VI/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 02 Dec 2024 21:46:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png VI/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Klare Haltung über die Grenzen hinaus https://ansch.4lima.de/klare-haltung-ueber-die-grenzen-hinaus/ https://ansch.4lima.de/klare-haltung-ueber-die-grenzen-hinaus/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:38:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=120015 Es ist das Musikereignis der Superlative: Taylor Swifts „The Eras“-Tour. Der wohl größte Popstar unserer Zeit spielt Shows auf fünf Kontinenten. Auch in Wien hätte sie Anfang August an drei Abenden im Ernst-Happel-Stadium auftreten sollen. Doch es kam bekanntlich anders. Nach der Absage wegen Terrorgefahr sagte Österreichs Innenminister Karner: „Die Lage war ernst, die Lage […]]]>

Es ist das Musikereignis der Superlative: Taylor Swifts „The Eras“-Tour. Der wohl größte Popstar unserer Zeit spielt Shows auf fünf Kontinenten. Auch in Wien hätte sie Anfang August an drei Abenden im Ernst-Happel-Stadium auftreten sollen. Doch es kam bekanntlich anders.

Nach der Absage wegen Terrorgefahr sagte Österreichs Innenminister Karner: „Die Lage war ernst, die Lage ist ernst. Aber wir können auch feststellen: Eine Tragödie konnte verhindert werden.“ In den Nachwehen macht sich ein Unbehagen breit. Ja, eine Tragödie konnte vermutlich verhindert werden. Man kann davon ausgehen, dass einige der 60.000 Besucher*innen, die bei jeder Show erwartet wurden, das geplante Attentat des 19-Jährigen mit mutmaßlichen Verbindungen zur radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht überlebt hätten. Doch um Terror dauerhaft abzuwehren, müssen jetzt Prävention und Bildungsarbeit folgen.

Wie kommt es dazu, dass sich junge Männer so drastisch islamistisch radikalisieren, dass sie anderen Menschen und sich selbst das Leben nehmen wollen? Einfache Begründungen zu finden, ist schwierig. Radikalisierungsprozesse sind ein Zusammenspiel komplexer Faktoren und können sehr unterschiedlich verlaufen, aber oft gibt es Ähnlichkeiten.

So stoßen Jugendliche z. B. immer öfter auf TikTok auf Videos muslimischer Prediger, die laut Piotr Suder von der Organisation Extremismus Prävention Online einen harmlos wirkenden Einstieg in immer extremistischeres Gedankengut darstellen. Die Betroffenen isolieren sich schleichend von anderen und wenden sich schließlich von der Gesellschaft und ihrem früheren Umfeld ab. Die Radikalisierung wird durch Krisenerfahrungen und Erfahrungen des persönlichen Scheiterns befördert. Oft wird sie aber auch bloß durch die Suche nach Sinn und Identität, also einem ganz normalen Prozess bei Jugendlichen, angetrieben. Extremistische Ideologien, die einen exklusiven Wahrheitsanspruch vorgeben und die Welt strikt in Gut und Böse einteilen, liefern klare Orientierung und erhöhen dabei auch noch das Selbstwertgefühl.

Doch ein wichtiger Push-Faktor wird in der Analyse oft übersehen: Auch gesellschaftliche Ausgrenzungserfahrungen machen Menschen anfällig für islamistische Propaganda. Das Erstarken islamistischer Einstellungen und Mobilisierungen in der post-migrantischen Gesellschaft werden also durch die wachsende islamfeindliche Stimmung durch rechtspopulistische Bewegungen und Parteien wie die FPÖ gerade begünstigt.

Vor der Nationalratswahl verspricht sich Kickls Partei noch mehr Wählerinnenstimmen durch rassistische Scheinlösungen gegen Islamismus. Dass die von ihnen mitverantworteten gesellschaftlichen Ressentiments gegen Muslim*innen Radikalisierungen noch verstärken, wird dabei geflissentlich ignoriert.

Doch soll der Kampf gegen den Islamismus Erfolg haben, muss er sich stattdessen auch klar gegen Islamfeindlichkeit positionieren. Und er muss berücksichtigen, dass islamistische Radikalisierung nicht an religiöse Sozialisierung oder Migrationsgeschichten geknüpft ist, was Figuren wie Pierre Vogel, ein islamistischer Prediger, der früher evangelisch war, unter Beweis stellen.

Statt plumper Hetze braucht es Radikalisierungsprävention. Dabei ist die Schule das wichtigste Handlungsfeld, in dem Jugendliche demokratische Kompetenzen vermittelt bekommen. Es braucht Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer*innen, die es ihnen ermöglichen, extremistische Propaganda aller Art zu erkennen und angemessen pädagogisch zu intervenieren. Die Präventionsforschung macht klar, wie wichtig dabei Respekt und Empathie gegenüber religiös eingestellten Jugendlichen sind.

Der Islam ist eine Religion, der Islamismus hingegen ist eine politische Ideologie. Als Feminist*innen müssen wir uns klar gegen diese gewaltvolle, anti-demokratische Ideologie positionieren und solidarisch mit ihren weltweiten Opfern sein, mit Frauen, Queers, ethnischen und religiösen Minderheiten wie Jüdinnen, Jesid*innen oder Kurd*innen. Denn eine klare Haltung gegen Islamismus darf nicht an den Grenzen der eigenen Gesellschaft enden. Seine Opfer sind auch die Menschen, die dem IS während seiner Terrorherrschaft in Syrien und Irak ausgeliefert waren. Es sind die Menschen, die vor den Mullahs aus dem Iran fliehen müssen, damit sie als Frauen über ihre eigene Kleidung bestimmen können. Eine klare Haltung gegen Islamismus muss deshalb auch beinhalten, sich gegen Abschiebungen nach Kabul oder Teheran zu positionieren. Eine klare Haltung gegen Islamismus bedeutet auch, das Recht auf Asyl nicht infrage zu stellen.

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Fürsorglich rechtsextrem https://ansch.4lima.de/fuersorglich-rechtsextrem/ https://ansch.4lima.de/fuersorglich-rechtsextrem/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:37:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=120019 Die Rechte feiert quer durch Europa Erfolge – an der Spitze der radikalen Parteien stehen immer öfter Frauen. Ist das ein Widerspruch? Von BRIGITTE THEISSL „Monsieur Macron ist der Kandidat der entfesselten Globalisierung und der sozialen Brutalität, der Kandidat eines Jeder gegen jeden.“ Die Attacke auf den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, den „kalten Business-Banker“, kommt […]]]>

Die Rechte feiert quer durch Europa Erfolge – an der Spitze der radikalen Parteien stehen immer öfter Frauen. Ist das ein Widerspruch? Von BRIGITTE THEISSL

„Monsieur Macron ist der Kandidat der entfesselten Globalisierung und der sozialen Brutalität, der Kandidat eines Jeder gegen jeden.“ Die Attacke auf den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, den „kalten Business-Banker“, kommt nicht von links. Es ist Marine Le Pen, die ihm im TV-Duell vor der Präsidentschaftswahl lächelnd gegenübersitzt. 21,3 Prozent wird sie im ersten Wahldurchgang 2017 erreichen und in die Stichwahl einziehen – in der schließlich Macron triumphiert. Die Mauer gegen rechts hält, auch 2024, als Konservative und Linke gemeinsam einen Sieg des Rassemblement National (RN) verhindern.

