III / 2020 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Mon, 08 Apr 2024 11:09:43 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png III / 2020 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2020-03 https://ansch.4lima.de/inhalt/2020-03/ Tue, 14 Apr 2020 12:13:00 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=20419 ]]> ]]> Die Klient_innen von morgen https://ansch.4lima.de/die-klient_innen-von-morgen/ https://ansch.4lima.de/die-klient_innen-von-morgen/#respond Sat, 11 Apr 2020 16:46:58 +0000 https://anschlaege.at/?p=20504 Für Überlebende von Krieg und Folter ist die derzeitige globale Situation extrem belastend. Seit 25 Jahren werden sie von den Mitarbeiter_innen von Hemayat professionell begleitet. Kathrin Reisinger hat mit der Psychologin Nora Ramirez Castillo über diese herausfordernde Arbeit gesprochen. an.schläge: Warum ist es so wichtig, dass Überlebende von Krieg und Folter ihre Erfahrungen aufarbeiten können?  […]]]>

Für Überlebende von Krieg und Folter ist die derzeitige globale Situation extrem belastend. Seit 25 Jahren werden sie von den Mitarbeiter_innen von Hemayat professionell begleitet. Kathrin Reisinger hat mit der Psychologin Nora Ramirez Castillo über diese herausfordernde Arbeit gesprochen.

an.schläge: Warum ist es so wichtig, dass Überlebende von Krieg und Folter ihre Erfahrungen aufarbeiten können? 
Nora Ramirez Castillo: Krieg, Folter und Verfolgung zwingen Menschen nicht nur zur Flucht, sie hinterlassen auch tiefe Spuren in deren Psyche. Von Durchschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Entfremdung gegenüber der Familie und psychosomatischen Schmerzattacken bis hin zu Flashbacks reichen die Symptome. Bleiben sie unbehandelt, ist ein normales Alltagsleben und somit die Integration der Flüchtlinge in ihre neuen Heimat nicht möglich.  

Was bräuchte es vonseiten der Regierung an Unterstützung, um Ihre Arbeit zu erleichtern?
Wir brauchen eine verlässliche staatliche Basisfinanzierung. Im Jahr 2019 konnten bei Hemayat knapp 1.400 Menschen aus 51 Herkunftsländern behandelt werden. Aber derzeit stehen sechshundert Frauen, Männer und Kinder auf unserer Warteliste, für sie reichen die finanziellen Mittel nicht aus. 

Kann die momentane Situation an den europäischen Außengrenzen und auf den griechischen Inseln zu einer Retraumatisierung der Betroffenen führen?
Durch diese Situation werden die Klient_innen von morgen gemacht. Menschen, die aus einer lebensgefährlichen Situation geflohen sind, erleben erneut Zustände, die sie an den Krieg erinnern und dadurch setzt sich der Prozess der Traumatisierung fort. Traumatisierte Menschen brauchen vor allem Sicherheit. Stattdessen bekommen sie Unsicherheit, oder sogar – wie zuletzt die Brände in Moria gezeigt haben – lebensgefährliche Umstände.
Unsere Klient_innen machen sich Sorgen um nahestehende Menschen in Idlib oder an der Grenze. Auch die Bilder in den Nachrichten führen zu Retraumatisierung. Die eigene Flucht, die Angst, die Verzweiflung steigen wieder hoch. Auch ehemalige Klient_innen melden sich wieder bei uns, weil sie von diesen Bildern so belastet sind. 

Ist durch die Corona-Krise Ihre Arbeit erschwert worden und wie wirken sich Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen auf eure Klient_innen aus? 
Unsicherheit ist ein zentrales Thema für schwertraumatisierte Menschen und löst Verwirrung und Angst aus. Wir bleiben als Einrichtung der Gesundheitsversorgung bis auf Weiteres zu den Öffnungszeiten telefonisch und per Mail erreichbar. 
Psychotherapien und Kriseninterventionen finden in dringenden Fällen in Absprache mit den Therapeut_innen und Dolmetscher_innen vor allem telefonisch und online oder im Ausnahmefall persönlich unter Beachtung aller offiziellen Maßnahmen zur Vorsorge und Prävention weiterhin statt.  Viele leben als Asylwerber_innen auf engstem Raum und es entstehen diverse Spannungen oder aber sie leben ganz alleine mit ihren traumatischen Erinnerungen und sind in Gefahr zu vereinsamen.  In all diesen Situationen werden die vertrauten psychotherapeutischen Gespräche zum Rettungsanker.  

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Europa im Krieg https://ansch.4lima.de/europa-im-krieg/ https://ansch.4lima.de/europa-im-krieg/#respond Sat, 11 Apr 2020 16:41:32 +0000 https://anschlaege.at/?p=20459 Die EU schreckt nicht davor zurück, gegen schutzsuchende Individuen vorzugehen, als seien sie eine feindliche Armee. Von Donata Hasselmann und Miriam Kruse Seit Ende Februar ist Europa im Krieg, so scheint es: Die Einsatzkräfte im Süden der Europäischen Union werden verstärkt. Die Europäische Kommission verspricht Griechenland bedingungslose Solidarität, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankt: In diesen […]]]>

Die EU schreckt nicht davor zurück, gegen schutzsuchende Individuen vorzugehen, als seien sie eine feindliche Armee. Von Donata Hasselmann und Miriam Kruse

Seit Ende Februar ist Europa im Krieg, so scheint es: Die Einsatzkräfte im Süden der Europäischen Union werden verstärkt. Die Europäische Kommission verspricht Griechenland bedingungslose Solidarität, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dankt: In diesen Zeiten, so sagt sie, sei Griechenland das Schutzschild Europas.
Der Schauplatz des Geschehens ist die türkisch-griechische Grenze. Doch anders als es die Rhetorik der EU vermuten lässt, gibt es keinen Angriffskrieg.  Stattdessen stehen dort Menschen, die ihre Länder verlassen mussten und ein menschenwürdiges Leben in der EU suchen. Das ist seit Abschluss des EU-Türkei-Abkommens im Jahr 2016 eigentlich unmöglich: Mit dem Abkommen verpflichtete sich die Türkei, ihre Grenzen zur EU zu schließen. 
Nun aber hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die türkische Grenze geöffnet. Einige Tausend Menschen brachen daraufhin in Richtung türkisch-griechischer Grenze auf. Dort verteidigte die griechische Grenzwache die europäische Festung mit Zäunen, Waffen und Gewalt. Die Situation zeigt: Die EU schreckt nicht davor zurück, gegen schutzsuchende Individuen vorzugehen, als seien sie eine feindliche Armee.  

