VII/2022 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Thu, 01 Dec 2022 13:18:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png VII/2022 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 World’s Worst Feminist https://ansch.4lima.de/worlds-worst-feminist-2/ https://ansch.4lima.de/worlds-worst-feminist-2/#respond Thu, 13 Oct 2022 22:27:55 +0000 https://anschlaege.at/?p=85600 ]]>
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„Auch Nacktheit ist ein Kostüm“ https://ansch.4lima.de/auch-nacktheit-ist-ein-kostuem/ https://ansch.4lima.de/auch-nacktheit-ist-ein-kostuem/#respond Thu, 13 Oct 2022 22:13:50 +0000 https://anschlaege.at/?p=85596 Die Shows von Florentina Holzinger werden in der internationalen Theater- und Performanceszene gefeiert. Clementine Engler hat die Choreografin während des ImPulsTanz in Wien getroffen und mit ihr über Ballett-Tradition, nackte Körper und Publikumsreaktionen gesprochen. Nicht grundlos werden Holzingers Vorführungen, die immer schnell ausverkauft sind, mit Altersbeschränkung und Triggerwarnung angekündigt, denn garantiert fließen jede Menge Blut […]]]>

Die Shows von Florentina Holzinger werden in der internationalen Theater- und Performanceszene gefeiert. Clementine Engler hat die Choreografin während des ImPulsTanz in Wien getroffen und mit ihr über Ballett-Tradition, nackte Körper und Publikumsreaktionen gesprochen.

Nicht grundlos werden Holzingers Vorführungen, die immer schnell ausverkauft sind, mit Altersbeschränkung und Triggerwarnung angekündigt, denn garantiert fließen jede Menge Blut und Körperausscheidungen. Auch selbstverletzende und sexuelle Handlungen werden explizit gezeigt.

Gemeinsam mit ihrem Team inszeniert die Wiener Choreografin aus­ufernde Shows, die vor wenig haltmachen. Schwierige Themen scheinen mit reichlich Humor verdaulich. Ihr Selbstanspruch ist es, immer neue Disziplinen zu lernen: Kampfsport, Zirkus, Stunts, Side- und Talentshow­einlagen. Unterhaltungsformen, die zumeist als profan abgetan werden, holt Holzinger auf die klassische Theaterbühne. Und während die Performer*innen in jeder Vorstellung physische Höchstleistungen erbringen, durchlebt das Publikum ein Wechselbad der Gefühle – von Faszination zu Schönheit zu Ekel und von Angst zu Freude.

an.schläge: Du arbeitest mit vielfältigen Referenzen. Wünscht du dir, dass diese verstanden werden oder reicht es, wenn sich manche einfach gut unterhalten fühlen?

Florentina Holzinger: Das ist alles voll okay für mich. Wir haben auch masturbierende Männer in unserem Publikum und selbst das ist okay für mich. Ich will mein Publikum nicht kontrollieren. Wir gehen in unseren Shows in ein Experiment, bei dem das Publikum Teil ist. Performance-­Arbeit hat in diesem Sinne das Potenzial, Aufschluss über Menschen, über eine Gesellschaft zu geben. Eine Publikumsreaktion erzählt unglaublich viel, auch darüber, was eigene Aktionen auslösen können. Ich habe überhaupt keine Naivität in Bezug auf Nacktheit. Manche finden das einfach geil, andere finden, dass das Hochkultur ist. Wenn meine Shows unterhalten, umso besser. Ich schau mir auch lieber eine Show in Vegas an als minimalistische Performance. Geht zwar auch, aber Unterhaltung dient als Verführungsmoment, die Menschen hineinlockt, um sich dann mit komplizierteren Themen zu beschäftigen. Den Mechanismus nutzen wir.

Warum performt ihr nackt?

Darauf gibt’s zigtausend Antworten. Die dummen: Es ist am billigsten und ich interessiere mich nicht für ­Fashion. Mich interessiert der Körper als Material, die Haut, das Fleisch. Anziehsachen lenken mich ab, bedecken Sachen, auch Inhalte. Aber auch Nacktheit ist ein Kostüm. Ich arbeite mich sehr stark an dem Thema ab, an dem erotischen Potential von Performance, der visuellen Erfahrung von weiblich gelesenen Körpern, dem sexualisierten Körper, an Blickpolitiken. Wir wollen den Körper bei der Arbeit zeigen.

Und es ist auch eine ästhetische Entscheidung. Wir beziehen uns viel auf Tanzgeschichte, Theatergeschichte, Kunstgeschichte. Jede*r kennt diese barocken Bilder von nackten Frauen im musealen Kontext. Für unsere kommende Show arbeiten wir intensiv mit Wasser. Und da finden sich immer wieder diese Badenden. Warum sollte ich die plötzlich in Speedos ­darstellen?

Beim diesjährigen ImPulsTanz Wien warst du mit „TANZ – eine sylphidische Träumerei in Stunts“ vertreten. Der Titel verrät bereits einen Genremix, der deiner künstlerischen Handschrift entspricht. Wie bringst du das klassische Ballett „La Sylphide“ und die Stuntshow zusammen?

Die romantischen Ballette des 19. Jahrhunderts können auch schon als Action-Ballette verstanden werden. Damals fanden es die Leute voll geil, komplexe Mechanismen zu entwickeln, wie eine Unterbühne unter der sichtbaren Bühne, um Sachen zu versenken und zu katapultieren. Oder Systeme, um die Ballerinas schweben zu lassen. In Folge kam es natürlich zu vielen Unfällen. Tatsächlich waren das Stuntshows, auch wenn sie nicht so benannt wurden.

Diese Mechanismen sollten eine Illusion erzeugen und waren für die populären Themen der Romantik – Feenwesen und andere nicht-menschliche Kreaturen – sehr interessant. Für mich das Faszinierende am Theater: Wie kann eine gewisse Magie eingefangen werden? Wie können die Feenwesen ein Leben bekommen? Wie kann ein Ballett-Unterricht als Training verstanden werden, das nicht gegen den Körper arbeitet, sondern für eine*n nützlich ist?

Eine Szene in „Tanz“ stellt einen klassischen Ballett-Unterricht nach. Die 80-jährige Beatrice Cordua performt als Lehrerin, drillt, diszipliniert und wird sexuell übergriffig. Zeitgleich zur Uraufführung wurden Missstände an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper öffentlich, die dem sehr nahekommen.

Die meisten Erfahrungen aus meiner eigenen Tanzpraxis in Schul- und Akademiesituationen würden sich hervorragend eignen, um Szenen zu entwerfen, die wie ärgste Parodien wirken. Natürlich überspitzen wir und lassen es in eine pornografische Richtung entgleisen. Aber solche Sachen passieren im Kern schon. Das bleibt oft sehr verschwommen. In der Unterrichts­szene wollten wir die Kompliziertheit darstellen. Die Schüler*innen stellen keine klischeehaften Opfer dar, wir wollten die Umkehrung in etwas Empowerndes schaffen und untersuchen, wo innerhalb des rigiden Trainings, dem sich die Schüler*innen unterwerfen, trotzdem Spaß am Körper entstehen kann.

