7 / 2016 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 03 Jan 2020 20:41:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png 7 / 2016 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Pensionspanikmache https://ansch.4lima.de/pensionspanikmache/ https://ansch.4lima.de/pensionspanikmache/#respond Tue, 15 Nov 2016 18:28:18 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8033 Was bleibt Frauen im Alter? Von BRIGITTE THEIßL]]>

Dass unser Pensionssystem kurz vor dem Zusammenbruch steht, ist Unsinn. Gründe für feministischen Protest gibt es dennoch zur Genüge. BRIGITTE THEIßL hat bei renommierten Expertinnen nachgefragt, was Sache ist.

 

Die Pension ist für viele Frauen ein nervenaufreibendes Thema – wie können wir damit umgehen?

Im Rahmen meiner Tätigkeit in einer Frauenberatungsstelle spreche ich vorwiegend mit Frauen, die sich in schwierigen Lebensumständen befinden. Viele von ihnen haben massive finanzielle Probleme, da ist das Thema Geld an und für sich schon sehr nervenaufreibend. Im Mittelpunkt der Gespräche steht der akut vorherrschende Mangel, weniger die Altersvorsorge. Die Aussicht auf eine niedrige Pension ist für viele nur mehr das Tüpfelchen auf dem I und die schriftliche Bestätigung einer wahrgenommenen Ungerechtigkeit. Der Umgang mit Geld wird von verschiedenen Einflussgrößen bestimmt: Ein existenzsicherndes Einkommen und ein gutes soziales Netzwerk wirken sich positiv auf Vorsorgevorhaben aus. Der Umstand, ob eine Frau Kinder hat, alleinerziehend und/oder Migrantin ist bzw. eine bestimmte Altersgrenze überschritten hat, erhöht das Armutsrisiko. Das Pensionskonto beziffert nun diese Lebensumstände, Handlungsoptionen sehen viele Frauen nicht.
Ein erster Schritt ist immer übers Geld zu reden, die Scham zu überwinden und der eigenen (unbezahlten) Arbeit einen Wert zu geben. In der Beratung sehe ich zum einen eine strukturelle Handlungsebene, verdeutlicht durch den Gender Pay Gap, schlecht bezahlte „Frauenbranchen“ und die ungleich verteilte Care-Arbeit. Zum anderen ist der Umgang mit Geld auch erlernt bzw. durch Sozialisation geprägt. Auf beiden Ebenen gilt es anzusetzen: den Frauen Lust aufs Geld zu machen und gleichzeitig politische AkteurInnen in die Pflicht zu nehmen.
Claudia Prudic, Verein Wendepunkt

 

ÖsterreicherInnen wurden jüngst per Brief über ihren Pensionskontostand informiert, das Frauenministerium weist auf die Nachteile von Teilzeitarbeit hin. Was halten Sie von diesen Maßnahmen?

Grundsätzlich ist es gut, wenn Frauen darüber Bescheid wissen bzw. informiert werden, dass sich Teilzeitbeschäftigung negativ auf ihre Pensionen auswirkt. Gleichzeitig wird diese Information den wenigsten Frauen helfen, da sich dadurch die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht ändert – also deshalb nicht mehr Vollzeitstellen angeboten werden. Weiters werden viele Frauen auch ihre persönliche Situation nicht so einfach ändern können, weil es entweder keinen geeigneten Kinderbetreuungsplatz in der Nähe gibt, Väter nicht zur Verfügung stehen oder die Angehörigenpflege maximal mit einer Teilzeitbeschäftigung vereinbar ist. Frauenpolitik müsste hier nicht nur informieren, sondern die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen – und, solange diese nicht gegeben sind, für ein Pensionssystem eintreten, das nicht zulasten der Frauen geht.
Ingrid Mairhuber, Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA)

 

Die NEOS haben das österreichische Pensionssystem für „schrottreif“ erklärt. Immer wieder ist zu hören, dass aufgrund der demografischen Entwicklungen das Pensionssystem zusammenbrechen wird. Stimmt das?

Ein Alterssicherungssystem hängt weniger von der Demografie als von der Ökonomie ab. Im Jahr 1950 kamen auf 1.000 Personen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren 159 Personen, die älter als 64 Jahre sind, 2016 sind es 274. Dennoch ist heute der Wohlstand sowohl der Personen im Erwerbsalter als auch der Personen im Pensionsalter deutlich höher, als er es im Jahr 1950 war. Anderes Beispiel: 1950 kamen auf 1.000 pensionsversicherte unselbstständig Beschäftigte 345 Pensionen, heute sind es 601 Pensionen. Auch hier ist in beiden Gruppen der Wohlstand heute um ein Vielfaches höher als 1950.
Wenn vom Zusammenbruch des Pensionssystems in Österreich (dem viertreichsten Land in Europa) gesprochen wird, werden zwei Tatbestände systematisch ausgeblendet.
Erstens: Die Pensionen sind in Österreich in erster Linie über die Beschäftigten finanziert: Diese leisten die Pensionsversicherungsbeiträge, die unmittelbar für die Pensionsauszahlungen verwendet werden, und produzieren auch das Güter- und Dienstleistungsvolumen, das wir zum täglichen Leben brauchen. Vorhandene Finanzierungsengpässe resultieren damit sowohl aus der hohen Arbeitslosigkeit als auch aus der Zunahme der Niedriglohnjobs.
Zweitens: Bewegt sich das österreichische Wohlstandsniveau (gemessen am BIP pro Kopf ) in Zukunft in etwa auf dem gegenwärtigen Niveau, ist die Frage der Pensionsfinanzierung in erster Linie eine Frage der Verteilung: Wie wird das jährlich in Österreich erstellte Dienstleistungs- und Gütervolumen zwischen den aktiv Erwerbstätigen und jenen, die es noch nicht bzw. nicht mehr sind, verteilt?
Christine Mayrhuber, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)

 

Sujet des Netzwerk Frauenberatung im Rahmen des EU PROGRESS Projekts „Fair Income, Fair Pension“ © Bettina Frenzel / Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen
Sujet des Netzwerk Frauenberatung im Rahmen des EU PROGRESS Projekts „Fair Income, Fair Pension“ © Bettina Frenzel / Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen

 

Warum sind so viele Frauen von Altersarmut betroffen?

