II/2023 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Thu, 09 Mar 2023 22:00:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png II/2023 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 World’s Worst Feminist https://ansch.4lima.de/worlds-worst-feminist-4/ https://ansch.4lima.de/worlds-worst-feminist-4/#respond Thu, 09 Mar 2023 22:00:20 +0000 https://anschlaege.at/?p=101823 ]]>
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„Das sollte nicht normal sein” https://ansch.4lima.de/das-sollte-nicht-normal-sein/ https://ansch.4lima.de/das-sollte-nicht-normal-sein/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:55:47 +0000 https://anschlaege.at/?p=101820 In einer mutigen Rede kritisierte Luna Jordan Machtmissbrauch in der Schauspielbranche. Die junge Berlinerin will selbst Teil eines Wandels sein. Von Laura Helene May In Österreich ist Luna Jordan spätestens seit dem Filmpreis 2022 einem großen Publikum bekannt. Für ihre Rolle als Gefängnisinsassin Samira in Arman T. Riahis Spielfilm „Fuchs im Bau“ wurde sie als […]]]>

In einer mutigen Rede kritisierte Luna Jordan Machtmissbrauch in der Schauspielbranche. Die junge Berlinerin will selbst Teil eines Wandels sein. Von Laura Helene May

In Österreich ist Luna Jordan spätestens seit dem Filmpreis 2022 einem großen Publikum bekannt. Für ihre Rolle als Gefängnisinsassin Samira in Arman T. Riahis Spielfilm „Fuchs im Bau“ wurde sie als beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet – und nutzte die Bühne für einen Weckruf: „Ich bin gerade einmal zwanzig Jahre alt und ich bin bereits viermal Opfer von sexuellem Missbrauch an Filmsets und Theaterhäusern geworden. Das sollte nicht normal sein, ist es aber.“ Eigentlich wollte sie diese Rede nie halten – doch kurz vor der Verleihung erfuhr sie von erneutem Machtmissbrauch hinter der Bühne und einem sexuellen Übergriff auf ihren besten Freund. Der dafür verantwortliche österreichische Filmemacher war an diesem Abend bei der Preisverleihung anwesend und Jordan erhob ihre Stimme – gegen Gewalt in der Kulturbranche. „Es gehört zum Erwachsenwerden, dass man zu den eigenen Haltungen stehen kann“, sagt sie im an.schläge-Interview. Ihr Mut wurde mit Standing Ovations belohnt.

Die Berlinerin blickt mit gerade einmal 21 Jahren bereits auf eine vielseitige Karriere zurück: Im Fernsehen stand sie für ZDF-Krimireihen wie „Bergdoktor“ oder „Kommissarin Lucas“ vor der Kamera. Auch im Jugendensemble und den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin wirkte Jordan mit sowie in Kurzfilmen und der sechsteiligen Netflix-Serie „Schlafende Hunde“, die im Mai startet. „Fast alle Kolleg*innen am Theater haben Machtmissbrauch erlebt“, sagt Jordan. An den Schauspielhäusern gebe es immer noch alte Machtstrukturen und starre Hierarchien. Ganz anders sei der Umgang hingegen an Sets von Streaming-Diensten. Achtsamkeit für Machtmissbrauch spiele bei Netflix schon während der Dreharbeiten eine Rolle. Zum Beispiel in Form von kurzen Aufklärungsvideos, die über angemessene Umgangsformen und Diskriminierung informieren. „Obwohl das so banal erscheint, ist das vielen Menschen nicht klar. Ich finde es super, dass die Streamer darauf achten.“ Wenn sie sich am Set dennoch mal unwohl fühlt, hat die junge Schauspielerin schnell gelernt, sich Vertraute zu suchen und über kritische Situationen zu sprechen. „Wenn einem so etwas passiert, denkt man ja oft erst einmal: Habe ich das jetzt falsch interpretiert?“

Auch wenn das Thema sich nicht darauf reduzieren lasse, nimmt Luna Jordan einen deutlichen Generationen-Gap wahr. Männer über sechzig „ignorieren das oft“, sagt sie. Sie verteidigen z. B. sexistische Witze und verkaufen das als „ Humor“, den andere nicht verstehen würden. Mit jungen Regisseur*nnen habe sie hingegen noch nie ein Problem gehabt. Das Alter mache auch in anderer Hinsicht einen großen Unterschied, nämlich bei Rollenangeboten. „Bei weiblich gelesenen Personen ab vierzig gibt es einen krassen Cut“, sagt Jordan und verweist auf den Aufruf des Magazins „Palais F*luxx“ „für ein zeitgemäßes Altersbild von Frauen in Film und Fernsehen“. Für sie blieben oft nur die Rollen der Mütter, Schwestern und Ehefrauen übrig – vom Fehlen nicht-binärer Figuren ganz zu schweigen. „Ich hoffe, dass auch hier ein Wandel kommt“, sagt die Schauspielerin.

Für sie als junge Frau gebe es attraktive Rollen, was aber auch oft abhängig vom Medium sei, also ob Fernsehen, Kino, Theater oder Streaming-Dienste. Insbesondere letztere würden mehr wagen und so auch interessantere Rollenangebote bieten. „Das sieht man etwa an Serien wie ‚Euphoria‘ oder ‚Sex Education‘“, sagt Jordan. Auch mit Debütfilmen hat sie gute Erfahrungen gemacht, denn „da trauen sich Regisseur*innen noch was“. Interessante emotionale Reisen und verkorkste Charaktere reizen Jordan ganz besonders, wenn sie ein Drehbuch vorgelegt bekommt. Inzwischen schreibt sie aber auch selbst. „Wenn ich nicht drehe, schreibe ich“, sagt sie. Ihr Kurzfilmdebüt „Furor“ ist ein Plädoyer für das Ausleben weiblicher Wut, lief auf Filmfestivals wie der Diagonale und wurde mehrfach ausgezeichnet. Auch ihr erster Langspielfilm ist bereits in Arbeit, entwickelt wurde er von einem Autor*innenkollektiv, mehr wird noch nicht verraten. Interessante Rollen dürfte Luna Jordan also bald selbst liefern. •

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Für Frauen ohne Kinder https://ansch.4lima.de/fuer-frauen-ohne-kinder/ https://ansch.4lima.de/fuer-frauen-ohne-kinder/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:47:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=101815 Illustration: Sabrina WegererBeate Hausbichler Ich weiß genau, was mich als Nicht-Mutter nerven würde, wenn ich denn eine wäre. Dieses Ding, dass sich Mütter manchmal, nicht immer natürlich, aber doch hin und wieder, so ein bisschen qua ihrer Mutterschaft als Märtyrerinnen aufführen. Brenzlig, das zu sagen, schon klar. Denn no na brauchen Eltern – vor allem Alleinerziehende – […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Beate Hausbichler

Ich weiß genau, was mich als Nicht-Mutter nerven würde, wenn ich denn eine wäre. Dieses Ding, dass sich Mütter manchmal, nicht immer natürlich, aber doch hin und wieder, so ein bisschen qua ihrer Mutterschaft als Märtyrerinnen aufführen. Brenzlig, das zu sagen, schon klar. Denn no na brauchen Eltern – vor allem Alleinerziehende – mehr Unterstützung von Seiten des Staates, etwa gute Kinderbetreuungsplätze, und Mütter deutlich mehr Care-­Arbeit von Vätern. Und wenn ein Elternteil mal krank ist und die Kinder ebenfalls – tja, dann ist das wirklich eine Zumutung und man wünscht sich Bescheidenes. Nämlich „nur“ krank zu sein, ohne sich auch noch um jemand anderen kümmern zu müssen.

