5 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 09 Aug 2020 13:01:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png 5 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2017-05 https://ansch.4lima.de/inhalt/2017-05/ Sun, 22 Dec 2019 19:17:22 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=16132 ]]> ]]> „Work-Life-Flow“ https://ansch.4lima.de/work-life-flow/ https://ansch.4lima.de/work-life-flow/#respond Thu, 29 Jun 2017 17:21:40 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8772 © Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.Mobiles Arbeiten: Spielplatz-Mails und Skype-Meetings. Von LEA SUSEMICHEL]]> © Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

Mails vom Spielplatz und Skype-Meetings am Küchentisch – mobiles Arbeiten und Homeoffice sind ein sich ausbreitender Arbeitsalltag. Doch kann diese Selbstbestimmung ohne Selbstausbeutung funktionieren? Von LEA SUSEMICHEL

 

Vor wenigen Jahren entwarf Dave Eggers mit seinem Bestseller-Roman „The Circle“ eine verstörende Dystopie. Er zeigt darin das hypermoderne Arbeitsuniversum eines übermächtigen Internetkonzerns, in dem mit Pool und Partys scheinbar für alle Bedürfnisse der Angestellten gesorgt wird. Sieht man sich die neuen Microsoft- und Google-Hauptquartiere an, scheinen solche Szenarien schon Realität zu sein, zumindest für eine hochqualifizierte Elite. In den futuristischen Megabauten, die mit tonnenweise Glas völlige Transparenz symbolisieren wollen, gibt es viel Erholungsraum, aber keine festen Arbeitsplätze mehr. Es gilt stattdessen das „Clean Desk“-Prinzip: Jede_r kann überall arbeiten, am Ende des Tages aber werden alle persönlichen Sachen wieder mitgenommen und der Arbeitsplatz freigeräumt.
Der Ort wird je nach Aufgabenart gewählt: Für konzentrierte Alleinarbeit gibt es bei Microsoft München etwa den „Think Space“, für Besprechungen trifft man sich in den „Share and Discuss Spaces“, und zum Essen geht man danach in die „Digital Eatery“, in der man beim Smoothie gleich auch neue Softwareprodukte testen kann.

Kapitalistisches Kalkül. Man muss aber auch überhaupt nicht mehr ins Büro kommen, wenn man nicht will. Alle entscheiden selbst, ob und wann sie dort oder lieber von anderswo oder zu Hause arbeiten wollen (für die Putzkolonne freilich, die die fußballfeldgroßen Glasflächen und den „Clean-Desk“ nachts sauber poliert, gilt das wohl nicht). Als ausgewogener „Work-Life-Flow“ wird dieses Konzept mit fließenden Übergängen zwischen Job und Freizeit beworben, das für alle nur Vorteile bringen soll.
Es fällt leicht, das perfide kapitalistische Kalkül hinter diesem Bemühen um Produktivitätssteigerung zu kritisieren. Zahlreiche Studien belegen, dass örtliche und zeitliche Flexibilität die Arbeitsmoral und die Produktivität der Angestellten steigert. Die Unternehmen sichern sich durch ihre vermeintliche Großzügigkeit die Loyalität ihrer Mitarbeiter_innen, die sich dann besonders begeistert verausgaben – und sparen sich dabei auch noch die Kosten für Büroflächen und die Arbeitsplatzinfrastruktur. Bei Microsoft München etwa wird es von vorneherein mehr als ein Drittel weniger Arbeitsplätze als feste Mitarbeiter_innen geben.

Café-Meetings. Bereits 1999 machten die französischen Sozialwissenschaftler_innen Luc Boltanski und Ève Chiapello in ihrem Buch „Der neue Geist des Kapitalismus“ ausgerechnet die 68er-Generation für den Aufstieg dieses neoliberalen Selbstmanagements verantwortlich. Die Forderung nach Autonomie und individueller Freiheit auch im Arbeitsleben habe die klassische Sozialkritik in den Hintergrund gedrängt, der es um Arbeitsrechte und soziale Absicherung geht. So sei der kapitalistischen Vereinnahmung eines Arbeitsmodells, wie es exemplarisch die neue Kreativwirtschaft mit ihren Café-Meetings mit Laptop vorlebt, Tür und Tor geöffnet worden. Die scheinbar gewonnene Freiheit sei nur eine der Selbstausbeutung und Selbstkontrolle.
Doch es stellt sich die Frage, ob die neue Flexibilisierung tatsächlich allein im Interesse der Unternehmen liegt. Und ob sich ihr Autonomieversprechen für die Arbeitenden zwangsläufig in ihr Gegenteil verkehren muss. Und vor allem: Ob es die richtige Antwort auf die Gefahr eines völlig entgrenzten Arbeitsalltags ist, stur an den 9-to-5-Normalarbeitsverhältnissen der Industrieländer festzuhalten – zumal diese traditionell stark durch das Alleinverdienermodell und eine männliche Präsenzkultur geprägt sind.
So berechtigt und wichtig die Kritik an den dauergestressten Digitalarbeiter_innen auch ist: Dass der Stresspegel eines prekarisierten Grafikdesigners, der mit seinem Airbook im Co-Work-Space seine Freelance-Aufträge abarbeitet, tatsächlich den einer Krankenschwester im Schichtdienst oder einer alleinerziehenden Mutter an der Supermarktkasse übersteigt, darf bezweifelt werden.

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.
© Chris Crisman: „Women’s Work“
In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

Selbstbestimmung & Sicherheit. Nicht nur Boltanski und Chiapello lässt sich also erwidern, dass sich beides – also größtmögliche Selbstbestimmung beim Arbeiten und soziale Sicherheit – nicht zwangsläufig ausschließen muss und man beides deshalb auch nicht gegeneinander ausspielen sollte. Dieses Argument lässt sich ganz allgemein bei der Debatte um Homeoffice und mobiles Arbeiten starkmachen, denn beides sind Arbeitsformen, die unter den richtigen Voraussetzungen insbesondere für Frauen*, die nach wie vor den Großteil der Erziehungs- und Sorgearbeit stemmen, durchaus Erleichterungen bringen können. Allerdings muss für diese Voraussetzungen erst gekämpft werden.
Das wichtigste Argument für die Vorteile von Heimarbeit ist die viel zitierte „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Sie wird gerne mit Bildern von Frauen illustriert, die mit einem seligen Säugling auf dem Schoß am heimischen Schreibtisch sitzen, die eine Hand an der Wiege, die andere an der Maus. Die Realität aufmerksamkeitsfordernder Kleinkinder sieht bekanntlich anders aus. Nichtsdestotrotz überwiegen durch die Möglichkeit zur Selbstorganisation, zur freien Arbeitszeiteinteilung und durch fehlende Arbeitswege unterm Strich die Vorteile und Verbesserungen für viele berufstätige Eltern mit Betreuungspflichten (vorwiegend eben weiterhin Mütter). Studien zeigen, dass dies in gleichem Maße auch für Menschen gilt, die Angehörige pflegen müssen (vorwiegend ebenfalls Frauen).
Doch wenn sich zu Hause zu Telefonläuten und Termindruck noch Wäscheberge und brüllende Kinder gesellen, sind alle Benefits schnell wieder beim Teufel. Deshalb muss es bei der Diskussion um die Flexibilisierung von Arbeit unbedingt auch um die Neuverteilung von Haus- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern gehen – und eben nicht darum, wie Frauen* ihr ungleich größeres Arbeitspensum durch Leistung rund um die Uhr und in allen Lebenslagen weiter optimieren können.

Telearbeit. Auch Gewerkschaften und Betriebsräte stehen dem Homeoffice – oder der Telearbeit, wie diese Arbeitsform außerhalb Europas immer noch heißt, wo sie auch viel verbreiteter ist – oft skeptisch gegenüber und warnen vor explodierenden Arbeitszeiten, unbezahlten Überstunden sowie der Ausgrenzung von abwesenden Angestellten aus dem Team. In guter sozialistischer Tradition gilt ihnen die Arbeit in Gemeinschaft zudem als zentraler identitätsstiftender Lebensbereich, der die Integration in die Gesellschaft garantiert. Viele Arbeitgeber_innen hingegen fürchten im Gegenteil den Kontrollverlust und haben Angst, dass ohne Aufsicht zu wenig gearbeitet werden könnte – obwohl Studien eine Produktivitätssteigerung im Homeoffice von bis zu zehn Prozent belegen. Ob es den Arbeitenden dabei durchwegs besser als im Büro geht, ist allerdings nicht unumstritten. 2010 zeigte eine Studie der Hochschule Luzern, dass Heimarbeit gesundheitsfördernd wirkt. Je mehr Menschen gemeinsam in einem Büro arbeiten, desto größer seien Stress, Belastung und Krankheitsanfälligkeit. Der Lärm, die ständige Ansprechbarkeit durch Kolleg_innen und die soziale Kontrolle dort würden zu psychischen und physischen Beeinträchtigungen führen, die sich auch in mehr Krankheitsausfällen niederschlagen und zu mehr Unzufriedenheit im Berufsalltag führen würden. Zu Hause ließe sich hingegen konzentrierter und damit eben auch produktiver arbeiten.
Größere Konzentrationsfähigkeit und Produktivität im Homeoffice bestätigt nun auch eine neue Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Allerdings würden die längeren Phasen hochkonzentrierter Arbeit bei einer Regelarbeitszeit von acht Stunden auch zu größerer Erschöpfung und damit auch zu mehr Krankheiten führen.
Zusätzlich sollte angeführt werden, dass die ersehnte Ruhe zu Hause je nach persönlichen Bedürfnissen auch in das Gefühl von Einsamkeit umschlagen kann. Der Kontakt und die Kommunikation mit Kolleg_innen muss deshalb genau wie ausreichend Regenerationszeiten und echte Freizeit gut organisiert werden.

Stechuhr und Smartphone. Es ist also zwar durchaus zu begrüßen, dass in den Niederlanden 2015 ein Recht auf Homeoffice gesetzlich verankert wurde, auch der Umweltschutz durch weniger Emissionen durch Pendler_innen ist ein schlagendes Argument dafür. Doch wer mehr Selbstbestimmung und Selbstorganisation fordert, darf deren Schattenseiten nicht ignorieren – vom grassierenden Problem ausbeuterischer Scheinselbstständigkeit gar nicht zu reden. Angesichts der Arbeitsrealität vieler Menschen dürfen diese Forderungen jedoch nicht aufgegeben werden. Denn viele haben derzeit die Nachteile beider Welten, also Selbstverantwortung ohne soziale Sicherheit. Oder eben Stechuhr und Smartphone, um auch außerhalb des Büros Mails und Anrufe erledigen zu können – je nach Studie und Berufsfeld sollen bis zu zwei Drittel aller Berufstätigen auch außerhalb ihrer Arbeitszeit abends und am Wochenende für ihre Vorgesetzten erreichbar sein. Ihr schmutziges Geschirr konkurriert zwar nicht untertags mit ihrer Schreibtischarbeit, wartet dafür aber eben nach einem langen Bürotag noch in der Spüle auf sie.

