2 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de Sun, 09 Aug 2020 12:58:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 https://ansch.4lima.de/wp-content/uploads/2024/10/cropped-favicon-32x32.png 2 / 2017 – an.schläge – Das feministische Magazin https://ansch.4lima.de 32 32 2017-02 https://ansch.4lima.de/inhalt/2017-02/ Thu, 02 Jan 2020 22:54:50 +0000 https://anschlaege.at/?post_type=inhaltsverzeichnis&p=16953 ]]> ]]> Diese Wirtschaft tötet https://ansch.4lima.de/diese-wirtschaft-toetet/ https://ansch.4lima.de/diese-wirtschaft-toetet/#respond Sat, 18 Mar 2017 02:16:26 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8462 Interview: Unsere Finanz- und Wirtschaftsordnung ist frauenfeindlich und zerstörerisch, sagt ELISABETH KLATZER. Von DENISE BEER]]>

Unsere Finanz- und Wirtschaftsordnung ist nicht nur frauenfeindlich, sie ist zerstörerisch. ELISABETH KLATZER, Vorstandsmitglied von Attac, erklärt DENISE BEER, warum eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik nicht nur Ungleichheit beenden, sondern sogar den Aufstieg der Rechten stoppen könnte.

 

an.schläge: Frauen besitzen nur ein Prozent des weltweiten Reichtums. Doch es wird behauptet, die Finanzkrise habe zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beim Einkommen und Vermögen beigetragen, da Männer deutlich mehr verloren hätten (bzw. zu verlieren hatten). Stimmt das? Und sind Finanzkrisen generell etwas Männliches?

Elisabeth Klatzer: Die Finanzkrise war und ist männlich vor allem in dem Sinne, dass sie von Männern verursacht wurde. Immer wiederkehrende Finanzkrisen sind ein fester Bestandteil des finanzgetriebenen Kapitalismus, der eng verwoben ist mit unserem patriarchalen Herrschaftssystem. Ganz besonders deutlich wird das am Beispiel der „Finanzmärkte“: Hier ist ein System entstanden, das mittlerweile eine große Bedrohung für unsere Gesellschaften darstellt. Männer waren zwar in der ersten Zeit nach der großen Finanzkrise verstärkt vom Verlust von Arbeitsplätzen betroffen. Ihnen wurde aber durch verschiedene politische Maßnahmen wie geförderte Kurzarbeit und Investitionsprogramme relativ rasch geholfen. Die längerfristigen Effekte hingegen gingen verstärkt zulasten von Frauen. Es gab viele Kürzungsmaßnahmen des Staates in Bereichen, wo besonders viele Frauen beschäftigt sind, wie Soziales, Bildung und Gesundheit. Außerdem wurde Frauen gesellschaftlich oft die Rolle als „Air Bags“ der Krise zugeteilt: Sie müssen sozialstaatliche Kürzungen im privaten Bereich, vor allem durch unbezahlte Arbeit, auffangen und ausgleichen.

Welche Auswirkungen hat das auf unser demokratisches System?

Das Finanzsystem hebelt unsere demokratischen Errungenschaften aus: Einerseits über die Effekte der zunehmenden Verschuldung der Staaten und deren Abhängigkeit von der Finanzierung durch Finanzmärkte – übrigens eine der zentralen Fehlentwicklungen unseres Systems. Damit werden Regierungen erpressbar und demokratische Entscheidungen ausgehöhlt. Aber anstatt das System infrage zu stellen und politische Maßnahmen zur Eindämmung der Finanzmärkte zu setzen, wird uns erzählt, dass wir über unsere Verhältnisse gelebt haben und drastische „Sparmaßnahmen“ nötig sind.
Andererseits kann über den Mechanismus der Rating Agenturen unliebsame Regierungspolitik sanktioniert werden, indem sie das Rating herabsetzen – dabei sind das private Unternehmen! Auch diese Entdemokratisierung hat eine starke geschlechterpolitische Dimension: Während Frauen sich endlich ein wenig Einfluss in Parlamenten und Regierungen errungen haben, entschwindet deren Macht zugunsten des Finanzsystems und transnationaler Konzerne, die fest in Männerhand sind.

 

Material Grrrls: Die Geld-Playlist der an.schläge Redaktion
Material Grrrls: Die Geld-Playlist der an.schläge Redaktion

 

Wie könnte der Reichtum gerechter verteilt werden? Sollte der freie Kapitalverkehr abgeschafft werden?

Es ist ganz wesentlich, nicht nur darauf zu schauen, wie die aberwitzig hohen Profite des Finanzsektors und der Konzerne verteilt werden, sondern das System an und für sich zu ändern. Die Einschränkung des freien Kapitalverkehrs gehört dazu. Nur so wäre progressive Politik möglich. Aber auch die Schließung der Steuersümpfe ist ein wesentliches Element, um mehr Gerechtigkeit bei der Finanzierung des öffentlichen Sektors zu erlangen. Die Spekulation muss eingedämmt werden, eine Besteuerung aller Finanztransaktionen wäre ein erster Schritt. Während die EU bei der Kürzung öffentlicher Haushalte rasch für ganz Europa strikte Regeln eingeführt hat, wird die Finanztransaktionssteuer von Jahr zu Jahr verschoben. Und ein weiterer Punkt: Wenn schon jemand spekulieren will, dann nur mit dem eigenen Geld. Und es ist ein Armutszeichen unseres Systems sondergleichen, dass Vermögens- und Kapitaleinkommenssteuern nicht schon lange umgesetzt sind.

Ist es eine grundsätzliche Forderung der feministischen Ökonomie, dass das derzeitige Finanzsystem umgebaut wird?

