Juli/August 2011 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 01 Aug 2011 18:26:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Juli/August 2011 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Feminist Superheroines: Monique Wittig https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-monique-wittig/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-monique-wittig/#respond Mon, 01 Aug 2011 18:26:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=1220 monique_wittig_anschlaege_feminismus_oesterreich_juli_2011_lina_waldeDie französische Schriftstellerin und Philosophin MONIQUE WITTIG (1935-2003) gilt als eine der Vorreiterinnen des lesbischen Feminismus.]]> monique_wittig_anschlaege_feminismus_oesterreich_juli_2011_lina_walde

Die französische Schriftstellerin und Philosophin Monique Wittig (1935-2003) gilt als eine der Vorreiterinnen des lesbischen Feminismus. Sie bezeichnete sich selbst als „radikale Lesbe“ und sagte nicht nur in ihren Büchern dem heterosexuellen Regime den Kampf an. Auch als politische Aktivistin war sie zeit ihres Lebens engagiert. So nahm sie im August 1970 an einer Kranzniederlegung für die Frau des unbekannten Soldaten (Denkmal beim Pariser Triumphbogen) teil, um auf die gesellschaftliche Unsichtbarkeit von Frauen hinzuweisen – dieses Ereignis wurde später als der Beginn der zweiten französischen Frauenbewegung interpretiert. Wittig engagierte sich zudem für diverse radikale feministische und lesbische Organisationen, und arbeitete bis zur ihrem Tod als Universitätsprofessorin in den USA.

Text: Isabelle Garde
Illustration: Lina Walde

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an.sage: „Was für ein Arsch!“ https://ansch.4lima.de/an-sage-was-fur-ein-arsch/ Tue, 05 Jul 2011 08:40:56 +0000 https://anschlaege.at/?p=352 Ein Kommentar von LEA SUSEMICHEL

 

Die Berichterstattung war schauderhaft. In den ersten Tagen nach der Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn war nur selten explizit vom Vorwurf der Vergewaltigung die Rede. Mit einem „Sex-Skandal“ oder einer „Sex-Affäre“ des ehemaligen IWF-Chefs wurde stattdessen getitelt. „Lebemann“, „kein Kind von Traurigkeit“ oder ein „Verführer französischer Schule“ wurde er dabei entschuldigend bis ehrfurchtsvoll genannt und augenzwinkernd fraternisierend von einem seiner letzten Bonmots in Freiheit berichtet: „Was für ein schöner Arsch!“, soll er auf der Reise nach New York über den Hintern einer Flugbegleiterin gesagt haben.

Der Journalist Jean-François Kahn versuchte die Vorwürfe gar allen Ernstes damit zu bagatellisieren, dass es alles andere als unüblich sei und eine lange Tradition habe, „Domestiken“ an die Wäsche zu gehen. Zahllose Kommentatoren sahen die sexuelle Libertinage überhaupt durch amerikanische Prüderie bedroht, und auch sozialistische Parteifreunde sprangen reflexartig für Strauss-Kahn in die Bresche. Es sei „schließlich niemand gestorben“, urteilte etwa der frühere Kultur- und Bildungsminister Jack Lang.

Das Opfer des mutmaßlichen Übergriffs hingegen, die 32-jährige, aus Guinea stammende Hotelangestellte Nafissatou D., Mutter einer 15-jährigen Tochter, firmierte nicht nur im Boulevard stets als das „afrikanische Zimmermädchen“.

Dass sich der mediale Tonfall inzwischen merklich verändert hat, verdankt sich vor allem den feministischen Protesten, die diesen Entgleisungen folgten. „Wir wissen nicht, was am 14. Mai in New York geschehen ist“, schrieben mehrere Organisationen in einer gemeinsamen Petition, die in kürzester Zeit von zehntausenden Frauen unterzeichnet wurde, „aber wir wissen, was in der letzten Woche in Frankreich los war“.