Eine Zumutung ist aber auch für kinderlose Frauen, dass sie immer wieder von Müttern hören, wie paradiesisch doch ihr – zum Beispiel – Krankenstand im Vergleich zu ihrem ist. Kürzlich schrieb jemand der deutschen Autorin Margarete Stokowski, die auf Twitter öfter über ihre schwere Long-Covid-Erkrankung schreibt, sie solle sich das Ganze doch mal in der Variante vorstellen, dass sie zwei Kinder daheim hätte. Das erst wäre so richtig zäh. Doch so, ohne Kinder, sei es eher ein Spaziergang, hieß es sinngemäß. Wow. Und das ist nicht mal ein seltenes Vorkommnis: Dass Menschen mit Kindern so tun, als würden sie automatisch der Gesellschaft einen großen Dienst erweisen, während Kinderlose nicht mal wüssten, was es heißt, unausgeschlafen und mehrfach belastet zu sein.

Frauen ohne Kinder, Männer natürlich nicht, bekommen immer wieder vermittelt, dass es doch irgendwie egomäßig sei, so ohne Kind. Völlig egal, ob sie sich um ihre alten Eltern, andere Verwandte oder Freund:innen kümmern. Das scheint kaum zu zählen. Vergessen wird auch völlig, dass eine Frau mit Kind noch immer der gesellschaftlich akzeptierte Mainstream ist – und die meisten Mütter bekommen boshafte Botschaften an Frauen ohne Kinder gar nicht mit. Die zudringlichen Fragen etwa. Zum Beispiel, warum sie keine hat – während Mütter nie gefragt haben, warum sie Kinder haben. Das Thema Mutterschaft und „Frausein“ ist eben nicht nur für Mütter zäh.

Beate Hausbichler ist Redakteurin bei „dieStandard“.

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Nachsicht mit dem Bub https://ansch.4lima.de/nachsicht-mit-dem-bub/ https://ansch.4lima.de/nachsicht-mit-dem-bub/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:41:18 +0000 https://anschlaege.at/?p=101812 Fehler macht jede*r. Was aber als schlimmer Fehler gilt, was entschuldbar ist und mit welchen Konsequenzen jemand zu rechnen hat, darüber entscheidet die gesellschaftliche Rollenerwartung – und oft auch einfach das Geschlecht. Von Linda Kreuzer 2022 haben drei international bekannte Politikerinnen durch ihre öffentlich eingestandenen Fehler für mediales Aufsehen gesorgt. Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela […]]]>

Fehler macht jede*r. Was aber als schlimmer Fehler gilt, was entschuldbar ist und mit welchen Konsequenzen jemand zu rechnen hat, darüber entscheidet die gesellschaftliche Rollenerwartung – und oft auch einfach das Geschlecht. Von Linda Kreuzer

2022 haben drei international bekannte Politikerinnen durch ihre öffentlich eingestandenen Fehler für mediales Aufsehen gesorgt. Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einer Bundestagsrede die sogenannte „Osterruhe“, den angekündigten Lockdown, als „Fehler“ bezeichnet. Sie erklärte die Umstände, die gute Absicht, aber auch die schlechte Umsetzung, für die sie allein die Verantwortung übernehmen würde: „Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler, denn am Ende trage ich für alles die letzte Verantwortung. (…) Das bedauere ich zutiefst, und dafür bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung.“

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin sah sich im August 2022 nach dem Publikwerden von privaten Partyfotos mit Tränen in den Augen dazu gezwungen, sich öffentlich zu erklären, einem Drogentest zu unterziehen und sich dafür zu entschuldigen, dass sie mit Freund*innen gefeiert, Alkohol getrunken und getanzt hatte.

Jacinda Ardern, ehemalige Premierministerin von Neuseeland, bezeichnete im Herbst 2022 den Oppositionspolitiker David Seymour nach einer Parlamentsdebatte als „arroganten Arsch“. Durch ein unabsichtlich angelassenes Mikrofon konnte die Öffentlichkeit daran teilhaben. Sie entschuldigte sich bei Seymour und beide starteten mit dem signierten Ausdruck des Protokolls dieses Sagers ein Benefizprojekt zugunsten von Prostatakrebspatienten. Arderns Verständnis von Politik war in ihrer Zeit als Premierministerin durch ein starkes Verantwortungsbewusstsein geprägt. Ihr aufrichtiges Bemühen um Gerechtigkeit, das etwa in ihrer offiziellen und von den Betroffenen als authentisch wahrgenommene Entschuldigung für die rassistische Politik zum Ausdruck kam, haben ihre Amtszeit ausgezeichnet. Auch für das ungleich härtere Vorgehen in Migrationsangelegenheiten gegenüber der pazifischen Bevölkerung in den 1970er-Jahren, das unter dem Begriff „dawn raids“ (Razzien im Morgengrauen) bekannt geworden ist, bat Ardern um Verzeihung. Warum also sind Politikerinnen offensichtlich eher dazu bereit, Fehler öffentlich einzugestehen?

Patriarch & Schlitzohr. Die „Frank­furter Allgemeine Zeitung“ veröffentlichte 2013 einen Text mit dem Titel „Das Berlusconi-Syndrom“. Die Auseinandersetzung mit dem insgesamt viermaligen Ministerpräsidenten Italiens Silvio Berlusconi und dessen Liste an strafrechtlich relevanten Vergehen während seiner Amtszeiten füllt bereits Bücher. Korruption, Betrug, sexuelle Gewalt. Wenn er irgendwann einmal begonnen hätte, sich für sein Verhalten zu entschuldigen bzw. zu verantworten, wir wären vermutlich noch mitten in der Aufnahme. Seine Beliebtheitsgrade unterlagen immer wieder Schwankungen und doch reichten die Zustimmungswerte des von vielen bewunderten Politikers für seine mehrmalige Wiederwahl. Politische Entwicklungen sind immer komplex, in der Analyse dieses Phänomens erweisen sich zwei Faktoren aber als besonders aufschlussreich: die Frage nach dem Geschlecht bzw. der sozialen Kontrolle und die der Macht. Der Politikstil der Person Berlusconi bedient zwei unterschiedliche Bilder zugleich: Das des mächtigen und erfolgreichen Patriarchen und das des schlitzohrigen, lustigen Buben, der eben nicht anders kann, als seinen Impulsen zu folgen. Die Ehrfurcht, der Respekt vor Macht und Geld, dabei aber auch der fast zärtliche Blick auf den „Lebemann“, der sich beim Anblick schöner Frauen nicht im Griff hat, ist als Folie auf viele aktive, großteils dem rechtspopulistischen Lager zuzuordnenden Politiker übertragbar.

