VII/2023 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Wed, 29 Nov 2023 14:18:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png VII/2023 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Ohnmacht und Staatsmacht https://ansch.4lima.de/ohnmacht-und-staatsmacht/ https://ansch.4lima.de/ohnmacht-und-staatsmacht/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:47:39 +0000 https://anschlaege.at/?p=112740 Illustration: Sabrina WegererWährend meines Studiums habe ich sehr viel Foucault gelesen. Der französische Philosoph ist bekannt für seine Analysen von Macht. Seither kann auch ich nicht mehr durch die Welt gehen, ohne überall selbst feinste Machtverhältnisse zu sehen und zu analysieren, wo denn hier die Handlungsmacht des Individuums beginnt und wo sie aufhört. Welche Subjektpositionen vom Staat […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Während meines Studiums habe ich sehr viel Foucault gelesen. Der französische Philosoph ist bekannt für seine Analysen von Macht. Seither kann auch ich nicht mehr durch die Welt gehen, ohne überall selbst feinste Machtverhältnisse zu sehen und zu analysieren, wo denn hier die Handlungsmacht des Individuums beginnt und wo sie aufhört. Welche Subjektpositionen vom Staat – um mit Foucault zu sprechen – wie genau regiert werden.

Als queere Person spüre ich dieses „regiert werden“ schon lange sehr deutlich. Es sind die kleinen Momente, die ein bisschen stechen und piksen, immer wenn ich realisiere, dass ich gerade aus der Norm falle. Ich habe sie bisher meist in kleinen Dosen gespürt, diese Macht der Normen, zum Beispiel durch seltsame Blicke auf der Straße, Misgendering oder Nicht-Repräsentation in Filmen und Büchern. Doch das hat sich schlagartig geändert, als eine Freundin und ich Anfang des Jahres gemeinsam beschlossen haben, Pflegeeltern zu werden. Noch nie zuvor hatte ich so stark wahrgenommen, wie krass dieser Staat über mein Leben bestimmen kann. Es ist nämlich nicht verboten, als platonische Freund*innen ein Pflegekind aufzunehmen, aber es ist – hier sind sie wieder, die Normen – doch irgendwie seltsam. Wir mussten also genau unter die Lupe genommen werden. Wir wurden zu unserer Wohnform befragt, zu unserer Sexualität und Geschichte, warum und woher und wie lange und wie gut wir uns kennen. Stets mit dem kritischen Blick, den mensch auch einem unbekannten Insekt zuwerfen würde, bei dem noch nicht eingeschätzt werden kann, ob es harmlos ist oder nicht.

Wir haben sie über uns ergehen lassen, diese Verhöre und Überprüfungen, die keines der monogamen, romantischen Heteropaare, die sich ebenfalls für eine Pflegeelternschaft interessierten, absolvieren musste. Mehr noch, wir haben versucht, sie möglichst souverän zu bestehen, um nicht noch zusätzliche „Probleme“ zu bereiten. Es hat sich beschissen angefühlt, so autoritätshörig nach diesen Regeln zu spielen – doch was wäre die Alternative gewesen?

Sophia Foux bastelt an ihrer Elternschaft und daran, sich im staatlichen Behördenapparat möglichst viel Handlungsmacht zurück zu erkämpfen.

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Feminist Superheroines: Kishida Toshiko https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-kishida-toshiko/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-kishida-toshiko/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:47:09 +0000 https://anschlaege.at/?p=112746 Kishida Toshiko gilt als eine der ersten japanischen Feministinnen. Als Schriftstellerin publizierte sie unter dem Pseudonym Shoen. Geboren 1863 in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie in der Präfektur Kyoto, wurde sie bereits mit 16 Jahren im japanischen Kaiserhaus als literarische Beraterin beschäftigt. Zwei Jahre später verlässt sie den Hof, denn er sei „ein Haus voll schöner Frauen, […]]]>

Kishida Toshiko gilt als eine der ersten japanischen Feministinnen. Als Schriftstellerin publizierte sie unter dem Pseudonym Shoen. Geboren 1863 in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie in der Präfektur Kyoto, wurde sie bereits mit 16 Jahren im japanischen Kaiserhaus als literarische Beraterin beschäftigt. Zwei Jahre später verlässt sie den Hof, denn er sei „ein Haus voll schöner Frauen, voll Langeweile und ein Symbol für die Ausbeutung von Frauen“. So beginnt ihr Kampf für ­Frauenrechte: Sie reist durch Japan und hält öffentliche politische Reden, darin fordert sie etwa den uneingeschränkten Zugang für Frauen zu den japanischen Bildungseinrichtungen. Ihre Rede „Töchter in Käfigen“ bei einem Kongress der Liberalen Partei 1883 führte sogar zu ihrer unverzüglichen Verhaftung. Ihre öffentlichen Reden ermutigten tausende Menschen und brachten die erste japanische Frauenbewegung auf den Weg. laur

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Frauenpolitische Farce https://ansch.4lima.de/frauenpolitische-farce/ https://ansch.4lima.de/frauenpolitische-farce/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:46:40 +0000 https://anschlaege.at/?p=112743 „Ich kämpfe – und ich glaube, das sieht man auch an meinen Taten in den letzten vier Jahren – mit voller Kraft für die Gleichstellung von Frauen und Mädchen.“ Susanne Raabs Selbstbild als Frauenministerin, das sie jüngst in der ORF-„Pressestunde“ zimmerte, muss gar nicht erst einem Realitätscheck unterzogen werden. Frauenpolitisch ist Österreich mit der Regierung […]]]>

„Ich kämpfe – und ich glaube, das sieht man auch an meinen Taten in den letzten vier Jahren – mit voller Kraft für die Gleichstellung von Frauen und Mädchen.“ Susanne Raabs Selbstbild als Frauenministerin, das sie jüngst in der ORF-„Pressestunde“ zimmerte, muss gar nicht erst einem Realitätscheck unterzogen werden. Frauenpolitisch ist Österreich mit der Regierung Kurz I in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Seit Jahren aufgeschobene Projekte wie echte Lohntransparenz, ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag, ein entkriminalisierter Schwangerschaftsabbruch auf Krankenschein oder auch nur geschlechterpolitische Kampagnen für die Umverteilung von Care-Arbeit: Fehlanzeige. Zugegeben, sich während eines pandemischen Dauerkrisenzustands als Frauen­ministerin zu behaupten, wäre für keine noch so motivierte – feministische – Politikerin eine einfache Aufgabe gewesen. Doch Raab und mit ihr die gesamte ÖVP-Regierungsmannschaft ließen Frauenpolitik in den vergangenen Jahren – abgesehen von punktuellen Initiativen im Gewaltschutz – zur Randnotiz verkommen. Dass Kanzler Nehammer im berüchtigten „Burger-Video“, in dem er ­einkommensarmen Familien einen billigen Hamburger um 1,40 Euro bei McDonalds empfiehlt, nun armutsbetroffene Menschen unter Parteifreunden verhöhnt und in Teilzeit arbeitende Frauen ins Visier nimmt, ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Schlag ins Gesicht. Es war bekanntlich Ex-Kanzler Kurz, der ein Bundesland „aufhetzen“ wollte, um umfassende Investitionen der großen Koalition in die Kinderbetreuung zu sabotieren. Aber auch schon davor inszenierten sich die Konservativen gerne als Hüter der traditionellen Familie und einer vermeintlichen, moralisch unterfütterten Wahl­freiheit („Ist es wirklich gut für das Kind, wenn es schon so früh in eine Krippe geschickt wird?“).

