I / 2018 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 05 Feb 2018 14:29:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png I / 2018 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.sage: Macht uns glücklich! https://ansch.4lima.de/an-sage-macht-uns-gluecklich/ https://ansch.4lima.de/an-sage-macht-uns-gluecklich/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:29:44 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9318 Ein Appell von LEA SUSEMICHEL]]>

Ein Kommentar von LEA SUSEMICHEL

 

Feminismus wurde 2017, in dem Jahr, das mit den Women’s Marches begann und mit #MeToo endete, in den USA zum Wort des Jahres gekürt. Zeit wird’s! Oder besser: Time’s up, wie die neue Hollywood-Kampagne gegen Sexismus und sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz heißt.
2018 feiern wir, das feministische Magazin an.schläge, unser 35-jähriges Bestehen. Zugleich kämpfen wir darum, dass es nicht unser letztes Jahr sein wird. Unter der schwarz-blauen Regierung wollen wir unabhängig  von Bundesförderungen sein – das kann überlebenswichtig sein. Feminismus war selbstverständlich in jedem einzelnen dieser vergangenen 35 Jahre das zentrale Wort für uns. Der Begriff hat über diesen Zeitraum einige Konjunkturen erlebt, hat sich vom Achselhaar-Latzhosen-Ekelwort zu einem Statement gemausert, das sich mittlerweile sogar auf H&M-Shirts verkaufen lässt. Zur selbstbewussten und selbstverständlichen Selbstbezeichnung ist „feministisch“ aber leider bis heute nicht geworden.
Ich bin nun bald 15 Jahre an.schläge-Redakteurin und habe als Reaktion auf meinen Job schon so viel Übles erlebt, dass ich mich an schlechten Tagen dabei ertappe, auf die Frage nach meinem Beruf irgendwas von „journalistischem Bereich“ zu nuscheln und schnell das Thema zu wechseln. Denn in der Kindergarten-Garderobe oder beim Nachbarschaftsplausch im Stiegenhaus wirkt die wahrheitsgemäße Antwort „Ich bin Redakteurin beim feministischen Magazin an.schläge“ (wie oft ich in solchen Situationen den militanten Namen verflucht habe!), als hätte ich gesagt: „Ich arbeite im Pornobusiness.“ Betretenes Schweigen zählt zu den angenehmeren Reaktionen.
Symbolisches Kapital lässt sich mit diesem Job also ebenso wenig scheffeln wie ökonomisches – und trotzdem liebe ich ihn leidenschaftlich. „Wozu das alles eigentlich?“, frage ich mich freilich dennoch dann und wann, in Phasen chronischer Überarbeitung etwa oder auch während ermüdender innerfeministischer Querelen. Ist feministischer Journalismus nicht sowieso nur ein preaching to the converted? Haben wir denn mit unserem Magazin auch nur einen einzigen Antifeministen für Geschlechtergerechtigkeit gewinnen können?

 

 

Bislang hat sich diese Sinnfrage für mich zum Glück immer noch befriedigend beantworten lassen. Denn dass feministische Medien nicht nur selbstreferenzielle Special-interest-Spielwiesen sind, sondern gesellschaftspolitisch wirksam, ist nicht nur meine felsenfeste persönliche Überzeugung. Die besondere Relevanz feministischer Medien ist auch medienwissenschaftlich plausibel. „Feministische Medien öffnen Türen im engen Meinungskorridor des publizistischen Male- und Mainstreams“, attestierte etwa die Medienwissenschaftlerin Elisabeth Klaus in einem an.schläge-Kommentar. Sie „sind eine Mobilisierungsressource nach innen wie nach außen“.
„Nach außen“ bedeutet, dass es die originäre Aufgabe feministischer Medien ist, die sexistische Normalität zu skandalisieren. Dies immer und ausnahmslos zu tun, und eben nicht nur während kurzlebiger Medienhypes. Gemeinsam mit allen linken Medien liegt es zudem in ihrer journalistischen Verantwortung, gegen die Normalisierung rechter Regierungen weltweit anzuschreiben, hierzulande entschlossen nun auch gegen Kurz, Strache und Kickl. Innerhalb der linken Medienlandschaft kommt uns dabei noch zusätzlich die zentrale Rolle des feministischen Gewissens zu, damit sexistische, aber auch rassistische und andere Diskriminierungsformen beim linken Kampf für eine bessere Welt nicht wieder zum „Nebenwiderspruch“ werden. Denn trotz (oder vielmehr wegen?) seiner jüngsten Popularität ist der Feminismus gegenwärtig von zwei Seiten unter Beschuss – von rechts und von links. Viele Linke wollen sich angesichts der globalen Misere nämlich wieder auf die Kernforderung nach sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit besinnen, statt sich durch vermeintliche „Partikularinteressen“ wie Feminismus oder Black Liberation spalten zu lassen.
Doch neben dieser Funktion nach außen ist jene „nach innen“ mindestens ebenso wichtig. Feministische Medien haben auch die ehrenvolle Aufgabe, der Selbstvergewisserung, der weltweit mächtigsten sozialen Bewegung zu dienen. Einer Bewegung, die letztes Jahr eindrucksvoll bewiesen hat, dass mit ihr zu rechnen ist.
Anlässlich einer großen an.schläge-LeserInnenbefragung zu unserem 30-jährigen Bestehen war deshalb die wohl schönste Rückmeldung, die wir bekamen (und es gab viele zu Tränen rührende Antworten): „Ihr macht mich glücklich!“
Lasst uns also bitte die ganze Welt glücklich machen. Und besser machen. Bestellt euch ein Abo.

www.anschlaege.eu

 

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heimspiel: Sexualerziehungs-Zuckerl für Schulen https://ansch.4lima.de/heimspiel-sexualerziehungs-zuckerl-fuer-schulen/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-sexualerziehungs-zuckerl-fuer-schulen/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:25:54 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9333 "My Fertility Matters" als neue Sexualkunde im Unterricht. Von THEO HOFFNUNGSTHAL]]>

leben mit kindern

 

Wenn die katholische Kirche, phobische Sexualpädagog*innen und ein Pharmakonzern sich in Bayern zu einem flotten Dreier zusammenfinden, kommt das dabei raus, – eine deutschland- und österreichweite weiße-hetero-binäre-Reproduktions-Veraufklärung.
My Fertility Matters” heißt das Programm, das nun „Mädchen und Jungen in die Pubertät begleiten” will und Workshops an Schulen anbietet.
Ich bin froh, dass unserer Tochter* das MFM-Mitmachtheater „KörperWunderWerkstatt“ in ihrer vierten Klasse erspart bleibt. Ihre andere Mutter* hat Eltern und Lehrerin* überzeugt, sich gegen den fast schon gebuchten Workshop auszusprechen.
Die MFM-Dreifaltigkeit (1) preist ihre Sexkunde als progressive Körperkompetenz bildende Vertiefung zum Biologieunterricht an, kann dabei jedoch nicht über ihren weißen binären Schatten springen und verkauft stur tradierte hetero Zwei-Geschlechter-Körperbilder als funktionierende Reproduktionsapparaturen. „Sich nicht vor der Fruchtbarkeit schützen, sondern sie zu beschützen!“ – so der Leitspruch, der vor allem durch eine „wertschätzende Sprache“ von den Kids verinnerlicht werden soll. Die Östrogene werden so zu den „besten Freundinnen der Frau“ (ich habe meine Androgene eigentlich viel lieber!) – und die Gebärmutter ist die „Bühne des Lebens“. Wo spielt nochmal die Musik? Im Großraum Klitoris, Anus, Finger, Ohrläppchen, Zehenzwischenraum, im Kopf oder lieber vorerst gar nicht?
Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Körper, -Identitäten und Sexualitäten existieren – auf explizite Nachfrage – nicht im Programm, weil sie die Schüler*innen „verunsicherten“.
Mit so einem klerikalen Apotheken-Cocktail werden die Lebensrealitäten und das Wissen von zum Beispiel muslimischen und jüdischen Schüler*innen einfach runtergespült. Und progressiv vertiefen lassen sich mit MFM nur die ohnehin im staatlichen Unterricht verordneten Rassismen, Homophobien und Körpernormierungen.

 

Theo Hoffnungsthal ist pendelnde Mutter* zwischen zwei Ländern und bedankt sich bei ihrer Ex für ihre Überzeugungsarbeit und Suche nach wertschätzender Sexpädagogik vor Ort und für ihre Nerven aus Stahl.

 

(1) Klerus, Homo-/Bi-/Trans-/Inter-Phobie und Boehringer Ingelheim GmbH & Co KG

 

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Küchenexhibitionismus https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kuechenexhibitionismus/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-kuechenexhibitionismus/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:23:49 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9335 Illustration: Nadine KappacherMeine Nachbarin hat ihr Fenster geschlossen, weil mein Orgasmus sie beim Sonntagsfrühstück gestört hat. Von DAPHNE DANOWSKI]]> Illustration: Nadine Kappacher

eine lady genießt und schreibt

 

Gestern haben wir es in der Küche gemacht. Lukas kam zur Tür hinein und hat mich ausgezogen – wie immer einfach so, ohne zu fragen (Das ist Konsens bei uns. Ich darf das auch). Hose runtergezogen, Höschen zur Seite geschoben und mich auf Knien mit der Zunge verwöhnt. Total heiß war ich. Dann sein liebevoller Befehl: „Dreh dich um!“, meine Arme landen auf dem Tisch, ich stütze mich ab, ich stöhne schon, bevor ich von hinten etwas Festes in mir spüre. Gänsehaut und heiß-kalte Beben gehen durch meinen Körper.
Mein Blick zum Fenster erinnert mich daran, dass in der Nachbarsküche, im Haus gegenüber, auch wer ist. Ich sage: „Warte, Baby, ich muss erst …“, doch Lukas hat meine Lust schon so angeheizt, dass es mir mittlerweile egal ist, wer meine neue Nachbarin ist und ob die Jalousien unten sind. Sowieso und eigentlich: Ich mag es, wenn mir wer zusieht.
Vor zwei Wochen nämlich, als die Frau Nachbarin mit ihrem Partner dort einzog und ich mit Luise eine erotische Fesselsession hatte und sich mir Nat in unserem verrückten Königin-Untergebene_r-Rollenspiel unterwarf, deuchte es mir, als sähe sie meiner Chefin Frau Dr. Bellheim zu ähnlich.
Und nicht zuletzt als ich Lukas mit meinem pinken Dildo beglückte. Ich hatte mich damals gefragt, ob meine Nachbarin mich wohl genauso sexy mit meinem neuen Strap-on findet, wie ich mich darin fühle?
Nachdem ich in allen möglichen Stellungen bei offenem Fenster der Lust gefrönt hatte, hatte ich angefangen, mich mit meinen zurückhaltenden Nachbarn abzufinden. Sie sind nämlich langweilig im Gegensatz zu den vorigen: Ein lesbisches Paar, das mir hin und wieder zugewinkt hat – ihre Orgasmen haben meinen Pornokonsum erübrigt.
Heute schlendere ich gedankenverloren in meinem Viertel herum, dabei streift mein Blick über das Klingelschild meiner Nachbarn. Da steht in großen Lettern: BELLHEIM. Ich gehe weiter. Stopp. Ein Schritt zurück. BELLHEIM: WTF. Meine Chefin! Sie ist es doch!
Meine Chefin hat ihr Fenster geschlossen, weil mein Orgasmus sie beim Sonntagsfrühstück gestört hat. Meine Chefin hat gerade Geschirr gespült, während ich es auf dem Küchentisch getrieben habe und sie dabei angeschaut habe. Meine Chefin weiß alles.

 

Daphne Danowski verspricht euch ab jetzt ungeschönte Sexstories aus dem Leben einer perversen pan- und polysexuellen Femme.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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Feminist Superheroines: Tove Jansson https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-tove-jansson/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-tove-jansson/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:20:57 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9337 Illustration: Lina WaldeDie finnische Schriftstellerin und Illustratorin erfand die Mumin-Comicbücher. Von HANNAH SÜSS]]> Illustration: Lina Walde

Tove Jansson (1914–2001) war eine finnische Malerin, Schriftstellerin und Illustratorin. Nach ihrem Kunststudium arbeitete sie als Karikaturistin für eine satirische Zeitschrift, für die sie politische und antifaschistische Illustrationen entwarf. Mit der Veröffentlichung ihrer Mumin-Comicbücher ab 1945 wurde Jansson schlagartig berühmt und begeisterte mit den skurrilen nilpferdartigen Figuren ihrer fabelhaften Mumin-Welt Kinder wie auch Erwachsene. Nach mehreren Beziehungen mit Männern lebte sie ab 1955 bis zu ihrem Tod mit ihrer Partnerin Tooti in einer lesbischen Beziehung. Beide Frauen gingen sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinsam ihren künstlerischen Tätigkeiten nach.

 

Illustration: Lina Walde, http://www.linawalde.org
Illustration: Lina Walde

 

 

 

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an.künden: Kampf um Anerkennung https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kampf-um-anerkennung/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kampf-um-anerkennung/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:16:42 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9345 © Die ArmutskonferenzDie 11. Österreichische Armutskonferenz findet in Salzburg statt.]]> © Die Armutskonferenz

Zum elften Mal wird im Zuge der Armutskonferenz breitgefächert und intensiv über Armut diskutiert. Unter dem diesjährigen Motto „Achtung – Die Bedeutung von Anerkennung im Kampf gegen Ungleichheit, Ohnmacht und Spaltung“ soll die Abwertungsspirale und das Ringen nach Anerkennung, Wertschätzung und Würde zum Thema gemacht werden. Gleichzeitig wird Bezug auf eine langjährige Tradition an theoretischen Beiträgen und Debatten in Armuts- und Verteilungsforschung genommen, wichtig ist dabei stets der Bezug auf die unmittelbaren Erfahrungen von Menschen mit Armuts- und Ausgrenzungserfahrungen.