Tausende Feministinnen gingen in Paris mit aufgeklebten Bärten und Slogans wie „Wir sind alle Zimmerfrauen“ auf die Straße, um den unverhohlenen Sexismus und die Verharmlosung sexualisierter Gewalt im öffentlichen Diskurs anzuprangern. Französische Politikerinnen demonstrierten mit umgebundenen Krawatten gegen Frauenfeindlichkeit im Parlament und sprachen erstmals darüber, dass weibliche Abgeordnete aus Angst vor Belästigungen kaum mehr im Rock in der Nationalversammlung erscheinen. Was vor allem auch damit zu tun habe, dass sie dort weiterhin in der Minderheit und nur mit etwa 18 Prozent vertreten sind. Nicht nur frühere Vergehen Strauss-Kahns werden nun erstmals öffentlich diskutiert, auch dass sich andere Politiker gegenüber Journalistinnen und Mitarbeiterinnen durchaus ähnliche Dinge erlauben, wird publik. Verteidiger des Ex-IWF-Chefs, die ihn als Opfer eines politischen Komplotts oder aufgrund seines Jüdischseins als „neuen Dreyfus“ inszenieren wollen, werden wieder leiser. Lauter jedoch diejenigen, die eine kritische, offene Debatte über Machismus und männliche Macht fordern.

Und so leidenschaftlich und breit wie derzeit wurde diese Debatte ‚’tatsächlich lange nicht geführt. Nicht nur in Frankreichs Zeitungen liefern feministische Autorinnen Analysen über den gefährlichen Zusammenhang zwischen politischer und sexueller Omnipotenz, in denen plötzlich Begriffe wie „Phallokratie“ vorkommen dürfen. Sogar in ganz konkreten Zahlen zeigen sich die Auswirkungen des Stimmungsumschwungs. Wurden bislang nur etwa zehn Prozent von geschätzten 75.000 Vergewaltigungen jährlich in Frankreich angezeigt, verzeichnen Frauenorganisationen zuletzt einen deutlichen Anstieg bei den Meldungen von sexualisierter Gewalt. Die feministische Aktivistin Magali de Haas prognostiziert angesichts dieser erfreulichen Entwicklungen gegenüber dem „Guardian“ sogar: „Ich bin zuversichtlich, dass wir ein neues Erwachen des Feminismus erleben werden.“

Auch andere kleine Erfolge geben Anlass zum Optimismus. In New York wird nun die Einführung eines Alarm-Knopfs für Hotelangestellte gefordert. Und die Hotelkette Sofitel, bei der Strauss-Kahn seine Suite gemietet hatte, hat bereits ihren Dresscode für Mitarbeiterinnen geändert. Durfte der weibliche Zimmerservice bislang ausschließlich kurze Röcke tragen, sind mittlerweile auch Hosen gestattet.

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„A Knock Out“ https://ansch.4lima.de/a-knock-out/ https://ansch.4lima.de/a-knock-out/#respond Mon, 04 Jul 2011 08:38:28 +0000 https://anschlaege.at/?p=349 Seit Frauen boxen, kämpfen sie nicht nur gegeneinander, sondern immer auch für ihr Recht, diese Kämpfe überhaupt öffentlich austragen zu dürfen. MARIA POELL über Geschichte und Gegenwart des Frauenboxens.

 

Wann genau die erste Boxerin in den Ring stieg, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Wie vieles andere, was als Männerdomäne gilt, ist das Frauenboxen und seine Geschichte wenig und unzuverlässig dokumentiert, Namen und Jahreszahlen variieren, Fakten und Fiktion lassen sich nicht immer unterscheiden. Aber es gab sie, die ersten Pionierinnen des Faustkampfs.

Jahrmarktboxen. Eine von ihnen war Elizabeth Wilkinson, die in den 1720er Jahren ihre Gegnerinnen mit Zeitungsannoncen in der Londoner Daily Post zum „Bare-Knuckle Prizefight“ herausforderte. Schon damals kämpften die Frauen nicht nur gegeneinander, sondern auch für ihr Recht, diese Kämpfe überhaupt öffentlich austragen zu dürfen.

Mehr als zwei Jahrhunderte später reisen Boxerinnen wie Barbara Buttrick weiter von Jahrmarkt zu Jahrmarkt und Land zu Land, auf der Suche nach Frauen, die bereit sind, gegen sie anzutreten. Während die Männer seit 1904 bei den olympischen Spielen boxen und Titelkämpfe mit hohen Preisgeldern und großem medialen Interesse bestreiten, bleibt den Frauen das Wettkampfboxen bis Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend verboten.

