7 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Tue, 01 Sep 2020 11:34:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png 7 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2017-07 https://ansch.4lima.de/inhalt/2017-07/ Thu, 12 Dec 2019 21:57:14 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=15802 ]]> ]]> „Kompetenz und Macht sind mit Männlichkeit verknüpft“ https://ansch.4lima.de/kompetenz-und-macht-sind-mit-maennlichkeit-verknuepft/ https://ansch.4lima.de/kompetenz-und-macht-sind-mit-maennlichkeit-verknuepft/#respond Sat, 14 Oct 2017 23:51:05 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9002 Interview: KATHRIN STAINER-HÄMMERLE analysiert den männlichen Politzirkus. Von BRIGITTE THEIßL]]>

Trotz mächtiger Frauen wie Merkel oder May: In den Parlamenten sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. BRIGITTE THEIßL sprach mit der Politikwissenschaftlerin KATHRIN STAINER-HÄMMERLE über Parteistrukturen, soziale Medien und schicke Anzüge.

 

an.schläge: In Österreich ist der Frauenanteil im Nationalrat seit Jahrzehnten ein Thema – zuletzt ist er wieder auf rund 31 Prozent gesunken. Was läuft hier schief ?

Kathrin Stainer-Hämmerle: Pauschal ist das schwierig zu sagen, es hängt stark von den einzelnen Parteien ab, solange es keine verbindlichen Regeln für alle gibt. Grundsätzlich ist ein höherer Frauenanteil für Parteien rechts der Mitte kein großes Anliegen. Wenige Frauen in ihren Reihen zu haben, ist für sie auch kein Nachteil bei der eigenen WählerInnenschaft. Es gibt ja durchaus auch Frauen, die der Meinung sind, dass die Politik nichts für Frauen ist. Bei dieser Wahl gibt es oberflächlich betrachtet durchaus Fortschritte. Wenn man sich die Bundeslisten bei SPÖ, ÖVP, Neos und Grünen anschaut, ist das Geschlechterverhältnis dort mehr oder weniger ausgeglichen – nicht durchgängig, aber immerhin auf den ersten zehn Plätzen. Zumindest für das Marketing ist Gleichberechtigung mittlerweile durchaus relevant. Wenn man sich allerdings anschaut, wer jeweils an erster Stelle gereiht ist, gerade in Landes- und Regionalwahlkreisen, sieht man, dass ins Parlament sicher nicht fünfzig Prozent Frauen einziehen werden.

Nur die Grünen sind derzeit mit fünfzig Prozent Frauen im Nationalrat vertreten. Warum schaffen es die SozialdemokratInnen, die mit Unterbrechungen seit den 1990er-Jahren die Frauenministerin stellen, nicht, ihre eigene Quote von vierzig Prozent zu erfüllen?

Bei der SPÖ ist das ein sehr zwiespältiges Thema. Die Emanzipation der Frau ist in der Sozialdemokratie zwar programmatisch sehr wichtig, männliche Industriearbeiter und Gewerkschafter waren aber lange Zeit die Kernzielgruppe der SPÖ, aus der sich die Partei auch rekrutiert hat. Wenn man sich die Kammern und Gewerkschaften anschaut, sind dort auch heute noch Frauen so gut wie gar nicht auf der Führungsebene zu finden. Mit Johanna Dohnal hatte die SPÖ eine Ikone der Frauenbewegung in ihren Reihen, aber man darf nicht vergessen, dass sie auch innerhalb der eigenen Partei mit Widerstand zu kämpfen hatte. Aktuell ist auf der Bundeliste auf Platz zwei Ministerin und Quereinsteigerin Pamela Rendi-Wagner zu finden, die SPÖ-Frauen hatten hier offensichtlich kein Mitspracherecht, was mich schon erstaunt. Man muss sagen, dass die Frauenorganisation innerhalb der Partei nicht sehr einflussreich ist – Frauenförderung ist in den vergangenen Jahren auch viel zu wenig systematisch passiert.

Im Frühjahr dieses Jahres ist Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen, zurückgetreten. Bei der Abschiedspressekonferenz sprach sie sowohl von Machos in Politik und Medien als auch von Hasskommentaren und Verleumdungen im Netz. Verstärken soziale Medien den Druck auf Frauen in der Politik?

Soziale Medien bringen sowohl Schwierigkeiten als auch neue Chancen für Frauen in der Politik mit sich. Frauen hatten in der Öffentlichkeit schon immer mit einer anderen Beurteilung als Männer zu kämpfen. Wenn sich eine Frau beispielsweise auf eine Bühne setzt und besonders streitlustig auftritt, wird ihr das mir großer Wahrscheinlichkeit negativ ausgelegt werden. Ein Mann würde als durchsetzungsstark gelten. Diese Mechanismen spiegeln sich in den sozialen Medien wider und werden zum Teil noch verstärkt – Shitstorms treffen Frauen oft noch viel heftiger. Negative Reaktionen erleben Politikerinnen allerdings auch auf der Straße – gerade auf Gemeindeebene. Ich kenne zahlreiche Geschichten von Gemeindepolitikerinnen, die sich zurückgezogen haben, weil sie sich dem einfach nicht mehr aussetzen wollten, was ihnen da auf der Straße oder im Gasthaus entgegengeschlagen ist. Soziale Medien bieten aber auch die Chance, sich zeit- und ortunsabhängig in den politischen Diskurs einzumischen. Parteistrukturen sind grundsätzlich hinderlich für Frauen, die aufgrund von Betreuungspflichten im Durchschnitt über weniger Zeitressourcen verfügen als Männer: Je wichtiger Vorfeldorganisationen und eine abendliche Sitzungskultur ist, umso schwerer ist es für sie, politisch Karriere zu machen.

 

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Phumzile Mlambo-Ngcuka steht den UN Women seit 2013 als geschäftsführende Direktorin vor und initiierte unter anderem die „HeForShe“-Kampagne. In den 1980er-Jahren startete die Südafrikanerin als Lehrerin ins Berufsleben, nach einem Umweg über verschiedene NGOs führte sie ihr Weg ins Parlament. Von 1999 bis 2005 war sie Ministerin für Roh- stoffe und Energie und wurde 2005 schließlich als erste Frau zur Vizepräsidentin Südafrikas ernannt. Als erfolgreiche Reformerin galt Mlambo-Ngcuka als großes politisches Talent, die Präsidentschaft Jacob Zumas beendete ihre Karriere jedoch abrupt.
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Die mediale Inszenierung hat in der Politik insgesamt an Bedeutung gewonnen. Politik passiert auf allen Kanälen, insbesondere in Wahlkampfzeiten werden soziale Medien mit Tausenden Bildern und Videos bespielt. Wie haben sich dadurch die Anforderungen an PolitikerInnen verändert?

Das äußere Erscheinungsbild ist jedenfalls wichtiger geworden, und erstmals trifft das auch Männer massiv. Auch sie sollen heute schlank, sportlich, fit wirken, Anzug und Krawatte müssen sitzen. Es ist die Generation Slim-fit. Plötzlich wird darüber geredet, dass HC Strache zugenommen hat und Falten um die Augen bekommt. Insofern müssen auch Männer wesentlich mehr Energie in ihr äußeres Erscheinungsbild stecken als früher. Für Frauen ist das nicht neu, ich habe aber den Eindruck, dass sich viele mittlerweile davon ein Stück weit emanzipieren, sie gehen gelassener und selbstbewusster mit diesen Anforderungen um.

Mit Barack Obama, Justin Trudeau und Emmanuel Macron haben Politiker die Weltbühne betreten, die nur noch wenig mit Bildern traditioneller Männlichkeit zu tun haben. Sie zeigen Gefühle, signalisieren Dialogbereitschaft und Empathie. Warum können wir mittlerweile solche Männer als Präsidenten akzeptieren, Frauen aber noch immer schwer?

Das hat mit dem Dilemma zu tun, welche Bilder von weiblicher Macht es überhaupt gibt. Diese neuen, jungen, gebildeten, gutaussehenden Männer präsentieren sich immer noch in einem männlichen Dresscode, der für Ansehen, Kompetenz und Macht steht. Ob in der Politik oder in der Wirtschaft: Frauen müssen sich „männlich“ kleiden, um als kompetent wahrgenommen zu werden – und da zähle ich jetzt auch das Business-Kostüm dazu. In unseren Köpfen bringen wir Weiblichkeit und Macht einfach nicht zusammen. Spitzenpolitikerinnen sind häufig Frauen, die sich sehr männlich geben oder sozusagen geschlechtslose Mutti-Typen. In Island, wo eine Frau sechzehn Jahre lang das Land regierte, gab es Umfragen unter Volksschulkindern, die sich einen Mann als Präsidenten gar nicht vorstellen konnten. Auch in Deutschland gibt es SchülerInnen, die sich an keinen Kanzler mehr erinnern können. Es kann sich also etwas verändern, wenn man andere Bilder vor Augen hat. In unseren Breiten sind Kompetenz und Macht noch sehr stark mit einem männlichen Erscheinungsbild verknüpft. Was Männlichkeit repräsentiert, verändert sich allerdings. Früher war das eher ein bestimmtes Alter, ein Bart, ein Bierbauch.

Frauen profitieren von diesem neuen Männlichkeitsbild also nicht?

Vielleicht entstehen dadurch neue Räume, die auch Frauen neue Möglichkeiten bieten. Für realistischer halte ich allerdings, dass Politik für Männer unattraktiver werden wird aufgrund des Imageverlusts. Geld ist in der Politik nicht sehr viel zu verdienen – und mittlerweile auch weniger Ehre. Wenn Männer das Feld räumen, werden Frauen zum Zug kommen.

