3 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 09 Aug 2020 12:59:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png 3 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2017-03 https://ansch.4lima.de/inhalt/2017-03/ Thu, 02 Jan 2020 18:50:25 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=16934 ]]> ]]> an.künden: We fight back! https://ansch.4lima.de/an-kuenden-we-fight-back/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-we-fight-back/#respond Fri, 21 Apr 2017 22:25:22 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8593 We fight back!an.schläge, das feministische Magazin presents Diskussion, Vernetzung & Performance.]]> We fight back!

SAVE THE DATE!

Mittwoch, 10. Mai 2017, 19 Uhr

in der Akademie der bildenden Künste Wien:

 

an.schläge, das feministische Magazin presents

 

We fight back!

 

We fight back!

Feministische Revolutionsstimmung

Diskussion, Vernetzung & Performance.
Dem US-amerikanischen Women’s March ist etwas gelungen, was schon lange keine feministische Bewegung mehr geschafft hat: breit zu mobilisieren und Kräfte zu bündeln – ohne dabei die Perspektiven marginalisierter Mitstreiter*innen auszublenden.
Auch in Polen, wo die rechtskonservative Regierung ein totales Abtreibungsverbot durchsetzen wollte, hat die Frauen*bewegung ein kräftiges Lebenszeichen gegeben, und in mehreren südamerikanischen Staaten protestieren feministische Massen gegen Gewalteskalation und Machismo.
In Berlin haben am Internationalen Frauentag 2017 10.000 Menschen demonstriert – und in Österreich treiben so viele verschiedene Gruppierungen feministische (Protest-)Aktionen voran wie schon lange nicht mehr. Auch ein neues Frauenvolksbegehren wird von jungen Aktivistinnen gestartet.
Gibt es gegenwärtig die historische Chance, den Backlash nicht nur zurückzudrängen, sondern dabei sogar neuen Boden zu gewinnen? Bringen feministische Bewegungen endlich „die Revolution“, auf die Linke schon so lange warten? Und braucht es dafür ein neues „Wir“ innerhalb der Frauen*bewegung?

 

Podiumsdiskussion mit an.schläge-Redakteurinnen* und Aktivistinnen*, Teilnehmerinnen* t.b.a.

 

Anschließend proben wir den Aufstand bei Brot & Wein und feministischen Protestsongs + Auftritt Denice Bourbon (queer feminist comedian): „If there won’t be any jokes at the feminist revolution, I’m not coming“

 

 

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an.künden: Sichtbarkeit fördern https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-foerdern-2/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-foerdern-2/#respond Fri, 21 Apr 2017 22:16:37 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8591 Pharmakon, am 6. Mai auf dem Donaufestival © Caroline Schub/donaufestivalUnter dem Motto „Du steckst mich an“ wählt das donaufestival 2017 die Empathie zum Leitmotiv.]]> Pharmakon, am 6. Mai auf dem Donaufestival © Caroline Schub/donaufestival

Kritischen linken politischen Diskurs mit Avantgarde-Kunst zu verbinden – das gelingt dem Donaufestival bisher jedes Jahr. Unter der neuen Leitung von Thomas Edlinger scheint sich daran zum Glück erst einmal nichts zu ändern. Das diesjährige Motto ist „Du steckst mich an“ und wählt die Empathie zum Leitmotiv. Durchaus in ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz, was etwa der zitternde soziale Körper des „more-than-naked“-Ensembles rund um Doris Uhlich oder die Infrarot-Wärmebilder von Vika Kirchenbauer zeigen. Pharmakon, Klara Lewis und Michele Nox werden die Bühnen musikalisch zum Beben bringen und Donna Haraways Film „Story Telling for Earthly Survival“ wird in Haraways Anwesenheit gezeigt – mit anschließendem Gespräch.

 

28.4.–6.5., Donaufestival
3500 Krems, diverse Orte

 

Pharmakon, am 6. Mai auf dem Donaufestival © Caroline Schub/donaufestival
Pharmakon, am 6. Mai auf dem Donaufestival © Caroline Schub/donaufestival

 

 

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an.künden: Politischer Rundumschlag https://ansch.4lima.de/an-kuenden-politischer-rundumschlag/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-politischer-rundumschlag/#respond Fri, 21 Apr 2017 22:12:01 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8589 Sookee © Eylul AslanSookee tourt mit ihrem neuen Album „Mortem & Makeup“.]]> Sookee © Eylul Aslan

Sookee tourt mit ihrem neuen Album „Mortem & Makeup“ und bringt den politischen Diskurs in die deutsche Hip-Hop-Szene zurück. Die inhaltliche Tiefe der Songs spiegelt sich auch in ihrer musikalischen Diversität wider. Zu hören sind energische Beats bis melancholische Gedankenspiele.

 

Sookee © Eylul Aslan
Sookee © Eylul Aslan

 

Sookee
27.4. Kassablanca Jena
28.4. E-Werk Erlangen
29.4. Feierwerk München
30.4. Halle 02 Heidelberg
11.5. Groove Station Dresden
12.5. Grelle Forelle Wien
13.5. Zeughaus Passau
14.5. Alte Mälzerei Regensburg
18.5. Uebel&Gefaehrlich Hamburg
19.5. Faust Hannover
20.5. Gleis 22 Münster
25.5. Conne Island Leipzig
26.5. Schlachthof Wiesbaden
27.5. Gebäude 9 Köln
10.6. SO36 Berlin

 

 

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an.sage: Unerträgliche Ignoranz https://ansch.4lima.de/an-sage-unertraegliche-ignoranz/ https://ansch.4lima.de/an-sage-unertraegliche-ignoranz/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:59:30 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8585 Alleinerziehende & Armut. Von GABI HORAK]]>

Ein Kommentar von GABI HORAK

 