Deine frühen Produktionen sind in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Vincent Riebeek entstanden. Seit einiger Zeit arbeitest du mit einem rein weiblich gelesenem Cast. Warum diese Entscheidung?

Ich wollt mich speziell mit dem weiblich gelesenen Körper auseinandersetzen. In all diesen Shows – „Recovery“, „Apollon“ und „Tanz“ – spielt die Ballett-Tradition eine zentrale Rolle. Ich wollte Körper inszenieren, die diese spezifische Erfahrung gemacht haben, die diese Erfahrung mitbringen. Und die habe ich in diesem Cast gefunden. Ich weiß nicht, ob ich für einen cis Mann bereit wäre. Gleichzeitig bin ich es aber auch leid, immer in die Frauen-Schublade gesteckt zu werden. Mir ist es wichtig mit Leuten zu arbeiten, die zu einem Thema Unterschiedliches sagen können. Das ist aktuell nicht mehr dezidiert geschlechtsabhängig.

Medien rezipieren dich häufig als extrem, provokant, pornografisch. Sind das Zuschreibungen, mit denen du dich identifizieren kannst?

Ich bin vom Tanz- ins Theaterpublikum reingerutscht. Dadurch hat sich viel in der Rezeption verändert. Die Arbeit mit Vincent war wohl am trashigsten, da haben wir die derbsten Kommentare bekommen. Da gab’s noch keine Reputation im Sinne: „Das kann schon ernstgenommenes Theater sein und bekommt ‚beste Regie‘ bei so einem Old-School-Theater-Preis.“ Eigentlich kommt es aber darauf an, wer darüber schreibt. Im Tanz sind die Leute informierter, im Theater fehlt das Vokabular, für das, was wir tun. Dann rutscht viel in die Richtung: „Da kacken sie auf der Bühne!“ Die Frage, wo gehören wir dazu, war schon immer ein Ding. Ich verstehe mich definitiv als Choreografin und nicht als Regisseurin. In einem Theaterkontext können wir trotzdem existieren. Generell habe ich mir schon früh angewöhnt, die Labels an mir abperlen zu lassen. Als Künstler*in ist die unterschätzte Position die beste. Wenn Leute sagen, das ist Trash, dann gibt es nur einen Weg – nach oben.

Holzingers aktuelle Show „Ophelia’s Got Talent“ ist seit Mitte September an der Volksbühne Berlin zu sehen und tourt ab 2023 durch weitere Städte.

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Fußball pur https://ansch.4lima.de/fussball-pur/ https://ansch.4lima.de/fussball-pur/#respond Thu, 13 Oct 2022 22:04:39 +0000 https://anschlaege.at/?p=85588 Viktoria Schnaderbeck wird nicht nur von queeren Nachwuchs-Fußballerinnen verehrt. Die Ex-Kapitänin des Österreichischen Nationalteams hat mit Clara Gallistl über die Zukunft des Fußballs, lesbische Sichtbarkeit im Sport und Frauen im ÖFB gesprochen. „Ich will mich jetzt nicht in einen konservativen Haufen hineinziehen lassen“, sagt Viktoria Schnaderbeck. Erst vor Kurzem hat die ehemalige Kapitänin des österreichischen […]]]>

Viktoria Schnaderbeck wird nicht nur von queeren Nachwuchs-Fußballerinnen verehrt. Die Ex-Kapitänin des Österreichischen Nationalteams hat mit Clara Gallistl über die Zukunft des Fußballs, lesbische Sichtbarkeit im Sport und Frauen im ÖFB gesprochen.

„Ich will mich jetzt nicht in einen konservativen Haufen hineinziehen lassen“, sagt Viktoria Schnaderbeck. Erst vor Kurzem hat die ehemalige Kapitänin des österreichischen Fußball-Nationalteams das Ende ihrer Spielerinnenkarriere bekanntgeben und ist aus London zurück nach Österreich gezogen. Schnaderbeck hat es sich mit einem Cappuccino am Esstisch gemütlich gemacht, während ihre Verlobte Anna Markhus im Home-Office arbeitet und ihr Vater draußen den Rasen mäht.

Viktoria Schnaderbeck genießt ihre neue Unabhängigkeit, das spürt man sofort. Die Abwehrspielerin gehört zu jener Generation Profis, die den Frauen-Fußball in Österreich erfolgreich gemacht haben. Das Erreichen des Halbfinales bei der EM 2017 löste einen Hype aus, der dem Team um Trainerin Irene Fuhrmann bei der diesjährigen EM in England Rückenwind verschaffte. Nun steht die Qualifikation zur WM 2023 an.
Nach elf Jahren bei Bayern München und weiteren vier bei Arsenal London und Tottenham Hotspurs kennt Schnaderbeck den Druck und die Geschwindigkeit der deutschen und englischen Liga.

an.schläge: Wie würdest du das Kräfteverhältnis der europäischen Ligen beschreiben?

Viktoria Schnaderbeck: Die englische Liga ist sicher am attraktivsten. Zuschauermäßig wird sich da sehr viel tun nach der EM. Spielerisch haben Frankreich und Spanien vermutlich die besten Teams. Italien zieht nach. Deutschland und England haben die besten ausgeglichenen Ligen.

Welche Rolle spielt die österreichische Liga in Europa?

St. Pölten ist mit Abstand die beste Mannschaft. Sie haben sich in der Champions League etabliert. Dann ist das Gefälle relativ groß. Einzelne Mannschaften ziehen jetzt nach. Es ist schade, dass das so langsam geht. Wenn große Clubs wie Salzburg oder Rapid in die Liga einsteigen, ist das gut, weil diese Clubs eine bessere Infrastruktur und ein größeres Budget haben.

Der Austragungsort der beiden letzten Heimspiele des Nationalteams wurde international kritisiert. In Sport am Sonntag drückten Fans, Spielerinnen und sogar die englische Teamchefin ihre Enttäuschung darüber aus, dass in Wiener Neustadt gespielt wurde. Eine Frage der Wertschätzung?

Die Entscheidung über den Spielort beruht eher auf Vorurteilen als auf Fakten. Man wusste schon früh, dass das Spiel gegen England ein richtig cooles Spiel wird. Die Entscheidung zeigt mir, dass man nicht daran glaubt, dass die Frauen ein Stadion vollkriegen, dass wir ein attraktives Spiel leisten. Warum glaubt man, dass nicht 20.000 Leute ins Stadion kommen? Das basiert auf keinen Fakten und zeigt eine klare Haltung. Mit so einem Denken wirst du nie Veränderung erzielen.

Wie fühlt es sich an, wenn ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel sagt: „Wir schauen uns das einmal an?“

Wie viel Entwicklung muss denn noch passieren, damit wir in ein großes Stadion dürfen? Müssen wir zuerst Weltmeisterinnen werden? Bei so einer Aussage ist die unterschwellige Botschaft klar. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Peter Schöttel und Bernhard Neuhold (Geschäftsführer ÖFB, Anm.). Da sind solche Entscheidungen schon enttäuschend. In der ganzen Mannschaft herrscht ein Gefühl der Frustration und Ärger. Man fühlt sich auch hilflos, weil man wenig Einfluss hat.

