Dezember 2012/Jänner 2013 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Thu, 29 Nov 2012 14:51:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png Dezember 2012/Jänner 2013 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.künden: Lautstark https://ansch.4lima.de/an-kunden-lautstark/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-lautstark/#respond Thu, 29 Nov 2012 14:51:19 +0000 https://anschlaege.at/?p=3732 clubburlesquebrutal_anschlaege_feminismusDer Club Burlesque Brutal zurück im Brut.]]> clubburlesquebrutal_anschlaege_feminismus

Feinschmecker_innen aufgepasst! Der Club Burlesque Brutal ist zurück im Brut und lädt zu einem Abend, der sich mit kulinarischen Gelüsten und Süchten beschäftigt. Gastgeberin Frau Professor de la Rose freut sich auf ein queeres Publikum, das Interesse an lustvoll-seriöser Nacktheit hat. Am 15.12. bringt das Quote Kollektiv im Anschluss an die Vorstellung die Menge zum Kochen!

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Foto: Stefanie Dittrich

14., 15.12., 22.00: Club Burlesque Brutal, brut im Konzerthaus, 1030 Wien, Lothringerstr. 20, T. 01/587 87 74, www.brut-wien.at

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an.künden: Frauenkörper-Basiswissen https://ansch.4lima.de/an-kunden-frauenkorper-basiswissen/ https://ansch.4lima.de/an-kunden-frauenkorper-basiswissen/#respond Thu, 29 Nov 2012 13:10:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=3719 Das Kultbuch „Frauenkörper neu gesehen“ wird endlich neuaufgelegt.]]>

Das Kultbuch „Frauenkörper neu gesehen“ wird endlich neuaufgelegt! Die Pädagogin, Kommunikationswissenschaftlerin und „Sexclusivitäten“-Betreiberin Laura Méritt entmystifiziert den Frauenkörper und liefert in verständlicher Sprache – ergänzt mit aufschlussreichen Zeichnungen und Fotografien – Details über die weibliche Sexualität. Darüber hinaus erörtern Aufsätze weiterer Autorinnen, wie politische und ökonomische Einflüsse auf die Normierung der Körper wirken.

14.12., 19.30: Buchpremiere und Empfang mit Laura Méritt (Hg.) & Autorinnen, Urania, 10787 Berlin-Schöneberg, An der Urania 17, Tickets € 6/7, T. 030/218 90 91, www.urania.de

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an.sprüche: Let it bleed https://ansch.4lima.de/an-spruche-let-it-bleed/ https://ansch.4lima.de/an-spruche-let-it-bleed/#respond Thu, 29 Nov 2012 12:15:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=3708 anschleage_ansprueche_feminismus_freiesmenstruierenFreie Menstruation: Freiheit oder Frust? Von ANNE TEMBEL und MICHÉLE THOMA]]> anschleage_ansprueche_feminismus_freiesmenstruieren

Was ist die „freie Menstruation“? Bringt sie die neue weibliche Freiheit oder macht sie stattdessen unfrei? MICHÈLE THOMA und ANNE TEMBEL diskutieren.

 

Übers Internet entdeckte ich die subkulturelle Menstruationskultur der (Post)Riot Grrrls in den USA, die mit bunten Menstruationstassen und schicken, selbst genähten, waschbaren Stoffbinden einen enttabuisierten Umgang mit der unvermeidlichen Monatsblutung selbstbewusst zelebrierten. Ich legte mir einmalig ein paar von diesen Teilen zu und freute mich, von der konventionellen Damenhygieneartikelindustrie unabhängig zu sein. Keine schadstoffbelastete Watte mehr in meine Vagina einführen, nicht mehr mit nackter Haut auf Plastikteilen sitzen zu müssen und nicht zuletzt auch ein bisschen zur Müllvermeidung beizutragen. Ein paar Jahre mens­truierte ich so, mehr oder weniger fröhlich, vor mich hin.
Irgendwann wurde ich schwanger, gebar ein Kind, und eine komplett neue Welt voller bizarrer Körpervorgänge offenbarte sich mir. Im Rahmen meiner Auseinandersetzung damit stieß ich zum ersten Mal auf die sogenannte „freie Menstruation“. Diese Bezeichnung finde ich eher unglücklich gewählt, zumal ich das Gegenteil davon nicht als unfrei bezeichnen würde. Korrekter wäre eventuell „Hygieneartikelfreies oder Körperbewusstes Menstruieren“. Bei diesem Vorgang können das Blut und der Schleim, der sich in Schüben vor dem Muttermund sammelt, durch eine bewusst herbeigeführte Öffnung desselben abfließen – am einfachsten direkt ins Klo, da die Hockposition ideal für die muttermundaktivierende Bewegung und diese auch ähnlich der Entspannung des Beckenbodens nach dem Lulu machen ist. Mit ein bisschen Übung und Beobachtung spürt man, wann es Zeit ist, sich zu entleeren. Kann es denn so einfach sein? Ja, tatsächlich, das kann es! Den Dreh hatte ich schnell raus, und seitdem ist es für mich keine Option mehr, den Schritt zurück zu tun. Monatliches zielgerichtetes Bluten wurde zu einer Selbstverständlichkeit, wie es die restlichen (teilweise mühsam erlernten) Ausscheidungsvorgänge meines Körpers auch sind.
Ich kann nur empfehlen, der hygieneartikelfreien Menstruation eine Chance zu geben und somit verborgene Fähigkeiten des weiblichen Körpers zu entdecken. Und nicht zuletzt, dieses Wissen auch an (junge) Frauen weiterzugeben, damit irreführende Fernsehwerbungen mit blauem Blut irgendwann einmal Geschichte sind.

