I/2021 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Thu, 11 Feb 2021 09:22:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png I/2021 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Aus dem Wort reißen https://ansch.4lima.de/aus-dem-wort-reissen/ https://ansch.4lima.de/aus-dem-wort-reissen/#comments Thu, 28 Jan 2021 10:50:06 +0000 https://anschlaege.at/?p=27412 Beim Bemühen um geschlechtergerechte Sprache hat nach Binnen-I, Unterstrich und Sternchen nun der Doppelpunkt Konjunktur. Was spricht wofür? Luise F. Pusch und Katharina Meyer zu Eppendorf präsentieren ihre Lösungsvorschläge und Lieblingsvarianten. Bezüglich der „Sichtbarkeit aller möglichen Geschlechter“ habe ich mehrere Ansichten.  Zuerst die linguistische: Es war von Anfang an ein (linguistischer) Fehler der feministischen Community, […]]]>

Beim Bemühen um geschlechtergerechte Sprache hat nach Binnen-I, Unterstrich und Sternchen nun der Doppelpunkt Konjunktur. Was spricht wofür? Luise F. Pusch und Katharina Meyer zu Eppendorf präsentieren ihre Lösungsvorschläge und Lieblingsvarianten.

Bezüglich der „Sichtbarkeit aller möglichen Geschlechter“ habe ich mehrere Ansichten. 

Zuerst die linguistische: Es war von Anfang an ein (linguistischer) Fehler der feministischen Community, auf die Beidnennung („Lehrer und Lehrerinnen“) zu setzen. Das passt für das Englische, wo das generische „he“ durch „she or he“ ersetzt wurde, von dort wurde es aber ungeschickterweise und ohne einen Funken linguistischer Umsicht auf das Deutsche übertragen. Was wir eigentlich brauchen, sind echte neutrale Formen, die sämtliche Geschlechter meinen.

Zweitens meine feministische Ansicht: Da die Beidnennung für das Deutsche keine Lösung ist und unausweichlich zu Aporien führt, plädiere ich für das umfassende bzw. generische Femininum und erkläre es für geschlechtsneutral. Was das generische Maskulinum angeblich kann, muss gerechterweise auch dem generischen Femininum zugebilligt werden. Und wenn das generische Femininum geschlechtsneutral ist, sind auch alle anderen Geschlechter damit gemeint, queer, non binary, genderfluid, transgender.  

Drittens meine politische Ansicht: Die Queer-Community stieg in die Debatte ein, nachdem die Beidnennung und das große I als Abkürzung derselben sich weitgehend durchgesetzt hatten. Zwei Geschlechter genügen ihnen verständlicherweise nicht, also wollten sie einen dritten Raum öffnen. Dieser Raum wurde zuerst symbolisiert durch den Unterstrich: Leser_innen. Der Unterstrich ist inzwischen aus der Mode. Stattdessen wird der Genderstern favorisiert: Leserinnen. Doch auch der Genderstern zerreißt die Personenbezeichnungen in drei Teile: den maskulinen Stamm, den Genderstern und die feminine Endung.

Die Probleme im Singular bleiben alle erhalten bzw. sie werden noch schlimmer, vgl. Sätze wie „Nicht jeder Schriftstellerin schreibt unter seinem/ihrem* eigenen Namen.“

Ich habe einen Kompromiss vorgeschlagen: Der Genderstern und das Binnen-I werden fusioniert zu einem kleinen i mit Sternchen drüber anstelle des I-Tüpfelchens. Bis sich diese Form auf unseren Tastaturen etabliert hat, benutzen wir Ersatzformen wie „Leser!nnen“, „Leser?nnen“, „Leserînnen“, „Leser:nnen“ oder auch „Leser1nnen“.  Die lästigen Verdoppelungen oder Verdreifachungen im Singular werden dadurch gelöst, dass die neuen Formen im Singular als grammatisch feminin interpretiert werden; es gelten die üblichen Kongruenzregeln, genau wie für das generische Maskulinum: Jede eingefleischte Leser!n pilgert zur Frankfurter Buchmesse. 

Luise F. Pusch ist feministische Sprachwissenschaftlerin. Gemeinsam mit Senta Trömel-Plötz gilt sie als Begründerin der feministischen Linguistik in Deutschland.

Als ich vor vier Jahren in der Ticket-Lotterie des Fusion-Festivals gewann, hätte ich nicht gedacht, dass ein paar Jahre später Zeitungen, Universitäten oder sogar Stadtverwaltungen mit dem Doppelpunkt gendern würden. Ich war damals noch Politikstudentin in Marburg und hatte den Doppelpunkt in der Benachrichtungs-Mail des Festivals entdeckt. „Liebe glückliche Gewinner:innen“, hieß es darin. Ich war glücklich. Erst über die Möglichkeit, bald auf der Fusion zu tanzen, dann über eine augenscheinlich sehr viel ästhetischere Möglichkeit, gendergerecht zu schreiben.

Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, dass Sprache und damit das Mittel, mit dem wir die Welt beschreiben, so präzise wie möglich ist. Allein aus diesem Grund gibt es für mich kein logisches Argument gegen gendersensible Sprache. Ihre Gegner:innen haben meist, ob unbewusst oder bewusst, politische Gründe. Machterhalt z. B. Denn wenn man Frauen oder trans Menschen weiter hinter Sprache verschwinden lässt, muss man ihnen vielleicht auch in anderen Lebensbereichen nicht so bald Zugeständnisse machen.

Ich bin ehrlich – das Gender-Sternchen, das ich im Studium in jeder Hausarbeit benutzt habe, habe ich trotzdem nie wirklich gemocht. Studentinnen, Freundinnen, Träumer*innen: Der Stern zog das Wort immer so weit auseinander, dass mancher Text so aussah, als hätte man Tinte über ihm ausgekippt. Oder Wörtern die Buchstaben aus dem Leib gerissen. Mit dem Doppelpunkt war das plötzlich anders. Der Doppelpunkt brauchte nicht viel Platz. Der Doppelpunkt hielt seine Worte zusammen. Der Doppelpunkt achtete die Präzision und sah trotzdem gut dabei aus.

Man kann nun finden, dass es andere Satzzeichen gibt, die noch viel schöner sind. Eine befreundete Grafikerin gendert z. B. mit dem ï, schreibt also Kollegïnnen. Man kann auch finden, dass es in politischen Dingen nicht um Ästhetik gehen darf. Man gendere schließlich nicht zum Spaß, sondern um auf marginalisierte Gruppen aufmerksam zu machen. 

Ich bin überzeugt, dass es eben jene Feinjustierungen sind, die es geschafft haben, die Debatte um gendersensible Sprache endlich zu öffnen, ohne ihr die Existenz abzusprechen. Sobald man über das „Wie“ streitet, hat man einen gemeinsamen Konsens. Gibt es einen größeren Erfolg? 

Katharina Meyer zu Eppendorf arbeitet als Redakteurin bei „ZEIT Campus“ und als freie Reporterin. Sie schreibt über Aktivismus, Feminismus und Popkultur.

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Fragile Errungenschaften https://ansch.4lima.de/fragile-errungenschaften/ https://ansch.4lima.de/fragile-errungenschaften/#respond Thu, 28 Jan 2021 10:39:12 +0000 https://anschlaege.at/?p=27404 Anfang Jänner wurde das US-Kapitol von rechtsextremen Trump-Anhängerinnen gestürmt. Manche waren bewaffnet, es gab Tote und Verletzte. Wie bitte kann es sein, dass Angreiferinnen ungehindert bis ins Kapitol vordringen? Wo waren die Robocops, die jede Black-Lives-Matter-Demo in Hundertschaften und bis an die Zähne bewaffnet „sichern“? Stellen wir uns vor, die „Protestierenden“ wären People of Color […]]]>

Anfang Jänner wurde das US-Kapitol von rechtsextremen Trump-Anhängerinnen gestürmt. Manche waren bewaffnet, es gab Tote und Verletzte.

Wie bitte kann es sein, dass Angreiferinnen ungehindert bis ins Kapitol vordringen? Wo waren die Robocops, die jede Black-Lives-Matter-Demo in Hundertschaften und bis an die Zähne bewaffnet „sichern“? Stellen wir uns vor, die „Protestierenden“ wären People of Color gewesen. Wären sie so weit gekommen? Wäre die Polizei ebenso defensiv vorgegangen? Sicher nicht. Das Kapitol zu stürmen und danach noch am Leben zu sein – das ist wohl der Inbegriff von White Privilege.

Dass demokratische Mitbestimmung und Rechtsstaatlichkeit fragile Errungenschaften sind, wurde in den letzten Jahren überdeutlich – nicht nur in den USA. Nicht allein rechte Regierungen, Politiker wie Trump, Erdoğan oder Bolsonaro, die FPÖ oder die AfD stellen Bedrohungen für demokratische Freiheiten und Menschlichkeit dar, sondern auch rechte Bewegungen aus der Zivilgesellschaft. Und sie sind ein globales Phänomen.

„Unsere unglaubliche Reise“ beginne erst, hat Trump drohend verkündet, und angesichts des Aufwinds, den rechtsextreme Bewegungen aktuell erfahren, sollte man das unbedingt ernst nehmen.

