III/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Tue, 21 May 2024 14:15:08 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png III/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Feministische Meilensteine, konservative Bremsklötze https://ansch.4lima.de/feministische-meilensteine-konservative-bremskloetze/ https://ansch.4lima.de/feministische-meilensteine-konservative-bremskloetze/#respond Fri, 26 Apr 2024 03:09:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=117565 In Österreich haben Menschen ein besonders schlechtes Bild von der EU – aber wie hat sie uns eigentlich in Sachen Gleichstellung vorangebracht? LAURA HELENE MAY hat sich vor der Europawahl am 9. Juni umgehört. Die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben, ist von Anfang an ein Ziel der Europäischen Union. Die rechtliche Grundlage dafür liegt schon in […]]]>

In Österreich haben Menschen ein besonders schlechtes Bild von der EU – aber wie hat sie uns eigentlich in Sachen Gleichstellung vorangebracht? LAURA HELENE MAY hat sich vor der Europawahl am 9. Juni umgehört.

Die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben, ist von Anfang an ein Ziel der Europäischen Union. Die rechtliche Grundlage dafür liegt schon in den Römischen Verträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957. Die nackten Zahlen jedoch sagen etwas anderes. Frauen in Europa verdienen durchschnittlich immer noch 13 Prozent weniger als Männer im gleichen Job, mehr als ein Drittel der europäischen Frauen haben bereits psychische oder sexuelle Gewalt erlebt. Und auch in den oberen Wirtschaftsetagen sieht es nicht besser aus: Nur sieben Prozent der CEOs sind weiblich.

CARE-DEAL. Hat die EU also gar nichts erreicht in den letzten Jahren? Doch, sagt Evelyn Regner, SPÖ-Abgeordnete im Europaparlament. „Noch nie wurden so viele Gesetze in einer Legislaturperiode verabschiedet, die Frauen zugutekommen, wie in dieser.“ Nach zehn Jahren Blockade ging etwa die Quotenregelung für Frauen in Führungspositionen (Women on Boards Directive) durch. Sie sorgt dafür, dass mindestens vierzig Prozent der Aufsichtsrät:innen ab 2026 weiblich sein müssen. Die Regelung wird die Unternehmenskultur der größten europäischen Unternehmen zum Positiven verändern und Frauen eine reelle Chance auf Top-Positionen ermöglichen, ist Regner überzeugt. Die sogenannte Lohntransparenz- Richtlinie und die Europäische Mindestlohn-Richtlinie sollen die ökonomische Ungleichheit zwischen Männern und Frauen bekämpfen – eine der größten Herausforderungen der Gleichstellungspolitik. Neben dem Lohngefälle ist in wirtschaftlicher Hinsicht vor allem die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit ein Problem. Denn wer unbezahlte Pflegearbeiten übernimmt, arbeitet öfter in Teilzeit, unterbricht die berufliche Laufbahn und bekommt später eine niedrigere Alterspension. „Von Frauen wird nach wie vor erwartet, dass sie die Pflege für ältere Familienangehörige oder Kinder übernehmen. Das trifft sowohl auf Österreich als auch auf die anderen EU-Mitgliedstaaten zu“, sagt Grünen-EU-Abgeordnete Monika Vana. Sie fordert als Ergänzung zum Green Deal deshalb einen „Care Deal“ mit massiven Investitionen in Gesundheit, Pflege und öffentlichen Dienstleistungen.

NACHZÜGLER ÖSTERREICH. Das sogenannte Gender-Mainstreaming, also die Einbeziehung der Geschlechterperspektive in alle Politikbereiche, ist theoretisch in der „Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020-2025″ für die Mitgliedstaaten festgeschrieben. Doch die Realität sieht oft anders aus. In Österreich hat sich die Erreichung der Ziele seit der ersten Amtszeit von Sebastian Kurz und FPÖ 2017 sogar verlangsamt, sagt Vera Glassner, Referentin für Arbeitsbeziehungen und Geschlechterungleichheiten der Arbeiterkammer Wien. „Seither fehlt eine progressive Frauenund Gleichstellungspolitik.“ Der letzte Frauenbericht liege 14 Jahre zurück, „das Frauenministerium hat kein Interesse, so einen Bericht zu veröffentlichen“. Österreichs Familienpolitik sei immer schon konservativ. Das zeige sich etwa in der zweithöchsten Teilzeitquote von Frauen in der EU – jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit – oder bei der Kinderbetreuung. Nicht einmal ein Drittel der Kinder bis zwei Jahre sind hier in einer Betreuungseinrichtung – das aktuelle EU-Ziel sind fünfzig Prozent. Mit der sogenannten „Herdprämie“ in Oberösterreich und Salzburg oder der ÖVP Idee einer „Großelternkarenz“ sind aktuell sogar Rückschritte zu beobachten.

Auch die Gewalt an Frauen bleibt alarmierend: Im Jahr 2024 gab es laut Medienberichten bis dato bereits sieben Femizide und 14 Fälle schwerer Gewalt an Frauen alleine in Österreich. „Das sind schockierende Zahlen und die österreichische Regierung ergreift immer noch keine wirksamen Maßnahmen dagegen“, sagt Abgeordnete Regner. EU-Richtlinien führen in Österreich aber insgesamt zu einer Verbesserung der Gleichberechtigung, auch wenn vieles laut Glassner nur zögerlich umgesetzt wird. „Ein Großteil der nationalen Gesetzgebung ist heutzutage die Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht“, sagt Vana. Im Vergleich zu den 28 Mitgliedstaaten liegt Österreich in Sachen Gleichberechtigung laut dem europäischen „Gender Equality Index“ aktuell vor Deutschland mit 71,2 Punkten auf Platz zehn. Schweden führt die Liste mit 82,2 Punkten an, Schlusslicht ist Rumänien mit 56,1 Punkten. Die Statistik zeigt: Gleichberechtigung der Geschlechter ist immer auch eine Frage von Wohlstand und Gleichheit in der Gesellschaft insgesamt.