Für die einstige rechtsextreme Splitterpartei dennoch ein Erfolg. Der Aufstieg zur Massenpartei mit Anspruch aufs Präsidentenamt ist vor allem einer – mächtigen – Frau zu verdanken. Marine Le Pen, Tochter des berüchtigten Gründers Jean-Marie, führte die Partei von 2011 bis 2022, im Ringen um den Chefposten setzte sie sich gegen Bruno Gollnisch durch, ein Universitätsprofessor, der Antirassismus einst als „geistiges Aids“ bezeichnet hatte. Le Pen räumte intern auf und verordnete dem Front National einen neuen, gefälligeren Kurs – und setzt schließlich den eigenen Vater vor die Tür.

FüR FRAUEN ATTRAKTIV MACHEN. Wenn Marine Le Pen den neoliberalen Kurs Macrons kritisiert, hat sie freilich kein sozialistisches Frankreich im Sinne, das allen Bürger*innen ein Leben in Würde ermöglicht. „Franzosen zuerst“, so das Credo der Rechtspopulist*innen, die gebetsmühlenartig vor einer drohenden „Islamisierung“ warnen und verklausuliert vor dem „großen Austausch“ warnen. Für Typen wie Gollnisch ist aber kein Platz mehr in der Partei – Le Pen hat den RN modernisiert. „Marine Le Pen hat die sehr einfache Rechnung angestellt, dass sie die Macht in Frankreich nur erringen kann, wenn es ihr gelingt, die extreme Rechte von einem Männerclub in eine auch für Wählerinnen attraktive Partei zu verwandeln“, so formuliert es Politikwissenschafterin Dorit Geva in ihrem Aufsatz über „eine starke Frau“. Le Pen gelang es, den „Gender Voting Gap“ weitgehend zu schließen: Immer mehr Wählerinnen wandten sich dem RN zu.

OHNE QUOTE. Frauen sind in rechten Parteien quer durch Europa längst keine Randfiguren mehr – das beweisen Giorgia Meloni, Alice Weidel oder auch Riikka Purra von den „Wahren Finnen“. Sie alle profitieren von tief verankerten, sexistischen Klischees: Frauen gelten als fürsorglicher, als empathischer – letztlich als harmloser. Radikale Rhetorik wird so verdaulicher und wählbarer. Zugleich verkörpern die Partei-Chefinnen aber auch männliche Eigenschaften – ohne die patriarchale Ordnung jemals infrage zu stellen. „Diese Parteien lehnen Quoten strikt ab, die Spitzenfrauen haben sich also nur mit Leistung durchgesetzt. Das ist ein ganz wichtiges Narrativ“, sagt Politikwissenschafter*in Judith Goetz im an.schläge-Interview. Die Strategie, Frauen gezielt in Positionen zu bringen, würden Rechtsextreme schon seit Jahrzehnten verfolgen. „Ein modernes, moderates Image macht es Wähler*innen leichter, die in den vergangenen Jahren noch gezweifelt haben. Frauen können sich außerdem als fürsorgende Mütter inszenieren, die für das Volk sorgen“, sagt Goetz.

MANN DES JAHRES. Ein Rezept, auf das auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni setzt. „Ich bin Giorgia. Ich bin eine Frau, ich bin eine Mutter, ich bin Italienerin, ich bin eine Christin“, so ihr berühmt gewordener Satz. Meloni ist Mutter – und eine Politikerin, die Konkurrent*innen aus dem Weg räumt. Schon im Studentenbund aktiv, wurde sie 2004 als erste Frau zur Präsidentin der Jugendorganisation der Alleanza Nazionale gewählt, jener Partei, die aus dem neofaschistischen Movimento Sociale Italiano hervorgegangen war. 2012 gründete sie gemeinsam mit zwei Kollegen die Fratelli d’Italia – und ließ rechte Platzhirsche wie Matteo Salvini von der Lega Nord bald alt aussehen. Meloni will Italien zu neuer Bedeutung verhelfen und spielt dabei gekonnt auf der Klaviatur des rechten, christlich-fundamentalistischen Kulturkampfs: Für die traditionelle Familie und gegen LGBTIQ-Rechte, für die Erhöhung der Geburtenrate und gegen die Liberalisierung von Abtreibung. „Wir kümmern uns um die Realität, nicht um Utopien“, so charakterisiert sie im Interview mit „Fox News“ den Unterschied zwischen Konservativen und Linken. Dass sie mit Feminismus nichts am Hut hat, beweist die Ministerpräsidentin bei jeder Gelegenheit: Meloni lehnt die weibliche Bezeichnung ab und will als „il presidente del consiglio“ angesprochen werden, die rechtskonservative Tageszeitung „Libero“ erhob sie 2023 zum „Mann des Jahres“.

Auch als „il presidente“ profitiert Meloni freilich von der „Normalisierung von Frauen in Spitzenfunktionen“, wie Judith Goetz es formuliert. Mächtige Frauen – allen voran konservative – werden heute weniger infrage gestellt. „In der Ära Merkel wurde noch viel stärker ihre Kleidung diskutiert, welche Emotionen sie zeigt – bei Meloni stehen die politischen Inhalte im Zentrum“, sagt die Politikwissenschafterin.

So beobachteten Medien jeden Schritt der zaghaften Annäherung Melonis an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen – der Meloni am Ende doch die Stimme verweigerte. Mit ihrer Unterstützung der Ukraine und einem scheinbar gemäßigten Kurs errang die „Postfaschistin“ auf europäischer Bühne Anerkennung, bei der EU-Wahl im Juni triumphierten ihre Fratelli d’Italia.

HOMOSEXUELL, ABER NICHT QUEER. Grund zum Jubeln hatte auch Alice Weidel. Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) landete bei der Europawahl hinter der CDU auf dem zweiten Platz. Ein beachtlicher Erfolg für die Parteivorsitzende, die im Jänner den Brexit als ein „Modell für Deutschland“ bezeichnet hatte.

Seit 2017 steht Weidel, die sich als wirtschaftsliberale Euro-Skeptikerin der Partei anschloss und strategisch nach rechts rückte, der AfD als Doppelspitze vor. Weidel führe die Bundestagsfraktion mit „harter Hand“, schrieb der „Spiegel“ 2018 – wer ihr nicht folgt, bekomme Ärger. Die ehemalige „Goldman Sachs“-Analystin macht keine Politik für den „kleinen Mann“, als ihr politisches Vorbild bezeichnete sie einst Margaret Thatcher. Intern hat Weidel alle Hände voll zu tun, den ultrarechten Flügel rund um den Faschisten Björn Höcke in Zaum zu halten, im Frühjahr kündigte der Rassemblement National der AfD die Zusammenarbeit auf: zu rechts, zu extrem.

