an.frage – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 02 Dec 2024 22:33:16 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png an.frage – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 „Kein selbstverständlicher Teil“ https://ansch.4lima.de/kein-selbst/ https://ansch.4lima.de/kein-selbst/#respond Sat, 23 Nov 2024 01:11:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=121577 Vor 60 Jahren warb Österreich sogenannte Gastarbeiter*innen aus der Türkei an, überwiegend waren es Männer. Anna Painer hat mit Zeynep Arslan gesprochen, die eine Ringveranstaltung an der Uni Wien zum Thema organisiert hat. Was lässt sich aus einer Genderperspektive zum Anwerbeabkommen sagen? Rückblickend lässt sich sagen, dass die migrantisch-weibliche* Arbeitskraft viel zu wenig Beachtung gefunden […]]]>

Vor 60 Jahren warb Österreich sogenannte Gastarbeiter*innen aus der Türkei an, überwiegend waren es Männer. Anna Painer hat mit Zeynep Arslan gesprochen, die eine Ringveranstaltung an der Uni Wien zum Thema organisiert hat.

Was lässt sich aus einer Genderperspektive zum Anwerbeabkommen sagen?

Rückblickend lässt sich sagen, dass die migrantisch-weibliche* Arbeitskraft viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Viele Frauen haben ihre neugeborenen Kinder zurückgelassen und sind ihren Männern gefolgt. Deutschkurse gab es keine und viele Frauen waren finanziell abhängig von ihren Männern. Anlaufstellen bei Gewalt fehlten – für alle in Österreich lebenden Frauen. Frauen erleben im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt Benachteiligung. Frauen mit geringen Deutschkenntnissen werden häufig in eine Schattenwirtschaft gedrängt. Insgesamt ist die Lage ­heute deutlich komplexer, weil es mittlerweile sehr unterschiedliche Bildungsniveaus und Migrationsursachen gibt. Auf jeden Fall sind wir weit davon entfernt, dass diese Migrationsgeschichte als ein selbstverständlicher Teil der österreichischen Geschichte akzeptiert wird.

Wie hat das Anwerbeabkommen die türkeistämmige Community in Österreich geprägt?

Die Menschen haben mit ihrer Arbeitskraft einen enormen Beitrag für den wirtschaftlichen Aufschwung geleistet. Insbesondere Bevölkerungsgruppen, die zu den Minderheiten in der Türkei gehören, haben in Österreich eine liberal-demokratische Bildung genossen, die ihnen Diskriminierungen aufgrund ihrer Minderheitenposition ersparte. Umso mehr sind gerade sie besorgt, wenn die österreichische Politik in ihren außenpolitischen Beziehungen mit der Türkei wenig sensibel agiert. Während die ersten Generationen nach der Pensionierung wieder in ihre Herkunftsorte zurückkehren, wollen sie, dass ihre Nachfahr*innen als gleichwertiger Teil der österreichischen Gesellschaft wahrgenommen werden und sie in Sicherheit wissen. Gerade der hohe Anteil an Pflichtschulabsolvent*innen in der türkeistämmigen Community macht deutlich, wie stark Bildung in Österreich strukturell vererbt wird.

Hat Österreich mit Blick auf Arbeitsmigration aus Fehlern gelernt? Was braucht es für die Zukunft?

Die Diskussionen, die in den 1970ern geführt wurden, sind immer noch aktuell. Österreich war immer schon ein Einwanderungsland – aber das wird so nicht akzeptiert. Die Frage, wie lange Personen(-gruppen) als „die Migrant*innen“ gelesen werden können, stellt sich bis heute, doch für die statistische Darstellung der Ungleichheitsverhältnisse braucht es Daten. Und es braucht in jedem Fall Räume für kritisch-reflektierte Diskussionen. Am Ende des Tages geht es um ein Zusammenleben in Würde, um Chancengerechtigkeit und Gleichbehandlung.

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Interview mit der Jüdischen Hochschüler*innenschaft: Alleine und isoliert https://ansch.4lima.de/interview-mit-der-juedischen-hochschuelerinnenschaft-alleine-und-isoliert/ https://ansch.4lima.de/interview-mit-der-juedischen-hochschuelerinnenschaft-alleine-und-isoliert/#respond Sun, 26 Nov 2023 08:37:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=113814 Jüdinnen und Juden fühlen sich an linken und feministischen Orten ausgegrenzt, sagt Alisa Offenberg von der Jüdischen Hochschüler*innenschaft. Milano Leeb hat mit ihr über Antisemitismus gesprochen.

In Wien gab es einen Brandanschlag auf den jüdischen Teil des Zentralfriedhofs, antisemitische Vorfälle steigen derzeit massiv an. Sind Jüd*innen in Österreich nicht sicher?

Absolut nicht, und das nicht erst seit dem 7. Oktober. Es liegt allerdings an der gesamten österreichischen Gesellschaft, daran etwas zu ändern. Seit dem 7. Oktober zeigt sich jedoch ein besonders aggressiver, israel-bezogener Antisemitismus in allen Teilen der Gesellschaft, der Jüdinnen und Juden alleine lässt und isoliert. Es ist erschreckend, wie sehr die Solidarität in dieser Zeit ausbleibt. Wir werden bedroht auf den Straßen, in akademischen Institutionen und in sozialen Medien. An Universitäten und in linken Kreisen, die zuvor noch als Safe Spaces wahrgenommen wurden, breitet sich ein ausgrenzendes Klima aus und signalisiert Jüdinnen und Juden, dass sie dort keinen Platz haben.

