen: Eine Top-Ten-Liste von VINA YUN.

 

Kids on TV: Breakdance Hunx (2007)
Sechs queere Bike-Gangs begeben sich auf den Weg zum ultimativen Dance-Battle und machen dabei die Straßen von Toronto unsicher: Burlesque vs. Lack & Leder! Muskelshirt gegen Superheld_innen-Cape! Lickin’ the Lenkstange: hymnisch!

Bat For Lashes: What’s A Girl To do? (2007)
Natasha Khan aka Bat For Lashes traumwan- delt auf ihrem Rad durch die Nacht, begleitet von einer kleinen Tierchen-Armee von BMX-Tricksters: In jedem Girl steckt ein Donnie Darko.

The Sugarcubes: Motorcrash (1988)
Björk erzählt von einer jungen Radfahrerin mit Faible für blutige Autounfälle. An Ort und Stelle klaubt sie die Verletzten auf, um diese bei sich zu verarzten und mit Milch und Keksen zu füttern. Wenn sie bloß nicht so unschuldig dreinschauen würde …

LCd Soundsystem: drunk Girls (HolyGhost! Remix, 2010)
Hoch zu Rad stürzen sich zwei moderneEdelfrauen ins karnevaleske Ritterturnier. Es folgt die exzessive Siegesfeier. Ein Traum, ein Rausch.

Lily Allen: Ldn (2006)
Die englische Pop-Göre Lily Allen schnappt sich ihr rotes Bonanza-Rad und lässt sich durch die Straßen von LDN (London) treiben – durch Parks, über Brücken, auf einen Abstecher in den Kuchenladen. Folgen Sie dem gelben Plüschmantel!

Jill Scott: Golden (2004)
Cruisen mit unserer liebsten Neo-Soul-Diva, die mit einer Extra-Portion Positivity jeden Alltagsballast einfach eben mal wegstrahlt. Goldrichtig: Mit dem Bike geht es Richtung Strand, um beim Sonnenuntergang zusammen abzuhängen und zu relaxen.

Skero ft. Kamp: Fuß Vom Gas (2009)
Dicke Eier, sexy Honeys, fette Schlitten – das geht auch anders, dachte sich Ösi-Rapper Skero. Und macht daraus augenzwinkernd: dicke Eier, sexy Honeys, fette Bikes. Und auf solchen durch die Stadt zu cruisen garantiert – wie Ice Cube schon sagt – einen guten Tag.

Flaming Lips: Watching The Planets (2009)
Ein haariger Muschi-Ball gebiert im Wald eine Horde enthusiastischer Nacktradler_innen, die dem Flaming-Lips-Sänger Wayne Coyne die Kleider vom Leib reißt und ihn in die myste- riöse Muschi-Kugel stopft … Frei nach dem Motto: Back to Nature.

The Smiths: Stop Me If You Think You’ve Heard This one Before (1987)
Eine Gruppe von Morrissey-Fans (sprich: Moz-Klone) fährt die Gegend rund um den Salford Lads Club in Manchester ab, wo auch das berühmte Foto für das Smith-Album „The Queen Is Dead“ entstand.

30 Seconds To Mars: Kings And Queens (2009)
Critical Mass goes Stadion-Rock. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne taucht am Horizont eine bunte Rebellenarmee von Biker_innen auf. Ein Epos über Urbanität und Unsterblichkeit: der Blockbuster unter den Bike-Musikvideo-Clips.

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an.künden: Verflochten https://ansch.4lima.de/an-kunden-ver-flochten/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-ver-flochten/#respond Mon, 28 May 2012 13:52:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=3033 Alexandra Bircken verflicht, verknotet und verwebt alltägliche Materialen wie Strumpfhosen, Zeitungsfetzen oder Schaumstoff zu Bildern oder Skulpturen. Textilien spielen eine große Rolle in der Kunst der ehemaligen Modedesign-Schülerin, die regelmäßig auf internationalen Ausstellungen vertreten ist. Ohne Bedeutung aufzudrängen, hinterfragen ihre Werke dabei immer auch Geschlechter- und Künstlerrollen sowie an Material und Gesten gebundene Klischees.

Bis 2.9., Alexandra Bircken, Hamburger Kunstverein, 20095 Hamburg, Klosterwall 23, Di–So u. Feiertag 12–18.00, T. 040/32 21 57, www.kunstverein.de

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an.künden: Manege frei! https://ansch.4lima.de/an-kunden-manege-frei/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-manege-frei/#respond Mon, 28 May 2012 13:50:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=3029 Der Zirkus bot Frauen und Mädchen im 19. Jahrhundert die Möglichkeit, ein unabhängiges Leben zu führen – ob als Dompteuse, Muskelfrau, Luftakrobatin oder gar Zirkusdirektorin. Das Frauenmuseum Hittisau widmet ausgewählten weiblichen Zirkus-Biografien eine eigene Ausstellung, geht aber auch Fragen von Ausgrenzung und Ausbeutung im Zirkus nach.

