Februar 2013 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 06 Sep 2020 14:54:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Februar 2013 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.künden: Termine im Februar https://ansch.4lima.de/termine-februar/ https://ansch.4lima.de/termine-februar/#respond Fri, 08 Feb 2013 12:50:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=3865 Ausstellungen, Performances, Diskussionsreihen, Erzähltheater …]]>

Februar, Wien
„Marias Schwestern“, Fotografieprojekt
Preyer’sches Kinderspital, 1100 Wien, Schrankenbergg. 31, 
www.ikm-reportagen.net/Marias_Schwestern/Marias_Schwestern.htm

bis 16.2., Wien
Sylvia Eckermann: Probabilis
Kunstraum Bernsteiner, 1020 Wien, Schiffamtsg. 11, Do–Sa 15–19.00, www.friendsandart.at
 
bis 22.2., Wien
AIDS/HIV als Form der Gouvernementalität
Galerie IG bildende Kunst, 1060 Wien, Gumpendorfer Str. 10–12, T. 01/534 09 09, www.igbildendekunst.at

bis 28.2., Innsbruck
„We need feminism because…“ Fotos aus aller Welt, bearbeitet von Flavia Guerrini
Schaufenster ArchFem – Interdisziplinäres Archiv für feministische Dokumentation, 6020 Innsbruck, Zollerstr. 7, www.frauenlesbenzentrum.at/html/veranst.html

1., 2.2., Wien
Talestri – Regina della amazzoni, drame per musica von Maria Antonia Walpurgis,
Kosmostheater, 1070 Wien, Siebensterng. 42, T. 01/523 12 26, Tickets: € 25, www.kosmostheater.at
 
1.–3.2., Berlin
Diskussionsreihe: Towards new perspectives on feminism,
 Neuer Berliner Kunstverein, 10115 Berlin, Chausseestr. 128,T. 030/280 70 20, Eintritt frei, www.nbk.org
 
2.2., 8.3., 9.3., div. Veranstaltungsorte
Erzähltheater Birgit Lehner: „Das verlorene Paradies und Wo die wilden Weiber wohnen“
Barocktheater Lambach, Salzstadl Krems-Stein, Volkshaus Knittelfeld, www.birgit-lehner.com

ab 5.2., Frankfurt
Yoko Ono: Half a Wind Show. Eine Retrospektive
Schirn Kunsthalle Frankfurt, 60311 Frankfurt, Römerberg, T. 069/29 98 82-0, Di, Fr–So: 10–19.00, Mi, Do: 10–22.00, www.schirn.de
 
7.–9.2., Wien
„Frauen am Land – Potentiale und Perspektiven“, Tagungsbeitrag: € 150
Universität für Bodenkultur, Guttenberghaus, 
Feistmantelstr. 4, 1180 Wien, www.wiso.boku.ac.at/frauentagung2013.html

14.–22.2., 20.00, Wien
LizArt Productions: I move like a disabled person, von und mit Cornelia Scheuer, Elisabeth Löffler Tickets: € 17/13/10
Kosmostheater, 1070 Wien, Siebensterng. 42, T. 01/523 12 26, www.kosmostheater.at

14.–15.2., Frankfurt am Main
11. Arbeitstagung der „Konferenz der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterstudien im deutschsprachigen Raum (KEG)“
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Casino, Raum 1801, 60323 Frankfurt am Main, Grüneburgplatz 1, www.genderkonferenz.eu/downloads/2013/flyer_keg_2013.pdf

15.–16.2., Frankfurt am Main
3. Jahrestagung der wissenschaftlichen Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association (Gender e. V.) unter dem Titel „Intimitäten. Geschlechterwissenschaftliche Perspektiven“
Goethe-Universität Frankfurt am Main, 60323 Frankfurt am Main, Grüneburgplatz 1, www.gffz.de/data/downloads/107176/Flyer_Intimitaet_2013.pdf

15.–16.2., Wien
Anti-Burn-Out Seminar für Frauen
Praxis Sabine Fabach, 1060 Wien, Mittelg. 4/3/14, Anmeldung und Infos unter praxis@fabach.at, Kosten € 175, T. 0699/11 01 58 20, www.fabach.at

21.2., 18–20.00, Wien
„Ich bin keine Feministin, aber …“ Frauenpolitik vor neuen Herausforderungen, mit Barbara Hofer, Regina-Maria Dackweiler, Gabriele Heinisch-Hosek
ega: Frauen im Zentrum, 1060 Wien, Windmühlg. 26, T. 01/589 80-0, www.ega.or.at

22.2., 19.00, Innsbruck
Buchpräsentation: Genderkompetenz in Supervision und Coaching
Buchhandlung liber wiederin, 6020 Innsbruck, Erlerstr. 6, T. 0512/890 365 20, www.liberwiederin.at

div. Termine, international
Pitch Perfect (USA 2012), Komödie mit Anna Kendrick, www.pitchperfect.at
 
MÄRZ
 
4.3.., 18.30–20.00, Wien
Schon Emanzipiert? – Oder braucht es noch eine Frauenbewegung?
FH Campus Wien, Erdgeschoß, Festsaal, 1100 Wien, Favoritenstr. 226

14.3.,Ebensee
„Freude in meiner Sprache heißt …“, (Interkulturelle) Schreibwerkstatt für zwei-/mehrsprachige Frauen, mit Petra Öllinger,
Frauenforum Salzkammergut, 4802 Ebensee, Soleweg 7/3, T. 06133/41 36, Preis: € 20/15, Anmelden unter verein@frauenforum-salzkammergut.at

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an.künden: Dahin denken, wo es weh tut https://ansch.4lima.de/an-kunden-dahin-denken-wo-es-weh-tut/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-dahin-denken-wo-es-weh-tut/#respond Tue, 29 Jan 2013 17:43:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=3829 HANNAH ARENDT in österreichischen und deutschen Kinos.]]>

Als Hannah Arendt als Reporterin beim Prozess gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann teilnimmt, trifft sie nicht auf ein Monster, sondern auf einen Mann von geistloser Mittelmäßigkeit. In einer Artikelserie für den „New Yorker“ entwickelt die Philosophin daraufhin ihre These von der „Banalität des Bösen“. Die Öffentlichkeit ist schockiert, fasst Arendts Überlegungen als Verteidigung des Nazi-Verbrechers auf, es gibt mediale Hetzkampagnen gegen sie, und auch FreundInnen wenden sich von Arendt ab. Die vielfach prämierte Drehbuchautorin und Schauspielerin Margarethe von Trotta erzählt in ihrem neuen Film vom Kampf Hannah Arendts, die „dahin denken will, wo es weh tut“.