Aktuell gibt es eine breite Debatte um Antisemitismus in der Linken. Muss auch linker Feminismus Antisemitismus stärker zum Thema machen? Definitiv. Viel zu lange wurde Antisemitismus als rein rechtes Problem angesehen. Antisemitismus entwickelt ständig neue Formen und macht sich so in allen Räumen breit. Dadurch fühlen wir uns als Jüdinnen immer mehr verdrängt aus progressiv-linken und feministischen Kreisen, zu denen wir uns noch vor Kurzem zugehörig fühlten. Menschen, mit denen wir gemeinsam auf die Straße gegangen sind, relativieren nun die Gräueltaten der Hamas im Namen von Anti-Kolonialismus und Anti-Imperialismus. Feministische Verbände schweigen, wenn es um die systematische Vergewaltigung von israelischen Frauen am 7. Oktober geht und sprechen stattdessen dem jüdischen Staat das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht ab. Es kann nicht sein, dass die Solidarität mit Betroffenen sexualisierter Gewalt dann aufhört, wenn sie sich gegen Frauen in Israel richtet.

Feminismus muss ein sicherer Ort für alle Frauen sein, auch für Jüdinnen. Was fordert ihr als jüdische Hochschüler*innenschaft?

Wir fordern, dass alle linken Gruppierungen die Massaker der Hamas vom 7. Oktober verurteilen und Solidarität mit allen von Antisemitismus Betroffenen zeigen, egal ob in Europa oder in Israel. Wer toten Jüdinnen und Juden gedenkt, aber zur aktuellen Bedrohung schweigt, kann kein:e Verbündete:r im Kampf gegen Antisemitismus sein. Man kann sich mit den Betroffenen solidarisieren, das barbarische Massaker verurteilen und trotzdem die berechtigten Ansprüche des palästinensischen Volkes auf nationale Selbstbestimmung unterstützen. Außerdem muss Betroffenen endlich zugehört werden und antisemitische Muster müssen hinterfragt werden.

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Salzburger Herdprämie https://ansch.4lima.de/salzburger-herdpraemie/ https://ansch.4lima.de/salzburger-herdpraemie/#respond Fri, 23 Jun 2023 06:16:04 +0000 https://anschlaege.at/?p=110378 Trotz Überraschungserfolg der KPÖ regiert in Salzburg nun eine Koalition aus ÖVP und FPÖ – Angriffe auf Gleichstellung und reproduktive Rechte inklusive. Sophia Krauss hat bei Pamela Huck von Pro Choice Austria nachgefragt. Die Salzburger Regierung setzt auf eine rechtskonservative Frauenpolitik. Welche Inhalte finden Sie besonders alarmierend? Mit Blick auf die reproduktiven Rechte ist an […]]]>

Trotz Überraschungserfolg der KPÖ regiert in Salzburg nun eine Koalition aus ÖVP und FPÖ – Angriffe auf Gleichstellung und reproduktive Rechte inklusive. Sophia Krauss hat bei Pamela Huck von Pro Choice Austria nachgefragt.

Die Salzburger Regierung setzt auf eine rechtskonservative Frauenpolitik. Welche Inhalte finden Sie besonders alarmierend?

Mit Blick auf die reproduktiven Rechte ist an erster Stelle die geplante Kampagne zu nennen, die Adoption als „Alternative“ zum Schwangerschaftsabbruch darstellen soll. Das ist zutiefst sexistisch, stellt die Entscheidungsfähigkeit von Schwangeren in Frage und vermittelt, dass ein Abbruch etwas Schlechtes sei, für das „Alternativen“ gefunden werden müssten. Außerdem ist eine Studie vorgesehen, um die (längst erforschten) Gründe für Schwangerschaftsabbrüche zu erheben und das „Beratungsangebot anzupassen“. Hier gilt es, extrem wachsam zu sein. Derzeit ist vor einem Abbruch nur eine ärztliche Beratung vorgeschrieben. Wir müssen sicherstellen, dass psychosoziale Beratung auch in Zukunft freiwillig und anonym ist. Außerdem soll mit einer „Herdprämie“ der Verzicht auf öffentliche Kinderbetreuung abgegolten werden – ein großer Rückschritt für die finanzielle Unabhängigkeit von Müttern.

Welche Auswirkungen werden die geplanten Vorhaben auf Schwangere haben, die einen Abbruch in Salzburg durchführen wollen?

Im Detail wird es auf die konkrete Ausgestaltung der Vorhaben ankommen. Das Regierungsprogramm lässt hier viel Spielraum. Sicher ist, dass die geplanten Kampagnen den ohnehin schon hohen moralischen Druck, ungewollte Schwangerschaften fortzusetzen, weiter steigern. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht egoistisch oder verwerflich, sondern ein normales medizinisches Verfahren, das sehr viele Menschen einmal oder mehrmals in ihrem Leben benötigen und das sie daher möglichst einfach und ohne Stigmatisierung in Anspruch nehmen können sollten.