Anne Tembel ist Reproduktionsarbeiterin und freie Dienstnehmerin in Wien und hat ihren pinken Glitzer-Menstruationscup seit Monaten nicht benutzt.

 

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Illustration: Bianca Tschaikner

Die freie Frau lustwandelt durch die Steppe oder einen Dschungel. Dann kauert sie in der Hockstellung auf der guten Mutter Erde. Die volle Mondin, die sie mit ihren Artgenossinnen Regel-mäßig anheult, hat gerufen. Alles fließt. Auch sie. Das kann lang dauern, so ein Fließen, aber das macht nichts. Zwischendurch vertritt sie sich die Beine oder macht etwas Inspirierendes, mit Kräutern, oder Gedichte. Es ist eine heilige Zeit, keiner soll sie stressen, keine bösen Männer, keine nervigen Kinder. Und unmanierliche, wilde Tiere bitte Abstand halten!
Die Frau ist ein natürliches Wesen, es gibt keine Zwänge, die Mann ihr antut oder sie sich selber. Frau ist nicht entfremdet, sie stöckelt nicht im Mini durch die Shopping-Wüste, sie rackert auf keinem Acker und sitzt an keiner Supermarktkasse. Sie ist auch nicht beim Militär oder bei sonst was Unweiblichem. Sie ist keine Quotenfrau, die sich nicht mal mehr eine zünftige Hysterie leisten kann. Sie findet zurück zu sich selber, ganz tief, zu den Gebärmüttern und Ur-Ei-Sprüngen. Oh ein Loch, Herr Doktor, es blutet! So etwas Krankes sagt diese Frau nicht. Diese Frau hört in sich hinein, Ruhe Welt, jetzt! Der Kosmos, das Universum. O, ein Ei, es springt! Die Blähungen. Manchmal hat sie Schübe, das merkt sie im Voraus, Blutschübe, dann hechtet sie auf die Toilette, die immer frei ist. So wie sie. Dann kauert die freie Frau auf der Toilette, bis der Schub, der kein Karriereschub ist, vorbeigeht. Das ist ganz natürlich. Das geht wieder weg. Auch von selber. Je nachdem, was für einen Zyklus oder Rhythmus die Frau hat, auf den sie hört, vielleicht nur zwei Tage, oder sieben. Kleiner Ur-Laub auf dem Stillen Ort, in dem die Schleimhäute zu ihr sprechen und der Muttermund. Kind aus dem Kindergarten holen? Präsentation an der Uni? Der Mann muss mal? Occupy WC!
All diese modernen, unattraktiven Dinge voller Pestizide, die sie in sich reinstopfen soll. Mit ihrem Blut verdient Mann bestimmt einen Haufen Geld. Und für die Freiheit muss die freie Frau natürlich Opfer bringen. Manchmal sogar blutige.

Michèle Thoma ist freie Autorin.

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an.sage: Nackte Demokratie https://ansch.4lima.de/an-sage-nackte-demokratie/ https://ansch.4lima.de/an-sage-nackte-demokratie/#respond Thu, 29 Nov 2012 12:08:44 +0000 https://anschlaege.at/?p=3702 anschlaege_ansage_nackte_demokratie_feminismusTabubruch: Zwei aktuelle Ausstellungen zeigen nackte Männer. Von ANDREA HEINZ]]> anschlaege_ansage_nackte_demokratie_feminismus

Ein Kommentar von ANDREA HEINZ

 

Es gibt sie bereits seit Abertausenden von Jahren auf diesem Planeten – doch erst jetzt, im Jahr 2012, werden sie zum großen und skandalisierten, Plakatwände und Titelseiten füllenden Thema: die nackten Männer. Das Museum Lentos in Linz und das Wiener Leopold Museum haben mit „Der nackte Mann“ bzw. „Nackte Männer“ sehr ähnlich geartete Ausstellungen im Programm. In Linz haben mit Sabine Fellner, Elisabeth Nowak-Thaller und Stella Rollig drei feministische Kuratorinnen die Ausstellung gestaltet, ergänzend dazu gibt es ein kulturwissenschaftliches Symposium. In Wien geben die KuratorInnen Tobias Natter und Elisabeth Leopold einen Überblick über den nackten Mann „von 1800 bis heute“. Auch hier mit üppigem Rahmenprogramm und Themenführung etwa unter dem Titel „Wie sieht die Frau?“.
Bereits im Juli beklagte Elisabeth Raether in einer aufschlussreichen und sehr lesenswerten Geschichte im „ZEITmagazin“ den abwesenden Penis. „Bilder von echten, zeitgenössischen Penissen, aus Fleisch und Blut, nicht pornografisch, nicht abstrahiert, nicht medizinisch, solche Bilder sind schwer zu finden“, heißt es dort. Und weiter: „Es gibt keine Bilder von nackten Männern, auf denen Nacktheit etwas erzählt, ein Ausdruck ist von Intimität, von Verletzlichkeit oder von Schönheit.“ Auch die Wiener Stadtzeitung „Falter“ widmete dem Besten am Mann ein Titelthema: „Die letzte Erregung“. „Die männliche Sexualität wird seit der frühen Neuzeit aus dem Feld der Repräsentation ausgegrenzt“, zitiert Matthias Dusini darin die Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat. Und ergänzt selbst: „In der Aktmalerei ist die Hauptperson niemals dargestellt worden – der als Mann vorausgesetzte Betrachter vor dem Bild.“