„Buberl-Partie“. Die sogenannte „Buberl-Partie“ in der FPÖ wurde zwar belächelt, allerdings erlaubt einem das „Bubsein“ auch den einen oder anderen „Schnitzer“. Ob Liederbücher mit nationalsozialistischem Gedankengut, rassistische oder sexistische Aussagen, Hetzen gegen Minderheiten, Korruption und Veruntreuung oder politische Fehlentscheidungen – unter österreichischen Politikern sind das Eingestehen von Fehlverhalten, die aufrichtige öffentliche Entschuldigung und Rücktritte als Konsequenz genauso wenig üblich wie im Nachbarland Italien. Die Politikerin Ulrike Lunacek hingegen trat nach nur vier Monaten im Amt als Staatssekretärin für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport zurück, weil ihr Fehlentscheidungen und mangelnde Eignung vorgeworfen wurden. Vorwürfe, die viele Politiker höchstwahrscheinlich einfach an sich abprallen hätten lassen.

Rollenerwartungen. Öffentliche Debatten über politische Fehlerkultur sind eine relativ neue Erscheinung. Entsprechend wenig systematisch beforscht sind laut den Politikwissenschaftler*innen Petra Dobner und Torben Fischer Fehler in der Politik im Zusammenhang mit Gender. Fehler eingestehen und dafür Verantwortung übernehmen ist in vielen Ländern jedenfalls keine besonders weit verbreitete politische Tugend. Auch die Definition und das Verständnis von politischer Fehlbarkeit hat sich durch Demokratisierungs- und Säkularisierungsprozesse stark verändert. Eine absolute Monarchin des 7. Jahrhunderts wie die chinesische Kaiserin Wu Zetian musste sich vermutlich, so zumindest die Quellenlage, vor niemanden für die von ihr zu verantwortenden eine Million Todesopfer während ihrer Regentinnenschaft entschuldigen.

Der Niedergang demokratisch nicht legitimierter politischer Herrschaft, die Religionskritik und die Idee von universalen Menschenrechten führten historisch zu einem neuen politischen Subjekt und zu einem neuen Verantwortungsverständnis. Sprich: Das Individuum wurde für seine Fehler verantwortlich gemacht. Allerdings galten und gelten dieselben Regeln nicht für alle Menschen, intersektionale Diskriminierungsfaktoren entscheiden weiterhin darüber, wem etwas verziehen wird und wem eben nicht. Geschlechterrollen sind mächtige Ordnungssysteme und dienen dem Machterhalt innerhalb von Gesellschaften.

Scham. Doch da Rollenerwartungen zunächst erlernt werden müssen, kommt den jeweiligen Erziehungskonzepten eine zentrale Bedeutung zu. Und der Umgang mit Fehlern, wem etwas warum und von wem nachgesehen wird, gründet sich schon in der Erwartungshaltung an Kinder. Dass „Buben eben wilder und Mädchen ruhiger sind“ ist ein Stehsatz, der trotz jahrzehntelanger feministischer Aufklärungsarbeit reproduziert wird.

Fehlverhalten von Kindern wird von den Erziehungsberechtigten, dem Umfeld und den Erziehungseinrichtungen oft entsprechend dem Rollenverständnis geahndet. Ein Mädchen, das aggressiv und laut auftritt, wird meist strenger gemaßregelt als ein Junge, der Lärm macht. Vordergründig gelten zwar oft die gleichen Strafmaßnahmen, die soziale Bestrafung durch die Enttäuschung der Erwartungshaltung von (noch dazu oft geliebten) Autoritätspersonen wirkt allerdings bei Kindern oft nachhaltiger als zum Beispiel Handyverbot oder Verweise. Diese Angst davor, die Erwartungshaltung zu enttäuschen, ist ein grundlegender Motor des Phänomens der Scham. Und Scham ist eine der wirksamsten sozialen Kontrollmechanismen. Wer schamlos agiert, setzt sich über alle moralischen Grenzen des Systems hinweg. Der Psychologe Wolfgang Kalbe kommt in seiner Studie über Scham zu dem Ergebnis, dass Frauen Scham oft intensiver erleben als Männer. Scham als Konsequenz von (vermeintlichem) Fehlverhalten wird als moralischer Kompass eingesetzt. Menschen, die keine Scham empfinden, haben auch ein vermindertes Schuldempfinden. Sanna Marin hatte bei ihrer Entschuldigung für ihr Partyfoto bzw. dem kurzen Tanzclip sichtlich mit ihrer Fassung zu kämpfen. Sie schämte sich, aus ihrer Rolle gefallen zu sein. Silvio Berlusconi blickt bei jeder Gelegenheit selbstbewusst und stolz in die Kamera. •

Linda Kreuzer hat Katholische Theologie und Philosophie studiert. Sie unterrichtet an verschiedenen Bildungseinrichtungen in Wien.

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Hart sein und weich genug bleiben https://ansch.4lima.de/hart-sein-und-weich-genug-bleiben/ https://ansch.4lima.de/hart-sein-und-weich-genug-bleiben/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:30:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=101803 Welche Kämpfe und Konflikte haben die queere Szene in den letzten Jahrzehnten geprägt? Wer hat wem welche Fehler vorgeworfen? Lea Susemichel im Gespräch mit Aktivistin Marty Huber über ungute Spiralen und den langen Schatten essentialistischen Denkens. an.schläge: Die Türkis Rosa Lila Villa in Wien, in der du seit 1996 aktiv bist und die gerade 40-jähriges […]]]>

Welche Kämpfe und Konflikte haben die queere Szene in den letzten Jahrzehnten geprägt? Wer hat wem welche Fehler vorgeworfen? Lea Susemichel im Gespräch mit Aktivistin Marty Huber über ungute Spiralen und den langen Schatten essentialistischen Denkens.

an.schläge: Die Türkis Rosa Lila Villa in Wien, in der du seit 1996 aktiv bist und die gerade 40-jähriges Bestehen gefeiert hat, eignet sich als konkreter Ort sehr gut, um an ihr exemplarisch etwas über Kämpfe innerhalb einer Bewegung zu erfahren. Welche großen Konflikte gab es in den letzten Jahrzehnten? Und wer hat wem dabei welche Fehler vorgeworfen?

