IV / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 11 Oct 2019 07:09:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png IV / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 Nora Cortiñas https://ansch.4lima.de/nora-cortinas/ https://ansch.4lima.de/nora-cortinas/#respond Fri, 07 Jun 2019 06:06:40 +0000 https://anschlaege.at/?p=11250 Am 25. April 1977 sah Nora Irma Morales de Cortiñas ihren Sohn zum letzten Mal. Er „verschwand“ auf dem Weg zur Arbeit, wie viele andere Menschen zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien. Als Mitbegründerin der „Madres de Plaza de Mayo“, einer Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder zwischen 1976 und 1983 verschleppt wurden, engagiert die 89-jährige […]]]>

Am 25. April 1977 sah Nora Irma Morales de Cortiñas ihren Sohn zum letzten Mal. Er „verschwand“ auf dem Weg zur Arbeit, wie viele andere Menschen zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien. Als Mitbegründerin der „Madres de Plaza de Mayo“, einer Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder zwischen 1976 und 1983 verschleppt wurden, engagiert die 89-jährige Cortiñas sich nun bereits seit 42 Jahren für Menschenrechte. Zunächst ging es den Müttern um Freilassungen und Information über den Verbleib ihrer Kinder, später um die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen.
Immer noch treffen sich die Madres jeden Donnerstag um 15:30 Uhr auf dem Plaza de Mayo. Sie werden weiterhin auf die Aufklärung der Verbrechen der Militärdiktatur bestehen und für viele ein Vorbild sein. „You mustn’t be afraid to stand up for your ideals“, betont Cortiñas.

]]>
https://ansch.4lima.de/nora-cortinas/feed/ 0
2019-04 https://ansch.4lima.de/inhalt/2019-04/ Thu, 06 Jun 2019 20:41:27 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=11235 „Alle profitieren“ Caring Masculinities statt toxischer Männlichkeit. Von BRIGITTE THEIßL (Keinen) Raum einnehmen Interview: RICK REUTHER über gendersensible Bubenarbeit. Von OLJA ALVIR Fingernägel & Mental Load Die neuen Väter sind oft auch nicht besser. Von LEA SUSEMICHEL „Traditionelle Männlichkeit macht krank“ Männergesundheit ist Risikogesundheit. Von EVANGELISTA SIE I (don’t) care Trans Männlichkeit und Sorgearbeit. Von […]]]>

„Alle profitieren“
Caring Masculinities statt toxischer Männlichkeit. Von BRIGITTE THEIßL

(Keinen) Raum einnehmen
Interview: RICK REUTHER über gendersensible Bubenarbeit. Von OLJA ALVIR

Fingernägel & Mental Load
Die neuen Väter sind oft auch nicht besser. Von LEA SUSEMICHEL

„Traditionelle Männlichkeit macht krank“
Männergesundheit ist Risikogesundheit. Von EVANGELISTA SIE

I (don’t) care
Trans Männlichkeit und Sorgearbeit. Von INES-PAUL BAUMANN

]]>
Rechtsabbiegen ist kein Pilotprojekt https://ansch.4lima.de/rechtsabbiegen-ist-kein-pilotprojekt/ https://ansch.4lima.de/rechtsabbiegen-ist-kein-pilotprojekt/#respond Thu, 06 Jun 2019 19:47:34 +0000 https://anschlaege.at/?p=11229 Ein Kommentar von VANESSA SPANBAUER Identitären-Sprecher Martin Sellner als Posterboy, sehr fragwürdige Gäste beim „Talk im Hangar-7“ auf Servus TV und die Wiedergabe von Werbevideos rechtsextrem eingestufter Bewegungen in großen Medien – Hass und Hetze als Meinung sind längst unter uns. In der Medienberichterstattung der letzten Monate finden sich zahllose Berichte und Interviews, in denen Rechtsextremen […]]]>

Ein Kommentar von VANESSA SPANBAUER

Identitären-Sprecher Martin Sellner als Posterboy, sehr fragwürdige Gäste beim „Talk im Hangar-7“ auf Servus TV und die Wiedergabe von Werbevideos rechtsextrem eingestufter Bewegungen in großen Medien – Hass und Hetze als Meinung sind längst unter uns. In der Medienberichterstattung der letzten Monate finden sich zahllose Berichte und Interviews, in denen Rechtsextremen Raum geboten wird. Viele Forscher*innen, die sich mit dem Thema beschäftigen, haben anaylsiert, weshalb mit Rechtsextremen nicht gleichwertig diskutiert werden kann: Da werden Nicht-Expert*innen rechter Gesinnung Expert*innen gegenübergesetzt, die sich zwar fachlich rundum auskennen, jedoch wenig Chancen gegen jene rhetorisch geschulten Demagog*innen haben, denen es nicht um Fakten, sondern um Angstmache geht. Recherchierte und fundierte Analysen, die den Anspruch haben, sich Themen differenziert zu widmen, treffen auf Beispiele und Szenarien, die in keiner Form belegbar sein müssen, denn oft reicht eine bloße Behauptung, um eine Hasswelle loszutreten. Ein weiteres Argument dafür, dass solch ein Aufeinandertreffen in Fernsehsendungen und anderen Formaten problematisch ist, begründet sich durch die rechte Absicht, den Diskurs zerstören zu wollen, Dialog zu verweigern und immer nur ihre eigenen Themen zu bedienen. In vielen dieser Diskussionen wird rechten Meinungen eine Bühne geboten, ohne dass eine starke Moderation die getätigten Aussagen kontextualisieren und richtigstellen würde. Inhaltliche Analysen erfolgen daher in der Regel erst später, nachdem sich die meisten Zuseher*innen ihre Meinung schon längst gebildet haben und von den nachträglichen Erklärungen nichts mehr mitbekommen.

„Mit Rechten reden“ wird gemeinhin als Notwendigkeit dargestellt, weil es zu wenig geschehe. Dahinter steht die Angst vor Filterblasen und davor, nicht genügend andere Meinungen zu hören, die ein Aufeinander-Zugehen ermöglichen würden. Besonders für eher links stehende Medien scheint das wie ein Aufruf zu wirken. Aber wer redet mit denen, die berechtigte Angst vor den Rechten haben? Während der Sprecher der Identitären ein Magazincover ziert (siehe „Profil“ von Ende März 2019), können Personen mit Migrationshintergrund in den meisten österreichischen Medien keine Stimme für sich beanspruchen, denn der Journalismus ist hier weitgehend weiß und von Menschen ohne Migrationsgeschichte geprägt. Um dem Vorwurf vorzubeugen, „zu links“ zu sein, liebäugeln einige österreichische Medienmacher*innen zudem mit den Rechten – mit dem Argument, „das gesamte Spektrum“ abbilden und „jede Seite“ zu Wort kommen lassen zu wollen. Ungeachtet dessen, dass manche Wortmeldungen einfach nichts in unserer Gesellschaft zu suchen haben.
Doch die Wahrung von „Objektivität“ und „Unabhängigkeit“ scheint heutzutage gleichbedeutend damit, dass Rassismus, Sexismus, Homophobie und weitere Diskriminierungsformen als legitime Meinung zugelassen werden. Journalist*innen, die sich davon klar abgrenzen, sind in den Augen vieler voreingenommen und politisch gefärbt. Meinungsfreiheit ist zentral, doch sollte diese dort enden, wo Menschen Abwertung erfahren oder historische Fakten wie der Holocaust geleugnet werden. Personen, die eine solche Meinungen vertreten und versuchen, diese öffentlich zu bewerben, darf einfach keine Bühne gegeben werden.
Dabei hilft es wenig, Diskriminierung bloß einer bestimmten Partei oder Bewegung zuzuordnen. Diskriminierendes Gedankengut ist tief in der österreichischen Kultur und Tradition verankert und tritt deshalb beinahe in allen Reihen der Gesellschaft auf. Die Aufgabe einer verantwortungsvollen Berichterstattung müsste es sein, dieses kritisch zu hinterfragen und eine Linie zu ziehen, die es niemandem möglich macht, gewisse Grenzen zu überschreiten.
Das bedeutet auch, dass Rassismus und Hetze als solche benannt werden müssen und nicht als „Meinung“ gelten dürfen, die „besorgte Bürger*innen“ nun mal haben.

