Juli/August 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 23 Aug 2020 15:56:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Juli/August 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.künden: Behindert und verrückt https://ansch.4lima.de/an-kuenden-behindert-und-verrueckt/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-behindert-und-verrueckt/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:57:37 +0000 https://anschlaege.at/?p=5358 Mad & Disability Pride in Berlin]]>

Die Premiere im letzten Jahr war bereits ein Riesenerfolg – und heuer soll die Mad & Disability Pride noch größer werden! Getreu dem Motto „behindert und verrückt feiern“ ist dies eine Parade für Pathologisierte: „Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme“ sind dabei genauso willkommen wie „Normalgestörte“. Die fröhliche Demonstration richtet sich gegen das repressive deutsche Gesundheitssystem und fordert Inklusion und Respekt ein.

pride_feminismus_anschlage_juli_august_2014
© Christof Potthoff

12.7., 15.00: Immer wieder behindert und verrückt feiern – Mad & Disability Pride, 10967 Berlin, Hermannplatz, www.pride-parade.de

]]>
https://ansch.4lima.de/an-kuenden-behindert-und-verrueckt/feed/ 0
an.künden: kvire Aktion https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kvire-aktion/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kvire-aktion/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:37:23 +0000 https://anschlaege.at/?p=5355 kvir_feminist_actziya – D.I.Y.-Festival in Wien]]>

Auch wenn das Programm des zweiten kvi_feminist_actziya zu Redaktionsschluss noch nicht feststand, sei euch dieses D.I.Y.-Festival Ende Juli in Wien ans Herz gelegt! Der Fokus des Festivals liegt darauf, westliche und weiße Normen und Privilegien von queerer und feministischer Praxis zu thematisieren, die Gegensätze ost/west kritisch zu hinterfragen und explizit einen Austausch zwischen beiden zu ermöglichen. Infos zu Workshops, Performances und Diskussionen werden genau wie der Veranstaltungsort auf der Internetseite veröffentlicht.

kvir_anschlaege_juli_august_feminismus_2014
© kvir_feminist_actziya

24.–27.7.: kvir_feminist_actziya – D.I.Y.-Festival, Wien, https://kvirfemactziya.diebin.at

]]>
https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kvire-aktion/feed/ 0
an.sage: Steirischer Kahlschlag https://ansch.4lima.de/an-sage-steirischer-kahlschlag/ https://ansch.4lima.de/an-sage-steirischer-kahlschlag/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:32:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=5352 Rigide Sparmaßnahmen treffen frauenpolitische Initiativen in Graz besonders hart. Von BRIGITTE THEIßL]]>

Ein Kommentar von BRIGITTE THEIßL

„Wir haben ein offenes Ohr für Ihre Anliegen“, verspricht die SPÖ auf Plakaten in Graz, sie wirbt mit einem Porträt von Vizebürgermeisterin Martina Schröck für die allwöchentlichen Sprechstunden. Bei der Grazer Gemeinderatswahl 2012 mussten die Sozialdemokrat_innen mit rund 15 Prozent ihr bis dato schlechtestes Ergebnis in der Landeshauptstadt hinnehmen, die Partei rutschte auf Platz drei hinter ÖVP und KPÖ – und will sich wohl nun sozial und bürger_innennah präsentieren. Zumindest das offene Ohr für frauenpolitische Anliegen lässt Schröck jedoch vermissen. Seit 2010 ist sie zwar Grazer Frauenstadträtin, ihre Amtszeit ist allerdings bisher von einer Ausdünnung der Fraueneinrichtungen in der steirischen Landeshauptstadt geprägt. Bereits im Dezember 2013 beendete das Frauendokumentationszentrum Doku Graz seine Arbeit(s. an.schläge 12/2013). „Die fortschreitende Logik von kurzfristigen Projektfinanzierungen verträgt sich nicht mit der Archivarbeit. Das Doku hat viele Jahre lang versucht, seine de facto unzureichende Basisfinanzierung durch Projekte auszugleichen, mit dem Ergebnis, dass weder die Projekte noch die Archivarbeit tatsächlich ausfinanziert waren“, hieß es in der Erklärung der Verantwortlichen.

ansage_anschlaege_feminismus_juli_august_2014
Eine Praxis, die nahezu allen österreichischen Fraueneinrichtungen zu schaffen macht: permanente Unsicherheit, hoher Arbeitsaufwand für die Lukrierung der Fördermittel und Engagement weit über die bezahlte Arbeitszeit hinaus. Vergleichsweise gut ging es bislang dem Frauengesundheitszentrum (FGZ) Graz. Der Fördervertrag mit der Stadt Graz sicherte zweieinhalb Arbeitsstellen und erfuhr eine laufende Indexanpassung. Dem FGZ wurde damit eine breite Palette an Projekten, Beratungen und Workshops ermöglicht, die seit 28 Jahren in der Grazer Stadtlandschaft verankert sind. Im Mai hat Martina Schröck den Vertrag mit dem FGZ aufgekündigt, die Indexanpassungen bezeichnet sie als „in dieser Form nicht mehr leistbar“ und „gegenüber den anderen Fraueneinrichtungen in Graz auch unfair“. Wie so viele andere Städte und Länder setzt Graz aktuell auf einen rigiden Sparkurs, der Grazer Frauenrat unterstellt Schröck jedoch, sie habe nicht einmal versucht, einen höheren Budgetanteil für Frauenpolitik in der Stadtregierung zu erkämpfen. Schröck nehme „die angespannte Budgetlage der Stadt Graz und ihres Ressorts zum Vorwand, eine bewährte Fraueneinrichtung zu vernichten“, so das harte Urteil des Frauenrats.
Der Frauenrat ist eine jener Institutionen, die die Grazer Frauenszene so besonders machen: Die überparteiliche Einrichtung fungiert als Trägerinnenverein für die Unabhängige Frauenbeauftragte – eine Stelle, die derzeit nicht besetzt ist. Seit 1986 leistet sich Graz als einzige österreichische Stadt eine überparteiliche und weisungsunabhängige Frauenbeauftragte, zuletzt setzte Maggie Jansenberger innovative Projekte wie die Werbewatchgroup gegen Sexismus um, die seitdem in Wien, Salzburg und Klagenfurt nach Grazer Vorbild installiert wurde. Während die von Vizebürgermeisterin Schröck initiierte Evaluierung von Frauenorganisationen noch läuft, ist weiter unklar, wann und ob die Stelle wieder ausgeschrieben wird. an.schläge gegenüber sagte Schröck zuletzt, es müsse „kritisch hingeschaut“ werden, ob es die Unabhängige Frauenbeauftragte in der bestehenden Form noch braucht. Diese Einrichtung der Stadt Graz wurde 1986 installiert, als es weder ein Frauenreferat noch ein zuständiges Stadtregierungsmitglied gab (s. an.schläge 05/2014) – also das Amt der Frauenstadträtin, das Schröck selbst mittlerweile bekleidet. Bei einer Streichung der Frauenbeauftragten würde die Vizebürgermeisterin ausgerechnet den parteiunabhängigen Frauenrat empfindlich um Einfluss bringen. Das Frauengesundheitszentrum könnte indes 2015 wieder um Förderungen ansuchen, Schröcks Absicht sei es keinesfalls, der Einrichtung „die Unterstützung durch die Stadt Graz zu entziehen“. Die Vertreterinnen des FGZ zeigen sich dennoch besorgt um die budgetäre Lage aller Fraueneinrichtungen. Felice Gallé vom FGZ fordert auf an.schläge-Anfrage: „Es braucht ein parteienübergreifendes Bekenntnis der gesamten Stadtregierung zur Gleichstellung der Frauen und Mädchen, zur Arbeit der Grazer Fraueneinrichtungen und der Bedeutung ihrer Absicherung.“

