Februar 2012 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 06 Feb 2012 18:18:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Februar 2012 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.sprüche: Wohlverdient! Oder wohl oder übel? https://ansch.4lima.de/an-spruche-wohlverdient-oder-wohl-oder-u%cc%88bel/ https://ansch.4lima.de/an-spruche-wohlverdient-oder-wohl-oder-u%cc%88bel/#respond Mon, 06 Feb 2012 18:18:02 +0000 https://anschlaege.at/?p=2652 FrauenpensionIn der Debatte um eine Angleichung des Pensionsalters gibt es auch unter Frauen durchaus geteilte Meinungen. BRIGITTE RUPRECHT und RUBINA MÖHRING diskutieren.]]> Frauenpension

In der Debatte um eine Angleichung des Pensionsalters gibt es auch unter Frauen durchaus geteilte Meinungen.
BRIGITTE RUPRECHT und RUBINA MÖHRING diskutieren.

 

Brigitte Ruprecht: Das Pensionsalter der Frauen soll unter dem Deckmäntelchen des Sparens vorzeitig angehoben werden. Für Frauen habe das nur Vorteile, sie würden dadurch eine höhere Pension erhalten – sagt die Wirtschaft. Entscheidend dafür ist aber nicht das gesetzliche Pensionsalter, sondern das faktische. Und danach gehen Frauen nur ein Jahr und vier Monate früher in Pension. Allein durch 1,4 Jahre längeres Arbeiten erhalten Frauen aber nicht 502 Euro mehr Pension – Männer erhalten im Schnitt eine Pension von 1.288 Euro netto, Frauen 786 Euro.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern kann daher nicht beim Pensionsalter beginnen. Zuerst müssen die Benachteiligungen von Frauen während des Berufslebens beseitigt werden. So will es übrigens auch das Gesetz von 1992, das Frauen die Möglichkeit einräumt, früher als Männer in Pension zu gehen. Eine Fülle von Maßnahmen sollte gewährleisten, dass in den folgenden Jahren die Gleichstellung eintritt.

Weit gefehlt, denn Frauen erhalten noch immer weniger Gehalt, weil Frauen potenziell Kinder bekommen können. Vollzeitarbeitsplätze, Wei­terbildungen, Führungspositionen sind häufig Männern vorbehalten. Auch der schwierige Wiedereinstieg nach der Karenz macht es den Frauen nicht gerade leichter, eine eigenständige Altersversorgung zu erwerben. Hinzu kommt, dass eine vorzeitige Anhebung des Pensionsalters für viele Frauen eine längere Arbeitslosenzeit bedeuten würde: Ein Drittel der Pensionsan­träge wird aus der Arbeitslosigkeit beantragt.

Für die Budgetsanierung gibt es bei den schmalen Fraueneinkommen also nichts zu holen. Die Regierung muss sparen, ja. Aber sparen bedeutet auch, richtig zu investieren, wie in den Ausbau der Kinderbetreuung. Frauen kön­nen dadurch ihre Qualifikationen am Arbeitsmarkt besser einsetzen, da der Wiedereinstieg erleichtert wird und die Arbeitszeit ausgeweitet werden kann. Das würde auch die Steuereinnahmen erhöhen. Kurz: Fangen wir mit der Gleichstellung da an, wo sie notwendig ist – beim Berufseinstieg, nicht bei der Pension.

Brigitte Ruprecht ist ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende.

 

Frauenpension
Illustration: Bianca Tschaikner

 

Rubina Möhring: Noch in unserer Elterngeneration galten Sechzigjährige als alte Menschen: Vom Leben zu verbraucht, um noch mit dem Tempo der Arbeitswelt Schritt halten zu können, und bereits müde genug, um sich auf den wohlverdienten Ruhestand zu freuen. Heutige Sechzigjährige sind, so sie nicht in entfernten Krisengebieten aufwuchsen, allesamt bereits Kinder der Aufbau- und Wohl­standsgesellschaft nach dem 2. Weltkrieg des 20. Jahrhunderts. Entspre­chend besser ist ihre Konstitution, entsprechend höher sind die Lebenser­wartungen, entsprechend jünger ist das wahrgenommene Alter.

Auch unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen sechzig Jahren grundlegend geändert. Immer mehr Frauen entscheiden sich erst viel später als ihre Mütter für Kinder. Viele sind alleinerziehende Mütter, die ohne männlichen Haushaltsvorstand ihre Familien unterhalten. Heutige Sechzigjährige müssen zum Teil noch studierende Kinder unterstützen, und das ist als Pensionsempfängerin eine deutlich stärker spürbare finanzielle Belastung. Frauen sollten deshalb zumindest selbst entscheiden können, ob sie schon mit Sechzig oder erst später ihren Arbeitsplatz verlassen wollen, statt zum sechsten runden Geburtstag mir nichts, dir nichts vom Arbeitge­ber vor die Tür gesetzt zu werden.

Seit der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass ein früheres Pensi­onsalter für Frauen dem Gleichheitsprinzip zwischen Männern und Frauen widerspricht, wagen auch in Österreich zunehmend mehr Frauen Klagen vor dem Arbeitsgericht. Und zunehmend gewinnen sie diese Prozesse. Das ist zumindest ein erster Schritt. Bis Frauen tatsächlich für gleiche Arbeit das gleiche Gehalt wie Männer erhalten, wird es vermutlich leider noch länger dauern.

