I/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 19 Feb 2024 17:50:16 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png I/2024 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 FILMLÖWIN https://ansch.4lima.de/filmloewin-2/ https://ansch.4lima.de/filmloewin-2/#respond Mon, 19 Feb 2024 17:50:14 +0000 https://anschlaege.at/?p=116108 Die FILMLÖWIN empfiehlt:OLFAS TÖCHTER Vier Töchter brachte die alleinerziehende Olfa Hamrouni zur Welt, zwei davon verschwanden im Alter von 15 und 16 Jahren spurlos: ein Fall, der in den tunesischen Nachrichten im Jahr 2016 großes Aufsehen erregte. Olfa und die beiden jüngeren Töchter Eya und Tayssir kämpfen damit, diesen Verlust zu verarbeiten. In Kaouther Ben […]]]>

Die FILMLÖWIN empfiehlt:
OLFAS TÖCHTER

Vier Töchter brachte die alleinerziehende Olfa Hamrouni zur Welt, zwei davon verschwanden im Alter von 15 und 16 Jahren spurlos: ein Fall, der in den tunesischen Nachrichten im Jahr 2016 großes Aufsehen erregte. Olfa und die beiden jüngeren Töchter Eya und Tayssir kämpfen damit, diesen Verlust zu verarbeiten. In Kaouther Ben Hanias Mischung aus Dokumentation und Spielfilm spielen sie Szenen aus der gemeinsamen Vergangenheit mit zwei Schauspielerinnen (als verschwundene Töchter) und einem Schauspieler (als Vater bzw. danach Geliebter der Mutter) nach. Mit lachenden und weinenden Augen berichten und reinszenieren die „echten“ Darstellerinnen die gewaltvollen, aber auch lustigen und schönen Momente, die sie gemeinsam erlebt haben. Auch die Einordnung der Familiendynamik vor dem Hintergrund
von patriarchalen Strukturen, der tunesischen Revolution und dem Aufkommen von Radikalismus begleiten die Geschichte.

Wenn Personen vor der Kamera ihr eigenes Leben nachstellen, welche Art von Film sehen wir dann? Wo beginnen und enden Fiktion und „Spiel“? Metaebenen sorgen für eine noch komplexere Vielschichtigkeit des Films. Ben Hania findet einen Weg, von Gewalt und Manipulation zu erzählen, ohne diese Darstellung für den Spannungsaufbau der Story zu funktionalisieren oder voyeuristisch zu werden.

BIANCA JASMINA RAUCH
Kinostart: 23.2.2024

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Jubiläumsjahr 2023 – 40 Jahre an.schläge https://ansch.4lima.de/jubilaeumsjahr-2023-40-jahre-an-schlaege/ https://ansch.4lima.de/jubilaeumsjahr-2023-40-jahre-an-schlaege/#respond Tue, 13 Feb 2024 15:10:27 +0000 https://anschlaege.at/?p=115996 40 Jahre an.schläge – Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2023 40 Jahre an.schläge heißt auch 40 Jahre Feminismus, den die an.schläge journalistisch begleitet, analysiert, gefeiert und kritisiert haben. Feministischen Journalismus braucht es dringender denn je – davon sind wir fest überzeugt. Anlässlich unseres Jubiläums haben wir zwei in Wien zwei Veranstaltungen umgesetzt – gefördert von der […]]]>

40 Jahre an.schläge – Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2023

40 Jahre an.schläge heißt auch 40 Jahre Feminismus, den die an.schläge journalistisch begleitet, analysiert, gefeiert und kritisiert haben. Feministischen Journalismus braucht es dringender denn je – davon sind wir fest überzeugt.

Anlässlich unseres Jubiläums haben wir zwei in Wien zwei Veranstaltungen umgesetzt – gefördert von der Stadt Wien Kultur.

Feminist Press:ure – an.schläge meets Missy Magazine, 8. September 2023

Die an.schläge und das deutsche Missy Magazine haben gemeinsam Geburtstag gefeiert – und den Feminismus!


2023 feierte das feministische Magazin an.schläge seinen vierzigsten Geburtstag und das Missy Magazine wurde 15. Am 8.9. ab 19.30 Uhr gab es aus diesem Anlass im Wiener fluc einen Abend vollgepackt mit Diskurs, queerfeministischer Comedy mit Comedians von PCCC* und einer Party! Es war von Anfang an Full House und der Abend in jeder Hinsicht ein voller Erfolg!

Nach einer spannenden Podiumsdiskussion mit Missy-Herausgeberin Sonja Eismann und an.schläge-Redakteurin Lea Susemichel zum Thema feministische Medienarbeit, moderiert von Janis Czapka (nachzulesen hier), gehörte die Bühne den Comedians von The Politically Correct Comedy Club, abschließend bespielten die DJs Grace Schella und sucre sucre den Dancefloor.

Nach dem Talk mit reger Publikumsbeteiligung, rockten gleich vier PCCC die Bühne:

Steffi Stanković: Die selbsternannte Niche-Internet-Microcelebrity ohne Talent, aber mit 7 Jobs. Barbie kann da nicht mithalten, denn es gibt nur Platz für eine Doll. Alles, was in Steffis Stand-up-Comedy-Show auftaucht, verschwindet vor Einschüchterung. Schauen wir mal, ob dieses Mal das Patriarchat dran glauben muss.

Ruf den Kuseng und er macht aus deiner Bühne eine politische Revolution. Der Kuseng bringt deinen Kopf mit pointierten Texten und pulsierenden Beats zum Nachdenken und Nicken – und seit neuesten auch zum Lachen. 
Ein facettenreicher Entertainer, der es versteht, die verschiedensten Bühnen zu bespielen. Gegen Kapital und Kommerz für Haltung und Herz!

Nathalie Rettenbacher ist aufgewachsen als erstgeborener „Sohn“ auf einem Bauernhof tief im Bundesland Salzburg, der im Winter wochenlang kein direktes Sonnenlicht bekommt. Jetzt lebt Nathalie im 10. Wiener Gemeindebezirk und vom einstigen Stammhalter des Bergbauerngutes ist nicht mehr viel übrig.

Flona: Sick of patriarchy and sexism Flona takes the stage to show the world a non-white feminist perspective in a humorous sarcastic way.
She can be dark, but takes the audience softly into her life journey as a law studying comedian.

Getanzt wurde bis in die Morgenstunden, dafür sorgten sucre sucre und Grace Schella: 

Die DJ und Kuratorin Grace Schella schafft Räume für elektronische Live-Acts im Bereich Electro, Techno und will dabei den interkulturellen Austausch im Kunstkontext ermöglichen. Im Rahmen der IG Club Kultur setzt sich für strukturelle Verbesserungen in der Clubkultur ein und arbeitet regelmäßig an der Radiosendung Clubresonanzen auf orange 94.0 mit. Sie unterstützt derzeit die Auswertung der female:pressure FACTS Studie zur Geschlechterverteilung von Künstler*innen auf Festival-Line-ups, die in den nächsten Monaten veröffentlicht wird.