Ein wesentlicher Ausgangspunkt der Feministischen Ökonomie liegt darin, Wirtschaft ganz anders zu sehen. Im Mittelpunkt steht das, was in der traditionellen Ökonomie im Dunkeln liegt: nämlich, dass ein zentraler Pfeiler jeglichen Wirtschaftens die „Produktion“ von Leben ist. Jeder Mensch ist von Sorgearbeit und Pflege abhängig, besonders während der Kindheit, im Alter und während einer Krankheit. Diese Arbeit wird großteils von Frauen, unbezahlt oder unterbezahlt, geleistet. Sie muss sichtbar gemacht und aufgewertet, umverteilt und ins Zentrum wirtschaftlichen Handelns gestellt werden. Daraus ergibt sich logischerweise, dass dies nicht mit dem derzeitigen, ausbeuterischen und zerstörerischen Finanz- und Wirtschaftssystem vereinbar ist. Wir müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass diese Wirtschaft buchstäblich tötet, dass sie Natur und Menschen ausbeutet und zerstört. Und all das, um die Profite und den Reichtum von einigen wenigen ins Unermessliche zu steigern.

Wie könnten wir das Finanz- und Wirtschaftssystem verändern?

Wir müssen an vielen Ecken anfangen, um ein Wirtschaftssystem zu bauen, in dem das „gute Leben für alle“ im Zentrum steht. Ein wesentlicher Ankerpunkt ist es, die Herrschaftliche Arbeitsteilung grundlegend zu verändern. Frigga Haug schlägt ein Leben im 4/4-Takt vor: Alle Menschen widmen sich den vier zentralen Bereichen gleichermaßen – Erwerbsarbeit, Sorge um das Leben, Muße und Arbeit an der eigenen Entwicklung sowie politischen Tätigkeiten. Das beinhaltet das Potenzial, die gegenwärtige Unterordnung von Frauen und die Abwertung ihrer Tätigkeiten aufzulösen. Und wirkt emanzipatorisch für alle.
Außerdem sollte das Finanzsystem nicht gewinnorientiert, sondern gemeinwohlorientiert arbeiten. Das Finanzkasino muss geschlossen werden. Die wesentlichen gesellschaftlichen Bereiche werden außerhalb von Finanzmärkten organisiert, so zum Beispiel auch die Finanzierung des öffentlichen Sektors. Und auch die Geldpolitik sowie Zentralbanken als zentrale Akteure des Finanzsektors werden demokratisch kontrolliert und unterliegen dem Ziel des guten Lebens für alle.
Ein Problem ist auch, dass „die Öffentlichkeit“ allzu vergesslich ist. Die Auswirkungen der großen Finanzkrise sind noch allgegenwärtig, verschlimmert durch die falschen wirtschaftspolitischen Rezepte. Aber die Krisenverursacher sitzen fester im Sattel als zuvor. Die Finanzindustrie und die Politik sind eng verbandelt: Nicht nur in den USA sind jetzt Finanzmanager an den Hebeln der Macht, auch innerhalb der EU.
Mehr denn je müssen wir Widerstand leisten und für emanzipatorische Alternativen kämpfen! Die weltweiten Aktionstage #TaxJustice for Women’s Rights sind ein aktuelles Beispiel.

 

 

Ein Bereich der Finanzwelt, in dem vermehrt über Geschlecht diskutiert wird, ist der Bereich der Mikrokredite. Diese werden bevorzugt an Frauen vergeben. Welche Auswirkungen hat das?

Mikrokredite wurden lange Zeit als Auswege aus der Armut gehypt. Besonders jene an Frauen werden als das „Wundermittel“ zum „Empowerment“ von Frauen gepriesen. Ein genauerer Blick zeigt allerdings, dass Mikrokredite ein Instrument sind, um Frauen in die neoliberale Wirtschaft einzubinden und ein gutes Geschäft auf Kosten der Ärmsten zu machen – denn die Kredite werden regelmäßig zu schlechten Bedingungen, vor allem sehr hohen Zinsen vergeben. Oft geht damit einher, dass ein ärmliches Stück Land aufgegeben wird, das zumindest schlecht und recht die Ernährung sicherte. Die Frauen wechseln nun in den Dienstleistungssektor, zu schlechtesten Bedingungen und mit noch größerer Abhängigkeit. Die Schuldenfalle lauert. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass angesichts bestehender patriarchaler Strukturen Ungleichheiten durch Mikrokredite noch vergrößert werden können. Männer nutzen das Geld der Frauen oder zahlen nicht mehr ihren Beitrag, beispielweise für das Schulgeld der Kinder. Eine profitable Beruhigungspille – was will der neoliberale Kapitalismus mehr?

Neoliberale Wirtschaftspolitik wird auch immer wieder mit dem Aufstieg der (extremen) Rechten und dem Erstarken reaktionärer Frauenbilder verknüpft.

Ja, wir sehen deutlich, dass diese neoliberale Wirtschaftspolitik im Interesse der Konzerne und Finanzwirtschaft die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Parallelen zu den 1930er-Jahren sind erschreckend. Reiche werden immer reicher und der Rest der Gesellschaft hat mit immer größeren Problemen zu kämpfen. Diese Situation nutzen rechte und rechtsextreme Parteien, um Feindbilder aufzubauen. Gefühle der Unsicherheit und Angst vor der Zukunft werden bewusst geschürt. Gleichstellungspolitik wird gezielt delegitimiert, denken wir nur an den Begriff „Genderwahn“. Wir wissen, dass Männer viel anfälliger als Frauen für die rechte Propaganda sind. Der wirtschaftspolitische Kurs der FPÖ ist einer, der perfekt mit neoliberalen Konzepten zusammenpasst. Die Regierung unter Schwarz-Blau hat diesbezüglich gut harmoniert. Eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik wäre ein ganz wichtiges Element im Kampf gegen den Rechtsruck. Solidarische Wirtschaftspolitik, die auf die Verbesserung des Lebens aller ausgerichtet ist, würde den Rechten den Wind aus den Segeln nehmen.