Statt Sechzigjährige zum alten Eisen zu degradieren, sollte heute besser über Alternativen nachgedacht werden. Warum nicht Betriebsstrukturen und Arbeitsmarkt-Philosophien dahingehend ändern, dass diese Genera­tionen samt all ihrem Know-how zum Nutzen der Arbeitswelt integriert bleiben? Alt ist nicht gleich alt, schon gar nicht heute. Ich selbst verstehe mein altersbedingtes Ausscheiden aus dem ORF am 1. April 2010 nach wie vor als Aprilscherz.

Rubina Möhring ist Autorin und Journalistin.

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an.künden: Endlich da! https://ansch.4lima.de/an-kunden-endlich-da/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-endlich-da/#respond Tue, 24 Jan 2012 12:10:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=2619 ChickLit: neue feministische Buchhandlung in Wien.]]>

Wie in der an.frage (12/2011-01/2012) schon zu lesen war, bekommt Wien eine neue feministische Buch­handlung. Nun steht der Termin für die Eröffnung: ChickLit öffnet am 31.1. um 10 Uhr seine Pforten! Offen für alle, „die sich in irgendeiner Form für femi­nistische Literatur interessieren, egal ob sie ihr erstes feministisches Buch lesen oder schon seit Jahrzehnten (pro-)feministisch sind“ (Paula Bolyos, Jenny Unger). Die Bücherei soll außerdem ein Treff- und Informati­onspunkt für Frauen werden.

Buchhandlung ChickLit, 1010 Wien, Kleeblattgasse 7, T. 01/5339164, www.chicklit.at

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an.sage: Zero Tolerance to Intersex Genital Mutilation https://ansch.4lima.de/an-sage-zero-tolerance-to-intersex-genital-mutilation/ https://ansch.4lima.de/an-sage-zero-tolerance-to-intersex-genital-mutilation/#comments Tue, 24 Jan 2012 12:05:44 +0000 https://anschlaege.at/?p=2614 Ein Kommentar von BETTINA ENZENHOFER

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begeht am 6. Februar den „International Day of Zero Tolerance to Female Genital Mutilation“. Unter weibliche Genitalbeschneidung (FGM) werden dabei alle Prozeduren gefasst, durch die aus nicht-medizinischen Gründen die äußeren weiblichen Genitali­en teilweise oder vollständig entfernt bzw. andere Genitalor­gane verletzt werden.

Doch Null Toleranz sollte es auch gegenüber einer anderen gängigen Praxis geben: „Wir protestieren gegen Genital­verstümmelungen in anderen Kulturen, aber tolerieren sie zuhause“, wie die Biologin Anne Fausto-Sterling sagt. Sie spricht damit chirurgische Eingriffe an, die sich in vielen Punkten von FGM nicht unterscheiden: Babys/Kleinkinder, deren kör­perliches Geschlecht sich „atypisch“ entwickelt hat, werden oft an ihren Ge­schlechtsorganen operiert – ohne ihre Einwilligung und meist ohne gesundheitliche Notwendigkeit. Intersex-Vereinigungen sprechen bei Operationen an den Genitalien auch von „IGM“ (Intersex Genital Mutila­tion) und kritisieren, dass Politiker_innen und Menschenrechtsvereinigungen zwar für ein Verbot von FGM eintreten, Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen aber nicht thematisieren. IGM soll dabei keinesfalls gegen FGM aufgerechnet oder beides gleich­gesetzt werden, doch muss die Kritik Intersexueller ernst genommen werden. Denn Operationen an Intersexuellen sind nach wie vor oft Standard: Eine deutsche Intersex-Studie mit 439 Studienteilnehmer_innen kam zu dem Ergebnis, dass fast 81 Prozent der Befragten mindestens ein Mal an ihren Geschlechtsorganen operiert wurden, in der Hälfte dieser Fälle blieb es nicht bei nur einer OP. Bei solchen Eingriffen wird je nach Diagnose und Geschlechtszuweisung bspw. eine als zu groß erachtete Klitoris verkleinert, die Harnröhre von der Vagina getrennt oder die Mündung der Harnröhre auf die Spitze des Penis verlagert, oder es werden die Keimdrüsen (Hoden, Eierstöcke) entfernt.

Die Begründungen sind unterschiedlich: Genitalien sollen nach medizinischer Logik nicht „uneindeutig“ aussehen, außerdem sollen sie zum heterosexuellen (!) Geschlechtsver­kehr genutzt werden können. Und scheint die Aussage, durch die Entfernung von Keimdrüsen entgehe man dem Risiko eines bösartigen Tumors, auf den ersten Blick zunächst noch nachvollziehbar, so zeigen sich bei genauerer Analyse der medizinischen Literatur abweichende Einschätzungen zum Krebsrisiko. Schockierend ist auch ein Vergleich aktueller medizinischer Intersex-Leitlinien: Spricht sich das 2006 in Chicago veröffentlichte, internationale Intersex-Konsensus-Statement zwar nicht gegen geschlechtszuweisende Operatio­nen aus, führt aber wenigstens damit einhergehende mögliche Risiken an (bspw. Narbenbildung, verminderte sexuelle Empfindsamkeit), werden in einer anderen Leitlinie aktuelle medizinische Erkenntnisse grob missachtet: 2010 in Deutsch­land zum Adrenogenitalen Syndrom – der häufigsten Intersex-Diagnose, die u.a. mit einer „vergrößerten“ Klitoris einhergeht – publi­ziert, ist hier unkommentiert zu lesen, dass in Deutschland „in der Regel“ eine Operati­on, die eine Klitorisreduktion sowie den Scheidenaufbau (inklusive Schamlippen und „Vaginalerweiterung“) umfasst, „im ersten Lebens­jahr durchgeführt“ wird. Die massiven physischen und psychischen Belastungen, denen sich viele Intersexuel­le nach solchen OPs stellen müssen, werden in dieser Leitlinie an keiner Stelle erwähnt.