 

 

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Siri & die Jungs von Silicon-Valley https://ansch.4lima.de/siri-die-jungs-von-silicon-valley/ https://ansch.4lima.de/siri-die-jungs-von-silicon-valley/#comments Thu, 29 Jun 2017 09:07:44 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8771 © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.comInterview: JUDY WAJCMAN über Technofeminismus und Roboterrevolution. Von LEA SUSEMICHEL]]> © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com

Nicht die Smartphones sind schuld an Stress und Überlastung. LEA SUSEMICHEL sprach mit der feministischen Techniksoziologin JUDY WAJCMAN darüber, wie Technofeminismus und Roboterrevolution unser (Arbeits-)Leben sogar schöner machen könnten.

 

an.schläge: Sie behaupten, unsere Beziehung zu neuer Technologie sei voller Widersprüche: Einerseits fetischisieren wir unsere Smartphones und Computer und möchten sie nicht mehr missen, gleichzeitig beschuldigen wir sie, uns unsere Zeit zu stehlen. Einer Ihrer jüngsten Vorträge trägt den Titel: „Siri, why am I so busy?“ Was ist Ihre Antwort? Dass die kapitalistische Gesellschaft schuld ist – nicht der Apple-Assistent Siri und unsere Smartphones?

Judy Wajcman: Ich will nicht sagen, dass Technologie nicht wichtig ist, sie ist sehr wichtig, deshalb arbeite ich ja auch dazu. Aber sie ist eben auch nicht alles. Alle reden über Technologie und ständige Erreichbarkeit, aber niemand redet über die Tatsache, dass die größte arbeitsmarktpolitische Veränderung der letzten fünfzig Jahre der Eintritt von Frauen und insbesondere von Müttern in den Arbeitsmarkt war. Und dass die Menschen mit der höchsten Arbeitsbelastung berufstätige Mütter sind. Aber es ist natürlich längst nicht so sexy über gestresste Mütter wie über Siri zu sprechen. Doch wir müssen über diese strukturellen Dinge reden, über Mehrfachbelastungen und geänderte prekarisierte Arbeitsbedingungen, die besonders auch durch die neuen Technologien geprägt sind. Aber die Belastung und der Stress sind ein Resultat unterschiedlicher Faktoren.

Hat die Digitalisierung auch einen positiven Einfluss auf unsere sozialen Beziehungen und unser Leben?

Mich stört an dieser Debatte, dass es nur Entweder-Oder gibt, entweder ist alles toll oder es ist grauenhaft, utopisch oder dystopisch.
Wenn man mit berufstätigen Eltern spricht, dann sagen viele, dass das Handy für sie eine unverzichtbare Erleichterung ist: Sie können die Kinder nach der Schule anrufen, von unterwegs Erledigungen organisieren und Einkäufe absprechen. Das Smartphone ermöglicht eine Verbundenheit, die wir alle nutzen und lieben. Auf der anderen Seite ermöglicht es Arbeitgeber_innen, uns Tag und Nacht anzurufen, und verlangt uns Erreichbarkeit am Abend und am Wochenende ab. Alle neuen Technologien sind also ambivalent und haben widersprüchliche Effekte, wir können sie für uns selbst nutzen, um unsere Aufgaben und unsere Zeit besser zu organisieren, sie machen uns aber auch verwundbar.

Eine Ihrer zentralen Thesen ist, dass Technologie nicht frei von Ideologie und Politik ist. Was heißt das?

Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel: Diese Fitnesstracker, die Leute ums Handgelenk tragen, scheinen auf den ersten Blick etwas Gutes zu sein, wir messen damit einfach, wie viel wir uns bewegen. Aber in ihnen ist letztlich die Ideologie verborgen, dass die Verantwortung für unsere Gesundheit bei uns selbst liegt. Dass wir selbst schuld sind, wenn wir uns nicht genug bewegen und zu viel wiegen und krank werden. Inzwischen gibt es in den USA sogar Unternehmen, die diese Dinger an ihre Mitarbeiter_innen verteilen. Aber wir sollten wissen, dass sich nicht alle Menschen gesundes Essen und einen gesunden Lebensstil leisten können. Außerdem ist auch beim Thema Gesundheit nicht alles so eindeutig. Es gibt eine Forschungsarbeit übers Rauchen, in der gezeigt wird, wie wichtig die Zigarettenpause fürs Wohlbefinden von Müttern sein kann, diese fünf Minuten Ruhe, in denen sie sich Zeit und Raum für sich selber nehmen dürfen. Das fand ich sehr aufschlussreich.

In Sachen technologischer Entwicklung sind IT-Unternehmen im US-amerikanischen Silicon Valley heute tonangebend. Die Unternehmer dort, meist junge Absolventen einer Elite-Universität, kritisieren Sie häufig. Welches Problem haben Sie mit diesen Silicon-Valley-Jungs?

Unsere „Workaholic“-Kultur, in der rund um die Uhr gearbeitet wird, ist eine männliche Kultur. Um das zu zeigen, muss man nicht einmal auf die weitverbreitete sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz verweisen, die momentan ständig Thema ist, ob bei Uber und sonst wo. Es genügt, sich das neue Google-Gebäude anzuschauen, in dem sich tatsächlich alles findet, Schwimmbad und Fitnessstudio – allerdings keine Kinderkrippe. Es sind vor allem junge Männer, auf die diese Form von Arbeitsleben zugeschnitten ist. Und so lange sich das nicht ändert, werden die Männer diese Arbeitsfelder auch weiter dominieren. Auch die alten Stereotype über Technologie als Männersache sind längst nicht überwunden. In der Cybersecurity-Industrie, einem wichtigen und wachsenden Arbeitsbereich, arbeiten nur sechs bis acht Prozent Frauen. Doch Frauen aus diesem Bereich sagen, dass das nichts damit zu tun hat, dass es nicht genug grundsätzlich interessierte und fähige Frauen gäbe, sondern mit der Art, wie die Leute angeworben werden. Es werden gezielt Gamer adressiert, genauso gut könnte man aber sagen, dass man für diesen Job gut im Umgang mit Computern und Social Media sein muss – dann würden sich auch jede Menge Mädchen bewerben.

Sie lehnen ein bedingungsloses Grundeinkommen ab, weil es Ihrer Meinung nach gut in ein neoliberales Modell passt, das Menschen möglichst billig abspeisen will. Doch gerade Feministinnen betonen, dass ihr Konzept eines Grundeinkommens grundverschieden ist von den Ideen neoliberaler Parteien und Unternehmen.

Viele sehr kluge Leute sprechen sich mit sehr guten Gründen für das Grundeinkommen aus – es kann also durchaus sein, dass ich falsch liege.
Aber ich habe die Befürchtung, dass die Forderung nach einem Grundeinkommen dazu beiträgt, dass wir dem Gang der Technologisierung von Erwerbsarbeit einfach seinen Lauf lassen, ohne uns einzumischen. Dass wir aus dem Blick verlieren, wie wichtig Erwerbsarbeit für unsere Identität ist und für unsere Möglichkeiten, uns zu organisieren.

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com
© Chris Crisman: „Women’s Work“
In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

Wie kann es gelingen, dass die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung nicht im Widerspruch, sondern im Einklang mit den Interessen der arbeitenden Menschen stattfinden?

Eine sehr naheliegende Herangehensweise wäre es – und das fordere ich seit Jahrzehnten –, die Arbeitnehmer_innen einfach in diesen Prozess einzubeziehen. Sie sollen selbst entscheiden, welche Technologien sie wollen und brauchen. Es muss dabei die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Technologie Menschen unterstützt, entlastet und ihre Fähigkeiten fördert – statt sie einfach nur zu ersetzen.
Derzeit entwickelt Silicon Valley einfach, was es will, und wir müssen damit klarkommen. Statt technologische Veränderungen von oben nach unten zu verordnen, brauchen wir jedoch die Mitbestimmung der Zivilgesellschaft.

Sie kritisieren immer wieder, dass unser „utopischer Horizont“ so eng und begrenzt sei, und fordern mehr radikale Ideen im Hinblick auf Automatisierung und Robotisierung. Brauchen wir nicht auch mehr feministische Utopien davon, wie wir leben und arbeiten wollen? Bislang gibt es ja nur sehr wenige konkrete Entwürfe.

Statt zum Beispiel Roboter zu erfinden, die sich um die alten Leute kümmern sollen, könnten wir eine Gesellschaft entwickeln, in der Junge und Alte zusammenleben. Wir könnten das Wohnen und das Gemeinschaftsleben, unsere gesamten Städte ganz neu konzipieren, damit mehr Integration möglich wird. Ganz grundsätzlich müssen wir über diese Dinge immer als soziale und gesellschaftliche Phänomene nachdenken und nicht in der Art, wie es Silicon Valley tut: Es gibt zu viele Alte, also muss eine robotisierte Lösung für ihre Pflege her.

Es gibt eine lange Tradition feministischer Technologiekritik, insbesondere im Hinblick auf Reproduktionsmedizin. Wie würden Sie im Gegensatz dazu „Technofeminismus“ definieren?

Ich bin ein großer Fan von Donna Haraway und ihrer Herangehensweise, wonach wir die Möglichkeiten von Technologie begrüßen und nutzen, dabei zugleich aber immer kritisch bleiben sollten. Unsere Technologie spiegelt unsere Gesellschaft, sie ist nicht besser oder schlechter. Sie ist nicht neutral, in ihr schlagen sich die politischen Verhältnisse nieder. Wir tragen also alle die Verantwortung dafür, eine gute Technologie zu entwickeln. Eine, die unser Leben bereichert, die Menschen hilft, statt in ihr Privatleben einzudringen – und die nicht zur Verbreitung von Fake News benutzt wird und nur die Unternehmen reicher macht.

In einem Essay sprechen Sie auch über Science-Fiction und die Filme „Ex Machina“ und „Her“, in denen die Roboter immer weibliche, erotische Kreaturen sind, die von ihrem männlichen Schöpfer kontrolliert werden. Wie könnte und sollte eine feministische Version, eine feministische „Roboterrevolution“ aussehen?

Es gibt ja durchaus eine lange Tradition feministischer Science-Fiction, die man sich anschauen kann, in der die Geschlechterrollen viel fließender sind und in der die Reproduktion ganz anders geregelt ist. Das Problem ist, dass die klassische Science-Fiction die gängigen Geschlechterstereotype mit ihren Repräsentationen von schöner, sexy Weiblichkeit meist noch verstärkt, statt tatsächlich Alternativen aufzuzeigen, wie ein anderes Leben möglich wäre. Eine Veränderung dieser Repräsentationen ist also ein guter Anfang.