Seit etwa zwei Jahren steht sucre sucre immer wieder hinter den hiesigen und dasigen DJ-Pulten. Doch ihre Neugier für unterschiedlichste Genres beginnt schon viel früher, als sie klassischen Gesang im Chor lernt, während sie zwischen ostafrikanischer Musik und New-Wave-Platten aufwächst. Von da an entwickelt sich sucre sucre in viele Richtungen, stets darauf fokussiert, sich durch verschiedene Klänge auszudrücken. Ihre vielseitigen und unvorhersehbaren Sets zielen immer darauf ab, das zusammenzubringen, was scheinbar nicht sein soll: von barock bis balearisch, von Kraut bis Kwaito — und mit der Garantie, immer alles zu fühlen.
For an.schläge x missy, sucre sucre is digging deep for the best of balearic, disco and funk to find in her collection.

an.schläge – das feministische Magazin wird 40 – große Geburtstagsparty im WUK Performing Arts, 2. Dezember 2023

40 Jahre feministische Kämpfe, 40 Jahre unabhängiger, kritischer feministischer Journalismus: eine Geburtstagsparty im WUK mit Live-Bands, Performances, an.schläge-Specials – und einem all FLINTA Line-up!

Am 2. Dezember feierte an.schläge im ausverkauften WUK seinen Geburtstag. Die Party mit vielfältigem künstlerischem Line-up war ein großartiger Erfolg für das Magazin und inspirierte neue Vernetzungen innerhalb der feministischen künstlerischen Szene in Wien.

Die rauschende Partynach bot mit Auftritte von den Dives und Bex, Drag-King- und Voguing-Performances von Bro Homo und Kiki House of Dive, Geburtstagstorte, an.schläge-Goodies und DJ-Sets. Durch den Abend führte Denice Bourbon.

Denice Bourbon ist eine lesbisch/queere feministische Performancekünstlerin, Sängerin, Autorin, Moderatorin, Kuratorin, und Stand-Up-Comedian. Sie nutzt Humor und Unterhaltung als aktivistische Mittel, um auf politische Themen aufmerksam zu machen. 2017 hat sie den queeren Comedy-Club PCCC* mitgegründet, den sie seit 2020 als Moderatorin, BüroGenie und ComedyMother alleine leitet.
Denice ist laut, prüde und ziemlich dekadent.

BroHomo ist ein Drag-Kollektiv mit den Schwerpunkten Awareness und Repräsentation. Mit dem Zentrieren von Genderexpressionen und Identitäten abseits von Cis-Männlichkeit versucht BroHomo einem großen Teil der Queeren Community einen lang ersehnten Raum zu geben.
Auf der Brogenda steht: Maskulinität wird erst zerfotzt und dann neu gedeutet.
Die Bros veranstalten unter anderem queer feministische Drag Shows, Panel Talks und BROpenstages für queere Performer:innen.

Step into the world of ballroom with Venus, Nur, and Harmony from the vibrant Kiki House of Dive. This house, rooted in the rich tradition of Ballroom—an afrodiasporic, queer culture originating in 1970s Harlem—is funded by the house mother Karin Cheng. Dive embodies expression, empowerment, creativity, and activism. Join us on this transformative journey, where mutual support is key. So scream and chant for us and let’s support each other! ✨

BEX is a Vienna based rapper, singer and songwriter. Music has always played a very important role in her life, but never had the intention of pursuing music as a career. Ironically, the first time she recorded in a studio was for a „fun song“ but her best friend saw something in her that she didn’t know she had. From then on, she discovered a passion that made her fall even more in love with music.
Within a year of working on her newfound passion, she gained the attention from the Viennese music scene which garnered her two features on W1ZE’s EP „Down Low“, which was nominated for Best Sound at the AAMA. BEX’s strength lies in her ability to have fun and experiment with her sound. Her inspirations are a combination of different genres, she is not just a one-genre artist. As of now her goal is to create her own lane for everyone to enjoy and vibe to. She has unlocked her confidence, talent and the right amount of explicitness to give her listeners the needed break from their reality to escape into her fantasy.

DIVES ist eine Band aus Wien, bestehend aus Dora de Goederen, Tamara Leichtfried und Viktoria Kirner. Kennen­gelernt haben sich die drei 2015 teil­weise ohne Instru­men­ten­­­kennt­­­nis­se auf einer Musik­woche für Frauen, inter und trans Personen, dem so­ge­nannten Pink Noise Camp. Ab 2016 standen Dora, Tamara und Viktoria regel­mäßig als DIVES gemein­sam im Probe­raum. Seit ihrer Band­grün­dung 2016 haben DIVES rund 180 Konzerte in 16 ver­schie­denen Ländern Europas und darüber hinaus gespielt. Die Band veröffentlichte eine EP (“DIVES” 2017), ein Debütalbum (“Teenage Years Are Over” 2019) und ein zweites Album (“Wanna Take You There” 2022) via Siluh records.

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Männer sind so peinlich https://ansch.4lima.de/maenner-sind-so-peinlich/ https://ansch.4lima.de/maenner-sind-so-peinlich/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:53:56 +0000 https://anschlaege.at/?p=115336 Heterosexuelles Daten ist für Frauen oft kein Spaß und führt bei vielen zu „Heteropessimismus“. Ein Gefühl, das auch Sophia Krauss kennt, wenn sie gerade Männer datet. Letztens habe ich diesen Typen von Hinge gedatet«, erzählt mir meine Freundin Mika* aus Berlin, „der hat mich schon beim Abendessen die ganze Zeit unterbrochen. Irgendwann wollte er anfangen, […]]]>

Heterosexuelles Daten ist für Frauen oft kein Spaß und führt bei vielen zu „Heteropessimismus“. Ein Gefühl, das auch Sophia Krauss kennt, wenn sie gerade Männer datet.

Letztens habe ich diesen Typen von Hinge gedatet«, erzählt mir meine Freundin Mika* aus Berlin, „der hat mich schon beim Abendessen die ganze Zeit unterbrochen. Irgendwann wollte er anfangen, mir zu erklären, warum Feminismus und Sexarbeit nichts miteinander zu tun haben können, weil sich Sexarbeiter*innen dauernd selbst sexualisieren würden.“ Mika ist selbst Sexarbeiterin. Sie lacht ein bisschen peinlich berührt: „Jedenfalls war ich trotzdem horny und wir hatten Sex. Als ich ihn dann irgendwann später wieder getroffen habe, hatte ich aber keine Lust mehr, mit ihm zu schlafen. Er hat erst um einen Blowjob gebettelt und mich dann als ‚Bitch‘ beleidigt. Ich bin abgehauen und hab ihn überall blockiert. Und heute sehe ich, dass er mir auf dieser neuen Dating-App einen Superlike gegeben hat. Und er sucht in seiner Bio nach weiblichen Personen, die ‚respektvolle Kommunikation genauso schätzen‘ wie er. Männer sind so peinlich.“