ÖVP und FPÖ könnten laut Umfragen in Österreich auch auf Bundesebene eine Regierung bilden. Welches Signal setzt Salzburg für den Bund und wie können Feminist*innen jetzt aktiv werden?

Wer ÖVP wählt, bekommt die FPÖ dazu, das sollte spätestens jetzt allen klar sein. Außerdem ist die Strategie offenbar, reproduktive Rechte nicht pauschal anzugreifen, sondern scheibchenweise abzutragen. Als Feminist*innen müssen wir uns dessen bewusst sein und dürfen keinerlei Einschränkungen zulassen, mögen sie auch noch so klein wirken. Mehr noch: Der Status quo ist bei Weitem nicht gut genug, deshalb müssen wir einfordern, was uns beim Schwangerschaftsabbruch zusteht: flächendeckende Versorgung, volle Kostenübernahme und vollständige Entkriminalisierung.

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Alltag im Krieg https://ansch.4lima.de/alltag-im-krieg/ https://ansch.4lima.de/alltag-im-krieg/#respond Sun, 12 Feb 2023 16:53:53 +0000 https://anschlaege.at/?p=99403 Oleksandra Ochmann ist ukrainische Journalistin und wohnt in Kiew. Anna Lindemann hat nach­gefragt, warum sie in ihrer Heimatstadt geblieben ist und wie der Krieg seit einem Jahr ihr Leben bestimmt. Wie hat sich dein Alltag seit dem Kriegsbeginn verändert? Der Alltag lässt sich nicht mehr planen: Egal ob ich zur Bank, zum Friseur oder in […]]]>

Oleksandra Ochmann ist ukrainische Journalistin und wohnt in Kiew. Anna Lindemann hat nach­gefragt, warum sie in ihrer Heimatstadt geblieben ist und wie der Krieg seit einem Jahr ihr Leben bestimmt.

Wie hat sich dein Alltag seit dem Kriegsbeginn verändert?

Der Alltag lässt sich nicht mehr planen: Egal ob ich zur Bank, zum Friseur oder in den Supermarkt gehen will, jederzeit kann der Strom ausfallen oder das Wasser abgeschaltet werden. Ich muss immer auf Stromausfälle, Brände, Raketeneinschläge, Lebensmittel- und Wasserknappheit vorbereitet sein. Deshalb habe ich zuhause einen Vorrat an Lebensmitteln, Streichhölzern, Kerzen, Batterien, warmer Kleidung und Medikamenten, um zu überleben und im Notfall anderen helfen zu können. Solange ich nicht unterwegs bin, sind die großflächigen Stromausfälle nicht ganz so schlimm. Aber draußen im Straßenverkehr wird es richtig gefährlich, wenn die Ampeln nicht mehr funktionieren. Viele Menschen, die ich kenne, sind inzwischen aus der Ukraine geflohen, deshalb habe ich weniger Freund*innen in Kiew.

Wie beeinflusst der Krieg deine Arbeit als Journalistin?

Der normale Berufsalltag ist gefährlicher und emotional viel schwieriger. Niemand sollte mit einer solchen Menge an verheerenden Geschichten, Leichen und Leid konfrontiert werden. Aber wer in der Ukraine berichtet, muss über Krieg berichten.

Warum bist du nicht geflohen?

Dafür habe ich mich nicht erst vor einem Jahr entschieden, sondern bereits 2014, als Russland den Donbass angegriffen hat. Damals habe ich in Deutschland studiert und hätte dortbleiben können. Aber ich wollte meinem Land helfen. Ich bin zwar keine Soldatin, aber immerhin Teil dieser Gesellschaft: Ich zahle hier Steuern und kann in meiner Nachbarschaft helfen. Außerdem konnte ich meinen Ehemann nicht allein lassen, dem es nicht erlaubt ist, das Land zu verlassen. Wenn ich kleine Kinder hätte, wäre ich vielleicht gegangen. So aber bleibe ich.

Was sind deine Zukunftspläne und -hoffnungen?

Ich möchte ein Buch über den Krieg zu Ende schreiben und meine Ausbildung zur psychologischen Beraterin abschließen, um Ukrainer*innen zu helfen, mit diesem Albtraum fertig zu werden. Am meisten hoffe ich natürlich, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnt und wieder Frieden herrscht.

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Demokratie für alle https://ansch.4lima.de/demokratie-fuer-alle/ https://ansch.4lima.de/demokratie-fuer-alle/#respond Fri, 24 Jun 2022 21:08:51 +0000 https://anschlaege.at/?p=75777 Über 250.000 Menschen, die in Österreich geboren sind, besitzen nicht die österreichische Staatsbürger:innenschaft. Naomi Lobnig hat bei Ilkim Erdost von der Arbeiterkammer Wien nachgefragt, welche Folgen das für demokratische Prozesse hat. Wie gestaltet sich das Staatsbürger:innenrecht in Österreich im internationalen Vergleich? Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den strengsten Vorgaben. So müssen […]]]>

Über 250.000 Menschen, die in Österreich geboren sind, besitzen nicht die österreichische Staatsbürger:innenschaft. Naomi Lobnig hat bei Ilkim Erdost von der Arbeiterkammer Wien nachgefragt, welche Folgen das für demokratische Prozesse hat.