Ein Verbot, das auf vielfältige Weise diskriminierend wirkt. In erster Linie natürlich, weil es Frauen vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben. Gleichzeitig werden sie mit vorgeblicher Sorge um ihre Gesundheit bevormundet oder gar mit Hinweis auf ihre Regelblutung als „mental instabil“ diskreditiert. Mit diesem Argument versuchte der britische Boxverband 1998, der Boxerin Jane Couch eine Lizenz zu verweigern.

Weibliche Beweislast. Vor allem aber geht es den Gegnern des Frauenboxens darum, das vorherrschende Bild vom schönen, aber schwachen Geschlecht zu wahren. Eine starke, selbstständige, aggressive, blutverschmierte Kämpferin rüttelt so sehr an diesem Ideal, dass es den Herren der Schöpfung sichtlich weh tut. Mitte der 1990er Jahre, als immer mehr Frauen erfolgreich ihr Recht durchsetzen, in den Ring steigen zu dürfen, ist der Tenor demnach: „Boxende Frauen sind widernatürlich. Sie ekeln mich an. Eine Frau muss für den Mann gemacht sein, nicht für den Männersport.“(1)

Erfolgreiche Weltmeisterinnen wie Lucia Rijker, Laila Ali, Regina Halmich oder Susianna Kentikian haben dazu wohl eine andere Meinung. Und bei den olympischen Spielen 2012 werden erstmals auch die Frauen in drei Gewichtsklassen antreten. Trotz all dieser Erfolge bleibt die Lage schief. Profiboxerinnen stehen irgendwie unter Beweislast ihrer eigenen Weiblichkeit. Je mehr Schlagkraft und Erfolg eine im Ring hat, umso mehr scheint sie außerhalb des Rings ihre weiblichen Attribute zur Schau stellen zu müssen. Fast so als gelte es, die männliche, testosteron-schwangere Aura des Sports, all den dreckigen Schweiß und die Härte, durch umso mehr Make-up, weibliche Kurven und genderstereotype Sanftheit auszugleichen. Um nur ja nicht den Verdacht zu erwecken, man wäre keine „richtige Frau“. Eine, die das System sprengt. Eine, die nach ihren eigenen Regeln spielt.

Frauen kämpfen sehen. Professionalität wird hier nicht auf sportlicher Ebene definiert. Professionell ist eine Weltklasseboxerin dann, wenn sie sich selbst als Ware begreift und den Regeln der Vermarktung unterwirft, d.h. ihre Person und ihren Körper gewinnbringend verkauft. Das sagt natürlich keiner der großen Box-Promoter so, aber das sagt z.B. Regina Halmich in der ihr gewidmeten Doku „Königin im Ring“. Das ist einerseits bemerkenswert realistisch und scharfsinnig, andererseits aber auch fatal unkritisch. Gerade jemand wie Regina Halmich hätte die Chance, an den Regeln des Spiels zu rütteln.

Fußnoten:
(1) Zitiert in „Königin im Ring“ (2008, Simone Jung)
(2) „A Knock Out“ (2004, Tessa Boerman & Samuel Reiziger
(3) Lucia Rijker in „Shadow Boxers“ (1999, Katya Bankowsky)

Eine, die es versucht hat, ist Michele Aboro. Die ungeschlagene Weltmeisterin wollte weder ihr Lesbischsein verheimlichen noch sich für den Playboy ausziehen. Dass sie darauf beharrte, eine Athletin und kein „Page-Three Girl“ zu sein, kostete sie schließlich ihre Karriere. Sie wurde von ihrem Promoter Universum als „unvermarktbar“ gekündigt und verlor den Rechtsstreit, mit dem sie versuchte, die Kündigung anzufechten. Die großartige Doku „A Knock Out“ erzählt ihre Geschichte.(2)

Eine, die es geschafft hat und erfolgreich ihren eigenen Weg gegangen ist, ist Lucia Rijker, ebenfalls ungeschlagene Weltmeisterin. Die einzige Bikini-Bilderserie, die von ihr zu finden ist, entspricht in keinster Weise dem, was die Männer im Boxbusiness sehen wollen.
Weder Pose noch Blick versprechen Verfügbarkeit, sondern scheinen zu sagen: „Ist mir doch egal, was du von mir willst. Ich mach’ mein eigenes Ding.“ Damit versteht sie sich ganz bewusst als Vorbild für andere Frauen: „Women can find strength in seeing other women fight and be strong. They can find something there that they have as well, even though they’re not boxing.”(3) Recht hat sie.

