V / 2018 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 12 Jan 2020 19:14:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png V / 2018 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2018-05 https://ansch.4lima.de/inhalt/2018-05/ Thu, 10 Oct 2019 12:19:11 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=13204 ]]> ]]> Subversive Dominanz https://ansch.4lima.de/subversive-dominanz/ https://ansch.4lima.de/subversive-dominanz/#respond Sun, 01 Jul 2018 16:49:10 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9859 Dominatrix MISTRESS VELVET im Interview. Von KATHARINA PAYK]]>

Die Dominatrix MISTRESS VELVET peitscht ihren weißen Kunden* Schwarze feministische Theorie ein. KATHARINA PAYK interviewte sie für an.schläge.

 

Mistress Velvet ist eine „ghanaische Göttin“, wie sie sich selbst nennt, „Chicago’s Premier African domme & goddess“, steht auf ihrer Webseite, wo man sie auch buchen kann – und zwar nicht ihre Dienste, sondern andersherum: Velvets Kund_innen dienen ihr. Neben ihrer Arbeit als Dominatrix leitet sie Workshops zum Thema Femdom – weiblicher* erotischer Dominanz. Als Feministin beschäftigt sie sich mit Audre Lorde und Patricia Hill Collins, deren Beiträge sie in ihre Arbeit einbaut.
Männer bezahlen sie dafür, von ihr gedemütigt zu werden. Und lernen dabei noch, feministisch und antirassistisch zu denken.

an.schläge: Du arbeitest als Dominatrix – eine Frau, die Männer oder andere Gender dominiert. Sie buchen dich, um etwa gespankt, geschlagen, gedemütigt oder gefesselt zu werden. Warum und wann hast du entschieden, damit Geld zu verdienen? Wer kommt zu dir?

Mistress Velvet: Ich wurde vor vier Jahren eine professionelle Dominatrix. Eine Freundin von mir erzählte mir von ihren Erfahrungen und das war für mich unheimlich faszinierend. Als Feministin und Antikapitalistin hat sich bei mir sehr viel Wut aufgestaut – gegen weiße Vormachtstellung, das Patriarchat und andere unterdrückerische Systeme. Eine Dominatrix zu werden, erschien mir wie der natürlichste nächste Schritt in meinem Leben – ein Ventil und ein Werkzeug zur Entschädigung. Die meisten meiner Kund_innen sind weiße Männer, aber ich akzeptiere jede_n als Kund_in, ganz unabhängig von race und gender.

Es liegt nahe, Femdom, also weibliche* erotische Dominanz, als hochgradig feministischen Akt zu sehen. Aber du toppst das noch: Du lehrst weißen Männern Schwarze feministische Theorie, während du sie dominierst. Wie sieht das konkret aus?

Dass ich meinen „Sklaven“ Schwarze feministische Theorien beibringe, ist eigentlich zufällig passiert. Ich hatte einen Sklaven, der mir von seinen Ängsten erzählte, er könnte rassistisch sein. Ich schlug ihm vor, einige der Beiträge zu lesen, die ich in meiner Zeit als Studentin kennengelernt hatte. Ich schickte ihm einige Seiten per E-Mail und bat ihn, eine Zusammenfassung darüber zu schreiben. Ich stellte daraufhin fest, dass das etwas war, das mir gefiel, und so bettete ich es in meine Arbeit ein. Theorien, die ich nahelege, sind u. a. marxistische Theorie, Black feminist theory, critical race theory, queer theory sowie Denkanstöße zu laufenden Ereignissen wie dem brutalen Vorgehen der Polizei, staatlicher Repression und Rechten von Migrant_innen.

Hat dieser feministische Kink nachhaltigen Einfluss auf das Leben deiner Kund_innen, glaubst du? Trägt er auch zum Persönlichkeitswachstum in deinem Leben bei?

Ich glaube, die Art von Spiel, mit der ich mich beschäftige, kann wirklich die Gedanken meiner Kund_innen verändern und ihnen neue Perspektiven eröffnen. Sie werden sich ihrer Rassismen und Sexismen bewusst, und ich gebe ihnen Handwerkszeug mit, wie sie ein möglichst wenig bescheuerter weißer Mann sein können. Ich erkläre ihnen das Konzept der Entschädigung und wie wichtig es ist, dass sie in allem, was sie tun, sich ihrer Privilegien und ihrer Beteiligung an Unterdrückung bewusst sind.
Es wirkt auch auf mein Leben ein. Ich habe solch eine tiefe und wichtige Beziehung zu Schwarzer feministischer Theorie. Sie fließt durch meine Adern und zeigt mir Wege auf, die Welt zu verstehen. Sie ist ein großer Teil meines Lebens und, wie gesagt, schien es einfach völlig naheliegend, sie in meine professionelle Arbeit als „Domme“ (Frau*, die sexuell/erotisch dominiert, Anm.) zu integrieren.

Definierst du dich selbst als Sexarbeiterin? Als Dominatrix arbeiten heißt ja nicht zwangsläufig, auch „klassisch“ Sex anzubieten. Hast du spezielle Grenzen?

Ich sehe mich als Sexarbeiterin, denn ich bin der Meinung, dass es viele verschiedene Arten von Sex gibt. Als eine Domme lasse ich mich nicht auf Sex mit den Kund_innen ein, und sie wissen, dass sie das nicht einmal fragen oder jemals von mir erwarten dürfen. Sie sind meiner nicht würdig! Ich habe mich aber auch mit anderen Formen von Sexarbeit beschäftigt und tue dies auch immer noch. Und deshalb sehe ich mich selbst auch als „Hure“ – eine Bezeichnung, die ich mit Stolz trage.

 

Mistress Velvet ist über www.miss-velvet.com erreichbar.

 

 

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Schlachtfeld Sexualpädagogik https://ansch.4lima.de/schlachtfeld-sexualpaedagogik/ https://ansch.4lima.de/schlachtfeld-sexualpaedagogik/#respond Sun, 01 Jul 2018 16:49:02 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9857 Interview: GABRIELE ROTHUBER über die Politisierung von Sexualpädagogik. Von LEA SUSEMICHEL und BRIGITTE THEIßL]]>

Sexualerziehung ist politisch heftig umkämpft und wird von Rechten gerne als „Frühsexualisierung“ diffamiert. LEA SUSEMICHEL und BRIGITTE THEIßL haben mit GABRIELE ROTHUBER darüber gesprochen, warum sie schon in der Volksschule unerlässlich ist.

 

an.schläge: Der Bereich der Sexualpädagogik wird massiv politisiert. Versuche, emanzipatorische Sexualpädagogik im Lehrplan zu implementieren, waren zuletzt in Deutschland hart umkämpft. Weshalb ist gerade die Sexualpädagogik so ein ideologisches Schlachtfeld? Und welche Probleme gibt es konkret in Österreich?

Gabriele Rothuber: Sexualität betrifft alle Menschen in irgendeiner Form, jede*r hat andere Erinnerungen an die eigene Aufklärung, an positive und negative Erfahrungen. Eigentlich sollte der Wunsch bestehen, es besser zu machen. Viele Menschen sind aber völlig überfordert, weil sie keine Sprache für Sexualität haben: Es fällt ihnen schwer, mit dem*der Partner*in darüber zu sprechen – und mit Kindern und Jugendlichen geht es gar nicht. Gegner*innen der schulischen sexuellen Bildung kommen oftmals mit dem Argument der „Frühsexualisierung“ und wollen Schüler*innen wichtige Informationen vorenthalten, nach dem Motto: Was sie nicht wissen, interessiert sie auch nicht. Wir leben aber in einer vielfältigen Gesellschaft, die Rechte homosexueller Menschen werden denen heterosexueller immer mehr gleichgestellt. Transidente oder intergeschlechtliche Menschen tragen ihre Kämpfe für Menschenrechte öffentlich aus. Selbstverständlich bekommen das auch schon kleine Kinder mit. Zu denken, Kinder davor schützen zu müssen, dass es zum Beispiel Menschen gibt, die das gleiche Geschlecht lieben, ist eine der stärksten Formen von Homophobie.
Frühsexualisierung oder gar Traumatisierung passieren sicher nicht durch eine sensible, altersadäquate, spielerische Aufklärung durch Sexualpädagog*innen mit samtigen Vulvakissen und gehäkelten Gebärmüttern! Sie passiert nicht dadurch, dass man Kindern erklärt, woher sie kommen.
Wichtige Argumente für Sexualpädagogik sind der Kinderschutz und die digitalen Medien. Aufgeklärte Kinder sind besser vor sexuellen Missbrauchshandlungen geschützt, weil sie wissen, wo Sex „hingehört“ – nämlich zu großen Jugendlichen oder Erwachsenen, wenn die das wollen. Sie wissen auch, dass das niemand mit Kindern machen darf. Kindern, die das nicht wissen, kann man leicht einreden, dass „das“ alle Onkel mit ihren Nichten machen. Mit diesem Argument hat man Eltern meist im Boot. Und wenn man dann noch ein wenig erzählt, welche Erfahrungen wir mit Pornografie bereits in der Volksschule haben, und fragt, ob sie die Aufklärung wirklich dem Smartphone überlassen wollen, dann ist meist klar, dass das Thema wichtig ist. Je früher man beginnt, mit Kindern ganz unaufgeregt über das Thema zu reden, umso einfacher ist es – weil es noch nicht peinlich besetzt ist.
Das für mich größte Problem sehe ich aber nicht in einzelnen „besorgten Eltern“ oder „besorgten Politiker*innen“, sondern in der praktischen Umsetzung des Grundsatzerlasses Sexualerziehung von 2015: Ein Erlass befähigt doch niemanden, zeitgemäße Sexualpädagogik in die Klassenräume zu bringen. Nach wie vor ist das auch ein viel zu wenig beachtetes Thema in den Curricula und die Qualität bei Weitem nicht einheitlich. Und ich traue mich zu behaupten, dass noch immer viele Kinder die Volksschule verlassen, ohne aufgeklärt worden zu sein. Und in der nächsthöheren Schule wird oft davon ausgegangen, dass sie sich eh schon auskennen.