 

Judy Wajcman ist Professorin an der London School of Economics and Political Science (LSE) und Leiterin des Instituts für Soziologie. Sie wird im August die Eröffnungsrede beim Europäischen Forum Alpbach zum Thema „Konflikt & Kooperation“ halten.

 

 

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Starke Männer will das Land https://ansch.4lima.de/starke-maenner-will-das-land/ https://ansch.4lima.de/starke-maenner-will-das-land/#respond Thu, 29 Jun 2017 08:42:16 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8763 Sebastian Kurz inspirierte bereits zahlreiche Satiriker*innen – so auch die Gebrüder Moped. © Gebrüder Moped, http://gebruedermoped.comPersonalisierung statt Politik. Von BRIGITTE THEISSL]]> Sebastian Kurz inspirierte bereits zahlreiche Satiriker*innen – so auch die Gebrüder Moped. © Gebrüder Moped, http://gebruedermoped.com

Sebastian und Christian statt lebendiger Parteiendemokratie: Wie die Personalisierung (nicht nur) in der österreichischen Politik inhaltliche Auseinandersetzungen in den Hintergrund drängt. Von BRIGITTE THEISSL

 

Kann Sebastian auf deine Unterstützung zählen? Wer dieser Tage den Webauftritt der ÖVP besucht, findet dort zwar keine Inhalte, aber ein Foto des Neo-Parteichefs und einen Link zur eigentlichen Seite der Volkspartei: www.sebastiankurz.at. Die ÖVP ist jetzt Sebastian. Auf seiner schick designten Webseite schüttelt Kurz alten Damen die Hand, macht Selfies mit strahlenden Teenagern und beschreitet energisch das Parkett der internationalen Politik. Das Konzept Türkis statt Schwarz, charismatischer Führer statt bündischer Machtkämpfe scheint bisher voll aufzugehen: Zuletzt publizierte Wahlumfragen sehen die ÖVP, die bei der Nationalratswahl 2013 nur noch knapp 24 Prozent der Wähler*innenstimmen gewinnen konnte, bei Werten zwischen 31 und 35 Prozent – und damit klar vor der FPÖ und den Sozialdemokrat*innen.

Glänzende Fassade. Vor dem Hintergrund einer grassierenden Partei- und Ideologieverdrossenheit präsentiert sich Kurz als neues Gesicht einer erneuerten Partei – wenngleich hinter der Fassade wenig substanziell Neues zu finden ist, frauenpolitisch freilich schon gar nicht. Auch Sebastian Kurz stellt sich nach wie vor gegen die Ehe für alle, und das Reißverschlusssystem auf Wahllisten, das wiederum vom Vorzugsstimmenwahlkampf konterkariert wird, wurde schon unter Parteichef Mitterlehner im Statut verankert. Nur mit der neuen Generalsekretärin Elisabeth Köstinger, die seit 2009 die ÖVP im Europaparlament vertritt, und drei designierten Stellvertreterinnen des Parteiobmanns setzt die „neue Volkspartei“ tatsächlich ein Zeichen in Richtung struktureller Geschlechtergerechtigkeit, ein Kursschwenk auf eine moderne, feministische Frauenpolitik ist allerdings kaum zu erwarten. „Ich werde Frauen aus voller Überzeugung auf allen Ebenen immer fördern, aber jede Frau soll selbst entscheiden können, ob sie Mutter sein will oder Vorstandsvorsitzende“, erklärte Köstinger Ende Mai im Interview mit der „Kronen Zeitung“ auf die Frage hin, warum sie Frauenquoten ablehne.

Führungsfiguren. Dass an der Spitze der Partei nach wie vor ein Mann steht, ist nicht nur wenig verwunderlich, sondern logische Konsequenz. Kurz repräsentiert einen neuen Typus des Politikers, der zugleich die Sehnsucht nach dem „starken Mann“ befriedigt – der in Österreich eine erschreckend hohe Zustimmungsrate von 43 Prozent hat – und moderne Kommunikation mit weitgehender Ideologiefreiheit kombiniert. Während traditionellen Parteien die Wähler*innenschaft wegbröckelt, feiern Politiker wie Emmanuel Macron in Frankreich mit neu gegründeten „Wahlplattformen“ Erfolge. Dass diese Strategie nicht nur im konservativen Lager bzw. in der vielbeschworenen Mitte funktioniert, beweisen letztendlich auch Barack Obama und Justin Trudeau, die es verstehen, medienwirksam Geschichten zu erzählen und Emotionen zu wecken und damit die Herzen ihrer Anhänger*innen zu erobern. Auch in der SPÖ spitzt sich seit dem Antritt des ehemaligen ÖBB-Chefs alles auf Christian Kern zu. Der charismatische wie überlegt und differenziert auftretende Bundeskanzler ist das Aushängeschild der Sozialdemokrat*innen, der zwar nicht im Kurz’schen Ausmaß die Partei allein regiert, bei programmatischer Ausrichtung und einzelnen Personalentscheidungen aber die Zügel fest in der Hand hat.

 

Sebastian Kurz inspirierte bereits zahlreiche Satiriker*innen – so auch die Gebrüder Moped. © Gebrüder Moped, http://gebruedermoped.com
Sebastian Kurz inspirierte bereits zahlreiche Satiriker*innen – so auch die Gebrüder Moped. © Gebrüder Moped

 

Eine Frage des Framings. Wir sind die Guten, das kommt nur bei den Wähler*innen noch nicht an – diese Überzeugung scheint sich in so mancher Parteizentrale manifestiert zu haben, wo Berater*innen im „Framing“ schulen und am perkfekten Facebook-Auftritt feilen. Demokratische Prozesse und (fruchtbare) Auseinandersetzungen innerhalb von Parteien scheinen hingegen mittlerweile als bloßes Übel zu gelten. Selbst die Grünen zeigten sich in der jüngsten Vergangenheit streng darauf bedacht, öffentlich nicht als zankende Basisdemokrat*innen wahrgenommen zu werden, statt Basisdemokratie als Stärke zu begreifen. Werbeagenturen wie Jung von Matt verliehen der Partei unter dem ehemaligen Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner einen hippen Anstrich, Abgeordnete zeigten sich mit Baby-Tieren auf Plakaten, „Bio macht schön“-Taschen werden immer noch eifrig durch Wien getragen. Ob sich die Partei mit einer profilierten, feministischen Sachpolitikerin wie Ulrike Lunacek, die als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zieht, strukturell auch dahingehend neu aufstellt, darf nun mit Spannung erwartet werden. Als einzige Partei links der Mitte und „die einzigen, die garantieren, dass es mit uns keine FPÖ in der Regierung gibt“, will die Doppelspitze Lunacek-Felipe die Grünen positionieren – ein Punkt, der sich angesichts des Ringens der SPÖ um Koalitionsvarianten erneut zum brisanten Thema entwickelt hat. Die Sozialdemokrat*innen, seit Jahrzehnten in der „Geiselhaft“ der ÖVP, die im Sinne des Machtanspruchs prinzipiell keine Partei für eine Zusammenarbeit ausschließt, haben jüngst einen Kriterienkatalog veröffentlicht. Dieser schließt die Blauen anhand einzelner inhaltlicher Bedingungen wie einem klaren Bekenntnis zur Gleichstellungspolitik zwar implizit aus, lässt eine Koalition mit den Rechtspopulist*innen (bzw. -extremen) aber durchaus offen, was trotz SPÖ-FPÖ-Regierung im Burgenland eine Zäsur darstellen würde. Jahrzehntelang galt für die Sozialdemokrat*innen die „Vranitzky-Doktrin“ und damit ein Nein zu den Freiheitlichen. „Der Kriterienkatalog öffnet offiziell die Tür zu Rot-Blau. Er signalisiert, über die Zusammenarbeit mit der FPÖ könne man im Einzelfall entscheiden und es brauche keine grundsätzliche Position dagegen“, kritisiert die Frauensprecherin der Sozialistischen Jugend Oberösterreich, Nina Andree, im „Mosaik“-Blog.

Schwarz-Blau III. Heinz-Christian Strache könnte bei der vorgezogenen Nationalratswahl am 15. Oktober als lachender Dritter aus der Wahl hervorgehen, der sich den Koalitonspartner quasi aussuchen darf. Sebastian Kurz, der mit der Forderung nach einer „Schließung der Mittelmeerroute“ durch Europa tourt und Steuern senken will, dürfte ihm wohl näherstehen als eine SPÖ, die jüngst die – längst überfällige – Einführung der Erbschaftssteuer in Österreich und einen Rechtsanspruch auf Ganztageskinderbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr forderte. Die versprochene Steuersenkung von Noch-Außenminister Kurz ist indes ein mehr als nur populistisches Konzept: Sozialleistungen bei Zuwanderern sollen (weiter) gekürzt werden, eine Verwaltungsreform soll kommen – die in Österreich fast schon als Running Gag gilt – und selbst auf Förderungen für Vereine zielt Kurz bereits ab (wer hier gemeint sein könnte, ist wohl naheliegend). Eine Neuauflage von Schwarz-Blau wird von Linken und Feministinnen dementsprechend nicht zu unrecht als größtes Schreckgespenst an die Wand gemalt: Noch immer bezahlen Steuerzahler*innen die Folgen von Korruption und Misswirtschaft, Sozialleistungen könnten unter Kurz-Strache massiv beschnitten, die Förderungen für Frauenvereine zusammengekürzt werden. Die restlichen Parteien (das nicht mehr relevante Team Stronach einmal ausgenommen) sind dazu angehalten, im Wahlkampf zu erklären, welche Folgen eine solche Politik haben würde. Autor und Historiker Doron Rabinovici erklärte im Interview mit „Profil“ hingegen eine Rot-Blaue Regierung zur größeren Gefahr: Die Sozialdemokratie würde dadurch gespalten und eine Schwarz-Blaue Koalition vorbereitet und legitimiert. Dass frauenpolitische Themen, für die sich auch die meisten Journalist*innen nicht interessieren, wie so oft untergehen werden, ist zu erwarten. Und das zeigt bereits Wirkung: Laut einer aktuellen Umfrage sehen sich vier von zehn Frauen in Österreich von keiner Partei vertreten. Zeit, das auszudrucken und in Parteizentralen an die Wand zu pinnen.