Der Widerstand Intersexueller, ihrer Eltern und auch einiger Mediziner_innen gegen solche medizinische Praktiken wächst – und hat sich doch bis heute noch nicht in einem gesetz­lichen Verbot dieser OPs niedergeschlagen. Dabei werden fundamentale Menschenrechte wie das Recht auf Selbstbe­stimmung, körperliche Unversehrtheit und Würde verletzt. Die Beachtung dieser Rechte – dies würde auch das Verbot von nicht lebens- oder gesundheitsnotwendigen Eingriffen (medizinische, psychologische oder medikamentöse) ohne informierte Einwilligung der betroffenen Menschen umfas­sen – ist eine wesentliche Forderung vieler Intersexueller, die Schaffung verbindlicher „Standards of Care“ unter Einbezug der betroffenen Menschen und ihrer Organisationen eine weitere. Gerade dann, wenn wir zu Null Toleranz für FGM aufrufen, sollten wir auch vor unserer eigenen Haustüre keh­ren. Null Toleranz mit Mediziner_innen, die sich selbst nicht informieren und nur ungenügend aufklären! Null Toleranz mit politischen Parteien, die Intersex nicht auf ihrer Agenda haben! Solidarität mit Intersexuellen!

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Das illustrierte Werbe-Wäh https://ansch.4lima.de/das-illustrierte-werbe-wah/ https://ansch.4lima.de/das-illustrierte-werbe-wah/#respond Tue, 24 Jan 2012 12:01:42 +0000 https://anschlaege.at/?p=2608 Von Melanie Letschnig

 

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Feminist Superheroines: Betty Friedan https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-betty-friedan/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-betty-friedan/#respond Tue, 24 Jan 2012 11:53:24 +0000 https://anschlaege.at/?p=2600 BETTY FRIEDAN (1921–2006) war Publizistin und Mitbegründerin der US-Frauenbewegung. ]]>

BETTY FRIEDAN (1921–2006) war Publizistin und Mitbegründerin der US-Frauenbewegung. In ihrem bekann-testen Werk „Der Weiblichkeitswahn“ (The Feminine Mystique, 1963) widmete sie sich der Frage, warum Frauen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder auf die Hausfrau- und Mutter-Rolle reduziert wurden und, vor allem: warum sie dies zuließen. Gründe hierfür sah Friedan in fehlenden Rolemodels sowie in der Konsumgesellschaft mit ihren rigiden Werbebildern von der perfekten Hausfrau. Friedan erachtete es als essenziell, dass Männer in feministische Diskussionen einbezogen werdenund eine aktive Rolle im Kampf um Gleichberechtigung einnehmen.

Betty Friedan

Text: Julia Mac Gowan
Illustration: Lina Walde

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bonustrack: Die Hansi-Tant https://ansch.4lima.de/bonustrack-die-hansi-tant/ https://ansch.4lima.de/bonustrack-die-hansi-tant/#comments Tue, 24 Jan 2012 11:44:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=2584 Aufregende Zeiten! Das neue Luise-Pop-Album erscheint dieser Tage. Jetzt heißt es tief durchatmen. Von VERA KROPF]]>

Aufregende Zeiten! Das neue Luise-Pop-Album erscheint dieser Tage. Jetzt heißt es tief durchatmen. Wir haben es „Time is a Ha­bit“ genannt, weil wir das mit der Zeit nicht verstehen: Tick-Tock macht die unerbittliche Uhr, gleichzeitig liegen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor uns wie ein Zauberspiegel: Sieh hinein, und sage mir, was du siehst! Die Geschichten sind immer ganz persönliche. Es ist Magie! Wie passend, dass wir die Artwork-Frage, halb träumend, mit einem Griff ins Familienal­bum gelöst haben. Das Cover ziert ein Bild der Hansi-Tant, meiner Großtante, mit bürgerlichem Namen Johanna Pories, 1897 in Mürzzuschlag als zweites von sieben Kindern geboren, der Vater war bei der Eisenbahn, die Mutter als Jugendliche aus dem kroatischen Elternhaus ausgebüchst. Reisen, Flucht und Abenteuer lagen ihr, so scheint’s, im Blut. Noch in der Monar­chie arbeitete die Hansi als Küchenmädchen im Hotel Sacher und im Südbahnhotel am Semmering. Wie sie dann, vermutlich in den 1920er Jahren, zum Zirkus kam, weiß niemand mehr. Dort lernte sie ihren Mann Alexander kennen, mit dem sie fortan zusammen durch die Welt tour­te. Sie gab sich als indische Prinzessin aus, legte sich den Künstlerinnennamen Tanit Ikao zu; die Spezialität ihres Programms war, neben Fakir-Nummern wie der berüchtigten „Todesleiter“, die Tierhypnose. So reiste sie stets mit einem Tross von Alligatoren und Riesen­schlangen. Ende der 1930er Jahre lebte sie in Dä­nemark und dürfte im mitteleuropäischen Raum schon recht bekannt gewesen sein, doch Hitler und der Krieg kamen dazwischen: Hansi wan­derte mit ihrem jüdischen Mann in die USA aus und kam nie mehr nach Europa zurück. Alles, was ich von ihr kenne, sind ein paar Fotos, Briefe und ins­pirierende Geschichten über eine wohl sehr liebenswerte Frau, die ein ungewöhnliches und aufregendes Leben geführt hat.