 Die EU ist gerüstet. Oberstes Ziel der EU-Migrationspolitik ist es seit 2015, den Zuzug von Geflüchteten und   Migrant*innen of Colour zu verhindern. Dafür rüstet die Union auf: Ihre Grenzschutzagentur Frontex, gegen die der Vorwurf zahlreicher Menschenrechtsverletzungen besteht, baut sie kontinuierlich aus, bis 2027 sollen es 10.000 Mitarbeitende sein.  Auch das Mandat von Frontex wurde unter anderem um die sogenannte „Africa-Frontex-Intelligence Community“ erweitert. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mit Geheimdiensten größtenteils autoritär regierter Staaten, um Migrationsbewegungen frühzeitig erkennen und abwehren zu können. Daneben umfasst die Migrationsabwehr der EU zwei weitere Instrumente: Migrationspartnerschaften und Insellösungen. Beide dienen dazu, ein Abschottungssystem fernab von kritischer Öffentlichkeit zu etablieren.
Migrationspartnerschaften sind Abkommen, die die EU oder ihre Mitgliedsstaaten mit Herkunfts- und Transitstaaten von fliehenden und migrierenden Menschen schließen. Die Regierungen der jeweiligen Staaten verpflichten sich, diese Menschen schon an den eigenen Landesgrenzen aufzuhalten. Die EU bietet im Gegenzug Geld, Überwachungstechnologie und Trainingseinheiten für die Grenzbehörden. Bemerkenswert ist: Solche Abkommen sind per se nur mit autoritär agierenden Regimen machbar – denn in Demokratien würde sich keine Mehrheiten finden, die Ausreisesperren gegen die eigenen Bürger*innen beschließen. Und: Es werden genau die autoritären Regime gestärkt, die selbst die Fluchtursache sind.
Die folgenreichste Migrationspartnerschaft schloss die EU im März 2016 mit der Türkei ab: Die EU versprach der Türkei sechs Milliarden Euro und Visa-Liberalisierungen. Im Gegenzug verpflichtete sich die Türkei, ihre Grenzen zur EU zu schließen. Seitdem werden Menschen, die den Grenzübertritt versuchen, von der türkischen Grenzwache verhaftet, geschlagen und tagelang unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt. Mittlerweile sind hiervon auch türkische Staatsbürger*innen selbst betroffen, die als „Nebeneffekt“ des Abkommens aus ihrem eigenen Land nicht mehr herauskommen.
Mit dem Abschluss des EU-Türkei-Abkommens hat die Türkei auch ihre Grenze zu Syrien geschlossen. Menschen, die es aus Syrien über die türkische Grenze schaffen, werden von der türkischen Grenzpolizei zurück nach Syrien gezwungen. Diese sogenannten „Push-Backs“  sind illegal, da die Menschen keine Chance bekommen, einen Asylantrag zu stellen. Türkische Grenzbeamt*innen schießen außerdem auf Menschen, die versuchen, die Grenze zu überqueren. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zählte bislang 447 Grenztote. 

 Insellösung. Die wenigen Menschen, die es trotz brutaler Grenzabwehr über die syrisch-türkische und türkisch-griechische Grenze schaffen, landen meist auf griechischen Inseln. Dort werden sie unter katastrophalen Bedingungen festgehalten. Für Frauen ist die Lage besonders bedrohlich, da es keinerlei Schutz vor gewalttätigen Übergriffen gibt. 
Den Menschen wird zudem ihr Recht auf ein normales Asylverfahren verwehrt. Sie sollen direkt zurück in die Türkei abgeschoben werden. Auf den Inseln prüfen die Behörden deshalb zunächst nur, ob es Gründe gibt, die gegen eine Abschiebung in die Türkei sprechen. Die EU rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass die Türkei ein sogenannter „sicherer Drittstaat“ sei. 
Damit lagert die EU ihre Verantwortung an die Türkei aus. Aus politischer und humanitärer Perspektive ist das mehr als fragwürdig: Die Türkei hat bereits vier Millionen Geflüchtete aufgenommen – weit mehr als alle EU-Staaten zusammen. Aus juristischer Perspektive ist die Türkei zudem mitnichten ein „sicherer Drittstaat“: Sie erfüllt nicht einmal die rechtlichen Voraussetzungen, die das EU-Recht selbst für eine solche Klassifizierung vorsieht. Zudem hat sich die Menschenrechtslage in der Türkei spätestens seit dem gescheiterten Putsch-Versuch im Jahr 2016 extrem zugespitzt – so sehr, dass türkische Staatsbürger*innen mittlerweile selbst eine der größten Gruppen von Asylsuchenden in der EU sind.
Von diesem autokratischen Regime hat sich die EU politisch abhängig gemacht. Sie ist auf die Türkei angewiesen, um ihr eigenes Ziel – maximale Migrationsabwehr – umzusetzen. So erklärt sich auch, dass Erdogan nun schon den dritten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den kurdischen Teil Syriens führt, ohne dass die EU hierauf mit ernstzunehmenden politischen oder ökonomischen Konsequenzen reagiert. Wie gut das funktioniert, weiß Erdogan: „Hey EU! Ich sage erneut: Wenn ihr unsere Operation als Invasion darstellt, werden wir die Türen öffnen und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen“, sagte er Ende 2019 in Ankara. 

 Der menschenrechtliche Dammbruch: Jetzt auch offiziell.  Was seit Februar passiert ist, ist nicht wegen der Gewalt und der Menschenrechtsverletzungen gegenüber fliehenden und migrierenden Menschen außergewöhnlich. Denn diese sind schon seit Jahren Bestandteil der ausgelagerten EU-Migrationsaußenpolitik.
Außergewöhnlich ist die neue Offenheit der Menschenrechtsverletzung durch griechische Grenzbehörden. Griechenland hat das nationale Asylrecht ausgesetzt – eine nach 1945 bisher undenkbare Maßnahme. Auf hoher See schießen griechische Grenztruppen auf Boote mit Geflüchteten, um sie zum Umkehren zu bewegen. Menschen, die es auf griechisches Staatsgebiet geschafft haben, werden in einem Geheimgefängnis an der griechischen Grenze inhaftiert. Mehrere wurden dort in Schnellverfahren ohne Anwält*innen zu langen Haftstrafen verurteilt.
Außergewöhnlich ist auch, dass die EU nun nicht einmal mehr offiziell den Anschein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren versucht. Statt Griechenland für die Aussetzung des Asylrechts, die illegalen Push-Backs, die Gewalt und die Entrechtung der Geflüchteten anzuklagen, verspricht die EU-Kommission „Solidarität“ mit Griechenland.  Solidarität also für einen eklatanten Bruch der Genfer Flüchtlingskonvention, der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Europäischen Asylgesetze. Es ist ein dramatischer Moment für alle, die von dieser Politik persönlich betroffen sind – und für alle, die für ein Europa des Rechts und der Freiheit kämpfen. 

 Es geht auch anders Als die griechischen Behörden mit den illegalen Push-Backs der fliehenden Menschen begannen, weigerte sich die dänische Besatzung der Frontex-Mission, daran mitzuwirken. Stattdessen dokumentierte sie die Menschenrechtsverletzungen. Ein heldinnenhaft anmutender Akt, der unter dem geltenden Rechtssystem der EU  Normalität sein müsste.
Parallel dazu gehen in Europa zehntausende Menschen für eine Rückkehr zur menschenwürdigen Asylpolitik auf die Straßen. Allein in Deutschland haben sich 140 Städte und Kommunen zu „sicheren Häfen“ erklärt, die sich gegen die aktuelle Migrationspolitik aussprechen und aktiv darum kämpfen, Geflüchtete aufnehmen zu dürfen. Da diese Bewegung keine Unterkünfte anzündet, keine Journalist*innen beschimpft und keine Galgen auf ihren Demonstrationen in die Höhe hält, bekommt sie wenig Aufmerksamkeit. Doch für alle, die ein solidarisches Europa brauchen oder wollen, ist diese Bewegung ein Zeichen von Stärke und Hoffnung. 