VERPASSTE CHANCE. Gleichstellungspolitik wiederum ist in der Praxis oft ein ideologisches Ringen. Will die Frau nicht selbst gerne am Herd stehen? Ist es wirklich ein strukturelles Problem oder einfach eine individuelle Entscheidung? Ein aktuelles Beispiel für diese weltanschaulichen Grabenkämpfe innerhalb der EU-Institutionen ist die Verabschiedung des Gewaltschutzpakets gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Durch eine Blockade im Rat – u. a. von Deutschland, Frankreich und Ungarn – wurde der Strafbestand der Vergewaltigung nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ nicht in die Richtlinie gegen Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt aufgenommen. Damit bleiben Vergewaltigungen ein schwammiges Konzept der nationalen Gerichtsbarkeit, bei dem die Frau oft beweisen muss, dass sie wirklich nein gesagt hat. Laut SPÖ-Abgeordneter Regner reicht Abstimmverhalten gegen progressive Geschlechterpolitik innerhalb der EU weit über die Fraktionen am rechten Rand hinaus. Zuletzt stellten sich auch liberale und konservative Regierungsparteien gegen wegweisende Gesetzgebungen. „Die deutsche FPD war eine der Gegenstimmen, die dazu beigetragen haben, dass die Kriminalisierung von Vergewaltigungen unter dem Grundsatz ‚Nur Ja heißt Ja‘ nicht im Gewaltschutzpaket festgeschrieben werden konnte. Zum Nachteil aller Frauen in der EU.“

Eine länderübergreifende Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos prognostiziert, dass die beiden rechten Fraktionen im EU-Parlament (ID und ECR) nach der Wahl im Juni mehr als ein Fünftel aller gewählten Abgeordneten im EU-Parlament stellen werden (aktuell belegen sie rund 18 Prozent der Sitze). Viele rechte Parteien wollen nicht nur der Gleichstellung einen Riegel vorschieben, sondern betreiben aktiv frauenfeindliche Politik, wie das etwa die PiS-Regierung in Polen und Orbán in Ungarn demonstrierten. Umso wichtiger scheint ein klares Bekenntnis zu emanzipatorischer vonseiten der liberalen und konservativen Fraktionen. Die Debatten um den Strafbestand der Vergewaltigung haben das Gegenteil gezeigt, auch wenn etwa die deutsche FDP offiziell nicht aus ideologischen, sondern aus juristisch-bürokratischen Gründen dagegen stimmte. „Es ist absolut inakzeptabel, aber sehr bildhaft dafür, gegen welchen Widerstand wir ankämpfen“, sagt Grünen-Abgeordnete Vana.

FEMINISTISCHE AUSSENPOLITIK. Abseits des Streits um Geschlechterquoten, Lohngleichheit, Kinderbetreuung und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt ist Gleichstellungspolitik in Europa ein Thema, das auch Außen- und Sicherheitspolitik beeinflusst. Spätestens seit sich Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) den Leitlinien feministischer Außenpolitik verschrieben hat, wird darüber gerätselt, was das eigentlich bedeutet. Auf einer Metaebene wird das Konzept, das seinen Ursprung im Internationalen Frauenfriedenskongress 1915 in Den Haag hat, als außenpolitische Praxis definiert – inklusiv, pazifistisch und machtkritisch. Konkret wurde 2020 ein Bericht angenommen, der die Gleichstellung der Geschlechter in der Außenund Sicherheitspolitik der EU fordert. Laut Vana setzt die globale Frauenbewegung bei dem Thema auf die EU als Role Model – doch der Anteil an weiblichen EU-Botschafterinnen beispielsweise liegt derzeit nur bei 36 Prozent. Und wie in der Arbeitswelt ist die Repräsentation ein wichtiger Faktor, auch wenn sie keine feministische Politik garantiert. „Die Dringlichkeit ist derzeit sogar besonders hoch. Gerade jetzt sehen wir wieder, wie in Konflikten weltweit sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt wird“, sagt Regner. Das Ergebnis der Europawahl im Juni jedenfalls wird auch für die Gleichstellungspolitik vermutlich nachhaltige Konsequenzen haben.

LAURA HELENE MAY schreibt als freie Journalistin für deutsche und österreichische Medien über Kultur und Politik.

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Der Hass in Hässlichkeit https://ansch.4lima.de/der-hass-in-haesslichkeit/ https://ansch.4lima.de/der-hass-in-haesslichkeit/#respond Fri, 26 Apr 2024 02:52:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=117567 Schönheitsstandards sind nicht naturgegeben. VERENA KETTNER hat Moshtari Hilals bemerkenswertes Buch „Hässlichkeit“ gelesen und viel über die eurozentrische Kulturgeschichte von Hässlichkeit erfahren. »Pferdefresse, was hast du dir gedacht, so freundlich zu grinsen, aus meinem Gesicht?“ So beginnt die Autorin Moshtari Hilal ihr Buch „Hässlichkeit“ und führt ein paar Zeilen weiter aus: „Ich sah mich auf […]]]>

Schönheitsstandards sind nicht naturgegeben. VERENA KETTNER hat Moshtari Hilals bemerkenswertes Buch „Hässlichkeit“ gelesen und viel über die eurozentrische Kulturgeschichte von Hässlichkeit erfahren.

»Pferdefresse, was hast du dir gedacht, so freundlich zu grinsen, aus meinem Gesicht?“ So beginnt die Autorin Moshtari Hilal ihr Buch „Hässlichkeit“ und führt ein paar Zeilen weiter aus: „Ich sah mich auf vierzehn passfotogroßen Rechtecken und sie blickten zurück. Es war, wie A. mir noch im Schulflur erklärt hatte: schiefe Zähne, langes Gesicht, große Nase. Vierzehnmal lernte ich mit vierzehn, ich bin hässlich.“ Das Kapitel schließt mit den Worten: „Ich suche das Foto für dieses Buch. Ich suche vergeblich eine hässliche Pferdefresse. Finde nur das Bild eines Kindes, das Zähne zeigend vierzehn Jahre lang zum letzten Mal gelächelt haben wird.“

In ihrem großartigen Werk, das weder vollständig Roman noch Sachbuch, Gedichtzyklus oder Bildband, sondern alles auf einmal ist, unternimmt Moshtari Hilal eine Annäherung an die Angst- und Hassgefühle, die mit dem Konzept von Hässlichkeit verknüpft sind. Denn Hässlichkeit ist nicht oberflächlich, genauso wenig wie Schönheit: „Hässlichkeit wäre oberflächlich, wenn es in Wahrheit nicht um Hass ginge, um den Wunsch, nicht gehasst zu werden, sich selbst nicht zu hassen.“ Hilal arbeitet heraus, wie wir Menschen bereits sehr früh lernen, uns selbst und insbesondere unsere Körper mit Hass zu betrachten. Einem Hass, der eigentlich aus der Angst entsteht, von der Norm abzuweichen und aufzufallen. In Wahrheit hassen wir „nicht unsere fetten Oberschenkel, unsere dreckigen Finger, unseren behaarten Bauch oder unser schiefes Kreuz, sondern wir fürchten die kategorische Nähe zu denen, die unsere Gesellschaft hasst“, analysiert Hilal.