]]>
https://ansch.4lima.de/an-sage-steirischer-kahlschlag/feed/ 0
lebenslauf: Elefantenfüße https://ansch.4lima.de/lebenslauf-elefantenfuesse/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-elefantenfuesse/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:19:28 +0000 https://anschlaege.at/?p=5348 LebenslaufNeugierig gehe ich durchs Freibad, sondiere das körperliche Geschehen und die neuen Trends. Von CHRISTIANE ERHARTER]]> Lebenslauf

auch feministinnen altern

Neugierig gehe ich durchs Freibad, sondiere das körperliche Geschehen und die neuen Trends. Intimrasuren und Bikinifiguren haben das ganze Jahr Saison, aber im Sommer ist der Blick darauf unverstellter. Je nach hetero- oder homosexueller Neigung lässt sich sagen, dass in Wien Brazilian Waxing mit oder ohne Landungsstreifen absolut out ist und stattdessen jetzt Sugaring mit Undercut angesagt ist. In der „New York Times“ habe ich zudem gelesen, dass auch meine wuchernde Intimfrisur voll im Schamhaartrend liegt, den Stars wie Gwyneth Paltrow und Lady Gaga gestartet haben. Angesichts der medialen Präsenz des Themas „pubic hair“ wäre wohl die Bezeichnung „public hair“ treffender.
Auf der Freibadpromenade mache ich keine Bikinifigur, denn am Nacktstrand vom Gänsehäufl trage ich ohnehin keine Badetextilien. Hinzu kommt, dass meine Füße nicht dem klassischen Schönheitsideal der Antike, wonach der Zeigezeh länger zu sein hat als der große Zeh, entsprechen. Weiters kann ich auch nicht mehr mit schlanken Fesseln aufwarten. Hoffentlich bekomme ich keine Elefantenfüße. Auch die Feministin setzt sich ein Leben lang mit dem Körper auseinander, vor allem beschäftigt sie sich dabei kritisch mit den Normvorstellungen, denen er unterliegt. Selbstverständlich teile auch ich die Kritik an der körperlichen Selbst- und Fremdoptimierung, richtet sich der Blick allerdings auf die eigene Körperlichkeit, wird die Liste der zu bemängelnden Makel und Alterserscheinungen dennoch immer länger. Dann erinnere ich mich an einen Beitrag über Krampfadern und Schönheitsoperationen, den ich vor Jahren für die Radiosendung „CH.I.C. in der Wunderwelt“ gemacht habe. Die Conclusio des damaligen Beitrages: Zeigt her eure Beine – trotz Besenreisern und Krampfadern! Im Sommer 2014 bitte auch die Elefantenfüße!

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

Christiane Erharter hatte schon mit 14 ihre erste Krampfader, im Laufe der Jahre sind unzählige Besenreiser dazugekommen. Diese werden nicht nur im Wiener Stadionbad und im FKK-Bereich des Gänsehäufls zur Schau gestellt.

]]>
https://ansch.4lima.de/lebenslauf-elefantenfuesse/feed/ 0
Leser_innenbefragung: „Ihr macht mich glücklich!“ https://ansch.4lima.de/leser_innenbefragung-ihr-macht-mich-gluecklich/ https://ansch.4lima.de/leser_innenbefragung-ihr-macht-mich-gluecklich/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:15:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=5345 Einblicke in die erfreulichen Ergebnisse unserer Meinungsumfrage. Von BRIGITTE THEIßL]]>

Anlässlich unseres 30-Jahre-Jubliäums haben wir euch nach eurer Meinung gefragt und eine große Leser_innenbefragung durchgeführt. Ein Einblick in die erfreulichen Ergebnisse von BRIGITTE THEIßL.