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Nackte Männer gibt es derzeit auch im Xhibit der Akademie der Bildenden Künste zu sehen: In der Ausstellung „Rosa Arbeit auf goldener Straße“. Foto: Lisa Rastl

Tatsächlich ist es ein Gemeinplatz, den zu wiederholen fast schon ermüdend ist: Die nackte Frau ist als Bildmotiv allgegenwärtig, den nackten Mann dagegen kriegt man im Regelfall nur im privaten Bereich, als Individuum zu sehen. Es gibt zwar keine Ausstellung mit dem Titel „Die nackte Frau“, zahlreiche Sammlungen großer Museen könnte man aber getrost unter diesem griffigen Titel zusammenfassen. Und auch in der alltäglichen, meist Werbezwecken dienenden Bilderflut ist ein attraktiver Frauenkörper immer gerne gesehen.
Die Frau, oder vielmehr ihr Körper, ist Objekt der Begierde. Der Mann ist das ihr gegenüberstehende Subjekt. Sein (schöpferischer) männlicher Blick weist ihr eine Position zu: als Angeschautes, als Bild. Vor dem Hintergrund dieser, nicht nur feministischen Kunsthistorikerinnen allzu bekannten Dichotomie ist es ein großer und vor allem wichtiger Schritt, männliche Nacktheit öffentlich und sichtbar zu machen. Als nackter Körper vor einem bekleideten Mann (man kennt diese Konstellation auch aus vielen Filmen: die Frau liegt bereits halbnackt auf dem Bett, der Mann könnte – vollständig bekleidet – noch jederzeit hinaus auf die Straße gehen) ist die Frau eindeutig die Unterlegene. Sie verkörpert die Schwäche, die jedem Körper innewohnt. Sie ist bloße Natur, während der Mann die Insignien der Zivilisation, des Geistes trägt: Sakko und Schlips. Oder eben Pinsel und Fotoapparat.
Die Verobjektivierung des männlichen Körpers, das (wenn man das so nennen darf) Öffentlichmachen des Penis wird Vor- und Nachteile haben. Durch allgegenwärtige Vergleichbarkeit beförderte Zweifel, entstehender Druck durch Körpernormierungen (bei Frauen zur Genüge bekannt in Form von Ess-Störungen, Schönheits-OPs, aber auch mangelndem Körpergefühl und Selbstwert) – das alles wird, je mehr der nackte männliche Körper öffentlich zugängliches Bildgut wird, auch zum Problem der Männer werden. Andererseits trägt die Demokratisierung der nackten Körper auf Dauer wohl auch zu einer Demokratisierung der Geschlechterbilder bei. Weil dann nicht mehr automatisch die Frau der schwache, aber schöne Körper sein muss. Und der Mann sich nicht mehr an der (ohnehin heillos idealisierten) Rolle des starken, aktiven Betrachters orientieren muss. Wenn wir in unserem kollektiven imaginären Fundus sowohl nackte Frauen als auch nackte Männer haben, betrachtet von bekleideten Männern und Frauen, verspricht das auf Dauer mehr Freiheit für alle.

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medienmix https://ansch.4lima.de/medienmix-5/ https://ansch.4lima.de/medienmix-5/#respond Thu, 29 Nov 2012 11:54:18 +0000 https://anschlaege.at/?p=3697 computer_anschlaege_feminismus_oesterreichPerlen * Heidis * Cliffhanger]]> computer_anschlaege_feminismus_oesterreich

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Perlen

Ein deutschsprachiges Bloggerinnen-Magazin, das die Weiten des Internets nach spannenden Schreiberinnen durchsucht, ist Die Featurette. Entstanden aus der Initiative Frau Lila werden hier Blogeinträge jenseits des Malestream empfohlen. Rund vierzig Autorinnen sind mittlerweile verlinkt. Die Ressorts Kultur, Gesellschaft, Politik, Stil und Alltag auf http://featurette.de liefern Input für Neu-Feministinnen genauso wie für Vorgebildete. Das Webmagazin will Überraschendes bieten, Denkanstöße geben, vorsortieren und gewichten.

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Heidis

„Listen to your MOM!“, rät das queerfeministische, linksradikale deutsch-englische „Make Out Magazine“ (MOM). Nach der ersten vielversprechenden Ausgabe mit dem Thema „Nerd“ beschäftigt sich die zweite Ausgabe mit dem Phänomen Heidi. Hat das Mädel von der Alm feministisches Potenzial? Untersucht werden etwa Heimatklischees und die Behinderung der Nebenfigur Klara. Außerdem: Heidi-Fotos, Musik von Electrelane und DIY. In Berlin feiert „MOM“ auch gerne, Termine und Heftbestellung auf http://makeoutmagazine.net.

 Cliffhanger

DVD-Boxen macht Previously …, der Serien-Blog zum Hören. Ms. Gouldy, Lola Loop und Irmgard Lumpini produzieren intelligente Podcasts und Texte über (meist US-amerikanische) Serien. Dialogszenen ergänzen die Analyse von Filmsprache, Gender und Hintergründe von „Girls“ bis „Battlestar Galactica“. Auf coloRadio Dresden jeden vierten Donnerstag im Monat (21.30–22.00 Uhr, http://coloradio.org) oder auf http://previously.us.