Und dennoch: Alice Weidel verkörpert das moderne Gesicht der AfD.

Weidel ist nicht nur eine Frau – sie ist lesbisch, lebt mit ihrer aus Sri Lanka stammenden Partnerin zusammen. Gemeinsam haben sie zwei Söhne. „Die AfD will, dass sich die Familienpolitik des Bundes und der Länder am Bild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern orientiert“, so steht es im Grundsatzprogramm. Wie passt das zusammen mit dem Lebensmodell der Vorsitzenden? „Ich denke, es ist wichtig, rechten Parteien nicht immer ihre Widersprüche vorzuwerfen, sondern mehr darauf zu achten, wie sie es schaffen, vermeintliche Widersprüche zu überbrücken“, sagt Judith Goetz.

Weidel selbst lehnt die Bezeichnung „queer“ ab, stellt Zweigeschlechtlichkeit und die Orientierung an der heterosexuellen Kleinfamilie nicht infrage. „Sie setzt sich nicht für Diskriminierungsschutz ein. Stattdessen wird in der rechten Szene die LGBTIQ-Szene häufig in Gut und Böse aufgespaltet“, sagt Goetz. Die „Guten“ hingegen würden Homosexualität als Privatangelegenheit betrachten und ein gemeinsames Feindbild pflegen: Homo- und queerfeindlich sind immer die (muslimischen) Anderen.

FRAUEN SCHÜTZEN. Eine Strategie, die alle rechten Parteien eint: Gewalt gegen Frauen, ob in den eigenen vier Wänden oder auf der Straße, wird stets auf Zugewanderte projiziert. Das konstruierte Wir, die Dominanzgesellschaft, hat nichts mit Patriarchat und Frauenunterdrückung am Hut, es sind die „heimischen“ Frauen, die vor dem Zugriff der Migrantisierten, vor einem Kopftuchzwang und männlicher Verachtung geschützt werden müssen. „Und Politikerinnen sind in diesem Fall als vermeintlich Betroffene wieder die authentischeren Sprecherinnen“, sagt Judith Goetz.

Eine rechte Partei, die hingegen schon seit Jahrzehnten ohne Spitzenfrauen auskommt, ist die FPÖ. „Sie ist bei Weitem nicht so modernisiert wie andere Rechte und auch stärker völkisch verankert. Die Partei ist so gefestigt, sie hat das offenbar gar nicht nötig“, sagt Goetz. Am 29. September wird in Österreich gewählt, seit Monaten führt die FPÖ die Umfragen an und könnte bald den ersten freiheitlichen Kanzler stellen. Anfang August überraschte die Partei, die Quoten strikt ablehnt, mit ihrer bundesweiten Wahlliste. Nach dem Reißverschlussprinzip folgt jedem Mann eine Frau. „Das Vorurteil, die FPÖ sei eine männerdominierte Partei, ist mit dieser Bundesliste endgültig Geschichte“, sagt Herbert Kickl.

Brigitte Theißl fragt sich, ob sie noch eine österreichische Bundeskanzlerin erleben wird, die keiner rechts(konservativen) Partei angehört.

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»Wir brauchen eine Gesamtschule« https://ansch.4lima.de/wir-brauchen-eine-gesamtschule/ https://ansch.4lima.de/wir-brauchen-eine-gesamtschule/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:35:42 +0000 https://anschlaege.at/?p=120026 Der Film „Favoriten“ beobachtet feinfühlig den Alltag einer Lehrerin und ihrer Klasse an Wiens größter Volksschule. Zum Kinostart hat CLEMENTINE ENGLER mit ILKAY IDISKUT über ihren Beruf gesprochen und darüber, wie Chancengleichheit im Bildungssystem aussehen könnte. Der zehnte Wiener Gemeindebezirk ist nicht nur der bevölkerungsreichste, sondern wird nicht erst nach den Messerattacken auf dem Reumannplatz […]]]>

Der Film „Favoriten“ beobachtet feinfühlig den Alltag einer Lehrerin und ihrer Klasse an Wiens größter Volksschule. Zum Kinostart hat CLEMENTINE ENGLER mit ILKAY IDISKUT über ihren Beruf gesprochen und darüber, wie Chancengleichheit im Bildungssystem aussehen könnte.

Der zehnte Wiener Gemeindebezirk ist nicht nur der bevölkerungsreichste, sondern wird nicht erst nach den Messerattacken auf dem Reumannplatz auch als der gefährlichste bezeichnet. In Favoriten sprechen fast vierzig Prozent der Bewohner*innen Deutsch nicht als Muttersprache. Drei Jahre lang begleitete die österreichische Filmemacherin Ruth Beckermann in diesem multikulturellen Umfeld eine engagierte Lehrerin und ihre Volksschulklasse. Das Ergebnis ist der subtile und gleichzeitig tief berührende Dokumentarfilm „Favoriten“, der seine Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale feierte und danach die Diagonale eröffnete. Aus dem Blickwinkel der sieben- bis zehnjährigen Schüler*innen erzählt der Film von Ängsten und Wünschen, von Herausforderungen und Zusammenhalt. Trotz seiner konsequenten Zurückhaltung gelingt es dem Film, die gravierenden Probleme im österreichischen Bildungssystem deutlich sichtbar zu machen.

an.schläge: Welche Rolle spielen Volksschulen im Lebenslauf eines Menschen?

Ilkay Idiskut: Eine sehr wichtige. Ich glaube, diese Zeit prägt am meisten, denn hier werden die Grundsteine gelegt. Und wenn die nicht gut gelegt sind, können die Schüler*innen oft die nächsten Schritte ihres Bildungswegs nicht gut meistern. Es fehlt ihnen etwas Wesentliches. Das erkennen sie dann in der Mittelschule und im Gymnasium.

Wie sind Sie an die Volksschule in Favoriten gekommen?

Ich habe während meines Lehramtsstudiums im 13. Gemeindebezirk Hietzing an einer Volksschule begonnen. Damals gab es schon einen Personalmangel, daher kam die Jobzusage sehr schnell. Die Klasse war toll, aber im Vergleich zu meiner Schule in Favoriten auch komplett anders, weil in Hietzing alle Kinder Deutsch als Muttersprache hatten und zu Hause gefördert wurden. Genau genommen war es eine „Vorzeigeklasse“. Die Kinder haben Klavier und Violine gespielt, waren im Fußballverein oder beim Turnen. Die Eltern haben ihre Kinder in allem unterstützt, weshalb sie sehr viel konnten. Was wir dort in einer Stunde durchgenommen haben, würde in Favoriten niemals so funktionieren. Nach einem Jahr habe ich aus verschiedenen Gründen gewechselt und bin in Favoriten gelandet. Hier habe ich Kinder kennengelernt, die mehr Unterstützung von mir brauchen.

Sie reden viel über das aktuelle Weltgeschehen und damit verbundene Werte. Was möchten Sie den Kindern mitgeben?