Im Land mit der „lebenswertesten“ Hauptstadt sind mehr als 400.000 Kinder und Jugendliche armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Familien mit mehreren Kindern und jene mit einem Elternteil. Alleinerziehende – zu 93 Prozent Frauen – sind mit 42 Prozent die Gruppe der Erwerbstätigen mit der höchsten Armutsgefährdung.
„Arm“ zu sein bedeutet hierzulande, die Wohnung nicht heizen zu können, sich keine ausgewogene Ernährung leisten zu können, kein Geld für Urlaub oder Schulausflüge zu haben. Kinder, die in Armut aufwachsen, sind häufig auch als Erwachsene von Armut betroffen; mit allen Langzeitkosten, die sich dadurch für die Gemeinschaft ergeben. Weder menschlich noch volkswirtschaftlich ist es also hinnehmbar, Kinderarmut einfach zu ignorieren – trotzdem passiert genau das. Jedes zehnte Kind lebt mit einem alleinerziehenden Elternteil und ist damit mehr als doppelt so häufig von Armut betroffen als Kinder aus Zwei-Eltern-Familien.
Alleinerzieherinnen organisieren sich – beispielsweise in der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) – und versuchen auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen: auf die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um ein existenzsicherndes Einkommen zu erreichen, auf die Lücken im Unterhaltsrecht (18 Prozent bekommen weder Unterhalt vom Vater noch Unterhaltsvorschuss vom Staat). Eine Novelle des Unterhaltsvorschussgesetzes fordern Betroffene seit Jahren. Denn der darin ermöglichte und sofort wirksame Antrag auf Herabsetzung des Betrages durch den Unterhaltspflichtigen stürzt jedes Jahr unzählige Alleinerzieherinnen für Monate oder Jahre in die Armut. Trotz der oft überwältigenden Last, die Alleinerzieherinnen stemmen, fehlt der Rückhalt in der Gesellschaft. Die Stimmung in diesem Land wird in Postings und Kommentaren in Online-Medien und sozialen Medien sichtbar. Die Alleinerzieherin sei „selbst schuld“ an ihrer Lage, hätte sie den Mann nicht „rausgeekelt“, hätte sie mal keine Kinder bekommen, wenn der Mann nicht der richtige war. Abgesehen von der „Schuldfrage“, die auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird, soll hier ein Bild von einer Zwei-Eltern-Norm konstruiert werden, das weit entfernt ist von jeder Realität. In den insgesamt fast vier Millionen Haushalten in Österreich leben nur 28 Prozent Paare mit Kindern, Tendenz sinkend. Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine heute geschlossene Ehe wieder geschieden wird, bei 42 Prozent. Die 251.000 Alleinerzieherinnen sind keine Normabweichung, sondern bilden eine der mittlerweile häufigsten Familienformen. Deren hohe Armutsgefährdung jedoch ist kein Naturgesetz, sondern politisches Versagen. In einer vom Sozialministerium beauftragten Studie zu Alleinerziehenden in Österreich aus dem Jahr 2011 heißt es: „Eltern in prekären und deprivierten Lebenslagen können oftmals nicht in ausreichendem Maß für die ökonomische Grundsicherung und damit auch für die bestmögliche Entwicklung und Entfaltung ihrer Kinder sorgen. Besonders alleinerziehende Eltern können vielfach die zu versorgenden Kinder nicht vor Armutserfahrungen schützen. Eine Kindergrundsicherung erscheint daher dringend notwendig. Alle in Österreich lebenden Kinder, unabhängig von der Familienform, in der sie leben, und von ihrer Herkunft (Migrationshintergrund), sollen darauf einen gesetzlichen Anspruch haben.“

Im Regierungsprogramm der SPÖ-ÖVP-Koalition von 2013 wurde angekündigt: „Weiterentwicklung des Unterhaltsvorschussgesetzes, Erstellung einer aktuellen Kinderkostenanalyse“, um auf Basis gesicherter Daten Novellen und eine Kindergrundsicherung zu diskutieren. Im neuen „Arbeitsprogramm 2017/2018“ findet sich von der „dringenden“ Kindergrundsicherung und der Novelle des Unterhalts jedoch kein Wort mehr und auch keine konkrete Maßnahme gegen die hohe Armutsgefährdung von Alleinerziehenden. Auf an.schläge-Nachfrage im Familienministerium, wie es mit der angekündigten Kinderkostenanalyse vorangehe, hieß es, die „budgetäre Bedeckung für die Durchführung einer fundierten Studie ist im aktuellen Budgetrahmen nicht gegeben“.
Eine Politik, die den Kampf gegen Armut in den Familien nicht zur Priorität erklärt, begünstigt genau jenes gesellschaftliche Klima, das allen Alleinerzieherinnen das „Selbst-schuld“-Stigma überstülpt. Damit dürfen die Frauen und ihre Kinder weiter arm sein, ohne dass wir ihre Hilferufe ernstnehmen müssen. Nein – die Frauen sollen nicht noch lauter schreien müssen, sondern die Politik muss die beschämenden Realitäten sichtbar machen, ihr bisheriges Versagen anerkennen – und dann endlich konkrete Gesetze für eine Kindergrundsicherung schaffen. Ich begrüße die neue Frauenministerin und fordere sie auf, nachdrücklich darauf zu bestehen.

 

 

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an.sehen: Einfach nur ein Mädchen https://ansch.4lima.de/an-sehen-einfach-nur-ein-maedchen/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-einfach-nur-ein-maedchen/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:47:45 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8579 Mädchenseele © Anne ScheschonkDokumentarfilm Mädchenseele: Porträt eines Trans*mädchens. Von SOPHIE CHARLOTTE RIEGER]]> Mädchenseele © Anne Scheschonk

Der Dokumentarfilm „Mädchenseele“ zeichnet ein einfühlsames Porträt des Trans*mädchens Nori. Von SOPHIE CHARLOTTE RIEGER

 