Fiona Sara Schmidt

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heimspiel: Wurstscheide https://ansch.4lima.de/heimspiel-wurstscheide/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-wurstscheide/#comments Thu, 29 Nov 2012 11:46:55 +0000 https://anschlaege.at/?p=3695 Es gilt, das tägliche „Familienglück“ glamouröser zu machen. Von ELSA HOHLWEIN]]>

leben mit kindern

Während Denice einige Seiten weiter jeden Monat von ihrem irrsinnig aufregenden, prall gefüllten Leben voller queerer Partys und Sex erzählen darf, ist mein Ressort weiterhin „mein Leben mit Kindern“: Es gilt also, das tägliche „Familienglück“ glamouröser zu machen.
Gestern beim Laternenfest des Kindergartens im schon finsteren Schlosspark war so ein Moment voller Pomp und Silberglitter gekommen: Versteckt unter einem präparierten Regenschirm, über den ein weißer Satinstoff bis zum Boden herunterhing, und mittels einer in den Schirm montierten Taschenlampe, tanzte unsere Tochter mit sechs anderen Kindern in gleicher Kostümierung einen leuchtenden, wabernden „Quallentanz“ zur Filmmusik von „Die fabelhafte Welt der Amelie“.
Es war gar nicht weit entfernt von einigen Burlesque-Nummern oder frühen Avantgarde-Filmszenen, die ich so kenne, wenn auch die Kostüme darunter Daunenjacken und Skihosen waren. Nach dem großen Auftritt rannten alle Kinder völlig euphorisiert in die Arme ihrer Eltern, um zu erfragen bzw. bestätigt zu bekommen, ob sie es eh toll, super, wunderbar, cool usw. gemacht haben und die Komplimente entgegenzunehmen. Unsere war natürlich auf jeden Fall die Tollste! (Auch wenn wir uns bis zum Schluss nicht sicher waren, welche Qualle sie nun eigentlich war.)
Ansonsten hat sie mich neulich gefragt, ob der Max vom Kindergarten eigentlich eine Scheide hat oder „das Andere“. Mit drei Jahren hatte sie mir schon Mal von der „Wurstscheide“ eines Buben erzählt und dass er die Wurstscheide zum Lulu machen in die Hand nehmen kann. Ich hatte das damals natürlich umgehend aufgeklärt und festgehalten, dass die Wurstscheide in Wirklichkeit Penis heißt. Aber sie hält es auch zwei Jahre später weiterhin mit Beatrice Preciado, die Penis als Biodildo begreift, weshalb logischerweise nicht nur „alles Dildo“, sondern auch „alles Scheide“ ist.
Eine (Hetero-)Mutter findet, ich sollte schleunigst ein Puzzle oder Ähnliches kaufen, wo ein nackter Bub drauf ist, damit sie sich „spielerisch mit dem Unterschied auseinandersetzen kann“.

Illustration: Nadine Kappacher

Elsa Hohlwein lebt mit ihrer Freundin und zwei Kindern in Graz und findet, es gibt noch keinen Grund zur Panik.

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neuland: Kinderwunsch https://ansch.4lima.de/neuland-kinderwunsch/ https://ansch.4lima.de/neuland-kinderwunsch/#comments Thu, 29 Nov 2012 11:35:41 +0000 https://anschlaege.at/?p=3692 NeulandDie lebhafte, brünette Frauenärztin S. ist sachlich, nett und immer zu gestresst für lange Gespräche. Von JEANNA KRÖMER]]> Neuland

entdeckungen im alltag

In ihrer Praxis bin ich schon seit zwei Jahren. Die lebhafte, brünette Frauenärztin S. ist sachlich, nett und immer zu gestresst für lange Gespräche. Über mich weiß sie aber Bescheid: Ich bin 32, komme aus Belarus, habe ein 13-jähriges Kind und außerdem einen ausgeprägten Kinderwunsch.
Anfangs hieß es von ihrer Seite, ich müsse mein Übergewicht und den hohen Blutdruck reduzieren, danach könne man über eine weitere Schwangerschaft sprechen. Nach zwei Jahren bin ich also vierzig Kilo leichter, der Blutdruck ist gesunken, andere Wehwehchen ebenfalls reduziert. Die Frau Doktor rät mir trotzdem weiterhin von einer Schwangerschaft ab, nennt jedes Mal einen neuen Grund. „Wir müssen Sie weiter beobachten“, lautet ihr Urteil nach einem nicht ganz optimalen Befund. „Ich rate Ihnen von einer Schwangerschaft definitiv ab.“ „Wäre es gefährlich für mich?“ „Nein.“ „Etwa für das zukünftige Kind?“ Wieder nein. Ich frage überrascht, warum mir dann trotzdem so kategorisch abgeraten wird.
Und da kommt es raus. Meine vorher stets distanzierte Frauenärztin hält plötzlich eine leidenschaftliche Rede: „Deutschland ist ein wunderschönes Land, Sie haben hier so viele Möglichkeiten bekommen. Sie müssen hier nicht unbedingt auch noch Kinder gebären!“ Das ist es also. Ich bin für Sie einfach eine Migrantin, die mit ihren Kindern Berlin zu überschwemmen droht und auf Kindergeld hofft, statt arbeiten zu gehen?
Ich verstehe endlich. Meine Frau Doktor kennt mich nicht als Feministin, Journalistin, Universitätsabsolventin, politische Aktivistin. Das einzige, was sie von mir weiß: mit 19 Jahren das erste Kind, Zugezogene, Kinderwunsch. Und da treten wohl reflexartig die Vorurteile von der ungebildeten, unemanzipierten Migrantin auf.
Ob es sich lohnt, sie darüber aufzuklären, dass ich etwas anderes bin, als eine aufs Gebären fixierte Ausländerin? Und ob es verlässliche Methoden gibt, eine Frauenärztin zu finden, die meine persönlichen Grenzen nicht überschreiten wird? Ich weiß es nicht.