Der plötzliche, wenn auch behutsame Sinneswandel in Sachen Kinderbetreuung ist wohl weniger einem geschlechterpolitischen Umdenken als vielmehr dem Druck der Wirtschaft und der Industriellenvereinigung im Besonderen zu verdanken. Allerorts fehlen Arbeitskräfte: in Dienstleistungsberufen wie der Pflege und in der Gastronomie ebenso wie in der IT, auf die Erwerbsressource Frau zu verzichten, geht sich da einfach nicht mehr aus. Ein Investitionspaket in Kinderbetreuungseinrichtungen hat Schwarz-Grün nun also auf Schiene gebracht, offen bleibt, wer dort die verantwortungsvolle – und viel zu schlecht bezahlte –Knochenarbeit übernehmen wird. Frauenministerin Raab ließ es sich nach Nehammers Burger-Gate jedenfalls nicht nehmen, für den Kanzler persönlich in die Bresche zu springen: Wer mehr arbeite, verdiene eben mehr – und Familien müssten Verantwortung übernehmen. Dass im reichen Österreich sehr wohl viele Menschen mit den monatlichen Kosten kämpfen und zusätzliche Ausgaben wie eine Waschmaschine oder ein Schulausflug für schlaflose Nächte sorgen, zeigt der soeben veröffentlichte Bericht zu Krisenfolgen der Statistik Austria. Insbesondere Wohnkosten stellen eine große Herausforderung dar, verschlechtert hat sich die Lage der Alleinerziehenden. Im 2. Quartal 2023 hatten ganze 37 Prozent der Personen in Einelternhaushalten Schwierigkeiten, mit ihrem Einkommen auszukommen. Das sind überwiegend Frauen, die oftmals zwischen Erwerbs- und Care-Arbeit zerrieben werden und für ihre Kraftanstrengungen kaum gesellschaftliche Anerkennung erhalten. Stattdessen dürfen sich Niedrigverdiener*innen vom „Kurier“ verhöhnen lassen, der heimische Köch*innen nach Rezepten für warme 1,40-Euro-Mahlzeiten fragte.

Jene Botschaften, die die ÖVP hier sendet, als Vorwahlkampf-Geplänkel abzutun, wäre indes gefährlich. Sie offenbaren einen tief verwurzelten Klassismus – und eine sich radikalisierende „rohe Bürgerlichkeit“. Es sei „das, was viele Menschen denken“, meinen Parteivertreter*innen lapidar – und damit dürften sie recht haben. Bilden ÖVP und FPÖ nach der nächsten Wahl erneut eine Koalition, wird Sozialabbau mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Agenda des Regierungsübereinkommens stehen. Bezahlen werden die Zeche eine (migrantisierte) Arbeiter*innenklasse und Frauen – das gilt es schon jetzt mit aller Kraft feministisch zu bekämpfen. •

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BATTY… prämenstruell https://ansch.4lima.de/batty-praemenstruell/ https://ansch.4lima.de/batty-praemenstruell/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:46:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=112793 ]]> ]]> https://ansch.4lima.de/batty-praemenstruell/feed/ 0 „Andere Medien können sehr viel von uns lernen“ https://ansch.4lima.de/andere-medien-koennen-sehr-viel-von-uns-lernen/ https://ansch.4lima.de/andere-medien-koennen-sehr-viel-von-uns-lernen/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:45:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=112719 Wie marktförmig muss Feminismus heute sein, um wahrgenommen zu werden? Und wie gehen feministische Medienmacherinnen mit diesem Druck um? Ein Gespräch zwischen Lea Susemichel, leitende an.schläge-Redakteurin, und Sonja Eismann, Mitherausgeberin des „Missy Magazine“. Moderation: Janis Czapka an.schläge: Sich Feministin zu nennen, ist hip, auch andere Medien greifen frauenpolitische Themen auf. Braucht es da eigentlich noch […]]]>

Wie marktförmig muss Feminismus heute sein, um wahrgenommen zu werden? Und wie gehen feministische Medienmacherinnen mit diesem Druck um? Ein Gespräch zwischen Lea Susemichel, leitende an.schläge-Redakteurin, und Sonja Eismann, Mitherausgeberin des „Missy Magazine“. Moderation: Janis Czapka

an.schläge: Sich Feministin zu nennen, ist hip, auch andere Medien greifen frauenpolitische Themen auf. Braucht es da eigentlich noch eigene feministische Medien, Lea?

Lea Susemichel: Ja, die braucht es unbedingt. Aber es ist tatsächlich so, dass bestimmte feministische Themen inzwischen auch in traditionellen Medien verhandelt werden. Das ist ein Erfolg, den sich feministische Journalistinnen auf die Fahnen schreiben können. Uns quälen ja regelmäßig Zweifel, ob wir überhaupt etwas bewirken, ob unsere Arbeit nicht bloß ein „Preaching to the Converted“ ist. Aber auch wenn es dauert, es gibt einen Thementransfer zwischen feministischen und anderen Medien, die irgendwann um unsere Themen nicht mehr herumkommen. Auch wenn sich bei genauerer Betrachtung ­leider zeigt, dass Feminismus oft als Debattenbeitrag, als emotionsgeladenes Meinungsthema präsentiert und als Clickbait benutzt wird: Kopftuch, ja oder nein? Johnny Depp oder Amber Heard? Feministische Medien hingegen machen deutlich, dass jedes Thema auch ein feministisches Thema ist, auch wenn es um Asylpolitik oder um den Klimawandel geht.

Sonja, wodurch zeichnet sich feministische Medienarbeit aus?

Sonja Eismann: Sie agiert unter sehr prekären Bedingungen und es gibt für feministische Medienarbeit sehr viel weniger Geld als in anderen, klassischen Medienhäusern. Die amerikanische feministische Zeitschrift „Bust“ hatte früher die humoristische Eigenwerbung „Bust – like crime – does not pay“. Es werden uns Arbeitsbedingungen aufgezwungen, die wir ja paradoxerweise mit unserer Arbeit kritisieren. Andererseits sind tatsächlich ganz viele der zwar oberflächlichen, aber doch feministischen Artikel darauf zurückzuführen, dass Medien wie die an.schläge oder „Missy“ beharrlich immer wieder feministische Themen auf die Agenda gesetzt haben. Leute, die uns lesen, wissen das zwar oft alles schon, aber ich finde trotzdem, dass es auch eine extrem wichtige Funktion von feministischen Medien ist, sozusagen einen Schutzraum zu bieten, in dem sich die Leser*innen gesehen und sicher fühlen – wo sie z. B. mit dem richtigen Pronomen angesprochen und nicht gebodyshamed werden.