Wir müssen einander respektieren, um Konflikte zu vermeiden. Ich begegne den Kindern auf Augenhöhe, um ihnen diesen Respekt zu vermitteln, und wünsche mir das im Gegenzug von ihnen, auch untereinander. Deshalb lasse ich sie aussprechen, egal ob ich ihre Meinung richtig finde oder nicht. Wenn ein Kind äußert, dass es Krieg gut findet, versuche ich, nicht negativ zu reagieren. Ich möchte niemanden bloßstellen, sonst könnte es passieren, dass sich das Kind mir nie wieder öffnet. So möchte ich ihnen ein respektvolles Miteinander beibringen und zeigen, wie man respektvoll diskutieren kann, egal ob das Gegenüber ein Kopftuch oder ein Kreuz um den Hals trägt, Schweinefleisch isst oder nicht. Diese Themen gibt es bei uns. Und wenn so Respekt geschaffen wird, kann es auch in der Gesellschaft funktionieren.

Der Film zeigt Missstände im Bildungssystem auf, mit denen Sie zu kämpfen haben. Was bräuchten insbesondere die Volksschulen?

Wir bräuchten mehr helfende Hände in den Schulen. Aufgrund des Personalmangels gibt es keine Lehrer*innen, die angestellt werden können. Unsere Schüler*innen verkehren sehr oft in ihrer eigenen Community. In Favoriten gibt es viele Geschäfte, in denen auf Türkisch eingekauft werden kann; das Gleiche gilt für bosnisch-kroatisch-serbisch-sprachige und arabischsprachige Kinder. Oft scheitert es daran, dass viele Kinder der deutschen Sprache gar nicht mächtig sind. Deshalb brauchen wir muttersprachliche Personen in den Schulen, die gut Deutsch sprechen und sich um bestimmte Kinder kümmern. Außerdem müssen wir multiprofessionelle Teams an die Schulen holen, denn wir Lehrer*innen sind keine Sozialarbeiter*innen, Ärzt*innen, Psycholog*innen oder Coaches. Wir sind für den Unterricht verantwortlich, aber aktuell machen wir viel mehr. Wir fühlen uns verpflichtet und dabei gehen Deutsch- oder Mathestunden verloren. Die Kinder müssen aber eine angemessene Bildung erhalten, um später als Erwachsene gute Jobchancen zu haben. Sonst kann das zu gesellschaftlichen Konflikten führen.

Welchen Einfluss hatten Ihre Eltern auf Ihre Bildung?

Meine Eltern sind aus der Türkei und meine Muttersprache ist Türkisch. Während der Zeit der Gastarbeiter-Anwerbung ist mein Vater in Europa herumgereist und hat sich dann in Österreich niedergelassen. Nachdem meine Eltern geheiratet hatten, ist meine Mutter nachgekommen. Meine Mutter hat uns oft vorgelesen – auf Türkisch und Deutsch. Meinem Vater war es immer wichtig, dass wir etwas erreichen. Er hat uns deshalb überall hingefahren, egal ob zur Schule oder später während meines Studiums zur weit entfernten Praxisschule. Er hat sich wirklich sehr bemüht.

Was muss sich grundsätzlich am Bildungssystem für mehr Chancengleichheit ändern?

Wir müssen in Österreich einiges verändern und moderner werden, statt hinterherzuhinken. Die Gesetze, auf denen unser Bildungssystem basiert, wurden vor sechzig Jahren verfasst. Es ist eine Tatsache, dass viele Kinder in Österreich mit vielen verschiedenen Sprachen leben. Das muss gesehen werden. Wir brauchen endlich besser durchdachte Konzepte, die gemeinsam mit Fachleuten erarbeitet werden, nicht mit Menschen, die noch nie in einer Volksschule waren. Die Kinder haben hier andere Bedürfnisse.

Wie könnte eine Veränderung konkret aussehen?

Ich bin für die Einführung einer Gesamtschule. Das Selektieren direkt nach der Volksschule halte ich für völlig falsch. Wenn zehnjährige Kinder auf die Mittelschule gehen, statt aufs Gymnasium, stempeln wir sie ab. Oft hängen die Schulnoten auch von den Leistungen der Eltern ab. Wenn mit den Kindern ordentlich gelernt wird, schaffen sie es eher aufs Gymnasium. Mit einem Gesamtschulansatz könnten die Klassen auch besser durchmischt werden. Ein weiteres generelles Problem ist die Klassengröße. Außerdem sollten die Deutschförderklassen für Kinder, die kein Deutsch sprechen, abgeschafft werden. Dort sitzen Kinder in völlig überfüllten Klassen, um Deutsch zu lernen, wobei manche alphabetisiert sind und andere nicht. Oft sind es Flüchtlingskinder. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen, weil eigenes Personal eingesetzt wird, aber bei der Klassengröße eine gute Betreuung unmöglich ist.

Kinostart AT: 19. September 2024

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Frauen effektiv ausbeuten https://ansch.4lima.de/frauen-effektiv-ausbeuten/ https://ansch.4lima.de/frauen-effektiv-ausbeuten/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:33:03 +0000 https://anschlaege.at/?p=120028 Anstatt endlich dafür zu sorgen, dass es kostenfreie, ganztägige und ganzjährige Kinderbetreuung gibt, hat sich die ÖVP wieder einmal ein Modell ausgedacht, wie man Frauen in diesem Land ausbeuten kann. Wir wissen: Care-Arbeit machen überwiegend Frauen. Auch wenn es darum geht, die Enkelkinder zu betreuen. Das heißt: Die angedachte Großelternkarenz der ÖVP ist eigentlich eine […]]]>

Anstatt endlich dafür zu sorgen, dass es kostenfreie, ganztägige und ganzjährige Kinderbetreuung gibt, hat sich die ÖVP wieder einmal ein Modell ausgedacht, wie man Frauen in diesem Land ausbeuten kann.

Wir wissen: Care-Arbeit machen überwiegend Frauen. Auch wenn es darum geht, die Enkelkinder zu betreuen. Das heißt: Die angedachte Großelternkarenz der ÖVP ist eigentlich eine Omakarenz.

Schon jetzt kämpfen ältere Frauen mit Nachteilen am Arbeitsmarkt, die Jobsuche ab fünfzig ist nicht einfach. Zudem kommen fehlende Pensionsansprüche hinzu. Denn Betreuungszeiten und Teilzeitarbeit führen dazu, dass Pensionistinnen im Monat deutlich weniger Geld zur Verfügung haben.

Mit der Omakarenz werden also Frauen erneut in Care-Arbeit gedrängt, die schlechter bezahlt ist. Das bedeutet weniger Geld pro Monat als bei einer Anstellung und es bedeutet langfristig weitere Einbußen bei der Pension.
Der Staat kommt indes bei der Kinderbetreuung seiner Verantwortung nicht nach. Und das Zynische an der Situation ist: Dafür ist die ÖVP verantwortlich. Stichwort Sebastian Kurz, der ein „Bundesland aufhetzen“ wollte, um ja zu verhindern, dass die Kinderbetreuung flächendeckend ausgebaut wird.