Vorab ein großes „Dankeschön!“: Insgesamt 615 Leser_innen haben die Online-Befragung der an.schläge vollständig ausgefüllt. Was angesichts der vielen Fragen, die uns unter den Nägel brannten, als großartiger Rücklauf verbucht werden darf.
Zuerst einmal die Hard Facts: Rund sechzig Prozent der Teilnehmer_innen leben aktuell in Österreich, ganze 39 Prozent in Deutschland. Die durchschnittliche an.schläge-Leser_in ist laut Umfrage 31 Jahre alt, bzw. sind laut Median-Wert fünfzig Prozent älter und fünfzig Prozent jünger als 29 Jahre. 52 Prozent der Teilnehmer_innen sind erwerbstätig, 35 Prozent befinden sich gerade in Ausbildung. 48 Prozent der Teilnehmer_innen dürfen wir zu unseren Abonnent_innen zählen, 18 Prozent kaufen hin und wieder einzelne Hefte, 13 Prozent lesen ausschließlich die Artikel, die wir frei zugänglich auf unserer Website veröffentlichen. 4,5 Prozent lesen das Magazin bei Freund_innen, in Lokalen oder Bibliotheken.
54 Prozent der Leser_innen, die nicht über ein Abo verfügen, entscheiden sich aufgrund des Schwerpunktthemas für oder gegen den Kauf eines Heftes. Dieses Ergebnis bestätigt uns in der 2010 getroffenen redaktionellen Entscheidung, den monatlichen Schwerpunkt auszubauen und dem Thema mehrere verschiedene Beiträge zu widmen. Zum beliebtesten Schwerpunktthema, das euch noch in Erinnerung war, habt ihr „Psychiatrie und Geschlecht“ mit 84 Nennungen gewählt, gefolgt von „Top Girls – Warum der neoliberale Feminismus Erfolg hat“ und „Gebären“.
Rund 67 Prozent der Leser_innen insgesamt und 72 Prozent der Abonnent_innen geben an, dass sie „mehr oder weniger das gesamte Heft“ und nicht nur einzelne Artikel und Kolumnen lesen. Im Kolumnen-Ranking habt ihr unsere langjährige Kolumnistin Denice eindeutig zur Siegerin erkoren: Für 66 Prozent ist ihr „lesbennest“ die Lieblingskolumne. Auf Platz zwei ist die Sex-Kolumne „positionswechsel“ gelandet (49 Prozent), an dritter Stelle folgt „neuland“ mit 43 Prozent.
Außerdem wurde die Zustimmung zu neun von uns formulierten Aussagen abgefragt, wobei auch Mehrfach-Antworten möglich waren. 91 Prozent der Umfrage-Teilnehmer_innen stimmten dabei folgender Aussagen zu: „In den an.schlägen finde ich Themen/Artikel, die ich in anderen Medien nicht finde.“ Rund 79 Prozent bejahten den Satz „Mithilfe der an.schläge bleibe ich bei (queer-)feministischen Themen auf dem Laufenden“, für 67 Prozent bieten die an.schläge „neue Perspektiven auf aktuelle Themen“. Als offenbar unbegründet erwies sich hingegen unsere Sorge, viele Texte in den an.schlägen könnten zu kompliziert sein: Nur sechs Prozent stimmten dieser Aussage zu, ebenfalls nur sechs Prozent meinen, die an.schläge hätten wenig mit ihrem persönlichen Alltag zu tun.
Welche der thematischen Bereiche im Heft euch besonders interessieren, wollten wir ebenfalls wissen, Mehrfach-Antworten waren dabei möglich. 85 Prozent lesen am liebsten die Gesellschaftsthemen, 75 Prozent besonders gerne das Politik-Ressort, für 62 Prozent steht das Schwerpunktthema im Mittelpunkt. 59 Prozent haben Kultur angegeben.
Die an.schläge sind nicht das einzige feministische Medium, das ihr regelmäßig lest. 63 Prozent lesen feministische Blogs, 62 Prozent „dieStandard.at“ und 51 Prozent das „Missy Magazine“ (Österreich: 38 Prozent, Deutschland: 69 Prozent). Auch die „fiber“ nehmen 21 Prozent der Leser_innen regelmäßig in die Hand, bei 17 Prozent ist es die „Emma“. Was die an.schläge von diesen Medien unterscheidet, sind laut eurer Ansicht vorrangig die Themenvielfalt, der Österreichbezug und die politische/kritische Ausrichtung.
Nachdem der Begriff „Anschläge“ im Gegensatz zur Gründungszeit vor dreißig Jahren eine andere Konnotation bekommen hat, wollten wir auch wissen, ob der Name eurer Ansicht nach weiterhin gut zum Magazin passt. Das Ergebnis ist recht eindeutig ausgefallen: 73 Prozent finden den Namen passend, nur rund 7 Prozent sind nicht dieser Meinung, der Rest ist unentschlossen.
Riesengroße Freude hat uns die Auswertung der offenen Frage bereitet, in der wir nach eurem Feedback, eurem Lob, eurer Kritik oder Änderungswünschen gefragt haben. Wenn wir das nächste Mal im Produktionsstress kurz davor stehen, die Nerven wegzuschmeißen, muss ab sofort eine in der Redaktion diese Sätze laut vorlesen:

„Es ist ein grandioses Magazin, das mich informiert und aktuelle queere, feministische Diskurse aufgreift.“

„Ich freue mich jedes Mal so sehr auf das Heft, habe schon mehrere Probeabos verschenkt und verleihe mein Heft regelmäßig an Freundinnen und an Mütter von Freundinnen.“

„an.schläge macht Mut! Ihr seid mit ein Grund dafür, dass frau nicht aufgibt!!! Weil da großartige Frauen sind, die hinter einem stehen, auch wenn wir uns persönlich nicht kennen.“

„Ihr habt mich als junge Frau bis zu meinem Alleinerzieherinnen-Dasein begleitet, und noch weiter.“

„Weiter so! an.schläge ist mein absolutes Lieblingsmagazin und jeden Monat freu ich mich, wenn ich sie aus dem Briefkasten hole.“

„Ihr macht mich glücklich!“

„Ein feministisches Printmedium erster Wahl. Auch Deutschland mit eingeschlossen gibt‘s nichts Vergleichbares, da ihr so vielseitig seid, nicht mainstreamig, aber auch nicht so spezifisch wie nur Popkulturelles!“

„Ich liebe eure Zeitschrift und verschlinge sie! Am liebsten hätte ich gerne jede Woche eine an.schläge!“

„Ich finde es großartig, dass es solche Zeitschriften gibt und sie sich so viele Jahre schon einmischen und einen Gegendiskurs anzetteln.“