Rosa Einhörner, Schminkspiegel und Puppenhaus – das Zimmer der kleinen Nori sieht ein bisschen aus wie der wahrgewordene Albtraum von Pinkstinks. Wie so oft kollidiert auch im Dokumentarfilm „Mädchenseele“ von Anne Scheschonk ein bestimmter Trans*diskurs mit dem zeitgenössischen Queerfeminismus. Wo der eine klar unterscheidbare Geschlechter annimmt, zwischen denen sich Menschen frei entscheiden dürfen, versucht der andere eben jene Unterscheidbarkeit infrage zu stellen und zu überwinden.
„Mädchenseele“ erzählt auf den ersten Blick lediglich die Geschichte eines Trans*kindes und seiner Mutter, wirft aber zwischen den Zeilen viele spannende Fragen zum Thema Geschlechtsidentität auf. So interviewt die Filmemacherin ihre junge Protagonistin explizit zu den Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen. Und auch die Berichte der Mutter über die ersten Anzeichen von Noris Trans*identität werfen Fragen auf: Warum ist es eigentlich so merkwürdig, wenn Jungen gerne mit Barbies spielen und sich die Haare wachsen lassen wollen? Und bringt Mädchensein wirklich unweigerlich den Traum von der Modelkarriere und dem Auftritt als Funkenmariechen mit sich?

 

Mädchenseele © Anne Scheschonk
Mädchenseele © Anne Scheschonk

 

Diese kleinen Abstecher in einen grundlegenden Diskurs über Genderidentität überlagern jedoch nie die individuelle Geschichte, die „Mädchenseele“ erzählt. Dem Film geht es ausschließlich um das Porträt eines einzelnen Kindes und nicht um Pauschalaussagen. Deshalb gibt es auch keine Statistiken oder Informationen über die Phasen einer Geschlechtsangleichung. Warum Nori die von ihr herbeigesehnte Operation beispielsweise erst mit 18 vornehmen lassen darf, bleibt eine offene Frage. Auch die rechtlichen Details des „Rollenwechsels“, wie Noris Mutter die Geschlechtsangleichung ihrer Tochter nennt, werden ausgeklammert.
Die fehlenden Hintergrundinformationen sind einerseits bedauerlich, andererseits aber Ausdruck des konsequenten Konzepts von Anne Scheschonk. Indem sie auf Statements von Mediziner_innen oder Psycholog_innen verzichtet, vermeidet sie auch eine Pathologisierung Noris, die somit die Chance bekommt, einfach nur ein Mädchen zu sein. Der Film begleitet sie in alltäglichen Situationen, in der Schule, beim Hip-Hop-Unterricht oder bei Streitigkeiten mit der Mutter, die die Zuschauenden vergessen lassen, dass Nori einst als Junge gelesen wurde.
Auch wenn medizinische und damit physische Zusammenhänge hier nur eine Nebenrolle spielen, sprechen Nori und ihre Mutter den Elefanten im Raum mutig an: Das böse „P“-Wort, Noris Penis also, ist von den beiden zur Mu-Pu umgetauft worden. Dieser Neologismus macht deutlich, dass die Schwierigkeiten, mit denen Trans*menschen konfrontiert sind, schon bei der Sprache beginnen. Wie wenig unsere europäische Gesellschaft mit diesen Problemen vertraut ist, zeigt auch die Tatsache, dass Noris Mutter sich mit US-amerikanischen Internetseiten über die Situation ihrer Tochter informieren musste, in ihrem näheren Umfeld damit aber vor allem auf Unverständnis stieß. Ohne Betroffenheitsstimmung beleuchtet Anne Scheschonk mit ihrem Film auch die Hürden, die Nori und ihre Familie nehmen müssen. Und wenn ihre Mutter von den suizidalen Phasen ihrer siebenjährigen Tochter berichtet, begreift wohl auch der_die letzte Zuschauer_in, dass es sich hier nicht um eine Kinderei, sondern um eine schwerwiegende Identitätskrise handelt.
„Mädchenseele“ hat eigentlich nur ein einziges gravierendes Problem: Der Film ist einfach viel zu kurz. Kaum haben wir Nori kennengelernt, müssen wir auch schon wieder Abschied nehmen.

 

Mädchenseele
Anne Scheschonk, D 2017

 

Mädchenseele © Anne Scheschonk
Mädchenseele © Anne Scheschonk

 

 

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Alles einverleiben https://ansch.4lima.de/alles-einverleiben/ https://ansch.4lima.de/alles-einverleiben/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:38:19 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8577 Madame Tina, 2015 (Photo: Ernst Herold, © Jakob Lena Knebl)Jakob Lena Knebl unterwandert die klassische Ausstellungsarchitektur. Von FIONA SARA SCHMIDT]]> Madame Tina, 2015 (Photo: Ernst Herold, © Jakob Lena Knebl)

Jakob Lena Knebl macht sich die Sammlung des Mumok kannibalisch zu eigen und torpediert dabei die klassische Ausstellungsarchitektur. Von FIONA SARA SCHMIDT

 

Am Eingang prangt der Schriftzug der „Rocky Horror Picture Show“. Der Ausstellungstitel der Personale von Jakob Lena Knebl im Museum für moderne Kunst Wien (Mumok) im Horror-Look verheißt, dass es hier um popkulturelle Referenzen geht, um die 1970er-Jahre, um Travestie und Verkleidung, um Wiederholung und den „Kult“ im weitesten Sinne. Jakob Lena Knebl, geboren 1970 und benannt nach den Namen ihrer Großeltern, ist längst eine Institution, was queere Performance, Fotokunst und Mode angeht. Die Sammlung des Wiener Mumok hat sie lässig auf den Kopf gestellt, ergänzt um Leihgaben von befreundeten Künstler_innen und Flohmarktkäufe oder Kunstwerke, die aussehen, als kämen sie vom Flohmarkt.