RASSISTISCHE WURZELN. Die Wurzeln dessen, was in der Ästhetik der sogenannten westlichen Moderne als hässlich wahrgenommen wird, liegen in rassistischen, kolonialistischen, antisemitischen, ableistischen und sexistischen Bildern. Der Psychiater und Schriftsteller Frantz Fanon schrieb 1952 in seinem bahnbrechenden Werk „Schwarze Haut, weiße Masken“, in dem es um die Selbstentfremdung von Schwarzen geht, über den Zusammenhang von europäischer Kolonisierung und globalem Kapitalismus mit Schönheitsstandards. Die (Haut-)Farbe Weiß wurde mit Schönheit assoziiert, Schwarz hingegen mit Hässlichkeit. Es bleibt allerdings nicht nur bei einer ästhetischen Verknüpfung, so Fanon: „Dieses Weiß, das sich für schön hält, für besser, für vernünftiger, für vollkommener, für reiner“. Reinheit, Vernunft, Zivilisation bildeten für die europäischen Kolonisator*innen die Kernelemente ihrer Überlegenheitsideologie, mit der sie die gewaltsame Ausbeutung und Unterdrückung legitimierten. Viele dieser rassistischen Bilder wirken bis heute in den westlichen Vorstellungen von Schönheit und Hässlichkeit. So wird der Kriminelle, der Außenseiter gerne weiterhin mithilfe von dunkler Haut, einem stark behaarten, buckeligen oder anders abweichenden Körper, oft mit einer großen Nase, verkörpert. Das geschieht in deutschen Filmklassikern wie „Die weiße Massai“ ebenso wie in Kinderfilmen wie „Dumbo“.

HAARIGER SEXISMUS. Hilal geht in „Hässlichkeit“ auf diese Stereotype ein, schreibt über die Geschichte von Freakshows und „Ugly Laws“, mit denen hässliche Menschen aus den Städten verbannt werden sollten, und behandelt nicht nur Schönheitskriterien wie Hautfarbe und Gewicht, sondern auch die Form des Gesichts, die Größe der Nase oder Körperbehaarung. Sie fragt sich z. B., woher Menschen wissen sollen, wo sie beim Rasieren aufhören sollen? Welche Art von Haaren ist „dreckig“ und eklig, welche nicht? Warum müssen Haare an den Beinen entfernt werden, an den Armen jedoch nicht? Und warum müssen weibliche* Menschen mit starkem Haarwuchs die Haare an den Armen dann eben doch entfernen, um nicht als hässlich abgestempelt zu werden? Im Kapitel „Wolfsmädchen“ geht Hilal dieser geschichtlichen Verschränkung von rassistischen und sexistischen Vorstellungen beim Thema Körperbehaarung nach: „Behaarungen von Körper und Gesicht galten der Forschung nach Darwin als sekundäre Geschlechtsmerkmale. Sie wurden als Indizien der sogenannten anthropologischen Entwicklung der Rasse angesehen: Je höher die evolutionäre Entwicklung, desto stärker die Gegensätze zwischen Mann und Frau.“ Starker Haarwuchs bei Frauen gilt also nicht nur als hässlich, es schwingt implizit auch die rassistische Verurteilung mit, sie sei ein Zeichen von „Minderwertigkeit“. Darüber hinaus wurde starker Haarwuchs von Kriminologen und Dermatologen mit Geisteskrankheit in Verbindung gebracht, wie Hilal herausarbeitet. Auch diese Trope findet sich heute noch in Filmen, insbesondere bei der Inszenierung von Weiblichkeit.

SCHAMBEHAFTETE EINSAMKEIT. Hässlichkeit ist nicht nur mit Gefühlen von (Selbst-) Hass und Angst aufgeladen, sondern auch mit Scham. Denn Hässlichkeit macht einsam, so das Narrativ – wer möchte schon eine hässliche Frau heiraten? In ihrer Auseinandersetzung mit der Geschichte großer Nasen, insbesondere auch mit der sogenannten „jüdischen Nase“, bringt Hilal diese Scham mit antisemitischen, rassistischen und sexistischen Ideologien in Verbindung. So war plastische Nasenchirurgie (Rhinoplastik) nicht nur in ihrer Familie vollkommen normalisiert, für Hilal aber trotzdem mit einem starken Schamgefühl sowie der Angst verknüpft, dass trotz dieser Selbstverneinung der eigenen Geschichte und Herkunft einen die weiße Mehrheitsgesellschaft nicht aufnehmen würde. Hässlichkeit wird als faschistische Ideologie entlarvt, da das strukturell Andere (= die große Nase) ihr nie entkommen kann. Denn im Grunde geht es dabei nicht um die Ablehnung der stigmatisierten Nase an sich, sondern um die Verachtung des Menschen, der diese Nase trägt. Plastische Chirurgie in Form von ethnischer Rhinoplastik, also der Nasenkorrektur aller „nicht-kaukasischen Nasen“, ist ein riesiger Markt, denn sie ist immer auch ein Assimilationsversprechen. Menschen, die Rhinoplastik in Anspruch nehmen, wünschen sich also die Befreiung von einer real erfahrenen Stigmatisierung aufgrund der eigenen Nase, wissen jedoch zugleich, dass die Ablehnung sie viel tiefer trifft.

EINE ANDERE GEWISSHEIT. Dabei ist das eurozentrische Projekt der Schönheitslehre, der sogenannten Ästhetik, historisch und global betrachtet nicht die einzig existierende Definition von Schönheit. Hilal erinnert daran, dass die dekolonialen Theoretiker Walter Mignolo und Rolando Vázquez das Konzept „AestheTics“ (Ästhetik) von der sinnlichen Erfahrung der Schönheit selbst in ihrem Wortgebrauch „aestheSis“ unterscheiden. Zu dieser sinnlichen Erfahrung des Schönen sind alle jederzeit fähig, ohne Doktrinen und Ideologien, sie geht der Ästhetik voraus, da die Vorstellung von Schönheit überhaupt erst auf diesem Fühlen aufbauen kann. Die sogenannte epistemische Gewalt, also das Auslöschen von Wissen und der Geschichtsschreibung insbesondere des globalen Südens, lässt die westliche Ästhetik als vermeintlich universellen Maßstab für Schönheit und Hässlichkeit übrig. Hilal fasst diese Form der Gewalt treffend zusammen: „Die klassische Ästhetik des Westens wirkt weit über Europa und die USA hinaus und ist trotzdem allein nach seinem kulturellen Erbe und seinen elitären Körpern ausgerichtet. Sie (…) braucht stets den Gegensatz: Alles in ihr entfaltet sich immer im Kontrast zum Anderen.“ Etwas als hässlich zu bewerten, erfüllt immer die Funktion von Abgrenzung und Abwertung, ist also keine Frage von Hirnchemie und mitnichten naturgegeben. „Auch ich bin schön“ – sich mit all diesen Argumenten und auf der Grundlage ethischer Überlegungen davon zu überzeugen, sei dennoch schwierig. Mit Rekurs auf die Aktivist*innen Mia Mingus und ALOK plädiert Hilal am Ende ihres so lesenswerten Buches deshalb für „eine Politik des Hässlichen und der Großartigkeit“. Schönheit biete sowieso nur die Illusion von Trost, schließlich sei sie immer vergänglich, „in der Hässlichkeit ruht eine andere Gewissheit“. Die Versöhnung mit unserer Hässlichkeit lehre uns „Verletzlichkeit, Intimität und Vertrauen“ und nicht zuletzt auch, unsere Menschlichkeit und Sterblichkeit anzuerkennen.