Derzeit in österreichischen und deutschen Kinos: Hannah Arendt (Luxemburg, Deutschland, Israel, USA 2012), ein Film von Margarethe von Trotta, mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janett McTeer u.a., www.hannaharendt-derfilm.de

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an.künden: „Annalieder“ https://ansch.4lima.de/an-kunden-annalieder/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-annalieder/#respond Tue, 29 Jan 2013 17:40:44 +0000 https://anschlaege.at/?p=3826 Nadine KegeleNADINE KEGELE präsentiert ihr Buch „Annalieder“.]]> Nadine Kegele

In Nadine Kegeles erster Buchveröffentlichung befreien sich zwölf Frauen aus einem beengenden Leben. „Annalieder“ enthält kritische Erzählungen, die dennoch nicht ohne Komik sind. So wie Anna und die anderen Frauen sich aus der Unbeweglichkeit des Lebens lösen, so hebt sich auch Kegeles Sprache ab von starren literarischen Grenzen und konventionellen Denk- und Sprachmustern. Angesichts Kegeles bisheriger Textproduktion auf Papier und im Web verspricht die Buchpräsentation, ein feministischer, inspirierender Abend zu werden.

28.2., 19.00: Buchpräsentation „Annalieder“, Österreichische Gesellschaft für Literatur im Palais Wilczek, 1010 Wien, Herreng. 5, T. 01/533 81 59, www.ogl.at, www.nadinekegele.net

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Ein Plastiksack für alle Fälle https://ansch.4lima.de/ein-plastiksack-fu%cc%88r-alle-falle/ https://ansch.4lima.de/ein-plastiksack-fu%cc%88r-alle-falle/#respond Tue, 29 Jan 2013 15:46:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=3811 SVENJA HÄFNER berichtet von ihrer Geburt.]]>

Der Besitz einer Plastikplane – ein großer Müllsack – entschied die Sache: Ich würde mit der Unterstützung meines Mannes Robert und einer Hebamme unsere Tochter in unserer Wohnung zur Welt bringen. Die Schmerzen hatten ein solches Ausmaß erreicht, dass ich mir einen Transport ins Krankenhaus, wo die Geburt eigentlich hätte stattfinden sollen, absolut nicht mehr vorstellen konnte. Hinzu kam, dass ich mich permanent übergeben musste. Während Robert noch Gebärhocker und Sauerstoffgerät aus dem Auto der Hebamme holte, schleppte ich mich zum Klo, wo augenblicklich die Presswehen einsetzten. Eigentlich erstaunlich, dass ich mich unter solchen Schmerzen überhaupt noch bewegen konnte. Nur um der Hebamme einen Gefallen zu tun, die in dem engen Klo keinen Platz für gebärunterstützende Maßnahmen gehabt hätte, robbte ich die drei Meter bis ins Zimmer, wo Robert gerade noch Zeit hatte, den Gebärhocker aufzustellen und die Plastikplane auszulegen.
Und dann war sie auch schon da – unsere Philippa, mit ihrem kleinen Hühnerpopsch. Ich weiß noch, wie irritiert ich über ihr Aussehen war, so fremd, so ganz anders als Pauline, meine ältere Tochter. Und ich erinnere mich noch an das überwältigende Gefühl, das einer nicht so oft begegnet: vollkommenes Glück!

Svenja Häfner trennte sich mit Mitte dreißig von ihrer frisch erworbenen Lektüre „Kinderlos glücklich“.

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Nur noch kurz auf’s Klo … https://ansch.4lima.de/nur-noch-kurz-aufs-klo/ https://ansch.4lima.de/nur-noch-kurz-aufs-klo/#respond Tue, 29 Jan 2013 15:45:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=3809 HANSI HUBINGER berichtet von ihrer Geburt.]]>

Mein drittes Kind sollte endlich im Geburtshaus zur Welt kommen, nachdem mein zweites sich standhaft geweigert hatte, sich in Schädellage zu begeben, und wir daher wie schon beim ersten wieder ins Krankenhaus mussten (aber dieses Mal wenigstens mit eigener Hebamme bewaffnet). Die Badewanne im Geburtshaus hatte es mir schon seit langem angetan. Außerdem wollte ich unter gar keinen Umständen noch mal ins Krankenhaus, wenn es sich vermeiden ließ, da die Geburt von Nr. 1 der reinste Horror gewesen war. Meinem Mann war beim Gedanken an eine Hausgeburt aber viel zu mulmig. Also war das Geburtshaus für uns die ideale Lösung. Doch Baby hatte anderes im Sinn …
Den ganzen Tag über hatte ich Übungs- bzw. Senkwehen, wie ich sie von den anderen beiden Geburten kannte. Viel zu kurz und unregelmäßig für „richtige“ Wehen, sagte mir mein Gefühl. Nach dem Abendessen brachte der Papa Nr. 1 ins Bett, und ich machte es mir mit Nr. 2 auf der Couch gemütlich. Beim Stillen kam dann plötzlich eine richtig fiese Wehe. Ich beschloss, die Hebamme anzurufen, aber vorher wollte ich noch schnell aufs Klo, Nr. 2 im Schlepptau. Vom Klo kam ich noch irgendwie hoch, der Druck nach unten war aber plötzlich überdeutlich. Ich rettete mich ins benachbarte Bad auf den Teppich, wo ich es noch schaffte, ein Handtuch unterzulegen, die Hose auszuziehen und den Wasserhahn aufzudrehen, damit Nr. 2 etwas zum Spielen hatte. Und dann konnte ich im Vierfüßler nur noch mitschieben. Mit zwei, drei rasch aufeinander folgenden Presswehen war der Zwerg da und fing gleich zu schreien an. Nr. 2 brüllte solidarisch mit, und ich saß erstmal perplex auf dem Badezimmerboden. Irgendwann wickelte ich das Baby samt Plazenta ins Handtuch und ging ins Wohnzimmer, wo ein sehr überraschter Papa nach dem ersten Schreck doch noch die Hebamme anrief.

Hansi Hubinger ist Trageberaterin, Synthesechemikerin, Vegetarierin, Katzenliebhaberin, Attachment-Parenting-Anhängerin und ein wenig verrückt.