Parlamente stehen dabei symbolisch für den Angriff auf die Demokratie. Im August ließen Rechtsextreme vor dem Deutschen Bundestag ihre Reichsflaggen wehen. In einschlägigen Social-Media-Gruppen wird dazu aufgerufen, den Bundespräsidenten „zu Hause zu besuchen“, das Parlament zu besetzen oder gar anzuzünden. Am Tag des Sturms auf das Kapitol in Washington gab es auch in Wien eine Demonstration von Trump-Anhängerinnen, auf der antisemitische Bilder zu sehen waren. Trump-Befürworterinnen gibt es auch unter den österreichischen Rechten, auch bei den Demonstrationen der Corona-Verharmloserinnen sind sie regelmäßig anzutreffen. Auf diesen Protestmärschen gegen Corona-Maßnahmen wie Masken, Tests und Impfungen tummeln sich unterschiedliche Gruppen und Einzelpersonen, und immer wieder wird darauf gepocht, dass nicht alle Demonstrierenden Nazis seien. Größtenteils sind es allerdings tatsächlich Verschwörungsideologinnen und Rechtsextreme. Beides geht oft Hand in Hand, wie bei den Anhängerinnen von Q-Anon. Diese aus den USA kommende Bewegung zeichnet sich nicht nur durch krude Theorien aus, wie etwa die Überzeugung, politische Eliten würden Kinder foltern, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen. Auch antisemitische und rechtsextremistische Einstellungen sind weitverbreitet.

Q-Anon ist nicht die einzige Verschwörungsideologie, bei der sich Antisemitismus, rechtsextreme Gewaltfantasien, Antifeminismus und Anti-Establishment-Einstellungen vermengen. Die Alt-Right-Bewegung in den USA, neurechte Strömungen in Lateinamerika, die Gruppierung „Reclaim Australia“ und die Identitäre Bewegung in Europa – sie alle stehen in Verbindung mit Verschwörungstheoretikerinnen und wachsen kontinuierlich. Rechtsextreme Eliten wie Identitären-Chef Martin Sellner mischen sowohl bei den sogenannten Corona-Demonstrationen als auch bei Vernetzungen über Social Media kräftig mit. Trumps Twitter-Bann und das Abdrehen der rechten Plattform „Parler“ sind nur ein kleiner Zwischenerfolg. Rechte Vernetzung findet weiterhin sehr spontan auf Twitter und Facebook statt, neue Gruppen und Hashtags zu gründen ist kein großer Aufwand.

Auf viele Regierungen, die auf dem rechten Auge blind zu sein scheinen, ist kein Verlass, wenn es um den Schutz von Minderheiten, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geht. Deshalb ist antifaschistischer Protest der Zivilgesellschaft auf allen Ebenen alternativlos – doch er wird delegitimiert und kriminalisiert. Bei Antifaschismus geht es nicht um ein paar gelangweilte Autonome, die ein bisschen Steine werfen und Mülleimer umschubsen. Es geht um den Schutz unserer Demokratie vor rechtsextremen Ideologien und Taten, vor Gewalt und Hass. Floskeln wie „So sind wir nicht“ reichen dafür leider nicht.

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Feminist Superheroines: Gitanjali Rao https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-gitanjali-rao/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-gitanjali-rao/#respond Thu, 28 Jan 2021 10:33:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=27399 Gitanjali Rao (*2005) wurde 2020 vom „TIME Magazine“ zum ersten „Kid of the Year“ ernannt. Ihre Erfindungen analysieren den Bleigehalt in Trinkwasser, alarmieren bei Cybermobbing und helfen dabei, eine Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu erkennen. Die gerade erst 15-jährige Rao, deren Eltern aus Indien stammen, kritisiert das gängige Klischee des weißen, alten, männlichen Wissenschaftlers. Sie […]]]>

Gitanjali Rao (*2005) wurde 2020 vom „TIME Magazine“ zum ersten „Kid of the Year“ ernannt. Ihre Erfindungen analysieren den Bleigehalt in Trinkwasser, alarmieren bei Cybermobbing und helfen dabei, eine Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu erkennen. Die gerade erst 15-jährige Rao, deren Eltern aus Indien stammen, kritisiert das gängige Klischee des weißen, alten, männlichen Wissenschaftlers. Sie möchte Menschen ermutigen, die diesem Bild genauso wenig entsprechen wie sie selbst. Derzeit arbeitet sie an einer kostengünstigen Möglichkeit, um eine Kontaminierung in Wasser durch z.B. Parasiten nachzuweisen. Diese Technologie soll zukünftig vor allem in Ländern des Globalen Südens eingesetzt werden. cle

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In Ruhe glotzen https://ansch.4lima.de/in-ruhe-glotzen/ https://ansch.4lima.de/in-ruhe-glotzen/#respond Thu, 28 Jan 2021 10:30:59 +0000 https://anschlaege.at/?p=27396 Illustration: Sabrina WegererMein Sohn hat einen Schulfreund zu Besuch. Ich wundere mich, als der Zweitklässler ein mitgebrachtes Tablet hervorholt und verkündet, jetzt allein sein zu wollen. Das könne er doch auch zu Hause, wende ich ein. Später erfahre ich von seiner Mutter, dass das nicht stimmt. Die Familie musste eine Freundin in die Wohnung aufnehmen, die andernfalls […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Mein Sohn hat einen Schulfreund zu Besuch. Ich wundere mich, als der Zweitklässler ein mitgebrachtes Tablet hervorholt und verkündet, jetzt allein sein zu wollen. Das könne er doch auch zu Hause, wende ich ein. Später erfahre ich von seiner Mutter, dass das nicht stimmt. Die Familie musste eine Freundin in die Wohnung aufnehmen, die andernfalls in einer Sammelunterkunft für Geflüchtete gelandet wäre. Es ist eng geworden und das Tablet ist ein wichtiger Rückzugsraum für das Kind, Alleinsein ein seltener Luxus. Dass das bei uns möglich sein sollte: ein Vertrauensbeweis. Ein guter Gesprächsanlass mit meinem Kind über verschiedene Lebensumstände und Bedürfnisse und ein Reflexionsanlass für mich.

Nicht nur, dass klar geäußerte Bedürfnisse von Kindern allzu oft ignoriert werden, weil man ihnen nicht zutraut, gute emotionale Gründe dafür zu haben – sie sollen „höflich sein“ und sich „gut benehmen“. An Kinder werden ganz andere, strengere Maßstäbe angelegt als an Erwachsene, denen (mediale) Fluchträume zugebilligt werden, ohne dass von „Verdummung“, „Medienüberflutung“ und „Isolation“ die Rede ist statt von Selbstsorge und Bedürfnisäußerung. Vor allem stimmen die immer noch angenommene Trennung von Welt und Zuhause und somit auch die meist gegenderten Zuständigkeiten für diese Räume nicht. Politik und Gesellschaft, Produktion und Geschlechterverhältnisse schlagen ganz unmittelbar aufs vermeintlich traute Heim durch und verlangen Kindern und denen, die mit ihnen leben und arbeiten, Verhaltensweisen ab, von denen in Astrid-Lindgren-Welten nichts zu finden ist. Wenn Frauen zum Handy und Kinder zu Minecraft greifen, sind sie nicht zwangsläufig medial verblödet. Sie nehmen die Räume, die sie kriegen können. Mit Kritik daran sollte man, zumal als Person, der die Welt offensteht, sehr vorsichtig sein.

Jasper Nicolaisen ist Hausmann und systemischer Therapeut in Berlin. Mit seinem Sohn und dessen Freunden zockt er am liebsten Mario Kart.

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Europäische Verantwortung https://ansch.4lima.de/europaeische-verantwortung/ https://ansch.4lima.de/europaeische-verantwortung/#respond Thu, 28 Jan 2021 10:26:49 +0000 https://anschlaege.at/?p=27390 Während manche von uns vielleicht mit einer Portion Hoffnung ins Jahr 2021 gestartet sind, bleibt die Situation für Tausende Geflüchtete im griechischen Flüchtlingslager Kara Tepe katastrophal. Wird sich das dieses Jahr endlich ändern? Keine weiteren Morias – das hat die EU-Kommission nach dem verheerenden Brand im September 2020 versprochen. Und dann kam mit Kara Tepe […]]]>

Während manche von uns vielleicht mit einer Portion Hoffnung ins Jahr 2021 gestartet sind, bleibt die Situation für Tausende Geflüchtete im griechischen Flüchtlingslager Kara Tepe katastrophal. Wird sich das dieses Jahr endlich ändern?

Keine weiteren Morias – das hat die EU-Kommission nach dem verheerenden Brand im September 2020 versprochen. Und dann kam mit Kara Tepe ein weiteres völlig inadäquates Lager. Kinder, die vergewaltigt und von Ratten gebissen werden und nicht mehr leben wollen. Tausende Menschen in löchrigen Zelten. Kälte und Nässe. Jeden Tag die geballte Hoffnungslosigkeit. Hygienische Mindeststandards, die in anderen Teilen der Welt eingehalten werden, gibt es im – mit EU-Geldern finanzierten – Lager nicht. Ärzte ohne Grenzen und andere NGOs schlagen im Wochenrhythmus Alarm. Wir kennen die Missstände aus vielen aufrüttelnden Medienberichten. Auch den Regierungen in Europa und der EU-Kommission sind sie seit Jahren bekannt.