Bis 13.1.2013: Die Tollkühnen Frauen, Frauenmuseum Hittisau, 6952 Hittisau, Platz 501, Do 15–20.00, Fr–So  10–12.00 u. 14–17.00, T. 05513/62 09 30, www.frauenmuseum.at

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an.künden: Bitches & Popos https://ansch.4lima.de/an-kunden-bitches-popos/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-bitches-popos/#respond Mon, 28 May 2012 13:48:10 +0000 https://anschlaege.at/?p=3023 bitches_popos_anschlaege_juni_2012Crazy Bitch In A Cave & Pop:sch]]> bitches_popos_anschlaege_juni_2012

Experimentell, facettenreich und doch tanzbar – so klingen die Songs von Patrick Weber. Sein Künstler-Ego Crazy Bitch In A Cave trägt pompöse Kostüme und eine Wallemähne: Genderstereotype murdered on the Disco-Dancefloor!. Geschlechternormen werden auch bei Pop:sch, local heroes in Sachen Queer Electro-Pop, zerlegt, etwa wenn es um das Thema Körperhaare geht: So sexy hat noch kein Damenbart geklungen.

22.6., 22.30: Crazy Bitch In A Cave & Pop:sch, Volkstheater, Rote Bar, 1070 Wien, Neustiftgasse 1, Tickets: AK € 12/VVK 10, T. 01/521 11-0,  www.volkstheater.at

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bonustrack: Rocken am Spielplatz. Notizen zur Festivalsaison. https://ansch.4lima.de/bonustrack-rocken-am-spielplatz-notizen-zur-festivalsaison/ https://ansch.4lima.de/bonustrack-rocken-am-spielplatz-notizen-zur-festivalsaison/#respond Mon, 28 May 2012 13:44:46 +0000 https://anschlaege.at/?p=3016 bonustrack_anschlaege_juni_2012_Lina_WaldeJa, es ist Sommer! Von VERA KROPF]]> bonustrack_anschlaege_juni_2012_Lina_Walde

Ja, es ist Sommer! Ab ins Kongressbad. Schwimmen bringt die Seele in Fluss. Und seit ich neuerdings diese Altdamenrückenprobleme (sog. Gitarrenschulter, von der einseitigen Belastung) habe, gäbe ich mein letztes Hemd für ein schönes Sportbecken. Schade nur, dass es mir nicht möglich ist, unter Wasser zu musizieren. Auch die Musik bringt doch die Seele zum Fließen, und alles auf einmal zu haben, muss göttlich sein! Dabei stehe ich der Verbindung von Sommervergnügen und Konzertwesen seit jeher skeptisch gegenüber. Ich bin retrospektiv gesehen ungemein froh darüber, dass ich z.B. nicht in Woodstock war. Da wird eine Magie beschworen, an die ich nicht glaube. Nennt mich altmodisch. Bei Musik unter freiem Himmel denke ich an Grillenzirpen unterm Sternenzelt, duftenden Orchester-Tanz beim Fliederbusch, knarzende Mariachi-Kapellen auf der Holzveranda, Bluesgesänge im Schaukelstuhl, Surf-Romanzen bei Sonnenuntergang, Secret-Agent-Thrills im silbernen Mondenschein, Big-Band-Glamour und Noise-Explosionen, Betörung, Ballklei-der, bunte Lampions in den Bäumen.
Es muss vor allem immer Nacht werden, in der Dämmerung, im Zwielicht kommt es heran. An einem heißen Tag im Schatten geht gerade mal Bossa Nova. Aber doch nicht Frontalbeschallung! Zwischen weißen Partyzelten im grellen Sonnenschein, vor oder auf wie gewaltige schwarze Burgen ins Gras drapierten Bühnen, deren powervolle Anlagen aus wurstigen, sich über die Wiese schlängelnden Kabeln gespeist werden, bei schalem Bier aus halbherzig gekühlten Dosen oder mit Werbung bedruckten Plastikbechern, auf denen ein Euro Pfand ist, komme ich nicht recht in Stimmung. Mein schönstes Festivalerlebnis? Der Stromausfall beim „Bock Ma’s“ in der alten Burgruine in Timelkam, als Nachts oben auf dem Berg im Wald ein mächtiges Gewitter losbrach: Es wurde dunkel, und siehe da, es kam Stimmung auf, apokalyptisch-romantisch-magisch. Dagegen: Rock’n’Roll und Sonnenschein, das will mir nicht ins Hirn hinein!

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Illustration: Lina Walde

Vera Kropf ist Gitarristin und Sängerin in den Bands Luise Pop (Wien) und Half Girl (Berlin) und würde sich als Nachtmensch bezeichnen.

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lebenslauf: Feministische Dirndln https://ansch.4lima.de/lebenslauf-feministische-dirndln/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-feministische-dirndln/#respond Mon, 28 May 2012 13:43:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=3013 lebenslauf_anschlaege_juni_2012Als Kind hatte ich eine Lederhose. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> lebenslauf_anschlaege_juni_2012