Auch bei der Karenz gäbe es noch viel zu tun: Nur ein Prozent (!) der Väter geht in Österreich länger als sechs Monate in Karenz. Zehn Prozent der Väter gehen bis zu drei Monate in Elternkarenz. Wie wäre es also endlich mit verpflichtender Väterkarenz? In Skandinavien funktioniert das sehr gut.

Die Frauen sollen mal wieder richten, wo bei der fehlenden öffentlichen Infrastruktur, bei Kinderbetreuung und Altenpflege gespart wird. Wir Feminist*innen kämpfen schon lange gegen Altersarmut bei Frauen. Darum ist es so wichtig, die Fallstricke der Omakarenz aufzuzeigen und der ÖVP ihr reaktionäres Modell um die Ohren zu hauen.

Karin Stanger lebt und liebt in Wien.

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Summer of 91 https://ansch.4lima.de/summer-of-91/ https://ansch.4lima.de/summer-of-91/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:31:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=120030 Im Sommer 1991 habe ich meine Fahrradprüfung abgelegt und dadurch ein kleines, offizielles Stück Freiheit gewonnen. Die drei Kilometer alleine per Rad auf der Bundesstraße 129 ins Freibad, zum Fußballtraining und zurück. Auf dem Land in Oberösterreich war der Individualverkehr noch nicht so stark wie heute und Autos wie Traktoren erheblich kleiner. Wir hatten Platz […]]]>

Im Sommer 1991 habe ich meine Fahrradprüfung abgelegt und dadurch ein kleines, offizielles Stück Freiheit gewonnen. Die drei Kilometer alleine per Rad auf der Bundesstraße 129 ins Freibad, zum Fußballtraining und zurück. Auf dem Land in Oberösterreich war der Individualverkehr noch nicht so stark wie heute und Autos wie Traktoren erheblich kleiner. Wir hatten Platz auf der Straße und den Mund voller Mücken. Öffis fuhren einmal in der Stunde in eine Richtung. Meine Kinder wachsen in der Großstadt ohne Garten auf, im Hof kann man ein wenig Radfahren, und Ballspielen ist – wie so oft – verboten. Wenn sie doch spielen, dauert es keine zehn Minuten und es schreit jemand runter. Fahrradstreifen und -wege könnten in der Stadt und auf dem Land noch viel besser ausgebaut bzw. auch kindersicher werden. Von manchen Rowdy-Verkehrsteilnehmer_innen ganz zu schweigen. Dafür können sie zu Fuß in die Schule und zu Freizeitaktivitäten. Sie sind so stolz und glücklich, alleine mal zum Einkaufen, in den Park oder auf ein Eis zu gehen. Ich auch auf sie. Bald schon werden sie auch alleine die Öffis benutzen. Das ist dann ein Riesenstück an Selbstständigkeit. Alle paar Minuten sind Busse, Bims und U-Bahnen getaktet. Sie lernten von Klein auf, dass wir uns wie selbstverständlich mit diesen günstigen Transportmitteln in der Stadt bewegen, aber auch längere Strecken mit dem Zug nehmen und wie man halbwegs sicher durch den Verkehr kommt.

Als ich 1999 den Führerschein in der Tasche hatte, konnte ich mit meinem Ford Escort überall hin. Mir stand die Welt (im Hausruckviertel) offen. Den Spritpreis und das Auto konnte ich mir dank Sommerjobs aus den Jahren davor finanzieren. Wenn meine Kinder in ein paar Jahren 18 werden, können sie das Klimaticket für ein ganzes Jahr in ganz Österreich nutzen. Aus jetziger Sicht kostenlos. Wie großartig ist das denn? Mein Auto hat damals 10.000 Schilling gekostet. Umgerechnet doppelt so viel wie eine Jahreskarte der Wiener Linien.

Dieter Breitwieser–Ebster mag Öffis und freut sich mit seinen Kindern über die Erweiterung ihres Bewegungsradius. dieter@papainfo.at

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Sind queere Partys noch subversiv? https://ansch.4lima.de/sind-queere-partys-noch-subversiv/ https://ansch.4lima.de/sind-queere-partys-noch-subversiv/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:29:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=120024 Die queere Partykultur in Wien verändert sich — insbesondere seit der Pandemie. Was bedeutet es für die Community, wenn etablierte Räume verlorengehen? Von VERENA KETTNER. Als ich vor einigen Monaten auf der Website meines Lieblingsclubs herumscrollte, war meine Aufregung groß: Auf dem Programm stand ein queerer Rave – Neuland für den Veranstaltungsort. Gar keine Frage, […]]]>

Die queere Partykultur in Wien verändert sich — insbesondere seit der Pandemie. Was bedeutet es für die Community, wenn etablierte Räume verlorengehen? Von VERENA KETTNER.

Als ich vor einigen Monaten auf der Website meines Lieblingsclubs herumscrollte, war meine Aufregung groß: Auf dem Programm stand ein queerer Rave – Neuland für den Veranstaltungsort. Gar keine Frage, ich musste die Party-Crew zusammentrommeln. So vielversprechend das Event auch klang, so enttäuschend war dann allerdings die Erfahrung vor Ort. Es gab eine Drag Show, ein mit Lichterketten gekennzeichnetes Awareness-Team und eine Crowd, die sämtliche queere Codes draufhatte: viel nackte Haut, ein bisschen kinky Rave-Style mit cuten Accessoires. Cool und soft gleichzeitig. Es gab überdurchschnittlich viele Mullets, rosa Herzen-Sonnenbrillen und Choker, die wir schon in den 90ern um den Hals trugen. Der Style der Partygäste war allerdings auch schon das Queerste, das dieser Rave zu bieten hatte. Weder die Auswahl von DJs und Musik hatte irgendwas mit queerer Partykultur zu tun noch die Atmosphäre oder das Publikum. Es feierten dort dieselben Druffies wie jedes Wochenende, nur eben besser gestylt.

DER VERLUST QUEERER ORTE. Meine Erfahrung deckt sich mit den Ergebnissen des aktuellen Forschungsprojekts „QUEERDEM“ von Soziologin Laura Wiesböck. Ein Teil dieser Untersuchung von queerer demokratischer Praxis spürt der Veränderung der queeren Partykultur in Wien seit Beginn der Covid-Pandemie nach. Queeres Nachtleben ist eng verknüpft mit Befreiungsbewegungen und hat nicht nur historisch betrachtet eine wichtige Rolle für die LGBTQIA+-Community gespielt, sondern erfüllt auch heute Bedürfnisse von Queers nach sicheren Räumen, Kollektivität und Intimität. Im Rahmen der Covid-Pandemie gingen während der Lockdown-Bestimmungen, die sich an einem heteronormativen Familien­bild orientierten, viele dieser Orte verloren. Die pandemiebedingten Effekte wie fehlende Einnahmen sowie steigende Miet- und Energiekosten und die folgende Inflation setzten die Nachtclubszene gehörig unter Druck, zehn Prozent aller Clubs in Wien mussten zusperren. Dem queeren Nachtleben setzten die Maßnahmen besonders zu.