 

5.–7.3.: 11. Österreichische Armutskonferenz
Bildungs- und Konferenzzentrum St. Virgil
5026 Salzburg, Ernst-Grein-Straße 14
www.armutskonferenz.at

 

© Die Armutskonferenz
© Die Armutskonferenz

 

 

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an.künden: Filme zum Reflektieren https://ansch.4lima.de/an-kuenden-filme-zum-reflektieren/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-filme-zum-reflektieren/#respond Mon, 05 Feb 2018 14:10:06 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9343 © Amazona FilmstillDie FrauenFilmTage 2018 nehmen Fokus auf lateinamerikanisches Filmschaffen.]]> © Amazona Filmstill

Seit 2004 bieten die FrauenFilmTage eine Plattform für Filmemacherinnen. Dieses Jahr wurde der Schwerpunkt auf lateinamerikanische Filmemacherinnen gelegt. Gezeigt wird u. a. der Film „Amazona“, in dem die Dokumentarfilmerin Clare Weiskopf ihre Mutter Val im kolumbianischen Urwald besucht, um sie mit ihren alten Verletzungen zu konfrontieren. Die diesjährige Personale ist der Casterin Lisa Oláh gewidmet. So wird mit dem Casting endlich einem oftmals wenig beachteten Teil der Filmproduktion gebührend Aufmerksamkeit geschenkt. Weitere ausgezeichnete Film stehen auf dem Programm, u. a. „Wild Roses“ von Anna Jadowska.

1.–7.3.: FrauenFilmTage
Stadtkino im Künstlerhaus, 1010 Wien, Akademiestraße 13
www.frauenfilmtage.at

 

© Amazona Filmstill
© Amazona Filmstill

 

 

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an.sehen: Everybody’s Darling? https://ansch.4lima.de/an-sehen-everybodys-darling/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-everybodys-darling/#comments Mon, 05 Feb 2018 13:58:07 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9331 She's Gotta Have It © David Lee NetflixPolyamore Pansexualiät in der Netflix-Serie „Nola Darling“. Von HANNAH SÜSS]]> She's Gotta Have It © David Lee Netflix

Die neue Netflix-Serie „Nola Darling“ besticht mit einer sex-positiven, polyamourösen und pansexuellen weiblichen Hauptfigur. HANNAH SÜSS hat die zehn Folgen gesehen.

 

„As a sex-positive polyamorous pansexual, monogamy never even seemed like a remote possibility“, erklärt Nola ihrer Therapeutin. Nola Darling, die Heldin aus Spike Lees gleichnamiger Netflix-Serie, ist Ende zwanzig, lebt als Malerin in Brooklyn und hat nicht die Absicht, sich für ihr Liebesleben zu rechtfertigen. Stattdessen ist die selbstbewusste woman of color ständig damit beschäftigt, ihre Liebhaber*innen, ihre Kunst und das Geld für ihre Miete zu jonglieren.
„Nola Darling“ basiert auf Spike Lees 80er-Jahre-Kultfilm „She’s gotta have it“ und wurde von Lee in Kollaboration mit seiner Schwester Joie Lee und den Autorinnen Radha Blank, Eisa Davis und Lynn Nottage für Netflix als zehnteilige Serie ins Jahr 2017 versetzt.

Kein Hipster-Leben. Neben einer außergewöhnlichen weiblichen Hauptfigur, gespielt von DeWanda Wise, überzeugt „Nola Darling“ auch auf inhaltlicher Ebene. Die Serie verhandelt eine Vielzahl relevanter gesellschaftspolitischer Themen wie die Trump-Regierung, die Black-Lives-Matter-Bewegung oder sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Vor allem bei der Darstellung von Letzterem war Lee bemüht, einen Fehler seiner Filmvorlage auszumerzen. Darin wird Nola von einem ihrer Partner vergewaltigt, gesteht diesem jedoch kurz darauf ihre Liebe. Statt Vergewaltigung zu verharmlosen, wird im Serien-Remake jedoch die schwierige Bewältigung von Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt betont.
Als Nola nachts auf der Straße von einem Mann attackiert wird, veranlasst sie diese traumatische Erfahrung zu einer feministischen Streetart-Aktion, in der sie Plakate mit variierenden Nachrichten wie „My Name isn’t Honey“ in Brooklyn verteilt. Ein chauvinistischer Backlash lässt nicht lange auf sich warten und Nolas Plakate werden schließlich übersprüht.
Auch die Problematik zunehmender Gentrifizierung und astronomisch steigender New Yorker Mietpreise wird in „Nola Darling“ explizit thematisiert, im Gegensatz zu anderen Serien, deren twenty-something Protagonist*innen scheinbar selbstverständlich stylish eingerichtete Hipster-Appartements bewohnen, ohne dass sich je die Frage nach deren Finanzierung stellt. In diesem Zusammenhang wird in der Serie auch auf den strukturellen Rassismus gegen people of color eingegangen, der sich rund um das Thema Gentrifizierung deutlich offenbart.

 

She's Gotta Have It © David Lee Netflix
She’s Gotta Have It © David Lee Netflix

 

Poly und pan mit male gaze? Nola lebt polyamor und hat eine ganze Reihe an Partner*innen vorzuweisen: den großmäuligen Fahrrad-Freak Mars, den bodenständigen Geschäftsmann Jamie, den narzisstischen Fotografen Greer und die toughe alleinerziehende Mutter Opal. Nolas Beziehung zu ihren männlichen Verehrern steht in der Serie jedoch sichtbar im Fokus, weshalb die Darstellung von Pansexualität eher als hetero-flexibel ausfällt. Auch Sibel Schick wirft deshalb in der „taz“ zu Recht die Frage auf, inwiefern Nolas polyamouröse Pansexualität womöglich aus einer dezidiert männlichen Perspektive erfolgt.
Obwohl Nola facettenreich und komplex gezeichnet ist, wirkt ihre Figur oftmals stark überzeichnet und affektiert, was eine Identifikation mit ihr erschwert. Auch gelingt es nicht immer Verständnis für ihre Handlungen aufzubringen, denn häufig erscheint Nola in ihren Entscheidungen eher egozentrisch als unabhängig.
Dennoch macht „Nola Darling“ vieles richtig und bleibt eine in gleichen Maßen unterhaltsame wie feministisch relevante Serie, die außerdem mit einem tollen Soundtrack aufwarten kann. Eine selbstbewusste weibliche Hauptfigur of color, wie sie Nola trotz berechtigter Kritik darstellt, ist auch in der heutigen Medienlandschaft noch immer keine Selbstverständlichkeit. Hoffen wir also, dass uns das kommende Jahr noch mehr solch starker Frauen*figuren beschert, die uns das Binge-Watching auf feministische Weise versüßen. Gerne auch noch ein wenig radikaler!

 

Hannah Süss studiert Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien.

 

Nola Darling
zehn Folgen
USA, veröffentlicht auf Netflix im November 2017
Regie: Spike Lee

 

 

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„Die spannendste Zeit, auf der Welt zu sein!“ https://ansch.4lima.de/die-spannendste-zeit-auf-der-welt-zu-sein/ https://ansch.4lima.de/die-spannendste-zeit-auf-der-welt-zu-sein/#respond Mon, 05 Feb 2018 13:42:13 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9329 Jeanette Winterson © Sam Churchill Interview: JEANETTE WINTERSON zeigt Kampfgeist. Von IRMI WUTSCHER]]> Jeanette Winterson © Sam Churchill

JEANETTE WINTERSON wurde in den 1980ern berühmt mit ihrer Coming-Out-Geschichte „Orangen sind nicht die einzige Frucht“, die inzwischen im Gender-Studies-Seminar analysiert wird. Auch IRMI WUTSCHER bekam den Roman einst auf der Uni zu lesen und erfährt nun im Interview mit der optimistischen Autorin, warum wir unbedingt weiterkämpfen müssen.

 

„Orangen sind nicht die einzige Frucht“, Wintersons erster Roman, handelt von einer jungen Frau, die als adoptiertes Kind in einer evangelikalen Freikirche aufwächst. Und die von dieser fundamentalistischen Gemeinschaft ausgeschlossen wird, als sie sich in eine Frau verliebt. Vieles davon deckt sich mit Jeanette Wintersons tatsächlicher Biografie. Allerdings kann man Winterson nicht auf lesbische Coming-Out-Literatur reduzieren, denn sie erforscht auch viele andere Formen von Begehren und Sexualität.
Das Thema der „Orangen“ hat sie 2011 noch einmal in ihrer Autobiografie „Warum glücklich, statt einfach nur normal?“ verarbeitet. Erzählt ihr Erstlingsroman noch die Geschichte einer Befreiung, geht die Autobiografie stärker auf die schmerzvollen Dinge ein: die Kämpfe mit der fanatischen Mutter, das Gefühl des Verlorenseins, weil sie adoptiert ist.

an.schläge: Ihr erster Roman handelt von ihrem Coming-Out. Ist es wichtig darüber zu schreiben, waren Sie da ein Vorbild?

Jeanette Winterson: Ja. Allerdings war das gar nicht der Gedanke dahinter. Ich war damals jung, 24, und ich schrieb einfach das Buch, das ich schreiben musste. Jetzt, dreißig Jahre später, ist
es großartig, Teil dieser Veränderung gewesen zu sein. Deswegen sage ich jungen Menschen immer: Seid Teil der Veränderung, die ihr selbst sehen möchtet! Wir haben schon so viel geschafft: Sklaverei wurde abgeschafft, Frauen haben das Wahlrecht, es gibt Toleranz gegenüber LGBTIs … Wir können immer Dinge voranbringen – niemand ist machtlos!

Müssen wir nicht auch wachsam sein, dass Dinge sich nicht wieder zurückentwickeln? Gerade wenn wir auf die rechtsgerichteten Regierungen in den USA und Europa blicken?

Wir können immer verlieren, was wir schon erreicht haben. Die Welt ist toleranter geworden – und für junge Menschen fühlt es sich vielleicht an, als wäre sie das immer gewesen. Deswegen ist Geschichtsunterricht in der Schule wichtig! Damit wir wachsam sind und unsere Freiheiten und unsere Demokratie beschützen. Eine Freundin von mir kommt aus Pakistan. Sie sagt, wenn du in einer Militärdiktatur großgeworden bist, dann kennst du Dinge wie Zensur, Überwachung, das langsame Unterminieren der persönlichen Freiheit. Wenn du in einer Demokratie lebst, bemerkst du das vielleicht nicht, bis es zu spät ist. Die sieht hier jetzt viel, was in Pakistan passiert ist: ein Zumachen, durch das diejenigen bestraft werden, die anders leben wollen. Mein dummes Land (Anm: Großbritannien) hat zum Beispiel für den Brexit gestimmt. Also ja, wir müssen kämpfen!

Die Wahlerfolge rechter Parteien unter ArbeiterInnen werden oft damit erklärt, dass diese sich nicht wahrgenommen fühlen von der Politik. Sie beschreiben in Ihrer Autobiografie das Leben der ArbeiterInnenschaft in Nordengland in den Siebzigerjahren. Was denken Sie über solche Erklärungsmuster?

Ja, ich komme aus der Arbeiterklasse. Und die Arbeiterklasse hat ihre Jobs seit den Siebzigern verschwinden sehen. Das wird mehr, je stärker die Automatisierung um sich greift. Auch Mittelklasse-Jobs werden verschwinden. Niemand weiß, was dann passiert. Ich denke, das könnte etwas Gutes sein. Denn das beendet das Gefühl einer entrechteten oder übersehenen Arbeiterklasse, weil sich die ganze Idee von Arbeit für immer geändert hat! Dann können wir uns vielleicht auf ganz andere Art zusammentun. Ich liebe zum Beispiel die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Denn ich denke, dass der Kapitalismus unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen wird. Und wenn niemand mehr Geld hat, um sich Dinge zu kaufen, was passiert dann? Für junge Menschen ist jetzt die spannendste Zeit, auf der Welt zu sein!

Oder die schrecklichste.

Natürlich, es ist wirklich beängstigend! Der Grund für den Backlash ist, dass die Reichen und die, die so lange an der Macht waren, diese Änderung spüren! Die haben Angst und wissen nicht, was sie tun sollen. Das ist der Moment für alle anderen, weiter voranzudrängen und zu kämpfen.