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Illustration: Nadine Kappacher

Jeanna Krömer koordiniert russischsprachige Online-Projekte wie AMPHI-Magazine und FEM.FM, macht gerne jede feministische Sache mit und ist per Skype: jeanna.kroemer zu erreichen.

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Cat-Content https://ansch.4lima.de/cat-content/ https://ansch.4lima.de/cat-content/#respond Thu, 29 Nov 2012 11:23:49 +0000 https://anschlaege.at/?p=3690 Lovely Cats im Internetz. Von BETTINA ENZENHOFER

 

Das Web 2.0 wurde eigentlich nur erschaffen, damit wir Bilder unserer süßen Katzen austauschen können, lautet eine These der „Cute Cat Theory“.
Dass an ihr etwas dran sein könnte, beweist die Unmenge an digitalem Katzen-Content im Netz. Hier ein kleines Best-of: Nachrichtenbilder können unter http://meowbify.com ganz einfach in Katzenbilder umgewandelt werden, nach einem Klick zieren Kätzchen sogar die an.schläge-Website (http://cat.anschlaege.at.meowbify.com/feminismus). „The Internet is for Cats“, behauptet auch ein gleichnamiger Blog (http://theinternetisforcats.com) und zeigt Katzen in Goldrahmen. Doof, aber lustig ist http://cat-bounce.com – eine Website, auf der man Katzen in 2D springen lassen kann. Aus der gleichen Kategorie ist ein Tumblr, das Katzen ins Weltall setzt: http://omgcatsinspace.tumblr.com. Und für Medienarbeitsaffine: http://newscatgif.tumblr.com. Wer generell viel schreiben muss, ist bei http://writtenkitten.net gut aufgehoben: Nach je hundert Wörtern erscheint ein neues Katzenbild. Grandios ist eine von postsecret.com abgekupferte Idee: Auf http://cat-shaming.tumblr.com dokumentieren Katzen ihre intimsten Geheimnisse. Auch sehr schön und spaßig sind die Katzen-Comics von The Oatmeal (http://theoatmeal.com/tag/cats) – welche Katzenhalterin erkennt sich im Comic „Cat vs. Internet“ nicht wieder? Auf flickr.com gibt es sogar eigene Foto-Gruppen: Katzen in Schachteln, Katzen in Waschbecken oder Katzen-Schatten sind hier heiß begehrt.
Aber jetzt zu den richtigen bewegten Bildern – Katzenvideos. Simon’s Cat (www.simonscat.com) ist ja schon längst kein Geheimtipp mehr, und glücklicherweise hält Youtube noch viel mehr für die internetsüchtige Katzenliebhaberin bereit. Wer etwa nach „funny cats“ sucht, wird sich so schnell nicht mehr vom Monitor wegbewegen. Aus dem Best-of-Katzen-Hoppalas: Katzen, die Kinder attackieren. Katzen, die sich erschrecken. In Aquarien oder Badewannen stürzende Katzen, mit Hunden raufende Katzen, auf dem Fußboden rutschende Katzen. Ein absolutes Highlight: Die „Stalking Cat“, herrlich! Ein grandioses Katzenvideo der anderen Art ist „Bitte bitte“ der österreichischen Band Kreisky, in dem die Bandmitglieder als Katzen verkleidet Katzen-Content nachahmen (http://bit.ly/ofr446). In den USA gab es heuer sogar ein Katzen-Video-Film-Festival, bei dem der „Golden Kitty Award“ vergeben wurde. Der Gewinner: Henri, die depressive Katze (www.henrilechatnoir.com).
Und wer jetzt dabei wieder mal stundenlang am Schirm hängengeblieben ist, muss sich nicht grämen: Einer Studie zufolge erhöhen Katzenbilder am Arbeitsplatz die Arbeitsleistung.

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Ich will ein Pony! https://ansch.4lima.de/ich-will-ein-pony/ https://ansch.4lima.de/ich-will-ein-pony/#respond Thu, 29 Nov 2012 11:17:46 +0000 https://anschlaege.at/?p=3683 Weil es kuschelig ist? Weil es stärker ist als drei Männer zusammen? Oder geht’s doch um Sex? ELISABETH GOLLACKNER über Mädchen und Pferde.

 

„The dog days are over“, singt Florence Welch, „Can’t you hear the horses? Here they come.“ Das wäre der Soundtrack zu Lenas Leben, wüsste sie überhaupt, was ein Soundtrack ist. Lena ist jetzt fünf, und nach Jahren voller Stoffhunde, Hundebücher und einem kleinen elektronischen Labrador, dessen Kopf wie ein Disco-Licht blinkt, ist ein neues Tier in ihr Leben getreten. Größer, stärker, als ginge kein Weg dran vorbei. Die Pferde sind da, hörst du sie trampeln?