Dass sich bisher nichts geändert hat, ist der bröckelnden Solidarität und dem politischen Klima in der EU geschuldet. Die Rechtspopulistinnen geben in der Asyl- und Migrationsfrage den Ton an; die Verantwortung, Menschenrechte an den Außengrenzen zu wahren, gilt für sie nicht mehr. Staaten, die Geflüchtete aufnehmen wollen, sind in der Unterzahl. Der neue Migrationspakt, der den gordischen Knoten zwischen den EU-Ländern zerschlagen sollte, setzt vor allem auf Abschreckung und Abschottung. Die Verhandlungen werden sich wieder über Jahre ziehen. Viele engagierte Politikerinnen, die jahrelang in Verhandlungen stehen, verzweifeln am bürokratischen Stillstand, der Menschenleben kostet.

In der Asyl- und Migrationsfrage bleibt die EU auch 2021 tief gespalten. Dennoch ist da ein Funken Hoffnung: Der Druck seitens der immer lauter werdenden Zivilgesellschaft, von Expertinnen und progressiven Politikerinnen, die Lager zu evakuieren und die Menschen endlich rauszuholen, wird und darf nicht nachlassen. Das ist keine „moralisch bequeme Haltung“, wie geätzt wurde, sondern ein Grundprinzip europäischer Verantwortung.

Katharina Steinwendtner ist Pressesprecherin der SPÖ-Abgeordneten im Europaparlament und Co-Organisatorin von Period.

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Liebe braucht Gesellschaft https://ansch.4lima.de/liebe-braucht-gesellschaft/ https://ansch.4lima.de/liebe-braucht-gesellschaft/#respond Thu, 28 Jan 2021 10:21:54 +0000 https://anschlaege.at/?p=27385 Illustration: Sabrina WegererDie Pandemie verlangt viel von uns. Wir werden als Gesellschaft gefordert, müssen zu unseren Werten stehen oder sie vielmehr erst finden. Die Kontaktbeschränkungen testen unsere Liebesfähigkeit, unsere Fähigkeit, mit anderen und für andere zu sein. Seit einem Jahr leben wir nun schon mehr oder weniger in kleingemeinschaftlicher Isolation. Ausgerechnet in dieser Zeit habe ich mich […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Die Pandemie verlangt viel von uns. Wir werden als Gesellschaft gefordert, müssen zu unseren Werten stehen oder sie vielmehr erst finden. Die Kontaktbeschränkungen testen unsere Liebesfähigkeit, unsere Fähigkeit, mit anderen und für andere zu sein.

Seit einem Jahr leben wir nun schon mehr oder weniger in kleingemeinschaftlicher Isolation. Ausgerechnet in dieser Zeit habe ich mich verliebt. War es sowieso schon ein Wunder, in diesen Zeiten einer Liebe im wahrsten Sinne des Wortes begegnen zu können, so ist es nicht leicht, sie in diesen Zeiten zu halten und gar wachsen zu lassen. Und es war natürlich kein Wunder. Es war Tinder. Aber es war bestimmt auch der kleine Kitzel des Nicht-Alltäglichen, im ersten Pandemiesommer einen Menschen zu umarmen, zu streicheln, zu küssen; Körperlichkeit nach Monaten der Isolation. Eine frische, junge Liebe braucht ja auch erst mal keine anderen Menschen, könnte man meinen. Also win-win, diese Pandemie. Ein echtes Liebesnest? Not so much. Ich stelle immer mehr fest, dass Liebe Gesellschaft braucht. Einen Resonanzraum, in dem sie wachsen kann. Der Stress, den unterschiedlichen Phasen der Pandemiewellen und -beschränkungen gerecht zu werden, ist eine Belastungsprobe für eine junge Liebe: Welche Kontakte hat die andere? Kann ich mich darauf verlassen? Was sind das für Leute? Diese Fragen stellten wir uns nicht nur gegenseitig, wir haben sie auch in unseren gewachsenen queeren Familien gehört und diskutiert. Unserer aller Verantwortung in diesen Zeiten reicht nun mal weiter als nur für sich selbst. Im Prinzip bedeutet(e) dies, zwei Familien miteinander zu verbinden, die sich aber weiterhin nicht kennen und sich kein Bild von ei­nander machen können. Das verlangt Vertrauen. Da kann es schon mal schnell im Alltäglichen wackeln und an ganz anderen Stellen knirschen. Dann wünschte ich mir Momente von beschwingter Alltäglichkeit; sie mit Freund*innen zu erleben, Veranstaltungen zu besuchen. Irgendwie fühlt sich das nach mehr Sicherheit an. Aber vielleicht ist es auch nur die Sehnsucht nach mehr Gesellschaft. Mehr Gesellschaft mit/in meiner Liebe.

Peggy Piesche lebt, liebt und arbeitet in Berlin, virtuell global und nunmehr auch in Gera/ Thüringen in der bpb zu Diversität, Intersektionalität und Dekolonialität.

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Willkommen, Ergüsse! https://ansch.4lima.de/willkommen-erguesse/ https://ansch.4lima.de/willkommen-erguesse/#comments Thu, 28 Jan 2021 10:01:40 +0000 https://anschlaege.at/?p=27381 Wer eine Vulva hat, hat wahrscheinlich auch eine Prostata und kann ejakulieren. In „Spritzen. Geschichte der weiblichen Ejakulation“ beschreibt Stephanie Haerdle, warum dieses Wissen im 19. Jahrhundert verloren ging. Bettina Enzenhofer hat mit der Autorin über lustvolle Flüssigkeiten und patriarchale Mythen gesprochen. an.schläge: In Ihrem Buch reisen Sie Jahrhunderte zurück und beschreiben die Geschichte der […]]]>

Wer eine Vulva hat, hat wahrscheinlich auch eine Prostata und kann ejakulieren. In „Spritzen. Geschichte der weiblichen Ejakulation“ beschreibt Stephanie Haerdle, warum dieses Wissen im 19. Jahrhundert verloren ging. Bettina Enzenhofer hat mit der Autorin über lustvolle Flüssigkeiten und patriarchale Mythen gesprochen.

an.schläge: In Ihrem Buch reisen Sie Jahrhunderte zurück und beschreiben die Geschichte der Ejakulation und Prostata von Menschen mit Vulva. Was weiß man heute?

Stephanie Haerdle: Die Prostata ist ein Gewebe rund um die Harnröhre und kann unterschiedliche Formen haben. Die meisten Frauen haben eine Prostata. Sie besteht aus Drüsengewebe, -gängen und -zellen. Manche Frauen haben ein weniger stark ausgeprägtes Drüsengewebe, manche ein stärker ausgeprägtes. Das könnte ein Grund dafür sein, dass manche Frauen viel und leicht ejakulieren, manche Frauen weniger und selten. Aber das ist spekulativ, da weiß man wenig.

Bei der Ejakulation unterscheiden jüngste Forschungen zwischen zwei Flüssigkeiten: einer weißlichen, cremigen, dicken Flüssigkeit, die typische Prostata-Marker enthält und aus der Prostata kommt. Das können ein paar Tropfen oder ein Teelöffel voll sein. Die zweite Flüssigkeit, die Squirting-Flüssigkeit, kommt wahrscheinlich aus der Blase. Sie enthält Spuren von Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure, ist aber kein Urin. Das Squirten wurde bisher fast gar nicht beforscht.

Im Buch heißt es über die Prostata: „Ihre Geschichte ist, so wie die der Klitoris und die der Ejakulation, eine von Entdeckung, Beschreibung und Vergessen, Wieder-Entdeckung, Wieder-Beschreibung und Wieder-Vergessen.“ Was haben Sie herausgefunden?

Es gibt unendlich viele Darstellungen weiblichen Spritzens. Es gibt sie in alten chinesischen Texten, in der griechischen und römischen Antike. Das Mittelalter – das arabische wie das europäische – ist voller Beschreibungen. Es gibt eine ganz ausführliche Schilderung der Ejakulation im 17. Jahrhundert von einem holländischen Anatomen, Reinier de Graaf. Auch die Pros­tata wurde schon in der griechisch-römischen Antike beschrieben. Der älteste Text, der genussvolles weibliches Spritzen im Zusammenhang mit dem Orgasmus beschreibt, ist über 2000 Jahre alt. Im Vergleich dazu ist die Zeitspanne, in der man behauptete, das Spritzen gebe es nicht, sehr kurz: Erst im späten 19. Jahrhundert erklärte man das Spritzen zur exklusiv männlichen Fähigkeit. Wenn überhaupt, dann spritzten jetzt nur noch fragwürdige oder „zu“ lustvolle Frauen. Ab den 1970er-­Jahren wurden die weiblichen Ergüsse dann wieder­entdeckt.

Wie lässt sich dieser Bruch im 19. Jahrhundert erklären?