Frauenarmut, auch und gerade im Alter, hat weitgehende strukturelle Gründe. In erster Linie geht es um die ungleiche Bewertung und Verteilung von Arbeit. Frauen übernehmen ungleich mehr un- oder schlecht bezahlte Tätigkeiten, einen großen Teil davon in ganz existenziellen Lebensbereichen, z. B. in der Sorge um Kinder und der Versorgung und Pflege von Angehörigen. All das schlägt sich in mangelnden Pensionszeiten und -höhen nieder. Frauen zahlen also einen hohen Preis fürs Sorgen. Natürlich wirken sich auch die nach wie vor bestehenden Lohnungleichheiten auf die Pensionen aus.
Wir brauchen eine Neudefinition und -bewertung von unterschiedlichen Arbeiten und deren Umverteilung. Konkret ist neben Alternativen in der Berechnung und Finanzierung von Pensionen vor allem eine deutlich verkürzte Vollarbeitszeit für alle bei gleichzeitigen Maßnahmen zur Sicherung adäquater Einkommen (Lohnausgleich, Grundeinkommen, Steuerreform) und besserer Bedingungen für Sorgearbeit längst überfällig. Feministinnen haben schon vor Jahrzehnten fundierte und praktikable Konzepte dafür erarbeitet. Zur Umsetzung fehlt allein politischer Wille.
Michaela Moser, Armutskonferenz

 

Im Zuge der Pensionsreform 2004 wurde ein neuer Durchrechnungszeitraum beschlossen. Die Pensionshöhe bemisst sich nicht mehr anhand der fünfzehn besten Einkommensjahre, sondern der gesamten Erwerbskarriere. Was bedeutet das für Frauen?
Für Frauen, deren Erwerbsleben immer noch sehr stark durch Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit aufgrund von Kinderbetreuung und Angehörigenpflege geprägt ist, bedeutet eine Pensionsberechnung auf Basis des gesamten Erwerbsverlaufes in jedem Falle eine massive Verschlechterung. Denn damit fließen auch alle Teilzeitjahre in die Pensionsberechnung mit ein und selbst die bessere Anrechnung der Kindererziehungszeit kann diesen Verlust nicht wettmachen.
Ingrid Mairhuber, Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA)

 

Verschiedene Parteien und Verbände fordern eine vorzeitige Anhebung des Pensionsantrittsalters für Frauen auf 65 (für alle nach dem 2.6.1968 geborenen Frauen gilt das bereits) – das sei gerecht und bedeute für Frauen höhere Pensionen. Ist das richtig?

Eine Veränderung des Rechtssystems alleine reicht lange nicht aus, um eine reale ökonomische Verbesserung für Frauen zu erreichen. Der Arbeitsmarkt ist derzeit sehr angespannt, wie sich unter anderem in der überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenquote bei Älteren (Frauen wie Männer) zeigt. Schon gegenwärtig sind zwei Fünftel der Alterspensionistinnen vor ihrer Pensionierung nicht beschäftigt, sondern arbeitslos oder krank. Gerade diese Frauen haben aufgrund ihrer schwachen Arbeitsmarktintegration geringe Pensionshöhen. Für sie würde alleine die pensionsrechtliche Änderung nicht automatisch zu mehr Erwerbsjahren und damit höheren Pensionen führen. Hier besteht sogar die Gefahr einer Kostenverschiebung weg von der Pensionsversicherung hin zur Arbeitslosen- und/oder Krankenversicherung.
Aus heutiger Sicht steigt bis 2022 die Zahl der Personen im Erwerbsalter 15 bis 64 weiter an, in dem Zeitraum wird auch mit einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit gerechnet. Eine Anhebung der Altersgrenze in dieser Zeit trifft auf eine ungünstige Arbeitsmarktlage. Eine höhere Altersgrenze führt nur dann zu einem positiven (Gesamt-)Beschäftigungseffekt, wenn Betriebe tatsächlich mehr Arbeitskräfte nachfragen. Geringe Absatzerwartungen und schlechte Wirtschaftsaussichten bremsen die Arbeitskräftenachfrage der Betriebe. Ein Beschäftigungsimpuls braucht damit weit mehr als nur eine höhere Altersgrenze für die Alterspension.
Christine Mayrhuber, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)

 

Das Netzwerk der österreichischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen war Teil des Projekts „Fair Income – Fair Pension“, das in mehreren EUStaaten durchgeführt wurde. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Im Rahmen des Projekts haben wir festgestellt: Für den Gender Pay Gap gibt es mittlerweile schon eine breitere Sensibilität und auch ein gewisses Handlungsrepertoire, von Equal Pay Days über verpflichtende Einkommensberichte bis hin zu Kampagnen und Gehaltsrechner. Allerdings gibt es wenig Bewusstsein darüber, wie krass sich diese Lohnunterschiede auf die Pensionen von Frauen auswirken, gerade in Ländern wie Österreich mit einem Pensionssystem, das sich so stark aus dem Einkommen aus der Erwerbsarbeit ableitet. Im EU-Durchschnitt liegt der Gender Pension Gap bei fast vierzig Prozent. Unsere Hauptaussage war daher, dass der Gender Pay Gap nicht die Wurzel des Problems ist, sondern das Ergebnis einer lebenslangen Benachteiligung von Frauen, die spätestens mit der Ausbildungs- und Berufswahl beginnt und sich fortsetzt in der schlechteren Bewertung von typisch weiblichen Berufsfeldern und der Hauptverantwortung von Frauen für die Sorgearbeit. Es werden zwar einzelne Maßnahmen gesetzt, um manche Benachteiligungen auszugleichen, allerdings fehlt eine umfassende Strategie zum Abbau des Gender Pension Gap – eine solche würden wir uns wünschen, auf EU-Ebene und auch für Österreich!
Hannah Steiner, Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen

 

Mitarbeit: Denise Beer

Weiterführende Anlaufstellen:
http://pensionsrechner.arbeiterkammer.at
www.frauenberatenfrauen.at
www.pensionsversicherung.at (Service -> Sprechtage)
www.bmgf.gv.at/home/Frauen_Gleichstellung/Publikationen/Erwerbstaetigkeit_und_Arbeitsmarkt

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/pensionspanikmache/feed/ 0
„Weich wie Regenwasser“ https://ansch.4lima.de/weich-wie-regenwasser/ https://ansch.4lima.de/weich-wie-regenwasser/#respond Mon, 14 Nov 2016 09:17:11 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8025 Reinheit im Wandel der Zeit: Fundstücke der Redaktion aus Putz- und Waschmittelwerbung

 

Strahlend weiße Wäsche – nur mit den guten Tipps der Nachbarin!

 

Dieses Waschmittel haben sich fluglahme Möwen und Mutterhände verdient

 

Als Matrosen noch am Waschtrog dienten


 

Klementine und die pingeligste Kundin 

 

Nur weiße Wäsche macht dich liebenswert!