 

Maria Poell ist Filmvermittlerin & Filmvorführerin und selbst Wettkampfboxerin.

Zum Nachlesen:
Katherine Dunn: Just as Fierce, in: Mother Jones Magazine (Dezember 1994): http://theinferior4.livejournal.com/66635.html
Profiboxerinnen – Frauen, die hauen: www.freitag.de/1999/31/99311801.htm
Old-time female combatants: www.fscclub.com/history/zhened-old2-e.shtml

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heimspiel: Anstrengende Eltern https://ansch.4lima.de/anstrengende-eltern/ https://ansch.4lima.de/anstrengende-eltern/#respond Sun, 03 Jul 2011 18:23:19 +0000 https://anschlaege.at/?p=1218 HeimspielKinder, kleine zumal, sind wahnsinnig süß. Allerdings auch ziemlich anstrengend. Noch anstrengender als Kinder sind allerdings die dazugehörigen Eltern. Von SONJA EISMANN]]> Heimspiel

leben mit kindern

Kinder, kleine zumal, sind wahnsinnig süß. Allerdings auch ziemlich anstrengend. Wer etwas anderes behauptet, lügt entweder, oder hat eines der extrem raren Engelexemplare zu Hause. Noch anstrengender als Kinder sind allerdings die dazugehörigen Eltern. Sie sind engstirnig auf ihre eigenen Sprösslinge konzentriert (purzelt ein fremdes Kind neben ihrem eigenen auf den Boden, achten sie nur darauf, dass ihres nicht in Mitleidenschaft gezogen wird), nicht offen für eine imaginierte Kollektivität (ein an der Ampel abgeschicktes Lächeln von Kinderwagen zu Kinderwagen wird meist mit grimmigem Vorbeiblicken erwidert) und vor allem wahnsinnig verspießert (abseits von traditionellen Rollenmodellen – die Frau bleibt beim Kind, Rosa für die Mädchen, Blau für die Jungs – geht sehr wenig).
Wie oft schon hing ich ermüdet und gelangweilt an einem der Spielorte, die man nur des Kindes wegen aufsucht, und hätte mir ein zumindest latentes Gefühl von Solidarität gewünscht. Stattdessen musste ich meist in innere Emigration gehen, weil ich mit keiner der anwesenden Mütter – Väter trifft man nur in ca. fünf Prozent der Fälle, und die sind natürlich auch nicht besser – irgendetwas Inhaltliches hätte teilen können. Oder liegt das nur an der privatistisch nach innen gerichteten Elternhaftigkeit, die uns alle befällt und unwissentlich gluckig macht, sobald wir mit unserer Brut unterwegs sind? Ich weiß es nicht. Allerdings weiß ich genau, dass ich mir mehr Orte wünschen würde, an denen die Kinder und die Eltern Spaß haben können. Nur weil man Eltern wird, möchte man sich ja nicht aus dem öffentlichen Erwachsenenleben zurückziehen. Warum also nicht Orte schaffen, die für Erwachsene und Kinder, Eltern und Nicht-Eltern spannend und entspannend sind? Denn sich qua seiner eigenen Reproduktion in der betreuungsfreien Zeit nur noch in Eltern-Ghettos zu bewegen, macht wirklich keinen Spaß. Cafés mit angrenzendem Kinderspielzimmer sind zwar nicht gerade eine revolutionäre Erfindung, allerdings kenne ich in Wien, im Gegensatz zu anderen Städten, kein einziges davon. Das wäre doch mal ein Anfang.

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

Sonja Eismann lebt noch zwei Monate mit Partner und Tochter in Wien, und ist wohl selbst schuld daran, dass Hannah (fast zwei Jahre alt) süchtig nach Youtube-Videos mit lustigen Tieren („Fant! Miau!“ etc.) ist, weil sie dauernd vor dem Computer klebt.

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„Ohne Fett und Zucker kommt kein Kuchen aus“ https://ansch.4lima.de/ohne-fett-und-zucker-kommt-kein-kuchen-aus/ https://ansch.4lima.de/ohne-fett-und-zucker-kommt-kein-kuchen-aus/#respond Sun, 03 Jul 2011 08:35:23 +0000 https://anschlaege.at/?p=346 Am 1. Juli erhält Wien seinen ersten Kuchenladen nach Berliner Vorbild: Das „Fett+Zucker“ wird eröffnet. SYLVIA KÖCHL bekam zwar keine Torte, dafür aber die Entstehungsgeschichte aus erster Hand erzählt.