 

 

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Feminist Superheroines: Florence Ellinwood Allen https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-florence-ellinwood-allen/ https://ansch.4lima.de/feminist-superheroines-florence-ellinwood-allen/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:56:58 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8472 Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.comDie erste US-amerikanische Frau in einem Richterinnenamt des Obersten Gerichtshofs. Von VANJA NIKOLIĆ]]> Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.com

Florence Ellinwood Allen (23.3.1884 – 12.9.1966) war eine US-amerikanische Richterin. Schon als Mädchen nahm ihre Mutter die junge Allen zu Treffen mit prominenten Suffragetten mit, später setzte sich Allen für eine rechtliche Gleichstellung von Frauen ein und wurde selbst ein Mitglied der Bewegung. Als Anwältin musste sie zunächst hart um Anerkennung kämpfen, doch das steigerte ihre politische Entschlossenheit nur und sie verfolgte ihre Karriere bis zum Supreme Court: 1934 wurde sie als erste Frau in ein Richterinnenamt des Obersten Gerichtshofs berufen.
Dank ihres Einsatzes erhielten Frauen in East Cleveland erstmals das Stimmrecht bei Kommunalwahlen. Sie engagierte sich auch als Mentorin für viele junge Frauen und ermutigte sie dazu, Anwältinnen zu werden. Allen war nicht nur Feministin, sie war auch überzeugte Pazifistin.

 

Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.com
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Potentes Geld & Goldkinder https://ansch.4lima.de/potentes-geld-goldkinder/ https://ansch.4lima.de/potentes-geld-goldkinder/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:42:20 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8460 Frauen sind symbolisch wie realpolitisch arme Schlucker. Von LEA SUSEMICHEL]]>

Frauen haben nicht nur real viel weniger Geld als Männer, auch auf der symbolischen Ebene ist ihr Anteil am Goldtopf deutlich glanzloser. Von LEA SUSEMICHEL

 

Ausgerechnet auf das Cover ihrer mexikanischen Ausgabe setzte die Zeitschrift „Vanity Fair“ Ende Januar die frischgebackene First Lady Melania Trump. Doch nicht alleine die Person, vor allem ihre Pose sorgte in Mexiko für Empörung. Melania Trump ist auf dem Titelblatt vor einer kleinen Schale gefüllt mit Schmuck sitzend zu sehen. In ihrer Hand hält sie eine Gabel, auf der sie Ketten wie dicke Spaghetti aufrollt. Das Bild könnte die Persiflage einer zeitgenössischen Marie Antoinette sein: „Wenn die Armen kein Brot haben, dann sollen sie doch ihren Familienschmuck essen!“
Doch das Titelbild repräsentiert nicht alleine die abstoßende Dekadenz der Superreichen, die in den USA ihre oberschichts- und finanzmarktfreundliche Politik machen dürfen. Das Motiv erinnert zugleich an den Mythos von Midas, der die Gabe besaß, alles in Gold zu verwandeln, was er berührte. Weil dadurch jedoch unweigerlich auch seine Nahrung zu Gold wurde, drohte ihm der Hungertod.

Big Dealer. Auch Donald Trump rühmt sich stets, ein „Big Dealer“ zu sein, in dessen Händen alles zu Gold würde. Dennoch erinnert er eher an einen feisten Dagobert Duck als an einen hungrigen Midas. Weniger geschmacklos als das „Vanity-Fair“-Cover sind die Herrscherbilder des US-Präsidenten in seinem Goldturm allerdings nicht. Woran liegt es, dass solche obszönen Inszenierungen von Überfluss immer noch Teil der populären Bildpolitik der Reichen und Mächtigen sind, obgleich sie neben Faszination verlässlich auch moralische Abscheu hervorrufen? Woher rührt diese vulgäre Fetischisierung von Geld und Reichtum? Und was hat sie mit Geschlecht zu tun?
In den USA, wo der neoliberale Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Mythos immer noch ein wichtiger Teil des nationalen Narrativs ist, erklärt sich das zum Teil aus dem scheinbar unausrottbaren Glauben, dass Reichtum tatsächlich für unternehmerische Entschlossenheit, fleißigen Ehrgeiz und Erfolg stehen würde. Es ist die Gegenerzählung der seit Charles Dickens kulturell ebenso wirkmächtigen Figur des moralisch korrupten Kapitalisten, der seinen Reichtum nur der Ausbeutung der Armen verdankt. Doch in den USA hat sich diese Diskreditierung des Großkapitalisten nicht durchsetzen können: Dort adelt der Erfolg den Reichen und gibt ihm in den Augen vieler buchstäblich Recht.

Geld und Potenz. Die opulente Zurschaustellung von Reichtum ist vom Pharaonen bis zu Puff Daddy immer auch eine unverhohlene Machtdemonstration – und in aller Regel eine männliche. Denn sie symbolisiert männliche Potenz, weshalb auch Trumps überlanges Krawatten-Phallussymbol nicht zufällig in der Mitte seiner großkotzigen Bling-Bling-Shows prangt.
Das Wissen um den Zusammenhang von Macht, Potenz und Geld provoziert zwar die subversive Aneignung durch weibliche Stars wie Missy Elliott, die in Videoclips mit Geld um sich schmeißen und fette Autos fahren. Doch traditionell werden Frauen höchst selten mit dem Gestus des mächtigen Big Spenders inszeniert. Das hat einen handfesten Grund: Sie haben in aller Regel einfach nicht viel Geld.
Natürlich gibt es einzelne Milliardärinnen (und ihre Zahl steigt in den letzten Jahren sogar rasant an), dennoch lässt sich sowohl global wie auch auf nationaler Ebene sagen: Frauen haben im Durchschnitt viel weniger Einkommen und Vermögen als Männer und werden sogar beim Erben weiterhin übervorteilt (auch hierzulande). Lediglich ein Prozent des Weltkapitals gehört Frauen, obwohl sie weltweit zwei Drittel der Arbeit leisten. Die reichsten acht Menschen der Welt besitzen gemeinsam mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, und diese acht sind allesamt Männer.