 

Mansplaining mit Persil

 

Wenn Muttis Wäsche weicher ist

 

Tilly badet ihre Hände in Spüli-Glibber

 

Wuschelig weich mit Otto

 

Ich verlange heute mehr von mir – Jazzgynmastik!

 

 

 

Glasklar unsichtbar & das Malheur von Hausfrau und Skistar Annemarie Pröll


 

Meister Propper, was für ein Mann („Meinst du etwa mich?!)

 

Aller wieder auf der Reihe dank Öko-Säckchen

 

Crazy Kinder und der Schmutzmagnet


 

Bärchen wegen harter Wäsche verletzt


 

Öl geht runter wie Öl


 

Wettkampf im Spülen – da dürfen auch Männer ran

 

Die stressigen 1990er-Jahre und Dates mit dem Nachbarn

 

Vollkommen verstrahlt dank Mottenkiste

 

Bademantel im Sturm


 

 

Videos, die in unserem Schwerpunkt zum Thema REINHEIT erwähnt werden:

 

Zur „Purity“-Bewegung in den USA: „Our Lives: The Virgin Daughters – Real Stories“ 

 

Achtung, wirklich nur für ganz Hartgesottene:
Die Hautärztin „Dr. Pimple“ führt ihr Handwerk an besonders schweren Fällen vor

(Wir haben euch gewarnt!)

 

Bonustrack: Der Soundtrack zu unserem Großputz 

 

 

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/weich-wie-regenwasser/feed/ 0
an.künden: Bildet Banden! https://ansch.4lima.de/an-kuenden-bildet-banden/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-bildet-banden/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:29:14 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7917 © Ovarian PsycosDie 27. Ausgabe der „Lesbisch Schwulen Filmtage“ in Hamburg.]]> © Ovarian Psycos

Seit den 1990er-Jahren präsentieren die „Lesbisch Schwulen Filmtage“ in Hamburg möglichst vielfältige und aktuelle internationale Filmproduktionen. Schwerpunkte der 27. Ausgabe sind Safe Spaces und Verbündete in LGBTIQ-Communitys, Bestandsaufnahmen zum Leben mit HIV/Aids sowie politische Aspekte von Porno. Die Ausstellung „Material, Grrrl!“ bildet eine Plattform für aktuelle queere Videokunstprojekte außerhalb des Kinos.

 

18.–23.10.: „Lesbisch Schwule Filmtage – International Queer Film Festival“
diverse Veranstaltungsorte in Hamburg
www.lsf-hamburg.de

 

© Ovarian Psycos
© Ovarian Psycos

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-kuenden-bildet-banden/feed/ 0
an.künden: Schmökern & Vernetzen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-schmoekern-vernetzen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-schmoekern-vernetzen/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:27:30 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7919 © Queeres VerlegenIn Berlin findet die Buchmesse „Queeres Verlegen“ statt.]]> © Queeres Verlegen

Zum zweiten Mal lädt die Berliner Buchmesse „Queeres Verlegen“ unabhängige, queer-feministische Verlage und Publizierende ein, um sich gemeinsam einen Tag lang zu vernetzen und mit Leser_innen in Kontakt zu treten. Neben ca. dreißig Ständen mit Projekten aus Brasilien, Deutschland, Österreich (inklusive an.schläge & fiber!), der Türkei und Kurdistan sind Gesprächsrunden zu Themen wie Archivarbeit sowie Lesungen geplant.

 

26.11.: „Queeres Verlegen“
aquarium, 10999 Berlin, Skalitzer Str. 6
www.queeres-verlegen.org

 

© Queeres Verlegen
© Queeres Verlegen

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-kuenden-schmoekern-vernetzen/feed/ 0
an.künden: Testkörper https://ansch.4lima.de/an-kuenden-testkoerper/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-testkoerper/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:19:43 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7921 © Andrew Phelps, Salzburger KunstvereinDarstellung von queeren Körpern in der Ausstellung „I Surrender, Dear“.]]> © Andrew Phelps, Salzburger Kunstverein

Die Ausstellung „I Surrender, Dear“ dient in Salzburg drei Künstlerinnen* aus drei Städten als offenes Testfeld. In einem geteilten Raum zeigen Anna-Sophie Berger, Hayley Silverman (Foto) und Flaka Haliti ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen: großformatige siebgedruckte Fotografien, Skulpturen aus Stoff und Beton sowie Grenzsteine als Barrieren. Ihnen geht es um die Darstellung von queeren Körpern in Bewegung und um Körper, die an bestimmten Orten nicht erwünscht sind.

 

bis 27.11.: Anna-Sophie Berger, Hayley Silverman & Flaka Haliti „I Surrender, Dear“
Kunstverein, 5020 Salzburg, Hellbrunner Str. 3
www.salzburger-kunstverein.at
Eintritt frei

 

© Andrew Phelps, Salzburger Kunstverein
© Andrew Phelps, Salzburger Kunstverein

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-kuenden-testkoerper/feed/ 0
an.sehen: Frau mit Haltung https://ansch.4lima.de/an-sehen-frau-mit-haltung/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-frau-mit-haltung/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:10:01 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7933 Philosophieren mit ISABELLE HUPPERT. Von FIONA SARA SCHMIDT]]>

Das beschauliche Leben einer Pariser Intellektuellen gerät plötzlich aus den Fugen. Die große ISABELLE HUPPERT macht in „Alles was kommt“ vor, wie ein lässiger Neuanfang gelingt. Von FIONA SARA SCHMIDT

 

Nathalie liebt ihren Beruf als Philosophielehrerin an einem Lycée, hat zwei erwachsene Kinder, ein schönes Heim sowie ein Ferienhaus, gibt eine Buchreihe heraus, kümmert sich um ihre dramatisch veranlagte Mutter und führt seit 25 Jahren eine stabile Ehe mit einem Universitätsprofessor. So könnte das immer weitergehen – aber es kommt natürlich ganz anders.