„Gut, dass es euch gibt, ihr seid so wichtig in der österreichischen Medienwelt.“

„Für mich sind die an.schläge ein wichtiger Bestandteil meines feministischen Lebens und nicht wegzudenken.“

Nach alldem Eigenlob wollen wir aber auch Kritik und Änderungswünsche nicht unter den Tisch fallen lassen. Einzelne Leser_innen wünschen sich etwa eine größere Bandbreite politischer Positionen, mehr Artikel zu Trans*-Themen und Antirassismus. Andere vermissen einen stärkeren Praxisbezug im Hinblick auf Interessensvertretungen wie Gewerkschaften. Obwohl die Verständlichkeit der Artikel insgesamt gut bewertet wurde, finden einige Leser_innen vor allem theorielastige Texte zu kompliziert und voraussetzungsreich. In Sachen Layout und Grafik wünschen sich einige mehr Farbe im Heft, andere mehr Comics und „luftigere“ Seiten.

Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, so ausführlich auf unsere Fragen zu antworten, euer Feedback nehmen wir uns zu Herzen und es wird heftig in der Redaktion diskutiert.

leser_innenbefragung_anschlaege_2014_feminismus

Gute Noten:

Auch Schulnoten konntet ihr verteilen: Wir haben unsere Leser_innen gebeten, einzelne Aspekte auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) zu bewerten. Hier die Ergebnisse:

Texte:
Auswahl der Themen: 2
Länge der Artikel: 2
Schreibstil: 2,1
Geschlechtersensibler Sprachgebrauch: 1,3
Verständlichkeit der Artikel: 1,9

Grafik:
Verhältnis Bild/Text: 2,1
Auswahl der Bilder/Fotos: 2,1
Schriftarten: 2
Cover-Gestaltung: 2,1
Layout insgesamt: 2,1
Gestaltung der Website: 2,1
Illustrationen: 2,1

]]>
https://ansch.4lima.de/leser_innenbefragung-ihr-macht-mich-gluecklich/feed/ 0
an.klang: Mehr vom Glück https://ansch.4lima.de/an-klang-mehr-vom-glueck/ https://ansch.4lima.de/an-klang-mehr-vom-glueck/#respond Sun, 22 Jun 2014 18:09:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=5341 Vier Rapperinnen sorgen für inspirierende Ferien-Playlisten. Von SOOKEE]]>

Für unsere Playlisten: Female Rap aus Berlin, Wien, Los Angeles und Birmingham. Von SOOKEE

Was war das damals für ein Wirbel, als das Berliner HipHop-Label Aggro Berlin Mitte der 2000er Jahre verkündete, eine Künstlerin zu signen, ihr Äußeres jedoch verschwörerisch geheimhielt. Sie war lediglich „die Frau“ in einem Stall voller Männer mit schnittigen Images und differenzierten Charakterprofilen. Das Schlumpfhausen-Syndrom, wie es die feministische Gaming-Aktivistin Anita Sarkeesian formulieren würde. Nach dem Ende von Aggro Berlin landete Kitty Kat bei Urban, einem Tochterunternehmen von Universal Music, aktuell veröffentlicht sie über ihr eigenes Label Deinemama Records ihr drittes Solo-Album Kattitude: keine Jungs-Features, die erzählen, wie sie ihren Arsch zu dem Beat zu schütteln hat, kein herbeifantasierter Phallus, den sie zwecks Machtdemonstration einsetzt. Stattdessen begegnen wir einer 32-Jährigen, die aus dem Leben plaudert: ein bisschen süßlich, ein bisschen nachdenklich. Nichts, was eine gestandene Feministin soziopolitisch herausfordern würde, aber ein Pop-Rap-Album, das sie guten Gewissens ihrer jugendlichen Nichte empfehlen kann. Es geht um Freiheitsgefühle („Hochhaus“), Beziehungen („Eine unter Millionen“, „Wenn ich ein Gangsta wär“) und – ganz wichtig – weibliche Solidarität („Du & Ich“, „OK“). Zeitweise eignet sich Kitty Kat auf unaufgeregter Weise Sphären männlicher Dominanz an, ohne dabei wie in früheren Tagen ihr Geschlecht zu verleugnen: Eine Frau über das Spannungsverhältnis zwischen Beruf und Beziehung rappen zu hören („900 Meilen“), ist eine kleine Wohltat. Aus Kitty Kats Mund auch eine Skandalisierung häuslicher Gewalt zu hören („Wann hörst du auf zu verzeihen“), ist überraschend und empowernd.

mieze_medusa_anschlaege_feminismus_juli_august_2014
Mieze Medusa, © Sandra Birklbauer

Style-technisch und ästhetisch im absoluten Kontrast steht das jüngste Werk Sparverein der Träume (Rufzeichen Records/Backlab/Trost) der geschätzten Kollegin Mieze Medusa, das in Zusammenarbeit mit Producer Tenderboy entstanden ist. Relaxte Retro-Instrumentals mit Hang zum Jazzig-Experimentellen treffen hier auf eine ziemlich erwachsene Perspektive einer erfahrenen Frau aus der Kulturindustrie, die sich auf keinen Fall von der Kommerzialisierung der Wortkunst auffressen lassen mag und sich immer wieder gegen die To-Do-Listen-Förmigkeit des Lebens im Kapitalismus sowie den damit einhergehenden Erwartungsdruck auflehnt („Wo ist der Superpursuitmode“, „Vorwärts“, „Angezählt“, „mehrmehrmehr“). Auch die Frage des Zur-Ruhe-Kommens, des Zueinander-Stehens ist auf diesem Album bedeutungstragend („Das gute Leben“, „Wo ich bin? Wo bist du!“, „Beide Hände“): Keine Spielchen, hier geht es um etwas. Und wenn dann noch ein sex-positiver Track auftaucht („Rein Raus [Es dreht sich alles nur um …]“), der nicht krampfhaft versucht, gängige Ideen von Sexyness zu bedienen, ist alles auf dem richtigen Weg.