 

 

Big Swinging Dick. Dieses realpolitische Verhältnis von Geld und Geschlecht spiegelt sich auch auf der symbolischen Ebene. Seit es Goldmünzen gibt, wird Geld mit dem männlichen Geschlechtsorgan assoziiert, schreibt die Kulturwissenschaftlerin Bettina Mathes (1). Ein beliebtes Motiv der Kunstgeschichte ist etwa Zeus, der Danae in Gestalt eines Goldregens befruchtet, der ihr in den Schoß fällt. Auch Georg Simmel beschreibt in seiner berühmten „Philosophie des Geldes“ dessen Energie als „besamende Kraft“. Diese Allegorie der Wirkmacht, der „Potenz“ von Geld spiegelt sich auch im Ehrentitel „Big Swinging Dick“, der besonders erfolgreichen Börsenbrokern verliehen wird.
Die Fruchtbarkeit des Geldes wird symbolisch also als rein männlich imaginiert und bildet eine wichtige Figur in den diversen Theorien des Geldes. Das kommt auch in den unterschiedlichen Metaphern vom Wachstum und der Blüte der (Geld-)Wirtschaft zum Ausdruck.
Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun zeigt in ihrer Studie „Der Preis des Geldes“, wie eng zudem die metaphorische Verknüpfung von Geld mit Flüssigkeit ist, insbesondere mit Blut und Wasser. Liquidität, „flüssig sein, liquide sein“ sind seit jeher häufig gebrauchte Vokabeln bei der Rede von Reichtum. Blut und Wasser sind als Symbole des Lebens ihrerseits wiederum eng verbunden mit der Fruchtbarkeitssymbolik.

Geld und Glaube. Diese Kopplung von Geld und Fruchtbarkeit rührt von Braun zufolge daher, dass Geld als letztlich künstliches und zunehmend immaterielles Gut Vertrauen und einen Glauben an seine Gültigkeit herstellen muss, der fast schon religiöse Züge hat. Er ist eine buchstäbliche „Beglaubigung“, um die Kreditabilität, also den Wert des Geldes zu sichern. „Ohne irgendeinen Glauben, dass der 100-Euro-Schein, den ich Ihnen rüberschiebe, Ihnen auch tatsächlich die Möglichkeit gibt, etwas damit zu erwerben“, gehe es nicht, sagt von Braun in einem Interview (2). Dieses Vertrauen wird nun über die vorgetäuschte Natürlichkeit der Währung erreicht, wodurch gerade die Tatsache verschleiert wird, dass Geld eben ganz und gar nichts Naturgegebenes ist.
Geld habe von Anfang an nicht mit einem tatsächlichen materiellen Wert, wie etwa dem Goldwert der Münze, korreliert, schreibt von Braun. Doch im Laufe der Zeit sei diese Anbindung immer loser geworden und analog zur Entwicklung vom Münz- zum Papiergeld, von Schuldscheinen zu den bloßen Ziffern der Aktienkurse, die heute auf dem Bildschirm erscheinen und wieder verschwinden, habe es sich immer mehr von jedem konkreten Gegenwert (wie etwa staatlichen Goldreserven) abgekoppelt. Geld hat dabei einen immer höheren Abstraktionsgrad erreicht. Der spekulative Finanzmarktkapitalismus heute fußt geradezu auf der völligen Ablösung des Geldes, das nunmehr zum großen Teil reines Kreditgeld ist, von realen Gegenwerten. Doch paradoxerweise wurde zugleich seine Wirkmacht über die Realität immer größer, seine Auswirkungen auf das reale Leben (und Sterben).

 

Material Grrrls: Die Geld-Playlist der an.schläge Redaktion
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Das Geld kriegt Junge. Die Fruchtbarkeit des Geldes verbürgt nicht nur seine vermeintliche Natürlichkeit, sondern bezieht sich auch auf das Zinsgeschäft, bei dem das Geld sprichwörtlich „Junge bekommt“. Während Aristoteles das Kreditgeschäft noch verurteilte und von „widernatürlichem Zins“ sprach, weil ihm nicht geheuer schien, dass sich etwas Unbelebtes vermehren könne, ist die Produktivkraft des „fruchtbaren“ Kapitals, das reichlich Rendite bringt, inzwischen die zentrale Figur des Finanzkapitalismus. Zugleich ist sie nicht nur auf der symbolischen Ebene eine rein männliche, denn auch in der Realität ist der Finanzsektor eine von Männern dominierte Szene. Der konkrete Deal und das Finanzgeschäft selbst jedoch werden symbolisch-semantisch wiederum als verführerische Frau entworfen und das Spekulationsgeschäft als erotische spannungsgeladene Umwerbung. Ist die „Verführung“ erfolgreich, entstehen daraus die „Sprösslinge“ des Geldes.