Bürgerlicher Alltag. Zu viel wurde in der deutschen Presse von den alltäglichen Katastrophen, die Nathalies Leben um 180 Grad drehen, schon verraten. Denn bis die alle geschehen sind, dauert es fast die Hälfe des Films – direkt mit dem großen Knall einzusteigen, ist nicht der Stil der Regisseurin und Autorin Mia Hansen-Løve. Die 1981 geborene Französin beschreibt zunächst lieber aufmerksam den Alltag der Lehrerin. Diese liebt ihren Beruf und brennt für die Philosophie, Bücher sind in ihrer Wohnung und für ihre Identität zentrales Element. Mit ihren Schüler_innen diskutiert Nathalie leidenschaftlich, auch wenn ihr die politischen Ansichten der Teenager nicht immer nachvollziehbar erscheinen, mit den alarmistischen Anrufen ihrer depressiven Mutter (Edith Scob) hat sie sich arrangiert. Doch der Umstand, dass ihre Schulbuchreihe modernisiert und flippiger gestaltet werden soll, bringt die selbstbewusste Autorin erstmals etwas aus der Fassung.

 

© Ludovic Bergery
© Ludovic Bergery

 

Klassenfrage. Die Trennung vom Ehemann und andere Schicksalsschläge erfolgen trotz aller persönlichen Verluste aus relativ geringer Fallhöhe: Hier streitet man sich um die Schopenhauer-Ausgabe, nicht um Haus oder Auto. Daran, dass Nathalie einen wunderschönen, teuren Blumenstrauß wegwirft, anstatt ihn ihrer kranken Mutter mitzubringen, ist die Bourgeoisie zu erkennen. Nathalie war während ihres Studiums drei Jahre lang Kommunistin. Trotzdem will sie einfach den Unterricht fortsetzen, als ihre Schüler_innen streiken und eine kurze Diskussion darüber anfangen, was man auf dem Gymnasium schon von Arbeiter_innenrechten wisse. Sie will nichts davon wissen, dass die jungen Leute für ihre Eltern und deren Pension auf die Straße gehen. Die Geschichte ist etwa 2007/2008 angesiedelt, Sarkozy ist Präsident und das Erscheinen eines linken Essays wird von Nathalies Lieblingsschüler (Roman Kolinka) in seiner Kommune mit vorbereitet, die auch Nathalie mehrfach besucht. Es könnte sich dabei um „Der kommende Aufstand“ des „Unsichtbaren Komitees“ handeln, das zu dieser Zeit für viel Aufsehen sorgte. Ihr Zögling wirft Nathalie trotz all seiner Bewunderung für sie vor, ihre Ideale verraten zu haben. Der Film spiegelt Nathalies politische Angepasstheit – die Unruhen der Banlieues von 2005 sind kein Thema und das Paris des Films wirkt sogar idyllisch. Die Natur und der Lauf der Jahreszeiten spielen eine zentrale Rolle. Die Erkenntnis, dass die Erde sich weiterdreht, hilft Nathalie, nicht im Selbstmitleid zu versinken. Rationale Distanz und Schwere, trotzige Freiheit und tiefe Traurigkeit: Eine Paraderolle für Isabelle Huppert, die einfach nur auf einem Berg stehen muss, um all das auszudrücken.

Hommage. Es ist ein Verdienst der 68erinnen, dass eine Scheidung kein Drama mehr ist, und Nathalie sieht auch keinen rationalen Sinn in dramatischen Gesten. Die Philosophie gibt ihr Halt, genau wie die schwarze Katze Pandora. Der Film ist auch eine Würdigung von Hansen-Løves geschiedenen Eltern, die ebenfalls Philosophie lehrten, Milieu und Stimmung sind daher glaubwürdig ausbuchstabiert. Die Regisseurin lässt aber durchaus Raum für selbstironische Momente und Absurditäten des Alterns und führt ihre Protagonistin mit Gespür für Rhythmus und Musikalität durch ihren fünften Film. Auf die Elterngeneration blickt das Buch nicht unkritisch, aber verständnisvoll. Die Regie erlaubt Nathalie, sich aus manchen Szenen bewusst herauszuziehen und die Grabenkämpfe den Jungen zu überlassen. „Manchmal habe ich das Gefühl, uns Frauen ab vierzig kann man einfach auf den Müll werfen“, stellt sie trocken fest, um darauf einfach elegant zum nächsten Programmpunkt weiterzustöckeln. Eine Frau mit Haltung eben.

 

Alles was kommt
Regie: Mia Hansen-Løve
F/D 2016, 98 Min.
ab 4.11. in den österreichischen Kinos

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-sehen-frau-mit-haltung/feed/ 0
positionswechsel: Petting mit Dr. Sommer https://ansch.4lima.de/positionswechsel-petting-mit-dr-sommer/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-petting-mit-dr-sommer/#respond Wed, 12 Oct 2016 18:00:08 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7938 Sexual-Aufklärung in der „Bravo“. Von LOTTA LUISE]]>

eine lady genießt und schreibt

 

Die „Bravo“ ist vor Kurzem sechzig geworden. Mit geschrumpfter Auflage hält sie sich auch im Internet-Zeitalter über Wasser, doch ihren eigentlichen Auftrag hat sie wohl verloren: die Sexual-Aufklärung. Für Teenager wie mich, die in einem Dorf ohne Internetanschluss aufwuchsen (das könnt ihr Millennials euch doch gar nicht mehr vorstellen!), war die „Bravo“ (abseits von schlüpfrigen Reportagen zu später Stunde auf RTL 2 und einer hin und wieder ergatterten „Praline“) der Zugang zur Welt des Pettings und des frühzeitigen Samenergusses. Von Dr. Sommer lernte ich wirklich Fundiertes. Akribisch sammelte ich die Informationen über alle möglichen Wege, schwanger zu werden oder sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Geduldig beantwortete indes das Ratgeber-Team gefühlte 5.000 Mal die Fragen „Kann ich im Badewasser schwanger werden?“ und „Ist mein Penis zu klein?“ und erklärte, dass es völlig normal sei, sich gleichgeschlechtlich zu verlieben. Gut möglich, dass ich meinen „Bravo“-Aufklärungsunterricht im Rückblick verkläre, aber in meiner Erinnerung ist er unter der Kategorie „pädagogisch wertvoll“ abgespeichert. Entsprechend schockiert hat mich ein Blick auf die aktuelle Website mit Themen wie: „Auf welche Sexstellung stehen Jungs am meisten?“ und „Bei welcher Sexstellung verbrennt man am meisten Kalorien?“. Es kommt noch schlimmer: „Zögerst Du seinen Einsatz ein bisschen heraus, indem du ihn nicht sofort ranlässt, ist ihm bald jede Stellung Recht“, ist in einem Text zu lesen. Der Backlash hat bei der „Bravo“ voll zugeschlagen. Da passt der Shitstorm, den im vergangenen Jahr ein Artikel mit hundert Tipps, um Jungs aufzufallen, zum Glück ausgelöst hat, gut ins Bild. Höchste Zeit, beim Kult-Jugendmagazin wieder Alt-68er für den Sex-Content zu beschäftigen – oder besser noch: Mich zu rekrutieren! Wer könnte besser über Sex aufklären als eine Feministin?