Ich rede mit Freund*innen oft über den Wahnsinn des Heterodatings, den viele von uns kennen. Er steht für einen verwirrt-sexpositiven, großstädtischen Zeitgeist und verliert sich oft in der kapitalistischen Schnelllebigkeit von Dating-Märkten und Hook-up-Kultur. Und beinhaltet leider auch klischeehafte heterosexuelle Rollenbildern und Männlichkeit, die beim Daten oft deutlich zutage treten. Ich sitze am Ende eines eigentlich schönen Abends mit einem Mann in meinem Wohnzimmer. Wir küssen uns. Dann sagt er: „Wenn wir heute miteinander schlafen, verlier ich aber das Interesse. Ist bei mir immer so. Wenn beim ersten Date was mit der Frau geht, vergeht mir danach irgendwie die Lust.“ Weibliche, selbstbestimmte Sexualität törnt offenbar ab. Natürlich müssen Männer immer dominanter, erfahrener, lauter sein. Ich schreibe Mika: „Ich kann das alles nicht mehr!“ Sie antwortet: „Ich auch nicht!“

Einzementierte Rollen. Die Dating-App Bumble und das britische Unternehmen YouGov versuchten diese Erfahrungen 2022 mit einer Studie wissenschaftlich zu erfassen. Denn traditionelle Geschlechterrollen beeinflussen nicht nur, wie wir handeln, sondern bestimmen auch mit, was wir sexy, attraktiv und romantisch finden. So gaben 52 Prozent der Befragten an, dass von Männern beim Heterodating erwartet wird, derjenige zu sein, der zuerst nach einem Date fragt und den ersten Kuss initiiert. Von Frauen erwarten das hingegen bloß acht Prozent. Erschreckenderweise gaben auch 33 Prozent der befragten Frauen an, ihr Verhalten bei Verabredungen oder romantischen Beziehungen zu verändern, damit sich ihr Gegenüber stärker und sicherer fühlt. Weitere dreißig Prozent waren der Meinung, dass von Männern erwartet werde, nicht zu anhänglich oder interessiert zu wirken.

All das löst vor allem bei jungen heterosexuellen Frauen, die traditionellen Rollenbildern kritisch gegenüberstehen, manchmal ein Gefühl aus, das auch mich bisweilen überkommt, wenn ich gerade Männer date. Man könnte es Heteropessimismus nennen, so wie der US-Genderforscher Asa Seresin. Heteropessimismus beschreibt eine performative und zeitlich begrenzte Ablehnung von Heterosexualität und heterosexuellen Erfahrungen, die oft mit Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, des Bedauerns oder der Verlegenheit einhergeht.

Dating-Storys im Netz. Der grassierende Heteropessimismus in der Gen Z wird natürlich auch auf Social Media verhandelt. Die deutsche TikTokerin @evil_suki berichtet auf ihrem Account fast täglich von ihren Dating-Eskapaden mit Männern. So postet sie ein zerzaustes Video aus dem Hausflur – und berichtet davon, dass ihr Date ihr gestern noch seine Liebe gestanden hatte, bevor sie am Morgen danach benutzte Kondome in seinem Mülleimer gefunden hat. Ihren weiblichen Fans gibt sie bestärkende Ratschläge: „Du bist nicht seine Therapeutin. Du bist nicht seine Mami. (…) You all are doing too much! Pflegejobs sind anstrengend, und du machst ihn for free!“

13 Millionen Mal wurden Sukis ­Inhalte schon geliked. Ihre Kommentarspalte wirkt wie eine Unterhaltung mit einer realen Freund*innengruppe und die meisten der weiblichen Kommentierenden teilen Sukis Heteropessimismus. Trotzdem datet Suki weiter Männer – das beschreibt ziemlich gut, was gemeint ist, wenn Heteropessimismus als zeitlich begrenzte Ablehnung von heterosexuellen Erfahrungen beschrieben wird.

Das geteilte Leid heterosexueller Frauen bringt aber auch Kritikwürdiges hervor. So wünschen sich diese Frauen oft, „einfach lesbisch zu sein“. Dann wäre die Liebe einfacher. Aussagen wie diese fetischisieren jedoch queerlesbische Liebe als utopisch-sicheren Hafen jenseits von Gewalt. Dass Ungerechtigkeit und partner*innenschaftliche Gewalt aber auch Teil von lesbischen Beziehungen sind, muss dringend anerkannt werden. All unsere Beziehungen sind von verschiedenen Machtverhältnissen durchdrungen, auch Frauen und Queers können sich z. B. rassistisch gegenüber ihren Partner*innen verhalten. Außerdem wird bei diesem glorifizierenden Blick schnell vergessen, wie gefährlich queere Paare leben: Im Jahr 2022 registrierte der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland mehr als tausend queerfeindlich motivierte Straf- und Gewalttaten. So zu tun, als wäre queeres Leben ein einfacher Ausweg aus heterosexueller Ungerechtigkeit, ist also fast zynisch. Außerdem ist Queerness ein Ausdruck des eigenen Begehrens und sollte nie als Resultat gescheiterter Heterosexualität verstanden werden.

Altersdiskriminierung auf dem Dating-Markt. Die Ungerechtigkeiten der Heterosexualität betreffen auch ältere Frauen. Doch es sind nicht dieselben Ungeheuerlichkeiten, die viele jüngere Frauen beim Dating erleben, stattdessen werden Ältere ganz vom Dating-Markt verdrängt. Eine Studie an der University of Michigan hat das Online-­Dating-Verhalten in mehreren US-Großstädten untersucht und belegt, dass Frauen dort im Alter von 18 Jahren den Höhepunkt ihrer Attraktivität für heterosexuelle Männer erreichen. Danach nimmt diese ab. Auch dieser Aspekt des Heterodatings wird auf Social Media kritisch verhandelt: Die New Yorkerin Erika Gajda ist dreißig Jahre alt und betreibt seit Jahren @swipes4daddy auf Instagram. Sie hat ihre Tinder-Suche auf Männer ab 45 Jahren eingestellt. Auf Instagram postet sie Screenshots der schrägen Chats mit ihren Matches, welche die ganze Frechheit heterosexueller Männer offenlegen, die online nach wesentlich jüngeren Frauen suchen. Oft lässt Gajda ihre Follower*innen gleichzeitig belustigt und schockiert zurück. So wird sie auf Tinder einfach mit „I like them young and horny“ angeschrieben – mit dem Zusatz, dass das perfekte Alter für die zukünftige Partnerin eigentlich bei 17 läge und sie mit ihren damals 29 Jahren aber gerade noch jung genug sei.

Bei all diesen Memes bleibt ein unguter Beigeschmack. Sind sie doch ein Abbild realer Phänomene, das zeigt, welche gravierenden Folgen Heterosexualität für viele Frauen haben kann. Schon beim Dating werden sie in passive und anpassungswillige Rollen gedrängt. Daraus ergibt sich eine Dringlichkeit: Den Heteropessimismus gilt es nicht bloß auszuhalten, vielmehr sollten wir seine transformative und kritische Kraft nutzen. Er könnte als Ausgangspunkt für eine nötige feministische Wende im Dating dienen. Schließlich muss die Heterobeziehung kein Ort ewiger Ungleichheit bleiben, sondern kann neu verhandelt und gelebt werden. „Keine Zeit mehr für sowas, wirklich“, sagt Mika.

Sophia Krauss ist oft genervt von Dating zwischen Selbstbestimmung und Selbstoptimierung, neuen Dating-Apps und traditionellen Geschlechter­rollen. Trotzdem macht es ihr meistens Spaß, sich neu zu verlieben.

