Februar 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 06 Sep 2020 15:17:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Februar 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.künden: Forschende Frauen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-forschende-frauen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-forschende-frauen/#respond Fri, 31 Jan 2014 22:48:43 +0000 https://anschlaege.at/?p=4767 Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar in Wien]]>

Marie Curie, die Entdeckerin der Radioaktivität, die Atomphysikerin Lise Meitner und die Entwicklerin des Frequenzsprungverfahrens Hedy Lamarr erfahren stellvertretend für viele (teils unbeachtete) Wissenschaftlerinnen eine Würdigung auf der Bühne. Mit Film und Musik werden ihre Lebenswege nachgezeichnet, die im Privaten wie in der Forschung oftmals Parallelen aufweisen: Sie alle mussten die Hindernisse eines männlich dominierten Wissenschaftsbetriebs überwinden und um Anerkennung kämpfen.

© Reinhard Werner
© Reinhard Werner

24., 25., 27., 28.2., 1.3.: 20.00: Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar, Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 20–22, Tickets: € 18/erm. € 16/14/12/10, www.drachengasse.at, www.portraittheater.net

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an.künden: Geheimtipp: DENA https://ansch.4lima.de/an-kuenden-geheimtipp-dena/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-geheimtipp-dena/#respond Fri, 31 Jan 2014 22:43:56 +0000 https://anschlaege.at/?p=4764 DENA in Hamburg]]>

Keinen anderen Club als das sagenumwobene Indra hat sich DENA ausgesucht, um zwei Tage nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Flash“ ein Konzert zu geben. Die gebürtige Bulgarin und Wahlberlinerin hat im letzten Jahr nicht nur durch Gastauftritte auf dem Album von „Whitest Boy Alive“ auf sich aufmerksam gemacht, sondern mit ihrer Single „Cash, Diamonds, Rings, Swimming Pools“ den Durchbruch geschafft. Musikalisch und ästhetisch orientiert sich die Rapperin an den 1990er-Jahren. Unser Tipp: Schnell noch anschauen, bevor sie die großen Hallen füllt!

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© Zelinda Zanichelli

28.2.: DENA, Indra, 22767 ­Hamburg, Große Freiheit 64, ­Tickets € 14 zzgl. Gebühren, www.denafromtheblock.com, www.soundcloud.com/denaftb

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an.sprüche: Politische Spiele https://ansch.4lima.de/an-sprueche-politische-spiele/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-politische-spiele/#respond Fri, 31 Jan 2014 13:11:58 +0000 https://anschlaege.at/?p=4748 Geschlechtliche Normen im Leistungssport. Von NIKOLA STARITZ, LIAN BRUGGER und SEPIDEH HASSANI]]>

Im Leistungssport werden nach wie vor Nation, Identität und Körperlichkeit verknüpft und einzementiert. Dabei gäbe es in diesem gesellschaftspolitischen Spielfeld Raum für viel mehr Bewegung, wie NIKOLA STARITZ, LIAN BRUGGER und SEPIDEH HASSANI wissen.

Die aktuelle Kulmination an Ereignissen lässt die Ausblendung des Umstands, dass Sport und Gesellschaft etwas miteinander zu tun haben, selbst für die Ignorantesten nur schwerlich zu: Sotschi und die Anti-Homosexuellengesetze in Russland, Katar und Platters wiederholte „Na-dann-sollen-sie-halt-keinen-Sex-haben“-Sager, Hitzlsperger und sein „Bekenntnis“ (zu welcher Religion noch mal?), Anelka und sein Antisemitismus – und dann wird auch noch die bisexuelle Nadine Angerer Weltfußballerin des Jahres. Der erst jüngst von ÖSV-Präsident Schröcksnadel von den Toten erweckte Mythos, dass Sport politikfrei ist, scheint entlarvt.
Warum gerade der massenmediale Sport sich bisher immer so renitent zeigt, wenn es um gesellschaftspolitische Fragen geht? Vielleicht weil es genau hier auch um das „Eingemachte“ geht: um die Herstellung und Zelebration von Identität, die authentisch und natürlich erscheinen und unhinterfragt die „nationale Seele“ widerspiegeln soll – und damit über jede Kritik erhaben ist. Reduziert auf die „reine Körperlichkeit“ mitsamt ihrer vermeintlich genuinen Zweigeschlechtlichkeit, erscheint der Sport als Natur und als Gegenteil von Kultur und interessensgeleiteter Politik. Im Sport können geschlechtliche, sexuelle und nationale Identitäten und alle damit verbundenen Stereotype und Ausschlüsse auf eine Weise artikuliert werden, die anderswo verpönt ist.
Wieso? Nicht weil Sportler_innen oder Fans weniger klug sind, sondern schlichtweg weil es geht und gefördert wird, nicht als politisch relevant und damit nicht als politisch inkorrekt gilt. Ob die aktuelle Hochkonjunktur an politischer Sportberichterstattung daran etwas ändert, ist fraglich. Mit der durch Hitzlspergers Outing ausgelösten Debatte um Homosexualität und Homophobie im Sport scheint sich eher das gesellschaftliche Bewusstsein für die Existenz schwuler Profifußballer gestärkt zu haben denn für die Notwendigkeit von Antidiskriminierung. Dennoch, es bewegt sich etwas.

Nikola Staritz ist Politikwissenschaftlerin, Redakteurin der MALMOE und Mitarbeiterin bei FairPlay, der Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport.

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Illustration: Bianca Tschaikner

Die Sportwelt wird in sogenannte Männer*- und Frauen*-Sportarten eingeteilt, im Leistungssport wird insbesondere die Trennung qua Geschlecht innerhalb einer Disziplin erkennbar. Das ist gut so – wie können die Leistungen sonst gemessen werden, wenn wir alle zusammen Sport machen würden, so die gängige Argumentation.
Hinter diesen Annahmen liegen zwei fatale Trugschlüsse. Zum einen wird festgehalten, es gäbe nur zwei Geschlechter. Zum anderen wird alles darauf ausgelegt, dem Leistungs- und Schönheitsgedanken gerecht zu werden. Denn nicht das Miteinander wird in die Wertung miteinbezogen, sondern wer schneller/höher/stärker ist. Das Ideal ist der Leistungskörper einer modernen Gesellschaft: wettbewerbsfähig, stark, schön. Gleichzeitig wird die Verfestigung der Vorstellungen von Geschlecht begünstigt und die Reproduktion von Geschlechtermythen findet statt. Bei einem solchen Sport-Konzept gehen jedoch der Genuss von und an Bewegungen fernab der Beurteilung des eigenen Ichs und anderer verloren.
Die Bewegungsprojekte in unserem Verein comot* haben bewiesen, dass es auch anders geht. Durch eine queer-feministische Einladungspolitik und die Umsetzung einer vielfältigen und wertschätzenden Kommunikationskultur, die sich an Idealen wie Bewegungsfreiheit, Selbst- und Fremdschutz, von- und miteinander lernen, einander bestärken etc. orientiert, wurde ein neuer Sportraum eröffnet. Einer, in dem der eigene Körper, Bewegungen und Stärken entdecken, Grenzen überschreiten und den eigenen Raum erweitern erprobt wurde. Im Rahmen des Projekts comot:boxen wurde die Sportart Boxen und die Kampfkunst Thaiboxen ausgeübt. Mit der Idee, der Weg ist das Ziel. Nicht der geformte Leistungskörper wird als zu bestimmendes Ideal kreiert, sondern ein Raum, in dem sich jede_r Einzelne entfalten und entwickeln, schweißtreibend und mit Trainingspartner_innen Sport treiben und Spaß haben kann.