Wie gestaltet sich das Staatsbürger:innenrecht in Österreich im internationalen Vergleich?

Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den strengsten Vorgaben. So müssen viele verschiedene Nachweise erbracht werden. Eine Verwaltungsstrafe (zum Beispiel wegen Schnellfahrens) kann etwa ein Grund dafür sein, dass die Einbürgerung verweigert wird. Große Schwierigkeiten bereiten die finanziellen Hürden: Das Gesetz verlangt feste und regelmäßige Einkünfte. Nach Abzug von Wohnkosten und sonstigen regelmäßigen Aufwendungen müssen monatlich ganze 1.030,49 Euro netto zur Verfügung stehen.

Wer wird in Österreich von Wahlen bzw. demokratischer Teilhabe ausgeschlossen?

Für Menschen, die in schlecht bezahlten Berufen arbeiten oder jung sind und noch keinen fixen Job haben, ist es unmöglich, die österreichische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Denn ihnen bleiben nach Abzug der Fixkosten keine tausend Euro im Monat übrig. Vierzig Prozent der Arbeiter:innen in Wien, die hier leben, Steuern bezahlen und schuften, haben den österreichischen Pass, sechzig Prozent haben ihn nicht. Und bei den Hilfsarbeiter:innen hat dieses Dokument nur eine:r von fünf. 

Was macht das mit Personen, in einem Land zu leben, aber nicht mitentscheiden zu dürfen?

Diese Personen spüren, dass sie nicht dazu gehören. Junge Menschen überspielen das gerne und behaupten, sie würden sich sowieso nicht für Politik interessieren. Aber in Wirklichkeit herrscht Frustration und eine Entfremdung von demokratischen Prozessen im Allgemeinen. Mittlerweile sind es schon dreißig Prozent der Wiener:innen, die nicht mitreden können.

Welche Maßnahmen braucht es, um antidemokratischen Entwicklungen entgegenzuwirken?

Aus Sicht der AK muss der Zugang zur Staatsbürgerschaft erleichtert werden. Mitbestimmung darf nicht das Privileg von Bessergestellten sein, sondern sollte die Möglichkeit bieten, dass alle, die auf Dauer hier leben, ihre Stimme einbringen können. Wichtig ist auch, dass die Mehrheit erkennt, dass man der Demokratie nichts Gutes tut, wenn sie immer mehr zu einem Elitenprojekt wird.

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Umgedeutet https://ansch.4lima.de/umgedeutet/ https://ansch.4lima.de/umgedeutet/#respond Wed, 02 Feb 2022 16:35:57 +0000 https://anschlaege.at/?p=61941 Auf Corona-Demos werden feministische Slogans wie „My body, my choice“ von Impfgegner*innen vereinnahmt. Lea Dora Illmer hat mit der Politikwissenschaftlerin Judith Goetz darüber gesprochen, warum das nicht nur dreist, sondern auch gefährlich ist. Plötzlich findet sich mit „My body, my choice“ ein zentraler feministischer Slogan auf Schildern von Impfgegner*innen. Ist der Vergleich berechtigt? Auffällig ist […]]]>

Auf Corona-Demos werden feministische Slogans wie „My body, my choice“ von Impfgegner*innen vereinnahmt. Lea Dora Illmer hat mit der Politikwissenschaftlerin Judith Goetz darüber gesprochen, warum das nicht nur dreist, sondern auch gefährlich ist.

Plötzlich findet sich mit „My body, my choice“ ein zentraler feministischer Slogan auf Schildern von Impfgegner*innen. Ist der Vergleich berechtigt?

Auffällig ist aus feministischer Perspektive die Verteidigung körperlicher Souveränität, sobald es eben nicht ausschließlich um Frauen geht. Gerade in Bezug auf restriktive Abtreibungsgesetzgebungen haben dieselben Personen, die sich nun für körperliche Entscheidungsfreiheit einsetzen, oftmals kein Problem damit, wenn Frauen dieses Recht verwehrt wird. Der Vergleich hat also ganz und gar keine Berechtigung.

In der Umdeutung dieser Forderung kommen zudem gleich mehrere gefährliche Denkmuster zusammen: antikommunistische Ressentiments, wonach sich die Demokratie in eine Tyrannei bzw. Diktatur mit staatlich auferlegten Zwängen entwickelt; die antisemitische Vorstellung, dass okkulte Kräfte in den Hinterzimmern einen geheimen Plan mit der Impfung verfolgen; aber auch sozial­darwinistische Aspekte, wenn im Sinne eines „Survival of the fittest“ behauptet wird, das Virus könne gesunden Körpern nichts anhaben.

Inwiefern können Slogans und Parolen überhaupt einer Bewegung „gehören“?

Begriffe und Parolen haben zumeist eine Geschichte, die sich auch weiterentwickelt und auf aktuelle (feministische) Debatten reagiert. Das zeigt sich beispielsweise an der Parole „Abtreibung ist Frauenrecht“, die inzwischen auch in der Version „Abtreibung ist Menschenrecht“ zu hören ist, um alle Gender-Identitäten zu inkludieren. Dennoch sind entsprechende Entwicklungen nicht beliebig und gerade rechte Szenen sind dafür bekannt, die Umdeutung von Parolen und Begriffen gezielt als eine Normalisierungsstrategie ihres Gedankenguts einzusetzen.