Wendy, Filly, Ponyhof. Mädchen lieben Pferde. Aber warum eigentlich? Betritt man einen Zeitschriftenladen, lässt sich leicht ein Sündenbock ausmachen. Über mehrere Regale zieht sich das Brainwash mit wallender Mähne: Es gibt Pferde-Magazine, Sticker, Stickeralben, zwanzigbändige Fortsetzungsromane und nicht zu vergessen die Erweiterung mit flauschigen kleinen Einhörnern. (Lena besitzt einen ganzen Sack dieser daumennagelgroßen Dinger.) Werden Mädchen medial drauf gedrillt, Pferde zu lieben? Oder reagiert die Medienlandschaft auf gegebene Tatsachen? Wahrscheinlich treiben sich beide Seiten gegenseitig an. Doch: Warum dürfen Mädchen Pferde überhaupt so hemmungslos lieben?

Kriegswerkzeug Pferd. Über dreitausend Jahre lang benutzte der Mensch das Pferd als Arbeits- und Kriegswerkzeug. Immer wieder ist von der Beziehung „Mensch-Pferd“ in historischem oder künstlerischem Zusammenhang die Rede. Rückblickend sollte eher von einer „Mann-Pferd-Beziehung“ gesprochen werden, denn seit das Pferd domestiziert wurde und als Nutztier Verwendung fand, arbeiteten hauptsächlich Männer mit ihm.(1) „Es hat immer schon reitende Frauen gegeben“, sagt die Sportwissenschaftlerin und Reitausbilderin Michaela Otte-Habenicht. „Weil sie reiten mussten, um zu überleben.“ Michaela Otte-Habenicht hat sich wissenschaftlich mit der Geschichte des Reitens beschäftigt.(2) Die älteste Darstellung einer reitenden Frau findet sich demnach auf einer Tonscherbe aus Theben von 1600 v.Chr. Bei Reitervölkern wie den Awaren und den Hunnen ritten Frauen ebenso wie Männer. Und die vielleicht bekanntesten reitenden Frauen des Altertums waren die Amazonen, die lange Zeit lediglich als Gestalten der Mythologie angesehen wurden. „Heute wird jedoch angenommen, dass dieses vorderasiatische Frauenvolk etwa im 5. Jahrhundert v. Chr. tatsächlich existierte“, so Otte-Habenicht. Doch mit wenigen Ausnahmen lag die Herrschaft über Besitz, Technik und Fortbewegungsmittel – und damit auch über die Pferde – in den Händen der Männer. Erst mit der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Pferd zum Hobby des Menschen. Ab dem Moment, wo es als Mittel zu Selbstdarstellung, Kampf und Leistungssteigerung nicht mehr taugte, übernahm die weibliche Gesellschaftsschicht die Zügel. Die Ära der „Frau-Pferd-Beziehung“ konnte beginnen. Reitvereine erlebten massiven weiblichen Andrang, der nicht nachzulassen scheint. Ponyhöfe sind voll von kleinen Mädchen. Und die Deutsche Reiterliche Vereinigung sah sich 1989 sogar bemüßigt, ein Förderprogramm für den männlichen Nachwuchs zu starten.
„An der Basis, also bei den ganz jungen, haben wir neunzig Prozent Mädchen und zehn Prozent Jungen“, erzählt Michaela Otte-Habenicht. „Reiten wird zunehmend zum Frauensport“, schreiben auch Helga Adolph und Harald A. Euler in ihrer Untersuchung „Warum Mädchen und Frauen reiten“.(3) „Dieses Phänomen scheint historisch einmalig zu sein.“

Zwischen Puppe und Partner. Dass Mädchen Pferde lieben dürfen, erklärt sich auch durch gängige Geschlechter­stereotype. Ein Lebewesen zu hegen, es zu pflegen und zu versorgen – das alles sind zentrale Inhalte des Aufgabenkatalogs einer Frau in unserer Gesellschaft. Der Psychologe Heinz Meyer nennt das Pferd ein „Zwischenglied zwischen der Puppe und dem Partner bzw. Kindern“.(4) Auch Michaela Otte-Habenicht bestätigt das, sie habe es bei ihrer eigenen Tochter beobachten können. „Pferde haben große Augen, sind sehr anschmiegsam, sind weich, man kann mit ihnen schmusen und für sie sorgen“, sagt sie. „All das wird später auf den Freund übertragen.“ Mädchen üben am Pferd also, eine Frau zu sein. Doch gleichzeitig brechen sie dabei auch mit tradierten Rollenbildern. Denn ein so großes Wesen zu beherrschen, erfordert Mut und Risikobereitschaft. Statt auf die Kleidung zu achten, stehen die Mädchen im Stall im Dreck; statt um Hilfe zu bitten, packen sie selber an. In Verbindung mit dem Pferd sind sie beweglich, stark und schnell. Ja, Reiten stärkt das Selbstbewusstsein. Und macht glücklich, wie die Studie von Adolph & Euler belegt: Die Mädchen erleben sich als „unternehmungslustig und angstfrei, sicher und mit dem Pferd innig verbunden“.