Die Zeichen stehen gut, dass Reverie dem Dasein als Geheimtipp bald entkommt: Sie ist nicht nur technisch absolut souverän und trifft mit dem von ihrem Bruder Louden komponierten BoomBap-Sound den Nerv der Zeit, sondern kann mit Russian Roulette (Louden Clear Tunes) bereits ihren dritten Solo-Release vorweisen. Thematisch greift sie tief in die Kiste der Lebenserfahrungsschätze, wickelt sich einen Joint und berichtet über Biografien, die von sozialer Ungleichheit geprägt sind. Obwohl sich das Album sehr nah und persönlich zeigt, wird nicht immer klar, ob das lyrische Ich mit ihrer eigenen Stimme ident ist. Aber jede Aussage ist absolut authentisch, und das macht Reverie so ungemein sympathisch. Ihre kritische Haltung gegenüber einer alles ausschlachtenden Musikindustrie bringt ihr weitere Bonuspunkte ein: Sie bietet ihre Musik zum freien Download für alle an, die sich ihren Sound sonst nicht leisten können, wie sie sagt. Umso mehr empfehle ich ihren Merch. Support!

Last but not least sei noch erwähnt, dass auch Lady Leshurr mit Lil Bit of Lesh erneut ein Mixtape zum kostenlosen Download (zum Beispiel auf http://hoodtapes.co.uk) herausgebracht hat, das wieder sowas von leidenschaftlich und raptechnisch derart Next-Level ist, dass davon bitte alle mitbekommen müssen!

Links:
www.kittykat.cc
www.miezemedusa.com
www.reverielove.com
www.ladyleshurr.com

]]>
https://ansch.4lima.de/an-klang-mehr-vom-glueck/feed/ 0
Feministischer Foodporn-Alarm https://ansch.4lima.de/feministischer-foodporn-alarm/ https://ansch.4lima.de/feministischer-foodporn-alarm/#respond Sun, 22 Jun 2014 17:57:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=5338 Best-of Blogs über queer-veganes Essen. Von HENGAMEH YAGHOOBIFARAH]]>

Queeres Essen ist veganes Essen – das legen zumindest eine Reihe wunderbarer Websites zum Thema nahe. Ein Best-of Blogs von HENGAMEH YAGHOOBIFARAH.

Auf Englisch:

The Opinioness of the World
Feministisch, vegan und unmissverständlich bloggt die freie Autorin Megan Kearns aus Boston, Massachusetts zum Thema Gender und Essen. Rezensionen über Film, Fernsehen und Medien, Rezepte, Restaurantkritiken, aber auch Texte über Geschlechterpolitik, LGBT-Rechte, Tierrecht und Intersektionalität finden sich hier.
Besonders die feministischen Schwerpunkte werden durch die Bezugnahme auf Antirassismus, Bildung, Ökonomie, Klassismus und Körperbilder differenziert bedient. Das heißt aber nicht, dass die anderen Themen zu kurz kämen!
http://opinionessoftheworld.com

Vegan Feminist Network
Intersektionell geht es beim Vegan Feminist Network zu. Die beiden Bloggerinnen Corey Lee Wrenn und Cheryl Abbate schreiben mit akademischem Hintergrund und aus einer feministischen, veganen Perspektive über diverse Unterdrückungsmechanismen. Zusammenhänge zwischen Rassismus, Cissexismus, Dickenhass und dem Patriarchat werden verständlich beschrieben. Auch vegane Geschichtsforschung wird betrieben, zum Beispiel der Frage nachgegangen, ob Emma Goldman eigentlich Veganerin war.
http://veganfeministnetwork.com

Vegan Feminist
Leider nicht mehr sonderlich aktiv, aber bereits mit vielen anregenden Beiträgen gefüllt ist dieser Blog mit einem queer_feministischen Zugang zum Veganismus. Coming-Out-Erfahrungen, Öko-Aktivismus und die feste Verbindung zwischen Veganismus und Feminismus werden ausführlich thematisiert.
http://veganfeminist.blogspot.de

WTF do you eat?
Fett und vegan, das geht? Natürlich! Fernab vom Fitness-Wahn der veganen Szene gibt es auf dem diary of a fat vegan eine hübsch bebilderte Dokumentation aller schon verschlungenen Leckereien. Achtung, Foodporn-Alarm!
http://wtfdoyoueatvegan.tumblr.com

Queer Vegan Food
Queeres Essen ist veganes Essen – diese These stellt Sarah E. Brown in ihrem Blog auf. Nachdem sie „The Queer Vegan Cookbook“ veröffentlicht hat, schreibt sie auch online viel über Vernetzungen innerhalb der queeren, veganen Szene und über ihren Alltag. Neben Rezensionen und Rezepten gibt es auch viele Gastbeiträge zum Thema.
http://queerveganfood.com 

The Streets I Know: Vegan Style
Veganismus geht über den Magen hinaus. Dieser Modeblog ist 100 Prozent cruelty-free, feministisch, gut vernetzt und wird von der Designerin Melanie Pyves betrieben.
http://streetsiknow.blogspot.de

Vegans of Color
Wo Feminismus und Anti-Speziesmus debattiert werden, darf auch der Zusammenhang zu Antirassismus nicht fehlen. Dieses Blogger_innenkollektiv macht es sich u.a. zur Aufgabe, Rassismus für weiße Veganer_innen und Speziesmus für nicht-vegane Persons of Color zu thematisieren. Dies ist besonders wichtig, weil Veganismus häufig nur als Lifestyle-Trend der weißen Mittelschicht auftaucht.
http://vegansofcolor.wordpress.com

kartoffel_anschlaege_juli_august_feminismus_2014
© ugly fruits

 Auf Deutsch:

Futblog
Der Futblog ist der deutschsprachige Blog für Essen und Feminismus. Viel Popkultur, Rezepte, Café-Rezensionen, Gedanken aus dem queer_feministischen Alltag und eine hohe Affinität zu DIY tummeln sich auf dieser Vienna-based Seite. Das bunte Spektrum an Autorinnen garantiert die Vielfalt des Outputs. Und der Name beweist, dass hier gerne provoziert wird.
http://futblog.at