 

© Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.
© Irene C. Jahn – Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

 

Was sind wichtige Grundsätze bei der Sexualerziehung von Kindern? Wann soll man damit wie beginnen?

Die meisten Kinder interessieren sich schon sehr früh für Geschlechtsunterschiede und woher die Babys kommen. Nicht alle stellen konkrete Fragen hierzu, aber versteckte. Viele hören, dass sie für solche Themen noch viel zu klein wären. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass man nicht nicht Sexualerziehung machen kann. Wie und ob ich eine Frage beantworte, transportiert Haltung und Werte. Sexualerziehung ist immer Wertevermittlung – und es ist gut, wenn man sich mit den eigenen Werten auseinandergesetzt hat.
Kindern soll ein positiver Zugang zum Thema Sexualität vermittelt werden. Und das beginnt am Wickeltisch, wenn ich ein Baby eincreme und alle Körperteile benenne. Oder wenn es sich an die Genitalien fasst und ich reagiere mit einem wohlwollenden Lächeln. Oder wenn Kinder sich gegenseitig erforschen, beim Klogehen oder bei den „Doktorspielen“. Ich erfahre so viel Verunsicherung bei Eltern und auch Pädagog*innen: Was ist kindliche Sexualität? Was darf ich „zulassen“? Wo endet die kindliche Neugier und wo beginnt ein sexueller Übergriff unter Kindern? Das – und auch unser Blick durch die „Erwachsenenbrille“ auf kindliche Sexualität – erschwert einen unverkrampften Zugang zu diesen Themen.

LGBTI-Lebensrealitäten haben heute mehr Sichtbarkeit als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Zeigt sich das auch in den Köpfen junger Menschen? Wie groß ist der Druck immer noch, in die heterosexuelle Norm zu passen?

Das kommt sehr stark auf das Umfeld, etwa den Schultyp an, in dem sich Jugendliche bewegen. Auf die Lehrpersonen und deren Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. LGBTIA-Jugendliche spüren natürlich, wo sie sie selbst sein dürfen und wo es besser ist, mit dem Coming-out bis nach der Schule zu warten. Sexuelle Bildung durch Expert*innen von außen muss Faktenwissen vermitteln und sollte immer davon ausgehen, dass LGBTIA-Jugendliche in den Klassen sind. Es braucht eine inklusive, sensible Sprache, um diese Themen völlig unaufgeregt besprechbar zu machen.

 

© Ina Holub
© Ina Holub

 

Kinder und Jugendliche sehen immer früher pornografische Bilder und Videos. Auch wenn die Bandbreite bei Pornos mittlerweile sehr groß ist und auch feministische Pornografie existiert, dominiert auf den Gratis-Plattformen Mainstream-Porno mit sehr rigiden Geschlechterrollen. Inwiefern prägt das die sexuellen Erwartungen und Wünsche der Jugendlichen?

Oft passiert der Erstkontakt zu den Pornos vor der Aufklärung durch Bezugspersonen. Deshalb ist auch eine frühe Aufklärung so wichtig, damit sie das Gesehene dann eher als Actionfilm denn als Doku einordnen können.
Kinder stoßen meist zufällig auf Pornos, Jugendliche suchen sie gezielt – nicht nur zur Masturbation, sondern auch, weil sie denken da lernen zu können, „wie Sex geht“. Und in der kostenlos zugänglichen Mainstream-Pornografie sieht man kaum konsensualen Sex zwischen gleichwertigen Partner*innen. Das macht Druck auf beiden Seiten – und behindert das (gemeinsame) Erforschen der eigenen Sexualität. Die Erwartungshaltung ist enorm hoch: „Das muss ich alles können?“

Dass es mit der sexuellen Selbstbestimmung von (heterosexuellen) Frauen nicht weit her sei, wird aktuell auch von feministischer Seite kritisiert. Statt sich mit der eigenen Lust und Befriedigung zu beschäftigen, würden die sexuellen Wünsche der Partner oft über die eigenen gestellt. Insbesondere für junge Frauen gebe es einen großen sexuellen Leistungsdruck, „gut im Bett zu sein“, einen guten Blowjob zu machen. Teilen Sie diese Diagnose?

„Gut im Bett sein“ contra „es gut im Bett haben“ – ja, ich denke schon, dass die Omnipräsenz von Pornografie ihren großen Teil dazu beiträgt, dass gerade junge Frauen ein Skript im Kopf haben, statt ihren ganz eigenen Bedürfnissen zu folgen. Dinge im eigenen Tempo ausprobieren, wenn man Lust hat, die eigenen Wünsche erkennen und dann auch noch dem Gegenüber sagen trauen, sie einfordern: Das sind oft lange Prozesse, die später erst (wieder-)erlernt werden müssen.
Andererseits zeigt Pornografie uns ja auch, was wir nicht möchten. Und auch Dinge, die wir vielleicht mal ausprobieren wollen. Gerade feministische Pornos, wie sie Erika Lust oder Arthouse Vienna produzieren, sind für viele Menschen eine große Bereicherung. Aber die sind halt nicht gratis.

 

Gabriele Rothuber ist Sexualpädagogin und Geschäftsführerin vom Verein Selbstbewusst in Salzburg. Sie ist Mum of 3 Sons, seit ewig verheiratet und im Vorstand der HOSI Salzburg. Sie hat eine starke Affinität, sogenannte Tabuthemen unaufgeregt besprechbar zu machen.

 

 

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an.klang: Durchgestartet https://ansch.4lima.de/an-klang-durchgestartet/ https://ansch.4lima.de/an-klang-durchgestartet/#respond Sun, 01 Jul 2018 15:44:59 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9866 Band DIVES © Tina BauerRock, Garage und Melancholie: die Wiener „Dives“. Von BRIGITTE THEIßL]]> Band DIVES © Tina Bauer

Die Wiener Band DIVES lernte sich 2015 beim Linzer Girls Rock Camp kennen – und ist zwei Jahre nach der Gründung bereits auf dem besten Weg zur fixen Größe in der deutschsprachigen Indie-Szene. Von BRIGITTE THEIßL

 

Wenn das „Girls Rock Camp“, wo Mädchen* und junge Frauen* sich alljährlich am Bass oder hinter den Reglern ausprobieren können, ein Aushängeschild bräuchte – die „Dives“ würden sich verdammt gut dazu eignen. 2015 lernten sich Dora de Goederen, Viktoria Kirner und Tamara Leichtfried als Camp-Teilnehmerinnen in Linz kennen und standen beim Abschlusskonzert erstmals gemeinsam auf der Bühne. Im März dieses Jahres spielten sie bereits vor Tausenden im Wiener Gasometer – als Vorband der schottischen Indie-Rocker Franz Ferdinand. „Es ist wirklich alles relativ schnell gegangen“, sagt Tamara, Sängerin und Gitarristin, im an.schläge-Interview. Nicht nur Franz Ferdinand, auch Bilderbuch und Clara Luzia fragten die Dives als Support-Act an – und dann war da noch die Nominierung für den FM4-Award beim österreichischen Musikpreis Amadeus. „Ich habe erst einmal Zeit gebraucht, um wieder runterzukommen.“

Surf-Sound. Mit ihrem 2017 beim Wiener Label Siluh erschienenen Minialbum ernteten die drei Musikerinnen begeisterte Kritiken. Sechs eingängige Songs sind es geworden, Surf-Rock mit einem Hauch Melancholie und punkigen Garage-Anleihen, dominante Bass-Lines, mehrstimmiger Gesang. „Tomorrow“ lässt schon nach dem ersten Hören nicht mehr los, in bemerkenswert kurzer Zeit haben die Dives einen Sound mit Wiedererkennungswert kreiert. Dabei war es anfangs gar nicht so einfach, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. „Es war nicht klar, ob wir überhaupt einen Song schreiben können, der uns allen gefällt“, erzählt Bassistin Viktoria, die das Bassspielen erst nach dem ersten Workshop am Girls Rock Camp erlernen musste. Auch Tamara hatte ein Jahr vor dem Girls Rock Camp angefangen, Schlagzeug zu lernen, und sattelte kurzfristig auf die Gitarre um. An den Drums sitzt stattdessen Dora de Goederen, die auch Teil der queer-feministischen Band Шaпκa (Schapka) ist.