Donata Hasselmann ist Juristin und Regisseurin des Dokumentarfilms „Am Rande Europas“.    

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Feministische Ökonomie gegen die Krise https://ansch.4lima.de/feministische-oekonomie-gegen-die-krise/ https://ansch.4lima.de/feministische-oekonomie-gegen-die-krise/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:46:48 +0000 https://anschlaege.at/?p=20452 Gleich zu Beginn der „Corona-Krise“ wurde sichtbar, was feministische Ökonomie schon lange weiß: Ausgerechnet jene Arbeiten, die für die Gesellschaft besonders wichtig sind, werden oft schlecht oder gar nicht bezahlt. Und sie werden unter prekären Bedingungen vor allem von Frauen erledigt. Gabi Horak hat Ökonomin Katharina Mader im Homeoffice erwischt und sie gefragt, ob es […]]]>

Gleich zu Beginn der „Corona-Krise“ wurde sichtbar, was feministische Ökonomie schon lange weiß: Ausgerechnet jene Arbeiten, die für die Gesellschaft besonders wichtig sind, werden oft schlecht oder gar nicht bezahlt. Und sie werden unter prekären Bedingungen vor allem von Frauen erledigt. Gabi Horak hat Ökonomin Katharina Mader im Homeoffice erwischt und sie gefragt, ob es nach der Krise besser wird.

an.schläge: MitarbeiterInnen im Gesundheitssystem werden dieser Tage beklatscht – plötzlich sind sie die Heldinnen der Krise. Aber wie sieht es mit ihren Arbeitsbedingungen und der bisherigen Anerkennung aus? 
Mader: Typischerweise sind gerade die Pflegetätigkeiten im Gesundheitssystem weibliche Tätigkeiten und sie sind in einem Prozess der Kommodifizierung, also des „Zur-Ware-Werdens“ von unbezahlter Arbeit von Frauen in den eigenen Haushalten entstanden. In diesem Sinne ist die Bewertung und Anerkennung dieser Berufe ganz stark mit der Bewertung von unbezahlten Tätigkeiten verbunden. Es wird immer noch davon ausgegangen, dass es die Frauen ja auch zuhause machen könnten, also brauche es keine vernünftige Ausbildung, keinen vernünftigen Arbeitsschutz und keine anständigen Arbeitsbedingungen und anständigen Löhne. Denn im eigenen Haushalt werden diese Arbeiten auch nicht wertgeschätzt. Zudem können diese Arbeiten keiner oder kaum einer Rationalisierungslogik unterworfen werden, um eine höhere Produktivität zu erreichen. Auch hier liegt ein Grund für die fehlende Anerkennung und Wertschätzung. 
Haben wir nun die Chance, dass sich etwas daran nachhaltig ändert? 
Bisherige Krisen (vor allem Wirtschaftskrisen) haben immer nur sichtbar gemacht, wie viel krisenresistenter diese typischen Frauenberufe im Vergleich zu den typischen Männerberufen sind. Die derzeitige Corona-Krise zeigt einmal mehr wie überlebensnotwendig diese Arbeit ist. Ich hoffe wirklich, dass Entscheidungsträger*innen nun insbesondere die Gesundheitsberufe endlich gebührend wertschätzen. In einem ersten Schritt würde das für mich heißen, dass nicht am 12-Stundentag festgehalten wird, sondern (Gefahren-)Zulagen und Überstunden, die jetzt notwendig sind, ausgezahlt werden. Und dass in einem zweiten Schritt wenn wir den Höhepunkt der Krise überstanden haben zumindest die gewerkschaftlichen Forderungen einer 35-Stunden-Woche umgesetzt werden. Es muss allen bewusst gemacht werden, dass unser Gesundheitssystem in den letzten Jahrzehnten neoliberalen Marktlogiken unterworfen wurde, die guten Arbeitsbedingungen nie zuträglich sind. Da müssen nach der Krise Veränderungen passieren.
Die Gewerkschaften versuchen ja derzeit im Zuge der Gehaltsverhandlungen die 35-Stunden-Woche durchzusetzen. Könnte das nach der Krise unter diesen neuen Vorzeichen gelingen, oder angesichts einer drohenden Rezession sogar noch schwieriger werden? 
Der  Pflegepersonalmangel und die prekären Arbeitsbedingungen sind schon lange bekannt, insofern fordern ja auch die Gewerkschaften mit einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich eigentlich zwei Dinge: bessere physische und psychische Arbeitsbedingungen. Denn unter den bisherigen Bedingungen kann kaum jemand vollzeiterwerbstätig sein. Zum anderen wird damit implizit auch ein Personal und Kapazitätenausbau angestrebt. Die Corona-Krise zeigt nun, worauf feministische Ökonominnen seit Jahren sogar Jahrzehnten hinweisen: dass diese Arbeit (ebenso wie alle anderen Care-Arbeiten) für das Funktionieren der Gesellschaft systemrelevant ist. Ein wesentlicher Faktor hierbei wäre die Ausfinanzierung des Gesundheitssystems unabhängig vom Markt, doch ich befürchte, dass für beides nach der Krise die wirtschaftliche Lage zu schwer, die Rezession zu schwerwiegend, die Probleme zurzeit andere sein werden. 
Was auch wieder sichtbar wird: Für Care-Arbeit, Kinderbetreuung und Pflege Angehöriger sind großteils Frauen zuständig. Gibt es auch hier die Chance, dass die Forderung nach besserer Aufteilung der unbezahlten Arbeit Aufwind bekommt 
Momentan wird die Vereinbarung von Homeoffice und Kinderbetreuung ganz automatisch als Frauensache abgetan, überall erscheinen Texte dazu, wie die Mütter die Aufgaben aus der Schule leichter in den Griff bekommen, welche neuen Spiele-Ideen es für Mütter von Kleinkindern gibt. Immerhin wird aber nun darüber geredet und damit vielleicht die unbezahlte Care-Arbeit endlich ein bisschen sichtbarer gemacht. Außerdem scheinen wir zu realisieren wenn Schulen, Kindergärten und Großeltern nicht mehr zur Verfügung stehen (können)  was für Netzwerke an un(ter)bezahlter Care-Arbeit eigentlich sonst notwendig sind, wenn es um die Betreuung von Kindern geht. Anekdotisch nehme ich aber auch wahr, dass diese Zeit von Homeoffice und zeitgleich notwendiger Kinderbetreuung Vätern durchaus auch das Volumen und die Komplexität dieser Arbeiten vor Augen führt. Unter Umständen können zumindest nach dieser Krise Routinen und Abläufe, die jetzt zwischen heterosexuellen Paaren neu verhandelt werden (müssen), aufrechterhalten werden. 
In welchem Ausmaß wird unbezahlte Care-Arbeit in Österreich geleistet? 
Die unbezahlte Care-Arbeit hat in Österreich fast dasselbe Volumen wie die bezahlte Erwerbsarbeit: Während Österreicherinnen und Österreicher im Jahr neun Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit verrichten, sind sie 9,5 Milliarden Stunden erwerbstätig. Im Schnitt machen Frauen zwei Drittel der unbezahlten, Männer zwei Drittel der bezahlten Arbeiten. Wenn wir diese unbezahlte Arbeit mit einem monetären Wert bemessen, dann entsprechen diese neun Milliarden Stunden bei einem Durchschnittslohn der personenbezogenen Dienstleistungen 100 bis 105 Milliarden Euro, das sind zwischen 27 und dreißig Prozent des BIP. 
Wie krisenanfällig ist der neoliberale Kapitalismus? 
Der Kapitalismus ist inhärent krisenanfällig, das zeigen Wissenschafter*innen seit Karl Marx. In den unterschiedlichsten Wohlfahrtsstaaten werden diese Krisen über die Jahrzehnte unterschiedlich gut durch den Staat abgefangen und werden damit oft gar nicht in ihrem tatsächlichen Ausmaß gesehen. Auch im Moment zeigt sich, dass diejenigen Staaten mit stärkeren Wohlfahrtsstaaten besser auf die Corona-Krise reagieren können.
Jedenfalls aber sind dem Kapitalismus auch Abhängigkeits– und Ausbeutungsverhältnisse inhärent. Und wenn die Annahmen stimmen, dass es die illegalen chinesischen Textilarbeiter*innen waren, die den Corona-Virus nach Italien gebracht haben und dass diese aufgrund ihres illegalen Aufenthaltstitels auch keine gesundheitliche Versorgung bekommen oder gar ihre Krankheits- und Todeszahlen erhoben werden können, dann müsste in der (Nach)Bearbeitung dieser Krise der Kapitalismus massiv infrage gestellt werden.
Könnte die Corona-Krise den Forderungen der feministischen Ökonomie generell einen Aufwind bescheren? 
Krisen können Lernerfahrungen ermöglichen. Ich habe mir nach der letzten großen Wirtschaftskrise angesehen, ob feministische Lehren daraus gezogen wurden und die feministische Ökonomie aufgewertet hatten dem war nicht so. Insofern bin ich auch bei dieser Krise eher pessimistisch, dass die feministische Ökonomie danach substanziell mehr gehört wird. Eine der wesentlichen Ideen der feministischen Ökonomie ist es, Wirtschaftssysteme von der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit aus zu denken, zu analysieren und zu modellieren. Hierfür wird die Corona-Krise jedenfalls viele Anknüpfungspunkte geben. Weitere feministische wirtschaftspolitische Forderungen der letzten Jahre und Jahrzehnte wie eine generelle Arbeitszeitverkürzung, Besteuerung von Vermögen und damit das gesellschaftliche gerechte Verteilen von Gewinnen und nicht nur das Sozialisieren von Verlusten, scheinen schon mitten in der Krise unmöglich machbar zu sein. 

