Dezember 2013/Jänner 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 06 Sep 2020 15:13:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Dezember 2013/Jänner 2014 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 ankünden: Ab auf die Baustelle https://ansch.4lima.de/ab_auf_die_baustelle/ https://ansch.4lima.de/ab_auf_die_baustelle/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:43:03 +0000 https://anschlaege.at/?p=4666 Bundesweites Handwerker_innen*treffen in Niederkaufungen.]]>

Seit über zwei Jahrzehnten bietet das Treffen der Bauhandwerker_innen* eine Plattform für Vernetzung und Weiterbildung von Handwerker_innen und handwerklich interessierten Frauen*. Das jährliche Meeting soll  Frauen* stärken, Fachwissen weitergeben und Gleichstellung in Bauhandwerksberufen fördern. Neben inhaltlichen Vorträgen und Diskussionen warten auch praktische Workshops auf die Besucherinnen*. Und natürlich eine Baustelle, auf der ehrenamtlich gearbeitet werden kann.

U.S. National Archives and Records Administration/Wikimedia
U.S. National Archives and Records Administration/Wikimedia

16.–19.2.: 24. Bundesweites Bauhandwerker_innen*treffen, Gelände der Kommune Niederkaufungen, 34260 Niederkaufungen, Kirchweg 3, € 55–105 nach Selbsteinschätzung, Anmeldung bis 1.2. unter dabeisein@bauhandwerkerinnen.de, www.bauhandwerkerinnen.de

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an.künden: Frauengeschichte feiern https://ansch.4lima.de/an-kuenden-frauengeschichte-feiern/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-frauengeschichte-feiern/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:38:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=4663 Dreißig Jahre Stichwort.]]>

Seit dreißig Jahren sammelt, archiviert und dokumentiert das STICHWORT-Archiv in Wien Texte, Dokumente und Literatur der Frauen- und Lesbenbewegung und trägt so wesentlich zur Bewahrung feministischer Kultur und Geschichte bei. Zur Geburtstagsparty präsentieren Expertinnen und Künstlerinnen Arbeiten, Vorträge, Performances und Kunstinstallationen, die auf STICHWORT-Dokumenten fußen. „Feministisch zurücksprechen“ lautet die Devise – nicht nur an diesem Abend. Happy Birthday, STICHWORT!

Foto: Bettina Enzenhofer
Foto: Bettina Enzenhofer

13.12., 19.00: Dreißig Jahre STICHWORT – Dokumente sprechen feministisch zurück, 1040 Wien, Gusshausstr. 20, T. 01/81 298 86, FLT* only, www.stichwort.or.at

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an.sprüche: Eine Frage des Budgets https://ansch.4lima.de/an-sprueche-eine-frage-des-budgets/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-eine-frage-des-budgets/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:33:53 +0000 https://anschlaege.at/?p=4660 In welcher Form soll Frauenpolitik in der Regierung verankert sein? Von ULLI WEISH und BRIGITTE HORNYIK]]>

Während SPÖ und ÖVP den Koalitionspakt ausverhandeln, ist noch immer unklar, ob und in welcher Form ein (eigenständiges) Frauenministerium Bestandteil der neuen Regierung sein wird. ULLI WEISH und BRIGITTE HORNYIK fordern vor allem eines: mehr Geld für Frauenpolitik.

Wenn nun die Sessel rücken, neue Abgeordnete ins Parlament einziehen, wenn die neue alte Koalition die Regierungszusammenarbeit nach Themen, Reformpaketen und Ministerienzuordnung fixiert, wissen wir: Es kommt das Neue aus dem Alten. Überall dort, wo gespart werden kann, wird radikal gespart werden. Die vielen Frauenprojekte und -szenen, die bisher am bitteren Finanztropf einer ausgehungerten Frauenministerin hingen, ahnen, dass nun die Phase der Selbstkannibalisierung bevorsteht. Konflikte zwischen Frauen – um Projekte zu halten, Arbeitsplätze zu sichern, Bildungsangebote zu stellen – werden wohl noch zunehmen, und statt sie ökonomisch und strukturell zu beleuchten, werden die emotionalen Fetzen fliegen.
Ich glaube, dass ein Frauenministerium symbolisch wichtig, aber als Institution macht- und budgetlos ist. Ich glaube auch, dass es reaktant ist, an der Person der Frauenministerin eine Geschlechterwende festmachen zu wollen. Was soll eine Politikerin denn herbeizaubern? Wie soll sie als Einzelkämpferin dem antifeministischen Zeitgeist der Maskulinisten in Stadt, Land und Herausgeberschaft Paroli bieten? Daher: Wenn Frauenpolitik eine Querschnittsmaterie ist – wie im EU-Bürokratensprech im Sinne des Gender Mainstreaming verankert –, dann müssen in jedem Ministerium angemessen dotierte Frauenbudgettöpfe installiert werden, nach Themenschwerpunkten und gemäß dem Prinzip des Gender Budgeting! Das wäre CEDAW-konform und seit 1999 im Sinne des Amsterdamer Vertrages auch längst überfällig.
Achten wir darauf, dass Phrasen Gestalt bekommen: Durch explizite Frauenbudgets in allen Ministerien, damit das Gerangel um Basisfinanzierungen nicht bei der einzigen Politikerin mit feministischen Ambitionen hängen bleibt. Wir fordern Geld, Platz und Sichtbarkeit, in jedem staatlichen und gesellschaftlichen Feld!

Ulli Weish ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und lehrt an der Uni Wien.

Illustration: Bianca Tschaikner

Hofburg, ein genervter Regent; von draußen undeutliche Rufe: „Frauen an die Macht!“, „Her mit der Marie!“

Regent: „Was wollens denn schon wieder, die Weiber?“

Geheimrat Matscho: „Ein eigenes Frauenministerium, Majestät.“

R: „Dürfens denn das, und gibt’s das nicht eh?“

M: „Nein, Majestät, mit Verlaub, die Frauenministerin ist Ministerin im Kanzleramt.“

R: „Ist das nicht wurscht?“

M: „Wenn S’ mich fragen Majestät, ja, aber die Damen wollen ihre eigene Ministerin in einem eigenen Ministerium mit ganz viel Geld und Leut.“

R (seufzt): „Also gut, Matscho, bring er eine Delegation herein, aber nur solche, die nett angezogen sind und schön sprechen!“

Drei Frauen treten ein.

R: „Zu eurem Begehr: Wir geben euch eine Frau in jedem Ministerium, aber ein eigenes Frauenministerium? Da könnt’ ja eine jede kommen.“ Zu M hinter vorgehaltener Hand, flüsternd: „Genial, oder? Die sollen sich dann derhängen, allein, ohne Leut und Zeit … hehehe.“

Sprecherin: „Majestät, dieses Angebot nehmen wir gerne an, aber ein eigenes Ministerium wollen wir trotzdem – und wir wollen auch mitreden, wer Frauenministerin wird!“

R und M erbleichen und verweisen die Delegation des Saals: „Unverschämtheit! Majestätsbeleidigung! Wie sollen wir denn dann fürs Kriegsgerät sparen?“

Der Hinweis auf die verfassungsrechtliche Verpflichtung, bei der Führung des öffentlichen Haushalts die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern anzustreben, geht im Getümmel unter.