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Wie ein Routinesystem den Muttermund betatscht https://ansch.4lima.de/wie-ein-routinesystem-den-muttermund-betatscht/ https://ansch.4lima.de/wie-ein-routinesystem-den-muttermund-betatscht/#respond Tue, 29 Jan 2013 15:43:59 +0000 https://anschlaege.at/?p=3807 CARLA HEHER berichtet von ihrer Geburt.]]>

Vorweg: Die Geburt meines ersten Kindes war keine „Horrorgeburt“, sondern eine planmäßig gelungene Krankenhausentbindung. Sie war eher kurz und erträglich schmerzhaft, und ich traf während des Aufenthaltes im Krankenhaus auf kein extrem unfreundliches oder auffällig inkompetentes Personal.
Aber: In die Geburt bin ich sehr gut informiert und selbstsicher gegangen. „Ich bekomme das Kind im nächstgelegenen Krankenhaus und dann gehe ich wieder heim. Die können mir nichts“, davon war ich überzeugt. Als ich das Krankenhaus betrat, war ich jedoch in einem Routinesystem gefangen, aus dem es trotz dieses Vorsatzes kein Entkommen gab. Jegliche Einwände gegen die von mir als unnötig empfundenen Interventionen in den Geburtsverlauf wurden mit „Sie schaden Ihrem Kind“ abgeschmettert bzw. ignoriert. Ich habe mich in meiner Weiblichkeit noch nie so entwürdigt und erniedrigt gefühlt wie während der Stunden im Kreißsaal. Eine durchschnittliche Krankenhausgeburt sollte nicht so aussehen, dass die Gebärende permanent an ein CTG (das eine in der Bewegungsfreiheit einschränkt und gleichzeitig einfach nervig ist) gefesselt ist. Dass sie sich stündlich routinemäßig ungefragter- und ungewollterweise von Menschen, die sie vorher noch nie gesehen hat, am Muttermund herumstochern lassen muss. Dass das Personal mit Wehenhemmern und -mitteln jongliert, um den Geburtsverlauf möglichst an den Dienstplan anzupassen. Dass die Geburtsposition danach ausgewählt wird, wie es für die Hebamme und die Ärztin/den Arzt am bequemsten ist und nicht für die Gebärende. Dass zehn Tage nach dem errechneten Geburtstermin routinemäßig eingeleitet wird, auch wenn die Versorgung des Kindes passt. Dass sämtliche Leute im Kreißsaal ein- und ausgehen, während eine gerade vor sich hinweht. Dass eine am Ende froh und dankbar sein muss, „dass alles gut gegangen ist“ und es kein Notkaiserschnitt wurde (der nicht selten erst durch die Interventionen vonnöten ist). Ich werde nie wieder ohne eine Wahlhebamme (für die ich das Honorar von achthundert Euro gerne auf den Tisch lege) eine Krankenhausgeburt anstreben. Im Idealfall bleibe ich bei meiner nächsten Geburt sowieso zu Hause.
Meine persönlichen Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit unzähligen Geburtsberichten, die diese Zustände zwar nicht kritisieren, aber beschreiben, haben mich in der Überzeugung bestärkt: Eine logische Weiterführung einer sex-positiven feministischen Bewegung muss auch eine geburts-positive sein (die sich aber klar von esoterischem Gedöns abgrenzt).

Carla Heher ist Reproduktionsarbeiterin und prekär Beschäftigte.

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positionswechsel: Warum das Ding einen Namen haben muss https://ansch.4lima.de/positionswechsel-warum-das-ding-einen-namen-haben-muss/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-warum-das-ding-einen-namen-haben-muss/#comments Tue, 29 Jan 2013 14:06:39 +0000 https://anschlaege.at/?p=3798 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumneMit dem Beginn einer heißen Nacht, Affäre, Liebesbeziehung oder polyamorösem Was-auch-immer-Gspusi, stellt sich die Frage, wie mensch über die eigenen sexuellen Bedürfnisse kommunizieren will. Von RABIA EMANZOTTI]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

sex. eine lady genießt und schreibt

Mit dem Beginn einer heißen Nacht, Affäre, Liebesbeziehung oder polyamorösem Was-auch-immer-Gspusi, stellt sich die Frage, wie mensch über die eigenen sexuellen Bedürfnisse kommunizieren will. Da das Gegenüber meist nicht Gedanken lesen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als auf die schlichte Kraft des Wortes zurückzugreifen. Klar könnte ich abwarten, was sextechnisch so passiert und im schlimmsten Fall dem/der SexpartnerIn* lauthals „NEIN!“ entgegenschmettern. Zurückbleiben würde wohl Ärger, Unlust, vielleicht auch Frust und Unsicherheit. Da ich aber lieber zufrieden mein Bett, das Gebüsch oder wahlweise auch mal das Auto verlasse, kläre ich zu Beginn gern einige fundamentale Dinge. Konkret geht es um die Namenswahl der sogenannten Geschlechtsorgane, also die Art und Weise, wie wir über uns, unsere Kitzler, Klitoris, Lustlippchen, Mumu, Pussy, Muschi, Möse usw. reden wollen, und um das, was wir damit tun wollen, also spielen, streicheln, fummeln, ficken, lecken etc. Ist nämlich dieses Thema mal auf dem Tisch und gibt es Namen für „das da unten“, kann ich sagen, was ich mag, was gar nicht geht oder wo ich am liebsten berührt werde. Anstatt zu warten, bis meinE Gegenüber das vermeintliche Zauberknöpfchen findet, kann ich konkret Wünsche äußern und erleichtere so allen Beteiligten das Leben. Auch wenn manche Bezeichnungen kindisch oder bescheuert klingen, die einen lieber medizinische Fachausdrücke wie Scheide und die anderen romanisierende Kitschnamen à la Lustgrotte bevorzugen, ist das Ergebnis stets das gleiche: Dinge, die einen Namen haben, können benannt werden. Dinge, die benannt werden, existieren und werden sichtbar. Und wie könnten wir Scham und die Ignoranz weiblicher* Sexualität besser bekämpfen als mit dem wunderschönen Kampfschrei „Pussy Riot“!

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Illustration: Nadine Kappacher

Übrigens: Es hat sich bewährt, nicht unbedingt im Bett über Sexangelegenheiten zu plaudern. Manchmal ist die Situation angespannt, mensch fühlt sich überfordert oder unter Druck gesetzt. Warteschlangen vor Supermarktkassen, Autofahrten oder die Bartheken dieser Welt eignen sich auch ganz gut für Sexgespräche. Allerdings gilt stets: Fragt, ob es gerade passt, über diese Themen zu reden.
In diesem Sinne: Have fun – and let’s talk about sex, baby!

