II / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Fri, 11 Oct 2019 07:09:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png II / 2019 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2019-02 https://ansch.4lima.de/inhalt/2019-02/ Wed, 09 Oct 2019 22:29:32 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=13166 ]]> ]]> an.sehen: Das Gesetz der Straße https://ansch.4lima.de/an-sehen-das-gesetz-der-strasse/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-das-gesetz-der-strasse/#respond Sat, 09 Mar 2019 00:10:09 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10385 © Tatum Mangus / Annapurna Pictures„Beale Street“ ist anspruchsvolles Black Cinema. Von MAXI BRAUN]]> © Tatum Mangus / Annapurna Pictures

„Beale Street“ verwebt Liebesgeschichte und Justizdrama zu anspruchsvollem Black Cinema. Von MAXI BRAUN

 

Die titelgebende Beale Street aus James Baldwins Roman „If Beale Street Could Talk“ von 1973 befindet sich eigentlich in New Orleans. Sie steht aber exemplarisch für jede der Schwarz geprägten Nachbarschaften in den USA und ihr soziokulturelles Gefüge, das Baldwin selbst als eine Art Vermächtnis der Schwarzen Community bezeichnet. Barry Jenkins’ Filmadaption greift diese Doppeldeutigkeit ebenfalls auf. Denn einerseits geht es in „Beale Street“ um Alltagsrassismus und die bis heute fortdauernde strukturelle Diskriminierung von Schwarzen Menschen in einem weiß dominierten Justizsystem. Andererseits erzählt der Film die berührende Liebesgeschichte von Tish (Newcomerin Kiki Layne) und Fonny (Stephan James).

Fonny und Tish. Diese beginnt mit einer gemeinsamen Kindheit, in der eine Freundschaft entsteht, die später zu Liebe wird. Jenkins inszeniert diese behutsame Annäherung und erste Phase des Verliebtseins mit langen, ruhigen Einstellungen in den satten Farben des New Yorker Sommers und Herbstes, gedreht an Originalschauplätzen in Harlem. Diese Episoden werden uns aus Tishs Perspektive in Rückblenden erzählt, begleitet von ihrem poetischen bis lakonischen Off-Kommentar. Das Glück ist aber nicht von Dauer: Fonny wird wegen einer brutalen Vergewaltigung verhaftet, die er nicht begangen haben kann. Zur Tatzeit ist er mit Tish und einem alten Freund zusammen am anderen Ende der Stadt. Doch es wiederholt sich ein uraltes Motiv: Das Alibi der eigenen Partnerin und des vorbestraften Freundes zählen auch in den USA der 1970er-Jahre nichts, wenn ein Schwarzer Mann von einem weißen Polizisten belastet wird. Fonny bleibt in U-Haft, während Tish, ihre Familie und Fonnys Vater versuchen, seine Unschuld doch noch zu beweisen.

Mit dem Bauch wächst der Kampfgeist. Zwischen den erwähnten Rückblenden kehrt die Handlung immer wieder in die Gegenwart zurück, markiert durch Tishs Besuche im Gefängnis. Eine Orientierung in den verschiedenen Zeit- und Erzählebenen bietet außerdem Tishs fortschreitende Schwangerschaft, von der sie kurz nach Fonnys Verhaftung erfährt. Parallel zum Bauch wächst auch ihr Kampfgeist, und während Fonny im Gefängnis zur Passivität verdammt verzweifelt, entwickelt sie sich auf der anderen Seite der Glasscheibe von einem naiven Mädchen zu einer souveränen und entschlossenen Frau. Die meisten weiblichen Figuren in „Beale Street“ werden ähnlich stark und selbstbewusst gezeichnet. Tishs resolute Mutter (Regina King erhielt für ihre Rolle eine Oscar-Nominierung) reist allein bis nach Puerto Rico, um den Schwiegersohn zu entlasten, die ältere Schwester ermutigt sie, sich nicht für ein uneheliches Kind zu schämen. Auch Tishs Vater erkundigt sich zuerst danach, ob seine Tochter das Kind bekommen will, und ergänzt sofort: „Denk nicht, du seist ein böses Mädchen! Ich frage nur, weil du so jung bist.“ Jenkins schildert diesen familiären Zusammenhalt eindrücklich, getragen von starken Frauen und einem Vater, der Stolz auf diese Stärke ist. Nicht religiöse oder gesellschaftliche Konventionen bestimmen hier die Regeln, Solidarität ist das oberste Gebot. Erfreulich realistisch ist zudem, dass die Schwangerschaft nicht verklärt dargestellt wird. Hier tritt der Fötus die werdende Mutter auch mal so heftig, dass ihr die Kaffeetasse aus der Hand fällt.

Präzise sezierter Rassismus. Wer am Ende Gerechtigkeit erwartet, wird von „Beale Street“ enttäuscht. Die eigentliche Tragik liegt aber darin, dass sich an dem von James Baldwin schon vor mehr als vierzig Jahren so präzise dargestellten Rassismus bis heute nur so wenig geändert hat. Nicht nur eine Beale Street mit all ihrer lebendigen Dynamik und Problemen gibt es  überall in den USA. Auch Ferguson oder Baltimore stehen exemplarisch für die schlimmsten Ungerechtigkeiten, die Schwarzen Menschen noch heute an zu vielen Orten widerfahren. Barry Jenkins gelingt dieser Tragik zum Trotz eine wunderschön fotografierte und narrativ anspruchsvoll verschachtelte Geschichte, die thematisch über sich selbst hinausweist. Empowernd ist das nicht, aber ein berührendes und meisterhaftes Werk des Black Cinema.

 

Beale Street
Regie: Barry Jenkins
USA 2018, ab 7. März im Kino

 

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Frauenwahlrecht: Rechte zum Angreifen https://ansch.4lima.de/frauenwahlrecht-rechte-zum-angreifen/ https://ansch.4lima.de/frauenwahlrecht-rechte-zum-angreifen/#respond Sat, 09 Mar 2019 00:02:27 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10383 Visitenkarte von Adelheid Popp (Nationalrätin ab 1919) © Kreisky ArchivZeugnisse eines erbitterten Kampfs im Volkskundemuseum. Von OLJA ALVIR]]> Visitenkarte von Adelheid Popp (Nationalrätin ab 1919) © Kreisky Archiv

Einhundert Jahre Frauenwahlrecht! Im Rahmen dieses Jubiläums zeigt das Volkskundemuseum Wien Gegenstände und Dokumente aus der langen Geschichte des Kampfes für Mitbestimmung. Eine Rundschau von OLJA ALVIR

 

„Ich muss jetzt in’s Parlament. Bade einstweilen das Kind und ziehe ihm reine Wäsche an.“ So lautet 1907 der Text zu einer Karikatur einer selbstbewussten „Volksvertreterin“, die sich von ihrem sichtlich mit der Hausarbeit überforderten Mann verabschiedet. Was heute wie ein Motivationsposter wirkt und durchaus als inspirierender Instagram-Post zum Thema Female Empowerment und Aufbrechen von Gender-Stereotypen durchginge, war damals schlicht und ergreifend: Häme. In einer neuen Ausstellung zum Thema Frauenwahlrecht zeigt das Volkskundemuseum den langwierigen, harten Kampf für Gleichberechtigung beim Stimmrecht. Besonders spannend sind dabei die Parallelen und Kontinuitäten zu verwandten und ganz aktuellen emanzipatorischen Kämpfen.