Wie lässt sich der Spagat bewältigen, dass auch feministische Medien ökonomisch erfolgreich sein müssen? Wie sperrt ihr euch gegen den Ausverkauf des Feminismus?

Sonja: Das ist für uns relativ einfach, es ist noch niemand gekommen, der uns eine Million Euro geben wollte für den Feminismus, den wir machen – also einen linken, intersektionalen, antifaschistischen Feminismus. Aber es gibt natürlich Feminist:innen, die stärkere Kompromisse eingehen und einen Feminismus vertreten, der sich besser verkaufen lässt, das ist eine Begleiterscheinung des Hypes. Ich habe mir gerade lustige Memes von Iketype über diesen pseudo-empowerten „Champagner-Feminismus“ von FDP, CDU, all diesen Frauen aus dem neoliberalen Business-Spektrum, angeschaut. Das gibt es natürlich, aber das hat mit unserer Definition von Feminismus rein gar nichts zu tun.

Lea: Einerseits ist das Label feministisch inflationär und ziemlich inhaltsleer geworden, indem alle sich ihren Feminismus nun einfach selbst definieren dürfen. Es geht nicht mehr um Gerechtigkeit und das gute Leben für alle, sondern ich mach mein Ding und deshalb bin ich schon Feministin. Andererseits ist aber nicht nur dieses Verständnis von Feminismus
vermarktbar geworden, sondern auch wir selbst und unsere Arbeit muss immer marktförmiger werden, um zu überleben. Aber wenn sich ein feministisches Magazin als Medienprodukt am Markt behaupten muss, kompromittiert das doch bis zu einem gewissen Grad unweigerlich, oder? an.schläge ist ja ein Non-Profit-Unternehmen, wir dürfen also gar keinen Gewinn machen, trotzdem spüren wir einen immensen Druck, das Magazin vermarkten zu müssen. Das ist etwas, das meiner Meinung nach dem feministischen Grundgedanken völlig widerspricht. Als Feministin freue ich mich über jede weitere feministische Stimme und deshalb auch über jedes neue feministische Medienprodukt, ich will also nicht in Konkurrenz zu ihnen stehen, um „mein Produkt“ möglichst gut am Markt zu platzieren. Aber das trifft ja inzwischen sogar auf einzelne Feminist:innen zu, die – mit Foucault – alle zu Unternehmerinnen ihrer selbst geworden sind, sich ständig vermarkten und sich dafür auch auf Social Media inszenieren müssen. Das machen wir inzwischen auch, obwohl auch die Logiken der Sozialen Medien so ziemlich allem entgegenlaufen, wofür unser Feminismus steht.

Sonja: Solange wir im Kapitalismus leben und unter dessen Bedingung operieren, werden wir immer unsere Haut zu Markte tragen, ohne das zu wollen. Der Grundkonflikt ist, dass wir darauf hinwirken, dass dieses System abgeschafft wird, und uns dafür dieses Systems bedienen. Deshalb finde ich es ein sehr schönes Zeichen, dass wir unsere Geburtstage zusammen feiern. Wir freuen uns über jedes feministische Magazin, jede feministische Organisation, weil uns das in unserem Kampf stärkt, dieses Scheißpatriarchat und den Kapitalismus irgendwann zu überwinden.

Medien sind derzeit generell stark unter Druck, vor welchen Herausforderungen steht die Medienpolitik?

Lea: Medien sollten grundsätzlich nicht gezwungen sein, ökonomisch erfolgreich zu sein. Es führt unweigerlich zur Boulevardisierung von ­Medien, wenn es nur noch um die Maximierung von Zugriffen geht. Medienpolitik sollte viel stärker als bisher auf die demokratiepolitische Verantwortung fokussieren. Da können andere Medien sehr viel von uns lernen, weil wir feministische Medienmacherinnen ja immer schon gezeigt haben, wie sich Haltungsjournalismus mit journalistischer Seriosität verbinden lässt und dass es die vermeintliche Neutralität so nicht gibt. Durch die Angriffe von rechts wächst nun auch in traditionellen Medien plötzlich das Bewusstsein dafür, dass es sowas wie journalistische Integrität und Haltung braucht.

Sonja: Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir in Österreich wie auch in Deutschland einen rechten Backlash erleben. Und jetzt merken auch die anderen, dass es ihnen möglicherweise an den Kragen geht und besinnen sich darauf, dass es gut wäre, dem eine Haltung entgegenzusetzen. Das ist das Besondere an engagiertem Feminismus: Er tut nicht so, als würde er für alle sprechen von einem vermeintlich universalistischen Standpunkt aus.
Deswegen ist es extrem wichtig, den Lesenden klarzumachen, wie unterstützenswert das ist, und dass sich das nicht einfach gratis im Netz abgreifen lässt, sondern da viel dranhängt.

Der US-Ökonom Daron Acemoğlu fordert, dass für die Wahrung der Demokratie Google und Facebook entmachtet werden müssen. Muss für den Feminismus Instagram zerschlagen werden?

Sonja: Viele der Leute, die wir über Soziale Medien erreichen, könnten wir gar nicht über das Printmagazin erreichen. Das sind sehr junge Leute, die vielleicht auch nicht in Städten leben. Es ist also auch eine Generationenfrage, woran sich gleich der nächste Punkt anknüpft: Hat Print überhaupt noch eine Zukunft? Ich persönlich liebe Print, aber es gibt ja sehr viele Medien, die aus Nachhaltigkeitsgedanken auf digital umstellen. Wobei auch digitale Medien sehr viele Ressourcen verbrauchen.
Es ist zwar ein schöner, nostalgischer Gedanke, sich jetzt digitalen Kanälen zu verschließen, aber wenn man bestehen möchte, Menschen weiter erreichen möchte, dann führt da kein Weg drum herum.

Lea: Aber Feminist:innen sollten auf jeden Fall alles dafür tun, um diese Medien zu verändern und von innen heraus zu subvertieren, oder? Ich glaube tatsächlich, dass wir alle Schaden nehmen, wenn wir uns ihrer medialen Logik unterwerfen, die vieles zunichte macht, wofür wir so lange kämpfen.