Die neue Kapitänin Carina Wenninger sagt, der Wunsch auf ein größeres, besser gelegenes Stadion wurde seitens der Mannschaft an den ÖFB herangetragen. Wie kann man sich die Kommunikation im ÖFB vorstellen? Hast du dich als Kapitänin mit David Alaba und Marko Arnautovic ausgetauscht, wenn es um den ÖFB ging? Wie eng ist die Zusammenarbeit des Nationalteams mit dem Männerteam?

In unseren Prämienverhandlungen waren wir aktiv im Austausch. Die Männer haben sich committed, zugunsten unserer Prämien auf einen Teil ihrer Mediengelder zu verzichten. Die Wege sind nicht lang und auch sehr persönlich. Es hat den Wunsch gegeben, marketingmäßig mehr gemeinsam zu machen, auch um das Eis zu brechen. Das ist aber nicht zustande gekommen, wäre aber natürlich super. Als Zeichen der Solidarität muss jetzt der nächste Schritt kommen. Der Druck für die Verantwortlichen ist ziemlich groß.

Durch Spielerinnen wie dich wird Queerness im Sport sichtbarer. Darüber freuen sich vor allem junge, lesbische Spielerinnen. Du wirst von manchen sogar als „Queer Icon“ bezeichnet.

Das freut mich natürlich sehr. Selber würde ich mich nie als „Icon“ bezeichnen, aber es freut mich, wenn sich junge Spielerinnen durch mich bestärkt fühlen.

Wie wichtig ist lesbische Sichtbarkeit im Profi-Fußball?

Erstens ist es wichtig, dass man sich selbst wohlfühlt. Als ich noch jung war, habe ich gemerkt, dass ich mich zu Frauen hingezogen fühle. Ich habe das aber lange nicht akzeptieren können. Es ist wichtig, dass man zu sich selbst steht. Das Zweite ist dann, wie man damit umgeht. Die einen sagen, ich möchte das nicht nach außen tragen. Die anderen sagen, ich möchte gerne ein Zeichen setzen. In meinem Fall ist das so und ich kenne auch viele Spielerinnen aus anderen Nationen, die sehr aktiv sind, was die Community betrifft.

Wie wirkt sich Homophobie auf Spieler:innen aus?

Das kann extrem hemmen. Wenn du vom Fußball oder von Daheim mitkriegst: Schwulsein ist schlecht, Anderssein ist schlecht, dann fühlt man sich als Versager und Außenseiter. Das hemmt die Entwicklung im Fußball, aber auch in anderen Bereichen.

Im Männerfußball ist Homophobie leider verbreitet. Ist das im Frauenfußball anders?

Es gibt tatsächlich sehr wenig. Die Fankultur ist im Frauenfußball anders. Die Geschichte der Hooligans gehört zu einer bestimmten Gruppe Menschen. Bei uns geht es immer um die Sache: den Fußball.

Ein Gedankenexperiment: Wenn bei deinem Heimatverein die eigenen Fans ein homophobes Spruchband hochziehen würden: Wie würdest du als Kapitänin reagieren?

Ich würde es melden, handeln und fordern, dass der Verein etwas unternimmt. Ich würde es in der Mannschaft ansprechen und eine Sportpsychologin dazu holen. Man muss sich als Verein klare Maßnahmen überlegen. So etwas darf nie toleriert werden.

Zurück zum österreichischen Fußball: Welches Potenzial ist durch die herausragende Leistung des Nationalteams entstanden?

Es gibt das Potenzial, aber es braucht Leute, die voll daran glauben. Nur eine Frauenmannschaft zu machen, reicht nicht. Das Schöne wäre, dass du nicht nur für den Sport etwas leisten, sondern auch gesellschaftlich ein Zeichen setzen kannst.

Für welches Jahr ist Equal Pay im Nationalteam realistisch?

Ich glaube, wenn es möglich ist, dann in den nächsten fünf Jahren. Unsere Erfolge sind derzeit konstant besser als die der Männer.

Rapid hat beschlossen, 2023 ein Frauenteam zu etablieren. Als Fan muss ich jetzt nochmal fragen: Welche Rolle könnte Rapid in der Bundesliga einnehmen?

Je mehr Mannschaften auf hohem Niveau in Österreich spielen, desto besser. Vereine wie Rapid und Salzburg haben eine etablierte Fankultur, stabile Strukturen, Partner. Für so jemanden ist es immer leichter, Frauen zu inkludieren. Wenn Austria gegen Rapid spielt, würde das viele Fans anziehen. Aus London weiß ich, dass Fans dann ins Stadion gehen, weil sie Arsenal-Fans sind, und nicht, weil sie Arsenal-Frauen-Fans sind. Da geht es um die Ehre.

LASK-Trainer Didi Kühbauer ist kürzlich mit einem frauenverachtenden Sager aufgefallen. 90minuten-Chefredakteur Georg Sander stellt einen Zusammenhang zwischen der machistischen Grundhaltung des Männerfußballs und der stagnierenden Anzahl der Kickerinnen in Österreich her. Siehst du das auch so?

Es hat nicht nur Einfluss auf die Spielerinnen, sondern auch auf die Fans. Die denken sich: Er hat recht, Mädchen sind so. Das wird dann gestreut in der Familie und im Freundeskreis. Die Trainer sehen ihre Verantwortung oft nicht.

Was muss sich am Männerfußball verändern?

Das System ist sehr korrupt. Es geht um Macht und Geld. Die Frage ist, ob die Fans hier weiter mitgehen wollen. Es braucht Leute, die ihre Verantwortung über den Fußball hinaus wahrnehmen. •

Clara Gallistl ist Strategin für Community Building und war zuletzt als Referentin im Staatssekretariat für Kunst und Kultur (BMKÖS) tätig. Privat setzt sie sich als Vorstandsmitglied der Queer Football Fans Österreich für Gleichstellung im Fußball ein. Der von ihr initiierte Mitgliederantrag zur Einsetzung eines SK Rapid Frauenteams erreichte bei den Rapid Mitgliedern 95% Zustimmung. Ab 2023 werden Frauen in Rapid-Trikots auflaufen.

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Don’t panic! https://ansch.4lima.de/dont-panic/ https://ansch.4lima.de/dont-panic/#respond Thu, 13 Oct 2022 21:32:48 +0000 https://anschlaege.at/?p=85585 Wir müssen nur kurz das Patriarchat zerstören. Ein Kommentar von Marty Huber Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Gibt es nur zwei Geschlechter und wer braucht Schutz vor wem? So die heftig debattierten Fragen der letzten Monate. Dabei geht es jedoch nicht um eine „Debatte“, sondern um Menschenleben, auf deren Rücken politisches Kleingeld […]]]>

Wir müssen nur kurz das Patriarchat zerstören. Ein Kommentar von Marty Huber

Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? Gibt es nur zwei Geschlechter und wer braucht Schutz vor wem? So die heftig debattierten Fragen der letzten Monate. Dabei geht es jedoch nicht um eine „Debatte“, sondern um Menschenleben, auf deren Rücken politisches Kleingeld gemacht werden soll. Es werden Ängste geschürt, Falschmeldungen mit verzerrten Statistiken belegt und das Ende von „Frauen“ postuliert. In schon lange nicht mehr dagewesener Intensität wird unter dem Deckmantel des Gewalt- und des Jugendschutzes essenzialistische Politik betrieben, die viele von uns schon von vor Jahrzehnten kennen und überwunden glaubten. Alte Vorwürfe werden neu hochgekocht: Jugendliche werden zu einem queeren Leben „verführt“ und cis Männer dringen in Frauenräume ein, indem sie sich als Frauen verkleiden.