Andererseits ist auch der traditionelle Mann wieder gefragt. In Österreich wünschen sich 43 Prozent einen „starken Mann“ an der Spitze. Wie ist das zu erklären?

Wobei dieser starke Mann auch eine Theresa May sein kann. Es herrscht bei bestimmten Bevölkerungsgruppen große Unsicherheit durch rasante globale Entwicklungen, die in ihrer Komplexität kaum noch zu begreifen sind. Von einer liberalen Partei, die den Ball an die Bevölkerung zurückspielt, fühlen sich manche eher im Stich gelassen. Sie wollen jemanden, der ihnen sagt: Ich löse alle Probleme für dich, ich schaue drauf, dass du deinen Job nicht verlierst und deine Pension sicher ist. Menschen, die sehr optimistisch in die Zukunft blicken und die Globalisierung als Chance sehen, wünschen sich keinen starken Mann.

Nicht nur Frauen sind in der Parteipolitik unterrepräsentiert, auch andere Gruppen sind kaum vertreten: Menschen mit Migrationsgeschichte beispielsweise, LGBTI-Personen oder Menschen mit einer Behinderung. Was bedeutet es für eine repräsentative Demokratie, wenn bestimmte Gruppen ausgeschlossen bleiben?

Kurz gesagt: schlechtere Ergebnisse. Das Ziel jedes Parlaments in einer repräsentativen Demokratie ist es, repräsentativ zu sein, alle Gruppen in der Gesellschaft abzubilden und in den politischen Prozess zu integrieren. Es geht dabei auch um das Gefühl, sich mit den VertreterInnen identifizieren zu können – wobei dafür verschiedene Faktoren ausschlaggebend sind. Zusätzlich ist klar – was sich auch in der Wirtschaft zeigt –, dass vielfältige Gruppen bessere Ergebnisse erzielen. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Blickwinkel mit, bestimmte Themen in all ihren Facetten bleiben so oft ausgeblendet, wenn z. B. Frauen oder Menschen mit Migrationsgeschichte fehlen.

 

Kathrin Stainer-Hämmerle ist Professorin für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Kärnten.

 

 

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„So habe ich nie getickt“ https://ansch.4lima.de/so-habe-ich-nie-getickt/ https://ansch.4lima.de/so-habe-ich-nie-getickt/#respond Sat, 14 Oct 2017 23:23:27 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9004 Interview: CLAUDIA ROTH über die Kraft der kleinen Schritte. Von LEA SUSEMICHEL]]>

CLAUDIA ROTH gehört zum linken Flügel der deutschen Grünen. LEA SUSEMICHEL hat mir ihr über die feministischen Mühen der Parteipolitik und die Kraft der kleinen Schritte gesprochen.

 

an.schläge: Was spricht dafür, als linke Feministin den vielzitierten „Marsch durch die Institutionen“ anzutreten, statt als außerparlamentarische Aktivistin Politik zu machen?

Claudia Roth: Wir brauchen natürlich die sozialen Bewegungen, wir brauchen die feministischen Bewegungen. Aber wir können zugleich die Parlamente nicht als frauenfreie Räume akzeptieren, die unsere Gesellschaft nicht repräsentieren. Deshalb haben wir damals beschlossen, eine Partei zu gründen: um in die Parlamente zu kommen, und um dort nicht zuletzt den Frauen eine Stimme zu geben. In den Regierungen und den Parlamenten wird viel entschieden – und es braucht Gesetze, damit sich etwas ändert. Deshalb haben wir uns auf diesen langen, langen Marsch eingelassen.

Gab es auch biografische Gründe für Ihre persönliche Entscheidung, in die Parteipolitik zu gehen?

Ich gehe in die Politik, so viel war mir von Anfang an klar. Ich bin in einer sehr konservativen Gegend aufgewachsen, zugleich aber in einer radikaldemokratischen Familie, in der wir nur Töchter waren. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie uns nicht geschlechtsspezifisch erzogen, sondern gesagt haben: „Ihr müsst gute Menschen werden.“ Meine Mutter hat mir mal geraten: „Guck du, dass du deinen Weg machst, dass du deinen Beruf findest, binde dich nicht zu früh. Und setz dich ein für deine Rechte!“ Das hat mich geprägt.
Ich selbst bin also in keine Geschlechterrolle gedrängt worden, aber ich bin sehr wohl in einer Zeit aufgewachsen, in der das noch üblich war; in der meine Freundinnen vor dem Abitur von der Schule genommen wurden, weil es hieß, dass sie ja eh heiraten. Für mich selbst war der Weg vom Theater über die Arbeit mit der Band Ton, Steine, Scherben bis hin zu den Grünen dann ein ganz folgerichtiger – ich habe quasi die Bühne nie verlassen, zeige weiterhin Gesicht und setze mich ein für gleiche Rechte.

Was lässt Sie als Feministin verzweifeln im Bundestag? Und bei der Parteiarbeit?

Wir haben als Grüne etwas gemacht, das gesellschaftspolitisch einiges verändert hat, nämlich bei uns die Frauenquote eingeführt. So haben wir Druck ausgeübt auf die anderen Parteien, aber auch auf die Gesellschaft, auf die Gewerkschaften usw. Doch diese lange Zeit, in der ich als „reine Quotenfrau“ belächelt und bemitleidet und abfällig behandelt wurde – das war schon ganz schön hart. Und noch heute gibt es selbst von ganz jungen Männern Widerstand gegen die Quote, immer noch mit dem wirklich dummen Spruch, es müsse doch um Kompetenz statt um Quote gehen. So ein Blödsinn! Denn die Quote ist doch ein Mittel, damit Frauen endlich zeigen können, welche Kompetenzen sie haben, und diese Kompetenzen einbringen können.
Was mich außerdem sehr wütend macht – wenn auch nicht verzweifeln lässt, denn dann hätte ich ja schon aufgegeben – sind die Klischees, mit denen Frauen in der Politik konfrontiert sind. Bei Frau Merkel waren es immer die Haare, bei mir waren es die Tränen oder das Laute, das Schrille, das Nervende. Das ist schlicht frauenfeindlich. Aber ich ändere mich trotzdem nicht, obwohl es sicher leichter gewesen wäre, öfter mal still zu sein und nicht das Wort zu ergreifen.
Aber was mich wirklich ärgert, sind die vielen junge Frauen, die jetzt glauben, Feminismus sei out, weil ja vermeintlich alles erreicht sei. Als wären 21 Prozent Lohnunterschied nichts! Wir haben längst nicht alles erreicht und wir sind umringt von Demokratiefeinden. Von einem Sexisten wie Trump, der tatsächlich Präsident wird. Einem Putin, um den herum man weit und breit keine Frau sieht. Einem Erdogan und Orban. Und bei uns in Deutschland gibt es die AfD, die das traditionelle Frauenbild wiederherstellen will – so steht es in ihrem Programm. Derweil fahren die rein männlichen Autobosse die Konzerne an die Wand, und die Umwelt gleich mit. Wir sind noch lange nicht am Ziel, und Feminismus ist mega-in.

Noch mal zurück von den allgemeinen Anfeindungen zu konkreten Problemen bei der Parteiarbeit. Was waren hier die schwierigsten Momente, die größten Kompromisse, die Sie eingehen mussten? Gab es in Ihrer politischen Laufbahn einen Punkt, an dem Sie unsicher waren, ob die Konzessionen nicht zu groß sind, an dem Sie sich vielleicht auch als Feministin gewünscht hätten, lieber unabhängig zu sein und ohne Rücksicht auf die Parteilinie so radikale Forderungen stellen zu können, wie Sie möchten?

Natürlich gab es schwierige Momente. Weniger bei frauenpolitischen Forderungen, denn die sind in der Partei sehr klar, einfach weil wir starke Frauen und starke Frauengremien haben. Da gab es eher Auseinandersetzungen um den richtigen Weg zum Ziel. Aber ich habe grundsätzlich lernen müssen, dass alles viel länger dauert, als ich gedacht hatte. Beim Atomausstieg, bei der Gleichberechtigung.
Für mich persönlich am schwierigsten waren die Entscheidungen in der Außenpolitik, die Frage, ob wir einem Einsatz der deutschen Bundeswehr an internationalen Einsätzen zustimmen. Oder ob wir einem Einwanderungsgesetz zustimmen, das bei Weitem nicht hundertprozentig den grünen Ideen entsprach. Da stellt sich immer die Frage, wie weit man mitgehen kann, ohne bei einem Kompromiss die eigenen Ziele aufzugeben. Das habe ich dabei dann übrigens auch lernen müssen: meine Vision stets aufrechtzuerhalten – wie Bloch sagt: das Noch-nicht-Seiende –, um mit dieser Vision vor Augen auch die Kraft zu haben, die kleinen Schritte zu gehen.

 

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Elizabeth Warren, Juristin und US-Senatorin, gehört dem linken Flügel der DemokratInnen an. Als Tochter eines Hausmeisters und einer Versandhausmitarbeiterin versteht sich Warren als Kämpferin für die amerikanische Mittelschicht. Als sie 2008 den Vorsitz des Ausschusses zur Überwachung des staatlichen Bankenrettungsfonds übernahm, erlangte sie landesweite Berühmtheit und mutierte zum Feindbild der Wallstreet. Anfang des Jahres wurde die leidenschaftliche Trump-Gegnerin zur feministischen Heldin: Als sie bei einer Rede im Senat zum Schweigen gebracht werden sollte, wurde die Beschwerde „Nevertheless she persisted“ des Republikaners McConnell zum Symbol ihrer Widerständigkeit.
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Wie geht es Ihnen mit der aktuellen Parteiführung unter den beiden Realos Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt und dem Liebäugeln mit einer Koalition mit der CDU?