Girl, you’ll be a woman soon. Fragt man das Internet, wo die Liebe zwischen Frauen und Pferden herrühren könnte, kommt mehr als drei Millionen Mal die (nicht wirklich überraschende) Antwort: Sex. In Modestrecken rekeln sich halbnackte Models auf Warmblütern. Geschichtliche Fakten werden aufgepeppt durch Gerüchte wie jenes, dass Katharina die Große „unersättlich“ gewesen sein soll und Sex mit ihren Pferden gehabt hätte. Und auch Psychologie-Foren sind voll mit der Frage: „Gibt es wirklich Frauen, die es mit Hengsten treiben?“ Es liegt etwas Bedrohliches und Aufregendes in der Frau-Pferd-Beziehung. Ausschluss, Versagensangst und Sensationsgier mischen sich zu abstrusen Fantasien. „Sind Männer für Frauen tendenziell eher zu klein gebaut?“, fragt ein User namens „child of nature“, der behauptet, in einem Reitstall Skandalöses beobachtet zu haben. Neben den vielen Postings, die seine Frage als schlechten Scherz abtun, findet sich auch die Antwort von „Tim14“: „An Größe und Stärke kannst du es mit keinem Hengst aufnehmen, aber kann er so zärtlich und kreativ sein wie du? Sicher nicht, also besinne dich auf deine Stärken.“
In psychologischen Abhandlungen übers Reiten sind ebenfalls sexuelle Aspekte angeführt. Beginnend bei Sigmund Freud, der in seiner Traumdeutung das Reiten als Symbol für Geschlechtsverkehr sah, geht es auch bei jüngeren Publikationen um Träume, um Fantasien, um „akzentuierte Zärtlichkeit“, wie Heinz Meyer es nennt. Das Pferd „lässt die erotisch-sexuell akzentuierte Zärtlichkeit problemlos ausprobieren; der Kontakt mit ihm vermindert im Vergleich zum Versuch beim menschlichen Partner das Wagnis. Das Pferd bereitet […] kaum Enttäuschungen; […] es bleibt vor allem verlässlich und treu. Darüber hinaus darf man solche Zärtlichkeit unverfänglich praktizieren; sie wird gesellschaftlich, vor allem von den Eltern und Erziehern toleriert, akzeptiert und nicht selten sogar gefördert.“(5)
Die Anrüchigkeit, die weibliche Pferdebegeisterung immer wieder begleitet, nährt sich auch von Freuds Vermutung, dass die Reibung des Sattels der Stimulation und sexuellen Erregung diene.(6) Das Pferd als Mittel zur Masturbation? Adolph & Euler kommentieren das knapp und konsequent: „Die stillschweigende Erhöhung dieser Vermutung in eine Behauptung ärgert uns, stehen dahinter doch eher männliche Sexualitätsprojektionen, immer wieder aufgewärmt durch augenzwinkerndes Stammtischgerede, aber niemals empirisch untermauert.“

Das Glück dieser Erde. Ihre eigenen Vermutungen empirisch zu untermauern, genau das haben Adolph & Euler getan. 138 Mädchen und Frauen im Alter von sieben bis fünfzig Jahren haben sie befragt, der Großteil von ihnen waren Teenagerinnen. Die Fragebögen wurden auf Ponyhöfen und in Reitvereinen verteilt, und das Ergebnis ist der handfeste Liebesbeweis einer Armee kleiner Reiterinnen: Auf eine einsame Insel würde das Pferd häufiger mitgenommen werden als jedes andere Lebewesen – wie z. B. Mutter oder beste Freundin. Und wenn es eine Wahl gäbe, würden die meisten Mädchen nah beim Pferd wohnen wollen, nicht wenige sogar am liebsten direkt im Stall.
Lena ist da noch nicht so weit. Sie findet Pferde in erster Linie super, weil man sie füttern kann. Wünschen würde sie sich ein braunes Pferd mit schwarzer Mähne. „Aber erst, wenn ich groß bin“, sagt sie. Ob sie dann tatsächlich noch an Pferden interessiert ist, wird sich zeigen. Denn mit 16 Jahren komme der Wendepunkt, sagt Michaela Otte-Habenicht. „Diejenigen, die schon einen Freund haben und trotzdem weiter reiten, die bleiben auch dabei. Alle anderen hören auf.“

Elisabeth Gollackner ist Journalistin in Wien. Seit sie vor 15 Jahren ihre Reitstiefel im Keller verstaut hat, beschäftigt sie sich hauptsächlich mit Zweibeinern.

Fußnoten:
(1) Helga Adolph und Harald A. Euler: Warum Mädchen und Frauen reiten. Eine empirische Untersuchung. Universität Kassel 1994. http://d-nb.info/988770938/34
(2) Michaela Otte: Die Geschichte des Reitens. Von der Antike bis zur Neuzeit. FN Verlag 1994
(3) Adolph & Euler 1994
(4) Heinz Meyer: Das Erlebnis Reiten. Psychologie und Soziologie des Reitens. Quadriga-Verlag 1982
(5) Lotte Rose: Doing Gender with Animals. Zum Stand der Genderforschung in den Human-Animal Studies. In: Betrifft Mädchen, 02/2012, 52–59
(6) Adolph & Euler 1994