]]>
https://ansch.4lima.de/rechtsabbiegen-ist-kein-pilotprojekt/feed/ 0
„Ich habe mich so geniert“ https://ansch.4lima.de/ich-habe-mich-so-geniert/ https://ansch.4lima.de/ich-habe-mich-so-geniert/#respond Thu, 06 Jun 2019 21:45:53 +0000 https://anschlaege.at/?p=11226 Immer mehr Menschen leben versteckt in Armut und ohne eigenes Zuhause. Für Frauen bedeutet das oft Gewalt und Abhängigkeit. Von VANESSA SPANBAUER „Mit neun war ich das erste Mal zwei Wochen auf der Straße“, sagt die Frau, die vor mir sitzt. Sie wirkt gelassen, denn über ihre Geschichte spricht sie im Rahmen der „Supertramps“ oft. Supertramps […]]]>

Immer mehr Menschen leben versteckt in Armut und ohne eigenes Zuhause. Für Frauen bedeutet das oft Gewalt und Abhängigkeit. Von VANESSA SPANBAUER

„Mit neun war ich das erste Mal zwei Wochen auf der Straße“, sagt die Frau, die vor mir sitzt. Sie wirkt gelassen, denn über ihre Geschichte spricht sie im Rahmen der „Supertramps“ oft. Supertramps ist ein Projekt, das wohnungslosen Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Geschichte zu teilen. Bei den Touren bieten obdachlose Stadtexpert_innen wichtige Einblicke in ein Leben, mit dem die Teilnehmenden sonst selten konfrontiert werden. Sandra lebte viele Jahre im Heim, bis ihre Mutter sie wieder zu sich holte. Mit 17 Jahren führte sie das Leben wieder zurück auf die Straße. Da das Leben als wohnungslose Frau alles andere als ungefährlich ist, schloss sie sich einer Gruppe an. „Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt. Ich habe auf die Sachen aufgepasst, während die anderen schnorren gegangen sind. Man teilt alles und Lehrlingsgeld hatte ich zusätzlich auch.“ Durch die Lehre konnte Sandra wieder Fuß fassen, fand schließlich auch eine eigene Wohnung. Sie erinnert sich: „Von 18 bis 44 habe ich ganz normal gelebt. Ich war arbeiten, verheiratet, habe Kinder aufgezogen und wollte ihnen alles bieten.“

Plötzlich ohne Wohnung. Viele Faktoren können zusammenspielen, wenn Menschen plötzlich mit Wohnungslosigkeit konfrontiert sind. Arbeitslosigkeit oder eine Scheidung, Schicksalsschläge und schwere Krankheiten. Geschichten, die gar nicht so selten sind. Die, die schon einmal auf der Straße gelebt haben, tun meist alles, um das nicht erneut erleben zu müssen – so auch Sandra.
„Wohnungslosigkeit ist wirklich ein einschneidendes Erlebnis. Wenn man so tief unten war, ist es auch bestärkend, wieder rauszukommen“, sagt Inge Honisch, Schuldnerberaterin und Sozialarbeiterin bei der Schuldnerberatung Salzburg im an.schläge-Gespräch. In Salzburg wurde zuletzt von einem Anstieg von fünf Prozent bei wohnungslosen Frauen berichtet. Insgesamt 1539 Menschen sind in Salzburg wohnungslos, 352 davon obdachlos. Der Anteil der Frauen liegt bei 35 Prozent. Im österreichischen Vergleich liegt Salzburg bei den Wohnungspreisen im Spitzenfeld. „In Salzburg sind die Wohnungen sehr teuer. Ein Drittel der Anfragen in Frauenhäusern kommt von wohnungslosen Frauen, die nicht von Gewalt betroff en sind. Doch Gewalt ist die Voraussetzung zur Aufnahme im Frauenhaus. Das zeigt, wie groß das Problem mit leistbarem Wohnraum mittlerweile ist“, erzählt Inge Honisch.

Alles, nur nicht die Straße. Österreichweit waren laut Statistik Austria 2017 rund 15.000 Personen als wohnungslos registriert, rund ein Drittel davon sind Frauen. Doch diese sind sehr oft versteckt wohnungslos – Wohnungslosigkeit bei Frauen ist weniger sichtbar als bei Männern. Auf der Straße sind Frauen häufig Gewalt ausgesetzt, doch auch die Notschlafstellen und Tageszentren sind durch die deutliche Überzahl der Männer für viele zu unsicher oder gar bedrohlich. Wohnungslose Frauen oder Frauen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, tun deshalb viel, um ein Leben auf der Straße zu verhindern. Vor die Wahl gestellt, ohne ein Zuhause dazustehen oder in einer gewaltvollen Beziehung zu bleiben, entscheiden sich viele für Letzteres. Aber auch neue Beziehungen werden mit dem Ziel eingegangen, eine dauerhafte Bleibe zu haben. Besonders bei Müttern ist die Angst vor dem Jugendamt, das die Kinder wegnehmen könnte, ein relevanter Faktor, weshalb das Leben auf der Straße unter allen Umständen verhindert werden muss.