Lian Brugger und Sepideh Hassani sind Sozialarbeiter*innen und Freizeitaktivist*innen, versuchen in der Welt zu stehen und rauszufinden was sie wollen und was nicht und haben den Verein comot* bewegungskulturen & soziale arbeit gegründet.

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an.sage: Nachrichten aus der Provinz https://ansch.4lima.de/an-sage-nachrichten-aus-der-provinz/ https://ansch.4lima.de/an-sage-nachrichten-aus-der-provinz/#respond Fri, 31 Jan 2014 13:05:04 +0000 https://anschlaege.at/?p=4745 Regieren und blamieren in Österreich. Von BRIGITTE THEIßL]]>

Regieren und blamieren in Österreich. Von BRIGITTE THEIßL

Rund zwei Monate ist es her, dass Österreich eine neue Regierung bekommen hat. Zum dritten Mal in Folge haben SPÖ und ÖVP die Ressortverteilung unter sich ausgemacht und sich auf ein recht vage formuliertes Regierungsprogramm geeinigt. Keine großen Sprünge, keine großen Überraschungen. Allein Sebastian Kurz, mit 27 jüngster Minister der österreichischen Geschichte, war selbst für die internationale Presse interessant. Dass der ehemalige Integrationsstaatssekretär weder mit rassistischen noch mit besonders ungeschickten Statements auffiel, macht ihn zur Nachwuchshoffnung der Volkspartei, die das Wissenschaftsministerium einem neu installierten Familienministerium unter der Führung von Meinungsforscherin Sophie Karmasin opferte. „Er möchte ein Familien- und Jugendressort machen, das ist ihm wichtig, und deswegen muss er das Wissenschaftsministerium aufgeben“, habe ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger dem scheidenden Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle erklärt, wie dieser im Interview mit dem „Standard“ erzählte. Österreichischer Pragmatismus eben.

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Was aus dem Frauenministerium – also der Frauensektion im Bundeskanzleramt – werden sollte, dafür schienen sich die Regierungsparteien ebenso wenig zu interessieren wie heimische Medien. In Zeiten der Krise gebe es eben wichtigere Fragen zu erörtern – etwa die geplante Schaumweinsteuer (eine Flasche Sekt könnte um neunzig Cent teurer werden!) oder die mögliche Erhöhung der Normverbrauchsabgabe für Neuwagen. Wirtschaftspolitik, das sind Budgetkonsolidierung, Ermessensausgaben, Einsparungen in Millionenhöhe und Arbeitslosenquoten. Dementsprechend sind die Befürchtungen der Schaumweinerzeuger_innen von größerer (medialer) Relevanz als Fragen nach dem guten Leben. Auch LGBT-Rechte kommen in den Plänen der Regierung bisher nicht vor.
Eine Frauenministerin ist aber nach wie vor Teil der Regierung; Gabriele Heinisch-Hosek, nun Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, nimmt die Frauenagenden mit in ihr neues Ressort. Eine Enttäuschung für den Österreichischen Frauenring (die Dachorganisation österreichischer Frauenvereine) und Aktivist_innen rund um die ehemalige Nationalratsabgeordnete Sonja Ablinger, die ein eigenständiges, finanziell gut ausgestattetes Frauenministerium forderten. „Für ein starkes Frauen- und Bildungsressort. Das unterstütze ich!“, antworteten die SPÖ-Frauen auf ihrer Website. Wie das im Detail aussehen soll, darüber ist noch wenig bekannt – auf die Parteien wartet immerhin bereits der nächste Wahlkampf. Zwischen 22. und 25. Mai wird das Europaparlament gewählt. Dass die Wahl bereits jetzt heftig diskutiert wird, ist dem sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Eugen Freund zu verdanken, der in einem „Profil“-Interview das durchschnittliche Einkommen eines „österreichischen Arbeiters“ auf 3.000 Euro brutto schätzte (es ist rund ein Drittel weniger) und „irgendwann in den 1980er-Jahren“ bei einem Mai-Aufmarsch der SPÖ dabei war. Eine mögliche Spitzenkandidatin hätte stattdessen auch die Listenzweite Evelyn Regner sein können, Europaparlamentsabgeordnete und erprobte Gewerkschafterin – es wäre das erste Mal gewesen, dass die Sozialdemokrat_innen bei einer bundesweiten Wahl eine Frau an die Spitze gestellt hätten.
Vermutlich wurde aber mit dem Nachrichtenwert kalkuliert: Nicht zuletzt das Beispiel Frank Stronach machte schmerzhaft deutlich, wie man in Österreich von „Kronen Zeitung“ über ORF bis „Standard“ für innenpolitische Schlagzeilen sorgt. Im Wahlkampf werde ohnehin das Thema pro und contra Europäische Union dominieren, meinen Journalist_innen und schielen auf die FPÖ-Kandidaten Harald Vilimsky und Andreas Mölzer. Letzterer wähnte zuletzt in einer Aussendung die EU als „Teil der internationalen Homo-Lobby“. Sein vom BZÖ verstoßener ehemaliger Parteifreund Ewald Stadler hat gemeinsam mit dem Chef der Christen-Partei die „Reformkonservativen“ gegründet, um für Familie, Vaterland und „Lebensschutz“ zu kämpfen. In anderen europäischen Staaten kämpfen indes feministische Parteien um den Einzug ins Europaparlament. Da bleibt nur eins: Raus aus der Provinz.