Vorbildwirkung. Dass das Girls Rock Camp für die Vernetzung der österreichischen Musikszene enorm wichtig ist, sind sich die drei Musikerinnen einig. „Mädchen und junge Frauen werden unterstützt, es wird ihnen gezeigt: Ihr habt auch einen Platz in dieser Musikwelt“, sagt Dora. „Wenn ich dort die schüchternen 14-, 15-Jährigen gesehen habe, die am Abschlussabend richtig aufgeblüht sind, das waren schon Gänsehaut-Momente“, erinnert sich Viktoria. Workshop-Leiterinnen, Tontechnikerinnen, Coaches – am Camp sind es ausschließlich Frauen, die die Jobs übernehmen. Vorbilder, die man im Mainstream nicht so leicht finde, meint Tamara. Der Frauenraum auf dem Camp sei vor Ort bald selbstverständlich. Das ist sonst ganz anders: Als „Frauenband“ betitelt zu werden, das kennen die Dives hingegen zur Genüge. „Frauenband ist kein Genre, es sagt nichts über die Musik aus“, sagt Tamara. „Es ist eigentlich komplett lächerlich“, ärgert sich Dora. „Meistens sind es Männer, die uns als Frauenband anmoderieren. Wenn man die fragt: ‚Habt ihr die letzten hundert Bands, die nur mit Männern besetzt sind, auch als Männerbands angekündigt?‘, sieht man erst, wie lächerlich das ist.“

Teilzeit-Stars. Nicht von der Musik leben zu müssen, das genießen die drei Musikerinnen mit Nebenjobs noch. „Kreatives Schaffen funktioniert nicht mehr, wenn man abhängig davon ist, dass es gut ankommt, wenn man das permanent im Hinterkopf hat und nicht einfach drauflosspielen kann“, sagt Dora. Einen Vorgeschmack auf das Musikerinnen-Leben haben die Dives aber längst bekommen. „Wenn man so viel Energie und Leidenschaft in ein Projekt steckt, entsteht natürlich auch das Bedürfnis, nur noch das zu machen“, sagt Tamara. Hits zu schreiben und an Merch zu feilen, um die Miete bezahlen zu können – das sei aktuell aber eine Nummer zu groß. Erst mal durchatmen und Musik produzieren, die den eigenen Ansprüchen genügt. Die Dives bleiben bescheiden: „Wir sind selbst vom Erfolg überrascht. Natürlich haben wir hart dafür gearbeitet, aber der Zufall spielt auch immer mit.“

 

Die Dives treten am 26. Juli beim Wiener Popfest auf. Alle Tour-Daten findet ihr auf www.siluh.com/artists/dives

 

 

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Geschichte fortschreiben https://ansch.4lima.de/geschichte-fortschreiben/ https://ansch.4lima.de/geschichte-fortschreiben/#respond Sun, 01 Jul 2018 15:37:15 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9863 Falscher Ausweis von Rosa Jochmann (lebte 1901-1994; war 1940-1945 im KZ Ravensbrück interniert) aus dem Jahr 1938 © Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegungGedenkkultur auch ohne ZeitzeugInnen. Von SYLVIA KÖCHL]]> Falscher Ausweis von Rosa Jochmann (lebte 1901-1994; war 1940-1945 im KZ Ravensbrück interniert) aus dem Jahr 1938 © Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung

Die allermeisten Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung sind bereits verstorben. Wie kann Gedenkkultur ohne sie funktionieren? Von SYLVIA KÖCHL

 

Der Umgang mit der nationalsozialistischen Geschichte war gleich nach der Befreiung 1945 eine der wichtigsten Zukunftsfragen der Zweiten Republik. Zunächst wurde jegliche Schuld geleugnet, von den traumatisierten Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungsmaschinerie wollten die meisten nichts wissen. Und auch nicht davon, dass Antisemitismus und Rassismus in die Katastrophe geführt hatten. Dieser (Nicht-)Umgang wirkt bis heute.
Aber auch „1968“ wirkt bis heute. Damals traten die neuen sozialen Bewegungen auf den Plan und etablierten eine Gedenk- und Erinnerungskultur, die der „Verdrängung“ den Kampf ansagte. Mit der Frauengeschichtsbewegung, den Geschichtswerkstätten, der „Geschichte von unten“ wurde auch die Forschung umgekrempelt, aus den Akademien herausgelöst und demokratisiert.
Für die Beziehungen zwischen Forscher_innen und Überlebenden entwickelten vor allem Feminist_innen ganz neue Methoden: Sie betrachteten die Überlebenden nicht als bloße „Zeitzeug_innen“, die als „Belege“ historischer Abhandlungen herhalten sollten, sondern interessierten sich für die Menschen und ihre Lebensgeschichten. Und sie holten Frauen vor den Vorhang. Deren Beteiligung am Widerstand wurde sehr lange Zeit allein wegen ihres Frau*seins kleingemacht, und ihre spezifischen Verfolgungserfahrungen, darunter sexualisierte Gewalt, wurden missachtet. Auch die Formate änderten sich: Es gab nun Filme und Interviewbücher, in denen Überlebende für sich selbst sprechen konnten.
Diese emanzipatorische Geschichtsschreibung hat nun, 2018, schon eine lange Geschichte. Das macht uns Mut, denn darauf können wir aufbauen, wenn wir uns der Frage stellen: Wie kann Gedenk- und Erinnerungskultur in Zukunft aussehen angesichts der Tatsache, dass die allermeisten KZ- und Verfolgungsüberlebenden inzwischen gestorben sind? Noch dazu, wenn wir bedenken, dass die Überlebenden nie nur für sich, sondern immer auch im Namen ihrer ermordeten Angehörigen, Freund_innen und Kamerad_innen gesprochen haben und dass ihre Stimmen Gewicht und Autorität besaßen, wenn es um Kritik an der halbherzigen Bekämpfung von Neonazismus und Rechtsextremismus in der Zweiten Republik ging.

 

Falscher Ausweis von Rosa Jochmann aus dem Jahr 1938 © Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
Falscher Ausweis von Rosa Jochmann (lebte 1901-1994; war 1940-1945 im KZ Ravensbrück interniert) aus dem Jahr 1938 © Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung

 

Die gute Nachricht: Diese Frage ist nicht neu. Es gibt bereits jetzt gelungene Beispiele.
Etwa die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück: Die „Ravensbrückerinnen“, wie sich die Überlebenden des Frauen-KZ selbst bezeichnen, haben ab Mitte der 1990er-Jahre jüngere Frauen regelrecht angeworben. Sie besuchten Veranstaltungen, ergriffen in den offenen Foren das Wort, stellten sich und ihre Agenda vor und forderten Antifaschist_innen zum Mitmachen auf.
Engagierte Angehörige und Freund_innen von Überlebenden und Ermordeten sind eine Gruppe, deren enorm wichtige Perspektive inzwischen verstärkt beachtet wird und die uns in die Zukunft begleiten kann.
Noch immer gibt es Nazi-Opfer, die trotz aller Anstrengungen der Frauengeschichtsbewegung unbeachtet geblieben sind, die zum Teil bis heute nicht einmal gesetzlich als Opfer anerkannt sind, von denen es keine Interview-Aufzeichnungen oder veröffentlichte Berichte gibt – aber selbst hier existieren erfolgreiche Vorbilder dafür, wie trotzdem Gedenken und Erinnern organisiert werden kann. Um aus feministischer Sicht die zwei wichtigsten zu nennen: die „Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark“ und das „Frauengedenken Mauthausen“. Beide Initiativen kümmern sich komplett selbstorganisiert um „vergessene“ Opfergruppen: um die Mädchen und jungen Frauen, die ab 1942 als „schwer erziehbar“ und „asozial“ in das KZ Uckermark verschleppt wurden; und um jene Frauen, die im Häftlingsbordell des KZ Mauthausen arbeiten mussten.
Für die Zukunft einer guten Gedenk- und Erinnerungskultur ohne die Überlebenden gibt es kein Rezept. Aber es gibt Vorbilder, es gibt abschreckende Beispiele, und es gibt seit Längerem schon ein offenes Nachdenken über diese Zukunft.

 

Sylvia Köchl ist eine dieser in den 1990er-Jahren von den „Ravensbrückerinnen“ Angeworbenen.