 

 

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an.sage: Solidarische Kampfansage https://ansch.4lima.de/an-sage-solidarische-kampfansage/ https://ansch.4lima.de/an-sage-solidarische-kampfansage/#respond Thu, 29 Jun 2017 08:35:24 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8764 Wir haben gelernt, dass es ein „Wir“ nicht mehr gibt. Aber wer braucht es nicht, das „Wir“? Von KATHARINA PAYK]]>

Ein Kommentar von KATHARINA PAYK

 

Solidarität ist in Zeiten wie diesen ein wichtiges Stichwort. Aber offensichtlich wissen viele, die sich in linken, feministischen, lesBischwultrans bewegten Kreisen verorten, nichts mehr mit diesem Konzept anzufangen.
Solidarität – mit wem? Die Grenzen werden immer enger. Auf sich lesbisch verortende Frauen* wird mit dem Finger gezeigt: Marke Uralt, „Oldschool-Lesbe“ – als wäre queer als Ersatz für lesbisch erfunden worden. Gleichzeitig sprechen manche Frauen anderen das Frausein ab: Frauen (mit Transbiografien) werden aus Frauenräumen ausgeschlossen.
Und sogar das Transsein wird manchen trans* Menschen abgesprochen: Diejenigen, die das tun, sprechen von richtiger und falscher Transidentität. Wer sich nicht eindeutig als Mann oder als Frau verortet, wer vielleicht keine körperlichen „Änderungen“ bzw. Angleichungen anstrebt, sollte etwa kein Recht auf Namens- und Personenstandsänderung haben?
Menschen wiederum, die sich selbst als Transsexuelle bezeichnen, werden ermahnt, dass die Bezeichnung Transsexuelle nicht mehr zeitgemäß sei – dies sogar durch cis (d. h. nicht-trans) Personen.
Kritik an anderen geht leicht. Dabei ist die Fähigkeit, andere auf ihre blinden Flecken hinzuweisen, ja meist das Ergebnis des eigenen (feministischen) Lernprozesses, der nicht immer ein Gender-Studies-Studium als Grundlage haben muss.
Transkämpfe müssen selbstverständlicher Teil unserer feministischen Kämpfe sein, schließlich geht es um Sexismus gegenüber marginalisierten Geschlechtern. Aber schlussendlich geht der Feminismus auch nicht nur in Transthemen auf. Sie sind verschränkt mit anderen feministischen Anliegen wie dem Aufbegehren gegen Rassismus, Klassismus, Homo- und Behindertenfeindlichkeit und gegen die Herabwürdigung von älteren Menschen zum Beispiel.

Solidarität ist übrigens gewaltfrei. Diejenigen zu bekämpfen und zu beschimpfen, die einer_m näher sind als das riesengroße (hetero-)sexistische System, näher als die vielfach rassistische Politik der Parteien, als die Ignoranz der öffentlichen Stellen gegenüber Menschen mit Behinderungen, ist immer einfacher, als dem Establishment selbst den Kampf anzusagen.
Ein „Wir“ zu finden, das sich auf nur minimalste gemeinsame Nenner beruft, ist auch einfacher, als die Vielfalt in den eigenen Reihen zu akzeptieren. Ausschlüsse – die im Übrigen nie zu vermeiden, jedoch zu reduzieren sind – sind dann vorprogrammiert: Die darf keine Frau sein, der nicht trans. Die ist ja nicht wirklich queer, der nicht schwul genug. Das ist jetzt aber zu feministisch, das geht zu weit. Ich bin ja viel behinderter als Behinderte, die nehmen mir meine Rechte weg, das kannst du so nicht sagen, man wird ja wohl noch heiraten dürfen, man wird ja wohl noch weiß sein dürfen, das geht jetzt aber wirklich zu weit …
Wir haben gelernt, dass es ein „Wir“ nicht mehr gibt. Weil wir alle zu verschieden sind. Richtig. Aber Hand aufs Herz, wer fühlt es nicht, wer braucht es nicht, das „Wir“, um dieser gewaltvollen, neoliberalistischen, kapitalistischen Welt den feministischen Kampf anzusagen? Wer aber fühlt sich dabei nicht ermüdet und gebremst von den „eigenen Reihen“? Linke Kollektive lösen sich auf, weil sie der oft in gewaltvollem Sprech vorgetragenen Kritik aus der Szene nicht mehr standhalten können.
Und nein, ein Buch wie „Beißreflexe“, der umstrittene Sammelband zu Kritik an autoritären Praxen in der queeren Szene, ist kein ernstzunehmender, konstruktiver Beitrag zur Klärung des aufgewühlten Wassers. Es bestätigt vielmehr die Kritik der vorausgenommenen/angesprochenen Kritiker_innen. Schade also, dass hier alle Seiten weit übers Ziel hinausschießen: Die einen bashen, die anderen bashen zurück.
Vielleicht sollten wir unser Solidaritätsprinzip, das „Wir“ (das es natürlich gar nicht gibt) mehr an unseren Zielen ausrichten, mehr an dem, was wir erreichen wollen, als an der Frage, was im Detail wir gemeinsam haben. Die Kräfte in die richtige Richtung bündeln, anstatt uns gegenseitig das Blut auszusaugen, was übrigens ganz ohne Beißreflexe geht.

 

*Frau ist für mich, wer sich als Frau definiert.

 

 

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positionswechsel: Fille terrible https://ansch.4lima.de/positionswechsel-fille-terrible/ https://ansch.4lima.de/positionswechsel-fille-terrible/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:44:43 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8787 positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumnePolitical Correctness schießt mittlerweile längst übers Ziel hinaus. Von LOTTA LUISE]]> positionswechsel_anschlaege_feminismus_kolumne

eine lady genießt und schreibt

 

Sebastian Kurz als neues Gesicht und neuer Parteichef einer neuen Bewegung? Aus autobiografischen und stadthistorischen Motiven möchte ich da schon anmerken, dass die Buben der Jungen ÖVP aus den frühen Nullerjahren, die ich auf Mediziner-Clubbings kennenlernte und die mit mir schliefen, weil sie schon immer mal von einer echten Feministin rangenommen werden wollten, genauso gekleidet waren und genauso sprachen. Da hängt sicher noch eine Barbour-Jacke im Vorzimmer von Basti. Ich als Expertin muss das wissen. Und ich nehme mir heraus, das einfach mal zu sagen – auch wenn der Shitstorm vermutlich schon vorprogrammiert ist. Political Correctness, in den 80er-Jahren noch ein ambitioniertes Projekt, das als akademische (und vielleicht ein wenig puritanische) Antwort auf die Mackerinnenkultur gelesen werden konnte, schießt mittlerweile längst übers Ziel hinaus. Aus der sinnvollen und notwendigen Kritik an nackten Ärschen, die bei jeder Rasierschaum- oder Baumarktwerbung in die Kamera gestreckt wurden, ist eine verbissene Sittenpolizei entstanden, die letztendlich auch der (einst als befreit gefeierten!) Sexualität jeden Reiz nimmt. Männer-Aktivisten zelebrieren angesichts der im Westen längst erfüllten Gleichstellungsforderungen im Netz die vielfältige Schönheit ihrer Hodensäcke („beauty at every ball shape“) oder sinnieren über den „essentialistischen“ Eichel-Begriff. Ist auf dem Plakat einer Bierwerbung aber auch nur der Ansatz einer rückseitigen Rundung junger, kerniger Burschen zu sehen, klebt sofort ein Sexismus!-Sticker an der Plakatwand. Kaum verwunderlich, dass zuletzt gerade Autorinnen wie Josefine Lottmann oder Thea Glavinic Erfolge feierten, die ihre Protagonistinnen auch mal in die Tabledance-Bar schicken und sie dort auf die prallen Ärsche blutjunger Rumänen starren lassen. Und die eine nasse Möse einfach mal eine nasse Möse sein lassen.

 

Lotta Luise verweist auf den satirischen Gehalt dieser Kolumne – und die realen politischen Ereignisse, die dahinterstehen.

 

Illustration: Nadine Kappacher
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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„Die Gesellschaft ist immer krank“ https://ansch.4lima.de/die-gesellschaft-ist-immer-krank/ https://ansch.4lima.de/die-gesellschaft-ist-immer-krank/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:40:33 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8784 VALIE EXPORTInterview: VALIE EXPORT über Feminismus in schlimmen Zeiten. Von JULIA MARTIN]]> VALIE EXPORT

Und die Kunst ist immer politisch, sagt die feministische Ikone der Medien- und Performancekunst VALIE EXPORT. JULIA MARTIN traf sie zu einem Gespräch über Feminismus in schlimmen Zeiten.

 

Die bekannte feministische Künstlerin VALIE EXPORT setzte für ihre provokante Performancekunst häufig ihren eigenen Körper ein. In den 1960er- und 1970er-Jahren löste sie mit Performances wie dem „Tapp- und Tastkino“ oder der „Aktionshose Genitalpanik“ Skandale in der bürgerlichen Gesellschaft aus.
Auf dem Xposed Film Festival in Berlin zeigte sie nun ihren ersten Spielfilm „Unsichtbare Gegner“ aus dem Jahr 1977. Ein „psychischer Science Fiction Film“ über das Leiden einer jungen Frau in einer patriarchalen Gesellschaft.

an.schläge: Vor genau vierzig Jahren haben Sie zum ersten Mal Ihren Film „Unsichtbare Gegner“ in Berlin vorgestellt. Nun zeigen Sie den Film wieder hier auf dem Xposed Queer Film Festival. Wie ist es, damit zurück zu sein?

VALIE EXPORT: Es ist spannend, die Reaktionen im Publikum zu sehen. Ich sehe einen riesigen Generationsunterschied zu damals, und dass die jungen Leute den Film heute so positiv aufnehmen, freut mich sehr.

Wie aktuell ist der Film für Sie heute?

Aufgrund der gegenwärtigen politischen Verhältnisse, die noch schrecklicher geworden sind, ist er sicherlich noch sehr aktuell. Die Wahrnehmungen der Figur sind noch immer dieselben, es herrscht noch immer die gleiche Verunsicherung, wie ich sie damals im Film ausgedrückt habe.

Finden Sie es ermutigend, dass sich so viele junge Leute für Feminismus interessieren?

Der große Unterschied ist, dass die Zeiten anders sind. Man sieht, dass feministische Themen überall auf der Welt wichtig werden, besonders für junge Leute, die die Zukunft zu gestalten beginnen. Durch die kulturellen Bewegungen in den letzten fünfzehn Jahren sind andere Interessen und Fragestellungen dazugekommen, wie etwa die Ausweitung auf andere Kulturen mit dem Hauptthema Frauen und Feminismus. Feminismus richtet sich ja nicht per se gegen Männer. Frauen wollen die gleichen Rechte, die gleiche Bezahlung, weil wir alle Menschen sind – darum geht es doch eigentlich. Die Gesellschaft heute sagt aber, dass es den Frauen doch mittlerweile eh gut geht. Nur stimmt das überhaupt nicht. Ich denke sogar, dass es Rückschritte gegeben hat. Den Frauen wird gesagt, sie sollen Mut haben und männlich dominierte Berufe erobern. Doch einer Frau muss man keinen Mut zusprechen, das braucht sie nicht. Die Gesellschaft muss Frauen Gleichstellung ermöglichen, die Strukturen müssen einfach gegeben sein.