Katharina Mader ist Ökonomin am Institut für Heterodoxe Ökonomin der WU Wien und forscht unterrichtet zu Care-Arbeit und feministischer Ökonomie. Zurzeit betreut sie zwei Kleinkinder zeitgleich zum Home-Office – dies jedoch, wie sie findet, in einer äußerst privilegierten Lage gemeinsam mit ihrem Partner. 

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an.klang: Die Theatermacherin https://ansch.4lima.de/an-klang-die-theatermacherin/ https://ansch.4lima.de/an-klang-die-theatermacherin/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:38:20 +0000 https://anschlaege.at/?p=20447 Sie schauspielert, führt Regie, leitet ein Laboratorium für Diversität und kämpft gleichzeitig gegen die Vereinnahmung von außen. Jetzt bereitet Tausendsassa Aslı Kışlal „Medeas Töchter“ im Dschungel Wien vor. Von Olja Alvir  „Wir sind in einer Zeit des Verlernens und Neulernens“, sagt Aslı Kışlal. Zu denen, die diese Epoche eingeleitet haben, zählt sie allemal. Kışlal leitet […]]]>

Sie schauspielert, führt Regie, leitet ein Laboratorium für Diversität und kämpft gleichzeitig gegen die Vereinnahmung von außen. Jetzt bereitet Tausendsassa Aslı Kışlal „Medeas Töchter“ im Dschungel Wien vor. Von Olja Alvir