 

Jeanette Winterson © Sam Churchill
Jeanette Winterson © Sam Churchill

 

Zurück zu Ihrer Autobiografie: Sie behandelt das gleiche Thema wie die Orangen. Ich hatte aber das Gefühl, sie ist dunkler, trauriger …

Ja, sie ist dunkler! In meinem Werk findet sich sonst viel Comedy. Ich finde, die Leute müssen mehr lachen, auch über schreckliche Dinge. Ich habe viel Humor, ich lache oft über mich selbst, wenn ich wieder mal ein Idiot war. Aber im Buch „Warum glücklich, statt einfach nur normal?“ – der Satz, den meine Mutter mir an den Kopf warf, als ich zu Hause auszog, weil ich mich in ein anderes Mädchen verliebt hatte –, geht es um das Leid und die Selbstzweifel, die alle jungen Menschen durchmachen. Das Gefühl, entfremdet zu sein von der Welt. Das ist Teil des Erwachsenwerdens, wir alle haben das! Das sollten jungen Menschen wissen: Das Leben ist schwierig, das Leben ist kompliziert, das Leben ist nicht Facebook, wo alle eine super Zeit haben. Vielleicht sollten wir das mehr sagen!

Sie schreiben auch über Ihre psychische Erkrankung als etwas, das man überstehen kann. Wie war es für Sie, darüber zu schreiben?

Ich denke, alle von uns kämpfen zu gewissen Zeitpunkten ihres Lebens mit verschiedenen Graden psychischer Erkrankung. Die Gefährlichen sind die, die es nicht wissen! Donald Trump etwa ist psychisch erkrankt: Er besitzt keinerlei Empathie – das ist Zeichen einer psychischen Erkrankung! Die Gefährlichen sind die, die sagen: „Mir geht’s gut!“ Weil: Es geht uns nicht gut. Geistige Gesundheit ist oft fragil und veränderlich. Menschen verlieren ihren Job, den_die Partner_in, ein Kind … Niemand geht durchs Leben ohne Traumatisierungen! Wir wären eine bessere, stärkere, geistig gesündere Welt, würden wir das anerkennen. Viele Menschen, die mit psychischer Krankheit kämpfen, haben interessante Arbeiten und gute Dinge geschaffen! Wir sollten nur nicht Leute unter Medikamente setzen und so tun, als gäbe es das alles nicht. Wir können damit arbeiten, nicht dagegen! Und einen Weg zur Heilung finden.

Ich habe das erste Mal ein Buch von Ihnen an der Uni gelesen, in einem Women’s-Studies-Seminar. Wie stehen Sie dazu, dass Ihre Werke unter „feministischer Literatur“ oder „Frauenliteratur“ in den Kanon eingehen?

Ich hasse Schubladisierungen jeglicher Art. Früher wurde ich über so etwas wütend. Männer glauben ja, sie schreiben für alle, und Frauen schreiben nur für verschiedenste Untergruppen von Frauen. Männer lesen tatsächlich keine Bücher, die von Frauen geschrieben wurden! Weil sie arrogant sind und denken, dass Frauen nichts Interessantes zu sagen hätten. Dieses Problem schaffen wir nur langsam aus der Welt. Ich bin aber wirklich stolz, ein Teil des Feminismus und der Equal-Rights-Bewegung zu sein! Ich stehe gerne auf einer Plattform mit allen, die sich nicht gehört, missverstanden, unterdrückt fühlen … Und wenn meine Bücher da auch hingehören, ist das okay. Wenn ein paar dumme, weiße Typen das nicht kapieren, kümmert mich das? Nein!

 

Irmi Wutscher ist Journalistin bei Radio FM4.

 

Jeanette Winterson: Wunderweiße Tage. Zwölf winterliche Geschichten.
Wunderraum 2017.

 

 

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Mommy Wars, my ass https://ansch.4lima.de/mommy-wars-my-ass/ https://ansch.4lima.de/mommy-wars-my-ass/#comments Mon, 05 Feb 2018 13:18:52 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9327 Dieses Cover brachte die hitzige Debatte um Attachment Parenting ins Rollen. © samchills, flickrIst Attachment Parenting feministisch? VON CORNELIA GROBNER]]> Dieses Cover brachte die hitzige Debatte um Attachment Parenting ins Rollen. © samchills, flickr

Attachment Parenting ist längst auch außerhalb von Elternratgebern zu einem Reizwort geworden. Der bindungsorientierten Erziehungslehre wird wahlweise zugeschrieben, feministisch oder antifeministisch zu sein. Der Versuch einer Klärung von CORNELIA GROBNER

 

Stereotype sind hartnäckig. Ein Bild, das in den letzten Jahren zwar aufgeweicht wurde, aber nach wie vor existiert, zeichnet Feminist_innen als anti-familiäre Mutterschaftsgegnerinnen. Dieses Bild hat sich besonders in der zweiten Welle des Feminismus ab den 1960er-Jahren geformt. Ikonen wie Simone de Beauvoir riefen Frauen dazu auf, sich vor der Mutterschaft zu hüten. Eine von Beauvoirs geistigen Nachfolgerinnen, Élisabeth Badinter, die in den 1980er-Jahren einen wichtigen Beitrag zur Dekonstruktion des Muttermythos geleistet hat, kritisierte erst in jüngerer Vergangenheit das Diktat der weiblichen „Natur“ in Elternschaftsfragen: Die Glorifizierung der aufopfernden Mutterrolle untergrabe die hart erkämpften Freiheiten für Frauen, so die Philosophin. Langzeitstillen und die augenblickliche und ausnahmslose Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse durch die Mutter werden aus dieser Perspektive zu feministischen Feindbildern par excellence.

Konstruierte Gräben. Die Erziehungsphilosophie, deren Methodik elementar auf eben diesen Leitsätzen aufbaut, wird Attachment Parenting (1) genannt. Sie ist tonangebend im gesamten Alltag der Eltern, da das Konzept voraussetzt, dass zwischen ihnen und den Kindern in den ersten Lebensjahren eine intensive körperliche Nähe besteht – rund um die Uhr. In der praktischen Umsetzung heißt das: Tragetuch statt Kinderwagen und Wiege, sowie ständige unmittelbare körperliche Verfügbarkeit zum Dauerstillen und (nächtlichen) Beruhigen.
Die Lehre vom Attachment Parenting erregte im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit der deutschsprachigen Massenmedien, nachdem sie fünf Jahre davor im angloamerikanischen Raum rund um das Time-Cover „Are you Mom enough?“ Wellen geschlagen hatte. (Das Cover zeigte die Kalifornierin Jamie Lynne Grumet beim Stillen ihres damals knapp vierjährigen Sohnes.) Durch kalkulierte Provokationen wurde vor allem im Netz und in den sozialen Medien ein polarisierender Konflikt miterschaffen, der viele Mütter unter Druck setzte. Ein weiteres Kapitel im leidigen Mommy-Wars-Buch war eröffnet.
„Mommy Wars“ ist die abwertende Bezeichnung für öffentlich geführte Diskussionen über verschiedene Erziehungskonzepte. Es handelt sich dabei um eine Abwandlung der sexistischen Zickenkrieg-Unterstellung, die stets dann bemüht wird, wenn Frauen unterschiedlicher Meinung sind. Der inhaltlichen Diskussion wird damit die Legitimation entzogen. Neu an der Debatte um Attachment Parenting war, dass der Feminismus plötzlich als Komplize herangezogen wurde – und zwar von Befürworter_innen ebenso wie von Kritiker_innen. Beide medial zugespitzt formulierten Positionen behaupten von sich, für die Wahlfreiheit von Müttern einzustehen.
Warum Attachment Parenting nicht feministisch ist, sondern sogar als frauenfeindlich gesehen werden kann, lässt sich in Anlehnung an Badinter schlüssig begründen: Es fesselt die Frau und ihre Ressourcen wie kaum ein anderes Erziehungskonzept an ihre Rolle als altruistische Mutter und macht sie hauptverantwortlich für die psychische Entwicklung des Kindes.

Feministische Praxis. Im Gegensatz dazu beschreiben gerade feministische Mütter Attachment Parenting als zutiefst feministische Praktik. Tatsächlich wendet es sich in der gelebten Praxis gegen kapitalistische und patriarchale Strukturen. So ist etwa bedarfsorientiertes (Langzeit-)Stillen in den seltensten Fällen mit einer schnellen Rückkehr in den Beruf und einem neoliberalen Leistungsimperativ vereinbar. Das Babytragen, bei dem das Kind in sämtliche Aktivitäten der Mutter eingebunden werden kann, bringt das Private in die Öffentlichkeit, und durch das Co-Sleeping, bei dem sich Kinder und Eltern einen Schlafplatz teilen, wird das sexualisierte Ehebett jahrelang zum Familienbett umfunktionalisiert. Attachment Parenting ist darüber hinaus die radikale Weigerung, eine männerzentrierte (Medizin-)Geschichtsschreibung anzuerkennen, in der Frauen stets unmündige Objekte waren, denen erklärt wird, wie sie sich mit ihren Körpern zu verhalten haben.
Diese Argumente, die von anderen Feministinnen wiederum scharf als unfeministisch kritisiert werden, können nicht nur auf deutschsprachigen Elternblogs nachgelesen werden, sondern auch eine Untersuchung der Psychologinnen Miriam Liss und Mindy J. Erchull (2), für die sie über 430 Frauen befragt haben, kommt zu dem Ergebnis, dass Attachment Parenting viele feministische Implikationen habe.
Die Debatte um bindungsorientierte Elternschaft ist damit symptomatisch für einen ganz anderen Konflikt: Nach wie vor fühlen sich Mütter immer wieder von feministischen Diskursen ausgeschlossen, missverstanden oder gar bevormundet. Feministische Mütter empfinden sich entsprechend häufig als „atypische Feministinnen“, wie es in Liss’ und Erchulls Studie heißt.

 

Dieses Cover brachte die hitzige Debatte um Attachment Parenting ins Rollen. © samchills, flickr
Dieses Cover brachte die hitzige Debatte um Attachment Parenting ins Rollen. © samchills, flickr

 

Gefährliche Fixierung. Im deutschsprachigen Raum gibt es viele engagierte Befürworter_innen von Attachment Parenting, die dem Erziehungskonzept eine zeitgemäße, nicht an die biologische Mutter und ihre Instinkte geknüpfte Form geben. Sie predigen die Praktiken des Attachment Parenting nicht als rigides Regelwerk, sondern bieten diese vielmehr als Möglichkeiten im Umgang mit den eigenen Kindern an, die viele von der Eltern- und Großelterngeneration als „falsch“ oder „schlecht“ vermittelt bekommen haben. Parallel dazu stellen sie althergebrachte Erziehungskonzepte konsequent in Bezug auf ihre möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern infrage.
Attachment Parenting steht auch für das Recht von cis-Frauen ein, zu verstehen, wie ihre Körper funktionieren, was diese leisten und welche Bedürfnisse damit erfüllt werden können. Weil der Ausgangspunkt dafür aber immer die (gelebte) Elternschaft ist, bleibt die Lehre, so selbstermächtigend sie auf den ersten Blick erscheinen mag, einseitig und biologistisch. Denn die Betonung der gesellschaftlichen Stellung der Frau über ihre Mutterrolle ist gefährlich und spielt den Argumenten von reaktionären Kräften in die Hände.
Da Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft dabei in einen tonangebenden Natürlichkeitsdiskurs einbettet werden, kann Attachment Parenting auf individueller Ebene als massiv einengend empfunden werden. Das Konzept erweist sich zudem als wahrer Quell für Schuldgefühle, wenn andere als die beworbenen Wege eingeschlagen werden und sich Mütter etwa gegen das Stillen entscheiden. Oder eingeschlagen werden müssen: Sind doch Erziehungsentscheidungen von Müttern, wie viele andere Handlungen von Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft, vielfach nicht mehr als Überlebensstrategien.

Wertvolle Verbündete. Aus einer feministischen Haltung muss kritisiert werden, dass Attachment Parenting per definitionem Langzeitstillen, Dauertragen und Co-Sleeping als Königsweg nicht nur idealisiert, sondern als identitätsstiftende Praxis auch ideologisiert, was wiederum Ausschlüsse provoziert. Es unterwandert dadurch genau jene Wahlfreiheit von Eltern, die eigentlich propagiert wird.
Diese Ideologisierungen wirken in besonderem Maße, wenn das Kindeswohl als argumentative Stütze herangezogen wird. Deswegen braucht die oft zu Recht als gefährlich rückschrittlich empfundene Kritik an den steigenden Kaiserschnittraten, der exzessiven Pränataldiagnostik und den lauten Appellen für den schnellen beruflichen Wiedereinstieg eine klar feministische Kommentierung. Diese muss für damit verbundene Problematiken sensibilisieren, darf aber trotzdem nicht Gefahr laufen, einem Biologismus zu verfallen. Gleichzeitig muss aber auch bei einer emanzipatorischen Beschäftigung mit Mutterschaft ein Bewusstsein für die Vielzahl diskriminierender Verhaltensformen Kindern gegenüber entstehen sowie für die Machtposition, die Eltern einnehmen. Auch darauf machen wiederum Attachment-Parenting-Verfechter_innen dankenswerterweise aufmerksam, z. B. in Bezug auf das sogenannte Baby-Einschlaftraining („Ferbern“), bei dem man das Kind nachts schreien lässt.