Gegen den Strich. Mode und Design sind für Knebl körperliche Erweiterungen, weil sie Identitäten sichtbar machen. Bei „Oh…“ ist das lustvoll und hedonistisch in Szene gesetzt und so gar nicht akademisch gedacht und gemacht. Die Schau feiert samtige Oberflächen, runde Formen, bricht Sehgewohnheiten durch verzerrte Spiegel und spielt mit Erwartungen und Genres. Werke werden miteinander in Beziehung gesetzt, weil es sich anbietet: Martha Jungwirths Zeichnung „Grüner Schuh“ (1970) wird an das Gemälde Green Bust Domenico Gnoli (1969) angebaut, per Photoshop schummelt sich Knebl in ein Familiengemälde und altehrwürdige Giacometti- und Moore-Skulpturen sind in hippe Kleidungsstücke gesteckt. Jedoch werden sie nicht respektlos als Kleiderständer benutzt, sondern es geht darum, ihre Formen zu unterstreichen, durch das Verhüllen erhielten die zigfach abgebildeten Skulpturen eine neue Aura.
Gemälde sind wie übereinandergestapelt gehängt, ein Bild klebt fast an der Decke, ein braunes Quadrat als Strichmännchen mit Streichholzarmen, Paul Klees „Vogelscheuche“ (1935).

 

Madame Tina, 2015 (Photo: Ernst Herold, © Jakob Lena Knebl)
Madame Tina, 2015 (Photo: Ernst Herold, © Jakob Lena Knebl)

 

Verkehrter Fokus. Die im Kanon besonders wichtigen Maler hingen oben, damit man sie wenig sieht, sagt Knebl in einem Interview. Als Bezugsrahmen sind sie aber doch wichtig, sie werden demokratisch in das Spiel aus Zeichen und Verweisen eingespeist. Das Glasservice von Adolf Loos ist damit an dieser Stelle genauso (un-)bedeutend wie das „Reagenzglas“ mit Glaskondom von Michaela Spiegel.
Es sind Außenseiter_innen, die so in den Fokus rücken, aber auch längst in der Popkultur aufgegangene Typen, wie August Sanders Porträt eines Boheme-Paares („Der Maler Anton Räderscheidt und Marta Hegemann“), das bis auf Hut und Kragen statt von 1924 auch von 2014 stammen könnte. Im Blick zurück räumt Knebl den Ikonen der feministischen Kunst wie Nan Goldins und Cindy Shermans Porträts oder VALIE EXPORTs Strumpfband-Tattoo („Body Sign C“, 1970) viel Raum ein, beschäftigt sich aber auch mit männlicher Nacktheit und Körperinszenierung, etwa in Arbeiten von Wolfgang Tillmans. Der Wiener Aktionismus ist mit den Performances von Rudolf Schwarzkogler vertreten.

Utopie und Begehren. Jakob Lena Knebl hat sich die Sammlung der modernen und zeitgenössischen Kunst zu eigen gemacht, indem sie diese nach den Schlagworten „Objekte“, „Möbel“, „Displayelemente“ und „Körper“ durchsucht hat. Im Zentrum stehen sogenannte Begehrensräume, die Ausstellungsdisplays auf Messen nachempfunden sind und teilweise wie verbaute Theaterbühnen wirken. Mit dem Label „house of the very island’s“ hat Knebl, die sowohl textuelle Bildhauerei als auch Mode studierte, für die Ausstellung eine eigene Kollektion entworfen. Die „Capsule Collection“ besteht aus Kleidungsstücken lediglich in der Konfektionsgröße der Künstlerin*. Sie tritt auch höchstpersönlich in einer digitalen Installation auf: Die Besucher_innen können Knebl, die früher als Beuys’sche Fettecke posierte oder ihren nackten Körper als Picasso- oder Mondrian-Gemälde bepinseln ließ, via Smartphone als Avatar mit ausgestellten Werken interagieren lassen. Giacomettis Knochengerüst bekommt so endlich etwas zu essen verabreicht.

Interieur und Ausverkauf. 1963 fand die Ausstellung „Leben mit Pop – eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus“ statt. Konrad Lueg und Gerhard Richter luden in ein Düsseldorfer Möbelhaus, wo ihre Arbeiten zwischen Sofas und Schrankwänden präsentiert wurden. Knebl beruft sich auf diesen schönen Titel und die Pop-Art sowie die Utopien der 1970er-Jahre und präsentiert Objekte wie Dekoration in Schrankwänden aus dunklem Holz als künstlerische „Wohnlandschaften“. Die Besucher_innen können in einer Sammlung von Platten mit fiktiven Covern blättern – aber sie nicht kaufen. Darf man das überhaupt anfassen? Und ist das gemütlich aussehende braune Cordsofa nun zum Sitzen gedacht, ist es Ausstattung oder künstlerisches Designobjekt? Die Ausstellungshalle wird zur Theaterbühne, genau wie der Concept Store im „richtigen“ Leben. Denn der urbane westliche Alltag ist spätestens seit dem glatten Apple-Look selbst für billige Bügeleisen und dem nüchternen Industriedesign der Bobo-Kaffeeröstereien so weit durchdesignt, dass die Grenzen zwischen Gebrauch und Alltagskunst längst aufgelöst sind. „Die Moderne beginnt um 1900 als ein aufklärerisches Projekt, das Rationalität und Fortschritt in die Kunst einführt“, heißt es im Wandtext der Ausstellung. Statt die zeitgenössische hilflose, auf die eigene Befindlichkeit gerichtete Frage „Was macht das Kunstwerk mit mir?“ zu stellen, macht Knebl etwas mit den Kunstwerken. Um Perspektiven zu verschieben, Ordnungssysteme und Regeln zu hinterfragen.

