I / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Wed, 29 Jul 2020 20:02:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png I / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Schwarzer Montag https://ansch.4lima.de/schwarzer-montag/ https://ansch.4lima.de/schwarzer-montag/#respond Mon, 06 Feb 2017 09:54:39 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8409 Proteste gegen ein geplantes totales Abtreibungsverbot in Polen (Iga Lubczańska/flickr)Interview: AGATA CZARNACKA über Erfolgsrezepte aus Polen. Von LEONIE KAPFER]]> Proteste gegen ein geplantes totales Abtreibungsverbot in Polen (Iga Lubczańska/flickr)

In Polen verhinderten Feministinnen ein Totalverbot des Schwangerschaftsabbruchs. LEONIE KAPFER hat mit der Aktivistin und Mitorganisatorin des #czarnyprotest AGATA CZARNACKA über feministische Erfolgsrezepte gesprochen.

 

Polnischen Aktivist_innen gelang es im Oktober des vergangenen Jahres eine weitere Verschärfung des Abtreibungsgesetzes zu verhindern, das Abtreibungen selbst in Fällen von Vergewaltigung und Inzest verbieten sollte. Unter dem Slogan #czarnyprotest („schwarzer Protest“) versammelten sich Zehntausende Demonstrant_innen. Der sogenannte Black Monday Protest brachte den Gesetzentwurf, der ein Totalverbot des Schwangerschaftsabbruchs vorsah, erfolgreich zum Kippen. Dennoch hat Polen nach wie vor eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze Europas: Abtreibungen sind weiterhin nur im Fall einer Vergewaltigung, einer Fehlbildung des Fötus oder einer Gefährdung des Lebens der Frau erlaubt.

an.schläge: #CzarnyProtest war ein voller Erfolg. Wie fühlt ihr euch jetzt?

Agata Czarnacka: Einerseits großartig. Das Bewusstsein über Frauenrechte und Feminismus in Polen ist größer als je zuvor. Als Bewegung fühlen wir uns stärker, besser vernetzt und respektierter. Andererseits ist es natürlich frustrierend, dass die polnische Regierung weiterhin gnadenlos gegenüber Frauen agiert. Erst kürzlich wurde im Justizministerium diskutiert, ob nicht die Europaratskonvention zur Bekämpfung häuslicher und geschlechterspezifischer Gewalt ausgesetzt werden soll. Der Versuch scheiterte glücklicherweise, allerdings hinterlässt so etwas natürlich einen bitteren Nachgeschmack. Und natürlich ist das derzeitige Abtreibungsgesetz eine Katastrophe und stellt eine große Gefahr für die Gesundheit von Frauen dar. Es bleibt also einiges zu tun!

In Warschau und anderen polnischen Städten gingen mehr als 10.000 Menschen auf die Straße. Es gab solidarische Demonstrationen in Berlin, Paris und Wien. Wie organisiert sich ein solcher feministischer Massenprotest?

Einige Dinge will ich lieber nicht ausplaudern, aber wir haben vor allem mit sozialen Netzwerken gearbeitet. Darüber sind relativ einfach viele Menschen zu erreichen. Unser Protest war sozusagen ein Hashtag-Protest (#czarnyprotest). Dahinter steckt aber natürlich trotzdem viel Organisationsarbeit, denn als der Protest zum Massenprotest wurde, sind reale Treffen immer wichtiger geworden. Über die sozialen Medien hat sich unser Netzwerk enorm erweitert, davon profitieren wir jetzt nachhaltig. Als Team haben wir viel erlebt, haben gelernt einander zu vertrauen und uns angefreundet. Ich würde also sagen, wir verfolgen die Strategie von weiblicher Solidarität und Freundschaft. Die hat eine unglaubliche Kraft!

 

Proteste gegen ein geplantes totales Abtreibungsverbot in Polen (Iga Lubczańska/flickr)
Proteste gegen ein geplantes totales Abtreibungsverbot in Polen (Iga Lubczańska/flickr)

 

Leider ist Polen ja nicht das einzige Land, in dem Frauenleben durch eine restriktive Abtreibungsgesetzgebung aufs Spiel gesetzt werden. Steht ihr mit anderen Ländern und Protestbewegungen in Kontakt?

Ja, wir stehen vor allem über die polnische Initiative „International Women‘s Strike“ mit vielen internationalen Frauenorganisationen in Verbindung. Gleich zu Beginn der Proteste haben wir vor allem zu Aktivist_innen in Südamerika, die mit denselben Restriktionen zu kämpfen haben, Kontakt gesucht. Im Laufe des Protests haben sich breite Allianzen ergeben, wir stehen jetzt mit vielen Frauen im Austausch, die wie wir Pol_innen gegen einen Rechtsruck im eigenen Land kämpfen. Viele haben uns gesagt, dass ihnen die erfolgreichen Proteste in Polen neuen Auftrieb für ihren eigenen feministischen Widerstand gegeben haben. Das freut uns natürlich sehr.

Laut Schätzungen von Frauenorganisationen werden jährlich circa 200.000 illegale Abtreibungen in Polen durchgeführt. Wie könnt ihr diesen Frauen helfen?

Zunächst muss betont werden, dass diese Zahlen nur Schätzungen sind, die tatsächlichen Zahlen könnten deutlich höher sein. Vor allem wenn man die Frauen hinzuzählt, die für eine sichere Abtreibung ins Ausland reisen müssen.
Derzeit versuchen wir Frauen vor allem dadurch zu helfen, dass wir das Problem in die Öffentlichkeit tragen und ein Bewusstsein dafür schaffen. Aber es gibt natürlich auch viele Webseiten, die Frauen helfen, an Unterstützung und Informationen zu kommen. Das größte Problem ist dabei allerdings, dass die restriktive Abtreibungsgesetzgebung vor allem sozial benachteiligte Frauen hart trifft. Für Frauen, die über das nötige Geld verfügen, ist es ohne weiteres möglich, in Polen einen sicheren Schwangerschaftsabbruch zu erhalten oder ins Ausland zu reisen. Für ärmere Frauen allerdings, vor allem für jene, die in ländlichen Regionen leben, ist die Situation erheblich schwieriger. Und natürlich sind diese Frauen auch schwerer zu erreichen. Das hat übrigens auch zu dem Paradox geführt, dass vor allem Menschen, die in kleinen Städten oder Dörfern leben, sehr viel mehr Interesse an einer Gesetzesänderung haben als Großstadtbewohner_innen. Für uns ist es daher wirklich am wichtigsten, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Dabei haben wir in Polen einen starken Gegner: Die katholische Kirche verfügt über weitaus mehr finanzielle Ressourcen und sehr enge Verbindungen zur regierenden Partei.
Es geht uns aber nicht nur um den Kampf für Abtreibungsrechte, sondern um reproduktive Rechte im Allgemeinen. Polen hat eine sehr geringe Geburtenrate (1,3 Kinder pro Frau), viele Frauen haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Zum einen glauben wir, dass dies auf die vielen Umweltgifte durch unseren desaströsen Umgang mit unserer Umwelt zurückzuführen ist. Zum anderen kämpfen wir auch dafür, dass Frauen der Zugang zu In-Vitro Fertilisation ermöglicht wird. Die rechtskonservative PiS-Regierung versucht diese unter dem Einfluss der katholischen Kirche zu kriminalisieren und den Zugang zu erschweren.

Was können Frauenbewegungen von #czarnyprotest lernen?

Kontakte knüpfen, Ideen austauschen – vor allem über Social Media – und diese dann praktisch umsetzen. Ich denke, unser Protest wird in den nächsten Jahren immer wichtiger. Gerade frustrierte Männer, die Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien haben, werden uns zu schaffen machen. Feminist_innen werden immer wieder neue Strategien entwickeln müssen, um diesen Männern etwas entgegenzusetzen.

 

Agata Czarnacka ist Philosophin und Journalistin und im Leitungsteam der #czarnyprotest-Bewegung.