Wenn wir den Feminismus weniger als Welle, sondern als Schraube begreifen, dann ist es kaum verwunderlich, wenn wir immer wieder mal das Gefühl haben, uns beim Bohren harter Bretter zwar vorwärts, aber auch irgendwie im Kreis zu drehen. Eine Naturalisierung der Geschlechterverhältnisse steht also wieder hoch im Kurs. Nicht nur von „wertekonservativer“ Seite, sondern insbesondere durch – nicht nur, aber mehrheitlich – weiße Feministinnen. Wir kennen diese Diskussionen nur zu gut, wenn es um das Erringen von Reproduktionsrechten für lesbische Paare oder die Öffnung der Ehe ging: „Das hat die Natur, das hat Gott nicht so vorgesehen!“ Die Grundfeste der Macht ließen sich mit künstlicher Befruchtung erschüttern, das Ende der Männer würde eingeläutet.

Warum gibt es dieses Beharren auf der Determiniertheit durch Biologie? In diesem hegemonialen Kampf um die Geschlechterverhältnisse gibt es wohl kaum eine radikalere Attacke als die Änderung der Geschlechtsidentität. „Selbstbestimmung“ steht auf den Fahnen, wohl auch Befreiung von der Gefangenschaft der zugeschriebenen Rollen, eben jenen Vorstellungen, die Männer als Profiteure und Frauen als Opfer des Patriarchats verfestigen.

Ja, nicht jede Emanzipation spielt sich im Feld der Geschlechtsidentität ab und nicht jede trans Person ist per se Revolutionär:in. Aber jede:r dieser Grenzgänger:innen verweist auf die Möglichkeit des ultimativen Versagens einer Geschlechterdoktrin.

Für die einen bedeutet dies eine Infragestellung ihrer eigenen Kompliz:innenschaft mit den Verhältnissen, andere wiederum vermuten nur eine weitere Finte des Patriarchats. Manchen bereitet es Angst, andere sehen ihr wohlgenährtes Weltverklärungsmodell, mit dem sie sich gewisse Felle der Macht an Land gezogen haben, wieder davonschwimmen. So liegt der Verdacht nahe, dass es etwa Alice Schwarzer in der Trans-„Debatte“ mehr um Diskursmacht als um Solidarität geht. Da ist es einfacher, die Verhältnisse zu reproduzieren und trans Frauen als Invasor:innen in geschlechtersegregierte Räume zu bezeichnen oder trans Männer als misogyne Verräter, die sich der Pflicht zum Frausein entzogen hätten. Plötzlich treten cis „Feministen“ auf den Plan, die in ihrem Leben noch nie etwas für ein Frauenhaus getan haben, um trans Frauen den Zutritt dort verbieten zu wollen. Sonst schweigen sie, bei den Witzen, die gemacht werden, bei den Übergriffen im Büro.

Dabei ist die Gewalt durch die Geschlechterverhältnisse eine dermaßen umfassende, dass wir angesichts der Übergriffe auf trans Personen und allen, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen, innehalten und dem die Stirn bieten müssen, was uns alle kaputt macht.

Wir sollten trauern um die ermordeten Frauen, trauern um Malte, der in einer queerfeindlichen Attacke erschlagen wurde, weil er als trans Mann mit seiner anderen, fürsorglichen Männlichkeit für andere eingetreten ist. Trauern auch um Nuradi, dem Täter, der seine Maskulinität nur im Kampf bestätigt sieht?

Alle müssen vor dieser Gewalt des Patriarchats geschützt werden, insbesondere heranwachsende Jungs. Kein „Boys will be boys“ mehr, sondern viele Generationen zärtlicher, fürsorglicher Männlichkeit, die mehr Emotionen zur Verfügung hat als Wut oder Depression. Die Gefahr geht nicht von trans Personen aus, sondern von biologistischen, reaktionären Festschreibungen, von denen cis Jungs massiv betroffen sind. Die Existenz von trans Personen erinnert uns in fundamentaler Art und Weise daran, dass eine andere, nicht-patriarchale Maskulinität möglich ist.

Marty Huber wurde in queer-feministischen-antirassistischen Kontexten alphabetisiert und arbeitet bei Queer Base – Welcome & Support for LGBTIQ Refugees.

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Das Ende des Kapitalismus? https://ansch.4lima.de/das-ende-des-kapitalismus/ https://ansch.4lima.de/das-ende-des-kapitalismus/#respond Thu, 13 Oct 2022 21:20:42 +0000 https://anschlaege.at/?p=85582 Die Krise als Chance? Wieso der Kapitalismus immer schon krisenhaft war und wieso er sich nicht selbst abschafft, erklärt Verena Kettner. Am Anfang war die Hoffnung. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie gab es – nach dem ersten Schreck und Unglauben – in linken Kreisen tatsächlich so etwas wie eine zaghaftes Hoffen auf einen Neuanfang, auf eine […]]]>

Die Krise als Chance? Wieso der Kapitalismus immer schon krisenhaft war und wieso er sich nicht selbst abschafft, erklärt Verena Kettner.

Am Anfang war die Hoffnung. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie gab es – nach dem ersten Schreck und Unglauben – in linken Kreisen tatsächlich so etwas wie eine zaghaftes Hoffen auf einen Neuanfang, auf eine umfassende Veränderung des globalen Wirtschaftssystems. Dieser Hoffnungsschimmer baute auf den Solidaritätsbekundungen der Menschen auf, den kleinen Gefälligkeiten und Hilfeleistungen unter Nachbar*innen, einer größeren Aufmerksamkeit für feministisch ewig bearbeitete Themen wie Kinderbetreuung und Pflege, selbst Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen wurden plötzlich breiter diskutiert. Die politische Hilflosigkeit angesichts der Pandemie stellte eine Art Riss im kapitalistisch-neoliberalen Gesellschaftssystem dar, sie öffnete Möglichkeitsräume, die Funken utopischen Träumens zuließen. Covid-19 wurde dabei oft als sogenannte „Krise von außen“ wahrgenommen, die überraschend die bestehende ­Ordnung bedroht.