Riotschminke
Dieser neue Youtube-Kanal der beiden Schwestern Dani und Bekki ist ein feministischer Video-Blog über Schminke und Kosmetik. Es werden vegane und kostengünstige Produkte rezensiert und Schminkanleitungen gegeben. Doch auch alltägliche Dinge fernab von Stylefragen finden Platz. Ästhetisch sehr ansprechend und mit viel Humor wird bewiesen, dass sich Feminismus und Kosmetik genauso wenig ausschließen wie Veganismus und Feminität.
www.youtube.com/user/riotschminke

]]>
https://ansch.4lima.de/feministischer-foodporn-alarm/feed/ 0
Fleisch und Feminismus https://ansch.4lima.de/fleisch-und-feminismus/ https://ansch.4lima.de/fleisch-und-feminismus/#comments Sun, 22 Jun 2014 17:44:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=5335 Fleischkonsum und -verzicht spiegeln Geschlechterverhältnisse. Von LEA SUSEMICHEL]]>

Auch die kulinarische Fleischeslust ist sexualisiert und in Fleischkonsum und Fleischverzicht spiegeln sich Geschlechterverhältnisse. Von LEA SUSEMICHEL

Gebräunte, ölige Frauenschenkel neben knusprig-fettigen Hühnerkeulen. Verzehrfertige Hühnchen, die mit Bikiniabdruck und gespreizten Beinen auf dem Teller präsentiert werden. Frauenkörper, die wie das Schweine-Schaubild beim Metzger in Zonen eingeteilt, die mit „Rippen, Brust, Schulter“ etc. beschriftet sind. Carol J. Adams kann auf eine Fülle von Werbesujets verweisen, die ihre These drastisch veranschaulichen: Frauen und Tiere werden auf vergleichbare Art und Weise zu Objekten gemacht. Zahllose Analogien der Sexualisierung von Fleisch und der Animalisierung von Frauenkörpern nennt Adams in ihrem 1990 erschienenen Buch „The Sexual Politics of Meat“, das immer noch als Standardwerk zum Thema Feminismus und Veganismus gilt. Die Werbung drapiert tote Tiere in pornografischen Posen, während Frauen weiterhin standardmäßig wie ein Stück Fleisch in Szene gesetzt werden. Die Befriedigung der sexuellen wie kulinarischen Fleischeslust bedient sich dabei einer Metaphorik des Verzehrs, Anknabbern und Verschlingen sind gängige Vokabeln obszöner Anspielungen. Diese Objektifizierung funktioniert laut Adams in beiden Fällen durch den „fehlenden Referenten“. Das konkrete Tier, der individuelle Mensch wird hinter dem als frei verfügbar inszenierten Fleisch zum Verschwinden gebracht. Nach Adam manifestiert sich hier männliche Macht, denn Fleischkonsum und Männlichkeit seien symbolisch eng miteinander verknüpft. Ihre ganz lebenspraktische Entsprechung fände diese symbolische Ebene in der Männerbündelei im Steakrestaurant und beim Barbecue.

lauch_anschlaege_feminismus_juli_august_2014
© ugly fruits/www.uglyfruits.eu

Der Doppel-Whopper ist männlich. Carol J. Adams ist freilich nicht die Erste, die auf diese kulturhistorisch sehr stabile Verbindung von Männermacht und tierischer Kost hinweist. Wie die Butter aufs Brot war Fleisch bei Knappheit den männlichen Familienmitgliedern bzw. dem männlichen Familienoberhaupt vorbehalten (und ist es in bestimmten Kontexten bis heute). Der Mann als Jäger, der seine Manneskraft beim Erlegen der Beute unter Beweis stellt und sich danach beim Verzehr des Fleisches Potenz und Stärke sichert, ist ein gängiger Topos, dem nicht zuletzt boomende Männer-Magazine wie „Beef“ ihren Erfolg zu verdanken haben. Und auch wenn der mittlerweile über Geschlechtergrenzen hinweg grassierende Gesundheits- und Fitnesswahn anderes nahelegen: Umfragen zeigen, dass der Doppel-Whopper und das blutige Steak auch weiterhin für ein Bild entschlossener und heterosexueller Männlichkeit samt Lenden- und Muskelkraft stehen und Gemüse was für Mädchen und Schwule ist.
Tatsächlich essen Frauen durchschnittlich weniger Fleisch und verzichten auch viel häufiger als Männer ganz darauf: Etwa siebzig Prozent aller VegetarierInnen sind Frauen.(1)

Animal Studies und Anti-Speziesismus. Auch andere Statistiken legen nahe, dass Fleischkonsum und Geschlechterverhältnis etwas miteinander zu tun haben. Ethnologische Studien sollen belegen, dass patriarchale Strukturen oft mit ausgeprägtem Fleischkonsum einhergehen. Wo hingegen vornehmlich vegetarisch gelebt wird, gebe es mehr Geschlechtergerechtigkeit und weniger rigide Geschlechterrollen.
Die in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum zunehmend an Popularität gewinnenden Animal Studies lassen ebenfalls Zusammenhänge zwischen Geschlecht und Tierethik sichtbar werden. Denn der von TheoretikerInnen der Animal Studies häufig vertretene Anti-Speziesismus weist viele Parallelen zur dekonstruktivisti-schen Gendertheorie auf. Wo diese von einer willkürlichen Setzung von Geschlechtergrenzen ausgeht, postuliert jener eine völlig kontingente Abgrenzung zwischen den Arten. Sprich: Die hierarchisierte Unterscheidung zwischen Tieren und Menschen ist genauso wenig objektiv begründbar wie die Grenzziehung zwischen Frauen und Männern. Frauen wie Tiere werden also gemäß einer andro- und anthrozentrischen Kategorisierung dem Bereich der vernunftlosen Natur zugeordnet und als das Andere männlicher Rationalität gegenübergestellt.