Künstliche Kategorien. Pro- und Kontra-Abwägungen von Attachment Parenting aus feministischer Sicht befeuern das Narrativ der Mommy Wars – vielfältige Mutterschaftserfahrungen werden so in zwei enge Kategorien gezwängt. Das schafft Gräben, wo keine sein müssen. Da nach wie vor Mütter die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern tragen, schützt eine moralisierende Diskussion über Erziehungsstile zwangsläufig auch den privilegierten Status Quo von cis-Männern. Es ist das alte Lied: Während Väter für jedes Zugeständnis Applaus ernten, müssen sich Mütter für Erziehungsentscheidungen rechtfertigen, was wiederum zu massiven inneren Konflikten führen kann. Solange der Diskurs um Elternschaft de facto ein Diskurs um Mutterschaft ist und Väter aus der Verantwortung gelassen werden, sollte feministische Kritik auf Parteiergreifung besser verzichten.
Sich aus einer feministischen Perspektive Elternschaft zuzuwenden, darf nicht heißen, individuelle Praktiken und Entscheidungen in den Vordergrund zu rücken. Stattdessen muss der Fokus auf gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Kontexte gerichtet werden, die diese bedingen oder eben verunmöglichen. Im besten Fall werden dadurch auch die Stereotype rund um die gern zitierte Wahlfreiheit von Müttern infrage gestellt: Denn Vollblutmutter und Karrierefrau sind genauso wenig einander ausschließende und alternativlose Kategorien wie Hure und Heilige. Mit Emanzipation hat die Schubladisierung von Lebensentwürfen bekanntlich nichts zu tun – egal, wie viele Schubladen zur Wahl stehen.

 

Cornelia Grobner ist freie Journalistin, Kommunikationswissenschaftlerin und Mitbegründerin von „umstandslos“, einem Online-Magazin für feministische Mutterschaft.

 

(1) Attachment Parenting in der heutigen Form haben vor allem der US-amerikanische Arzt William Sears und seine Frau Martha geprägt, die das pädagogische Konzept in Zusammenhang mit der Bindungslehre gebracht haben und es in den Dienst einer christlichen Erziehung stellen. Der konservative Hintergrund des Ehepaares sowie eine von Anhänger_innen mitunter radikalisiert ausgelegte Ideologie ist mit ein Grund, weswegen sich viele Verfechter_innen heute von diesem auch explizit distanzieren.

(2) Liss, Miriam / Erchull, Mindy J. (2012). Feminism and attachment parenting: attitudes, stereotypes, and misperceptions. In: Sex Roles. A Journal of Research. Springer, 131–142.

 

 

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an.sprüche: Gefühle auf Facebook https://ansch.4lima.de/an-sprueche-gefu%cc%88hle-auf-facebook/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-gefu%cc%88hle-auf-facebook/#respond Mon, 05 Feb 2018 13:04:18 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9320 © Sabrina WegererEmotionen auf Social Media. OLJA ALVIR und FIONA SARA SCHMIDT diskutieren]]> © Sabrina Wegerer

Auf Social Media das Herz ausschütten: Ist das nur Exhibition oder schon Subversion? Oder ist es angesichts des Datenschluckers Facebook einfach nur leichtsinnig? OLJA ALVIR und FIONA SARA SCHMIDT diskutieren.

 

TMI – Too Much Information?

Es gibt kaum etwas Schöneres als verstanden zu werden; je bizarrer und spezifischer der Gedanke, desto größer die Genugtuung, dass es da draußen tatsächlich noch jemanden gibt, der ihn teilt. Dies ist wohl mein Grund dafür, meine Gefühle ins Internet zu tippen, ich hoffe darauf, dass irgendwo da draußen etwas aufblinkt, ein paar Nullen und Einsen verschoben werden und ein kleines Signal piepst: „Ich sehe dich. Ich erkenne etwas.“ Einander und die Welt derart auszumachen, sich mitzuteilen (mit Betonung auf Teilen) ist mir ein generelles Bedürfnis, die zahlreichen Plattformen mit ihren schlau durchdachten Bestätigungsfunktionen und Algorithmen wirken auf mich entsprechend verführerisch.
Ich habe ein fast besorgniserregendes Vergnügen daran, anderen ei- nen (auch vermeintlichen) Einblick in sogenannte private und tabuisierte Nischen meiner Gefühlswelt zu ermöglichen. Die Art von Information, bei der erschrocken und vor den Kopf gestoßen die Stirn gerunzelt wird, ist mir die liebste; und so scanne ich mich ständig auf der Suche nach dem, was ich im Alltag vor anderen und mir selbst verstecke. Ich beobachte die Menschen gerne dabei, (nicht) damit klarzukommen, dass ich regelmäßig TMI-Content („too much information“) liefere. Ist das nur Exhibition oder schon Subversion? Ab wann ist die ungefragte Artikulation von Gefühl grenzüberschreitend? Und was wäre denn das genau richtige Ausmaß an Information?
Klar gibt es beachtliche Nachteile dabei, sich derart zu publizieren: Familie und Freund_innen haben manchmal mehr Ahnung als ihnen, Hater und Feind_innen dafür mehr Munition als mir lieb ist. Nicht zuletzt hängt immer die Googlebarkeit der Vergangenheit schwer im Raum: Was denken Arbeitgeber_innen über meinen letzten emotionalen Breakdown?
Doch wenn ich um zwei in der Nacht schlaflos etwas über das Meer und Vermissen schreibe und dann einen kleinen Wink einer unbekannten Person Tausende Kilometer weit entfernt bekomme, sind mir die Antworten auf all diese Fragen plötzlich sehr viel klarer.

 

Olja Alvir ist Autorin in Wien, und ihr Hobby ist es, sich auf so viele Arten wie möglich verletzlich zu machen.

 

© Sabrina Wegerer
© Sabrina Wegerer

 

Das hämische Haha-Smiley

„Aufgrund der neuen AGB in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten gemäß BDSG. Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir. Die kommerzielle Nutzung bedarf meiner schriftlichen Zustimmung.“ Statements wie dieses kursieren regelmäßig. Schade nur, dass sie genauso wenig bringen wie die Weiterleitung eines Kettenbriefes. Oder in einem Geschäft laut zu rufen: „Ich bin gegen den Kapitalismus und kaufe hier ab sofort gratis ein!“ Denn wer sich bei Facebook anmeldet, erteilt dem Netzwerk für geistiges Eigentum „wie Fotos und Videos eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest“. Wenn Inhalte von anderen geteilt wurden, gilt dies auch nach dem Löschen des Facebook-Profils. Die Grenzen der Privatsphäre, das Recht auf Vergessen, Strafen für Stalking im Netz und Cyber-Mobbing sowie Urheberrechtsverletzungen werden Gerichte auf der ganzen Welt in den nächsten Jahrzehnten klären müssen.
Möchte ich, dass meine verweinten Augen für immer auf einem Server liegen? Die schönste Party des Jahres? Was ich heute lustig finde, wird meine Freundin übermorgen einen Job kosten. Das süße Baby wird mir später vorhalten, wie wir so naiv sein konnten. Gebe ich meine Gedanken und Gefühle auf einer Plattform preis, die allein durch das Layout dafür gedacht ist, sich gegenseitig zu zeigen, was man heute erlebt hat und wie andere das finden? Behauptet wirklich jemand, differenziert über Themen zu diskutieren, in Kommentaren, die man ständig ausklappen muss, wo jede Aussage mit Herzchen, Böse oder Haha! bewertet werden kann und die als Screenshot für immer bestehen bleiben kann? Noch mehr Persönliches zu posten, heißt noch mehr Datenkrake, noch besser personalisierte Werbung, noch mehr Markieren, Gesichtserkennung, Überwachung und keine Ahnung, wo das Ganze eigentlich hinführt. Trotzdem gut gemacht, der Mist, sonst wären wir ja alle nicht mehr dort.

 

Fiona Sara Schmidt teilt ihre Facebook-Kontakte regelmäßig gewissenhaft in Bekannte und (echte) Freund_innen ein. Emojis benutzt sie in privaten Chats exzessiv.

 

 

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Runter von diesem Badetuch! https://ansch.4lima.de/runter-von-diesem-badetuch/ https://ansch.4lima.de/runter-von-diesem-badetuch/#comments Mon, 05 Feb 2018 12:54:24 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9316 Illustration: Clara Fridolin BillerGemeinsam einen anderen Lebensstil entwickeln. VON HILAL SEZGIN]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Warum wir gemeinsam einen anderen Lebensstil entwickeln müssen. Von HILAL SEZGIN

 

Eigentlich bezeichnet das Wort „Krise“ das akute Zusammenballen und Sich-Auftürmen von Unsicherheiten, Gefahren, Notlagen; definitionsgemäß kann eine Krise eben keine Dauerkrise sein. Stattdessen ist sie diejenige Phase einer unheilvollen Entwicklung, in der alles unerträglich wird; sie entspricht dem Moment, in dem sich die Welle aufbäumt, bevor sie bricht.
Aber das ist das Verrückte an unserer Situation: Immer wieder ist die politische und ökonomische Situation nicht nur für Einzelne, sondern für ganze Bevölkerungen unerträglich, mal hier und mal dort; immer wieder türmt sich eine Riesenwelle auf. Schon kommt die nächste. Aber ehrlich gesagt: Wir Bewohnerinnen der reichen Länder schauen dem Wellengang vom Strand aus zwar nicht ganz ungerührt zu, aber wir beruhigen uns doch immer wieder ziemlich leicht. Kurz raffen wir unser Badetuch zusammen, dann rollen wir es wieder aus. Solange kein Tsunami kommt, vor dem auch wir wegrennen müssten, geht alles noch einmal glimpflich aus … – Für uns mag das stimmen, für die anderen aber nicht.

Arg im Argen. Unser (westeuropäischer) Umgang mit Kriegen und Flüchtlingsbewegungen läuft nach diesem Muster ab, und ebenso der mit dem Klimawandel, der in Zukunft für noch viel mehr Kriege und auch viel stärkere Fluchtbewegungen sorgen wird. Der Klimawandel mag uns Europäer*innen mal einen zu heißen oder einen zu nassen Sommer bescheren, unsere Erntemengen mögen vorübergehend schrumpfen – aber wir können auf dem Weltmarkt alles Nötige zusammenkaufen, unsere Supermarktregale bleiben stets gefüllt. Andere Menschen verlieren alles. Wie lange wollen wir das also noch aussitzen, auf diesem metaphorischen Badetuch? Wie lange noch wollen wir dieses Wissen mit uns herumschleppen, dass alles Mögliche arg im Argen liegt – aber hey, mogeln wir uns halt durch, solange es funktioniert!
In den Vorweihnachtstagen im Dezember 2016, als in Aleppo Zehntausende Zivilist*innen eingeschlossen waren und Twitter-Nachrichten sandten, in denen sie sich von uns Überlebenden verabschiedeten, brach der Fernsehmoderator Daniel Aminati in einer an sich unpolitischen Sendung im deutschen Privatfernsehen mit dem Skript und sprach das groteske Missverhältnis zwischen hiesiger Geborgenheit und dortigem Sterben an, indem er sagte: „Ich weigere mich, so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung.“ Ich will diese wunderbar ehrliche Aussage keineswegs kritisieren, wenn ich ergänze: Das Problem ist leider, es ist nie alles in bester Ordnung! An keinem einzigen Tag, den wir bisher auf dieser Erde zugebracht haben, war jemals überall Frieden. War keine Ausbeutung von Menschen und Tieren – durch Menschen, die es besser hätten wissen und anders hätten machen können.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Überlebensschuld. Schon während meiner Kindheit in den 1970er- und 1980er-Jahren war uns niemals hungrigen Kindern klar, dass es anderswo hungernde Kinder gab. Wir wurden zur Dankbarkeit angehalten, in der Lotterie des Lebens sozusagen ein besseres Los zugeteilt bekommen zu haben; aber in diese Sorte Dankbarkeit mischt sich auch immer ein wenig irrationale Schuld, eine Art Überlebensschuld: Wieso eigentlich wurden ausgerechnet wir so beschenkt und nicht sie? Heute sehe ich andere Kinder aufwachsen und sich wieder mit demselben Rätsel herumplagen: Warum wir? Warum verbringen die anderen ihre Kindheit mit Hunger oder im Bombenhagel?
Das versteht doch kein Mensch, und es muss auch kein Mensch verstehen, weil es nicht so sein muss. Natürlich wird es immer Ungleichheiten und auch Katastrophen geben, und einige Kinder werden schon im jungen Alter schwerkrank werden, und die Frage „Warum die?“ wird nie aussterben, solange Verletzlichkeit und Tod nicht ausgestorben sind. Aber wenn wir das Foto eines ertrunkenen Flüchtlingskindes an einer Mittelmeerküste sehen oder das von einem anderen Kind, das verstaubt aus einer Mine auftaucht, in der es einen seltenen Rohstoff für unsere Smartphones schürft, können wir Erwachsenen nicht sagen: „Die Welt ist halt so.“ Nein, sie ist nicht so, wir haben sie dazu gemacht.
Dabei sind wir menschheitsgeschichtlich eigentlich in einer neuen, einzigartigen, an Möglichkeiten reichen Situation. Seitdem es Menschen gibt, ist Ressourcenknappheit ein unausweichliches Problem. Seit einigen Jahrzehnten jedoch müsste sie kein bestimmender Faktor unseres Lebens mehr sein, eher wohl: die Ressourcenendlichkeit. Und das ist etwas ganz anderes. Wir haben zwar nicht beliebig viel Land zum Leben, Land zum Anbauen, Trinkwasser, Energie und Luft; aber was wir haben, könnte für alle Menschen reichen.
Dazu müssten wir uns in allen Weltgegenden, in denen es klimatisch möglich ist, rein pflanzlich ernähren. Dann blieben nicht nur über hundert Milliarden von Tieren jährlich von menschlicher Gewalt verschont, sondern es würden auch genug Anbaufläche, Rohstoffe und Ressourcen, die derzeit für die Produktion von Tierfutter benötigt werden, freigesetzt, um nicht nur alle jetzt lebenden, sondern auch die zu erwartenden nächsten zwei bis drei Milliarden weiteren Menschen ernähren zu können. Wir müssten die politische Bereitschaft aufbringen, diese Ressourcen dann auch gerecht zu verteilen. Und wir müssten mit dem Statusdenken aufhören und das Karussell der Moden anhalten, bei der Kleidung oder aber in der Unterhaltungsindustrie, weil es uns dazu bringt, jedes Jahr und jede Saison neue Kleider, Kosmetikfarben, Einrichtungsgegenstände und Handys zu „brauchen“.
Spätestens hier scheiden sich die Geister. Die einen empfinden Schrecken angesichts dessen, was auf sie zukommen könnte: Verzicht. Doch auch unsere momentane, sozusagen luxuriöse Lebensweise bedeutet, dass wir auf anderes verzichten, es ausschlagen oder verlieren. Nicht nur in China, auch in Europa gibt es jährlich zum Beispiel Hunderttausende von Todesfällen durch Luftverschmutzung. Einen großen Teil verursacht unsere stickstoff- und güllelastige Landwirtschaft, ein weiterer Teil geht auf Verkehrsemissionen zurück. Natürlich kann man sagen: Wir haben tolle Autos und Kühlschränke mit zig Sorten Wurst, Käse und Eiscreme darin. Aber wir haben eben auch weniger saubere Luft.
Schließlich bezahlen wir den vielen Luxus mit Zeit und Nerven: Ja, wir können uns jedes Jahr neu überlegen, was Gut-angezogen-Sein bedeutet; aber dafür müssen wir auch shoppen und planen und pflegen. Unsere Kinder waren bei Schuleintritt schon in einem halben Dutzend verschiedener Länder, beherrschen Hip-Hop und den Grundwortschatz von drei Sprachen; dafür führen wir fünf verschiedene Terminplaner; die Kleinen haben kaum je Zeit, einfach mal irgendwo rumzuhocken, sich zu langweilen und Muster in den Wolken zu entdecken; und ausgerechnet die Sprache ihrer neuen Nachbarn sprechen sie vermutlich nicht.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Hiergeblieben. Uns Erwachsenen haben viele Maschinen und Geräte das Leben erleichtert, aber dann fällt uns auf, dass uns vom vielen Rumhocken an den arbeitserleichternden Geräten der Rücken schmerzt, und wir buchen im Fitnessstudio einen Platz an weiteren, diesmal die Bewegungen erschwerenden Geräten (und haben ein schlechtes Gewissen, weil wir zu selten hingehen). Nun will ich natürlich nicht behaupten, dass wir die Waschmaschinen abschaffen und die Wäsche wieder im Fluss schrubben sollten; doch wir müssen uns darüber klarwerden, dass wir eine unglaublich aufwendige Lebensweise pflegen, die nicht nur in puncto Ressourcen und Energie aufwendig ist – sondern auch für uns.
Wenn wir uns also fragen, was die eine, wichtigste politische Aufgabe für die nächsten Jahre ist, so müsste diese lauten: weniger verbrauchen. Einen neuen Lebensstil entwickeln, der sich nicht ums Kaufen und Besitzen dreht, sondern ums Innehalten, Wertschätzen, Lieben und Erleben. Die Änderung einer Lebensweise ist zum Glück keine solitäre Anstrengung, keine einsame Angelegenheit. Gemeinsam haben wir ein klammheimliches Wettbewerbsformat entstehen lassen, in dem man befürchten muss, abgehängt zu werden, wenn man zum Beispiel nicht jährlich von einer Fernreise berichten kann. Doch wenn wir gemeinsam im Sommer hierblieben – was könnten wir vielleicht alles tun?