 

Webtipps:
www.wegenachravensbrueck.net
www.ravensbrueck.at
www.gedenkort-kz-uckermark.de
www.uckermark-projekt.org

 

 

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„Hetero-Sex orientiert sich an männlichen Bedürfnissen“ https://ansch.4lima.de/hetero-sex-orientiert-sich-an-maennlichen-beduerfnissen/ https://ansch.4lima.de/hetero-sex-orientiert-sich-an-maennlichen-beduerfnissen/#respond Sun, 01 Jul 2018 15:27:54 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9852 Mit der sexuellen Revolution ist es nicht weit her. Von BRIGITTE THEIßL]]>

Frauen verdienen nicht nur weniger als Männer – sie kommen beim Hetero-Sex auch deutlich seltener zum Höhepunkt. Fünfzig Jahre nach den ersten, revolutionären Werken zur weiblichen* Lust ist es mit der sexuellen Befreiung nicht weit her. Für die feministische Debatte heißt das: zurück zum Start. Von BRIGITTE THEIßL

 

„Kannst du dich an deinen letzten Sex erinnern?“ Für einen Videobeitrag des britischen Magazins „Babe“ schlendert eine Redakteurin durch einen Londoner Bezirk und fragt junge (Hetero-)Männer nach ihren jüngsten sexuellen Erlebnissen. Ob er gekommen ist? Natürlich. „Und hatte sie auch einen Orgasmus?“ So sicher sei man sich da nicht. „Woher wusstest du dann, dass der Sex vorbei ist?“ Die verstörten Gesichter der Interviewpartner sprechen Bände: Den Samenerguss als Höhepunkt und Ende heterosexueller Begegnungen zu hinterfragen, scheint nach wie vor alles andere als selbstverständlich. Erektion – Penetration – männlicher Orgasmus, so die gängige Formel patriarchaler Glückseligkeit. „Es ist völlig normal, dass der Mann immer einen Orgasmus hat. Wenn die Frau Glück hat, passiert es bei ihr eben auch – so wurde ich sozialisiert“, sagt Sara. Die 29-Jährige, die eigentlich anders heißt, führt aktuell eine Beziehung mit einem Mann und hat guten Sex – erstmals. Mit ihrem Ex-Freund war das ganz anders. „Hättest du mich damals um ein Interview über Geschlechterrollen und Sex gebeten, ich hätte bestimmt Nein gesagt.“ Offen über Sexualität zu sprechen sei immer noch tabuisiert, sagt Sara, ihre Beziehung wollte – oder aber musste – sie sich schönreden. In dem kleinen Ort, in dem sie aufgewachsen ist, bevor sie nach Wien zog, waren die Verhältnisse noch enger. Sexualpädagogik in der Schule? Fehlanzeige. „Erst als ich angefangen habe, mich mit feministischen Themen zu beschäftigen, sind mir immer mehr Dinge aufgefallen, ich habe Selbstverständlichkeiten erstmals hinterfragt“, sagt Sara, die als Projektmanagerin und am Wochenende in einer Bar arbeitet. Etwa dass Oralsex von Männern erwartet und in fast jedem Hollywoodfilm dargestellt, aber selten erwidert werde.

Orgasmus-Lücke. Die männliche Orgasmus-Garantie lässt sich sogar mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauern: In einer qualitativen US-amerikanischen Studie, die im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift „Archives of Sexual Behavior“ veröffentlicht wurde, gaben 95 Prozent der Männer an, in der Regel beim Sex zum Höhepunkt zu kommen. Bei lesbischen Frauen waren es immerhin 86 Prozent. Das Schlusslicht bildeten hingegen die Heteras: Nur 65 Prozent erleben regelmäßig einen Orgasmus beim Sex mit Partnern. Der Schlüssel zu dem ernüchternden Ergebnis liegt nicht in der mythenbehafteten, angeblich so komplexen weiblichen Anatomie, die Lesben besser verstehen würden – für die Orgasmus-Lücke zeichnet das Patriarchat verantwortlich. Hetero-Sex sei stark auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet, so die Studien-Autorinnen, Frauen, die ihre Wünsche kommunizieren, experimentierfreudiger sind und manuell/oral befriedigt werden, erleben auch häufiger Orgasmen.

Norm-Sex. „Ich kriege keinen Orgasmus, mein Partner muss mich zusätzlich mit der Hand stimulieren, was stimmt bei mir nicht?“ Diese Frage gehört zum täglichen Geschäft von Kerstin Pirker. Die Sexualpädagogin arbeitet im Frauengesundheitszentrum in Graz, berät Mädchen und Frauen zu Fragen rund um Sexualität, sie leitet Workshops und hält Vorträge – zum Beispiel über die Klitoris. „Darüber rede ich mir eine gefühlte Ewigkeit den Mund fusselig. Es existiert noch immer so viel Unwissen“, sagt Pirker. Nach zwanzig Jahren sexualpädagogischer Arbeit zieht die Expertin eine ernüchternde Bilanz: Themen, die seit über vierzig Jahren in der feministischen Literatur verhandelt werden, sind immer noch brandaktuell. „Natürlich, es gibt gut gemachte feministische Pornografie, es gibt durchaus junge Frauen, die sich selbstbestimmt und lustvoll ausprobieren, polyamor leben – aber das spielt sich großteils in einer feministischen Blase ab, nicht in der breiten Gesellschaft“, sagt Pirker. Und neuer (Leistungs-)Druck würde hinzukommen: etwa durch medial vermittelte Bilder perfekter, normschöner Körper. Auch die Mainstream-Pornografie drückt sexuellen Vorstellungswelten einen rigiden Stempel auf: Mann „nimmt“ Frau, oral, vaginal, anal – so das pornografische Standardrezept.
„Mir fällt auf, dass Analsex zur Routine geworden ist. Meine letzten drei Sexpartner wollten mich richtiggehend dazu überreden“, sagt Stefanie, die in einer einseitig offenen Beziehung lebt. Dass das auch mit Pornografie zu tun hat, davon geht die 35-jährige Projektmanagerin aus. Sich öffentlich bedeckt halten, eigene Beziehungen schönreden, das kennt auch Stefanie. Mit gängigen Geschlechterrollen fühlte sie sich als Teenager ebenso unwohl wie im eigenen Körper, „da war eher das Gefühl, dass ich dankbar sein muss, wenn sich ein Typ für mich interessiert“. All die negativen Erfahrungen tauscht sie mittlerweile offen im Freundinnenkreis aus – die Kluft zwischen Filmbildern, Vorstellungen und dem realen Bettgeschehen, das sei ein verbindendes Thema zwischen Hetero-Frauen, meint Stefanie. „Meine Sexualität baute immer stark darauf auf, gesehen und begehrt zu werden, weil mir gefühlt nichts anderes angeboten wurde. Das hält sich hartnäckig und ärgert mich sehr.“ Umso wichtiger ist ihr heute eine offene Debatte – nicht zuletzt für die eigene Suche nach neuen Bildern und Konzepten.

Schmerzfrei. In Sachen Pornografie ist auch die feministische Debatte nicht so offen, wie es auf den ersten Blick erscheint. Während sich alarmistische Porno-Gegnerinnen und sexpositive Feministinnen*, die auf hochqualitative queer-feministische Pornografie setzen, unversöhnlich gegenüberstehen, bleibt der Mainstream-Porno, der jede kostenlose Internetplattform dominiert und damit Teil der Jugendkultur ist, häufig außen vor. Sexualwissenschaftliche Studien bescheinigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen sehr liberalen Umgang mit der Pornografie. Viele junge Frauen finden sie zwar nicht erregend, lehnen sie aber auch nicht ab. „Heute ist das eben so, das ist tatsächlich das Resümee der meisten ForscherInnen. Ich bin insofern skeptisch, als es einen starken Druck gibt, informiert und offen zu sein, alles schon probiert zu haben“, sagt Sexualpädagogin Kerstin Pirker. Die Sache mit dem Analsex kennt auch sie aus der Beratungsarbeit. Warum Menschen denn eigentlich Analsex haben, sei vor zwanzig Jahren eine typische Frage gewesen, heute ginge es oft darum, wie er ohne Schmerzen zu bewerkstelligen sei. „Wenn ich mit Mädchen hingegen darüber spreche, wie lustvoll es sein kann, sich selbst am Anus zu berühren, finden das dann viele eklig“, erzählt Pirker.
Ekel und Scham haben lange das Sexleben von Tamara geprägt. Als sie im Teenager-Alter die ersten sexuellen Erfahrungen sammelte, lautete die Botschaft ihrer Mutter: Ein Mädchen, das mit 15 schon einen Freund hat, ist ein Flittchen. „Wenn Mädchen sexuell aktiv wurden, Begehren äußerten, war das problematisch. Und ich denke, es ist heute – vor allem am Land – noch immer so.“ Die Vorstellung, dass Sexualität etwas Schmutziges, Beschämendes sei, prägte auch Tamaras Beziehung zum eigenen Körper, lange kämpfte sie mit einer Essstörung, erzählt die 34-Jährige, die am Stadtrand von Graz aufgewachsen ist und heute als Lehrerin in Wien arbeitet. In Beziehungen, in denen Tamara auch Gewalt erfahren hat, nahm sie vieles als selbstverständlich hin. „Beim Sex konnte ich meinen Kopf, meinen Körper quasi ausschalten, ich habe einfach mitgemacht.“ Als sie mit 26 nach London reiste und dort in einem Club einen Mann kennenlernte, verblüffte sie dessen Verhalten in der gemeinsamen Nacht: „Er fragte mich: Was willst du, zeig mir, was dir gefällt. Das hatte mich in zehn Jahren noch nie jemand gefragt“, erinnert sich Tamara.