Krisen im Kapitalismus sind allerdings sehr selten auf Ursachen zurückzuführen, die außerhalb des kapitalistischen Systems selbst liegen (ein Gegenbeispiel wäre ein einschlagender Meteorit). Kapitalismus als Wirtschafts- sowie als Gesellschaftssystem basiert seit jeher auf Unterdrückung und Ausbeutung. So zeichnet die italienische Philosophin Silvia Federici in ihrem Werk „Caliban und die Hexe“ historisch nach, wie der Kapitalismus sich nur als welt­umspannendes System durchsetzen konnte, weil er sich insbesondere zwei Ressourcen aneignete: die Körper von Frauen für unbezahlte Reproduktionsarbeit und die kolonisierten Territorien für materielle Ressourcen und ausgebeutete Arbeitskraft. Nur dank dieser beiden Quellen lässt sich überhaupt Mehrwert produzieren, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Krisen sind dem Kapitalismus, der auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen immer mehr produzieren will, also von Anfang an inhärent. Sie spiegeln im Grunde nur die ungleichen Verhältnisse wider, die der kapitalistische Status quo sind. Auch die Covid-19-Pandemie und vor allem ihre Bearbeitung waren so eine Krise: Das jahrzehntelange Ausbeuten der Natur und globalisierte komplexe Wirtschaftsbeziehungen führten zu günstigen Bedingungen für das Virus, um sich weltweit auszubreiten. Dennoch gehen viele linke Theorien davon aus, dass Krisenmomente immer auch Momente eines Bruchs, eventuell sogar einer Revolution sein können, da die Vormachtstellung der Herrschenden dann weniger abgesichert ist. Wenn es vorher bereits genügend widerständige Organisierung gab, um den Ärger der Menschen in Bahnen zu lenken, könnte das Krisenmoment für gesellschaftliche Transformation genutzt werden. Leider ist das meistens nicht der Fall. Der Neoliberalismus ist vielleicht besser als jedes ihm vorangehende Gesellschaftssystem in der Lage, Widersprüche zu vereinnahmen. Unterdrückende Verhältnisse sind im 21. Jahrhundert so vielfältig, dass es schwierig ist, „eine Masse“ zu bilden, die gemeinsam die Krise nutzt, um Revolution zu machen. Das marxistische Bild einer kollektiven Masse, die sich endlich wehrt, wenn die Verhältnisse nur irgendwann schlimm genug werden, ist nicht nur überholt, sondern auch aus einer privilegierten Perspektive gezeichnet. Die alltäglichen Verhältnisse sind bereits schlimm, schon lange für unterschiedliche (Minderheiten-)Gruppen von Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen. Es ist eine westliche, weiße, männliche, bürgerliche Ignoranz, die davon nicht bzw. weniger betroffen ist. Wir können nicht darauf warten, dass die Ausbeutungsverhältnisse sich noch mehr zuspitzen, damit es zu einem umfassenden Aufstand kommt. Stattdessen sollten wir die Krisenhaftigkeit unseres Alltags anerkennen und diese bekämpfen – alle von uns aus ihren Positionen heraus und mit ihren Möglichkeiten. Wir sollten weiterhin nach Gemeinsamkeiten suchen, um uns in manchen Kämpfen zusammenzuschließen, in manchen vielleicht auch getrennte Wege zu gehen. Vor allem sollten wir überall diesen Kampf führen, sowohl im Alltag und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen als auch in organisierten Strukturen und Kollektiven. Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama stellte 1989 die These auf, dass ein Ende der Geschichte wahrscheinlicher sei als ein Ende des Kapitalismus. Auch das ist eurozentristisches und universalistisches Denken, denn es gab örtliche und zeitliche Alternativen zum Kapitalismus und es kann diese auch wieder geben. Sie werden nur nicht aufgrund einer Krise vom Himmel fallen – sie müssen erkämpft werden. •

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Solidarische Pflege für alle https://ansch.4lima.de/solidarische-pflege-fuer-alle/ https://ansch.4lima.de/solidarische-pflege-fuer-alle/#respond Thu, 13 Oct 2022 21:11:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=85570 Wie soll die Pflege von alten Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Zukunft aussehen? Wie weit darf dafür Digitalisierung gehen? Fragen, denen sich Feministinnen dringend stellen müssen, meint Stefanie Wöhl. Mit der Covid-19-Pandemie drängte sich das Thema der (Alten-)Pflege der öffentlichen Debatte nahezu auf. Doch das liegt nicht allein an der Pandemiesituation und den […]]]>

Wie soll die Pflege von alten Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen in Zukunft aussehen? Wie weit darf dafür Digitalisierung gehen? Fragen, denen sich Feministinnen dringend stellen müssen, meint Stefanie Wöhl.

Mit der Covid-19-Pandemie drängte sich das Thema der (Alten-)Pflege der öffentlichen Debatte nahezu auf. Doch das liegt nicht allein an der Pandemiesituation und den speziellen Herausforderungen, die diese für die Pflege und Betreuung von älteren Menschen, Pflegebedürftigen und Kindern mit sich gebracht hat. Denn bereits vor der Pandemie stieg der Bedarf an Pflegekräften – ­unsere Bevölkerung wird immer älter. Der öffentliche Sektor in Österreich verfügt jedoch nicht über ausreichend Kapazitäten, um den hohen Bedarf an Pflegeleistungen aufzufangen. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich.

Noch immer klafft die Geschlechterkluft in der Pflege gewaltig: Meist sind es Frauen unterschiedlicher Herkunft, die sowohl bezahlte als auch unbezahlte Pflegearbeit leisten. In Österreich sind es zu 75 Prozent Frauen, die unentgeltlich die private Pflege von Angehörigen leisten, da das Pflegegeld in ärmeren Haushalten bei Weitem nicht ausreicht, um eine Pflegekraft anzustellen. Dies trifft auch für Menschen zu, die über ein geringes Einkommen oder eine zu geringe Pension verfügen. Um diesen Bedarf in Privathaushalten ­abzufedern, wurde in Österreich 2007 die 24-Stunden-Pflege rechtlich eingeführt. Diese ermöglicht es, entweder als sogenannte Selbstständige in Österreich tätig zu sein oder angestellt bei einem Wohlfahrtsträger oder in einem Privathaushalt zu arbeiten. Auf die rechtlichen Probleme und persönlichen Risiken, die damit einhergehen, weist die IG24, eine Interessenvertretung von 24-Stunden-Betreuer:innen, unermüdlich hin. Denn die meisten 24-Stunden-Betreuer:innen sind als Selbstständige tätig und profitieren so nicht von einem Kollektivvertrag, haben keinen bezahlten Urlaub und keine geregelte Arbeitszeitregulierung. Sie sind hochgradig abhängig vom guten Willen der zahlenden Person.