Sollen die Machthaberer erbleichen: Für mehr Frauenpolitik – die auch in den Regierungsverhandlungen und in den Medien immer weniger vorkommt – brauchen wir ein mit ausreichend Ressourcen ausgestattetes Ministerium, in dem die Frauenministerin selbstständig über Geld, Personal und Organisation verfügen kann. Damit endlich effiziente feministische Politik gemacht werden kann. Gut ausgestattete Frauenabteilungen in jedem Ministerium (keine einzelne Alibi-Frau, das ist Augenauswischerei) nehmen wir auch, nicht anstatt – aber eine Zentralinstanz in Sachen Frauenpolitik muss her!

Brigitte Hornyik ist Verfassungsjuristin, im Verein Österreichischer Juristinnen, Vorstandsmitglied im Österreichischen Frauenring und Aktivistin bei der „Plattform 20.000 Frauen“.

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Zu Besuch beim … https://ansch.4lima.de/zu-besuch-beim/ https://ansch.4lima.de/zu-besuch-beim/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:24:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=4653 … Kapitän der Tariq Ibn Ziyad. Von PAULA BULLING]]>

… Kapitän der Tariq Ibn Ziyad.zubesuch_anschlaege_feminismus_dezjan_2013_14www.paulabulling.net

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neuland: Was mir zusteht https://ansch.4lima.de/neuland-was-mir-zusteht/ https://ansch.4lima.de/neuland-was-mir-zusteht/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:19:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=4645 NeulandEs ist November, also allerhöchste Zeit für die Veröffentlichung der „Das will ich zu Weihnachten“-Liste. Von BELINDA KAZEEM]]> Neuland

alltägliche grenzerfahrungen

Es ist November, also allerhöchste Zeit für die Veröffentlichung der „Das will ich zu Weihnachten“-Liste. Potenzielle Schenker_innen sollen rechtzeitig Bescheid wissen, denn:
Bei manchen Wünschen braucht es schon etwas mehr Aufwand, bescheiden können die anderen sein. Ich nehme mir lieber, was mir zusteht. Auch wenn ich ja eigentlich kein Weihnachten feiere, habe ich gegen die folgenden Geschenke rein gar nichts einzuwenden. Und ich glaube, es gibt noch einige andere, die den einen oder anderen Wunsch auch nicht so schlecht finden. Geschenke sind zu Weihnachten sowieso unausweichlich, und bevor es dann wieder Kochlöffel und Kleidung in Farben regnet, die nicht mal in den 1980er-Jahren gut waren, mache ich lieber eigene Vorschläge. Nachfragen zwecks Feinabstimmung gerne und jederzeit an mich. Die Reihenfolge ist übrigens ganz zufällig. Ich freue mich über die Erfüllung jedes einzelnen Wunsches – nur weniger will ich nicht, damit das klar ist.

  1. Eine Tarnkappe, als Weiterentwicklung der Sonnenbrille und ultimativer Schutz vor aufdringlicher Gesellschaft.
  2. Ein Double, das im richtigen Moment die Steuerung meines Gehirns übernimmt und dumme Fragen, lästige Anmachen und wohlmeinende Tipps elegant pariert.
  3. Ein Jahr lang keine sexistischen und rassistischen Werbesujets.
  4. Keine N*-Wort, M*-Wort, Z*-Wort, I*-Wort usw.-Diskussionen mehr.
  5. Analog zum autofreien Tag in den 70er-Jahren einmal pro Woche – gerne öfter – einen diskriminierungsfreien Tag.
  6. Heilige Drei Könige 2014 und bis in alle Ewigkeit ohne Blackface.
  7. Keine Gespräche mehr, die mit „Woher kommst du?“ beginnen und mit „Und wann fährst du wieder in deine Heimat?“ enden.
  8. Keine Thumbs-up von wildfremden Menschen, die mir zu meiner tollen Aussprache gratulieren.

Ich erlaube mir, die Liste noch bis zum 20.12.2013 upzudaten. Habt ihr noch Ideen für tolle Geschenke? Immer her damit. In diesem Sinne: Happy Whatsoever!

Kolumne Neuland
Illustration: Nadine Kappacher

Belinda Kazeem will alles und eine ordentliche Portion Winterschlaf dazu.

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an.klang: „I’m gonna treat you like the queen you are“ https://ansch.4lima.de/an-klang-im-gonna-treat-you-like-the-queen-you-are/ https://ansch.4lima.de/an-klang-im-gonna-treat-you-like-the-queen-you-are/#respond Thu, 28 Nov 2013 21:07:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=4642 Der Soundtrack zum Gründungsjahr der an.schläge 1983. Von SOOKEE]]>

Back to 1983: Madonna, Eurythmics und Silly veröffentlichten im Geburtsjahr der an.schläge einflussreiche Alben. Von SOOKEE

Als Madonna 1983 das erste ihrer inzwischen zwölf Studioalben veröffentlichte, war noch nicht abzusehen, dass sie eines Tages eine der meistdiskutierten Pop-Ikonen der Welt sein würde. Seit dreißig Jahren beobachtet und kommentiert die mediale Öffentlichkeit eine Frau, die hochgradig verehrt und deren Tun kontrovers ausinterpretiert wird. Da sie als Künstlerin gilt, die immer wieder versucht, einer popkulturellen Übersättigung zu entgehen, gibt es auch immer wieder Neues zu bestaunen und zu belächeln. Wir kennen Madonna als Vertreterin sexueller Selbstbestimmtheit, die sich lieber verbieten als verbiegen lässt, und als smarte Geschäftsfrau, der es immer um Selbstverwirklichung ging; aber auch als neurotische Esoterikerin, als weiße Allmachtsfantastikerin, und als eine, die panische Angst vorm Altern hat. Auf ihrem disco- und funklastigen Debütalbum Madonna (Sire/Warner Music Group) ist der erste Track bezeichnenderweise eine Metapher für ihre Zukunftsorientierung: „Lucky Star“ lässt sich als Wunsch nach Erfolg am Bruch zwischen ihrer christlich geprägten Vergangenheit und ihrer hoffnungsvollen Aussicht, selbst am Pop-Firmament als Venus zu leuchten, lesen. Die restlichen Songs, so scheint es, berichten entweder von ambivalenten, anstrengenden Beziehungen („Borderline“, „Burning Up“, „Think of Me“) und vom Triumph, daraus gestärkt hervorzugehen („I Know It“), oder von der hedonistischen Regeneration, die man auf Partys oder in Affären findet, wenn Beziehungen und Alltagsdruck zu groß werden („Holiday“, „Everybody“, „Physical Attraction“). 1983 war bei Madonna also alles noch wie im richtigen Leben.