 

„Oh… Jakob Lena Knebl und die mumok Sammlung“ bis 22.10., Mumok Wien

 

 

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zeitausgleich: Ich bin schwanger https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-ich-bin-schwanger/ https://ansch.4lima.de/zeitausgleich-ich-bin-schwanger/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:26:26 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8581 Illustration: Nadine KappacherWegen Schwangerschaft vom Chef diskriminiert. Von ANNA-KATHARINA LEDWA]]> Illustration: Nadine Kappacher

arbeitsfragen in allen lebenslagen

 

Meine Beine zittern, als ich die Werkstatt aufschließe. Mein Chef ist noch nicht da. Vor zwei Tagen hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand, und heute muss ich es meinem Chef sagen. In einer Tischlerei kann man leider nicht drei Monate warten, bis man damit rausrückt. Zu viele Gefahrenquellen.
Dann ist es so weit. Mein Chef steht in der Tür und sieht ziemlich übermüdet aus: „Ich konnte das ganze Wochenende nicht richtig schlafen, weil ich mich entscheiden musste, ob wir den großen Auftrag annehmen oder nicht. Gerade habe ich die Zusage abgeschickt. Ich habe schon etwas Angst davor.“
Oh nein! Auch das noch!
Und jetzt ich: „Ich habe auch Angst. Ich bin schwanger.“
Mein Chef starrt mich an: „Das ist zu viel für mich!“ Seine Hände zittern und er geht in sein Büro. So hatte ich mir das jetzt nicht vorgestellt. Verdammt.
Der Arbeitstag endet mit einer Auseinandersetzung, bei der wir uns gegenseitig Dinge an den Kopf werfen, die jemals zu äußern uns zuvor nicht im Traum eingefallen wäre.
„Du hättest mal Rücksicht auf mich nehmen können! Das ist ganz schön egoistisch von dir! Wer soll denn jetzt die Aufträge bearbeiten? Das mit dem Sexverbot für die nächsten drei Monate, was ich letztens im Auto gesagt habe, war kein Witz! Soll jede Firma ihre Interessen hinter die der Frauen stellen, die Kinder wollen? Da muss man sich auch nicht mehr wundern, wenn ich keine Frau mehr einstelle!“
„Ja, so sieht es wohl aus“, sage ich nur.
Bis zu diesem Tag hatte ich ein sehr enges und vertrautes Verhältnis zu meinem Chef. Ich hätte ihm diese Art von Reaktion auf meine Schwangerschaft nie im Leben zugetraut. Gerade ihm, der gerne mit Frauen zusammenarbeitet. Heute reden wir zwar noch gut miteinander, aber für mich ist nun alles anders als vorher. Die gute Beziehung zwischen uns, die mal da war, hat einen ganz gewaltigen Knacks bekommen.

 

Anna-Katharina hat im Dezember ihr erstes Kind bekommen und erwartet, dass Frauen für ihre Entscheidung, Mutter zu werden, nicht diskriminiert werden. Sie glaubt daran, dass Job und Familie vereinbar sind.

 

Zeitausgleich
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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an.sprüche: Begriffsarbeit https://ansch.4lima.de/an-sprueche-begriffsarbeit/ https://ansch.4lima.de/an-sprueche-begriffsarbeit/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:22:22 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8587 Illustration: Jo ProkschDas Ringen um Worte bei sexualisierter Gewalt. Von CONNY GANTZE]]> Illustration: Jo Proksch

Feministische Kämpfe finden auch beim Ringen um die richtigen Worte statt. Erneut ist ein Streit um den Ausdruck „Opfer“ entbrannt. Von CONNY GANTZE

 

Als Mithu Sanyal und Marie Albrecht Anfang Februar den Artikel „Du Opfer!“ in der „taz“ publizierten, brach ein Sturm an Entrüstungen los. Die Autorinnen thematisieren in diesem Beitrag die Ambivalenzen der Selbst- und Fremdbezeichnungen von Personen mit sexualisierten Gewalterfahrungen. Dieses Ringen um Begriffe ist nicht neu, sondern wird seit Jahrzehnten in feministischen Bewegungen geführt. Dies geschah im Rahmen der Kämpfe für eine Skandalisierung des Gewaltproblems und die Erweiterung des Gewaltbegriffs. Dabei haben feministische Diskurse bestimmte Positionen zu Gewalt sowie bestimmte Bezeichnungen und Begriffen immer wieder infrage gestellt, revidiert oder verworfen. Zunächst ging es aber darum, auf den Opferstatus der vergewaltigten Frauen* zu bestehen. Denn nur über den Begriff des Opfers konnte – und kann noch immer – das politische Gewicht und die juristische Relevanz sexualisierter Gewalt behauptet werden. In juristischen Kontexten sowie in medialer Berichterstattung ist es deshalb nach wie vor wichtig, Opfer und Täter* zu benennen und so eine Opfer-Täter*-Umkehr zu vermeiden. Die Betonung des temporären Zustands des Opferseins, der sich jedoch nur auf den Aspekt des Gewalterlebens und nicht auf alle anderen Lebensbereiche bezieht, ist dabei unumgänglich. In den Diskussionen wurde jedoch auch schon früh die Ambivalenz des Opferbegriffs thematisiert.
Wie auch Mithu Sanyal und Marie Albrecht in ihrem Artikel anmerken, hat sich die Bedeutung des Begriffs Opfer im letzten Jahrhundert gewandelt. So bezeichnete der Opferbegriff noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts etwas sehr Spezifisches und Einmaliges. Opfer wurden nur jene genannt, die bereit waren, für einen politischen oder existenziellen Zweck wie z. B. in einem rituellen Akt ihr Leben zu geben, oder denen es aufgrund eines solchen genommen wurde. Die Loslösung des Opferbegriffs aus politischen und religiösen Funktionen führte zum symbolischen Verlust des aktiven Handelns der Opfer und ihres gesellschaftlichen Beitrags. In aktuelleren Diskussionen ist der Begriff Opfer im Gegenteil extrem passiv konnotiert und wird meist mit Eigenschaften wie schwach und hilflos in Verbindung gebracht. Entsprechend wird auch eine gewisse Erwartungshaltung an Opfer gerichtet, und wer dieser nicht entspricht, ist je nach Bewertung „stark“ oder „undankbar“ und im schlimmsten Fall wird unterstellt, das Erlebte könne so schlimm nicht gewesen sein. Der Begriff Opfer beinhaltet jedoch auch immer die Überzeugung, dass es eine tatsächliche Schädigung einer Person gibt sowie die gesellschaftliche Pflicht zur Konfrontation und Sanktionierung der Täter*.

