VI / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 11 Oct 2019 14:03:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png VI / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2019-06 https://ansch.4lima.de/inhalt/2019-06/ Thu, 03 Oct 2019 11:17:11 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=11696 anschlaege-cover-2019-06]]> anschlaege-cover-2019-06]]> Schau und vergiss nicht! https://ansch.4lima.de/schau-und-vergiss-nicht/ https://ansch.4lima.de/schau-und-vergiss-nicht/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:31:50 +0000 https://anschlaege.at/?p=11693 Deportation von Roma und Sinti im Dritten Reich. - © Bundesarchiv, R 165 Bild-244-42/CC-BY-SA 3.0In Österreich gibt es keinen offiziellen Gedenktag, der an die Ermordung von Rom*nja und Sinti*ze im Nationalsozialismus erinnert. Keinen Ort, kein Denkmal. Im Rahmen der WIENWOCHE errichten Aktivistinnen unter Projektleiterin IRINA SPATARU ein temporäres Mahnmal, das aber umso dringlicher eine nachhaltige Forderung stellt: Niemals vergessen. Von GABI HORAK   Erinnern ist wichtig, gemeinsames Erinnern kann […]]]> Deportation von Roma und Sinti im Dritten Reich. - © Bundesarchiv, R 165 Bild-244-42/CC-BY-SA 3.0

In Österreich gibt es keinen offiziellen Gedenktag, der an die Ermordung von Rom*nja und Sinti*ze im Nationalsozialismus erinnert. Keinen Ort, kein Denkmal. Im Rahmen der WIENWOCHE errichten Aktivistinnen unter Projektleiterin IRINA SPATARU ein temporäres Mahnmal, das aber umso dringlicher eine nachhaltige Forderung stellt: Niemals vergessen. Von GABI HORAK

 

Erinnern ist wichtig, gemeinsames Erinnern kann heilsam sein. Das kollektive Erinnern an die grausamen Taten, die eine Gesellschaft an Menschen verbrochen hat, ist ein politischer Auftrag und alternativlos – keineswegs ist es aber selbstverständlich. Das Erinnern an die Ermordung Tausender Rom*nja und Sinti*ze im Zweiten Weltkrieg musste von den Überlebenden und Aktivist*innen hart erkämpft werden und wird nach wie vor nicht staatlich gewürdigt. So wurde der 2. August zwar 2015 vom Europäischen Parlament als europäischer Gedenktag festgelegt, Österreich hat diesen aber noch immer nicht umgesetzt. 1944 wurden allein in der Nacht vom 2. auf den 3. August bis zu 4300 Rom*nja und Sinti*ze in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet. Insgesamt waren es mindestens 500.000 Rom*nja und Sinti*ze, die von den Nationalsozialist*innen verfolgt und ermordet wurden.

Selbstorganisiertes Gedenken. Seit fünf Jahren gibt es im siebten Wiener Bezirk den Ceija-Stojka-Platz. Er ist nach der 2013 verstorbenen Romni Ceija Stojka benannt, Künstlerin, Schrift stellerin und Überlebende von drei nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Am 2. August wird es immer ziemlich voll am Ceija- Stojka-Platz, wenn Aktivist*innen zur Gedenkveranstaltung einladen. Offizieller Gedenkort ist der Platz aber nicht.
„Es gibt keinen zentralen Ort des Gedenkens, kein Denkmal oder Dokumentationszentrum in Wien, der Hauptstadt jenes Landes, das erhebliche Mitschuld am Roma Genozid hatte und heute die Verantwortung trägt, dass dieses Verbrechen niemals vergessen wird“, sagt Irina Spataru. Sie ist eine jener jungen Aktivist*innen, die das Gedenken und den Kampf für Anerkennung und Gleichberechtigung am Leben erhalten, auch wenn die Zeitzeug*innen und Überlebenden es nicht mehr können oder bereits verstorben sind. Spataru ist Kind einer französischen Mutter und eines Vaters, der Rom ist. „Ich bin in Wien als unsichtbare Romni, aber als sichtbare Ausländerin aufgewachsen“, erzählt sie im an.schläge-Gespräch. Sie besuchte ein Gymnasium, studierte an der Universität. „Wenn jemand so privilegiert wie ich aufwächst, denken die wenigsten Menschen daran, dass es sich um Roma handeln könnte.“ Das macht viele Vorurteile sichtbar, etwa jenes, dass Rom*nja und Sinti*ze ein armes, fahrendes Volk sind. „Viele denken, dass Rom*nja und Sinti*ze sich diese Lebensweise in der Vergangenheit selbst ausgesucht haben“, erklärt Spataru. „Dabei waren sie immer gezwungen weiterzureisen, denn nirgendwo konnten sie länger bleiben, weil sie immer ,Fremde‘ waren und ihnen kein Land und keine Häuser verkauft wurden.“ Heute sind nur mehr kleine Gruppen saisonal mit Wohnwägen unterwegs. 96 Prozent haben einen festen Wohnsitz.