 

Übersetzung aus dem Englischen: Leonie Kapfer

 

 

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Zurück auf den Küchentisch https://ansch.4lima.de/zurueck-auf-den-kuechentisch/ https://ansch.4lima.de/zurueck-auf-den-kuechentisch/#respond Mon, 06 Feb 2017 09:48:00 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8412 San Francisco 2014 (Steenaire/flickr)Globaler Backlash gegen reproduktive Rechte. Von BERNADETTE SCHÖNANGERER]]> San Francisco 2014 (Steenaire/flickr)

Mit der Regierung Trumps drohen in den USA massive Einschnitte im Bereich reproduktiver Gesundheit – mit globalen Auswirkungen. Von BERNADETTE SCHÖNANGERER

 

Täglich erhält US-Vizepräsident Mike Pence Dankesbriefe von Planned Parenthood. Denn inzwischen sind Zehntausende Menschen Protestaufrufen gefolgt und haben im Namen des radikalen Abtreibungsgegners an die NGO gespendet, die Frauen bei ungewollter Schwangerschaft unterstützt und die deshalb seit Donald Trumps Wahlerfolg akut bedroht ist.
Während der Wahlkampf des Mitte Jänner vereidigten US-Präsidenten durchwegs von rassistischen und sexistischen Inhalten getragen war, änderte Donald Trump bei den Themen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe immer wieder seinen Standpunkt – was viele Beobachter_innen auf eine liberalere Politik hoffen ließ. Doch auch wenn Trumps abtreibungsfeindliche Haltung weniger auf einer tieferen Überzeugung zu beruhen scheint, sondern angesichts der großen Gruppe Evangelikaler in den USA wohl eher strategisch motiviert ist: Die Postenbesetzungen in seinem Regierungskabinett demonstrieren eine klare politische Linie.
Nicht zuletzt aufgrund Trumps Prahlen mit sexuellen Übergriffen waren bzw. sind religiöse Gruppen bezüglich Donald Trump gespalten. Die Ernennung des ultrakonservativen Evangelikalen Mike Pence als running mate sollte die Unterstützung der religiösen Rechten sichern. Wie seit dem Wahlerfolg von Ronald Reagan in jedem Wahlkampf, spielte das Thema Abtreibung auch diesmal wieder eine entscheidende Rolle für die Mobilisierung christlicher Wähler_innen.

Republikanische Hardliner. Mit der Nominierung von Tom Price als Gesundheitsminister – einem erklärten Gegner von Obamacare – hat Trump eines seiner zentralsten Wahlversprechen nochmals bekräftigt: Gemeinsam mit der Aufhebung des Affordable Care Acts soll auch die staatliche Unterstützung für die Organisation Planned Parenthood gestrichen werden. Mike Pence kampagnisiert bereits als Gouverneur von Indiana seit Jahren gegen die Organisation, einem wichtigen Anbieter sexualmedizinischer und gynäkologischer Gesundheitsversorgung in den USA. Planned Parenthood bietet Vorsorgeuntersuchungen und Krebsabstriche, Tests auf und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten, Sexualaufklärung und kostenlosen Zugang zu Verhütungsmitteln an. Staatliche Unterstützung bekommt die Organisation vor allem in Form einer Rückvergütung durch Medicaid, eine sozialhilfeähnliche Leistung für Menschen mit niedrigen Einkommen, und über „Title X“, ein Programm zur Förderung von Familienplanung für Menschen ohne Krankenversicherung. Republikaner_innen ist die Organisation vor allem deshalb ein Dorn im Auge, weil sie auch Abtreibungen durchführt. Hardliner wie Pence kritisieren aber auch die Verteilung von Kondomen und Sexualaufklärung als „frühe Sexualisierung “ von Kindern.

Roe v. Wade. Im Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, ist seit dem Tod des Obersten Richters Antonin Scalia vor einem Jahr ein Sitz vakant. Aufgrund des hohen Alters mehrerer Richter_innen gilt es außerdem als wahrscheinlich, dass weitere Neubesetzungen in Trumps Regierungszeit fallen werden. Trump hat bereits angekündigt, konservative Richter_innen mit einer „Pro-Life“-Agenda einsetzen zu wollen, um Roe v. Wade, das Grundsatzurteil von 1973, das einen legalen Zugang zu Abtreibungen in den USA sichert, zu kippen. Würde das Urteil tatsächlich aufgehoben, würden bundesstaatliche Gesetzgebungen den Zugang zu Abtreibung regeln. Doch derzeit besteht nur in sieben Bundesstaaten das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung. In jüngster Zeit wurden in mehreren Bundesstaaten überdies radikale Verschärfungen diskutiert: In Indiana und Texas soll ein neues Gesetz Kliniken dazu verpflichten, Föten nach Schwangerschaftsabbrüchen oder Fehlgeburten zu bestatten. In Ohio wird nach einer Reihe ähnlicher Gesetzesvorschläge in anderen Bundesstaaten derzeit die sogenannte Heartbeat Bill verhandelt, die Abtreibungen bereits nach der sechsten Schwangerschaftswoche verbieten soll – einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.

 

San Francisco 2014 (Steenaire/flickr)
San Francisco 2014 (Steenaire/flickr)

 

Zum Schweigen gebracht. Eine von Trumps ersten Amtshandlungen war auch die Wiedereinführung der Mexico City Policy, die so genannt wird, weil sie 1984 unter der Regierung Reagan auf der UN-Weltbevölkerungskonferenz in Mexico City verkündet wurde. Dieser Grundsatz besagt, dass Organisationen keine Gelder über USAID, die Behörde für Entwicklungszusammenarbeit, bekommen können, wenn diese Abtreibungen durchführen, diesbezüglich beraten oder sie in irgendeiner Form öffentlich befürworten. Mit dem Helms Amendment gibt es bereits seit 1973 einen Zusatz zur Verfassung, wonach keine US-Gelder in der internationalen Zusammenarbeit für Abtreibungen eingesetzt werden dürfen. Die Mexico City Policy, aufgrund ihres Zensurcharakters auch Global Gag Rule („Knebelregel“) genannt, trug so nicht nur dazu bei, den Zugang zu legalen – und damit sicheren – Abtreibungen auch dort einzuschränken, wo sie gesetzlich erlaubt sind, sondern erschwerte es auch, über die Gefahren unsicherer Abtreibungen zu sprechen. Die Klausel war ursprünglich von 1985 bis 1993 in Kraft, bis sie unter Bill Clinton aufgehoben wurde. George W. Bush führte sie 2001 wieder ein, von dessen Nachfolger Barack Obama wurde sie bei Amtsantritt erneut ausgesetzt.
Gemeinsam mit anderen Einschränkungen für Fördergelder wie der Anti Prostitution Pledge, die von Organisationen fordert, sich öffentlich gegen Sexarbeit zu positionieren, oder dem während der Amtszeit von George W. Bush geltenden Gesetz, wonach ein Drittel der Fördergelder in der HIV/AIDS-Prävention an Programme für Enthaltsamkeit zu vergeben sind, führte sie dazu, dass progressive NGOs, die wichtige Arbeit in der Gesundheitsversorgung von Frauen und LGBTI in Ländern des Südens leisteten, ihre Arbeit nicht mehr fortsetzen konnten.

Kampf dem Backlash. Die aktuelle politische Entwicklung in den USA verdeutlicht: Reproduktive Rechte sind weiterhin stark umkämpft und keineswegs gesichert. Auch einige national-konservative, rechtsgerichtete Regierungen in Europa stellten den legalen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen infrage, die Regierung der Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen plante Abtreibungen gar vollständig zu verbieten, lenkte jedoch nach Massenprotesten („Czarny Protest“) vorerst ein.
Themen wie Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe werden dabei instrumentalisiert, um Allianzen zwischen unterschiedlichen rechten Gruppierungen zu ermöglichen und christliche Wähler_innen zu mobilisieren – auch entgegen ihrer anderen Interessen, z. B. bei sozialer Gerechtigkeit. Am Beispiel der Bündnisse der Alternative für Deutschland (AfD) mit radikalen Abtreibungsgegner_innen, z. B. im Zuge der europäischen Bürger_inneninitiative „One of Us“, beschreibt der Soziologe Andreas Kemper einige zentrale Punkte ihrer Familien- und Geschlechterpolitik, die sich auch im politischen Programm der FPÖ und anderen rechten Parteien „zum Schutz der Familie“ wiederfinden lassen. (1) Gemeinsam ist ihnen ein traditionelles Verständnis „natürlicher“ Geschlechterrollen, aus dem sich ihre Ablehnung von „Genderismus“ und verschiedenen Formen von Gleichstellungspolitik wie Quotenregelungen als vermeintliche Privilegierung von Frauen und anderen gesellschaftlich marginalisierten Gruppen ableitet.
In den USA steht der moralisch-ideologisch motivierte Kampf gegen Abtreibungen indes in direktem Zusammenhang mit Einschränkungen in der allgemeinen Gesundheitsversorgung, beim Zugang zu Sexualaufklärung und Verhütungsmitteln und einem Backlash bei Selbstbestimmungsrechten von Frauen und LGBTI.
Seit Trumps Wahlerfolg protestieren daher breite Bündnisse, eindrücklich wie der Women‘s March on Washington oder auch die von Bernie Sanders und seinen Anhänger_innen initiierte Kampagne #OurFirstStand, gegen die Abschaffung des Affordable Care Acts und rufen zur Solidarität mit Planned Parenthood auf. Einer großen Kunstauktion zugunsten der Organisation unter dem Titel „Nasty Women“, eine Anspielung auf eine Attacke Donald Trumps auf Hillary Clinton, schlossen sich zuletzt über 700 feministische Künstler_innen an – und fanden ebenso viele kreative Formen, ihren Protest auszudrücken.