Marty Huber: Ein zentraler Konflikt aus feministischer Perspektive war zu Beginn, dass die Villa-Lesben mit Schwulen statt mit feministischen Heteras zusammengearbeitet haben. Doch am Anfang stand einfach der Wunsch, mit der Villa eine Art „Liebes­unordnung“ zu praktizieren. Die Villa sollte ein sichtbares Statement sein: Wir Lesben und Schwule sind da und wir haben ein großes pinkes Haus! Gleichzeitig gab es ständig homofeindliche Angriffe, u .a. von kirchlicher Seite, das alles hat eine Generation geprägt, die sich oft auch physisch wehren musste.

Wie geht man vor diesem Hintergrund nun mit feministischer Kritik an sexualisierter Gewalt um, die es in der Szene gab. Diese Debatte über sexuelle Ausbeutung in der Community ist extrem hochgegangen. Das ist schwer zu bearbeiten und öffentlich auszutragen bei einer Gruppe, die durch unterschiedliche Schutzalter-Paragrafen diskriminiert ist.

Wer konnte bestimmte Dinge überhaupt ansprechen, ohne völlig in die Luft gejagt zu werden von einem sehr feindlichen Außen.

Das ist ja bis heute so. In Deutschland gibt es die Auseinandersetzung um Birgit Bosold vom Schwulen Museum in Berlin, die Missbrauchsfälle aufarbeiten will und dabei mit viel Widerstand konfrontiert ist, weil einige Schwule dieser Generation die Aufarbeitung als Angriff und Neuauflage des homofeindlichen „Kinderschänder“-Vorwurfs erleben.

Ja, die Angst vor dem Thema ist verständlicherweise bis heute groß. Von schwuler Seite wurde damals dagegengehalten, dass alle Lesben missbrauchsbetroffen und überhaupt nur deshalb lesbisch wären, weshalb sie jetzt überall Missbrauch wittern würden. Es ist bis heute schwierig, gerade in der Prävention. Dabei geht es nicht nur um die Ausnutzung von Altersunterschieden, sondern grundsätzlich um die Frage, wie ich meinen Körper schützen kann, wenn dieser Gewalt erfahren musste. Wie ich mit der Scham und dem Stigma umgehe, die damit einhergehen, und dem Ideal von sexueller Offenheit, das in der Szene existiert. Aber ich kann nicht zu einer Sexualität finden, die auf Konsens und Bewusstsein basiert, wenn ich mir diese Dinge nicht anschaue.

Du hast vorhin schon angesprochen, dass es ein Kampf an zwei Fronten ist, weil das feindliche Außen immer mitbedacht werden muss, das oft ja nur darauf wartet, dass man Fehler eingesteht und sich verletzlich zeigt.

Ja, immer gab es noch die Angriffe von außen parallel zu allen Konflikten, die es innerhalb abzuarbeiten gab. Die Herausforderung ist also: Wie kann man gleichzeitig hart genug sein und weich genug bleiben für diese Aufgaben. Dieser Zweifrontenkampf hat oft zu Stellungskriegen und immer wieder auch zu, aus heutiger Sicht, absurden Diskussionen geführt. 1997 gab es zum Beispiel ein Projekt zu Gewalt in lesbischen Beziehungen und es wurde kritisiert, dass man so ein Thema öffentlich behandelt.

Du sprichst von der Villa als „Konfliktzone“, die eben kein Safe Space sein kann, und du sprichst dich dagegen aus, aus einem falschen Harmoniebedürfnis Dissens zu nivellieren. Inwiefern sind Konflikte wichtig?

Die Frage möchte ich nutzen, um zunächst allen Queers of Color zu danken, die sich an mir abgearbeitet haben!

Alle Kämpfe, die viele Generationen in den letzten vierzig Jahren in der Villa führen mussten, haben viel Herzblut, Ressourcen und, was ich sehr bedauere, auch Freund*innenschaften gekostet – aber sie waren nötig. Nicht zuletzt, um zu erkennen, dass es bei uns intersektionale Abhängigkeitsverhältnisse gibt, gerade bei Nicht-Österreicher*innen und queeren Menschen of Color. Alles, was wir aus feministischen Gesellschaftsanalysen kennen, all das gibt’s hier auch und muss angegangen werden. Wie können unterschiedliche Formen der Unterdrückung berücksichtigt werden – das ist letztlich der lange rote ­Faden, der sich durchzieht.

Da geht es ja nicht nur um inhaltliche Auseinandersetzungen, sondern auch um die konkrete Ressourcenverteilung zwischen unterschiedlichen Gruppen. Wie ist es zur Gründung der Queer Base gekommen?

Die Frage muss aus meiner Sicht immer sein: Welche Community braucht das Haus gerade am nötigsten. Im Moment sind das vor allem queere Geflüchtete, die oft in den Unterbringungen massiver Gewalt ausgesetzt sind. Angefangen hat es mit einer trans Frau aus der Türkei, die in Schubhaft war, und für die die Villa eine Notwohnung angemietet hat, als sie aus der Haft kam. Als 2015 die trans Frau Hande Öncü ermordet wurde, hat die Kombination aus Trauer und Wut über diese Tat die Dringlichkeit struktureller Veränderung deutlich gemacht. So gesehen hat die Queer Base mindestens zwei trans Mütter.

In jüngster Zeit wird im Rahmen der sogenannten „identitätspolitischen“ Debatten viel Kritik an einer vor allem auf Social Media tatsächlich oft sehr aggressiven Call-out-Kultur geäußert, bei der kein Fehler mehr verziehen wird. Ist diese Kritik berechtigt?

Ich glaube, dass viele von uns – trauma-informiert, also aufgrund eigener Traumata – oft in unguten Spiralen stecken. Da braucht es viel mehr Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung. Wir müssen an einer Gesellschaft arbeiten, die feministisch ist für alle. Wie können wir Gewalt aushebeln, indem wir aus binärem Denken herauskommen. Das muss man gerade auch vielen Feministinnen sagen: Achtzig Prozent unserer cis-männlichen Klienten sind Opfer von sexualisierter Gewalt. Die Formel, wonach Frauen immer ­Opfer und Männer die Täter sind, stimmt einfach nicht. Die Einteilung ist nicht hilfreich, obwohl sie oft treffend ist. Deshalb verstehe ich auch den Einwand und den Schmerz von cis Frauen, die auf Femizide verweisen und sagen: „Man bringt uns um“. Aber auch trans Frauen werden umgebracht. Wie kommen wir also aus einer essentialistischen, biologistischen Sicht heraus? Darin besteht für mich die gegenwärtige Herausforderung. Anzuerkennen, dass auch Männer und Jungs Opfer des Patriarchats sind. Ich kann also einem Jungen nicht einfach nur sagen: „Du darfst nicht vergewaltigen“, sondern muss ihm auch vermitteln: „Du bist es wert, dass du auf deine Grenzen schaust.“

Mir liegt nichts ferner, als Menschen aus der Verantwortung dafür zu nehmen, dass sie sich in völlig blödsinnige Positionen verrannt haben. Aber manche transfeindlichen Feministinnen scheinen sich erst durch die Debatten derart radikalisiert zu haben. Wie ließe sich diese ungute Dynamik durchbrechen, dass Anklagen meist defensive Haltungen nach sich ziehen, was schlussendlich alles noch viel schlimmer macht?