„Dikh he na bister!“ Das Erinnern daran, dass es noch immer keinen Gedenktag und keinen zentralen Ort zum Gedenken in Österreich gibt, kann auch künstlerische Wege gehen. Im Rahmen der WIENWOCHE leitet Irina Spataru das Projekt „Dikh he na bister! Schau und vergiss nicht!“. Gemeinsam mit anderen jungen Rom*nja und Sinti*ze hat sie das Konzept eines temporären Denkmals entwickelt. Dabei geht es vor allem darum, öffentlichen Raum zu beanspruchen, nicht am Stadtrand, sondern mitten in Wien. „Mir war es wichtig, nicht direkt zu bestimmen, wie das Denkmal aussehen soll, sondern vielmehr eine laute, sichtbare Forderung zu kreieren“, so Spataru. Das Projektteam errichtet eine Art Baustelle um ein Denkmal, das noch nicht gebaut ist. Die Baustelle wird zum Denkmal, zum Kunstobjekt. Natali Tomenko, eine junge Grafikdesignerin, wird die Fassade entwerfen.
„Mir war es wichtig, vor allem Romnja, also Frauen aus der Minderheit, in dieses Projekt zu involvieren, da gerade sie oft als Zielscheibe von Hass und Vorurteilen betroffen sind“, so Spataru. „Aber jetzt beanspruchen wir den Platz. Jetzt sind wir hier und fordern unseren Raum für unser Gedenken.“
Simonida Selimovic ist ebenfalls Teil des Projektteams. Sie hat Ähnliches schon letztes Jahr im Verein Romano Svato realisiert: ein temporäres Mahnmal im Rahmen eines Festivals. „Ich möchte endlich ein zentrales Mahnmal für die ermordeten Roma, mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit der Mehrheitsbevölkerung“, fordert Selimovic. Durch den offenen Rassismus in Österreich seien viele Rom*nja und Sinti*ze gezwungen, ihre eigene Identität zu verleugnen.

Nicht mehr sicher. Irina Spataru kennt die Situation der Rom*nja und Sinti*ze in Österreich und Europa gut. Sie arbeitet auch in der OSCE und im ODIHR (Office for Democratic Institutions and Human Rights) mit, organisiert Polizeitrainings, Konferenzen und Seminare. Ihr Fokus liegt auf Jugendinitiativen. Immerhin sind Rom*nja und Sinti*ze mit einem Altersdurchschnitt von 25 Jahren die jüngste Volksgruppe in Europa. „Unsere Aufgabe bei der ODIHR ist es, den Mitgliedsstaaten wieder auf die Sprünge zu helfen und sie zu erinnern, wozu sie sich verpflichtet haben.“
Die Lebensbedingungen der größten Minderheit Europas seien in vielen Ländern besorgniserregend. Dikriminierung sei alltäglich, in Italien oder Ungarn habe der Rassismus ungeheure Ausmaße erreicht. Erst kürzlich hat der italienische Innenminister Matteo Salvini angekündigt, in Lagern lebende Rom*nja und Sinti*ze zu erfassen und dann auszuweisen. In Österreichs Nachbarländern Ungarn, Slowakei und Tschechien werden Kinder der Volksgruppe in segregierten Klassen unterrichtet und Mauern um ihre Siedlungen errichtet. „Es ist wirklich erschreckend, wenn man sich überlegt, wo all das schon einmal hingeführt hat“, sagt Irina Spataru. „Ich fühle mich als Romni nicht mehr sicher in Europa.“
In Österreich sind Rom*nja und Sinti*ze seit 1993 als Volksgruppe anerkannt. Vorurteile und Rassismus sind aber auch hierzulande im Aufwind. „Es ist leider immer noch gesellschaftlich akzeptiert, sich öffentlich oder halböffentlich negativ über Rom*nja und Sinti*ze zu äußern. Kaum jemand schreitet ein, wenn wir in der Öffentlichkeit beleidigt werden“, berichtet Spataru.
„Es ist immer noch ein Tabu, offen über meine Wurzeln zu reden oder meine Sprache in der Öffentlichkeit zu sprechen“, sagt Simonida Selimovic. „Ich tue es trotzdem.“

 

 

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„Kunst ist für mich Freiheit“ https://ansch.4lima.de/kunst-ist-fuer-mich-freiheit/ https://ansch.4lima.de/kunst-ist-fuer-mich-freiheit/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:24:37 +0000 https://anschlaege.at/?p=11688 Die bildende Künstlerin IRIS KOPERA malt starke Frauen – und kämpft als Peer-Beraterin für die Rechte von Menschen mit Lernschwierigkeiten. KATHARINA PAYK hat mit ihr über Inspiration, Inklusion und die türkis-blaue Regierung gesprochen.   an.schläge: Im Rahmen der WIENWOCHE, die eine Crip Convention hostet, stellen Sie einige Ihrer Bilder aus. Sind darauf auch Bitches und […]]]>

Die bildende Künstlerin IRIS KOPERA malt starke Frauen – und kämpft als Peer-Beraterin für die Rechte von Menschen mit Lernschwierigkeiten. KATHARINA PAYK hat mit ihr über Inspiration, Inklusion und die türkis-blaue Regierung gesprochen.

 

an.schläge: Im Rahmen der WIENWOCHE, die eine Crip Convention hostet, stellen Sie einige Ihrer Bilder aus. Sind darauf auch Bitches und Witches zu sehen?

Iris Kopera: Ja, auf jeden Fall! Meine Bilder sind bunt und stark. Ich merke manchmal gar nicht, dass ich auch Bitches und Hexen male. Das schießt einfach so raus. Meine Bilder sind politisch. Ich verarbeite negative Einflüsse von außen in meinen Bildern. Plötzlich habe ich das Gefühl, malen zu wollen. Manchmal inspirieren mich auch Zeitschriften. Und ich male Porträts.

Ist Ihre Kunst feministisch?

Ich male nur Frauen. Einmal sollte ich einen Mann malen – den habe ich dann sehr „weiblich“ gemalt. Grundsätzlich sollte für jede Künstlerin die Freiheit da sein, so zu wirken, wie sie das will. Jede Frau sollte sich außerdem so ausdrücken können, wie sie will – nicht wie irgendwelche Menschen, Männer, dies vorgeben. Es ist gut, dass Frauen sich gegen Diskriminierung wehren.

Beeinflusst Ihre Behinderung Ihre Werke, und was macht das Kunstschaffen mit Ihnen?

Ja. Vielleicht sehe ich viele Dinge, die andere nicht sehen. Ich eröffne andere Blickwinkel.
Im Kunstschaffen fühle ich mich frei. Ich bestimme, was ich male. Ich handle für mich selbst. Kunst ist für mich Freiheit.