 

Hilal Sezgin ist Schriftstellerin, Philosophin, Feministin und Tierrechtlerin. Soeben von ihr erschienen: „Nichtstun ist keine Lösung. Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs“. DuMont Buchverlag, Köln 2017

 

 

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Marsch auf die Institutionen https://ansch.4lima.de/marsch-auf-die-institutionen/ https://ansch.4lima.de/marsch-auf-die-institutionen/#respond Mon, 05 Feb 2018 12:43:56 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9314 Illustration: Clara Fridolin BillerDie Women’s-March-Bewegung kämpft für eine bessere Welt. Von BRIGITTE THEIßL]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Die Angelobung Donald Trumps wurde von einem lautstarken feministischen Protest begleitet. Die Women’s-March-Bewegung kämpft immer noch für eine bessere Welt – aber auch für bessere Bürgermeister_innen. Von BRIGITTE THEIßL

 

Amber stapft über den Parkplatz, die viel zu lange Pyjamahose schleift am Boden. „Hier schläft meine Familie“, sagt die Siebenjährige, schiebt ein Stück Zeltplane zur Seite und zeigt auf den Boden. Amber ist nicht im Ferienlager, der Parkplatz vor einer Kirche, direkt an der Hauptverkehrsroute, ist ihr Zuhause. Rund 500 Familien leben in solchen Camps in Seattle – einer florierenden Stadt an der Westküste der USA. 2000 Dollar Miete bezahlt man hier durchschnittlich für ein Zwei-Zimmer-Appartement, Ambers Mutter arbeitet vierzig Stunden pro Woche als Kassiererin im Stadtzentrum und verdient rund 1300 Dollar pro Monat. Zu wenig für ein festes Dach über dem Kopf. (1)
Es sind Gegensätze in einem der reichsten Staaten der Erde, die dessen Präsidenten die Schamesröte ins Gesicht treiben müssten – selbst einem, der der Wirklichkeit weitgehend entrückt ist. Donald Trump hatte kurz vor Weihnachten anderes vor, als die immer weiter klaffende Schere zwischen Arm und Reich zu schließen: Gemeinsam mit den Republikaner_innen brachte er im Kongress eine Steuerreform auf Schiene, von der Wohlhabende überproportional profitieren. So wird die Ertragssteuer für Unternehmen von 35 auf 21 Prozent gesenkt, der Höchststeuersatz wird reduziert, der größere Freibetrag bei Erbschaften ist Trumps Weihnachtsgeschenk an Millionär_innen. Der republikanische Glaubenssatz eines entfesselten Markts bei möglichst niedrigen Steuern findet unter dem unpopulärsten Präsidenten der Neuzeit seine Verwirklichung – und erklärt wohl auch, warum Republikaner_innen nach wie vor an Trump festhalten, der seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr überwiegend mit kleineren und größeren Skandalen für Schlagzeilen sorgt und nicht zuletzt aufgrund seiner unkontrollierten Schimpftiraden auf Twitter von vielen für unzurechnungsfähig erklärt wird.

Gegenkandidat_innen. Die Wut seiner Gegner_innen richtet sich mittlerweile weniger gegen Trump selbst, sondern gegen die schweigende Mehrheit in der republikanischen Partei, die in den vergangenen zehn Jahren zusehends nach rechts gerückt ist. „Wenn ich auf die verbleibende Amtszeit von Trump blicke, ist meine größte Befürchtung, dass die Menschen all die negativen Entwicklungen nur mit seiner Person verbinden – und nicht mit den Republikaner_innen, die das alles ermöglicht haben“, sagt Denise Oliver-Velez, Universitätsprofessorin, Autorin und einst Mitglied der Black Panther Party, im an.schläge-Interview.
Feministische Protestgruppen konzentrieren sich indes mehr und mehr auf Engagement innerhalb des politischen Systems. Ein Jahr nach dem Women’s March, der Millionen Menschen auf die Straße brachte, demonstrierten am 21. Jänner erneut Hunderttausende in mehr als 300 Städten. Women‘s March Inc., die Organisation hinter dem Women’s March, zielt 2018 mit der Kampagne „Power to the Polls“ auf Wähler_innenregistrierung und die Wahl progressiver Kandidat_innen – insbesondere Frauen*. Schon im vergangenen Jahr feierten Frauen*, transgender Personen und People of Color historische Wahlerfolge in mehreren Bundesstaaten. In Charlotte, North Carolina, trat die progressive Vi Lyles als erste Schwarze Frau das Amt der Bürgermeisterin an, die Demokratinnen Elizabeth Guzman und Hala Ayala wurden in Virgina als erste Latinx zu Delegierten gewählt. Im erzkonservativen Alabama setzte sich indes Doug Jones durch, der den Demokrat_innen den ersten Wahlsieg seit 25 Jahren bescherte. Zu verdanken hatte er dies vor allem einer Wähler_innengruppe: Ganze 98 Prozent der Schwarzen Frauen stimmten für Jones. Gegen seinen republikanischen Kontrahenten, den rechten Evangelikalen Roy Moore, waren im Wahlkampf Vorwürfe sexueller Übergriffe auf Jugendliche bekannt geworden – dennoch konnte er 66 Prozent der weißen Wähler_innen für sich gewinnen.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Die Idee, selbst politisch aktiv zu werden, scheint unter Präsident Trump und seiner wechselnden Rechtsaußen-Truppe attraktiv wie nie zuvor. „Nachdem sie sahen, dass jemand so Unqualifizierter Präsident der Vereinigten Staaten wurde, sagten viele Frauen: ‚Zur Hölle, ich kann für den Stadtrat kandidieren‘“, erzählte Erin Vilardi, Gründerin von VoteRunLead, einer Organisation, die Frauen* in der Politik unterstützt, der „Los Angeles Times“. Stephe Koontz, die als erste offene transgender Frau in Doraville in Atlanta zur Stadträtin gewählt wurde, fühlte sich hingegen durch den Women’s March darin bestärkt, sich endlich zur Wahl zu stellen. Wiederholt hatten ihr Familienmitglieder und Freund_innen vorher vermittelt: Als transgender Frau bist du unwählbar.

Linke Differenzen. Auch „March on“, eine Organisation, die sich vom Women’s March abgespalten hat, setzt auf (partei-)politisches Engagement. „Widerstand allein ist nicht genug. Wir können Fortschritte machen“, ist auf ihrer Website zu lesen. Wie die „New York Times“ berichtete, waren es vor allem Differenzen in der strategischen Ausrichtung, die zur Spaltung in „Women’s March Inc.“ und „March on“ geführt haben. Aktivistinnen* im Süden der USA kritisierten den Fokus auf Protestveranstaltungen und konzentrierten sich stattdessen auf politische Kampagnen im lokalen Umfeld. Aktionen wie der „A Day Without Women“-Streik, die von den in New York lebenden Vorsitzenden organisiert wurden, gingen an den Lebensrealitäten vieler Frauen*, die es sich schlichtweg nicht leisten könnten, nicht zur Arbeit zu erscheinen, vorbei. Dringende Probleme seien hingegen republikanische Senatoren, die Pensionen von Lehrer_innen kürzen oder das Recht auf Schwangerschaftsabbruch infrage stellen.
Mit „Power to the Polls“ schwenkt nun auch Women’s March Inc. vom theoretisch unterfütterten Protest auf die pragmatische Aktion um – was bleibt, sind inhaltliche Differenzen. So ist die schon zu Beginn formulierte Kritik an der fehlenden Intersektionalität der Women’s-March-Bewegung nicht verstummt. „Die Proteste waren wichtig. Aber eine neue intersektionale Frauenbewegung sehe ich nicht. Wo sind die Stimmen, die sich für Hilfe für Puerto Rico einsetzen, die ihre Stimme für Hausangestellte oder inhaftierte Frauen erheben?“, sagt Denise Oliver-Velez. Gerade die starke Präsenz feministischer Themen, die vor allem der #MeToo-Bewegung zu verdanken ist, bringt ein bekanntes feministisches Dilemma mit sich: Wenn selbst Hochglanz-Magazine frauenpolitische Beiträge veröffentlichen, ist es meist ein Hochglanzfeminismus, der dort abgebildet und somit öffentlich sichtbar wird.
Innerhalb der demokratischen Partei und ihrer Vorfeldorganisationen wird aber auch über die Klassenfrage so heftig debattiert wie selten zuvor: Der Fokus auf identity politics, auf Rassismus, LGBTIQ-Rechte und Frauenpolitik habe den Progressiven geschadet, sind viele überzeugt. Soziale Themen wie Mindestlöhne, Gesundheitsversorgung und Wohnraum müssten abseits von race und gender in den Vordergrund gerückt werden. „Die Unfähigkeit der weißen, privilegierten Linken, die Wurzeln von Rassismus und white supremacy zu erkennen, ist ein lange bestehendes Problem in den USA. Der Umstand, dass ich eine Schwarze Frau bin, könnte mich töten oder verletzen. Und das hat nichts mit meiner Klasse zu tun“, sagt dazu Oliver-Velez. Den tief in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelten Rassismus auf die politische Agenda zu setzen und mit Geschlechterdiskriminierung ebenso wie mit Klassismus und sozialer Ausgrenzung zu verknüpfen – ohne dabei auf der symbolischen Ebene zu verharren – ist ein Spagat, an dem feministische Aktivistinnen* immer wieder scheitern. Die Kompromissfähigkeit, die die Parteipolitik verlangt, macht die Sache nicht einfacher. Eines macht die politische Lage aber mit Sicherheit deutlich: Den Versuch ist es wert.