Die beiden sind basisdemokratisch gewählt worden, sie haben sich durchgesetzt. Ich habe es allerdings bedauert, dass in einer Partei, die so starke Frauen hat wie wir, nur eine Frau als Spitzenkandidatin angetreten ist. Das ist gar nicht gegen Katrin Göring-Eckardt gerichtet, im Gegenteil, aber warum haben sich die vielen jungen Frauen nicht getraut? Warum hat keine gesagt: „Ich will es versuchen! Auch wenn ich nicht die Mehrheit kriege – ich habe es zumindest gewagt.“
Ich bin auch nicht per se gegen eine Regierungsbeteiligung, denn die große Koalition hat auch frauenpolitisch nichts auf die Reihe bekommen. Frauen sind weiterhin nicht in Führungspositionen, Altersarmut ist weiblich, Alleinerziehende haben keinerlei Infrastruktur, um Kind und Karriere zu verbinden. Aber wenn Regieren, dann nur mit klarer grüner Handschrift – nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftspolitisch – und nicht als reiner Mehrheitsbeschaff er für eine Politik, die den eigenen Werten und Idealen widerspricht. Dann lieber Opposition, denn auch Oppositionsarbeit ist wichtig, gerade jetzt, wo mit der AfD eine rechtsextreme, rassistische und antifeministische Partei in den Bundestag einzieht.

Sie sind eine der wenigen, die die europäische Abschottungspolitik scharf und offensiv kritisieren. Wieso stimmen so viele andere Linke in den Ruf nach einer restriktiveren Flüchtlingspolitik ein? Ist mit einer offenen Flüchtlingspolitik keine Wahl mehr zu gewinnen?

Ich will gar nicht damit anfangen, mich zu fragen, was ich fordern muss, um eine Wahl zu gewinnen, welche Themen ich nach vorne spielen soll, was ich nicht sagen darf, wenn ich keine Stimmen verlieren will. So habe ich nie getickt. Das hat mir auch Kritik eingebracht, aber ich mache ja nicht Politik für die Parteiehre, sondern weil ich etwas verändern will. Ich will nicht in einer Festung Europa leben. Ich will nicht, dass jeden Tag die Werte im Mittelmeer ertrinken, auf die sich Europa bezieht. Ich will eine europäische Schutzverantwortung und keine schäbigen Deals mit Erdogan. Ich will keine lybische Küstenwache militärisch aufrüsten angesichts der schlimmen Verbrechen, die in libyschen Flüchtlingslagern geschehen. Das sind nicht unsere Partner – und das sage ich dann auch laut und deutlich. Wir haben übrigens selten so viel Zustimmung für diese Haltung bekommen – vermutlich auch, weil sich alle anderen so zurückhalten und den Populisten hinterherlaufen.

Auch mit Frauenpolitik scheint sich keine Wahl gewinnen zu lassen, sie hat im Wahlkampf jedenfalls keine große Rolle gespielt.

Ja, leider hat sie kaum eine Rolle gespielt. Merkel scheint vielen Menschen mit ihrer Raute eine Sicherheit zu geben, die meiner Meinung nach nur eine vermeintliche ist. Denn es reicht nicht aus, eine Kanzlerin zu haben – auch wenn sie ohne Wenn und Aber eine starke Frau ist –, wenn gleichzeitig keine Politik für Frauen mehr gemacht wird. Ich finde, es ist an der Zeit, dass Frauen endlich wieder viel kämpferischer werden und auf ihre Rechte bestehen. Keine Bescheidenheit, Mesdames!

 

Claudia Roth war die Managerin der Band Ton Steine Scherben bevor sie 1987 zu den Grünen ging. Sie war zweimal Parteivorsitzende und ist seit 2013 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

 

 

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Kein Gott, kein Staat, kein Parteiapparat https://ansch.4lima.de/kein-gott-kein-staat-kein-parteiapparat/ https://ansch.4lima.de/kein-gott-kein-staat-kein-parteiapparat/#respond Sat, 14 Oct 2017 23:13:31 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9006 Warum ich nie wieder einer Partei beitreten werde. Von BRIGITTE HORNYIK]]>

Warum ich seit Jahrzehnten politisch aktiv bin – aber nie wieder einer Partei beitreten werde. Von BRIGITTE HORNYIK

 

Meine feministisch-politische Sozialisation verdanke ich einer Kollegin auf der Universität Wien, sie war in den 1970er-Jahren eine feministische Juristin und Wissenschaftlerin der ersten Stunde. Rechtsfragen aus feministischer Perspektive – geht das? Ja, habe ich von ihr gelernt. Mein Agitationsfeld mit meinen neu erworbenen Einsichten waren autonome feministische Kreise, eine Partei habe ich nicht gebraucht, um politisch aktiv zu sein. 1981 bekam ich schließlich das Angebot, für Johanna Dohnal zu arbeiten. Welch großartige Gelegenheit, meine feministisch-juristischen An- und Einsichten in die Frauenpolitik der Regierung einzubringen, dachte ich. Schnell lernte ich: Ohne Parteimitgliedschaft geht das in Österreich nicht. Also bin ich beigetreten – der SPÖ nämlich. Unter Kreisky ging das für mich irgendwie, da gab es auch in der SPÖ noch Nischen für Menschen wie mich. Schließlich wollte ich die Welt und das Recht und überhaupt etwas verändern – feministisch natürlich.

Keine Abstriche. Aber schon wenige Jahre später bin ich wieder aus der Partei ausgetreten und war mir sicher: nie wieder! Solidarität, Vernetzung, Kooperation über Partei- und sonstige Grenzen hinweg sind mir als feministische Netzwerkerin seit Jahrzehnten extrem wichtig. Aber inhaltlich will ich nur einer verpflichtet sein: mir selber. So viel Autonomie muss sein. Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – und auch keine politische Partei. Auch wenn es viele tolle Frauen in politischen Parteien gibt, mit denen ich immer gerne und gut zusammengearbeitet habe – so lange ich bei meinen Vorstellungen und Forderungen keine Abstriche machen musste. Man nehme nur das Beispiel Selbstbestimmungsrecht beim Schwangerschaftsabbruch: Wer geht mit, wer unterstützt? Wer aus Parteiräson oder Rücksicht auf Wahlkampfi nteressen lieber beredt dazu schweigt – Stichwort: keine schlafenden Hunde wecken –, ist für mich keine BündnispartnerIn. Und noch viel weniger könnte ich selber aus diesen Gründen schweigen oder still halten, nur weil ein Parteigremium das will. Oder gar etwas unterstützen, das mir gegen den Strich geht: Allein bei dem Gedanken daran macht sich Panik in mir breit. „Sei ein Mann, wähl eine Frau?“ (1) Nein, danke! Da bin ich dann wieder umso mehr davon überzeugt, dass mein autonomes und selbstbestimmtes feministisches Engagement und eine Parteizugehörigkeit sich so gar nicht vertragen.
Das ist für mich auch die zentrale Differenz zwischen Parteipolitik und der Politik der Gruppen, denen ich mich anschließe, um meinen Forderungen und Vorstellungen Nachdruck zu verleihen: Ich entscheide, wo ich mich engagiere und in welchen Fragen. Bei parteiunabhängigen bzw. überparteilichen Netzwerken habe ich die Freiheit, jederzeit zu gehen, wenn mir die dort betriebene Politik nicht mehr gefällt. Am liebsten mag ich die Rolle der unabhängigen Expertin: Da kann ich meine Anliegen offen und ungeschminkt vertreten und mit – beispielsweise verfassungsrechtlichen – Argumenten untermauern.

 

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Hilaria Supa Huamán arbeitete bereits als Kind und Jugendliche in der Landwirtschaft und später als Haushälterin. Ihr Ehemann starb jung bei einem Unfall, Supa hatte als alleinerziehende Mutter für den Unterhalt ihrer Familie zu sorgen. Dennoch schloss sie sich politischen Gruppen an, organisierte Essensausgaben für Kinder und Workshops für Quechua-Frauen. 2006 wurde Supa ins peruanische Parlament gewählt und war die erste Abgeordnete, die ihren Eid in Quechua ablegte. Als Parlamentsabgeordnete wurde Hilaria Supa, die selbst keine Schulbildung erhalten hat, zur Vorsitzenden der Bildungskommission gewählt. „Ich bin nicht in einer Partei zur Rebellin geworden. Ich habe Diskriminierung erfahren, einfach weil ich eine arme, Quechua sprechende Bäuerin bin“, so Supa.
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Vernetzung. Engagierte Feministinnen in politischen Parteien können von außerparlamentarischen, nicht institutionellen, unabhängigen Gruppen und ExpertInnen nur profitieren: Mein eigener Verein, der Verein Österreichischer Juristinnen, ist ein exzellenter Think Tank für Forderungen und Ideen, für die es in den Mühlen der Partei- und Parlamentsarbeit oft keinen Spielraum gibt. Wer mit uns zusammenarbeitet, kann so auch die eigene Position stärken. Ebenso bei überparteilichen Vernetzungen wie dem Österreichischen Frauenring, wo ich seit zwanzig Jahren im Vorstand aktiv bin: Diese unabhängige frauenpolitische Arbeit kann auch einer Frauenministerin den Rücken stärken, wenn sie nur will. Das hat übrigens – bei aller Parteiloyalität, die auch bei ihr an erster Stelle stand – auch Johanna Dohnal so gesehen!