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Eine Spur härter https://ansch.4lima.de/eine-spur-haerter/ https://ansch.4lima.de/eine-spur-haerter/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:51:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=115340 Saioa Alvarez wurde 2023 mit dem renommierten Nestroy-Preis ausgezeichnet. Die Performerinmit Behinderung geht regelmäßig an ihre Grenzen – starke Rollen wie in „Ophelia’s Got Talent“soll es für alle Künstler*innen geben, fordert sie. Von Hannah Schmidt. Faszinierende Bühnenpräsenz«, „doppelbödiger Witz«, „Draufgängertum“ – so beschrieb die Jury des Nestroy-Preises im November vergangenen Jahres die Performerin Saioa Alvarez. […]]]>

Saioa Alvarez wurde 2023 mit dem renommierten Nestroy-Preis ausgezeichnet. Die Performerin
mit Behinderung geht regelmäßig an ihre Grenzen – starke Rollen wie in „Ophelia’s Got Talent“
soll es für alle Künstler*innen geben, fordert sie. Von Hannah Schmidt.

Faszinierende Bühnenpräsenz«, „doppelbödiger Witz«, „Draufgängertum“ – so beschrieb die Jury des Nestroy-Preises im November vergangenen Jahres die Performerin Saioa Alvarez. Sie mache „absolut nicht, was man von Menschen mit Behinderung im Theater gewohnt ist“. In ihrer Rolle in Florentina Holzingers „Ophelia’s Got Talent“ steppte sie nackt auf der Bühne, strippte als Magic Mike im Blaumann, erlebte eine Wassergeburt und hatte Sex in einem knallgelben Helikopter, der von der Decke hing. Den Preis als „beste Schauspielerin“ bekam sie somit auch für die Verkörperung einer Normalität, die man sich fürs Theater bisher nur wünschen kann. Eine Normalität, in der behinderte und queere Menschen ganz selbstverständlich alle Rollen spielen: „Ich sehe großen Bedarf an queeren behinderten Liebesgeschichten“, sagt Saioa Alvarez im an.schläge-Gespräch, „auch an einem behinderten queeren Actionfilm, einer Mafia mit einem weiblichen Boss. Also behinderte und queere Stories in allen Genres, im Tanztheater und im Film, in allen Berufs- und Altersgruppen und mit allen Herkünften.“

Saioa Alvarez ist 1990 in Bilbao geboren und kam im Alter von drei Jahren nach Deutschland. Sie hat Soziologie, Politik- und Medienwissenschaft sowie Theaterpädagogik studiert. Ihren höchsten Bildungsgrad erlangte sie allerdings durch das Leben mit Behinderung, ergänzt sie auf ihrer Website. Beim Gespräch im Dezember ist Saioa Alvarez in ihrer Berliner Wohnung, sie ist über Zoom zugeschaltet. Über „Ophelia’s Got Talent“ spricht die Performerin nicht zum ersten Mal, das ist klar, die Begeisterung ist ihr aber noch immer anzumerken. „Dass ich für physisch so intensive Produktionen gefragt werde, ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. „Dass mein Name assoziiert wird mit körperlicher Anstrengung, damit, Körper zu spüren und einzusetzen – das passiert nicht oft.“ Regisseurin Florentina Holzinger setzte wenige Grenzen und ließ der Fantasie ihrer Darsteller*innen freien Lauf. Die Magic-Mike-Parodie, der Tanz, „beides kam komplett von mir“, sagt Alvarez. Nackt zu sein auf der Bühne wurde durch die Arbeit am Stück für sie „zu einem komfortablen zweiten Outfit“: „Ich würde sagen, ich habe mir Scham abtrainiert. Teilweise spüre ich sogar eine Kombination aus diesem Nacktsein und einer gewissen Bro-igkeit, die ich mir mehr und mehr angeeignet habe.“

„Bro-igkeit“, das meint für sie das Spiel mit maskulinen Stereotypen, ihre Überzeichnung, ihre Aneignung. „Ich würde auf keinen Fall propagieren, dass es förderlich ist, als Flinta-Person toxische Männlichkeit zu reproduzieren und damit Scheiße in der Welt zu verbreiten.“ Aber es gebe auch neutrale Elemente, die durchaus effektvoll seien: „Raum einnehmen, laut sein – das ist etwas, das man sich ohne schlechtes Gewissen aneignen kann, weil Flinta das nicht von vorneherein selbstverständlich mitbekommen.“ Dabei hatte Saioa Alvarez nie ein Problem damit, laut zu sein: „Als Frau mit Behinderung und mit meiner überdurchschnittlich kleinen Körpergröße ist eine vernünftig laute Stimme auszubilden die Kompensation, um mit Nachdruck das zu bekommen, was du willst.“ Schon als Teil ihrer ersten Performance-Gruppe RAMPIG riss sie Hochzeitstauben aus Plastik den Kopf ab und bemalte sie mit roter Farbe, zeigte sich nackt, zerstörte Dinge und sorgte dafür, dass ihren Zuschauer*innen das Lachen im Halse stecken blieb. „Ich performe gerne Dinge, die ich normalerweise nicht tue“, sagt Saioa Alvarez, „ich bin auf der Bühne gerne eine Spur hässlicher, rauchender, lauter und härter als im Alltag.“

Das Publikum, sagt Saioa Alvarez, solle auf keinen Fall noch mehr von dem zu sehen bekommen, was ohnehin schon überall zu sehen ist. Ständige Reproduktion der gleichen Stereotype, die auch mit der Normalisierung bestehender Machtverhältnisse und Rechtfertigung von Gewalt einhergeht – einfach nein. „Es muss keine Rolle mit Behinderung sein, damit ich sie verkörpern kann“, sagt sie. „Ich will die Rollen der Nichtbehinderten und sie einfach alle behindert machen. Das ist meine Spezialität.“

Hannah Schmidt ist freiberufliche Musikjournalistin und schreibt unter anderem für das Feuilleton der ZEIT, den WDR, SWR und BR. 2023 hat sie zusammen mit dem Frauenkulturbüro NRW das Buch „Dirigent*innen im Fokus – Warum die klassische Musik fundierte Machtkritik braucht“ herausgegeben.

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Einsteigermodell für Feminismus https://ansch.4lima.de/einsteigermodell-fuer-feminismus/ https://ansch.4lima.de/einsteigermodell-fuer-feminismus/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:50:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=115332 Als männliches bzw. nicht-binäres Cheerleading-Team feuern die „Fearleaders“ die Spieler*innen des Vienna Roller Derby an. Naomi Lobnig hat bei Andreas Fleck und Romed Felderer nachgefragt, wie sie ihre eigene Männlichkeit reflektieren – und was das nachfolgenden Generationen bringt. an.schläge: Bei euren Auftritten tragt ihr knappe Hotpants mit Hosenträgern und hautenge Shirts. Warum gerade solche Outfits? […]]]>

Als männliches bzw. nicht-binäres Cheerleading-Team feuern die „Fearleaders“ die Spieler*innen des Vienna Roller Derby an. Naomi Lobnig hat bei Andreas Fleck und Romed Felderer nachgefragt, wie sie ihre eigene Männlichkeit reflektieren – und was das nachfolgenden Generationen bringt.

an.schläge: Bei euren Auftritten tragt ihr knappe Hotpants mit Hosenträgern und hautenge Shirts. Warum gerade solche Outfits?