auch feministinnen altern

Als Kind hatte ich eine Lederhose. Für meinen Bruder und mich war sie das Spielgewand. Ich habe die Lederhose geliebt und wie eine zweite Haut ständig, nicht nur zum Spielen, getragen. Diese Vorliebe wurde auch auf Fotos, auf denen wir beide Lederhose und rot-weiß karierte Hemden tragen, festgehalten. Während die Tracht in Kindertagen integraler Bestandteil meiner Garderobe war, habe ich in der Pubertät Lederhose und Dirndl selbstverständlich abgelehnt. Das Distinktionsbedürfnis war zu groß und Tracht absolut uncool und politisch unkorrekt, weil sie immer von den Falschen (den TraditionalistInnen und Burschenschaftern) aus den falschen Gründen (beim Tirolerabend für die TouristInnen) getragen wurde.
Eine Wiederaneignung meinerseits erfolgte erst in der Adoleszenz, und ich ging – Subversion durch Affirmation – ab und zu in Dirndl. Dann kam die Seppi Bar in München, in der die Chicks on Speed die Klubnächte im Dirndl-Outfit bestritten. Und natürlich Vivienne Westwood mit ihrer Interpretation von Tracht. Forthin wurde sie auch in hippen Kreisen getragen. Und dennoch herrscht im gesamten FreundInnenkreis eine einmütige Ablehnunggegenüber der Tracht – das Thema wird nicht einmal kontroversiell diskutiert. Daran ändert selbst der Hinweis auf Anna Freud im Dirndl bzw. Gertrude Stein und Alice Toklas in trachtigen Kleidern nichts.
Auch der Einwand, dass die üppig ausgestellten Reifröcke, Goldhauben sowie die kanarigelben Lederhosen und mit bunten Federn geschmückten Filzhütchen der Appenzeller Sennentracht als Camp gelesen werden könnten, treibt die Debatte nicht voran. Geschweige denn trägt jemand Dirndl oder Lederhose. Deshalb bleibt meine Begeisterung heimlich, und ich teile sie lediglich mit zwei Freundinnen. Eine hat sich in einigen Kollektionen mit Trachten-Elementen dekonstruktivistisch auseinandergesetzt. Die andere besitzt ein eigenes Dirndl. Vielleicht sollten wir uns voll ausstaffiert beim nächsten Dyke March outen.

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christiane Erharter ist 38 und spielt heimlich noch immer in der Lederhose.

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World Wide Bikes https://ansch.4lima.de/world-wide-bikes/ https://ansch.4lima.de/world-wide-bikes/#comments Mon, 28 May 2012 13:36:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=3001 worldwidebikes_Laura_MensingaEine subjektive Auswahl toller Fahrradblogs von FIONA SARA SCHMIDT.]]> worldwidebikes_Laura_Mensinga

Eine subjektive Auswahl toller Fahrradblogs von FIONA SARA SCHMIDT.

 

Bike Fancy
Fotografin Martha Williams aus Chicago zeigt coole Frauen und ihre Fahrräder – und lässt sie in Interviews auch zu Wort kommen. Suchanfragen auf der Seite lassen sich sogar nach Fahrradtypen sortieren. Mode meets kritische Reflexion. Like! http://bikefancy.blogspot.com

Bike Ladies Unite!
Feministinnen auf Rädern setzen auf Diversität und die Vernetzung queerer Fahrradläden und -fans: „It seeks to represent women of all ages, colors, sizes, abilities and identities, from first-time riders to world champions, fixed gear freestylers to singletrack slayers.“ http://bikeladiesunite.tumblr.com

Fixed Gear Girl Taiwan
Coole Mädels aus Taiwan, die der ganzen Welt zeigen, wie toll sie Fixies finden. http://fixedgeargirltaiwan.blogspot.com

The Bird Wheel
Sorgt für die weltweite Vernetzung von Radlerinnen. Klar aufgebaut, viele tolle Links, Interviews mit Frauengruppen und Tipps für den Alltag auf zwei Rädern. www.thebirdwheel.com

Taking The Lane
Empowerment via Fahrrad, Wirtschaft und Feminismus hat dieses Magazin zum Thema. Die Mission von Elly Blue aus der US-Öko-Stadt Portland, Oregon: inspirieren, Straßen einnehmen und Spaß haben. Ein persönlich gestaltetes, informatives Magazin mit Gender-Schwerpunkt. http://takingthelane.com

Girls on Bikes
Plattform für Fotografinnen und Künstlerinnen aus London. Wird leider nicht mehr aktualisiert, zeigt aber sehr sehenswerte Fotos: „Pin-Up Girl“ Jesse kocht gemeinsam mit ihrem Fahrrad und steigt mit ihm in die Wanne. Und Claire erzählt im Interview, warum sie vierzig alte russische Bikes gekauft hat. www.girlsonbikes.net

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Yoga For Bikers
Dass sich Radfahren und Yoga perfekt ergänzen, davon ist Yoga-Lehrerin Kelli aus Seattle überzeugt: „Pedal, Stretch, Breathe“ gehören ebenso zum Stundenplan wie „Pre-Ride Warm Ups“. Und die Sonne lässt grüßen! http://yogaforbikers.wordpress.com

Candy Cranks
Eine Kollaboration von Radlerinnen zwischen Zürich und Jakarta, die einen Einblick in die Radkultur ihrer jeweiligen Wohnorte geben. Jede Menge Bilder, Kunst und Links sollen andere Frauen motivieren, sich ebenfalls aufs Bike zu schwingen. www.candycranks.com