Schamvolles Verschweigen. Als Sandra erneut wohnungslos wurde, erzählte sie ihrem Umfeld nichts davon, selbst vor Freund_innen und ihrer Familie verheimlichte sie ihre prekäre Situation. Nach dem Tod ihrer schwerkranken Mutter war Sandra in ein tiefes Loch gefallen. Bis zuletzt hatte sie diese gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter gepfl egt. Sandras ehemaliger Partner, mit dem sie zusammenziehen wollte, nahm ihr Geld für eine gemeinsame Wohnung – und behielt es nach der Trennung. „Ich hatte keine Aufgabe mehr und bin monatelang nicht mehr aus der Wohnung rausgekommen. Wozu sollte ich noch aufstehen?“, erinnert sich Sandra zurück. Auch die eigene Krankengeschichte machte es unmöglich, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Das Vernachlässigen des Alltags und der Post führten schließlich zum Wohnungsverlust.
Doch niemand sollte mitbekommen, was der wortgewandten Frau widerfahren war. „Offiziell habe ich gesagt, dass ich in einer WG wohne. Ich habe mich geniert und wollte niemandem sagen, was passiert ist. So haben Freund_innen und Familie vier Jahre lang geglaubt, ich habe einen Wohnort.“ Ein paar Tage in Niederösterreich im Haus eines Freundes, ein paar Tage bei der Schwester in Wien, die nächsten bei der Tochter, dann bei Freund_innen – Sandra entwickelte ein gut gesponnenes Netz an Lügen, um immer wieder für ein paar Tage eine Unterkunft zu haben. Vier Jahre ging das gut, dann war keine Kraft mehr vorhanden und Sandra meldete sich bei der Wohnungslosenhilfe. Mit dem Hund im Schlepptau, der für sie über diese Jahre hinweg ein wichtiger sozialer Kontakt geblieben war, gestand sie sich die Situation endlich ein und konfrontierte ihre Familie mit der Wahrheit. „Meine Tochter war sehr wütend und verletzt, weil ich nichts gesagt hatte. Aber ich hatte sie damit einfach nicht belasten wollen.“

Enteignung. Sandra konnte ihre Wohnungslosigkeit jahrelang verbergen, sie war immer gestylt, nie schmutzig und es gelang ihr gut, den Schein aufrechtzuerhalten. „Man will das Frauenbild in der Öffentlichkeit wahren“, sagt sie. In anderen Ländern ist Wohnungslosigkeit deutlicher sichtbar. Dies deckt sich mit den Erfahrungen von Inge Honisch. „Natürlich gibt es in Österreich Armut, aber durch viele Stellen, an die man sich wenden kann, verhungert bei uns niemand.“
Obdachlosigkeit ist aber ein wachsendes Problem westlicher Demokratien, die von großen Klassenunterschieden geprägt sind. So auch in den USA. Allein in Los Angeles ist die Obdachlosenzahl seit 2012 um 47 Prozent gestiegen. Und auch in Deutschland ist die Entwicklung besorgniserregend, in Städten wie Hamburg, Stuttgart oder München sind leistbare Mietwohnungen Mangelware. Grund genug, endlich über das Schaffen von billigerem Wohnraum nachzudenken. Berlins Oberbürgermeister Michael Müller von der SPD sprach Anfang des Jahres darüber, 65.000 Wohnungen des privaten Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen zurückkaufen zu wollen. Eine Berliner Initiative will die großen Immobilienunternehmen nun sogar enteignen. Sie hat nicht nur eine erfolgreiche Großdemonstration gegen „Verdrängung und Mietenwahnsinn“ organisiert, zu der ein großes Bündnis aufgerufen hatte, sondern auch ein Volksbegehren gestartet. Die Resonanz in der Bevölkerung und das Medienecho zeigen, wie dringlich das Thema Wohnpolitik ist.

Es kann jede treffen. „Wenn sie keinen Job haben, kriegen sie keine Wohnung. Wenn sie keine Wohnung haben, kriegen sie keinen Job, und wenn sie kein Konto haben, gilt dasselbe. Eines greift ins andere. Wenn es so weit ist, ist es ganz schwer, ohne professionelle Hilfe wieder rauszukommen“, so Honisch, die viele Menschen mit Mietrückständen berät. Es gibt Hilfen wie Schuldnerberatungen oder Notschlafstellen und Tageszentren. Doch Betroffene hindert oft die Scham, den Alltag nicht alleine bewältigen zu können, daran, über ihre Probleme zu sprechen und Hilfe zu suchen. Eine öffentliche Aufklärung sei umso wichtiger.
So unvorstellbar es auch für viele erscheint: Wohnungslosigkeit kann jede_n treffen. Angesichts der steigenden Mietpreise in den Städten, einer Politik des Sozialabbaus und einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung könnte sich das Problem weiter verschärfen.
Sandra ist es ein Anliegen, ihre Geschichte bei den Supertramps zu teilen. Ihre hat ein Happy End: Durch die Initiative und ihren Auftritt in einem Theaterstück meldete sich eine Frau bei Sandra, die das Unmögliche möglich machte und ihr eine Wohnung vermittelte. Doch Sandra blieb auch danach bei Supertramps. Sie möchte weiterhin davon erzählen, wie schnell man in eine solche Situation kommen kann und wie wichtig es ist, sich Unterstützung zu holen.

]]>
https://ansch.4lima.de/ich-habe-mich-so-geniert/feed/ 0
400 Milliarden Euro https://ansch.4lima.de/400-milliarden-euro/ https://ansch.4lima.de/400-milliarden-euro/#respond Thu, 06 Jun 2019 21:42:19 +0000 https://anschlaege.at/?p=11222 © Johnny MillerLeistung lohnt sich in Österreich und Deutschland keineswegs: Reich wird, wer in die richtige Familie geboren wird. BRIGITTE THEIßL hat die goldene Erben-Generation unter die Lupe genommen. Das Thema Erben sickerte langsam ins Leben von Julia Friedrichs. Bis zum dreißigsten Geburtstag schien es in ihrem Freundeskreis allen recht ähnlich zu ergehen: Studium, die ersten prekären Jobs, Festanstellungen, […]]]> © Johnny Miller

Leistung lohnt sich in Österreich und Deutschland keineswegs: Reich wird, wer in die richtige Familie geboren wird. BRIGITTE THEIßL hat die goldene Erben-Generation unter die Lupe genommen.

Das Thema Erben sickerte langsam ins Leben von Julia Friedrichs. Bis zum dreißigsten Geburtstag schien es in ihrem Freundeskreis allen recht ähnlich zu ergehen: Studium, die ersten prekären Jobs, Festanstellungen, viel zu teure Mietwohnungen. Doch dann übersiedelte ein Freund, der mit seinem Gehalt immer gerade so über die Runden kam, plötzlich aus der Studentenbude direkt ins Townhaus in der besten Gegend der Stadt. Andere kauften sich Ferienhäuser in Frankreich und der Schweiz – um zwischendurch mit der Familie auszuspannen. Selbstverständlich hatte niemand von ihnen mal eben so eine halbe Million Euro auf die hohe Kante gelegt – es waren die Erbschaften, oder vielmehr vorzeitige (steuervermeidende) Schenkungen ihrer Eltern, die sie geschickt in Immobilien investierten. Für ihr 2016 erschienenes Buch „Wir erben“ hat die deutsche Journalistin und Autorin Erb*innen in ganz Deutschland getroff en, anhand persönlicher Geschichten und Forschungsdaten macht sie deutlich: Das Erbe der Nachkriegsgeneration wird Deutschland nachhaltig verändern.
Bis zu vierhundert Milliarden Euro werden inklusive Schenkungen jährlich vererbt, besagt eine aktuelle von der Hans-Böckler-Stiftung beauftragte Studie. Davon profitieren keineswegs alle. Über die Hälfte der Bevölkerung erbt nichts oder sogar Schulden, aber acht Prozent der Erb*innen erhalten rund vierzig Prozent des Gesamtvermögens. Und die Dynamik nimmt zu: Aufgrund der demografischen Entwicklung verteilt sich das Geld trichterförmig auf immer weniger Personen.