Körper und Kapital. Das Kapital würde in diesem Prozess geradezu vermenschlicht, konstatiert Christina von Braun, was sich in Formulierungen zeige, wonach falsch oder nicht investiertes Geld regelrecht „gemordet“ worden wäre. Im Umkehrschluss wären jedoch auch Menschen zum „Kapital“ gemacht worden. „Das moderne Geld, das keinen materiellen Gegenwert hat, wird durch den menschlichen Körper ‚gedeckt’.“
Von Braun führt diese Verbindung von lebendigem Körper und Geld auf den ursprünglichen Zusammenhang von Geld und Opfer zurück. Das Geld sei aus dem Opferbrauch entstanden, sagt sie, denn jedes Opfer stellt ein Tauschgeschäft dar – ich opfere etwas, dafür erbitte ich etwas anderes – und ist zugleich auch ein Stellvertretungsvorgang: Ein Tier ersetzt z. B. das ursprüngliche Menschenopfer. Diese beiden Elemente, nämlich Tausch und Stellvertretung, sind auch Grundcharakteristika des Geldgeschäftes.
Das wertvollste Opfer war traditionell das Stieropfer, und das erste staatliche Zahlungsmittel war Opferfleisch, was sich auch etymologisch niedergeschlagen hat: „Gelt“ heißt „Opfer“. Auch der britische Ausdruck für Börse „stock exchange“ verweist auf diesen Hintergrund, bedeutet er doch sowohl „Schlachtbank“ als auch „Viehhandel“. Der Bulle vor der Börse erinnert noch heute an diesen Bedeutungshorizont. Laut von Braun hat die allmähliche Ersetzung des realen Tieropfers durch symbolische Gegenstände wie Opferfiguren der Entwicklung des Geldes den Weg bereitet.
Auch der Ethnologe David Graeber hat mit seiner aufsehenerregenden Studie über Schulden (3) zu zeigen versucht, dass nahezu alle Theorien des Geldes falsch sind, die seit Adam Smith davon ausgegangen waren, dass das Geld irgendwann einfach den Tauschhandel ersetzt hat, weil man zur Vereinfachung der Transaktionen eine Währung eingeführt hätte. Statt solcher Tauschökonomien (die laut Graeber in der Regel nur zwischen Fremden, aber nicht innerhalb bestehender Gemeinschaften existiert hätten) habe es früher ein komplexes System von Krediten und Schulden gegeben, das sich vor allem in Form von Geschenken und Gefälligkeiten vollzog und keineswegs immer direkte Gegenleistungen verlangte.

Monetäres Regime. Der Übergang von der Subsistenz- zur Geldwirtschaft war laut Silvia Federici zugleich eine ganz entscheidende Zäsur in der Geschichte der Unterdrückung von Frauen. Sobald „monetäre Beziehungen das Wirtschaftsleben zu dominieren begannen“, schreibt die politische Philosophin, sei es für Frauen ungleich viel schwerer als für Männer gewesen, ihren Unterhalt eigenständig zu bestreiten. Zunächst hatte es eine Einheit von Reproduktion und Produktion gegeben, die am Eigenbedarf orientiert war. Doch „unter dem neuen monetären Regime galt nur die Produktion für den Markt als wertschöpfende Tätigkeit. (…) Die wirtschaftliche Bedeutung der im Haushalt geleisteten Reproduktion der Arbeitskraft wurde jedoch (…) unsichtbar gemacht und als natürliche Berufung oder Frauenarbeit mystifiziert. Hinzu kam, dass Frauen von vielen entlohnten Tätigkeiten ausgeschlossen wurden. Wenn sie gegen Lohn arbeiteten, dann erhielten sie – im Vergleich zum durchschnittlichen männlichen Arbeiter – nur einen Hungerlohn.“ (4)

 

 

Unbezahlbar. Eine wichtige Aufgabe der feministischen Kapitalismus- und Ökonomiekritik ist es deshalb, zu zeigen, dass die weiterhin überwiegend von Frauen geleistete Reproduktionsarbeit und Care-Arbeit in essenzieller Weise der Wertschöpfung dient und damit die Basis gegenwärtiger kapitalistischer Ökonomien bildet. Doch diese buchstäblich als „unbezahlbar“ geltende Arbeit wird weiterhin oft als reiner Liebesdienst betrachtet. Die Hausarbeitsdebatte des marxistischen Feminismus, bei der für und wider eine Entlohnung dieser reproduktiven Tätigkeiten argumentiert wurde, setzt sich dementsprechend bis heute etwa in den spezifisch feministischen Debatten um ein bedingungsloses Grundeinkommen fort.
Dazugekommen ist für feministische Ökonominnen noch das weite Feld der Neoliberalismuskritik, um die spezifischen Auswirkungen von Deregulierungen und Prekarisierungen für Frauen sichtbar zu machen.

„Lehman Sisters“. Auch beim konkreten geschlechtsspezifischen Umgang mit Geld finden sich sexistische Stereotype, allerdings gibt es hier zwei rivalisierende Klischees.
Einerseits existiert das Vorurteil, wonach Frauen ungeschickter bei der Geldanlage und generell gedankenloser und verschwenderischer im Umgang mit Geld seien – die vermeintliche Shoppingsucht von Frauen ist nur ein Ausdruck dieser Unterstellung. Daneben gibt es aber auch die genau gegenteilige Annahme: Frauen würden viel vernünftiger und verantwortungsvoller mit Geld umgehen, heißt es, sie seien weniger an Geld interessiert und weniger gierig als Männer. Das brachte nach der Finanzkrise das oft strapazierte Bonmot hervor, dass uns die „Lehman Sisters“ im Unterschied zu den Brothers sicherlich vor dem Crash bewahrt hätten.
Diese größere finanzielle Verlässlichkeit von Frauen, die hart für die Zukunft ihrer Kinder arbeiten, steht bei der Politik der sogenannten Mikrokredite im Mittelpunkt, die eine „weibliche Rückzahlungsmoral kapitalisieren“, wie die Politologin Margit Appel kritisiert. (5) Die Frauen werden dabei als unternehmerische Subjekte eingebunden, aber nicht als solidarische Akteurinnen eines politischen Kampfes gegen strukturelle Missstände.