anklang_anschlaege_dezjan_2013_14_feminismus
Mit Sweet Dreams (Are Made of This) (RCA/Sony BMG) gelang dem britischen Duo Eurythmics 1983 der kommerzielle Durchbruch. Annie Lennox’ Stimme ertönt feingliedrig und kraftvoll, der mehrstimmige Gesang ist auf diesem Album sehr präzise ausproduziert. Thematisch geht es um das zuweilen schon gruselig überwältigende Potenzial der Liebe („Love Is A Stranger“) und um das Zulassen von Nähe und Zuneigung („I Could Give You A Mirror“). Aber auch die Liebe zu sich selbst und Lebensbejahung durchziehen das Album, wie auf dem dutzendfach gecoverten Welt-Hit „Sweet Dreams (Are Made of This)“. Die Arbeit am Textblatt fällt auf dieser Veröffentlichung sehr lyrisch, imaginationsreich, zuweilen kryptisch aus („This Is the House“, „Jennifer“) und zeigt die kreative Reichweite von Annie Lennox, die mit ihren widerständigen Gender-Inszenierungen sicherlich Wegbereiterin für androgyne Weiblichkeiten in der Popkultur war.
Hinter dem antiimperialistischen Schutzwall regte sich 1983 eine weibliche Stimme, die mit einer ganz anderen Form von Widerstand versuchte, sich treu zu bleiben. Tamara Danz, die früh verstorbene Frontfrau der ansonsten männlich besetzten Rockband Silly, war fortwährend damit beschäftigt, mit ihrer Kunst an den kulturpolitischen Behörden des Realsozialismus vorbeizuarbeiten. Das Album Mont Klamott (Amiga/Sony BMG) chartete in der DDR und wurde zur Platte des Jahres gekürt, dennoch waren die emanzipatorischen und freiheitsliebenden Texte (wie in „Wilde Mathilde“), die sich einen Dreck um gesellschaftlichen Anstand im Arbeiter- und Bauernstaat scherten, der SED-Partei ein Dorn im Auge. Auch zu artikulieren, dass da Sehnsucht nach sich selbst und Kompromisslosigkeit („Raus aus der Spur“, „In den Abendstunden“) ist, war sicher nicht Teil der kulturellen Agenda einer Gesellschaft, in der das Funktionieren der sozialistischen Persönlichkeit im Vordergrund stand. Der Titelsong „Mont Klamott“ bietet Lesarten an, die das Unter-den-Teppich-Kehren der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands kritisch betrachten. Der Mont Klamott ist ein Hügel in Berlin-Friedrichshain, in dessen Inneren sich die Trümmerreste von Flaktürmen befinden. Bis heute wird der Umgang mit deutscher NS-Geschichte vielfach überdeckt und begrünt – wie der Mont Klamott, auf dem im Song die Jugend wochenends sitzt und auf die Stadt blickt.

Links:
www.madonna.com
http://eurythmics.com
http://silly.de

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Kunst, y’all https://ansch.4lima.de/kunst-yall/ https://ansch.4lima.de/kunst-yall/#comments Thu, 28 Nov 2013 21:02:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=4637 Yasmo ist eine Meisterin des Schnellsprechens. Von MIEZE MEDUSA]]>

Yasmo aka YASMIN HAFEDH hat ihr zweites Rap-Album „Kein Platz für Zweifel“ veröffentlicht und ganz nebenbei den Ö-Slam, die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften, gewonnen. Eine Hommage von MIEZE MEDUSA.

Spielen wir mit offenen Karten: Was Yasmin Hafedh betrifft, bin ich nicht gerade objektiv. Vor Jahren hat sie auf meiner Bühne Slam-Blut geleckt und seither kaum eine Chance ausgelassen, um beim Poetry Slam „textstrom“ im Wiener rhiz aufzutreten. Sie ist eine der wenigen erfolgreichen Rapperinnen in Österreich, ihre Alben „keep it realistisch“ (2011) und „Kein Platz für Zweifel“ (2013) sind auf dem Label !records erschienen. Auch da habe ich meine Finger im Spiel.
Wir treten gemeinsam als das Slam-Team MYLF (Mothers You’d Like to Flow with) auf. Nicht zuletzt ist sie eine sehr gute Freundin. Warum ich trotzdem einen Artikel über sie schreibe? Wer sollte es denn sonst tun? Beide Königsdisziplinen des Schnellsprechens, Rap und Poetry Slam, sind Subkultur; Menschen, die beide Szenen kennen, erstaunlich selten.

„Für eine Frau gar nicht so schlecht“. Ich dagegen weiß ganz genau, welche Frage ich Yasmin Hafedh besser nicht stelle. Ich bin selbst müde, sie zu beantworten. Zwar habe ich eine präzise Ahnung von Rollenzuschreibungen, Seilschaften, von Diversität und dem „Vergessen“ darauf, (mehr als) eine Frau fürs Line-up zu buchen. Trotzdem ist die Frage „Und du als Frau …?“ ausgesprochen langweilig. Die Tatsache, dass wir als Frauen ein Mikro in die Hand nehmen, ist doch eigentlich nicht bemerkenswert. Vor allem verglichen damit, was wir mit dem Mikro in der Hand dann machen. Yasmo hat die Nase voll und beantwortet die wiederholt gestellte Gretchenfrage mit einem eigenen Track: „Ich bin Rapperin und für eine Frau gar nicht so schlecht, fick dich und überleg, wer von uns beiden grade rappt … Ich bin Frau / ich bin Mädchen / ich bin Hure / ich bin Gretchen / ich bin da / ich bin wach / ich bin stark / egal, was ich mach.“

Kapitalismuskritik und Harry Potter. Popkultur heißt immer auch, den eigenen Referenzrahmen absolut und sich selbst ins Zentrum zu setzen. Rap ist immer auch Name-Dropping. Für Zweifel findet Yasmo keinen Platz, dafür aber für Harry Potter, James Franco, die Anprangerung von White Privilege und eine wortreiche Kapitalismuskritik. Und rappt dann doch übers Schuhe-Kaufen, während sie Thomas Bernhard zitiert. Später Friedrich Schiller. Und nochmal später sich selbst. „Die Kopie einer Kopie“ ist sie nicht, im Gegenteil: Ihre Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert, während ihr Flow auf die Beats von Selbstlaut, Aligatorman und Mirac reagiert, stilistische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Yasmos Art zu reimen ist unprätentiös und einprägsam. Geht runter wie Butter.