 

Lotta Luise fragt sich immer noch, ob das Bild in der „Praline“ von zwei Typen mit Penissen bis zu den Kniescheiben echt war.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/positionswechsel-petting-mit-dr-sommer/feed/ 0
an.lesen: Rape kommt von Raub https://ansch.4lima.de/an-lesen-rape-kommt-von-raub/ https://ansch.4lima.de/an-lesen-rape-kommt-von-raub/#respond Wed, 12 Oct 2016 17:52:12 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7931 Eine kühne Streitschrift zum Thema Vergewaltigung. Von LEA SUSEMICHEL]]>

Vergewaltigung ist nicht per se männlich und sexuelle Gewalt muss nicht zwangsläufig folgenschwerer sein als andere Gewaltformen: MITHU M. SANYAL hat eine provokante Streitschrift verfasst. Von LEA SUSEMICHEL

 

Leider gibt es keine adäquate deutsche Übersetzung für den englischen Begriff mind-blowing, doch genau das ist Mithu M. Sanyals neues Buch mit dem Titel „Vergewaltigung“: Es rüttelt an den Grundfesten unserer Überzeugungen. Die kulturwissenschaftliche Studie, die unter Feministinnen für sehr kontroverse Debatten sorgen dürfte, breitet die These aus, dass Vergewaltigung „das gegendertste Verbrechen überhaupt“ ist. Denn eine unserer felsenfesten Überzeugungen sei es, dass der Täter zwangsläufig männlich und das Opfer weiblich ist, eine Aufteilung, die sich der uralten und bis heute weitgehend unangefochtenen Vorstellung des triebgesteuerten Mannes und der sexuell zurückhaltenden Frau verdankt.
Der Penis wird dabei mit einer „Waffe“ gleichgesetzt, was laut Sanyal eine „erhebliche linguistische Leistung ist angesichts der Tatsache, dass männliche Genitalien keinesfalls die ganze Zeit drohend aufgerichtet stehen, sondern fragil den Gezeiten der Erektion ausgeliefert – und überhaupt empfindlicher sind als weibliche Genitalien, wenn man beispielsweise an die Hoden denkt“.
Doch die Angst vor dieser Waffe ist für Mädchen und Frauen allgegenwärtig, die elterliche Warnung vor Vergewaltigung kommt beinahe einer Initiation gleich, nach der Mädchen mit dem Gefühl ständiger Bedrohung zurückbleiben. Daran ändern auch die Statistiken nichts, wonach Männer ein 150 Prozent höheres Risiko haben, Opfer von Gewaltverbrechen zu werden (nicht-weiße Männer ein noch höheres) und Frauen statistisch gesehen zudem im öffentlichen Raum weit sicherer sind als zu Hause.

 

Mithu M. Sanyal © regentaucher.com
Mithu M. Sanyal © regentaucher.com

 

Vergewaltigungsmythen. Auch Feministinnen griffen diese Vorstellung des „Triebtäters“ auf und verlangten, Männer müssen ihre Sexbesessenheit in den Griff bekommen. Die Anti-Rape-Bewegung wurde zu einem wichtigen Motor der Zweiten Frauenbewegung und der Kampf gegen Vergewaltigung avancierte zum symbolischen Schlachtfeld gegen gewaltvolle Männermacht generell. Feministinnen traten nun vehement gegen die allgegenwärtigen Strategien der gesellschaftlichen Schuldumkehr (Victim Blaming) auf: Wenn eine Frau Nein sagt, meint sie eigentlich Ja; sie ist meist sowieso selbst schuld (etwa wegen ihrer aufreizenden Kleidung) oder lügt, um sich zu rächen; Vergewaltiger sind wilde Psychopathen, die hinter Büschen lauern, und nicht der Mann zu Hause im Ehebett und so fort.
Die Frauenbewegung erklärte alle diese Aussagen zu „Vergewaltigungsmythen“ und verkehrte sie kurzerhand in ihr Gegenteil. Hieß es vorher, fast alle Vergewaltigungsvorwürfe seien Falschanzeigen, sollten Frauen fortan uneingeschränkte Definitionsmacht haben, und alle Grau- und Grenzbereiche im Bereich sexueller Gewalt wurden negiert, denn: Nein heißt Nein!
Damit will Sanyal jedoch keinesfalls nahelegen, dass an diesen Mythen vielleicht doch etwas dran sei (obgleich sie die Möglichkeit von Falschbezichtigungen durchaus einräumt und allein damit einen feministischen Tabubruch begeht). Sie will stattdessen zeigen, wie wirkmächtig diese weiterhin sind, weil diese Vergewaltigungsmythen in ihr Gegenteil verkehrt den feministischen Diskurs immer noch bestimmen.

„Faust in die Fresse“. Als fatale Überzeugung erwies sich laut Sanyal die Idee, eine Vergewaltigung sei das Schlimmste, was einer Frau passieren könne. Doch „ob man jemand seine Faust in die Fresse oder seinen Penis ins Geschlechtsteil schlägt, bezeichnet keinen Unterschied“, zitiert Sanyal Foucault, der für diese Aussage schon damals scharf kritisiert wurde. Sanyal erklärt sich diesen Sonderstatus, den sexuelle Gewalt einnimmt, durch die früher vorherrschende Annahme, die „Ehre“ einer Frau würde dadurch geraubt (rape kommt von Raub), eine Schande, auf die Betroffene unbedingt mit tiefer Scham zu reagieren hatten. Doch obwohl Scham keineswegs ein natürliches, sondern ein zutiefst kulturell erzeugtes Gefühl ist, existiere die Erwartung von Scham bis heute und präge unsere Idee davon, wie sich „richtige Opfer“ zu verhalten haben und dass sie ihr ganzes Leben „gezeichnet“ bleiben. Andernfalls werden sie entweder – auch von Polizei und Justiz – nicht ernst genommen oder pathologisiert.

Heilung. Man kann Sanyal (und Foucault) entgegenhalten, dass eine gewaltsame Penetration durchaus eine besonders grausame Grenzverletzung darstellt. Auch andere Zuspitzungen des Buches sind zumindest diskussionswürdig. Doch die Autorin kann glaubhaft machen, dass sie keineswegs eine Bagatellisierung oder Relativierung von Vergewaltigung anstrebt. Sondern eine veränderte Sichtweise, die auch für Betroffene von sexueller Gewalt befreiend sein kann. Denn gegenwärtig würde von ihnen quasi „erwartet“, dass sie an einer Vergewaltigung dauerhaft zerbrechen und für ihr ganzes Leben gezeichnet sind. Doch genau dadurch würde Heilung erschwert, sagt Sanyal in einem Interview.