Generationenlange Kämpfe. Das älteste Dokument zum Frauenwahlrecht in Österreich stammt aus den Zeiten der bürgerlichen Revolution 1848. Die Flugschrift fordert „Gleichstellung aller Rechte der Männer mit den Frauen“. Noch ganze sechzig Jahre sollten verstreichen, in denen Frauen unerbittlich gegen ihre Benachteiligung anschrieben und auf die Straße gingen, bis es endlich so weit war: Am 12. November 1918, als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Österreich die Republik ausgerufen wurde, wurden Frauen im Artikel 9 des Gesetzes über die Staats- und Regierungsform im Wahlrecht den Männern gleichgestellt. Am 16. Februar 1919 wurden 159 Abgeordnete, darunter acht Frauen, in die konstituierende Nationalversammlung gewählt. Die Wahlbeteiligung war hoch – 86,97 Prozent bei den Männern gegenüber 82,1 Prozent bei den Frauen.

Bürger_innen, schwarz auf weiß. Rechtsanspruch hieß – und heißt auch heute – allerdings nicht direkt Rechtsausübung. „Es gab die Bemühungen, das Wahlprozedere möglichst einfach zu gestalten, aber 1919 waren noch viele Fragen der Staatsbürger_innenschaft ungeklärt, und die Gesamtbevölkerung in Wähler_innenlisten zu erfassen, war kein einfaches Vorgehen“, sagt Veronika Helfert, Revolutionshistorikerin aus dem Kurator_innenteam. „Es gab auch Konfliktfälle in Kärnten und Tirol, nicht zu vergessen, dass der Zugang zum Wahllokal etwa per Bahn nicht überall gegeben war.“ Die etwas niedrigere Wahlbeteiligung der Frauen deute auch darauf hin, dass politische Teilhabe für Frauen noch nicht als etwas Selbstverständliches gesehen wurde, ergänzt die Frauenwahlrechtsexpertin und Kuratorin Corinna Oesch. Kurator Remigio Gazzari erklärt: „Es gab einen starken Zusammenhang zwischen Moralvorstellungen und politischer Teilhabe. Politische Tätigkeit von Frauen in der Öffentlichkeit wurde generell als etwas moralisch Fragwürdiges gesehen. Das ist Teil des gesamten Frauenwahlrechtskampfes und des Kampfes um politische Emanzipation.“ Bis 1920 blieben dementsprechend Sexarbeiter_innen („Frauenpersonen unter sittenpolizeilicher Überwachung“) von Wahlen ausgeschlossen.
In der Ausstellung zu sehen ist eine „Tramway-Permanenzkarte“, ein Straßenbahnticket mit Foto der Besitzerin, das als Ausweis bei Wahlen akzeptiert wurde. „Bei der ersten Wahl 1919 gab es noch keine standardisierte Ausweiskultur. Gültig war eine große Breite an Ausweisdokumenten – Schulzeugnisse, Dienstbot_innenbücher, Straßenbahnkarten, Ausweise von Konsumgenossenschaften. Die Voraussetzung für den Gang zur Wahlurne war, dass es ein amtlicher Ausweis ist, Foto zur Identifikation war gut, aber kein Muss“, fasst Veronika Helfert zusammen. Wer wählen wollte, musste ein Dokument vorweisen: eine interessante historische Perspektive etwa angesichts aktueller „Voter-Identification“-Diskurse in den USA.

Von Räumen und Körpern. Die verschiedenen Orten gewidmete Ausstellung richtet einen Fokus auch auf das Haus bzw. die Hausarbeit. Gezeigt wird beispielsweise eine „Buckelkraxen“, eine Holztrage aus dem 19. Jahrhundert, die gemeinsam mit der Biografie der 1908 geborenen Dienstmagd Maria Langegger illustriert, warum dieser Ort von besonderer Bedeutung für emanzipatorische Kämpfe ist. „Wir haben diesen Raum gewählt, um zu unterstreichen, in welchem Zusammenhang die Frau historisch gesehen mit dem Haus und der Hausarbeit steht“, sagt Corinna Oesch. „Zunächst war der Arbeitsort der Frau das Haus, das änderte sich dann langsam durch die industrielle Revolution und die beiden Weltkriege. Bei Frauen kommt zur Berufstätigkeit draußen die Doppelbelastung durch Sorge- und Hausarbeit zu Hause hinzu.“ Oesch weiter: „Wir zeigen anhand ausgewählter Gesetze, welche konkreten Veränderungen Frauen als Wähler_innen und Kandidat_innen bewirkt haben. Deshalb sind in diesem Raum auch die auf die Einführung des Frauenwahlrechts folgenden Reformen ausgestellt: das Hausgehilfengesetz, das Heimarbeitsgesetz, die Familienrechtsreform, das Gleichbehandlungsgesetz, das Gewaltschutzgesetz … All diese Reformen haben sich massiv auf die Gesellschaft, aber auch insbesondere auf das Haus und das Private ausgewirkt.“
Die Ausstellung im Volkskundemuseum illustriert grundsätzlich sehr greifbare und materielle Zusammenhänge, auch wenn es sich auf den ersten Blick um etwas eher Trockenes wie die Verankerung eines Rechtsanspruches im Gesetz dreht. Sie zeigt, wie sich Räume – das Haus, die Straße, das Parlament – verändern, wenn andere Menschen – Frauen – Zugang zu ihnen bekommen. Ein besonders eindrückliches Exponat ist in diesem Zusammenhang das Tragetuch der Nationalratsabgeordneten Christine Heindl, die im November 1990 während der ersten Sitzung der neuen Gesetzesperiode im Parlament ihren wenige Monate alten Sohn stillte. Der Vorfall löste, ganz in der Tradition des Frauenwahlrechtskampfes, eine Welle an Spott und Häme aus und wurde von den (männlichen) Karikaturisten fieberhaft verarbeitet. Eine dieser Karikaturen – die „stillende Pallas Athene“ – wird, gemeinsam mit einer Reflexion von Christine Heindl selbst, ebenfalls in der Ausstellung gezeigt. Dabei achten die Kurator_innen genau darauf, mit den spöttischen Bildchen keine negativen Stereotype zu reproduzieren. In den richtigen Kontext gesetzt, spendet diese fehlgeleitete Satire im Nachhinein sogar Hoffnung: Vielleicht werden unsere Forderungen, so Kuratorin und Kulturvermittlerin Johanna Zechner, die heute ausgelacht werden, in ein paar Jahren genauso Realität und Selbstverständlichkeit sein wie das Frauenwahlrecht.