Sonja: Absolut. Dieser Plattform-Kapitalismus, den wir damit unterstützen, ist ja absolut haarsträubend, wenn wir überlegen, welche Macht und Kapitalballung und Überwachungspotentiale dahinterstecken, was auch alles zensiert wird, z. B. in Bezug auf emanzipierte, weiblich gelesene Sexualität.
Unser großer Wunsch wäre natürlich, dass wir mit unserem Medium dazu beitragen, dass wir gemeinsam neue, solidarische Kanäle statt der existierenden erfinden. •

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Kamerafrauen. Im gleichen Licht https://ansch.4lima.de/kamerafrauen-im-gleichen-licht/ https://ansch.4lima.de/kamerafrauen-im-gleichen-licht/#comments Fri, 13 Oct 2023 02:45:13 +0000 https://anschlaege.at/?p=112728 Immer mehr Filme bilden – endlich – Lebensrealitäten von Frauen ab. Doch hinter der Kamera stehen meistens Männer. Julia Pühringer hat Filmemacherinnen getroffen, die das ändern wollen. Ungefähr ein Viertel machten Filme von Regisseurinnen zwischen 2017 und 2019 bei österreichischen Spielfilmen aus – das besagt der „Zweite Österreichische Film Gender Report“. Wie sieht es aber […]]]>

Immer mehr Filme bilden – endlich – Lebensrealitäten von Frauen ab. Doch hinter der Kamera stehen meistens Männer. Julia Pühringer hat Filmemacherinnen getroffen, die das ändern wollen.

Ungefähr ein Viertel machten Filme von Regisseurinnen zwischen 2017 und 2019 bei österreichischen Spielfilmen aus – das besagt der „Zweite Österreichische Film Gender Report“. Wie sieht es aber bei den Kamera­frauen aus? Sie kommen noch deutlich seltener zum Zug, es zählt nur derzeit niemand mit. In der Praxis sieht das so aus: „Eine Produktionsfirma rief mich an, sie hätten am nächsten Tag einen Dreh in einer Abtreibungsklinik, da hätten sie gerne eine Frau“, erinnert sich Kamerafrau Judith Benedikt („Weiyena“) im an.schläge-Gespräch. „Ich hätte am nächsten Tag Zeit haben sollen. Ich wusste genau, sie rufen mich nur für diesen einen Drehtag an, sie haben sich weder vorher noch nachher bei mir gemeldet.“ Es ist anekdotische Evidenz, aber sie spricht Bände: „Als Kamerafrau wird man öfter in berufliche Schubladen gesteckt, es ist schwieriger, in anderen Bereichen zu arbeiten. ‚Okay, Doku kann sie, aber dass sie Spielfilm kann, das glauben wir nicht‘.“ Dasselbe gelte für den höher budgetierten Filmbereich, ein Problem, das auch Regisseurinnen kennen. „Bei Kameramännern sehe ich das nicht, die können offenbar Werbung machen, dazwischen einen Spielfilm und dann eine Doku, niemand hinterfragt das“, so Benedikt.

Raus aus der ersten Reihe. Das alte Vorurteil von Frauen und Technik feiert immer noch fröhliche Urstände. „Ich habe mit Elisabeth Scharang und Kristin Gruber für die Doku #HowToStopFemicide in vielen Ländern gedreht, wo die Leute noch nie eine Kamerafrau gesehen haben. Da dachten alle, mein Assistent ist der Kameramann“, erzählt Benedikt. Das kann allerdings auch in Österreich passieren: Bei ersten Vorbesprechungen werde der Assistent hoffnungsfroh angeschaut und bekomme alle Infos – nicht aber Benedikt selbst.
Auch die bekannte Medienkünstlerin Starsky erzählt, sie verzichte im Front-Team in der ersten Reihe inzwischen völlig auf Männer, denn sobald dort auch nur einer dabei sei, werde er für den Chef gehalten – derweil sie selbst am riesigen Projektor sitzt. Noch so ein Klischee: „Es heißt immer, Frauen können nicht so schwer tragen, aber dass Frauen ihre Kinder tragen, ist normal. Ein Dreijähriges ist genauso schwer wie eine große Digitalkamera“, sagt Bildgestalterin Birgit Guðjónsdóttir („Die Rüden“).
Die Kamerafrauen haben 2017 den Verband „Cinematographinnen“ für bildgestaltende Kamerafrauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründet. „Es war für mich befreiend, sich auszutauschen. Wir alle hatten das Gefühl, dass uns die Männer 15 oder 20 Jahre lang voraus sind. Da wurde mir klar, ich bin nicht die Einzige, die dieses Problem hat – das ist ein strukturelles Problem“, erzählt Judith Benedikt.

Gleichstellung finanziell belohnen. Wie kann Veränderung vorangetrieben werden in einer Branche, in der Männer allein durch ihre Anwesenheit Kompetenzen zugeschrieben bekommen? An den Ausbildungsstätten ist die Situation immerhin schon besser: „In den letzten Jahrgängen lag der Anteil von Frauen in etwa bei einem Drittel“, so Kamerafrau Christine A. Maier („Licht“, „Quo Vadis, Aida?“), Professorin für „Cinematography“ am Institut für Film und Fernsehen der Filmakademie Wien. „Wir dürfen das aber nicht aus den Augen verlieren.“
Jobs brauchen diese Kamerafrauen natürlich auch. Einige Werkzeuge gibt es bereits, erklärt Iris Zappe-Heller, Stellvertretende Direktorin des Österreichischen Filminstituts und Leiterin der Gender-Diversitäts-Inklusions-Abteilung. „Unsere Maßnahme, um Frauen in Head Departments zu bringen, ist in erster Linie das Gender Incentive“, sagt Zappe-Heller. Produktionsfirmen bekommen 30.000 Euro, wenn sie ein Projekt in der Herstellung haben, in dem ein großer Teil der Departments von Frauen geleitet wird. „Und diese Gelder sind auch wieder zu reinvestieren in Projekte, an denen maßgeblich Frauen arbeiten.“ Es sei ein System, das langsam greife, aber dann einen Schneeballeffekt auslöse. Ebenso angelaufen ist in diesem Jahr das „Tandem“-Projekt. Frauen, die das erste Mal als Head of Department arbeiten, bekommen 5.000 Euro für einen Expertin, die ihnen über eine Schwelle hilft. „Wir wissen, dass sich Frauen selbst viel mehr infrage stellen, als das Männer je tun würden. Das hilft auch gegen die Angst, wenn jemand das erste Mal ein Department leitet“, sagt Zappe-Heller.
Und die Sache mit dem „weiblichen Blick“? Wie lässt sich die festmachen? „Auch Kamerafrauen reproduzieren den männlichen Blick, man ist so geprägt davon“, sagt Benedikt. Ob ein Mann oder eine Frau hinter der Kamera stehe, das könne man aber schon daran merken, „wie Frauen angeschaut werden“, zeigt sich Benedikt überzeugt. Ein Beispiel: Die lesbische Liebesgeschichte „Blau ist eine warme Farbe“ etwa würde männliche Fantasien von Intimität zwischen Frauen zeigen, auch von Intimität generell. Der Film (Regie: Mann, Kamera: Mann) sorgte bei seiner Premiere in Cannes für Aufregung beziehungsweise später im Internet für Ärger und Belustigung bei lesbischen Frauen, die sich darin nicht wiederfanden. Ganz grundsätzlich, so Benedikt, „nützt es wenig, wenn über den weiblichen Blick gesprochen wird, aber den wenigsten Kinobesucher*innen bewusst ist, dass achtzig bis neunzig Prozent der Filme von Kameramännern gedreht werden. Auch in der Filmbranche gibt es dieses Bewusstsein nicht.“