Auch „Nein zu abtreibungsverseuchten Impfstoffen“ ist auf Plakaten zu lesen. Welche Bedeutung haben Corona-Demonstrationen für rechte Gruppierungen?

Viele rechte und fundamentalistische Gruppierungen haben erkannt, dass sich im Zuge der Covid-19-skeptischen Debatten neue Partizipationsfelder für sie eröffnen. Dabei werden Ängste bedient, z. B. dass die Impfung zu Unfruchtbarkeit oder Impotenz führe oder dem Fötus schade. Indem rechte Botschaften mit aktuellen Forderungen verbunden werden, lässt sich in Spektren punkten, sie sich weitgehend als unpolitisch verstehen. Gleichzeitig ermöglicht die Teilnahme den Rechten eine Selbstinszenierung als einfache Menschen mit Hausverstand sowie als Teil des „verärgerten Volks“. •

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Pflegenotstand in der Schweiz https://ansch.4lima.de/pflegenotstand-in-der-schweiz/ https://ansch.4lima.de/pflegenotstand-in-der-schweiz/#respond Fri, 03 Dec 2021 15:03:05 +0000 https://anschlaege.at/?p=55421 Jede dritte Person verlässt den Beruf, fast 12.000 Stellen sind derzeit unbesetzt – der Missstand in der Pflege ist nicht erst seit Corona Realität. Ende November wird endlich über die Pflegeinitiative abgestimmt, die bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen verspricht, dabei aber recht unkonkret bleibt. Was bräuchte es zur Beseitigung des Pflegenotstands? Lea Dora Illmer fragt bei […]]]>

Jede dritte Person verlässt den Beruf, fast 12.000 Stellen sind derzeit unbesetzt – der Missstand in der Pflege ist nicht erst seit Corona Realität. Ende November wird endlich über die Pflegeinitiative abgestimmt, die bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen verspricht, dabei aber recht unkonkret bleibt. Was bräuchte es zur Beseitigung des Pflegenotstands? Lea Dora Illmer fragt bei Aro Dedde, einer jungen Pflegefachperson eines Schweizer Krankenhauses, nach.

Die Neuansteckungen und Krankenhauseintritte steigen auch in der Schweiz wieder an, wir sind mitten in der vierten Welle. Wie geht es dir zurzeit?

Mir geht es zurzeit okay. Aber es geht nicht allen so. Ich habe das Glück, ein großartiges Team zu haben und auf einer Station zu arbeiten, auf der wir nur indirekt von der vierten Welle betroffen sind. Wir merken aber alle, dass wir aufgrund der an uns gestellten Erwartungen vonseiten der Arbeitgebenden, der Patient*innen und der Gesellschaft erschöpft sind.

Was sind die dringlichsten Probleme in der Pflege?

Wir Pflegefachkräfte sind konstant unter Druck. Wir müssen effizienter sein, mehr Patient*innen übernehmen, flexibler sein, mehr Verantwortung übernehmen und gleichzeitig die Qualität unserer Pflege gewährleisten und für die Patient*innen da sein. Das alles mit weniger Zeit, weniger Geld und auch weniger Motivation. Schlussendlich stehen wir vor den Patient*innen und müssen ihnen erklären, dass wir nur 15 Minuten haben, um sie bei der Körperpflege zu unterstützen, oder dass wir leider keine Zeit haben, um sie zu trösten, weil wir im Zimmer nebenan dringend gebraucht werden. Psychisch ist das sehr schwierig. Dazu kommt der Wechsel zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst, der körperlich sehr anstrengend sein kann und unser Privatleben stark beeinflusst. Für viele von uns ist es fast unmöglich, sich während der Freizeit psychisch und körperlich zu erholen.

Was wünschst du dir als Pflegefachperson über die ­Pflege­initiative hinaus?

Ich wünsche mir Anerkennung. Finanziell, weil unsere Arbeit unterbezahlt wird. Mir ist es aber auch ein Anliegen, dass diejenigen Menschen, die Entscheidungsmacht haben, Pflegefachpersonen nach ihrer Meinung und ihren Bedürfnissen fragen und sie einbeziehen, wenn es um unser Gesundheitssystem geht. Ich wünsche mir mehr Unterstützung und Solidarität von der Gesellschaft. Pflegefachpersonen unterstützen Menschen, die in vulnerablen Situationen sind und Hilfe brauchen, wir sind immer da. Lasst uns nicht im Stich, wenn wir Unterstützung brauchen. •

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an.frage: PR-Maschinerie https://ansch.4lima.de/an-frage-pr-maschinerie/ https://ansch.4lima.de/an-frage-pr-maschinerie/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:06:08 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8476 SOS-Mitmensch hat am 1. März das Projekt „Populistenpause“ gestartet. Bis Ende des Monats sollen rechtspopulistische und -extremistische Meldungen und Aktionen möglichst ignoriert werden. „Denn nichts fürchten sie so sehr, wie nicht beachtet zu werden“, lautet das Argument auf sosmitmensch.at. VANJA NIKOLIĆ sprach mit SONJA DRIES über die Vorteile dieser Strategie.

 

Die „Populistenpause“ soll helfen zu erkennen, welche Reaktionen im Kampf gegen Rechtspopulismus schaden, welche nutzen können. Inwiefern?