It’s Tea Time, innit? Wenn ihr euch nach einem engeren Reimschema und einer härteren Gangart sehnt, wird euch Yasmin Hafedh trotzdem begeistern. Selbst ein Fan von Battle-Attitüde, Grime und UK-Slang, hat sie ein weiteres Alter Ego inszeniert: Miss Lead. Hochhackige Schuhe, Make-up und Sonnenbrille. Das Spittin’ Image der intellektuellen Rapperin, Slammerin und Studentin der Theaterwissenschaft. Geht runter wie ein letzter Gin ohne Tonic nach einer langen Nacht im Club. Miss Leads „Move It Out“ schafft es auf die „FM4 Soundselection“ und wird beim Sender rauf und runter gespielt. Und plötzlich wissen auch die harten Jungs der Szene, dass Yasmin Hafedh rappen kann, und laden zum Feature. Weil sie eine Frauenstimme brauchen. Schon wieder Gretchenfrage. Weil Yasmin bewiesen hat, dass sie auch Gangsta ist. Weil ihnen das Zuhören und Beurteilen leichter fällt, wenn in Fremdsprache gerappt wird und eine Kunstfigur vor ihnen steht. Authentizität ist in der Rap-Szene nicht unbedingt ein Gütesiegel. Wenn etwas klingt, als wäre es einfach, übersieht Szene ganz gern, wie gut es gemacht ist.
„Ehrlich? Jetzt merken sie, dass ich rappen kann?“, kommentiert Madame Hafedh die Aufregung nach Erscheinen ihrer EP „It’s Tea Time“. Aber natürlich: Yasmin ist auch Fan von Miss Lead. Sonst hätte sie die Songs ja nicht geschrieben, innit?
„It’s Tea Time“ könnt ihr übrigens online kaufen (pay as you wish). Gast-MC darauf ist Yasmo – die Gegeneinladung auf „Kein Platz für Zweifel“ natürlich Ehrensache. Das Spiel mit Alter Egos, Szenen und Codes ist raffiniert und mehrschichtig.

© Christian Schreibmüller
© Christian Schreibmüller

Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte. Zurück also zu Yasmo. Ihr zweites Album „Kein Platz für Zweifel“ setzt auf Altbewährtes, nur besser. Mehr als früher hat Yasmo sich ins Arrangement eingemischt, auf Bridges, auf die Live-Tauglichkeit, aufs Songwriting insgesamt geachtet. Und sie hat Gäste eingeladen: Selbstlaut, Def Ill, Jahson the Scientist, P-Tah. Giga Ritsch steuert zwei Refrains mit Ohrwurmqualität bei, ihre Band wosisig hat übrigens gerade ein beachtenswertes Debütalbum veröffentlicht. Auch dafür möchte ich um offene Ohren bitten.
Mit der Sängerin und Komponistin The Unused Word ist eine weitere bemerkenswerte Zusammenarbeit gelungen. „Schlaflos“ heißt der Track, The Unused Word schafft es im Refrain, Bedeutungen hin und her zu drehen, den Boden unter den Füßen wegzuziehen und trotzdem ins Ohr zu gehen.
Viele Gäste, fast bei jedem Track ein Feature Guest. Trotzdem ist „Kein Platz für Zweifel“ kein Fleckerlteppich. Der rote Faden ist Yasmos Stimme, was sie und wie sie es sagt. Ihre Einladungen sind wohlüberlegt, die Tracks kein Produkt einer Herangehensweise à la „machen wir was zusammen, egal was“. Sie weiß, wovon sie schreibt. Sie weiß, für wen sie schreibt.

Poetry what? Poetry Slam! Apropos. Falls es noch Menschen gibt, die es nicht wissen sollten: Ein Poetry Slam ist ein Abend von und für das Publikum. Total DIY. Schreib deinen Text. Stell dich auf die Bühne. Bring die Menschen dazu, dir zuzuhören. Kommt aus Amerika. Stammt in gewisser Hinsicht vom Rap ab. Klar, dass es Yasmin Hafedh auch in dieser Disziplin zur Meisterschaft gebracht hat. 2009 hat sie in Düsseldorf die deutschsprachige Meisterschaft in der Kategorie U20 (Unter Zwanzigjährige) gewonnen. Als erste und bisher einzige Österreicherin. Dieses Jahr hat sie den Ö-Slam gewonnen, die österreichische Meisterschaft. Als erste Frau.
Wie man gut wird in dieser Königsdisziplin des Schnellsprechens, frage ich die frischgebackene Meisterin: mit Talent, aber auf jeden Fall mit Übung. Rumfahren und möglichst viel auftreten, im Idealfall international. Möglichst viele Bühnen und möglichst viele unterschiedliche Arten des Publikums kennenlernen. Sich der Konkurrenz stellen und dem Wettbewerb. Die Kunstform ernstnehmen.
Yasmin Hafedh hostet übrigens auch selbst Poetry Slams: Sie ist Teil des Teams textstrom und Chefin des „DTS Slams“ im Wiener Lokativ. Und ab Januar 2014 auch Gastgeberin beim „Sturm auf den Turm“-Slam im Wiener Hundsturm. Jeden dritten Donnerstag im Monat wartet sie darauf, von den internationalen und Wiener Slammer_innen beeindruckt zu werden. Ich auch. Denn Yasmin Hafedh hat bewiesen, was möglich ist, wenn du dem Zweifel keinen Platz lässt.

Mieze Medusa ist Rapperin, Autorin und die Pionierin der österreichischen Poetry Slam Szene. Letzte Veröffentlichung: Ping Pong Poetry – die neuen besten Slamtexte mit CD (Milena Verlag, 2013)

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Monster Love https://ansch.4lima.de/monster-love/ https://ansch.4lima.de/monster-love/#comments Thu, 28 Nov 2013 20:55:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=4634 Interview: JULIE MIESS analysiert Horrorfilme und ihre Monster. Von VINA YUN]]>

Monsterheldinnen? Klar gibt’s die. JULIE MIESS arbeitet nicht nur wissenschaftlich, sondern auch musikalisch zum Thema. Wer im Horrorgenre welchen Handlungsspielraum besitzt, warum sie mit dem Final Girl ungeduldig ist und wo auch ihr Gewalt im Horrorfilm zu weit geht, erzählte sie VINA YUN.

an.schläge: Du bist Horrorfilm-Expertin und beschäftigst dich wissenschaftlich insbesondere mit Monstern. Gab es da eine Art Schlüsselfilm für dich?

Julie Miess: Als ich 16 war, habe ich in mein Tagebuch geschrieben: Ich hasse Horrorfilme! Bis heute sehe ich mir Horrorfilme mit Respekt an, oft fürchte ich mich auch und muss wegkucken. Die ersten Horrorfilme, die mich wirklich angesprochen haben, waren die Filme des Berliner Regisseurs Jörg Buttgereit, von ihm sind „Nekromantik“ (1987) und „Nekromantik 2 – Die Rückkehr der liebenden Toten“ (1991). Darin geht es um eine Nekrophilie-Geschichte, was erstmal ziemlich krass ist. Aber die Filme sind so romantisch und schön erzählt, mit tollen Bildern, besonders „Nekromantik 2“. Da gibt’s auch eine sehr starke Frauenfigur, eine ganz ungewöhnliche Protagonistin. Auch wenn Buttgereit selbst meint, er mache gar keine Horrorfilme, hat er mir das Tor zum Horror geöffnet.

Wie bist du dann zu den Monstern gekommen?