 

Bernadette Schönangerer ist Redakteurin der Zeitschrift „MALMOE“ und hat sich in ihrer Diplomarbeit mit der Rolle moralischer Werte in George W. Bushs globaler Initiative gegen HIV/ AIDS beschäftigt.

 

(1) Andreas Kemper: Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD – eine Expertise

 

 

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„Beides existiert nebeneinander“ https://ansch.4lima.de/beides-existiert-nebeneinander/ https://ansch.4lima.de/beides-existiert-nebeneinander/#respond Mon, 06 Feb 2017 09:21:48 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8406 LandwirtInnen protestieren bei der Farmer’s Rally in Bhopal (Ekta Parishad/Wikimedia)Umbrüche und Widersprüche in Indien. Von IRMI WUTSCHER]]> LandwirtInnen protestieren bei der Farmer’s Rally in Bhopal (Ekta Parishad/Wikimedia)

In Indien werden Frauen weiterhin massiv diskriminiert, gleichzeitig ist der Subkontinent gesellschaftspolitisch stark im Umbruch. Vor allem junge Frauen in den Städten erkämpfen sich Raum und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Reportage von IRMI WUTSCHER

 

Seit der brutalen Gruppenvergewaltigung und Ermordung der Studentin Jyoti Singh in Neu Delhi im Dezember 2012 ist Indien im Westen vor allem mit weiteren Stories über Gewalt an Frauen in den Schlagzeilen. Derzeit etwa mit den Ereignissen der Silvesternacht in Bangalore, wo es zahlreiche sexuelle Übergriffe gegen Frauen gab. Gleichzeitig versuchen Feuilletons, Sachbücher und Dokumentarfilme das indische Frauenbild zu erkunden und zeichnen dabei entweder ein Bild mittelalterlicher Unterdrückung oder das eines Landes im Umbruch, in dem gesellschaftspolitisch vieles neu verhandelt wird. Doch welche Variante stimmt denn nun?
Indien, das seit 2014 von der rechtskonservativen hindunationalistischen BJP unter Präsident Narendra Modi sehr wirtschaftsfreundlich regiert wird, ist ein Subkontinent mit 1,2 Milliarden Einwohner_innen und alleine 22 offiziellen Amtssprachen. Indien muss also als ungefähr so divers wie Europa angesehen werden, weshalb ganz Indien betreffende Aussagen höchst schwierig sind. Doch zumindest so viel lässt sich sagen: „Indien ist ein Land der Widersprüche“, meint Bijayalaxmi Nanda, Professorin für Gender Studies am Miranda House, einem Frauen-College in Delhi. Jyoti, die ermordete Studentin, gilt dabei als Vertreterin einer neuen Generation junger indischer Frauen aus der Mittelschicht, die mit der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern versucht, über Bildung gesellschaftlich aufzusteigen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Ja, ein wachsender Teil junger Frauen in Indien ist wie Jyoti“, sagt Nanda. „Noch immer ein sehr kleiner Teil der Gesamtbevölkerung, aber es gibt ihn. Doch gleichzeitig gibt es Frauen, denen zum Beispiel das Recht verweigert wird, sich selbst den Ehepartner auszusuchen, die – auch in der Stadt – nicht alleine das Haus verlassen dürfen. Beides existiert nebeneinander.“

Feministisches Momentum. 2012, nach Jyotis Ermordung, hat es in ganz Indien breite Protestbewegungen gegen Gewalt an Frauen gegeben, die auch im Westen mit großem Interesse verfolgt wurden. Viele der Feministinnen, die ich treffe, nennen 2012 als Ausgangspunkt für eine Wiederbelebung feministischer Bewegungen, alles habe neuen Schwung bekommen. „Damals haben sich junge Männer und Frauen verbündet und gemeinsam protestiert“, erzählt mir Urvashi Butalia, Gründerin des feministischen Verlags Zubaan und eine der bekanntesten Feministinnen Indiens. Viele feministische Bewegungen hat es aber schon zuvor gegeben. So hatten Frauengruppen damals bereits seit zehn Jahren mit der indischen Regierung über eine Aktualisierung des Strafgesetzes zu Vergewaltigung verhandelt. Sie forderten, dass Gruppenvergewaltigungen berücksichtigt werden müssten, ebenso wie Vergewaltigung in der Ehe, die nach wie vor kein Straftatbestand ist. Auch die Definition von Vergewaltigung müsse neu formuliert werden – das Gesetz dürfe nicht wie bisher nur Penetration umfassen. „Und dann kam 2012 und hat alles mit sich gerissen“, sagt Butalia. „Die Leute glauben, nur deswegen ist etwas passiert, ähnlich ist es bei anderen feministischen Bewegungen. Dabei gibt es schon länger eine erstarkende Transgender- und Pride-Bewegungen. Es gab den Slutwalk und es gibt Pinjra Tod.“

Regeln brechen. Die Studentinnen von Pinjra Tod („den Käfig aufbrechen”) werden gegen die rigiden Regeln aktiv, die die indische Gesellschaft für Frauen hat. Im Fall der Organisation Pinjra Tod sind das ganz handfeste Regeln: Wer in Indien während des Studiums nicht bei den Eltern wohnt, kommt in der Regel in einem Hostel, einer Art Studentenheim, unter. Die Hostels sind streng nach Geschlechtern getrennt und dabei gelten auch unterschiedliche Gebote für Männer und für Frauen. Studentinnen müssen teilweise schon um 19.30 Uhr zurück im Wohnheim sein, danach wird zugesperrt. Immer wieder gibt es sogenanntes „Moral Policing“, bei dem die Hostel- oder die Universitätsleitung Verhaltensregeln für Frauen aufstellt, zum Beispiel was Kleidung (nicht zu freizügig) oder Dating betrifft (nicht erwünscht). Im schlimmsten Fall droht bei Verstoß sogar der Rauswurf aus der Universität. Für Männer sind die Vorgaben bei Weitem nicht so streng.
Gegen diese Ungleichheit kämpft Pinjra Tod zum Beispiel mit organisiertem Ungehorsam an: Bei Nachtmärschen bleiben die Studentinnen länger aus, als es die Hostelregeln erlauben, und machen auf der Straße Lärm – das hat zum Beispiel im vergangenen Oktober für einige Aufmerksamkeit und Schlagzeilen gesorgt. „Es geht nicht nur um die Sperrstunden“, sagt die Aktivistin Kawalpreet Kaur zur „Hindustan Times“. „Es geht im Endeffekt um unseren Platz im öffentlichen Raum.“

 

LandwirtInnen protestieren bei der Farmer’s Rally in Bhopal (Ekta Parishad/Wikimedia)
LandwirtInnen protestieren bei der Farmer’s Rally in Bhopal (Ekta Parishad/Wikimedia)

 