Populist_innen und Extremist_innen betreiben eine große Aufmerksamkeitsmaschinerie. Sie tun alles, um uns in ihren Bann zu ziehen. Ein Trump, eine Le Pen, ein Wilders, ein Strache – sie alle feuern täglich Salven an Provokationen, Tabubrüchen, Lügen und Ungeheuerlichkeiten ab. Sie wollen damit die politische Tagesordnung dominieren und Raum für ihre Botschaften gewinnen. Öffentliche Aufmerksamkeit zu schenken oder zu entziehen ist ein Machtinstrument. Menschen, die Rechtspopulismus und Rechtsextremismus nicht einfach hinnehmen wollen, sollten mit dieser Macht bewusster umgehen. Wir können die Form mitbestimmen, wie Ereignisse oder Personen in der Öffentlichkeit dargestellt werden, indem wir ihnen Aufmerksamkeit zukommen lassen oder nicht. Die Populistenpause soll ein Anstoß dazu sein.

Aber ist es nicht auch wichtig, solchen Hasstiraden etwas entgegenzusetzen und sie zu skandalisieren?

Bei der Populistenpause geht es nicht ums Wegschauen, sondern um mehr Achtsamkeit beim Hinschauen und Reagieren oder eben um bewusstes Nichtreagieren auf rechte Provokationen. Massive rhetorische Grenzverletzungen, Rassismus, tätliche Übergriffe und Versuche der Besetzung von Machtpositionen durch Rechtsextreme müssen weiterhin skandalisiert werden – aber mit unserer Gewichtung, unseren Worten, unseren Bildern und unseren Botschaften. Darüber hinaus sollten wir uns wieder mehr darauf konzentrieren, selbst Themen zu setzen, die uns wichtig sind.

Welche Strategie empfehlen Sie, um auf den Antifeminismus der Rechtspopulist_innen aufmerksam zu machen und dagegen vorzugehen?

Ohne Feminismus gibt es keine freie, demokratische Gesellschaft. Ironischerweise betonen das inzwischen auch rechte Populist_innen, allerdings nur, wenn sie über „die Anderen“, „die Fremden“ reden. Wir empfehlen auch in Sachen Feminismus eine Balance zu finden zwischen der eigenen Themensetzung und Kritik an den Inhalten von Antifeminist_innen. Auch bei der Kritik an antifeministischen Inhalten und Tendenzen sollte darauf geachtet werden, die eigenen Begriffe, Botschaften und Bilder in den Mittelpunkt zu stellen.

 

http://www.sosmitmensch.at/populistenpause

 

 

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an.frage: Online hassen https://ansch.4lima.de/an-frage-online-hassen/ https://ansch.4lima.de/an-frage-online-hassen/#respond Sat, 14 May 2016 12:51:46 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7469 Woher kommt all der Hass im Netz? BRIGITTE THEIßL hat die Journalistin und Autorin INGRID BRODNIG zu geschlechtsspezifischen Faktoren und Gegenstrategien befragt.

 

Wer sind eigentlich die Menschen, die besonders viele Hass-Postings im Internet verbreiten? Gibt es dazu Studien?

Wir wissen leider wenig über diese Menschen, es gibt aber ein paar Anhaltspunkte. Sogenannte „Trolle“ zählen zu den schlimmsten Gruppen im Netz. Das sind Provokateure – ihnen geht es um Schadenfreude. Sie wollen andere Menschen in Wut oder zur Verzweiflung bringen. Mit naiv klingenden Kommentaren oder gehässigen Aktionen provozieren sie negative Emotionen. Eine kanadische Studie namens „Trolls just want to have fun“ fand heraus, dass Trolle oft unter Sadismus leiden. Auch neigen eher Männer zum Trollen. Das Kernproblem ist, dass Rüpel online besonders sichtbar sind: Aggressive Nutzer und Nutzerinnen posten deutlich mehr als andere, sie versuchen, digitale Räume mit ihrer Wut zu besetzen und Andersdenkende wegzudrängen.

Sind Frauen von Hass im Netz besonders oder anders betroffen?

Alle Geschlechter sind betroffen, aber bei Frauen ist der Ton oft besonders garstig: Sie erhalten besonders herabwürdigende und sexualisierte Kommentare. Das reicht bis zur Vergewaltigungsdrohung. Ein neuer Bericht des EU-Parlaments besagt, dass 18 Prozent der Europäerinnen schon Hass im Netz erlebten. Mädchen werden doppelt so oft zum Opfer von Cybermobbing. Die Gefahr ist, dass sich einige Frauen aus der digitalen Debatte zurückziehen und weibliche Stimmen verstummen.

Fördert die Anonymität im Netz besonders enthemmten Hass – so wie jetzt etwa in der Flüchtlingsdebatte? Was bräuchte es, um dem entgegenzuwirken?