Die Macht über die Bilder. Bildgestalterin Birgit Guðjónsdóttir unterrichtet als freie Dozentin seit über 25 Jahren, derzeit an der Filmakademie Baden-Württemberg, der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) und in der Filmabteilung der Kunstuniversität in Island. Auch sie sagt: Es liegt am System. „Wir sind so sehr gewohnt, dass Männer in Machtpositionen sind, es ist unsere Bild-DNA.“ Film sei aktuell extrem konservativ, sagt Guðjónsdóttir. „Wir müssen zumindest die Welt so darstellen, wie sie ist. Wir sind schon deutlich weiter, als das, was wir in unseren Filmen zu sehen bekommen.“ Guðjónsdóttir stellt am Set und im Unterricht die Frage, wo wir Menschen zeigen. „Wenn ein Mann Arzt ist, wird er immer in der Praxis gezeigt, die Frau, auch wenn sie Ärztin ist, wird immer zu Hause gezeigt.“
Die Unterschiede in der Darstellung beginnen tatsächlich schon bei der Beleuchtung – deshalb unterrichtet Guðjónsdóttir auch „Genderlicht“. „Frauen werden anders ausgeleuchtet – weicher gemacht, heller gemacht, Frauen haben stärkeres Gegenlicht, das zieht sich durch die ganze Kunstgeschichte. Man sieht im Idealfall vielleicht die Augen, den Mund und die Nase. Frauen dürfen keinen Charakter zeigen.“ Männer und Frauen müssten im gleichen Licht gezeigt werden, fordert die Bildgestalterin, mit mehr Schatten und mehr Falten. Doch so einfach ist die Sache nicht. In wenigen Filmen und Serien spielen Frauen über dreißig die Hauptrolle, die Jobangebote für ältere Schauspielerinnen werden deutlich weniger. „Wenn wir jetzt auch noch ihre Falten zeigen, kriegen die Schauspielerinnen berechtigte Panik, weil sie nicht altern dürfen“, sagt Guðjónsdóttir. Ein Teufelskreis. Es braucht also schon beim Drehbuch neue Geschichten und Redaktionen und Produktionsfirmen, die diese umsetzen – das gilt auch für Serien und Streaming-Projekte.
„Wo schaue ich hin und warum und wie schaue ich auf jemanden, auf etwas: Unsere Sehgewohnheiten, die gilt es ständig zu hinterfragen“, sagte Kamerafrau Eva Testor, als sie im September mit der Romy ausgezeichnet wurde. Neue Bilder braucht die Welt also, metaphorisch und wörtlich. Und wo beginnen wir als Publikum? Diesmal vielleicht am Ende, mit einem genau gelesenen Abspann: Guðjónsdóttir empfiehlt die Kolleginnen Agnès Godard („Der Fremdenlegionär“), Mandy Walker („Elvis“), Rachel Morrison („Mudbound“), Charlotte Bruus Christensen („Girl on the Train“), Maryse Alberti („The Wrestler“), Ellen Kuras („Coffee and Cigarettes“), Reed Morano („Frozen River“) und Ari Wegner („The Power of the Dog“). •

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Sexarbeit erzählt https://ansch.4lima.de/sexarbeit-erzaehlt/ https://ansch.4lima.de/sexarbeit-erzaehlt/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:44:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=112731 Das Hörspiel „Desire“ porträtiert drei queere Sexarbeiterinnen und liefert eine klischeefreie Darstellung, die uns ganz nahe heran lässt. Von Verena Kettner Sam ist eigentlich glücklich in ihrer Beziehung mit Partner und gemeinsamen Kind. Wenn da nur nicht Jess wäre, die sich so gut anfühlt und so gut riecht und an die Sam denken muss, wenn […]]]>

Das Hörspiel „Desire“ porträtiert drei queere Sexarbeiterinnen und liefert eine klischeefreie Darstellung, die uns ganz nahe heran lässt. Von Verena Kettner

Sam ist eigentlich glücklich in ihrer Beziehung mit Partner und gemeinsamen Kind. Wenn da nur nicht Jess wäre, die sich so gut anfühlt und so gut riecht und an die Sam denken muss, wenn sie Sex mit Kunden hat. In „Desire“, Tia Morgens erster Hörspielreihe, folgen wir drei Sexarbeiter*innen durch ihre queeren Leben in Berlin. Wie Sam hat es auch Lilli nicht ganz einfach: Obwohl sie das niemals zugeben würde, schmerzt sie die Distanz zu ihrer Mutter. Die Entfremdung ist bereits mit Lillis queerem Coming-out eingetreten. Doch durch die Unmöglichkeit, über ihren Job als Sexarbeiterin zu sprechen, verstärkt sie sich immer weiter. Robin kämpft derweil mit der Frage, wie sich ein nicht-binärer Körper in der Sexarbeit behaupten kann, und damit, dass Robins Partnerin immer mehr mit der Berufswahl hadert. Das Hörspiel hat sechs Folgen, jeweils zwei widmen sich den Erlebnissen einer der drei Sexarbeiter*innen. Während wir Hörer*innen in ihr Gefühlsleben eintauchen dürfen, lassen sie uns auch an ihrem Arbeitsalltag teilhaben. Sie reflektieren über die Möglichkeiten und ­Unmöglichkeiten der Selbstbestimmung im Beruf; erzählen vom Genuss, den ihnen die Macht, die sie über Kunden haben, bereitet; über die Zweifel, ob sie sich am Ende nicht doch wieder nur dem männlichen Begehren unterwerfen. Wir bekommen eine Ahnung von der emotionalen Arbeit, die Sexarbeit mit sich bringt, wenn sie zum Beispiel mit einem Kunden über dessen Untreue reden müssen; von gesellschaftlichen Vorurteilen und Stigmata, die sich nicht nur auf der Straße, sondern eben auch unter den Liebsten finden; vom Umgang mit sympathischen Kunden, schwierigen Kunden, übergriffigen Kunden und von der Herausforderung, aufgrund der weiblichen Sozialisation die eigenen Grenzen im Job klar zu erkennen und zu setzen.

Die Sexarbeit, die wir im Hörspiel kennenlernen, ist vielseitig: Obwohl Sam, Lilli und Robin im Bordell arbeiten, zeigen sie uns auch ein paar Seitenblicke in die Welt des Escort und Cam Sex – sowie auch in die Reproarbeit, die es braucht, um Sexarbeit überhaupt erst anbieten zu können, wie beispielsweise das Hotelzimmer nach jedem Kunden zu putzen. „Manchmal werde ich melancholisch, weil die Welt so ein beschissener Ort ist, und Sexarbeit das so erbarmungslos entblößt“, sagt Robin in einer Folge. Die Darstellung von Sexarbeit im Hörspiel lässt die Hörer*innen ganz nahe heran, sie ist kritisch und liebevoll zugleich. Relevante Themen wie erzwungene Gesundheitschecks, prekäre Arbeitsbedingungen, Kon­trollen im Bordell und Verdrängung bekommen genügend Raum und dennoch schlägt die Erzählung immer wieder den Bogen zurück zu ihrem Kernthema: der Selbstbestimmung der drei Hauptcharaktere und der beeindruckenden und berührenden Stärke einer solidarischen, queeren Community. Die fiktiven ­Charaktere und Geschichten sind dabei sehr divers und differenziert entworfen und beruhen auf intimen Interviews und Begegnungen mit über dreißig LGBTQIA+ Sexarbeiter*innen aus 14 Ländern. Prekarität und Klasse spielen dabei ebenso eine Rolle wie Kämpfe aufgrund von Herkunft und Hautfarbe und das Erforschen der eigenen sexuellen und geschlechtlichen Identität. Die Stimmen der Sprecher*innen sind überaus angenehm. Sie vermitteln Humor, Sexyness, Melancholie und Zweifel, und scheuen sich dabei nicht, knallhart ehrlich und intim zu bleiben.