Aktiv Herumlungern. Auch die Frauen von „Why loiter?“ nehmen sich die Straße bevorzugt bei Nacht. Aber auf subtilere Weise: „Wir tun nichts. Das ist die zentrale Idee“, erklärt Neha Singh, die Why loiter? nach der Lektüre des gleichnamigen Buchs (1) als Ein-Frau-Initiative gestartet hat. Der Gedanke dahinter: Frauen sind in Indien im öffentlichen Raum kaum präsent. Man sieht sie nur dann im Zug, im Park, auf der Straße, wenn sie einer Tätigkeit nachgehen: Sie fahren zur Arbeit, kaufen ein oder sind mit Mann und Kind unterwegs. Neha hat begonnen, in Mumbai auf öffentlichen Plätzen herumzulungern, zum Beispiel bei einem Stand in Ruhe Tee zu trinken. Sie hat Fotos davon geschossen und via Twitter und Facebook verbreitet. Das hat zu großer Resonanz und Nachahmerinnen geführt. Mittlerweile gibt es sogar einen Ableger in Pakistan.
Die Frauen von „Why loiter?“ sind nicht mit Banner und T-Shirt unterwegs und deklarieren sich nicht als Aktion. Es sind einfach Kleingruppen von Frauen, die sich in der Nacht an der Straßenecke hinsetzen und rauchen und reden oder Fahrrad fahren oder im Park Spiele spielen. Das alleine ist in Indien schon eine Provokation, berichtet Neha. Die Reaktion der Männer reicht von Anstarren und Anmachen bis hin zu Masturbieren, alles schon vorgekommen. „Die meiste Aufmerksamkeit bekommen wir aber von der Polizei“, sagt Neha. „Sie sagen: ‚Es ist gefährlich hier, geht nach Hause. Ihr seid doch Mädchen aus gutem Hause, keine Sexarbeiterinnen. Wenn euch was passiert, dann ist wieder die Polizei schuld.‘“
Allerdings führe das Herumlungern auch oft zu konstruktiven Gesprächen mit Männern, meint Neha. „Nach längerem Gespräch sehen sie oft ein, dass Frauen ein Recht haben, im öffentlichen Raum einfach abzuhängen.“ Deswegen sei Why loiter? auch so einfach wie wirksam: „Es funktioniert nach dem Lustprinzip, nicht mit Wut oder Ärger. Jede Frau – egal, ob sie bei Why loiter? mitmacht oder nicht – sollte herumlungern können.“

Hotspots schaffen. Auch wenn viele kleinere und größere Initiativen in Indien mehr Platz und Sichtbarkeit für Frauen im öffentlichen Raum erkämpfen, handelt es sich derzeit noch um die Aktionen einiger weniger Privilegierter. „Ich würde eher von Hotspots sprechen als von einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung“, meint deshalb Bijayalaxmi Nanda. Und je mehr Freiheiten sich Frauen nehmen, desto stärker wird auch der Backlash: Laut indischer Statistik zu Gewalt an Frauen (2) steigt diese seit 2010 kontinuierlich an. „Frauen in Mangalore oder Bangalore wurden attackiert, weil sie in Pubs waren und Alkohol getrunken haben. Frauen, die nachts alleine auf der Straße waren, wurden vergewaltigt“, sagt Nanda. „Der Backlash wird stärker, je mehr Frauen das Bedürfnis ausdrücken, sich diese öffentlichen Orte zu nehmen.“
Aber zumindest an den Hotspots tut sich etwas. Und vielleicht sind es ja irgendwann tatsächlich Frauen, die in Gruppen beim Chaiwallah (3) stehen und die Passant_innen begutachten.

 

Irmi Wutscher war im Rahmen des Austauschprogramms „Media Ambassadors India – Germany“ der Robert-Bosch-Stiftung in Indien und hielt sich im Pendler_innenzug zur Belustigung vieler Inder_innen wegen des frischen Fahrtwindes am liebsten auf dem Boden neben der Zugtür auf.

 

(1) Shilpa Phadke, Sameera Khan and Shilpa Ranade: Why Loiter? Women And Risk On Mumbai Streets, Penguin Books 2011
(2) IndiaCrimeReport
(3) Chaiwallahssinddiefür das indische Straßenbild typischen Teeverkäu-fer_innen. Auch Indiens Präsident Narendra Modi war früher ein Chaiwallah.

 

 

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an.lesen: Eva hoch drei https://ansch.4lima.de/an-lesen-eva-hoch-drei/ https://ansch.4lima.de/an-lesen-eva-hoch-drei/#respond Mon, 06 Feb 2017 09:05:04 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8403 Elif Shafak © Fethi KaradumanGlauben und Zweifeln in Oxford und Istanbul. Von FIONA SARA SCHMIDT]]> Elif Shafak © Fethi Karaduman

ELIF SHAFAK widmet sich in ihrem Bestseller „Der Geruch des Paradieses“ intensiv dem Glauben und Zweifel, der spirituellen Suche und dem Scheitern an den eigenen Ansprüchen. Von FIONA SARA SCHMIDT

 

„Das letzte Abendmahl des türkischen Großbürgertums“ im Istanbul von 2016 ist der Ausgangspunkt von Elif Shafaks Roman „Der Geruch des Paradieses“. Für Peri Nalbantoğlu war es ein langer Tag, sie wurde verletzt, als sie sich ihre gestohlene Handtasche zurückeroberte, und musste nicht nur sich selbst, sondern auch ihre aufgewühlte Tochter beruhigen. Aus der Tasche fiel ein Foto, das die Erinnerungen an Peris Studienzeit im Jahr 2001 in England wieder lebendig werden lässt und Peri genau wie die Leser_innen von der dekadenten Abendgesellschaft am Bosporus mit nach Oxford nimmt.

Drei Studentinnen. Auf dem Foto sind drei junge Frauen zu sehen, gemeinsam mit ihrem so charismatischen wie umstrittenen Professor Azur. Die zweifelnde Peri aus der Türkei, die iranische Atheistin Shirin und die ägyptisch-amerikanische, muslimische Mona interessieren sich für Feminismus und Glauben. Trotz aller Unterschiede ziehen sie in eine WG: Die Sünderin, die Gläubige und die Verwirrte, nennen sie sich. „Verwirrung können Türken am besten“, sagte Shafak in einem Interview, und tatsächlich sitzt ihre Protagonistin Peri in Oxford immer zwischen den Stühlen, genau wie zu Hause in Istanbul. Der Vater ist ein dem Raki zugeneigter Kemalist, die Mutter eine religiöse Muslimin, beide sind ständig in Diskussionen verstrickt mit Peri als Vermittlerin. Das geht so weit, dass Peri einen Plastik-Weihnachtsbaum des Vaters mit Gebetsketten und Kopftüchern der Mutter über Nacht umdekoriert, um ihre Eltern zu besänftigen. Peris Familie steht für eine Türkei, in der vieles Widersprüchliche gleichzeitig möglich ist und doch alle immer weiter auseinandertreiben. „Es gab eine Zeit“, schreibt Shafak auf „Spiegel online“, „in der man die Türkei für ein leuchtendes Vorbild für die gesamte muslimische Welt gehalten habe, „eine einzigartige Synthese östlicher Kulturen und westlicher, liberaler Demokratie“.
Doch das wird sich ändern. Dass der eine Bruder verhaftet und eingesperrt wird, der andere die Jungfräulichkeit seiner frisch angetrauten Frau anzweifelt, sind prägende Schlüsselmomente für die jugendliche Peri, welche die politische Entwicklung vorwegnehmen.