 

Brigitte Hornyik ist Juristin und (linke) Feministin ( ja, das geht); Antifaschistin (Siamo tutti…), Aktivistin, Netzwerkerin (Österreichischer Frauenring, Plattform 20000Frauen, Verein Österreichischer Juristinnen), widerständige Pensionistin.

 

(1) Wahlslogan der Grünen Österreich zur Nationalratswahl 2017

 

 

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Feminist Fashion https://ansch.4lima.de/feminist-fashion/ https://ansch.4lima.de/feminist-fashion/#respond Sat, 14 Oct 2017 22:41:14 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9008 Feministische Statement-Shirts gibt’s jetzt auch bei H&M. Von JULIA MARTIN]]>

„Feministische“ Mode mit politischen Statement-Shirts liegt im Trend, bei H&M genauso wie bei teuren Designer_innen. Wie verlogen ist das? Von JULIA MARTIN

 

„GIRL POWER“, „Girl Gang“ oder „We should all be Feminists“ – diese und viele ähnliche feministische Slogans kann man nun häufig auf T-Shirts, Beuteln und Handyhüllen lesen. Feminismus liegt offenbar im Trend!
Beim schwedischen Textilhersteller H&M gab es einen rosa Kapuzenpullover mit der Aufschrift GRL PWR (Girl Power), ein T-Shirt mit den Worten FEMME VIBES sowie bereits im vergangenen Jahr das Statement-Shirt mit dem Spruch „Feminism. The radical notion that women are people“ zu kaufen.
Auch im Tochterunternehmen Monki, das sich an eine junge, urbane Zielgruppe wendet, wird schon seit Längerem mit ähnlichen Sprüchen geworben. So brachte die Kette vor zwei Jahren einen Pullover auf den Markt, der „Riots not Diets“ forderte. (Die bittere Ironie der Tatsache, dass es bei Monki lediglich Kleidung in den Größen S-L bzw. bis Größe 42 zu kaufen gibt, entging dem Unternehmen dabei offenbar.)
Zum zehnjährigen Bestehen hat das Unternehmen Ende 2016 eine Streitschrift mit dem Hashtag #monkifesto verbreitet, das feministische Forderungen enthält und Themen wie Menstruation, Körperhaare und Masturbation zu enttabuisieren versucht. Außerdem wirbt Monki bewusst mit vielen nicht-weißen und nicht nur mit ausschließlich schlanken Models.

„We should all be feminist“. Selbst in der Welt der High-Fashion gibt man sich feministisch. Maria Grazia Chiuri, die erste weibliche Chefdesignerin in der Geschichte des französischen Edellabels Dior, schickte letzten Herbst Models in weißen T-Shirts auf den Laufsteg, auf denen der Titel eines Buches der US-amerikanischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie gedruckt wurde: „We should all be feminist“. (Zum Preis von 700 Dollar.)
Und als hätte er es schon lange vorausgesehen, ließ ausgerechnet Karl Lagerfeld schon vor Jahren seine Models in der Chanel-Frühjahrs-Show 2015 eine Demonstration auf dem Laufsteg mit Megafons und Plakaten mit der Aufschrift „Ladies First“ und „History is her story“ laufen.
Generell erlebt die Fashion-Industrie, die bisher fast ungebrochen weiß und von streng normierten Schönheitsidealen bestimmt ist, seit einiger Zeit einen Wandel und öffnet sich vermehrt für Personen of Color, Plus-Size und Transgender Models und solche, die nicht den klassischen Schönheitsidealen entsprechen.
Models wie Ashley Graham, Nadia Aboulhosn und Paloma Elsesser zeigen stark und selbstbewusst ihre Kurven, und auf dem Cover der französischen „Vogue“ war mit Valentina Sampaio im Februar das erste Mal in der 97-jährigen Geschichte des Hochglanzmagazins ein Transgender Model zu sehen. Es gibt lesbische Paare, Models mit Hijabs oder der Hautkrankheit Vitiligo bzw. Frauen mit Dis_abilities – die Repräsentationen werden also definitiv diverser. Besonders für junge Frauen bieten diese neuen Vorbilder Identifikationsfiguren, die man zuvor vergeblich gesucht hat.

17 Cent pro Stunde. Toll, könnte man meinen. Doch werden hier tatsächlich emanzipatorische Werte vertreten? Oder ist dieser Feminismustrend nur eine ausgeklügelte Marketing-Strategie?
Ein Blick hinter die Fassade vieler Marken offenbart, dass Frauenrechte in der Kleidungsindustrie nach wie vor mit Füßen getreten werden. Denn dafür, dass wir politische Botschaften auf der Brust tragen können, bezahlen andere mit ihrem Leben: So sind die Bedingungen, unter denen überwiegend Frauen billige Kleidung herstellen, nach wie vor oft katastrophal schlecht.
2013 stürzte in Bangladesch ein Fabrikgebäude ein und riss über 1.100 Menschen in den Tod. Mehr als 2.500 Menschen wurden verletzt. Viele Hersteller_innen haben damals versprochen, die Produktionsbedingungen zu verbessern. Durch den sogenannten Accord, ein neues Brandschutzabkommen, das danach geschlossen wurde, werden seither 2.000 der insgesamt 5.000 Fabriken in Bangladesch auf Statik, Elektrik und Feuerschutz überprüft. Gisela Burckhardt ist Vorsitzende des Vereins FEMNET e.V., der sich für faire und würdevolle Arbeit von Frauen weltweit einsetzt. Die Autorin von „Todschick: Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ zieht vier Jahre später dennoch eine ernüchternde Bilanz:
„Die Arbeitsbedingungen haben sich leider nicht gebessert. Sie sind nach wie vor geprägt von starker Frauendiskriminierung, keinem Recht auf Organisationsfreiheit, viel zu niedrigem Lohn und unzähligen Überstunden. Gerade in Bangladesch gibt es immer noch furchtbar niedrige Löhne. Seit drei Jahren ist der gesetzliche Mindestlohn nicht erhöht worden – Sechzig Euro beträgt er monatlich, doch die Lebenshaltungskosten sind massiv gestiegen.“
Von einer positiven Entwicklung kann also nicht gesprochen werden. Für einen Lohn von 17 Cent pro Stunde müssen Menschen also noch immer in giftigen Chemikalien stehen und Stoffe färben, stundenlang nähen und gerben – damit wir unsere empowernden Botschaften tragen können. (1)

80 bis 90 Prozent aller Arbeitenden in der Textilproduktion in Bangladesch sind Frauen. In anderen sogenannten asiatischen Niedriglohnländern wie Indien ist die Lage ähnlich.
Die Frauen sind nicht kranken- oder sozialversichert und werden menschenunwürdig behandelt, berichtet Gisela Burckhardt: „Die Frauen werden oftmals extrem diskriminiert. Sie werden beschimpft, an den Haaren gezogen, dürfen nur wenige Pausen machen, um essen, trinken oder zur Toilette gehen zu können. Und die Frauen sind dort besonders jung, unter dreißig Jahren. Wenn sie schwanger werden, werden sie oft entlassen und erhalten meist auch keinen Mutterschutz.“
Sich in Gewerkschaften zu organisieren und für mehr Rechte zu kämpfen, ist für die Frauen fast unmöglich. Der Eintritt in eine Gewerkschaft wird oftmals durch Schikanen am Arbeitsplatz oder durch sofortige Kündigungen bestraft. Aus Angst, ihren Lebensunterhalt und ihre Existenzgrundlage zu verlieren, trauen sich daher viele Frauen nicht, für bessere Bedingungen zu kämpfen.
Die Folgen von Massenkonsum und „Fast Fashion“, also der immer schneller werdenden Produktion von Mode, wirken sich also besonders negativ auf Frauen aus – und unter diesen Bedingungen produzieren auch viele der Marken, die sich mit einer feministischen Haltung schmücken.

Makabrer Marketing-Gag. Solange Frauen für „Feminist Fashion“ weiterhin ausgebeutet werden, ist dies nichts weiter als ein makabrer Marketing-Gag. Denn in Zeiten, in denen Weltstars wie Beyoncé, Emma Watson oder Lady Gaga sich offen dazu bekennen, Feministinnen zu sein, eignen sich solch politisch aufgeladene Symbole hervorragend für Marketing-Kampagnen und Trends. Und es ist zweifellos ein wichtiger Schritt, dass die Ungleichheit der Geschlechter nun gesellschaftlich – und gerne auch modisch – thematisiert wird.
Doch auch wenn es schön ist, immer mehr Menschen mit feministischen Slogans auf der Brust zu sehen, sollte unbedingt klar sein: Feminismus ist kein modisches Accessoire. Es ist eine politische Haltung – und eine politische Praxis!