Dafür waren viele Faktoren entscheidend. Vor dem 18./19. Jahrhundert gab es die Vorstellung, dass nur ein Körper mit einem weiblichen und männlichen Extrem und verschiedenen Übergangsformen existieren. Die Frau galt als weniger gelungene, weniger heiße, schwache Variante des Mannes, der als der ideale Mensch betrachtet wurde. Die Flüssigkeit, die die Frau beim Sex verspritzte, wurde analog zum männlichen Samen gedacht. Sie wurde bei Männern und Frauen mit Fortpflanzung verknüpft. Ab dem 18. Jahrhundert entstand die Idee, dass die Frau das ganz Andere sei, das sich in allem vom Mann unterscheide. Das Spritzen hatte in diesem Modell keinen Platz mehr. Dazu kam um 1900 die Entdeckung, dass es für die Fortpflanzung keine weibliche Lust braucht, sondern nur die Eizelle. Wozu aber eine Flüssigkeit ohne ­Fortpflanzungsfunktion? Auch das Wissen um die Prostata ging um diese Zeit verloren. Das alles kam zusammen und führte dazu, dass die Ejakulation irgendwann nicht mehr verstanden und wahrgenommen werden konnte. Spritzende Frauen wurden pathologisiert. Einige Jahrzehnte war die vorherrschende Erklärung eine Inkontinenz, eine Beckenbodenschwäche der Frau.

In Ihrem Buch sprechen Sie auch das Problem von Übersetzungen historischer Quellen an. Wenn Übersetzerinnen die Ejakulation nicht kennen, haben sie auch kein Wort dafür und sprechen zum Beispiel von Lubrikation.

Ja, oder sie übersetzen die Flüssigkeit als krankhaften Ausfluss, schlimmstenfalls als Symptom einer Geschlechtskrankheit. Eigentlich müsste man mit dem Wissen um die weibliche Ejakulation noch mal unendlich viele Texte neu übersetzen. Das wird alles viel feuchter, wenn man das weiß!

In den historischen Texten geht es fast ausschließlich um Frauen, die mit Männern Sex haben. Lesben kommen kaum vor.

Ich bin ja recherchierend durchs Patriarchat gereist – in diesen Jahrhunderten haben vor allem Männer geforscht und geschrieben. Immer, wenn ich Hinweise auf lesbischen Sex und Ejakulation gefunden habe, habe ich mich gefreut und sie aufgegriffen. Es gibt z. B. einen chinesischen Roman aus dem 17. Jahrhundert, in dem zwei Frauen miteinander schlafen und die eine sich darüber wundert, dass die andere so nass wird. Die Kölner Ärztin Sabine zur Nieden hat in den 1990er-Jahren ihre Doktorarbeit zur weiblichen Ejakulation geschrieben: Sie hat über dreihundert Frauen befragt, auch zu ihrer sexuellen Orientierung, und herausgefunden, dass signifikant mehr lesbische Frauen schon einmal einen Erguss erlebt hatten.

Auch wenn ich Texte entdeckt habe, die den „weiblichen Samen“ in ein Konzept von Mehrgeschlechtlichkeit eingebunden haben, habe ich diese in mein Buch aufgenommen. Ich bin auch überzeugt, dass es eine riesige Kulturgeschichte an nicht-­binären Bildern, Vorstellungen und Mythen gibt.

Warum heißt es im Titel Ihres Buches „weibliche Ejakulation“, wo es doch eigentlich um die Ejakulation von Menschen mit Vulva geht?

Der Begriff weibliche Ejakulation ist nicht ganz treffend, weil er Menschen mit Vulva nicht miteinschließt, die sich nicht als weiblich oder als Frau definieren. In meinem Buch reise ich aber in Zeiten zurück, in denen immer von Frauen und Männern ausgegangen wurde. Ich untersuche, wa­rum der Frau irgendwann das Spritzen abgesprochen wurde. Ich benutze den Begriff „weibliche Ejakulation“, weil er für mich auch ein politischer Kampfbegriff ist. Denn wenn ich „weibliche Ejakulation“ sage, denkt mein Gegenüber automatisch die männliche Ejakulation mit. Sofort sind wir in einem Spannungsfeld: Das eine kenne ich natürlich, aber das andere gibt’s auch? Warum weiß ich das nicht? Das finde ich wichtig. Aber ich verstehe, dass es für manche Menschen problematisch ist, weil sie damit nicht angesprochen sind.

Könnten sich mit dem Wissen über Ejakulation bzw. Squirten manche unter Druck fühlen – jetzt muss ich auch noch squirten!

Die Spannbreite von Menschen mit Vulva, die schon mal ejakuliert haben, ist riesig: zehn bis 69 Prozent. Wichtig zu wissen ist, dass auch ganz kleine Mengen Flüssigkeit ejakuliert werden können. Ich kann mir vorstellen, dass das beim penetrativen, heterosexuellen Geschlechtsverkehr oft gar nicht wahrgenommen wird. Ich plädiere unbedingt für einen entspannteren Umgang mit unserem Körper. Das war auch etwas, das ich in diesen alten chinesischen Texten gelernt und worüber ich sehr gestaunt habe. Ich dachte: Wir sind sexuelle Analphabetinnen! So schlicht gestrickt, wie wir Sexualität und Erotik heute miteinander leben, das ist total trostlos! Wir sollten viel neugieriger, experimenteller, gelassener und weniger orgasmuszentriert sein. Wir sollten anfangen, Sex anders zu denken. Ich will auf keinen Fall sagen: Jetzt müsst ihr alle ejakulieren oder squirten! Im Tantra ist die Ejakulation etwa sehr eng mit einer „tieferen“, oft auch eher passiv-empfangenden Weiblichkeit verknüpft worden. Nur die Frauen, die ejakulieren bzw. squirten würden, seien wirklich bei sich angekommen, hätten ihre Traumata aufgearbeitet und was weiß ich. Das sehe ich sehr kritisch. Spritzen ist einfach nur eine mögliche Form, wie ein Körper Lust zeigen kann, und eine Flüssigkeit mehr, die wir willkommen heißen sollten.

Stephanie Haerdle ist eine Berliner Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. „Spritzen. Geschichte der weiblichen Ejakulation“ ist 2020 bei Edition Nautilus erschienen.

Bettina Enzenhofer arbeitet an der TU Wien in der Abteilung Genderkompetenz und ist freie Journalistin zu Themen rund um Frauen- und LGBTI-Gesundheit.

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Hügel, Lücke, Delle https://ansch.4lima.de/huegel-luecke-delle/ https://ansch.4lima.de/huegel-luecke-delle/#respond Thu, 28 Jan 2021 09:51:25 +0000 https://anschlaege.at/?p=27376 Fitness-Influencerinnen fluten Soziale Medien mit ihrer Arbeit am perfekten Körper. Der Shaping-Kult kreiert sogar neue Körperteile. Von Brigitte Theißl. „In den letzten sechs Monaten hast du mein Leben verändert. (…) Ich schaue nicht mehr zurück.“ Es ist keine Liebeserklärung an ihre Partnerin, die Nikki A. da auf YouTube postet. Nikki trainiert nach einem Programm von […]]]>

Fitness-Influencerinnen fluten Soziale Medien mit ihrer Arbeit am perfekten Körper. Der Shaping-Kult kreiert sogar neue Körperteile. Von Brigitte Theißl.

„In den letzten sechs Monaten hast du mein Leben verändert. (…) Ich schaue nicht mehr zurück.“ Es ist keine Liebeserklärung an ihre Partnerin, die Nikki A. da auf YouTube postet. Nikki trainiert nach einem Programm von Heather Robertson, „Brutal Booty Workout“ nennt sich das Fitnessvideo. „Danke für deine Videos und dass du mir dabei hilfst, meinen Po aufzubauen“, kommentiert die Nutzerin. Robertson, Personal Trainerin und Fitness Model, hat rund 1,2 Millionen Abonnentinnen auf YouTube – und zählt damit nicht einmal zur Oberliga der Fitness-Influencerinnen. Fitness im Wohnzimmer boomt in der Pandemie. Hanteln und Hometrainer finden reißenden Absatz, Influencerinnen wie Robertson liefern die passenden, mal mehr und mal weniger schweißtreibenden Workouts.

Perfect Hourglass. Die Arbeit am eigenen Körper – allen voran Krafttraining im Mix mit Ausdauereinheiten – versehen Trendforscherinnen mit dem Stempel Megatrend. Seit Jahren berichtet das Beratungsunternehmen Deloitte von einem ungebremsten Wachstum in der Branche, die Zahl der Deutschen mit einem Mitgliedsausweis im Fitnessstudio steigt.

Nicht nur auf YouTube, auch auf Instagram ist Fitness-Content omni­präsent. Selbst Influencerinnen, die ihr Geld nicht als „Shape“-Covermodel verdienen, zeigen ihre Workout-Routinen: Storys von der HIIT-Einheit im Park (High Intensity Interval Training, der heißeste Scheiß in der Fitness-Welt), Fotos vom surfbrettflachen Bauch.

Wer sich durch die Workout-Videos der Insta-Stars klickt, bekommt schnell einen Eindruck davon, auf welches Körperideal hingearbeitet wird. Schmale Taille, ein ausladender, muskulöser Po, schlanke, definierte Arme. „‚Strong is the new skinny‘ ist ihr Lebensmotto“, ist im Werbetext zu Pamela Reifs Buch zu lesen, das sie 2017 veröffentlichte. Mit ihren sieben Millionen Follower zählt die ­Deutsche zu den Superstars der Fitfluencerinnen. Fit statt dünn, dieses Ideal verkörpert auch Reif.