Schamhaft. Psychologin Sandra Konrad, die im kürzlich erschienenen Buch „Das beherrschte Geschlecht“ Frauen eine Unterwerfung unter patriarchale Normen attestiert, die sich als selbstbestimmte Entscheidung tarne, betrachtet die Scham als zentrales Element weiblicher* Sexualität. „Scham sitzt Frauen wirklich in den Knochen, und Beschämung ist die stärkste Waffe patriarchaler Gesellschaften, um Frauen zu kontrollieren. Wenn sie sich nicht an die Regeln halten, sind sie entweder zu nuttig oder zu verklemmt“, sagte sie in einem Interview auf Diestandard.at. Im Zuge von #MeToo sieht Konrad die historische Chance, sexuelle Befreiung und Selbstbestimmung – die schon seit Jahrzehnten von Feministinnen* eingefordert werden – gesellschaftlich breit zur Debatte zu stellen.
Die feministisch lang erträumte „sexuelle Befreiung“ – ohne sexuelle Basisbildung und ein „Breitbandpaket“ wird sie nicht möglich sein, ist Kerstin Pirker überzeugt. Dazu gehören sexualpädagogische Angebote in allen Schulen, in gynäkologischen Praxen, entsprechende Ausbildungen für alle relevanten Berufsgruppen: „Wir müssen die Debatte immer wieder neu aufrollen. Feministinnen sind Wegbereiterinnen, aber sie dürfen nicht davongaloppieren. Wenn Mädchen heute nach wie vor ihre Genitalien nicht benennen können, müssen wir wirklich zurück zur Basisbildung.“

 

Auf der Website des Frauengesundheitszentrums gibt es einen neuen Info-Bereich zu sexueller Gesundheit: www.frauengesundheitszentrum.eu/sexuelle-gesundheit-von-frauen

 

 

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In Beziehung treten https://ansch.4lima.de/in-beziehung-treten/ https://ansch.4lima.de/in-beziehung-treten/#respond Sun, 01 Jul 2018 15:07:59 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9861 © Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.Achtsamkeit in Tantra und BDSM. Von KATHARINA PAYK]]> © Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

SM muss kein liebloser Hau-drauf-Sex sein, ebenso wie beim Tantra liegt der Fokus auf Achtsamkeit. Von KATHARINA PAYK

 

Nicht nur „Esos“ haben Langsamkeit und Achtsamkeit beim Sex für sich entdeckt: Neo-Tantra und Conscious Sexuality boomen. Es geht dabei darum, jede Berührung genau wahrzunehmen, im Moment zu sein und durch verschiedene meditative und interaktive Methoden herauszufinden, was mir guttut, was ich mag und wo meine Grenzen sind.
(Neo-)Tantra hat heute kaum mehr etwas mit der ursprünglich hinduistischen Tradition zu tun und ist ein größtenteils „westliches“ Konzept, um Performancedruck in der Sexualität und die Schnelllebigkeit der heutigen Dating-Szene zu durchbrechen. Tantra ist emotionale Berührung, manchmal mit „Fremden“, es kann Persönlichkeitswachstum bedeuten und mit Spiritualität einhergehen. Vor allem aber ist Tantra achtsam und nicht leistungsorientiert. Es geht darum, sich fallen zu lassen, sich „bedienen“ zu lassen, dem oder den anderen vertrauen zu können. In einer Tantra-Massage etwa kann eine_r erfahren, wie es sich anfühlt, erotisch und ganzheitlich berührt zu werden, ohne etwas zurückgeben zu müssen. Dabei wird der ganze Körper berührt, wenn man möchte, auch die Genitalien. Orgasmen dürfen sein, müssen aber nicht. Überhaupt gibt es kein Müssen im Tantra, und meistens erlebt man in einer Session etwas Unerwartetes. „Ich hatte mich vor der Tantra-Massage darauf eingestellt, dass es mir peinlich oder unangenehm sein wird, wenn die Masseurin meine Vulva berührt. Doch dann kam alles anders: Als sie nach einer langen Massage meines Rückens meinen Kopf streichelte, kamen mir die Tränen. Es floss aus mir heraus. Weil ich mich mit meinem ganzen Körper angenommen und gehalten fühlte. Weil mein Kopf immer angestrengt ist, mein eigentlicher wunder Punkt ist. Bei der Vulva-Massage war ich dann ganz entspannt und locker und habe einfach genossen“, erzählt Natalia, die sich hin und wieder eine Tantra-Massage gönnt.
Klassisches Tantra funktioniert eher binär, es wird etwa in männlicher und weiblicher Energie gedacht, die einander ergänzen sollen. Aber immer mehr queere Menschen tummeln sich in der Tantra-Bodywork-Szene. Queer-Tantra-Workshops sind rar, aber immer gefragter. Angebote gibt es in größeren Städten wie Berlin, Wien und Hamburg. (1)

 

© Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.
© Irene C. Jahn – Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

 

Sado-Maso. Das Akronym BDSM steht für erotische Spielarten, die früher als „pervers“ galten und pathologisiert wurden: Bondage, Disziplinierung, Dominanz, Submission, Sadismus, Masochismus. Seit einigen Jahren erfährt der „kinky“ Lifestyle vielerorts Normalisierung. „Ich persönlich bin eigentlich schon immer recht offen mit meiner SM-Neigung umgegangen, obwohl es früher definitiv schwieriger war sich zu outen. Heute ist es einfacher. Viele meiner Vanilla-Freund_innen (2) sind zumindest sehr interessiert an meinen Beziehungsgeschichten und akzeptieren meinen Lebensstil“, erklärt Laura, die Mitglied der „Libertine“ in Wien ist, der ältesten BDSM-Initiative im deutschsprachigen Raum, und den „LesBi*SM“-Stammtisch (3) mitbegründet hat. In Wien gibt es mittlerweile mehr als drei öffentliche Bars und Clubs für die Szene, abseits von Swinger-Sexclubs.
Die Autorin Anne Rice schrieb schon lange vor der bigott-keuschen „Twilight“-Teenie-Serie erotische Vampirgeschichten und unter Pseudonym sogar starke SM-Literatur. Spätestens aber seit „Fifty Shades of Grey“ ist der Lustschmerz im Mainstream angekommen. Allerdings ärgert viele Menschen aus der BDSM-Szene die Inszenierung in der Roman-Reihe: Dort findet sich kein Konsens, keine Einhaltung der goldenen Regeln des SM: ssc (safe, sane, consensual) oder alternativ: rack (risk aware consensual kink). So geht es in „Fifty Shades of Grey“ nicht darum, dass sich zwei Menschen mit den gleichen bzw. passenden Lüsten finden und ihr Begehren selbstbestimmt und verantwortungsvoll leben. Während die submissiv-devote Rolle der Romanfigur Anastasia Steel durch die Liebe zu Christian Grey motiviert ist, wird dessen dominantes Verhalten auf eine Traumatisierung in der Kindheit zurückgeführt, die er aufarbeiten muss – und somit pathologisiert. Beides nicht sehr empowernd, zumal die biedere Rolleninszenierung unfeministischer nicht sein könnte.
Die BDSM-Szene hingegen ist vielfältig. „Es gibt sie schon, die Ecken, wo ich mich als queere und feministische Person nicht wohlfühle. Wo Männer Frauen dominieren, und das auf eine Art und Weise, die ich mir nicht unbedingt anschauen mag. Manchmal triggern mich solche Szenen. Patriarchaler Kack. Aber das ist ja nicht der ganze Kink. Es gibt queere Kinkster – lesBische, schwule – und vor allem auch submissive Männer“, erklärt Luca, die SM-Playparties für FrauenLesbenInterTrans in Wien mitveranstaltet. BDSM habe viel emanzipatorisches Potenzial, da mit Rollen kreativ gespielt werden könne, so Luca.

Conscious Kink. Manche möchten gerade dieses subversive und achtsame Moment des BDSM betonen. „Conscious Kink“ ist ein bisschen wie tantrischer BDSM: Menschen leben Rollen – dominant oder submissiv etwa – und erfahren dadurch etwas über sich selbst. Man will weg vom düsteren Image eines Einheits-Sadomasochismus. Im „bewussten Kink“ ist trotzdem nichts weichgespült: von Spanking (Hintern versohlen) und Auspeitschen, über Bondage (erotische Fesselung) bis D/S-Spiel (Dominance/Submission-Rollenspiel) kann alles dabei sein – jede Handlung wird bewusst und achtsam ausgeführt und erlebt, auch der Schmerz. Sich selbst verletzlich oder stark zu erleben – nämlich sowohl in der Bottom- als auch in der Top-Rolle –, sich in eine Session fallen lassen zu können, auf sich und die Spielpartner_in zu schauen und zu seinem eigenen Begehren zu stehen – das alles ist Conscious Kink. Alles selbstverständlich konsensual und risikobewusst.
„Ich bin in der Rolle der Sub, wenn meine Partnerin und ich miteinander spielen, das heißt: Sie führt die Session. Aber ich muss immer auch auf sie schauen. Sie hat als Dominante natürlich die größere Verantwortung im ‚Spiel’, aber ich frage hinterher immer: Geht es dir gut? Brauchst du was? Das nennt man After-Care. Ihr nach der Session einen Prosecco zu bringen, ist nicht nur gewollter Teil meiner Rolle, sondern auch, weil wir uns ja liebhaben“, erzählt Luca.