 

Fair Fashion Guide auf FEMNET

(1) Mit fairer Mode, die unter menschenrechtlich verantwortlichen Bedingungen hergestellt wurde. Außerdem gibt es Tipps zum nachhaltigen Konsum: von der Kleiderpflege übers Teilen und Tauschen bis zum Up-Cycling: www.femnet-ev.de

 

 

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an.künden: Zum Erarbeiten https://ansch.4lima.de/an-kuenden-zum-erarbeiten/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-zum-erarbeiten/#respond Sat, 14 Oct 2017 22:16:41 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9031 MARIAJIKU888/Bondage Performance at „queerograd 014 – Über die Haut“ © Kultur in GrazDie zehnte Ausgabe des Festivals „queerograd“ steht unter dem Motto „On Love“.]]> MARIAJIKU888/Bondage Performance at „queerograd 014 – Über die Haut“ © Kultur in Graz

Die zehnte Ausgabe des mehrtägigen Festivals „queerograd“ steht unter dem Motto „On Love“ und geht der Frage nach, was Feminismus heute bedeutet. An den ersten beiden Tagen werden in Performances, Installationen, theoretischen Interventionen, Workshops und Konzerten zeitgenössische Positionen des Feminismus gemeinschaftlich erforscht, die dann am Abschlusstag in einem mehrstündigen Symposium mit Gesprächen, theoretischen Inputs und kulinarischer Verpflegung in Handlungsstrategien ausgearbeitet werden.

 

2.–4.11.: Queerograd 017 „On Love“
KiG Kultur in Graz, 8020 Graz, Lagergasse 98a
www.kig.mur.at

 

MARIAJIKU888/Bondage Performance at „queerograd 014 – Über die Haut“ © Kultur in Graz
MARIAJIKU888/Bondage Performance at „queerograd 014 – Über die Haut“ © Kultur in Graz

 

 

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an.künden: Zum Lesen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-zum-lesen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-zum-lesen/#respond Sat, 14 Oct 2017 22:10:23 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9033 © Dominique GuglieriDie Berliner Buchmesse „Queeres Verlegen“ geht in die dritte Runde.]]> © Dominique Guglieri

Die Berliner Buchmesse „Queeres Verlegen“ geht dieses Jahr in die dritte Runde und schafft wie schon die Jahre zuvor eine Plattform für die Sichtbarkeit und die Belange von LGBTIQ-Lebensweisen unter dem besonderen Blickwinkel queer-feministischer Publikationen. Neben Lesungen aus Büchern der eingeladenen Autorinnen* und vier Gesprächsrunden zu queer-publizistischer Arbeit mit internationalen Gästen erwarten die Besucher_innen zwanzig Stände mit Publikationen und Informationsmaterial. Auch die an.schläge sind vor Ort!

 

18.11., 11:00–21:00: Queeres Verlegen
Aquarium, 10999 Berlin, Skalitzer Str. 6 & Südblock, 10999 Berlin, Admiralstr. 1–2
www.queeres-verlegen.org

 

© Dominique Guglieri
© Dominique Guglieri

 

 

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an.sage: Sag mir, wo du wohnst … https://ansch.4lima.de/an-sage-sag-mir-wo-du-wohnst/ https://ansch.4lima.de/an-sage-sag-mir-wo-du-wohnst/#respond Sat, 14 Oct 2017 22:05:59 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9018 Das Grundrecht Wohnen zum sozialpolitischen Thema machen! VON GABI HORAK]]>

Ein Kommentar von GABI HORAK

 

Ich bin in einer kleinen, schimmeligen Wohnung aufgewachsen. An der feuchten Wand neben meinem Bett krabbelten die Kakerlaken auf und ab. Jeden Abend bin ich mit der Decke über dem Kopf eingeschlafen, mit dem Gedanken: Hoffentlich ist alles dicht, damit die Viecher nicht zu mir rein kriechen. Wenn die eigene Wohnung kein sicherer Rückzugsort ist, prägt das ein Kind nachhaltig.
Warum ich daran dieser Tage wieder denken muss? In dem Altbau-Zinshaus in einem Wiener Außenbezirk, in dem ich heute lebe, gibt es 24 Wohnungen. Wahlberechtigt waren nur sieben Personen – hier hat die Minderheit über die Mehrheit entschieden. In Häusern in den Innenbezirken war es meist umgekehrt, dort konnten die meisten BewohnerInnen wählen. Die Innenbezirke entscheiden über die Außenbezirke.
Was ist daraus ablesbar? Zum Offensichtlichen: Viele Menschen, die hier leben, dürfen nicht mitentscheiden, welche Politik ihr Leben die nächsten Jahre bestimmt. 7,5 Millionen Menschen in Österreich sind mindestens 16 Jahre alt, tatsächlich wahlberechtigt sind nur 6,4 Millionen. Allein in Wien dürfen 440.000 Menschen mangels StaatsbürgerInnenschaft nicht wählen – das sind mehr Menschen, als in ganz Vorarlberg leben. In den Wiener Außenbezirken liegt der Anteil der Nicht-Wahlberechtigten teilweise bei vierzig Prozent.
Wo Menschen wohnen, verrät viel über ihre finanziellen Möglichkeiten, über ihren sozialen Status, über ihre Armutsgefährdung, Bildungs- und Zukunftschancen. Wenn in einem Mietshaus im Wiener Außenbezirk zwischen mehreren lauten Hauptverkehrsrouten der Großteil der BewohnerInnen nicht wahlberechtigt ist, dann ist das kein Zufall. Es sind Menschen, die schlichtweg nicht die Möglichkeit haben, sich eine hübsche Wohnung in einem zentralen Bezirk oder im Grünen auszusuchen. Sie können immerhin noch die Mieten am freien Markt aufbringen. Andere schaffen auch das nicht mehr und sind auf sozialen Wohnbau angewiesen. Und wie dieser gestaltet ist, wie viele Wohnungen in welchen Wohngegenden unter welchen Bedingungen verfügbar sind, das steuert direkt die lokale Politik. Von Wahlfreiheit, eine Wohnung auszusuchen, die den eigenen Bedürfnissen entspricht, kann in diesem Bereich keine Rede sein. Wie es eine Freundin von mir unlängst ausdrückte: „Ich bin dazu verdammt, hier zu bleiben.“ Hätte sie die Wahl, würde sie raus aus der Stadt ziehen, in eine Wohnung, die ihre chronische Erkrankung nicht auch noch fördert.

Es ist nicht egal, wo und wie wir wohnen. Es hat unmittelbaren Einfluss auf die wichtigsten Kriterien guten Lebens: In welche Schule können die Kinder gehen? Macht mich die Wohnung und die Gegend krank oder gesund? Welche Jobs sind erreichbar? Es gibt unzählige Studien, die Korrelationen zwischen Wohnsituation und Sterblichkeit herstellen sowie Zusammenhänge mit Armutsgefährdung und deren „Vererbung“. Der Druck durch hohe Wohnungskosten wird immer größer. Die Quadratmeterpreise einer Wiener Mietwohnung haben sich in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel erhöht. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO können sich 15 Prozent der WienerInnen keinen angemessenen Wohnraum leisten. Das ärmste Viertel muss bereits die Hälfte des Einkommens nur für die Miete aufwenden.
Warum also wird das Grundrecht Wohnen nicht als zentrales sozialpolitisches Anliegen diskutiert? Es müsste auch im Zentrum feministischer Frauenpolitik stehen, denn Frauen sind von Wohnungspolitik stärker betroffen: Sie haben häufiger ein geringes Einkommen, und Wohnraum hat für sie generell eine große Bedeutung, weil sie immer noch hauptzuständig für die Care-Arbeit in der Familie sind. Die Vereinsamung von Alleinerzieherinnen (mit Kindern) in anonymen Kleinwohnungen in Städten wäre ein dringendes Thema – es macht so viele Probleme sichtbar, von mangelnder Fürsorge füreinander bis zur fehlenden Kindergrundsicherung. Und all das führt zu der Frage: Wie soll eine Familie wohnen dürfen, wie sollen unsere Kinder aufwachsen?
Weil ich weiß, wie stickig es unter der Decke wird, ist es heute eine meiner Prioritäten, meiner Tochter ein sicheres und gemütliches Zuhause zu schaffen. Sie schläft in einem warmen Bett, darüber hängt ein bunter Baldachin, weil sie sich darunter noch geborgener fühlt. Doch es ist mir bewusst, dass ich in einer privilegierten Position bin: Ich kann meinem Kind heute eine Wohnung zum Wohlfühlen bieten. Die Angst vor dem Einschlafen endet in dieser Familie mit mir. Jede*r wünscht sich für eigene Kind ein gutes Zuhause und jeder Mensch verdient eine Wohnung, in die er*sie gerne nach Hause kommt, die sicher ist, in der es sich gut lebt. Für feministische Sozialpolitik muss das eine Priorität sein.

 

 

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an.sprüche: Kein Müll nirgends? https://ansch.4lima.de/an-sprueche-kein-muell-nirgends/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-kein-muell-nirgends/#respond Sat, 14 Oct 2017 22:03:45 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9020 © Sabrina WegererEin Zero-Waste-Erfahrungsbericht. Von ULLI KOCH und KATHARINA FISCHER]]> © Sabrina Wegerer

Unverpacktes Klopapier und selbst gemachtes Deo: Gespräche aus einem Zero-Waste-Haushalt. Von ULLI KOCH und KATHARINA FISCHER

 

Katharina: Wie bist du eigentlich auf das Zero-Waste-Ding gekommen? Ich meine, ich habe schon immer irgendwie das Gefühl gehabt, ich werfe zu viel weg, aber plötzlich hatte das Ganze einen Namen und war ein Thema in unserem Alltag.

Ulli: Mich hat einfach diese Konsumgesellschaft, dieser Wahn nach Neuem so geärgert und dass ich andauernd damit konfrontiert war, etwas wegzuschmeißen. Das Thema Nachhaltigkeit hat mich schon länger beschäftigt, ich habe Blogs dazu gesucht, unfassbar viele gefunden und bin dann auf diesen einen Text gestoßen, in dem eine Person beschrieben hat, dass sie den ganzen Müll eines Jahres in ein Glas hineinbekommt.