Fixed While Feminist
US-amerikanisches Durcheinander, mit vielen Fixies, aber auch anderen tollen Bildern, Zitaten und Videos im Schachbrettmuster. Bietet sogar einen eigenen Marktplatz für Teile. Message: „Because biking is a passion, not a form of exploitation.“ http://fixedwhilefeminist.tumblr.com

Bike Shop Girl
Arleigh Jenkins hat zwölf Jahre Erfahrung als Mechanikerin vorzuweisen und teilt sie mit uns in ihrem Blog. Hier geht es um nichts weniger als die Hardware: hydraulische Bremsen, Lenkertape und Reviews zu neuen Entwicklungen auf dem Fahrradmarkt. http://bikeshopgirl.com

Critical Mass
Die „Kritische Masse“ ist eine internationale Aktionsform. Nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmende treffen sich scheinbar zufällig in Innenstädten, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Die erste dieser Fahrrad-Demos fand 1992 in San Francisco statt – bis heute ein zentraler Ort des mobilen Widerstands, der sich inzwischen weltweit verbreitet hat. In Wien nahmen im März 2012 über tausend Radler_innen teil. Die Prinzipien der österreichischen Organisation: „Wir lassen uns nicht länger an den Rand drängen. Wir sind ökologisch, leise, lebenswert, platzsparend, lustig, ökonomisch, sexy, engagiert.“ www.criticalmass.at, http://criticalmass.wikia.com (internationales Wiki)

Bicycle Film Festival
Das Bicycle Film Festival bringt bereits seit 2001 zwei der schönsten Hobbys zusammen: Radfahren und Kino. Das Festival sieht sich als Katalysator der urbanen Fahrradbewegung zwischen Kunst, Musik und Film und ist bereits in vielen Städten rund um den Globus erfolgreich gestartet. Das nächste findet Ende Juni in New York statt, der Geburtsstadt des Filmfestivals. www.bicyclefilmfestival.com

Femme et vélo
Vintage-Bilder von Hollywood-Stars sind Vorbild für die Fotoserien aus Texas. Ziel des Projekts der beiden Fotografen Zach und Mike sowie der Stylistin Shari: Das emanzipatorische Verhältnis von Frauen und Fahrrädern abzubilden (und dass das gelingt, zeigt unser Covermodel). http://femmeetvelo.tumblr.com

Vélo-City-Girl
Jools Walker aka Lady Vélo aus East London bloggt über ihr Fahrrad und Mode im weitesten Sinn. Als sie 2010 „Frankie“ kaufte, begann sie, ihre Touren zu dokumentieren. Für ihre Berichte besucht sie Fashion-Events und radelt durch die britische Hauptstadt. http://velo-city-girl.blogspot.com

Cycle Chic
Tolle Fotos von gut angezogenen Leuten auf zwei Rädern in der Fahrradweltstadt Kopenhagen. Ziemlich kommerziell, aber in Sachen Stil unschlagbar. „Cycle Chic“-Ableger gibt es mittlerweile in fast jeder Stadt – so auch in Wien. Von hier aus posten Anabel und Paul täglich Fotos über „Cycling from its sexy side“. Nett: Häufig fährt das Hündchen mit. Wiener_innen können auch selbst Schnappschüsse einsenden. www.copenhagencyclechic.com, http://viennacyclechic.at

Feuilleton für Radkultur
Aus Berlin kommt dieses schön gestaltete deutschsprachige Magazin für Radler_innen mit Anspruch. Auf hohem journalistischen Niveau werden hier Interviews geführt, Bücher besprochen und coole Fahrradmode vorgestellt. http://fahrradjournal.de

Lovely Bicycle
Vintage steht hier an erster Stelle. Die obsessive Bike-Liebhaberin steht in regem Austausch mit ihren Leser_innen und featuret in ihrem Blog klassische Rad-Designs, funktional und handgemacht. Plus: Dokumentation von D.I.Y.-gepimpten Bikes. http://lovelybike.blogspot.com

For The Love of Bikes
Designerin aus New York mit einem ausgeprägten Gespür für Details, Street Art und schöne fotografische Momentaufnahmen. Der Besuch der Seite lohnt sich auch vor einer Reise in den Big Apple, um Brooklyn und Manhattan vorab virtuell zu erkunden. http://fortheloveofbikes.blogspot.com

Night Shades
Sieben Kanadierinnen, die der Hass auf ihre Design-Uni sowie die Liebe zu Fahrrädern und Lagerfeld eint. Bestes Logo als Crew. Motto: Ride or die!  http://nightshadesbikecrew.blogspot.com

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an.klang: Perfekt liebevoller Krach https://ansch.4lima.de/an-klang-perfekt-liebevoller-krach/ https://ansch.4lima.de/an-klang-perfekt-liebevoller-krach/#respond Mon, 28 May 2012 13:35:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=3005 Die Grand-Dames der Riot Grrrls grüßen vom Pop-Olymp. Von KENDRA ECKHORST ]]>

Die Grand-Dames der Riot Grrrls grüßen vom Pop-Olymp, etablierte Grrrls werden komisch, und D.I.Y.-Grrrls üben musikalische Solidarität von unten. Von KENDRA ECKHORST

 