„Kein feminines Thema“. Doch um solch strukturelle Schieflagen bei der Vermögensverteilung und beim Thema Geld anzugehen, muss es erst einmal zum Gegenstand feministischer Debatten gemacht werden. Allerdings beklagen auch Feministinnen immer wieder das fehlende Interesse von Frauen für „Finanzielles“. Denn obgleich ökonomische Selbstständigkeit von Frauen seit jeher eine emanzipatorische Kernforderung ist, sei Altersversorgung, Kapitalanlage und Geld an sich „kein sehr feminines Thema“, kritisiert auch Brigitta Wrede in dem von ihr herausgegebenen Sammelband „Geld und Geschlecht“ (6): „Überraschend vielen klugen, kompetenten und verantwortungsvollen Frauen scheint beim Thema Geld die Aufmerksamkeit abhanden gekommen zu sein“, lautet ihr vernichtendes Urteil.
Um das zu ändern, müssen Feministinnen nicht die Antikapitalistin in sich verraten oder ihre Utopien einer geldlosen Gesellschaft aufgeben. Aber sie sollten sich klarmachen, dass man Geld zwar wirklich nicht wie Spaghetti aufgabeln und essen kann, man ohne Geld vielerorts aber trotzdem verhungern muss.

 

(1) Bettina Mathes: Under Cover. Das Geschlecht in den Medien, transcript Verlag 2006

(2) Deutschlandradiokultur: Das Unbewusste des Geldes. Christina von Braun über das wechselvolle Verhältnis der Menschen zum geprägten Zahlungsmittel

(3) David Graeber: Schulden: Die ersten 5000 Jahre. Klett-Cotta 2012

(4) Silvia Federici: Caliban und die Hexe, Mandelbaum Verlag 2012

(5) Margit Appel: Geld aus feministischer Perspektive, in Club of Vienna (Hg.): Wieviel Geld verträgt die Welt? Analysen und Alternativen, Mandelbaum Verlag 2016

(6) Brigitta Wrede (Hg.): Geld und Geschlecht: Tabus, Paradoxien, Ideologien, Springer Verlag 2003

 

 

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Unsoziale Wende https://ansch.4lima.de/unsoziale-wende/ https://ansch.4lima.de/unsoziale-wende/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:34:47 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8458 „Straßenaktion gegen Korruption“ von Aktivistinnen der Plattform 20000frauen im April 2012 © Bettina FrenzelDie Regierung in Österreich führt das schwarz-blaue Erbe fort. Von BRIGITTE THEIßL]]> „Straßenaktion gegen Korruption“ von Aktivistinnen der Plattform 20000frauen im April 2012 © Bettina Frenzel

Während das schwarz-blaue Erbe immer noch schwer auf Österreich lastet, bereitet die Regierung mit einem Law-and-Order-Kurs den Boden für eine Neuauflage einer FPÖ-ÖVP-Spitze. Das bekommt auch Frauen schlecht. Von BRIGITTE THEIßL

 

Mitte Februar erstattete das österreichische Verteidigungsministerium Strafanzeige gegen Airbus – jenen Luftfahrtkonzern, bei dem die Republik 15 Stück der sogenannten Eurofighter-Kampfflugzeuge um einen Preis von rund 1,6 Milliarden Euro kaufte. Airbus habe die Republik Österreich vorsätzlich getäuscht und ihr Schaden zugefügt, so der Vorwurf, ein zweiter Untersuchungsausschuss soll darüber hinaus nun dubiose Geldflüsse über ein Netzwerk von Briefkastenfirmen klären. Die Eurofighter-Causa ist nicht der einzige politische Skandal, der das Land seit dem Ende der ÖVP-FPÖ/BZÖ-Regierung 2006 beschäftigt, das schwarz-blaue Erbe lastet schwer auf der Steuerzahlerin. Während Ex-Kanzler Schüssel, der einst Haiders GenossInnen in Regierungsämter hievte, abgetaucht ist und nur noch Interviews gibt, wenn er zum Zeichnen oder einem seiner anderen Hobbys befragt wird, ist das Ausmaß des Schadens, den sechs Jahre Schwarz-Blau hinterlassen haben, noch immer nicht restlos geklärt. Zahlreiche Verurteilungen gibt es mittlerweile zu verzeichnen, ein Big Player inszeniert sich allerdings noch immer als Opfer der Justiz: Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, einst Liebling der Nation, in dieser Rolle nun von Sebastian Kurz abgelöst, wird 2017 nach über sieben Jahren Ermittlungen und taktischen Spielchen (vermutlich) vor Gericht die Geldflüsse rund um die BUWOG-Privatisierung erklären müssen. „Ein Staat im Totalumbau, ein verschworener Zirkel aus Politikern, Lobbyisten und Geschäftemachern und 60 Millionen Euro Beute“ – die Republik Österreich wurde unter Schwarz-Blau zum „Selbstbedienungsladen“, fassten die drei „Profil“-JournalistInnen Ulla Kramar-Schmid, Michael Nikbakhsh und Martin Staudiger die Wendejahre in einem Artikel im Jahr 2011 zusammen. Und dann wäre da noch das Hypo-Debakel, der größte Bankenskandal der Zweiten Republik, der die SteuerzahlerInnen laut Schätzungen zehn bis zwölf Milliarden Euro kosten wird.

Neoliberaler Umbau. All das erscheint frauenpolitisch nicht wirklich relevant – ist es aber in höchstem Maße. Zeitgleich mit der fortschreitenden Privatisierung von Gemeingütern und dem Aufschwung der Lobbyisten-Wirtschaft wurde von der FPÖVP-Regierung vor allem ein Projekt systematisch vorangetrieben: der Sozialabbau. Auch wenn Österreich im Vergleich zu vielen anderen Staaten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union nach wie vor über ein gut ausgebautes System der sozialen Sicherung verfügt: Kürzungen beim Arbeitslosengeld, die Streichung von Familienzuschlägen und Selbstbehalte im Gesundheitssystem sind nur einige Beispiele für den schleichenden Rückbau während der Wendejahre. Aus geschlechterpolitischer Perspektive wird die 2004 beschlossene Pensionsreform Frauen besonders hart treffen: Der sogenannte Durchrechnungszeitraum bezieht sich nicht mehr wie vor der Reform auf die 15 besten Verdienstjahre, sondern auf die gesamte Erwerbskarriere, und wird somit die ohnehin niedrigen Pensionen von Frauen weiter drücken (siehe an.schläge VII/2016). Privilegien für Beamte und (ehemalige) MitarbeiterInnen staatsnaher Unternehmen bleiben indes bestehen.