Auf Facebook sehen wir, dass viele Menschen unter ihrem echten Namen furchtbare Dinge posten – die Anonymität ist also nicht der Grund, wieso es zum Hass kommt. Jedoch muss man sagen, dass die schlimmsten Akteure oft gezielt Anonymisierungstools einsetzen. Sie schützen sich damit vor einer strafrechtlichen Verfolgung. Das Wichtigste ist, Opfer stärker zu schützen: Jeder und jede kann den Betroffenen den Rücken stärken, sich in Onlinediskussionen hinter sie stellen – es ist wichtig, dass sich das Opfer nicht alleingelassen fühlt. Ich empfehle, Härtefälle auch anzuzeigen. Ein Tipp: Wer auf einen unfreundlichen Kommentar mit Humor reagiert, zeigt Nerven. Das signalisiert: Du willst mich einschüchtern, aber so leicht schaffst du das nicht.

 

Ingrid Brodnig ist Medienredakteurin beim „Profil“. Soeben ist ihr Buch „Hass im Netz“ beim Brandstätter-Verlag erschienen.

 

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an.frage: Jede*r vierte Studierende wird diskriminiert https://ansch.4lima.de/an-frage-jeder-vierte-studierende-wird-diskriminiert/ https://ansch.4lima.de/an-frage-jeder-vierte-studierende-wird-diskriminiert/#respond Thu, 14 May 2015 09:13:24 +0000 https://anschlaege.at/?p=6254 Kurz vor den anstehenden Wahlen präsentierte die amtierende Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien eine umfangreiche Untersuchung zur Wahrnehmung von Diskriminierung an den Universitäten und Fachhochschulen. MARLENE RADL befragte VIKTORIA SPIELMANN vom Vorsitzteam der ÖH zu den Ergebnissen.

 

Jede*r vierte Student*in in der Umfrage gab an, schon einmal Diskriminierung im Hochschulkontext erfahren zu haben. Welche sind die am meisten betroffenen Gruppen und welcher Art von Diskriminierung sind diese ausgesetzt?

Überdurchschnittlich stark betroffen sind Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und LGBTIQ*-Personen. Diskriminierung findet hier vor allem auf der sprachlichen Ebene statt. Dazu gehören verbale Angriffe und die Verwendung von Stereotypen. Aber auch die ungleiche Verteilung von Ressourcen stellt ein schwerwiegendes Problem dar.

Die Studie zeigt, dass Rassismus vorwiegend unter Studierenden vorkommt, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts allerdings vor allem von Lehrenden ausgeht. Gibt es dafür eine Erklärung? 

Wir vermuten, dass für die Wahrnehmung von Diskriminierung das soziale Umfeld, in dem Studierende am meisten interagieren, ausschlaggebend ist. So kommt es zum Beispiel in der Verwaltung häufiger zu rassistischer Diskriminierung. In den Meisterklassen auf den Kunst-Unis hingegen, wo Studentinnen sehr viel und vereinzelt mit Lehrenden interagieren, zeigt sich eine überdurchschnittlich hohe Wahrnehmung von geschlechtlicher Diskriminierung, die von Lehrenden ausgeht.

Welche Besonderheiten weist die Studie bei der Diskriminierung von LGBTIQ*-Personen auf? 

Auffallend ist, dass LGBTIQ*-Personen neben der sprachlichen Diskriminierung häufiger angeben, auch soziale Ausgrenzung zu erfahren und das Gefühl zu haben, nicht am Alltag teilnehmen zu können. Im Vergleich zu den Betroffenen von geschlechtlicher Diskriminierung suchen LGBTIQ*-Personen aber öfter Hilfe bei institutionellen Einrichtungen.

Wie will die ÖH gegen strukturelle Diskriminierung vorgehen? 

72 Prozent der von Diskriminierung betroffenen Studierenden haben sich an niemanden gewandt, wodurch dieses schwerwiegende Problem an Hochschulen untergeht. Es ist daher notwendig, bundesweit Anlaufstellen einzurichten und flächendeckend Richtlinien zur Ahndung von diskriminierendem Verhalten festzulegen. Für Studierende, die nicht aus der EU kommen, muss die gesetzliche Diskriminierung mit doppelten Studiengebühren und beschränktem Arbeitsmarktzugang ein Ende finden.

 

Präsentation und ganze Studie: www.oeh.ac.at

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an.frage: Theorie und Praxis https://ansch.4lima.de/an-frage-theorie-und-praxis/ https://ansch.4lima.de/an-frage-theorie-und-praxis/#respond Fri, 03 Apr 2015 17:21:59 +0000 https://anschlaege.at/?p=6161

Seit 2012 ist die Professur für Politische Theorie an der Uni Wien unbesetzt und die Fortführung des feministischen Schwerpunkts der Stelle fraglich. MARLENE RADL befragte GUNDULA LUDWIG und BRIGITTE BARGETZ, Postdocs am Institut für Politikwissenschaft, zum laufenden Besetzungsverfahren.

 

Wurden die Grundsätze der Universität Wien hinsichtlich Gleichstellung und der Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung im bisherigen Besetzungsverfahren vernachlässigt?

Bedauerlich ist aus feministischer Perspektive, dass die Professur überhaupt nur als „Politische Theorie“ ausgeschrieben wurde und der vorige Schwerpunkt, feministische politische Theorie, vertreten durch Eva Kreisky, nicht durch einen entsprechenden Fokus in der Ausschreibung gestärkt wurde. Positiv ist, dass zu den Hearings von insgesamt acht Kandidat_innen drei international ausgewiesene feministische politische Theoretikerinnen eingeladen wurden. Wichtig ist nun, dass die Universität ihre eigenen, gesetzlich verankerten Richtlinien – u. a. Kompetenzen in der Geschlechterforschung im Auswahlverfahren positiv anzuerkennen – auch berücksichtigt.