Rabia Emanzotti ist ein großer Fan des Zustimmungskonzepts, redet gern über Sex und liebt den Wiener Dialekt nicht nur, aber besonders wegen seiner deftigen Sexbegriffe.

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an.klang: Repräsentation 1: Schublade 0 https://ansch.4lima.de/an-klang-reprasentation-1-schublade-0/ https://ansch.4lima.de/an-klang-reprasentation-1-schublade-0/#comments Tue, 29 Jan 2013 14:01:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=3795 anklang_februar_2013_anschlaege_badkat_feminsmusGenres waren gestern, heute ist Musik. Von SOOKEE]]> anklang_februar_2013_anschlaege_badkat_feminsmus

Genres waren gestern, heute ist Musik. Das gilt auch für Rap. Von SOOKEE

 

Ließe sich nicht recherchieren, dass Amplify Dot aus einer Vielzahl produzierter Songs für ihr Major-Album aussieben musste, sich nicht von ebenjenen Tracks, die es nicht aufs anstehende Album schaffen sollten, verabschieden konnte und daraus ein Mixtape geschraubt hat – ich hätte es erraten. Die zwölf Songs auf Spare Parts kommen groß! Ohren, die mit dem tendenziell überfüllten Sound von chartkompatiblem Maximalpop nichts anfangen können, werden mit dem Mixtape überfordert sein. Solche, die vielschichtige Synthieflächen, gechoppte Autotune-Voices und ambitionierte Drumsets genießen können, werden hier hingegen sehr glücklich. Musikalisch lehrt uns das Mixtape im Zuge dieser angenehmen Überdimensionierung unter anderem, was eine harte Snare ist („Three Little Pigs“) und was kontrastive Bridges sind („Whore House“). Amplify Dot represented im UK-Pool des Female Rap die tomboyishe Attitude, die auf „Spare Parts“ ungebrochen richtig viel Spaß transportiert.

Ebow kommt aus München, sie bezeichnet ihre Musik als Alternative-Hip-Hop und scheint insgesamt an der Konkretisierung von Genres nicht so wirklich interessiert zu sein. Eine solche Verweigerungshaltung fühlt sich modern an und ist förderlich für die Auseinandersetzung mit dem, was sie musikalisch und inhaltlich rausreicht. Mit ihren Songs und in Interviews hinterlässt Ebow den Eindruck, dass sie mehr ein intuitiver als ein analytischer Mensch ist, was ihr Material noch glaubwürdiger wirken lässt. Von Kalkül keine Spur – die Frau liebt, was sie tut. Da lässt sich auch ohne Weiteres über die sehr vordergründigen musikalischen, stimmlichen und ästhetischen Parallelen zu M.I.A. in Zeiten von „Arular“ hinwegsehen.

Der Titel ihres aktuellen Mixtapes Habibi’s Liebe & Kriege wirkt etwas eindimensional, ist aber sehr treffend gewählt. In einem rhythmisch und dynamisch durchgängigen Flow geht es um Globalisierung, Konsumkritik, Kriegsindustrie, Geschlechterbilder, rassistische Zuschreibungen, Selbstdarstellung, Artikulationen innerhalb der Liebe und Artikulationen über Liebe.

Das für gegenwärtige deutschsprachige Rap-Standards anarchistischste Lied darunter ist das siebte in dem Videosnippet zum Mixtape und wird mysteriöserweise auf ihrer Soundcloud nicht aufgeführt. Hier finden queere Benennungen statt, die ungewöhnlich tun, es aber gar nicht sind. Sehr erfreulich, das Ganze.

BadKat ist keine Rapperin, BadKat ist MC: Auf der Bühne ist sie fleischgewordene Self-Confidence, immer dicht an der Teacher-Attitude, unwahrscheinlich erfahren und begabt in Sachen Freestyle. Keine Gelegenheit vergeht, in der sie nicht grundaufrichtig zu Facetten menschlicher Größe wie Solidarität, Ehrlichkeit, Integrität, Willensstärke oder Selbstvertrauen aufruft. All diese Themen stecken auf Trapped in a World Behind My Eyelids in unsagbar vielen Rhymes. Teilweise sehr verschlüsselt, teilweise in konfrontativem Battle-Modus, teilweise sozialkritisch eingetütet. Die bassigen Dubstep-Teppiche, auf denen BadKat sagenhaft souverän flowt, wurden allesamt von Giotto produziert und supporten die kryptische Tiefe ihrer Texte.

Ein anspruchsvolles Album, in das man gleichermaßen schnell zum nebenbei Weghören einsteigen wie gründlich eintauchen kann. Eine ganze komplexe Welt eben, wie der Titel schon ankündigt. Ich ziehe alle zur Verfügung stehenden Hüte.

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Foto: Maren Michaelis

Politisch lässt sich Schwesta Ewas Mixtape Realität nicht empfehlen, ganz im Gegenteil: Sie wird von Malestream-Rappern protegiert und hat deren heterosexistisches Weltbild gründlich verinnerlicht. Dennoch finde ich es wichtig, die Frau solidarisch zu erwähnen, die 2012 in der deutschsprachigen Rap-Szene die meiste Aufmerksamkeit generieren konnte. Nach eigener Aussage hat sie lange Jahre auf dem bissigen Asphalt des Rotlichtmilieus als Sexarbeiterin Euros gemacht. Heute rappt sie ausschließlich darüber und ist somit im Gangsta Rap eine weibliche Stimme, die nicht klingt, als könne man ihr reinreden. Die Szene sieht sich mit einer kontroversen Frau konfrontiert und kommt nicht klar. Richtig so.