 

„Straßenaktion gegen Korruption“ von Aktivistinnen der Plattform 20000frauen im April 2012 © Bettina Frenzel
„Straßenaktion gegen Korruption“ von Aktivistinnen der Plattform 20000frauen im April 2012 © Bettina Frenzel

 

Wir müssen sparen! Die Sparpolitik, die den Sozialstaat im Visier hat, fand auch nach der Abwahl von Schwarz-Blau kein abruptes Ende – und mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine neue Legitimation. „Zunächst hat sich nach der schreckhaften Erstarrung Ende 2008 bis etwa Mitte 2009 die neoliberale Reaktion formiert und erfolgreich ihre Medienmacht eingesetzt, um Deutungshoheit im Hinblick auf die Krise, deren Ursachen und entsprechende politische Antworten zu gewinnen“, beschreibt Ökonomin Gabriele Michalitsch im an.schläge-Interview (siehe III/2016) den Diskurs um die Krise. In den Worten von ÖVP-Vertretern, jener Partei, die seit 1987 Regierungsverantwortung trägt, klingt das folgendermaßen: „Die ÖVP spricht sich klar gegen neue Schuldenmacherei und alt-linke Rezepte aus. Neue Staatsschulden auf Pump sind das Unsozialste überhaupt, weil sie von der nächsten Generation zurückgezahlt werden müssen“, heißt es in einer Aussendung von Generalsekretär Werner Amon.
Zu Begriffen wie „sozial“ oder „Gerechtigkeit“ hat die ÖVP seit jeher ein spezielles Verhältnis. Wenn Landesparteiobmann Gernot Blümel Wien mit Slogans wie „Gerechtigkeit für die Leistungswilligen!“ zupflastert, denkt er nicht an junge Menschen, die sich ohne ein steuerfreies Erbe etwas aufbauen wollen oder als ArbeiterInnen-Kinder einen Studienabschluss anstreben. Das leistungslose steht bei der ÖVP unter Artenschutz und wird gerne mit der irreführenden Erzählung der kleinen Hausbesitzerin illustriert. Und auch hier haben Frauen in Österreich das Nachsehen: In weiblichen Single-Haushalten wird deutlich weniger Vermögen geerbt.

Sozialbericht. Der vor Kurzem erschienene Sozialbericht des Sozialministeriums liefert einen Überblick zur tatsächlichen Verteilung von Vermögen und zu sozialpolitischen Entwicklungen. So besitzt das reichste Prozent vermutlich ein Drittel des gesamten privaten Vermögens in Österreich (1), ein Wert, der höher ist als in allen anderen untersuchten EU-Ländern. Der Vermögenstransfer über Erbschaften beträgt indes jährlich zwölf Milliarden Euro und wird weiter rasant steigen. Bildungschancen sind hierzulande wiederum stark vom Haushaltseinkommen des Elternhaushalts abhängig – die soziale Mobilität zwischen den Generationen ist also gering. Ein weiterer Wert, bei dem Österreich an der Spitze steht, ist der Gender Pay Gap: In Österreich gibt es einen der höchsten Unterschiede zwischen den Stundenlöhnen von Männern und Frauen in Europa. Diese Faktenlage, die schon von zahlreichen Studien belegt wurde, wird von einem Großteil der Bevölkerung immerhin als ungerecht empfunden, soziale bzw. linke Rezepte stehen aktuell aber keineswegs auf der Tagesordnung der Regierung. Laut der European Social Survey sind 83 Prozent der ÖsterreicherInnen jedoch durchaus der Meinung, es sei Aufgabe der Regierung, die Einkommensunterschiede zu reduzieren. Doch die Debatte um verstärkte Fluchtbewegungen hat den (ökonomischen) Krisendiskurs noch verschärft: So dienen die hohen Kosten für die Mindestsicherung in Wien als Vorlage für ein „Wir gegen die“, die vielen Vorteile einer – ohnehin sehr beschränkten – Grundsicherung werden kaum noch öffentlich diskutiert, vielmehr sind sie Treibstoff für eine unmenschliche Law-and-Order-Politik.

Women*: Fight back! Law and Order scheint auch die Losung des neuen Innenministers Sobotka zu sein, der der Regierungspolitik bereits seinen Stempel aufgedrückt hat. Das neue Arbeitsprogramm, das die Regierung nach dem gefühlten zwanzigsten Neustart präsentierte, beinhaltet eine Migrations-  und Sicherheitspolitik, die Lisa Mittendrein von Attac auf dem „Mosaik“-Blog als „autoritär und rassistisch“ bezeichnet. Von einer erhofften linken Wende durch Kanzler Kern ist wenig geblieben – Frauenpolitik spielt dementsprechend im Regierungsprogramm keine Rolle. Die lang angekündigte Reform des Unterhaltsgesetzes fehlt darin ebenso wie dringend notwendige Aufstockungen im Gewaltschutz und Verbesserungen in der Versorgung von Asylsuchenden. Der plötzliche Tod der Frauen- und Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser verstärkt nun das frauenpolitische Vakuum im Staat – nur eine starke außerparlamentarische Frauen*bewegung wird es füllen können.

 

(1) Exakte Daten zur Vermögensverteilung liegen nicht vor, da entsprechende Studien auf Befragungen basieren.