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lesbennest: We Don’t Need Another Hero https://ansch.4lima.de/lesbennest-we-dont-need-another-hero/ https://ansch.4lima.de/lesbennest-we-dont-need-another-hero/#respond Fri, 31 Jan 2014 12:59:19 +0000 https://anschlaege.at/?p=4743 LesbennestI just saw this interview with Hermann Maier, aka “The Herminator”. Von DENICE]]> Lesbennest

the fabulous life of a queer femme in action

I just saw this interview with Hermann Maier, aka “The Herminator”, where he states that he won’t go to the winter olympics in Russia because of the country’s stance on homosexuality. Wow! New unexpected ally! Why does it then still make me feel a bit weird? Why don’t I appreciate it as I “should”? Well, maybe it’s because even though (hetero) allies are really cool and much needed, I’m getting tired of heterosexual white men being the new voice in fighting homophobia. I’m not blaming the Herminator here. Or Grönemeyer for smooching a dude in a magazine. Whatever rocks your boat and you believe in. I’m blaming everybody else who makes them into heroes for doing something that should go without saying from the start. They are being celebrated for not being assholes. And still “nobody” (= the mainstream media) wants to start the discussion about how utterly twisted our society is when we raise our eyebrows in wonder every time a hetero guy opens his mouth to say something good. Something anti-discriminatory. Halle­fucking­luja. Queer people and women/feminist movements regardless of sexual orientation have been screaming for decades that we have to stop homophobia. No one used to care. But then Mr Man­Man steps in and holds a stuttering speech about how everybody is “normal”, and all of a sudden the discussion is going on full blast about how discrimination and phobias are maybe not so cool. I know. I know. I fucking know. We live in patriarchy and this is how it is. It’s just that I am soooo tired of it. I do not want a white heterosexual man to be the voice of my struggle, our struggle. I don’t want sexism, racism, homophobia, ableism to be dealt with only when The Man says so. When The Man is ready to handle it. When The Man tells Houston that we have a problem. “But it’s good! People listen to him! Like this we can have the change that we’ve been fighting for!” I’m sorry. It’s not good enough for me. This is going in the wrong direction. I want people to realize that oppression sucks even if they hear it from Dyke Dykerson.

Kolumne Lesbennest Österreich Deutschland Feminismus
Illustration: Nadine Kappacher

Denice suspects that she is trying to simplify a complicated issue to prove her point. Don’t judge her too hard.

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heimspiel: Post-Coolness https://ansch.4lima.de/heimspiel-post-coolness/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-post-coolness/#respond Fri, 31 Jan 2014 12:53:30 +0000 https://anschlaege.at/?p=4741 Medien für bürgerliche Jungeltern thematisieren oft die Frage, wie der Spagat zwischen der Fortführung eines jugendlichen Lebensstils und der Elternschaft zu meistern ist. Von BEAT WEBER]]>

leben mit kindern

Medien für bürgerliche Jungeltern thematisieren oft die Frage, wie der Spagat zwischen der Fortführung eines jugendlichen Lebensstils und der Elternschaft zu meistern ist (Leitbild „hip parents“). Ich dachte bisher, über dieses Alter sei ich hinaus: Ich muss und will nicht die Nacht durchfeiern, wenn ich am nächsten Morgen um sieben aus dem Bett krakeelt werde. Ich kann auch häufig der Versuchung widerstehen, meine Tochter als Litfaßsäule für meinen Kleidergeschmack zu instrumentalisieren. Und mein lang gehegtes Vergnügen an der Durchforstung von Veranstaltungskalendern ersatzbefriedige ich mit der Durchsicht des Programm­angebots für Kindernachmittage am Wochenende. Und es ist die meiste Zeit okay, weil ich mir sagen kann, ich hätte das kinderlose Leben lange genug ausgekostet, um jetzt eben mal ein paar Jahre kleinfamiliäre Aktivitäten in den Vordergrund zu stellen. Es ist ja auch eine interessante Abwechslung.

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Illustration: Nadine Kappacher

Aber es gibt Momente, da gerät diese Selbstsicherheit ins Wanken: Wenn am Freitag ein Freund anruft, um mich zum Besuch der Party mit DJ X zu animieren, der erstmals seit dem legendären Abend vor Jahren wieder auflegt – worauf ich antworten muss, dass ich das Wochenende in einer kinderfreundlichen Therme am Land verbringe. Und ich jetzt leider Schluss machen müsse, weil der Auftritt des Hausmaskottchens Kasimir beginnt. Oder wenn meine dreijährige Tochter von einem Sechsjährigen belehrt wird, dass es baby-mäßig sei, sich vor dem Verzehr das Schnitzel in lauter kleine Stücke schneiden zu lassen. Und ich dann feststellen muss, dass ich das nicht nur bei ihr, sondern auch gleich bei meinem eigenen Essen gemacht habe.

Auch die Abschottung von der Außenwelt hilft nicht. Denn die Herausforderung reift im Kreis der Kleinfamilie: In Gestalt jenes Alters, in dem Kinder sich für ihre Eltern zu schämen beginnen. „Papa, du bist so peinlich!“ Wie lange dauert es noch bis dahin? Fünf Jahre? Acht? Zehn? Schnell noch die verbleibende Zeit nützen, um – voll uncool – abends schon um zehn schlafen zu gehen!

Beat Weber ist eine Autorenleihgabe der Zeitschrift „MALMOE“.

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an.klang: Klotzen statt Kleckern https://ansch.4lima.de/an-klang-klotzen-statt-kleckern/ https://ansch.4lima.de/an-klang-klotzen-statt-kleckern/#respond Fri, 31 Jan 2014 12:44:46 +0000 https://anschlaege.at/?p=4738 Elektro-Zuckerpop-Retro-Girl-Group-Sound-Ambient-Drones. Von SONJA EISMANN]]>

Opernhafte Elektronik, Zuckerpop, Retro-Girl-Group-Sound und Ambient-Drones verbreiten im Winter überbordend gute Laune – aber auch ein wenig Melancholie. Von SONJA EISMANN

Planningtorock klotzt – und kotzt ab über heterosexistische Herrschaftsverhältnisse. Wie das im Œuvre einer für ihre opulent melodramatischen, rätselhaften Elektrokompositionen bekannten Künstlerin zusammengeht? Ganz bombastisch. Harte Politparolen treffen auf jubilatorische Tanzmusik. Während die Performerin, die sich unlängst von Janine in Jam Rostron umbenannte, auf ihren beiden Vorgängeralben noch subtil Kritik am Status Quo übte, heißt es auf All Love’s Legal (Human Level Recordings/Good To Go) ganz unambivalent: „Misogyny Drop Dead“, „Patriarchy Over & Out“ oder „Beyond Binary Binds“. Sie habe es einfach nicht mehr ausgehalten, dass der in ihrem Alltag präsente Aktivismus nicht mit der für sie so lebenswichtigen eigenen Musik deckungsgleich war, so Rostron im Interview mit dem „Missy Magazine“. Dabei hilft ihr das so einleuchtende wie geniale Verfahren, ihre eigene Stimme in mittlere Bereiche zu pitchen, sodass sie weder „männlich“ noch „weiblich“ klingt. Doch damit nicht genug: Mit respektvollen Anleihen an die emanzipatorische Tradition Schwarzer House-Tracks oder mit einer Neuversion von Salt’n’Pepas Aufklärungs-Classic „Let’s Talk About Sex, Baby“, der hier als bass- und fanfarenlastiges Dance-Monster „Let’s Talk About Gender, Baby“ daherkommt, wird auch auf die Kontingenz von Kategorien wie „Race“ angespielt. Und natürlich kommt, trotz der überbordenden Celebration von Queerness, auch der markant düstere, opernhafte P2R-Sound nicht zu kurz. Schon jetzt eine der Platten dieses noch so jungen Jahres.