 

Tramway-Permanenzkarte, Wien 1919 © Sammlung Frauennachlässe / frauenwahlrecht.at
Tramway-Permanenzkarte, Wien 1919 © Sammlung Frauennachlässe / frauenwahlrecht.at

Zurück in die Gegenwart. Nach der Ausstellung ist jedenfalls klar: Jedes mittel- und langfristige Ziel einer emanzipatorischen Bewegung muss, selbst nach seiner Verankerung auf legislativer Ebene, weiter verteidigt und ausgebaut werden. Ein Rechtsanspruch auf Papier heißt nicht sofort, dass auch ein Stimmzettel in die Urne wandert und wandern kann. Ein Erfolg auf der einen Ebene kann neuen Gegenwind auf der anderen bedeuten. Und: Manchmal zeigen sich die Früchte der Arbeit erst nach vielen Jahrzehnten. Johanna Zechner: „Die Geschichte des Kampfes ums Frauenwahlrecht zeigt aber, dass diese Kämpfe sich lohnen. Wenn ein Unrecht geschieht, dann muss man aufstehen und sich wehren. Und es gibt auch heute noch genug Dinge, die gerichtet werden müssen.“ Um es im Sinne dieser Ausstellung zu sagen: Um die Räume zu richten, müssen die Körper bewegt werden.

 

Olja Alvir ist Autorin in Wien und wahlberechtigt. Wählen zu gehen ist für sie nur eine von unzähligen Arten der politischen Partizipation und keineswegs die ultima ratio.

 

„Sie meinen es politisch!“
100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich
8.3.2019 bis 25.8.2019, Volkskundemuseum Wien
https://volkskundemuseum.at/frauenwahlrecht

 

 

 

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heimspiel: Familienbonus mit O-Saft https://ansch.4lima.de/heimspiel-familienbonus-mit-o-saft/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-familienbonus-mit-o-saft/#respond Fri, 08 Mar 2019 23:39:35 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10389 Illustration: Sabrina WegererMenschen mit Kindern besitzen sowieso einen Freibrief. Von BEATE HAUSBICHLER]]> Illustration: Sabrina Wegerer

leben mit kindern

 

Familienkolumne also. Die maximale Herausforderung. Es kann viel schiefgehen, und dafür gibt es verdammt viele Gründe. Wer sich mit Familie vorrangig als selbstverursachter Kleinfamilie beschäftigt, hat schon mal das Problem, dass es mit dem kritischen Potenzial happig wird. Schließlich hat man sich schon eine angeschafft, fertig, bestimmte Fragen stellen sich nicht mehr. Oder: so manche blamable Geschichte, die man lieber hinter politisch ambitionierter Elternschaft, selbstverständlich gendersensibel und restlos antiautoritär, verstecken würde – was die Kolumne allerdings ad absurdum führen würde.
Die Geschichten von den Auszuckern also, auf der Straße, als man brüllend mit schweren Taschen bepackt auch noch das tobende Kind unter den Arm klemmt, weil man keine Sekunde länger warten will, bis dessen Aufmerksamkeit sich halbwegs fokussiert auf den Heimweg richtet. Immer wieder hält es mir – es ist die letzte mögliche autonome Handlung, die dem Kind bleibt – den Schal vors Gesicht. Mit jeder Sichtunterbrechung auf dem steinigen Weg heim kommt dieser Erinnerungsfetzen, als man pikiert über Eltern den Kopf schüttelte, die sich doch tatsächlich eine Kinderleine zulegen, mit der man selbst in seiner Fantasie gerade zur Kasse geht. All das lässt eine bei der LeserInnenschaft ebenso wenig gut dastehen wie beim Nachwuchs, der später vielleicht mal nachliest.
Hinzukommt: Menschen mit Kindern haben sowieso den Freibrief, über ihr Zeug zu reden, überall sehen wir deren, unseren, Lebensentwurf – den von weißen Heteropaaren jedenfalls. Manchmal setzt sich auch noch Sebastian Kurz dazu und schenkt O-Saft nach, wie das ÖVP-Plakat an der Bushaltestelle zeigt. Nach so etwas kann man sich kaum mehr zu dritt an den Frühstückstisch setzen, ohne dass dieses sonnendurchflutete Szenario im Kopf auftaucht. Vor allem, wenn man selbst von diesem fett mit Boni versorgten Familienbild profitiert. Andererseits: Das Kinderhaben sollten wir nicht den Rechten überlassen, hörte ich einen Bekannten mal sagen. Das Erzählen davon, wie es ist, dann wohl auch nicht. Na dann. Familienkolumne halt.

 

Beate Hausbichler schreibt von nun an und bis auf Weiteres die Familienkolumne heimspiel. Sie ist Redakteurin bei „dieSTANDARD“.

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„Eine enorme Befreiung“ https://ansch.4lima.de/eine-enorme-befreiung/ https://ansch.4lima.de/eine-enorme-befreiung/#respond Fri, 08 Mar 2019 23:33:13 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10379 Interview: Yoga für den feministischen Widerstand. Von LEA SUSEMICHEL]]>

Yoga ist nicht nur ein unglaublich erfolgreicher Lifestyle-Trend, es kann auch für Self-Empowerment und feministischen Widerstandsgeist praktiziert werden, sagt die Yogalehrerin LISA DALLINGER. Interview von LEA SUSEMICHEL

 

an.schläge: Häufig wird kritisiert, dass das Bild von Yoga von schlanken, weißen, jungen und hippen Frauen geprägt wird. Es gibt aber auch Yogalehrerinnen wie Jessamyn Stanley, die nicht diesem Bild entsprechen und die Yoga explizit als Möglichkeit für mehr Body Acceptance empfehlen. Hat Yoga dieses Potenzial?

Lisa Dallinger: Ich arbeite in einer feministischen Frauenberatungsstelle und vertrete antisexistische, antirassistische, antikapitalistische und antiklassistische Haltungen. Und ich praktiziere seit zehn Jahren Yoga. Wie das zusammengeht?
Ich gebe Jessamyn absolut recht, in der neoliberalen Verwertung von Yoga wird es auf eine Sportart reduziert und als Instrument gezeigt, heteronormative Standards zu erreichen. Dabei kann Yoga genau das Gegenteil bewirken.
Ich erlebe es so: Durch das Spüren von Körper und Atem entspanne ich mich, kann klarer wahrnehmen, was in mir und um mich vorgeht. Ich höre auf, mich und meinen Körper unter Druck zu setzen. Das ist eine enorme Befreiung.
Die innere und äußere Kraft, die ich beim Yoga aufbaue, hilft mir mit Selbstzweifel, Stress und Verzweiflung über den Zustand der Welt zurechtzukommen, weiterhin widerständig zu sein und für meine Haltungen einzustehen.
Yoga zu praktizieren, so wie ich es verstehe, hat nichts damit zu tun, wie dein Körper aussieht, welche Kleidung du dir leisten kannst oder dir gefällt, wie sportlich und biegsam du bist. Es geht einzig darum, was im Inneren passiert.

Achtsamkeit ist eine wichtige Vokabel im Yoga, die derzeit Hochkonjunktur hat. Was lässt sich diesem Lifestyle-Trend entgegensetzen, bei dem es oft nur um Selbstoptimierung geht? Worum geht es bei Achtsamkeit im Yoga?