Die Liebe zum Horror ist bei mir nach und nach gewachsen. Die Monster kamen parallel mit dem speziellen Interesse an weiblichen Figuren im Horror, genauer an weiblichen Monstern. Ich habe mich da so langsam rangetastet und erkannt, dass es diese klassische Konstellation gibt, gerade im Splatter-Film: männliches Monster bzw. männlicher Killer, weibliches Opfer. Ich fragte mich: Was gibt’s da sonst noch? Und habe dann gemerkt, dass es noch ganz viel gibt, und so ging’s dann los.

Du hast dich insbesondere mit Werwölfen beschäftigt. Wie in den meisten Monster-Geschichten sind Werwölfe männliche Kreaturen, Frauen hingegen ihre Opfer. Warum hören wir nie von weiblichen Werwölfen?

Da gibt’s ein schönes Zitat von Hans Richard Brittmacher, der in seinem Buch die verschiedenen Monster kategorisiert hat. Mit Bezug auf Ingeborg Vetters „Lycanthropismus in einigen deutschen Horrorgeschichten um 1900“ stellt er fest, dass sich ein zotteliges weibliches Ungeheuer schlecht für männliche Unterwerfungsfantasien eignet, im Gegensatz zur Femme Fatale – etwa in Form der Vampiren.(1)

Illustration: Joanna Proksch

Das heißt, bei klassischen weiblichen Monstern ist sexuelle Attraktivität dennoch ausschlaggebend?

Richtig. Ich würde sagen, die Femme Fatale ist das Konzentrat dieser Attraktivitätsmacht, die ich persönlich aber nicht so richtig attraktiv finde. Die traditionell weiblichen Monster sind diese attraktivitätsmächtigen oder so richtig scheußlichen, ein Klassiker wäre Medusa – die sind dann eben so richtig abjekt, also nach Julia Kristeva das, was Abscheu und Ekel erregt.(2) Männliche Monsterfiguren haben demgegenüber oft eher etwas Faszinierendes an sich und sind daher ambivalenter.

Bedeutet das auch, dass männliche und weibliche Monster unterschiedlich handeln, sie nicht dieselbe Handlungsmacht besitzen?

Ich sehe bei attraktivitätsmächtigen weiblichen Charakteren nicht so viel Handlungsspielraum. Das sieht man schön an den Vampir-Erzählungen: Vampirinnen werden sehr viel stärker dämonisiert und sexualisiert als ihre männlichen Pendants. Wenn man etwa die Darstellung vergleicht, wie Bram Stokers Dracula und Sheridan Le Fanus weiblicher Vampir Carmilla getötet werden: Bei Carmilla gibt es viele eklige Details, ihr biegsamer Leib liegt in Blut badend im Sarg, schließlich wird ihr Kopf abgetrennt. Bei Dracula geht das sehr viel schneller: Er bekommt ein Messer in Hals und Herz und zerfällt säuberlich zu Staub. Ein anderer berühmter männlicher Vampir des 19. Jahrhunderts, Lord Ruthven aus William Polidoris „The Vampyre“, kommt sogar mit dem Leben (oder dem Untod) davon.

Könnte man sagen, dass Frauen, die zu Monstern werden, durch die Verwandlung an Macht gewinnen?

Unbedingt. Im Film „Ginger Snaps“ (2000) sieht man sehr schön, dass die Protagonistin Ginger es genießt, zur Werwölfin zu werden. Am Anfang ist noch dieses erschrockene „Was passiert mit mir“, aber am Schluss gibt es einen ganz tollen Monolog, warum es eine Selbstermächtigung ist. Sie sagt sinngemäß: „Ich will nicht wieder zurück dahin, niemand zu sein. Ich will eine Naturgewalt sein, ich will alles tun können, was ich will.“ Im Gegensatz zu Oz in „Buffy, The Vampire Slayer“ – der sich in Vollmond-nächten brav einschließt; als weißer Mann besetzt er ja schon eine traditionelle Machtposition – muss Ginger – wie auch das Werwolfmädchen Veruca in „Buffy“ – sterben. Sie wird bestraft, darf das „Monströse“ nicht leben. Somit ist es für mich auch keine richtige Befreiungserzählung. Natürlich, Monster müssen oft sterben, aber es gibt eben, wie man an Carmilla und Dracula sieht, unterschiedliche Arten, wie man das erzählen kann. Sehr zu empfehlen ist die Erzählung „Boobs“ von Suzy McKee Charnas. Hier kommt die Werwölfin sehr viel besser weg.(3)

Monster
Illustration: Joanna Proksch

Horrorfilme sind ja mittlerweile ein kommerzielles, massentaugliches Genre. Gibt es einen Horrorfilm-„Underground“, der alternative Erzählungen hervorbringt?

„Otto; Or Up With Dead People“ (2007) von Bruce LaBruce ist für mich ein Hit des Horror-Undergrounds. Ähnlich wie bei „Nekromantik“ gibt es auch hier diese sehr liebevolle Erzählung des Monsters – Otto ist jemand, den du liebst. Das finde ich sehr schön. Und dann gibt es diese Sexszenen, in denen das Schreckliche, das sie sich gegenseitig antun, zu etwas fast Liebevollem wird. Das ist natürlich krass und nicht ganz unproblematisch, aber das finde ich schön und besonders. Davon ganz abgesehen ist es auch insgesamt interessant erzählt, mit dieser Regisseurinnen-Figur der Medea Yarn, die auch so ein seltener Charakter ist, da steckt so viel drin vom gesamten Horror-Metadiskurs.
Ich habe mir ja nicht nur Monster angekuckt, sondern auch den dazugehörigen Kanon und welche Sprecherpositionen es hier gibt. Da gibt’s ja sowohl auf Produktions- als auch auf Rezeptionsebene so wahnsinnig viele Klischees: Frauen machen keine Horrorfilme, schreiben keine Horrorgeschichten. Es gibt ja diese komische Unterscheidung zwischen Horror und Gothic, Frauen würden eher Gothic machen – wenn überhaupt.

Wie wird zwischen Horror und Gothic unterschieden?

Zusammen mit einigen anderen Theoretikerinnen und Autorinnen, etwa Judith Halberstam(4) und Lisa Tuttle(5), würde ich das gegenwärtig gar nicht mehr so stark voneinander trennen. Ich würde wie Halberstam von Gothic Horror sprechen und sehe das als einen sehr weiten Begriff, der sehr viele unterschiedliche Textsorten umfasst. Traditionell gibt es mit der Gothic Novel des 18. Jahrhunderts so eine Unterscheidungstradition zwischen Horror – gemeint ist expliziter Horror – und Terror, der mehr das Sublime repräsentiert. Es gab also schon sehr früh diese Genderung: Horror war die männliche Gothic-Tradition, Terror die weibliche.

Um noch mal auf die Monster zurückzukommen: Interessant ist, dass weibliche Monster oft Mütter sind. Handelt es sich hierbei um eine spezifische Ausformung des weiblichen Monsters?