 

Elif Shafak © Fethi Karaduman
Elif Shafak © Fethi Karaduman

 

Engagierte Autorin. Im englischen Original und auf Türkisch heißt der Roman „Die drei Töchter Evas“. Shafak, die heute vor allem in London lebt, hat das Buch auf Englisch geschrieben. Wer ihren blumigen Stil auf Türkisch und auch in den deutschen Übersetzungen kennt, wird vom trockenen Humor und dem flüssigen Stil in Michaela Grabingers Übersetzung überrascht sein. Die Bestsellerautorin Shafak, die über Maskulinitätsdiskurse in der Türkei promovierte, wurde als Tochter einer Diplomatin und eines Soziologieprofessors in Straßburg geboren und lernte nach der Scheidung der Eltern in den frühen 1970ern mit Mutter und Oma unterschiedliche Lebensentwürfe von Frauen kennen. Auf „Spiegel online“ sagt sie über ihre kürzlich verstorbene Großmutter: „Ihre Persönlichkeit war eine interessante Mischung: zutiefst spirituell, aber entschieden laizistisch; östlich, aber in Harmonie mit dem westlichen Lebensstil; selbst nicht sehr gebildet, aber eine große Befürworterin von Bildung und Freiheit für ihre Tochter und ihre Enkelin. Für mich symbolisierte sie eine Türkei, die eine einzigartige Synthese verschiedener Kulturen und Traditionen enthielt. Und so wie meine Großmutter heute, so ist auch diese Türkei gestorben.“

Laute Zwischentöne. In Oxford soll nicht über Religion, sondern über Gott diskutiert werden. Azurs Seminar steht nur ausgewählten Studierenden offen, die der Professor so zusammenstellt, dass möglichst kontroverse Diskussionen stattfinden. Ganz Coming-of-Age- Roman, bleibt die erotische Faszination für den Dozenten nicht aus und zerstört die Freundschaft der drei Töchter Evas. Noch vereint, gehen deren Diskussionen weit über das Klischee von der muslimischen Frau, zerrissen zwischen Orient und Okzident, hinaus und sind nicht nur spirituell anregend, sondern immer unterhaltsam zu lesen. Shirin ist sicher: „Wir Muslime durchleben zurzeit eine Identitätskrise, vor allem die Frauen. Und erst recht Frauen wie wir!“ „Soll heißen?“, fragt Mona. „Soll heißen: Frauen, die mehr als einer Kultur ausgesetzt sind. Wir stellen die richtig großen Fragen. Heul doch, Jean-Paul Sartre! Nimm das! Eine existenzielle Krise wie unsere hast du noch nie gesehen!“

 

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses
Kein + Aber 2016, 25,70 Euro

 

 

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Protestsong-Playlist https://ansch.4lima.de/protestsong-playlist/ https://ansch.4lima.de/protestsong-playlist/#comments Mon, 06 Feb 2017 08:53:20 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8399 Lieblingslieder aus der Redaktion von FIONA SARA SCHMIDT

 

Pop-Lieblinge

 

Aretha Franklin: Respect

Helen Reddy: I Am A Woman

Barbra Streisand & Donna Summer: No More Tears (Enough is Enough)

Eurythmics & Aretha Franklin: Sisters Are Doin‘ It for Themselves

Lesley Gore: You Don’t Own Me

Nina Hagen: Unbeschreiblich Weiblich

Yoko Ono: Sisters O Sisters

Le Tigre: Hot Topic

Bikini Kill: Rebel Girl

Women’s March

Ethel Smith: The March Of The Women

Ani DiFranco: Play God (Live From Red Rocks)

Sarah Jones: Your Revolution

Fiona Apple: Tiny Hands

Alicia Keys: Girl On Fire

 

Klassiker_innen

 

Violeta Parra: Yo canto a la diferencia

Florence Reece: Which Side Are You On

Bella Ciao

Universal Soldier

I Shall Not Be Moved

We Shall Overcome

Donne Socialiste/ La lega (Sebben che siamo donne)

 

 

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an.sage: Real Shit https://ansch.4lima.de/an-sage-real-shit/ https://ansch.4lima.de/an-sage-real-shit/#respond Mon, 06 Feb 2017 08:19:19 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8390 Lea SusemichelEs ist echt und es ist ernst. Von LEA SUSEMICHEL]]> Lea Susemichel

Ein Kommentar von LEA SUSEMICHEL

 

„Gibt es den in echt?“, fragt mein fünfjähriger Sohn, als er die als Herrscherporträts inszenierten Bilder von Donald Trump in seinem golden geschmacklosen Protzappartement sieht. Ist diese grelle Überzeichnung des tumben Großkotzkapitalisten wirklich real, der unter „realDonaldTrump“ lügend gegen Fakenews wettert, während er Stephen Bannon, den demagogischen König der wahren Lügenpresse, zu seinem Chefstrategen macht? Es ist wohl tatsächlich die Frage der Stunde. Und es lohnt sicher, die schillernde Höllenerscheinung dieses „real Fake“-Phänomens genauer zu analysieren.
Das dringlichere Gebot der Stunde jedoch ist zweifellos, sich in aller Drastik klarzumachen: Ja, das unvorstellbar Schlimme passiert gerade, das alles ist echt. Und es ist ernst. Weshalb wir hier und jetzt etwas dagegen tun müssen und die Analyse der Schuldfrage, die derzeit in linken Medien betrieben wird, als gäbe es die Welt da draußen nicht, vielleicht ein bisschen hintanstellen sollten.
Natürlich ist es wichtig, die rassistische Kollaboration weißer Frauen zu kritisieren, die zu 53 Prozent Trump gewählt haben, obwohl er auch ihnen an die Pussy will (mit seiner Anti-Abtreibungs-Politik wird er das buchstäblich tun). Aber momentan ist es angeraten, sich mit den verbleibenden 47 Prozent zusammenzutun, um dann gemeinsam auch den Rest der Welt zu überzeugen, dass diese trumpsche Horrortruppe aus Freaks & Family unter allen Umständen verhindert werden muss.
Selbstverständlich muss man sich dem Klassismus eines elitären und privilegierten Intellektualismus widmen, der die Sorgen der weißen WutwählerInnen, von denen jetzt so viel die Rede ist, ignoriert. Aber muss man deshalb auch Verständnis für deren Rassimus und Sexismus aufbringen? Diesem gemeinsam entgegenzutreten, ist ganz sicher die bessere Idee.

Zu behaupten, linke Identitätspolitik mit ihren Sternchenschreibweisen und Transgender-Klo-Diskussionen sei Schuld an diesem Desaster, ist eine rechte Anti-Political-Correctness-Strategie. Identitätspolitik ist nicht die Ursache des Problems, sie war im Gegenteil oft Teil der Lösung. Die großen Emanzipationsbewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts, die Frauenbewegungen und die Black-Power-Bewegung, verdanken ihre Stärke einer erfolgreichen identitätspolitischen Mobilisierung. Allerdings wurde dabei im Dienste der gemeinsamen Sache auch geflissentlich über den Sexismus Schwarzer Macker oder den Rassimus und Klassismus weißer Feministinnen hinweggesehen, und das Leugnen von Hierarchien hat dieser Sache auf lange Sicht sicher sehr geschadet. Wir müssen es unbedingt besser machen – aber aufgeben dürfen wir diese gemeinsamen Ziele nicht.
So strategisch sinnvoll Minderheitenpolitik also immer wieder war und ist: Wenn der gewählte US-Präsident über atomare Aufrüstung twittert, sollten linke Feministinnen an amerikanischen Unis lieber über Widerstands- und Mobilisierungsformen diskutieren, statt über die kulturelle Aneignung von vietnamesischen Brötchen in der Mensa zu streiten. Überall auf der Welt sollten wir jetzt unbedingt sofort darüber nachdenken, was wir gegen die drohende ökologische Katastrophe tun können, die unausweichlich wird, wenn in den USA Klimaleugner an der Macht sind. Darüber, wie es passieren konnte, dass die acht reichsten Männer der Welt gemeinsam mehr Vermögen besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung. Darüber, was sich Erdogans Staatsumbau oder Putins und Orbáns Autokratien entgegensetzen lässt und wie sich Protestbewegungen dagegen global solidarisieren können. Denn das müssen sie jetzt auf der Stelle tun, genau wie gegen die AfD und die FPÖ und all die anderen bedrohlich erfolgreichen RechtspopulistInnen, die plötzlich unverhohlen nicht nur ihre antifeministische und rassistische, sondern auch ihre neoliberale Fratze zeigen. Sie sind auch in Europa drauf und dran, nicht nur grundlegende soziale Werte, sondern auch soziale Standards zu zerschlagen.
Die weltweite Solidarität und der ergreifende Erfolg des Women’s March on Washington haben eine Wut und eine Entschlossenheit gezeigt, die nicht nur sehr ermutigend ist, sondern geradezu euphorisch stimmt. Diese Aufbruchseuphorie muss nun Aktivismus werden. Rise! Resist! Go, Ladies, GO!