 

© Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.
© Irene C. Jahn – Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

 

Sex? Nicht immer. Weder BDSM noch Tantra sind notwendigerweise mit Sex verknüpft, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Menschen haben sogenannte Spielpartner_innen, das können auch Sexualpartner_innen sein, müssen aber nicht. Gerade Fesseln wird von vielen Menschen als eine eigenständige Form der Begegnung empfunden, bei der zwei Menschen miteinander in Beziehung treten. Es geht darum, sich fallen zu lassen oder der anderen Person eine schöne Zeit zu bereiten. Wünsche des Sich-gehalten-Fühlens zu erfüllen. Sehnsucht nach Stärke zu stillen. Die eigene Verletzlichkeit anzunehmen und preiszugeben. All das braucht viel Vertrauen, weshalb BDSM-Beziehungen oft auf Dauer angelegt und innig sind und viel Verantwortungsbereitschaft bedürfen.
„Penetration oder Orgasmen sind nicht das Ziel einer jeden Session“, sagt Laura, die die Vielfalt von SM-Begegnungen betont. Je nach Partner_in könne ein Spanking oder ein D/S-Spiel sehr spielerisch-liebevoll oder gewünscht streng verlaufen. Keineswegs müsse es auf einen sexuellen Akt hinauslaufen. Das mindere aber keinesfalls die Intensität dieser Spielarten. Im Gegenteil: „Es besteht die Möglichkeit, neue Facetten des eigenen Begehrens und Fühlens und der Beziehung zueinander zu erfahren. Für mich ist Kink daher immer Conscious Sexuality“, sagt Laura.

 

(1) Queer Tantra in Wien bietet beispielsweise Sara Ablinger an: www.big-body-love.com

(2) Als Vanillas bezeichnen manche BDSMler_innen nicht-kinky Leute.

(3) Kontakt zum LesBi*SMStammtisch der Libertine Wien: www.lesbism.libertine.at

 

 

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Sex Tunes https://ansch.4lima.de/sex-tunes/ https://ansch.4lima.de/sex-tunes/#respond Sun, 01 Jul 2018 14:49:57 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9868 Eine sexy Playlist aus der an.schläge-Redaktion]]>

Solo-Sex, verschwitztes Grinding und liebestrunkenes Begehren: eine sexy Playlist aus der an.schläge-Redaktion, gesammelt von BRIGITTE THEIßL.

 

Soundcloud-Playlist: https://soundcloud.com/user-248247200/sets/sex-x

 

Beyoncé: Drunk In Love

Lil’ Kim: How Many Licks?

Nicki Minaj ft. Ariana Grande: Get On Your Knees

Tami Tamaki: I Never Loved This Hard This Fast Before

The Weeknd: Often

Prince: Do Me, Baby

Peaches: Two Guys (For Every Girl)

Peaches: Fuck The Pain Away

20 Fingers: Lick It

Sookee: Reibung

Tori Amos: Raspberry Swirl

K.D. Lang: Sexuality

Shawn Colvin: Set The Prairie On Fire

Jann Arden: I Only Wanted Sex

Stefanie Sourial: Masturbate

Gianna Nannini: America

Gianna Nannini: Voglio fare l’amore

Gianna Nannini: Profumo

Cyndi Lauper: She Bop

Le Tigre: I’m So Excited

Fagget Fairys: Feed The Horse

Pink: Slut Like You

Tei Shi: Go Slow

Massive Attack – Protection

Doja Cat: Wet Dreamz

Amanda Palmer: Bed Song

Klitclique: Candida

Goldfrapp: Ooh La La

Melissa Ferrick: Drive

Lana Del Rey: Fucked My Way Up To The Top

Sabrina Claudio: Unravel Me

 

 

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Hormongesteuert https://ansch.4lima.de/hormongesteuert/ https://ansch.4lima.de/hormongesteuert/#respond Sun, 01 Jul 2018 14:22:22 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9855 © Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.Weibliche Lust, Hormone und das Patriarchat. Von NICOLE SCHÖNDORFER]]> © Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

Weibliche Lust hat im Patriarchat keinen Platz. Praktisch, dass es vermeintlich einvernehmliche Lösungen gibt, um sie zu unterdrücken: Hormone. Wie Pille und Psychopharmaka die Libido (fast) unbemerkt kaputt machen. Von NICOLE SCHÖNDORFER

 

Hat sich die männlich dominierte Pharmaindustrie mit Hormonpräparaten gegen die weibliche Lust verschworen? Vielleicht nicht böswillig. Sie trägt jedoch einen wesentlichen Teil dazu bei, dass insgesamt vierzig Prozent aller Frauen unter zumindest einer sexuellen Funktionsstörung leiden. Die häufigste Dysfunktion ist eine gestörte Libido. Auch eine verminderte Orgasmusfähigkeit sowie Schmerzen beim Sex gehören dazu. Und daran sollen Hormone schuld sein? Mitunter ja.

Pille und Psychopharmaka. Die Medizinerin Lisa-Maria Wallwiener hat in ihrer Dissertation die Häufigkeit sexueller Funktionsstörungen bei über tausend deutschen Studentinnen im Zusammenhang mit oralen Verhütungsmitteln untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, dass knapp ein Drittel der untersuchten Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten, einem hohen Risiko ausgesetzt sind, unter einer solchen Störung zu leiden. Wallwieners Arbeit ist aktuell die einzige aussagekräftige Studie zur Wechselbeziehung von Pille und sexueller Dysfunktion. In Deutschland verhüten nach wie vor 53 Prozent aller Frauen mit der Pille. In Österreich sind es laut österreichischem Verhütungsreport 2015 immerhin 38 Prozent, bei den unter Dreißigjährigen 53 Prozent.
Doch nicht nur hormonelle Verhütung birgt das Risiko einer Störung der Libido. Frauen werden doppelt so häufig wie Männer mit Antidepressiva behandelt. Beide Präparate bringen den Hormonhaushalt nachhaltig durcheinander. Zwar schützt die Pille bekanntlich vor ungewollten Schwangerschaften und die Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRIs) hellen die Stimmung bei Depressionen auf. Doch kann es ein fairer Deal sein, dafür auf das Lustempfinden zu verzichten und somit auch ein gewisses Maß an Lebensqualität einbüßen zu müssen? Eine individuelle Entscheidung, klar. Sie sollte aber auch fundiert getroffen werden können, indem die Nebenwirkungen gegenüber Patient*innen hinlänglich thematisiert werden. Das scheint weder bei der Pille noch bei Psychopharmaka ausreichend zu passieren.

Sind Hemmungen ein Problem? Ja. Über Sex, vor allem aber über Probleme beim Sex zu sprechen, scheint zwischen Patient*innen und Ärzt*innen ein Tabu zu sein. Bei der Therapie mit Psychopharmaka steht die Behandlung der Krankheit im Vordergrund, sodass sich potenzielle negative Auswirkungen auf die Libido wohl nicht sofort als relevantes Thema aufdrängen. Wegweisende Studien der Universität Salamanca empfehlen jedoch dringend, sie zum Thema zu machen, da, so die Autor_innen, die Häufigkeit von sexuellen Funktionsstörungen bei der Therapie mit SSRIs unterschätzt wird. Sechzig Prozent der in der Studie befragten, mit Antidepressiva behandelten Patient*innen geben an, unter solchen Störungen zu leiden. Doch nicht nur das. Die Untersuchung besagt auch, dass Frauen weitaus schwerwiegender unter diesen Störungen leiden als Männer. Gendermedizin also.
Eine aktuelle Untersuchung, die sich speziell mit sexuellen Funktionsstörungen von Frauen beschäftigt, die mit Psychopharmaka behandelt werden, kommt von der Universität British Columbia. Sie zeigt, dass psychische Erkrankungen bei Frauen der größte Risikofaktor für besagte Dysfunktionen sind. Die fehlende Lust auf Sex sei untrennbar mit Depressionen und Angststörungen verbunden. Eine psychische Erkrankung bedeute allerdings nicht notwendigerweise, dass Sex für die betroffenen Patientinnen weniger wichtig wäre. Es ist, wie die Autorinnen kritisieren, ein Forschungsfeld, das kaum geschlechtsspezifisch bearbeitet wird. Dementsprechend reichen die sehr wohl relevanten Erkenntnisse kaum über einen Kreis von spezialisierten Wissenschaftler*innen hinaus. Sexuelle Dysfunktion bei Frauen bleibt weitgehend unsichtbar. Sie wird hingenommen, sogar als naturgegeben betrachtet.