Grobe Schätzung. Wie viel Vermögen sich tatsächlich in privater Hand befindet und an die nächste Generation weitergegeben wird, weiß niemand so genau. Amtliche Statistiken zu Erbschaften und Schenkungen existieren weder in Deutschland noch in Österreich, Wissenschaftler*innen müssen sich mit Befragungsdaten und Schätzungen zufriedengeben. „Besonders reiche Haushalte nehmen weniger häufig an solchen Befragungen teil. Und natürlich können wir auch nicht überprüfen, ob die Angaben der Menschen zu ihren Vermögensverhältnissen richtig sind“, sagt Alyssa Schneebaum, Ökonomin an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, im Gespräch mit an.schläge. Schneebaum hat den Gender Wealth Gap untersucht, der in Österreich 23 Prozent beträgt: Frauen besitzen im Schnitt also 23 Prozent weniger Vermögen, in Paarhaushalten steigt dieser Wert auf 28 Prozent. Besonders relevant ist der Gap bei den reichsten Haushalten: Während das Verhältnis bei den unteren fünfzig Prozent der Haushalte – sie besitzen lediglich 6,9 Prozent des Gesamtvermögens – zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen ist, konzentriert sich beim reichsten Prozent 76 Prozent des Vermögens auf Männer.

Wer hat, dem wird gegeben. Vermögen liegt also in den Händen weniger (Männer). Eine Entwicklung, die sich verschärft – und die bestehende Gesellschaftsordnung bedroht, wie Thomas Piketty in seinem viel beachteten Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ eindringlich darstellt. Denn während unsere Demokratie auf die Erzählung baut, individuelle Anstrengung und Leistung würden über den sozialen Status der Einzelnen entscheiden, werden de facto Abstammung, Erbe und Kapital immer wichtiger. In Österreich fällt dieser Befund besonders drastisch aus. In keinem anderen Land der Eurozone sind Erbschaften so entscheidend für den sozialen Aufstieg, belegt eine Studie der österreichischen Nationalbank aus dem Jahr 2015. 15 Milliarden Euro werden aktuell geschätzt pro Jahr vererbt, in den kommenden Jahrzehnten wird sich diese Summe verdoppeln. Wer schon finanzkräftig ist, kann mit einem weiteren Vermögenszuwachs rechnen: In den vermögendsten zwanzig Prozent der Haushalte haben schon zwei Drittel einmal etwas geerbt, in den unteren zwanzig Prozent hingegen nur 9,6 Prozent. Soziale Ungleichheit wird so weiter einzementiert.

Me and my family. Erbe ist aber nicht nur ein Vermögenszuwachs, der ganz ohne Leistung erfolgt, er ist noch dazu steuerlich privilegiert. Während in Deutschland Erbschaften und Schenkungen zumindest ab einer bestimmten Höhe besteuert werden, wurde in Österreich die Erbschaftssteuer 2009 gänzlich abgeschafft. Hohe Steuern auf Arbeit, niedrige oder keine auf Vermögen – eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Doch eine konsequent umgesetzte Erbschaftssteuer ist in Österreich alles andere als mehrheitsfähig. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts unique research zeigt, befürworten zwar zumindest 56 Prozent der Österreicher*innen die Wiedereinführung einer Erbschaftssteuer, bei einem Freibetrag von „nur“ 500.000 Euro sinkt die Zustimmung jedoch auf 16 Prozent, lediglich drei Prozent können sich eine Steuer auf alle Erbschaften vorstellen. „In Österreich glaubt jeder, er werde einmal eine Erbschaft machen, de facto sind es aber nur jene, die schon Vermögen haben“, sagte Wilfried Altzinger, Wirtschaftswissenschaftler an der WU Wien, dem „Standard“. Ein Effekt, der aus zahlreichen Forschungsprojekten bekannt ist: Wohlhabende Menschen halten sich in der Regel für ärmer, als sie tatsächlich sind – und umgekehrt. Aber auch das patriarchale Familienbild in Österreich hat etwas mit der Ablehnung von Steuern auf Erbschaften zu tun, ist Ökonomin Alyssa Schneebaum überzeugt: „In Österreich ist das Familienbild nach wie vor sehr traditionell. Man hat die Idee: Wenn ich mir etwas erarbeitet habe, sollen ich und meine Familie davon profitieren.“
Dass gesamtgesellschaftliche Umverteilung bei vielen Menschen nicht gerade hoch im Kurs steht, wird nicht nur von neoliberalen Thinktanks, sondern auch von einer Politik der rassistischen Spaltung geschickt instrumentalisiert – und noch weiter vorangetrieben. Wenn von „Leistung muss sich wieder lohnen“ die Rede ist, sind niemals Erb*innen gemeint. Für eine Umverteilungspolitik, die weit über Vermögenssteuern hinausgeht, sprechen indes nackte Zahlen. Schon jetzt ist die soziale Mobilität ist in Österreich äußerst gering: Sowohl Bildungsabschlüsse als auch der ökonomische Status werden im Wesentlichen vererbt. „Allein im Bildungssektor gibt es in Österreich eine starke soziale Selektion. Deshalb ist es besonders schwierig, sich Vermögen aufzubauen, wenn man nicht über das richtige Elternhaus verfügt“, sagt Alyssa Schneebaum.

Umverteilen statt verschweigen. Wie es sich mit dem richtigen Elternhaus lebt, zeichnet Autorin Julia Friedrichs in ihrem Buch anhand ausgewählter Biografien nach. Erbe, das bedeutet vor allem Sicherheit. Da ist etwa der Komponist, der ohne das dicke Bankkonto seines Vaters niemals diesen Beruf ergriffen hätte; Familiengründung, Auslandsaufenthalt, Kunstprojekt – mit großzügigen Schenkungen auch ohne Festanstellung verhältnismäßig sorgenfrei umzusetzen. Um genügend Gesprächspartner*innen für ihre Sozialreportage zu finden, musste Friedrichs so einige Anstrengung auf sich nehmen. „Über Geld spricht man nicht“ gilt in Deutschland nach wie vor. Francis Seeck kennt das nur zu gut. Seeck ist Lehrbeauftragte_r und Doktorand_in und arbeitet viel zum Thema soziale Ungleichheit. In Antidiskriminierungstrainings lässt er Workshop-Teilnehmer*innen ihre eigene ökonomische Situation beschreiben – und erlebt dabei oft Fehleinschätzungen: „Viele, die in meine Workshops kommen, gehören der oberen Mittelschicht an und sehen sich trotzdem nicht als vermögend an.“ Seeck will andere davon überzeugen, die eigenen Privilegien nicht länger beschämt zu verschweigen – was auch Linken und Feministinnen alles andere als leichtfällt. Wenn soziale Ungleichheit plötzlich keine abstrakte Statistik mehr ist, wird es oft ganz ruhig im Raum.
Doch was tun mit den gewonnenen Einsichten? Konkrete Ideen zur Umverteilung des Milliarden-Erbes der Nachkriegsgeneration liefern nicht nur kleine, selbst verwaltete (Wohn-)Projekte, sondern auch linke Initiativen wie das deutsche Netzwerk Selbsthilfe oder die Bewegungs-Stiftung, die soziale Bewegungen finanzieren und sich davon einen gesellschaftlichen Wandel erhoffen. Private Umverteilung – für viele Linke eine neoliberale Idee. Keineswegs, sagt Francis Seeck. „Es braucht natürlich politische Kämpfe für eine gerechte Erbschaftssteuer und staatliche Umverteilung. Aber Linke können nicht nur Theorien von einer besseren Welt entwerfen, sie müssen auch konkret handeln.“ Eine solche Aktivistin hat Seeck vor Kurzem in einem Seminar getroffen. Der enorme Reichtum in ihrer Familie motivierte sie dazu, ihrer Familiengeschichte während der NS-Zeit nachzuspüren. Sie ist sich nun sicher: Ihr Erbe soll umverteilt werden.