Andreas Fleck: Wir möchten so Sexismus im Cheerleading zum Thema machen. Warum ist es für den männlichen Blick normal, leicht bekleidete Frauen zu sehen, die ihre Sportkollegen am Feld anfeuern? Warum wirkt das in die andere Richtung, also wenn Männer das machen, absurd oder lächerlich? Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Männer sich in knappen Outfits präsentieren.

Gleichzeitig ist es auch eine gewisse Form von Freiheit, die man sich in seiner Männlichkeit nimmt, indem man mal ausprobiert, sich in solchen Outfits zu bewegen, zu präsentieren oder andere Seiten an sich zu entdecken.

Ist es also eine Strategie gegen Sexismus?

Romed Felderer: Es ist ein Versuch, sexistische Strukturen aufzuzeigen. Wie gut das funktioniert, ist schwer zu sagen. Ich bezeichne uns gerne als „Einsteigermodell für Feminismus“. Ich weiß zum Beispiel, dass wir von Lehrpersonen an Schulen als niederschwelliges Beispiel verwendet werden, um Diskussionen zu Rollenbildern und Geschlechtererwartungen anzuregen.
A.: Ich glaube, es funktioniert sehr stark über die Spiegelwirkung: Wir spiegeln etwas, das es sowieso schon gibt. Dadurch entsteht die Möglichkeit zur Reflexion auf mehreren Ebenen.

Wie haben die Fearleaders euch selbst beeinflusst?

R.: Die Fearleaders sind nicht als Vorzeigemodell gegründet worden, es gibt bei uns sicher auch einiges, das vielleicht sogar als „toxische Männlichkeit“ bezeichnet werden kann. Ich schätze an den Fearleaders aber sehr, dass wir gemeinsam darüber diskutieren, was wir besser machen können. Und als Mitglied habe ich stark davon profitiert in meiner Auseinandersetzung mit dem Thema Männlichkeit und wie ich persönlich Männlichkeit leben will.
A.: Bei vielen von uns hat die eigene Vaterschaft eine neue Auseinandersetzung mit dem Thema Männlichkeit angestoßen. Wir reflektieren, was für Männlichkeitsbilder wir an unsere Kinder bzw. an diese nächste Generation weitergeben wollen.

Für wen möchtet ihr als Fearleaders Vorbild sein?

A.: Wir möchten Themen zu Sexismus, Feminismus oder Männlichkeit möglichst niederschwellig aufgreifen, damit Männer – es betrifft ja nicht nur Männer, es betrifft die Gesellschaft als Ganzes – einen leichten, aber dennoch konkreten Zugang finden können. In dem Sinne hoffe ich, dass wir Vorbild für ein möglichst breites Publikum sind. In unserem diesjährigen Kalender „Reframing Masculinity“ haben wir uns mit unseren eigenen Vorbildern auseinandergesetzt und darüber nachgedacht, mit welchen Männlichkeitsbildern wir in unserer Kindheit konfrontiert worden sind. Wenn man so einen Rückblick wagt, kommt einem mitunter das Schaudern. Es ist also wichtig, darüber nachzudenken, welche Formen von Männlichkeiten und welche Vorbilder den nächsten Generationen offenstehen. Es gilt, neue Blicke auf Männlichkeit zu ermöglichen, die sich von klassischen Attributen wie Stärke und Aggressivität verabschieden.
R.: Traditionell kommen viele von uns aus dem Sportstudium. Für angehende Turnlehrer ist der Zugang zu Männlichkeiten im Sport, den wir bei den Fearleaders leben, einer, den sie auch in den Schulbetrieb mitnehmen können. Inzwischen ist auch ein ehemaliger Schüler eines Fearleaders bei uns dabei.

Reframing Masculinity – wie kann das gelingen?

A.: Wir haben uns ein völlig blödsinniges System geschaffen, eine Mischung aus Kapitalismus und Patriarchat, in dem wir nun unsere Kinder großziehen sollen. Wir müssen dieses ganze System von Grund auf neu denken. Da liegen so viele Dinge im Argen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Natürlich können wir als Fearleaders das Patriarchat nicht abschaffen oder den Kapitalismus zerstören, aber wir können zumindest drüber reden, dass es nicht cool ist.

Wer Lust auf den Fearleaders-Kalender für 2024 bekommen hat:
www.fearleadersvienna.com. Das nächste Heimspiel des Vienna Roller Derby findet am 16.3.2024 statt.

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Ein Mann wird nicht zum Opfer https://ansch.4lima.de/ein-mann-wird-nicht-zum-opfer/ https://ansch.4lima.de/ein-mann-wird-nicht-zum-opfer/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:50:04 +0000 https://anschlaege.at/?p=115327 Selim Akmese arbeitet als forensischer Therapeut mit verurteilten Tätern. Lea Susemichel und Brigitte Theißl haben ihn gefragt, wieso Männer gewalttätig werden und was es braucht, um das zu ändern. an.schläge: Wie konkret sieht Ihre Arbeit mit Gewalttätern aus? Selim Akmese: Die Arbeit im forensischen Bereich besteht aus wöchentlichen Terminen, die der Therapeut mit dem Insassen/Klienten […]]]>

Selim Akmese arbeitet als forensischer Therapeut mit verurteilten Tätern. Lea Susemichel und Brigitte Theißl haben ihn gefragt, wieso Männer gewalttätig werden und was es braucht, um das zu ändern.

an.schläge: Wie konkret sieht Ihre Arbeit mit Gewalttätern aus?

Selim Akmese: Die Arbeit im forensischen Bereich besteht aus wöchentlichen Terminen, die der Therapeut mit dem Insassen/Klienten hat. Dabei geht es, vereinfacht ausgedrückt, hauptsächlich um Delikt-Einsicht und Verantwortungsübernahme, um neue Konfliktlösungsstrategien und die Entwicklung von Empathie mit den Opfern. Das Setting unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Psychotherapie-Sitzungen. Auch hier ist sehr wichtig, eine tragfähige Beziehung für die therapeutische Arbeit aufzubauen.

Die meisten Insassen erlebe ich als sehr compliant (Anm.: Compliance meint Therapietreue, also die bereitwillige Mitarbeit und das Einhalten der therapeutischen Maßnahmen).

Meiner Erfahrung nach waren den meisten Gewalttätern die Konsequenzen und die Reichweite ihrer Taten nicht bewusst. Wenn sie realisieren, was sie anderen Menschen angetan haben, beginnt eine Phase der Reue. Ob diese Reue authentisch ist, zeigt sich später. Denn eine Therapie bringt für einen Insassen nicht nur den Vorteil der persönlichen Auseinandersetzung, sondern oft auch Haft-Lockerungen.

Wer sind die Männer, mit denen Sie arbeiten?

Ich habe zum Beispiel den Fall eines Familien­vaters (ein Akademiker), der wegen dreifachen Mordes verurteilt ist. Er ist mit seinen Kränkungen und Ängsten, verlassen zu werden, nicht fertig geworden. Vor sich selbst versuchte er jedoch lange Zeit, seine Tat religiös zu begründen und als vorherbestimmtes Schicksal zu rechtfertigen. Er ist im Maßnahmenvollzug (Anm.: So wird die Unterbringung von Rechtsbrecher:innen mit psychischen Erkrankungen bezeichnet). Mittlerweile distanziert er sich von diesen Erklärungen und setzt sich mit dem Delikt auseinander. Therapeutisch herausfordernd wird es, wenn es keine Verantwortungsübernahme gibt oder die Tat überhaupt geleugnet wird. Natürlich wird es auch schwieriger, wenn eine psychiatrische Diagnose als Risikofaktor existiert, die mitunter auch die Einsicht erschwert.