Planningtorock © Goodyn Green
Planningtorock © Goodyn Green

Neue Jahre sind tatsächlich immer wieder für Überraschungen gut. So kommt eine alte Bekannte, die man nach all der Zeit bereits für inaktiv hielt, mit einem Werk zurück: Paula, das Berliner Doppel aus Elke Brauweiler und Berend Intelmann, das 2000 mit seinem Debüt „Himmelfahrt“ mit zuckersüßen Quietschpopmelodien gleichermaßen begeisterte wie auch irritierte. War das nun eine Schlagerparodie oder eine autarke, ganz neue Form von Pop? Die Frage stellt sich nach fünf Alben mit wechselnden Mitstreitern bei der in Originalbesetzung aufgenommenen, selbstbetitelten Platte (QQ5/Good To Go) wieder, und das ist nach wie vor entzückend. Die von Brauweiler glasklar und schwindelerregend hoch gesungene Naivität von Zeilen wie „Ihre blauen Augen waren so blau wie der Blue Curaçao, den sie tranken, weil sie noch nichts anderes kannten“ kontrastiert mit einer abgeklärt dengelnden Indiegitarre, harmoniert aber doch perfekt mit den ohrwurmsicheren Synthie-Melodien. Schön, wenn alte Bekannte so beschwingt wiederkommen!
Natürlich gibt es auch die Freude darüber, Neues zu entdecken – auch, wenn es sich so anhört, als müsste es The Anna Thompsons eigentlich schon seit Jahrzehnten geben. Das neugegründete Quartett spielte zunächst in einem Neuköllner Proberaum Covers von Kate Bush, Joy Division und Wire. Auf dem selbstbetitelten Debüt (Motor/EDEL) fällt der eigene Stil definitiv Rock’n’Roll-retro aus, wofür nicht nur der orgelige Synthie-Sound und die schrammelnden Gitarren verantwortlich sind, sondern auch der von allen vier Frauen geteilte Chorgesang, der sowohl an originale Sixties-Girl-Groups mit ihren Vokalharmonien wie auch an Reprisen derselben durch Post-Riot-Grrrl-Bands denken lässt.
Nach diesem Triple-Package überbordend guter Laune zollt aber eine Platte auch dem Winter mit all seiner Melancholität Tribut: This Kindly Slumber (Denovali/Cargo) von Birds of Passage. Schon das Cover des dritten Albums der Neuseeländerin Alicia Merz evoziert mit seinen kahlen, nebelverhangenen Bäumen und dem dunklen Waldboden, der eine bizarre Krone für ein im Erdreich verschwindendes Frauengesicht bildet, märchenhafte Winterverlorenheit. Flirrende bis düstere Drones bilden den Untergrund für Merz’ durch die Weite wehenden, geflüstert bis gehauchten Vocals; sachte pulsierende Ambientteppiche laden zum kühlen Ankuscheln und -frösteln ein. So lässt sich der Winter auch in seinen letzten Zügen aushalten.

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Ja – nein – weiß nicht https://ansch.4lima.de/ja-nein-weiss-nicht/ https://ansch.4lima.de/ja-nein-weiss-nicht/#respond Fri, 31 Jan 2014 10:07:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=4735 HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs? Von BETTINA ENZENHOFER]]>

Ab sofort gibt es auch in Österreich die kostenlose HPV-Impfung für 9- bis 11-Jährige. Gebärmutterhalskrebs ist damit aber noch lange nicht besiegt. Von BETTINA ENZENHOFER

Es sind drei Buchstaben, an denen sich derzeit jahrzehntealte Kritikpunkte der Frauengesundheitsbewegung aktualisieren: HPV. Ein medizinisches Thema, das viele betrifft, bevorzugt aber nur an der weiblichen Bevölkerung und mit einem moralisierenden und heteronormativen Blick abgehandelt wird („je mehr Sexualpartner die Frauen haben, umso höher ist ihr Erkrankungsrisiko“), bei dem mangels Transparenz unklar ist, inwieweit die Pharmaindustrie lobbyiert, und bei dem auffällt, wie schlecht informiert die meisten sind. HPV ist die Abkürzung für humane Papillomviren. Eine rund 600 Euro teure Impfung immunisiert gegen manche der mitunter krebsauslösenden Viren. Neu sind pro- und contra-Stellungnahmen zur HPV-Impfung nicht, aber mit Februar – wenn Österreich als letztes EU-Land die Impfung für Kinder öffentlich finanziert – werden sich auch hierzulande viele Eltern die Frage stellen, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen. Sätze wie zum Beispiel „manchmal steht nur eine Impfung zwischen Leben und Tod“(1) richten sich allerdings nicht nur an Kinder, sondern adressieren auch junge und erwachsene Frauen. Und die Tatsache, dass bei Frauen Gebärmutterhalskrebs die zweithäufigste Krebsart und dritthäufigste Krebstodesursache – wohlgemerkt: weltweit – ist, klingt alarmierend.

Infektion trotz Verhütung. Insgesamt gibt es über 120 verschiedene humane Papillomviren, etwa vierzig infizieren den Genitalbereich. Von ihnen werden mehr als ein Dutzend als „High-Risk“ klassifiziert, weil sie Krebsvorstufen und Karzinome verursachen können. Die anderen genitalen HP-Viren werden als „Low-Risk“ eingestuft – sie können lästige, aber harmlose Feigwarzen zur Folge haben. Eine Übertragung findet durch intimen Hautkontakt (etwa Geschlechtsverkehr) statt, wobei die Benutzung von Kon- und ­Femidomen zwar die Übertragungsgefahr verringert, eine Infektion aber trotzdem stattfinden kann. Achtzig bis neunzig Prozent aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens, und bei den meisten heilt die Infektion von selbst wieder ab. Halten sich die HP-Viren hartnäckig, so können sie zu Zellveränderungen und in seltenen Fällen im weiteren Verlauf zu Gebärmutterhalskrebs führen.
Im Globalen Norden tritt das Zervixkarzinom allerdings vergleichsweise selten auf, in Europa ist die Zahl schon seit den 1950er-Jahren rückläufig. 2011 erkrankten beispielsweise in Österreich insgesamt 17.769 Frauen neu an Krebs, 9.371 verstarben. Gebärmutterhalskrebs ist in der von Brust-, Lungen- und Darmkrebs angeführten Statistik weit abgeschlagen: Hierzulande bekamen 2011 392 Frauen die Diagnose, 153 starben am Zervixkarzinom. Von hundert Frauen, die 75 Jahre alt werden, wird in Österreich eine an diesem Krebs erkranken.
Die 35-jährige Maria ist trotz des vergleichsweise geringen Risikos beunruhigt: Letztes Jahr war ihr Krebsabstrich auffällig, ein High-Risk-HPV konnte nachgewiesen werden. „Zuvor hatte ich noch nie von HPV gehört“, sagt Maria, „meine Gynäkologin sagte, dass eine Operation anstünde, sofern das Virus nicht von selbst weggehe.“