 

]]>
https://ansch.4lima.de/400-milliarden-euro/feed/ 0
„Weil ich wusste, was uns erwartet“ https://ansch.4lima.de/weil-ich-wusste-was-uns-erwartet/ https://ansch.4lima.de/weil-ich-wusste-was-uns-erwartet/#respond Thu, 06 Jun 2019 21:29:37 +0000 https://anschlaege.at/?p=11208 © John Carkeet/flickr CC BY 2.01989 organisierten sich in der DDR Frauen, um für vollständige Gleichstellung zu kämpfen und einen Rollback zu verhindern. Gelungen ist dies nicht. Doch dreißig Jahre später ist die „Ostfrau“ schwer in Mode. Von NELLI TÜGEL Zum dreißigsten Jahrestag der Wende ist sie präsent wie nie: die „Ostfrau“. Eine viel beachtete Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks fragt, was […]]]> © John Carkeet/flickr CC BY 2.0

1989 organisierten sich in der DDR Frauen, um für vollständige Gleichstellung zu kämpfen und einen Rollback zu verhindern. Gelungen ist dies nicht. Doch dreißig Jahre später ist die „Ostfrau“ schwer in Mode. Von NELLI TÜGEL

Zum dreißigsten Jahrestag der Wende ist sie präsent wie nie: die „Ostfrau“. Eine viel beachtete Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks fragt, was dran ist am „Mythos“ der selbstbewussten, unabhängigen und erfolgreichen Frau aus der DDR. „Ostfrauen sind wieder ein Trendthema“, stellt Jana Hensel in der „Zeit“ fest. Und in dem neu erschienenen Buch „Ostfrauen verändern die Republik“ schreiben Tanja Brandes und Markus Decker, dass das „frauenpolitisch-emanzipatorische Feld nach der Vereinigung eines der wenigen“ gewesen sei, bei denen „der Osten den Westen geprägt hat“.
Gerda Jasper sieht das etwas nüchterner. „Natürlich sähe die Bundesrepublik heute anders aus, wären wir nicht dazu gekommen“, sagt sie. „Aber den Rollback haben wir nicht verhindern können.“ Jasper ist Ökonomin. Sie wurde 1948 in einem thüringischen Dorf geboren. Neben der Arbeit als Buchhalterin für eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft studierte Jasper, promovierte und habilitierte schließlich in den Achtzigerjahren. Ihre Tochter zog sie allein groß. Schon zu DDR-Zeiten beschäftigte sich Jasper mit feministischen Theorien, obwohl diese im Osten nicht gerade verbreitet waren. Sie gelangte zur Überzeugung, dass die Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht automatisch zur Gleichheit zwischen den Geschlechtern führt. Das Patriarchat, sagt sie, habe es auch in der DDR gegeben. „Dennoch waren wir im Vergleich zum Kapitalismus auf vielen Gebieten weiter.“

Freier Hausarbeitstag. Auch der „Frauenreport 90“, ein Bericht über die Lage von Frauen in der DDR aus dem Jahr 1990, konstatierte Ambivalenz. Frauenrechte, die zu den Selbstverständlichkeiten im Alltag gehörten, seien „zwar notwendige Voraussetzungen für die ökonomische Unabhängigkeit und gesellschaftliche Mitbestimmung“ gewesen, aber „keine Garantie für die tatsächliche Gleichstellung“. So war gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Verfassung verankert und über neunzig Prozent der Frauen in der DDR waren erwerbstätig, doch blieben die Unterschiede bei der Ausübung von schlechter bezahlten Berufen bestehen. Die Sozialpolitik der Siebzigerjahre habe das Vereinbarkeitsproblem überdies als „reines Frauenproblem“ behandelt. Die Kleinfamilie, in der die Mutter die Hausarbeit erledigt, war auch im Osten die Norm. Dafür gab es einen freien Hausarbeitstag im Monat – aber eben nur für Frauen.
So widersprüchlich die DDR in sich war, so eindeutig schnitt sie im Vergleich mit dem Westen ab: bei der Erwerbsquote, der Bezahlung, der Vereinbarkeit. Auch gab es im Osten ein unkompliziertes Scheidungsrecht – von dem mehrheitlich Frauen Gebrauch machten: 1987 wurden fast siebzig Prozent der Scheidungen in der DDR von Frauen eingereicht. Auch von dem seit 1972 geltenden Abtreibungsrecht und der kostenlosen Ausgabe von Verhütungsmitteln konnten Frauen im Westen nur träumen.

Für eine demokratische DDR. Als 1989 immer mehr Menschen in Ostberlin, Leipzig und anderswo auf die Straße gingen, engagierte sich Gerda Jasper daher ausdrücklich nicht für die Vereinigung mit der Bundesrepublik, sondern – wie so viele – für eine „andere“, eine demokratische DDR. Als sich wiederum abzeichnete, dass diese zu Ende ging, wollte sie vor allem etwas gegen den drohenden Rollback tun.
„Das wollte ich verhindern“, sagt auch Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte im sachsen-anhaltischen Wittenberg. Sie war am Frauenpolitischen Tisch in Ostberlin beteiligt. In der DDR habe sie eine offene Auseinandersetzung mit der Frauenfrage vermisst, so Panzig. Frauen ihrer Generation, die darauf bestanden, gleichberechtigt und gleichgestellt zu sein, seien auch im Osten an Grenzen gestoßen. Aber frauenpolitisch aktiv wurde sie seit 1989 nicht deshalb, sondern weil sie verhindern wollte, dass das in der DDR dennoch Erreichte zur Debatte stehe, „weil ich wusste, was gerade uns Frauen erwartet, wenn der Westen kommt“.
Überall in der DDR gründeten sich damals Fraueninitiativen. Am 3. Dezember 1989 wurde in der Berliner Volksbühne der Unabhängige Frauenverband aus der Taufe gehoben. Organisierung sei nötig, um bei der „Erneuerung der sozialistischen Gesellschaft“ nicht außen vor zu bleiben, hieß es in dem dort beschlossenen „Manifest für eine autonome Frauenbewegung“. Eine Vereinigung mit der Bundesrepublik, so ist es in dem Manifest nachzulesen, bedeute indes, „vieles mühsam Errungene aufzugeben, statt es auf eine qualitativ neue Stufe zu heben“.
Das „mühsam Errungene“ war allerdings aus Sicht einiger Feministinnen aus dem Westen eher „von oben geschenkt“. Zumindest war dies ein Vorwurf, so erinnert sich Gerda Jasper, der 1989/90 oft in der Luft hing. Beim Ost-Westdeutschen Frauenkongress 1990 krachte es gewaltig. Die Distanz zwischen Ostfrauen und Westfeministinnen ist bis heute spürbar. Im Gedächtnis der deutschen Frauenbewegung kommen DDR und Wende oft gar nicht vor.