Das ist schwierig. Wenn es aus den eigenen Reihen kommt, ist die Enttäuschung einfach ungleich größer. In dieser Debatte werden Diskurse wiederholt, die ich in meiner Jugend schon gehört habe, nach der AIDS-Panik und der Gay-Marriage-Panik gibt es jetzt eben die Trans-Panik, das ist ein extrem anti-emanzipatorisches Paket. Und statt zu sehen, dass wir eigentlich auf derselben Seite stehen, heißt es: Wegen dir darf ich jetzt nicht mehr „Frau“ sagen. Es müsste eben wirklich die Bereitschaft geben, anderen zuzuhören und sich Fehler einzugestehen, die ich bei besagten Personen nicht sehe. Einzuräumen, dass man gewisse Dinge nicht wusste oder eine völlig unseriöse Studie zitiert hat.
Trotzdem müssen wir uns natürlich mit Dynamiken beschäftigen, die ein Verhalten bestärken, und damit, wie Leute aus diesen Dynamiken wieder herauskommen.

Wenn wir die Theorie von Restorative Justice berücksichtigen und den Grundsatz beherzigen, dass es darum geht, die Tat und nicht die Täter:innen zu verurteilen, wäre es vielleicht auch hilfreich, sich mehr mit der Unterscheidung von „doing wrong“ und „being wrong“ auseinanderzusetzen. Denn dass viele Menschen Kritik offenbar so schwer aushalten bzw. Fehler annehmen können, hat viel damit zu tun, dass es bei dieser Kritik eben nicht um Fehlverhalten, sondern um die Kollektivschuld und Verantwortung geht, die ich aufgrund meiner eigenen Identität – weil ich weiß bin, weil ich Deutsche bin – unweigerlich habe und mich entsprechend verhalten muss. Und damit trifft mich Kritik eben auch im Innersten.

Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung. Ich bin erst am Anfang meiner Auseinandersetzung mit Konzepten von Restorative Justice und „We will not cancel us“, aber da müssen wir wirklich in eine andere Grammatik kommen, sonst sind das Selbstläufer, die sich immer wieder selbst nähren. Bei der Arbeit für Queer Base wird mir immer wieder klar: Wie können wir trotz allem einen Raum offenhalten, der nur im äußersten Notfall mit Ausschluss reagiert und ansonsten ein Ort des organisierten Verlernens von Unterdrückung bleiben? Letztlich bleibt die Villa ein Ort, wo das Gemäuer flüstert: Träumt laut und organisiert euch! •

Lea Susemichel ist seit 2006 eine der beiden leitenden Redakteurinnen der an.schläge und hat seither sehr viele Fehler gemacht.

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Bürgerliche Sackgasse https://ansch.4lima.de/buergerliche-sackgasse/ https://ansch.4lima.de/buergerliche-sackgasse/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:19:52 +0000 https://anschlaege.at/?p=101800 Für den europäischen Feminismus war lange nur die Frauenfrage von Bedeutung. Der herablassende Blick auf andere Befreiungsbewegungen hat in der Geschichte des modernen Europas System, analysiert Antje Schrupp. Historische Fehler der Frauenbewegung – wer wollte bestreiten, dass es die gegeben hat. Über vieles, was da zu Tage kommt, lässt sich schmunzeln, anderes ist geradezu haarsträubend. […]]]>

Für den europäischen Feminismus war lange nur die Frauenfrage von Bedeutung. Der herablassende Blick auf andere Befreiungsbewegungen hat in der Geschichte des modernen Europas System, analysiert Antje Schrupp.

Historische Fehler der Frauenbewegung – wer wollte bestreiten, dass es die gegeben hat. Über vieles, was da zu Tage kommt, lässt sich schmunzeln, anderes ist geradezu haarsträubend. Wenn sich feministische Ideen über historische Distanzen hinweg begegnen, führen sie in gewisser Weise einen interkulturellen Dialog. Das Verständnis ist nicht unmittelbar und direkt. Weder können wir einfach unsere eigenen analytischen Kategorien auf historische Texte anlegen noch dürfen wir achselzuckend sagen: „Damals war das eben so.” Sondern es gilt zu fragen: Wo auf dem Spektrum der zu einer bestimmten Zeit vertretenen Positionen befindet sich die jeweilige Denker*in oder Aktivist*in? Hat sie trotz zeitgenössischer Kritik an problematischen Standpunkten festgehalten? Oder urteilen wir heute aufgrund von Debatten und Informationen, die sie noch nicht hatte?

Modell der brüderlichen Gleichheit. Ich beschränke mich hier auf eine Kritik an feministischen Bewegungen der europäischen und US-amerikanischen Moderne. Zumal viele der heute diskutierten Irrtümer und Verfehlungen eines „weißen Feminismus“ speziell auf diesen Kontext zurückzuführen sind.

Ich würde sogar behaupten, dass der Ursprungsfehler des modernen Feminismus genau dort liegt: in dem Glauben, das einzige Problem der bürgerlichen Gesellschaft sei der Ausschluss von Frauen aus der „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ der Männer. Der europäische Feminismus ist in weiten Teilen eine Reaktion auf das historische Ereignis der Französischen Revolution 1789. Heute würde vermutlich die große Mehrheit europäischer Feminist*innen zustimmen, dass die Diskriminierung von Frauen mit anderen Differenzachsen zusammengedacht werden muss – Stichwort Intersektionalität. Doch zeitgeschichtlich hatte die Fokussierung auf die „Frauenfrage“ einen Grund. Denn mit der Idee von der „brüderlichen Gleichheit“ aller Männer wurde – auch wenn diese Gleichheit in der Realität kaum irgendwo umgesetzt wurde – das weibliche Geschlecht in der politischen Theorie zum einzigen Merkmal des „Anderen“. Das brachte eine neue Qualität von patriarchaler Ordnung mit sich – und viele der problematischen Positionen weißer bürgerlicher Frauen entwickelten sich von diesem Punkt aus.

Da wäre zunächst die Fixierung auf formale Gleichstellung und die Forderung nach dem Wahlrecht – die „Suffragetten” fungierten ja geradezu als Synonym für Feminismus. Aber weder für Menschen aus der Arbeiter*innenklasse noch für rassistisch Unterdrückte war die Frage des Wahlrechts von drängender Wichtigkeit. Die meisten Menschen erlebten Diskriminierung aus den unterschiedlichsten Gründen und auf vielen Ebenen und kamen sowieso nicht in den Genuss „bürgerlicher“ Rechte, auch nicht, wenn sie Männer waren.