QUEER IST MAL WIEDER MAINSTREAM. Schon lange vor der Pandemie eroberte queere Ästhetik und Subkultur den Mainstream, besonders in linken Kreisen ist sie geradezu schick. „Queerfreundliche“ Partyreihen schossen aus dem Boden. Da allerdings einige explizit queere Orte und Veranstaltungsreihen die Lockdowns nicht überlebten, stellen diese queerfreundlichen Partys inzwischen einen Großteil des queeren Party-Angebots. Im Zuge der Pandemie ist das Party-Angebot zudem insgesamt geschrumpft. Die wenigen Partys, die mit einer queeren Ästhetik werben, ziehen somit ein größeres und durchmischteres Publikum an, auch außerhalb der Queer-Community.

Das Problem: Einen Safer Space für Queers bieten sie nicht. Die ästhetische Aneignung von queerer Kultur führt im Gegenteil dazu, dass nicht mehr klar lesbar ist, wer aus welchem Grund queere Codes trägt und wer deshalb beispielsweise angesprochen werden kann, ohne auf Beleidigungen oder Gewaltandrohungen zu stoßen. Besonders schwule Männer äußerten dieses Bedenken in der Studie, so Laura Wiesböck.

Und auch die sexpositive Szene hat in den vergangenen Jahren in Wien Räume erobert. Was erstmal positiv scheint, führt jedoch dazu, dass queere Partyreihen kurzerhand einfach zu sexpositiven Partys umfunktioniert wurden, die sich als „queerfriendly“ definieren. Hinter vielen dieser sexpositiven Partys steckt allerdings ein unternehmerisches Interesse, weswegen ein größeres und breiteres Publikum angesprochen wird. Explizit queere Clubs und Bars gibt es hingegen kaum, was nicht nur dem Community-Feeling schadet, sondern auch Unwohlsein bei queeren Partygästen auslöst. In einem Club, der nur hin und wieder queere Partyreihen hostet, sind schließlich auch Security und Personal nicht unbedingt sensibel drauf.

GEGEN MANNLICHE DOMINANZ. Der Wunsch nach rein queeren Orten innerhalb der Szene in Wien ist groß, so das Ergebnis von Wiesböcks Forschungsprojekt – doch auch hier unterscheiden sich die Bedürfnisse. ­Queere FLINTA fordern beispielsweise vor allem queerlesbische Räume, um einer männlichen Dominanz, die auch von schwulen Männern reproduziert wird, zu entgehen. Auch ­sichere Party-Räume für hetero cis Frauen sind ihnen ein Anliegen: Heteras würden schließlich besonders gerne auf queeren Partys feiern, um toxischer Männlichkeit beim Feiern zu entgehen. Junge Queers hingegen wünschen sich vor allem mehr konsumfreie Räume zum Feiern. In Wien gibt es zwar solche Räume, allerdings zu wenige, mit zu geringen Förderungen und ohne Inflationsanpassungen – sie kämpfen also permanent ums Überleben. Auch die Akademisierung der queeren Partyszene wird im Forschungsprojekt kritisiert. Als studierende Person wird man auf einer queeren Party erfahrungsgemäß mit mehr Interesse in Gespräche eingebunden, als wenn man einer Lehre nachgeht. Ebenso kritisch besprochen werden das Weißsein vieler queerer Partys und die Trennung der unterschiedlichen Generationen. Ältere Queers kritisieren außerdem eine gewisse Entpolitisierung der jüngeren Partykultur: Sie fürchten, dass ein politisches Communitybuilding verloren gehe und nur noch das Feiern im Vordergrund stehe, was wiederum die queere Mainstreamisierung bestärkt und beispielsweise im Hype um Drag sichtbar werde.

EXKLUSIVITAT ALS POSITIVER BEGRIFF? In einer links-queeren Szene hat Exklusivität zwar einen schlechten Ruf, im Zusammenhang mit queeren Partys ist sie allerdings eine positive Referenz. Da queeres Nachtleben Räume für das Ausprobieren von Identitäten, Begehren und Körperlichkeiten bieten sollte, ohne hegemonialen Normen und dem Male Gaze ausgesetzt zu sein, wird das Mainstreaming von queerer Ästhetik zu einem Sicherheitsproblem. Wenn Menschen sich queere Codes aneignen, ohne die damit verbundene gesellschaftliche Diskriminierung und Gewalt fassen zu können, schafft das mehr Unsicherheiten für Queers. Die Exklusivität bestimmter (Party-)Räume hingegen kann Sicherheiten schaffen. Und das geht aus dem „QUEERDEM“-Projekt ganz deutlich hervor: Ein sicheres queeres Nachtleben ist ein Bedürfnis ganz unterschiedlich verorteter Queers.

Vielleicht werden in den nächsten Jahren viele neue queere Partyreihen entstehen, vielleicht sogar neue Bars oder Clubs. Ich hoffe sehr darauf. Solange das aber noch eine eher entfernte schöne Vorstellung ist, würde ich zumindest gerne mit meinen queeren Liebis auf Partys gehen, die wieder ein bisschen mehr nach Utopie riechen und auf denen ich mich als queere Person sicher fühlen kann. Dabei muss Sicherheit nicht unbedingt Exklusivität bedeuten, aber die neoliberale Aneignung queerer Ästhetik sollte definitiv exkludiert werden. Denn das geht sich einfach nicht aus.

QUEERDEM ist ein Forschungsprojekt, das von der Stadt Wien Kultur finanziert und von März 2023 bis August 2024 am Institut für Höhere Studien durchgeführt wird. Die Wissenschaftler*innen Laura Wiesböck, Ekat Osipova und Ella O’Connor beschäftigen sich darin mit den vielfältigen Ungleichbehandlungen von queeren Personen in deren diversen Lebensrealitäten sowie mit queeren Praktiken, alltagsbezogenen Wahrnehmungen und Perspektiven von LGBTQIA+-Personen in Wien.

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Die Menschen mitreißen https://ansch.4lima.de/die-menschen-mitreissen/ https://ansch.4lima.de/die-menschen-mitreissen/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:27:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=120021 Die Reserve-Astronautin Carmen Possnig würde sofort zum Mars fliegen und hat zur Vorbereitung schon ein Jahr in der Antarktis gelebt. Mit LEA SUSEMICHEL hat sie über vier Monate Dunkelheit, das Altern im All und die gewaltige Inspirationskraft des Weltraums gesprochen. an.schläge: Sie sind offiziell Reserve-Astronautin, aber recht zuversichtlich, dass Sie zum Einsatz kommen werden. Bei […]]]>

Die Reserve-Astronautin Carmen Possnig würde sofort zum Mars fliegen und hat zur Vorbereitung schon ein Jahr in der Antarktis gelebt. Mit LEA SUSEMICHEL hat sie über vier Monate Dunkelheit, das Altern im All und die gewaltige Inspirationskraft des Weltraums gesprochen.

an.schläge: Sie sind offiziell Reserve-Astronautin, aber recht zuversichtlich, dass Sie zum Einsatz kommen werden. Bei welchen Missionen könnte das sein? Besteht z. B. Hoffnung, dass Sie zum Lunar Gateway fliegen dürfen? (Der Lunar Orbital Platform-Gateway ist eine geplante Raumstation, die als Zwischenstation für die bemannte Mondlandung und zur Vorbereitung von Marsmissionen dienen soll, Anm.)