In Ihrer Kunst kommen oft Körper- und Gesichtsausdrücke vor.

Menschen sind mir wichtig. Und ich bin ja auch Schauspielerin – Emotionen und ihre Darstellung interessieren mich sehr. Die haben die meiste Aussagekraft.

Und es geht oft um Liebe und Selbstfürsorge sowie politische Themen.

Ohne Liebe kann kein Mensch bestehen. Es reicht nicht, dass ein Mensch „versorgt“ ist, etwa mit Essen, jeder Mensch braucht Liebe und Fürsorge. Und das ist auch sehr politisch. Unter unserer letzten Regierung z. B. habe ich mich überhaupt nicht wohlgefühlt. Da war alles so negativ gegen die Menschen. Man hat das überall gespürt. Die Menschen hatten Angst. Ich habe das Gefühl, die Menschen in Österreich sind jetzt wieder offener, entspannter. Weil man nicht mehr ständig eine grausame Maßnahme oder Aussage von der Regierung befürchten muss. Z. B. die Aussage, wer nicht um acht Uhr morgens arbeitet, sei nichts wert. Die Leistungsgesellschaft überfordert Menschen. Zu viel Leistung von Menschen zu erwarten, ist nicht liebevoll. Aber arbeiten an sich ist für jeden Menschen wichtig.

Arbeit ist für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder körperlichen Behinderungen oft ein besonderes Thema.

Ja. Denn man ist gegenüber Menschen mit Behinderung sehr voreingenommen, traut ihnen nichts zu, vertraut nicht darauf, dass der Mensch sich einbringen kann. Darum ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderungen gestärkt werden in ihrem Auftreten.
Inklusion wird kaum wirklich gelebt in der Arbeitswelt. Wenn man Inklusion machen will, dann muss man alle Menschen ansprechen und nicht gesondert über „die“ Menschen mit Behinderungen sprechen. Meistens läuft da etwas falsch. Es gibt kein wirkliches Miteinander. Auch wenn Menschen einfach mit „Du“ angesprochen werden, ist das kein Inklusionswert.
Geschlechterdiskriminierung muss man auch immer mitbedenken. Frauen verdienen ja oft weniger oder haben es schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Bei Frauen mit Behinderung wird das dann noch deutlicher.

Sie arbeiten als Peer-Beraterin bei der Selbstvertretung Wien, einer Initiative, die deutlich macht, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten selbst Sprecher_innen für ihre Rechte und ihres gesamten Lebens sind. Was machen Sie da genau?

Sich selbst, also die eigenen Interessen und Bedürfnisse, vertreten zu können, bedeutet Selbstwert zu entwickeln. Selbstvertreter_innen mischen sich etwa in die Politik ein. Ich als Peer-Beraterin stärke vor allem die Menschen in ihrem Selbstwert, ich berate und „coache“ gewissermaßen.

 

Iris Kopera ist bildende Künstlerin und lebt in Wien. Sie berät Menschen mit Lernschwierigkeiten nach dem Motto „Gleiche beraten Gleiche“ im Selbstvertretungszentrum. Sie ist Theaterschauspielerin und macht gerne bei sportlichen Wettkämpfen mit.

 

 

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Queerer Widerstand in Brasilien https://ansch.4lima.de/queerer-widerstand-in-brasilien/ https://ansch.4lima.de/queerer-widerstand-in-brasilien/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:21:38 +0000 https://anschlaege.at/?p=11684 Vor eineinhalb Jahren wurde die Schwarze lesbische Kommunalpolitikerin Marielle Franco in Rio de Janeiro erschossen. Der Fall ist bis heute ungeklärt. TANIA NAPRAVNIK hat mit Aktivistin MONICA BENICIO über das politische Erbe ihrer Partnerin gesprochen.   an.schläge: Wie hat sich das Leben in Brasilien seit Beginn der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro im Jänner 2019 verändert? […]]]>

Vor eineinhalb Jahren wurde die Schwarze lesbische Kommunalpolitikerin Marielle Franco in Rio de Janeiro erschossen. Der Fall ist bis heute ungeklärt. TANIA NAPRAVNIK hat mit Aktivistin MONICA BENICIO über das politische Erbe ihrer Partnerin gesprochen.

 

an.schläge: Wie hat sich das Leben in Brasilien seit Beginn der Präsidentschaft von Jair Bolsonaro im Jänner 2019 verändert?

Monica Benicio: Jair Bolsonaro hat sämtlichen Fortschritt gestoppt, viele hart erkämpfte Menschenrechte wurden zurückgenommen. Doch nicht nur das: Er schürt Hass gegen Frauen, Schwarze und LGBTQI*-Personen. Seine rechtsextreme Politik richtet sich gegen die Armen. Selbst den ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (2003–2011) von der Arbeiter*innenpartei trafen die korrupten Machenschaften von Jair Bolsonaro. Im Jahr 2017 wurde Lula da Silva vom Richter Sérgio Moro in einem zwielichtigen Prozess zu neuneinhalb Jahren Haft wegen Korruption verurteilt, sodass Lula da Silva den Präsidentschaftswahlkampf im darauff olgenden Jahr vom Gefängnis aus führte. Die Aufdeckungsplattform „The Intercept“ berichtet sogar davon, dass die brasilianischen Staatsanwälte in diesen Wahlkampf interveniert hatten, um den Sieg von Lula da Silva zu verhindern. Bezeichnend ist auch, dass Sérgio Moro nun von Jair Bolsonaro als neuer Justizminister nominiert wurde.

Haben Sie Angst vor Jair Bolsonaros Politik?