Dem absolut empfehlenswerten Hörspiel gelingt so nicht nur eine diverse, lebensechte und klischeefreie Darstellung von queeren Sexarbeiter*innen mit unterschiedlichsten Begehren, Problemen und ­Träumen, sondern auch ein machtvolles Gegen­narrativ zur gängigen medialen Darstellung von Sexarbeiter*innen. Anstatt mit einem männlichen, voyeuristischen und teilweise auch exotisierenden Blick, der sie viktimisiert und als Opfer ihrer Umstände darstellt, werden die Porträtierten hier realitätsnah gezeigt: sehr vielfältig, sehr unterschiedlich und immer sehr menschlich. Das Gefühl von Empowerment, das sich so vermittelt, basiert nicht auf der romantisierten Erzählung einer individuellen Ermächtigung, sondern auf dem radikal zärtlichen, kollektiven Kampf um eine queere Utopie, den die Hauptcharaktere gemeinschaftlich führen. •

Verena Kettner liebt Queerness, Berlin und sanfte Stimmen und hat somit das perfekte Hörspiel für sich gefunden.

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Wohnungslosigkeit. Wohnungslose im Visier https://ansch.4lima.de/wohnungslosigkeit-wohnungslose-im-visier/ https://ansch.4lima.de/wohnungslosigkeit-wohnungslose-im-visier/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:42:41 +0000 https://anschlaege.at/?p=112722 In Wien tötet eine mutmaßlicher Serientäter*in zwei obdachlose Personen, eine weitere überlebt knapp. Was macht das mit Menschen, die auf der Straße leben? Von Sophia Krauss und Brigitte Theißl „Mein Freund und ich haben seit den Anschlägen Angst, auf der Straße zu schlafen“, sagt Jan1. Gemeinsam mit anderen Männern, die aus Polen und Rumänien nach […]]]>

In Wien tötet eine mutmaßlicher Serientäter*in zwei obdachlose Personen, eine weitere überlebt knapp. Was macht das mit Menschen, die auf der Straße leben? Von Sophia Krauss und Brigitte Theißl

„Mein Freund und ich haben seit den Anschlägen Angst, auf der Straße zu schlafen“, sagt Jan1. Gemeinsam mit anderen Männern, die aus Polen und Rumänien nach Wien gekommen sind, sitzt er abends am Wiener Wallensteinplatz und erzählt vom Leben auf der Straße. Was Jan Angst macht, sind die jüngsten Angriffe auf drei obdachlose Personen in Wien, zweimal ­endeten sie tödlich. Mitte Juli wurde ein 56-jähriger Mann erstochen auf einer Parkbank am Handelskai aufgefunden. Rund eine Woche später überlebte eine 51-jährige obdachlose Frau ihre schweren Verletzungen nur knapp, sie war laut „Kurier“ in der Nähe des Pratersterns im Schlaf mit einem Messer angegriffen worden. Am 9. August schließlich erlag ein weiterer Mann trotz Not­operation seinen Verletzungen durch eine weitere Messerattacke. Aufgrund der Ähnlichkeiten geht die Polizei von einem Serientäter oder einer -täterin aus, konkrete Hinweise fehlen jedoch. Dass die Polizei bisher im Dunkeln tappt, macht Jan besonders Angst. Das erste Opfer der Mordserie habe er sogar persönlich gekannt. „Er hat mich gefragt, ob ich auch auf der Donauinsel schlafen will. Ich bin zum Glück am Wallensteinplatz geblieben. Am nächsten Tag habe ich erfahren, dass er gestorben ist“, sagt Jan.
Die Verunsicherung unter wohnungslosen Menschen, die in den Straßen der Hauptstadt leben, ist groß. Sofortmaßnahmen der Stadt Wien sollen vorübergehend Abhilfe schaffen. So wurden im August zusätzliche nächtliche Schutzräume im Tageszentrum Obdach Josi eröffnet. Die Schlafplätze der Caritas, wo Jan und sein Freund Aleksander2 früher bereits untergekommen sind, öffnen erst wieder am 1. November, sagt Jan. Im Sommer sei es schwierig, einen sicheren Platz zum Schlafen zu finden.

Klassistische Gewalt. Knapp 20.000 Menschen registriert die Statistik Austria für das Jahr 2021 in Österreich als obdachlos oder wohnungslos, rund sechzig Prozent davon leben in Wien. Die tatsächliche Zahl ist schwierig zu bestimmen, da es auch nicht registrierte obdachlose Menschen gibt. Ihre prekären Lebensbedingungen sorgen nur selten für Schlagzeilen – so wie jetzt, wenn es um ein mutmaßliches Serienverbrechen in der Stadt geht.
Dabei hat Gewalt gegen obdachlose Menschen System, sagt Sozial­wissenschaftler Andreas Kemper. Klassismus, die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit, richtet sich speziell auch gegen Menschen, die auf der Straße leben oder keinen festen Wohnsitz haben. „In Deutschland werden jedes Jahr Wohnungslose aus Hass gegen Wohnungslose ermordet“, sagt Kemper. Die deutsche Polizei führe daher schon seit Jahren eine ­eigene Opfer-Kategorie „Obdachlose“ in der Statistik zu politisch motivierter Kriminalität. Verbände, die solidarisch mit Wohnungslosen arbeiten, gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. In Österreich wies der Lagebericht Hate Crime 2022 den sozialen Status als eines von neun Vorurteilsmotiven aus, auch Wohnungslosigkeit umfasst diese Kategorie. Vierzig strafbare Handlungen gegen Leib und Leben verzeichnet der Bericht, die sich gegen den sozialen Status einer Person richten, zwanzig davon haben Wohnungslose betroffen.
Die Ausgrenzung von Menschen, die in der Stadt nicht erwünscht sind, hat indes eine lange Geschichte. So spielt die Verfolgung von obdachlosen Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus eine oft unterschlagene Rolle: Im Jahr 1938 verdoppelte sich die Zahl der KZ-Häftlinge durch die Festnahme von mehr als zehntausend „asozialen“ Männern in Nazi-Deutschland, schreibt Wolfgang Ayaß im Magazin „Wohnungslos“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. Darunter fielen neben Roma und Sinti, Bettler, Landstreicher und mittellose Suchtkranke. Sie alle einte, dass sie im Dritten Reich als „arbeitsscheu“ klassifiziert wurden.
Auch heute sind ­wohnungslose Menschen immer wieder Thema stadtpolitischer Auseinandersetzungen. So formieren sich Bürger*inneninitiativen, die sich gegen Zentren für Suchtkranke wehren oder Sexarbeiter*innen aus Innenstadtvierteln vertreiben wollen. Initiativen, die von rechten und konservativen Politiker*innen gerne befeuert werden. Auch obdachlose Menschen passen nicht ins Bild einer „geordneten“, einer „sauberen“ Stadt. Erst im Juli veröffentlichte die Wiener Volkspartei ein Video, das Obdachlose auf der Mariahilfer Straße zum Thema macht. Seit Monaten zieht Landesparteiobmann Karl Mahrer im Rahmen einer Kampagne durch die Bezirke, um vermeintliche Wiener Brennpunkte sichtbar zu machen. So wie den Brunnenmarkt in Ottakring, wo „Syrer, Afghanen und Araber die Macht übernommen“ hätten. „Auf der beliebten Mariahilfer Straße fühlen sich die Menschen durch campierende Wohnungslose, meist aus dem EU-Ausland, unsicher“, heißt es in einem neueren Video. Gezeigt werden obdachlose Menschen, die vor Hauseingängen schlafen, untermalt von dramatischer Musik, Passant*innen beschweren sich über Schmutz, über „fremde Stimmen“ und „Bettelgruppen“.