Historische Chance ungenutzt. Für Charlotte Gneuß von Aufbruch Ost, einer Gruppe junger geschichtsinteressierter Aktivist*innen aus Leipzig, ist das „paradigmatisch für die zeitgenössische Erinnerungskultur“. Neben einer westdeutschen Deutungshoheit über die Wendegeschichte hätten die Frustrationserfahrungen der Nachwendezeit dazu geführt, „dass nur wenige sich an die Gedanken des Jahres 1989 erinnern“, sagt Gneuß. Und sie verweist darauf, dass durch den Beitritt zur Bundesrepublik die „einmalige historische Chance, neue emanzipatorische Motive in eine gesamtdeutsche Verfassung einfließen zu lassen“, ungenutzt blieb.
Tatsächlich war der Einigungsvertrag von 1990 eine Niederlage, allein schon, weil damit die Abtreibungsparagrafen 218 und 219 im Osten rechtswirksam wurden. Zuvor galt in der DDR das „Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft“ und Frauen konnten in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft eigenverantwortlich über einen Abbruch entscheiden.
Auch die Abwicklung der DDR-Wirtschaft traf Frauen, die nun mit steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert waren: Zuvorderst die 34.600 ausländischen Vertragsarbeiterinnen, die in der DDR lebten, nach der Wende keinen Aufenthaltstitel und keinen Arbeitsplatz mehr hatten und denen die Abschiebung drohte. Anderen Arbeiterinnen wurde in den Neunzigern nahegelegt, die „Chance“ zu nutzen, sich nun endlich um die Kinder kümmern zu können. Ihnen wurde immer wieder vorgehalten, mit dem Anspruch, weiterhin berufstätig sein zu wollen, zur steigenden Massenarbeitslosigkeit im Osten beizutragen.
Viele haben sich das nicht gefallen lassen, dafür war ihnen ihre Unabhängigkeit zu wichtig. „Unsere Töchter sind in den Westen gegangen und für sie war es selbstverständlich, arbeiten zu gehen“, sagt Christel Panzig. Dass es in weiten Teilen Ostdeutschlands heute einen „Frauenmangel“ gibt, ist auch Folge davon. Gleichzeitig brach die Geburtenrate dramatisch ein. Die Unsicherheit, die die Wende mit sich brachte, hinterließ Spuren.

Vielleicht noch viel schlimmer. „Frauen haben es angepackt, trotz der widrigen Umstände“, sagt Gerda Jasper heute. Das Engagement von damals sei nicht umsonst gewesen, ist Christel Panzig überzeugt. „Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre es vielleicht noch viel schlimmer geworden“, sagt sie. Zudem hätten sich viele ihre Erwartungshaltungen bewahrt, diese in den Westen gebracht und so, langfristig betrachtet, dazu beigetragen, dass auch dort berufstätige Frauen selbstverständlich wurden und nicht mehr wie noch vor Jahren als Rabenmütter stigmatisiert werden. Und Charlotte Gneuß von Aufbruch Ost sieht in der DDR-Frauenbewegung von 1989 Anknüpfungspunkte für die Gegenwart: „Die Protagonistinnen wollten ja die sozialistische, ökologische, feministische, multikulturelle, nicht-totalitäre und sozial gerechte Gesellschaft. Das sind Forderungen, mit denen wir uns heute auch identifizieren können.“

 

Nelli Tügel ist Journalistin und lebt in Berlin, sie wurde 1984 in der DDR geboren.

Foto: © John Carkeet/flickr CC BY 2.0

]]>
https://ansch.4lima.de/weil-ich-wusste-was-uns-erwartet/feed/ 0
Der Klassenkampf von oben ist kein Kampf https://ansch.4lima.de/der-klassenkampf-von-oben-ist-kein-kampf/ https://ansch.4lima.de/der-klassenkampf-von-oben-ist-kein-kampf/#respond Thu, 06 Jun 2019 21:15:15 +0000 https://anschlaege.at/?p=11203 Nach der Finanzkrise war die neoliberale Umverteilung von unten nach oben stark in der Kritik. Warum der „autoritäre Kapitalismus“ trotzdem weiterbesteht, erklärt SILKE VAN DYK im Interview mit LEA SUSEMICHEL. an.schläge: Wodurch zeichnet sich der „Klassenkampf von oben“ aus? Silke van Dyk: Damit ist eine Politik gemeint, die in radikaler Weise von unten nach oben umverteilt – etwa durch […]]]>

Nach der Finanzkrise war die neoliberale Umverteilung von unten nach oben stark in der Kritik. Warum der „autoritäre Kapitalismus“ trotzdem weiterbesteht, erklärt SILKE VAN DYK im Interview mit LEA SUSEMICHEL.

an.schläge: Wodurch zeichnet sich der „Klassenkampf von oben“ aus?

Silke van Dyk: Damit ist eine Politik gemeint, die in radikaler Weise von unten nach oben umverteilt – etwa durch Privatisierungen und die Kürzung von Sozialleistungen. Doch der Klassenkampf wird auf eine Weise geführt, gegen die sich viele nicht mehr zur Wehr setzen, weil diese Politik im Modus von Technokratie, ExpertInnentum und Pragmatismus vollzogen wird. Sie wird aus dem politischen Streit genommen und zur Notwendigkeit erklärt, was bei vielen Ohnmacht und Fatalismus erzeugt. Diese Doktrin der vermeintlichen Alternativlosigkeit ist extrem erfolgreich und perfide, denn der Klassenkampf wird so gar nicht als Kampf geführt, sondern rein technokratisch durchgesetzt.
Allerdings ist die Akzeptanz dieser Alternativlosigkeit durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erschüttert worden. Denn dass plötzlich Hunderte Milliarden zur Verfügung standen, um Banken zu retten, hat doch die berechtigte Frage aufgeworfen, warum denn dann nie Geld für soziale Leistungen oder Infrastruktur da ist.

Allerdings war diese Erschütterung nicht sehr nachhaltig. Wieso ist es Ihrer Meinung nach der Finanzkrise nicht gelungen, linke Politik zu stärken?