Dass andere Hierarchien – entlang von kapitalistischer Ausbeutung, kolonialer Unterdrückung, rassistischer Menschenverachtung, sozialer Distinktion und vielem mehr – existierten, war den Frauenrechtler*innen durchaus klar. Aber die Diskriminierung von weißen bürgerlichen Frauen war insofern etwas Neues, als hier das Geschlecht zum einzigen Kriterium wurde. Ihre Blindheit für intersektionale Verwobenheiten ist nicht (nur) eine Frage persönlicher Ignoranz der Akteurinnen, sondern strukturell in die politische Geschichte des modernen Europa eingewoben: Niemand außer weißen Bürgerinnen wird ausschließlich wegen des Geschlechts diskriminiert.

Herablassender Blick. Tatsächlich waren die Verbindungslinien und Beziehungen zwischen Frauenbewegung und Arbeiter*innenbewegung, zwischen Frauenbewegung und Abolitionismus zunächst stark und vielfältig und entwickelten sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auseinander. Und, dies muss zur Ehrenrettung feministischer Bewegungen auch gesagt werden: Auch aus der weißen bürgerlichen Frauenbewegung selbst heraus gab es zu jeder Zeit vielfältigen Widerspruch und Protest gegen die sich herausbildende Engführung. Doch im Großen und Ganzen entwickelten bürgerliche Feminist*innen einen zunehmend herablassenden Blick auf alle Kulturen und soziale Bewegungen, in denen eine Gleichberechtigung der Geschlechter nicht im Zentrum stand.

Das betraf zum einen das proletarische Milieu, insofern sie Arbeiterinnen zwar für die Sache des Wahlrechts gewinnen wollten, die soziale Frage aber höchstens aus einer karitativen Perspektive angingen. Es betraf aber auch den Blick auf die Kolonien, denn gefangen in der „Zwei-Sphären”-Ideologie, wonach die strikte Trennung zweier Geschlechter in unterschiedliche Wirkungssphären die „natürliche“ und damit einzig mögliche Geschlechterordnung sei, erkannten oder verstanden die meisten weißen Frauenrechtlerinnen nicht, was für eine Katastrophe die Kolonisierung für die Menschen dort bedeutete. Und zwar besonders für die „frauisierten“ unter ihnen, also jene, die aufgrund ihrer Körper in ein europäisch-bürgerliches Modell von Weiblichkeit gepresst wurden, mit allen dazugehörigen patriarchalen Implikationen. Stattdessen unterstützten viele weiße Feministinnen das rassistische Narrativ von der europäischen Kultur als Vorreiterin von „Zivilisation” und sogar „Frauenrechten“.

Mütterliche Tugenden. Neben dem auf Rechte fokussierten Feminismus entstand aber noch ein anderer, komplementärer Irrweg moderner Frauenbewegungen, und zwar der Versuch, weibliche Freiheit über eine spezielle Betonung weiblicher oder mütterlicher Tugenden voranzubringen. Er findet sich in der bürgerlichen Frauenbewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts, aber auch später im Ökofeminismus oder unter Matriarchatsfeministinnen. Diese Strömungen übten mehr anti-bürgerliche Systemkritik als die Gleichstellungs-Feministinnen, und sie interessierten sich durchaus für andere als weiß-bürgerliche kulturelle Traditionen. Doch es gelang ihnen nicht, sich auf eine Zusammenarbeit oder gegenseitige Bereicherung einzulassen. Stattdessen projizierten sie zumeist eigene Sehnsüchte und Ideologien in vermeintlich „naturnahe” Kulturen hinein. Indem sie Weiblichkeit als Gegenpol zu bürgerlicher Männlichkeit verstanden, kamen auch sie nicht darüber hinaus, diese nur zu spiegeln.

Aus Irrtümern lernen. Noch immer fällt es den meisten Feminist*innen, die aus einer europäisch-bürgerlichen Tradition kommen, schwer, Freiheitsbestrebungen indigener, Schwarzer oder nicht-westlicher Frauen als solche zu erkennen und mit diesen Aktivist*innen in einen konstruktiven Austausch zu gehen. Doch wenn heute zum Beispiel von FLINTA* statt von Frauen die Rede ist, steht dahinter nicht nur der Wunsch, trans Männer und nicht binäre Personen in das feministische Subjekt einzubeziehen, sondern es ist auch als Versuch zu werten, das Gefängnis europäisch-­bürgerlicher Geschlechterkonzepte zu verlassen und aus den Irrtümern der Vergangenheit zu lernen.

Bei all dem sollten wir uns jedoch immer darüber im Klaren sein, dass auch wir nicht das Ende der Geschichte sind, dass unser heutiger Wissensstand und die gegenwärtigen Prioritäten ebenfalls zeitgebunden und kontextuell sind. Wer weiß, was Menschen in hundert Jahren über unsere heute in bester Absicht geführten Debatten sagen werden. •

Antje Schrupp ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin.

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„Es geht um Rechte, nicht um Almosen“ https://ansch.4lima.de/es-geht-um-rechte-nicht-um-almosen/ https://ansch.4lima.de/es-geht-um-rechte-nicht-um-almosen/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:08:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=101794 Die europäische Migrationspolitik steht immer mehr im Zeichen der Abschottung. Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger im Gespräch über Zäune, das paradoxe europäische Asylsystem und Geflüchtete, die keine sein wollen. Von Kathrin Reisinger an.schläge: Beim EU-Migrationsgipfel im Februar standen Abschottung und Rückführung auf der Tagesordnung, Österreich forderte Zäune an den EU-Außengrenzen. Die Rufe nach Fortifizierungen von […]]]>

Die europäische Migrationspolitik steht immer mehr im Zeichen der Abschottung. Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger im Gespräch über Zäune, das paradoxe europäische Asylsystem und Geflüchtete, die keine sein wollen. Von Kathrin Reisinger

an.schläge: Beim EU-Migrationsgipfel im Februar standen Abschottung und Rückführung auf der Tagesordnung, Österreich forderte Zäune an den EU-Außengrenzen. Die Rufe nach Fortifizierungen von Grenzen werden in Europa seit Jahren immer lauter. Warum ist das der falsche Ansatz?

Judith Kohlenberger: Wenn ich einen reißenden Fluss aufstaue, dann weiß jeder Mensch: Das geht eine kurze Zeit gut, aber irgendwann tritt das Wasser übers Ufer oder sucht sich einen anderen Weg. So ähnlich ist das auch bei Grenzbefestigungen, denn der Migrationsdruck und die Fluchtursachen dahinter verschwinden ja nicht.

Es werden also andere Routen gewählt?