Barbara Creed hat Anfang der 1990er-Jahre viel zu Mutter-Monstern gearbeitet(6), später hat sie noch einen schönen Essay geschrieben über die bösen, unheimlichen Mädchen, „Baby Bitches From Hell“. Die Mutter kommt ja in so vielen Gestalten daher, von „Psycho“ bis „Alien 2“. Das ist eine klassische psychoanalytische Nummer: die übergroße Nähe, die Ekel erzeugt, die übergriffige Mutter, von der keine Trennung möglich ist.

Klingt eher nach einer männlichen Angstfantasie …

Ja, absolut. Ein schönes Beispiel ist ja „Psycho“.

Du hast vorhin schon die Gothic Novels des 18. Jahrhunderts erwähnt, die aus England stammen. Weißt du mehr über den Zusammenhang zwischen den Monster-Konstruktionen und den Geschlechterbildern des viktorianischen Zeitalters? Anders gefragt: Bringt eine bestimmte Ära bestimmte Monster hervor? 

Ich finde, Horror ist eines der realistischsten Genres, weil es die Ängste und Wünsche einer Kultur so schön zuspitzt. Es ist frappierend, wie sich die Charaktere aus der viktorianischen Zeit gehalten haben: der Gothic Villain, der Bösewicht, und die Damsel in Distress, die „Jungfrau in Nöten“. Sie finden sich nämlich auch in den Sla-sherfilmen der 1970er- und 80er-Jahre wieder: der Psycho-Killer und das Final Girl oder die Scream Queen. Das finde ich wirklich erstaunlich, dass sich diese Figuration, die aus einer Frauen stark benachteiligenden Zeit stammt, so lange erhalten hat. Das zeigt, wie stark diese Bilder sind.
Zwar geht es mir, wenn ich mir neue weibliche Monster ansehe, ganz wesentlich um die Frage, wie sich zu einer bestimmten Zeit die Monster gestalten. Aber die ganze Wucht solcher neuer Figurationen zeigt sich, wenn man sich ansieht, welche Tradition und Kontinuität die Konstellationen des Gothic Horror haben. Der Psycho-Killer ist ein sehr handlungsmächtiger Charakter, von daher heißt es auch immer wieder: Frauen sind keine Serienmörderinnen. Genau deswegen haben mich die Serienmörderinnen immer besonders interessiert. Da gibt es ein paar ganz interessante Plots wie etwa in Thea Dorns Roman „Die Hirnkönigin“ von 1999, in denen sich die alte Konstellation Gothic Villain vs. Damsel in Distress plötzlich ändert, wo man sagen könnte: Hier steht das Monster tatsächlich für einen Wandel.
Ich sehe das auch im Zusammenhang mit der Dritten Welle des Feminismus, dass da plötzlich dieser klassische Serienmörder-Victim-Plot gebrochen wird. Ein schönes jüngeres Beispiel dafür, dass diese Ära tolle neue Monster hervorgebracht hat, ist der Film „All the Boys Love Mandy Lane“ (2006). Die Schluss-Szene lässt sich auf einen Klassiker beziehen, den ich sehr gern mag, „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974). In diesem Film rennt Sally vor Leatherface davon und rettet sich schließlich auf die Ladefläche eines Pick-ups, und Leatherface macht so ’nen Kettensägen-Tanz im Gegenlicht. Mandy Lane dagegen ist – Achtung, Spoiler! – selbst der Psycho-Killer, wie sich am Ende herausstellt. Sie sitzt mit einem bösen Lächeln am Steuer des Geländewagens, neben ihr ein ziemlich verstörter Mann. Es kann nicht nur darum gehen, dass die Frau jetzt auch endlich gewalttätig ist – aber vor dem Hintergrund dieser Erzählungen, dieser Tradition, ist es doch klasse. Mandys Ermächtigung zeigt sich auch daran, dass sie inszeniert wird als die Frau, die das Steuer in der Hand hält. Oder der neue Film von Rob Zombie „The Lords of Salem“ (2012) ist ein ganz toller Hexenfilm, auch mit einer tollen Protagonistin, einer Radiomoderatorin, die ein bisschen nerdy und sehr abgründig ist.
Auf der anderen Seite gab es gerade ein paar Backlash-Knaller im Mainstream-Kino. Zum Beispiel „World War Z“ (2013), der Zombiefilm mit Brad Pitt: eine schlimme Konstellation rund um die Kernfamilie, er ist der Retter, sie die gute Mutter, die ihre Kinder beschützt und sonst gar keine Rolle hat. Und am Schluss gibt’s diese Soldatin, die alibimäßig als tougher Charakter auftritt, aber überhaupt keinen Raum bekommt.

Es heißt, Horror sei ein konzentrierter Ausdruck von gesellschaftlichen Angstfantasien und funktioniere als Kommentar über politische Zustände. „Hostel“ (2005) beispielsweise wurde in Verbindung mit dem Folterskandal von Abu Ghraib gelesen. Ist in den modernen Horrorfilmen dieses sozialkritische Potenzial tatsächlich noch vorhanden? 

Bei den klasssischen Horrorfilmen gibt es das auf jeden Fall. Die Slasherfilme der 1970er/80er-Jahre etwa, insbesondere „The Texas Chainsaw Massacre“, wurden stark als Vietnam-Kritik gelesen, die Zombiefilme von George Romero immer auch als Kapitalismus-Kritik. Mit „Hostel“ habe ich eher Schwierigkeiten – überhaupt, Torture Porn ist nicht mein Genre. Das ist so krass, so menschenverachtend, da finde ich, dass die Kritik dahinter zurücktritt, auch wenn es sich so lesen lässt. Auch die „Saw“-Reihe, die viele toll finden – das ist mir eine zu hohe Dichte an Gewaltexzess. Das kommt mir eher vor wie so eine Scheinlegitimation. Es funktioniert ja auch subtiler.

Ich möchte nochmals auf die Figur des Final Girl zu sprechen kommen. Einige Feminist_innen meinen, dass, weil sich auch männliche Zuschauer mit ihr identifizieren, Geschlechtergrenzen aufgeweicht werden. Würdest du dieser These zustimmen?

Also mit dem Final Girl bin ich recht ungeduldig. Das Final Girl wird ja auch „female victim-hero“, Opferheldin, genannt, aber mich interessieren eher Monsterheldinnen. Ich fand den Text „Men, Women and Chainsaws“ von Carol Clover(7), die den Begriff des Final Girl geprägt hat, schon toll, habe aber auch einige Probleme damit. Zum Beispiel die Zuschauer-Figuration, die da entworfen wird – das ist immer dieser adoleszente Junge –, wo gar nicht vorkommt, dass Mädchen auch Fans sein können und sich identifizieren wollen. Leserinnen, die sich für diese Perspektive interessieren, kann ich hier einen Essay zu „Buffy“ empfehlen: Die Autorin Vivian Chin gebraucht hier den schönen Begriff der „mental gymnastics“, die oftmals zur Identifikation nötig sind.(8)
Das Final Girl erfüllt sicher auch die interessante Funktion, dass sich ein Teenie-Junge mit diesem Mädchen identifiziert. Aber wie ist denn das Final Girl? Sie muss immer crafty sein, kann unter Umständen auch ein Auto kurzschließen – was ja eigentlich toll ist –, aber sie ist meistens auch asexuell. Meistens gibt’s das ja auch bei den Slashern: Die Kids, die Sex haben, müssen zuerst dran glauben. Das Final Girl ist meistens die brave, die das nicht macht. Ich fände es interessanter, wenn sich ein Junge mit einer sexuellen, aggressiven, unvernünftigen Frau identifizieren würde. Deswegen finde ich das Final Girl nicht das interessanteste, aber auf jeden Fall ein interessantes Phänomen. Das, was Clover hier herausgearbeitet hat, war ein wichtiger Meilenstein.