Es ist leider nicht gelungen, tragfähige Strukturen aufzubauen. Occupy Wall Street beispielsweise fehlte es an Visionen, wie man nicht nur ein Camp, sondern auch eine Gesellschaft basisdemokratisch organisieren kann.

Aber auch die diskursive Delegitimierung neoliberaler Politik scheint nicht sehr nachdrücklich gewesen zu sein.

Colin Crouch hat das „The strange Non-Death of Neoliberalism“ genannt. Denn es hat auf der diskursiven Ebene durchaus eine sehr weitreichende Diskreditierung gegeben. Auch das Spektrum derjenigen, die eine deregulierte, neoliberale Ökonomie ablehnen, ist viel größer geworden. Selbst Institutionen wie die Weltbank, der IWF, die OECD, also die einstigen Speerspitzen neoliberaler Deregulierung und Umverteilung, problematisieren heute soziale Ungleichheit, wenn auch nicht aus ethischen, sondern aus wachstumspolitischen Gründen. Es gibt also ein großes „Window of Opportunity“ für Veränderungen, aber trotzdem wird diese Politik fortgeführt. Das hat auch damit zu tun, dass neoliberale Politik zunehmend autoritär durchgesetzt wird, was sich auf EU-Ebene insbesondere gegenüber Griechenland gezeigt hat.

Sie sprechen davon, dass die Demokratie, die es zu verteidigen gilt, im Zangengriff von „autoritärem Kapitalismus“ und autoritärem Populismus steckt.

Genau. Und beide Positionen treffen sich in ihrem Antipluralismus. Der autoritäre Populismus behauptet, die einzig richtige Position leite sich aus einem ominösen Willen des Volkes ab. Der autoritäre Kapitalismus leitet sie hingegen aus Markterfordernissen ab. In beiden Fällen gibt es also eine dem Politischen entzogene Instanz, die als alternativlos gilt.
Was aber keinesfalls heißen soll, dass ich die beiden Positionen gleichsetzen will, es wird ja oft behauptet, der Rechtspopulismus sei bloß der unappetitliche Arm des Neoliberalismus, das halte ich definitiv für falsch. Genauso falsch übrigens wie die gegenteilige These, dass die neoliberale Phase rechtspopulistischer Politik vorbei sei.

Aber mitunter ist Ersteres durchaus der Fall, oder? Auch wenn RechtspopulistInnen gerne behaupten, Politik für „den kleinen Mann“ zu machen, trägt die FPÖ hierzulande den Sozialabbau der ÖVP willfährig mit.

Natürlich gibt es autoritär populistische Parteien, die wirtschaftsliberale Positionen vertreten, aber eben nicht alle. Marine Le Pen oder der völkische Flügel der AfD stehen z. B. eher für eine national-soziale Politik. Es gibt bei vielen populistischen Parteien anti-neoliberale (und selbstverständlich erst recht anti-liberale) Positionen, die den Strategien bestimmter Kapitalfraktionen klar entgegengesetzt sind.
Allerdings geben sie ihrer Klientel ein anti-neoliberales Versprechen, das aber kein emanzipatorisches Versprechen ist: Sie inszenieren sich als Anwälte der „kleinen Leute“ (bevorzugt der weißen, einheimischen Männer), indem sie ihnen so etwas wie einen ständischen Schutz versprechen vor den Angriffen neoliberaler Entsicherung. Das Versprechen ist: Wir halten euch die Konkurrenz vom Leib, ihr müsst nicht mit Flüchtlingen konkurrieren und auch nicht mit den Frauen. Aber grundsätzlich soll an der Wirtschaftsordnung nichts verändert werden.

Ihre These ist, dass die vermeintliche Alternativlosigkeit der Marktlogik ebenso demokratiezersetzend ist wie der Rechtspopulismus. Und dass wir gegenwärtig Gefahr laufen, wieder das vermeintlich kleinere Übel zu wählen. Wie ist das zu verstehen?

Die berechtigte Aufregung über das Erstarken des Rechtspopulismus zeigt, dass er als stärkere Bedrohung für die liberale Technokratie angesehen wird als linke Politik. Zugleich eröffnet der Rechtspopulismus bzw. seine liberale Kritik jedoch auch einen Weg aus der neoliberalen Hegemoniekrise heraus, denn plötzlich ist (neo)liberale Politik im Vergleich zu den Rechten geradezu eine Lichtgestalt. Deswegen ist es für emanzipatorische Politik so wichtig, sich nicht in eine Koalition mit Neoliberalen drängen zu lassen, sondern einen dritten Pol zu bilden.

Welche Verantwortung trägt die Sozialdemokratie für diese Entwicklung und für den Aufstieg des Rechtspopulismus?

Die Entwicklung der Sozialdemokratie in Europa und Nordamerika hat definitiv zum Erstarken des Rechtspopulismus beigetragen. Es ist ja oft analysiert worden, wie die neoliberale Wende unter Clinton-Blair-Schröder eine Repräsentationslücke entstehen ließ und den autoritären Kapitalismus möglich gemacht hat, weil eben der Pol weggefallen ist, der den Klassenkampf von oben kritisiert hat. Mit ihrer Wende hat auch die Sozialdemokratie diese Alternativlosigkeit anerkannt, es sei nur an Gerhard Schröder erinnert: „Es gibt keine rechte oder linke Wirtschaftspolitik mehr, es gibt nur richtige Wirtschaftspolitik.“
Andererseits ist es auch falsch, daraus abzuleiten, die Leute hätten gar keine andere Wahl gehabt, ihren Sozialprotest auszudrücken, als rechts zu wählen, schließlich gibt es in vielen Ländern auch linke Alternativen zur Sozialdemokratie; abgesehen davon sollten wir nicht vorschnell allen AnhängerInnen rechter Parteien Sozialprotest attestieren.

Das wäre die sogenannte „Notwehrthese“, also das Argument, die ökonomisch Abgehängten hätten sich dem Rechtspopulismus zugewendet, weil ihnen kein anderer Ausweg blieb. Warum ist sie falsch?

Man darf nicht ausblenden, dass der autoritäre Kapitalismus dem autoritären Populismus den Boden bereitet hat. Aber man sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass es bloß ein „uneigentlicher“ Ausdruck sei, wenn Menschen sexistisch und rassistisch agieren und entsprechende Parteien wählen, weil sie „eigentlich“ den Neoliberalismus kritisieren wollen. Das katapultiert die Debatte um emanzipatorische Politik um Jahrzehnte zurück, wenn Sexismus, Rassismus und postkoloniale Kontinuitäten nicht als eigenständige Probleme adressiert werden.
Leider ist derzeit auch bei klassenpolitisch argumentierenden Linken zu beobachten, dass es darum geht, „die Sorgen und Ängste“ der Einheimischen, der sogenannten „einfachen Leute“, ernst zu nehmen, nie aber die der Geflüchteten, die sich vor Abschiebung fürchten oder keinen Zugang zu Sozialleistungen haben.
Es ist absolut begrüßenswert, dass wir eine Revitalisierung der Klassenfrage erleben, aber es ist fatal, dass nicht wenige, die derzeit die Klassenperspektive stark machen, den mit der Geschichte von Klassenkämpfen aufs Engste verbundenen Internationalismus außer Acht lassen. Bereits in der Deklaration der sozialistischen Internationalen 1907 wurde dafür plädiert, gemeinsam mit Eingewanderten für einen Mindestlohn zu kämpfen, doch heute werden auch von Teilen der Linken die Geflüchteten und Eingewanderten als Problem identifiziert. Gerade in einer Situation, in der es so ungeheuer wichtig wäre, dass sich emanzipatorische Kräfte gegen autoritären Populismus und autoritären Kapitalismus verbünden, passiert leider genau das Gegenteil – wir erleben neue Spaltungen und ein Erstarken „linksnationaler“ Positionen.