Ja, und das sind häufig noch gefährlichere. Dreizehn Prozent der gesamten EU-Außengrenze sind schon mit Zäunen oder ähnlicher Infrastruktur fortifiziert. Das ist also überhaupt nicht neu. Das vermeintliche Tabu ist längst gebrochen. Mit den Zäunen sind aber auch die Überfahrten übers Mittelmeer gestiegen. Das Mittelmeer ist seit langem die tödlichste Grenze der Welt. Wir wissen außerdem, dass durch Zäune aber erst recht das Schlepperwesen befeuert wird. Denn wenn der Grenz­übertritt schwieriger wird, muss ich auf die Hilfe von Profis zurückgreifen. Diese wiederum können noch mehr Geld verlangen. Es ist also überhaupt nicht zu Ende gedacht.

Sie kritisieren, dass einzelne EU-Staaten wie Polen und Griechenland für ihren menschenrechtswidrigen Umgang mit flüchtenden Menschen keine Sanktionen fürchten müssen. An welche Sanktionen denken Sie?

Es braucht Sanktionen, und zwar Vertragsverletzungsverfahren. In Ungarn ist das Asylrecht außer Kraft gesetzt und man tut nichts. Und zwar aus strategischen Überlegungen heraus. Die Union will nicht das bisschen Einigkeit, das es unter den EU 27 noch gibt, aufs Spiel setzen. Das Einstimmigkeitsprinzip in Sicherheitsfragen ist ein Konstruktionsfehler der EU und macht sie behäbig, auch in der Antwort auf Krisen. Es bleibt immer nur der kleinste gemeinsame Nenner übrig – und der ist derzeit der Außengrenzschutz. Das hat der Migrationsgipfel wieder einmal deutlich gezeigt. Themen wie die innereuropäische Verteilung, ein gemeinsames Asylverfahren oder die vielen Rechtsbrüche in Form von illegalen Pushbacks kamen dort nicht vor. Ich glaube, das hat man bewusst ausgespart.

Die EU muss sich also die Frage stellen, wie glaubhaft sie noch ist. Man kann nicht Grundrechte für die einen abstellen, während sie für die anderen weiterhin gelten. Dass das gefährlich ist, zeigt uns das Beispiel Ungarn. Es fängt bei marginalisierten ­Gruppen an und setzt sich sukzessive fort. Auch Polen hat eine Rechtsstaatlichkeitskrise – nicht nur, was Geflüchtete betrifft.

Irgendwann kann sich das System nicht mehr halten, weil es diese Wider­sprüche nicht mehr vereinen kann. Hoffnung setze ich aktuell vor allem in wirtschaftliche ­Argumente. Viele haben erkannt, dass es legale Migration für den Arbeitsmarkt braucht. Das kann man natürlich auch kritisch sehen, etwa durch Gefahr des Lohndumpings. Aber zumindest auf dieser Ebene ist die reine Abschottung keine Option.

Flüchtende werden vor allem von rechten Parteien politisch instrumentalisiert. Eine Strategie, die bei Wahlen oft aufgeht. Wie ließe sich das verhindern?

Wortkreationen wie „Weaponization“ verschleiern, dass es hier um Menschen geht, die instrumentalisiert werden. Im belarussischen-polnischen Grenzgebiet sind Kleinkinder ums Leben gekommen, die in dieser Pattstellung gefangen waren. Dabei gäbe es eine relativ einfache Lösung. Und zwar, indem man Erpressungsversuche ins Leere laufen lässt und die paar dutzend Schutzsuchenden aufnimmt. Damit Erpressung funktioniert, muss es immer eine Seite geben, die sich erpressen lässt. Leider hat der Migrationsgipfel noch stärker das Bild nach außen getragen, dass es im Grunde nichts gibt, wovor sich Europa mehr fürchtet, als vor der Ankunft Schutzsuchender. Gleichzeitig schließt man weiterhin Abkommen mit Drittstaaten, denen man genau diesen Hebel für Erpressungsversuche in die Hand gibt, indem man Menschen dorthin auslagert.

Nicht nur auf europäischer Ebene, auch in Österreich brauchen manche politische Akteur*innen Flüchtende offensichtlich als Sündenböcke. Niederösterreich hat zuletzt gezeigt, dass sich mit dem Thema Wahlen gewinnen lassen. Immer noch.

Wie deuten Sie die unterschiedlichen Bewertungen von Flüchtenden? Ist das auch ein strategischer Rassismus?

Strategischer Rassismus ist eine gute Beschreibung für das, was in Österreich häufig passiert. Selbst ein Waldhäusl-Sager punktet wohl bei der Kernwählerschaft und schlägt in die Kerbe „Das wird man ja noch sagen dürfen“. Als Fluchtforscherin fand ich es auffällig, dass viele Ukrainer*innen, mit denen ich im Zuge einer Studie gesprochen habe, sagten: „We are not refugees.“ Das Label Flüchtling weisen manche deutlich von sich. Weil es eben so negativ aufgeladen ist. Da gäbe es die Möglichkeit zur Solidarität, aber die wird nicht von allen ergriffen.

Generell aber gilt: Ein Flüchtling muss kein guter Mensch sein. Der kann in sich viele Vorurteile tragen, das ändert nichts daran, dass er ein verbrieftes Recht darauf hat, einen Asylantrag zu stellen. Da geht es um Rechte, nicht um Almosen. Der Anlass für den letzten EU-Gipfel waren 330.000 sogenannter „Irregular Border Crossings“, die Frontex erhoben hat. Zugleich gibt es sieben Millionen geflüchtete Ukrainer*innen, die irgendwie alle in der EU untergebracht werden konnten. Auch in Ländern, die wenig Kapazitäten dafür hatten. Das Argument „Das Boot ist voll“ gilt also nicht. Genauso wenig, wie die Aufnahmebereitschaft auf Frauen und Kinder zu beschränken. Es ist natürlich wichtig, den besonderen Schutzbedarf von Frauen auf der Flucht wahrzunehmen, aber wenn man all das subtrahiert, bleibt nicht viel mehr übrig als purer Rassismus.

Welche Rolle spielt der Umgang mit Migration und mit Geflüchteten auch für die Machterhaltung eines patriarchalen Systems?

Die Integrationsarbeit wurde immer vorrangig von Frauen gemacht. Da sind einerseits die Frauen der Aufnahmegesellschaft. Die Menschen, die sich dort engagieren, sind Frauen aller Altersgruppen. Bei den Ankommenden sind es auch die Frauen – da muss man Susanne Raab recht geben –, die Multiplikatorinnen-Arbeit leisten. Wir reden aber nur über „den Flüchtling“, den jungen Mann, außer es geht ums Kopftuch, also wieder einmal um den Körper von Frauen. Und traditionellerweise reden vor allem Männer in Anzügen über Migration und Integration. Ich habe lange Zeit zu europäischer Migrationspolitik, die ja vor allem Grenzpolitik ist, viel weniger Medienanfragen bekommen als zu den „soften“ Integrationsthemen – obwohl sich mein Buch ersterem widmet. Dieses Missverhältnis im Migrations- und Integrationskomplex ist natürlich dem Patriarchat geschuldet. •

Kathrin Reisinger wünscht sich, dass Expertinnen mehr Gehör geschenkt wird. Um einen Umgang mit Fluchtbewegungen zu finden, der Wege ebnet für eine offene und zuversichtliche europäische Gemeinschaft aller Menschen, die hier leben.