 

Erst muss sie noch rasch am Handy mit einem ihrer Handwerker ein Detail wegen des Fußbodens klären, aber dann widmet sich Eva Trimmel, genannt IiF, bei einem Kaffee am Wiener Karmelitermarkt ganz entspannt meinen Fragen. Es geht dabei immerhin um die in der ganzen Stadt schon heiß ersehnte Eröffnung ihres Lokals „Fett+Zucker“, die für den 1. Juli festgesetzt ist. „Fett+Zucker“ steht bereits jetzt für leckere Kuchenkreationen, die IiF seit etwa einem halben Jahr bei Special Events, wie aktuell beim Filmfestival „Identities“, anbietet. Und die mehr als 400 Fans auf ihrer Facebook-Seite können es nun kaum noch erwarten, endlich einen fixen Ort für die Schlemmereien zu bekommen.

Brownies mit Erdnussbutter. Vor etwa drei Jahren hat die Vorstellung, einen eigenen Kuchenladen zu eröffnen, für IiF langsam Gestalt angenommen. Seit einigen Monaten werden nun Nägel mit Köpfen gemacht: IiF fand ein geeignetes Lokal im 2. Bezirk, stellte die Finanzierung und die notwendigen Bewilligungen auf und begann mit Umbau, Sanierung und Renovierung. Auch die Speisekarte hat sie schon im Kopf: Sie wird zunächst täglich fünf verschiedene Kuchen anbieten – Brownies mit Erdnussbutter, Banana Bread, veganer Apfelstreusel, Mohnkuchen mit Vanillecreme und Cheesecake –, vor allem in Letzterem „ist alles drin, was böse ist“, verrät IiF grinsend.

Wer „Fett+Zucker“ googelt landet gleich in einem Forum mit der Frage: „Was ist schlimmer: Fett oder Zucker?“ Beides sei gleich schlimm, lacht IiF, und auch ihr Lokalname sei bewusst provokant gewählt, um diesen beiden wesentlichsten Kuchenzutaten ihr schlechtes Image zu nehmen. Beim „Untertitel“ des Lokals „Kuchen macht glücklich!“ sei ihr aber auch schon vorgeworfen worden, er entschärfe die Kritik an Essver- und geboten, die durch den Namen „Fett+Zucker“ ja implizit ausgesprochen wird.

IiF ist es aber durchaus wichtig, dass ihre Kund_innen selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kalorienbomben pflegen, während sie sich diese positiv aneignen. Und ihre zukünftigen Kund_innen, die wie sie aus queer-feministischen Szenen kommen, werden außerdem, so ist sie überzeugt, gemeinsam mit ihr das „Fett+Zucker“ zu einem Ort machen, an dem Sexismus und Homophobie keinen Platz haben: „Dafür werden alle sorgen, die sich bei mir wohlfühlen wollen.“

Banana Bread & veganer Apfelstreusel. Für die D.I.Y.-Note, die das Lokal statt dem üblichen In-Styling erhalten soll, sorgen schon jetzt einige Freund_innen, die beim Renovieren helfen. Und apropos D.I.Y.: IiF ist gelernte Architektin, nicht Bäckerin, und ist auch erst über Umwege zum Backen gekommen. „Ich koche schon lange sehr gern, habe aber das Backen vermieden, weil man sich dabei immer an bestimmte Mengen bei den Zutaten halten muss.“ In der Küche experimentiert sie nämlich lieber. Bei ihren vielen Berlinbesuchen ist ihr aber aufgefallen, dass es dort eine richtig feine Kuchenkultur mit unzähligen kleinen Kuchenläden gibt, die sie in Wien vermisste. So begann sie zunächst für sich und ihre Freund_innen zu backen, verwendete teilweise Rezepte ihrer Mutter, versuchte, Variationen herzustellen, die z.B. vegan oder laktosefrei sind, weil das immer mehr gewünscht ist. „Leicht ist das nicht, denn ohne Fett und Zucker kommt kein Kuchen aus.“ Und das Ziel sei immer ein guter Geschmack.