 

Silke van Dyk ist eine deutsche Soziologin und Professorin für Politische Soziologie in Jena.

]]>
https://ansch.4lima.de/der-klassenkampf-von-oben-ist-kein-kampf/feed/ 0
leib & leben: Wolkig-samtiger Genuss https://ansch.4lima.de/leib-leben-wolkig-samtiger-genuss/ https://ansch.4lima.de/leib-leben-wolkig-samtiger-genuss/#respond Sun, 26 May 2019 14:21:15 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10570 Illustration: Sabrina WegererKartoffelbrei hat mich noch nie enttäuscht. Von JULISCHKA STENGELE]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Gefühlte 99 von hundert Gesprächen über Essen und Körper drehen sich um Kontrolle, Maßregelung, Verzicht und Optimierung. Diätpläne, Trainingspläne, Allergene. Essen und seine Konsument*innen werden vor allem als Problem diskutiert. Schlechtes Essen, falsches Essen, ungesundes Essen, unpolitisches Essen, weniger hiervon essen, mehr davon essen, bloß nicht vor den anderen jenes oder nach soundsoviel Uhr dieses essen – kein Wunder, wenn einer* da der Appetit vergeht und an Genuss nicht zu denken ist.
Eine tolle Gelegenheit, um der sinnlichen Beziehung zwischen Essen und Körper mehr Raum zu geben, bot sich mir kürzlich bei EAT THEM ALL, einer von dem großartigen feministischen Performance-Kollektiv Henrike Iglesias veranstalteten Diskussionsrunde zum Thema Essen und Empowerment an den Münchner Kammerspielen. Dort durfte ich über meine Leibspeise(n) sprechen und erklärte dem Publikum meine Liebe für eines der besten Gerichte dieser Welt: Kartoffelbrei.
Ob Zahnschmerzen, Halsweh, Heulkrampf, Depression, Herzschmerz oder kalte Glieder: Kartoff elbrei geht immer. Mit einem Löffel gelangt er auf meine Zunge, liegt dort weich und wolkig, meinen Mundraum mit Aromen füllend, und gleitet gleich darauf zärtlich meinen Hals hinab. Ich muss nichts tun außer schlucken. Kein Kauen, kein Schneiden, kein Aufspießen. Kartoff elbrei will nichts von mir und gibt doch alles. Seine samtige Textur breitet sich in meinem Magen aus wie ein warmer Teppich und umarmt mich herzlich von innen. Erdet, sättigt, streichelt mich und macht mich froh.
Ich habe ihn am liebsten, wenn er noch formbar ist, mit ein paar kleinen Stückchen in der sonst sahnig-seidigen Masse, vermengt mit Vollmilch, gesalzener Butter und Muskat. Doch sogar wenn die Kraft oder Zeit zum Schälen der Kartoff eln nicht reicht, nimmt er es mir nicht übel – und tut dennoch seine Wirkung.
Egal wie, Kartoffelbrei hat mich noch nie enttäuscht.

Julischka Stengele freut sich über E-Mails mit Geschichten über euer Lieblingsessen an julischka.stengele@gmail.com

]]>
https://ansch.4lima.de/leib-leben-wolkig-samtiger-genuss/feed/ 0
queerverweis: The Trans Kloset https://ansch.4lima.de/queerverweis-the-trans-kloset/ https://ansch.4lima.de/queerverweis-the-trans-kloset/#respond Sun, 26 May 2019 14:12:32 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10568 Illustration: Sabrina WegererÜber geschlechtsneutrale öffentliche Toiletten. Von FREDE TJARK KAKTUS]]> Illustration: Sabrina Wegerer

Wieder heißt es Elternbesuch. In meiner flint* WG habe ich einige Tage vorher zwei Listen in die Küche gehängt: Tatsachen, die meine Eltern nicht über mich wissen, und Themen, über die nicht gesprochen werden kann. Meine Eltern wissen nichts von meinem Trans*Sein. Es hat sich in den letzten Jahren einfach nicht ergeben. Wir sehen uns nur zweimal pro Jahr und es gibt dann oft genug unverfängliche Themen, über die sich sprechen lässt.
Nun habe ich es endlich geschafft, meine Thesis fertig zu schreiben. Meine Eltern wollten daran teilhaben und mit mir zur Feier gehen. Widerwillig stimmte ich zu. Ich weiß, wie viel ihnen das bedeutet. Schließlich bin ich die erste Person in der Familie, die studiert hat.
Ich hatte mir das folgendermaßen vorgestellt: Wir gehen hin, ich kriege das Zeugnis und der großen Gruppe wird das Beste gewünscht. Nicht ganz: Jede Person wird einzeln nach vorne gebeten, um einige Sätze zur Thesis zu sagen. Meine Eltern hatten keine Ahnung von meinem Trans*Themenschwerpunkt und den Seminaren, die ich gewählt habe. Und plötzlich stehe ich vor ihnen und versuche, das Thema geschlechtsneutrale öffentliche Toiletten so gut und verständlich es geht wiederzugeben, ohne trans* oder Geschlecht zu sagen. Gut, dass ich so geübt im „Tabu“-Spiel bin, denke ich. Nur ohne Quietscher. Die Worte „Trans*“, „Toiletten“, „Zweigeschlechtlichkeit“ dürfen nicht genannt werden. Schwierig, denn es gibt sonst selten Sätze, in denen ich nicht trans* sage. Ich besinne mich meiner in den letzten Jahren erlernten akademisierten Sprache. So spreche ich über panoptische Strukturen in öffentlichen Räumen, segregierende Politiken und Taktiken, sich zeigende Intersektionalität, Viktimisierung und von der Institutionalisierung cis-Privilegien sichernder Strukturen und hoffe inständig, dass meine in der vierten Reihe sitzenden Eltern den Faden verlieren würden. Ein Erfolg: Selbst im Nachgespräch wissen sie noch nicht, zu welchem Thema ich eigentlich geschrieben hatte.

Frede Tjark Kaktus findet es schade, sich nicht vor seinen Eltern outen zu können. Seine Eltern tolerieren, dass es homosexuell ist. Bis sie wissen, dass es trans* ist, wird es jedoch noch dauern.

]]>
https://ansch.4lima.de/queerverweis-the-trans-kloset/feed/ 0