Illustration: Lina Walde

Vera Kropf ist Gitarristin und Sängerin bei Luise Pop. Das neue Album „Time is a Habit“ ist vor kurzem bei Siluh Records erschienen.

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zeitausgleich: Boulevard https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-boulevard/ https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-boulevard/#respond Tue, 24 Jan 2012 11:38:36 +0000 https://anschlaege.at/?p=2578 Die österreichische Region, für deren Regionalausgabe ich arbeite, ist mehrere hundert Kilometer von meinem Arbeitsort entfernt. Von IRMI WUTSCHER]]>

arbeitsfragen in allen lebenslagen

Die österreichische Region, für deren Regionalausgabe ich arbeite, ist mehrere hundert Kilometer von meinem Arbeitsort entfernt. Viele Orte, über deren Unfälle, Feuerwehreinsätze, Volksfeste oder Krimi­nalfälle ich schreibe, kenne ich nicht einmal vom Namen her. Die erste Tat in der Früh besteht bei diesem Job daher darin, Polizeimeldungen durchzugehen. Erscheint eine interessant, heißt es möglichst schnell bei der entsprechenden Dienststelle anrufen, um den diensthabenden Beamten noch zu erwischen – das heißt ihn möglichst unvorbereitet zu erwischen, damit er etwas über die Geschehnisse erzählt, das über die offizielle Meldung hinausgeht. Etwas, was die BeamtInnen eigentlich nicht dürfen.
Neben Chronikalem und Menschelndem (Weinköniginnen, hundertjähri­ge Mütterchen, Familien mit zwölf Kindern …) ist das wichtigste The­ma das Wetter. Wird es schneien, und wenn ja, wie viel? Wird die Son­ne scheinen, und wie lang noch? Denn wenn es schneit, gibt es vielleicht Unfälle und Stau, und das gibt wieder Geschichten für die Chronik. Und außerdem hängt einer der wichtigsten heimischen Wirtschaftszweige am Wetter: der Tourismus. Einen Sprecher eines Tourismusverbandes rufe ich wöchentlich an, um mich nach Buchungs- und Nächtigungszah­len zu erkundigen. Bis der entnervt sagt: „Frau Wutscher, wir aktuali­sieren nicht täglich unsere Statistik. Abgerechnet wird zu Saisonende.“ Mir ist das glasklar, nur der rotgesichtige, rundbäuchige Choleriker in der Redaktionsmitte sieht das nicht so. Auskunftspersonen kooperieren nicht? Na dann machen wir uns unsere Zahlen halt selber! Sagen wir, wir wissen, dass in einem Skiort bereits soundso viele Nächtigungen ge­meldet wurden. Na, dann rechnen wir das halt Pi mal Schnauze für alle anderen Orte in dem Bundesland hoch und schon haben wir eine prima Zahl. Und die Überschrift, die ohnehin schon genau wie der Inhalt vor der Recherche feststand (nämlich von oben diktiert), lautet: „Gastwirte jubeln über Nächtigungsplus“.

Illustration: Nadine Kappacher

Irmi Wutscher hat ein paar Monate lang bei einer Boulevardzeitung gearbeitet – und viel dabei gelernt.

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heimspiel: „Alles Schlampen außer Mami“ https://ansch.4lima.de/heimspiel-alles-schlampen-auser-mami/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-alles-schlampen-auser-mami/#respond Tue, 24 Jan 2012 11:31:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=2571 Heimspiel… sagen meine Kinder routiniert, bevor sie mir am Abend einen Gute-Nacht-Kuss geben, um danach sofort einzuschla­fen und bis zum Morgen keinen Pieps mehr zu machen. Von ELSA HOHLWEIN]]> Heimspiel

leben mit kindern

… sagen meine Kinder routiniert, bevor sie mir am Abend einen Gute-Nacht-Kuss geben, um danach sofort einzuschla­fen und bis zum Morgen keinen Pieps mehr zu machen. Nach drei Jahren Schlafentzug und mindestens genauso viel Anstrengung, um dessen Resultate – wie z.B. dunkle Augenränder, Schwitzen, Genervtheit bis latente Aggressi­vität – möglichst vor anderen Menschen, aus dem normalen (queeren, meist kinderlosen) Leben, zu verbergen, verstehe ich verbale Entgleisungen wie „Go the fuck to sleep!“und wünschte, ich wäre tendenziell etwas phlegmatischer.
Wir haben zwei unendlich wundervolle Kinder! Und ja, wer hätte das gedacht, die Nächte werden tatsächlich besser und dem Schlafentzug sowie dem damit einhergehenden lesbi­schen Szeneentzug, weil man für wirkliches Ausgehen eh zu müde ist, lässt sich auch wieder besser begegnen.
Aber kann man eigentlich eine gute Mutter sein, wenn man sich in der Nacht auf einer Burlesque-Bühne amüsiert, blöde Sprüche ins Mikrophon macht, Sekt ohne Ende trinkt und viel zu viele Zigaretten raucht für eine, die eigentlich damit aufgehört hat? Ist es okay in der Früh beim Aufwachen die falschen Wimpern den Kindern als Bart aufzukleben und sich dabei gemeinsam totzulachen? Es ist nicht so, dass ich eine komplett verschreckte, unsichere und permanent an mir zweifelnde Person bin, aber keine bisherige Kunstkrise und keine Versagensängste vor Auftritten – und ich schwöre, mit meinem Lampenfieber will so schnell auch niemand tauschen – haben nur annähernd die Dimension gehabt wie meine Angst, es als Mutter nicht gut genug zu machen.
„Okay is good enough!“ sagt der Supervisor, und ich sage: „Zwei Mamas sind zwei Mamas, und eine ist einfach nur eine!“

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

Elsa Hohlwein ist eine von zwei lesbischen Müttern, sie haben (natürlich) die tollsten Kinder der Welt und leben in Graz. Sie kann nicht verstehen ,warum immer noch so viele Eltern diese „Es ist alles ganz easy“-Performance aufführen und ist davon überzeugt, dass 50/50-Aufteilung in Familien ein absolutes Muss ist, um nicht wahnsinnig zu werden.