VERENA KETTNER findet vieles hässlich. Vor allem das Patriarchat und den Kapitalismus.

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Diese wachsende Wurschtigkeit empfinde ich als totale Erlösung https://ansch.4lima.de/diese-wachsende-wurschtigkeit-empfinde-ich-als-totale-erloesung/ https://ansch.4lima.de/diese-wachsende-wurschtigkeit-empfinde-ich-als-totale-erloesung/#respond Fri, 26 Apr 2024 02:38:24 +0000 https://anschlaege.at/?p=117569 Die Autorin STEFANIE SARGNAGEL wurde schon mit 29 als „nicht fernsehtauglich“ bezeichnet. Sie freut sich über den „Attraktivitätskommunismus“, den das Alter mit sich bringt. Interview: LEA SUSEMICHEL an.schläge: „Altern ist Attraktivitätskommunismus“, dieser schöne Satz findet sich in deinem neuen Buch „Iowa“. Würdest du ihn ein bisschen ausführen?Stefanie Sargnagel: Wie die Umwelt einem begegnet, hängt ja […]]]>

Die Autorin STEFANIE SARGNAGEL wurde schon mit 29 als „nicht fernsehtauglich“ bezeichnet. Sie freut sich über den „Attraktivitätskommunismus“, den das Alter mit sich bringt. Interview: LEA SUSEMICHEL

an.schläge: „Altern ist Attraktivitätskommunismus“, dieser schöne Satz findet sich in deinem neuen Buch „Iowa“. Würdest du ihn ein bisschen ausführen?
Stefanie Sargnagel: Wie die Umwelt einem begegnet, hängt ja auch davon ab, wie man aussieht: Hautfarbe, Alter, Gewicht, Geschlecht. In der Vergangenheit hatte ich das Gefühl, ich muss meinen blonden, dünnen Freundinnen erklären, dass bestimmte Typen ganz anders zu ihnen sind als zu mir. Ihr Arschlochradar war in manchen Situationen durch ihr Aussehen weniger fein justiert. Jetzt, wo wir auf die Vierzig zugehen, gleicht sich das etwas an und so wird das jetzt weitergehen. Im gemeinsamen Altern gibt’s eine gewisse versöhnliche Gerechtigkeit. Diese wachsende Wurschtigkeit empfinde ich als totale Erlösung.

Auch wenn wir natürlich eh noch halbwegs jung sind. Ein absurder Sachverhalt ist ja, dass viele Frauen am meisten Komplexe in dem Alter haben, in dem sie am besten aussehen.

Das Erstarken der Body-Positivity-Bewegung kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass eigentlich vieles immer ärger wird und Schönheitsstandards in vielerlei Hinsicht immer rigider. Würdest du dem zustimmen?
Ich weiß nicht, ob ich da von Täuschung reden würde. Es gibt auch so ein unterschiedliches Verständnis von Body Positivity. Manche sagen, es würde erst recht den Blick auf Äußerlichkeiten richten. So erlebe ich das nicht. In Sozialen Medien Bildern von dicken Frauen anzuschauen, die sich gut anziehen, entspannt mich. Es ist für mich dann weniger die Message „Alle sind schön“, sondern eher „Man muss nicht schön sein, um cool auszusehen.“

Auch viele (Celebrity-)Feministinnen inszenieren sich auf Instagram inzwischen ohne mit der Wimper zu zucken immer modellmäßiger, und Schönheitspflege gilt inzwischen zunehmend auch in feministischen Kontexten als Self Care und Selbstbestimmung. Müssten wir dem Schönheitsterror nicht viel eher „Attraktivitätskommunismus“ als politisches Projekt entgegensetzen?
Mein Verhältnis ist ambivalent. Ich fände hässliche Bilder natürlich cooler und Beauty-Influencer oder das Bewerben von Schönheitseingriffen halte ich für eine Verschwendung von Lebenszeit. Das Vorzeigen von Spaß an Mode und Styling, auch wenn man halt irgendwie aus der Norm fällt, das finde ich schon auch ganz gut, das kann Leute schon auch ermutigen. Es gibt ja das Phänomen, dass dicke Frauen ihr ganzes Leben verschieben auf den Zeitpunkt, an dem sie dann mal schlank sind. Das macht depressiv, da muss man schon dagegen arbeiten.

Wenn Frauen im Fernsehen arbeiten, hängt davon halt oft ihre Karriere ab. Mir hat mal ein deutscher Redakteur gesagt, dass er mich vorgeschlagen hätte, aber ich wäre als „nicht fernsehtauglich“ bezeichnet worden. Mit 29.

Wie die meisten Feministinnen, die auf Social Media aktiv sind, hast du sehr viel Hass abbekommen, der oft auch über die Abwertung des Äußeren läuft. Hat sich das im Laufe der Jahre verändert?
Seltsamerweise kommt es kaum noch vor. Die FPÖ aktiviert keine Trollwellen mehr gegen linke Künstlerinnen. Vielleicht sind die Blasen noch stärker gespalten. Telegram-Gruppen sind wichtiger geworden. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin weniger politisch, weil ich weniger mit Dreck beworfen werde, dabei mache ich immer noch dasselbe. Man begegnet sich online nicht mehr.

Unlängst hast du getwittert, dass „bladen Frauen“ das Existenzrecht abgesprochen wird. Was war der Auslöser?
Ich glaub, es war ein Artikel über Body Positivity und dann bin ich in die Untiefen des „Standard“-Forums abgetaucht. Ich finde es furchtbar, wie Leute, die nie Übergewicht hatten, Leute verurteilen. Ich komme aus einer Familie, in der ständig übers Abnehmen geredet wurde, ein halbes Leben wurde Diät gemacht, Kuren, Fastenwochen, lebenslänglich Weight Watchers, Magenverkleinerungen und trotzdem blieben sie dick und kämpften sich täglich daran ab. Und dann kommen Menschen ohne diese Veranlagung und meinen „Warum unternehmen die denn gar nichts dagegen?“ Das macht mich wahnsinnig. Body Positivity ist keine Dickenpropaganda, sondern eine Hilfe zur Selbstakzeptanz, sich nicht völlig auf diesen Lebensaspekt zu fixieren und eine Aufforderung, das Leben jetzt zu genießen, nicht in einer fantasierten dünnen Zukunft.

Bei Übergewichtigen leben ja sogar linke Leute noch unverblümter ihre gruppenspezifischen Gehässigkeiten aus, weil sie angeblich ja selbst schuld sind.

