VII / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 13 Oct 2019 20:36:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png VII / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 an.sage: Verlierer*innen https://ansch.4lima.de/an-sage-verliererinnen/ https://ansch.4lima.de/an-sage-verliererinnen/#respond Fri, 11 Oct 2019 11:29:01 +0000 https://anschlaege.at/?p=13645 Ein Kommentar von GABI HORAK   „Wer hat gewonnen?“, fragte mich meine Tochter am Wahlsonntag, während die bunten Balken am Fernsehschirm in die Höhe wuchsen. Ich habe keine einfache Antwort darauf. Dass die Grünen – noch dazu stärker als je zuvor – wieder im österreichischen Nationalrat vertreten sind, ist aus feministischer Sicht jedenfalls eine gute […]]]>

Ein Kommentar von GABI HORAK

 

„Wer hat gewonnen?“, fragte mich meine Tochter am Wahlsonntag, während die bunten Balken am Fernsehschirm in die Höhe wuchsen. Ich habe keine einfache Antwort darauf. Dass die Grünen – noch dazu stärker als je zuvor – wieder im österreichischen Nationalrat vertreten sind, ist aus feministischer Sicht jedenfalls eine gute Nachricht. Sie haben Stimmen gewonnen. Das haben aber auch die rechten Türkisen. Stimmen und damit Macht im Parlament verloren haben die rechtsradikalen Blauen, aber auch die kriselnde Sozialdemokratie. Wer hat also gewonnen? Neoliberalismus und linksliberale Klimapolitik? Rassismus und Antirassismus?
Eines steht fest: Feministische Politik wird auch in der nächsten Regierung keine tragende Rolle spielen. Nicht mit den noch stärker gewordenen Kurz-Türkisen, egal in welcher Konstellation. Schon am Wahlabend wurde vor allem über eine mögliche Koalition von Türkisen und Grünen debattiert, sie scheint vielen am wahrscheinlichsten. Bei aller Anerkennung und positiver Überraschung, dass die Grünen wieder so stark sind, dass das tatsächlich eine Option ist: Wie soll das gehen? Ich kann mir zur Stunde keine Vereinbarung vorstellen, keinen „Kompromiss“, bei dem nicht eine der beiden Parteien in grundsätzlichen, identitätsstiftenden Positionen völlig das Gesicht verliert.
Schon 2003 sind Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen gescheitert. „Die ÖVP wollte damals Grausamkeiten sondergleichen im Sozialbereich durchsetzen“, wird Karl Öllinger vergangenen Juli im „Falter“ zitiert. Die Schmerzgrenze für Grausamkeiten wurde seither von rechten Regierungen noch mal ein großes Stück nach unten verschoben. Wie soll da linke, soziale, feministische Politik auch nur einen weiteren Millimeter in Richtung Sozialabbau und autoritärer Staat nachgeben können?
Feministische Politik würde bedeuten, einen radikalen Wandel in Richtung Umverteilung anzustoßen: mehr Sozialstaat und nicht weniger, mehr Menschen in das gute Leben integrieren und nicht weniger.
Das betrifft auch die Wahl im engsten Sinne: 6,4 Millionen Menschen waren am 29. September wahlberechtigt. 1,2 Millionen Menschen, die in Österreich leben und oft sogar hier geboren sind, waren es nicht. Das ist nach der Anzahl der Kurz-Wähler*innen die zweitgrößte Gruppe. Es ist ein „zunehmend demokratiepolitisches Problem“, wie Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger im „Falter“-Blog schreibt. Eine Reform des Staatsbürgerschaftsgesetzes ist für sie deshalb unumgänglich.
Einstweilen blieb den Nicht-Wahlberechtigten nur die Teilnahme an der symbolischen Pass-Egal-Wahl wenige Tage vor der Nationalratswahl. Es gab Rekordbeteiligung: Mehr als 2900 Menschen ohne österreichischen Pass haben gewählt, dazu kamen tausend Solidaritätsstimmen von Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Die Schlangen vor den Wahllokalen waren lang, mancherorts haben Menschen eine Stunde gewartet, um ihre Stimme abzugeben. Es ist ein Bedürfnis mitzubestimmen bei Entscheidungen, die das Land betreffen, in dem mensch lebt. Und es sollte ein Recht sein, das tun zu dürfen.
Die politischen Mehrheiten in Österreich haben sich nach der Wahl nur marginal verschoben. Ein großer Teil der ehemaligen FPÖ-Wähler*innen hat dieses Mal nicht gewählt. Sie sind das nächste Mal also abrufbar. Bei den jungen Wähler*innen ist Kurz genauso stark wie die Grünen, nur bei gut gebildeten Frauen sind die Grünen auf Platz eins.
„Es gibt immer noch eine rechte Mehrheit in diesem Land“, heißt es in einem Posting der „wiederdonnerstag“-Demo-Organisator*innen. Sie kündigen an, dass weiter demonstriert wird. „Egal, was kommt, das wird nicht unsere Regierung sein. Wenn es keine aufmerksame kritische Zivilgesellschaft gibt, die genau darauf schaut, was bei den kommenden Koalitionsverhandlungen passiert, werden wieder die Anliegen, Bedürfnisse und Sorgen genau derjenigen ignoriert werden, die jetzt schon von dieser Politik am meisten negativ betroffen sind. Denn viele von uns werden die rechte Politik weiterhin zu spüren bekommen, egal mit wem Kurz koaliert – einige später, aber einige auch sofort.“ Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Ich hab noch immer keine Antwort darauf, wer bei der Wahl gewonnen hat. Die von der Kürzungspolitik betroffenen Menschen jedenfalls nicht.