Katharina: Am meisten hat mich das Thema der sogenannten geplanten Obsoleszenz geärgert: Produkte schon bei der Herstellung so zu planen, dass sie bald auf dem Müll landen. Die Form, in der die westliche Welt Müll produziert, ist Teil eines Systems. Ein System, das nur im Rahmen von Profit agiert und dabei vieles in Kauf nimmt. Massentierhaltung, Müllentsorgung auf anderen Kontinenten, Ausbeutung von Menschen, um immer neue Produkte zu produzieren, die dann in Massen gekauft und weggeworfen werden. Das hat bei mir die Fragen aufgeworfen, woher der ganze Scheiß kommt, wer das alles produzieren muss und wo das eigentlich alles hingeht. Wegwerfen ist Alltag, aber das Zeug verschwindet dann ja nicht einfach so.

Ulli: Deine Kritik am westlichen System ist sehr berechtigt. Müllentsorgung, Müllvermeidung und Müllanhäufung sehe ich aber als ein globales Phänomen. Alle Menschen tragen Verantwortung dafür, wie dieser Planet in den nächsten Jahren aussehen wird. Und weil wir von der Politik nicht allzu viel Unterstützung zu erwarten haben, brauchen wir eine Grassroots-Bewegung, die wirklich Druck ausübt.

 

© Sabrina Wegerer
© Sabrina Wegerer

 

Katharina: Was glaubst du, wie viele Menschen zero wasten? Und ob das auch alle so nennen? Immerhin ist es irgendwie ja auch ein Trendname. Können wir erst auf etwas achten, wenn es zu einem Trend wird und es eine Community dafür gibt?

Ulli: Es gibt ausreichend Menschen, die Zero Waste als einen Lifestyle von vielen sehen. Gleichzeitig gibt es genügend Menschen, die es aus einem politischen Bewusstsein heraus tun. Die Community im Hintergrund hilft dabei, sich auszutauschen, neue Ideen zu entdecken und mögliche Lösungswege zu diskutieren. Ich frage mich, ob es nicht besser ist, diesen Trend zu unterstützen. Einfach um mehr Menschen dafür zu interessieren und damit den vorher angesprochenen Druck aufzubauen. Nehmen wir zum Beispiel Klopapier: gibt es in Österreich zu 99 Prozent nur in der Plastikverpackung zu kaufen. Und dass nicht jedes Klopapier recycelt wurde, ist auch klar. Nun gibt es ein Unternehmen in Deutschland, das Klopapier aus Bambus produziert, das – trotz Anreise aus China – klima- und ressourcentechnisch nachhaltiger ist als jedes Recyclingklopapier im konventionellen Handel. Die haben Gespräche mit einer großen Drogeriekette geführt, die das unverpackte Klopapier in ihr Sortiment aufnehmen wollen. Dagegen – wie kommerzialisiert es auch werden wird – werde ich nicht protestieren.

Katharina: Ich finde es großartig, Dinge unverpackt kaufen zu können, und wenn es da mehr Möglichkeiten gäbe, würde das sicher sehr viel verändern. Das Angebot müsste jedoch gleichzeitig auch zugänglicher für alle werden. Das Klopapier zum Beispiel kostet viermal so viel wie ein Recycling-Klopapier in einer Drogerie. Ich finde Unverpacktläden großartig, sehe aber auch, dass sie nicht für alle zugänglich sind. Es ist elitär zu denken, alle könnten sich das leisten. Es müsste zugänglich für alle Einkommensschichten sein. Es gibt aber darüber hinaus viele Möglichkeiten, weniger Müll zu produzieren und den Firmen, die ganze Geschäftsmodelle auf Ausbeutung aufgebaut haben, nicht mein Geld in den Rachen zu werfen. Ich genieße unsere Touren durch Secondhandläden, willhaben.at sorgt immer wieder für interessante Begegnungen, und Dinge selbst zu basteln oder herzustellen ist auch wesentlich witziger, als sie aus dem Supermarktregal zu fischen.

Ulli: Das schätze ich auch sehr. Zugleich regt das den Erfindungsreichtum an. Oder einfach das Bedürfnis, alternative Wege zu suchen und zu finden.

 

Katharina Fischer und Ulli Koch finden, dass ihr selbst gemachtes Deo mit Natron wesentlich besser riecht und funktioniert. Und es kostet allerhöchstens vierzig Cent und zwei Minuten Zusammenrührzeit. (Rezept gibt es auf smarticular.net)

 

Unser bevorzugter Unverpacktladen: Lunzers Maß-Greißlerei, Heinestraße 35, 1020 Wien

 

Eine Liste an Unverpacktläden im deutschsprachigen Raum gibt es auf dem Blog von Shia Su.

 

Weitere deutschsprachige lesenswerte Blogs:
http://www.einjahrimglas.at
http://www.einfachzerowasteleben.de/blog
https://www.ichmachesanders.com
https://kaufdiaet.wordpress.com
https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com
http://www.zerowastelifestyle.de

 

 

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positionswechsel: Boyband Material https://ansch.4lima.de/positionswechsel-boyband-material/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-boyband-material/#respond Thu, 12 Oct 2017 06:39:35 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9014 Illustration: Nadine KappacherWie die Zeit des sexuellen Erwachens die Sehgewohnheiten prägt. Von LOTTA LUISE]]> Illustration: Nadine Kappacher

eine lady genießt und schreibt

 

Vor dem Siegeszug des Breitbandinternets aufzuwachsen, prägte auch mein Sexualleben nachhaltig: Als ich Anfang der 1990er-Jahre die Freuden sexueller Selbstbeschäftigung entdeckte, war an Hardcore-Pornografie nicht zu denken. Alte „Playboy“-Ausgaben waren das Schmutzigste, das ich in die Finger bekam, und in den heimlich im Nachtprogramm erspähten Soft-Sexfilmchen dominierte das komödiantische Element eindeutig das Laien-Gestöhne. Masturbations-Vorlagen fand ich trotzdem – in Form von „Take That“-Videos. Mark Owen, der sich im zarten Alter von 21 in „Pray“ mit nacktem Oberkörper lasziv am Strand räkelte, wurde zu meiner Boyband-Einstiegsdroge, in „Relight My Fire“ verliebte ich mich in seine Dance-Moves im bauchfreien Shirt (das waren die 90er!). Am meisten angetan hatte es mir allerdings das Video zu „Could It Be Magic“, in dem Mark erst unglaublich provokant sein weißes Unterhemd nach oben schiebt und dann in Liegestütz-Position mit seinen Hüften mehr als eindeutige Bewegungen vollführt. Diese Stelle spulte ich für den Gebrauch bei Solo-Dates so oft zurück, bis das Band der VHS-Kassette riss. Zum Runterkommen diente das Close-up seines verschwitztes Delfin-Tattoos auf Hüfthöhe (wie gesagt, die 90er). Babyface-Mark spielte in meinen sexuellen Fantasien so viele versaute Rollen – wäre ich heute Musikjournalistin und müsste ihn interviewen, ich könnte ihm nicht in die Augen schauen.
25 Jahre später prägt die Zeit des sexuellen Erwachens noch immer meine Sehgewohnheiten. Auch wenn ich mittlerweile gut gemachte Pornografie durchaus zu schätzen weiß, es bleibt oft der Nachgeschmack von lauwarmem Fast Food: schnell verfügbar und sättigend, das gewisse Etwas fehlt dann aber doch. Nach wie vor bin ich auf der Suche nach Mark-Owen-Momenten, die vieles der Fantasie überlassen und die ich heute meist in Hollywood finde. Gael Garcia Bernal, wie er in „Y tu mama tambien“ zärtlich Diego Luna küsst und dabei sein Gesicht in den Händen hält – meine Youtube-Playlist ist lang. Material für das Drei-Sterne-Menü im Einzelzimmer.

 

Lotta Luise bedankt sich und sagt Bye – das war ihr letzter Kolumnentext.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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Batty 7/17 https://ansch.4lima.de/batty-3/ https://ansch.4lima.de/batty-3/#respond Thu, 12 Oct 2017 06:34:02 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9016 Illustration: Alma Weber...]]> Illustration: Alma Weber

Von ALMA WEBER

 

Illustration: Alma Weber
Illustration: Alma Weber

 

 

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„AntiDEdudes“ https://ansch.4lima.de/antidedudes/ https://ansch.4lima.de/antidedudes/#comments Thu, 12 Oct 2017 06:27:07 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9000 Sexismus in der antideutschen Szene. VON MAXINE BACANJI]]>

Antideutsche Macker haben den Feminismus entdeckt. Der Sexismus in der antideutschen Szene ist deshalb nicht verschwunden. Von MAXINE BACANJI

 

Als sich vor 25 Jahren eine Spaltung durch die deutschsprachige Linke vollzog, gab es gute Gründe dafür. Gründe, die heute wichtiger denn je erscheinen, sieht man sich den Anstieg der antisemitischen Vorfälle in Europa an. Als sich die Gruppe-K (hervorgegangen aus dem Kommunistischen Bund KB in Hamburg, Anm.) für die amerikanische Intervention in den Golfstaaten und für bedingungslose Solidarität mit Israel aussprach, stellte sie sich damit klar gegen die antizionistischen und antiimperialistischen Positionen der anderen Gruppen im Kommunistischen Bund – und die sogenannten Antideutschen waren geboren. Doch Feminismus war damals kein Streitpunkt zwischen dem antideutschen und antiimperialistischen Lager. Die antiimperialistische Linke betrachtete Patriarchat und Sexismus meist als ein Resultat des Kapitalismus, das deshalb gemeinsam mit diesem zugrunde gehen würde. Dies ist auch heute noch eine gängige Überzeugung in linken Kreisen (so verkürzt diese These vom bloßen „Nebenwiderspruch“ auch ist).