Ob sie ein perfekter Star sei, fragt sich Beth Ditto mit zurückgenommener Stimmpräsenz auf der Single „A Perfect World“. Nicht schüchtern oder leise, eher nachdenklich schraubt sie ihre starke Stimme in die Höhe, die hier nicht die schmeichelnde Brachialität des Hits „Heavy Cross“ erreichen will. Vor kurzem fand A Joyful Noise (Columbia/Sony Music), das lang ersehnte neue Album von Gossip, seinen Weg in die Welt und beackert in gewohnt poppiger Manier nicht nur das aktuelle politische Geschehen (wie in den Songs „Casualities Of War“ oder „Get A Job“). Vielmehr wird der kometenhafte Aufstieg zu König_innen des Popgeschäfts und „Jedermanns“ Lieblinge in mitreißenden Beats, melodischen Basslinien und mit klaren Stimmsaltos verarbeitet. Doch keine Angst – mit ihrer mittlerweile fünften Platte vertont das Trio keine deprimierte Abrechnung, sondern spielt eingängige, extrem tanzbare Songs, die die Hüften wackeln lassen und dennoch eigene Worte für seine perfekte Welt finden.

Kleinstädte sind bekanntermaßen Ansammlungen merkwürdig zusammengewürfelter Alsob-Architekturen, die sich urban geben wollen und doch nur funktionale Langeweile produzieren. Und dennoch reizt dieses Bild viele Künstler_innen. So auch Regina Spektor, die, als Alleinunterhalterin mit Klavier, den Mond über der Kleinstadt besingt. Von der russischen Metropole Moskau in die noch sagenumwobenere Metropole New York gewandert, erzählt sie auf ihrem jüngsten Album What We See From The Cheap Seats (Sire Records) nicht von der langweiligen Jugend, die das Improvisationstalent herausfordert, sondern von den kleinen Dingen und Blicken fernab des großen Rauschens. Ihre Songs muten süß an, die Stimme vibriert in den Spitzen und lässt ein Leiden erahnen. Kurz vor dem Abdriften in die heulsusigen Frequenzlagen nehmen die Songs an Schärfe und Geschwindigkeit zu, elektronische Beats begleiten das handfeste Klavierspiel und ihre Stimme holt uns wieder aus dem Tal des Jammerns und der Bedeutungslosigkeit. Der Mondschein-Blues ist verbannt.

Bereits Ende Februar brachte die queerfeministische Band Men eine gleichnamige EP (Iamsoundrecords) mit drei Stücken raus. Die hauen rein ins Ohr, mal mit tiefdröhnenden Bass-Intermezzos à la Subwoofer-Hupe oder schönen geraden Soundflächen. Das war zu erwarten. Irritierend an ihrem neuen Auftritt ist hingegen, dass der Bandname erweitert wurde. Und zwar um JD Samson & Men beziehungsweise Men featuring JD Samson. Dass die Band mit wechselnden Musiker_innen arbeitet und spielt ist nicht neu, auch nicht die Tatsache, dass JD Samson selbstredend die Initiator_in der Band ist. Warum eine Band, die sich als kollektives Performance-Projekt versteht und musikalisch politische Arschtritte austeilt, nun diese Trennung im künstlerischen Schaffen einführt, darüber lässt sich zurzeit nur spekulieren.

Solidarisch kommt die Riot Grrrl Compilation (riotgrrrlberlin.tumblr.com) Nummer drei daher, die diesmal der inhaftierten Moskauer Band Pussy Riot gewidmet ist. Seit März sitzen drei Mitglieder wegen „Hooliganismus“ (heißt: Auftritt auf einem Kirchendach nebst Anti-Putin-Song) im Knast und warten auf ihre Anhörung. Die Plattform RiotGrrrl Berlin sammelt, archiviert und editiert auf ihren Samplern eine Vielzahl von Riot-Grrrl-Bands – von HipHop bis Punkrock – und verschreibt sich dem Do-it-Yourself-Gedanken. Auf der neuen Compilation gibt es eine Menge fantastischer Bands zu entdecken, wie etwa das HipHop-Trio Abstract Random aus Toronto, die mit ihrem rappenden Elektro „bring back cool feminist political“ auf die Bühne bringen wollen. Und das gelingt ihnen mit Bravour: unaufgeregte Stimmen, vielfach im Chor arrangiert, basslastige Beats, die auf allzu stampfenden Rhythmus verzichten und dennoch straight in den Kopfwackel-Reflex gehen.

Links
www.gossipyouth.com
www.reginaspektor.com
www.menmakemusic.com
http://riotgrrrlberlin.tumblr.com
www.abstractrandom3.com

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Postgender-PiratInnen https://ansch.4lima.de/postgender-piratinnen/ https://ansch.4lima.de/postgender-piratinnen/#comments Mon, 28 May 2012 13:30:30 +0000 https://anschlaege.at/?p=2998 Sie gilt als unorganisiert und inhaltslos und war zuletzt mit Sexismus- und Rechtsextremismus-Vorwürfen konfrontiert. Dennoch feiert die Piratenpartei in Deutschland einen Wahlsieg nach dem anderen. 2013 wollen die Piraten auch in Österreich antreten – und ihnen wird reger Zulauf prognostiziert. LEA SUSEMICHEL befragte MIRIAM LAKEMANN und MIRIAM SEYFFARTH zum Selbstverständnis ihrer Partei.