Ich habe weniger Angst, sondern bin viel eher entsetzt über die politischen Ereignisse in Brasilien. Ich bin extrem empört, dass Jair Bolsonaro mit seinen Hassreden und der Herabsetzung von marginalisierten Personengruppen die Präsidentschaftswahl gewinnen konnte. Im Speziellen mache ich mir Sorgen um Frauen. Schon im Zuge der Präsidentschaftswahl 2018 hat die Gewalt gegen Frauen vehement zugenommen. Trotz dieser Entwicklung bin ich positiv gestimmt. Denn ich kämpfe gegen sämtliche Formen von Gewalt an und lege dem Präsidenten Steine in den Weg.

Marielle Franco wuchs in der Favela Maré auf. Wie gestaltet sich das Leben für LGBTQI*-Personen dort?

In Brasilien existieren zahlreiche unterschiedliche Favelas. Prinzipiell würde ich Favelas als dynamische Orte des Kulturschaffens bezeichnen. Das Problem der Favelas ist der staatliche Umgang mit ihnen. Anstatt in die Infrastruktur vor Ort zu investieren, geht der Staat mit fragwürdigen Methoden gegen sogenannte kriminelle Banden vor. Dabei sind die Vorgänge oft unklar; auch ist nicht klar, wen der Staat unterstützt. Zudem verhärten sich die Fronten unter Bolsonaro. Unter seiner Regentschaft befi nden sich LGBTQI*-Personen ständig in Gefahr, da ihre sicheren Rückzugsräume verschwinden. Besonders schlimm sind die zunehmenden Vergewaltigungen an lesbischen Frauen in den Favelas. Dieses Phänomen wird „corrective rape“ genannt. Durch die physische Gewaltanwendung sollen Frauen von ihren homosexuellen Orientierungen abgebracht und dem Mann gefügig gemacht werden. Diese Art von Vergewaltigungen sind Teil einer machistischen Kultur, wo Männer den Frauenkörper beherrschen wollen: Die sexuelle Ausrichtung von Lesben wird als falsch betrachtet – als ein Fehler, der durch Männer korrigiert werden müsse.

Stärkt oder schwächt Ihre sexuelle Orientierung Sie im politischen Widerstand?

Beides. Mein Eindruck ist, dass in Brasilien keine Menschen respektvoll behandelt werden außer jene, die über Macht und Geld verfügen. Zudem ist Homofeindlichkeit allgegenwärtig, daher befinden sich lesbische Frauen nie in Sicherheit. Es ist das Land mit der fünfthöchsten Femizid-Rate und mit der höchsten Transgender-Mordrate weltweit. Glücklicherweise stehe ich im Schutz der öff entlichen Aufmerksamkeit. Denn je bekannter meine lesbischen, feministischen und menschenrechtlichen Anliegen sind, umso schwieriger ist es, mich loszuwerden. Zudem möchte ich den Tod von Marielle aufklären. Der Mord an ihr zog zwar viel mediales Interesse auf sich, dennoch wurden die Schuldigen dieses Verbrechens bis jetzt noch nicht gefasst. Das ist ein Skandal!

Was hat der politisch motivierte Mord an Marielle Franco bei Ihnen ausgelöst?

Trauer. Es schmerzt mich, dass ich meine Partnerin nicht vor den rassistischen und sexistischen Gewaltstrukturen in Brasilien retten konnte. Trotzdem möchte ich ihren Kampf für Gerechtigkeit fortsetzen, damit andere queere Menschenleben vor solchen Anschlägen bewahrt bleiben. Nur so bin ich fähig, diese kranke Gesellschaft zu überleben. Es ist das Einzige, was Sinn macht. Der tragische Tod von Marielle erzeugt Nachwehen, er politisiert die Menschen, berührt sie auf individueller und emotionaler Ebene. Ich habe mit vielen Menschenrechtsaktivist*innen gesprochen, die sich durch Marielle inspiriert fühlen. Der Glaube an Gerechtigkeit durch politischen Aktivismus ist das, was ihr Vermächtnis verkörpert. Um ihren politischen Kampf fortzusetzen, brauchen wir Aktivist*innen und weitere positive Vorbilder, die uns vor Handlungsohnmacht schützen.

Politischer Kampf braucht auch Solidarität. Was verstehen Sie unter dem Begriff Solidarität?

Solidarität bedeutet für mich Empathie. Mitgefühl und Anerkennung von anderen Personen vermittelt zu bekommen. Ich habe schon viel Zuspruch für mein Engagement an den unterschiedlichsten Orten der Welt erhalten. Wobei diese Empathie nicht nur mir gewidmet ist, sondern auch Marielle. Diese Art der Solidarität verleiht mir Kraft und gibt dem Tod meiner Partnerin eine weitere Bedeutung.

Was hat sich in der LGBTQI*-Szene nach dem Tod Ihrer Partnerin geändert?

Die Botschaft des Mordanschlags lautet: Queere Menschen sind unerwünscht. Jedoch lässt sich die LGBTQI*-Community nicht einschüchtern. Sie vereinnahmt den öffentlichen Raum, um die politischen Machenschaften anzuprangern. Selbst der Wahlsieg von Jair Bolsonaro hat die
LGBTQI*-Szene regional gestärkt. Das mache ich daran fest, dass drei Schwarze Frauen*, die früher mit Marielle zusammengearbeitet haben, in die Stadtkammer von Rio de Janeiro gewählt wurden. Das sind die Sprösslinge von Marielle, denn ihre Politik wandte sich den Schwarzen Frauen zu.

Was bedeutet Ihr T-Shirt-Spruch „Fight like Marielle Franco“ für Sie persönlich?