Achtsamkeit heißt für mich, generell präsent zu sein, z. B. wenn ich jemandem zuhöre. Wirklich wahrzunehmen, wie es anderen geht, was sie zu sagen haben – anstatt mich in eigenen Geschichten und Verurteilungen zu verstricken. Im Yoga übe ich dieses Präsentsein durch Körperwahrnehmung, Atemwahrnehmung, Konzentration und Meditation.
Durch die Innenschau lerne ich mich, meinen Körper, meine Gedanken besser kennen und akzeptieren. Und ich nehme mich als Teil des Ganzen, als Teil der Gesellschaft wahr.

Verbreitet ist auch der Esoterikvorwurf, zugleich gibt es aber auch die Kritik, Yoga sei eine kulturelle Aneignung durch den Westen, bei der sämtliche spirituellen Wurzeln verlorengingen. Woher rührt deine Leidenschaft für Yoga?

Ich habe aus gesundheitlichen Gründen mit stark körperbetontem Yoga begonnen, aber mittlerweile ist Yoga für mich kein Sport mehr, eher eine Meditation in Bewegung, durch die ich eine Ausgeglichenheit von Körper, Atem und Geist erlebe.
Ich finde es wichtig, sich zu informieren, welche Haltungen hinter Yoga stehen, und sich kritisch mit der Geschichte und der Fortführung von Kolonialisierung und Rassismus auseinanderzusetzen.
Yoga kann öffnend wirken, Mut entstehen lassen, sich selbst kritisch zu hinterfragen: Warum fühle ich mich von Yoga angezogen? Welche Bilder und Vorurteile habe ich dazu im Kopf? Trage ich ein Überlegenheitsdenken weiter?
Es kommen natürlich auch im Yoga dieselben ausgrenzenden und diskriminierenden Mechanismen zum Tragen, wie sie der Gesellschaft immanent sind. Wie überall müssen wir das erkennen, klar dagegen auftreten und Wege finden, sie zu durchbrechen.
Die Tänzerin und Yogalehrerin Sri Louise verknüpft beispielsweise in ihren Workshops Yoga mit Dekolonialisierung, was sehr spannend und empfehlenswert ist.

Obwohl inzwischen auch Männer Yoga entdecken, ist es weiterhin vor allem ein Frauensport. Lässt er sich auch feministisch betreiben?

Ja, es kommen hauptsächlich Frauen* in Yogastunden und ich kann dort als Lehrerin auch eine feministische Haltung teilen.
Ich arbeite auch in der Basisbildung mit Frauen* und ich nehme dasselbe Widerstandspotenzial in Yogagruppen wahr: Es können beides Orte sein, in denen Frauen* sichausprobieren, zur Ruhe kommen, sich austauschen und unterstützen, ohne beurteilt zu werden.

 

Lisa Dallinger unterrichtet im Verein Peregrina Deutsch in der Basisbildung und im Amazing Yoga Vienna derzeit eine Schwangerenyoga-Gruppe.

 

 

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„Es schlummert noch vieles im Verborgenen“ https://ansch.4lima.de/es-schlummert-noch-vieles-im-verborgenen/ https://ansch.4lima.de/es-schlummert-noch-vieles-im-verborgenen/#respond Fri, 08 Mar 2019 23:19:07 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10377 Interview: NICOLA WERDENIGG über #MeToo im Skisport. Von EVANGELISTA SIE]]>

Mit NICOLA WERDENIGGS Berichten über sexuelle Gewalt im System ÖSV hat die #MeToo-Debatte auch den österreichischen Skisport erfasst. EVANGELISTA SIE hat die ehemalige Rennläuferin zum Gespräch getroffen.

 

an.schläge: Sie haben vor rund eineinhalb Jahren im „Standard“-Interview erstmals von Machtmissbrauch im Skisport, von sexuellen Übergriffen und vom Schweigen von Mitwissenden und Betroffenen berichtet. Was hat Sie damals motiviert, an die Öffentlichkeit zu gehen?

Nicola Werdenigg: Ein Fall war publik geworden: Ein Volleyballtrainer hatte Mädchen – das älteste war 13 – schwer missbraucht. 53 Fälle waren bekannt. In den Medien ist der Fall jedoch vollkommen untergegangen. Und ich habe gewusst: Ich werde Großmutter. Da habe ich mir gedacht: Du bist verantwortlich dafür, in welcher Welt deine Kinder leben und in welche Welt dein Enkelkind hineingeboren wird.

Sie haben in Ihrem Buch „Ski Macht Spiele“ Totalisierungstendenzen im Skisport angesprochen. Um welche Strukturen geht es?

Im Skisport findet die Sozialisation von jungen Leuten in einem geschlossenen System statt. Das läuft streng patriarchal ab. Wir haben im Skisport in der Ausbildung und in der Betreuung praktisch keine Frauen. Das öffnet Tür und Tor für Diskriminierung, für Sexismus. Dieser Machtmissbrauch ist bei ausgewogenen Strukturen schwieriger.

Warum gibt es so wenige Frauen im Skisport?

Man macht ihnen den Weg so schwer! In den USA und in Kanada unterstützen die Verbände die jungen Frauen, sie animieren sie, Trainerinnen zu werden. Davon sind wir in Österreich noch sehr weit entfernt.

Laut Ihrem Buch arbeiten auch Skifirmen mit den Verbänden zusammen. Wie darf man sich das vorstellen?

Das war in den 1970er- und 80er-Jahren so. Den Part der Skifirmen haben Leute wie Peter Schröcksnadel (Präsident des Österreichischen Skiverbands, Anm. d. Red.) übernommen. Die Firmen hatten früher das Sagen in dem sogenannten Skipool, in dem Gelder zusammenfließen, um Nachwuchsarbeit oder Rennlauf zu finanzieren. Als Schröcksnadel angefangen hat, als tragender Funktionär dort zu arbeiten, hat er erkannt: Das muss man zerschlagen. Was dann passiert ist: Er hat selbst sehr viel in die Hand genommen. Jetzt hat er gebündelt die wirtschaftliche Macht, die sich früher fünf, sechs Skifirmen untereinander ausgemacht haben. Das Monopol ist also noch größer geworden.

Was bedeutet das für den Skiverband?

Ich sage nicht, dass der Skiverband eine kriminelle Organisation ist. Aber er ist sehr ähnlich strukturiert wie eine Mafia. Es gibt einen absoluten Boss, der das Sagen hat. Bei ihm läuft alles wirtschaftlich zusammen. Es gibt an der Spitze zwei, drei Vertraute. Nach unten hin in der Hierarchie fließt immer weniger Information durch. Wer das Schweigen bricht, ist sofort Persona non grata.

Wie ein 16-Jähriger, der im vergangenen Jahr mit seinen Missbrauchserfahrungen an der Schladminger Ski-Akademie an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Er war 15, als ihm das passiert ist. Seine Eltern haben Anzeige erstattet. Nach der Anzeige wurde er von den Mitschülern gemobbt. Er hätte gern an eine Schule gewechselt, wo er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte. Die hat ihn nicht genommen. Es ist ihm psychisch überhaupt nicht gut gegangen, trotzdem ist er Rennen gefahren. Dann musste er noch einmal die Aufnahmeprüfung machen. Dort war er beim Skifahren vorn dabei, man hat ihm aber gesagt, er schaffe das „sportmotorisch“ nicht. Danach flog er aus dem Nachwuchskader des Landesverbands. Er hat den Traum ausgeträumt.