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satira: Fuck You, Peter? https://ansch.4lima.de/satira-fuck-you-peter/ https://ansch.4lima.de/satira-fuck-you-peter/#respond Fri, 11 Oct 2019 11:02:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=13643 Illustration: Sabrina WegererI had heard of all these men, mostly middle-aged white men, who hate on Greta Thunberg, but I never thought it was as bad as it turned out to be when I made the huge mistake of diving into a Google orgy by typing in „fuck you Greta bumper stickers“ (a Facebook „friend“ proudly posted […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

I had heard of all these men, mostly middle-aged white men, who hate on Greta Thunberg, but I never thought it was as bad as it turned out to be when I made the huge mistake of diving into a Google orgy by typing in „fuck you Greta bumper stickers“ (a Facebook „friend“ proudly posted a picture of his car carrying that sticker, he‘s deleted it now, and I hope his car dies!) and „white middle aged men hating Greta Thunberg“. Jesus Christ! High-profiled, grown up men; politicians, millionaires, CEOs; most of them fathers, all of them using social media to bully and puke hatred towards a 16-year-old girl. Adult men twittering about how they wish she would drown in the Atlantic, calling her a freak, a psycho and making jokes online about badly hidden rape fantasies. And when journalists write articles about the horrendous phenomenon of all these middle-aged white men and their hate obsession, they get attacked and accused of misandry in the comment section, where furious middle-aged white men fail to say a word about the horrifying verbal abuse that Greta is facing, but instead cry rivers because they are the real victims here, victims of evil attacks on poor innocent men, victims of generalisation. How is this real??? That made me wonder if it would look like this if Greta were an eloquent, calm 16-year-old boy with a similarly proper hair cut by the name of Peter. Would they hate as loudly? Would they hate at all? And then I took it a step further and tried to imagine hoards of middle-aged white women hating on Peter, screaming „Peter, you fucking freak!“ to a child, picking up their kids from school in SUVs with „fuck you Peter“-bumper stickers on them.
Can you see it? Can you visualise this in your wildest imagination? No? Yeah … neither can I!

 

Denice is of the opinion that middle-aged white men hate being called that because they think that they are just simply the „people“. Nothing makes them madder than being labelled. So let‘s label them. A lot!

 

 

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heimspiel: Mission: Alltag https://ansch.4lima.de/heimspiel-mission-alltag/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-mission-alltag/#respond Fri, 11 Oct 2019 11:01:35 +0000 https://anschlaege.at/?p=13641 Illustration: Sabrina Wegererleben mit kindern   Beim Anschauen des neusten „Mission Impossible“ mit dem attraktiv ergrauten Scientology-Blödel Tom Cruise müssen wir unterbrechen, weil das Baby weint. Nachdem die Windel gewechselt, der Schnuller gefunden und das Liedchen gesummt ist, kommt mir der Gedanke, ob der nächste Teil der Actionreihe Cruise nicht als Papa zeigen könnte, der all seine […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

leben mit kindern

 

Beim Anschauen des neusten „Mission Impossible“ mit dem attraktiv ergrauten Scientology-Blödel Tom Cruise müssen wir unterbrechen, weil das Baby weint. Nachdem die Windel gewechselt, der Schnuller gefunden und das Liedchen gesummt ist, kommt mir der Gedanke, ob der nächste Teil der Actionreihe Cruise nicht als Papa zeigen könnte, der all seine Abenteuer mit Säugling im Schlepptau bestehen muss. Aus dem brennenden Helikopter stürzen mit Kind vorm Bauch! Felswände hoch freeclimben, während das Kleine oben schon droht, über den Rand zu plumpsen, und dabei brüllen „bleib da! Bleib da!“. Im Casino mit der Giftblondine vom Konkurrenzverein anbandeln, und gerade, als er etwas irrsinnig Attraktives und Draufgängerisches sagt und sein lausbübisches Tom-Cruise-Lächeln bringt, da kotzt ihm das Balg auf die Abendgarderobe.
So lustig die Vorstellung auch ist, es steht zu befürchten, dass dieser Film von high-fivenden Jungs-Banden zwischen dreißig und fünfundvierzig großflächig abgefeiert werden würde. Er wäre kaum subversiv, sondern würde bedienen, was ohnehin die gängige Erzählung übers Vatersein ist. Babyzeit ist Männerzeit, wenn es irgendwie cool, raubeinig und unterhaltsam zugeht. Der Papa bereitet nicht erst umständlich die Windeltasche vor! Da geht es improvisiert raus in die Wildnis oder es wird kreativ was vollgemalt, gedrechselt oder geschweißt. Wenn die Mama nach Hause kommt und genervt guckt, lachen Papa und Kind so Tom-Cruise-mäßig: Männer sind halt auch nur große Kinder. Sorry, dass du jetzt aufräumen musst.
Abgesehen davon, dass die Rollenverteilung zwischen Spielepapa und Nörgelmama megaätzend für beide Parteien ist, sieht die Realität mit Baby sowieso anders aus. Zeit mit Kleinkindern kann berührend, lustig und lehrreich sein, aber oft genug auch öde, nervtötend oder überfordernd. Cool wären Geschichten darüber, wie Mamas, Papas, Kinder und ganze international operierende Netzwerke das gemeinsam auf die Reihe kriegen.

 

Jasper Nicolaisen ist nicht so attraktiv ergraut wie Tom Cruise, dafür aber auch nicht bei Scientology.

 

 

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