 

an.schläge: Miriam Lakemann, in Ihrem Blog beschweren Sie sich über die Berichterstattung der „Emma“, in der die Piratenpartei als sexistischer Männerverein dargestellt wird. doch die Sexismusdiskussion wird auch innerhalb der Partei selbst heftig geführt. Zudem hat eine parteiinterne Umfrage des Kegelklubs* ergeben, dass sich viele Frauen in der Piratenpartei mit einer diskriminierenden Diskussionskultur konfrontiert sehen. Gibt es nun also ein Problem mit Sexismus oder gibt es keines?

Miriam Lakemann, Miriam Seyffarth: Natürlich gibt es Sexismus in der Partei, das hab ich in meinem Text ja auch gar nicht geleugnet! Genauso wie es diese Probleme auch in anderen Parteien und der Gesellschaft gibt. Davor wollen wir auch nicht die Augen verschließen, sondern uns Gedanken machen, was wir dagegen tun können. Problematisch an Darstellungen wie beispielsweise dem Artikel in der „Emma“ ist, dass das real existierende Problem unangemessen dramatisch und reißerisch dargestellt wird und sowohl die Bemühungen, sich damit auseinanderzusetzen, als auch die Aktivitäten der zahlreichen Frauen in der Piratenpartei totgeschwiegen werden. Es wird der Eindruck vermittelt, als gäbe es gar keine weiblichen Mitglieder, und als sei jeder einzelne Pirat ein Frauenhasser. Dadurch entsteht ein Bild, durch das sich sowohl weibliche als auch männliche Mitglieder falsch dargestellt fühlen.

Marina Weisband, ehemalige Geschäftsführerin der Piraten, kreidet das beschädigte Image der Partei ebenfalls der medialen Berichterstattung an: „Ich bin in der Piratenpartei nie Sexismus begegnet“, schreibt sie, „aber das hier ist er“ – und meint damit ihre Behandlung durch die Medien. Auch auf der Homepage des Kegelklubs gibt es Statements, wonach das „Frauenproblem“ in erster Linie herbeigeschrieben sei …

Marina Weisband hat sich hier vor allem darauf bezogen, dass sie von den Medien auf die Rolle der „hübschen jungen erfolgreichen Frau in der Politik“ reduziert wurde. Anstatt sie als normale Person wahrzunehmen und auf ihre inhaltlichen Aussagen einzugehen, wurde sie in ein Klischee nach dem anderen gepresst und nach der Farbe ihres Lippenstiftes gefragt. Politische Aussagen, die sie in Interviews getroffen hatte, wurden oft nicht abgedruckt.
Insgesamt wird einfach nicht genau hingeschaut. Aktive Piratinnen werden übersehen und gar nicht erst gefragt, allen Mitgliedern wird pauschal Sexismus und Frauenhass vorgeworfen, und Bemühungen, sich mit der Frauenfrage auseinanderzusetzen, werden ignoriert. Das verärgert viele. Etliche Piraten würden sich über differenziertere Artikel und bessere Recherchen freuen, oder auch darüber, mal selbst interviewt zu werden.

Ganz objektiv ist der Frauenanteil bei den Piraten erschreckend gering und dürfte ungefähr auf CSU-Niveau herumgrundeln – keine zwanzig Prozent –, dennoch spricht sich auch der Kegelklub nicht dezidiert für eine Frauenquote aus. Warum nicht?

Wir können doch keine Frauenquote für die Basis einführen! Und ohne höheren Frauenanteil an der Basis wäre eine Frauenquote für Vorstandsämter und Wahllisten kaum durchführbar. Im Kegelklub beschäftigen wir uns also vor allem damit, welche Zugangsbarrieren es möglicherweise für Frauen gibt und was wir daran ändern können. Ein weiteres Thema ist, wie der Frauenanteil in den Vorständen erhöht werden kann. Da diskutieren wir natürlich auch Quotenlösungen.
Ein internes Meinungsbild in unserer internen Meinungsbildungssoftware Liquid Feedback hat ergeben, dass sich der größte Teil der Piraten für eine Unterstützung der „Berliner Erklärung“ und somit für eine Quote in der Wirtschaft ausspricht. Zur Frage einer Quote innerhalb der Partei sind im Kegelklub durchaus unterschiedliche Meinungen vertreten. Eine Quote soll das Problem der „gläsernen Decke“ beheben, dass also qualifizierte Frauen, die sich für verantwortungsvolle Posten bewerben, nicht genommen werden. Dies ist bei uns jedoch kein Problem. Wenn eine qualifizierte Frau kandidiert, so hat sie die allerbesten Chancen, auch gewählt zu werden.

Die Umfrage ergab auch ein Selbstverständnis vieler Parteimitglieder als „postgender“, und so scheinen Unisex-Toiletten bei Parteitagen das Bemühen um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei den KandidatInnen zu ersetzen. Ist das ein falscher Eindruck?