Der Spruch verweist weniger auf die private Beziehung zu meiner Partnerin, sondern vielmehr auf sie als ein Symbol für Hoffnung und Widerstand. Marielle gibt der LGBTQI*-Bewegung weiterhin Kraft, um gegen das politische Establishment auf die Straße zu gehen. Der Spruch ist eine Richtungsanweisung. Denn zeitgleich mit der Wahl von Jair Bolsonaro ist der Widerstand gegen ihn wieder öffentlich präsent und geeinter geworden. Derzeit ist die feministische Bewegung gut organisiert im Kampf gegen Ungerechtigkeit. Es bilden sich breitgefächerte linke Allianzen, selbst die Jugendlichen organisieren sich. Sie demonstrieren gegen Einschnitte im Bildungsbereich und besetzen Schulen. Es sind jene Personengruppen, die die Politik von Bolsonaro am härtesten trifft, die sich gegen ihn wenden. Diese Art von Zusammenschlüssen ist im Widerstand sehr wichtig, da kein politischer Kampf alleine ausgefochten werden kann. Schon gar nicht jener, der eine inklusive Gesellschaft fordert.

 

Monica Benicio ist urbane Architektin und LGBTQI*-Aktivistin in Rio de Janeiro. Sie war im Zuge der EuroPride 2019 zu Gast in Wien.

 

Tania Napravnik koordiniert das Radioprojekt „Globale Dialoge – Women on Air“ in Wien und arbeitet als Kommunikationstrainerin im Frauenforum Gänserndorf.

 

 

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an.spruch: Haider reloaded https://ansch.4lima.de/an-spruch-haider-reloaded/ https://ansch.4lima.de/an-spruch-haider-reloaded/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:18:20 +0000 https://anschlaege.at/?p=11680 Illustration: Clara Fridolin BillerDrei Monate nach #Ibizagate ist in Österreich alles beim Alten: Das Scheitern von Türkis-Blau perlt an Altkanzler und Erlöserfigur Sebastian Kurz ab. Warum das so ist, erklärt NATASCHA STROBL.   Um den Reiz und den Erfolg von Sebastian Kurz und seinem Wahlkampf zu verstehen, genügt es nicht, auf etwaige Programminhalte oder Wahlkampfversprechen zu schauen. Vielmehr […]]]> Illustration: Clara Fridolin Biller

Drei Monate nach #Ibizagate ist in Österreich alles beim Alten: Das Scheitern von Türkis-Blau perlt an Altkanzler und Erlöserfigur Sebastian Kurz ab. Warum das so ist, erklärt NATASCHA STROBL.

 

Um den Reiz und den Erfolg von Sebastian Kurz und seinem Wahlkampf zu verstehen, genügt es nicht, auf etwaige Programminhalte oder Wahlkampfversprechen zu schauen. Vielmehr ist das Versprechen, das er in diesem Wahlkampf abgibt, er selbst. Der Inhalt von Sebastian Kurz ist Sebastian Kurz. Um also zu verstehen, was ihn so erfolgreich macht, müssen wir uns seine Inszenierung anschauen, die im Wesentlichen auf drei Bausteinen beruht.

Rechtspopulistische Rhetorik. In bewährter Haider-Manier präsentiert sich Kurz als Mann aus dem Volk und als Mann für das Volk. Das zeigt sich vor allem anhand der Kommunikationslinie „Rot-Blau hat bestimmt, das Volk wird entscheiden“. Damit suggeriert er, dass das Parlament eine illegitime und falsche Entscheidung gegen den eigentlichen Willen „des Volkes“ getroffen hat. Das befeuert die von Rechtsextremen verbreitete Sicht, dass im Parlament eine abgehobene Elite sitzt, die gegen die Interessen „des Volkes“ agiert. Kurz ist unbefleckt von dieser Art der Niedertracht, da er sich entschlossen hat, nicht ins Parlament zu gehen, sondern direkt „bei den Menschen“ zu sein. Das ist blanker Anti-Parlamentarismus, der direkt auf der Klaviatur der extremen Rechten spielt.

Neoliberaler Diskurs. Kurz bemüht in seiner Rhetorik klassische bürgerlich-neoliberale Denkmuster, die sich um Leistung und Elite drehen. Die, die nichts arbeiten, sollen auch nichts essen. Er schließt dabei an einen Diskurs gegen Unten an, der sowohl in der extremen Rechten als auch im Konservativismus und im Neoliberalismus beheimatet ist. Die Idee ist, dass Armut etwas mit Faulheit und Unwillen zu tun hat und dass solche Menschen nicht auf Kosten der Allgemeinheit durchgefüttert werden dürfen. Im Sinne des Zeitgeists führt Kurz diesen Diskurs stark rassifiziert, also gegen Migrant_innen gerichtet. Dabei sind aber implizit immer arme Migrant_innen gemeint. Diese Mischung aus glatter Stilfassade, rabiater Rhetorik und autoritärer Einstellung ist das, was der Soziologe Wilhelm Heitmeyer als „rohe Bürgerlichkeit“ bezeichnet. Es ist der Diskurs einer sich manierlich gebenden Elite gegen Unten.

Royaler Gestus. Kurz wird als über den Dingen stehend inszeniert. Jemand, der bescheiden und weise nicht mit der schmutzigen Tagespolitik befleckt ist, sondern direkt für die Menschen da ist. Diese Inszenierung als über der Politik stehend hat sein reales Vorbild in der Figur des Kaisers, der gütig, bescheiden und diszipliniert keine Partikularinteressen, sondern die Interessen des Reiches im Blick hat. (So zumindest das Narrativ. Dass Kaiser vor allem dynastische und Machtinteressen hatten, ist eine andere, aber nicht unpassende Geschichte.) Die Idee eines gütigen, über den Dingen stehenden Mannes, der harte, aber gerechte Entscheidungen trifft und eine Verkörperung „des Volkes“ ist, ist zutiefst antirepublikanisch und antidemokratisch, da er die Person von jeder demokratischen Kontrolle entbindet.
Auffallend ist, dass von allen drei Vorbildern eines nicht übernommen wird: die Körperlichkeit. Weder die, mitunter proletarisch-inszenierte, Macho-Männlichkeit des Rechtspopulismus noch die exzessive Work-hard-play-hard-Mentalität des Neoliberalismus oder der disziplinierte royale Körper finden Niederschlag in der Inszenierung von Kurz. Vielmehr ist es die Anti-Körperlichkeit seiner Inszenierung, die beachtenswert ist. Das liegt wohl daran, dass ihm diese Körperlichkeit schlichtweg nicht entspricht. Es ist ihm dies jedoch kein Nachteil, da er geschickt seine drei Inszenierungsbausteine situationselastisch zu nutzen weiß. In den kommenden Wochen oder Jahren wird sich zeigen, ob dieses strategische Gerüst ausreicht, um einen Staat länger als ein Jahr lang zu führen.