 Wir sind in einer Zeit des Verlernens und Neulernens“, sagt Aslı Kışlal. Zu denen, die diese Epoche eingeleitet haben, zählt sie allemal. Kışlal leitet das diverCITYLAB für mehr Diversität im Theater, eine „kunstpolitische Aktion, getarnt als Schauspielakademie“, wie sie sagt. In der Vergangenheit war Kışlal Dreh- und Angelpunkt vieler Kunstprojekte wie etwa „daskunst“ oder „PIMP MY INTEGRATION“.
Es hat sich einiges getan“, meint Kışlal im Rückblick auf die vergangenen Jahre. Die „postdramatische“ Phase des Theaters habe sich positiv auf die Sichtbarkeit von Migrant_innen und anderen Marginalisierten in der Kunst ausgewirkt: „Im postdramatischen Theater werden die Seh- und Hörgewohnheiten und Hierarchien des Theaters in Frage gestellt. Das öffnete den Raum für zuvor ignorierte Gesichter und Geschichten.“ Das Personal auf der Bühne ändere sich langsam, die Stoffe hielten allerdings noch nicht ganz mit. „Der nächste Schritt ist, mit den diversen Ensembles eine Normalität der Themen herzustellen. Migrationsgeschichten etwa sind keine Randgeschichten. Sie sind normal in dem Sinne, dass sie die Norm darstellen in einer Migrationsgesellschaft.“ Migrantische Schauspieler_innen würden auch heute noch zu oft in weiß zentrierte Narrative hineingeschrieben und nach deren Logik dargestellt. 
Das erfuhr Kışlal auch an eigenem Leibe. Am Anfang ihrer Schauspielkarriere wurde sie rassistisch-stereotyp gecasted. Wenn man sie googelt, ist unter den ersten Ergebnissen ihr „International Movie Database“-Eintrag, wo sie zwei Mal als „Burkafrau 3“ geführt wird. „Ja, das ist skurril. Diese Rolle habe ich angenommen, weil die sogenannten Burkafrauen in dieser Serie sehr interessanten Text haben und mit den intellektuellen Verweisen darin das typisch klischeehafte Bild der verhüllten Frau unterlaufen“, so Kışlal. „Dass diese Figuren dann trotzdem nur Burkafrau 1, 2 und 3 heißen, unterläuft diese Idee wiederum.“ Das Mädchen mit dem Kopftuch und dem schlechtem Deutsch – diese Rolle hat Kışlal schon einige Male durchgespielt. „Nach einer Zeit merkte ich, welche Klischees ich da mitbediene. Da ist mir klargeworden, in welchen Schlamassel ich gerate, wenn ich die Angebote nicht reflektiere. Danach habe ich fast alles abgesagt.“
Als einer der Eckpfeiler der Wiener Kunst- und Kulturszene wurde Kışlal bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie 2014 den MiA-Award (Migrantinnen Award für Integration). Doch sie ist eine widerwillige Preisträgerin, die die Vereinnahmung durch Institutionen ebenfalls kritisch reflektiert. „Die erste Nominierung zog ich selbst wieder zurück. Der Fragebogen, der mir geschickt wurde, enthielt nur Fragen zur eigenen Opfergeschichte. Sehr problematisch.“ Als sie ein paar Jahre darauf wieder nominiert wurde, wusste das Komitee schon Bescheid – kein Fragebogen für Kışlal, stattdessen gab’s ein Interview. „Die Verleihung nutzte ich dann, um den Integrationsdiskurs zu kritisieren. Warum braucht es immer die erfolgreichen Vorzeigemigrant_innen? Was heißt das für die Kunstszene, wenn ich hier ausgezeichnet werde, während an den großen Theatern weiterhin institutionell diskriminiert wird?“ Der Applaus für ihre Dankesrede beim MiA-Award war verhalten. Doch den Zuspruch sucht Kışlal ohnehin anderswo, und dort bekommt sie ihn allemal. Demnächst, sofern die Corona-Krise es erlaubt, am Dschungel Wien gemeinsam mit Magdalena Chowaniec, Yasmo, Esra Özmen und vielen mehr beim Projekt „Medeas Töchter“, bei dem marginalisierte Mädchen und junge Frauen im Zentrum stehen.
Auch wenn Streams in Zeiten der Pandemie das Theater an zuvor unentdeckte Orte tragen, so hofft Kışlal auf ein baldiges physisches Wiedersehen. Denn die Interaktion mit den Menschen ist, was ihr die Kraft für ihre zahlreichen Projekte gibt. „Im Theater ist jeder Abend ist anders. Ich fühle eine positive Aufregung und auch ein kleines bisschen Angst – das ist der Respekt vor der Kunst – vor jedem Auftritt. Man entdeckt jedes Mal die Geschichte gemeinsam neu. Und das Lebendige hält uns wach und wachsam.“ 

 Olja Alvir ist Autorin in Wien. Sie sammelte ihre ersten Theatererfahrungen am feministischen Theater Drachengasse und am inklusiven Theater Delphin. Nach diesem Text bekam sie direkt auch Lust aufs diverCITYLAB. 

 

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leib & leben: Das Ding https://ansch.4lima.de/leib-leben-das-ding/ https://ansch.4lima.de/leib-leben-das-ding/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:31:08 +0000 https://anschlaege.at/?p=20443 In den letzten Monaten habe ich, bedingt durch mehrere Krankenhausaufenthalte, eine neue Erkenntnis über meinen Körper gewonnen: In medizinischen Kontexten ist mein Körper nicht menschlich, sondern sachlich. Ein Ding, das krank ist. Charakteristisch für Dinge ist, dass über sie verfügt wird. Sie haben kein Mitspracherecht dabei, was mit ihnen gemacht wird, wo und wie sie […]]]>

In den letzten Monaten habe ich, bedingt durch mehrere Krankenhausaufenthalte, eine neue Erkenntnis über meinen Körper gewonnen: In medizinischen Kontexten ist mein Körper nicht menschlich, sondern sachlich. Ein Ding, das krank ist. Charakteristisch für Dinge ist, dass über sie verfügt wird. Sie haben kein Mitspracherecht dabei, was mit ihnen gemacht wird, wo und wie sie platziert werden, wann und wie sie angefasst oder transportiert werden. Dingen wird keine Privatsphäre und keine Autonomie zugestanden. Man muss ihnen gegenüber auch nicht höflich oder respektvoll sein.
Für das Pflegepersonal oder die Sanitäter*innen spielt es daher keine Rolle, dass ich, das kranke Ding, wach und ansprechbar bin. Warum sollte man ein Ding auch befragen oder es darüber informieren, bevor man dessen Kleidung hoch- bzw. runterzieht? Warum sich mit Namen vorstellen, auf Nachfragen eingehen, anklopfen oder eine Tür (wieder) schließen, damit nicht alle Welt des Dings nackten Arsch sieht? Warum nicht über es sprechen, als wäre es nicht anwesend? Wortlos die Decke zurückschlagen, es betasten oder anzapfen und ebenso wortlos wieder abrauschen?
Auch wenn der ruppig-routinierte Umgang sicherlich teilweise einen systemischen Ursprung hat, der Zeit-, Geld-, und Personalmangel verursacht, hält sich meine Empathie für mein Gegenüber dennoch in Grenzen.
Ich habe früh gelernt, dass Körper, die weiblichen gelesen werden, als Allgemeingut gelten. Viele gewaltvolle Erfahrungen haben dies zementiert. Und viele Jahre harte Arbeit waren notwendig, um mir das Selbstbestimmungsrecht über meinen eigenen Körper zurück zu erobern. Mich nun wieder vermehrt in Situationen zu finden, in denen mir dies so selbstverständlich abgesprochen wird, ist, gelinde gesagt, mehr als herausfordernd. Mein Handlungsspielraum hält sich in Grenzen: ich bin krank und auf medizinische Versorgung angewiesen. Wie hilfreich die vielen anonymen Hände, die sich mal mehr, mal weniger grob an mir zu schaffen machen, für meine psychische Gesundheit sind, ist allerdings fraglich.  

Julischka Stengele lebt in Wien und arbeitet international als Künstlerin, Kulturschaffende, Textproduzentin und Lehrende. Diese Kolumne entstand vor der Corona-Pandemie.  

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positionswechsel: Good Vibrations https://ansch.4lima.de/positionswechsel-good-vibrations/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-good-vibrations/#comments Sat, 11 Apr 2020 14:22:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=20440 Meinen ersten Vibrator musste ich vor Kurzem wegwerfen. Er hatte sich langsam aufgelöst. Lange hat er gehalten, vielleicht weil ich ihn gar nicht so oft verwendet habe. Ich hatte ihn Mitte der Neunziger schüchtern in einem schmuddeligen Sexshop in meiner Heimatstadt gekauft. Die Verkäuferin hatte mich immerhin mit dem Material beraten: am besten weich. Was […]]]>