Du bist ja auch Musikerin und hast in dein Bandprojekt Half Girl das Horror-Thema einfließen lassen. Wie klingt eine solche Verarbeitung auf Musikebene?

Das ist für mich sehr schön, weil mich die Wissenschaft auch echt anstrengt. Half Girl ist eine Anspielung auf Tod Brownings Film „Freaks“ (1932), in dem der Sideshow-Charakter Half Boy vorkommt. Wir haben einige Songs über Monster: In „Monster“ kommen die Vampirin, die Werwölfin, die Serienmörderin vor. Ein anderer Song heißt „Final Girl“, da geht’s um „Psycho“ und „The Texas Chainsaw Massacre“, ein weiterer ist „Monster Gang“, der von der Band handelt und der einen weiteren Kreis zieht – nämlich die Inszenierung der Musikerin als Freak thematisiert –, aber versucht, das ganze positiv umzudeuten: „They call us monster gang, don’t like our golden fangs, they don’t like our soft black fur.“ Das Monströse wird glamourisiert, mit den goldenen Vampirzähnen und schön viel schwarzen Haaren. Das ist für mich eine begehrliche Dimension des Monströsen, diese Selbstermächtigung, die auch Rosi Braidotti sehr schön in ihrem Essay „Teratologies“ beschreibt.(9) Wenn jemand sagt: Du bist ein Monster!, dann sag ich: Ja, schön! Und ich finds gut! Es macht Spaß!

Julie Miess ist Feministin und liebt Lemmy Kilmister von Motörhead. Außerdem hat sie über weibliche Monster promoviert und arbeitet bei Half Girl und in einem Wissenschaftsverlag in Berlin.

Literatur
(1) Hans Richard Brittmacher: Ästhetik des Horrors. Gespenster, Vampire, Monster, Teufel und künstliche Menschen in der phantastischen Literatur. Suhrkamp 1995, Ingeborg Vetter: „Lykanthropismus in einigen deutschen Horrorgeschichten um 1900“. Quarber Merkur 49, 1978, S. 17–22
(2) Julia Kristeva: Powers of Horror. An Essay on Abjection. Columbia University Press 1982
(3) Suzy McKee Charnas: Boobs. In: Lisa Tuttle (Hg.): Skin of the Soul. New Horror Stories by Women. Women’s Press 1990, S. 18–38 [Zuerst ersch. in Asimov’s 1989]
(4) Judith Halberstam: Skin Shows: Gothic Horror and the Technology of Monsters. Duke University Press 1995
(5) Lisa Tuttle: Introduction. Skin of the Soul. In: Lisa Tuttle (Hg.): Skin of the Soul. New Horror Stories by Women. Women’s Press 1990, S. 9–17
(6) Barbara Creed: The Monstrous-Feminine. Film, Feminism, Psychoanalysis. Routledge 1993, dies.: Baby Bitches from Hell: Monstrous Little Women in Film, http://old.cinema.ucla.edu/women/creed/creed1.html
(7) Carol J. Clover: Men, Women, and Chain Saws: Gender in Modern Horror Film. Princeton University Press 1993
(8) Vivian Chin: Buffy – She’s Like Me, She’s Not Like Me. She’s Rad. In: Frances Early und Kathleen Kennedy (Hg.): Athena’s Daughters. Television’s New Woman Warriors. Syracuse University Press 2003, S. 92–102
(9) Rosi Braidotti: Teratologies. In: Ian Buchanan und Claire Colebrook (Hg.): Deleuze and Feminist Theory. Edinburgh University Press 2000, S. 156–172

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„Niemand wollte die Breivik-Karte spielen“ https://ansch.4lima.de/niemand-wollte-die-breivik-karte-spielen/ https://ansch.4lima.de/niemand-wollte-die-breivik-karte-spielen/#respond Thu, 28 Nov 2013 20:39:11 +0000 https://anschlaege.at/?p=4622 Interview: HILDE SOFIE PETTERSEN vom feministischen Magazin „Fett“ über den Rechtsruck in Norwegen. Von VINA YUN]]>

Rechtsruck in Norwegen: Erstmals sitzen die Rechtspopulisten unter Parteichefin Siv Jensen als Partner in der Regierung, angeführt von den Konservativen rund um die neue Ministerpräsidentin Erna Solberg. VINA YUN sprach mit HILDE SOFIE PETTERSEN vom feministischen Magazin „Fett“ über die veränderten politischen Machtverhältnisse im Land.*

an.schläge: Nach den Parlamentswahlen im September haben die konservative Høyre-Partei und die rechtspopulistische Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei) eine Minderheitsregierung gebildet. Was sind die größten Veränderungen, die du unter der neuen Regierung erwartest?

Hilde Sofie Pettersen: Aus feministischer Sicht gibt es einige wichtige Punkte: Die neue Regierung will Ärzt_innen erlauben, Behandlungen, die sie unethisch finden, nicht durchzuführen. Das ist ein Versuch, das Recht von Frauen auf Abtreibung, das seit 1978 Gesetz ist, aufzuweichen, indem die ärztliche Moral über Patientinnenrechte gestellt wird. Weiters wird die Väterkarenz von 14 auf zehn Wochen reduziert. Und es wird viele Ausnahmen geben, die es Arbeitgeber_innen leichter machen, Männer davon abzuhalten, überhaupt in Karenz zu gehen. Das ist schlimm für Väter, die aktiv an der Erziehung ihrer Kinder beteiligt sein möchten, und für Mütter, die die Verantwortung dafür nicht alleine tragen wollen. Es ist ein enormer gleichstellungspolitischer Rückschritt.
Die Regierung will zudem die finanzielle Unterstützung für Eltern ausweiten, damit diese bei ihren Kindern bleiben können, bis sie zwei Jahre alt sind. Die gesamte Forschung zeigt aber, dass es die Mutter ist, die zu Hause bleibt, weil der Vater mehr verdient als sie. Das heißt, dass Frauen noch weiter aus dem Erwerbsarbeitsprozess gedrängt werden. Wir wissen, dass das auch vor allem bedeutet, dass Migrantinnen schlechter integriert sein werden.
Ich fürchte auch, dass sich die allgemeine Bereitschaft, den Gesundheitssektor zu privatisieren und die Rechte von Arbeitnehmer_innen im Gesetz zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zurückzufahren, negativ auf die allgemeine Wohlfahrt auswirken wird. Das schwächt nicht nur die Rechte von Frauen, sondern von allen, die sich auf den unteren Sprossen der gesellschaftlichen Leiter befinden.