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neuland: Black is beautiful https://ansch.4lima.de/neuland-black-is-beautiful/ https://ansch.4lima.de/neuland-black-is-beautiful/#respond Tue, 24 Jan 2012 11:14:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=2562 NeulandAn der Haltestelle strahlt mir jeden Morgen eine Waschmittel-Anzeige von Persil entgegen. Von BELINDA KAZEEM]]> Neuland

entdeckungen im alltag

An der Haltestelle strahlt mir jeden Morgen eine Waschmittel-Anzeige von Persil entgegen. Lila Hintergrund, rechts die Flasche Waschgel, auf der linken Seite in Blockbuchstaben BLACK IS BEAUTIFUL, das IS durchgestrichen und durch ein BLEIBT ersetzt. Ein Sujet, das die Unsichtbarmachung Schwarzer Präsenz im deutschsprachigen Raum einmal mehr unterstreicht.
Wenn ich den Slogan BLACK IS BEAUTIFUL lese, denke ich an Schwarze Menschen, die selbstbewusst NEIN sagten zu einer Vorstellung von Schönheit, die ihnen keinen Platz darin einräumte. Oder nur, um als Anschauungsobjekt für das Gegenteil zu dienen. Ich denke an Frauen, Kinder und Männer, die Nein sagten zum Zwang, ihre Haare kurz zu schneiden, sie zu glätten, Perücken aufzusetzen, und die sich stattdessen entschieden, sie als Locks, Afros, Cornrows, Braids etc. zu tragen. Ich denke an Dashikis, Kangas, Kente, Tücher. An was ich nicht denke, ist Waschmittel.
Die zuständigen Werbefachfrauen und -männer sind vermutlich so auf diesen Slogan gekommen: A sagt zu B: „Also mit Schwarz kommen wir hier nicht weiter, ist auch alles negativ besetzt. Wir brauchen was Frisches, Poppiges.“ Darauf B: „Lass uns mal auf Englisch probieren. Black. Das klingt gleich viel besser. Ha, wieso hab ich denn nicht gleich daran gedacht: Black is beautiful. Statt ‚is‘ nehmen wir ‚bleibt‘. Das isses.“
Ich stelle mir dieselbe Anzeige in den USA vor. Die Kampagne wäre dort nicht unbeantwortet geblieben. Black is beautiful und Waschmittelwerbung? Ein No-Go. Aber hier, inmitten dieser weißen Normalität, funktioniert der Spruch so gut, dass mir doch unlängst glatt jemand erklärt hat, wie ich die Werbung zu verstehen habe. „Verstehst du nicht, es geht um dunkle Wäsche. Hahaha.“
Ich kann nicht lachen über die Entkontextualisierung eines Slogans, dessen Wirkung weit über die US-amerikanischen Grenzen hinweg empowernd war, ist und bleibt. Black is beautiful. Und meine schwarze Wäsche wasche ich garantiert mit einem anderen Waschmittel, egal ob sie dann schneller grau wird oder nicht.

Illustration: Nadine Kappacher

Belinda Kazeem ist freie Autorin und lebt in Wien.

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Klitoris: unbekannt https://ansch.4lima.de/klitoris-unbekannt/ https://ansch.4lima.de/klitoris-unbekannt/#respond Tue, 24 Jan 2012 11:04:40 +0000 https://anschlaege.at/?p=2553 Mädchen müssen erst lernen, wie sie eine selbstbestimmte Sexualität leben können. BETTINA ENZENHOFER und SYLVIA KÖCHL haben mit der Sexualpädagogin und Workshop-Leiterin KERSTIN PIRKER gesprochen.

 

Über „Liebe, Sex und mehr“ spricht Kerstin Pirker mit Mädchen in den Workshops, die sie vor allem an Hauptschulen anbietet. Die jungen Frauen sind zwischen 13 und 14 Jahre alt und haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Dass Mädchen über ihre eigenen Körper und sexuellen Bedürfnisse kaum Bescheid wissen, zeigt sich dabei immer wieder.

an.schläge: Was sind die wichtigsten Themen der Workshops? Ist der Orgasmus überhaupt ein wichtiges Thema?

Kerstin Pirker: Es gibt Themen, nach denen die Mädchen fragen, ich nenne sie „die ihnen nahegelegten Themen“, dazu zählen Verhütung, Schwangerschaft, erstes Mal und „richtiger Sex“ (damit meinen sie heterosexuellen Geschlechtsverkehr). Dann gibt es Themen, nach denen sie nicht fragen, die aber von großem Interesse sind und die ich deshalb einbringe: Klitoris, Selbstbefriedigung, Lust, Orgasmus, Nein-Sagen, sexuelle Gewalt. Die Mädchen fragen kaum nach dem Orgasmus, er wird manchmal beim Themensammeln erwähnt, direkt fragen sie nicht danach. Wenn ich darüber spreche, sind sie sehr neugierig.