In Ihrem Film wird die Figur aufgrund der patriarchalen Strukturen krank und die Beziehung zwischen Frauen und Männern ist das große Thema. Glauben Sie, dass sich in diesem Bereich etwas verändert hat?

Die Strukturen sind noch härter geworden, was die Beziehung von Frauen und Männern angeht.
Aber die Frau im Film ist nicht krank. Sie zeichnet nur auf, was um sie herum passiert. Sie scheint krank, aber sie macht eine Aussage über die Gesellschaft und sich selbst. Die Kämpfe sind heute immer noch die gleichen.

Würden Sie also sagen, die Frau in Ihrem Film ist nicht krank, sondern die Gesellschaft, in der sie lebt?

Die Gesellschaft ist immer krank. (lacht)

 

VALIE EXPORT
VALIE EXPORT

 

Sie sagen, dass Sie mit Ihrem Film auch die Heuchelei und das Verlogene in Österreich thematisieren. Wie empfinden Sie dies gegenwärtig, hat sich da etwas verändert?

Die Heuchelei gibt es noch immer, sie war nie weg. Der Film war ja damals auch ein Angriff auf die religiöse bürgerliche Haltung. Die ist heute noch immer so wie früher, aber sie vermindert sich. Die Kirche hat nicht mehr so viel Macht, weil sie es nicht schafft, sich zu reformieren. Deshalb treten immer mehr Leute aus, junge wie alte. Aber die Heuchelei, die wird bleiben.

Welche Bilanz ziehen sie als Feministin? Gerade angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage und der Wahl von Donald Trump?

Wir stehen gerade sehr schlecht da. Keine einzige Frau in den USA hätte Trump wählen sollen, angesichts seiner Haltung ihnen gegenüber. Es wundert mich, dass überhaupt eine einzige Frau ihn gewählt hat! Die Widerstände gegen seine Präsidentschaft sind eine ganz klare Reaktion, die hoffentlich auch zu politischen Veränderungen führen kann. Diese Veränderungen kommen aber nicht allein von den Frauenmärschen, da muss eine größere Verunsicherung stattfinden. Männer müssen sich solidarisieren, sie müssen genauso mitmachen.

Sie als Video- und Performancekünstlerin haben ja gesellschaftliche Zustände oft mithilfe des eigenen Körpers und Nacktheit thematisiert, und die Öffentlichkeit hat oft schockiert reagiert. Glauben Sie, dass der weibliche Körper noch heute dieselbe Kraft hat, politische Zustände zu thematisieren?

Ja natürlich, er hat dasselbe Potenzial wie damals. Man sieht ja auch in Russland die Proteste von FEMEN und Pussy Riot. Proteste geschehen durch den weiblichen Körper. Körper haben noch immer die gleiche Bedeutung, denn sie drücken noch immer aus, was den Menschen ausmacht. Dadurch formt er ja auch die Welt.

Was hat feministische Kunst generell in den letzten fünfzig Jahren geleistet?

Feministische Kunst ist ein politischer Ausdruck und sensibilisiert im künstlerischen Bereich für feministische Themen. Feministische Künstlerinnen haben sehr viel zu einem neuen Kunstbewusstsein und zu einem neuen politischen Bewusstsein beigetragen.

Christin Macel ist heuer die Kuratorin der Biennale – und damit übrigens erst die vierte Frau in dieser Rolle in der ganzen Biennale-Geschichte. Sie hat sich in einem interview gegen die Politisierung der Kunst ausgesprochen. Wie politisch muss Kunst Ihrer Meinung nach sein?

Kunst ist immer politisch. Man kann nicht behaupten, dass es so etwas wie eine reine Kunst gibt. Kunst ist politisch und daher macht es für mich keinen Sinn zu sagen, sie soll nicht politisch sein.

Auf der Biennale vertreten heuer Brigitte Kowanz und Erwin Wurm Österreich. Brigitte Kowanz musste dabei auf einen Außenraum ausweichen, weil Wurm darauf bestanden hat, den Pavillon alleine zu bespielen.

Sie ist ein sehr aussagekräftiges Zeichen, dass sich hier ein Künstler hinsetzt und eine Frau aus dem Pavillon herausdrängt. Es ist außerdem eine schlechte Entscheidung der Kommissarin und des Kulturministers, einem Künstler nachzugeben, den ganzen Pavillon für sich selbst zu beanspruchen. Eigentlich müsste man sagen, wenn du nicht teilen möchtest, dann kannst du halt nicht dabei sein. Der Pavillon hat eine Geschichte, nicht das Außen drumherum, das die Frau dann bespielen soll. Die Frau wird aus dem Raum herausgedrängt – und die österreichische Kulturpolitik stimmt zu.

Hat sich generell etwas geändert am Sexismus im Kunstbetrieb?

Manche Dinge haben sich schon geändert. Es gibt mehr Direktorinnen, es gibt mehr Kuratorinnen als früher. Da ist man schon offener und aufmerksamer für Frauen geworden. Aber vieles hat sich auch nicht geändert, es gibt weiterhin mehr erfolgreiche Männer, viel Namedropping. Da ist noch viel Arbeit nötig, wahrscheinlich jahrzehntelang.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Ratschlag für junge Frauen, was geben Sie der nächsten Generation Feministinnen mit auf den Weg?

Glaubt an Utopien.

 

 

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heimspiel: Drei Eltern ist eine_r zu viel! https://ansch.4lima.de/heimspiel-drei-eltern-ist-eine_r-zu-viel/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-drei-eltern-ist-eine_r-zu-viel/#comments Thu, 29 Jun 2017 07:30:13 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8786 HeimspielKindern mit polyamoren Eltern sind allerlei neugierigen Fragen ausgesetzt. Von SABRINA]]> Heimspiel

leben mit kindern

 

„Das ist meine Sabrina!“. Das sagt das Kind, gestern sechs Jahre alt geworden, zu jedem, der mich fälschlicherweise wieder einmal als Tante oder, noch schlimmer, als Kindermädchen bezeichnet hat.
Zur Erklärung: Das Kind ist unser kleines Polykül (kleine Masse entstanden aus lustvollen chemischen Verbindungen mehrerer großer Massen). Als sie gezeugt wurde und auf die Welt kam, lebten wir in einer Dreier-Poly-Beziehung: Ihr Papa, ihre Mama und ich.
Polyamor sind wir alle geblieben, auch wenn sich unsere Beziehungskonstrukte mittlerweile verändert haben. Julia bleibt ein Poly-Kind und als solches ist sie öfters mit Menschen konfrontiert, die ihre Nase gerne in anderer Leute Angelegenheiten stecken, und hinterrücks, über das Kind versuchen herauszubekommen, in welchem Verhältnis ich zu ihrer Mama und ihrem Papa („ist das überhaupt der leibliche?“) stehe. Zum Beispiel wenn wir drei Eltern mit ihr eine Schultasche einkaufen gehen und wieder eine Verkäuferin fragt: „Na, was sagt deine Tante denn zu der Farbe?“ Oder: „Freust du dich, dass dein Kindermädchen mitgekommen ist?“
Julia wirft ihr dann ihren „Ihr Erwachsenen habt aber auch von gar nichts eine Ahnung“-Blick zu und antwortet in einem Tonfall, der keine weiteren Fragen zulässt, mit: „Das ist NICHT meine Tante – das ist meine Sabrina!“
Meistens ist das Thema dann auch tatsächlich durch. Die wenigen Male, in denen es jemand wagt, danach noch weiter zu fragen, springe ich helfend ein und erkläre je nach Situation: „Wir leben polyamor; ich bin die Freundin der Mutter; ich bin eine Freundin der Familie.“
Doch nun habe ich einmal eine Frage: Wenn die wissen, dass wir wissen, was sie eigentlich wissen wollen, nämlich, warum dieses Kind ein Eltern zu viel hat, warum fragen sie dann das eine Kind und nicht die drei Eltern? Für Julia jedenfalls ist es – noch – ganz normal, dass sie von uns allen betreut und geliebt wird. Und wir hoffen, dass sie auch in Zukunft so natürlich und leicht mit ihrem und unserem Leben umgeht, wie sie das im Moment tut.

 

Sabrina, 31 Jahre alt, ist Teilzeitmutter einer sechsjährigen Tochter, mit der sie nicht biologisch verwandt ist. Den anderen Teil ihrer Zeit verbringt sie im Büro und organisiert anderer Menschen Chaos.

 

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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an.sprüche: Der europäische Geist ist neoliberal https://ansch.4lima.de/an-sprueche-der-europaeische-geist-ist-neoliberal/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-der-europaeische-geist-ist-neoliberal/#comments Thu, 29 Jun 2017 07:16:57 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8790 Marta Minujín, The Parthenon of Books. Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14 Bei der diesjährigen documenta gibt es neben Kassel in Deutschland einen gleichbe- rechtigten Ausstellungsteil in Athen. Einzelne griechische KünstlerInnen kritisieren die documenta als Ausbeuterin der Krise. © Roman MärzDie Krisenpolitik der EU hält ihre Mitgliedsstaaten zu Sparmaßnahmen und Sozialkürzungen an. Von HANNA LICHTENBERGER]]> Marta Minujín, The Parthenon of Books. Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14 Bei der diesjährigen documenta gibt es neben Kassel in Deutschland einen gleichbe- rechtigten Ausstellungsteil in Athen. Einzelne griechische KünstlerInnen kritisieren die documenta als Ausbeuterin der Krise. © Roman März

Die Ursachen für den europäischen Rechtsruck sind in der autoritär-neoliberalen Krisenpolitik der EU zu suchen, die ihre Mitgliedsstaaten zu drastischen Sparmaßnahmen und Sozialkürzungen anhält. Von HANNA LICHTENBERGER

 

Es ist still geworden um das „Problemkind Nummer eins“ der Europäischen Union, Berichte zu aktuellen Verhandlungen um die Auszahlung der nächsten „Tranche“ an Griechenland sind weit hinten in den Zeitungen versteckt. Seit der rituellen Opferung der griechischen Demokratie am Altar der Austerität sind öffentliche Belehrungen und die Erpressungen des EU-Rates und der EZB in den Hintergrund getreten. Die griechische SYRIZA-Regierung setzt den Kürzungskurs eifrig fort, doch die humanitären Krisen in Griechenland sind nicht verschwunden. Die Arbeitslosigkeit liegt bis heute deutlich über zwanzig Prozent, betroffen sind Frauen und junge Menschen in besonderem Maße. Schutzsuchende werden unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern festgehalten, um sie an einer Einreise in den Schengen-Raum zu hindern. Reportagen über die Suppenküchen, über die selbstorganisierten Betriebe und die solidarischen Kliniken finden keinen Platz mehr im Feuilleton. Ungenutzt blieb das Möglichkeitsfenster, das sich mit dem Oxi der griechischen Bevölkerung öffnete, um der Austerität den Rücken zu kehren.