Bedeutet eine Anklage also das Karriereende?

Es bedeutet meistens wirklich das Karriereende. Deshalb machen es viele, so wie ich, erst nach dem Karriere-Ende öffentlich. Weil es auch nicht einfach ist, mit so etwas an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn man als junge Familie Kinder hat, die noch in der Schule sind.

 

Keala Kennelly setzt auf Gleichberechtigung im Surfsport. © Sachi Cunningham
Keala Kennelly setzt auf Gleichberechtigung im Surfsport. © Sachi Cunningham

 

Wen im Umfeld betrifft eine Anklage noch?

Alle natürlich! Meine Eltern waren Teil des Systems und die größten Arbeitgeber im Winter für unseren Ort. Und mein Bruder und ich waren ein wichtiger Teil des Marketings für unsere Skischule. Hätte ich gesagt: „Da ist was passiert“, hätte ich wirtschaftlich jemandem ins Knie gehaut.
Auch Anna Veith (österreichische Skirennläuferin, Weltmeisterin, Olympia- und Gesamtweltcup-Siegerin, Anm. d. Red.) hat einen Kampf gegen das System begonnen. Ich habe sie unterstützt. Dann habe ich die Mittel gesehen, die gegen sie eingesetzt werden. Da wird manipuliert, kleingemacht, mit subtilen Mitteln gezeigt: Uns Funktionäre wird es immer geben. Aber euch Sportler können wir austauschen. Nachdem sich Anna Veith unterordnen musste, hat sie sich im Training verletzt. Das passiert ganz oft.
Ich verstehe die Angst vieler, die auch nach Karriereende mit dem System zu tun haben und sagen: Nein, ich kann das nicht sagen.

Verletzungen können also auch psychische Ursachen haben?

Das Selbstwertgefühl, dieser Mut, das schützende Netz, das Spielerische, das Leichte, das einen umgibt, sind zerstört. Und wenn die Psyche verletzt ist, passiert es oft, dass der Körper nachzieht.

In Tirol untersuchte eine Expert_innenkommission die Vorfälle in den Sportschulen des Landes. Bildungslandesrätin Beate Palfrader und der Sportreferent der Tiroler Landesregierung, Josef Geisler, meldeten schließlich im Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“: „Die Kommunikationsmängel sind behoben und wir haben heute auch einen anderen Zugang im Umgang mit sexualisierter Gewalt.“ Stimmt das?

Das würde allen Erfahrungen widersprechen. Wir müssen viel mehr auf Prävention setzen. Das finde ich ungemein wichtig. Im Sport wären gemeinsame Maßnahmen von allen Sportarten so wichtig. Junge Sportler_innen müssen wissen, welche Berührungen beim Training in Ordnung sind und welche nicht. Trainer_innen müssen wissen, wie sie mit Verdachtsfällen umgehen. Vor allem ist es wichtig, die Eltern aufzuklären. Wenn das Kind sagt, dass es nicht trainieren will, ist Hinhören wichtig!

Welche Rolle spielen die Eltern insgesamt in einer sportlichen Karriere?

Der Ehrgeiz der Eltern öffnet dem Missbrauch und der sexualisierten Gewalt Tür und Tor. Da ist das Kind plötzlich in einer sportlichen Leistungsgruppe und der Trainer sagt: Deine Tochter ist gut! Ich muss mit ihr extra trainieren! Da passiert das schlimmste Wegsehen.

Zur Aufklärung und Prävention von Machtmissbrauch im Sport haben Sie mit der Psychologin Chris Karl die Plattform „#WeTogether“ gegründet. Wozu braucht es den Verein?

Es ist ganz wichtig, dass Betroffene Anlaufstellen haben. Wir haben uns im Frühling 2018 in Köln getroffen, 72 Survivors. Diese 72 Sportler_innen sind dabei unterstützt worden, erstmals über ihre Geschichte zu reden und gemeinsam mit Mediator_innen zu den Zuständigen zu gehen. Das ist mit unterschiedlichem Wohlwollen von den Verbänden aufgenommen worden. Aber die Vernetzung ist wichtig.

Laut „Tiroler Tageszeitung“ gab es seit Dezember 2017 keine Meldungen mehr von Missbrauch in den Landessportschulen oder Internaten. Kamen bei Ihnen Meldungen an?

Es kam die Mutter von einem Betroffenen im Dezember 2018. Und ich bin mir sicher: Es schlummert noch viel im Verborgenen. Jetzt sind die Ersten rausgegangen. Das sind diejenigen, denen es schon gut geht. Die, denen es nicht gut geht, schämen sich noch immer.

 

Serena Williams ist eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten. © Yann Caradec
Serena Williams ist eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten. © Yann Caradec

 

Was hilft dabei, über das Erlebte zu sprechen?

Es braucht geschulte Expertinnen und Experten, die das verstehen. Ich hatte eine Kontaktaufnahme von einer Eiskunstläuferin in Deutschland. Sie war seit längerer Zeit in Therapie und ihre Therapeutin hat sie einfach nicht verstanden. Das ist nicht Schuld der Therapeutin. Wer das nicht erlebt hat oder sich damit nicht wirklich tief auseinandersetzt, kann das nicht verstehen.

Was hat #WeTogether bisher erreicht?

Wir stehen ganz am Anfang. Ich brauche Zeit, das zu strukturieren, dass wir uns europaweit vernetzen. Dann müssen wir Geld auftreiben, damit wir Expert_innen, Therapie, Prozessbegleitung anbieten können.

Nicht nur im Sport berichten Prominente über Machtmissbrauch und Übergriffe. Was kann die #MeToo-Bewegung insgesamt bewirken?

Der Sinn von #MeToo ist das, was wir mit unseren „Sisters and Brothers Survivors“ machen wollen. Es geht nur darum zu sagen: Es ist auch mir passiert. Das Schönste ist, wenn ich das zu jemandem sagen kann, der es versteht – weil es ihm oder ihr auch widerfahren ist. Die Sozialen Medien und der Hashtag sind nicht das Wichtige daran – sondern, dass man Vertrauen schafft, darüber zu reden.

 

Evangelista Sie ist Schreibtrainerin und Lektorin und studiert „Journalismus und Neue Medien“ an der FH Wien.

Nicola Werdenigg ist ehemalige Skirennläuferin, ihre größten Erfolge feierte sie in den 1970er-Jahren in der Abfahrt. 2018 wurde sie für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt mit dem Frauenring-Preis ausgezeichnet.