 

Illustration: Jo Proksch
Illustration: Jo Proksch

Mitte der 1980er-Jahre etablierte sich der Begriff Überlebende innerhalb feministischer Bewegungen. Dieser kam vor allem aus US-amerikanischen Diskussionen und soll deutlich machen, dass diejenigen, denen Gewalt angetan wird, aktiv und initiativ Strategien entwickeln und anwenden, um die Gewalt mit möglichst wenig Schaden zu überleben. Dieser Begriff war nicht nur für die Bewältigung individueller Schuldgefühle (sich nicht genügend gewehrt zu haben) von Bedeutung, sondern führte auch zu einer Subjektwerdung des Neutrums „Opfer“. Der Begriff der Überlebenden ist jedoch stark mit Holocaust-Überlebenden verbunden. Eine unkommentierte Verwendung des Begriffs für Betroffene sexualisierter Gewalt birgt die Gefahr der Relativierung der Erlebnisse von Holocaust-Überlebenden und sollte gerade im deutschen und österreichischen Raum überdacht und reflektiert werden.
Mithu Sanyal und Marie Albrecht schlagen den Begriff Erlebende vor. Diese Bezeichnung ist auch der Ausgangspunkt der hervorgerufenen Empörung. Die Gruppe Störenfriedas veröffentlichte einen „Offenen Brief gegen die sprachliche Verharmlosung sexueller Gewalt“ mit mehr als 200 Unterzeichner_innen. Kritisiert wird, dass die Bezeichnung „Erlebende“ Assoziationen mit positiven Erlebnissen hervorrufe und so mit einer Verharmlosung sexualisierter Gewalt einhergehe. Artikel in „Emma“, „Zeit“ und „FAZ“ mischten in der Debatte mit, und auch auf Facebook, Twitter und diversen Blogs wurde der „neue“ Begriff diskutiert – oft sehr reißerisch und von Personen, die feministischen Bewegungen eigentlich nichts abgewinnen können. Was danach folgte, schildert Mithu Sanyal in der „Huffington Post“. Die Autorin berichtet, dass sie seither einem unglaublichen Shitstorm von Gewaltaufrufen und Vergewaltigungsandrohungen ausgesetzt ist.
Die Auseinandersetzung zeigt die enorme Wichtigkeit von Worten und die Ambivalenz vieler Begriffe und sie verdeutlicht, dass „unsere“ Kämpfe noch lange nicht ausgefochten sind. Sie zeigt jedoch auch, dass eine solidarische und auch energische Diskussion unumgänglich ist, um der Vereinnahmung und Umdeutung feministischer Diskurse durch Sexist_innen und Rechte entgegenzutreten!

 

Conny Gantze lebt und arbeitet in Wien und hat als langjährige fibrette schon viele Reibereien in feministischen Diskussionen mitbekommen.

 

 

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Be funny, not an asshole https://ansch.4lima.de/be-funny-not-an-asshole/ https://ansch.4lima.de/be-funny-not-an-asshole/#respond Fri, 21 Apr 2017 21:13:22 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8575 Illustration: Stefanie SargnagelQueer-feministische Comedy tritt nach oben. Von DENICE BOURBON]]> Illustration: Stefanie Sargnagel

If you are going to kick in any direction with your jokes, you kick up, never down. DENICE BOURBON

 

There is this common misconception that comedy has to be offensive. Or at least has to be allowed to be offensive. That when you are making jokes and want to be funny, you will always risk hurting somebody. That’s just the “nature of comedy”. Making jokes that might offend people in the audience is seen as “edgy”. What is generally meant by “being edgy” is that white straight cis-guys get to make jokes that are racist, sexist, ableist, homo- and transphobic. And in my experience they usually manage to fill their set with at least one of each. If they do make an attempt at making fun of “their own”, it usually is in a self-referential way where the audience in the end gets tricked into thinking that that misogynist asshole up there on the stage is just a “cute loser-dude”. It’s old, it’s boring and of course it’s absolute crap. To me, good comedy can be explained in one simple sentence: If you are going to kick in any direction with your jokes, you kick up, never down. If this is confusing to you, then you simply just scribble down a privilege chart, look at where you are on this chart, and you see which topics you are allowed to make jokes about. It is so easy, and still so few people do it. To quote myself: “If you can’t make jokes without being an offensive asshole, then, and I hate to break it to you babe, you are not a good comedian.”

Feminist Comedy. When I was telling people that I wanted to start a queer, politically correct comedy club, I was met with a lot of scepticism. I even had feminists shrugging when I said “feminist comedy”. I could smell what they were thinking: “Wow… that’s going to be as much fun as that lesbian reading circle Susi started in 2005”. And that is way too often the point: Feminists have been told for so long that we lack a sense of humour that we believe it ourselves. Or we think that comedy and humour have no space in feminism because feminism is nothing to fucking joke about!!! I have experienced that people think I lack respect for the political agenda because I dared to make some jokes during a discussion group. As if me making an attempt at being funny while talking about feminist strategies makes me morph into a poster girl for meninism (the ridiculous name for the ridiculous idea that “reverse sexism” is a thing. News Flash: it isn‘t!!). It’s absurd. And this is also the point where I myself turn into that exact same person I just described a few sentences ago: “I don’t want to join that group because political activists have no sense of humour”. See! I even trapped myself while writing this text! We have to stop this vicious circle!

 

Illustration: Stefanie Sargnagel
Illustration: Stefanie Sargnagel

 

PCCC. Which leads me back to my queer, politically correct comedy club, PCCC. Of course I wasn’t only met with scepticism when presenting myself pregnant with my comedy club baby. Most people told me that they love the idea even though they hate comedy. “Yay! Potential audience hates comedy! Juhuu!”
What I then actually realised, and this was super interesting, was that the higher the person was on the privilege scale, the more likely it would be that they would be into comedy. Being the constant butt of a stereotypical, offensive joke is not going to make you sing “glory glory” to the artform of funny. All of this makes perfect sense of course, and shouldn’t have come as a big surprise to me, but it did.
(I can’t always be in touch with my brilliant mind. Sometimes I too am slow.)
What I want to achieve with PCCC is to offer a room for the audience that is as safe as possible. Where you don’t have to enter the theatre with this fear-ache in your belly because you are scared that your ears could be attacked with offensive, triggering and hurtful shit. Safe spaces are not possible, but safer spaces are.
There is no such thing as a 100% fail-free zone when it comes to comedy. But if everybody involved is working in that direction, that’s at least light years away from the rest of the comedy scene in Vienna. I cannot promise a hurtfree zone but at least I’d like it to be as fear-free as possible.