Links
www.amplifydot.co.uk
www.ebowx.de
http://badkat.bandcamp.com
www.facebook.com/SCHWESTA.EWA

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Besser pressen? https://ansch.4lima.de/besser-pressen/ https://ansch.4lima.de/besser-pressen/#comments Tue, 29 Jan 2013 13:56:33 +0000 https://anschlaege.at/?p=3792 besser_pressen_anschlaege_februar_2013_feminismusWie selbstbestimmt kann ein Kaiserschnitt sein? Von BETTINA ENZENHOFER]]> besser_pressen_anschlaege_februar_2013_feminismus

Wer einfach nur pro oder contra Kaiserschnitt argumentiert, verschließt sich der Komplexität des Themas. Bleibt die Frage, wie selbstbestimmt ein Kaiserschnitt sein kann. Eines zeigt sich an ihr deutlich: Es gibt darauf nicht die feministische Antwort. Von BETTINA ENZENHOFER

In Deutschland und Öster­reich wird heute fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt ent­bunden. Die Kaiserschnittrate ist in den letzten zwanzig Jahren in den meisten industrialisierten Ländern deutlich angestiegen, in manchen Privatkliniken Brasiliens beträgt sie mehr als achtzig Prozent. Die steigende Kaiserschnittra­te wird oft den Frauen selbst angelastet – sie seien von Promi-Kaiserschnitten beeinflusste „Karrieremütter“, die den Zeitpunkt der Geburt bestimmen wollen. Die Ärzt_innen würden dem­nach nur ausführen, wonach die Frauen verlangen.

Andere hingegen sehen die hohe Kai­serschnittrate einzig und allein durch das medizinische System bedingt und geben damit implizit zu verstehen, dass sich keine Frau freiwillig einer Sectio unterziehen würde, wenn sie nur genügend aufgeklärt sei. Die Weltge­sundheitsorganisation (WHO) hält einen Kaiserschnitt nur dann für notwendig, wenn Mutter oder Kind Gesundheit oder Leben bei einer vaginalen Geburt aufs Spiel setzen würden – das sei bei zehn bis 15 Prozent aller Geburten der Fall, die Kaiserschnittrate solle deshalb nicht höher liegen.

2012 hat der Arbeitskreis Frau­engesundheit in Medizin, Psy­chotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF) eine Kampagne zur Senkung der Kaiserschnittra­te in Deutschland gestartet. Strukturelle, organisatorische und ökonomische Gründe würden die Entscheidung für einen Kaiserschnitt begünstigen, der allerdings ohne eindeutige medizinische Indikation mit höheren Risiken als eine vaginale Geburt verbunden sei, so der AKF. Der Wunsch-Kaiserschnitt sei oft „eine unheilsame Koalition zwischen ärztlicher Präferenz und unzureichen­dem Wissensstand der Frauen“.

Paternalismus und Pathologisierung. Sonja Eismann sieht das anders: „Viele Frauen wünschen sich einen Kaiser­schnitt, das wird in dieser Kampagne aber unsichtbar gemacht. Ich wurde nicht zum Kaiserschnitt verdonnert, sondern es war im Gegenteil sehr schwierig, meinen Wunsch nach einer Sectio durchzubringen. Man woll­te mich umstimmen, und ich wurde pathologisiert, weil ich keine Geburts­schmerzen wollte. Ein Arzt verlangte von mir ein psychologisches Attest, da ich ja wohl ohnehin in psychologischer Behandlung sei.“ Hätte es nicht die Möglichkeit eines Kaiserschnitts gege­ben, hätte sie nie schwanger werden wollen, sagt Eismann. „Der Gedanke, aus dieser Öffnung einen riesigen Babykopf rauszupressen und stunden­lang einem unkontrollierbaren Schmerz ausgesetzt zu sein, machte mir Angst. Ich wollte nicht der Willkür der Natur ausgeliefert sein, sondern genau wissen, was passiert.“

Kontrolle über den Geburtsvorgang haben zu wollen, ist für viele ein zentra­ler Aspekt. Anja Fellerer trug eineiige Zwillinge in ihrer Gebärmutter: „Mein Arzt riet mir zu einem Kaiserschnitt, auch wenn ich wohl ein Geburtshaus finden würde, in dem ich vaginal gebä­ren könnte. Eine Bekannte von mir hat das gemacht, und diese Geburt war mit Komplikationen für die Kinder verbun­den. Deshalb vertraute ich meinem Arzt und wollte einen Kaiserschnitt.“ Wie Eismann ist auch Fellerer zufrieden mit ihrer Entscheidung. Einzig der hefti­ge Wundschmerz nach dieser großen Bauch-Operation hat beide überrascht: „Als ich vaginal gebärende Frauen schreien hörte, fühlte ich mich, als hätte ich den Jackpot, weil mir diese Schmerzen erspart bleiben würden. Das hat sich aber nach der OP relativiert. Ich konnte vor Schmerz drei Tage lang nicht aufstehen“, sagt Fellerer.

Kontrollieren und intervenieren. Fellerer und Eismann hatten lange Zeit, sich mit der bevorstehenden Operation auseinanderzusetzen. Die Medizin nennt ihren Kaiserschnitt einen „primären“ – also einen, der während der Schwan­gerschaft oder spätestens mit Beginn der Wehen geplant wurde. Im Diskurs über Selbstbestimmung, Aufklärung und eventuellen Trauerreaktionen der werdenden Mütter sind aber vor allem die „sekundären“ und „Notfall-Kaiser­schnitte“ relevant: Diese werden nach Einsetzen der Wehen, also mitten im vaginalen Geburtsvorgang beschlossen. Schlechte Herztöne des Kindes können bspw. einen sekundären Kaiserschnitt indizieren – müssen aber nicht. Auch hier ist Kontrolle ein wesentlicher Aspekt: Die technische Überwachung während einer Klinik-Geburt kann zwar dazu führen, dass Komplikationen früh erkannt werden und somit rasch re­agiert werden kann – es kann aber auch sein, dass durch diese Überwachung die Hemmschwelle für Interventionen sinkt, zudem stellen sich alarmierende Herzton-Befunde dann oft als nicht-pathologisch heraus. Und wann sind Herztöne so schwach, dass ein Kaiserschnitt notwendig ist, wer entscheidet darüber und mit welcher Begründung? Auch hier greifen Überlegungen und Wünsche von Mediziner_innen und Eltern ineinander, nicht zuletzt fürchten sich Erstere vor Klagen, weil sie nicht rechtzeitig interveniert hätten. „Zunehmenden Einfluss auf das ärztliche Handeln haben Gerichtsurteile und Gutachterentscheidungen. Wir werden immer mehr in eine Defensivmedizin gedrängt“, sagt Elisabeth Bacher, Gynäkologin im LKH Leoben.