 

 

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neuland: Silence https://ansch.4lima.de/neuland-silence/ https://ansch.4lima.de/neuland-silence/#respond Fri, 08 Mar 2019 23:03:51 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10387 Illustration: Sabrina WegererSchweigen kann Schutz sein. Von DJAMILA GRANDITS]]> Illustration: Sabrina Wegerer

alltägliche grenzerfahrungen

 

Vorab: Ja, wir müssen über Gewalt sprechen! Jeder betroffenen Person, die die Kraft aufbringt, ihre Geschichte in einem Umfeld voll patriarchaler Gewalt zu teilen, gebührt unendlicher Respekt. Ich möchte jedoch etwas ergänzen: Auch Schweigen ist eine legitime Strategie der Selbstbestimmung über das Erlebte. Schweigen kann Schutz sein. Es gibt einen enormen Geständnisdruck auf Betroffene, der einhergeht mit dem Narrativ der Erleichterung. Offen mit Gewalterfahrungen umzugehen, kann jedoch auch das Gegenteil von Erleichterung nach sich ziehen: Victim Blaming, Retraumatisierung oder die Normierung, Einordnung und Bewertung des Gesagten. Es wird ein Anspruch gestellt auf normierte Geständnisse, die Identifikationsflächen bieten und einer Mehrheitsgesellschaft den Umgang mit Gewalterfahrungen erleichtern. Die Macht über das Gesagte liegt nach dem Geständnis aber nicht mehr bei der sprechenden Person, sondern bei den Zuhörer*innen, Leser*innen, Rezipient*innen. Betroffene werden als solche erst gehört und anerkannt, wenn sie konkreten Vorstellungen entsprechend im richtigen Rahmen das Richtige gesagt haben. Mit dem Gesagten wird jedoch zugleich ein unerwünschtes Thema aufgebracht. Wenn also das Gesagte den erwarteten Rahmen „sprengt“ oder sich zu einem unpassenden Zeitpunkt Raum nimmt, hat das oftmals erneut Gewalt und soziale Sanktionen zur Konsequenz. Denn die Auseinandersetzung ist unbequem und oft überfordernd. Warum liegt der Fokus nicht auf der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, auf den strukturellen Veränderungen, die es bräuchte? Auf Opferschutz und Prävention, auf dem Schweigen der Täter*innen und Zeug*innen? Es muss eine Umgebung geschaffen werden, in der es für Betroffene tatsächlich eine sichere Möglichkeit gibt, offen zu sprechen. Selbstbestimmtes Schweigens ist jedoch eine genauso legitime Strategie, um sich diskursiver Gewalt zu entziehen und Deutungsmacht zurückzugewinnen.

 

Djamila Grandits lebt in Wien, wünscht sich strukturelle Ansätze und einen sensibilisierten Umgang mit Traumata. Sie bedankt sich bei L.H. und H.C.R. für den Anstoß zu den obenstehenden Gedanken.

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Greta Thunberg https://ansch.4lima.de/greta-thunberg/ https://ansch.4lima.de/greta-thunberg/#respond Fri, 08 Mar 2019 22:49:23 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10391 Die Klimaaktivistin protestiert wöchentlich unter dem Hashtag #FridaysForFuture. Von BETTINA LORENA SLAMANIG]]>

„Dies ist die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat“ – diesen Appell richtete die erst 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg im Dezember 2018 auf der UN-Klimakonferenz in Katowice an die Mächtigen dieser Welt. Im Alter von acht Jahren erfuhr die Schwedin von der menschgemachten Erderwärmung und änderte daraufhin ihren Lebensstil. Seit dem Sommer 2018 tritt sie in der Öffentlichkeit auf und setzt starke Zeichen für eine konsequente Klimapolitik. Ihre wöchentlich unter dem Hashtag #FridaysForFuture stattfindenden Proteste haben schon unzählige NachahmerInnen gefunden. Thunberg gilt bereits als Ikone der Klimabewegung, Das Magazin „Time“ nahm sie in die Liste der einflussreichsten Teenager des Jahres 2018 auf.

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Motorsport, Big Wave Contests und Crossfit https://ansch.4lima.de/motorsport-big-wave-contests-und-crossfit/ https://ansch.4lima.de/motorsport-big-wave-contests-und-crossfit/#respond Fri, 08 Mar 2019 22:38:50 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10381 Geschichten aus der Welt des Sports. Von MAGDALENE HENNINGSDOTTIR und BRIGITTE THEIßL]]>

Geschichten aus der Welt des Sports

 

Die perfekte 10. Von BRIGITTE THEIßL

Was sich im Bodenturnen tut, verfolgen für gewöhnlich wenige Menschen. Das änderte sich schlagartig, als im Jänner ein Video viral ging und die körperlich enorm herausfordernde Sportart ins Rampenlicht katapultierte: Katelyn Ohashi, US-amerikanische Bodenturnerin in der Universitätsliga, zeigte bei einem Wettbewerb in Los Angeles eine technisch beeindruckende Performance mit hohem Unterhaltungswert: Dance Moves zu den Jackson Five, rasante Schrauben und Salti – und als Krönung ein gesprungener Spagat. Während so viel Lässigkeit bei Richter*innen olympischer Bewerbe wohl für ein Naserümpfen gesorgt hätte, kassierte Ohashi im wesentlich entspannteren Universitäts-Wettkampf die Bestnote: 10.0.
Die Profi-Turnerin startete ihre Karriere 2009, die Olympischen Spiele waren für sie bereits in Reichweite – bis Verletzungen ihren Abschied aus dem Spitzensport besiegelten. Ohashi hatte außerdem mit Sexismus und Body Shaming zu kämpfen, wie sie später in Interviews erzählte: „I was told that it was embarrassing how big I had become. I was compared to a bird that couldn‘t fly.“ An der Universität hat sie nun die Freude am Turnen wiederentdeckt – und studiert im Hauptfach Gender Studies.

 

Vienna, Vienna, Gemma Gemma Gemma! Von BRIGITTE THEIßL

Wer noch nie beim Roller Derby war, sollte das schleunigst nachholen: rasante Action auf dem Spielfeld, Bombenstimmung auf den Zuschauer*innenrängen. Und das ganz ohne Homofeindlichkeit und Rassismus: Roller Derby ist nämlich ein Vollkontaktsport für Frauen und Non-Binarys auf Rollschuhen, der sich explizit in eine feministische Tradition stellt. Gespielt wird in zwei Halbzeiten zu je dreißig Minuten. Pro Team befinden sich fünf Spielerinnen auf dem Track, die Jammerin muss alle Blockerinnen überholen, um zu punkten. In Österreich ist das Wiener A-Team, die Vienna Roller Derby Oysters, international am erfolgreichsten, seit 2014 existiert auch ein B-Kader, die Vienna Beasts. 2015 wurden die Vienna Roller Derby Oysters als vollwertiges Mitglied in den internationalen Dachverband Women’s Flat Track Derby Association (WFTDA) aufgenommen. Angefeuert wird das Wiener Team von den „Fearleaders“, einer männlichen Cheerleading-
Truppe in engen Höschen, die auf traditionelle Geschlechterrollen pfeift. Roller Derby Teams haben sich mittlerweile auch in Graz, Linz und Innsbruck formiert, auch in Deutschland gibt es viele Teams – Interessierte können bei den Recruiting Days vorbeischauen!