 

(1) Aus: Weltjournal/ORF „Der amerikanische Albtraum“, 22.11.2017

 

 

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Feministisch aufbegehren https://ansch.4lima.de/feministisch-aufbegehren/ https://ansch.4lima.de/feministisch-aufbegehren/#respond Mon, 05 Feb 2018 12:30:03 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9312 Illustration: Clara Fridolin BillerInterview: Das Frauenvolksbegehren geht in die nächste Runde. Von KATHARINA PAYK]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Nach zwanzig Jahren erinnert ein neues Frauenvolksbegehren daran, dass die Forderungen von 1997 weitgehend ignoriert worden sind. KATHARINA PAYK hat LENA JÄGER vom Frauenvolksbegehren 2.0 gefragt, wie ihr das Projekt unterstützen könnt.

 

an.schläge: Ein Frauenvolksbegehren ist angesichts der aktuellen politischen Lage in Österreich wichtiger denn je. Aber taktisch auch besonders ungünstig, oder?

Lena Jäger: Das denke ich nicht. Wenn Menschen Diskriminierungen und Bedrohungen erkennen, müssen sie eingreifen, andernfalls machen sie sich mitschuldig; und diese Zeit braucht mutige Menschen, die sich dem Backlash entgegenstellen. Da geht es tatsächlich auch um Feminismus als politische Antwort auf sterbende Solidarität und Menschlichkeit – und auf eine Politik, der es um Machtausbau und Ausgrenzung statt um ein friedliches Miteinander geht.

Was sind die wichtigsten Forderungen des Frauenvolksbegehrens 2.0?

Wir haben neun Forderungen, die es allesamt braucht, um endlich echte Gleichstellung für Frauen* herzustellen. Mir persönlich ist die Forderung „Vielfalt leben“ besonders wichtig. In der geht es darum, dass Geschlechterstereotype – die in meinen Augen alle Menschen viel zu sehr einschränken und ihrer persönlichen Entfaltung im Wege stehen – nicht mehr weiter in Werbung und sämtlichen Kulturmedien, wie Schulbüchern, reproduziert werden. Das ist gerecht. Grundsätzlich stehen alle Forderungen gleichberechtigt nebeneinander. Zudem sind jene Forderungen von großer Bedeutung, die Frauen* aus ökonomischer Abhängigkeit befreien. Hier zeigt sich die Komplexität der Materie. Es braucht eine grundlegende Neubewertung von Arbeit, Regelungen, die der gläsernen Decke endlich etwas entgegensetzen. Das können in unseren Augen nur Quoten und eine Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft sein. Klassische Frauen*- und Männer*-Berufe müssen neu geprägt werden. Bezahlte und unbezahlte Arbeit muss gerecht auf alle verteilt werden. Darum stellen wir die Frage, wie die sich immer weiter verknappende Ressource Arbeit denn aufgeteilt werden kann? Unsere Antwort heißt Arbeitszeitverkürzung auf dreißig Stunden.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Mit dem Instrument des Volksbegehrens richtet ihr euch direkt an das Parlament. Was können Feminist*innen frauenpolitisch-aktivistisch sonst noch tun?

Es gibt heute unendlich viele Möglichkeiten aktiv zu werden, ganz aus sich heraus. Beispielsweise schreiben. Einen Blog oder auf diversen Social-Media-Kanälen posten und damit die Stimme erheben. Aber eben auch sich einer feministischen Gruppe anschließen oder selbst eine gründen.

Warum sollten alle Feminist*innen das Frauenvolksbegehren unterschreiben? Wie kann mensch sich sonst noch einbringen beim Frauenvolksbegehren?

In jedem Bundesland werden aktionistas*, wie wir unsere Aktivist*innen-Gruppen nennen, gesucht. Nicht nur Frauen*. Einfach eine Mail an mitmachen@frauenvolksbegehren.at schreiben. Wir benötigen außerdem nach wie vor Spenden, um alle Kampagnen so umzusetzen, wie wir uns das vorstellen. Also einfach im Bekanntenkreis darauf aufmerksam machen. Wenn 100.000 Menschen jeweils nur einen Euro geben, dann ist uns schon sehr geholfen.

Wann ist die Eintragungswoche, in der man seine Stimme für das Frauenvolksbegehren abgeben kann?

Die Eintragungswoche legen nicht wir fest, sondern der Bundesinnenminister Herbert Kickl. Von dem Moment an, wo wir unsere Unterstützungserklärungen abgegeben haben, hat er drei Wochen Zeit, eine Woche zu benennen; diese kann frühestens acht Wochen später sein und spätestens sechs Monate danach.
Unsere Unterstützungserklärungen sammeln wir ab dem 12. Februar in allen Bundesländern. Eintragungsberechtigt sind leider nur alle österreichischen Staatsbürger*innen ab 16 Jahren, aber es wird eine inoffizielle Unterstützungsliste für nicht wahlberechtigte Wahl-Österreicher*innen geben.

 

Lena Jäger, geboren in Norddeutschland und streng feministisch erzogen, arbeitet seit einigen Jahren als Consultant und Projektmanagerin in den Branchen Bildung, Frauen und Genuss.
www.frauenvolksbegehren.at

 

 

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Gemeinsamer Feind https://ansch.4lima.de/gemeinsamer-feind/ https://ansch.4lima.de/gemeinsamer-feind/#respond Mon, 05 Feb 2018 12:21:27 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9308 Illustration: Clara Fridolin BillerFeministischer Widerstand braucht internationale Zusammenarbeit. Von ALMA LUČIĆ]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Feministischer Widerstand erstarkt gerade in Zeiten rechtskonservativer Regierungen. Jetzt braucht es nur noch internationale Zusammenarbeit. Von ALMA LUČIĆ

 

18. Dezember 2017. Die schwarz-blaue Regierung in Österreich wird unter lautem Protest angelobt. Der lauteste stammte von einer Gruppe feministischer Aktivist*innen, die zur „Frauen*protestnacht“ aufriefen. Acht Stunden lang bespielten Musiker*innen, Speaker*innen und Performer*innen trotz eisiger Temperaturen den Wiener Heldenplatz mit kämpferischen, witzigen und politischen Songs und Texten. Das Motto: Politischer Protest kann und darf auch Spaß machen, denn er soll viele Menschen erreichen. Doch vor allem muss er eines sein: feministisch.
Die Gruppe der Aktivistinnen* schloss sich zwar den allgemeinen Protesten an, wollte aber vordergründig Frauen* eine Stimme geben, um ihrem Ärger über sexistische Politik Luft zu machen. „Wir sind ein Zusammenschluss aus parteiunabhängigen Aktivist*innen, Feminist*innen und Künstler*innen, die mit diesem Protest zeigen wollen, dass es viele Wege gibt, um seine Stimme zu erheben“, sagen die Initiator*innen. Ihren eigenen Weg versuchen sie selbst gerade erst zu finden, denn wie so viele feministische Bündnisse stehen sie vor einer wichtigen Frage: Wie kann aus einer einzelnen Protestaktion nachhaltiger Widerstand werden?

Tragende Rolle im Widerstand. Das ist eine Frage, die bei aktivistischer Arbeit immer wieder auftaucht. Denn die ehrenamtlichen Ressourcen und Energien sind meist schnell erschöpft, finanzielle Mittel sind oft nicht vorhanden. Breite Bündnisse und ein gemeinsamer Fokus scheinen nur dann möglich zu sein, wenn ein gemeinsamer Feind existiert. Das zeigte etwa der „Women’s March“ in den USA, der sich gegen die frauenfeindliche Politik des US-Präsidenten Donald Trump richtete – und weiterhin richtet. Denn aus dem Marsch wurde eine gut finanzierte Bewegung, die sogar ein Buch auf den Markt bringt, immer wieder Aktionen organisiert und ein eigenes Programm gegründet hat, um Jugendliche zu empowern.
Auch der breite Frauen*protest in Polen – vor allem gegen eine weitere Verschärfung des restriktiven Abtreibungsrechts – und jener in der Türkei zeigen, dass Frauen* im Widerstand eine tragende Rolle spielen. Und das weltweit. Die internationale Vernetzung wird daher immer wichtiger – aber auch schwieriger.

Bündeln und vernetzen. „Der Austausch mit Aktivist_innen aus anderen Ländern zeigt uns, dass antifeministische und rassistische Bewegungen derzeit nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa erstarken. Um die Zusammenhänge zu erkennen und effektiv dagegen aufzutreten, braucht es internationale Vernetzung mit feministischen Aktivist_innen“, sagt etwa der Österreichische Frauenring (ÖFR). Doch politische Restriktionen – und damit verbundene finanzielle Einbußen – erschweren die internationale Zusammenarbeit. Oder verhindern sie gar überhaupt. „Auf Landesebene zeichnet sich in Oberösterreich bereits ab, was unter schwarz-blau leider bundesweit zu erwarten ist: Vereinen wie FIFTITU% und maiz, die immens wichtige Arbeit leisten, wurden öffentliche Subventionen bereits gestrichen. Für nicht-profitorientierte Organisationen bedeutet eine Kürzung oder Streichung von Fördergeldern aber unweigerlich eine Reduktion von Angeboten und Öffnungszeiten, schlimmstenfalls gar das Wegfallen spezifischer Angebote.“
Der Österreichische Frauenring ist unter anderem Teil der „European Women’s Lobby“ (EWL), die versucht, genau diese Leerstelle ungenügender internationalen Vernetzung zu füllen. EWL entstand aus der Motivation heraus, Frauenanliegen in der Europäischen Union stärker zu vertreten und europaweit die Interessen feministischer und Frauenorganisationen zu bündeln. „Die globalen Frauenmärsche im Jahr 2017 waren ein wichtiger Moment in der langen Geschichte des feministischen Aktivismus. Aber während die Solidarität und die Hoffnung, inspiriert durch die Proteste, wieder schwindet, und die Realität des jetzigen politischen Klimas einsetzt, ist es leicht, sich verloren und unsicher zu fühlen, was die nächsten Schritte sein werden“, sagt die EWL-Generalsekretärin Joanna Maycock im an.schläge-Interview. Um nachhaltig Widerstand zu leisten, schlägt sie vor, zunächst im eigenen Umfeld aktiv zu werden und sich dann internationalen Netzwerken anzuschließen. Doch immer mehr Aktivist*innen vernetzen sich ohne feste Organisationsstrukturen, die sie eher als Hindernis sehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei: das Internet.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Netzfeminismus. Feministische Vernetzung würde heute ohne das Internet nicht mehr funktionieren. Social Media, Blogs und sichere Kommunikationswege spielen bei aktivistischer Arbeit eine immer größere Rolle. „Unsere Auffassung von Geschlecht und Sexismus wäre ohne das Internet heute fundamental anders“, sagte etwa die Autorin und Feministin Laurie Penny in einem Interview mit „Der Freitag“. „Der Online-Feminismus, so wie ich ihn verstehe, will Geschichten erzählen und ist viel konfrontativer. Und das ist auch viel machtvoller, als alle erwartet haben.“
Durch Blogs wie LiveJournal und the f word ist Penny selbst zur Online-Aktivistin geworden. Doch mit dem eigenen Exponieren sei auch die Flut an Negativreaktionen gestiegen, denn im Netz wird strukturelle Gewalt besonders stark sichtbar. Netzfeministische Diskurse sind dennoch ein wichtiger Anstoß breiter gesellschaftlicher Debatten, wie etwa die #MeToo-Bewegung gezeigt hat. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass viele für sich einzeln an ihren Schreibtischen kämpfen – und dass meist weiße, privilegierte Feministinnen den Ton angeben.
„Das Internet ist für mich einer der wichtigsten Orte für politische Aushandlungsprozesse, vor allem mit Personen, denen ich im ‚Offline‘-Leben aufgrund geografischer Verortungen zum Beispiel nicht begegnen könnte. Vor allem als Schwarze Frau kann ich sagen, dass Räume wie Facebookgruppen und Black-Twitter mich sehr politisiert und empowert haben“, erklärt Makda Isak, Mitbegründerin der PoC-Hochschulgruppe Mainz und Aktivistin, gegenüber an.schläge.
Sie findet es wichtig, die Frage zu stellen, ob bei Hashtag-Aktionen wie #MeToo die besonders prekäre Lage von geflüchteten Frauen* oder Frauen* mit Behinderungen auch benannt wird. „Ich sehe da auf jeden Fall noch Potenzial von stärkeren Vernetzungen, vor allem indem selbsternannte Netzfeminist_innen ihre Followerpower nutzen, um auf Kämpfe aufmerksam zu machen, die außerhalb der weiß-feministisch dominierten feministischen Diskurse stattfinden. Und sich auch diesen als Verbündeten anschließen und vor allem ihre Stimmen zu Wort kommen lassen.“

Beziehungsnetz. Doch wie kann garantiert werden, dass den Einzelnen nicht die Luft ausgeht? Für die deutsche Aktivistin Antje Schrupp gibt es da nur einen Weg: „Ich denke, dass feministischer Aktivismus vor allem auf persönlichen Beziehungen gründet und nicht auf formalen Strukturen oder Initiativen. Die sind in konkreten Fällen eher so wie die Spitze eines Eisbergs, der dann mal aus dem Wasser rausguckt, während der Großteil des Beziehungsnetzes unsichtbar unterm Wasser ist, aber die Basis bildet.“
Jede kämpft an ihrer Front – das ist wichtig, aber nicht genug. Internationale feministische Zusammenarbeit bündelt nicht nur (immer mangelnde) Ressourcen, sie könnte auch ein Katalysator für nachhaltige Projekte sein.
„Angesichts der drohenden Kürzungen im Sozialbereich, die Frauen besonders hart treffen werden, und dem Erstarken reaktionärer, deutschnationaler Kräfte wird es jedenfalls eine laute, feministische Bewegung brauchen. So eine Bewegung muss die Gemeinsamkeiten vor das Trennende stellen – ohne die unterschiedlichen Betroffenheiten dabei unsichtbar zu machen“, schrieb Hanna Lichtenberger in der letzten an.schläge-Ausgabe.