Wir sind selbst mit dem Halbwissen aufgewachsen, die Klitoris sei dieser „kleine Knubbel“. Ist genaueres Wissen heute unter den Mädchen selbstverständlicher? Wissen sie über ihre Geschlechtsorgane und deren Anatomie und Funktionen Bescheid?

Die Mädchen, die ich in den letzten 15 Jahren kennengelernt habe, wissen nichts darüber! Maximal kennen sie den „kleinen Knubbel“, oft nicht mal das. Das Wort Klitoris ist nahezu unbekannt, Kitzler schon eher, das weibliche Sexualorgan in seiner Größe und Anatomie ist jedoch völlig unvertraut. Unserer Erfahrung nach ist es auch für die meisten erwachsenen Frauen unbekanntes Terrain. Ich sage immer, dass die Klitoris für nichts anderes da ist als für unser Lustempfinden, das überrascht die Mädchen. Nicht selten reagieren sie mit Abscheu und Ekel, wenn ich über weibliche Lust spreche. Sich selbst zu betrachten oder zu berühren ruft „Igitt!“-Rufe hervor, „Wie pervers!“ oder „Das hab ich nicht nötig, hab ja eh einen Haberer*“.

Kürzlich erzählte diestandard.at-Bloggerin „DieMama“ von einer Freundin, die ihrer dreijährigen Tochter einen Spiegel vor die Vulva hielt und ihr zeigte, wo die Klitoris zu finden ist, um ihr Albernheiten wie „da unten“, „Mumu“ und Ähnliches zu ersparen bzw. sie nicht mit dem negativierenden Gerede von „Mädchen haben nichts, Buben haben einen Penis“ allein zu lassen. Welche Themen, die wir unter Sexualität subsumieren, sind Ihrer Erfahrung nach für Mädchen ab welchem Alter relevant bzw. verständlich?

Wissen über die Klitoris ist meiner Ansicht nach Basiskörperwissen und sollte im Kindergarten vermittelt werden. Es passiert aber nicht mal in der Volksschule, selten in der Hauptschule oder in der Allgemeinbildenden Höheren Schule. Auch die Schulbücher sind mangelhaft hinsichtlich der Klitoris, weibliche Lust und Orgasmus bleiben im Regelfall unerwähnt. (Siehe Seite 20)
Themen für die unter 12-Jährigen sind Körperthemen, Klitoris, Lust, Veränderungen in der Pubertät, Brüste, die Regel, Grenzen, angenehme und unangenehme Gefühle. Danach wird die Kontaktaufnahme zu Jungs interessant, bspw. die Frage: Wie weiß ich, ob er mich mag? Damit gehen viele Fragen nach männlicher Sexualität einher, selten fragen die Mädchen auch aktiv nach der eigenen Sexualität. Je konkreter die realen sexuellen Erfahrungen sind – meist geht es im Alter von 14–15 Jahren los – desto nüchterner wirken die Mädchen.
Relevant bleibt meiner Meinung nach in jedem Alter die Information über das „Eigene“, Klitoris, Selbstbefriedigung (als positiv, lustvoll und sogar gesund). Weiters die Erwähnung der Vielfalt der weiblichen Genitalien und Brüste, die kritische Beleuchtung des weiblichen Schönheitsideals und die Aufklärung über die realitätsferne Darstellung von (weiblicher und männlicher) Sexualität in Pornos.

Gewisse Diskrepanzen zwischen Wissen und eigenem Erleben begleiten viele Frauen auch noch als Erwachsene: Wie oft muss ich Lust auf Sex haben? Muss ich immer einen Orgasmus haben? Vorstellungen davon, wie Sex „sein soll“, führen so z.B. zum Vorspielen eines Orgasmus. Schlagen sich die Mädchen heute damit auch noch herum?

Ja! Von Sexualberaterinnen höre ich, dass das Problem Nr. 1 von jungen Frauen in der Sexualberatung das Vortäuschen von Orgasmen ist und die Frage: Wie kann ich endlich damit aufhören? Das scheint sich durch die Pornografie noch verschärft zu haben. In Pornos ist selten Hetero-Sex zu sehen, der Frauen zum Orgasmus bringt, bspw. die Stimulation der Klitoris beim Geschlechtsverkehr. Die meisten Frauen geben an, dass sie beim Oralsex am zuverlässigsten zum Orgasmus kommen, in Pornos dominiert jedoch die Fellatio.

Wie kann es den Mädchen gelingen, die eigenen sexuellen Bedürfnisse zu erkennen? Oder anders gefragt: Wenn Sie mit den Mädchen arbeiten, was ist dann der gemeinsame Ausgangspunkt, von dem aus jedes Mädchen seine individuellen Bedürfnisse entdecken und artikulieren kann?