In „Iowa“ gibt es auch die lustige Szene, in der es um die Fotoauswahl von Christiane Rösinger geht und das Kriterium dabei vor allem das Dünnaussehen ist. Und eine andere, die zeigt, wie sehr sie mit dem Altern hadert. Warum ist es offenbar auch für Feministinnen so schwer, einfach glücklich alt und dick zu werden?
Wir sind von Jugend an gehirngewaschen, das ist schwer abzustellen. Man muss sich nur alte Jugendzeitschriften anschauen, das grenzt an Körperverletzung. Und es wird auch total positiv bestärkt, wenn man z. B. durch eine Essstörung Gewicht verliert. Beim Thema Essstörungen fände ich überhaupt mal eine Outingkampagne interessant, wie bei den Abtreibungen in den Siebzigern, das ist ja auch alles total kaputt, wie viele Frauen z. B. heimlich speiben.

Es kann halt so weit gehen, dass man einfach weniger verdient im Beruf, wenn man sich dem nicht unterordnet. Ich persönlich bin ja gut austherapiert und strebe keine Mainstream- TV-Karriere an. Ich habe zwar keine völlige, aber doch eine große Gleichgültigkeit diesbezüglich entwickelt, Christiane ist eher therapieskeptisch.

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Lip Flip und Buccal Fat https://ansch.4lima.de/lip-flip-und-buccal-fat/ https://ansch.4lima.de/lip-flip-und-buccal-fat/#respond Fri, 26 Apr 2024 02:14:11 +0000 https://anschlaege.at/?p=117571 Im Netz klären Beauty-Docs und Influencer:innen über die neuesten Trends bei kosmetischen Eingriffen auf – und entlarven die Tricks der Stars. Wollen wir das eigentlich wissen? ANNA LINDEMANN und BRIGITTE THEISSL sind sich da nicht einig. Seit vergangenem Jahr sieht in Hollywood jeder zweite Promi so aus, als würde er sich ständig von innen auf […]]]>

Im Netz klären Beauty-Docs und Influencer:innen über die neuesten Trends bei kosmetischen Eingriffen auf – und entlarven die Tricks der Stars. Wollen wir das eigentlich wissen? ANNA LINDEMANN und BRIGITTE THEISSL sind sich da nicht einig.

Seit vergangenem Jahr sieht in Hollywood jeder zweite Promi so aus, als würde er sich ständig von innen auf die Wangen beißen. Auf Instagram habe ich diese dünnen und kantigen Gesichter gesehen und angefangen, über meinen Wangenspeck nachzudenken. Zum Glück folge ich auch Accounts von Ärztinnen und Hobby-Expert:innen, die mir genau erklären, was hinter dem Schönheitstrend steckt: „Buccal Fat Removal“ heißt der Eingriff. Dabei wird das Fett unter den Wangenknochen abgesaugt, für noch mehr Konturen im Gesicht können zusätzlich Face Filler einoperiert werden.

Das ist natürlich nicht der einzige beliebte Eingriff: Im Trend sind zum Beispiel auch Lip Flips (Eingriff an der Oberlippe), Baby Botox (gering dosiertes Botox), Po-Vergrößerungen. Je länger die Liste, desto erleichterter bin ich, Bescheid zu wissen. Dazu tragen im Übrigen auch immer mehr Beautys bei, die öffentlich eingestehen, was sie an sich machen lassen haben. Eine von ihnen ist das deutsche Model Stefanie Giesinger.

Natürlich ist niemand dazu verpflichtet, über das eigene Aussehen zu sprechen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Aber wenn wir so tun, als würden sehr schöne Menschen nicht viel Arbeit in ihr Aussehen stecken, dann ist das in etwa so, als würde eine Marathonsiegerin das Laufen als ihr kleines Hobby verkaufen. „42 Kilometer rennen? Das schaffst du nicht aus dem Stehgreif? Peinlich.“ Ich würde mir ernsthafte Gedanken um meine eigene Fitness machen. Tu ich aber nicht – denn ich weiß, was so ein Marathonsieg kostet: Tägliches Training, Diäten, Geld. Da jogge ich doch lieber in aller Ruhe ein paar Runden, wenn das Wetter mal passt.

Ähnlich urteile ich auch über mein Aussehen: Natürlich hätte ich gern eine strahlendere Haut und straffere Brüste, vielleicht auch ein anderes Kinn. Und ich werde wohl auch nie aufhören, mich mit all diesen wunderschönen Menschen im Internet und in Hollywood zu vergleichen. Aber ich weiß immerhin auch, dass fast niemand von Natur aus so aussieht. Maßgeschneiderte Gesichter haben einen hohen Preis: viel Pflegeaufwand, risikoreiche Operationen und tausende Euro. Mit diesem Wissen kann ich viel friedlicher stundenlang Reels von Promis anschauen, die mehr Konturen im Gesicht haben als ich.

ANNA LINDEMANN hat noch all ihr Buccal Fat im Gesicht – und kann sich damit arrangieren.

Hyaluronsäure-Filler zur Aufpolsterung von Nasolabialfalten? Beauty-Doc-Sprache, die ich ohne mit der Wimper zu zucken übersetzen könnte. Allein schon berufsbedingt treibe ich mich ständig auf YouTube, TikTok und Instagram rum, der Schönheitseingriff-Content quillt den Netzwerken regelrecht aus den Poren. Zwanzigjährige Influencerinnen, die ihre 700.000 Follower mit zur Nasen-OP nehmen, Werbung für Fettabsaugungen, gar nicht mal so unsympathische Schönheitschirurgen, die die Gesichter der Stars im Laufe der Jahre analysieren: Durchschnittlich fünf Millionen Menschen fiebern auf dem Kanal mit, wenn der Doc die Wahrscheinlichkeit eines Wangenimplantats zwischen 2011 und 2012 abschätzt.

Das Beschämen von Menschen, die sich unters Messer legen oder zu Spritzen greifen, ist mies, das dürfte klar sein. Aber auch die Aufklärung über die neuesten Trends am Beauty-Sektor bringt uns feministisch nicht wirklich weiter. Als eine junge Frau sich auf einem Bewerbungsfoto zum ersten Mal seit langem ohne Filter sieht, rollen ihr die Tränen über die Wangen, erzählt mir die Mitarbeiterin einer Mädchenberatungsstelle. Bearbeitete und gefilterte Bilder, wie oft gefordert, verpflichtend kennzeichnen zu müssen, wirkt da fast schon hilflos. Digitale und analoge Eingriffe sind heute kein Geheimnis mehr: kaum ein Hollywood-Star ohne dutzende Eingriffe, kaum eine Instagram-Nutzerin ohne Beauty-Filter – das wissen gerade Jugendliche. Aber nimmt dieses Wissen auch den Druck raus? Kundinnen würden heute mit einem gefilterten Bild
von sich selbst kommen, erzählt ein Schönheitschirurg in einer YouTube-Doku: „Ich will so aussehen wie mein TikTok-Filter.“

Frauen sind im Patriarchat zuallererst Körper, diese Erkenntnis haben Feministinnen schon vor vielen Jahrzehnten vermittelt – und in der Kunst, im Frauenkreis und auf der Straße für seine Enttabuisierung gekämpft. Im Kampf gegen das ewige Beschäftigen mit Schönheitsstandards aber haben wir uns gesellschaftlich frustrierend wenig bewegt. Es bleibt das große Privileg weißer cis Männer, dass über ihre Körper (meistens) erst gar nicht geredet wird. Versuchen wir es doch auch mal.