Wohnraum umverteilen. Hetzkampagnen wie diese entwerfen das diffuse Zerrbild einer gefährlichen Gruppe, statt sich für konkrete Schicksale und Lebensbedingungen zu interessieren. Sie tragen weiter zur Stigmatisierung obdachloser Menschen und zur Verschiebung von Verantwortlichkeit bei. „So lange Menschen denken ‚Das geht mich nichts an‘ oder ‚Selber schuld‘ wird sich nichts ändern“, sagt Regina Amer. Amer war einst selbst von Wohnungslosigkeit betroffen und kämpft als Aktivistin und Gründerin von HOPE (Homeless in Europe) Austria für das Recht auf Wohnen. „Betroffene Personen sind eben nicht selbst schuld, es handelt sich um ein Versagen des ganzen Systems.“ Angesichts der aktuellen Lage müsse unter anderem dringend über eine Umverteilung von Wohnraum diskutiert werden, sagt Amer. „Es gibt Schätzungen, dass es in Wien zwischen 20.000 und 70.000 leere, nicht vermietete Gemeindewohnungen gibt. Man könnte diese Wohnungen freigeben und dort Menschen unterbringen.“ Steigende Mieten und Energiekosten seien dabei insbesondere für Frauen ein Problem. „Viele Frauen sind heute immer noch abhängig von Männern, da sie wesentlich weniger verdienen. Wenn der Wohnungsmarkt das nicht hergibt, können sie nicht einfach in eine günstigere Wohnung ziehen“, so Amer. Haben Menschen keine EU-Staatsbürger*innenschaft oder keine Ausweisdokumente, sind sie migrantisiert oder haben einen nicht-österreichischen Namen, erschwert dies den Zugang zum Wohnungsmarkt zusätzlich.

Solidarisch zeigen. Die Aktivistin Amer fordert politische Reformen, die das Menschenrecht auf Wohnraum ernst nehmen, aber sie fordert auch Privatpersonen auf, sich solidarisch zu zeigen. „Wenn Leute die Möglichkeit haben, sollten sie armutsbetroffenen oder wohnungslosen Personen eine Unterkunft geben. In Wien kann man nämlich zum Beispiel erst eine Gemeindewohnung beantragen, wenn man seit mindestens fünf Jahren in Wien gemeldet ist.“
Jan und Aleksander indes schlafen aktuell nur zu zweit auf der Straße, so fühlen sie sich sicherer. Gewalt hat Jan schon selbst erlebt. „Ich wurde schon einmal nachts in einer öffentlichen Toilette von einem Mann mit einem Messer bedroht. Viele Menschen waren dort, aber niemanden hat es interessiert.“ Auch Handys haben die beiden keine, die Polizei können sie nur über die Notfallnummer in Telefonzellen rufen, die es kaum noch gibt.
„Die Zivilgesellschaft muss sich solidarisch zeigen und mit den Betroffenen verbünden. Wir müssen zeigen: Wir stehen hinter euch!“, sagt Regina Amer. •

1 Name von der Redaktion geändert
2 Name von der Redaktion geändert

Brigitte Theißl ist leitende Redakteurin der an.schläge und empfiehlt allen, die finanziell gut aufgestellt sind, Geld an selbstorganisierte Gruppen von Wohnungslosen umzuverteilen.

Sophia Krauss wünscht sich von Leser*innen, die Privilegien im Hinblick auf die eigene Klassen-Zugehörigkeit zu checken, und einen solidarischen, respektvollen Umgang mit bettelnden und wohnungslosen Personen.

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Das System im Iran ist nicht lebensfähig https://ansch.4lima.de/das-system-im-iran-ist-nicht-lebensfaehig/ https://ansch.4lima.de/das-system-im-iran-ist-nicht-lebensfaehig/#respond Fri, 13 Oct 2023 02:41:52 +0000 https://anschlaege.at/?p=112713 Was macht die feministische Mobilisierung im Iran so erfolgreich – und droht die Bewegung auszubrennen? Ein Gespräch mit Shoura Hashemi über kurdische Selbstbestimmung, „gute Ausländer“ und westliche Solidarität. Von Maryam Al-Mufti und Leyli Nouri an.schläge: Die feministischen Proteste im Iran haben bei vielen Hoffnungen geweckt. Was muss passieren, damit dieser Funke nicht erlischt? Shoura Hashemi: […]]]>

Was macht die feministische Mobilisierung im Iran so erfolgreich – und droht die Bewegung auszubrennen? Ein Gespräch mit Shoura Hashemi über kurdische Selbstbestimmung, „gute Ausländer“ und westliche Solidarität. Von Maryam Al-Mufti und Leyli Nouri

an.schläge: Die feministischen Proteste im Iran haben bei vielen Hoffnungen geweckt. Was muss passieren, damit dieser Funke nicht erlischt?

Shoura Hashemi: Für mich ist die Hoffnung das ganze Jahr hindurch aufrechtgeblieben, weil ich gesehen habe, wie einfach und schnell es gehen kann, Menschen für Aktivismus zu motivieren. Wie viel Potential es gibt, dass Vernetzungen entstehen können, wenn es um ein konkretes Ziel geht. Um nachhaltig Druck aufbauen zu können, sind solche Vernetzungen und vor allem Hartnäckigkeit unerlässlich.