Neues Feindbild. Auch in antideutschen Gruppen war das anfangs noch eine verbreitete Analyse. Doch inzwischen scheint dies nicht mehr so zu sein. Sexismus wird dort immer seltener als Resultat des Kapitalismus betrachtet und stattdessen als Problem von regressiv-religiösem Denken definiert. Denn den wirklich schlimmen Sexismus gäbe es ja in westlichen Ländern nicht mehr. Männer und Frauen seien gleichberechtigt und Sexismus gehe angeblich vor allem von Menschen aus, die nicht den westlichen Vorstellungen einiger „AntiDEdudes” entsprechen. Also von Muslimen. Eine Ansicht, die natürlich nur in einer männlich dominierten Bubble bestehen kann. Doch meldet sich eine Frau zu Wort, um die sexualisierten Übergriffe durch „Bio-Deutsche“ (1) anzuprangern, vergisst der neue Antideutsche sein altes Feindbild – die Deutschen – schon einmal gerne für sein neues: den Islam. So hört man in fast jeder Diskussion, in der Frauen über Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt sprechen, die nicht von Muslimen ausgegangen ist, dass die Definition verbaler Handlungen oder einer Hand auf dem Po als Gewalt eine Relativierung dessen sei, was Frauen täglich durch Muslime erfahren müssten. Seit der Silvesternacht in Köln kann nämlich der gemeine antideutsche Macker sein Feindbild mit seiner Vorstellung von Feminismus ideologisch unterfüttern.

 

Antideutscher Israel-USA-Support © Maxine Bacanji
Antideutscher Israel-USA-Support © Maxine Bacanji

 

Die „richtigen“ Feministinnen. Selbstverständlich mag man als Antideutscher starke Frauen. Deshalb teilt man auf Facebook und Twitter auch gerne Bilder von IDF-Soldatinnen (Anm.: Israelische Verteidigungsstreitkräfte). Wenn auch nur von denjenigen, die aussehen wie die Schauspielerin und ehemalige Miss Israel Gal Gadot, die selbst ebenso ihren Wehrdienst abgeleistet hat. Die Vermutung, dass es eher um identitäres Gehabe und einen Fetisch für Uniformen als um Feminismus geht, liegt also nah.

Grundsätzlich mag man als Antideutscher Feministinnen, die gegen die patriarchalen Herrschaftsstrukturen im Islam kämpfen, wie die Bloggerin Neda Amin. Und diese Frauen verdienen auch jede Solidarität, keine Frage. Allerdings sind die antideutschen Motive für diese Solidarität höchst kritikwürdig.
Denn regelmäßig lassen sich bei Facebook die Auswüchse der weitverbreiteten Misogynie in antideutschen Bubbles beobachten. Es werden sexistische Memes gegen Muslime oder die AfD geteilt. Männer machen sich lustig über feministische Awareness-Konzepte gegen Gewalt und antworten bei Kritik darauf mit Videos des Punk-Stars und mutmaßlichen Vergewaltigers GG Allin. Und das sind nur einige Beispiele des täglichen Kampfes als Frau in Antideutschland.
Jedes Monitoring dieser Vorfälle wird als Denunziation beschrieben. Hysterische Frauen bauschten etwas auf, um sich selbst in Szene zu setzen. Ein altes, sexistisches Narrativ.
Dass immer weniger Feministinnen sich aus diesem Grund als antideutsch bezeichnen, erscheint logisch. Nicht nur deshalb wäre es höchste Zeit, dass Antifeminismus und Muslimfeindlichkeit endlich aus den antideutschen Kreisen verschwinden. Damit wir wieder gemeinsam für ein freies, säkulares und sicheres Israel kämpfen könnten.

 

Maxine Bacanji hat ihr Deutsch- und Philosophiestudium in Köln erfolgreich abgebrochen und lebt in Israel. Im Gegensatz zu vielen ihrer feministischen Kolleginnen bezeichnet sie sich selbst immer noch als Antideutsche und schreibt bzw. spricht meist über Hate Speech, Feminismus und Antisemitismus.

 

(1) Deutsche Staatsbürger ohne einen sogenannten Migrationshintergrund

 

 

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Blick über die eigene Schulter https://ansch.4lima.de/blick-ueber-die-eigene-schulter/ https://ansch.4lima.de/blick-ueber-die-eigene-schulter/#respond Thu, 12 Oct 2017 06:17:12 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8996 Stefanie Schüler-Springorum © Kirsten NijhoffAntisemitismusforscherin STEFANIE SCHÜLER-SPRINGORUM im Interview. Von FIONA SARA SCHMIDT]]> Stefanie Schüler-Springorum © Kirsten Nijhoff

Wodurch unterscheidet sich Antisemitismus von anderen Rassismen? Und warum spaltet er die deutsche Linke? FIONA SARA SCHMIDT sprach mit der Antisemitismusforscherin STEFANIE SCHÜLER-SPRINGORUM.

 

In Österreich ist Wahlkampf. Wenn man „Ist Kern …“ oder „Ist Kurz …“ eingibt, ergänzt Google „Jude“. Vor der letzten Bundespräsidentenwahl wurde „Baltischer Jud“ auf Plakate von Van der Bellen geschrieben. Warum ist das – in diesen Fällen vermeintliche – Jüdischsein ein Thema?

Die Frage ist, ob sich die Menschen wirklich dafür interessieren oder ob es Leute gibt, die dies zum Thema machen wollen. Man versucht, mit antisemitischen Unterstellungen Politik zu machen. Ob es zieht, muss man sehen. Auch Martin Schulz wurde von der AfD die Nase per Photoshop länger gemacht. Dass Österreich dabei vorneweg ist, erstaunt wenig, wenn man sich die Erinnerungskultur nach dem Zweiten Weltkrieg ansieht, wo man sich als erstes Opfer inszenierte und die eigene Verantwortung erst sehr spät bearbeitet hat. Genauso muss man betonen, dass die Deutschen sich nach 1945 ja keineswegs sofort begeistert mit ihrer Vergangenheit beschäftigt haben, sondern dass diese Auseinandersetzung durch die Alliierten zunächst einmal erzwungen wurde, dann jahrzehntelang kaum stattfand und erst ab den späten 1980er-Jahren eine Breitenwirkung erzielte.

Wie definieren Sie Antisemitismus in Ihrer Forschung?

Es gibt keine Standarddefinition, es ist in hohem Maße kontextabhängig, gerade für mich als Historikerin. Ich persönlich definiere Antisemitismus als eine Konstruktion von „den Juden und Jüdinnen“ als Gruppe, der bestimmte Charaktereigenschaften zugeschrieben werden, und diese Charakteristika sind negativ, abwertend und/oder werden als bedrohlich konnotiert.

Welche Formen von Antisemitismus gibt es heute und wie unterscheidet er sich von anderen Rassismen?

Sowohl hinter dem sogenannten Opferneid, der behauptet, „die Juden und Jüdinnen“ würden den an ihnen verübten Massenmord heute ökonomisch und politisch ausbeuten, als auch hinter antiisraelischen Ressentiments stehen immer Weltverschwörungsfantasien. Man unterstellt die Existenz dunkler Mächte, die uns im Hintergrund beherrschen und denen wir ausgeliefert sind. Dies ist bei anderen Rassismen nicht der Fall. Bei rassistischen Abwertungen von Menschen geht es immer um Hierarchien, um die klare Markierung von „rassisch“; bzw. heute argumentiert man eher: von kulturell oder zivilisatorisch angeblich nicht gleichwertigen Menschengruppen. Der Blick im Rassismus geht von oben nach unten, man blickt auf andere hinab. Der Blick von Antisemit_innen richtet sich über die eigene Schulter. Dabei begreifen sich Antisemit_innen zugleich als Opfer.

Welche Formen des Antisemitismus gab es innerhalb der deutschsprachigen Linken seit 1968?

Ich glaube nicht, dass es linken oder rechten Antisemitismus gibt, Antisemitismus ist Antisemitismus. Das Bedürfnis, sich die Welt antisemitisch zu erklären, gehört jedoch dominant zu einer rechtsradikalen, menschenfeindlichen Ideologie. Innerhalb der Linken hat es vor allem zwei Einfallstore für antisemitisches Gedankengut gegeben: Erstens ist es historisch der Antikapitalismus, durch die Gleichsetzung von Jüd_innen und Kapital wurden „die Juden und Jüdinnen“ als Kapitalist_innen bekämpft. Auf der normativ-politischen Ebene waren es jedoch immer Parteien der Linken (und Liberalen), die sich dezidiert gegen Antisemitismus gestellt haben.
Zweitens geht es seit 1968 hauptsächlich um die Haltung zu Israel, wobei aus meiner Sicht schon der Begriff „Antizionismus“ problematisch ist, als sei „der Zionismus“ eine einheitliche Ideologie. Gerne werden dabei die frühen, mehrheitlich sozialistischen und emanzipatorischen Anteile im Zionismus unterschlagen. Wenn sich jemand als Antizionist_in bezeichnet und dadurch signalisieren möchte, dass er oder sie die zionistische Bewegung ablehnt, müsste diese Person also zunächst einmal definieren, worauf sie sich bezieht. Wenn der Terminus benutzt wird, um Israel das Existenzrecht abzusprechen, ist dies aus meiner Sicht politisch nicht tragbar – und zwar schon allein deshalb nicht, weil auch keinem anderen international anerkannten Staat einfach das Existenzrecht abgesprochen werden kann. Dies bedeutet jedoch selbstverständlich nicht, dass bestimmte Entscheidungen oder Vorgehensweisen der israelischen Regierung, vor allem, aber nicht nur im Zusammenhang mit der Besatzung seit nunmehr fünfzig Jahren, nicht kritisiert werden können – und ja auch werden, gerade in Israel selbst.