Längst sind die superschlanken, schmalen Silhouetten aus Aerobic­videos der 80er-Jahre passé, auch der ausgezehrte Look der 90er-Jahre hat ausgedient. Als schön gälten in unserer neoliberalen Leistungsgesellschaft jene Körper, denen man die Arbeit an ihrer Fitness ansehe, erklärt Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner. Einst als „unweiblich“ verpönt, gälten gut sichtbare Muskelpartien nun auch für Frauen als erstrebenswert. „Muskeln wurden früher noch als Zeichen der Arbeiterinnen-Klasse gelesen, sie mussten gerade in einem rassistischen Kontext als Symbole für Wildheit und Gefährlichkeit herhalten. Heute sind sie aber ein Zeichen für Vitalität, für Erfolg und Durchsetzungskraft“, sagt Lechner.

Booty Pump. Auch der anhaltende Trend zum Po-Training verlangt eine intersektionale Brille. Insiderwissen, wie „Glutes“, also die Gesäßmuskeln, möglichst schnell aufgepumpt werden können, ist im Netz gefragt. In den „Frauenbereichen“ großer Fitness-Ketten finden sich eigene Trainingsstationen, die auf das Po-Training ausgerichtet sind. Besonders beliebt: der „Hip Thrust“, bei dem Trainierende eine Langhantel mit schweren Gewichten auf ihren Hüften ablegen und mithilfe der Gesäßmuskeln stemmen. Das neue Schönheitsideal „großer Po“ führt Lechner u. a. auf den globalen Erfolg des HipHops zurück, dessen Videos voll sind von ausladenden Bootys. Weiße Fitfluencerinnen präsentieren auf Instagram stolz ihren gerundeten Hintern – während Schwarze Frauen für ihre Kurven zugleich sexualisiert und abgewertet werden. „Why does a black butt only look good in white skin?“, fragte Yomi Adegoke bereits 2014 im „Guardian“.

Bullshit-Anatomie. Doch nicht nur große Pos sind im Netz heiß begehrt, in der Fitfluencerinnen-Welt wird der weibliche Körper in immer neue Regionen und Problemzonen eingeteilt. Unzählige Workouts auf YouTube sollen „Love Handles“ und „Muffin Tops“ (Hüftfett bzw. „seitliches“ Bauchfett) zum Schmelzen bringen, andere wiederum sagen den „Hip Dips“ den Kampf an. Diese Einkerbungen am Ende der Hüfte stehen der perfekten Sanduhrfigur im Weg – und sind genetisch bedingt. Sie „wegzutrainieren“ ist schlichtweg nicht möglich. „Es ist wichtig, dass Frauen lernen, ihren Körper zu lieben, anstatt ihn ständig verändern zu wollen“, lässt die „Women’s Health“ einen Trainer gönnerhaft kommentieren. Eine ganze Reihe an Fitness-Tipps, die bestehende Hip Dips möglichst dezent aussehen lassen sollen, liefert das Magazin freilich im selben Artikel mit. „Immer neue Körperregionen müssen beschämt werden, damit immer neue Produkte und Programme verkauft werden können“, sagt dazu Elisabeth Lechner. „Dass Cellulite mit keiner Creme der Welt beseitigt werden kann, interessiert schließlich auch seit Jahrzehnten niemanden.“

Body Positivity ist längst im globalen Kapitalismus angekommen. Das zeigen nicht nur die Werbekampagnen großer Sportmarken, auch Influencerinnen hantieren reichlich mit Wohlfühlvokabular. Fit und gesund sein, sich im eigenen Körper wohlfühlen – diese Formeln wiederholen Instastars unablässig. Dass die perfekt geformten Schenkel zumindest auch eine Rolle spielen, lässt sich an ihren Trainingsprogrammen ablesen. Nicht Grundübungen aus dem Krafttraining wie das Kreuzheben stehen auf dem Plan, vielmehr zielen ganze „Challenges“ etwa auf die Formung einer superschmalen Taille. Während der Lockdowns avancierte die australische YouTuberin Chloe-Ting zur Königin der Bauchmuskeln, Videos wie „Get Abs In Two Weeks“ wurden unglaubliche 290 Millionen Mal geklickt. Junge Frauen verehren die 34-Jährige fast schon religiös, auf TikTok trendete die #chloe­tingchallenge.

Fit und schwanger. Andere Influencerinnen wiederum setzen auf Personal Trainerinnen. In Österreich erreichte der ehemalige Footballspieler Otmane „Oti“ Kabietadiko Kultstatus. Mit schweißtreibendem funktionellem Training verspricht Oti u. a. eine „15-Tage-Transformation“. Auf seinem Instagram-Account finden sich klassische Vorher-Nachher-Fotos zufriedener Kundinnen: ein bisschen weniger Bauchspeck hier, drei Millimeter mehr Schenkellücke dort. Auch für Schwangere bietet Oti eigene Trainingsprogramme an. „Zwei Wochen nach der Geburt passe ich schon wieder in meine Lieblingsjeans“, postet Influencerin Vicky Heiler und zeigt ihren flachen Bauch in die Kamera. Regelmäßig trainiert sie live mit Oti – fünfzig bis hundert Wiederholungen einer Übung sind Standard. Durch die Schwangerschaft habe die Influencerin den weiblichen Körper neu schätzen gelernt. Es sei auch völlig okay, wenn man nie wieder in die Jeans passe, fügt sie an.

Schwangere finden im Netz eine ganze Fülle an Fitnessprogrammen. Schwangerschaft? Keine Ausrede, um die Sportroutine schleifen zu lassen, so die Botschaft. „Fit Mommys“ dokumentieren jede körperliche Veränderung auf Instagram, kein Gramm Fett, das unausgeleuchtet bleibt. Die „Cosmopolitan“ ging 2016 sogar so weit, eine Fotoserie von Schwangeren mit Sixpack zu veröffentlichen: „10 Women Who Proved You Can Have Six-Pack Abs While You’re Pregnant“ – die Fotos stammen freilich von Instagram. Schwangeren-Fitness – gut vermarktbar für einen neoliberalen Feminismus à la Sheryl Sandberg, meint Kulturwissenschaftlerin Lechner: „Frauen brauchen keine ‚Sonderbehandlung‘, sie sind sogar hochschwanger noch leistungsfähig.“

Auch neoliberaler Feminismus ist freilich keine Erfindung der Sozialen Medien. Rigide Schönheitsideale existierten, längst bevor Instagram den „Thigh Gap“ weltberühmt machte. Sich dem permanenten Schönheitsdruck zu entziehen ist aber für alle, die täglich durch Soziale Medien scrollen, vermutlich ein Stück schwieriger. Dass die scheinbar perfekte Welt auf Instagram Nutzerinnen unglücklich macht, belegt mittlerweile sogar eine britische Studie. Soziale Netzwerke zu verteufeln, komme für Elisabeth Lechner dennoch nicht infrage. Fat-Liberation-Aktivistinnen posten dort ebenso Storys wie die rosa Antifa. „Hoffnung gibt mir, dass junge Frauen sich oft nicht mehr auf diese Politiken einlassen, weil sie medienkompetent und feministisch geschult sind. Und sie wissen, dass diese Körperteile nicht ihren Wert ausmachen“, sagt Lechner.

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Die Influencer*innen-Kultur auf Instagram verkauft nicht nur Produkte, sondern auch narzisstische Selbstoptimierung. Das gilt auch für den Hashtag-Aktivismus. Von Astrid Exner.

Es ist ein ganz normaler Mittwoch im Oktober 2010. Was als übergriffige Bewertungsplattform für die Attraktivität von Frauen gegründet wurde, erobert gerade unter dem Namen Facebook die Welt. Das brandneue iPhone 4 eignet sich bestens, um dort schlecht belichtete und unbearbeitete Handyfotos der letzten Partynacht hochzuladen. Doch an diesem Mittwoch veröffentlichen zwei Studienkollegen aus Stanford die App Instagram und verändern damit auch die Bildsprache der Mainstream-Netzkultur nachhaltig. Und sie verändern die Ökonomie der Prominenz.

Der Weg dorthin wurde von Paris Hilton kartografiert. Die Hotelerbin und Realityshow-Darstellerin wurde schlagartig berühmt, als ihr Ex-Freund gegen ihren Willen ein privates Sextape veröffentlichte. Hilton trat die Flucht nach vorne an und inszenierte ihren extravaganten Party-Lebensstil als It-Girl selbstbewusst. Heute behauptet sie gar, das Selfie erfunden zu haben. Auch ihre ehemalige Assistentin Kim Kardashian baute sich nach demselben Muster ein Imperium auf. Mit 196 Millionen Followerinnen auf Instagram ist sie eine der berühmtesten Influencerinnen der Welt, übertroffen nur von ihrer Halbschwester Kylie Jenner. 