Carmen Possnig: Der Lunar Gateway wäre natürlich ein Traum. Aber im Moment scheint es eher realistisch, dass wir für eine Kurzzeitmission zur Internationalen Raumstation ISS fliegen.

Sie sind unter 25.000 Bewerber:innen in einem sechsstufigen Aufnahmeverfahren, bei dem die physische und psychische Eignung getestet wird, ausgewählt worden. Vor einem Einsatz gäbe es noch ein Jahr lang ein intensives Training. Wovor hätten Sie dabei am meisten Angst?

Wir bekommen von der ESA (Europäische Weltraumorganisation, Anm.) Ende des Jahres eine Art Überblickstraining, da ist dann auch das Unterwasser-Training für einen Außeneinsatz im All dabei. Davor hätte ich zwar keine Angst, aber am meisten Respekt. Es wäre aber natürlich auch wahnsinnig cool: Wenn nichts mehr zwischen einem selbst und dem Weltraum und der Erde da unten ist, das muss ein unglaublich tolles Gefühl sein. Das wird immer als Highlight jeder Mission beschrieben. Das Training für konkrete Missionen ist aber sehr spezifisch darauf zugeschnitten, es wird genau das geübt, was man dann konkret machen soll, und bei so kurzen Missionen ist es sehr unwahrscheinlich, dass es einen Außeneinsatz gibt.

Hatten Sie schon mal einen Raumanzug an?

Nein, noch nie. Darauf freue ich mich.

Der erste All-Außeneinsatz zweier Astronautinnen ist kürzlich gescheitert, weil es nur einen einzigen passenden Raumanzug für die beiden auf der ISS gab.

Ja, die kommen tatsächlich vor allem in den amerikanischen XL- und XXL-Größen. Inzwischen gibt es aber bessere Anzüge und auch die Außeneinsätze mit rein weiblicher Besatzung haben stattgefunden. Die ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti hatte aber ein ähnliches Problem, weil sie relativ kleine Hände hat und ihr keine Handschuhe gepasst haben. Es ist aber ganz wichtig, dass die perfekt sitzen, damit man mit diesen dicken Handschuhen und dem großen Druckunterschied im All, der jede Bewegung wahnsinnig anstrengend macht, überhaupt arbeiten kann.
Sie war sechs Monate oben, ein Versorgungsschiff sollte ihr extra angepasste Handschuhe bringen, ist aber auf dem Weg explodiert. Sie hat von der Raumstation aus gesehen, wie es in Flammen aufgeht, damit war auch der Außeneinsatz gestorben.

Als sie zum zweiten Mal hochgeflogen ist, hatte sie die Handschuhe quasi im Handgepäck dabei. Dann hat es endlich geklappt mit dem Außeneinsatz.

Sie haben 13 Monate lang in der Antarktis gelebt, bei Außentemperaturen von bis zu minus achtzig Grad, vier Monate davon in völliger Dunkelheit, in völliger Isolation vom Rest der Welt. Im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation sollten Sie und ein kleines Forschungsteam herausfinden, wie sich Menschen unter solchen extremen Bedingungen verändern, auch im Hinblick auf künftige Mars-Expeditionen. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?
Es hat sich z. B. gezeigt, dass die Aktivität des Immunsystems massiv zurückgeht, vor allem in den Monaten ohne Sonneneinstrahlung.

Bei minus achtzig Grad überlebt eigentlich nichts, was den Menschen gefährlich werden könnte, und gleichzeitig sind es für ein Jahr immer dieselben 13 Leute, es kommt also auch hier kein neuer Erreger dazu. Das Immunsystem ist aber wie ein Muskel, der regelmäßig trainiert werden muss. Als die ­Isolationsphase vorüber war und das erste Flugzeug mit neuen Leuten gelandet ist, von denen einer einen kleinen Schnupfenvirus mitgebracht hat, haben die Immunsysteme meiner Crew völlig überreagiert, die Hälfte ist tagelang mit hohem Fieber im Bett gelegen.

Ein anderes Experiment hat die kognitiven Fähigkeiten und die Feinmotorik getestet. Wir hatten dafür ein ziemlich komplexes Computerspiel mit einem Simulator, bei der wir mit einem Raumschiff mittels Joysticks an einer Raumstation andocken mussten. Man wollte damit herausfinden, wie oft während der achtmonatigen Reise trainiert werden muss, um ein Raumschiff auf dem Mars sicher landen zu können und auch wieder zurückzukommen. Ich habe mir angeschaut, wie sich die Fähigkeiten im Laufe der Zeit verändern. In den dunklen Monaten hat sich die Leistung deutlich verschlechtert.

Bei einer Marsexpedition gilt das menschliche Verhalten als großer Risikofaktor. Sie haben in einem Interview mal gesagt, dass man nicht wissen könne, wie Menschen psychisch darauf reagieren, wenn sie auf dem Weg zum Mars die Erde als Stern am Horizont verschwinden sehen. In der Forschungsstation am Südpol sollte mit Kälte und Dunkelheit auch die „sensorische Deprivation“ nachempfunden werden, die Menschen im All erleben. Über acht Monate gab es auch in der Antarktis keine Möglichkeit, abgeholt zu werden, selbst bei einem medizinischen Notfall nicht. Da muss man psychisch schon sehr stabil sein, um das gut wegzustecken. Wie haben denn die Leute reagiert?

Sehr, sehr unterschiedlich. Dabei spielt auch die Motivation, warum man etwas tut, eine große Rolle. Wenn Leute dafür brennen, weil sie vom Sinn der Sache überzeugt sind, weil sie damit etwas zur Klimawandelforschung beitragen oder zur Sicherheit vor Erdbeben oder bei mir halt zur Weltraumforschung, dann ist das wahnsinnig hilfreich.

Wir hatten einen dabei, der wollte sich mit dem Verdienst vor allem seine Pension aufbessern, aber Geld als Motivation reicht nicht, dem ging es richtig schlecht, für ihn war es schlimmer als Gefängnis. Es waren also durchaus Leute dabei, die sehr gelitten haben und die tatsächlich abgefahren wären, wenn das möglich gewesen wäre.

Was man unbedingt auch braucht, sind Strategien, um Stress zu verarbeiten, ohne fremde Hilfe. Einige Extrovertierte im Team, die für Stressabbau normalerweise auf eine Party gehen oder sich mit ihren Freunden treffen, waren auch arm dran, denn das funktioniert dort halt leider nicht.

Alle Teilnehmenden haben sich verändert über das Jahr, aber es wurde sehr deutlich, dass einzelne von ihrer Persönlichkeit her sehr viel besser geeignet sind, um mit so einer Isolationssituation gut zurechtzukommen und auch mit dieser extremen Umwelt und dem permanenten Risikogefühl.