 

Natascha Strobl ist Politikwissenschaftlerin aus Wien und analysiert auf Twitter unter #NatsAnalyse rechte und rechtsextreme Strategien.

 

 

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heimspiel: Mein Kind, der Klassenfeind? https://ansch.4lima.de/heimspiel-mein-kind-der-klassenfeind/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-mein-kind-der-klassenfeind/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:12:42 +0000 https://anschlaege.at/?p=11677 Illustration: Sabrina Wegererleben mit kindern Diese wohlbehüteten Kinder, die so schön nach der Schrift reden und noch nicht mal einen Meter groß lässig mit fremden Erwachsenen smalltalken, ihnen womöglich ein bisschen die Welt erklären – man mochte sie als kinderloser Mensch nicht wirklich. So klein und schon eine bildungsbürgerliche Nonchalance, dass es einem die Zehennägel aufstellt. Jetzt, […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

leben mit kindern

Diese wohlbehüteten Kinder, die so schön nach der Schrift reden und noch nicht mal einen Meter groß lässig mit fremden Erwachsenen smalltalken, ihnen womöglich ein bisschen die Welt erklären – man mochte sie als kinderloser Mensch nicht wirklich. So klein und schon eine bildungsbürgerliche Nonchalance, dass es einem die Zehennägel aufstellt.
Jetzt, mit Kind, verändert sich die Beobachtung anderer Kinder mit AkademikerInnen-Eltern. Da landet man schnell bei der Frage, wie es dann ist, wenn sich das eigene Kind schnurstracks auf eine andere soziale Klasse als die zubewegt, der man sich noch immer nah und solidarisch verbunden fühlt. Obwohl man ja selbst inzwischen zu diesen AkademikerInnen-Eltern gehört, die ihrem Kind ziemlich viel bieten können.
Und so wird das Kind glücklicherweise wohl nie die Erfahrung seines Vaters machen müssen: wie es ist, wenn es einem bis heute im Nacken sitzt, dass der cholerische Küchenchef eines speckigen Landhotels während der Lehre ständig in selbigen brüllte. Und wenn man sich dann später im Job als „Gschdudierte“ oft so fühlt, als hätte man sich irgendwie verirrt oder reingeschwindelt, während sich andere dort wie ein Fisch im Wasser bewegen. Oder dieses Unbehagen auf der Uni, das die dritte Leistungsgruppe einer Hauptschule und das Polytechnikum verursachen. Und später, wenn man die Einzige ist, die genau wissen will, wie sich ein Leben mit einem einzigen Lehrauftrag zu vierhundert Euro monatlich ausgeht, weil für alle anderen die Eltern selbstverständlich auch im Erwachsenenalter eine Geldquelle sind – wenn auch unsichtbar in Form einer Eigentumswohnung. Wenn man zwanghaft jedeN zum Quadratmeterpreis der Mietwohnung befragt, weil man wissen will, wie andere das mit den ständig steigenden Mietpreisen machen.
Es ist seltsam, dass all das für das Kind keine oder zumindest weniger eine Rolle spielt. Doch spätestens, wenn es sich theatralisch um seine Zukunft gebracht sieht, nur weil man nach einer finanzierten Ausbildung oder einem Studium den Geldhahn zudreht, muss es sich wohl die eine oder andere Anekdote aus der eigenen Geschichte anhören.

 

Beate Hausbichler ist Redakteurin bei „dieSTANDARD“ und lernt gerade mit ihrer Tochter dank der Kinderbuchreihe „Wieso, Weshalb, Warum“ einiges an Allgemeinwissen nach.

 

 

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queerverweis: Wohlfühl-Inklusion https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-wohlfuehl-inklusion/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:09:21 +0000 https://anschlaege.at/?p=11674 Illustration: Sabrina WegererIch habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen. Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens […]]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Ich habe gerade das ambivalente Vergnügen, an der Uni in einem Projekt zu arbeiten, das auf die Inklusion vulnerabler und marginalisierter Personengruppen achtet. Ambivalent ist das Vergnügen, weil das Projekt leider groß genug ist, um von der Uni-Leitung abgesegnet werden zu müssen.
Letztlich sind es zwei strukturelle Gegebenheiten, die mich dabei phasenweise aufgerieben haben. Erstens bin ich kleine Teams mit flacher Hierarchie gewöhnt und nach einigen Wochenenden und Nächten, die ich durchgearbeitet habe, ist mir der Befindlichkeitszirkus im Haus am Ring nur noch wie der Limbus erschienen, der vor dem Eingang zum Höllenkrater durchschritten werden muss. Natürlich ist die Uni nicht die Hölle, aber die hierarchisch motivierten Befindlichkeiten, die in vielen Abteilungen dort herrschen, sind eine Arbeits- und Motivationsvernichtungsmaschinerie, die jeden Anspruch an effiziente Arbeitsweisen im Keim erstickt. My own personal hell.
Das zweite strukturelle Problem – und hier verlassen wir den Boden der persönlichen Betroffenheit – stellt die demografische Zusammensetzung der oberen Hierarchie-Ebenen der Universität dar. Dank gesellschaftlicher Veränderungen ist ein Anspruch an Diversität und Inklusion zwar als State of the Art auch an der Uni angekommen, doch aufgrund der homogenen Suppe aus weißen, körperlich und psychisch normativ befähigten, cis-geschlechtlichen Personen in Leitungsfunktionen wird „Diversität und Inklusion“ nicht als Mittel zur Durchsetzung von Politiken der Gerechtigkeit behandelt, sondern als Vorbeugung gegen ein scheinbar immanent drohendes PR-Desaster. „Inkludiert werden“ müssen immer nur „die Anderen“ und das führt dazu, dass diese Inklusion permanent so in Erscheinung treten muss, dass sich Mehrheitsangehörige dabei nicht unwohl fühlen. Anders formuliert: Die Umsetzung von Diversitätsmaßnahmen an der Uni ist zuallererst dazu da, dass sich Mehrheitsangehörige dadurch beruhigt fühlen. Anti-Rassismus klingt halt einfach so hart. Muss es denn Anti? Und muss es Rassismus? Brrr.