Ich unterscheide zwischen dem Gemeinsamen und dem Individuellen unter Mädchen (oder Frauen) und versuche, beide Pole auszubalancieren. Das lässt sich sehr gut an der Klitoris darstellen: Jede Frau hat eine, sie sieht so und so aus. Ich benutze üblicherweise das Bild, auf dem das ganze Organ Klitoris gut zu erkennen ist, ich erläutere die Größe, Anatomie und Funktion. Die Klitoris ist das Organ, das Lust und Orgasmus auslöst. Das ist das Verbindende.
Individuell ist, welche Berührung das einzelne Mädchen wo an der Klitoris, wie und wie lange schätzt, welche sexuellen Erfahrungen sie gemacht hat, ob sie lieber mit einem Jungen oder mit einem Mädchen ins Bett geht, das alles ist höchst unterschiedlich. Manche Frauen schätzen die Stimulation am Klitoriskopf, andere bevorzugen einen oder zwei Finger in der Scheide und stimulieren den Klitoris-Harnröhrenschwellkörper. Für die einen ist ein einziger Orgasmus wunderbar, für andere sind zwei bis drei normal, um sich befriedigt zu fühlen, wiederum andere erleben selten oder nie einen Orgasmus.
Ich halte es für sinnvoll, die Klitoris zum Ausgangspunkt für die Körper- und Lustaufklärung zu nehmen, indem ich z.B. sage, dass die Scheide eine Körperöffnung ist, die sehr gut dazu geeignet ist, die Klitoris rundum zu stimulieren. Das herkömmliche heterosexistische Aufklärungsmodell geht ja immer von dem Paar Scheide-Penis aus. Eventuell hat die Frau bzw. das Mädchen auch Lust, etwas einzulassen, das zeigt sich gewöhnlich aber erst nach ausreichender Stimulation der Klitoris.
Von einer Kollegin habe ich auch die „Körperampel“ übernommen: Erst wenn alle drei Lichter auf grün stehen, Kopf, Herz und Genitalien (d.h. die Klitoris ist erregt und angeschwollen, die Scheide feucht und öffnet sich), dann ist es möglich, etwas in der Scheide aufzunehmen. So vermittle ich das, denn die Erfahrung zeigt, dass junge Frauen häufig Geschlechtsverkehr zulassen und trotz Trockenheit und Schmerzen mitmachen, weil sie gar nicht stimuliert wurden.

Inwiefern gelingt es lesbischen und Trans-Mädchen, ihre eigene sexuelle Orientierung/Identität zu akzeptieren, wenn sie merken, dass das nicht den Vorstellungen der Mehrheitsgesellschaft entspricht?

In meinen Workshops erfahre ich wenig über die sexuelle Orientierung der Mädchen. In einzelnen Fällen waren lesbische Mädchen darunter, die in der Klasse bereits geoutet waren. Der Regelfall ist, dass die Mädchen überrascht sind, wenn ich über sexuelle Orientierungen spreche, z.B. „Partner oder Partnerin“ sage. Es zeigt sich, dass die heterosexuellen Mädchen das überhören, die anderen aber danach in der Pause das Gespräch unter vier Augen mit mir suchen, weil sie motiviert wurden, sich Raum zu nehmen. Manchmal fragen Mädchen „für Freundinnen“, meistens sprechen sie dann über sich selbst.
Trotz vorgeschobener Toleranz ist die Ablehnung gegenüber Lesbischsein groß, das hat viel mit Ängsten zu tun. Meist sprechen die Mädchen erst sehr großzügig („Jede wie sie mag …“), wenn ich aber dann ein wenig nachhake, tun sich schnell Vorurteile auf.
Diverse Studien belegen, dass nicht-heterosexuelle und transsexuelle Jugendliche in der Pubertät besonders leiden, vermehrt Depressionen haben und Suizidversuche unternehmen. Deswegen ist es unerlässlich, Vielfalt und Wahlfreiheit nicht nur zu predigen, sondern konzeptionell zu verankern und zu praktizieren. Ich spreche z.B. immer über sexuelle Orientierungen und nicht gesondert über Homosexualität.
Eine große Erleichterung stellt das Internet dar, denn die Möglichkeiten, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten, sind bedeutend einfacher geworden, auch für die Schüchternen.

Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren haben – was bedeutet für sie selbstbestimmte Sexualität?

Sexuelle Gewalt ist leider sehr verbreitet, viele Mädchen sind in der einen oder anderen Form betroffen. Es zeigen sich deutliche Zusammenhänge zwischen selbstverletzendem Verhalten – dazu zähle ich auch das „Drüberlassen“, den Geschlechtsverkehr, den nur der Partner wünscht – und erlebten Übergriffen. Die meisten Mädchen benötigen Unterstützung beim Nein-sagen-Lernen, auch diejenigen ohne sexuelle Gewalterfahrungen. Wir werden ja schon von klein auf trainiert, ständig zu lächeln, wenn wir sprechen. Das wird zur Falle, wenn es um Grenzüberschreitungen geht.
Selbstbestimmte Sexualität bedeutet, mein Eigenes zu entdecken und zu leben. Und zu „verlernen“, was wir als „richtigen Sex“ gesehen, gehört, gelesen und erzählt bekommen haben. Richtig ist, was mir in einer bestimmten Situation mit einer von mir ausgewählten Person gut tut, was lustvoll für beide ist. Das ist für die meisten Frauen (und Männer) ein lebenslanges Abenteuer.

* Anm.: Österreichisch für „Freund“

Kerstin Pirker, geboren 1974, Sexualpädagogin, Frauenforscherin, Yoga-Lehrerin. Mitarbeiterin im Frauengesundheitszentrum in Graz, Schwerpunkt sexuelle Gesundheit von Mädchen und Frauen.

Die Workshops „Liebe, Sex und mehr“ können von Schulen und allen anderen Interessierten in der gesamten Steiermark gebucht werden. Darüber hinaus bietet Kerstin Pirker auch Weiterbildungen für interessierte Fachfrauen zu emanzipatorischer Sexualpädagogik für Mädchen in ganz Österreich an, ebenso Selbsterfahrungswochenenden zum Thema weibliche Lust.