 

Mithu M. Sanyal: Vergewaltigung
Nautilus 2016, 16,50 Euro

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-lesen-rape-kommt-von-raub/feed/ 0
heimspiel: Zugfahren https://ansch.4lima.de/heimspiel-zugfahren/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-zugfahren/#respond Wed, 12 Oct 2016 17:24:08 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7936 Wie das Abteil über familiäre Details informiert wird. THEO HOFFNUNGSTHAL]]>

leben mit kindern

 

Meine Tochter T., damals sieben Jahre alt, stellt sich, Schuhe ausgezogen, auf ihr Sitzpolster am Fenster und lehnt sich lässig über ihre Lehne, um so das ganze Großraumabteil zu überblicken. Ich sitze neben ihr auf dem Gangplatz. Im Sesselpaar hinter uns positioniert sich nun ein Mädchen genauso, es ist etwas älter als T.. Die beiden beginnen schräg über meinen Kopf hinweg eine Konversation. Bald höre ich ein entsetztes „WAS? Du ARME! Du hast keinen Papa? Das geht doch gar nicht!“ „Doch. Der kam aus der Fabrik, also der Samen von dem.“ Dabei wirft mir T. ein verschmitztes Lächeln zu, was ich als „Da kennt sich eine mal wieder nicht aus“ interpretiere. „WAS? Ich kapier’ gar nichts!“ T. erläutert daraufhin ausführlichst für das gesamte Abteil, wie das Sperma aus der Fabrik in den Bauch ihrer Mutter kam, und ergänzt abschließend fast ein bisschen altklug: „Und es gibt so einen Vertrag (1), dass ich meinen Papa kennenlernen kann, wenn ich achtzehn Jahre alt bin.“ „WAS? Vertrag?! Was für einen Vertrag? Du ARME! Wie schrecklich! Du kennst deinen Papa nicht!“ „Aber in elf Jahren.“ Mittlerweile ist das Abteil über alle familiären Details informiert, ganz still ist es geworden, niemand anderes unterhält sich mehr; verstohlene Blicke lugen hinter Zeitungen und Laptops hervor.
Das Mädchen deutet verwirrt auf mich: „Und das ist deine Mama?“ „Nein, das ist meine Mami, die hat mich adoptiert.“ „WAS? Wieso das denn?“ „Weiß ich auch nicht so genau.“
Jetzt möchte ich auch mal was zum Thema sagen, aber T. wirft mir ihren strengen Blick zu und rollt dann mit den Augen, soll heißen: Halt dich da raus! – Mach ich. „Du ARME!“ (Meine Finger krallen sich jetzt in die Seitenlehne) „Das ist so schlimm, dass du keinen Papa hast!“ Meine Tochter wird ernster und sagt – nicht vorwurfsvoll, eher enttäuscht: „Das hast du jetzt aber schon sehr oft gesagt.“

 

(1) Spermien deutscher Samenbanken sind sogenannte Yes-Spenden. Volljährige Kinder erhalten die Kontaktdaten des Spenders und können ihn kennenlernen.

 

Theo Hoffnungsthal und ihre Tochter leben in unterschiedlichen Ländern und fahren deshalb oft gemeinsam Zug. Manchmal haben sie bunte Knete dabei und formen sich unterwegs eine Queer-Community, um in guter Gesellschaft zu sein.

 

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/heimspiel-zugfahren/feed/ 0
an.sprüche: Zeichen von Respekt https://ansch.4lima.de/an-sprueche-zeichen-von-respekt/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-zeichen-von-respekt/#respond Wed, 12 Oct 2016 17:20:57 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7942 Illustration: Sabrina WegererBraucht es eine linke Islamkritik? Von MAHSA ABDOLZADEH und HANNAH SCHULTES]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Die Frage, die nicht nur Feministinnen spaltet: Braucht es eine linke Islamkritik? MAHSA ABDOLZADEH fordert sie, HANNAH SCHULTES warnt vor Rassismus.

 

Wenn manche westliche Feministinnen sich gegen jegliche Kritik am Islam aussprechen und Islamkritik mit Islamfeindschaft gleichsetzen, sind sie dann noch solidarisch mit Frauen in Afghanistan, Iran, Pakistan und Somalia? Nein, denn Feminismus ist universell.
Es sind die Überreste eines kolonialistischen Geistes, der diese FeministInnen zu KulturrelativistInnen macht. Denn in ihrer Welt sind westlich orientierte Frauen aufgeklärte Frauen und somit „wertvoller“. Der Status der aufgeklärten Frau schließt ihre Unterwerfung unter eine religiöse Gewalt – sei sie gesellschaftlich oder institutionell – aus. Sie soll vollkommen gleichgestellt sein und selbstbestimmt leben. Bei Musliminnen verkehrt sich dieser Grundsatz: Plötzlich ist die männliche Verweigerung des Handschlags ein Zeichen von Respekt gegenüber Frauen statt Ausdruck der Diskriminierung. Religiös motivierte Gewalt gegen Musliminnen wird als deren „selbstbestimmte“ Tradition oder Kultur angesehen. Musliminnen sind aber keine Opfer, sondern auch Kämpferinnen, die mit allen Mitteln für ihre Rechte streiten. Gerade sie brauchen unsere Solidarität! Wenn wir aufhören, patriarchal strukturierte Religionen zu kritisieren, verraten wir die Frauen, die seit jeher für ihre Befreiung aus diesen Strukturen kämpfen.
In Europa wird die „Islamkritik“ vornehmlich den RechtspopulistInnen überlassen. Viele FeministInnen solidarisieren sich aus Protest gegen die rechte rassistische Hetze gegenüber MuslimInnen mit „dem Islam“, statt sich mit der Realität von Musliminnen auseinanderzusetzen. Wir müssen uns aber sowohl mit rassistischer Hetze als auch mit dem Gedankengut, das jede Islamkritik als Rassismus abstempelt, befassen. Wer sich wirklich für Musliminnen einsetzt, nimmt nicht nur die Freiheitsbewegungen in islamischen Ländern wahr, sondern auch rebellierende, junge Musliminnen in Europa, die sich jenseits patriarchaler Strukturen emanzipieren.