Wie schwer fällt es Ihnen, empathisch auf solche Täter einzugehen? Braucht es überhaupt Empathie, um therapeutisch gut mit Tätern arbeiten zu können?

Zunächst ist wichtig klarzustellen: Wenn man Empathie mit dem Täter hat, bezieht sich die Empathie nicht auf das Delikt, sondern auf die Person, die einem gegenübersitzt. Zu verstehen, warum der Täter diese Tat begangen hat, ist enorm wichtig. Wenn Empathie also die Fähigkeit und Bereitschaft meint, die Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu verstehen, ist sie für den therapeutischen Prozess wichtig. Es braucht einerseits eine Beziehung mit dem Täter, aber auch eine Neutralität, die es erlaubt, Distanz zu ­wahren.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass man im forensischen Bereich nicht unbedingt immer Empathie braucht, um mit einem Insassen gut zu arbeiten. Zu viel Empathie kann für den therapeutischen Prozess manchmal sogar hinderlich sein.

Männliche Gewalt hat nichts mit dem sozialen Status zu tun und Gewalttäter finden sich in allen Gesellschaftsschichten. Lassen sich dennoch Gemeinsamkeiten feststellen? Haben Gewalttäter zum Beispiel selbst oft Gewalt erlebt oder unter autoritären Vätern gelitten?

Das stimmt, Gewalttäter finden sich in allen Bevölkerungsschichten und haben auch ganz unterschiedliche Bildungsniveaus. Vom Akademiker bis zum Analphabeten, von Familienvätern bis zum Einzelgänger habe ich ganz unterschiedliche Männer in Behandlung. Dementsprechend gibt es auch unterschiedliche Motive für die Taten.

Obwohl sie auch unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben, ist vielen aber tatsächlich gemeinsam, dass in ihrer Kindheit Gewalt als Erziehungsmethode eingesetzt wurde. Viele haben bisher aber gar nicht als Gewalt definiert, was sie selbst erlebt haben, vor der Therapie haben sie sich selbst nie als Opfer von Gewalt gesehen. Das hat natürlich mit herrschenden Männlichkeitsbildern zu tun. „Ein Mann wird nicht zum Opfer“ ist die Devise. Und nicht nur in den Familien, sondern auch in staatlichen Institutionen wie Schulen, Heimen oder beim Militär wurde bzw. wird Gewalt verherrlicht und als Methode eingesetzt. Es sind auch Männer dabei, die aus Krisen- oder Kriegsgebieten stammen, für sie hat Gewalt eine ganz andere Normalität. Die deutliche Positionierung des Therapeuten gegen jede Form von Gewalt und besonders gegen männliche Gewalt gegen Frauen hilft, einen klaren Rahmen zu schaffen.

Sie arbeiten mehrsprachig, auch auf Kurdisch und Türkisch, welche Vorteile hat das in der therapeutischen Arbeit?
Die Muttersprache bietet einen besseren Zugang zu einem Menschen, das ist bei der Täterarbeit nicht anders als in der normalen Psychotherapie. Oft ist es essentiell, auf die Wortwahl, auf Redewendungen und Begrifflichkeiten zu achten. Diese geben uns wichtige Informationen über die innere Welt und die Motivationen des Täters, sprachliche Feinheiten sind aus therapeutischer Sicht also sehr wertvoll. In unserer Muttersprache steckt auch unsere Sozialisation mit allen Erfahrungen, Wertvorstellungen und Denkmustern, da finden sich oft auch unausgesprochene und unbewusste Erklärungen für die Tat.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Studien belegen, dass Psychotherapie im forensischen Bereich, also bei Gewalt, eine gute Rückfallprophylaxe darstellt. Dabei ist wichtig, dass in der Therapie ein Prozess startet, der sich mit den dysfunktionalen persönlichen Anteilen befasst, damit eine gewisse Delikteinsicht erreicht wird und auch die volle Verantwortung für die Tat (ohne Wenn und Aber) übernommen wird. Es muss außerdem auch eine Emotionsregulation und ein neuer Umgang mit den Emotionen stattfinden.

Männliche Gewalt endet im schlimmsten Fall tödlich, das zeigt die erschreckende Femizid-Statistik in Österreich. Was wären dringend nötige Präventivmaßnahmen, um Männergewalt zu beenden? Wo ist hier die Politik säumig?

Ja, leider. Im Jahr 2023 gab es 27 Femizide und 51 Mordversuche in Österreich. Das sind schreckliche Zahlen. Es braucht politische und gesellschaftliche Strategien, um hier etwas zu verändern. Neben dem Ausbau der ­Frauen- und Opferschutzarbeit sollte dabei der gewaltpräventiven Männerarbeit mehr Aufmerksamkeit zukommen, für die opferschutz­orientierte Täterarbeit braucht es unbedingt mehr finanzielle Ressourcen. Die Politik muss bessere Rahmenbedingungen schaffen, das tut sie nicht mit der nötigen Entschlossenheit.

Immer wieder begehen Männer Femizide, die schon vorher etwa polizeiliche Wegweisungen erfahren haben. Gibt es hier Lücken bei der Täterarbeit? Wie gut kann es überhaupt gelingen, die Gefährlichkeit von Tätern einzuschätzen?

Mit der verpflichtenden Beratung nach einem Betretungsverbot, die seit einigen Jahren in Kraft ist, wurde ein wichtiger Schritt unternommen, um vor allem Hochrisikofälle besser erkennen zu können. Aber viele Männer hängen nach den bloß sechs Stunden verpflichtender Beratung in der Luft. Hier braucht es längere und intensivere Interventionen, die viele Männer benötigen, um nicht rückfällig zu werden. Etwa in Form der Antigewalttherapie (AGT) in der Männerberatung, die sehr erfahrene Kolleg:innen durchführen. Es gibt dabei viele Instrumente, um die Gefährlichkeit eines Täters gut einschätzen zu können.

Aktuell fährt das Sozialministerium die Kampagne „Mann spricht’s an“ gegen männliche Gewalt. Gesamtgesellschaftlich ist Männergewalt und deren Prävention kaum Thema. Wie schätzen Sie die Bedeutung bzw. Wirkung von Kampagnenarbeit und medialer Verhandlung des Themas ein?

Öffentlichkeits- und Bewusstseinsarbeit ist ein sehr wichtiger Baustein, um Männer für das Thema zu sensibilisieren. Die Kampagne des Ministeriums ist auf jeden Fall gut und wichtig, auch die Arbeit z. B. von White Ribbon Österreich, die männliche Zielgruppen mit Öffentlichkeitsarbeit direkt ansprechen. Männer sind sich vieler Gewaltformen oder auch eigener Privilegien nicht bewusst, es braucht deshalb männerspezifische Interventionen. Sie sind umso notwendiger, weil antifeministische Aktivitäten im Internet in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen haben.