 

 

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„Unite!“ klingt wie ein Befehl https://ansch.4lima.de/unite-klingt-wie-ein-befehl/ https://ansch.4lima.de/unite-klingt-wie-ein-befehl/#respond Mon, 06 Feb 2017 08:12:38 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8394 „Es lebe der feministische Widerstand!“ © Valerie PurthInterview: GÖKSUN YAZICI über erfolgreiche Solidarisierung. Von VALERIE PURTH]]> „Es lebe der feministische Widerstand!“ © Valerie Purth

In der Türkei wurden nach dem Putschversuch zahllose NGOs verboten. VALERIE PURTH hat die Feministin GÖKSUN YAZICI gefragt, wie Solidarität in Zeiten von Repression und Zensur aussehen kann.

 

an.schläge: Anfang Oktober wurden per Dekret 375 türkische NGOs geschlossen. Wie hat sich das auf deine Arbeit ausgewirkt?

Göksun Yazıcı: Die meisten dieser NGOs, die zunächst suspendiert und dann geschlossen wurden, hatten nichts mit dem Putschversuch oder der Gülen-Bewegung zu tun, sondern beschäftigten sich mit Kinder-, Frauen- oder allgemeinen Menschenrechten. Ich war Mitglied der „Agenda of the Child Association” (Gündem Çocuk Derneği), die sich mit der Verletzung von Kinderrechten – etwa mit Ermordungen von Kindern durch die Polizei oder mit Zwangsverheiratungen – beschäftigt. Sie war unter den 375 NGOs. Straßenproteste sind nur eine Form von Aktivismus: Das Verfassen von Berichten und das Abhalten von Konferenzen zu Themen wie Menschenrechten oder Staatsterror sind ebenso wichtig. Durch das Schließen von NGOs wurden aber auch diese Formen verunmöglicht.

Dass Straßenproteste dennoch – zumindest meinem Eindruck einer Außenstehenden nach – erfolgreich sein können, zeigt das Beispiel rund um den Vorschlag der AKP-Regierung für eine Strafrechtsänderung im November 2016: Sexuelle Übergriffe auf Minderjährige sollten straffrei bleiben, wenn der Täter das Opfer im Anschluss heiratet. Proteste von Feminist*innen waren die Folge, woraufhin der Gesetzesvorschlag „zur Bearbeitung“ zurückgezogen wurde.

Es ist eine Schande, dass eine solche Debatte überhaupt losgetreten werden konnte. Zu einer Vergewaltigung kann es niemals einen „Konsens“ geben, und Zwangsverheiratungen auf diese Weise legitimieren zu wollen, ist skandalös. Ja, Frauen* und LGBTI sind trotz des Verbots von Straßenprotesten hinausgegangen. Das war mutig. Die Polizei konnte ihnen nichts anhaben. Für mich ist dies ein Beispiel, das Hoffnung macht: Manche Grenzen können selbst in den dunkelsten Zeiten nicht überschritten werden. In diesem Fall waren es feministische Grenzen.

Inwiefern haben sich in den letzten Monaten in der Türkei die Möglichkeiten für Aktivismus, und insbesondere feministischen Aktivismus, geändert?

Staatliche Unterdrückung ist in meinen Augen immer ein Ausdruck männlicher Herrschaft. Nach dem Putschversuch wurde der Ausnahmezustand ausgerufen: Er hat und hatte massive Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft. Freier politischer Raum wird beschränkt und die Maxime „Ein Staat – eine Nation – ein Geschlecht” erzwungen. Wenn der öffentliche Raum beschnitten wird, ist das fatal, da die Freiheit von Frauen* und LGBTI vom freien öffentlichen Raum abhängt. Feminismus wurde, genau wie andere Freiheitsbewegungen, zur Zielscheibe des Staats nach dem Putschversuch.

Gibt es Allianzen oder ein Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Akteur*innen in der Zivilgesellschaft?

Das Wort „Unite!“ klingt wie ein Befehl, ich bevorzuge das Verb „common-ing“. „Common-ing “ macht einen Raum auf für die Besonderheiten der einzelnen Bewegungen, während es sie gleichzeitig in einen breiteren gemeinsamen Kontext setzt. Hannah Arendt verwendete die Metapher eines Tischs für den öffentlichen Raum: Ein Tisch trennt und verbindet zugleich. Diese Metapher gilt auch für soziale Bewegungen. Ein solcher Prozess wurde während der Gezi-Proteste gelebt, als alle Bewegungen rund um den „Gezi-Tisch” saßen, verbunden durch den geteilten Raum, und getrennt durch ihre unterschiedlichen Schwerpunkte. Es war ein Prozess des Voneinander-Lernens und des gemeinsamen Schaffens von „common“.

 

Erfolgreiche feministische Proteste in Istanbul nach einem Gesetzesvorstoß, wonach sexueller Missbrauch straffrei bleiben sollte, wenn der Vergewaltiger das Opfer danach heiratet © Valerie Purth
Erfolgreiche feministische Proteste in Istanbul nach einem Gesetzesvorstoß, wonach sexueller Missbrauch straffrei bleiben sollte, wenn der Vergewaltiger das Opfer danach heiratet © Valerie Purth

 

Du arbeitest mit Geflüchteten im Südosten der Türkei, aktuell für eine NGO im Gesundheitsbereich. Wie ist es, dort zu arbeiten?

Der Südosten der Türkei ist großteils konservativ und obrigkeitshörig – ausgenommen die kurdischen Gebiete. Dort zu leben und zu arbeiten ermöglicht es mir, konservative Lebensrealitäten aus der Nähe zu beobachten. Ich habe festgestellt, dass „konservativ“ in diesem Zusammenhang hauptsächlich eine fast absolute männliche Vorherrschaft bedeutet. Humanitäre Arbeit – so wie eben die Arbeit von NGOs im Gesundheitsbereich – wird oft als „apolitisch” abgetan, was ich sehr kritisch sehe. Zumal es mir diese Arbeit erlaubt, sowohl mit Geflüchteten aus Syrien als auch mit anderen Aktivist*innen vor Ort in Kontakt zu treten.

In Österreich – und ich denke in ganz Europa – wird die Situation von Geflüchteten in der Türkei vor allem in Zusammenhang mit dem sogenannten „Flüchtlingsdeal“ zwischen der EU und der Türkei diskutiert. Wie ist die Situation vor Ort?

Dieser Deal hat das Konzept eines „temporären Asyls” für Geflüchtete aus Syrien in der Türkei gestärkt. Es erkennt die Grundrechte von Geflüchteten nicht an, inklusive ihrer politischen Rechte wie der Meinungsfreiheit, sondern gesteht ihnen nur einige wenige Hilfsleistungen zu: z. B. kleine finanzielle Unterstützungen und einen eingeschränkten Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem. Der Zugang zu Bildung bleibt aber trotzdem ein großes Problem: 500.000 der insgesamt 830.000 syrischen Kinder können nicht zur Schule gehen. Natürlich ist die wirtschaftliche Situation, ist die medizinische Versorgung wichtig; als bloß „temporär geschützte“ Personen können Syrer*innen sich jedoch nicht frei artikulieren. Es wird erwartet, dass sie dankbar und ergeben sind; sie werden nicht als politische Subjekte wahrgenommen.

Was kannst du über die spezielle Situation von weiblichen* Geflüchteten sagen?

Sowohl das syrische als auch das türkische Lebensumfeld sind stark patriarchal geprägt. Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein großes Problem. Auch türkische Frauen* bekommen nicht genug Schutz durch den türkischen Staat: Beratungsstellen und Schutzmechanismen wie Frauenhäuser reichen einfach nicht aus. Ein Großteil der Täter bleibt ungestraft, stattdessen wird die Schuld den Frauen* zugeschoben. Wenn die Lage also schon für türkische Frauen* schlecht ist – wie können dann syrische Frauen* geschützt werden?

Was braucht es, um die Situation von geflüchteten Frauen* zu verbessern?

Aufklärung über die eigenen Rechte und damit zusammenhängendes Empowerment halte ich für sehr wichtig. In Syrien etwa ist Polygamie für Männer weitgehend legal – zumindest auf dem Papier, – manche syrische Frauen* und Mädchen lassen sich auf eine Ehe und die Rolle als Zweitfrau eines türkischen Mannes ein, weil sie sich dadurch besseren Schutz versprechen. In der Türkei ist Polygamie jedoch verboten, und eine zweite Ehefrau verfügt über keinerlei Rechte. Dies betrifft auch Zwangsverheiratungen; viele syrische Mädchen werden schon sehr früh verheiratet, teilweise sind sie jünger als 14 Jahre. Auch den Zugang zu Bildung halte ich in diesem Zusammenhang für wesentlich.