 

PCCC is a (Queer) Politically Correct Comedy Club in Vienna that takes place 4-6 times a year. Current location is Ateliertheater. Please find and like us on Facebook for future updates! Next dates are 3rd & 6th of May. Denice Bourbon is a big fan of observational comedy (Eddie Izzard, Ellen DeGeneres) and loves it the most when it’s political (Hari Kondabolu, Margaret Cho).

 

 

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Rechtsradikal blinken, neoliberal abbiegen https://ansch.4lima.de/rechtsradikal-blinken-neoliberal-abbiegen/ https://ansch.4lima.de/rechtsradikal-blinken-neoliberal-abbiegen/#respond Fri, 21 Apr 2017 20:43:04 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8571 Eine französische Präsidentin Le Pen ist zumindest denkbar. Von CORNELIA MÖSER]]>

Auch wenn die Umfragen gegen sie sprechen: Eine französische Präsidentin Le Pen ist nicht undenkbar. Aber auch die Alternativen stimmen wenig hoffnungsfroh, berichtet CORNELIA MÖSER aus Paris.

 

Der Wahlkampf um die französische Präsidentschaftswahl ist deprimierend. Unterhaltsam ist er nur für Menschen, die gerne Finanzskandale verfolgen, deren Konsequenzlosigkeit sie nicht in den Wahnsinn treibt. Denn das war in den vergangenen Wochen das bestimmende Thema: François Fillon, noch bis Anfang des Jahres Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten (Les Républicains, ehemals UMP), soll, wie die Wochenzeitung „Le Canard enchainé“ enthüllte, während seiner Zeit als Minister unter Jacques Chirac und als Ministerpräsident unter Nicolas Sarkozy fast eine Million Euro unter anderem durch Scheinanstellung seiner gesamten Familie veruntreut haben. Auch Marine Le Pen steckt, nicht erst neuerdings, im Finanzskandalsumpf. Die millionenschwere Familie Le Pen sorgte schon öfter für Skandale – etwa mit der Veruntreuung von Parteigeldern durch die Schaffung von Mikroparteien. Jetzt soll sie Gelder des Europa-Parlaments durch eine Scheinanstellung von Bekannten und Verwandten veruntreut haben. Im Gegensatz zu François Fillon, der viel Popularität aus seinem Image des Saubermanns und der moralischen Überlegenheit zog, zeigen sich die Anhänger_innen von Le Pen vom neuen Skandal jedoch unbeeindruckt. Fillon ist quasi raus, Le Pen bleibt stabil, denn wer Marine Le Pen wählt, ist ohnehin gegen Europa. Auf ähnliche Weise wie Donald Trump schafft es die Millionärin, sich als Anti-Establishment und Vertreterin der arbeitenden Bevölkerung darzustellen, die durch Schlauheit dem verdorbenen Apparat die Euros abluchst. Und nicht mal ihr mehrere Millionen schwerer Wahlkampfkredit bei Putin schockiert.

Turbulente Vorwahlen. Unter den allesamt weißen Präsidentschaftskandidat_innen finden sich zwei Frauen: Neben der genannten wäre da noch die kommunistische Nathalie Arthaud (von der trotzkistischen Partei Lutte ouvrière), die aber dermaßen im Abseits steht, dass sie regelmäßig vergessen wird. Die in den Vorwahlen ermittelten Kandidaten der großen Parteien kamen beide überraschend. Fillon hängte den Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und den ehemaligen Ministerpräsidenten Alain Juppé ab. Auf linker Seite stellten schon die Vorwahlen angesichts der katastrophalen Legislaturperiode des ungeliebten François Hollande eine Herausforderung dar. Im Vorfeld hatte es eine Petition für den Antritt der ehemaligen Justizministerin Christiane Taubira gegeben, die das Projekt der Ehe für alle getragen und legendär verteidigt hatte – doch weder sie noch der scheidende Präsident Hollande wollten antreten. Gegen den Favoriten Manuel Valls setzte sich für die Parti socialiste der als links verortete Benoît Hamon mit seinem Vorschlag eines Grundeinkommens (revenu universel) durch.
In den Umfragen liegen aktuell Emmanuel Macron (der Finanzminister unter Hollande war und sich als Kandidat jenseits von links und rechts darstellt) und Marine Le Pen vorne. Für den zweiten Wahlgang wird ein Sieg Macrons erwartet. Doch seit Brexit und Trump entspannen solche Umfragen niemanden mehr. Eine rechtsradikale Präsidentin Frankreichs liegt absolut im Bereich des Möglichen.

 

Das 2016 aufgelöste Linksbündnis „Front de gauche“ versuchte Protestbewegungen gegen Austeritätspolitik zu bündeln. (philippe leroyer/flickr)
Das 2016 aufgelöste Linksbündnis „Front de gauche“ versuchte Protestbewegungen gegen Austeritätspolitik zu bündeln. (philippe leroyer/flickr)

 