 

Mahsa Abdolzadeh ist Politologin, Autorin und Aktivistin für Frauen-, LGBTIQ- und Minderheitenrechte.

 

Illustration: Sabrina Wegerer
Illustration: Sabrina Wegerer

 

„Es gibt keine rechte Islamkritik. Islamkritik ist in ihrem Wesen emanzipatorisch und herrschaftskritisch.“ Solche Sätze gelten für ihre linken VerfasserInnen anscheinend unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext, der am Wahrheitswert dieser Aussage doch stark zweifeln lässt. Dieser Kontext sind ein antimuslimischer Rassismus und rechte Bewegungen in Europa, die sich in den letzten Jahren vor allem über die „Kritik am Islam“ formiert haben. Vollkommen unabhängig davon, was sich die linke Islamkritikerin wünscht, taugt die Kritik „am Islam“ den meisten christlichen EuropäerInnen weniger zur Herrschaftskritik als zur Herrschaftsausübung. Wie lässt sich den ehemals als „Gastarbeiter“ und „Ausländer“ klassifizierten Personen der Zugang zu vernünftigen Jobs, Wohnungen, Bankkrediten und Bildung sowie Glaubwürdigkeit und Anerkennung weiterhin erschweren oder verwehren? Der Verweis auf „den Islam“ oder auf scheinbar religiös oder kulturell begründete reaktionäre Tendenzen in migrantischen Communitys macht’s möglich. Um da nicht von Rassismus zu sprechen, blendet die „linke Islamkritik“ diese Ausschlüsse meistens aus oder greift auf Ausweichbegriffe wie „antimuslimisches Ressentiment“ zurück.
Eine Kritik an den Organisationen des politischen Islams, ein Verständnis von Verhältnissen zwischen Minderheiten und Mehrheiten unter MuslimInnen und Solidarität mit jenen, die unter religiösem Chauvinismus am meisten leiden, sollte für Linke selbstverständlich sein. Das geht auch ganz gut ohne die „universellen Werte der Aufklärung“, die linke IslamkritikerInnen gerne bemühen.
Wenn die Religion Marx zufolge das Opium des Volkes ist, dann muss der Religionskritiker es verbrennen. So oder so ähnlich denken viele linke IslamkritikerInnen und liberale AtheistInnen. Marx schrieb aber auch: „Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“ Statt sich mit der „Irrationalität“ religiöser Denksysteme auseinanderzusetzen, sollten Feministinnen und Linke vor allem die Zustände bekämpfen, die die Illusionen über diese erst hervorbringen und plausibel erscheinen lassen.

 

Hannah Schultes ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin bei „ak – analyse & kritik“.

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/an-sprueche-zeichen-von-respekt/feed/ 0
Liddy, die Tochter der Bettelgräfin https://ansch.4lima.de/liddy-die-tochter-der-bettelgraefin/ https://ansch.4lima.de/liddy-die-tochter-der-bettelgraefin/#respond Wed, 12 Oct 2016 16:57:13 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=7929 Ein Streifzug durch literarischen Schund. Von FIONA SARA SCHMIDT]]>

Ein Streifzug durch fünfhundert Jahre Kitsch, Trash und triviale Unterhaltung von FIONA SARA SCHMIDT

 

Einst fürchteten Moralwächter negative Auswirkungen auf die Jugend durch zu viel Lesen von Abenteuer- oder Liebesromanen unter der Decke, heute sind es kleine Monster im Smartphone oder B-Promis im überwachten Container, die als Zeichen für den Untergang der Zivilisation gedeutet werden. Schund, Schrott oder brain candy sind zugleich verpönt und heiß geliebt.

Schlechte Hefte. Bereits im 15. Jahrhundert machten Einblattdrucke mit religiösen Belehrungen in einfacher Sprache die Runde. Die Inhalte wurden ab dem späten Mittelalter zunehmend boulevardesker und weltlicher – Sensationen mit sex and crime waren die bestimmenden Themen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Wandkalender mit kurzen Geschichten, Alltagstipps und Rätseln beliebter. Mit der zunehmenden Alphabetisierung und dem technischen Fortschritt wurde das Lesen von Liebes- und Schauerromanen und historischen Werken, oft auch von Autorinnen unter Pseudonym geschrieben, zum beliebten Hobby. Unter dem Verdacht, der „Lesesucht“ anheimzufallen, standen freilich immer jene, die eigentlich arbeiten sollten: Bedienstete und Hausfrauen, die durch den Sog einer spannenden Geschichte ihre eigentlichen Aufgaben zu vernachlässigen drohten.
Auf einer Liste mit verbotenen Schriften in Österreich-Ungarn, die 1916 in der „Wiener Zeitung“ erschien, finden sich zahlreiche interessante weibliche Heldinnen, die Groschenhefte tragen Titel wie: „Ethel King – Ein weiblicher Sherlock Holmes“, „Else, das schöne Fabriksmädchen – Aus der Fabrik ins Fürstenschloß“, „Erika, die Heideprinzeß – Dunkle Lebenswege einer Dulderin“ und „Liddy, die Tochter der Bettelgräfin“. Zwischen den Weltkriegen erlebten die auf dünnem Papier ohne Bindung gedruckten Romane ihre Blütezeit. Das 1926 in der Weimarer Republik erlassene „Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften“ verbot sogar den Verkauf indizierter Schriften an Jugendliche. Es waren meist Groschenromane und pornografische Literatur, die fortan unter der Ladentheke gehandelt wurden. Nach den Bücherverbrennungen und der Zensur des Nationalsozialismus wurde 1953 „angesichts der die deutsche Jugend und die öffentliche Sicherheit bedrohenden Entwicklung gewisser Auswüchse des Zeitschriftenmarktes“ ein Gesetz gegen die Verbreitung jugendgefährdender Schriften verabschiedet. Auch fürchtete man wegen der Popularität des Rundfunks eine drohende „Bücher-Krise“. Schmöker und Comics konnten bei Umtauschaktionen sogar gegen „gute Jugendhefte“ ersetzt werden. Aber auch das war keine Waffe gegen Superhelden: Es war die Zeit, in der sich amerikanische Comics im deutschsprachigen Raum etablierten.