Fremdbestimmte Selbstbestimmung. Zehn Prozent aller Kaiserschnitte werden aufgrund von „absoluten Indikationen“ wie z.B. einer Querlage des Kindes durchgeführt. Neunzig Prozent werden den „relativen Indikationen“ zugerechnet: Hier werden Gewinn und Risiko einer vaginalen Geburt mit denen eines Kaiserschnitts abgewogen. Der sogenannte „Wunsch-Kaiserschnitt“, also einer, der ohne jegliche medizinische Indikation durchgeführt wird, macht nur zwei Prozent aller Kaiserschnitte aus – wobei heute z.B. große Angst vor den Schmerzen immer mehr zu den relativen Indikationen gezählt wird. Gerade bei diesen „weichen“ Indikationen herrscht wiederum Verhandlungsspielraum, wie auch Fellerer mit ihrer Zwillingsschwangerschaft erlebt hat. Für Mehrlingsgeburten lässt sich indes wie auch für die „Beckenendlage“ des Kindes ein sich selbst verstärkendes Phänomen beobachten: Obwohl die Steißlage vaginal entbunden werden kann, wird heute in neunzig Prozent dieser Fälle ein Kaiserschnitt durchgeführt. Ausschlaggebend war eine 2000 publizierte Studie, die mittlerweile wegen methodischer Schwächen aber in der Kritik steht. Doch nun tut sich ein neues Problem auf: Ärzt_innen können heute eine derartige Geburtslage oft nicht mehr vaginal entbinden, weil ihnen mittlerweile schlicht die Übung fehlt; mit dem Kaiserschnitt sind sie auf der sicheren Seite.

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„Semi-sitting“ – Halb sitzend Funktioniert gut im Entbindungsbett. Zwischen den Wehen ist in dieser Position angeblich sogar ein kurzer Dämmerschlaf möglich. Illustration: Bianca Tschaikner

Auch andere ärztliche Interessen spielen eine Rolle: Ein geplanter Kaiserschnitt erfordert weniger Personal- und Organisationsaufwand (vor allem in Kliniken mit kleineren geburtshilflichen Abteilungen ein relevanter Faktor) und wird höher vergütet als eine vaginale Geburt – allerdings bleiben Frauen nach einem Kaiserschnitt durchschnittlich länger im Krankenhaus. Die vom AKF kritisierten strukturellen, organisatorischen und ökonomischen Gründe sind also tatsächlich relevant und werfen die Frage auf, inwieweit eine aus diesen Gründen resultierende Sectio eine selbstbestimmte Entscheidung der Gebärenden sein kann. Viele relative Indikationen werden mittlerweile sehr großzügig gestellt, ein Kaiserschnitt wegen einer „protrahierten Geburt“ oder einem „Geburtsstillstand“ kann die logische Folge einer Interventionskette sein, die zuvor medizinisch initiiert wurde; wird die Geburt medikamentös eingeleitet, so steigt die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts. Und noch ein Aspekt muss beachtet werden: „Für viele Frauen sind Mediziner_innen eine Autorität, und sie schaffen es oft nicht, genau nachzufragen. Außerdem gibt es zu wenig Zeit für Kommunikation. Ich finde, in solchen Fällen kann man nicht von einer selbstbestimmten Entscheidung sprechen“, sagt Eva Javorszky, Psychotherapeutin und Geburtsvorbereiterin bei Nanaya, dem Wiener Zentrum für Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern.

Strukturschuld. Doch auch der Diskurs darüber, unter welchen Folgen Kaiserschnitt-Kinder zu leiden hätten(1), kann sich letztlich negativ auf die Mütter auswirken – sie fühlen sich oft schuldig, vor allem nach sekundären oder Notfall-Kaiserschnitten. Nele Tabler wollte eine möglichst „natürliche“ Geburt, wurde aber letztlich mit Kaiserschnitt entbunden. Damit kann sie leben, allerdings macht sie die Kritik von anderen, insbesondere von Vertreterinnen der „sanften Geburt“ fertig, so Tabler. Von Müttern werde verlangt, „sich gegen Strukturen zu stellen, die mit verantwortlich sind für die vielen Kaiserschnitte. (…) An den Strukturen selbst wird jedoch nichts geändert – trotzdem macht man es den Müttern zum Vorwurf, wenn sie sich diesen schließlich beugen.“(2)

Javorszky kritisiert die derzeitige Debatte aber aus noch einem anderen Grund: Selbstbestimmung sei nur gegeben, wenn alle Informationen gleichwertig kommuniziert, Frauen z.B. über die Möglichkeit einer Hausgeburt ebenso wie über jede andere Geburtsform informiert würden – und jede Geburtsvariante finanziert würde: „Es ist super, dass es den Kaiserschnitt gibt, und ich respektiere jede Frau, die sich gut informiert, reflektiert und selbstbestimmt dafür entscheidet. Es ist ihr gutes Recht! Ich bin aber dagegen, den Kaiserschnitt generell als die beste Geburtsform darzustellen.“

Eines zeigt die Debatte um den Kaiserschnitt also sehr gut: Es kann von feministischer Seite kein klares Pro oder Contra geben. Denn die feministische Forderung „mein Bauch gehört mir“ bedeutet auch, dass es jeder Frau freigestellt sein sollte, sich für oder gegen einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Es wäre paternalistisch, die körperliche Selbstermächtigung von Frauen – die sich eben auch pro Sectio äußern kann – nicht ernst zu nehmen.

Andererseits kann argumentiert werden, dass Frauen durch eine forcierte Einwilligung zu einer Sectio Macht abgeben und sich einer Medizin unterwerfen, die sie letztlich auf gewinnbringende Patientinnen reduziert.(3) „Wir holen uns den Körper zurück, gebären natürlich und selbstbestimmt“, kann in diesem Sinn also eine sehr feministische Haltung sein. Problematisch bleibt aber, wenn dabei die vaginale Geburt als eine der ursprünglichsten und natürlichsten „weiblichen“ Erfahrungen propagiert wird und „wahres Frau-Sein“ an dieses Erlebnis gekoppelt wird.

Was bei jeder der beiden Extremposition vergessen wird: Jede Frau trifft die Entscheidung pro/contra Kaiserschnitt vor einem individuellen Hintergrund. Wer also im Sinne „der Frauen“ argumentieren will, muss ihre jeweiligen Bedürfnisse unbedingt ernst nehmen.­

Fußnoten

(1) Dass sich eine Sectio negativ auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirke, konnte von Studien in den 2000er-Jahren nicht bestätigt werden. Psychotherapeutin Eva Javorszkys Erfahrung nach sind es v.a. die Mütter, die etwaige spätere Prob­leme auf den Kaiserschnitt rückbeziehen – obwohl niemand wissen kann, ob dieser irgendetwas damit zu tun hat.