Toiletten, die nicht nach „Mann“ und „Frau“ unterscheiden, sondern beispielsweise nach „sitzen“ und „stehen“, lösen natürlich nicht das Repräsentationsgefälle auf unseren Kandidatenlisten. „Postgender“ ist für uns ein Ideal, demzufolge das Geschlecht eines Menschen keine Rolle mehr spielen soll, da sind wir aber natürlich noch lange nicht angekommen. Trotzdem bemühen wir uns, nicht so sehr in binären Geschlechterkategorien zu denken. Eine Frauenquote in der Partei würde deshalb unserem Verständnis nach auch nur die binären Geschlechterkategorien zementieren und beispielsweise trans und intersexuelle Menschen ausschließen. Viele Mitglieder wollen sich nicht nach starren Geschlechtszuschreibungen einordnen lassen.

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Miriam Seyffarth

Der gescheiterte Parteiausschluss des wegen seiner Äußerungen zum Holocaust in Kritik geratenen Bodo Thiesen sowie rassistische und rechtsextreme Aussagen anderer Parteimitglieder brachte jüngst wieder jede Menge negativer Schlagzeilen. Welche Strategien gibt es vonseiten der Partei gegen rechte Tendenzen in den eigenen Reihen?

Wie bei unserem Bundesparteitag in Neumünster zu beobachten war, besteht unsere Strategie darin, Mitgliedern mit rechten Tendenzen eindeutig klar zu machen, dass ihre Meinungen bei uns keinen Platz haben und unseren Grundwerten widersprechen. Es wurde eine Erklärung beschlossen, die unmissverständlich darlegt, dass bei uns menschenverachtende Äußerungen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit nicht toleriert werden. Daraufhin sollen mehrere Mitglieder ausgetreten sein. Ich habe kürzlich gehört, dass in rechten Foren sogar schon vor den Piraten gewarnt wird. Zudem ist die parteiinterne Sensibilität für das Thema durch die jüngsten Vorfälle sehr gestiegen.

Die Piraten gelten vielen als „Update“ der FdP – inklusive deren wirtschaftsliberaler Ausrichtung. Angesichts der Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen und dem Mindestlohn, die nun ins Grundsatzprogramm aufgenommen wurden, scheint sich das linke Profil der Partei in jüngster Zeit jedoch zu schärfen. Gibt es die entsprechenden Lager innerhalb der Partei? Und wie sind die Machtverhältnisse.

Es gibt keine klar benennbaren Lager, das ist ja das Schöne bei den Piraten. Viele gehen ganz offen an neue Probleme heran und bilden sich ihre Meinung in der Diskussion. Wir praktizieren quasi schon das, was wir auch für die Parlamente fordern: Themenkoalitionen! Jedes Mitglied entscheidet bei jedem Thema neu, welche Linie es unterstützen möchte.
Die Ergebnisse der bisherigen Abstimmungen deuten in eine klare Richtung, die sich bisher noch nicht im Parteienspektrum findet: Wir setzen uns für eine größtmögliche Freiheit des Einzelnen ein, aber gleichzeitig auch gegen jede Ausgrenzung. Das zeigt sich schön beim bedingungslosen Grundeinkommen und in unserem Familienprogramm, das eine größere Wahlfreiheit für verschiedene Lebensmodelle fordert.

Miriam Lakemann
Miriam Lakemann

Viele KünstlerInnen und Kulturschaffende kritisieren die Parteihaltung zum Urheberrecht und fordern zum Beispiel fixe Solidarabgaben, um von ihrer Arbeit leben zu können.

Unser klares Ziel ist, dass Künstler angemessen von ihren Werken profitieren. Zusätzlich wollen wir aber die Möglichkeiten der Künstler ausbauen, ihre Werke auch unabhängig von den großen und viel zu mächtigen Verwertungsgesellschaften anzubieten. Außerdem müssen die Möglichkeiten des nicht-kommerziellen Filesharings entkriminalisiert werden.

Aber gerade das nicht-kommerzielle Filesharing stellt für viele ein Problem dar, solange es keine alternativen Verdienstmodelle gibt. Gibt es hier von der Piratenpartei konkrete Vorschläge abseits von freiwilligen Spenden via flattr und Ähnlichem?

Die Musikfirmen haben verschlafen, internetgeeignete Geschäftsmodelle zu entwickeln. Erst durch das Aufkommen von iTunes wurden sie wachgerüttelt und bieten jetzt legale kostenpflichtige Downloads auch über andere Kanäle an. Das ist ein Beispiel für funktionierende Bezahlmöglichkeiten. Es ist aber nicht die Aufgabe der Politik, Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

* Der Kegelklub ist eine informelle Gruppe, die in verschiedenen Zusammensetzungen rund um den Themenkomplex „Geschlechterpolitik in der Piratenpartei“ aktiv ist.