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an.lesen: Ihr Name ist Frances https://ansch.4lima.de/an-lesen-ihr-name-ist-frances/ https://ansch.4lima.de/an-lesen-ihr-name-ist-frances/#respond Thu, 29 Nov 2012 11:14:36 +0000 https://anschlaege.at/?p=3681 In einem Sammelband über Feminismus, Judentum und Klassenunterschiede erfährt „Dirty Dancing“ zum 25. Jubiläum endlich die verdiente Würdigung. Von FIONA SARA SCHMIDT

 

„Grey und Swayze, das war ein Paar für die Söhne und Töchter, die weiße Golf GTIs zum Abi bekamen, für die Popper, die sich mit einem hart erarbeiteten Hüftschwung für die Länge eines Hits in ungezügelte proletarische Körperwelten katapultieren wollten“, so die Film- und Medienwissenschaftlerin Birgit Glombitza. Dass die romantische Tanzschnulze von der Entdeckung amerikanischer Identität erzählt, von Weiblichkeit und dem Spiel mit Bildern ebendieser Identität, wird in Glombitzs Beitrag für den kürzlich erschienenen „Dirty Dancing“-Sammelband verhandelt. Von der Filmwissenschaft weitestgehend als seichter „chick flick“ ignoriert, aus linker oder feministischer Perspektive als Hollywoodschnulze abgetan, wurde der Tanzfilm von seinen Fans bis ins Absurde abgefeiert und von der Popkultur massenhaft zitiert. Der von der Journalistin Hannah Pilarczyk zum 25. Jubiläum herausgegebene Band enthält deshalb neben den neun – mehr oder weniger in kulturwissenschaftlichem Jargon verfassten – Aufsätzen auch solche Zitate aus Film und Fernsehen sowie Bleistiftzeichnungen.

Schmalzlocke im Culture War. Heute als ultimative Achtziger-Nostalgie verehrt, wird schnell vergessen, dass „Dirty Dancing“ eigentlich im Sommer 1963 spielt, vor Kennedys Ermordung, den Beatles und Vietnam. In der ersten Filmszene sehen wir „Baby“ (Jennifer Grey) lesend auf der Rückbank sitzen. Sie wird bald Frances heißen, „economics of underdeveloped countries“ studieren und sich der Friedensbewegung anschließen. Dieser Familienurlaub in den Catskill Mountains lässt sie ihre sexuelle und politische Unschuld verlieren. Wenn Baby vom Beginn einer neuen Ära berichtet, geht es nicht nur um sie, sondern um die Nachkriegsgeneration der „Baby-Boomer“, die als kollektives Trauma Vietnam erfuhr und deren Angehörige Pioniere der Popkultur waren.
43 Absagen gab es für den „kleinen weichen“ Film – die Studiobosse wollten es groß und hart, berichtete die Autorin und Co-Produzentin Eleanor Bergstein, die früher selbst mit ihrer Familie in den Catskills Ferien machte. Eine Kosmetikfirma entschied sich gegen Sponsoring, weil Pennys Abtreibung nicht aus dem Drehbuch gestrichen wurde. Der Film ist ein Debattenbeitrag zum „culture war“ seiner Entstehungszeit, er bildet Konflikte ab: Die proletarischen Angestellten verkaufen wie Schmalzlocke Johnny ihre Arbeitskraft oder gar Körper an liberale, größtenteils jüdisch-amerikanische Feriengäste.

Libido und Politik. „In der Filmgeschichte gibt es kaum Beispiele, in denen Frauen so gut behandelt werden wie in ‚Dirty Dancing‘“, so die Herausgeberin. Der Blick der Kamera zeigt Babys Begehren und Johnnys Körper als Fetisch. Auf Augenhöhe fordert sie zum Tanzen und somit auch zum Sex auf. Das Mädchen von nebenan bekommt den Schönling, ohne sich zu verstellen, sie geht spielerisch mit Weiblichkeitsidealen um, begeistert mit wilder Lockenmähne und markanter Nase – die Jennifer Grey später korrigieren ließ, um dem Baby-Fluch zu entkommen.
Besonders aufschlussreich ist der Beitrag von Caspar Battegay über jüdische Identität. Nicht nur Baby ist Grenzgängerin zwischen den jüdischen Feriengästen der Mittelschicht; über Körperlichkeit und Musik überwinden auch andere kulturelle und ökonomische Grenzen, die amerikanische Gesellschaft wird als eine entworfen, die aus Minoritäten besteht. Soziale Exklusion wird allerdings nur als Phänomen unter Weißen verhandelt, der herrschende Rassismus, so zeigt ein anderer Beitrag, wird stattdessen etwa über die berühmte Wassermelone transportiert, die als Zeichen Schwarzer Armut interpretiert werden kann.
Kirsten Reißelmann zeichnet in ihrem Text die Geschichte des weiblichen Coming-of-Age-Films nach und zeigt, dass Baby drei Wochen lang Zeit hatte, „um Körperbewusstsein, Libido und politisches Rückgrat in schöner Parallelität zu gewinnen“ und dabei auch noch ihren Ödipus-Komplex zu überwinden.
Ob die Hebefigur nun Orgasmus, sozialistische Utopie oder den Beginn der Multikulturalität markiert, möge die Leserin selbst entscheiden. „Dirty Dancing“ jedenfalls ist raus aus der Schmuddelecke – und das Remake des Erfolgsfilms schon in der Mache.

Hannah Pilarczyk (Hg.): Ich hatte die Zeit meines Lebens. Über den Film „Dirty Dancing“ und seine Bedeutung. Verbrecher Verlag 2012, 15,50 Euro

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