 

© Irene C. Jahn - Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.
© Irene C. Jahn – Irene C. Jahn ist freie Fotografin aus Wien. Sie lebt derzeit in Den Haag.

 

Wundermittel Pille. Die Anti-Baby-Pille wird schon jungen Mädchen ohne große Aufklärung verschrieben. Über das erhöhte Thromboserisiko gehen die Gespräche zu den Nebenwirkungen selten hinaus. Außerdem hilft sie gegen Akne. Ein Wundermittel! Heranwachsenden Mädchen, die gerade erst sexuell aktiv geworden sind oder planen, es zu werden, wird so ohne Weiteres ein Medikament verschrieben, über das sie vorrangig wissen, dass sie damit nicht schwanger werden können und es bei Bedarf eine schöne Haut zaubert. Die fixe Verschreibung suggeriert zudem, wer in einer Beziehung für die Verhütung zuständig zu sein hat. Was die Pille mit Körper und Persönlichkeit machen kann, wissen die jungen Frauen nicht. Oft wissen sie das auch nach zwanzig Jahren der Einnahme nicht, schließlich haben sie damit angefangen, als ihnen noch nicht bewusst war, was sie beim Sex gut finden und was nicht.
Zu viele Frauen wachsen so in dem Irrglauben auf, dass (Hetero-)Sex für sie nun einmal so zu sein hat: dumpf und überbewertet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie bereits in der Pubertät eine gestörte Beziehung zu ihrer Sexualität entwickeln. Es kann Jahre und Jahrzehnte dauern, bis sie die Ursache für ihre Unlust in ihrer Verhütungsmethode überhaupt erst zu suchen beginnen. Das liegt auch daran, dass Frauen durch ihre Sozialisation, durch die unrealistischen Körperbilder, mit denen sie stets konfrontiert sind, meinen, „Fehler“ bei sich selbst suchen zu müssen. Außerdem lernen sie, dass es nicht ihre Befriedigung ist, die im Vordergrund stehen soll, sondern jene des Mannes. Die weibliche Lust muss zur Aufrechterhaltung der patriarchalen Ordnung kleingehalten werden.

Patriarchale Losung. Die sexuell autonome Frau feministischer Bewegungen war und ist ein Schreckgespenst. Sicher wurde die Anti-Baby-Pille im Kontext der sexuellen Revolution der 1960er-Jahre als feministischer Durchbruch gefeiert. Frauen konnten plötzlich über ihre Reproduktionsfähigkeit entscheiden. Sie tun dies selbstverständlich bis heute. Doch kann dieses Argument über fünfzig Jahre später nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein. Mit der Pille nimmt die Frau dem Mann schließlich auch eine lästige Verantwortung ab. Er kann so seinen Samen ohne die Konsequenz einer Schwangerschaft streuen. Sein Vergnügen wird maximiert, das der Frau minimiert. Im Alltag bleibt diese Ungleichverteilung oft von Frauen wie Männern unbemerkt. Schließlich wurden auch Letztere im Patriarchat sozialisiert. Auch sie müssen sich bewusst von der Vorstellung lösen, dass das (sexuelle) Machtgefüge zwischen Männern und Frauen so zu sein hat, wie es ihnen die Gesellschaft beigebracht hat.
Wie die Pharmaindustrie ist auch die Medizin immer noch viel zu männlich. Die junge Disziplin der Gendermedizin blüht in Nischen, ihre Erkenntnisse reichen strukturell bedingt jedoch kaum an die Mainstream-Oberfläche. Die Leidtragenden sind mehrheitlich Frauen. Es bedarf weiter feministischer Aufklärung. Wie immer.

 

Nicole Schöndorfer ist freie Journalistin in Wien. Über ihre Erfahrungen mit der Pille hat sie einen Blog geschrieben: www.therealnicoleschoen.com/ein-jahr-ohne

 

 

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Das letzte soziale Netz https://ansch.4lima.de/das-letzte-soziale-netz/ https://ansch.4lima.de/das-letzte-soziale-netz/#comments Fri, 29 Jun 2018 13:07:54 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9848 Die Armutskonferenz (Wien); Photographie: Lukas Beck; Illustration: Esther pruckner; Grafikdesign: Charly KrimmelDie Kürzung der Mindestsicherung trifft besonders Kinder und Alleinerziehende. Von GABI HORAK]]> Die Armutskonferenz (Wien); Photographie: Lukas Beck; Illustration: Esther pruckner; Grafikdesign: Charly Krimmel

Die geplante Neuregelung der Mindestsicherung wird die Zahl der Armutsbetroffenen weiter erhöhen. Die VerliererInnen des Angriffs auf den Sozialstaat sind vor allem Kinder – und einmal mehr Alleinerziehende. Von GABI HORAK

 

Wirtschaftlich steht Österreich ziemlich gut da. Und dafür gibt es einen wesentlichen Faktor, der die sogenannte Standortqualität erhöht und die Wirtschaft auch in unsicheren Zeiten stabilisiert. Dieser Faktor bringt große Unternehmen dazu, sich hier anzusiedeln. Er stabilisiert die Gesellschaft und steigert die Kaufkraft der Menschen. Es ist der Faktor Sozialstaat. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) belegt in einer aktuellen Studie, dass soziale Sicherungssysteme eine große Bedeutung haben für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Empirisch gesehen zeigen Länder mit hohen Abgabequoten und Sozialstandards auch höhere Wettbewerbsfähigkeit. Und je geringer die Einkommensungleichheiten, umso höher das Wirtschaftswachstum. Neu ist dieser Zusammenhang nicht, nur durch eine aktuelle Studie einmal mehr bewiesen. Dass die österreichische Regierung das ignoriert – und ganz im Gegenteil den Sozialstaat vor unseren Augen demontiert –, lässt sich vernünftig kaum erklären. Es regiert der Rechtspopulismus.

Neue Regeln der Mindestsicherung. Ende Mai präsentierte die türkis-blaue Regierung die geplante Neuregelung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung – eine Durchlöcherung des letzten sozialen Netzes. Kommuniziert wird das den WählerInnen als Maßnahme gegen „Zuwanderung in das österreichische Sozialsystem“ und ruft damit rassistische Ressentiments auf. Die gezielte Schlechterstellung von Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ist an sich ein Skandal. Im Falle der Mindestsicherung ist es aber noch dazu eine Täuschung. Denn die großen VerliererInnen der neuen Regelungen sind Kinder, Alleinerzieherinnen und Familien generell.
Rund 300.000 Menschen beziehen Mindestsicherung. Anspruch haben jene, die sonst nicht genug Einkommen zum Leben haben. Viele sind „AufstockerInnen“, ihr geringes Einkommen aus Arbeit wird also aufgestockt auf Mindestsicherungsniveau. In Wien ist das sogar die größte Gruppe. Voraussetzungen für die Mindestsicherung sind außerdem: Das Vermögen muss bis auf rund 4000 Euro aufgebraucht sein und es muss nachweislich die Bereitschaft zu arbeiten bestehen (ausgenommen etwa PensionistInnen und Mütter von Kindern unter drei Jahren). Bisher waren EU-BürgerInnen, anerkannte Flüchtlinge und subsidär Schutzberechtigte sofort anspruchsberechtigt; Drittstaatsangehörige, wenn sie länger als fünf Jahre in Österreich lebten. Das wird sich ändern. Die fünfjährige Wartefrist soll auch für EU-BürgerInnen gelten und subsidär Schutzberechtigte fallen ganz heraus. Außerdem gibt es neue Anspruchsvoraussetzungen: ein österreichischer Pfl ichtschulabschluss, Deutsch-Sprachniveau B2 oder Englisch-Sprachlevel C1. Wird dies nicht nachgewiesen, reduziert sich die Mindestsicherung um 300 Euro.
863 Euro – davon soll eine alleinstehende Person künftig ein Monat lang leben. Das ist der österreichweite „Maximalwert“. Die Bundesländer können auch weniger auszahlen oder stattdessen Sachleistungen festlegen. Der Staat sagt also „Mindestsicherung“, sorgt aber dann nicht dafür, dass es auch das Mindeste für alle Menschen im Land gibt, sondern definiert im Gegenteil einen Maximalwert, der auch unterschritten werden kann.
Mit jedem Kind erhöht sich die Mindestsicherung, allerdings degressiv gestaffelt: Für das erste Kind gibt es 25 Prozent Zuschlag (216 Euro), für das zweite 15 Prozent (129 Euro) und ab dem dritten fünf Prozent (43 Euro). Die Kinder-Leistungen sind in den Bundesländern derzeit unterschiedlich geregelt. In Wien etwa bekommt bisher jedes Kind im Rahmen der Mindestsicherung 233 Euro. Das darf in Zukunft nicht mehr sein. Alleinerziehende erhalten im neuen Modell zur Abfederung zusätzlich fürs erste Kind hundert Euro, fürs zweite 75 Euro, fürs dritte fünfzig Euro und ab dem vierten jeweils 25 Euro – alles „maximal“. Können Menschen den geforderten Schulabschluss oder das Deutsch-Niveau nicht nachweisen, gibt es nur 563 Euro. Und auch die prozentuellen Kinderzuschläge fallen entsprechend geringer aus.