Impfen gegen Krebs? „Leben retten“, so heißt es aus dem Gesundheitsministerium, wolle man nun durch die Aufnahme der HPV-Impfung ins kostenlose Kinderimpfprogramm. Wer im September in die vierte Schulstufe kommt, also das neunte Lebensjahr vollendet hat, kann sich kostenlos zwei „Gardasil“-Teilimpfungen verabreichen lassen. Und während in den meisten anderen Ländern nur Mädchen geimpft werden, können in Österreich alle Schüler_innen dieser Altersklasse an der HPV-Immunisierung teilnehmen. „WissenschaftlerInnen sagen, dass die Übertragung auch durch Burschen stattfindet, deshalb ist es wichtig, die Impfung auch bei ihnen vorzunehmen“, sagt Gesundheitsminister Alois Stöger im an.schläge-Interview. Sektionschefin Pamela Rendi-Wagner ergänzt, dass neunzig Prozent der Anal- und Peniskarzinome mit HPV assoziiert seien, Burschen somit also auch einen direkten Schutz hätten. Für einen Herdenschutz(2) würden WissenschaftlerInnen mit einer Impfrate von etwa siebzig Prozent spekulieren – für Rendi-Wagner und Stöger ein „ambitioniertes Ziel“, das sie aber zumindest in der Alterskohorte zu erreichen glauben.
Doch selbst wenn ein Herdenschutz gegeben ist: „Gardasil“ immunisiert nur gegen zwei High- und zwei Low-Risk-HP-Viren (HPV 16 und 18 bzw. 6 und 11). HPV 16 und 18 werden für siebzig Prozent aller Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich gemacht, HPV 6 und 11 für neunzig Prozent aller Genitalwarzen. Gegen alle anderen HP-Viren kann die Impfung nichts ausrichten, wenn auch eine gewisse Kreuzprotektion gegen andere HPV-Typen erwartet wird. Eine bereits bestehende HPV-Infektion wird durch die Impfung nicht beseitigt, weshalb sich Impfempfehlungen vorrangig an noch nicht sexuell Aktive richten.

Krebsvorsorge oder -früherkennung? Frauengesundheitszentren sehen die HPV-Impfung schon seit Jahren kritisch. Für das Feministische FrauenGesundheitsZentrum (FFGZ) in Berlin ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis negativ, die Datenlage nicht ausreichend. Außerdem gebe es den PAP-Abstrich, der allerdings verbesserungsfähig sei. „Wichtig ist, sich nicht nur die Impfung anzusehen, sondern was sie bezwecken soll, nämlich die Reduktion von Gebärmutterhalskrebs. Ob das durch sie erreicht wird, wissen wir allerdings erst in einigen Jahrzehnten. Doch die Reduktion kann auch durch andere Maßnahmen erreicht werden, die aber nicht vermittelt werden“, sagt Cornelia Burgert vom FFGZ. Das sieht auch Sylvia Groth, die Leiterin des Grazer Frauengesundheitszentrums, so: „Der PAP-Abstrich ist, wie eine aktuelle Studie zeigt, mangelhaft. Aktuell sollen zwar alle Frauen einen PAP-Abstrich machen, sie können aber keine ausreichende Qualität erwarten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“ Denn auch wenn die HPV-Impfung eine Krebsvorsorge- und der PAP-Abstrich eine Krebsfrüherkennungsmaßnahme ist, seien aus einem Public-Health-Standpunkt beide dazu geeignet, das eigentliche Ziel zu erreichen: weniger Zervixkarzinome.

Kosten-Nutzen-Rechnung. „Nur die Impfung einzuführen und das Screening unverändert zu belassen, ist nicht nur unverantwortlich für die betroffenen Frauen, sondern auch aus ökonomischen Gründen nicht akzeptabel“, resümierte auch Ingrid Zechmeister-Koss in einem Kommentar in der Tageszeitung „Der Standard“ (3). Schon 2007 ergab eine von ihr geleitete Studie(4) des Ludwig Boltzmann Instituts, dass unter „maximal optimistischen Annahmen“ mit der Impfung von zwölfjährigen Mädchen und Burschen bis zum Jahr 2060 im Jahresdurchschnitt nur etwa 71 Zervixkarzinom-Neuerkrankungen und 26 Todesfälle weniger zu erwarten wären. Die Studie resümiert mit verschiedenen Handlungsoptionen. Eine von ihnen ist die „Impfung unter verbessertem Preis-Leistungsverhältnis“. Das sei nun erreicht, sagt Alois Stöger. Welcher Preis für Bund, Länder und Sozialversicherung konkret verhandelt wurde, war allerdings auch im an.schläge-Interview nicht zu erfahren – nur, dass er „in der Größenordnung anderer Impfungen“ liege.

Informiert entscheiden. Für die individuelle Impfentscheidung sind aber ohnehin andere Fragen relevanter: Unklar ist etwa, wie lange die Impfwirkung anhält. Entsprechende Studien laufen erst seit neun Jahren; dass der Impfschutz länger besteht, ist zwar möglich, derzeit aber wissenschaftlich nicht gesichert. Hinsichtlich schwerer unerwünschter Wirkungen – in den vergangenen Jahren kam es zu einzelnen Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang mit der HPV-Impfung – heißt es heute, es könne kein kausaler Zusammenhang bestätigt werden.
Wichtig ist jedenfalls, was Frauengesundheitszentren seit jeher betonen: evidenzbasierte, umfassende, unabhängige Aufklärung über Nutzen und Schaden – das beinhaltet auch die Frage, was passiert, wenn man sich nicht impfen lässt, wie der natürliche Verlauf der Erkrankung aussieht und welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Zellveränderungen vorzubeugen, erklärt Sylvia Groth. Doch die meisten Jugendlichen sind über HPV, Übertragungswege und die Folgen einer Infektion schlecht informiert.

Sonja ist 36. Bei ihr wurden vor längerer Zeit „sämtliche High- und Low-Risk-HPV“ nachgewiesen. Geimpft ist sie bis heute nicht, ihre Kinder möchte sie aber impfen lassen: „Impfungen halte ich dann für sinnvoll, wenn Krankheiten, die lebensbedrohlich oder mit einer hohen Sterbewahrscheinlichkeit einhergehen, ausgerottet werden können. Dennoch will ich jede einzelne Impfung genau unter die Lupe nehmen.“ Ausreichend aufgeklärt fühlt sich Sonja nicht. Auch Jasmin wird ihren Sohn impfen lassen, er soll kein HPV-Überträger sein. Birte ist 32, HPV-negativ und wird sich demnächst impfen lassen. Die 600 Euro sind für sie kein Thema, solange sie mit keinen schweren Impfschäden rechnen muss. Und Maria erfährt demnächst, ob ihr High-Risk-HPV noch nachweisbar ist. Geholfen hätte ihr die Impfung allerdings nichts: In ihren Zellen hat sich HPV 66 eingenistet – ein High-Risk-HPV, gegen den die HPV-Impfung nicht immunisiert.