BRIGITTE THEISSL hat 35 Jahre lang glücklich und zufrieden mit ihren Augenlidern gelebt – bis ihr jemand „Schlupflider“ bescheinigte.

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Feministische Frauen, rechte Männer? https://ansch.4lima.de/feministische-frauen-rechte-maenner/ https://ansch.4lima.de/feministische-frauen-rechte-maenner/#respond Fri, 26 Apr 2024 01:43:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=117573 Zuletzt war in vielen Medien von einer Spaltung der Geschlechter zu lesen, die in unterschiedlichen Ländern vor allem junge Menschen voneinander entfremde. Was ist dran? Von SOPHIA KRAUSS »Eine neue globale Spaltung zwischen den Geschlechtern zeichnet sich ab.« Mit dieser Headline ging der „FinancialTimes“-Journalist John Burn-Murdoch Ende Januar viral. Ganze 27 Millionen Mal wurde sein […]]]>

Zuletzt war in vielen Medien von einer Spaltung der Geschlechter zu lesen, die in unterschiedlichen Ländern vor allem junge Menschen voneinander entfremde. Was ist dran? Von SOPHIA KRAUSS

»Eine neue globale Spaltung zwischen den Geschlechtern zeichnet sich ab.« Mit dieser Headline ging der „Financial
Times“-Journalist John Burn-Murdoch Ende Januar viral. Ganze 27 Millionen Mal wurde sein Tweet angesehen. Burn-Murdoch versucht Entwicklungen in vier sehr verschiedenen Staaten zusammenzufassen – den USA, Großbritannien, Deutschland und Südkorea. Sie alle eint nämlich: Die dort lebenden 18- bis 29-jährigen Männer seien zunehmend konservativ, gleichaltrige Frauen hingegen immer mehr links eingestellt. „Gen Z ist eigentlich zwei Generationen, nicht eine“, attestiert Burn-Murdoch. US-Medien prognostizierten eilig verheerende Folgen. Schon im November letzten Jahres hatte die „Washington Post“ einen ähnlich alarmierenden Meinungsbeitrag veröffentlicht. Man schrieb vom drohenden Ende der amerikanischen Ehe, herbeigeführt durch linke Frauen, die keine konservativen Trump-Wähler daten wollen – und umgekehrt.

GENDER WARS IN SÜDKOREA. Südkorea dient in solchen überspitzten Darstellungen schon fast als Warnung für andere Länder. Burn- Murdoch schreibt auf X: „Die [südkoreanische, Anm.] Gesellschaft ist in zwei Teile gespalten. Die Heiratsrate ist drastisch gesunken und die Geburtenrate ist so stark zurückgegangen, dass sie die niedrigste der Welt ist.“

Und es stimmt: Noch 1960 bekamen Koreaner*innen im Durchschnitt sechs Kinder. Heute sind es 0,78. Im letzten Jahrzehnt bildeten sich online radikale, feministische Gruppen, die sich mit einer misogynen Gesellschaft anlegen. Viele, möglicherweise zehntausende Frauen haben sich der Bewegung 4B angeschlossen. „4B“ steht für 4 Neins: Nein zum Daten von Männern, Nein zum Sex mit Männern, Nein zur Ehe, Nein zum Kinderkriegen. Es ist ein Boykott der südkoreanischen Männer, die mit Groll reagieren und 2022 Yoon Sukyeol zum Präsidenten wählten – einen Mann, der den Feminismus für die niedrige Geburtenrate des Landes verantwortlich macht und das Ministerium für Familie und Geschlechtergleichstellung abschaffen möchte. Fast sechzig Prozent aller Männer zwischen 18 und 29 stimmten für Yoon. Südkoreanische Medien schreiben von „Incel-Wahl“ und „Gender War“.

ZWISCHEN TRUMP UND METOO. Manche glauben nun, globale Anzeichen für einen Geschlechterkrieg erkennen zu können. So ergab die Harvard-Jugendumfrage, dass sich in den USA 2016 erst 33 Prozent der weißen Männer zwischen 18 und 24 als Republikaner bezeichneten. Im Jahr 2023 sind es bereits 41 Prozent. Viele unterstützen Präsidentschaftskandidat Donald Trump, während dessen letzter Amtszeit Frauenrechte massiv beschnitten wurden. Umfragewerte zeigen auch, dass Männer der Gen Z (geboren zwischen 1997 und 2012) sich selbst seltener als Feministen bezeichnen als es Millennials (geboren in den frühen 1980ern bis zu den späten 1990ern) tun. Im Gegensatz dazu erstarkt gerade das progressive, feministische Bewusstsein vieler junger Frauen, ausgelöst auch durch #MeToo. 2022 ergab eine Befragung, dass fast drei Viertel der US-amerikanischen Frauen unter 30 #MeToo unterstützen. Es ist die größte demografische Unterstützer*innengruppe.

Reichen solche Studien aber dafür aus, eine weltweite politische Spaltung der Geschlechter zu prognostizieren? Ein Kampf zwischen Trump-Anhängern und TikTok-Feminist*innen, der zum Niedergang heterosexueller Paarbeziehungen führen wird? Wohl kaum. Ein verkürzter Vergleich so unterschiedlicher Staaten wie Deutschland, den USA und Südkorea mit ihren verschiedenen politischen Systemen und Historien ist ziemlich effekthascherisch. Außerdem kritisieren Wissenschaftler*innen wie Kathleen Dolan von der University of Wisconsin-Milwaukee die Überbetonung des politischen Gender-Gaps. Schließlich sind Frauen keine homogene Wähler*innengruppe, sondern haben verschiedenste politische Interessen. Sie unterscheiden sich stärker untereinander als von Männern. So sind unverheiratete Frauen im Schnitt demokratischer eingestellt als verheiratete. Auch nicht-weiße Frauen wählten mehrheitlich demokratisch, wohingegen die Mehrheit der weißen Frauen 2016 und 2020 für Donald Trump stimmte.

Viele der Erhebungen, die von einer politischen Kluft zwischen Männern und Frauen sprechen, befragen die Teilnehmenden zudem nur zu ihrer politischen Ideologie. Sie forschen oft nicht zu tatsächlichem Wahlverhalten. Das macht eine Untersuchung schwierig: Ab wann bezeichne ich mich selbst als Feminist*in? Nenne ich mich „links“, „liberal“ oder „gemäßigt“? Es gibt keine klaren Definitionen solcher Selbstbezeichnungen. Die Cooperative Election Study, die von YouGov durchgeführt wurde, fragte im US-Wahlkampf 2020 stattdessen, ob man für Biden oder Trump gestimmt hatte. Hier bröckelt die These. So war keinesfalls ein besorgniserregender Rechtsruck junger Männer festzustellen: Fast 68 Prozent der 18- bis 29-jährigen Männer wählten Joe Biden.