Ran an die Fleischtöpfe. Dass angesichts all dieser Aspekte Feminismus und Vegetarismus/Veganismus Hand in Hand gehen, ist dennoch nicht selbstverständlich. Denn nicht nur die problematische Parallelsetzung von Tieren und Frauen, wie sie etwa bei Carol J. Adams implizit geschieht, fordert feministische Kritik heraus. Opponiert werden sollte zudem gegen die Klischees von weiblicher Naturverbundenheit, Empathiefähigkeit oder gar moralischer Überlegenheit, die in einen respektvollen Umgang mit Tieren münden sollen. Und zu guter Letzt kann der moralische Appell zum Verzicht auf tierische Produkte bloß als weiteres Kapitel der leidvollen Geschichte weiblicher Ernährungsrestriktionen interpretiert werden.
In diesem Sinne als Aufbegehren gegen solch Selbstbeschränkung und -beschneidung könnte Lady Gagas Kleid aus rohen Rindfleischlappen, mit dem sie 2010 bei den MTV Video Music Awards für Diskussionen sorgte, verstanden werden. Der Tabubruch bestand dabei nicht nur in der entlarvenden Verdoppelung sexistischer Fleischbeschau durch das Kostüm, sondern auch im provokanten „Frauen, ran an die Fleischtöpfe“-Statement, als das es gelesen werden kann. Doch genauso wenig wie die sich um ethische Fragen nicht scherende Fleischvöllerei per se feministisch subversiv ist, ist umgekehrt männlicher Fleischverzicht grundsätzlich emanzipatorisch. Das hat etwa die Tierrechtsorganisation PETA mit ihrer Form inszenierter Tabubrüche wiederholt gezeigt. In den schlimm sexistischen Spots wird z.B. mit einer nach einer Nacht mit ihrem veganen Freund übel zugerichteten Frau für pflanzliche Ernährung geworben. Pflanzenkraft macht potent, so die Message, die den Jungs wohl die Angst vor Virilitätsverlust durch vegane Kost nehmen soll.

Fleischfragen. Ein feministisches Plädoyer für Vegetarismus oder Veganismus sollte sich dieser Zusammenhänge bewusst sein und sie berücksichtigen.
Denn eine zentrale Kritik an Carol J. Adams ist, dass sie zwar die Überwindung sämtlicher Unterdrückungsformen verspricht, eine differenzierte Analyse ethnisch bedingter oder milieuspezifischer Ernährungsgewohnheiten aber vermissen lässt. Dabei ist es offensichtlich, dass Veganismus/Vegetarismus im Westen in erster Linie ein gut vermarktbares Elitenprojekt ist, das nicht selten mit klassistischem Dünkel einhergeht und gleichermaßen Distinktionsgewinn sowie individuellen gesundheitlichen Nutzen verspricht. Andernorts ist eine fleischfreie Ernährung hingegen oft eine nicht selbstgewählte Notwendigkeit, die überdies keineswegs zwangsläufig gesund ist, weil es nicht überall das Privileg eines Zugangs zu Produkten gibt, die eine adäquate Versorgung gewährleisten.
Dennoch darf es dieses Plädoyer für Fleischverzicht und Tierrechte selbstverständlich auch von FeministInnen geben. Solange der feministische Kampf um die Fleischtöpfe, zumindest im symbolischen Sinne, dabei nicht aufgegeben wird.

Fußnote:
(1) Die Zahlen beziehen sich vor allem auf Europa und die USA.

]]>
https://ansch.4lima.de/fleisch-und-feminismus/feed/ 2
Die Netzwerke der Ninjas https://ansch.4lima.de/die-netzwerke-der-ninjas/ https://ansch.4lima.de/die-netzwerke-der-ninjas/#respond Sun, 22 Jun 2014 17:38:49 +0000 https://anschlaege.at/?p=5332 Interview: DRÍADE AGUIAR berichtet über Guerrilla-Medien in Brasilien. Von FIONA SARA SCHMIDT]]>

Die Aktivistin DRÍADE AGUIAR ist Guerilla-Reporterin. Zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft sprach sie mit FIONA SARA SCHMIDT über die neue Qualität des gesellschaftlichen Protests in Brasilien.

an.schläge: Sie sind Mitglied der Gruppe „Mídia NINJA“, Guerilla-Reporter_innen, die seit rund einem Jahr über die Proteste in Brasilien informieren und mit einer App, dem Sender „PósTV“ sowie über soziale Netzwerke unabhängig berichten. Wie sieht die Arbeit konkret aus?

Dríade Aguiar: Ich war von Anfang an dabei und komme von „Fora do Eixo“, einem Netzwerk von Kollektiven, einer sozialen Bewegung, die in Brasilien zu Kultur und Kommunikation arbeitet. Ich wohne mit rund zwanzig anderen in einem Kollektiv in Rio und habe auch schon in Brasilia, São Paulo und Cuiabá gelebt. Gemeinschaft bedeutet für uns ein gemeinsames Verständnis dafür zu haben, was Ninja ist, eine tiefe Verbundenheit untereinander. Ninja arbeitet mit verschiedenen Partner_innen für gesellschaftliche Veränderung, vermittelt diese Prozesse und beobachtet, was alles in Brasilien passiert. Wir sind in dreihundert Städten verortet, in den Gemeinschaften wird zu den Themen Erziehung, Politik, Literatur, Film und unabhängige Festivals gearbeitet. Das Kommunenleben verändert die Definition von Arbeit, Aktivismus und Privatleben, wir leben rund um die Uhr zusammen, autonom und in solidarischer Ökonomie.

Was ist seit den Protesten rund um den Confederations Cup letztes Jahr passiert, als Hunderttausende auf die Straße gingen, um gegen die korrupte Politik und für bessere Versorgung und Lebensbedingungen zu demonstrieren?