Fußnoten:
(1) Motto der HPV-Kampagne der Österreichischen Gemeinschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie
(2) Bei der Herdenimmunität ist die Immunität innerhalb einer Population derart weit verbreitet, dass auch ungeimpfte Personen geschützt sind.
(3) http://bit.ly/1dJFOpI
(4) http://bit.ly/1diphwv (PDF)

weiterführende Information:

  • Feministisches Frauen­GesundheitsZentrum Berlin: clio 73. Erst die Infektion und dann? Erkrankungen und Stärkung des Unterleibs, 2011
  • Frauengesundheitszentrum, Graz: Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs/HPV-Impfung. Informationen und Erfahrungen. Eine Entscheidungshilfe, 2010 http://bit.ly/KYe5er (PDF)
  • Frauengesundheitszentrum Kärnten: Orientierungshilfen zur HPV-Impfung, www.fgz-kaernten.at/33023.htm
  • HPV-Impfung. Sinnvoll oder nicht? Eine persönliche Entscheidungshilfe www.aok.de/portale/bundesweit/hpv
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¡Sí se puede! https://ansch.4lima.de/4728-2/ https://ansch.4lima.de/4728-2/#respond Thu, 30 Jan 2014 16:03:29 +0000 https://anschlaege.at/?p=4728 In Spanien wird für ein Dach über dem Kopf gekämpft. Von MIRJAM BROMUNDT]]>

Spaniens Krise ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen. Nach dem Kampf um Bildung und Arbeit geht es jetzt um ein würdiges Dach über dem Kopf. Von MIRJAM BROMUNDT

„Ich will keine Millionen, nur meine Rechnungen bezahlen und in Ruhe leben können“, sagt Rosa* aus Terrassa. Die 53-Jährige musste wegen der Finanzkrise ihr Geschäft schließen, den Angestellten ihre Abfertigungen ausbezahlen und dafür zum bestehenden Wohnungskredit einen zweiten aufnehmen. Zunächst als Putzfrau, dann als Arbeitslose konnte Rosa die Raten der Bank bald nicht mehr bezahlen, die schließlich ihre Wohnung zur Versteigerung freigab. Arbeitslos, überschuldet und aus ihrer Wohnung vertrieben, geht es Rosa wie derzeit vielen Spanier_innen.

Bergauf. Bereits 1997 beginnt der Immobilienboom Spaniens, der zehn Jahre später für die aktuelle Situation verantwortlich sein wird. Der Wohnbau war ein wesentlicher Motor der spanischen Wirtschaft, schuf Arbeitsplätze und war so die Lebensgrundlage vieler Menschen, die mit ihrer Kaufkraft wiederum indirekt Arbeitsplätze sicherten. Große Flächen wurden mithilfe der Politik in Bauland umgewidmet, riesige Wohnkomplexe errichtet – oft fernab von städtischer Infrastruktur oder an für Tourist_innen attraktiven Standorten. Wurden 2001 370.000 Wohnungen gebaut und zu 990 Euro pro Quadratmeter verkauft, waren es 2007 790.000 neue Immobilien zu einem Quadratmeterpreis von über 2.000 Euro. Die Immobilienblase war an ihrem Höhepunkt angelangt, die Bauindustrie längst nicht mehr an den Wohnbedürfnissen der Spanier_innen, sondern an Investitionsobjekten interessiert und produzierte mit 13,7 Prozent einen Wohnungsleerstand wie sonst nirgends in Europa.

Kaufen statt Mieten. Rund 87 Prozent aller spanischen Wohnungen sind Eigentum, nur 13 Prozent werden vermietet. 1950 gab es noch mehr als die Hälfte der Wohnungen zur Miete, seither wurden die Interessen der Wirtschaft und des Staates über jene der Bevölkerung gestellt: Der Zugang zu Mietwohnungen wurde erschwert, Eigentumswohnungen propagiert und deren Erwerb durch leicht gewährte Kredite auch für Einkommensschwächere zugänglich. „In der Bank sagten sie mir, dass ich meine Wohnung immer verkaufen könne, wenn ich die Raten nicht bezahlen könne. Eine Wohnung im Zentrum von Barcelona würde in ihrem Wert nie fallen“, erzählt Mercedes*. Die 56-Jährige kaufte ihre Wohnung 2001. Wie Rosa musste auch Mercedes wegen der Krise ihr Modegeschäft schließen, und die Raten für die Bank überstiegen bald ihre Möglichkeiten. Eine_n Käufer_in für ihre Wohnung zu finden, war zu dem Zeitpunkt wegen des großen Angebots unmöglich.
Dubiose Klauseln in den Kreditverträgen trugen nicht selten zu einer Verdreifachung der Raten bei, und auch für sozioökonomisch schlechtergestellte Menschen fanden die Banken eine Lösung: avales cruzados (gekreuzte Bürg_innen). Dabei bürgen nicht nur wie im Großteil der Fälle Familienmitglieder füreinander, sondern auch Unbekannte für Unbekannte – vermittelt durch die Bank oder Immobilienagenturen. Zunächst glücklich über die Möglichkeit, überhaupt eine Wohnung kaufen zu können, muss später aber auch den Pflichten als Bürg_in nach-gekommen werden, sollte die andere Partei zahlungsunfähig sein.

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Zwischen 1997 und 2007 wurden in  Spanien 6,6 Millionen Wohnungen gebaut, so viele, wie in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. 2010 waren 3,4 Millionen Wohnungen unbewohnt.
Illustration: Bianca Tschaikner

Bergab. Der unnachhaltige Bau von Wohnungen kollabierte schließlich 2007 und brachte die Schließung der meisten Bauunternehmen mit sich. Dazu kam die steigende Inflation und ein marodes Banksystem. Fast jede_r in Spanien kennt aus dem eigenen Umfeld eine Geschichte ähnlich jener von Rosa oder Mercedes. Anfangs ging es um die steigende Arbeitslosigkeit (2007 lag sie bei 8,3, 2013 bei 27,16 Prozent), bald um das Wohnungsproblem, weil Mieten oder Kreditraten nicht mehr bezahlt werden konnten. „Ich wollte mir das Leben nehmen“, sagt Rosa, die mit der Situation nicht mehr fertig wurde. Die physische wie psychische Belastung aufgrund der Wohnsituation bemerkt auch Caritas Barcelona, die 2013 mit 5,3 Millionen Personen wie Rosa unterstützte.
Doch nicht alle suchen Hilfe. „Ich hatte mich von der Welt isoliert“, sagt Mercedes, so wie viele Spanier_innen, denen ihre Situation als säumige_r Zahler_in peinlich ist und die nicht mehr weiter wissen. Mehr als hundert Selbstmorde sollen bisher direkt mit drohenden Zwangsräumungen in Zusammenhang stehen. „Ihre“ Wohnung zu okkupieren, ist oft die einzige Möglichkeit für die Betroffenen. So auch für Rosa, die mit ihrem Mann kurzfristig bei ihrer Tochter untergekommen war. Eines Nachts fuhren sie zur alten Wohnung, die nach der Zwangsräumung leer stand. Sie tauschten das Schloss, die Nachbar_innen übernahmen ihre Betriebskosten und verhalfen dem Ehepaar zu ihrem Dach über dem Kopf. „Zwei Mal kam die Bank schon und wollte mir die Wohnung nehmen“, sagt Rosa und hat Angst vor dem nächsten Mal.