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an.sage: Dürfen wollen https://ansch.4lima.de/durfen-wollen/ https://ansch.4lima.de/durfen-wollen/#comments Mon, 28 May 2012 12:56:09 +0000 https://anschlaege.at/?p=2995 ansage_anschlaege_juni_2012„Fuck the Diet!“ ist der Slogan eines Diätprodukts. Was bleibt da Feministinnen noch zu sagen? Von VINA YUN]]> ansage_anschlaege_juni_2012

Ein Kommentar von VINA YUN

 

„Fuck the Diet!“ Klingt nach dem radikalen Claim von DickenAktivist_innen. Ist aber der jüngste Werbeslogan von „Du darfst“, der Light-Produktmarke aus dem Hause Unilever. „Das ist für die, die auf nichts verzichten, die sich satt essen, am prallen Leben, der wahren Liebe und allem, worauf sie gerade Lust haben“, tönt der TV-Werbespot, in dem glückliche Frauen lachend Pasta und Wurstbrote verdrücken. „Du hast keine Lust, Kalorien zu zählen? Dann lass es doch einfach!“ Im Making-of-Trailer zum Werbespot erzählen die Laienmodels, dass sie Diäten „wirklich Scheiße“ finden und Kalorien zählende Mädels einfach nerven. Sie kommen durchwegs glaubwürdig rüber.„Wir wissen, dass die Gedanken bei vielen Frauen häufig um Kalorien und Gewicht kreisen – richtig glücklich macht das nicht! Deshalb möchte ‚Du darfst‘ sich gegen den Diätenwahn stark machen“, heißt es auf der Facebook-Seite zur aktuellen Kampagne. „Dafür haben wir bewusst diese etwas drastischere Wortwahl gewählt, um eine Diskussion rund um das Thema Diäten anzustoßen.“ Dennoch: Nach einer Welle von Spott (falsches Englisch) und Kritik (Proteststurm gegen „überflüssige Anglizismen“) reagierte das Unternehmen prompt und ließ die Verbraucher_innen selbst über einen neuen Slogan abstimmen. Der da nun lautet: „Diät – ohne mich!“ Man könnte lange darüber diskutieren, wie es Unternehmen schaffen, sich emanzipatorisch-kritische Diskurse  einzuverleiben. Schon 1978 beschrieb die feministische Psychotherapeutin Susie Orbach den doppelten Charakter der Disziplinierung, wenn es um Gewicht und Frauenkörper geht: „Uns wird beigebracht, dass wir uns sowohl anpassen als auch auffallen sollen – eine wirklich äußerst widersprüchliche Erwartung an uns.“ Im Vorwort ihres Buchs „Fat Is A Feminist Issue“ (Deutsch: „Anti-Diät-Buch“) erzählt Orbach von einem Treffen von Feministinnen, die sich zum Thema Essgewohnheiten austauschen – allerdings ist es keine politische Diskussion über die weltweite Ernährungssituation oder die Profite der Lebensmittelindustrie, sondern über die Esssüchte der Einzelnen und die Sorge, zu dick zu sein.

In Orbachs Einleitung klingt etwas an, das in innerfeministischen Diskussionen äußerst selten angesprochen wird: Das zwiespältige Verhältnis von persönlicher Erfahrung und politischem Anspruch, sobald es um das Schlank- oder Dicksein geht. Fat Rights? Finden wir klasse. Selbst bei einer Fat-Rights-Gruppe aktiv werden? Da sind sich die meisten von uns nicht mehr so sicher. Dicke Frauen finden wir sexy – solange sie vor Selbstbewusstsein strotzen und nicht mit Selbstzweifeln nerven. „Es fällt auf, dass die Essproblematik viel eher in Unterredungen mit Frauen zur Sprache kommt, die mit Feminismus und Gesellschaftskritik nichts am Hut haben und im Freundinnenkreise gern über ihre Wunschträume vom Abnehmen und von Titten und Oberschenkeln à la Hollywood diskutieren. Mag diese Form der Auseinandersetzung auch wenig kritisch sein, mag sie mit dem Austausch von Rezepten und Diättipps einhergehen: Wenigstens gibt es einen Raum für die Artikulation individueller Gelüste und individuellen Leids“, beschreiben zwei Autorinnen in der feministischen Zeitschrift „Outside the Box“ das irritierende Schweigen unter Feministinnen. Auch wenn wir wissen, dass die Ambivalenz von Repression und Befreiung, wie sie jede von uns subjektiv erlebt, eben keine individuelle Angelegenheit ist, sprechen wir kaum darüber. Ich selbst könnte nicht genau sagen, wie ein „normaler“ Umgang mit Gewicht und Essen aussieht – dafür habe ich selbst zu lange mit meinem Gewicht gekämpft und andere dabei beobachtet, wie sie den massiven Erwartungshaltungen widerstanden. Es bleibt also nur die Offensive.

Ich bin 1,62 Meter groß, mein derzeitiges Kampfgewicht liegt bei siebzig Kilo. Meine „Problemzonen“ sind die drei „B“s (Busen, Bauch, Beine), die ich lieber kaschiere als offenherzig ausstelle, und ich habe das, was ich einen „koreanischen Flascharsch“ nenne. Letztes Jahr habe ich gute zwanzig Kilo abgenommen – zuerst Trennungskummer, dann Liebesstress, dazwischen Sport als Beschäftigungstherapie –, und noch nie habe ich so viele Komplimente erhalten, was mir bis heute etwas unheimlich ist. Trotzdem finde ich in Läden selten Kleidung, die mir wirklich passt. Ich besitze nur an ausgewählten Tagen das Selbstbewusstsein einer Beth Ditto. Und auch wenn ich mich über dicke Role-Models freue, frage ich mich, ob Beth denn auch mal in einem Gespräch unter Schwestern einfach drauflosjammern dürfte? Ich finde ja.

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