#resisters. Der Österreichische Frauenring (ÖFR) konstatiert: „Ja, wir glauben definitiv, dass der antifeministische Backlash nicht unbeantwortet bleibt. Wir hoffen sehr, dass immer mehr Personen, die zuvor nicht politisch aktiv waren, jetzt beginnen sich zu engagieren.“ Als Beispiele erfolgreicher feministischer Vernetzung nennt der ÖFR das Gipfeltreffen der Allianz Feminismus und Krawall (26.-28. Jänner in Linz) und aktuelle Initiativen wie die Vernetzungstreffen der Plattform 20000frauen oder auch das Frauen*volksbegehren, das sich bundesweit vernetzt.
Genauso sehen es auch die Initiator*innen der Frauen*protestnacht. Sie wollen jedenfalls weitermachen – mit kreativen Aktionen im öffentlichen Raum und punktuellen, aber längerfristigen Bündnissen. Der dazu passende – und bewusst international anwendbare – Hashtag lautet #resisters. Eine eigene Organisation möchten sie dafür aber nicht etablieren, finanzielle Mittel brauchen sie dennoch. Dann können sie die Drohung, die sie an die Regierung richten, auch wahrmachen: „Wenn Frauen*rechte beschnitten werden, werden wir den Finger in die Wunde legen. Wir werden laut bleiben und wachsam sein. Denn wir sind eure größte Angst.“

 

Alma Lučić ist feministische Journalistin und Aktivistin.

 

 

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Feministischer Widerstand https://ansch.4lima.de/feministischer-widerstand/ https://ansch.4lima.de/feministischer-widerstand/#respond Mon, 05 Feb 2018 12:09:22 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9310 Illustration: Clara Fridolin Biller2018 braucht einen breiten Zusammenschluss feministischer Aktivist_innen.]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Genau vor einem Jahr widmeten wir den ersten an.schläge- Schwerpunkt den feministischen Kämpfen gegen Rechts – 2018 ist feministischer Widerstand noch immer dringend notwendig. In den USA ging die Women’s-March-Bewegung Ende Jänner erneut gegen Trump und seine reaktionären Republikaner_innen auf die Straße und schrieb Geschichte: Mit rund 4,2 Millionen Teilnehmer_innen in über 600 Städten war es die größte Demonstration der US-Geschichte. Auch in Österreich demonstrierten am 13. Jänner Zehntausende Menschen gegen die neue Regierung, die deutschnationale Burschenschafter an die Schalthebel der Macht gebracht hat und einen Sozialabbau plant, der Frauen ganz besonders hart treffen wird. Für das Frauen*volksbegehren, das voraussichtlich noch vor dem Sommer starten wird, braucht es daher einen breiten Zusammenschluss feministischer Aktivist_innen.
Allerorts ist es gegenwärtig die Frauen*bewegung, die gegen neoliberale Sparpolitik, Rassismus und Homofeindlichkeit Gesicht zeigt und Gegenentwürfe eines solidarischen Miteinanders liefert. Dem Gefühl der Ohnmacht, das sich angesichts des reaktionären Backlash bei vielen immer wieder breitmacht, stellen wir einen aktivistischen Themenschwerpunkt entgegen: Warum braucht es feministischen Widerstand – und was ist jetzt zu tun?

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

 

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Vergitterte Fenster, verriegelte Türen https://ansch.4lima.de/vergitterte-fenster-verriegelte-tueren/ https://ansch.4lima.de/vergitterte-fenster-verriegelte-tueren/#respond Mon, 05 Feb 2018 12:02:19 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9325 Illustration: Clara Fridolin BillerInterview: HEIDE GERSTENBERGER über rohe Gewalt im Kapitalismus. Von LEA SUSEMICHEL]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Die Gewalt wirkt im Kapitalismus nicht nur strukturell, sondern oft auch ganz roh und direkt gegen Menschen, sagt die Politikwissenschaftlerin HEIDE GERSTENBERGER. Interview: LEA SUSEMICHEL

 

an.schläge: Sie forschen zu Kapitalismus und Gewalt. Wodurch zeichnet sich die kapitalistische Gewalt aus, die strukturell wirkt, im Unterschied zu direkter Gewalt gegen Menschen?

Heide Gerstenberger: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: 1995 wurde in der Welthandelsorganisation (WTO) ein Abkommen durchgesetzt, demzufolge einzelne Länder jeweils nur eine bestimmte Quote an Textilien auf dem Weltmarkt anbieten durften. Daraufhin haben viele chinesische Unternehmen Fabriken in anderen Ländern errichtet. Als dieses Abkommen im Jahr 2004 auslief, wurden sehr viele Fabriken in Afrika und in Mexiko wieder geschlossen. Allein in Lesotho sollen damals 12.000 Menschen, die meisten von ihnen Frauen, ihren Arbeitsplatz verloren haben. Für sie und ihre Familien bedeutete die Rückverlagerung der Produktion nach China ein lebensbedrohliches Verhängnis. Es war aber nicht die Folge von Gewalt, sondern die einer legalen betriebswirtschaftlichen Praxis: kapitalistischer Alltag also.

Sie gehen in Ihrem neuen Buch auch auf Formen direkter Gewalt ein. Eine einflussreiche Theorie besagt, dass der Kapitalismus inzwischen nicht mehr zu direkter Gewalt gegen Menschen greift, weil dies ökonomisch letztlich unsinnig wäre. Sie widersprechen dieser These. Inwiefern? Und was wäre ein aktuelles Beispiel für diese direkte Gewalt?

Ein Beispiel ist das Leiden jener jungen Mädchen in Indien, für die der Ausdruck „glückliche Bräute“ (Sumagali) heute offiziell nicht mehr benutzt werden darf, obwohl sich an den Verhältnissen kaum etwas geändert hat. Sumagali landen als Arbeitskräfte in Spinnereien, die an Textilfirmen in Indien, Bangladesch, China oder Kambodscha liefern. Angeheuert werden sie von Werbern, die – vorzugsweise in entlegenen Dörfern – mit Eltern einen Vertrag über den Arbeitseinsatz ihrer Töchter abschließen. Die Verträge laufen über drei bis vier Jahre, an deren Ende eine Lohnzahlung versprochen wird, die für eine Mitgift ausreichend sein soll, folglich für eine „glückliche Braut“. Wer sich verletzt oder erkrankt, wird sofort entlassen und erhält gar keinen Lohn, weil der Vertrag ja nicht zu Ende erfüllt wurde. Nahezu täglich wird in der Klinik von Tirupor, einer Stadt im südindischen Staat Tamil Nadu, die auch als T-Shirt-City bezeichnet wird, ein junges Mädchen behandelt, das versucht hat, sich umzubringen, indem es Gift schluckte, sich mit Benzin übergoss oder sich erhängte. Zuvor musste dieses Mädchen lange Stunden täglich arbeiten, Erniedrigung sowie sexuelle Übergriffe erdulden und durfte kaum je das Lager verlassen. Sie war einer Sklaverei auf Zeit ausgesetzt, und damit einer Art der Ausbeutung, von der sowohl die BefürworterInnen als auch die GegnerInnen des Kapitalismus der Ansicht sind, dass sie aussterben muss, weil sie sich angeblich nicht rechnet. Da die jungen Mädchen aber extrem ausgebeutet werden, rechnen sich die Ausgaben für Baracken, Zäune und Aufseher sehr wohl. Auch in Indien sind derartige Praktiken verboten. Weil sie profitabel sind, dauern sie jedoch an. Ähnliche Verhältnisse gibt es an sehr vielen Orten und in sehr vielen Ländern.

Ein CNN-Bericht über Sklaven-Auktionen in Libyen hat vergangenen November die ganze Welt geschockt. Doch Ihrer Meinung nach wurde Sklaverei nie wirklich abgeschafft.

Wenn Arbeitskräfte durch Täuschung oder auch mittels Androhung oder Ausübung von Gewalt zur Aufnahme einer bestimmten Tätigkeit gebracht und dann daran gehindert werden, diese von sich aus wieder aufzugeben, so handelt es sich um eine Praxis direkter Gewalt, wie es sie im Kapitalismus durchgängig gab. Und durchgängig waren und sind auch jene Methoden, bei denen Arbeitskräfte während der Dauer ihrer Arbeitstage an ihrem Arbeitsplatz festgehalten werden. Nach wie vor kommen Zäune, vergitterte Fenster, verriegelte Türen oder auch bewaffnetes Aufsichtspersonal zum Einsatz. Dagegen ist der regelrechte Kauf von Arbeitskräften heute selten, weil Kapital mobil ist, viele Menschen ihre Arbeitskraft sehr billig anbieten und Ersatz für wenig qualifizierte Arbeitskräfte leicht zu beschaffen ist. Sklaverei funktioniert heute ganz überwiegend „just in time“. Sie ist modernisiert, aber weiterhin vorhanden.

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
Illustration: Clara Fridolin Biller

 

Sie zeigen in Ihrem Buch eindrücklich, dass neue Technologien auch zu rigoroser Ausbeutung genutzt werden.

Beim Menschenhandel wird Kommunikationstechnologie effizient eingesetzt. Das gilt für Erwachsene, die zu sexuellen Handlungen gezwungen werden, es gilt aber insbesondere auch für den Handel mit Kindern. Die Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung (ECPAT) hat darauf verwiesen, dass die Routen und Methoden des Handels mit Kindern zum Zweck der sexuellen Ausbeutung ständig wechseln, ja manchmal sogar täglich verändert werden, um den Handel besser an die regionale Nachfrage anzupassen bzw. neue Gesetze und Verordnungen zu berücksichtigen.
Daneben gibt es heute auch Gewaltpraktiken, die durch neue technische Entwicklungen überhaupt erst möglich geworden sind. Dazu zählt nicht zuletzt der Handel mit Organen. Seit der Erfindung von Cyclosporin im Jahre 1978 ist das Risiko, dass ein implantiertes Organ abgestoßen wird, sehr viel geringer geworden. Das hat vielen die Chance auf zusätzliche Lebenszeit eröffnet, andere aber auch der Gefahr ausgesetzt, durch ökonomischen Druck (etwa von Kredithaien) zur Organspende veranlasst zu werden. In Indien wurden und werden vor allem Frauen überzeugt, eine Niere zu spenden, um auf diese Weise die Schulden ihrer Familie zu begleichen. Weil ihnen jedoch kaum jemals Nachsorge angeboten wird, ist ihre Arbeitsfähigkeit nach der Operation oft so stark eingeschränkt, dass die Familie schnell neue Schulden machen muss. Zugleich hat diese medizintechnische Entwicklung auch die Möglichkeit eröffnet, durch den Handel mit geraubten Organen von Verstorbenen, wenn nicht sogar Ermordeten, zu Geld zu kommen.
Weniger lebensgefährlich, aber dennoch gewaltsam erfolgt der Raub von Haaren. Einen Handel mit Haaren gibt es schon lange. Die entsprechenden Märkte wurden durch die Nachfrage nach Echthaarperücken auf der einen und die materielle Not derer, die sich entschlossen, auf einen Teil ihrer Haarpracht zu verzichten, auf der anderen Seite geprägt. Seit Ultraschalltechniken entwickelt wurden, welche die Verbindungsstellen von eigenem mit fremdem Haar so flach machen, dass sie nicht zu sehen sind, und sich diese verlängerten Haare auch färben und mit Dauerwellen behandeln lassen, ist der Handel mit Haaren so lukrativ geworden, dass sich inzwischen auch Banden gebildet haben, die auf den Raub von Haaren spezialisiert sind. Seither müssen Frauen in manchen Staaten Südamerikas, in den USA und in China befürchten, dass sie auf der Straße überfallen und ihrer Haare beraubt werden. 2011 sollen aus den USA Haare im Wert von 1,3 Millionen US-Dollar exportiert worden sein. Ebenso wie beim Raub von Organen handelt es sich beim Raub von Haaren um eine Ausweitung des Bereichs der Warenwelt.

Sozialwissenschaftliche Theorien gehen im Anschluss an Antonio Gramscis Hegemonietheorie davon aus, dass Menschen nicht mehr gewaltsam in die kapitalistische Ausbeutung gezwungen werden, sondern es wird stattdessen dafür gesorgt, dass sie einverstanden sind mit dem System und sich ihm vermeintlich freiwillig unterwerfen. Wie ist das mit Ihrer These vereinbar, wonach durchaus oft weiterhin direkte Gewalt zum Einsatz kommt?