Es ist wahnsinnig viel los, an ganz unterschiedlichen Fronten. Jetzt geht es vor allem darum, die Grundversorgung für alle zu verbessern: öffentlicher Raum, Recht auf Wohnraum, medizinische Versorgung und Bildung.
Wir haben seit zwölf Jahren eine sozialdemokratische Regierung, die die Menschen ermutigt, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Die Leute begreifen, dass politische Entscheidungen Auswirkungen auf ihr persönliches Leben haben – nicht nur durch die Teilnahme an Wahlen, sondern auch, indem sie selbst für ihre Rechte eintreten. Das begann schon lange vor der Fußballweltmeisterschaft, in São Paulo zum Beispiel wurden Büros und Regierungsgebäude besetzt. Früher war der öffentliche Raum nur dazu da, um von A nach B zu kommen, jetzt holen sich die Leute öffentliche Plätze zurück, mit Demonstrationen bis hin zum Straßenkarneval. Das geschieht in zahlreichen Städten, Millionen Menschen gingen immer wieder auf die Straße.

Welche Rolle hat Staatspräsidentin Dilma Roussef, die wie ihr Vorgänger Lula da Silva Mitglied der linken Partido dos Trabalhadores ist und in den 1970er Jahren dem Widerstand gegen die Militärregierung angehörte? 

Die gegenwärtige Regierung ist offen und volksnah. Dilma gibt ihr Bestes, um mit den sozialen Bewegungen in einen Dialog zu treten, genau wie Lula es tat. Die Probleme liegen viel tiefer, als dass man sie an ihrer Person festmachen könnte, der Aktivismus richtet sich nicht gegen die Präsidentin und ihre Partei, sondern stellt das gesamte politische System Brasiliens infrage. Politik, wie wir sie kennen, steht vor einer Zerreißprobe. Dilma hat jetzt die Chance, offen auf die sozialen Bewegungen zuzugehen und die Menschen einzubinden. Die Wahlen im Oktober werden die demokratische Kultur stärken, weil alle Parteien Vorschläge liefern müssen, wie die politische Kultur verbessert und die Forderungen des Volkes berücksichtigt werden können. Ich glaube nicht, dass die rechten Parteien eine Chance haben, weil das Volk weniger Partizipation nicht akzeptieren wird.

ninja_feminismus_anschlaege_juli_august_2014
Foto: Mídia Ninja

Wie sieht feministischer Aktivismus in Brasilien aus?

Es gibt spezielle Frauenproteste wie etwa Lesbendemos, den World Women Walk und Slutwalks, aber viele Pro-bleme sind nicht frauenspezifisch. Wir müssen herausfinden, wie Frauen die Proteste für sich nutzen können, wie unsere Sichtweisen in den Widerstand getragen werden. Zum Beispiel ist Sicherheit für alle ein großes Problem, aber wir Frauen werden auf der Straße häufiger überfallen, und Schwarze Frauen öfter als weiße. Wir müssen unsere Rolle in der Revolution ernst nehmen und das tun wir bei Debatten, Streiks und Demonstrationen.
Wir sprechen jetzt offener darüber, wie unterschiedlich wir alle sind. Der Konflikt ist alt, aber jetzt gibt es mehr Berichterstattung über diese Bewegungen. Zum Beispiel gibt es sehr viele Impulse aus den Favelas, wo sich Menschen gegen Morde an unserer jungen Schwarzen Bevölkerung erheben. Auch Frauen kämpfen gegen die verbreitete Meinung, es sei die Aufgabe von Polizisten, die „bad guys“ umzubringen.

Ninja nutzt in erster Linie Bürger_innenjournalismus und soziale Netzwerke für die Berichterstattung. Welche neuen Protestformen ergeben sich daraus, was hat sich schon verändert? 

Wir haben in Brasilien eine lange Geschichte von gesellschaftlichem Protest. Manche engagieren sich zum Beispiel in Gewerkschaften, jetzt finden alle zusammen, wir haben gemeinsam eine neue Stufe erreicht. Ich bin eine 23-jährige Schwarze Frau aus einer Kleinstadt, die Arbeit mit Fora do Eixo und Ninja hat mich sehr empowert. Ich verstehe jetzt, dass meine persönlichen Probleme kollektiver und öffentlicher Natur sind. Wir kämpfen auch gegen Schönheitsideale, wie wir mit Körpern umgehen, ist sehr wirkmächtig. In Brasilien sind immer weniger Frauen feministisch aktiv, weil sie auf Klischees hereinfallen. Selbst Frauen, die für Frauenrechte kämpfen, behaupten, sie seien keine Feministinnen! Ich vermute, weil sie nicht mit den Vorurteilen zum äußeren Erscheinungsbild von Feministinnen konfrontiert sein wollen, die es immer noch gibt.

Wie können die Sichtbarkeit von Frauen bei Protesten erhöht und Frauenrechte gestärkt werden? 

Mit Ninja ermutigen wir neue Leute und vor allem Mädchen, ihre Forderungen durchzusetzen. Durch den Medienaktivismus setzen sie Probleme wie Rassismus, Sexismus, Homophobie und Prostitution auf die Tagesordnung. Frauen sorgen für Livestreams von den Straßen oder gestalten unsere Online-Inhalte.
Bewegungen müssen sich fragen, wie sie vorgehen wollen. Wir sollten Frauen nicht in exponierte Positionen bringen, weil es erwartet wird, ohne uns Gedanken darüber zu machen, welche Konsequenzen das für sie hat. Wir sollten uns fragen, wie wir uns gegenseitig ermutigen und bestärken können. Ich glaube, die Frauenbewegung in Brasilien leistet in diesem Bereich einen gewaltigen Beitrag, und es liegt an uns, sie zu unterstützen.

Dríade Priscila Faria Aguiar ist eine der Organisatorinnen des Kommunikationsnetzwerks „Fora do Eixo“ in Brasilien und leitet den Bereich Social Media. Neben ihrer Arbeit bei Mídia NINJA engagiert sie sich bei ELLA (Latin American Meeting of Women) und organisiert Festivals. Anfang Juni war sie auf Einladung von maiz, dem autonomen Zentrum für Migrantinnen, in Wien und Linz zu Gast.

https://ninja.oximity.com
http://midianinja.tumblr.com
Twitter: @MidiaNINJA

]]>
https://ansch.4lima.de/die-netzwerke-der-ninjas/feed/ 0