 

Bei einem „Bout“ des Vienna Roller Derby. © Renate Schwarzmüller
Bei einem „Bout“ des Vienna Roller Derby. © Renate Schwarzmüller

 

„Man of the race“. Von BRIGITTE THEIßL

Macker auf PS-starken Motorrädern, „Boxenluder“ und peinliche Männlichkeitsrituale mit schäumenden Sektflaschen: Motorsport ist nicht gerade ein feministisches Metier – von der fatalen Ökobilanz mal ganz zu schweigen. Dennoch gibt es Rennfahrerinnen, die sich in verschiedenen Disziplinen gegen ihre männlichen Konkurrenten durchsetzen. So z. B. Alice Powell. Die britische Rennfahrerin gewann 2010 als erste Frau ein Rennen der Formel Renault, 2012 erhielt sie ein Cockpit in der GP3-Serie. Im Rallye-Sport sorgte Jutta Kleinschmidt für Furore, die 2001 in der Automobilwertung der Rallye Dakar die Gesamtwertung gewann und damit zu den erfolgreichsten Frauen im Motorsport weltweit zählt. Die Dänin Christina Nielsen feiert aktuell Erfolge in nordamerikanischen Rennserien. In der Saison 2012/13 ging sie als erste Frau in der Porsche GT3 Cup Challenge Middle East an den Start, für ihren Sieg im zweiten Nachtrennen in Katar wurde sie mit dem Titel „man of the race“ (sic!) ausgezeichnet.
Eine US-amerikanische Fangemeinde schart auch Vicki Golden um sich, die als Freestyle-Motocross-Fahrerin begeistert. Golden trat als erste Frau in der Freestyle Moto X Competition an und sicherte sich dort Bronze. Äußerst dürftig sieht es hingegen in der wohl prestigeträchtigsten Rennserie, der „Königsklasse“ Formel 1 aus. Seit 27 Jahren ist dort keine Frau mehr an den Start gegangen, obwohl in den Rennställen längst Ingenieurinnen, Testfahrerinnen und (stellvertretende) Teamchefinnen zu finden sind. Als einzige Frau fuhr die Italienerin Lella Lombardi 1975 in die Punkteränge – beim vorzeitig abgebrochenen Großen Preis von Spanien erreichte sie den sechsten Platz. „Ich glaube nicht, dass eine Frau die körperlichen Voraussetzungen hätte, um ein Formel-1-Auto schnell zu fahren. Und sie würde auch sicher nicht ernst genommen“, ätzte Bernie Ecclestone, Vorzeige-Sexist und bis 2017 Geschäftsführer der Formel-1-Holding vor wenigen Jahren bei einer Diskussionsveranstaltung. 2019 startet nun eine eigene Formel-1-Serie für Frauen („W-Serie“), was im Rennsport für gemischte Gefühle sorgt. Während manche diese als Sprungbrett für Pilotinnen in die Macho-Welt Formel 1 sehen, sprach Indy-Pilotin Pippa Mann von einem „traurigen Tag“ für den Motorsport. Dass die Formel 1 für Frauen noch lange ein hartes Pflaster bleiben wird, beweisen Sprüche wie jener von Renault-Pilot Nico Hülkenberg. „Motorsport ist generell eine Männersache, das war schon immer so. Jungs wollen mit Autos aufwachsen, Mädchen wollen mit Puppen spielen“, sagte er – 2018 – dem „Spiegel“.

 

Sportunterricht in der Hölle. Von MAGDALENE HENNINGSDOTTIR

Dass Sport Mord ist, verkündete mein Vater, seit ich denken kann, von seinem Sofaplatz aus, tief zwischen die Kissen versunken. Das war mir recht, schließlich fand ich es deutlich spannender, Geschichten zu erfinden, im Garten zu wühlen und Bücher zu lesen, als hinter einem Ball herzulaufen, mir die Knochen zu brechen, wenn ich von einem Pferd falle, oder, noch schlimmer, ein Ballettröckchen anzuziehen. Schwimmen und Radfahren waren voll okay, zählten aber, weil es Spaß machte, nicht als Sport. Ich habe gelernt, dass Sport alles ist, was keinen Spaß macht. Dass Sport irgendwo in der Vorhölle angesiedelt ist. Vielleicht sogar mitten in der Hölle, denn die Hölle hieß in meinem Fall Schulsport. Er war das Großereignis der Woche in der Grundschule wie auch im Gymnasium, eine Gelegenheit zum Glänzen, so viel wichtiger als Geschichte, Darstellendes Spiel oder ähnlich uncoole Fächer. Gefühlt für alle war das so – außer für mich. Die unsportlichen und dicken Kinder zu quälen, das schien für die anderen das Sahnehäubchen zu sein. Körper, die nicht in die Norm passen, kann man im Sportunterricht am besten kommentieren und abwerten. Die Begeisterung, mit der schon meine Sportlehrerin in der Grundschule das Quälen, Exponieren und Ausschließen zum Bestandteil der Sportstunden erklärt hatte, gab allen Kindern überdies das Gefühl, alles Recht der Welt zu haben, fleißig mitzumobben.
Sport ist Mord, aber immerhin habe ich die Schulzeit überlebt.

 

Die österreichische Frauen-Nationalelf erreichte bei der EM 2017 nach dem Gruppensieg in Gruppe C das Halbfinale. Laura Feiersinger (links), aktuell beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag, brillierte im Mittelfeld.
Die österreichische Frauen-Nationalelf erreichte bei der EM 2017 nach dem Gruppensieg in Gruppe C das Halbfinale. Laura Feiersinger (links), aktuell beim 1. FFC Frankfurt unter Vertrag, brillierte im Mittelfeld.

 

Weitere Beiträge im Heft, u.a. von LEA SUSEMICHEL, GABI HORAK, VANESSA SPANBAUER und KATHRIN REISINGER

 

 

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an.künden: Allianzen bilden https://ansch.4lima.de/an-kuenden-allianzen-bilden/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-allianzen-bilden/#respond Fri, 08 Mar 2019 00:19:39 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10395 Die Konferenz „Feminism is Class War“ will Theoretiker*innen und Aktivist*innen ins Gespräch bringen.]]>

Wer sind die Klassen von heute? Und wer fühlt sich der Arbeiter*innenklasse zugehörig? Debatten um eine neue Klassenpolitik mehren sich – diese sollten jedoch Antirassismus, Feminismus und Anerkennungskämpfe mitdenken. Die Konferenz „Feminism is Class War“ will Theoretiker*innen und Aktivist*innen feministischer sowie Kämpfe gegen Ausbeutung ins Gespräch bringen. Neben Podiumsgesprächen und Diskussionen werden Workshops u. a. zu „Materialismus und Intersektionalität“ (Fiona Kalkstein) oder „Frauenstreik als Aktionsform“ (Lily Schön) angeboten.