Bei sämtlichen aufgeliste­ten Risiken lohnt es sich, nachzufragen bzw. die Ori­ginalstudien zu lesen. Bspw. ist die Müttersterblichkeit in industrialisierten Ländern generell sehr niedrig (1:12.500), wird aber bei einer Sectio im Vergleich zur vaginalen Geburt als „höher“ (um den Faktor drei bis sechs) angegeben. Der ursächliche Zusammenhang mit dem Kaiserschnitt ist aber nur selten untersucht worden.

(2) www.eltern.de/schwan­gerschaft/geburt/sanfte-geburt.html

(3) Dieses Argument kann aber generell auch bei vagi­nalen Geburten, die in einer Klinik stattfinden, angeführt werden.

Litaratur

Ulrike Lutz, Petra Kolip: Die GEK-Kaiserschnittstu­die. Asgard Verlag 2006

Barbara Katz Rothman: Schöne neue Welt der Fortpflanzung. Texte zu Schwangerschaft, Geburt und Gendiagnostik. Mabuse-Verlag 2012

Paula-Irene Villa, Stephan Moebius, Barbara Thiessen (Hg.): Soziologie der Geburt. Diskurse, Praktiken und Perspektiven. Campus Verlag 2011

www.akf-kaiserschnitt-kampagne.de

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Das erste Mal https://ansch.4lima.de/das-erste-mal/ https://ansch.4lima.de/das-erste-mal/#comments Tue, 29 Jan 2013 13:48:58 +0000 https://anschlaege.at/?p=3789 Eine Reportage aus dem Kreißsaal. Von LOUISA HUTTER]]>

Eine Reportage aus dem Kreißsaal von LOUISA HUTTER

Fünf Uhr morgens, in Berlin schneit es, im Schwesternzimmer läutet das Telefon, der Anruf kommt aus dem Kreißsaal. Eine der Pflegerinnen nimmt den Hörer ab, nickt, schaut durch den Raum, findet mich und sagt ziemlich gelassen: „Louisa, du kannst runter, es geht gleich los.“

Was da gleich los geht bzw. eigentlich schon seit Stunden andauert, ist die erste Geburt, die ich live miterleben darf. Ich stehe also auf, rücke meine OP-grüne Kleidung zurecht, desin­fiziere mir zum gefühlt vierzigsten Mal in diesem Dienst die Hände und nehme den Fahrstuhl in den Kreißsaal. Unten angekommen geht alles ziemlich schnell. Eine Hebamme holt mich ab und bringt mich in den Raum „Geburt 5“. Ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet, stehe ich in einem dottergel­ben Krankenhauszimmer neben einer Frau in den Wehen. Sie bemerkt mich erst gar nicht, die Hebamme klärt mich über den bisherigen Verlauf der Geburt auf, der Muttermund ist bald sieben Zentimeter geöffnet, die Frau will keine Schmerzmittel und keinen Damm­schnitt. Dann zeigt die Hebamme auf einen Stuhl an der Wand, ich solle mich dort erstmal hinsetzen. Ich sitze der Vulva der Gebärenden direkt gegenüber. Mein Ehrenplatz.

Die Frau liegt mit gespreizten Beinen im Bett und stöhnt, ihr Gesicht ist verschwitzt. Filmreifes Schreien bleibt die ganze Geburt aber aus. Zwischen den Wehen ist die Frau schmerzfrei und ansprechbar, sie hat mich jetzt bemerkt, wir lächeln uns kurz an, dann kommt auch schon die nächste Wehe. Hebamme und Frau atmen gemeinsam. Die Frau stöhnt, hört wieder auf, stöhnt wieder.

Ziehen und knien. Das Bett, auf dem sich die Gebärende befindet, gleicht in etwa einem extrem gemütlichen gynä­kologischen Untersuchungsstuhl. In der Mitte über dem Bett hängt ein Seil von der Decke, an dem die Frau während der We­hen ziehen kann. Ober­halb des Bettes am Kopfende sind zwei Stangen befestigt, an denen sie sich festhalten kann.

Die Frau wechselt jetzt die Position, sie kniet sich auf alle Viere in ihr Bett, die Wehen kommen in immer schnelle­ren Abständen. Nachdem eine weitere halbe Stunde vergangen ist und die Hebamme erneut die Lage des Kindes im Becken überprüft hat, gibt sie der Mutter das O.K. zum Pressen. Die soge­nannte Austreibungsphase beginnt. Das Kind kommt in den Vaginalgang.

Auf meinem Stuhl sitzend sehe ich mit jedem Pressen den Kopf des Kindes näher kommen, und die Vagina dehnt sich auf eine erstaunliche Größe. Die Hebamme spricht der Frau gut zu, greift aber sonst kaum ein. Sie wechselt noch einmal ihre Handschuhe und massiert den Damm der Gebärenden. Sie kann den Kopf des Babys schon fassen. Immer mehr Blut kommt aus der Vagina, bis mit einer sehr langen Presswehe mit einem Mal der Kopf des Kindes aus der Scheide hervorschaut. Er ist blau und weiß, das Baby gibt noch keinen Ton von sich und wirkt ebenfalls angestrengt. Dieser leicht irritierende Anblick verschwindet mit der nächsten Wehe und das Kind flutscht mitsamt einer Riesenmenge Blut aus der Vagina in die Arme der Hebamme.

Eine blutige Sache. Ich sitze immer noch auf meinem Stuhl, während um mich herum tausend Dinge passieren. Die Nabelschnur wird durchtrennt, das Baby schreit, die Ärztin betritt den Raum und kontrolliert, ob alles soweit gut gelaufen ist. Der erste Teil der Geburt ist vorbei. Jetzt heißt es noch warten auf die Plazenta. Nachdem diese sich zu lange nicht zeigt, zieht die Hebamme vorsichtig an der Nabelschnur, die an der Innenwand der Plazenta sitzt. Durch den Zug löst sich Letztere und wird mit einer Menge Blut aus dem Uterus gespült. Die Geburt ist vorbei. Überall ist Blut. Ich schaue wieder zu der Frau und beglückwünsche sie. Sie sieht erleichtert aus. „Das ist mein erstes und letztes Kind“, sagt sie und lacht dabei.