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Kein Mitgefühl https://ansch.4lima.de/kein-mitgefuehl/ https://ansch.4lima.de/kein-mitgefuehl/#respond Thu, 09 Mar 2023 21:03:17 +0000 https://anschlaege.at/?p=101791 Seit Februar erschüttern Erdbeben die Region um Syrien, die Türkei und Kurdistan. Weit mehr als 50.000 Menschen starben bereits durch das Beben – entweder sofort oder frierend, hungernd unter den Trümmern, weil keine Hilfe vor Ort war. Auch jetzt ist in vielen Regionen noch lange nicht die Hilfe angekommen, um zumindest all jene zu versorgen, […]]]>

Seit Februar erschüttern Erdbeben die Region um Syrien, die Türkei und Kurdistan. Weit mehr als 50.000 Menschen starben bereits durch das Beben – entweder sofort oder frierend, hungernd unter den Trümmern, weil keine Hilfe vor Ort war. Auch jetzt ist in vielen Regionen noch lange nicht die Hilfe angekommen, um zumindest all jene zu versorgen, die seit dem Beben ohne Zuhause, medizinische Versorgung und Nahrung bleiben müssen.

Die Welt ist für viele seit dem 6. Februar nicht mehr dieselbe. Viele meiner Freund*innen, die Familie in der Region haben, verbringen ihre Tage und Nächte vor dem Handy oder dem Fernseher, um die Nachrichten mitzuverfolgen. Freund*innen und Familienangehörige sind teilweise bis heute nicht erreichbar. Sie wissen nicht, wie es ihren Liebsten geht. Sie wissen nicht, ob je Hilfe bei ihnen angekommen ist.

Ich verfolge, wie meine Freund*innen von früh bis spät auf Instagram posten, sich gegenseitig informieren und unterstützen. Wie sie gemeinsam trauern, von ihren Ängsten erzählen und über politisches Versagen aufklären. Sie tun all das, und haben trotzdem Uni-Abgaben, Hausarbeiten und Jobs, denen sie nachgehen müssen.

Viele haben durch das Beben alles verloren – ihre Welt steht still. Die Welt in Österreich, Deutschland und anderswo dreht sich jedoch weiter. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse derer, die jetzt so viel Schmerz durchleben müssen.

Ich spreche mit einigen Bekannten, die mir alle erzählen, dass sie ausschließlich von anderen Betroffenen und Migrant*innen gefragt worden sind, ob es ihnen gut geht, ob sie denn etwas brauchen würden. Dass sich ihre autochthonen Arbeitskolleg*innen, Mitschüler*innen oder Lehrkräfte kein einziges Mal nach ihnen und ihren Familien erkundigt haben. Keine empathischen WhatsApp-Nachrichten. Keine Anrufe. Keine Uni-Rundmails, die Betroffenen mehr Zeit für ihre Hausarbeiten zusichern. Nichts.

Ich besuche die Webseite der Universität Wien, in der Hoffnung, auf Informationen zu stoßen, die betroffenen Studierenden mehr Zeit für ihre Deadlines und Abgabefristen sicherstellen. Alles, was ich finde, ist ein Statement, das eine ganze Woche nach dem Erdbeben veröffentlicht wurde und aus einem einzigen Satz besteht.

„Die Universität Wien spricht allen Betroffenen sowie deren Familien und Freund*innen, die unter den Folgen des schweren Erdbebens in der Türkei und Syrien leiden, ihr tiefstes Mitgefühl aus“. Darunter ein Spendenlink zum Roten Kreuz. Das war‘s. Keine weiteren Infos für Studierende. Keine Hilfsangebote.

Drei Tage nach dem Erdbeben schreibe ich meiner Freundin Fatima und frage, ob sie Neues von ihrer Familie gehört hat. Ihre Antwort: „Fünf unserer türkischen Verwandten haben es nicht geschafft. Für heute habe ich mir aber vorgenommen in den Alltag zurückzukehren. Schließlich geht das Leben hier ja weiter …“

Ich sage ihr: „Es ist vollkommen okay, wenn du mehr Zeit brauchst, um dich davon zu erholen. Stell dir vor, einer Lisa würde über Nacht all das passieren. Alle hätten Verständnis, wenn sie länger keinen Kopf für Arbeit und Uni hätte.“ Ihre Antwort: „Ich bin aber keine Lisa.“

Das stimmt. Einer Lisa würde man so etwas nie zumuten. Eine Lisa, die gerade mehrere Verwandte an eine Naturkatastrophe verloren hat, würde mit Sorge und Verständnis begegnet werden. Eine Fatima muss es aushalten können.

Hierzulande sind die Menschen, die gerade unter und über den Trümmern ums Überleben kämpfen, nicht mehr als Zahlen. Zahlen, nach denen man sich nicht erkundigt. Zahlen, um die man sich nicht sorgt. Zahlen, die egal sind. •

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Feminist Superheroines: Nina Simone https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-nina-simone/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-nina-simone/#respond Thu, 09 Mar 2023 20:58:24 +0000 https://anschlaege.at/?p=101774 Am 21. Februar dieses Jahres wäre Nina Simone neunzig Jahre alt geworden. Die afroamerikanische Sängerin war nicht nur eine prägende Jazz- und Bluesmusikerin, sondern auch Bürgerrechtsaktivistin und eine Ikone der Black-Power-Bewegung der 1960er-Jahre. Simone begann bereits in jungen Jahren Klavier zu spielen und trat in der Kirche auf, später schloss sie ein Studium an der […]]]>

Am 21. Februar dieses Jahres wäre Nina Simone neunzig Jahre alt geworden. Die afroamerikanische Sängerin war nicht nur eine prägende Jazz- und Bluesmusikerin, sondern auch Bürgerrechtsaktivistin und eine Ikone der Black-Power-Bewegung der 1960er-Jahre.

Simone begann bereits in jungen Jahren Klavier zu spielen und trat in der Kirche auf, später schloss sie ein Studium an der renommierten Julliard School ab. Im Jahr 1964 führte sie vor einem weißen, bürgerlichen Publikum in der Carnegie Hall den Protestsong „Mississippi Goddam“ auf. Es war ihre Antwort auf die Morde dreier Bürgerrechtsaktivisten durch Mitglieder des Ku-Klux-Klans.

In ihren Texten thematisierte sie die Sklaverei ebenso wie die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung. Ihre Musik und ihr politisches Engagement inspirieren und empowern bis heute unzählige Menschen. phi

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