Nach einem Jahr ist dennoch spürbar, wie sich langsam auch ­Hoffnungslosigkeit breitmacht. Wie kann die Bewegung nach dem Todestag Jina Aminis und all den niederschmetternden Ereignissen, die in der Folge passiert sind, durchhalten?

Das System im Iran ist nicht ewig lebensfähig. Es wird scheitern. Auch wenn wir aufhören auf die Straße zu gehen, wird es scheitern – aber es wird um ein Vielfaches länger dauern. Ich appelliere besonders an junge Menschen, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiter zu rebellieren. Ich denke bei den jüngeren Generationen herrscht noch immer Optimismus und Bereitschaft für ihre Zukunft zu kämpfen. Es wird wieder Auslöser geben, die für stärkere Proteste sorgen werden, eventuell sind das auch wirtschaftliche Gründe. Für die Solidarität im Westen muss deutlich gemacht werden, dass ein freier Iran auch für westliche Länder erstrebenswert ist. Wer Fluchtbewegungen verhindern will, muss sich auf die Seite der Iraner*innen stellen und nicht auf die Seite einer Regierung, die für Destabilisierung in der gesamten Region sorgt, Konflikte schürt und finanziert. Das muss man immer wieder so aufzäumen, damit es hier auch tatsächlich verstanden wird.

Der Mord an Jina Amini hat nicht nur eine feministische, sondern auch eine prokurdische Debatte ins Rollen gebracht. Iranische Frauen kämpfen Seite an Seite mit kurdischen Frauen. Gibt es nun auch mehr Solidarität für die kurdische Selbstbestimmung?

Ich denke, dass die Rolle der kurdischen Bevölkerung für diese Aufstände gar nicht groß genug einzuschätzen ist. Ich würde so weit gehen, zu sagen, dass sie der Motor für diese feministische Revolution war. Das kurdische Streben nach Selbstbestimmung finde ich nachvollziehbar, legitim und vor allem machbar. Ich denke in einem modernen Iran kann kurdische Selbstbestimmung und Autonomie durchaus möglich sein. Die Solidarität zwischen den einzelnen Gruppen ist seit den Protesten gewachsen. Was die Bewegung so einzigartig macht, ist, dass sie übergreifend getragen wird von verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Iran – von Kurdinnen bis hin zu arabischen Iraner*innen und Belutsch*innen. Das darf nicht unterschätzt werden.

Kurdische Selbstbestimmungskämpfe werden hierzulande in der Linken oft als Vorbild gesehen – und erfahren auch eine gewisse Romantisierung.

Kurdische Kämper*innen machen in meinen Augen das, was man als feministische Außenpolitik bezeichnet. Kurd*innen leben Feminismus, indem sie sich wehren, indem sie sich zusammenschließen, vernetzen und sich Strategien überlegen. Ich denke, dass kurdische Kämpfe tatsächlich in ihrer Organisiertheit, in ihrer Strukturiertheit und auch in den Erfolgen, die sie zu verzeichnen haben, als Vorbild betrachtet werden sollten. Dass es beispielsweise den IS in der Form nicht mehr gibt, haben wir in erster Linie Kurd*innen zu verdanken.

Die Revolution im Iran ist im Gegensatz zu anderen feministischen Protestbewegungen stärker im Westen rezipiert worden und hat international viel Aufmerksamkeit bekommen. Afghanische Protestbewegungen wurden hingegen medial kaum thematisiert. Woran liegt das?

Die Frage habe ich mir auch sehr oft gestellt. Zum einen glaube ich, dass die internationale Staatengemeinschaft mit Afghanistan bis zu einem gewissen Grad abgeschlossen hat. Wir haben das zum Beispiel gesehen, als über Nacht die Truppen aus Afghanistan abgezogen wurden. Man hat bei diesem Abzug ganz genau gewusst: Wenn die Truppen weg sind, kommen die Taliban. Und das ist dann auch passiert. Man hat Afghanistan auf brutalste Weise im Stich gelassen. Hinzu kommt, dass die iranische Diaspora mit acht Millionen Iraner*innen zahlenmäßig größer ist als die afghanische und vergleichsweise alteingesessen. Teilweise lebt sie seit mehreren Generationen im Westen, ist gut etabliert und konnte dieses Momentum letztes Jahr gut nutzen, um die gesamte Öffentlichkeitsarbeit dieser feministischen Revolution aus der ­Diaspora heraus zu übernehmen. Von diesen acht Millionen Menschen sind, egal ob Linke oder Monarchist*innen, die meisten gegen das Regime. Iraner*innen gelten außerdem oft als „gut integriert“ und bekommen die Zuschreibung der „guten Ausländer“, auch das macht einen Unterschied. Wenn wir uns Schlüsselpositionen in westlichen Ländern ansehen, gibt es immer auch Personen iranischer Abstammung, die in politischen Parteien oder anderen Funktionen tätig sind und von dort aus einiges für die Bewegung bewirken können. Wenige ethnische Gruppen haben das in diesem Ausmaß.

Wir erleben momentan auch in Berg­karabach eine Situation, die sich immer weiter zuspitzt. Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem erneuten Genozid an Armenier*innen, dennoch scheint sich das Interesse an den Geschehnissen im deutschsprachigen Raum in Grenzen zu halten.

Bergkarabach ist ein Konflikt, den es schon seit Ewigkeiten gibt, und tatsächlich ist es so, dass das öffentliche Interesse daran sehr gering ist. Die UN hat schon seit der Blockade des Lachin-Korridors von einem schleichenden Genozid an den Armeniern in Bergkarabach gesprochen. Damals wurde die Zufuhr von Lebensmitteln und Medikamenten durch Aserbaidschan bewusst blockiert, was zur Folge hatte, dass Armenier*innen in eine Hungersnot geschlittert sind und die Anzahl an Totgeburten angestiegen ist. Kürzlich hat ein Militäreinsatz begonnen, der wenige Tage gedauert hat, bis es zu einem Waffenstillstand gekommen ist. Jetzt ist die Sorge, auch bei mir, dass es zu Vertreibungen und ethnischen Säuberungen kommen könnte. Armenien hat daraufhin eingelenkt und territoriale Ansprüche abgelegt, wenn es im Gegenzug bestimmte Sicherheiten für die armenische Bevölkerung in Bergkarabach gibt. Diese Sicherheiten werden Armenier*innen nicht zugesprochen und deshalb gibt es momentan eine große Angst davor, was nach einer Macht­übernahme mit den Armenier*innen passieren wird. ­Lösen müsste man das auf einer politischen Ebene – es muss Verhandlungen geben, bei denen zumindest Sicherheitsgarantien für die armenische Bevölkerung ausgesprochen werden müssen. •

Shoura Hashemi ist Juristin und hat vor Kurzem die Geschäftsführung von Amnesty Austria übernommen.

Leyli Nouri ist freie*r Journalist*in und Student*in, beschäftigt sich intensiv mit kurdischen, afghanischen und iranischen Protestbewegungen und betätigt sich aktivistisch im Verein Javaneh.

Maryam Al-Mufti ist Politikwissenschaftlerin und quereingestiegene Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien.

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