Die gesellschaftliche Ächtung von Tätern wie Teichtmeister ist groß, in solchen Fällen wird – vor allem von rechts – gerne auch mal die Todesstrafe gefordert. Mal abgesehen davon, dass es um unterschiedliche Delikte geht: Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen so einer Dämonisierung einerseits und der Bagatellisierung von Übergriffen in vielen anderen mutmaßlichen Fällen (Rammstein, Johnny Depp, Depardieu etc.) andererseits?

Ja, auf der einen Seite gibt es die soziale Ächtung von Gewalt, wenn sie der eigenen Agenda dient, ein anderes Mal wird diese Gewalt offensiv geleugnet. Ich denke, das sind zwei Seiten der gleichen patriarchalen ­Medaille: einmal die gewaltvoll-autoritär strafende Seite und andererseits jene Seite, die die eigenen Privilegien und Gewaltformen leugnet. Die hegemoniale toxische Männlichkeit hat Strukturen etabliert, die sie schützt. Diese Machtstrukturen, die auf Unterdrückung aufbauen, müssen beseitigt werden.

Wir werden Gewalt in allen Formen nur erfolgreich bekämpfen können, wenn wir als Gesellschaft wesentlich reflektierter und auch selbstkritischer mit dem Thema umgehen – und vor allem die Perspektive der Gewaltbetroffenen in den Mittelpunkt stellen.

Selim Akmese ist Mitarbeiter der Männerberatung im Bereich der Gewaltprävention (Projekt META – mehrsprachige Täterarbeit). Er ist außerdem im Bereich der forensischen Psychotherapie in der Justizanstalt Stein tätig.

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Die EU verriegelt die Tür https://ansch.4lima.de/die-eu-verriegelt-die-tuer/ https://ansch.4lima.de/die-eu-verriegelt-die-tuer/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:49:18 +0000 https://anschlaege.at/?p=115347 Pünktlich zu Weihnachten, beim letzten Treffen der EU Staats- und Regierungschef*innen unter spanischer Ratspräsidentschaft, wurde die Einigung zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) verkündet. Die Europäische Union macht Abschottung und die Abkehr von Humanität damit zur offiziellen Politik.

Seit vielen Jahren wurde um die tatsächlich dringend notwendige Reform der GEAS gerungen und dabei auf die angebliche Alternativlosigkeit einer Verschärfung gepocht. Dabei wurde wieder und wieder, längst auch in der politischen Mitte, die rechtspopulistische Erzählung von vermeintlichen Pull-Faktoren wiederholt, obwohl diese längst wissenschaftlich widerlegt ist. Klar ist: Eine Verschärfung der GEAS wird nicht zu weniger Flucht und Migration führen, sondern zu mehr unsagbarem Leid, zu mehr Toten im Mittelmeer und anderswo an den EU-Außengrenzen.

Asylverfahren sollen nun direkt an den Außengrenzen innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten durchgeführt werden. So lange sollen Geflüchtete in Lagern festgehalten werden. Eine Abwicklung der Verfahren an den Außengrenzen kann fehlerhaft sein, die Chancen, Widerspruch gegen einen negativen Beschluss einzulegen, sind gering. Das Ziel ist klar: vermehrt Abschiebungen durchsetzen. Damit wird eine bereits existierende Praxis legalisiert: Asylsuchende für Monate in Lagern in Griechenland, in Italien oder anderswo zu internieren. Um mehr Abschiebungen vornehmen zu können, ebnet die GEAS auch den Weg zur Anerkennung von sogenannten sicheren Drittstaaten. Weitere „Migrationsdeals“ mit despotischen Regimen wie in der Türkei oder Tunesien werden in absehbarer Zeit besiegelt werden.

Viel wird gewarnt vor einem bevorstehenden Rechtsruck nach den kommenden Europawahlen. Doch der Rechtsruck ist jetzt. In der Adventszeit hat die Ankündigung, dass bald Kinder in geschlossenen Haftlagern ausharren müssen, lediglich zur Empörung bei einschlägigen Hilfsorganisationen und einigen wenigen Politiker*innen geführt. Der große Aufschrei ist ausgeblieben, dunkle Zeiten stehen bevor: für die EU, die sich auf Humanität und Menschenrechte beruft. Besonders aber für jene, die unserer Hilfe dringend brauchen.

Carlotta Weber arbeitet für die Europäische Grüne Partei in Brüssel und ist im period.-Team.

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Anarchie von damals https://ansch.4lima.de/anarchie-von-damals/ https://ansch.4lima.de/anarchie-von-damals/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:49:03 +0000 https://anschlaege.at/?p=115343 Vor ein paar Jahren war ich bei den libertären Tagen in Dresden, um dort einen Vortrag zu halten. Die Veranstalter*innen brachten mich bei einer jungen, akademischen Anarchistin unter. Als ich ihre schicke Wohnung in Dresden-Neustadt sah, dachte ich an die Zeit zwischen 1983 und 1985, als ich in dem Stadtteil wohnte und als Postbotin, bei der Altenhilfe und am Fließband arbeitete. Der Kontrast war enorm. Ich lebte dort zu DDR-Zeiten ganz oben unterm Dach mit Außenklo und Blech-Waschbecken im Hausflur. Ein Zimmer hatte eine Ofenheizung, eins war unbeheizt. Einen Gang musste ich als Küche nutzen und mir dafür selbst eine Herdplatte besorgen. Meine Nachbar*innen waren ein Punk, ein Hippie und eine zukünftige Theologie-Studentin, was bei ihr mit einer Protesthaltung zu tun hatte. Der sogenannte Hausbuchführer, der in der DDR die Daten aller Mieter*innen protokollieren sollte, sagte einmal zu uns: „Unter Hitler hätten sie euch vergast.“

Die Alaunstraße, in der wir damals wohnten, ist heute die Ausgehmeile eines gentrifizierten Stadtteils, in dem ich mir keine Wohnung mehr leisten könnte. Zu DDR-Zeiten zahlte ich dort eine Miete von 21,60 DDR-Mark. Wir hatten keine Angst vor Wohnungslosigkeit, denn es gab ein Recht auf Wohnen, zugleich verfiel allerdings die Altbausubstanz. Wir waren meilenweit entfernt vom heutigen Lebensstandard vieler akademischer Linker bürgerlicher Herkunft.

Am aktuellen Anarchismus begann ich zu zweifeln, als jemand in der Bibliothek der Freien in Berlin seine Doktorarbeit zu Hölderlin vorstellte. Er stilisierte Hölderlin zum Anarchisten, verschwieg aber peinlichst, dass dieser lange im Wahn lebte. Warum? Weil der anarchistische Vortragende auch nur bürgerliche Normen verinnerlicht hatte?

Ich bin froh, zwei Gesellschaftssysteme erlebt zu haben und vergleichen zu können. Aber mit der Rückwärtsgewandtheit, nicht nur bei den Rechten, sondern auch bei Linken, kann ich nichts anfangen. In Zeiten der Gefahr einer dystopischen Zukunft reden sich viele die Vergangenheit schön. Wir brauchen aber neue Alternativen und Utopien für eine bessere Welt. Anarchismus kann hilfreich sein, wenn die Anarchist*innen nicht in der Vergangenheit stecken bleiben

Anne Seeck ist aktive Rentnerin.