Meinen ersten Vibrator musste ich vor Kurzem wegwerfen. Er hatte sich langsam aufgelöst. Lange hat er gehalten, vielleicht weil ich ihn gar nicht so oft verwendet habe. Ich hatte ihn Mitte der Neunziger schüchtern in einem schmuddeligen Sexshop in meiner Heimatstadt gekauft. Die Verkäuferin hatte mich immerhin mit dem Material beraten: am besten weich. Was sich prompt als Fehlkauf herausstellte. Auch sonst war dieser violette Penisverschnitt nicht der Bringer: Die Vibrationen waren genauso soft wie das Material. Ich hatte meine Lust an Spielzeug also gleich wieder verloren. Bis ich mir etwa zehn Jahre später einen Rabbit-Vibrator bestellte. Durch die Erfindung des Internets konnte ich seitenweise Lustbringer durchforsten, ohne einen schmierigen Laden betreten zu müssen. Die Exponate mit den kleinen Häschen als Klitoris-Stimulator lösten in mir quietschendes Vergnügen aus. Und in der Tat erlebte ich nach Eintreffen des „diskret verpackten“ Päckchens eine klitorale wie vaginale Offenbarung! Mein Gehirn musste die nie geahnten Orgasmen geradezu verkraften. Ich war nicht mehr zu stoppen und kaufte mir alles Mögliche: Liebeskugeln, mini Vibratoren, Riesendildos, Kitzler-Stimulatoren.
Mittlerweile benutze ich leidenschaftlich gerne hin und wieder auch Toys mit meinen Partner_innen. Mein Partner ist ein richtiger Abenteurer: Ständig schleppt er etwas Neues an. Seinen Magic Wand Massager hat er netterweise irgendwann ganz mir (und meiner Geliebten) überlassen. Die meisten Spielzeuge kann man übrigens bei allen Geschlechtern anwenden. Dildos sind nicht nur was für Frauen. Viele Männer begehren es, mit Toys verwöhnt zu werden, manche aber trauen sich nicht, sich etwa passiven Analsex zu wünschen. Und für alle Gender gilt: Gerade jetzt in Corona-Quarantänezeiten können Sextoys Abwechslung bringen, egal ob man alleine oder gemeinsam in der Butze festsitzt. Spieltipp: Jede_r darf oder „muss“ sich mal was wünschen, mit oder ohne Toys, etwa: sich mit dem Lieblingsspielzeug verwöhnen zu lassen oder beim Masturbieren zusehen zu lassen. Beides kann aufregend und sogar sehr lehrreich sein.
Für Safer Toy Use gilt übrigens: Kondom drüber und reinigen 

Daphne Danowskis letzter Schrei ist ein vibrierender Wecker, den man nachts im Schlüpfer trägt. Es war ein Geschenk. Damit sie immer glücklich aufwache.  

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Batty https://ansch.4lima.de/batty-7/ https://ansch.4lima.de/batty-7/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:17:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=20434 ]]>

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an.spruch: Kein Zurück https://ansch.4lima.de/an-spruch-kein-zurueck/ https://ansch.4lima.de/an-spruch-kein-zurueck/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:10:41 +0000 https://anschlaege.at/?p=20431 Die Corona-Krise kann der Ausgangspunkt für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel werden, hoffen Barbara Stefan und Mahsa Ghafari.  Wir sind schockiert. Die Situation an den griechischen Außengrenzen ist eine sich täglich weiter zuspitzende Katastrophe. Der Gedanke, dass auf Menschen, die Schutz und Hilfe suchen, mit Tränengas und sogar scharf geschossen wird und sie zurückgeprügelt werden, als wären […]]]>

Die Corona-Krise kann der Ausgangspunkt für nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel werden, hoffen Barbara Stefan und Mahsa Ghafari. 

Wir sind schockiert. Die Situation an den griechischen Außengrenzen ist eine sich täglich weiter zuspitzende Katastrophe. Der Gedanke, dass auf Menschen, die Schutz und Hilfe suchen, mit Tränengas und sogar scharf geschossen wird und sie zurückgeprügelt werden, als wären es keine Menschen, ist unerträglich. Wir demonstrieren so laut wir können. Die Tatsache, dass die Menschenrechtskonvention wieder einmal außer Kraft gesetzt wird und selbst kleine Kinder angegriffen werden, ist eine weitere Schande für Europa. Wir gehen auf die Straße, sprechen auf Demos. Wir teilen auf Facebook. Wir diskutieren. Wir leisten Widerstand, indem wir widersprechen. Wir umarmen einander, machen halb-ernst gemeinte Witze darüber, ob das wohl bald verboten sein wird und wir alle zu Hause bleiben müssen.
Währenddessen rückt Corona immer näher.
Wenige Wochen später ist die Corona-Krise auch bei uns angekommen und trifft uns mit voller Wucht. Es gibt Ausgangsbeschränkungen, viele sind im Home-Office. UnternehmerInnen sollen entlastet werden, ein Konjunkturpaket wird beschlossen. Und die ArbeitnehmerInnen?
Die Widersprüche des Kapitalismus werden plötzlich in aller Deutlichkeit sichtbar: Kapitalismus und Neoliberalismus bieten keine Lösungen für die Probleme der Menschheit im Gegenteil. Sie sind deren Ursache und verschlimmern sie. Kaputt gesparte Spitäler und Kürzungen beim Gesundheitspersonal erschweren es, mit Pandemien umzugehen. Die Trennung der öffentlichen und privaten Sphäre, die normative Organisierung der Menschen in Kleinfamilien führt nun mit dem Ausfall der staatlichen Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen bei vielen Menschen zu extremer Überlastung. Denn Überraschung Kinderbetreuung, vor allem von Kleinkindern, ist tatsächlich Arbeit und zwar harte Arbeit, die keine Einzel- und auch nicht zwei Personen alleine leisten können, ohne überlastet zu sein. Dies drückt sich wiederum in Gereiztheit, Wut, Aggression aus. Sie hindert zudem Menschen am effektiven HomeOffice. Ohne die un– und unterbezahlte Arbeit von Frauen in der Familie, in der Pflege, in den Spitälern, im Handel, in den Sozialversicherungen ließe sich die Krise nicht meistern, denn sie leisten die unsichtbar gemachte und tatsächlich systemrelevante Arbeit. In der Krise wird wie nie zuvor sichtbar, dass die Priorisierung der Gewinne von Unternehmen auf Kosten von Mensch und Umwelt geht.
Der erzwungene Rückgang von wirtschaftlichen Aktivitäten, das Abdrehen der Produktion unnützer und schädlicher Konsumgüter und die Bewegungseinschränkung von Menschen lässt nämlich auch die Natur aufatmen. CO2-Ausstöße werden gesenkt. Zusammenhalt und Solidarität sind zwar plötzlich zu den neuen Lieblingswörtern der Regierung geworden, aber von Solidarität mit den tausenden Geflüchteten, die in Lagern mit katastrophalen hygienischen Zuständen festsitzen, ist nicht die Rede. Auch diese Scheinheiligkeit, die rassistische Politik und die ihr innewohnende, fatale Dummheit wird sichtbar: Solidarität sollte keine nationalen Grenzen kennen, eine Pandemie kennt sie auch nicht und wenn diese Menschen jetzt nicht gerettet werden, droht Griechenland ein weiterer CoronaHotSpot zu werden – und das ist nur eine der vielen möglichen, tragischen Konsequenzen dieses Nichtstuns. 
Ein hoffnungsvoller Sprung nach vorne: Es ist klar – es gibt kein Zurück zur Normalität vor Corona. Die entstandenen Netzwerke der Solidarität und der Nachbarschaftshilfe dienen als Basis für die weitere Organisation von Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Die Menschen haben gelernt, worauf es in einer Gesellschaft ankommt: auf ein gesundes Zusammenspiel von Mensch und Natur, auf eine gute Arbeitsteilung und angemessene Bezahlung für gesellschaftlich wirklich relevante Aufgaben, auf Freizeit. Es gibt kein Zurück zu einer Unterordnung unter die Kapitalakkumulation. Viel zu hoch sind ihre Kosten für die Allgemeinheit. Menschen brauchen eine bedingungslose Sicherung ihres Grundbedarfs, eine kollektive Care-Arbeitsteilung, die niemanden überlastet und genug Zeit für sich selbst und für die Beziehungen mit Mitmenschen. Es gibt kein Zurück. 