 

„Es lebe der feministische Widerstand!“ © Valerie Purth
„Es lebe der feministische Widerstand!“ © Valerie Purth

 

Woher nimmst du deine Motivation?

Solidarität! Frauen* sind stark. Ich habe in Urfa mit einer Frau aus Kobanê zusammengearbeitet, die vor dem IS geflüchtet ist. Ihre Augen waren die traurigsten Augen, die ich je gesehen habe. Das NGO-Umfeld bot Frauen* wie ihr einen geschützten Raum. Langsam erholte sie sich von ihren Erlebnissen und ihre Augen fingen wieder an zu leuchten – dank des feministisch-solidarischen Umfelds und der Freundinnenschaften, die sie schließen konnte. Ich nehme meine Motivation aus dem Wissen, dass Menschen nie lediglich „Opfer“ sind, sondern starke Personen mit der Fähigkeit, ihre Situation zu überwinden und ihr Leben selbst und in Würde zu gestalten.

Welche Themen beschäftigen dich als Aktivistin?

Verschiedene, vor allem aber Feminismus, Migration, LGBTI-Themen, die Einforderung und Rückaneignung von öffentlichem Raum, und prekäre Lebensverhältnisse. Für mich hängen diese Bereiche alle zusammen, da der Kampf um Freiheit sie in einen gemeinsamen Kontext setzt. Wie können wir sexistische Ausbeutung verstehen, wenn wir uns nicht männlicher Herrschaft und Heteronormativität bewusst sind? Wie kann über freien politischen Raum gesprochen werden, wenn wir uns nicht bewusst sind, was Gentrifizierung bedeutet? Es gibt nicht nur ein unterdrückerisches System; diese Machtachsen sind alle miteinander verflochten.

 

Göksun Yazıcı ist Aktivistin, Autorin und Forscherin. Sie arbeitet für verschiedene Initiativen mit Geflüchteten im Südosten der Türkei, aktuell für eine NGO im Gesundheitsbereich. Sie schreibt für diverse Zeitschriften, u. a. für „Express“.

 

Valerie Purth ist Juristin und Orientalistin in Wien. Herbst und Winter 2016 hat sie für eine Forschungsarbeit im Bereich Frauenrechte und Gewaltschutz in Istanbul verbracht.

 

Übersetzung aus dem Englischen: Valerie Purth

 

 

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Feminist Superheroines: Nancy Cunard https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-nancy-cunard/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-nancy-cunard/#respond Sat, 04 Feb 2017 16:38:21 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8380 Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.comFeministin und radikale Gegnerin von Faschismus und Rassismus. Von VANJA NIKOLIĆ]]> Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.com

Sie galt als Salonrebellin, die sich gegen ihre vermögende Familie stellte und sich radikal für Feminismus und gegen Faschismus und Rassismus eingesetzt hat: Nancy Cunard (10.3.1869-17.3.1965) war viel mehr als bloß die Muse der surrealistischen Pariser Künstler und des britischen Schriftstellers Aldous Huxley. Denn neben ihrem politischen Engagement schrieb sie auch selbst Gedichte und gründete einen eigenen Verlag.
Die Beziehung zu einem Afroamerikaner sowie die Veröffentlichung afroamerikanischer Anthologien brachten ihr nicht nur Probleme mit dem Ku-Klux-Klan ein, auch die eigene Mutter zeigte sie an. Den Kampf gegen Rassismus und Faschismus gab sie trotz Drohungen nie auf, in der französischen Résistance setzte sie sich weiter gegen den Faschismus ein, im spanischen Bürgerkrieg engagierte sie sich in Flüchtlingslagern.

 

Illustration: Lina Walde
Illustration: Lina Walde

 

 

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an. künden: Revolutionshexen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-revolutionshexen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-revolutionshexen/#respond Sat, 04 Feb 2017 16:09:12 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8375 © Robert Polster / VolkstheaterBarbi Marković bringt ihren Wienroman „Superheldinnen“ auf die Bühne.]]> © Robert Polster / Volkstheater

Die Autorin Barbi Marković bringt gemeinsam mit Andrea Zaiser und Bérénice Hebenstreit ihren Wienroman „Superheldinnen“ auf die Bühne. Drei Freundinnen mit Migrationshintergrund und Zauberkräften treff en sich jeden Samstag im Café Sette Fontane am Siebenbrunnenplatz. Geplant wird dort die Revolution von unten. Kapitalismuskritik und die Tragik des Krieges werden mit Witz und einer gehörigen Portion Pessimismus verpackt.

 

„Superheldinnen“
Volkstheater, 1070 Wien, Neustiftgasse 1
27.2., 20:00 Uhr, weitere Termine geplant

 

© Robert Polster / Volkstheater
© Robert Polster / Volkstheater

 

 

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an.künden: Progressives Chanson https://ansch.4lima.de/an-kuenden-progressives-chanson/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-progressives-chanson/#respond Sat, 04 Feb 2017 16:03:50 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8374 © Simone ScardovelliSchnipo Schranke mit dem Album „Rare“ auf Deutschland-Tour.]]> © Simone Scardovelli

Schnipo Schranke („Pisse“) feiern ihr zweites Album „Rare“ mit einer ausgiebigen Deutschland-Tour. Hingerotzte Lyrics voll mit derber Ehrlichkeit und bis zum Anschlag ausgeforschten Abgründen werden mit minimalem Setup gepaart. Ein eigensinniges Spannungsfeld aus Blockflöte, Schlagzeug, Keyboard und ausgelassenem Gesang.

 

Schnipo Schranke
8.3. Druckluft Oberhausen
9.3. Gebäude 9 Köln
10.3. Zoom Club Frankfurt
11.3. Im Wizemann Stuttgart
13.3. Hansa 39 München
14.3. E-Werk Erlangen
15.3. Conne Island Leipzig
16.3. Beatpol Dresden
17.3. Festsaal Kreuzberg Berlin
18.3. Uebel & Gefährlich Hamburg
25.3. Faust Hannover

 

© Simone Scardovelli
© Simone Scardovelli

 

 

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an.künden: Sichtfelder https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtfelder/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtfelder/#respond Sat, 04 Feb 2017 16:02:30 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8379 © Gerda Lerner / FrauenFilmTageÜber die diesjährige Ausgabe der Wiener FrauenFilmTage.]]> © Gerda Lerner / FrauenFilmTage

Neben einer Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste zum Thema „Beziehungsformen“ wird bei den diesjährigen Wiener FrauenFilmTagen die südafrikanische Produzentin Bongiwe Selane bei der Präsentation ihres Spielfilms „Happiness is a four letter word“ anwesend sein. Renata Kellers „Warum Frauen Berge besteigen sollten“ berichtet vom Leben der feministischen Historikerin Gerda Lerner. Die Personale ist der Kostümbildnerin Monika Buttinger gewidmet.

 

FrauenFilmTage
2.3.: Eröffnung Filmcasino, 1050 Wien, Margaretenstraße 78
3.–9.3.: Metro Kinokulturhaus, 1010 Wien, Johannesgasse 4

 

© Gerda Lerner / FrauenFilmTage
© Gerda Lerner / FrauenFilmTage

 

 

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heimspiel: Einatmen. Ausatmen. https://ansch.4lima.de/heimspiel-einatmen-ausatmen/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-einatmen-ausatmen/#respond Sat, 04 Feb 2017 15:56:51 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8369 Heimspiel„Schuhu! Guten Morgen, Mamiii! Schuhu!“ Von KRISTINA STRAUß-BOTKA]]> Heimspiel

leben mit kindern

 