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Präfaschistische Zeiten https://ansch.4lima.de/praefaschistische-zeiten/ https://ansch.4lima.de/praefaschistische-zeiten/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:48:09 +0000 https://anschlaege.at/?p=115349 Es ist ein fast schon dystopisches Bild, das sich zu Jahresbeginn in Rom bietet: Hunderte Rechtsextreme versammeln sich in der Hauptstadt, angeführt von der faschistischen Organisation „Casa Pound“. Zum Rechteck formiert stehen sie militärisch aufgereiht und strecken die rechte Hand zum „römischen Gruß“ in die Höhe – es ist das italienische Äquivalent zum Hitlergruß. Die […]]]>

Es ist ein fast schon dystopisches Bild, das sich zu Jahresbeginn in Rom bietet: Hunderte Rechtsextreme versammeln sich in der Hauptstadt, angeführt von der faschistischen Organisation „Casa Pound“. Zum Rechteck formiert stehen sie militärisch aufgereiht und strecken die rechte Hand zum „römischen Gruß“ in die Höhe – es ist das italienische Äquivalent zum Hitlergruß. Die „Faschisten des 3. Jahrtausends“ gedachten dreier Opfer eines linksterroristischen Anschlags im Jahr 1978, die Polizei sah keinen Anlass, einzuschreiten – auch die „postfaschistische“ Regierungschefin Meloni hüllte sich in Schweigen. Rechtsextreme und faschistische breiten sich (nicht nur) in Europa wieder aus – Politikwissenschafter*innen wie Natascha Strobl warnen davor, dass wir längst in „präfaschistischen Verhältnissen“ leben würden. Rechte Parteien und Gruppierungen eint nicht nur ein verbissener wie menschenverachtender Kampf gegen die „Genderideologie“, ihr großes Ziel ist eine Aushebelung des Asylrechts. Dabei ist eine massive Verschärfung von Migrations- und Asylpolitiken bereits jetzt Realität.

Im Dezember einigten sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf eine sogenannte „Asylreform“, die ein einheitliches Asylverfahren an den Außengrenzen, eine Neudefinition sicherer Drittstaaten sowie einer Neuregelung der Verteilung von Asylwerbenden in den Mitgliedsstaaten vorsieht. Konkret bedeutet dies für Geflüchtete, dass es ihnen nahezu verunmöglicht wird, ein faires Verfahren mit genügend Zeit und Ressourcen in europäischen Binnenländern zu erhalten. Stattdessen müssen sie bis zum Bescheid unter haftähnlichen Bedingungen in „Camps“ an den Außengrenzen verharren. Weiters sollen die Kriterien für die Einstufung eines Drittstaats als „sicher“ verändert werden. Was nicht nur heißt, dass Geflüchtete problemlos in – wirklich überhaupt nicht sichere – Herkunftsländer abgeschoben werden können, sondern auch, dass die EU ihre Tore für Deals mit autokratischen Staaten noch weiter öffnet. Nichts davon dient tatsächlich dazu, wie gerne von Regierungen argumentiert wird, das große Sterben im Mittelmeer zu beenden. Es werden wohl genauso viele Menschen im Mittelmeer und an den EU-Außengrenzen sterben wie zuvor, die Festung Europa schottet sich nur ein Stück weiter ab.

Auch innerhalb von EU-Staaten werden Asylpolitiken wieder restriktiver. Dazu müssen nicht einmal Gesetze geändert werden, es reicht schon, Gesetzestexte strenger auszulegen. Das zeigt etwa ein Fall in Niederösterreich, wo ein asylwerbender Bräutigam während seiner Trauung auf dem Standesamt in Schubhaft genommen wurde. Asylrechtsanwalt Klammer bestätigt, dass dieses Verfahren zwar nicht per se rechtlich unzulässig, allerdings grausam und willkürlich sei – und in den letzten Jahren deshalb auch nie vorkam.

Solche Gesetze und Maßnahmen werden von großen Teilen der Bevölkerung begrüßt – oder zumindest nicht bekämpft. Daneben formieren sich die „rechten Ränder der Gesellschaft“ noch stärker als zuvor. Das Treffen rechtsextremer Kräfte in Deutschland vom 25. November 2023 zeigt das deutlich. Bei dieser geheimen Zusammenkunft, von der die Medien Wind bekamen, entwarfen unter anderem Mitglieder der AfD und der Identitären ehrgeizige Pläne, wie Asylwerbende – mit oder ohne Aufenthaltstitel – abgeschoben werden können. Auch „nicht assimilierte Staatsbürger“ solle es treffen, wie es der Identitären-Vordenker Martin Sellner formulierte. Was bizarr klingen mag, ist bitterer Ernst, es gibt bereits finanzielle Unterstützung, Marketingideen und eine über Jahre gewachsene rassistische politische Infrastruktur dafür. „Wenn ihr das nicht erkennt, habt ihr bereits verloren: nicht den Kampf, aber eure Menschlichkeit, euer Rückgrat und damit eure Freiheit“, kommentiert das der Verein Asyl in Not. Es sind eben nicht nur jene „rechten Ränder“, die Freiheits- und Grundrechte bedrohen. Konservatismus, Rassismus und rechtsextreme Einstellungen sind in allen Schichten der österreichischen und deutschen Gesellschaft, in den Strukturen aller Institutionen, in Schulen, Medien und Parteien zu finden. Es sind nicht nur Asylwerbende und Migrant*innen, die verlieren, wenn Faschisten Macht erlangen, es wird alle treffen. Ende Jänner gingen in deutschen Städten Hunderttausende auf die Straße, um gegen den Vormarsch der AfD zu protestieren. Es kann dies nur der Anfang sein.

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Feminist Superheroines: Wangari Maathai https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-wangari-maathai/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-wangari-maathai/#respond Fri, 02 Feb 2024 04:47:36 +0000 https://anschlaege.at/?p=115353 Wangari Maathai war eine zentrale Identifikationsfigur der Frauenbewegung in Kenia. 1977 gründete sie das „Green Belt Movement“, eine Umweltschutzorganisation, die unter anderem auf die Situation kenianischer Bäuerinnen aufmerksam machte. 1940 in Kenia geboren, war die Professorin für Veterinäranatomie, Politikerin und stellvertretende Ministerin für Umweltschutz die erste Frau in Ost- und Zentralafrika, die einen Doktortitel erhielt […]]]>

Wangari Maathai war eine zentrale Identifikationsfigur der Frauenbewegung in Kenia. 1977 gründete sie das „Green Belt Movement“, eine Umweltschutzorganisation, die unter anderem auf die Situation kenianischer Bäuerinnen aufmerksam machte. 1940 in Kenia geboren, war die Professorin für Veterinäranatomie, Politikerin und stellvertretende Ministerin für Umweltschutz die erste Frau in Ost- und Zentralafrika, die einen Doktortitel erhielt und die erste afrikanische Frau überhaupt, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde (2004). Als erste grüne Politikerin Afrikas kam sie in Regierungsverantwortung. Von 1976 bis zu ihrem Tod 2011 war sie in Kenias Nationalem Frauenrat aktiv. [mill]

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