Ruhm als Selbstzweck. Influencerinnen sind Berühmtheiten, die nicht viel mit klassischen Stars gemeinsam haben. Sie inszenieren ihr mehr oder weniger alltägliches Leben auf eine vermeintlich authentische Art und Weise. Ihr Erfolg baut auf geschicktem Selbstmarketing auf, das der Steigerung ihrer Reichweite auf Social Media dient. Ihre Rezipientinnen lieben die Illusion der absoluten Nahbarkeit und wollen es ihnen gleichtun. Kein Wunder, dass der Berufswunsch unzähliger junger Menschen mittlerweile Influencerin ist. Hauptsache, Einfluss haben, lautet die Devise – wer womit beeinflusst werden soll, ist zweitrangig. Wer möglichst viele Menschen erreicht, kann nämlich als Werbefläche für Firmen beachtliche Summen verdienen.

Hauptziel der Influencer­innen-Welt ist die Monetarisierung, und Ins­tagram mit einer Milliarde Accounts weltweit ist die derzeit lukrativste Plattform dafür. Im Durchschnitt verbringen Userinnen täglich 28 Minuten auf der Plattform. Schätzungen zufolge tummeln sich rund 500.000 aktive Influencerinnen mit einer Reichweite von über 15.000 Menschen unter ihnen. In Österreich soll es laut „Kurier“ immerhin etwa zweihundert professionelle Influencerinnen geben, die von ihrer Arbeit leben können. Sie verlangen drei- bis vierstellige Beträge für ein bezahltes Posting. 

Kuratieren der eigenen Existenz. Die Grazerin Lisa-Marie Schiffner ist mit 1,3 Millionen Abonnentinnen der Superstar unter den hiesigen Influencerinnen. Die 19-Jährige posiert auf ihrem Profil in Unterwäsche vor verschneiter Kulisse und bei Sonnenuntergang im Pool, küsst den Babybauch ihrer Mutter und schwingt ihre Haarpracht – sechs Posts darunter macht sie Werbung für einen Lockenstab. Schiffner überlässt nichts dem Zufall. Posts, in denen Gesichter zu sehen sind, bekommen um 38 Prozent mehr Likes, wie eine Studie des Georgia Institute of Technology und Yahoo Labs zeigt. Auf jedem ihrer Fotos sind also Menschen – manchmal gleich mehrere, immer aber sie selbst. Mit einer matten Ästhetik voller Weiß-, Beige- und Rosé-Töne reiht sich jedes neue Bild in den kuratierten Feed ein. 

Influencerinnen richten ihr Leben nach diesem Feed aus; das Auge ist das unangefochtene Tor zu ihrer Welt. Beim Essen geht es nicht um den Geschmack, sondern um die Präsentation auf dem Teller. Eine gute ­Yoga-Session ist nicht etwa eine, die guttut, sondern eine, in der Outfit und Pose aufeinander abgestimmt sind. Der Urlaub ist dann toll, wenn die gewählte Fotokulisse stimmungsvoll eingefangen wurde. Dass ästhetische Perfektion oberste Priorität hat, lässt dabei nicht viel Spielraum für Individualität, denn Normschönheit bringt die meisten Likes. Das ist nicht neu. Wer ein Star werden wollte, musste immer schon auch normschön sein. Doch der immense negative Einfluss, den die Bilderflut auf Instagram auf die psychische Gesundheit von 14- bis 24-Jährigen hat, ist beispiellos, so das Ergebnis einer Umfrage der britischen Royal Society for Public Health: Instagram verstärkt ­unrealistische Körperbilder, Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Einsamkeit, Mobbing und die Angst, etwas zu verpassen.  

„Personal Branding“ nennt sich im Fachjargon die präzise Auswahl von Ausschnitten aus dem eigenen Leben zum Zweck der Selbstdarstellung. Es gab sie lange vor Instagram: Viele Influencerinnen haben ursprünglich als Bloggerinnen begonnen und auf ihren eigenen Webseiten mittels chronologisch geordneter Einträge quasi Tagebuch geführt. Mit dem Siegeszug von Instagram nahm die Relevanz des geschriebenen Wortes ab – und die der Bilder zu. Gleichzeitig zwingt das Instagram-Monopol alle dazu, sich dem prüden Frauenbild der Plattform zu unterwerfen, auf der Menstruationsblut, (weibliche) Nippel oder Schamhaare tabu sind. 

Der Einfluss des Geldes. Das Narrativ der Authentizität ist die geheime Zutat, die das Influencerinnen-Marketing so interessant für Unternehmen macht. Social-Media-Berühmtheiten kooperieren mit Firmen, indem sie deren Waren auf ihren Kanälen anpreisen. Die Fans akzeptieren diese Produktplatzierungen, weil ihre Vorbilder die Kooperationen selbst auswählen. Das steigert die Werbewirkung: Wenn das Idol so selektiv mit Werbeschaltungen umgeht, dann muss es vom Produkt des gesponserten Post ja wirklich überzeugt sein. 

Wenn es dabei um den Lockenstab von Lisa-Marie Schiffner geht, ist das kapitalistische Kalkül offensichtlich. Aber der kapitalistische Wurm ist auch im Hashtag Feminismus drin. Ganz unironisch posieren Influencerinnen in T-Shirts mit der Aufschrift „This is what a feminist looks like“ und blenden dabei aus, dass diese Shirts von Frauen in asiatischen Sweatshops unter miesen Bedingungen produziert wurden. Der neoliberale Spin des Instagram-Feminismus kulminiert in der allgegenwärtigen Botschaft von Empowerment: Sei immer die beste Version deiner selbst! Das ist nichts anderes als ein Wettbewerbsmantra. Statt sich mit den eigenen Ecken und Kanten anzufreunden, fördert das Schlagwort Empowerment den Druck, ständig an sich selbst zu arbeiten. Und im perfidesten Fall verlangt Empowerment, uns gar ständig selbst zu lieben. 

Narzissmus und Empowerment. Mit Schlagwörtern wie Body Positivity gaukeln sich Influencerinnen und Userinnen gleichermaßen eine gelassene Einstellung zum eigenen Körper abseits von Normschönheit vor. Nur: Diese Gelassenheit hängt wieder davon ab, wie viel Zuspruch wir für den Hashtag-Aktivismus bekommen. Die Dokumentation „The Social Dilemma“ führt vor, dass die Architekten (sic) der Social Networks ganz bewusst mit der menschlichen Sucht nach Likes spielen. So sind auch Body Positivity und Empowerment nur weitere Kategorisierungen innerhalb eines Systems, in dem alles eine Ware ist. Die Plattform gibt das kapitalistische Netz vor, in dessen Rahmen wir uns bewegen und immer auch verkaufen dürfen. Auch wer sich als Aktivistin für Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, psychische Gesundheit oder linken Feminismus einsetzen und damit große Reichweiten generieren will, muss Geltungsdrang und Spaß am Personal Branding haben.

Nun war 2020 auch in der Influencerinnenwelt kein leichtes Jahr. Mit Reisen, Großevents, Konsumrausch und Glamour außer Reichweite gibt es nur wenige lukrative Einflussbereiche. Mehr noch: Vor dem Hintergrund einer globalen Pandemie kam es zu einem Backlash gegen die Trivialität und Abgehobenheit des hochstilisierten Authentizitäts-Scam. Fridays For Future und Black Lives Matter haben das politische Bewusstsein junger Menschen gestärkt. Diese Bewegungen haben deutlich gemacht, dass politischer Aktivismus immer ein kollektives Unterfangen sein sollte, bei dem die Sache und nicht die Person im Vordergrund steht. Es ist also fraglich, ob sich das hyperindividualistische Selbstverwirklichungsmantra des Insta-Kapitalismus überhaupt mit linkem Aktivismus verbinden lässt. Aber wenn jemand diesen Spagat schafft, dann wohl die im Verbiegen geübten Influencerinnen.

Astrid Exner ist Feminismus-Kolumnistin im Popkulturmagazin „The Gap“. Sie hat Kunstgeschichte und Philosophie studiert und beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt beruflich mit Social Media, aktuell als Kommunikationsleiterin im WUK.

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Frauen, Arbeit und die Krise https://ansch.4lima.de/frauen-arbeit-und-die-krise/ https://ansch.4lima.de/frauen-arbeit-und-die-krise/#respond Thu, 28 Jan 2021 09:29:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=27365 Frauen sind die Verliererinnen dieser Krise. Zeit für Umverteilung im großen Stil, sagt Veronika Bohrn Mena. Um das Offensichtliche gleich vorwegzunehmen: 2020 war ein verdammt schlechtes Jahr, vor allem für Frauen. Doch die Durststrecke hat für sie keinesfalls erst im vergangenen Jahr begonnen, allerdings macht die Corona-Krise Missstände sichtbarer. Schon vor Corona waren die Erwerbstätigen […]]]>

Frauen sind die Verliererinnen dieser Krise. Zeit für Umverteilung im großen Stil, sagt Veronika Bohrn Mena.

Um das Offensichtliche gleich vorwegzunehmen: 2020 war ein verdammt schlechtes Jahr, vor allem für Frauen. Doch die Durststrecke hat für sie keinesfalls erst im vergangenen Jahr begonnen, allerdings macht die Corona-Krise Missstände sichtbarer. Schon vor Corona waren die Erwerbstätigen und ihre Angehörigen in Österreich wie im Rest von Europa instabil und prekär Beschäftigte gespalten, der Arbeitsmarkt unsicher und die Mittelschicht im Zerfall begriffen. Ende 2019 befand sich bereits über ein Drittel der Erwerbstätigen nicht in „Normalarbeitsverhältnissen“, also unbefristet und in Vollzeit angestellt, sondern war atypisch beschäftigt. Für sie bedeutet das nicht nur wesentlich schlechter bezahlt zu werden, sondern auch in höherer Unsicherheit leben zu müssen. Das rächt sich spätestens im Alter.