Sofern Konsens nicht als Resultat von ideologischer Indoktrination, sondern von materieller Absicherung interpretiert wird, stimme ich dieser Analyse für metropole kapitalistische Gesellschaften zu. Offene direkte Gewalt gab und gibt es vor allem an den geografischen und sozialen Rändern dieser Gesellschaften. In zweierlei Hinsicht hat die Globalisierung des Kapitalismus die Bedeutung von Gewaltpraktiken allerdings verändert. Zum einen bedeutet Globalisierung, dass heutzutage auch Verhältnisse in weit entfernten Gegenden dem metropolen Kapitalismus zugerechnet werden müssen. Wenn in Bangladesch Arbeitskräfte in einer Textilfabrik ums Leben kommen, hat das auch mit den Verhältnissen in jenen Ländern zu tun, in denen die InvestorInnen für die Textilproduktion in Bangladesch ihren Firmensitz haben. Gleichzeitig bedeutet die Entwicklung sozialstaatlicher Absicherung in Ländern des metropolen Kapitalismus, dass ausländische Arbeitskräfte Gefahr laufen, besonders extrem ausgebeutet zu werden. Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter, Tagelöhner und Hausangestellte zählen vielerorts zu den besonders schutzlosen Arbeitskräften.

Sie sagen, die kapitalistische Gewalt wurde historisch nicht aus ökonomischem Eigennutz gebändigt, sondern immer nur durch sozialen und politischen Widerstand.

Seit 1919 die Internationale Arbeitsorganisation gegründet wurde, gibt es eine internationale Instanz, welche die Unterscheidung zwischen der im Kapitalismus legal zulässigen Ausbeutung und unzulässigen Zwangsverhältnissen in Übereinkommen festlegt. Durch die Ratifizierung dieser Abkommen übernehmen Nationalstaaten diese Bestimmungen in ihre eigenen Gesetze. Das garantiert jedoch nicht deren Durchsetzung. Folglich braucht es nationale und internationale Kampagnen, um Regierungen zu veranlassen, ihren vertraglich zugesicherten Verpflichtungen nachzukommen. Diese Kampagnen setzen jedoch eine genaue Kenntnis der Praktiken direkter Gewalt voraus. Um solche Informationen zu beschaffen, bringen viele Menschen nicht nur ihre Arbeitskraft ein, sondern riskieren vielfach auch ihre Freiheit und manchmal sogar ihr Leben. Eine der Möglichkeiten, sich an ihrem Kampf zu beteiligen, ist die nachdrücklich vorgebrachte Forderung, dass in den Stammländern von Unternehmen eine gesetzliche Verantwortung von Kapitaleignern für die Arbeitsverhältnisse aller ihrer Beschäftigten eingeführt wird – also auch der Beschäftigten in Betrieben, in denen die billige Arbeitskraft von Menschen in weit entfernten Ländern genutzt wird.

 

Heide Gerstenberger ist Sozialwissenschaftlerin. Sie hat an der Universität Bremen gelehrt. Zuletzt von ihr erschienen: Markt und Gewalt. Die Funktionsweise des historischen Kapitalismus, Westfälisches Dampfboot 2017.

 

 

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Differenz als Pflicht https://ansch.4lima.de/differenz-als-pflicht/ https://ansch.4lima.de/differenz-als-pflicht/#comments Mon, 05 Feb 2018 11:44:55 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9322 Am 13. Jänner demonstrierten in Wien Zehntausende gegen die Schwarz-Blaue Regierung. © Hanna Lichtenberger Das Kapitel „Frauen“ im neuen Regierungsprogramm. VON JUDITH GOETZ]]> Am 13. Jänner demonstrierten in Wien Zehntausende gegen die Schwarz-Blaue Regierung. © Hanna Lichtenberger

Das Kapitel „Frauen“ im Programm der neuen Regierung umfasst nur knapp zweieinhalb Seiten. Das genügt, um die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen. Von JUDITH GOETZ*

 

Neben kleineren Verweisen in anderen Kapiteln, wie z. B. jenem, dass geschlechtergerechte Sprache „nicht auf Kosten der Verständlichkeit praktiziert werden“ dürfe, findet sich die kurze frauenpolitische Agenda der türkisblauen Regierung in erster Linie im Kapitel zu „Fairness und Gerechtigkeit“. Bereits im dritten Absatz ist dort unter der Überschrift „Frauen“ von der „Besonderheit beider Geschlechter“ zu lesen, die „den Mehrwert für die Gesellschaft sichtbar“ mache. Es mag wenig verwundern, dass sich die beiden Regierungsparteien nicht den Kampf für die Anerkennung einer Vielzahl geschlechtlicher Identitäten auf die Fahnen schreiben. Es würde aber auch zu kurz greifen, hinter der Formulierung lediglich die strikt an Zweigeschlechtlichkeit orientierte konservative Ideologie zu erkennen. Vielmehr wird dabei die nicht nur im Rechtsextremismus weit verbreitete Überzeugung sichtbar, wonach Männer und Frauen „gleichwertig, aber nicht gleichartig“ seien. Entgegen allen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen wie auch rechtlichen Entwicklungen werden Unterschiede damit nicht als sozial konstruiert – und damit auch veränderbar – verhandelt. Im Gegenteil, mit Rückgriff auf biologistische Argumentationsmuster werden Männer* und Frauen* in dieser Logik als komplementäre Wesen begriffen, die von „Natur“ aus bestimmte Wesensmerkmale und Fähigkeiten hätten. So seien sie zwar gleich viel wert, hätten aber unterschiedliche Aufgaben und Rollen in dieser Gesellschaft zu erfüllen. Kaum verwunderlich auch, dass sich die Regierung für „gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit“ einsetzen will, denn offensichtlich scheint die Arbeit verschiedener Individuen (vermutlich aufgrund ihrer angeblichen naturhaften [Geschlechter-]Unterschiede) nicht gleich (viel wert) zu sein. Insgesamt lässt sich aus dem Programm sozial- wie auch wirtschaftspolitisch kein Verbesserungspotenzial für die Situation von Frauen* ablesen. Zwar findet sich darin u. a. ein Bekenntnis zur Frauen*förderung in der Berufswelt, abseits von einer angestrebten „Einkommenstransparenz“ jedoch keine weiteren Maßnahmen, um Einkommensunterschiede von Männern* und Frauen* zu reduzieren oder Frauen* vor Diskriminierung (am Arbeitsplatz) zu schützen. Insbesondere auch die angekündigten Einschränkungen und Streichungen von Sozialleistungen, von denen Frauen* in der Regel stärker abhängig sind, werden erhebliche Auswirkungen für Frauen* mit sich bringen und insbesondere Alleinerzieherinnen oder arme Frauen* weiter in die Armut bzw. Armutsgefährdung treiben.
So bekannt, überholt und antiquiert diese geschlechterpolitischen Ansichten sind, so bedrohlich könnte es werden, wenn die Regierung sie tatsächlich als gesellschaftliches Leitbild etabliert. Denn Konservative und Rechtsextreme zielen damit auf die Wiederherstellung einer vermeintlich natürlichen Geschlechterordnung und den damit verbundenen Geschlechterrollen ab. Gerade weil biologistische Denkmuster aber auch in der Mitte der Gesellschaft tief verankert sind und sich Mainstream-Medien sensationalistisch immer wieder auf derartige Diskurse berufen, verfügen sie über eine hohe Resonanz in der Gesellschaft. Neben der Exklusion und Abwertung anderer Lebensentwürfe führt dies dazu, dass Frauen* (wieder) in traditionelle, einschränkendere Rollen zurückgedrängt werden könnten.

Santa Familia. Auch hinter der Betonung, dass „Familie“ einzig „als Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern“ (1) zu denken sei, verbirgt sich nicht nur ein äußerst exklusiver, sondern vor allem auch unzeitgemäßer Familienbegriff. Dieser geht schlichtweg an der Lebenswirklichkeit eines Großteils der Menschen vorbei, da Alleinerzieher_innen, Patchworkfamilien und Familien mit gleichgeschlechtlichen Paaren seit geraumer Zeit zur selbstverständlichen gesellschaftlichen Realität geworden sind. Dass rechtsextreme und rechtskonservative Parteien diesen antiquierten Familienbegriff zu stärken versuchen, hat damit zu tun, dass die politischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte (Ehe für alle, Adoptionsrechte etc.) die traditionelle heteronormative, bürgerliche Kleinfamilie mit ihren starren Geschlechterstereotypen tatsächlich ins Wanken gebracht haben. Dagegen wird nun die heteronormative (österreichische) Familie als vermeintlich „natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft“ in Stellung gebracht. Mit derartigen Aufwertungsversuchen sind in erster Linie mehrheitsgesellschaftliche bzw. österreichische Familien gemeint, die „unsere[r] Zukunftsfähigkeit“ sichern sollen. Dahinter verbirgt sich der Versuch, eine pronatalistische Politik mit dem Ziel zu stärken, den Fortbestand des „Volkes“ durch Geburten österreichischer Familien abzusichern. Am Beispiel des angekündigten „Familienbonus“ wiederum zeigt sich, dass sich finanzielle Entlastungen ausschließlich an Gutverdiener_innen richten, da es ein nicht geringes Mindesteinkommen erfordert, um von der Steuer befreit werden zu können. Menschen mit wenig Einkommen gehen hingegen leer aus. Auch das vermeintliche Wohl der Kinder, die den beiden Parteien zufolge in der Familie „behütet aufwachsen […] und gut auf das Leben vorbereitet werden“ sollen, wird, wie gewohnt, für die eigenen Interessen instrumentalisiert. Dies dient vor allem der Abwertung von Lebensentwürfen, die diesem idealisierten Vorbild nicht entsprechen. Obgleich politische Maßnahmen für homosexuelle Menschen im Regierungsprogramm gänzlich ausgespart werden, verbirgt sich hinter der Propagierung heteronormativer Familienbilder auch ein homofeindlicher Backlash gegen die steigende Akzeptanz für alternative Lebensformen und Familienkonstellationen. Diese Bestrebungen könnten langfristig zu einer erneuten Verschlechterung – vorerst auf der symbolischen, möglicherweise langfristig aber auch der rechtlichen Ebene – führen.

 

Am 13. Jänner demonstrierten in Wien Zehntausende gegen die Schwarz-Blaue Regierung. © Hanna Lichtenberger
Am 13. Jänner demonstrierten in Wien Zehntausende gegen die Schwarz-Blaue Regierung. © Hanna Lichtenberger

 

Gut beraten? Auch am Einzug der „christlichen Aktivistin“ und Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler für die ÖVP ins Parlament lässt sich eine Stärkung homofeindlicher Positionen innerhalb der „neu aufgestellten“ Partei ablesen. Hatte sich beispielsweise 2005 die damalige ÖVP-Nationalratsabgeordnete Christine Marek im Vorfeld der Wiener Landtagswahlen noch von Kugler distanziert, weil diese von militanten Abtreibungsgegner_innen gefeiert wurde, zeigen ihre Kandidatur und ihr Listenplatz, dass es aktuell keine Berührungsängste zu dieser Szene mehr geben dürfte. Zum Thema Abtreibung bzw. Schwangerschaft wird im Programm zunächst festgehalten, dass schwangere Frauen* „besonderer Unterstützung“ bedürften. Damit ist aber nicht gemeint, dass sie in ganz Österreich selbstbestimmt und ohne finanzielle Hürden über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft entscheiden dürfen. Als Maßnahme wollen FPÖVP im Gegenteil eine „medizinische und soziale Beratung vor geplanten Schwangerschaftsabbrüchen“ einführen. Diese sind jedoch weniger als Unterstützung, sondern vielmehr als zusätzliche Hürden zu verstehen, da Frauen* an – im schlimmsten Fall verpflichtenden – Beratungen teilnehmen sollen, bevor sie eine Abtreibung auf legalem Wege in Anspruch nehmen können. Das würde für Frauen* in ländlicheren Bereichen, wo die Versorgung schlecht ist, eine große organisatorische, aber auch finanzielle Herausforderung bedeuten. Auch präventive Maßnahmen, um ungewollte Schwangerschaften zu reduzieren, sind nicht weiter vorgesehen.

Rassistische Zuschreibungen. Ähnlich beunruhigend sind auch die im Regierungsprogramm angekündigten Maßnahmen zur Gewaltprävention. Sie richten den Fokus auf „zugewanderte, geflüchtete Frauen“ und betrachten Gewalt gegen Frauen* in erster Linie als Problem von Migrant_innen. Männergewalt innerhalb der Mehrheitsgesellschaft hingegen bleibt weitgehend ausgespart.
Einen furchteinflößenden Blick in die Zukunft schwarz-blauer Frauen*politik ermöglicht bereits das „Versuchslabor“ Oberösterreich: Dort wurden mehreren Frauenorganisationen die Förderungen für dieses Jahr komplett gestrichen.
Zusammenfassend stellt sich also die Frage, ob die aktuelle Regierung ihre für Migrant_innen angedachten „Werteschulungen zur Aufklärung über Gleichberechtigung“ nicht besser zunächst mal selber absolvieren sollte.

 

Judith Goetz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (www.fipu.at) sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus (www.frauen-und-rechtsextremismus.de).

 

(1) Dass sich dieselbe Formulierung im Parteiprogramm der FPÖ finden lässt, gibt nicht nur Aufschluss darüber, dass sich diese bei der Ausverhandlung der familienpolitischen Vorhaben durchsetzen konnte, sondern offenbar überschneiden sich ihre Vorstellungen auch weitgehend mit jenen der Kurz-ÖVP.

 

 

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Von CLARA FRIDOLIN BILLER

 

Illustration: Clara Fridolin Biller
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Von ALMA WEBER

 

Illustration: Alma Weber
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