 

Towander Flagg hat nicht den Schneid, der Uni-Leitung eine Ausgabe von „Talking Back“ zu schenken. Sie ist jetzt aber mal auf Urlaub und liest dort Sara Ahmed.

 

 

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an.künden: Sichtbarkeit schaffen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-schaffen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-schaffen/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:05:43 +0000 https://anschlaege.at/?p=11671 © Trans Pride KölnZum zweiten Mal wird in Köln die Trans Pride unter dem Motto „Auflehnen statt Anpassen – nicht erst seit Stonewall“ veranstaltet. Ein diverses Programm soll trans* und inter* Personen die Möglichkeit bieten, sich zu vernetzen, zu unterstützen und gemeinsam zu feiern, um sichtbarer und selbstbestimmter leben zu können. Neben einem ersten Kennenlernen am Freitag, anschließender […]]]> © Trans Pride Köln

Zum zweiten Mal wird in Köln die Trans Pride unter dem Motto „Auflehnen statt Anpassen – nicht erst seit Stonewall“ veranstaltet. Ein diverses Programm soll trans* und inter* Personen die Möglichkeit bieten, sich zu vernetzen, zu unterstützen und gemeinsam zu feiern, um sichtbarer und selbstbestimmter leben zu können. Neben einem ersten Kennenlernen am Freitag, anschließender Lesung sowie Party am Abend gibt es am Samstag ein dichtes Programm voll mit Workshops u. a. über Queer & Flucht sowie Trans* & Schwangerschaft. Sonntag findet die Demo ab 12:00 Uhr inklusive Zwischenkundgebung am Rudolfsplatz statt.

 

13.-15.9.: Trans Pride
diverse Locations in Köln
www.transpridecologne.wordpress.com

 

 

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an.künden: Gesellschafts­politisches Zeichen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-gesellschaftspolitisches-zeichen/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-gesellschaftspolitisches-zeichen/#respond Thu, 03 Oct 2019 10:02:16 +0000 https://anschlaege.at/?p=11668 © Alexandra Gschiel„Signale“ geht in die zweite Runde: Ein Zusammenschluss aus mehreren Künstler*innen, Veranstalter*innen, Labelbetreiber*innen und diversen Nachtvögeln lädt erneut zu einem Workshop- und Musikprogramm ein, das zusammenführen und bekräftigen soll. Moderiert von PCCC* bietet der Abend ein volles Line-up, u. a. mit Yasmo & die Klangkantine, Madame Baheux und Lonesome Hot Dudes (Foto). Auch die Signale […]]]> © Alexandra Gschiel

„Signale“ geht in die zweite Runde: Ein Zusammenschluss aus mehreren Künstler*innen, Veranstalter*innen, Labelbetreiber*innen und diversen Nachtvögeln lädt erneut zu einem Workshop- und Musikprogramm ein, das zusammenführen und bekräftigen soll. Moderiert von PCCC* bietet der Abend ein volles Line-up, u. a. mit Yasmo & die Klangkantine, Madame Baheux und Lonesome Hot Dudes (Foto). Auch die Signale Band u. a. mit Alicia Edelweiss, Dives und Kid Pex tritt auf. Der Reinerlös geht in diesem Jahr an die Initiativen „Prosa – Projekt Schule für Alle“, „Türkis Rosa Lila Vila“ und „System Change, not Climate Change!“.

 

26.9., ab 16:00: Signale – Musik politisch machen
Arena, 1030 Wien, Baumggasse 80
www.signale.jetzt

 

 

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an.sage: Frauenpolitik, gibt’s die noch? https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenpolitik-gibts-die-noch/ https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenpolitik-gibts-die-noch/#respond Thu, 03 Oct 2019 09:58:14 +0000 https://anschlaege.at/?p=11666 Mehr Geld, und zwar im Millionenbereich: Mit dieser Forderung machte Interims-Frauenministerin Ines Stilling vor wenigen Wochen Schlagzeilen. Eine Erhöhung des Frauenbudgets, das derzeit bei rund zehn Millionen Euro liegt, sei dringend notwendig, um Beratungseinrichtungen auszubauen und mehr Mittel in den Gewaltschutz fließen zu lassen. Die frauenpolitischen Herausforderungen werden größer, nicht kleiner, ist Stilling überzeugt, das […]]]>