Typisch atypisch. Frauen können ein Lied davon singen, weil für sie atypische Beschäftigung und die daraus resultierende Altersarmut seit Jahren die Normalität darstellt. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen arbeiteten schon vor Corona in keinem unbefristeten Vollzeitjob mehr. Frauen stellten die Mehrheit der atypisch Beschäftigten dar, weil sie aufgrund der enorm ungleichen Verteilung von unbezahlter Arbeit viel weniger Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit haben. Aber auch, weil viele von ihnen nur die Wahl zwischen einem miesen oder keinem Job hatten. Schließlich werden Frauen am Arbeitsmarkt nicht nur schlechter bezahlt, sondern auch in jeder anderen Hinsicht diskriminiert. Ihnen blieben jene Jobs, die Männer übrig gelassen hatten.

Mit ihrer Krisenpolitik verschärft die österreichische Bundesregierung nun diese fatale Entwicklung weiter. Aufgrund der Unwilligkeit, stärker in den Arbeitsmarkt einzugreifen, haben vor allem Frauen in den vergangenen Monaten ihre Jobs verloren. Während des ersten Shutdowns wurden knapp 55.000 Frauen arbeitslos, dem stehen rund 9400 Männer gegenüber.

Viele fallen dabei durch alle sozialen Netze. Denn geringfügig Beschäftigte, vorwiegend Studentinnen, (alleinerziehende) Mütter und Rentnerinnen, können weder Arbeitslosengeld noch Kurzarbeit beantragen. Sie sind es aber, die am häufigsten arbeitslos wurden.

Verdrängte Frauen. Und dann wären da noch jene Frauen, deren Arbeitgeberinnen ihnen zwar nicht gekündigt haben, die sich aber aufgrund der fehlenden Kinder-, Alten- und Krankenbetreuung dazu gezwungen sahen, ihre bezahlte Erwerbsarbeit zu reduzieren – oder sogar ganz einzustellen. Nur sehr selten reduzierten ihre besser bezahlten Partner die Erwerbsarbeit deutlich, um Homeschooling, 24-Stunden-Pflege, die Versorgung von Kleinkindern oder den Haushalt zu übernehmen. Selbst scheinbar progressive Paare begannen zu streiten, als ihre mit hoher Wahrscheinlichkeit weibliche Reinigungskraft, Pflegerin oder Kinderbetreuerin im Shutdown ausfiel. So gut wie alle Familienarbeiten, die zuvor auf schlecht bezahlte Frauen abgeschoben werden konnten, mussten und müssen in der Krise von Frauen geleistet werden. Das Resultat ist bitter. Frauen haben sich seit dem Beginn der Pandemie wieder ein Stück weit aus dem Arbeitsmarkt zurückgezogen und ihre bezahlten Arbeitszeiten wesentlich stärker reduziert als Männer. Natürlich sind auch die Gehaltseinbußen und die finanziellen Einschnitte bei ihnen viel größer. Frauen haben im Supermarkt, im Krankenhaus oder Altersheim für uns alle ihre Gesundheit riskiert – und auch noch die gesamte Last der zusätzlichen unbezahlten Arbeit aufgehalst bekommen. Belohnung gab es für sie keine, nicht einmal einen echten Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit, Ausgleichszahlungen oder das Recht, in ihr altes Erwerbsarbeitszeitausmaß zurückzukehren. Sie wurden und werden von der Regierung schlichtweg ignoriert. Zu Recht warnen Wissenschaftlerinnen vor einem Rückschritt bei der Gleichstellung am Arbeitsmarkt um rund dreißig Jahre. Die Rechnung dafür werden die betroffenen Frauen noch jahrelang zahlen müssen, vieles wird sich ohne einen radikalen Kurswechsel auch gar nicht kompensieren lassen.

Kurswechsel. Wenn wir nicht wollen, dass Frauen weiterhin die Leidtragenden sind, müssen wir an so manchen Konzepten rütteln, die als einbetoniert galten. Denn all das ist nicht einfach so passiert, sondern wurde politisch ermöglicht. Der wesentliche Grund für zig Millionen prekäre Jobs, einen riesigen, stetig wachsenden Niedriglohnsektor in Europa und den Gender Pay Gap liegt in der jahrzehntelangen Deregulierung des Arbeitsrechts. Begleitet von der Zerschlagung von flächendeckenden Branchentarifverträgen, der Schwächung von Gewerkschaften und den Rechten der Beschäftigten. Quer durch Europa wurde dem Dogma der Arbeitsmarkt-„Flexibilisierung“ gehorsam Folge geleistet. Dabei hätte die bezahlte wie unbezahlte Arbeit schon vor Jahrzehnten viel gleichmäßiger auf alle Köpfe aufgeteilt werden müssen. Gleiche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen mit den gleichen soliden Rechten für alle Beschäftigten unabhängig von Geschlecht und Herkunft müssten im 21. Jahrhundert längst eine Selbstverständlichkeit sein. Eine soziale Absicherung mit Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung für alle ist das Um und Auf, um eine Pandemie zu bekämpfen. Doch von all diesen Grundvoraussetzungen sind wir ein ordentliches Stück entfernt. Ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, schließlich können gleichzeitig große Konzerne, Handelsriesen und Spekulanten durch die Krise ihre obszönen Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit noch weiter steigern. Wie wir es drehen und wenden: Wir kommen nicht daran vorbei, im großen Stil umzuverteilen. In der Finanzwirtschaft wie auch am Arbeitsmarkt.

Her mit der 30-Stunden-Woche. Wie wir Zeit, Geld und Arbeit neu verteilen und wie wir die Maßnahmen gegen die Krise finanzieren, ist die zentrale (wirtschafts-)politische Herausforderung der Zukunft. Das alte Ideal der Vollbeschäftigung bröckelt und es stellt sich die Frage, ob sie unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch erreicht werden kann – und ob wir das denn überhaupt wollen. Wir arbeiten in Österreich ohnehin viel zu lange, zumindest diejenigen, die noch einen Vollzeitarbeitsplatz haben. Unser Lohnniveau ist zu niedrig und die Arbeitsmarktentwicklung gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Das Mindeste müsste jetzt eine gesetzliche Verkürzung der Normalarbeitszeit auf dreißig Stunden pro Woche sein – und zwar bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Aber auch das alleine wird nicht reichen. Es braucht gleiche Rechte für alle Beschäftigten am Arbeitsmarkt und eine bedingungslose soziale Absicherung, von der es sich sicher und in Würde leben lässt. Jede kleinere Maßnahme dient einer temporären Symptombekämpfung, aber löst unsere Probleme nicht. Ein Zurück zur alten Normalität können wir gar nicht wollen. Es ist höchste Zeit, es endlich besser zu machen.

Veronika Bohrn Mena ist Autorin und Arbeitsmarktexpertin. Ihr erstes Buch „Die neue ArbeiterInnenklasse – Menschen in prekären Verhältnissen“ ist im Jänner 2020 in der dritten Auflage erschienen, ihr zweites Buch „Leistungsklasse – Wie Frauen uns unerkannt und unbedankt durch alle Krisen tragen“ ist im November 2020 erschienen, beide im ÖGB-Verlag.

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Brüder im Geiste https://ansch.4lima.de/brueder-im-geiste/ https://ansch.4lima.de/brueder-im-geiste/#comments Thu, 28 Jan 2021 09:20:39 +0000 https://anschlaege.at/?p=27359 Nicht allein Muslim:innen leiden unter der Gleichzeitigkeit von Fundamentalismen, deshalb müssen Islamismus und Rechtsextremismus gemeinsam bekämpft werden. Laura Lorîn Şahan über gefährliche Netzwerke und mörderische Ideologien. Nach den jihadistischen Attentaten von Wien, Paris, Kabul und Nizza im vergangenen Herbst richtete sich eine „Gruppe von Frauen und Queers, die seit Jahren (…) gegen Islamismus kämpfen“, mit […]]]>

Nicht allein Muslim:innen leiden unter der Gleichzeitigkeit von Fundamentalismen, deshalb müssen Islamismus und Rechtsextremismus gemeinsam bekämpft werden. Laura Lorîn Şahan über gefährliche Netzwerke und mörderische Ideologien.

Nach den jihadistischen Attentaten von Wien, Paris, Kabul und Nizza im vergangenen Herbst richtete sich eine „Gruppe von Frauen und Queers, die seit Jahren (…) gegen Islamismus kämpfen“, mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Darin verweisen sie auf die globalen feministischen und queeren Kämpfe gegen Islamismus und die innenpolitischen Versäumnisse im Umgang mit türkischem Rechtsextremismus und salafistischen Gruppen in Deutschland. Zugleich kritisieren sie die außenpolitische Zusammenarbeit mit autoritären bis islamistischen Regimen wie der Türkei, Saudi-Arabien und dem Iran.