RECHTE FRAUEN, LINKE MÄNNER. Trotzdem: Der in bestimmten Altersund Wählergruppen durchaus evidente Gender-Gap hinsichtlich politischer Einstellung und Wahlverhalten ist ein Thema, das dringend besser erforscht werden muss, auch historisch. Noch in den 1950er-Jahren wählten Frauen in westlichen Ländern mit größerer Wahrscheinlichkeit eine konservative Partei als Männer. Frauen waren damals stärker von christlichen Gemeinden beeinflusst und hatten wenig Zugang zu kritischer Bildung. Dieser traditionelle Gender-Gap verringerte sich in den Siebzigern und Achtzigern – und drehte sich in den 1990er-Jahren schließlich vollständig um. Frauen wählten nun im Vergleich zu Männern häufiger links. Die Gründe sind vielfältig. Die feministischen Kämpfe und Errungenschaften der letzten Jahrzehnte haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen.

DEUTSCHER REKORD. Unter dem Titel „Seven Decades of Gender Differences in German Voting Behavior“ wurde 2022 eine einzigartige Studie in Deutschland publiziert. Man wertete dafür eine große Stichprobe an Stimmzetteln aus, die beginnend im Jahr 1953 bei deutschen Bundestagswahlen abgegeben wurden. Diese enthielten Geschlecht und Alter der Wählenden und millionenfache Informationen zu ihrem tatsächlichem Wahlverhalten.

Die Auswertung ergab, dass deutsche Frauen tatsächlich erst ab 2017 linker wählten als Männer, doch der späte Wandel vollzog sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit. Im Jahr 2021 erreichte der deutsche Gender-Gap bei der Bundestagswahl einen Rekordwert. In der gesamten Nachkriegszeit der Bundesrepublik war er nur einmal zuvor höher gewesen.

Dieser plötzliche Peak hängt wohl mit dem Aufstieg der AfD in Deutschland zusammen. In anderen europäischen Ländern entstanden rechtsradikale Parteien schon weit früher, und immer ziehen sie eine überwiegend männliche Wähler*innenschaft an. Auch während der deutschen Bundestagswahl 2021 wurde die AfD deutlich häufiger von Männern gewählt. 13 Prozent aller männlichen Wähler stimmten für die Partei von Björn Höcke. Trotzdem lässt sich die Situation in Deutschland oder Österreich kaum mit jener in Südkorea oder auch den USA gleichsetzen. So zu tun, als stünde ein internationaler feministischer Boykott von Sex mit Männern und der Ehe bevor, befeuert konservative Panikmache – und differenzierte Analysen bleiben für Klicks auf der Strecke.

SOPHIA KRAUSS lebt in Wien und hofft, dass alle Geschlechter sich für einen linken Wahlerfolg einsetzen.

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Dreißig werden https://ansch.4lima.de/dreissig-werden/ https://ansch.4lima.de/dreissig-werden/#respond Fri, 26 Apr 2024 01:27:31 +0000 https://anschlaege.at/?p=117575 Illustration: Sabrina WegererIn ein paar Wochen werde ich dreißig. Ich freue mich darauf, den Zweier gegen einen Dreier zu tauschen. Dreißig fühlt sich so stimmig an, irgendwie genau nach dem Ort, an dem ich in meinem Leben gerade sein möchte. Ich fühle mich angekommen. Dabei bin ich, wenn Maßstäbe aus der Mainstream- Hetero-Welt angewendet werden, sehr weit […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

In ein paar Wochen werde ich dreißig. Ich freue mich darauf, den Zweier gegen einen Dreier zu tauschen. Dreißig fühlt sich so stimmig an, irgendwie genau nach dem Ort, an dem ich in meinem Leben gerade sein möchte. Ich fühle mich angekommen.

Dabei bin ich, wenn Maßstäbe aus der Mainstream- Hetero-Welt angewendet werden, sehr weit entfernt von einem gelungenen Lebensentwurf: Ich befinde mich nicht in einer zumindest eheähnlichen Partner*innenschaft. Ich wohne in einer WG mit fünf anderen Personen, mit keiner dieser Personen befinde ich mich in einer romantischen Beziehung. Ich kämpfe seit Jahren mit meiner immer noch unfertigen Dissertation, die Uni-Karriere habe ich an den Nagel gehängt. Momentan bin ich arbeitslos und beziehe Sozialleistungen. Das Teuerste, das ich besitze, ist wahrscheinlich die Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt, in der ich lebe. Ich mache seit Jahren einmal die Woche Therapie, um mich selbst zu bewältigen. Ich gehe immer noch manchmal bis sechs Uhr morgens tanzen.

Wenn ich allerdings meine eigenen Standards der kleinen queeren Welt, die ich mir im letzten Jahrzehnt aufgebaut habe, ansetze, sieht die Situation ganz anders aus: Meine Wahlfamilie ist groß und liebevoll. Wir haben gemeinsam Kinderpläne und ich bin mir sicher, dass wir auch im Alter noch füreinander sorgen werden, ganz egal, in welchem sozialen sowie rechtlichen Absicherungsverhältnis wir zueinander stehen. Es gibt wunderbare Menschen in meinem Leben, mit denen
ich Intimität und Sexualität in den unterschiedlichsten Formen teilen kann. Ich bin verliebt: in Personen, in die Stadt, in der ich lebe, in die queerfeministischen Theorietexte, die ich für meine Dissertation lese. Ich freue mich jeden Abend, nach Hause zu kommen und mit meiner WG die Erlebnisse des Alltags zu teilen. Die Pause zwischen meiner ehemaligen und einer neuen Lohnarbeit gibt mir die Möglichkeit, mich selbst wieder zu spüren und mir zu überlegen, wo ich jobtechnisch eigentlich hinwill. Ich hatte noch nie so eine zärtliche und wohlwollende Beziehung zu mir selbst. Ich gehe immer noch manchmal bis sechs Uhr morgens tanzen.

SOPHIA FOUX liebt das queere Leben und all die zauberhaften Menschen darin – und das sogar jedes Jahr mehr.