Als Ladeninhaberin und Bäckerin ist IiF also komplette Quereinsteigerin und sie appelliert „an die p.t. Gäst_innen, am Anfang Nachsicht zu üben“. Aus finanziellen Gründen wird sie sich nämlich zunächst ganz allein in den Laden stellen. Manche der Kuchen können zwar am Vortag vorgebacken werden, andere aber wird sie während der Öffnungszeiten herstellen. Zudem will sie „als Abwechslung zu dem ganzen süßen Zeug“ auch Quiche anbieten. Für die Zeit, wenn der Laden dann mal läuft und Routine einkehrt, hat IiF schon Erweiterungspläne: ein veganer Mittagstisch, Frühstück am Wochenende oder auch kleine Events wie Buchpräsentationen oder Ausstellungen.

Aus persönlichem Interesse habe ich dann noch eine letzte Frage, nämlich ob „Fett+Zucker“ ein Raucher_innen- oder ein Nichtraucher_innen-Lokal wird. „Es wird nicht geraucht, vor allem weil der Geruch von kaltem Rauch nicht mit Kuchengeruch harmoniert“, stellt IiF kategorisch fest. Aber sie hat bereits um die Genehmigung für einen Schanigarten auf der Gasse vor dem Lokal angesucht. Und damit wäre dann der Sommer auch für die mehrfach Süchtigen – nach Nikotin und nach Zucker – gerettet.

Fett+Zucker Hollandstraße 16 1020 Wien
Mi bis So 11.00 bis 19.00, www.fettundzucker.at

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an.klang: Achtziger Achterbahn https://ansch.4lima.de/an-klang-achtziger-achterbahn/ https://ansch.4lima.de/an-klang-achtziger-achterbahn/#respond Sat, 02 Jul 2011 08:32:10 +0000 https://anschlaege.at/?p=344 Experimentelle Soundkaskaden statt Soundfolter, Beats wie Peitschenschläge. CHRISTINA MOHR hat ihren Sound für den Sommer gefunden.

 

Man kann es kurz machen: Lady Gagas zweieinhalbtes Album (die EP „Fame Monster“ mitgezählt) Born This Way (Interscope/Universal) ist die reine Soundfolter. Okay, Soundfolter mit ein paar guten Momenten, wie der von Gagas Berlinaufenthalten inspirierten Verballhornung der deutschen Sprache „Scheiße“, dem zähfließenden Dance-Groove auf „Bloody Mary“ und dem Supertext von „Hair“. Der Hit „Born This Way“ erinnert frappierend an Madonnas „Express Yourself“, das sich ebenfalls an Madonna abarbeitende „Judas“ klingt wie ein mittelmäßiger Beitrag für den Eurovision Song Contest. Der Rest ist eine unbarmherzig ballernde Mixtur aus Achtzigerjahre-Rock und trashigem Euro-Techno. Da sich Gaga und ihre Entourage wohl kaum nur zum Rumalbern im Studio einfinden, muss man von Vorsatz und voller Absicht ausgehen. Bleibt die Frage: Warum?

Sie wird mit Grace Jones verglichen, mit Björk und Billie Holiday. Dabei ist die in Ruanda geborene und in Berlin lebende Barbara Panther so einzigartig wie nur wenige andere Künstlerinnen. Sie liebt spektakuläre Verkleidungen, ihre Auftritte bleiben allen im Gedächtnis, die sie jemals live erlebt haben. Die vergangenen Herbst veröffentlichte EP machte neugierig auf ihr Album Barbara Panther (CitySlang), das von Matthew Herbert produziert wurde – der aber zu Panthers Tracks außer ein paar Soundideen nicht viel beizusteuern hatte. Barbara Panther hat nicht nur eine unverwechselbare Stimme, sie schreibt auch tolle Songs im Spannungsfeld von Elektro, Soul und Hip-Hop. Die Single „Empire“ ist eine wütende Abrechnung mit kirchlichem Machtmissbrauch, „Rise Up“ ist ein Weckruf an alle, die es sich in ihren Verhältnissen gemütlich eingerichtet haben. Auf „Voodoo“ fahren die Beats Achterbahn und im romantisch angehauchten „Moonlight People“ kann man sich zu sanften Calypso-Rhythmen wiegen. Barbara Panther ist lustig, gefährlich und unerschrocken: Unsere Frau für diesen Sommer – mindestens!