Fiskalpakt. Die griechischen Zustände wirken sich nicht mehr so stark auf die Kursentwicklung des Euros aus wie 2015, sie schaden der Europäischen Union nicht mehr. Durch den „Coup“ gegen die SYRIZA-Regierung wollten europäische Eliten deutlich machen: Es gibt keine Alternative zur Austerität, keinen Ausweg aus der Krise abseits der Kürzungspolitik. Wahlergebnisse und Widerstand ändern nichts – das Signal richtete sich nicht nur an die griechische Bevölkerung. Es ging auch an die Podemos-UnterstützerInnen und an Linksprojekte in der ganzen EU. Das Prinzip der Kürzungspolitik um jeden Preis, der ausgeglichenen Staatshaushalte wurde nicht angekratzt. Der Fiskalpakt, der die fiskalpolitische Gestaltungsmacht von Regierungen stark eingrenzt, ist in den Verfassungen verankert, das neomerkantilistische Exportmodell à la Deutschland bleibt weiterhin die ausgegebene Losung. Deutlich wurde: Demokratische Prozesse werden der Standortlogik untergeordnet.

 

Marta Minujín, The Parthenon of Books. Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14 Bei der diesjährigen documenta gibt es neben Kassel in Deutschland einen gleichbe- rechtigten Ausstellungsteil in Athen. Einzelne griechische KünstlerInnen kritisieren die documenta als Ausbeuterin der Krise. © Roman März
Marta Minujín, The Parthenon of Books. Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14
Bei der diesjährigen documenta gibt es neben Kassel in Deutschland einen gleichberechtigten Ausstellungsteil in Athen. Einzelne griechische KünstlerInnen kritisieren die documenta als Ausbeuterin der Krise. © Roman März

 

Zahnlos. Selbst nach dem Brexit-Votum, den Wahlerfolgen von Marien Le Pen, Norbert Hofer und anderen europäischen RechtspopulistInnen gibt es kein Abweichen von dem Prinzip der Austerität. Wer sich mit den Ursachen des Rechtstrendes beschäftigt, dem/der wird schnell klar: Das Beschwören des Friedensprojektes EU bleibt zahnlos. Denn die EU schaut bei der Steuervermeidung von Konzernen zu und ihr Versprechen von Wohlstand umfasst nur einige wenige. Die EU ist ein Elitenprojekt, den „europäischen Geist“ hochzuhalten mag mancherorts die rechte Machtergreifung hinauszögern. Die Ursachen des gesellschaftlichen Rechtsrutsches verschwinden jedoch nicht – hat doch die Austerität selbst den RechtspopulistInnen zum Aufstieg verholfen.

Soziale Fragen. Aber es geht auch anders. Die Bewegung um den Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn oder auch die Erfahrung in den USA mit Bernie Sanders zeigen: Politik und Wahlkampf müssen nicht bedeuten, darum zu rittern, wer den Ist-Zustand besser konserviert. Corbyn hat gewonnen, weil er die Partei öffnete und soziale Fragen (leistbares Wohnen, Bildungszugang, den Erhalt eines guten Gesundheitssystems für alle) in den Mittelpunkt stellte. Er hat der Austerität eine klare Absage erteilt, dem neoliberalen Dogma der EU ein solidarisches Manifest entgegengesetzt.
Auch Initiativen auf europäischer Ebene gegen TTIP/CETA zeigen, dass effektiver Widerstand gegen weitreichende Ein- und Angriffe auf Demokratie und Sozialstaat möglich ist, wenn die Zivilgesellschaft breite Bündnisse sucht, um der Logik des Kapitals entgegenzutreten.

 

Hanna Lichtenberger ist Historikerin und Politikwissenschaftlerin in Wien und im UnterstützerInnenkreis von mosaik-blog.at

 

 

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Arbeit im Verborgenen https://ansch.4lima.de/arbeit-im-verborgenen/ https://ansch.4lima.de/arbeit-im-verborgenen/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:07:14 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8773 © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.comInterview: JUDITH PÜHRINGER: „Auch das ist Arbeit“. Von GABI HORAK]]> © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com

Unter dem Motto „Auch das ist Arbeit“ rief das Netzwerk arbeit plus zur kreativen Auseinandersetzung mit dem gängigen Arbeitsbegriff auf. GABI HORAK hat Geschäftsführerin JUDITH PÜHRINGER zur Aktion befragt.

 

an.schläge: Was ist der „gängige Arbeitsbegriff“ und wie würdest du ihn erweitern?

Judith Pühringer: Ist von „Arbeit“ die Rede, ist meist Erwerbsarbeit gemeint. Für uns im Netzwerk arbeit plus ist Arbeit in Anlehnung an die „Vier-in-einem-
Perspektive“ der Soziologin Frigga Haug auch Sorgearbeit (wie z. B. Kinderbetreuung), Freiwilligenarbeit und das, was man für sich selbst tut, etwa Weiterbildung. Wir glauben: Nur eine Erwerbsarbeit, die für die weiteren drei „Arbeitsfelder“ Raum lässt, wird den Menschen und auch der Natur in ihrer Gesamtheit gerecht.

Hat sich diese Definition in den vergangenen Jahrzehnten geändert?

Meiner Meinung nach ist die Definition über die Jahre dieselbe geblieben – ein weiteres Indiz dafür, wie dringend es einen neuen Blick braucht.

Im Mai habt ihr Menschen dazu aufgerufen, einen „Auch das ist Arbeit“-Sticker an einem beliebigen Motiv anzubringen, das sie persönlich mit „Arbeit“ verbinden, und dieses unter #auchdasistarbeit zu posten. Was wolltet ihr mit dieser Kampagne erreichen?

Die Botschaft ist: „Jede Arbeit ist etwas wert, egal, ob bezahlt oder unbezahlt.“ Wir wollten Bewusstsein für eine gerechtere Verteilung von Arbeit schaffen, z. B. zwischen Männern und Frauen, da Frauen ja nach wie vor die Hauptlast unbezahlter Tätigkeiten tragen. Insgesamt leiden viele unter Burnout, andere finden wiederum keinen Job. Ist man sich der Ungleichheit bewusst, kann man überlegen, wie sich das ändern kann, etwa durch Arbeitszeitverkürzung.

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com
© Chris Crisman: „Women’s Work“
In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

Zeigt sich das auch in den Fotos, die ihr bekommen habt?

Explizit für politische Statements genutzt haben die Aktion nur wenige. Aber viele nahmen den Ball auf, um haushaltsbezogene Tätigkeiten ins Blickfeld zu rücken. Sie sagten damit: Das ist Arbeit, die wir täglich im Verborgenen machen und die häufig nicht als solche benannt wird. Und das ist ja genau genommen auch eine sehr politische Aussage.

Besonders in Hinblick auf Geschlechterverhältnisse ist „Arbeit“ ein schwieriges Feld – angefangen bei der Definition, über Berufschancen und Arbeitsbedingungen bis hin zu Bezahlung und Vereinbarkeit. Wie beurteilst du die aktuelle Situation in Österreich? Wie geht es Frauen in ihrer „Arbeit“?

Dass es einen Equal-Pay-Tag braucht, spricht allein schon Bände. In Österreich ist fast jede zweite Frau teilzeitbeschäftigt, aber nur knapp jeder zehnte Mann. Aktuelle Umfragen zeigen, dass viele Frauen in Teilzeit lieber länger arbeiten würden, während sich viele Männer mehr Zeit für ihre Familie wünschen. Frauen tragen zusätzlich die Risiken, die Teilzeit mit sich bringt: schlechtere Aufstiegschancen, ein höheres Armutsrisiko.

Wie kam die Aktion an? Wie seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Wir haben so etwas zum ersten Mal gemacht, es war ein Experiment. Schön sind die vielen positiven Feedbacks, die wir erhalten haben. Viele konnten mit ihren Erfahrungen andocken, dementsprechend bunt ist die Bilderlandschaft. Die Motive reichen vom Nüsse Knacken (im übertragenen wie realen Sinn) über die eigenen Tanzschuhe und das Rasenmähen bis zum Schreiben von Bewerbungen. Manche sozialen Unternehmen haben auch Einblicke in ihren Arbeitsalltag gegeben. Wir überlegen, aus den besten Motiven eine Freecard-Serie zu gestalten. Außerdem finden wir, dass die Bilder vor allem in ihrer Gesamtheit wirken: als großer Fleckerlteppich, der den Blick auf das Ganze der Arbeit richtet, wie wir sie verstehen.

 

arbeit plus ist das österreichische Netzwerk sozialer Unternehmen.

 

 

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an.künden: Binäre Reinheit https://ansch.4lima.de/an-kuenden-binaere-reinheit/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-binaere-reinheit/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:05:50 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8793 © Stephan Röhl via Heinrich-Böll-Stiftung/Flickr„Wer hat Angst vor Gender?“ thematisiert Carolin Emcke bei einem Vortrag in Frankfurt.]]> © Stephan Röhl via Heinrich-Böll-Stiftung/Flickr

Die „Cornelia Goethe Colloquien für Frauenstudien und die Erforschung für Geschlechterverhältnisse“ beschäftigten sich im vergangenen Semester mit der stets heiß debattierten Frage „Wer hat Angst vor Gender?“ Die Abschlussvorlesung der Vortragsreihe hält die Philosophin und freie Publizistin Carolin Emcke. Bei freiem Einritt erörtert sie die ideologischen Elemente und Motive, die in der Logik der Reinheit im gegenwärtigen Diskurs um Gender wieder verstärkt auftauchen.

 

5.7., 18:00–20:00: „Gegen den Hass oder: Die Ordnung der Reinheit“, Vortrag von Carolin Emcke
Goethe-Universität, 60323 Frankfurt, Theodor-W.-Adorno-Pl. 1, Campus Westend, Raum 823 im Casino Festsaal

 

© Stephan Röhl via Heinrich-Böll-Stiftung/Flickr
© Stephan Röhl via Heinrich-Böll-Stiftung/Flickr

 

 

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an.künden: Queere Bühne https://ansch.4lima.de/an-kuenden-queere-buehne/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-queere-buehne/#respond Thu, 29 Jun 2017 07:02:51 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8794 © „Gnucci“ Esteban WautierDas „Yo! Sissy“-Musikfestival in Berlin holt lokale und international bekannte queere Acts auf die Bühne.]]> © „Gnucci“ Esteban Wautier

Bereits zum dritten Mal bringt das „Yo! Sissy“-Musikfestival in Berlin lokale sowie international bekannte queere Acts gemeinsam auf die Bühne und bemüht sich, vor allem weibliche* und trans* Musiker_innen eine Plattform zu bieten. Das diesjährige Line-up verspricht großartige Auftritte von u. a. Chicks on Speed, Planningtorock, Gurr, Zebra Katz, Lotic, Islamiq Grrls sowie den energiegeladenen Pussy Power Rap von Gnučči. Dieses Jahr wird es zusätzlich einen Markt geben mit über zwanzig queeren Unternehmen, die u. a. Essen, Getränke, Kleidung und Handwerkliches anbieten.