Mein Verständnis für das entwicklungspsychologisch notwendige Verhalten von Zweijährigen widerspricht in diesen Tagen regelmäßig meinen eigenen Bedürfnissen. Ich sinniere über ein Bullshit-Bingo für „Wie Eltern ein Paar bleiben“-Ratgeber und entwickle Allergien gegen Weisheiten à la „Geht es den Eltern gut, geht es den Kindern gut“ und „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“ ( ja, eh). Ich finde mich verzweifelt um zwei Uhr morgens (selbst) eingesperrt im Badezimmer wieder, damit ich meinem tobenden Kind nichts antue. Als ich um halb sechs beschließe, dass nun die Nacht wohl als abgeschlossen angesehen werden kann, und in die Dusche steige, brüllt meine Tochter mich an: „Mama, du sollst SCHLAFEN GEHEN!“, rennt in mein Schlafzimmer und hat kurz darauf das Rollo auf dem Kopf, das sie in ihrer Wut herunterzerren will. Ich frage mich, was mit Kindern, deren Eltern weder „Hier wird gewaltfrei erzogen“-Pickerl am Kalender kleben haben noch superengagierte Großeltern oder geduldgesegnete Onkel anrufen können, deren Eltern keine gute Kaffeemaschine und keinen interessanten Job haben, in solchen Situationen passiert.
Schon länger hege ich den Verdacht, dass Mütter, die sich für extremfeministisch halten, weil sie möglichst früh nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gehen, ordentlich verarscht wurden. Vielleicht möchte der oft zitierte französische Staat gar nicht superfrauenfreundlich-liberal die Karrieren der Mütter, sondern vielmehr die Bedürfnisse der Unternehmen befriedigen? Denn: Wie geht Leben – geschweige denn Arbeit –, wenn beispielsweise wochenlang (monatelang! jahrelang!) kein erholsamer Schlaf zu finden ist? Wenn, wie mir eine Co-Mama unter Tränen schildert, Alltagsroutinen wegen Erschöpfung nicht mehr zu bewältigen sind? Familienorientierte Politik müsste neben super Kinderbetreuung auch heißen: mehr Urlaubsanspruch für Menschen mit Erziehungsverantwortung, Eltern-Kind-Kuren auf Krankenschein, staatlich subventionierte Energietankstellen. Heute Früh hat eine Stoffeule mich geweckt – sie wurde gefährlich nahe an mein Gesicht gedrückt – begleitet von: „Schuhu! Guten Morgen, Mamiii! Schuhu!“ Solange diese Eule mich weckt, werde ich nicht die Weltherrschaft übernehmen.

 

Kristina Strauß-Botka ist Politikwissenschaftlerin und Pädagogin.

 

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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positionswechsel: Disruptive Fantasien https://ansch.4lima.de/positionswechsel-disruptive-fantasien/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-disruptive-fantasien/#respond Sat, 04 Feb 2017 15:52:09 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8367 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumneWie wäre wohl eine Karriere als Aussteigerin? Von LOTTA LUISE]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

eine lady genießt und schreibt

 

Immer, wenn mir meine fünf bis sieben Jobs mal wieder derart über den Kopf wachsen, dass ich verschwitzt das Wort „Burnout“ in die Suchmaschine tippe, denke ich in freien Minuten angestrengt über eine Karriere als Aussteigerin nach. Damit meine ich Jobs, die mir ein Überleben in einem kleinen Häuschen in der Provinz ermöglichen würden – vorzugsweise ohne allzu viel menschlichen Kontakt.
Da man in dieser kapitalistischen Schweißwelt ohne Erbe ja immer noch seine Arbeitskraft verkaufen muss, um wohnen und essen zu dürfen, und Katzenanimateurin kein anerkanntes Berufsbild ist und ich auch kein Händchen für die Speisepilz-Zucht habe, erscheint mir eine Karriere als Erotik-Autorin am logischsten. Ich träume keineswegs davon, eine E. L. James („50 Shades“) zu werden, nein, es würde mir völlig reichen, wenn meine Romane zwischen den anderen 2,99-Angeboten auf dem Libro-Grabbeltisch zu finden wären. So einfach ist das aber natürlich nicht. An Hetero-Frauen (die wichtigste Zielgruppe schmutziger Literatur) lassen sich vor allem Unterwerfungsfantasien verkaufen, variiert werden dabei lediglich die Berufsfelder der reichen und mächtigen Männer (Unternehmer, Graf, Anwalt) und das Ausmaß der SM-Praktiken (Fesseln mit Seidentüchern, Lederpeitschen, nackt durch die Stadt führen). Klingt nach einem einfachen Rezept, aber mal ehrlich, kaum jemand wartet wohl auf „Befreie mich, versklave mich“ Teil 17.
Bleibt nur die Nische – oder noch besser: eine disruptive Innovation (Business, Baby!). Mein Konzept wird die literarische Sex-Reportage. Meine Protagonistin wagt es, sexuell zu begehren, und arbeitet sich an ihrer Liste von Zielpersonen und (selbstverständlich auf Konsens basierenden!) Fantasien ab. Für das erste Kapitel leihe ich ihr R., Verkäufer im Gourmet-Spar um die Ecke, dessen völlige Teilnahmslosigkeit und zugleich unglaublich schmutzige Ausstrahlung (dieser Blick, diese vollen Lippen!) mich beim Brotkauf regelmäßig aus der Fassung bringen. Würdet ihr 99 Cent bezahlen, um zu erfahren, wo und wie es R. nach Ladenschluss gerne treibt?

 

Lotta Luise hat gelesen, dass im Waldviertel Menschen ihren Lebensunterhalt mit Shiitake-Pilzen verdienen, die sie auf Baumstämmen züchten. Come on!

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

 

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neuland: Die neue Köln-Debatte https://ansch.4lima.de/neuland-die-neue-koeln-debatte/ https://ansch.4lima.de/neuland-die-neue-koeln-debatte/#respond Sat, 04 Feb 2017 15:39:53 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8362 NeulandDer Begriff „Nafri“ etablierte sich im Politiker_innensprech. Von HENGAMEH YAGHOOBIFARAH]]> Neuland

alltägliche grenzerfahrungen

 

Es ist 2017 und ein insgeheimer Neujahrswunsch meinerseits war, dass wir die Debatte um die Ereignisse in der Silvesternacht 2015/16 in Köln hinter uns lassen, solange sie rassistisch und antifeministisch geführt wird. Wie es im Leben oft der Fall ist, ging mein Wunsch nicht in Erfüllung, stattdessen beschert uns die Stadt erneut Neujahrskopfschmerz.
Diesmal, weil die örtliche Polizei über Twitter bekanntgab, Racial Profiling zu praktizieren – und die Gruppe Verdächtigter, die rund um den Hauptbahnhof eingekesselt und kontrolliert wurden, mit dem zuvor nur intern benutzten Begriff „Nafris“ zusammenfasste. Wer das sein soll? Da sind sie sich nicht ganz einig. Nordafrikanische Intensivtäter heißt es hier, nordafrikanische Männer dort. Mit Nordafrika meinen sie konkret Ägypten, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien und Tunesien. Nein, ich habe mich nicht vertippt. Wer im Erdkundeunterricht aufgepasst hat, der sollte auffallen, dass Syrien überhaupt nicht auf dem afrikanischen Kontinent liegt, sondern in Asien. Ist für die Sammlung jedoch irrelevant, denn es geht um rassistisches Selektieren und die Dämonisierung von als arabisch und männlich wahrgenommenen Personen, nicht um einen Geografie-Wettbewerb. Die knapp tausend Kontrollierten standen unter Generalverdacht – aufgrund ihres Phänotyps, wie die Polizei später einräumte. Offensichtlicher können sie ihren Rassismus nicht mehr präsentieren.
Der Begriff „Nafri“ etablierte sich prompt im Politiker_innensprech. Deutsche fragen sich weiterhin, welche seit Jahrhunderten bestehenden Diskriminierungsformen sie eigentlich noch zu Importprodukten relativieren können, um von der von ihnen ausgehenden Gewalt abzulenken. Ich habe schon jetzt keinen Bock mehr auf dieses Jahr, in dem nicht Rassismus, Patriarchat und der deutsche Waffenhandel als Katalysatoren für Terroranschläge diskutiert werden, sondern Politiker_innen lieber Grundrechte missachten.

 

Hengameh Yaghoobifarah ist Redakteurin beim „Missy Magazine“, Kolumnistin bei der „taz“ und schreibt als @habibitus auf Twitter über –istische Zustände in Deutschland.

 

 

 

 

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Dreamteam https://ansch.4lima.de/dreamteam/ https://ansch.4lima.de/dreamteam/#respond Sat, 04 Feb 2017 15:39:46 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8381 Illustration: *clara biller...]]> Illustration: *clara biller

Von *CLARA BILLER.

 

Illustration: *clara biller
Illustration: *clara biller

 

 

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