Mehr Geld, und zwar im Millionenbereich: Mit dieser Forderung machte Interims-Frauenministerin Ines Stilling vor wenigen Wochen Schlagzeilen. Eine Erhöhung des Frauenbudgets, das derzeit bei rund zehn Millionen Euro liegt, sei dringend notwendig, um Beratungseinrichtungen auszubauen und mehr Mittel in den Gewaltschutz fließen zu lassen. Die frauenpolitischen Herausforderungen werden größer, nicht kleiner, ist Stilling überzeugt, das Budget hingegen ist seit 2010 nicht mehr erhöht worden. Handlungsbedarf in Sachen Gewaltschutz attestierte Österreich zuletzt auch der CEDAW-Ausschuss. Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Frauen überprüft regelmäßig die Einhaltung von Frauenrechten in Österreich, empfohlen wird der nächsten Regierung nicht nur ein Ausbau des Gewaltschutzes, sondern auch Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap, eine Förderung von Mädchen in MINT-Fächern und eine umfassende, altersgerechte Sexualpädagogik. Auch wenn während der vergangenen eineinhalb Jahre Juliane Bogner-Strauß formell als Frauenministerin agierte – seit dem Abtritt des Kabinetts Kern erschien das Amt de facto unbesetzt. Doch angesichts der kleinen und größeren Skandale, die das Land im Zuge der Ibiza-Affäre erschütterten, gerät die frauenpolitische Nullnummer von Türkis-Blau bereits in Vergessenheit.
Dabei lohnt es sich, zurückzuschauen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ Ministerin Bogner-Strauß vor allem durch ihre Kürzungspolitik: Feministischen Initiativen wie One Billion Rising, Frauensolidarität und Frauenhetz (und auch an.schläge) wurden Fördergelder gekürzt oder gänzlich gestrichen, der versprochene Fokus auf den Gewaltschutz inklusive zusätzlicher Investitionen in Frauenhäuser und Beratungsstellen blieb eine bloße Ankündigung. Ansonsten war wenig zu hören von Bogner-Strauß; zu den Einschnitten im Sozialsystem, die Frauen künftig hart treffen werden, äußerte sie sich allerhöchstens „begrüßend“. Auch für das enorm erfolgreiche Frauenvolksbegehren 2.0, das fast eine halbe Million Unterschriften sammeln konnte, hatte sie lediglich ein Schulterzucken übrig.

Wenn Ines Stilling, die den Job als Frauenministerin unter Kanzlerin Bierlein bis zur Angelobung einer neuen Regierung ausübt, nun mehr Geld und mehr Aktion in der Frauenpolitik fordert, stimmt das fast schon wehmütig. Haben wir vor gar nicht allzu langer Zeit nicht noch Ganztagsschulen, Maßnahmen gegen Frauenarmut und die steigende Teilzeitquote diskutiert statt drohender Einschnitte beim Schwangerschaftsabbruch und eines Kopftuchverbots in Schulen? Stilling ist vom Fach. Sie startete ihre politische Karriere unter Doris Bures und stieg unter Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zur Büroleiterin auf, eine Frauenministerin, die sich glaubwürdig für progressive frauenpolitische Anliegen starkmachte und deren Agenda rückblickend fast schon radikalfeministisch anmutet.
Doch so viel nostalgische Verklärung tut nicht gut: Frauenpolitik einen angemessenen Stellenwert zuzugestehen und das Ressort finanziell nicht auszuhungern, sollte selbst in Ibiza-Österreich als Selbstverständlichkeit gelten. Gewalt im sozialen Nahraum, die jedes Jahr zig Frauen das Leben kostet, als massives Sicherheitsproblem einzustufen und dementsprechend präventiv zu bekämpfen, sollte allen Parteien ein Anliegen sein. Dass „Freiheitliche“, aber auch Türkise Einzelfälle mit Blick auf die Umfragewerte rassistisch instrumentalisieren, muss als das benannt werden, was es ist: ein Skandal. Ebenso, dass Frauen (wieder) dafür kämpfen müssen, an ihrem Wohnort sicher und kostengünstig eine medizinische Leistung in Anspruch zu nehmen, die ihnen selbstverständlich in jedem Krankenhaus zur Verfügung stehen sollte: den Schwangerschaftsabbruch. Und damit nicht genug. Eine ganze Reihe weiterer Baustellen, die dringend Beachtung bedürfen, sind im Forderungskatalog des Frauenvolksbegehrens nachzulesen. Grundvernünftige Forderungen, denen es allein am politischen Willen mangelt. Doch selbst wenn uns nach dem 29. September erneut eine ÖVP-FPÖ-Regierung des Mauschelns und des Hetzens droht: Mit weniger dürfen wir uns nicht zufriedengeben.

 

 

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Feminist Superheroines: Carola Rackete https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-carola-rackete/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-carola-rackete/#respond Thu, 03 Oct 2019 09:52:00 +0000 https://anschlaege.at/?p=11662 Illustration: Ruth Veres https://ruthveres.at„Wenn uns nicht die Gerichte freisprechen, dann die Geschichtsbücher“ – mit diesem Satz wird Carola Rackete wohl tatsächlich in die Geschichte eingehen. Die 31-jährige Kapitänin der Sea-Watch 3 hatte Mitte Juni dieses Jahres 53 im Mittelmeer treibende Menschen auf der Flucht mit an Bord genommen, um sie in einen sicheren europäischen Hafen zu bringen. Italien […]]]> Illustration: Ruth Veres https://ruthveres.at

„Wenn uns nicht die Gerichte freisprechen, dann die Geschichtsbücher“ – mit diesem Satz wird Carola Rackete wohl tatsächlich in die Geschichte eingehen. Die 31-jährige Kapitänin der Sea-Watch 3 hatte Mitte Juni dieses Jahres 53 im Mittelmeer treibende Menschen auf der Flucht mit an Bord genommen, um sie in einen sicheren europäischen Hafen zu bringen. Italien verhängte eine Hafensperre über Rackete. Diese sah sich trotz des Verbots aufgrund der Notstandssituation an Bord veranlasst, am 29. Juni im Hafen von Lampedusa anzulegen. Die internationale Solidarität war groß: Neben Demos zur Freilassung Racketes wurden Spendenaktionen gestartet und dabei über 1,4 Millionen Euro für die internationale Seenotrettung gesammelt.

 

 

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