PAH. Die „Plataforma de Afectados por la Hipoteca“ ist eine 2009 gegründete parteiunabhängige Bürger_inneninitiative, die vorwiegend von Enteignung bedrohte Betroffene der Krise unterstützt. Die Organisation berät in ganz Spanien kostenlos Hilfesuchende, die sich auch gegenseitig beim Verhindern von Delogierungen oder Verhandeln mit den Banken unter die Arme greifen. So wurden bereits 936 (1) Delogierungen verhindert und vielen Menschen mit ihrem Slogan „¡Sí se puede!“ („Ja, man kann!“) Mut gemacht. Über die Zahl der Delogierungen von Personen aus Wohnimmobilien wird derzeit eine Studie durchgeführt, der Verband der Grundbuch- und Handelsregisterführer_innen spricht allerdings von 65.800 eingeleiteten Zwangsversteigerungsverfahren 2012, wobei etwa 75 Prozent auf Hauptwohnsitze entfallen.
„Sechs Monate verhandelten wir mit der Bank und machten mit Aktionen Druck“, sagt Rosa, „sie wollte die Schlüssel zur Wohnung, mir die Restschuld aber nicht erlassen.“ Derzeit darf sich die Bank eine Wohnung für sechzig Prozent des ursprünglichen Wertes einbehalten, auf den restlichen Schulden bleibt man aber weiterhin sitzen – in Rosas Fall 129.000 Euro. 2012 wurde von der Partido  Popular (PP) der „Código de Buenas prácticas“ eingeführt, der zwar für Familien mit „Risiko der sozialen Exklusion“ eine Möglichkeit des Restschuldenerlasses einräumt und vorsieht, mehr Mietwohnungen für delogierte Personen zur Verfügung zu stellen. Allerdings blieb die Ursachenbekämpfung aus, und rund ein Drittel der kritischen Fälle wurden von der Regelung ausgeschlossen. Für zwei weitere Maßnahmen wurde die Regierung wegen missbräuchlicher Klauseln in Kreditverträgen schon zweimal vom Europäischen Gerichtshof verurteilt. Nach wie vor ist das Geschäft mit Immobilien für Investor_innen aus dem Ausland interessant, wobei auch nahe Verwandte von Politiker_innen als Berater_innen fungieren. So werden Madrider Sozialbauten derzeit von der Stadt günstig an Goldman Sachs verkauft, die sich von den Mieten der ökonomisch schwachen Bewohner_innen Profite erhoffen. Faule Kredite hingegen verschieben die Banken in die eigens gegründete spanische Bad Bank SAREB, die sich wiederum um deren Weiterverkauf – beispielsweise an die Deutsche Bank – kümmert. Dass die eigene Wohnung oder der Kredit also plötzlich den_die Eigentümer_in wechselt, merken die Bewohner_innen erst hinterher.

Druck von unten. In Form einer Volkspetition versucht die PAH nun ihre Forderungen nach einer gesetzlichen Implementierung des in der spanischen Verfassung sowie in der Menschenrechtserklärung verankerten Grundrechts auf würdevollen und angemessenen Wohnraum durchzubringen. Zwei Jahre wurde die Organisation für den Start der Petition hingehalten – vor den Wahlen 2011 war den Regierungs- und Oppositionsparteien das Thema noch zu heikel. Innerhalb von neun Monaten wurden 1,4 Millionen Unterschriften gesammelt, das sind 900.000 mehr als für eine Bearbeitung im Parlament notwendig wären. Die Eckpunkte: Die Möglichkeit des Restschuldenerlasses auch rückwirkend auf Hauptwohnsitze, ein Aussetzen der Delogierungen (wie beispielsweise in Griechenland) und das Einrichten einer Sozialmiete, die Personen fünf Jahre lang für dreißig Prozent des Haushaltseinkommens in ihren Wohnungen bleiben lässt – wie es ähnlich die Autonome Gemeinschaft Andalusien zum Unmut von Regierung und EU für ihre Region eingeführt hat. Als Druckmittel für die Durchsetzung des Gesetzes organisiert die PAH sogenannte „escraches“(2) vor den Wohnungen jener PP-Politiker_innen, die derzeit gegen das Gesetz auftreten. Als Antwort der Regierung könnte das kürzlich verschärfte Demonstrationsrecht gesehen werden. Und auch das kürzlich in Madrid erlassene (und mit 750 Euro geahndete) Verbot von Schlafen auf der Straße ist angesichts der großen Zahl an Delogierungen ein eindeutiges Signal. Rosa kämpft mit der PAH weiterhin um das Recht, als Sozialmieterin in ihrer Wohnung bleiben zu dürfen, Mercedes gelang es mit der PAH, einen Restschuldenerlass zu erwirken. Es gibt auch erste strategische Erfolge. So mussten drei Banken in Terrassa im Jänner erstmals eine – zwar kleine – Strafe von 5.000 Euro für ihre leerstehenden Immobilien zahlen, und obwohl die Gesetze noch nicht geändert sind, lassen Banken mittlerweile mit sich reden. An ihr „¡Sí se puede!“ hat die PAH derzeit noch den Zusatz „Pero no quieren“ („Aber sie wollen nicht“) gehängt – eine Anspielung auf Abgeordnete, die die Situation anders einschätzen. Hoffentlich ist sie bald nicht mehr nötig.

Mirjam Bromundt ist freie Journalistin und Filmvorführerin und hat lange Zeit in Spanien gelebt.

*Alle Interviews führte PAH im Rahmen der Veröffentlichung „Emergencia habitacional en el estado español“

Fußnoten:
(1) Stand 11. Jänner 2013
(2) ein eigens dafür erfundenes Wort für diese Art von Protest

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„Es geht um mehr als um unsere Sexualität“ https://ansch.4lima.de/es-geht-um-mehr-als-um-unsere-sexualitaet/ https://ansch.4lima.de/es-geht-um-mehr-als-um-unsere-sexualitaet/#comments Thu, 30 Jan 2014 15:42:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=4724 Interview: Die „Mind The Pause“-Bloggerin über Homosexualität und zivile Rechte in Jordanien. Von PASCALE MÜLLER]]>

„Mind The Pause“ ist einer der wenigen Blogs in den arabischen Ländern, auf dem lebhafte Diskussionen über Homosexualität, weibliche Selbstbestimmung und zivile Rechte geführt werden. PASCALE MÜLLER traf die Blogbetreiberin zum Interview.

an.schläge: Wie ist es, sich in Jordanien als homosexuell zu outen?