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Klimapolitik braucht neue Allianzen https://ansch.4lima.de/klimapolitik-braucht-neue-allianzen/ https://ansch.4lima.de/klimapolitik-braucht-neue-allianzen/#respond Fri, 26 Apr 2024 01:20:20 +0000 https://anschlaege.at/?p=117579 Auch Seniorinnen treibt die Klimakrise um. Im April errangen Schweizer Aktivistinnen einen historischen Erfolg. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gab den KlimaSeniorinnen recht und stellt damit erstmals fest: Klimaschutz ist ein Menschenrecht. Das Urteil nimmt europäische Staaten in die Pflicht, Menschen vor der Klimakrise und ihren Auswirkungen zu schützen – die Schweiz sei hier […]]]>

Auch Seniorinnen treibt die Klimakrise um. Im April errangen Schweizer Aktivistinnen einen historischen Erfolg. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gab den KlimaSeniorinnen recht und stellt damit erstmals fest: Klimaschutz ist ein Menschenrecht. Das Urteil nimmt europäische Staaten in die Pflicht, Menschen vor der Klimakrise und ihren Auswirkungen zu schützen – die Schweiz sei hier säumig gewesen. In der Klage hatten sich die Seniorinnen auf die immer häufigeren und intensiveren Hitzeextreme berufen, die besonders die Gesundheit älterer Frauen gefährden, und damit aufs richtige Pferd gesetzt. Die Euphorie ist groß – an guten Nachrichten mangelt es schließlich dieser Tage. Expert*innen jedoch dämpften diese sogleich. Das Urteil sei „rein deklaratorisch“, konkrete Vorgaben für die Schweiz fehlen. Immerhin starken Symbolcharakter dürfte die historische Entscheidung dennoch haben. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung des Klimawandels, die zuletzt durch Krieg und Teuerung medial in den Hintergrund geraten war. Und dafür gibt es keinen Anlass: Die Werte von Kohlenstoffdioxid, Methan und Distickstoffmonoxid – die drei wichtigsten menschenverursachten Treibhausgase – sind 2023 weiter angestiegen und befinden sich auf Rekordniveau. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre ist aktuell um fünfzig Prozent höher als in der vorindustriellen Zeit, meldete die US-Klimabehörde NOAA. 2023 war das heißeste Jahr der Messgeschichte, Dürren sorgen für Ernteausfälle, Hitzerekorde plagen Menschen weltweit und bedrohen vor allem vulnerable, alte und vorerkrankte Menschen.

Die große Krise unserer Gegenwart sollte uns zusammenrücken lassen – eine politische Vision, die auch trotz bereits spürbarer Auswirkungen geradezu naiv erscheint. Und dennoch: Resignation ist keine Option. In der Klimapolitik braucht es neue Allianzen, die möglichst viele Menschen abholen und einbinden, die die enorme Dringlichkeit der Lage vermitteln und dabei auf Machbarkeit statt apokalyptische Ausweglosigkeit setzen.

Die Grünen, die Klima- und Umweltpolitik wie wohl keine andere Partei vorangetrieben haben, taugen nur bedingt zur Massenmobilisierung. Slogans, mit denen sie ihr Klientel beackern („Es gibt keinen Planet B“, „Bio macht schön“), erreichen kaum Menschen, die existenziellere Sorgen haben als die Lebensqualität künftiger Generationen. Die Linke wiederum hat erst spät erkannt, dass die Klimakrise die wohl drängendste Klassenfrage unserer Zeit ist: Klimaveränderungen werden zuerst jene Regionen unbewohnbar machen, in denen schon jetzt Menschen unter Armut und schlechter Gesundheitsversorgung leiden, die Krise wirkt auch hierzulande bis in die Beton-Bezirke, wo Wohlhabende Klimaanlagen installieren, während Menschen mit geringem Vermögen unter schlechterer Luftqualität und Hitzeinseln leiden. Auch einzelne Aktivistinnen, die fraglos hunderttausende (vor allem junge) Menschen inspiriert haben, taugen nicht als Erlöserfiguren: Die konkrete, zähe Klimapolitik können wir nicht auf ihre Schultern laden, schnell fallen einzelne Personen außerdem in Ungnade oder wechseln in die Parteipolitik.

Doch es gibt auch neue Initiativen. Im vergangenen Jahr haben sich Aktivist:innen und Gewerkschaften zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das Modellcharakter haben könnte: Unter dem Slogan „Menschen und Klima schützen statt Profite“ solidarisieren sich Klimaaktivist:innen von „Fridays for Future“ und „System Change not Climate Change“ mit Beschäftigten am Bau, an Bord sind Arbeiterkammer und die Gewerkschaft Bau-Holz. Am Bau, wo Arbeiter:innen oft in extremer Hitze schuften und z. B. massiv von weißem Hautkrebs betroffen sind, ist eine Reform des Arbeitsrechts dringend nötig. Gewerkschaften hätten entgegen ihres Rufs viel für Umwelt- und Klimaschutz geleistet, sagt die britische Wissenschafterin Karen Bell, ebenso wie Aktivist:innen im Globalen Süden, allen voran Frauen, die medial jedoch kaum vorkommen. Allianzen, die auf generationen- und klassenübergreifende Solidarität setzen, wird es vor allem angesichts einer zunehmend schamlosen, rechtspopulistischen Politik brauchen, die nicht davor zurückschreckt, Klimaforschung in Zweifel zu ziehen und je nach Stimmungslage gegen Radfahrer:innen oder Photovoltaik polemisiert. Von klimafreundlicher Politik werden schließlich alle profitieren – und Frauen nicht einmal mehr die Zeche bezahlen.

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Feminist Superheroine: Funmilayo Ransome-Kuti https://ansch.4lima.de/feminist-superheroine-funmilayo-ransome-kuti/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroine-funmilayo-ransome-kuti/#respond Fri, 26 Apr 2024 01:13:46 +0000 https://anschlaege.at/?p=117577 Funmilayo Ransome-Kuti war eine nigerianische Feministin, Lehrerin und Vorkämpferin für Frauenrechte. Geboren 1900 in Abeokuta kehrte sie nach ihrer Ausbildung in Großbritannien nach Nigeria zurück und begann sich politisch zu engagieren. 1932 gründete sie den Abeokuta Ladies Club mit, der sich zusehends zu einer feministischen Organisation entwickelte. Ransome-Kuti und ihre Mitstreiterinnen setzten sich für Bildungschancen […]]]>

Funmilayo Ransome-Kuti war eine nigerianische Feministin, Lehrerin und Vorkämpferin für Frauenrechte. Geboren 1900 in Abeokuta kehrte sie nach ihrer Ausbildung in Großbritannien nach Nigeria zurück und begann sich politisch zu engagieren. 1932 gründete sie den Abeokuta Ladies Club mit, der sich zusehends zu einer feministischen Organisation entwickelte. Ransome-Kuti und ihre Mitstreiterinnen setzten sich für Bildungschancen und, als landesweite Nigerian Women’s Union, später auch für das Wahlrecht von Frauen ein. Als Mitglied der nigerianischen Partei NCNC hatte sie als einzige Frau eine Führungsposition inne. Bis heute inspiriert Ransome-Kuti in Nigeria – und weit darüber hinaus – feministische Kämpfe. [syra]

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