 

Illustration: Lina Walde
Illustration: Lina Walde

 

Romantausch. Nicht nur konservative Parteien hatten Probleme mit der Trivialliteratur: In der DDR war sentimentaler Schrott ebenso verrufen wie die bunten Bilder des Klassenfeinds. Und in Österreich, wo Läden zum „Romantausch“ bis heute im Stadtbild zu entdecken sind, erschien zum Beispiel das beliebte „Zorro“-Plagiat „El Coyote“. Der „Kampf gegen Schmutz und Schund“ wurde aufgrund des unpolitischen Charakters der Heftchen (statt linientreuer Parteiorgane) und gegen Jugendkulturen insgesamt geführt. „Die Schund- oder Revolverhefte haben schon viel Unheil und Unglück gebracht. Die Zeitungen berichten, dass junge Menschen sogar zu Verbrechen verleitet wurden. Aber auch, wer das Schlechte nicht nachahmt, wird durch diese minderwertige Lektüre Schaden nehmen. Er wird erleben, dass er keine Geduld mehr für ein schönes Buch hat. Er kann nicht mehr Umgang mit seinem Freund, dem wertvollen Buch, pflegen“, schreibt der „Buchklub der Jugend“ 1958. (1) Der KPÖ-Politiker und Schriftsteller Ernst Fischer argumentierte in einer Parlamentssitzung den schädlichen Einfluss auf die Jugend am Beispiel des Groschenheftes „Kapuzenmänner von Stammersdorf “.
Fortsetzungsromane bedienen den Erwartungshorizont ihrer LeserInnenschaft nach Schema F, appellieren an sentimentale Gefühle und sind wie Fast Food nebenbei konsumierbar. So einfach ist es allerdings nicht immer: In Israel waren Anfang der 1960er die sogenannten Stalag-Hefte mit Titeln wie „Ich war Oberst Schultzes Hündin“ ein Kassenschlager voller Sado-Maso und nationalsozialistischer Ästhetik. Vollbusige weibliche SS-Offiziere foltern darin britische oder amerikanische Soldaten in Gefangenenlagern, dann werden die Rollen getauscht. Die meist junge männliche Leserschaft bestand aus Kindern und Enkeln von Holocaustüberlebenden, die nicht über das Erlittene sprachen.

Mitten im Leben. Bis heute findet man im deutschsprachigen Raum Serien wie „Jerry Cotton“, aber auch „Kinderlachen“ oder „Alpengold“ am Kiosk, im Supermarkt oder in Bahnhofsbuchhandlungen – laut Bastei-Verlag „Balsam für die Seele“. Die Reihe „Silvia-Schicksal“ wird präsentiert, als wolle sie Kritik vorwegnehmen: „Das sind neue, mitreißende Liebesgeschichten von heute – für Leserinnen von heute! Die Protagonisten sind Menschen, die mitten im Leben stehen, für die aber die große, einmalige Liebe von höchster Bedeutung ist.“ Die Verkaufszahlen sinken zwar, doch „wir sorgen Jahr für Jahr für mehr als 15 Millionen Happy Ends“, sagt der Verlag Cora. Daher gibt es auch junge AutorInnen, die solche Geschichten unter thematisch passendem Pseudonym in einer Woche runterrocken, für ein Publikum aus allen Schichten. Der Dünkel gegenüber Romanheften bleibt jedoch bis heute klassenspezifisch – seichte Unterhaltung ist der Eskapismus des Prekariats, so das Klischee. Auch die Genderrollen der KäuferInnen sind genau wie in den Geschichten selbst klar verteilt, möchte man meinen: Männer lesen Krimis, Kriegsabenteuer, Western und Science-Fiction, Frauen bevorzugen Adelige, Heimat oder medizinisches Fachpersonal. Weit gefehlt. „Der Großteil der Leser sind Frauen, die nicht nur Liebesromane, sondern auch Fantasy- und Horrorgeschichten lesen. Allein der Western ist eine Männerdomäne“, berichtet ein Verlagsmanager gegenüber der „Zeit“.
Bis heute versteht man wenig Spaß, was die Freude an der seichten Unterhaltung angeht, was sich auch in der Verachtung populärwissenschaftlicher Werke widerspiegelt. Nur im angloamerikanischen Raum ist eine gute Story einem weniger strengen Wertekanon unterworfen – hier werden die rosa Ecken mit „Frecher Frauenliteratur“ in Buchhandelsketten verspottet. Doch Frauen sind die wichtigste Zielgruppe, sie kaufen laut einer deutschen Studie im Jahr 1,7 Bücher mehr als Männer. Freilich, die Welt, die in den Werken mit Schuhen oder Fenstern auf dem Cover vermittelt wird, ist weichgespült und Geschlechterrollen schrecklich heteronormativ. Allerdings sorgt der Schnulz auch für Kreativität: Fan Fiction ist vor allem bei jungen Frauen beliebt, dabei werden vorhandene Werke im Internet umgeschrieben oder weitergesponnen und eigene Communitys über die entsprechenden Buchreihen gepflegt.

 

Illustration: Lina Walde
Illustration: Lina Walde

 

Geliebte Täuschung. Den Kulturwissenschaften ist es gelungen, populäre Literatur in den universitären Kanon zu befördern und der „Pulp Fiction“ mehr als Unterhaltungswert zuzuerkennen. Seit die Graphic Novel das Feuilleton erobert hat, ist es für die Bildungseliten nicht mehr die Trivialliteratur, die den Zerfall der Kultur vorantreibt, sondern jetzt sind es nur noch Computerspiele oder Chatprogramme.
Doch Märchen bleiben faszinierend, sei es der Klatsch um Brangelinas Scheidung oder Vampir-Sex. Marlene Streeruwitz hat Märchen in ihren Tübinger Poetikvorlesungen als System charakterisiert, das durch die ewige Wiederholung am Leben bleibt: „Das Märchen bereitete auf die Unerbittlichkeit patriarchal gelenkten Schicksals vor.“ In ihrem Romansammelband „Lisas’s Liebe“ (1997), in dem Streeruwitz ironisch mit den Strickmustern des Genres bricht, fordert sie zu Auseinandersetzung mit Erwartungen und Täuschungen auf. Lisas Happy End: Sie wird Autorin in Hollywood.
Platz eins der deutschen E-Books auf Amazon belegt derzeit für 99 Cent übrigens Mia B. Myers’ „Strange memories: Verhängnisvolle Entscheidung“, ein erotischer Liebesroman über einen Unternehmensberater und seine „temperamentvolle Sekretärin Amber, die ihr Herz auf der Zunge trägt und neben ihrem losen Mundwerk eine offensichtliche Schwäche hat: Essen.“ Wirkt doch eigentlich sehr sympathisch.

 

(1) www.zeitlupe.co.at/romanhefte.html

 

 

]]>
https://ansch.4lima.de/liddy-die-tochter-der-bettelgraefin/feed/ 0