 

WIR GEMEINSAM ist der Slogan einer aktuellen Kampagne der Armutskonferenz, in der über vierzig NGOs vernetzt sind. Die bereits seit Jahren spürbaren Erschütterungen im System Sozialstaat haben die Armutskonferenz dazu veranlasst, mit einer allgemeinen Kampagne genau diesem Sozialabbau entgegenzutreten – auf einer sehr emotionalen Ebene, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Alle Infos auf: www.wir-gemeinsam.at
WIR GEMEINSAM ist der Slogan einer aktuellen Kampagne der Armutskonferenz, in der über vierzig NGOs vernetzt sind. Die bereits seit Jahren spürbaren Erschütterungen im System Sozialstaat haben die Armutskonferenz dazu veranlasst, mit einer allgemeinen Kampagne genau diesem Sozialabbau entgegenzutreten – auf einer sehr emotionalen Ebene, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Alle Infos auf: www.wir-gemeinsam.at

 

Familien in der Armutsfalle. Welche Auswirkungen wird das haben? „Zwei Drittel der Alleinerziehenden-Familien in Mindestsicherung werden noch tiefer in die Armut gedrängt“, sagt Evelyn Martin, stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende (ÖPA). Am schlimmsten werden die Kürzungen für alle Familien mit drei oder mehr Kindern: Sie verlieren mindestens 300 Euro im Monat, ab fünf Kindern schon über 700 Euro. Wenn der bisher zusätzlich ausbezahlte Wohnkostenbeitrag künftig in die Mindestsicherung inkludiert ist, verlieren Alleinerziehenden-Familien in Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Wien schon ab dem ersten Kind. Diesen Berechnungen der ÖPA widerspricht die Regierung und behauptet weiterhin, dass Alleinerziehende GewinnerInnen des neuen Modells seien. Doch auch die Stadt Wien hat nachgerechnet und die von der Regierung in Umlauf gebrachten Zahlenbeispiele als falsch bezeichnet. Der Wiener Sozialstadtrat Peter Hacker warnt vor den Folgen der Kürzungen: „Wenn Leute nicht wissen, wie sie ihr Leben bestreiten sollen, riskiert man, dass die Kriminalität steigt.“ Obdachloseneinrichtungen rechnen bereits mit einem massiven Anstieg der Nachfrage. „Die Regierung macht gezielt Stimmung gegen MigrantInnen, um Sozialabbau zu legitimieren. Das hat fatale Folgen für Armutsbetroffene, für die Entwicklungschancen von Kindern und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt“, sagte Sonja Ablinger, bis vor Kurzem Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.
Die Neuregelung der Mindestsicherung ist nur die jüngste einer Reihe von Maßnahmen der Bundesregierung, mit denen eine soziale Stütze nach der anderen angesägt wird. Was geht hier verloren? Wer profitiert vom Sozialstaat? Die Antwort ist ganz klar: alle. Wir alle zahlen Steuern: auf Lohn und weniger auf Vermögen, aber auch – und das zahlen wirklich alle – auf Güter und Dienstleistungen. Dafür bekommen wir auch alle etwas, nämlich Dinge, die unseren Lebensstandard erhöhen: Straßen, Schulen, Krankenhäuser, geförderte Mietwohnungen, Arbeitslosen- und Pensionsversicherung. Durch sozialstaatliche Leistungen sinkt die Anzahl der armutsgefährdeten Personen stark. Gäbe es nur das Einkommen aus Arbeit, wären doppelt so viele Menschen von Armut bedroht. Alle jüngeren Wirtschaftsstudien zeigen: Länder mit hohen Sozialstandards stehen insgesamt besser da. Österreich wird in diesen Rankings abrutschen, oder menschlicher ausgedrückt: Die Zahl der Kinder, die in Armut aufwachsen, wird steigen. Und das wird ihre Chancen auf Teilhabe langfristig zerstören.

 

 

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an.sage: Monat des Stolzes? https://ansch.4lima.de/an-sage-monat-des-stolzes/ https://ansch.4lima.de/an-sage-monat-des-stolzes/#respond Fri, 29 Jun 2018 12:57:03 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=9846 Pride zwischen Kommerz und Konsum. Von ULLI KOCH]]>

Ein Kommentar von ULLI KOCH

 

Einerseits freue ich mich ja, wenn im Juni in Wien die Straßenbahnen mit Regenbogenfahnen geschmückt sind. Der Pride-Monat hat begonnen. Die Stadt macht Lebensrealitäten sichtbar, die sonst nur durch fragwürdige Ampelpärchen repräsentiert werden. Ich habe das Gefühl, plötzlich in meiner Lebensrealität ein Stückchen mehr wahrgenommen zu werden. Andererseits ärgere ich mich, wenn im Juni in Wien die Straßenbahnen mit Regenbogenfahnen bestückt sind. Warum sind sie nicht das ganze Jahr dort? Warum können nicht auch in den restlichen elf Monaten überall Regenbogenfahnen hängen?
Einerseits freue ich mich, dass in diesem Monat so viel Awareness-Arbeit geleistet wird und ich die Möglichkeit habe, Workshops und Führungen zu besuchen, die mir die Geschichte_n von Lesben und Schwulen näherbringen. Die mich über so wichtige Themen wie Gesundheit und Berufsleben als schwule, lesbische oder bisexuelle Person informieren. Andererseits ärgere ich mich, dass sie nur in diesem Monat stattfinden und ich nur in diesem Monat aus einer durchaus breiten Angebotspalette wählen kann, aus der ich Empowerment und Argumente für meine alltägliche Lebensrealität und jene, für die ich gerne Ally sein möchte, gewinnen kann.
Einerseits freue ich mich ja, dass am Rathausplatz in Wien ein Pride Village aufgebaut ist. Ein Ort im Freien, an dem ich Menschen treffen, mich informieren und Menschen auf der Bühne lauschen kann, die für mich mehr oder weniger relevante Sachen zu sagen haben. Andererseits ärgere ich mich, dass es am Rathausplatz in Wien ein Pride Village gibt. Einen Ort des Konsums, an dem ich mich durch eine saufende Masse schieben muss, inhaltsleere Parteiwerbung in die Hand gedrückt bekomme und die Menschen auf der Bühne wegen des Trubels akustisch nicht verstehe. Mit Workshops und Diskussionen, deren Zeit zu knapp bemessen ist und die es nicht ermöglichen, in die Tiefe zu gehen und Verbündete für politische Aktionen zu finden.

 

 

Einerseits freue ich mich ja, dass in diesem Pride Village seit 2017 ein Frauen*Lesben*Feminist*innen-Zelt eingerichtet ist. Hier kann ich mich mit interessanten Frauen* vernetzen, mich über ihre Arbeit informieren und so etwas wie einen Safer Space genießen. Auch freue ich mich, die an.schläge dort zu vertreten und Menschen unsere Arbeit näherzubringen. Andererseits frage ich mich, warum es in diesem Pride Village erst seit 2017 ein Frauen*Lesben*Feminist*innen-Zelt gibt. Hier muss ich mich mit interessanten Frauen* in ein kleines Zelt quetschen, um zu versuchen, so etwas wie gesellschaftspolitische Diskussionen anzuzetteln und einen Safer Space für jene zu generieren, die sich von der Konsumwelt draußen genauso wenig angesprochen fühlen wie ich. Um zu diskutieren, warum Trans*, Inter* und Non Binary mal wieder nicht so präsent vertreten sind. Und warum findet überhaupt nur in diesem Zelt ein so breites, gesellschaftspolitisches Diskussionsangebot statt?
Einerseits freue ich mich ja, dass ich jedes Jahr an der Regenbogenparade teilnehmen kann. Ich erlebe hier Momente der Solidarität, des Feierns, der Freude, des Austauschs und der ganz großen Sichtbarkeit. Ich sehe Menschen, die teilweise zum ersten Mal an so einer Parade teilnehmen können, und welche Gefühle das in ihnen auslöst. Andererseits ärgere ich mich, dass ich jedes Jahr wieder zur Regenbogenparade gehe. Ich erlebe hier Momente des Konsumterrors, der Ausgrenzung, des Feierns während der Schweigeminute und des ganz großen Angeglotztwerdens. Ich sehe Menschen, die den politischen Hintergrund dieser Parade scheinbar vergessen haben.
Einerseits freue ich mich, dass jedes Jahr im Juni der Pride-Monat gefeiert wird. Andererseits müssen wir an dessen politischer Ausrichtung jedes Jahr aufs Neue arbeiten. Vor allem angesichts dessen, dass genau in diesem Monat auch die Männerfußball-WM in zwei Ländern über die Bühne geht, in denen Privilegien wie Fahnen, Workshops, Bühnen, Zelte und Paraden mit LGBTI-Kontext schlichtweg lebensgefährlich sind.

 

 

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