Rechte Entdämonisierung. Der bahnbrechende Erfolg Marine Le Pens hat mindestens zwei Gründe: Zunächst sind rechtsradikale Positionen in Frankreich nach Sarkozys rassistischen Ausfällen spätestens mit der Manif pour tous salonfähig geworden. Die nationalreligiösen Kräfte, die diese Bewegung gegen die „Ehe für alle“ aus dem Boden stampften, hatten zu keinem Zeitpunkt Berührungsängste mit rechtsradikalen und neonazistischen Gruppen in ihren Demonstrationen und sind maßgeblich für das Aufleben der radikalen Rechten verantwortlich. Der zweite wesentliche Grund ist die von Marine Le Pen verfolgte Strategie der dédiabolisation, der Entdämonisierung. Es handelt sich um einen Plan, den die rechte Hand ihres Vaters, Bruno Mégret, zu Beginn der 1990er-Jahre entwarf. Er sollte der Bevölkerung die Angst nehmen und eine Machtübernahme durch den Front National (FN) ermöglichen. In einer internen Broschüre hatte Mégret dafür nahegelegt, statt „les bougnoules à la mer“ („die Kanaken ins Meer“) beispielsweise besser zu sagen „organiser le retour chez eux des immigrés du tiers-monde“ („die Rückkehr der Migranten in die Dritte Welt organisieren“) – auch wenn dahinter die gleiche Hassideologie steckt. Marine Le Pen übernahm diese Strategie, der FN war jetzt nicht mehr braun, sondern marineblau, und sie ging auf: Schon bei der Europawahl 2014 war der FN Frankreichs stärkste Partei. Er vergrößerte ihre Wähler_innenschaft nach Ansicht des Politologen Sylvain Crépon auch durch den Personalwechsel, der die zum Teil gegensätzlichen Strömungen der Partei abbildet. Auf der einen Seite der junge, dynamische und homosexuelle Florian Philippot: Le Pens Weigerung, beim Treffen mit dem Mufti von Beirut im Februar 2017 ein Kopftuch zu tragen, bejubelte er als „starkes Signal der Freiheit an die Frauen Frankreichs und die Frauen der ganzen Welt“. Auf der anderen Seite ihre Nichte, obgleich Rivalin Marion Maréchal-Le Pen, die für die religiösen und konservativen Teile des FN nichts zu wünschen übrig lässt.
In diesem Spannungsfeld hat Marine Le Pen es nicht mehr nötig, die geplante Abschaffung der Ehe für alle ins Zentrum ihres Wahlkampfes zu stellen. Nach Angaben des Centre de recherches politiques de Sciences-Po (Cevipof ) wählen 32,45 Prozent der verheirateten homosexuellen Männer die rechtsradikale Partei. Auch der Anteil von Frauen unter den Wähler_innen hat sich von 2010 bis 2017 nach Angaben des privaten Umfrageinstituts CSA (Consumer, Science & Analytics) fast verdreifacht. Le Pen spricht nicht mehr wie noch 2012 von „Bequemlichkeits-Schwangerschaftsabbrüchen“, dennoch würde ihre Nichte den feministischen Planning familial und LGBT-Organisationen nur zu gerne die Mittel streichen.

Sozialabbau und Fremdenfeindlichkeit. Ihren größten Erfolg hat sie ohnehin mit der rassistischen Hetze gegen Geflüchtete und Migrierte und mit ihren Tiraden gegen das Diktat von Merkels Europa, von dem sie Frankreich befreien will. Sie schlägt politisches Kapital aus der Tatsache, als einzige Frau Spitzenkandidatin zu sein. Gleichzeitig ist ihr Programm nicht nur nicht feministisch, sondern ganz klar antifeministisch, wenn es um einen Feminismus für alle Frauen geht. Ihr Programmpunkt „Frauenrechte verteidigen“ beinhaltet zwei Themen: erstens gegen den Islamismus vorgehen, zweitens für Lohngleichheit eintreten. Die Verhinderung von und Falschinformation über Schwangerschaftsabbrüche, die seit Februar dieses Jahres in Frankreich strafbar sind, will sie wieder erlauben. Schwangerschaftsabbrüche sollen nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden. Darüber hinaus hat Philippot angekündigt, ausländischen Kindern den Zugang zu öffentlichen Schulen in Rechnung zu stellen, obwohl das der französischen Verfassung widerspräche. Der Zugang von Ausländer_innen zur Krankenversorgung soll stark eingeschränkt werden. Sie will Immigration auf 10.000 Personen pro Jahr begrenzen und verbreitet regelmäßig „alternative Fakten“ zur Anzahl der jährlichen Immigration nach Frankreich. Sozialwohnungen sollen prioritär an Französ_innen vergeben werden. Le Pens Programm ist, entgegen Frauke Petrys Angaben, also alles andere als sozial und vor allem ist es brachial rassistisch.
Feminismus ist kein zentrales Thema des Wahlkampfs. Die Kommunistin Arthaud will sich für die Rechte arbeitender Frauen einsetzen und verstärkt gegen „Kopftuchzwang“ vorgehen. Ansonsten haben fast alle Kandidat_innen Vorschläge zur Unterstützung alleinerziehender Mütter und zur Verbesserung der politischen Repräsentation von Frauen im Programm, die in Frankreich traditionell dramatisch gering ist. Beim Manif pour tous-nahen Fillon, bei Emmanuel Macron und beim linken Jean-Luc Mélenchon finden sich Vorschläge für Bußgelder für Gewalt gegen Frauen. Aber genau dieses Thema findet längst nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient. Fast ein Drittel der Morde, die in Frankreich begangen werden, sind Morde von Ehemännern und Partnern an „ihren“ Frauen. (1)
Aus einer feministischen Perspektive lässt sich festhalten, dass diese Wahlen keine guten Aussichten haben. Die linken Kandidat_innen konnten sich nicht auf eine_n Gegenkandidat_in einigen und werden es vermutlich nicht einmal in den zweiten Wahlgang schaffen. Bei der Wahl zwischen dem (neo)liberalen Macron, der die historisch erkämpfte Sozialversicherung in Frankreich privatisieren und damit zerstören wird, und der rechtsradikalen Le Pen, die sie rassistisch umstrukturieren will, sieht es für die Zukunft so oder so finster aus.

 

Cornelia Möser ist Wissenschaftlerin des CNRS (Centre national de la recherche scientifique) beim Cresppa (Centre de recherches sociologiques et politiques de Paris) in der Sektion GTM (Genre, Travail, Mobilités).

 

(1) 148 Frauen wurden 2012 von ihrem Partner, Ex-Partner oder Liebhaber umgebracht (14 davon übten Gewalt gegen ihren Partner aus).

 

 

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Von YORI GAGARIM.

 

Illustration: Yori Gagarim
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