Aber ich glaube, wenn man die richtigen Leute aussucht, dann ist es auch kein Problem, zum Mars und wieder zurückzufliegen, auch wenn das drei Jahre dauert.

Würden Sie mitfliegen?

Ich würde auf jeden Fall mitfliegen! Sofern es auch einen Rückflug gibt.
Als Medizinerin forschen Sie dazu, wie sich menschliche Körper verhalten, wenn sie der Schwerelosigkeit ausgesetzt sind.

Das All lässt den Körper viel schneller altern, was genau passiert dabei? Und gibt es dabei auch geschlechtsspezifische Auswirkungen?

Ich schaue mir vor allem an, wie sich das Herz-Kreislauf-System verändert, der Blutfluss ins Gehirn und in die Augen. Das kann zu Weitsichtigkeit führen, zum „Spaceflight-­Associated Neuro-Ocular Syndrome“ (SANS). Bis jetzt weiß man aber nicht so wirklich, warum manche Menschen stärker betroffen sind und andere gar nicht, und warum die Weitsichtigkeit bei manchen auf der Erde bestehen bleibt und bei anderen nicht, und vor allem: was man dagegen tun könnte.

Bei einer Mars-Expedition wäre die Crew drei Jahre unterwegs. Sollte die Weitsichtigkeit dabei immer weiter voranschreiten, kann es sein, dass jemand irgendwann blind ist, das wäre natürlich fatal für so eine Mission. Anfangs dachte man, dass Frauen nicht betroffen sind, weil die Weitsichtigkeit exklusiv bei Männern aufgetreten ist. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass einfach viel zu wenige Frauen in der Statistik drin waren. Inzwischen ist klar, dass leider auch Frauen dieses Syndrom bekommen.

Es kommt auch zu massivem Muskelschwund und Osteoporose, oder?

Ja, Muskelkraft und Muskelmasse schwinden, weil die Muskeln wenig gebraucht werden, die Knochendichte nimmt ebenfalls ab. Da wäre es auch interessant zu sehen, wie sich das bei Astronautinnen nach der Menopause auswirkt, aber da gibt es natürlich noch viel weniger Daten.

Was entgegnen Sie auf Kritik daran, dass so viel Geld in Raumfahrtprogramme gesteckt wird, obwohl wir es dringend bräuchten, um die Probleme hier auf der Welt zu lösen, nicht zuletzt die Klimakatastrophe. Was hilft es uns auf der Erde, wenn wir zum Mars fliegen?

Durch unseren Wunsch, zum Mars zu fliegen, können wir viel lernen – auch, wie wir auf der Erde besser leben können. Wir ­können ja nicht genug Nahrung, Sauerstoff und Wasser mitnehmen für diese drei Jahre, so ein großes Raumschiff gibt es gar nicht, sondern wir brauchen eine Kreislaufwirtschaft, die alles erzeugt, was wir zum Überleben brauchen. Auf der ISS gibt es z. B. ein System zum Wasser-Recycling, bei dem fast 95 Prozent wiederverwendet werden können.

Auch der Urin wird recycelt.

Ja, auf dem amerikanischen Teil der ISS wird auch der Urin recycelt. Die Russen wollen das nicht. Das System kommt inzwischen aber auch in der Antarktis zum Einsatz und auch in Marokko und Algerien und in ein paar Wüstenregionen, die extrem wasserarm sind. Und das ist nur eine von ganz vielen Spin-off-Technologien, die wir dank der Raumfahrt inzwischen haben. Die ISS ist ja ein riesiges Labor, in dem man Dinge erforschen kann, die man auf der Erde nicht erforschen könnte. Auch zu erneuerbaren Energien und wie wir mit der Klimakatastrophe fertig werden können. Über 75 Prozent aller Daten zum Klimawandel kommen aus dem Weltall, ohne sie wüssten wir gar nicht, dass es eine Klimakatastrophe gibt.
Ein ganz wichtiger Punkt bei der astronautischen Erforschung des Weltalls ist außerdem die Inspiration – die Weltraumforschung begeistert die Menschen immer schon und reißt sie mit, über alle Generationen hinweg. Sie kann junge Leute dazu bringen, sich für Naturwissenschaften zu interessieren und sie zeigt uns, dass Krisen nicht ausweglos sind – dass nichts unmöglich ist.

Ihnen ist es auch wichtig, ein Vorbild für Mädchen zu sein und diese für MINT-Fächer zu begeistern. Sie sprechen dabei zwar immer wieder vom Forscher- und Entdeckergeist, der geweckt werden soll, aber anders als bei den großen Entdeckern oder dem „Space Race“ zwischen Russland und den USA, geht es nicht mehr um heroische Einzelkämpfer, sondern um Teamfähigkeit, Kooperation und verschiedene Perspektiven.

Ja, dieser Unterschied ist mir sehr wichtig: Ein Astronaut ist niemand, der irgendwo rauffliegt, um dort ein Selfie zu schießen, und dann wieder runterfliegt. Als Astronauten und Astronautinnen erforschen wir Dinge in einem Team, betreiben Wissenschaft und entwickeln Technologien. Wir vermehren Wissen, das andere begeistern kann.

Carmen Possnig: Südlich vom Ende der Welt. Wo die Nacht vier Monate dauert und ein warmer Tag minus 50 Grad hat: mein Jahr in der Antarktis, Ludwig Verlag 2020

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Feminist Superheroine: Ernestine Eckstein https://ansch.4lima.de/feminist-superheroine-ernestine-eckstein/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroine-ernestine-eckstein/#respond Mon, 02 Sep 2024 11:00:03 +0000 https://anschlaege.at/?p=120017 Die Bürgerrechtsaktivistin Ernestine Eckstein wurde 1941 in Indiana (USA) geboren. Sie studierte Journalismus, Psychologie und Russisch und engagierte sich bereits politisch, bevor sie im Alter von 22 Jahren nach New York zog. Dort kam sie zum ersten Mal mit der LGBT-Szene in Berührung und erkundete auch ihre eigene sexuelle Orientierung. Eckstein trat den „Daughters of […]]]>

Die Bürgerrechtsaktivistin Ernestine Eckstein wurde 1941 in Indiana (USA) geboren. Sie studierte Journalismus, Psychologie und Russisch und engagierte sich bereits politisch, bevor sie im Alter von 22 Jahren nach New York zog. Dort kam sie zum ersten Mal mit der LGBT-Szene in Berührung und erkundete auch ihre eigene sexuelle Orientierung. Eckstein trat den „Daughters of Bilitis“ bei, der ersten lesbischen Bürgerrechtsorganisation in den USA, deren Vizepräsidentin sie 1965 wurde. In dieser Funktion plädierte sie u. a. für die Inklusion von Trans-Aktivist*innen in die Schwulen- und Lesbenbewegung – und war damit ihrer Zeit voraus. In den frühen 1970ern zog sie nach San Francisco, wo sie sich „Black Women Organized for Action“ anschloss, bevor sich ihre Spuren bis zu ihrem Tod 1992 verlieren. 

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