 

28.–30.7., Yo! Sissy Musikfestival
Festsaal Kreuzberg, 12435 Berlin, Am Flutgraben 2

 

© „Gnucci“ Esteban Wautier
© „Gnucci“ Esteban Wautier

 

 

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Kurzkommentare aus der Arbeitswelt https://ansch.4lima.de/kurzkommentare-aus-der-arbeitswelt/ https://ansch.4lima.de/kurzkommentare-aus-der-arbeitswelt/#respond Thu, 29 Jun 2017 06:43:37 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8770 © Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.Stimmen aus den Branchen Industrie, Pflege, Bankenwesen, Consulting, Reinigung. ]]> © Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

Stimmen aus den Branchen Industrie, Pflege, Bankenwesen, Consulting, Reinigung.

 

Als meine Stelle als Putzkraft in Gefahr war, wollten sich die Mitarbeiterinnen der Uni, an der ich putze, für mich einsetzen. Sie wussten aber nicht, dass ich gar nicht bei der Uni angestellt bin. Ich arbeite stattdessen bei einer großen Reinigungsfirma, in der übrigens viele MigrantInnen arbeiten, in der es aber gar keine Interessensvertretung für die ArbeiterInnen gibt. Die Uni hat das Putzen outgesourct – und damit auch die Verantwortung für die Menschen, die diesen Job erledigen. Manchmal müssen wir unsere Arbeit unvollendet lassen, weil die Firma unsere Zeit pro Stockwerk eines Gebäudes genau festlegt. Übrigens habe ich eigentlich Pharmazie studiert, in meiner Heimat, in der Ukraine. Das Studium wird in Österreich nicht anerkannt. Mit dem geringen Gehalt bei der Reinigungsfirma kann ich mit meinen zwei Kindern nicht überleben. Ich brauche dazu immer einen Mann an meiner Seite. Oxana Bohoslavets*

 

Abwechslungsreich ist mein mittlerweile zwanzigjähriger Berufsalltag als Krankenschwester auf jeden Fall: Durch die unterschiedlichen Dienste (Tag-, Nacht- und Kurzdienst) ist keine Woche wie die andere. Aber an den Arbeitsbedingungen ließe sich einiges verbessern, doch stattdessen wird sich der Betreuungsschlüssel wohl eher verschlechtern. Bei immer mehr Patient_innen und immer weniger Pflegepersonal leiden alle Seiten.
Die Hierarchien im Krankenhaus sind klar. Das Pflegepersonal hat, anders als die Ärzt_innen beispielsweise, überhaupt keine Lobby. Manchmal frage ich mich, ob die oft unterwürfige Haltung der Schwestern noch vom katholischen Erbe des Schwesternberufs stammt. Doch die „helfende“ Pflege muss dringend aufgewertet werden und zwischen Ärzt_innen und Pflegepersonal müsste eine Art Paartherapie stattfinden, um besser Hand in Hand arbeiten zu können, und damit auch effizienter.
Die fortschreitende Technisierung im medizinischen Bereich sehe ich in erster Linie positiv, denn sie hilft, Leben zu retten – ob es das von beispielsweise Komapatient_innen oder das von Frühchen ist. Natürlich stellen sich manchmal ethische Fragen in Bezug auf den Fortschritt, aber vieles hat sich hier auch zum Positiven gewendet. Cornelia

 

Da ich meine vierjährige Tochter pünktlich aus dem Kindergarten abholen muss und einen langen Arbeitsweg habe, ist das Arbeiten im Homeoffice für mich ein großer Vorteil. Ich spare mir dabei bis zu eineinhalb Stunden. Diese Zeit kann ich nutzen, um in stressigen Phasen etwas mehr zu arbeiten, oder auch, um einige private Dinge zu erledigen. Manchmal ist es auch einfach schön, in Ruhe zu frühstücken, nachdem ich meine Tochter in die Kita gebracht habe. Durch meine Teilzeit-Tätigkeit im Tender Management einer Beratungsgesellschaft reicht ein Laptop und eine Internetverbindung aus, um voll arbeitsfähig zu sein. Ich bin mir allerdings unsicher, ob das Arbeiten zu Hause wirklich effizienter ist. Im Büro wird man vom ständig klingelnden Telefon oder den KollegInnen abgelenkt, zu Hause ist es die unaufgeräumte Wohnung, der fast leere Kühlschrank oder manchmal auch die Zeitung oder der Fernseher.
Ich arbeite ein- bis zweimal pro Woche zu Hause, möchte dies aber auch nicht öfter tun, da das Arbeiten zu Hause ziemlich einsam ist und man irgendwann nicht mehr richtig „dazugehört“, wenn man sich im Büro selten blicken lässt. Der Austausch mit den KollegInnen hat doch einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert, denke ich. Viele meiner KollegInnen nutzen Homeoffice, obwohl wir eigentlich nur 25 Prozent unserer Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten dürfen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Martina Höller*

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.
© Chris Crisman: „Women’s Work“
In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

Als Industriemechanikerin gibt es für mich eine berufliche Konstante: Ich bin die einzige Frau. Ich kenne zwar welche, die Ähnliches machen, aber ich habe keine Kolleginnen in meinem direkten Arbeitsumfeld. Davor habe ich in der Pflege gearbeitet, was sehr belastend war: so gut wie keine oder nur schlechte Hilfsmittel, extrem viel körperliche Anstrengung, schlechte Arbeitsbedingungen.
Industriemechanikerin kann auch ein sehr heftiger Job sein. Gegen die Pflegearbeit war er aber ein Spaziergang. Trotzdem immer wieder: Ja, aber du als Frau, da kommste doch körperlich an deine Grenzen. Von Typen, die beim Anziehen von ein paar Schrauben schon rummackern, wie hart das ist, aber keine Ahnung hätten, wie sie ’nen hundert Kilo schweren Patienten bewegen. Immer wieder, auch bei Bewerbungsgesprächen ist das ein Thema, ob ich das überhaupt schaffe. Und ich denke jedes Mal: Warum nicht? Selbst von den korrektesten Kollegen kommt dieses Vorurteil: Frauen sind schwächer. Also muss ich das irgendwie kompensieren. Ich muss so weit überzeugen können, dass jemandem das „körperliche Defizit“ egal ist.
Und da ist technischer Fortschritt schon was Nettes: mehr Automatisierung, mehr und mehr Arbeiten am Computer, immer mehr Arbeiten, bei denen technisches Verständnis gefragt und weniger körperliche Arbeit gefordert ist. Und das trauen sie mir schon zu. Franziska Naja*

 

Ich arbeite seit über 13 Jahren in der Bankbranche, aktuell im Rechnungswesen. Da ich in einer sehr kleinen Bank angestellt bin, bin ich neben der Buchhaltung und der Bilanzerstellung auch für die Gehaltsverrechnung und Sekretariatsagenden zuständig. Quasi „Mädchen für alles“ oder – wie man es heute nennt – meine „Hands on“-Mentalität ist sehr ausgeprägt.
Die Digitalisierung ist bei uns in der Bank ein großes Thema. Der Kundenkontakt besteht nicht mehr in der persönlichen Vorsprache, sondern aus einem Besuch auf der Homepage. Die Kommunikationswege digitalisieren sich immer mehr. E-Mail, Telefon, Homepage und vor allem das Internetbanking sind die wichtigsten Werkzeuge bei der „Servicierung“ der Kunden. Selbst die Infoweitergabe unter den KollegInnen erfolgt inzwischen vermehrt über ein Chatprogramm. Da das gesamte Leben immer schneller läuft und alles möglichst sofort zu erfolgen hat, müssen natürlich auch wir mithilfe von Digitalisierung 24 Stunden für unsere KundInnen verfügbar sein. Das setzt voraus, dass wir auch als Bankangestellte immer schneller und flexibler mit dieser neuen Art der Kundenbetreuung umgehen. Anytime, Anywhere! Ruth

 

Arbeitsscheu, faul, Querulantin, pubertär, asozial. Das sind die Vorurteile, mit denen ich mich herumschlagen muss. Dreißig Jahre alt, Pflichtschulabschluss, Heimhilfeausbildung, die ich nicht mehr nutzen darf (Rücken), ohne Lohnarbeit, ohne Lehrabschluss. Ziel: Hilfsarbeiterin. Falsch! Ich möchte eine Ausbildung machen, lernen, Neues erfahren, und das tue ich auch, und nur weil ich davon momentan nicht ohne staatliche Hilfe leben kann, soll ich mich selbst aufgeben, damit ich den armen Staat nicht mehr belaste? Aber das machen doch schließlich alle so, heißt es, alle arbeiten mindestens vierzig Stunden in einem Job, den sie nicht mögen, um sich ihre Ausbildung zu finanzieren, damit sie vielleicht irgendwann das machen können, was sie möchten, und stellen ihr Leben jahrelang hinten an. Hättest halt was gelernt, früher als noch Zeit war. Ja, wann denn? Ich bin ja seit ich 18 bin beim Sozialamt und beim AMS gemeldet. Und ist es denn wirklich so abartig, eine Ausbildung zu wollen, die vielleicht nicht in den Top Ten der meistgesuchten Berufe liegt? Sich ArbeitgeberInnen zu wünschen, die MitarbeiterInnen wertschätzen? Auf sich selbst zu schauen und seine Grenzen zu akzeptieren, Zeit für Familie und FreundInnen zu haben? Ja, das kannst du schon machen, wenn du reiche Eltern hast, aber nicht auf Staatskosten. Auf Staatskosten hast du zu parieren, deinen Mund zu halten, zu tun, was mensch dir sagt, keine Lebensfreude zu empfinden und am besten keine Fragen zu stellen. Vermutlich wäre das der einfachste Weg und alle wären zufrieden, außer mir. Aber wer kümmert sich denn sonst um mich, wenn nicht ich selbst? Desiree Bernstein

 

* Name von der Redaktion geändert

 

 

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„Technologischer Wandel ist gesellschaftlich gestaltbar“ https://ansch.4lima.de/technologischer-wandel-ist-gesellschaftlich-gestaltbar/ https://ansch.4lima.de/technologischer-wandel-ist-gesellschaftlich-gestaltbar/#comments Thu, 29 Jun 2017 05:56:46 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8769 © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.comWie feministisch sind Digitalisierung und Automatisierung? Von BRIGITTE THEISSL]]> © Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com

Digitalisierung und Automatisierung könnten unsere Arbeitswelt radikal verändern. Unter welchen Bedingungen das passiert, ist eine wichtige feministische Frage. Von BRIGITTE THEISSL