Norwegen hat eine florierende Wirtschaft, gestützt durch die Einnahmen aus der Ölindustrie, und die niedrigste Arbeitslosenrate in Europa (2013: etwa 3,1 Prozent). Seine fünf Millionen Einwohner_innen haben den höchsten Lebensstandard der Welt. Warum konnte der Rechtspopulismus dennoch so viel Zuwachs verbuchen?

Wenn du siehst, dass deine Nachbarin ein brandneues Auto hat, willst du selbst auch eins, obwohl dein eigenes noch gut funktioniert. Man nennt es Gier. Die konservativen Parteien hatten gute Kampagnen, mit Fokus auf Steuern und Maut. Sie haben sogar Stimmen von jenen bekommen, die jetzt viel höhere tägliche Ausgaben haben werden. Auch wenn Steuern gesenkt werden – die Kosten für Kindergarten und Gesundheit steigen jetzt. Die Alleinerzieherin, die die Fortschrittspartei gewählt hat, wird das wahrscheinlich bereuen. Abgesehen davon glaube ich, dass viele der Leute, die Høyre gewählt haben, sich nicht vollständig darüber im Klaren waren, wie gut Høyre und die Fortschrittspartei miteinander können.

Wie reagieren Feminist_innen auf das Wahlergebnis, und wie wirkt es sich auf feministische Projekte wie das „Fett“-Magazin aus?

Wir sind natürlich nicht glücklich darüber. In den kommenden Jahren werden wir die wichtige Aufgabe haben, die verschiedenen Hindernisse für Gleichstellung aufzuzeigen. Wir sind ein idealistisches Projekt und werden nicht staatlich finanziert. Allerdings kommt ein Teil unserer Finanzierung daher, dass das Magazin von öffentlichen Bibliotheken gesammelt und angekauft wird, und wir sehen, dass Bibliotheken um ihre Finanzierung fürchten. Aber wir haben auch schon vor dieser Vereinbarung existiert, und wir würden auch ohne sie weitermachen.

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Foto: Kristine Risterud

Die Wähler_innen von Høyre und der Fortschrittspartei sind einander nicht so ähnlich, wie man glauben möchte, auch wenn beide in der Regierung sind. Høyre hat viele Unternehmer_innen, Wohlhabende und generell die Mittel- und Oberschicht als Wähler_innenschaft. Aber die Fortschrittspartei hat viel stärker die Arbeiter_innenklasse angesprochen, auch wenn es schwer vorstellbar ist, was ihre Politik den Arbeiter_innen als Gruppe Positives bringen soll. Sie war auch sehr attraktiv für xenophobe Teile der Bevölkerung.

Einige der heutigen konservativen und rechten Parteien in Europa werden erfolgreich von Frauen geführt, was oft als Widerspruch angesehen wird. Høyres Erna Solberg wurde von manchen sogar als „Norwegens Angela Merkel“ betitelt. Welche Gender-Ideologien vertreten Høyre und die Fortschrittspartei?

Ich würde sagen, dass sie antifeministisch sind. Wie jemand einmal sagte: „Eine Frau als Präsidentin ist nicht unbedingt die Präsidentin der Frauen.“ Obwohl wir eine Premierministerin haben, haben wir eine männliche Regierung, mit 72 Prozent Männern in Führungspositionen. Wenn Høyre und die Fortschrittspartei über die Gleichheit der Geschlechter reden, betonen sie, wie wichtig Wahlfreiheit ist – als hätten alle dieselben Voraussetzungen. Unsere Ministerin für Gleichstellung meinte etwa, die Tatsache, dass Organisationen, die sich für LGBTQ-Rechte einsetzen, staatliche Mittel bekommen, sei Diskriminierung – als ob es ihnen einen Vorteil gegenüber anderen Gruppen verschaffen würde. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, aber ich bin auf jeden Fall besorgt.

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Die aktuelle Ausgabe des feministischen Magazins „Fett“ aus Norwegen.

Nach dem Anschlag von Anders Behring Breivik wollte die vorige Regierung unter Jens Stoltenberg die Stärke der Demokratie und der Toleranz demonstrieren. Nun, zwei Jahre später, hat das Land einen Rechtsruck erlebt. Welche Bedeutung hat Breivik in der aktuellen öffentlichen Diskussion in Norwegen?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass die Menschen Breiviks Weltanschauung als Teil einer Partei-ideologie sehen. Ich denke, man sollte vorsichtig sein, eine Verbindung zu ziehen zwischen dem 22. Juli und der Tatsache, dass die Arbeiterpartei und Jens Stoltenberg es nicht geschafft haben, die Wahl zu gewinnen. Sie führten eine schlechte Kampagne und konnten ihre Botschaft nicht anbringen. Aber ich glaube, dass die ganze Breivik-Sache es schwieriger gemacht hat, vor rassistischen Elementen der Rechten zu warnen. Damit hätte man die „Breivik-Karte“ gespielt, und niemand in Norwegen wollte das tun. Niemand wollte sich des Versuchs verdächtig machen, jemand anderen als Breivik selbst für die Toten vom 22. Juli zur Verantwortung zu ziehen. Das haben wir sehr deutlich gesehen, als die internationalen Medien auf Breiviks Mitgliedschaft in der Jugendorganisation der Fortschrittspartei fokussiert haben. Sogar Jens Stoltenberg hat sie verteidigt. Und es stimmt, man sollte sich nicht zu sehr darauf versteifen.
Breivik war ein Mitglied, und er ist ausgetreten, weil er fand, dass die anderen seine extremen Ansichten nicht teilten. Aber es ist sehr traurig, wenn uns diese Tatsache daran hindert, über die extremen Ansichten, die ja in der Partei existieren, zu sprechen. Auch wenn sie nicht auf dem Niveau eines Breivik sind, gibt es xenophobe Elemente in ihrer Politik, bei denen ich hoffe, dass wir die Möglichkeit finden, sie zu diskutieren – ohne dass der 22. Juli in irgendeiner Weise involviert ist.

Wie hat es die Fortschrittspartei geschafft, ihr durch Breiviks Mitgliedschaft beschädigtes Image wieder aufzupolieren?

Tja … hast du deren Pressekonferenz gesehen? Sie wollten die internationalen Medien belehren. In Norwegen hat es ihnen nicht geschadet. Es ist bekannt, dass Breivik gegangen ist, weil er nicht die Unterstützung fand, die er wollte. International ist ihr Ruf ruiniert, und ich glaube, das wird so bleiben. Er sollte auch ruiniert sein, aber nicht wegen Breivik, sondern wegen ihrer Politik.

Hilde Sofie Pettersen ist Chefredakteurin des norwegischen feministischen Magazins „Fett“ mit Sitz in Bergen und Oslo.
http://fett.no

*Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Kimm

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