Bloggerin: Vor fast fünfzehn Jahren, also zu der Zeit, als ich mich geoutet habe, war es im Vergleich zu heute noch wesentlich schwieriger, diesen Schritt zu tun. Zwar hatte niemand mit meinem Outing ein Problem, ich bin aber nach wie vor sehr vorsichtig. Vor fünfzehn Jahren war die LGBT-Szene hier in Amman vielleicht ein Kreis von zwanzig Personen. Mittlerweile ist es üblicher, dass Schwule und Lesben sich gegenüber FreundInnen und Familie outen. Die Szene ist aber eine Art Blase: Solange du drinnen bist, schützt sie dich vor der Welt draußen.

Wie findet man überhaupt PartnerInnen, wenn Homosexualität in der Öffentlichkeit so ein Tabu ist?

Für Männer ist das einfacher als für Frauen, denn Frauen leben meistens noch bei ihren Eltern und sind dort Einschränkungen ausgesetzt. Lesben lernen neue Leute beziehungsweise ihre Partnerinnen häufig im Internet sowie über enge FreundInnen kennen. Es gibt allerdings eine größere gesellschaftliche Akzeptanz für unverheiratete Frauen als für unverheiratete Männer. Niemand wird angesichts einer alleinstehenden Frau misstrauisch, was es für Lesben einfacher macht, im Alltag mit ihrer Sexualität umzugehen.

Wie sieht die rechtliche Situation für Lesben und Schwule in Jordanien aus?

Wir haben kein Gesetz, das schwulen und lesbischen Sex verbietet. Trotzdem lebt die LGBT-Szene in Jordanien in einer Grauzone. Transsexuelle Menschen zum Beispiel werden als satanisch angesehen und haben daher mit schwerer Diskriminierung zu kämpfen. Ein häufiges Vorurteil ist, dass Homosexualität sozial bedingt ist und dass wir „umgepolt“ werden können. Ich glaube, homosexuell zu sein ist keine Entscheidung, sondern ein Teil menschlicher Sexualität. Du bist im Netz auf deinem Blog „Mind the Pause“ aktiv.

Wie wichtig sind neue Medien für die LGBT-Szene in der arabischen Welt?

Ich denke, das Internet war und ist weltweit für die LGBT-Community bedeutend, aber hierzulande hatte es einen noch größeren Einfluss. Menschen lernen im Netz etwas über ihre Sexualität, sie diskutieren dort ihre Identität, bevor sie sich gegenüber jemandem in der „echten Welt“ öffnen. Ich versuche auf meinem Blog sowohl Diskussionen anzustoßen als auch sehr persönliche Gedanken zu teilen. Es ist ein Ort für die Szene, um miteinander ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig ist der Blog ein Ventil für meine privaten Anliegen. Die Schwulenszene in Amman erlebt derzeit mit einem eigenen Magazin und vielen Partys einen Boom.

Warum ist es um die Lesben so still?

In Amman findet alles in sehr engen sozialen Kreisen statt. Natürlich gibt es auch Partys für Lesben, aber die sind sehr viel zurückhaltender als die der Schwulen. Ehrlich gesagt finde ich die Lesbenszene in dieser Stadt ziemlich langweilig. Wir haben den Vorteil, dass die Gesellschaft uns weniger als Bedrohung sozialer Normen wahrnimmt, wir sind jedoch sehr gut darin, uns zu verstecken.

Fühlst du dich von den Frauenrechtsbewegungen unterstützt?

Die Anliegen der Frauenrechtsbewegungen und jene der Lesbenszene haben sehr viel gemeinsam. Frauenrechtlerinnen kritisieren ein Gesetz, das Lesben besonders betrifft: Frauen ist bis zum Alter von dreißig ein männlicher „Aufpasser“ vorgeschrieben. Natürlich ist es dadurch für dich unmöglich, dich mit deiner Freundin zu treffen. Aber diese Regeln schränken die Freiheit aller Frauen ein, nicht nur jene von Lesben. Theoretisch sollten Feministinnen uns daher unterstützen. Was ich jedoch hier in Jordanien erlebe, ist, dass sich nur jüngere Frauenrechtlerinnen für uns einsetzen. Unsere Gesellschaft ist noch immer sehr verschlossen, auch wenn liberale und säkulare Stimmen lauter werden. Weibliche Homosexualität ist nach wie vor einer der Gründe, mit dem „Ehrenmorde“ legitimiert werden.

Was denkst du ist der richtige Weg für Veränderung hin zu einer offeneren Gesellschaft?

Ich finde sozialen Wandel durch Kunst, Musik und Bildung besser als wütenden Aktivismus. Organisationen wie Femen zum Beispiel sollten vorsichtig sein, welche Botschaft sie jungen Feministinnen in aller Welt vermitteln. Ihre Proteste können hier in der arabischen Welt schnell sehr gefährlich werden. Ich denke, wir müssen hier unseren eigenen Weg finden, für individuelle und persönliche Freiheiten einzutreten. Das heißt auch, dass Religion nicht mehr so stark in soziale Beziehungen eingreifen darf. Wir müssen aber viel mehr thematisieren als nur unsere Anliegen als Lesben. Wir haben nicht einmal Zugang zu grundsätzlicher sexueller Aufklärung, wie können wir also darüber sprechen, Menschen über Homosexualität zu bilden? Ich beziehe meinen Kampf nicht ausschließlich auf meine sexuelle Orientierung und würde mich daher in einer Organisation, die lediglich mehr Rechte für Homosexuelle fordert, nicht wohlfühlen. Der Anspruch auf Veränderung muss umfassender sein. Abgesehen davon würde ich es sehr unterstützen, wenn es eine Selbsthilfegruppe für alle gäbe, die sich outen. Es würde ihnen dabei helfen, sich mit ihrer Sexualität in der Öffentlichkeit sicherer zu fühlen.

Siehst du derzeit eine Chance für einen gesellschaftlichen Wandel in Jordanien?

Ich bin mir nicht sicher. Selbst an Orten, die ich als liberal bezeichnen würde, wird homosexuelle Zuneigung als „öffentliche Unanständigkeit“ gesehen. Wir hatten kürzlich einige Razzien, bei denen BesucherInnen einschlägiger Bars verhaftet und für 48 Stunden ins Gefängnis gesperrt wurden. Es gab eine Schwulenbar direkt gegenüber einer Polizeistation, auch die wurde 2007 geschlossen. Seitdem hat sich niemand mehr getraut, etwas Neues zu eröffnen. Ich persönlich bin niemals aufgrund meiner Sexualität angegriffen worden, aber ich höre von anderen, dass sie von der Polizei oder Bekannten belästigt werden. Unser Kampf für mehr Rechte ist noch kein öffentlicher. Es wird vielmehr ein Weg der kleinen Schritte.

Die „Mind The Pause“-Bloggerin lebt in Jordaniens Hauptstadt Amman und möchte aus Angst vor Repressionen weder ihren Namen noch ihr Foto veröffentlichen. http://mindthepause.wordpress.com
Pascale Müller ist freie Journalistin und schreibt über Politik und Frauenrechte in der MENA-Region. Seit 2014 ist sie ständiges Mitglied im MENA Kommitee der European Youth Press.

Übersetzung aus dem Englischen: Pascale Müller

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