Während der innenpolitische Diskurs nach jihadistischen Anschlägen von Beileidsbekundungen meist schnell in eine Kulturalisierung und Externalisierung des Terrors umschlägt, werden weiterhin Handelsbeziehungen mit jenen Ländern gepflegt, die reaktionäre und islamistische Strömungen finanziell und politisch unterstützen. Jihadistische Terroristen sind keine Einzeltäter, ihre legalistisch-islamistischen Netzwerke werden von unterschiedlichen Staaten gezielt gefördert, um eigene ideologische, ökonomische und geopolitische Interessen durchzusetzen. Ein besonderes Beispiel hierfür ist die Türkei. Die regierende „Volksallianz“ – ein Wahlbündnis aus der islamisch-konservativen AKP und der rechtsex­tremen MHP – macht deutlich, wie einfach sich eine fundamentalistisch-konservative „Berufung“ auf den Islam und rechtsnationales Gedankengut miteinander verbinden lassen. Derartige islamistisch-rechtsextreme Netzwerke lassen sich auch in ganz Europa unter Namen wie „Türkische Konföderation“ finden und zählen in vielen Ländern zu den einflussreichsten rechtsextremen Organisationen.

Verstrickungen. In Österreich gibt es unzählige dieser Vereine, die sich hinter Begriffen wie „Kulturverein“ verstecken und politische sowie finanzielle Verbindungen zu den türkischen Regierungsparteien haben. Einer der größten dieser Vereine ist die ATIB Union, die „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich“, die mit sechzig Vereinen und über 100.000 Mitgliedern auch Teil der „Islamischen Religionsgemeinschaft in Österreich“ ist und zeitweise sogar deren Präsidenten stellte. Der ATIB Union Dachverband gilt als Auslandsarm der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die direkt Recep Erdoğan unterstellt ist. Neben der Verwaltung religiöser Angelegenheiten ist sie auch für ihren ideologischen Kampf gegen die kurdische Freiheitsbewegung im Osten und Südosten der Türkei und für ein besonders konservatives Frauenbild bekannt.

Diese Verstrickungen stellen auch für politisch anders gesinnte Muslim:innen und Gegner:innen der türkischen Regierung eine große Gefahr dar. So tauchen immer wieder Berichte über Bespitzelungen in Moscheen auf. Erst kürzlich wurde bekannt, dass ein Ex-Agent des türkischen Nachrichtendienstes in Österreich mit mehreren Mordaufträgen an Regimekritiker:innen beauftragt war. Einer dieser Anschläge hätte Berîvan Aslan gelten sollen. Die ehemalige Frauensprecherin der Grünen sitzt seit November im Wiener Gemeinderat, seit Jahrzehnten ist sie eine laute Kritikerin der türkischen Regierung und deren fundamentalistisch-nationalistischer Ideologie. Als Feministin, Kurdin und Frau in der Öffentlichkeit ist sie vielen Anhänger:innen des Erdoğan-Regimes ein Dorn im Auge. Aslan ist aber nicht nur Zielscheibe für islamistische Fundamentalist:innen, sondern auch für rechtsextreme Rassist:innen. Migrant:innen müssen schließlich ebenso als Projektionsfläche für antimuslimische Ressentiments herhalten, völlig unabhängig von ihrem tatsächlichen religiösen oder kulturellen Hintergrund. Der extremen Rechten geht es dabei nicht um eine reale Kritik am Islamismus und dessen menschenverachtender Ideologie, vielmehr ist ihr Verhältnis zum Islamismus durch Ambivalenz geprägt. Viele Rechtsextreme blicken mit Bewunderung auf islamistische Regime und Bewegungen – diese sollen jedoch dort bleiben, wo sie den rassistischen Vorstellungen nach „hingehören“.

Große Ähnlichkeit. Die „autochtone“ extreme Rechte und ihr islamistisches Gegenüber nähren sich beide aus der gesellschaftlichen Spaltung, die der vorherrschende rassistische Diskurs produziert, und sind sich um vieles ähnlicher, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Wie der Rechtsextremismusforscher Heribert Schiedel ausführt, besteht ihre „Ähnlichkeit (…) nicht nur auf ideologischer Ebene, im Antisemitismus, Antifeminismus und Antiliberalismus, sondern auch in den jeweils vorherrschenden Konzepten von Identität, Männlichkeit und Wehrhaftigkeit, in der Fetischisierung von Gewalt und des Todes, im Einheitstick, in der Rekrutierung und virtueller Propaganda“. Das vorherrschende Konzept von Identität, die pauschalisierende Islamkritik von rechts und das von Islamist:innen geförderte Bild der bedingungslos loyalen muslimischen Weltgemeinschaft führen dazu, dass heute ein essentialistisch gedachtes Bild von Muslim:innen vorherrscht. Die weltweiten Opfer des Islamismus werden dabei nur noch für politische Stimmungsmache instrumentalisiert. Damit öffnet sich für muslimisch geprägte Menschen ein Resonanzraum, der islamistischen Gruppen die Rekrutierung erleichtert – abzulesen an der wachsenden Zahl von Jugendlichen, die ihr Leben dem Jihad widmen. Bezeichnenderweise sind es besonders viele in jenen Ländern, in denen sie mit antimuslimischen Ressentiments konfrontiert sind. Die erzeugten gesellschaftlichen Risse entlang identitärer Grenzlinien werden ganz gezielt vertieft, da sie eine Stärkung beider fundamentalistischer Bewegungen ermöglichen. Der Zulauf, den islamistische Vereine erfahren, ist also genauso hausgemacht wie der Aufstieg der „traditionellen“ politischen Rechten in Europa. Und perfiderweise ist es dieselbe europäische Politik, die nach terroristischen Anschlägen mehr Abschiebungen, Überwachung und Polizei fordert, die zugleich vom Handel mit islamistischen Regimen profitiert und diese mit Waffen beliefert.

Subalterne Stimmen. Linke Positionen dazu bleiben oft unterkomplex, denn sie reproduzieren meist identitäre Vorstellungen von Muslim:innen und bestärken damit einen Diskurs, der keinen Unterschied zwischen einer globalen, reaktionären Bewegung wie dem Islamismus und der spirituell-kulturellen Auslebung von Religion macht. In antirassistischen Kämpfen wird zudem Diskriminierungserfahrung oft mit emanzipatorischer Haltung gleichgesetzt, was Migrant:innen als politische Subjekte entmündigt. Die Linke sollte islamistische Täter:innen als politisch Handelnde ernst nehmen – sowie auch ihre mörderische Ideologie. Eine Ideologie, die für Terror, Genozide, antifeministische Ressentiments und für Gewalt gegen doppelt diskriminierte Minderheiten und Andersdenkende verantwortlich ist. Es fehlt der Fokus auf die subalternen Stimmen der Betroffenen: die Stimmen von Jüd:innen, Êzîd:innen, Alevit:innen, Assyrer:innen, Queers, Feminist:innen, Atheist:innen, Linke – aber auch von Muslim:innen, der größten Gruppe von Opfern islamistischer Gewalt, sowie von Migrant:innen weltweit, die sowohl unter Islamismus als auch unter seinem rassistischen Gegenüber zu leiden haben, an der Gleichzeitigkeit von Fundamentalismen. Spätestens seit den Angriffen auf türkische und kurdische Feminist:innen und Vereine in Wien im vergangenen Juni ist klar, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den Netzwerken des legalistischen Islamismus und dem türkischen Rechtsextremismus überfällig ist. Es braucht mehr kollektive Kämpfe gegen die faschistoiden globalen Herrschaftsansprüche des Islamismus, ohne dabei die Explosivität des Rassismus zu unterschätzen oder die Marginalisierung von Muslim:innen voranzutreiben. Die Antwort darf weder Rassismus und antimuslimische Hetze noch die Verklärung von islamistischer Gewalt sein. Es gibt sie jedoch, die effektiven Antworten: Sie werden derzeit in Rojava praktiziert und gelebt. Die kurdischen Verteidigungseinheiten haben den jihadistischen Daesh besiegt und ein feministisch-ökologisches Autonomie­gebiet in demokratischer Selbstbestimmung und kultureller Vielfalt errichtet. Ihr Kampf ist kein ferner, sondern einer, den es weltweit gegen die Gleichzeitigkeit der Fundamentalismen und deren Zusammenstoß zu führen gilt.

Der Terror des vergangenen Herbstes und die geplanten Angriffe auf feministische Aktivist:innen führen uns erneut vor Augen, wie dringend islamistischem Fundamentalismus, faschistischem Gedankengut, aber auch Rassismus und allen anderen menschenfeindlichen Ideologien begegnet werden muss. Mögen Rechtsextremismus und Islamismus noch so unvereinbar erscheinen – schlussendlich sind sie zwei streitende Brüder im Geiste. Um ihnen langfristig ihre materiellen wie auch diskursiven Grundlagen zu entziehen, müssen die Gegenkonzepte umso feministischer, emanzipatorischer, systemkritischer und antifaschistischer ausfallen.

Laura Lorîn Şahan ist Zeithistorikerin, Autorin und arbeitet in verschiedenen antifaschistischen und kurdischen Kontexten in Wien.

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