 Barbara Stefan ist Politikwissenschafterin, Mutter, Aktivistin im Aufstand der Alleinerziehienden und Redaktionsmitglied beim Mosaik-Blog.  

Mahsa Ghafari ist Aktivistin und Schauspielerin. Unter anderem gründete sie den Verein Flucht nach Vorn mit und rief 2017 gemeinsam mit Mitstreiterinnen zum Gobal Women’s Strike auf.  

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Feminist Superheroines: Ameyo Stella Adadevoh https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-ameyo-stella-adadevoh/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-ameyo-stella-adadevoh/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:07:07 +0000 https://anschlaege.at/?p=20428 Ameyo Stella Adadevoh (1956-2014) arbeitete als Ärztin in der nigerianischen Hauptstadt Lagos und diagnostizierte im Jahr 2014 den ersten Ebola-Fall in Nigeria. Zunächst hatte man vermutet, der Patient leide an Malaria. Adadevoh war keine Virologin und hatte noch nie eine*n Ebola-Patient*in gesehen. Dennoch veranlasste sie einen Ebola-Test, der ihre Diagnose bestätigte, und informierte die Behörden. […]]]>

Ameyo Stella Adadevoh (1956-2014) arbeitete als Ärztin in der nigerianischen Hauptstadt Lagos und diagnostizierte im Jahr 2014 den ersten Ebola-Fall in Nigeria. Zunächst hatte man vermutet, der Patient leide an Malaria. Adadevoh war keine Virologin und hatte noch nie eine*n Ebola-Patient*in gesehen. Dennoch veranlasste sie einen Ebola-Test, der ihre Diagnose bestätigte, und informierte die Behörden. Der Mann bestand darauf, zu einer internationalen Konferenz weiterzureisen, doch Adadevoh weigerte sich, ihn zu entlassen, und stellte ihn im Krankenhaus unter Quarantäne. Während sie den Patienten behandelte, wurde sie selbst mit Ebola infiziert und starb. Durch ihre korrekte Diagnose und die entschlossene Isolierung des ersten Ebola-Patienten verhinderte Adadevoh die Ausbreitung des Virus in Nigeria. mk 

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Alltägliche Krise https://ansch.4lima.de/alltaegliche-krise/ https://ansch.4lima.de/alltaegliche-krise/#respond Sat, 11 Apr 2020 14:00:29 +0000 https://anschlaege.at/?p=20423 Das politische Commitment enden wollend, die Finanzierung chronisch unzureichend. Der Kampf gegen Gewalt an Frauen verliert in Österreich an Bedeutung. Punktuelle Zugeständnisse wie während der Corona-Krise reichen nicht.  Von Nicole Schöndorfer   Es war eine Erleichterung, als Frauenministerin Susanne Raab von der ÖVP gemeinsam mit Justizministerin Alma Zadić von den Grünen ein Maßnahmenpaket gegen häusliche Gewalt […]]]>

Das politische Commitment enden wollend, die Finanzierung chronisch unzureichend. Der Kampf gegen Gewalt an Frauen verliert in Österreich an Bedeutung. Punktuelle Zugeständnisse wie während der Corona-Krise reichen nicht.  Von Nicole Schöndorfer 

 Es war eine Erleichterung, als Frauenministerin Susanne Raab von der ÖVP gemeinsam mit Justizministerin Alma Zadić von den Grünen ein Maßnahmenpaket gegen häusliche Gewalt verkündete, das gewaltbetroffene Frauen während der Corona-Krise besser schützen sollte. Feminist*innen und Gewaltschutzexpert*innen haben überall auf der Welt Alarm geschlagen, als Regierungen Ausgangsbeschränkungen und Selbstisolation verordneten. Es ist bekannt, dass es in Krisenzeiten verstärkt zu Gewalt kommt. Wenn Betroffene dann den Ort, an dem sie Gewalt zum Großteil erfahren, nämlich zuhause, nicht mehr verlassen können, um sich psychische und physische Hilfe zu holen, ist das eine Katastrophe. Gewaltschutzeinrichtungen überlegen sich alternative Möglichkeiten, um Frauen helfen und betreuen zu können. Doch sie allein können die Verantwortung eines Staates nicht schultern. Was steht also in dem Maßnahmenpaket der österreichischen Regierung? 

Ruhig Blut. Erst einmal sollte es der Beschwichtigung dienen. Es wurde betont, dass der Polizei- und Justizapparat uneingeschränkt gegen Gewalttäter vorgehen würde. Davon abgesehen, dass dieser auch in Zeiten ohne COVID-19 nur eingeschränkt funktioniert, was Strafverfolgung und Opferschutz angeht, ist es für Betroffene unter diesen Umständen noch schwieriger, an Hilfe zu gelangen. Auch an telefonische Unterstützung. Schließlich ist der Täter quasi ständig im Raum. Außerdem haben auch Gewaltbetroffene die Angst, die alle anderen haben, wenn sie mit Menschen in Kontakt kommen: zu erkranken und jemanden zu gefährden. Zadić hat hierzu angekündigt, von den Sonderermächtigungen”, die sich in einem eigenen Bundesgesetz betreffend Begleitmaßnahmen zur Epidemie in der Justiz finden, Gebrauch machen zu wollen. Diese sollen es Betroffenen leichter machen, an einstweilige Verfügungen durch die Polizei zu kommen. Das ist gut, doch in Krisensituationen überlegen es sich Frauen wohl noch öfter, ob sie diesen Schritt gehen sollen. Sie könnten Angst haben, dass der Täter, der vielleicht zur Risikogruppe gehört, erkrankt. Gewaltbeziehungen sind kompliziert.
Zudem soll die Frauenhelpline personell und finanziell aufgestockt und die Onlineberatung ausgebaut werden, auch in Supermärkten sollen Broschüren aufliegen. Alle Landesregierungen hätten überdies zugesichert, die Plätze in den Frauenhäusern zu erhöhen, obwohl, so Raab, noch kein Anstieg zu verzeichnen sei. Auch hier kann das reale Ansteckungsrisiko für die Betroffenen ein Grund sein, zu zögern. All die Risiken müssen für eine Strategie mitbedacht werden. Das Maßnahmenpaket könnte also mehr in die Breite und Tiefe gehen, berücksichtigt aber essentielle Punkte. Doch was kommt danach?  