Individualisierung und Ökonomisierung. Die Zeit, die Frauen als pflegende Angehörige für unbezahlte Pflegearbeit in Privathaushalten leisten, ist indes nach wie vor hoch. Mit der 24-Stunden-Betreuung werden Pflegeleistungen an Migrantinnen ausgelagert, was zu einer zusätzlichen Individualisierung in der Betreuung von Pflegebedürftigen führt und den rechtlichen Rahmen dieser Leistungen strapaziert. In der wissenschaftlichen Debatte wird zudem der Zeitfaktor betont, der bei privaten Pflegeanbietern und Vermittlungs-Agenturen in Deutschland z. B. besonders eng gesetzt ist, um das betriebswirtschaftlich orientierte Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erfüllen. Diese sogenannte Taylorisierung der Pflegearbeit in der ambulanten Pflege geht einher mit einer Modularisierung der Pflegearbeit, in der bestimmte Leistungen in einem vorgegebenen Zeitrahmen erbracht werden sollen. Durch digitale Innovationen, wie das Eintragen von Pflegeleistungen auf mobilen Endgeräten mit kleinen Bildschirmen, fühlen sich Arbeitnehmer:innen zudem oft überfordert. Auch entspricht der reale Zeitbedarf nicht den engen Vorgaben, wie Interviews mit Pflegekräften zeigen, da pflegende Tätigkeiten mit Menschen schwer in effiziente Zeit-Schemata eingepasst werden können.

Digitaler Wandel. Neben diesen Entwicklungen steht der Arbeitsprozess der Pflege selbst vor einem grundlegenden technologischen Wandel durch Digitalisierung. Neben der digitalen Pflegedokumentation werden moderne Robotik sowie mobile Endgeräte auch für die Altenpflege eingesetzt. Smarte Sensoren sollen Unfälle reduzieren. Diese ­Technologien werden selten zusammen mit den Betroffenen bzw. Nutzer:nnen entwickelt, was jedoch eine Voraussetzung wäre, um Arbeitsprozesse tatsächlich zu erleichtern. Denn nur so könnten Tools als nützlich und nicht als Kontrolle oder als schwer zu bedienen erlebt werden. Zugleich können menschliche Betreuung und Fürsorge schlicht nicht digitalisiert oder rationalisiert werden. Die Digitalisierung im Pflegesektor stellt somit auch kein vergleichbares Investitionspotenzial für Staaten und Unternehmen dar – wie etwa der Dienstleistungs- oder Finanzsektor –, da hier Zeitressourcen nicht durch technologische Innovationen allein ersetzt werden können.

Durch den digitalen Wandel entstehen auch neue Herausforderungen, die sich auf die Beschäftigung von Pflegepersonal auswirken. Dies fängt bei den rechtlichen Voraussetzungen der neuen EU-weiten Datenschutzgrundverordnungen an, setzt sich im Außendienst fort, wo die Pflegenden auf Daten digital zugreifen müssen, und hört bei den zahlreichen neuen Apps zur Bewältigung der alltäglichen Arbeitsroutine noch lange nicht auf.

Digitale Endgeräte können zudem das Gespräch und die persönliche Zuwendung mit den Pflegebedürftigen nicht ersetzen, gerade die gegenwärtige Generation von älteren Pflegebedürftigen ist nicht darauf eingestellt, routiniert mit dem Smartphone umzugehen. Mitarbeiter:innen der mobilen Pflege betonen in Interviews immer wieder, dass die persönliche Rücksprache besonders wichtig sei – auch mit den Angehörigen. Dies kann nicht allein durch digitale Anwendungen ersetzt werden.

Interessanterweise hat die Pandemie auch zu einem Digitalisierungsschub innerhalb verschiedener (Pflege-)Einrichtungen beigetragen. Durch neue Herausforderungen wurden digitale Prozesse intern beschleunigt, die andernfalls so sicherlich nicht stattgefunden hätten.

Neue Kämpfe. Insofern stellt sich die Frage immer dringender, wie Pflege und Betreuung in Zukunft aussehen sollten. Dem Fachkräftemangel kann nicht allein durch eine bessere Entlohnung entgegengewirkt werden. Die Frage, wie Leben im Alter oder mit besonderen Bedürfnissen möglich ist und wie es jenseits betriebswirtschaftlicher Effizienzkriterien gestaltet werden kann, erfordert viel mehr ein Umdenken. Gerade im feministischen Umfeld existieren dafür schon jetzt verschiedene Modelle. So startete Femme Fiscale 2020 in Österreich eine Kampagne, die „Mehr für Care“ heißt, und die eine Wirtschaft fordert, „die für alle sorgt“.

Welche grundlegenden Bedürfnisse im Leben wichtig sind, hat die Pandemie mehr als deutlich aufgezeigt. Die Frage bleibt, wie sie weiterhin ins Zentrum nicht nur von sozialpolitischen Debatten gestellt werden können. Wir sehen ja, wie viel Geld auf einmal bereitgestellt werden kann, wenn internationale Krisen dies erfordern. Warum also warten, bis sich auch im Pflegealltag etwas ändert? Die Kampagne der IG24 hat wesentlich zu einer Sichtbarmachung von Arbeit in Privathaushalten beigetragen, wichtig wäre jetzt, diese politischen Bewegungen und Kämpfe zu verbinden – auch außerhalb der Pflege. So trifft auch der Lehrer:innenmangel und die prekäre Situation in den Krankenhäusern den Kern einer solidarischen Gesellschaft. Die aktuelle Energiekrise, die eine direkte Folge des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine ist, bietet hier neue Ansatzpunkte: Was in den Privathaushalten passiert, und somit unsere grundlegenden Bedürfnisse betrifft, muss zum öffentlichen Thema gemacht werden. Möglichst nicht nur von Feminist:innen. •

Stefanie Wöhl ist Politikwissenschafterin in Wien und interviewte Angestellte in der mobilen Pflege über ihre Arbeitssituation.

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Die Angst vor dem Winter https://ansch.4lima.de/die-angst-vor-dem-winter/ https://ansch.4lima.de/die-angst-vor-dem-winter/#respond Thu, 13 Oct 2022 21:04:26 +0000 https://anschlaege.at/?p=85565 Gas- und Strompreise schießen in die Höhe, auch Lebensmittel und Wohnen werden teurer. Immer mehr Menschen sind akut von Armut betroffen oder bedroht. Zwei Frauen erzählen, wie es ihnen damit geht. Von Anna Lindemann Auf ihrem Kontaktbild posiert Marcella Reyes mit ihrem Sohn im Arm vor einem See, beide lachen in die Kamera. Am Telefon […]]]>

Gas- und Strompreise schießen in die Höhe, auch Lebensmittel und Wohnen werden teurer. Immer mehr Menschen sind akut von Armut betroffen oder bedroht. Zwei Frauen erzählen, wie es ihnen damit geht. Von Anna Lindemann

Auf ihrem Kontaktbild posiert Marcella Reyes mit ihrem Sohn im Arm vor einem See, beide lachen in die Kamera. Am Telefon hingegen klingt sie nicht so unbeschwert. „Ich mache mir große Sorgen, dass ich mich wegen der steigenden Energie- und Wohnkosten verschulden muss“, sagt sie.

Gemeinsam mit ihrem acht Jahre alten Kind wohnt sie in einer Zweizimmerwohnung in Hamburg. Während ihr Sohn in der Schule ist, arbeitet sie als Kosmetikerin, nachmittags muss sie die Betreuung übernehmen. Alleinerziehend, Teilzeit angestellt im Niedriglohnsektor – und jetzt die Preissteigerungen. Trotz ihrer Anstellung kommt sie nur schwer über die Runden. Marcella Reyes und ihr Sohn sind akut von Armut bedroht.