 

Stefanie Schüler-Springorum © Kirsten Nijhoff
Stefanie Schüler-Springorum © Kirsten Nijhoff

 

Nach einem Artikel in der „Zeit“ vor einigen Monaten sind die sogenannten Antideutschen nun auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Antideutsche wenden sich gegen deutschen Nationalismus und fordern uneingeschränkte Solidarität mit Israel, was mit antiislamischen und proamerikanischen Positionen einhergehen kann. Eine Haltung, die in der deutschen Linken schon seit zwei Jahrzehnten zu heftigen innerlinken Kontroversen führt, in Österreich aber erst seit einigen Jahren wahrgenommen wird. Wie beurteilen Sie diese Diskussion?

Es wäre ja gut, wenn es diskutiert würde! Was wir heute unter „antideutsch“ als politischer Strömung verstehen, habe ich vor zwanzig Jahren als befreiend empfunden: Eine betont linke Gruppe, die den Finger in die Wunde legte und die Faszination linker Befreiungsbewegungen etwa in Lateinamerika oder auch in Europa wie z. B. dem Baskenland infrage stellte, bei der völlig unkritisch nationalistische und extrem militaristische Positionen in Kauf genommen wurden. Dazu gab es damals in der Wochenzeitung „Jungle World“ spannende Debatten. Mittlerweile aber wird vor allem die Diskussion um den Nahost-Konflikt mit einer selbstgerechten Attitüde geführt, die keinen Raum für Zweifel oder Nachfrage lässt, sondern nur noch mit Feinderkennung nach dem Prinzip der Kontaktschuld arbeitet. Es gibt kein Gespräch mehr, sondern Shitstorms und gegenseitige Mobilisierung. Ich finde, dies ist sowohl für die Linke als auch für die Auseinandersetzung mit Israel und mit jüdischer Geschichte wie auch für die demokratische Kultur ganz allgemein eine Katastrophe. Wenn es nicht mehr um eine argumentative Auseinandersetzung geht, finde ich das wirklich bedrohlich. Wenn Links für etwas steht, dann doch u. a. für den berühmten herrschaftsfreien Diskurs. Das hat sich in Zeiten des Internet im Grunde erledigt.

Welche Geschlechterbilder finden sich in antisemitischen Stereotypen?

Es geht bei antisemitischen Geschlechterbildern meist nur um Männer, das ist in einer patriarchalen Gesellschaft aber auch nicht besonders verwunderlich. Frauen waren als Personen nicht wichtig, deswegen spielten sie weder im christlichen Antijudaismus noch im 19. Jahrhundert eine Rolle. Wohl aber die Idee des Weiblichen als das Unterlegene, Schwächere und zugleich Bedrohliche: Der jüdische Mann wurde als verweichlicht, effeminiert und schwächlich dargestellt, als intrigant und hysterisch, alles Eigenschaften, die historisch auch Frauen zugeschrieben wurden.
Wenn Frauenbilder im Antisemitismus eine Rolle spielen, dann ist es entweder die vermännlichte Frau, eine dicke Matrone mit Schnurrbart, die den verweichlichten Mann beherrscht, oder die ambivalentere schöne Jüdin, von der gleichsam Gefahr und Erotik ausgehen. Dieses Bild ist im 19. Jahrhundert durchaus auch noch positiv besetzt, wird dann aber nach dem Ersten Weltkrieg immer einseitiger und kulminiert in der Fantasie vom jüdisch-bolschewistischen „Flintenweib“, gegen das sich der Hass der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg dann auch besonders aggressiv entlud.

Welche Bedeutung kommt feministischer Theorie in Ihrer Forschung zu?

Ich bin Feministin und Geschlechterhistorikerin, das ist für mich untrennbar miteinander verbunden. Deshalb habe ich Jüdische Geschichte immer unter geschlechterkritischer Perspektive geschrieben, und auch in meinem zweiten Forschungsbereich, dem Spanischen Bürgerkrieg, habe ich mich mit dem Thema Männlichkeit auseinandergesetzt. Jetzt versuche ist das für die Antisemitismusforschung fruchtbar zu machen, denn es gibt nur sehr wenige Arbeiten, die sich Antisemitismus aus geschlechterkritischer Perspektive ansehen.
Feministinnen wie Judith Butler oder Angela Davis oder zuletzt die Musikerin Kate Tempest unterstützen die BDS-Bewegung (Boycott, Divestment und Sanctions), die zum Boykott israelischer Produkte aufruft und u. a. den Abzug israelischer Truppen aus dem Westjordanland fordert. Wie kann man Kritik an israelischer Politik formulieren, die nicht einen erneuten Boykott der Kritiker_innen selbst nach sich zieht?
Indem man sich die jeweiligen, individuellen Positionen genau ansieht und sich eine eigene Meinung bildet, ohne im Vorfeld Sprechverbote zu erteilen. Boykottaufrufe sind ein politisches Mittel, man kann durchaus darüber streiten, ob sie legitim sind oder nicht. So wie die Debatten allerdings im Moment geführt werden, hat dies nichts mehr mit einer politischen Auseinandersetzung zu tun, sondern es geht nur noch um gegenseitige Drohungen, Shitstorms und Ähnliches. Ich stehe BDS durchaus kritisch gegenüber, aber das heißt noch lange nicht, dass Gegenboykott und Verbote adäquate Mittel sind, wenn man so zentrale demokratische Werte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit ernst nimmt. Wir stehen jetzt in Deutschland vor der Situation, dass eine mit Antisemit_innen und Rassist_innen durchsetzte Partei die drittstärkste Fraktion im Bundestag geworden ist. Hierin sehe ich im Moment die größte Bedrohung – für Jüd_innen und Nichtjüd_innen.

 

Stefanie Schüler-Springorum ist Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin.

 

 

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neuland: Entschuldigung, aber das ist eine Revolution! https://ansch.4lima.de/neuland-entschuldigung-aber-das-ist-eine-revolution/ https://ansch.4lima.de/neuland-entschuldigung-aber-das-ist-eine-revolution/#respond Thu, 12 Oct 2017 06:11:05 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9010 Der Beginn einer emanzipierten künstlerischen Avantgarde der Roma. Von GILDA HORVATH]]>

alltägliche grenzerfahrungen

 

Sprachlos. Diese zwei Stunden haben mich im tiefsten Kern gerührt. Messerscharf analysiert das Stück „Roma Armee“ am Maxim Gorki Theater in Berlin die gegenwärtige Situation der Roma Community und ihrer AktivistInnen. Niemand wollte am Ende des Stücks aufhören zu klatschen. Dann wäre dieser Moment vorbei gewesen. Dieser Moment der Klarheit, der Einigkeit, des Mutes und der Bewegung. Es bewegt sich was. Statt der geplanten Diskussion im Anschluss dann Demo-Atmosphäre: starke Botschaften und Manifeste präsentiert von bekannten Aktivistinnen und dazu „Roma-Armee“-Sprechchöre im Publikum, Umarmungen und Tränen der Freude.
Diese Einschätzung teilen viele TheaterkritikerInnen Europas. So brachte es die schillernde, queere „Roma Armee“ auf Platz Eins in den Charts von nachtkritik.de. Verdient ist das. Präzise auf den Punkt gebracht ist das.
Das Stück entstand nach einer Idee der feministischen Romnja-Geschwister Sandra und Simonida Selimovic unter der Regie von Yael Ronen. Sie erzählen vom lähmenden Separatismus unter uns. FeministInnen sind keine Romnja. Weg mit ihnen. Homosexuelle haben wir bei den Roma nicht. Weg mit ihnen. Weißhäutige Roma leiden nicht genug – weg mit denen. Die Sinti, die Lovara, die Kalderash … weg damit. Es zeigt sich schnell, dass unter solchen Bedingungen kein „Movement“, keine Bewegung entstehen kann. Schon Ceija Stojka wusste, dass wir nur gemeinsam stark sein können „Kethane sam zurale“. Doch was ich bisher nur als leere Phrase auf Konferenzen gehört habe, ist an diesem Abend, auf dieser Bühne zum Leben erwacht.
Ich hatte es – dieses Gefühl, bei einem Ereignis dabei zu sein und genau zu wissen: Das hier geht in die Geschichte ein. Irgendwann wird die Aufführung dieses Stückes den historischen Beginn einer emanzipierten künstlerischen Avantgarde der Roma markieren.
Zum Schluss: Erleichterung. Yes, we are (finally) a movement! Oder wie Sandra es im Stück formulierte: Entschuldigung, aber das ist eine Revolution!

 

Gilda Horvath ist nach einem Jahr in Berlin nach Wien zurückgekehrt und hat dort nun romblog.at gegründet – ein Medium, in dem junge Menschen aus der Roma-Community zu MedienproduzentInnen ausgebildet werden.

 

 

 

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