Berichtigtes Misstrauen. Man sollte dem Frieden und dem Interesse am Gewaltschutz nicht leichtfertig trauen. Es ist Aufgabe einer Regierung, in Krisen zu reagieren. Dass sie es tut, ist angemessen und kein feministischer Akt. Wenn man in Versuchung kommt, dankbar zu sein für das absolut Mindeste an Schutzmaßnahmen, sollte man sich die Situation vor Corona in Erinnerung rufen. Seit Jahresbeginn wurden in Österreich sechs Frauen von ihren (Ex-)Partnern ermordet. In einem besonders brutalen Fall blieb es beim Versuch. Mit dem Frauenministerium wurde trotz grüner Regierungsbeteiligung eine ÖVP-Politiker betraut, die gleichzeitig Integrationsministerin ist. Frauenministerin Raab fällt durch Aussagen über kulturell bedingte Gewalt auf.
Was ist noch passiert? Die Leitung der Salzburger Frauenhäuser wurde ausgeschrieben. Es wird eine Zerschlagung etablierter Strukturen und Eliminierung kritischer Stimmen befürchtet. Feminist*innen und Gewaltschutzexpert*innen haben die Ausschreibung geschlossen abgelehnt. Der zuständigen Salzburger NEOS-Frauenlandesrätin Andrea Klambauer war das erst egal. Anfang März wurde beschlossen, dass die Ausschreibung aufgeschoben wird. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, hofft, dass die Ausschreibung damit vom Tisch ist. Sie befürchtet aber auch, dass Ausschreibungen in Österreich zur Normalität werden könnten. Rechtlich gesehen muss im Sozialbereich nicht ausgeschrieben werden. Ein Wettbewerb birgt die Gefahr, dass sich Trägervereine bewerben, die sich nicht auskennen in der Frauenhausarbeit. Vielleicht war die Idee, kleine Institutionen wie Frauenhäuser in größere Einrichtungen zu integrieren, weil kleine Institutionen teurer sind und weniger kritischer Widerstand erwartet wird, wenn ein riesiger Apparat dranhängt“, sagt Rösslhumer. Frauenhäuser müssen aber ihre Autonomie und Unabhängigkeit bewahren können, damit sie Frauen und Kindern den größtmöglichen Schutz garantieren können.”
Sophie Hansal, Koordinatorin der Allianz GewaltFREI leben, spricht aus Erfahrung. Ein Punkt sind die Leistungsverträge. Mit der Ausschreibung der Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen wurde für den vollen Förderbetrag beispielsweise jeweils eine Mindestanzahl an betreuten Fällen beschlossen. In Wien wurde da die höchste Fallzahl, die es bis dahin gab, als Sockel festgelegt, nämlich 5.800. Das ist jetzt das Minimum. Für die Beraterinnen ist das eine extrem hohe Zahl an Klient*innen und es gibt wenig Zeit für einzelne Fälle. An diesem Leistungsvertrag lässt sich im Nachhinein aber nicht mehr viel ändern”, sagt Hansal. Förderungen für Gewaltschutzzentren lassen sich nicht direkt kürzen, weil sie gesetzlich festgeschrieben sind. Wenn aber zum Beispiel die Polizei weniger Betretungsverbote verhängt, bedeutet das weniger Fälle und damit ein Zittern um Geld. Man denke an den plötzlichen österreichweiten Rückgang von Betretungsverboten bis zu 23 Prozent pro Monat, nachdem Türkis-Blau 2018 an die Macht gekommen war.  

Zusammengekürzt. Damals ging es generell Schlag auf Schlag. Das sollte man nicht vergessen, denn die Akteur*innen sind heute größtenteils dieselben. Feministischen Vereinen, Organisationen und Gewaltschutzeinrichtungen wurden 2018 179.000 Euro und 2019 230.000 Euro an Förderungen gekürzt. Widerstand wurde bestraft. Auch wurden die MARAC-Fallkonferenzen zu schwerer Gewalt, die Gewaltschutzzentren mit der Polizei abgehalten hatten, aufgelöst. Außerdem muss der Verein AÖF sensibilisierende Schulungen für Polizeischüler*innen zu häuslicher Gewalt seither selbst bezahlen. Dann war da noch der Medienerlass aus dem Innenministerium. Die Polizei wurde darin angehalten, über Gewalt nur noch in spezifischen Fällen zu berichten. Es hat Folgen, wenn nicht mehr über häusliche Gewalt berichtet wird und medial nur noch das Bild des fremden Mannes, der nachts aus dem Gebüsch springt und Frauen im öffentlichen Raum vergewaltigt, transportiert wird”, sagt Hansal. 
Schließlich die Taskforce, für die Gewaltschutzexpert*innen aus allen Bereichen von der türkisblauen Regierung zu einem runden Tisch eingeladen worden waren. Schlussendlich hat man sie um Expertise und Arbeitszeit beraubt, denn kaum eine der Forderungen schlug sich im daraufhin erarbeiteten Gewaltschutzgesetz nieder. 
In den letzten Jahren wurden viele Maßnahmen gesetzt, die die Position von Gewaltschutzeinrichtungen und den Schutz der Betroffenen nachhaltig geschwächt haben. Gleichzeitig wurde stets betont, wie wichtig der Kampf gegen Gewalt an Frauen sei. Purer Zynismus. Kurz vor Beginn der Corona-Krise stellte sich die im Regierungsprogramm proklamierte substanzielle Aufstockung” des Budgets als Erhöhung von zehn auf zwölf Millionen Euro heraus. Nach den Einschätzungen der Kampagne Allianz GewaltFREI Leben wären 210 Millionen Euro nötig, um eine gute Gleichstellungs- und Gewaltschutzpolitik machen zu können. Doch die ist wenig wert in Österreich. Ohne Bereitstellung der nötigen finanziellen Mittel fehlt ein klares politisches Commitment. Gerade in Zeiten der alltäglichen Krise, als die geschlechtsspezifische Gewalt bezeichnet werden kann. 
Die Verantwortung, die der Staat hätte, wird stattdessen individualisiert und lastet immer stärker auf den Einrichtungen. Das System funktioniert nur, weil die Mitarbeiter*innen nicht aufhören werden, Gewaltbetroffene zu betreuen. Aber wenn die, die eigentlich unterstützen sollten, ins Burnout schlittern, kollabiert das System”, sagt Hansal. Den fehlenden politischen Willen in Österreich bescheinigt seit 2016 auch der Grevio-Bericht, mit dem die Umsetzung der Istanbul-Konvention geprüft wird. Nächstes Jahr folgt der nächste.  

Nicole Schöndorfer lebt und arbeitet als freie Journalistin und feministische Aktivistin in Wien. Sie beschäftigt sich mit medien- und gesellschaftspolitischen Themen aus linker Perspektive. Unter anderem in ihrem Podcast „Darf sie das?”. 

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