 

16.-17.3.2019: Feminisim is Class War – Konferenz zu feministischer Klassenpolitik
FMP1, 10243 Berlin, Franz-Mehring-Platz 1

 

© Femme Fists by Deva Pardue, ® For All Womankind 2016 www.forallwomankind.com
© Femme Fists by Deva Pardue, ® For All Womankind 2016

 

 

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an.künden: Kämpfe zusammenführen https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kaempfe-zusammenfuehren/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-kaempfe-zusammenfuehren/#respond Fri, 08 Mar 2019 00:15:47 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10393 Die ÖH der Universität Wien lädt zum Fem*Kongress.]]>

Ein Blick auf Österreich im Jahr 2019: Antifeministische Positionen sind längst im Mainstream angekommen und frauenpolitische Errungenschaften der letzten Jahrzehnte werden infrage gestellt. Die ÖH Uni Wien lädt deswegen zum Fem*Kongress, durch den vielfältige feministische Kämpfe zusammengeführt und progressive und emanzipatorische Zugänge diskutiert werden sollen. Es wird Workshops, Vorträge, Filmabende, Rundgänge und Podiumsdiskussionen mit u. a. Anne Wizorek, Sigi Maurer, Carolina Kerschbaumer, Maria Sagmeister, Judith Götz und vielen mehr geben. Offen nicht nur für Studierende!

 

28.-31.3.2019: Fem*Kongress
Universität Wien, 1010 Wien, Universitätsring 1

 

© Bart Everson / flickr
© Bart Everson / flickr

 

 

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Frauenstreik, optimistisch betrachtet https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenstreik-optimistisch-betrachtet/ https://ansch.4lima.de/an-sage-frauenstreik-optimistisch-betrachtet/#comments Tue, 05 Mar 2019 00:47:53 +0000 https://www.anschlaege.at/feminismus/?p=10250 Portrait Lea SusemichelHeraus zum 8. März! Von LEA SUSEMICHEL]]> Portrait Lea Susemichel

Es ist großartig, dass zum Frauentag 2019 gestreikt werden soll! Mein müdes Lächeln lässt sich angesichts des selbstbewussten Streikmottos dennoch nur schwer unterdrücken: „Wenn wir streiken, steht die Welt still.“ Trotz wirklich allerbestem Willen: Das glaube ich einfach nicht. Nicht angesichts der Meldungen, dass sich schon zu ihrem zweiten Jahrestag die vielversprechendste feministische Bewegung der jüngeren Geschichte nahezu völlig selbst zerlegt hat. Nachdem die Women’s Marches Anfang 2017 die größten Demonstrationen der US-Geschichte auf die Beine gestellt hatten – wohlgemerkt: Es waren nicht nur die größten feministischen Demonstrationen, die das Land je gesehen hat, sondern es waren tatsächlich die größten Demonstrationen überhaupt –, sind dieses Jahr nur noch zerstrittene Einzelgrüppchen marschiert. Die Gründe für die Spaltungen sind nachvollziehbar, das Resultat ist trotzdem niederschmetternd.
Wie so oft muss sich der feministische Optimismus des Willens also erbitterte Kämpfe mit dem Pessimismus des Verstandes liefern. Doch immerhin gibt es auch für diesen Optimismus Anlass und Argumente, und angesichts der globalen politischen Weltuntergangsstimmung scheint es angeraten, sie sich vor Augen zu führen.
Also, zunächst einmal: Egal wie es zwei Jahre später aussieht, immerhin ist es gelungen, diese historischen Demos zu organisieren. Und anknüpfend an den gigantischen Erfolg der ersten Women’s Marches wurde kurz darauf, am 8. März 2017, der „Day without Women“ ausgerufen. Wieder ließen sich Massen mobilisieren und bestreikten zum Frauentag die bezahlte und unbezahlte Arbeit von Frauen.
Ein Jahr später, am 8. März 2018, fand in Spanien ein Generalstreik für die Gleichberechtigung von Frauen statt – erneut mit schier unglaublichem Erfolg. Mehr als fünf Millionen Menschen nahmen teil, selbst die beiden größten Gewerkschaftsverbände Spaniens mussten angesichts des hohen Mobilisierungsgrades notgedrungen mitziehen. Damit wurde es nicht nur der historisch größte Frauenstreik, sondern wiederum der größte Streik, den es in Spanien und sogar Europa je gab (dass er von den internationalen Medien so gut wie totgeschwiegen wurde, darf leider die Pessimismus-Seite verbuchen).

Der soeben erschienene Sammelband „8M – Der große feministische Streik“ spricht folgerichtig gar von einer „transnationalen Bewegungswelle“, die mit der „NiUnaMenos“-Bewegung 2015 ihren Anfang in Argentinien nahm. Und tatsächlich, um zu belegen, dass Frauenstreiks ein wirkungsvolles politisches Mittel sein können, muss gar nicht Aristophanes‘ antike Komödie Lysistrata bemüht werden, in der ein weiblicher Sexstreik Krieger in die Knie zwang, oder daran erinnert werden, dass großen Revolutionen wie der Französischen und der Russischen ebenfalls Frauenaufstände vorausgingen.
Auch der „Schwarze Montag“, der ebenfalls als Streik ausgerufene Protest der Polinnen, konnte im Herbst 2016 das geplante Totalverbot von Abtreibungen tatsächlich verhindern. Der isländische Generalstreik von 1975 ist mittlerweile legendär: Über neunzig Prozent aller Isländerinnen legten damals das öffentliche Leben für einen Tag vollkommen lahm. Und aktuell ist es einer einzelnen Schülerin, der 16-jährigen Greta Thunberg, gelungen, Klimastreiks in ganz Europa zu initiieren. Außerdem gibt es endlich auch in Österreich die lange überfälligen (Warn-)Streiks im Pflege- und Sozialsystem – was in Deutschland im vergangenen Jahr schon sehr erfolgreich war.
Dass sich der für diesen 8. März geplante Frauenstreik in Deutschland von den Spanier_innen das optimistische Motto geborgt hat, ist also vielleicht doch nicht so vermessen. Denn potenziell können Frauenstreiks ja tatsächlich alle Räder stillstehen lassen, schließlich lässt sich nicht nur Lohnarbeit, sondern auch die Reproduktionsarbeit bestreiken.

Gerade das macht es aber auch besonders schwierig. Denn bei der Lohnarbeit verbietet das deutsche Streikrecht einen politischen Streik, wie er für den 8. März geplant ist. Bei der Sorgearbeit verbietet ihn hingegen oft die konkrete Lebenssituation, schließlich kann eine Alleinerziehende ihrem Kind schwerlich das Abendessen vorenthalten.
Im Wissen um diese Hürden gibt es auf frauenstreik.org Anregungen für viele unterschiedliche Aktionsformen, die den deregulierten Beschäftigungsverhältnissen und prekarisierten Lebensrealitäten all der Frauen gerecht werden, für die der Streik unterschiedslos eintreten muss. Denn wir sollten aus den feministischen Fehlschlägen lernen und deshalb unbedingt mit allen solidarisch sein – mit der migrantischen Pflegerin ebenso wie mit der trans Frau im Kulturprekariat oder der illegalisierten Sexarbeiterin. Und zugleich müssen wir die vielen Widersprüche aushalten und die unvermeidlichen Konflikte solidarisch austragen. Sonst steht eben auch die Welt nicht still. Also: Heraus zum 8. März!

 

 

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