Seit den massiven Preissteigerungen betrifft das immer mehr Menschen: Eine Analyse des Fiskalrats zeigt, dass aktuell rund 35 Prozent der österreichischen Haushalte ihre durchschnittlichen Konsumausgaben nicht mit ihrem monatlichen Einkommen finanzieren können. Das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Tatsächlich von Armut bedroht sind in Österreich derzeit etwa 14,7 Prozent, in Deutschland sind es sogar 15,8 Prozent der Bevölkerung.

Von Marcella Reyes‘ Einkommen bleibt am Ende des Monats nie viel übrig. Jetzt, wo teure Stromrechnungen, erhöhte Mietkosten und Lebensmittelpreise auf sie zukommen, muss sie jeden Cent umdrehen. „Ich habe überlegt, im Winter vielleicht nur einen unserer drei Heizkörper anzumachen“, sagt sie. Ob sie die Karatestunden ihres Sohnes noch bezahlen kann, weiß sie auch nicht. „Vielleicht muss er den Unterricht erstmal pausieren.“

Hohe Nachzahlungen. Für den Einkauf gibt Marcella Reyes fast zwanzig Euro mehr in der Woche aus, seit die Preise ansteigen. Ihre Miete wird ab Oktober um fünfzig Euro angehoben. Ihre Wohnung heizt sie nicht mit Gas, sondern mit einem Nachtspeicher über Strom. Die Rechnung dafür liegt schon jetzt bei 220 Euro. Im vergangenen Monat kam außerdem die Rechnung für eine Nachzahlung: 600 Euro sollte Marcella Reyes auf einen Schlag bezahlen. „Das konnte ich natürlich nicht, deshalb habe ich jetzt eine Ratenzahlung mit meinem Stromanbieter vereinbart.“

Gerne würde Reyes mehr Stunden arbeiten, aber das sei unmöglich: „Ich habe keine Familie hier und sonst niemanden, der die Betreuung von meinem Sohn übernehmen kann.“

In Österreich müssen Haushalte mit massiven Mehrkosten rechnen. Bei der Wien Energie sollen Kund*innen 85 Prozent mehr für Strom und 97 Prozent für Gas zahlen, wie der Anbieter mitteilt. Für durchschnittliche Haushalte bedeutet das 57 Euro monatlich mehr bei Strom und 108 Euro monatlich mehr bei Gas. Auch in Deutschland steigen die Kosten enorm. Im Vergleich zum Vorjahr ist der durchschnittliche kWh-Preis laut Vergleichsportal Verivox bereits um 38 Prozent gestiegen. Bei den Gaspreisen müssen Verbraucher*innen mit einem Anstieg von 75 Prozent rechnen. Dazu kommen die steigenden Preise bei Lebensmittel.

Kinder, Arbeitslose und alleinerziehende Eltern – in der Regel Frauen – seien besonders von Armut bedroht, sagt Martin Schenk. Er ist Sprecher der österreichischen Armutskonferenz, einem Netzwerk von mehr als vierzig sozialen Organisationen, die sich für Armutsbetroffene engagieren. Die Teuerungen machen auch ihm große Sorgen: „Ich befürchte, dass das Schlimmste noch kommt.“

Notwendige Reformen. Die Politik reagiert mit Entlastungspaketen auf die Teuerungen. In Österreich kommt die Strompreisbremse, die krasse Preisanstiege verhindern soll, auch in Deutschland soll ein Preisdeckel eingeführt werden. „Die Strompreisbremse ist eine sinnvolle Maßnahme, weil sie preisdämpfend wirkt“, sagt Schenk. Die Armutskonferenz fordert nun, die Idee zu einer sozialen und ökologischen Maßnahme weiterzuentwickeln. „Seit Jahren besprechen wir das unter dem Begriff ‚Energiegrundsicherung‘, die eine bestimmte Versorgung an Strom als Grundanspruch jedem Menschen zusichern würde. Darüber steigen die Kosten progressiv an“, meldet die Armutskonferenz in einer Aussendung.

In Deutschland war die Preisbremse Teil eines dritten Entlastungspakets, das die Regierung nach viel Kritik an ihren bisherigen Maßnahmen beschlossen hat. Zuvor hatte das deutsche Wirtschaftsministerium eine sogenannte Gasumlage umgesetzt. Entlastung bringt das aber nur für Unternehmen: Verbraucher:innen zahlen ab Oktober und bis März 2024 die Mehrkosten, die Energiekonzerne jetzt beim Gaseinkauf haben. Für jede verbrauchte Kilowattstunde sind das zusätzlich 2,419 Cent. Mehrkosten von 484 Euro pro Jahr für eine Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh. Einige Energiekonzerne können sogar zusätzliche Gewinne verzeichnen.

Neben der Preisbremse bekommen Deutsche in Zukunft etwas mehr Kindergeld, auch in Österreich wird die Erhöhung des Familienbonus vorgezogen. Darüber hinaus gibt es Einmalzahlungen wie den österreichischen Klimabonus, um die akute finanzielle Mehrbelastung aufzufangen.

Diese kämen zwar direkt bei den Menschen an, seien aber nur kurzfristig wirksam, sagt Schenk. „Es ist ein Denkfehler, davon auszugehen, dass die Teuerung das ursprüngliche Problem ist, dem gegengelenkt werden muss. Die Probleme liegen tiefer: Die Sozialhilfe ist katastrophal und sie muss reformiert werden.“ Die Armutskonferenz fordert daher eine neue Mindestsicherung, die Existenz und Teilhabe garantiert.

Genug ist Genug. Das wünscht sich auch Rebecca. Sie ist Mitte zwanzig, studiert und macht sich nebenbei im Social-Media- und Marketing-Bereich selbstständig. Ein festes Einkommen hat sie nicht. Vor Kurzem ist sie aus ihrer Wohnung in Wien ausgezogen – eigentlich mit dem Plan, nach Berlin zu übersiedeln. Das kann sie sich nun aber nicht mehr leisten und ist deshalb auf unbestimmte Zeit bei ihrer Mutter in Oberösterreich untergekommen. „Wieder in die Großstadt zu ziehen, war mein allergrößter Traum. Das jetzt aufzuschieben, ist natürlich ein krasser Kompromiss“, erzählt sie am Telefon.

Auch für ihre Familie wird es nicht einfach sein, die Rechnungen zu bezahlen. Bei ihnen zuhause seien die Heizkosten jetzt schon um etwa hundert Prozent erhöht. „Ich mache mir natürlich Sorgen um meine Familie“, sagt Rebecca.