Der Sound der 1980er-Jahre geistert so stilecht durch viele neue Platten, dass man zuweilen aufs Produktionsdatum gucken muss, um sich nicht zu blamieren. Hurts aus Manchester sind mit ihrem eklektischen Elektropop irre erfolgreich, Acts wie Zola Jesus orientieren sich eher an der Indie-Variante der Achtziger. Auch Katie Stelmanis, Sängerin der queeren kanadischen Band Austra, schöpft aus dem Erbe von Wave und Gothic: Feel It Break (Good To Go / Domino) zeichnet sich durch hypnotische Synthie-Melodien, brummelnde Bässe, Beats wie Peitschenschläge und verzögertes Tempo aus. Stelmanis engelsgleiche Opernstimme macht das Album zur Séance, Austra gehen mit heiligem Ernst zur Sache. Songs wie „Spellwork“ und „Lose It“ klingen, als sänge Joni Mitchell 1982 im Londoner Club Bat Cave. Die Single „Beat and the Pulse“ bleibt das beste Stück der Platte, die Mischung aus spooky Atmosphäre und verführerischer Coolness gelingt Austra nur hier besonders packend.

Wer die amerikanische Musikerin Erika M. Anderson alias EMA von ihren ehemaligen Bands Amps for Christ und Gowns kennt, könnte ihr Solodebüt beinah gefällig finden. Das ist es natürlich nicht, aber durchaus zugänglicher als der Riot-Grrrl-Noise-Folk früherer Tage. Der sieben Minuten lange Opener „The Grey Ship“ ist ein Prüfstein: Entweder man bleibt fasziniert dabei oder verabschiedet sich danach, weil man ahnt, dass Past Martyred Saints (Souterrain Transmissions / Rough Trade) zu viel von einem verlangt. Eventuelle Vergleiche mit Cat Power und PJ Harvey sind nicht falsch, aber EMA ist keine Epigonin. Dass EMA nach Los Angeles zog, weil sie „Welcome to the Jungle“ von Guns’n’Roses wirklich mochte und dass sie unlängst Supportact für Throbbing Gristle war, sind wichtige Puzzleteile im Gesamtbild EMA. Sie verknüpft grungy Gitarren-Feedbackorgien mit bittersüßem Girlpop, experimentelle Soundkaskaden mit minimalistischem Folk. „Breakfast“ ist bis aufs Gerippe ausgezogener Gospel, zum psychedelischen „Marked“ kann man – mit den richtigen Drogen – sogar tanzen. EMA ist eine grandiose Songwriterin, die kein Interesse daran hat, dass man ihre Lieder mitsingt.

Links:
www.lady-gaga.de
www.myspace.com/barbarapanther
www.myspace.com/austra
www.cameouttanowhere.com (EMA)

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an.sehen: Kicken für Kim https://ansch.4lima.de/an-sehen-kicken-fur-kim/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-kicken-fur-kim/#respond Fri, 01 Jul 2011 08:29:30 +0000 https://anschlaege.at/?p=342 Frauen, Fußball, Führerstaat: Der Doku-Film „Hana, dul, sed …“ ist alles andere als sensationslüstern. Von VINA YUN

 

„Wenn man das Spielfeld betritt, dann ist es, als ob das Herz weit wird und als ob man in jede Welt eintreten könnte“, beschreibt Hyang-Ok Ri das Hochgefühl, mit dem sie ins Stadion einläuft. Bis 2004 war Ri Mittelfeldspielerin des nordkoreanischen Fußballnationalteams, heute ist sie als eine von vier FIFA-Schiedsrichterinnen Nordkoreas aktiv. Sie und drei weitere Ex-Profi-Kickerinnen sind die Protagonistinnen der Dokumentation „Hana, dul, sed …“ (Koreanisch für „Eins, zwei, drei“), dem Erstlingswerk von Regisseurin Brigitte Weich. Die anderen drei: Mi-Ae Ra, ehemalige Verteidigerin und glühender Maradona-Fan („Er ist kaum größer als ich und wird weltberühmt? Okay, das kann ich auch!“), die frühere Goalkeeperin Jong-Hi Ri, die für ihre Baby-Tochter schon mal das Fußball-Trikot herrichtet („Vielleicht wächst sie da hinein und wird eine Torfrau“), sowie Pyol-Hi Jin, vormals Stürmerin und Top-Torjägerin („Mir war es immer das Wichtigste, dem General Freude zu bereiten“).