Als ich die Frau zwei Tage später auf der Wöcherinnenstation erneut treffe, ist sie schon wieder topfit, lässt mich ihr kleines Baby halten und erzählt, sie hätte nie gedacht, dass eine Geburt so eine dreckige Sache sei. Ich gebe der Frau Recht, denn nach drei Monaten Praktikum auf der Geburtenstation weiß ich, dass frau generell nicht alles glauben sollte, was sie über Geburten gehört hat.

Louisa Hutter ist 24 und will, wenn sie mal groß ist, Gynäkologin werden.

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an.sage: Wie man sexuelle Übergriffe vermeidet https://ansch.4lima.de/an-sage-wie-man-sexuelle-ubergriffe-vermeidet/ https://ansch.4lima.de/an-sage-wie-man-sexuelle-ubergriffe-vermeidet/#comments Tue, 29 Jan 2013 13:43:49 +0000 https://anschlaege.at/?p=3787 ansage_februar_2013_anschlaege_feminismusNicht die Frauen müssen sich an Regeln halten! Von IRMI WUTSCHER]]> ansage_februar_2013_anschlaege_feminismus

Ein Kommentar von IRMI WUTSCHER

 

Aus mehreren traurigen Anlässen ist sexuelle Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum hierzulande derzeit breites Medienthema: Einerseits wegen der brutalen Vergewalti­gung einer Studentin in Indien, andererseits wegen mehrerer Übergriffe in der Wiener U-Bahn. Am 14. Februar soll nun weltweit auf den Umstand hingewiesen werden, dass wir alle in Gesellschaften leben, in denen Gewalt gegen Frauen alltäglich ist: Durch die Aktion „One Billion Rising“, bei der weltweit eine Milliarde Frauen gegen Gewalt auf die Straße gehen sollen (http://one­billionrising.org).

Wo es sexuelle Übergriffe gibt, sind gutgemeinte Tipps zu ihrer Vermei­dung nicht weit. Wir erinnern uns an den Polizisten aus Toronto, der meinte, um Vergewaltigungen zu entgehen, sollten sich Frauen eben nicht so aufreizend anziehen. Er hat die weltweite Protestbewegung der Slutwalks ausgelöst. In Indien hat ein Polizeioffizier aus Thane nun den Vorschlag gemacht, Frauen sollten in Zukunft Chili-Pulver dabei haben, um sich gegen mögliche Angreifer zu wehren. Oder im Dunkeln gleich gar nicht mehr rausgehen. Auch in Wien wurde Frauen von der Polizei empfohlen, nicht mehr alleine mit der U-Bahn zu fahren. Die Wiener Linien hingegen haben beschlossen, die Videoüber­wachung für 1,2 Millionen Euro auszubauen (derzeit werden bereits ca. zwei Drittel der U-Bahn-Stationen und die meisten U-Bahn-Züge videoüberwacht, in nächster Zeit sollen Kame­ras auch in Bussen und Straßenbahnen aufgestockt werden).

Einfache Lösung also: Sollen die Frauen daheim bleiben. Falls sie doch mal rausmüssen, gibt’s für den Ernstfall Über­wachungskameras und Chilipulver.

Wie viel sinnvoller ist da eine Liste von Tipps, die auf ver­schiedenen feministischen Blogs im Internet zirkuliert und von der feministischen Jusprofessorin Ann Bartow stammt. In zehn Punkten geht es darum, die potenziellen Täter daran zu erinnern, dass sie es sind, die ihr Verhalten ändern sollen – um so weg von einer Rape Culture und hin zu einer Gesell­schaft zu kommen, in der sich Frauen frei bewegen können.

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Nachts allein U-Bahn-fahren? Gar kein Problem, wenn ein paar einfache Regeln befolgt werden.

„Menschen gehen in Waschküchen, um Wäsche zu waschen, nicht, um belästigt zu werden“, ist einer von Bartows Hinwei­sen. Andere Ratschläge lauten etwa: „Wenn Sie jemanden alleine auf der Straße sehen – lassen Sie sie in Ruhe!“ oder: „Niemals vergessen: Sie dürfen Sex nur mit Menschen haben, die wach sind!“ Diese Liste ließe sich noch beliebig erwei­tern. Mir fielen da zum Beispiel spontan folgende Punkte ein:

  • Bringen Sie Ihren Söhnen von klein auf bei, Frauen zu respektieren. Zur Veranschaulichung könnten Sie mit gutem Beispiel vorangehen.
  • Wenn Sie nachts in der U-Bahn mit einer Ihnen unbekannten Frau alleine im Waggon sind: Halten Sie weiträumig Abstand!
  • Wenn Sie merken, Sie gehen in die gleiche Richtung nach Hause: Überholen Sie (am besten auf der anderen Straßen­seite) oder nehmen Sie einen anderen Weg. Gehen Sie keinesfalls hinter der Frau her!
  • Achten Sie auf das Konsensprinzip: Führen Sie nur Handlungen durch, denen alle Beteiligten zugestimmt haben. Das gilt für Sex genauso wie für Gespräche.
  • Bedenken Sie: Frauen reicht es beim Ausgehen oft völlig, unter sich zu sein. Sie warten nicht zwingend auf männliche (= Ihre) Gesellschaft.
  • Überlegen Sie sich für gefährliche Situ­ationen ein Mantra. Wenn Sie Kleidung sehen, die für Ihren Geschmack oder Ihr Gefühl aufreizend ist, wiederholen Sie innerlich immer wieder: Das ist keine Einladung zum Sex! Das ist keine Einladung zum Sex!
  • Dieses Mantra könnten Sie auch in einer Männergruppe verbalisieren. Manchmal hilft ein schöner Reim, um Dinge besser im Unterbewusstsein zu verankern. Seien Sie kreativ! Anregungen können Sie sich bei feministischen Schlachtge­sängen holen. Beispiel: „Whatever we wear, wherever we go – yes means yes and no means no!“
  • Vergessen Sie niemals: Die sexuelle Erregung ist Ihr Gefühl und hat nichts mit dem Gegenüber zu tun.
  • Falls Sie auf Hardcore-Pornos oder auch Twilight abfahren: Genießen Sie es! Aber führen Sie sich immer wieder vor Augen, dass es sich hier um Erfundenes und Fiktion handelt.
  • Setzen Sie Gesehenes oder Gelesenes gerne in die Tat um – aber handeln Sie es vorher mit potenziellen PartnerInnen aus.

Ergänzen Sie nach Belieben weitere Regeln. Und fordern Sie deren Einhaltung ein!

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