In Österreich haben die Gewerkschaften in vielen Städten zu Demonstrationen aufgerufen. Über 30.000 Menschen forderten dort ein Ende der Kostenexplosion, Rebecca war eine von ihnen. „So kann es nicht weitergehen“, sagt sie. Auch in Deutschland protestieren Tausende gegen die steigenden Preise. In den sozialen Medien startete im August eine Kampagne den Aufruf #GenugistGenug“. „Heizen oder Duschen dürfen kein Luxus sein“, schreiben sie auf ihrer Website. Und: „Wir werden nicht länger akzeptieren, dass die Menschen mit ihrem Geld nicht mehr bis zum Monatsende kommen.“

Dass die Preise wieder sinken werden, dass es mehr Unterstützung für armutsbetroffene Menschen gibt, das hofft auch Marcella Reyes. Schon in der Vergangenheit hatte sie finanzielle Probleme, phasenweise bezog sie Arbeitslosengeld. Noch immer geht sie regelmäßig zu einer staatlichen Beratungsstelle. „Ich habe Angst vor dem Winter. Niemals wieder möchte ich an diesen Punkt kommen, an dem ich nachts nicht schlafen kann, weil ich nicht weiß, wie ich meine Rechnungen bezahlen kann“, sagt sie. •

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Zuhause ist es nicht am schönsten https://ansch.4lima.de/zuhause-ist-es-nicht-am-schoensten/ https://ansch.4lima.de/zuhause-ist-es-nicht-am-schoensten/#respond Thu, 13 Oct 2022 20:58:10 +0000 https://anschlaege.at/?p=85557 Unzählige Urlaubsfotos überfluteten in den vergangenen Monaten die sozialen Medien, wie jedes Jahr im Sommer. Mittlerweile sind die warmen Tage vorbei, die erste Lebkuchenware ist in den Supermärkten angekommen. In Alltagsgesprächen wird noch an den Sommerurlaub erinnert, die Frage „Wo warst du dieses Jahr?“ stellen viele ganz selbstverständlich. „Materielle Deprivation“ heißt einer von drei zentralen […]]]>

Unzählige Urlaubsfotos überfluteten in den vergangenen Monaten die sozialen Medien, wie jedes Jahr im Sommer. Mittlerweile sind die warmen Tage vorbei, die erste Lebkuchenware ist in den Supermärkten angekommen. In Alltagsgesprächen wird noch an den Sommerurlaub erinnert, die Frage „Wo warst du dieses Jahr?“ stellen viele ganz selbstverständlich.

„Materielle Deprivation“ heißt einer von drei zentralen Indikatoren zur Bestimmung von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung. Er umfasst das Fehlen finanzieller Mittel, um sich wesentliche Güter oder Lebensbereiche leisten zu können – dazu zählt auch, zumindest eine Woche Urlaub im Jahr machen zu können. Laut einer aktuellen Auswertung der EU („Gemeinschaftsstatistiken zu Einkommen und Lebensbedingungen“), sind rund 17 Prozent der österreichischen Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das sind 1.519.000 Menschen. Zu den besonders gefährdeten Personengruppen gehören Kinder, Alleinerziehende (über achtzig Prozent davon sind Frauen), Frauen im Alter, Langzeitarbeitslose, Personen in einem schlecht bezahlten, unsicheren Arbeitsverhältnis und Menschen ohne Staatsbürger*innenschaft.

Die Daten stammen aus dem Vorjahr, die Inflation verschärft neben den Langzeitfolgen der Pandemie die Situation angesichts explodierender Energiepreise, bei Nahrungsmitteln und in der Gastronomie für viele Haushalte erheblich. Im August stiegen die Verbraucherpreise um knapp zehn Prozent verglichen zum Vorjahr. Wie sich das auf das Reiseverhalten der Österreicher*innen auswirkt, ist statistisch noch nicht erfasst, es ist jedoch davon auszugehen, dass zukünftig mehr Menschen zuhause bleiben müssen.

„Zuhause ist es eh am schönsten“, könnten Zyniker*innen einwenden und auf den „Urlaub auf Balkonien“ verweisen. Aber abgesehen davon, dass armutsbetroffene Menschen weit seltener über Balkone oder gar eigene Gärten verfügen, fehlen ihnen zudem auch die Mittel für kostenintensive Freizeitunternehmungen wie Ausflüge und Schwimmbadbesuche. Der ungewollte Verzicht auf Urlaub hat deshalb viele negative Folgen. Psycholog*innen und Mediziner*innen verweisen darauf, dass der Stress­pegel im Urlaub signifikant sinkt und Wohlbefinden und Gesundheit profitieren. Reisen dient überdies nicht nur zur Erholung, sondern auch der Horizonterweiterung. Wer selten verreist, gilt als engstirnig und büßt soziales Ansehen ein.

Diese Erfahrung ist oft besonders schmerzlich. Sich den Urlaubsstandards der anderen zu entziehen, kann auf Plattformen wie Instagram, bei denen es generell viel um sozialen Vergleich geht, zur Herausforderung werden. Das ungefragte Senden von Urlaubsfotos von Freund*innen und Familie, das kollektive Erinnern an den Urlaub als Einstieg in das neue Schuljahr – all das kann das Selbstwertgefühl schädigen.

Um die Situation von armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen zu ändern, müssen die vielen strukturellen Ungerechtigkeiten sichtbar gemacht werden. Um die soziale Teilhabe aller Menschen zu ermöglichen, braucht es eine echte Umverteilung und nicht bloß kosmetische Maßnahmen wie Einmalzahlungen. Denn Armut wird nicht bloß toleriert, sie wird gemacht. Doch auch abseits der großen strukturellen Veränderungen, die politisch immer noch ein Minderheitenprogramm sind, können kleine Schritte mehr Teilhabe ermöglichen. Das 9-Euro-Ticket, mit dem der deutschlandweite Nah- und Regionalverkehr im Sommer preisgünstig genutzt werden konnte, hat gezeigt, wie einfach mehr Mobilität auch für Menschen mit wenig Einkommen Realität wird. Das Ticket sicherte keinen Urlaub, aber ermöglichte zumindest einen Wochenendausflug. Ein Anfang. •

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Feminist Superheroines: Simone de Beauvoir https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-simone-de-beauvoir/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-simone-de-beauvoir/#respond Thu, 13 Oct 2022 20:53:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=85535 Lange hat sie sich selbst nicht als Feministin bezeichnet, für die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts war sie dennoch eine der wichtigsten Vordenkerinnen. Simone de Beauvoir (1908 – 1986) wuchs in einer katholischen Familie auf, studierte Philosophie und schrieb unter anderem den ikonischen Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Nicht biologische […]]]>

Lange hat sie sich selbst nicht als Feministin bezeichnet, für die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts war sie dennoch eine der wichtigsten Vordenkerinnen. Simone de Beauvoir (1908 – 1986) wuchs in einer katholischen Familie auf, studierte Philosophie und schrieb unter anderem den ikonischen Satz: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Nicht biologische Gegebenheiten bestimmen, wer und was eine Frau ist, sondern gesellschaftliche Strukturen. Beauvoir begründet so die Unterscheidung von sex und gender in der feministischen Theorie und argumentiert, dass Frauen als das „Andere“ des Männlichen, als „das andere Geschlecht“, so der Titel ihres einflussreichen Werkes, konstruiert werden. Aktiv setzte sie sich erst in späteren Jahren für Frauenrechte ein, vor allem auch für das Recht auf Abtreibung. Ihr gesamtes Leben war geprägt von freier Liebe, intellektueller Selbstverwirklichung und eigenem Emanzipationsstreben. ali

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