In Sachen Frauenfußball gehört Nordkorea zur internationalen Spitze. Nach ihren Erfolgen bei den Asienmeisterschaften 2001 und 2003 wurden die nordkoreanischen Fußballerinnen in ihrer Heimat als Superstars gefeiert, die für ausverkaufte Stadien sorgten – anderswo alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wie Co-Regisseurin Karin Macher in den Produktionsnotizen anmerkt: „Die deutschen Fußballerinnen, die Weltmeister sind, machen Werbung für Damenbinden.“ Die verpatzte Olympia-Qualifikation 2004 in Athen (mit einer 0:3-Niederlage gegen die einstige Kolonialmacht Japan) beendete die Laufbahn der Fußball-Profis jedoch jäh: Umgehend wurden sie gegen jüngere Spielerinnen ausgetauscht.

„Chefsache“ Frauenfußball. Gleich in der Eröffnungssequenz verdeutlichen zwei Zitate das von Widersprüchen durchzogene gesellschaftliche Kräftefeld, in dem sich die Sportlerinnen bewegen. Kim Il-Sungs Satz „Große Ideologie erschafft große Zeiten“ wird der berühmte Ausspruch von Simone de Beauvoir gegenübergestellt: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“ Denn im nordkoreanischen Frauenfußball, der in den 1980ern „von oben“ verordnet wurde, manifestiert sich nicht nur absolute Regimetreue, wie sie sich in der Verehrung für den derzeitigen „Geliebten Führer“ Kim Jong-Il äußert. Ebenso lässt sich an ihm die wandelbare Interpretation der Geschlechterrollen exemplarisch festhalten: Während Nordkoreas Propaganda Frauen als „Blumen“ besingt darf am Spielfeld sehr wohl geschwitzt und gespuckt werden – solange der Körpereinsatz im Namen der Nation erfolgt.

Trotzdem: Um ganz sicher zu gehen, lässt der Coach die Spielerinnen nicht nur am Rasen, sondern auch am Herd trainieren – auf dass sie sich nach ihrer Fußball-Karriere zu guten Hausfrauen wandeln mögen.

Auch wenn einige Rezensionen behaupten, „Hana, dul, sed …“ sei kein Fußball-Film – er ist es wohl: Schließlich fungiert gerade das Fußballfeld auch als Bühne, auf der Politik mit den Mitteln des Sports gemacht wird, sei es im Namen der Nation oder, wie in diesem Fall, als eine Form der persönlichen Befreiung aus gesellschaftlichen Konventionen.

Vertrautes und Fremdes. Die Bilder über Nordkorea, wie sie in den hiesigen Medien kursieren, illustrieren mit den Aufnahmen von Massenchoreografien, sozialistischen Prestigebauten und monumentalen Statuen vor allem den patriarchalen Führerkult im Land. Auch „Hana, dul, sed …“ kommt nicht gänzlich ohne diese visuellen Inszenierungen aus, jedoch überlässt der Film das Kinopublikum nicht, wie sonst üblich, der bloßen Faszination und dem Befremden. Die Kamera (wunderbar geführt von Judith Benedikt) begleitet die Frauen auf dem Weg zur Arbeit, beim Zoo-Besuch, im Kindergarten, beim Friseur. Es ist der mehr oder weniger „normale“ Alltag der vier Genossinnen, über den sich die Regisseurin der Realität in Nordkorea annähert. Armut ist – wenig überraschend – keine zu sehen, und doch lässt sie sich zwischen dem Gezeigten erahnen. Für ihre Dokumentation war Brigitte Weich auf die Kooperation mit Korfilm, der staatlichen Filmagentur Nordkoreas, angewiesen – was ihr auch die Kritik einbrachte, sich von der dortigen Propagandamaschinerie einspannen zu lassen. In ihrem Regie-Statement erklärt Weich: „Für mich waren die Restriktionen bereits ein Teil der Geschichte: Wir wollten nicht zeigen, was wir in Nordkorea sehen, wir wollten sehen, was diese Frauen uns zeigen.“

„Hana, dul, sed …“ (A 2009) läuft derzeit in den österreichischen und deutschen Kinos. www.hanadulsed.com

WM-Tipp: Am 28. Juni spielt Nordkorea bei der Fußball-WM gegen den „Erzfeind“ USA in Dresden.

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