Inwiefern hat die Besetzung dieser Professur aus feministischer Perspektive besondere Relevanz?

Solange Geschlecht gesellschaftskonstituierend ist und Staat, Recht, Demokratie und Wissen nicht neutral, sondern androzentrisch, weiß, heternormativ, klassistisch, ability-zentriert sind, muss auch politische Theorie feministisch-kritisch sein. Die politische Theorie der Uni Wien ist richtungsweisend, da von ihr in den letzten Jahrzehnten wichtige Impulse ausgegangen sind, etwa in der feministischen Staats- und Demokratietheorie. Eine feministische Perspektive ist notwendig, um zu zeigen, dass sich mit der Neoliberalisierung von Staat und Gesellschaft für viele geschlechtsspezifische Ungleichheitsverhältnisse verschärfen.

Weist die fehlende Besetzung auf einen allgemeinen Bedeutungsverlust kritischer und feministischer Gesellschaftstheorie an der Uni Wien hin?

Es gibt hier viele kritische und feministische Forscher_innen. Die fortschreitende Ökonomisierung der Universitäten, das Messen wissenschaftlicher „Leistungen“ an vorgeblich objektiven, letztlich aber androzentrischen Kriterien sowie die zunehmende Prekarisierung von Lehrenden und Studierenden haben in den letzten Jahren jedoch dazu geführt, dass diese erkämpften Räume zum Teil wieder verloren gehen. Die aktuelle Situation ist daher durchaus ein Ausdruck dessen, dass es zunehmend schwerer (gemacht) wird, von den kritischen und auch feministischen Rändern her zu denken.

Petition: http://feministische-wissenschaften.eu

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an.frage: #femcamp13 https://ansch.4lima.de/an-frage-femcamp13/ https://ansch.4lima.de/an-frage-femcamp13/#respond Thu, 28 Feb 2013 13:31:56 +0000 https://anschlaege.at/?p=3944 Facebook, Twitter und Co – die vielen Kommunikationskanäle im Internet werden auch für feministische Aktivist_innen immer wichtiger. Von JULIA MARTIN]]>

Facebook, Twitter und Co – die vielen Kommunikationskanäle im Internet werden auch für feministische Aktivist_innen immer wichtiger. Das Wiener FemCamp ist ein selbstorganisierter Wissens- und Erfahrungsaustausch mit Frauenschwerpunkt und lädt alle Interessierten ein, teilzunehmen und sich einzubringen. Was das konkret heißen kann, erfuhr JULIA MARTIN vom ORGANISATIONSTEAM.

Was war die Motivation für die Organisation des FemCamps?

Vor knapp einem Jahr wurde eine Studie zur innenpolitischen Twitter-Sphäre in Österreich präsentiert, bei der sich ein altbekanntes Bild zeigte: Es sind nur wenige Frauen vertreten. Auch sonst sind Diskussionen rund um Web-Anwendungen, Datenschutz und Netzpolitik stark männlich geprägt. Mit dem FemCamp wollen wir dazu beitragen, Frauen im Netz sichtbarer zu machen und eine Plattform zur Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung bieten. Wir wollen außerdem Frauen, die noch nicht aktiv oder unsicher im Umgang mit dem Netz sind, den Einstieg erleichtern.

Was erwartet die Besucher_innen?

Das FemCamp wird von den Besucher_innen selbst gestaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Zu Beginn gibt es eine große Vorstellungsrunde, bei der auch der Plan für den Tag gemacht wird: Wer eine Session halten möchte, kann das entweder direkt dort oder schon jetzt auf www.barcamp.at/FemCamp einbringen. Dann geht’s auch schon los – alle Besucher_innen verteilen sich je nach Interesse auf die verschiedenen Sessions. Thematisch kann am FemCamp quasi alles passieren, was uns einfällt: von der Strategieentwicklung gegen Sexismen im Netz über den Start eines Frauen-Blog-Projekts bis hin zur Auseinandersetzung mit feministischer Theorie, Datenschutz oder einfach der Absetzung des ersten Tweets … Auch gut: Für Kinderbetreuung und Verpflegung ist gesorgt.

Wen wollt ihr mit dieser Veranstaltung erreichen? Brauche ich besondere Vorkenntnisse, um teilnehmen zu können?

Das FemCamp richtet sich an alle, die am Thema interessiert sind. Vorkenntnisse sind gar keine nötig, wer möchte, kann aber im Vorfeld an einer Twitter-Schulung teilnehmen. Auch am FemCamp selbst wird es bei Bedarf Kurzschulungen zu verschiedenen Themen geben (wie z.B. sicheres Surfen im Netz, wie richte ich einen Blog ein etc.). Für noch mehr Spaß am FemCamp empfiehlt es sich, das Smartphone, Tablet oder Notebook mitzubringen – dann kann auch live der Twitter-Stream mitgelesen und -gestaltet werden.

FemCamp Wien: 16.3., 9.30–18.30, 1120 Wien, Am Europlatz 3

www.barcamp.at/FemCamp
www.facebook.com/Femcamp13
http://twitter.com/femcamp13

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