 

Drohnen, die uns Pakete liefern, menschenleere, automatisierte Fabriken und intelligente Software, die verlässliche medizinische Diagnosen erstellt: Das sind Zukunftsszenarien einer digitalisierten Arbeitswelt, die aktuell Expert*innen rund um den Globus beschäftigen. Arbeit 4.0 lautet das Schlagwort, unter dem die Diskussion um den technologischen Wandel im deutschsprachigen Raum geführt wird. Eine vierte industrielle Revolution sei angebrochen, impliziert das Konzept. Lernende Maschinen, Roboter und eine fortschreitende Vernetzung sämtlicher Lebensbereiche seien nicht nur imstande, Produktionsprozesse und Arbeitsformen von Grund auf zu verändern, sie könnten auch viele Menschen den Arbeitsplatz kosten. „Die Jobfresser kommen“, titelte „Spiegel Online“ vergangenen Sommer und bot sogleich das passende Quiz an: „Werde ich bald wegdigitalisiert? Mit fünf Fragen können Sie erkennen, ob Ihr Job in Gefahr ist.“ Derart drastische Schlagzeilen werden von Studien wie jener von Carl Benedikt Frey und Michael Osborne befeuert: Fast jeder zweite Arbeitsplatz könnte in den USA durch die Automatisierung gefährdert sein, so die These der Autoren. Auch hierzulande existiert eine ähnlich alarmistische Studie, die auf einer Befragung heimischer Industrieunternehmen basiert: Das Beratungsunternehmen A.T. Kearney sieht in den nächsten 25 Jahren 44 Prozent aller österreichischen Arbeitsplätze durch die Digitalisierung bedroht. Abseits der Schreckensszenarien einer gigantischen Arbeitsplatzvernichtung prognostiziert etwa eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Umbrüche, jedoch insgesamt geringe quantitative Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen.

Lobbying 4.0. Prognosen dieser Art bleiben freilich spekulativ. Immer wieder führten technologische und gesellschaftliche Entwicklungen zu Umwälzungen am Arbeitsmarkt: Ganze Berufszweige verschwanden, zugleich entstanden völlig neue Arbeitsformen. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass vor allem der Dienstleistungssektor – in dem überwiegend Frauen beschäftigt sind – seit den 1950er-Jahren rasant an Bedeutung gewonnen hat. Dennoch ist es noch immer der männliche Vollzeitarbeiter im Produktionssektor, um den sich Politik und Wissenschaft zuallererst sorgen – auch wenn Frauen in Sachen Erwerbsquote beinahe zu den Männern aufgeschlossen haben. Dass von Industriebetrieben und dem Fabrikarbeiter die Rede ist, wenn Expert*innen die Zukunft der Arbeit diskutieren, sei aber auch darauf zurückzuführen, dass die Diskussion von Interessensvertretungen der Industrie bzw. von großen Akteur*innen im Technologiebereich dominiert wird, schildert die feministische Ökonomin Katarina Hollan im an.schläge-Interview. „In diesen Produktionssektoren erhofft man sich durch Automatisierung Effizienzsteigerungen – und zum Teil werden diese auch erreicht“, so Hollan. Die parallel dazu laufende Debatte um neue Qualifikationsanforderungen an die Arbeitnehmer*innen sei ein machtvolles Mittel, um Angstmache zu betreiben und den Kampf um den Arbeitsplatz zwischen Arbeitnehmer*innen zu erhöhen.

Digitale Mehrarbeit. Wie sich Digitalisierung und Automatisierung schon jetzt auf die Arbeitswelt auswirken, erleben wir auch in unserem alltäglichen Leben als Konsument*innen. An der Selbstbedienungskassa im Supermarkt ums Eck übernehmen wir den Job der Kassiererin, durchforsten im Netz Hotelplattformen nach dem besten Angebot, statt im Reisebüro zu buchen, am Flughafen geben wir schließlich selbst unser Gepäck auf und unermüdlich tippen wir unsere persönlichen Daten in unzählige Online-Formulare. Während Banken kontinuierlich Personal (überwiegend sind es Frauen) und Filialen abbauen, erledigen wir unsere Bankgeschäfte online oder am Automat. Eine neue Form der digitalen Mehrarbeit ist entstanden, die die Vorstellung selbsttätiger Maschinen, die unsere Arbeit erledigen, konterkariert. Um zu erfassen, wer diese neue, unbezahlte Arbeit eigentlich erledigt, versucht die Soziologin Ursula Huws seit Jahren Forschungsgelder aufzustellen, wie sie dem „Falter“ in einem Interview erzählt. Weil die Zeit von Frauen als weniger wertvoll angesehen werde als jene der Männer, seien das überwiegend die Frauen, so die These von Huws.

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“, crismanphoto.com
© Chris Crisman: „Women’s Work“
In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

Klick-Proletariat. Die Umwälzung von Arbeit auf Konsument*innen ist nur eine von vielen Formen von Verlagerung, wie Flecker et al. (1) beschreiben. International tätige Konzerne verschieben Organisationseinheiten abgestimmt auf die nationale Gesetzgebung zwischen verschiedenen Staaten, so siedeln etwa österreichische Banken Abteilungen in Rumänien an. Andere Tätigkeiten werden wiederum „outgesourct“: Dienstleistungsunternehmen übernehmen etwa die Buchhaltung oder den Kund*innenservice großer Konzerne und siedeln sich dort an, wo die Lohnkosten besonders niedrig sind. Ein vergleichsweise neues Phänomen ist hingegen das Crowdworking: Plattformen, die eine noch eher unbedeutende, aber wachsende Zahl an „Clickworkern“ vereinen, die der SWR als „digitales Proletariat“ bezeichnete. Amazon war 2005 Vorreiter, als das Versandunternehmen begann, CDs zu verkaufen, und die Arbeitsvermittlungsplattform „Mechanical Turk“ gründete, um einfache Aufgaben wie das Überprüfen von Liedtiteln an die „Crowd“ auszulagern. Mittlerweile existiert eine Vielzahl solcher Plattformen, im deutschsprachigen Raum dominiert „Clickworker.de“. Kleine Jobs wie das Beschlagworten für Online-Shops können für einige Cents Lohn nebenbei erledigt werden, nur sehr erfahrene Crowdworker bringen es laut Berichten auf einen Stundenlohn von rund acht Euro. Anstelle eines Arbeitsvertrags gelten Geschäftsbedingungen, Auftraggeber*innen können den Lohn verweigern oder Wettbewerbe ausschreiben und nur deren Gewinner*innen bezahlen. Während die Digitalisierung so beispielsweise für Alleinerzieherinnen eine einfache und flexible Form des Zuverdiensts geschaffen hat, bietet sie zugleich die – freilich politisch legitimierte – Grundlage für eine Aushöhlung der Arbeitnehmer*innenrechte.
Auf Outsourcing setzt auch Facebook: Das soziale Netzwerk lässt problematische Inhalte von Dienstleister*innen auf den Philippinen überprüfen, zehn Stunden täglich sitzt die digitale Putzkolonne vor dem Bildschirm und muss unter Verschwiegenheitspflicht Videos von Enthauptungen oder dokumentierte Gewalt an Kindern im Akkord aussortieren. Die Folgen: Schlafstörungen und Depressionen, Alkoholismus und paranoides Misstrauen gegenüber anderen Menschen, berichteten der deutsche Theatermacher Moritz Riesewieck und die US-amerikanische Medienwissenschaftlerin Sarah T. Roberts von ihren Recherchen in Manila.

Technologie ist nicht neutral. „Technologischer Wandel wird immer als Fortschritt dargestellt, den man akzeptieren muss, bzw. als Entwicklung, der wir als Gesellschaft ausgeliefert sind. Kritik daran wird als Fortschrittsfeindlichkeit verstanden. Dabei geht es vielen Kritiker*innen dieser Technologiehörigkeit darum, aufzuzeigen, dass technologischer Wandel gesellschaftlich gestaltbar ist und Aushandlungsprozessen Raum gegeben werden sollte“, sagt Ökonomin Katharina Hollan. Zugleich ist die Debatte um eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich erneut aufgeflammt. Spekulationen darüber, ob „uns die Arbeit ausgeht“, beantworten Interessensvertreter*innen mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung – Produktivitätsgewinne müssten auch gesellschaftlich verteilt werden. An die Arbeitszeitverkürzung, die ein Mehr an Freizeit für alle Angestellten bringen würde, knüpft die zentrale Frage der ungleich verteilten unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern an. Rund die Hälfte der berufstätigen Frauen in Österreich hat bereits (unbezahlt) ihre Erwerbsarbeit zugunsten von Care-Arbeit verkürzt. Arbeit, die durch neue Technologien zwar besser koordiniert, aber nicht rationalisiert werden kann – auch wenn der Druck vor dem Hintergrund eines neoliberalen Sparparadigmas gerade im Dienstleistungssektor immer weiter steigt. „Man kann nicht immer schneller pflegen“, brachte es die Schweizer Ökonomin Mascha Madörin im Interview mit dem Online-„Standard“ auf den Punkt. „Auch in Zeiten des digitalen Wandels ist die grundlegende Verteilungsfrage von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern keineswegs obsolet. Gerade in Umbruchsphasen sollte sie verstärkt gestellt und Chancen für neue Geschlechterarrangements genutzt werden“, schreibt auch Gerlinde Hauer, Arbeitsmarktexpertin der Abteilung Frauen-Familie der Arbeiterkammer Wien.
Für Feminist*innen bietet sich nicht zuletzt die Chance, über Jahrzehnte hinweg erarbeitete Konzepte für eine Neugestaltung von Erwerbsarbeit in die Diskussion um die Zukunft der Arbeit einzubringen. Nicht nur die Frage einer Arbeitszeitverkürzung, auch das bedingungslose Grundeinkommen und Entwürfe einer „Care Revolution“ erscheinen dringlicher denn je. Entscheidend ist schlussendlich nicht, wie Technologien den Arbeitsmarkt verändern, sondern wie wir Technologien für ein gutes Leben für alle einsetzen.

 

(1) Jörg Flecker, Annika Schönauer, Thomas Riesenecker-Caba: Digitalisierung der Arbeit: Welche Revolution?

 

 

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In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf CHRIS CRISMAN Frauen in für sie eher untypischen Berufen.

 

Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“ In seiner Fotoserie „Women’s Work“ porträtierte der kalifornische Fotograf Chris Crisman Frauen in für sie eher untypischen Berufen. Inspiriert wurde er von Heather Marold Thomason, die ihren Job als Webdesignerin kündigte, um als Metzgerin zu arbeiten. „Gender sollte nicht über den Berufsweg bestimmen“, sagte Crisman in einem Interview.
© Chris Crisman: „Women’s Work“

 

© Chris Crisman: „Women’s Work“
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