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„Total froh“ https://ansch.4lima.de/total-froh/ https://ansch.4lima.de/total-froh/#respond Tue, 24 Jan 2012 10:44:55 +0000 https://anschlaege.at/?p=2548 Der aktuelle Familienreport aus Deutschland gibt Anlass zur Hoffnung. Denn er zeigt: Geteilte Erziehungsarbeit macht glücklicher. Eine Zusammenfassung von SILKE PIXNER.

 

„Noch drei Wochen, dann ist meine Elternzeit um. Endlich. Und: Leider. Es waren sieben tolle Monate mit dem Kind. Es waren aber auch sieben anstrengende und langweilige Monate, so immer nur mit dem Kind. Das zuzugeben ist nicht so einfach. (…) Sobald ich die Wahrheit sage, nämlich dass ich nie zuvor meinen Job so vermisst habe, wird so manches Gegenüber recht schmallippig.“ Über Erfahrungen wie diese berichtet die Bloggerin und Kolumnistin Susanne Klinger in einer Kolumne der Berliner Tageszeitung „taz“.(1)

Es gibt Hoffnung, dass solche Schilderungen bald anders klingen werden – oder dass wir sie in Zukunft zumindest nicht mehr nur von Müttern, sondern auch von Vätern zu hören bekommen. Denn der „Familienreport 2010“(2) des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass sich auch Väter immer mehr für die Erziehung ihrer Sprösslinge verantwortlich fühlen. Zumindest theoretisch: So können sich etwa immer mehr Väter vorstellen, aus ihrer (Allein-)Ernährerrolle auszusteigen: sechzig Prozent würden gerne weniger arbeiten.

Väterzeit und Beziehungsglück. Doch der Weg zu einer neuen Rollenverteilung zeichnet sich im Familienreport, der die wichtigsten Studien des vergangenen Jahres zum Thema zusammenfasst, auch in Hinblick auf konkrete Veränderungen hinsichtlich der Väterkarenz ab. 2010 ging schon ein gutes Viertel der Väter in Karenz, länger als zwei Monate bleibt allerdings nur jeder vierte Vater. Doch damit einher geht, wenig verwunderlich, auch eine realistischere Einschätzung der Väter in puncto Betreuungs- und Hausarbeitsaufwand. Sie sind infolgedessen stärker daran interessiert, ihre Arbeitszeit zu verkürzen bzw. familienfreundlicher einzuteilen.

Positive Auswirkungen haben diese Entwicklungen auch auf die Beziehungsqualität. So zeigten etwa Studien aus skandinavischen Ländern wie Schweden, dass bei Familien, in denen die Väter beim ersten Kind in Karenz gingen, die Scheidungswahrscheinlichkeit um dreißig Prozent geringer ist als bei Familien, in denen die Mütter die gesamte Erziehungszeit in Anspruch nahmen. Außerdem erweisen sich Ehen als stabiler, wenn die Frauen bald nach der Familiengründung wieder arbeiten gingen.Wenn sich Väter bei der Betreuung und Erziehung ihres Nachwuchses engagieren, korreliert das außerdem mit der Lust auf weitere Kinder. So ist die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Kind in solchen Familien merklich höher, in denen der Vater Elternzeit in Anspruch genommen hat.

Working Mums und Happy Kids. Hand in Hand mit der steigenden Zahl an aktiven Vätern, zeigen sich auch positive Veränderungen bei den Müttern. 2010 stieg erstmals mehr als die Hälfte der Mütter wieder in den Beruf ein, sobald das Kind ein bis zwei Jahre alt war. Viele Mütter arbeiten zwar zuerst Teilzeit, ein Drittel strebt aber eine längere Arbeitszeit an. Hier zeigt sich erneut die Relevanz des Ausbaus von Kinderbetreuungsplätzen: Laut Bericht würden bis zu 461.000 Mütter eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, sobald ihnen ein geeigneter Betreuungsplatz zur Verfügung steht. Außerdem würden unter diesen Bedingungen bis zu 975.000 teilzeitbeschäftigte Mütter ihre Arbeitszeit ausweiten.

Durch einen schnellen Berufseinstieg der Mütter wird nicht nur die Beziehung zum Partner, sondern auch die zu den Kindern besser. 91 Prozent der Kinder berufstätiger Mütter sind „total froh“ oder „eher froh“ darüber, dass die Mutter arbeiten geht. Achtzig Prozent der Kinder sind trotz der Berufstätigkeit der Mutter zufrieden mit dem Ausmaß an Zeit, die sie mit ihr verbringen. „Working Mums“ mit ständig schlechtem Gewissen dürfen also getrost den Worten von „Adele“, Autorin auf „mädchenmannschaft.net“, Glauben schenken: „Eine Mutter lässt ihr Kind nicht alleine, eine Mutter ist da und tröstet das Kind, wenn es nachts weint. Bullshit! (…) Ich arbeite daran, mir klarzumachen, dass eine Mutter auch dann für ihre Familie sorgt, wenn sie für mehr als die Hälfte des Familieneinkommens sorgt, und sich (nur) am Wochenende ausgeglichen und glücklich vollumfänglich um ihre Lieben kümmert.“(3)

Fußnoten:
(1) www.taz.de/Kolumne-Die-Farbe-Lila/!81349
(2) Gesamter Report unter: www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Familienreport-2011,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf
(3) http://maedchenmannschaft.net/series/muttiblog/page/2

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