 

 

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an.künden: Selbstbewusstsein stärken https://ansch.4lima.de/an-kuenden-selbstbewusstsein-staerken/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-selbstbewusstsein-staerken/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:17:05 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8486 © Denis Bocquet/flickrDie Berliner Kultreihe „MösenMonat März“ feiert ihr zehnjähriges Jubiläum.]]> © Denis Bocquet/flickr

Unter dem Motto „Feminismus fotzt“ bietet sie in ihrem Sexclusivitäten-Laden verschiedene Workshops, Vorträge, Filme und Aktionen an, um das sexuelle Selbstbewussten zu fördern und die Vulvation weiter voranzutreiben.

 

24.3., 18:00-20:00: Mösendampfbäder – Wellness für untenrum, 6€ Eintritt
25.3., 15:00-18:00: „Mösen Massage“-Workshop, 60€ Eintritt, Anmeldung: laura.meritt@gmx.de, Info: www.weiblichequelle.de
31.3., 18:00-20:00: Clitoral Rising, 6€ Eintritt
Jeden Freitag ab 16:00: Pussy-Pictures mit Polly Fannlaf
10 Jahre MösenMonat März, Sexclusivitäten, 10961 Berlin, Fürbringerstr. 2

 

© Denis Bocquet/flickr
© Denis Bocquet/flickr

 

 

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an.künden: Sichtbarkeit fördern https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-foerdern/ https://ansch.4lima.de/an-kuenden-sichtbarkeit-foerdern/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:15:53 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8484 © RAZ Zarate/flickrDie Intersex Conference Vienna 2017 stellt intergeschlechtliche Menschen ins Zentrum.]]> © RAZ Zarate/flickr

Um die Lebensrealitäten von intergeschlechtlichen Menschen weiter zu enttabuisieren und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verleihen, will die Intersex-Konferenz die Förderung des Dialogs zwischen Interessenvertretungen intergeschlechtlicher Menschen, der Wissenschaft und politischen Entscheidungsträger*innen ins Zentrum stellen. An drei Tagen bietet das Programm u. a. eine Filmvorführung von „Herma XXY Intersex“ inkl. Gespräch, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops, eine Ausstellung von Alex Jürgen inkl. Versteigerung, Konzerte und Performances. Weitere Details und Anmeldeinfos auf der Website.

 

31.3.–2.4.: Intersex Conference Vienna 2017
diverse Orte, u. a. Schikaneder Kino, Wappensaal im Wiener Rathaus & Café Willendorf

 

© RAZ Zarate/flickr
© RAZ Zarate/flickr

 

 

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an.lesen: Freischreiben https://ansch.4lima.de/an-lesen-freischreiben/ https://ansch.4lima.de/an-lesen-freischreiben/#respond Sat, 18 Mar 2017 01:07:12 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8466 © Nic AmatoDer Briefroman „I love Dick“ ist eine Emanzipationsschrift. Von CAROLIN HAENTJES]]> © Nic Amato

Der Briefroman „I love Dick“ ist eine Emanzipationsschrift der heterosexuellen Frau. Zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen ist das Kultbuch nun ins Deutsche übersetzt worden. Von CAROLIN HAENTJES

 

Es begann wie eine klassische Dreiecksgeschichte: Das Paar Chris und Sylvère essen mit Dick, einem Bekannten, zu Abend. Die Männer diskutieren postmoderne Theorien, Chris sitzt daneben und glaubt, dass Dick ihr flirtende Blicke zuwirft. Der Zufall will, dass das Paar bei Dick übernachten muss. Aber dann passiert nichts weiter, außer in Chris’ Kopf: Sie stellt sich Sex mit Dick vor und glaubt, dass Dick die gleichen Fantasien hegt. Sie habe einen „Konzeptfick“ mit Dick erlebt und sich heftig verliebt, erklärt sie kurz darauf Sylvère. Der reagiert gelassen – in ihrer sexbefreiten Eheharmonie „halten sie ihre Intimität via Dekonstruktion aufrecht, d.h. sie erzählen einander alles“.

Stille Post. Sylvère, angetörnt von Chris’ Angetörnt-Sein, steht Chris bei, indem sie gemeinsam einen Brief an Dick formulieren, um ein neues Treffen vorzuschlagen. Aber anstatt ihn abzuschicken, schreibt Chris noch eine eigene Nachricht an Dick, und Sylvère auch, wieder Chris … Sie geraten in einen Schreibrausch, lesen einander vor, kommentieren sich, nähern sich durch das gemeinsame Schreiben als Paar wieder an. Sylvère findet das gut. Chris, der die Sache mit Dick ernst ist, nicht. Sie verlässt Sylvère. Und drückt Dick bei Gelegenheit den auf hunderte Seiten angewachsenen Briefstapel in die Hand.

 

© Nic Amato
© Nic Amato

 

Losschreiben. Chris schreibt immer weiter an Dick. Er dient ihr als Projektionsfläche für ihr wiederentdecktes Begehren, als idealer Adressat für ein Schreiben, mit dem sie sich aus ihrer Ehe und ihrer Schaffenskrise losreißt. Dass er kaum reagiert und sie bei den wenigen Treffen zu zweit herablassend behandelt, ernüchtert sie nicht. Stattdessen gewinnt die viel belesene, aber nicht akademisch gebildete Chris durch das fortgeführte Schreiben intellektuelles Selbstvertrauen. Die vormalige Videokünstlerin beginnt, ihr privates Drama, ihre verliebte Erniedrigung kulturkritisch zu reflektieren und dann öffentlich zu machen: 1997 publiziert sie die Briefe, ohne sich um die Verschleierung ihrer eigenen Identität, der ihres Mannes, des bekannten Intellektuellen Sylvère Lotringer, oder der von Dick – vermutlich der real existierende britische Kulturtheoretiker Dick Hebdige – zu scheren.
Eine Provokation, die Rechtsstreitigkeiten mit dem echten Dick zur Folge hatte, die aber auch den radikalen Anspruch ihrer Arbeit verdeutlicht: das Private politisch zu machen. So entwickelt sich „I love Dick“ von einem postmodernen Briefroman zu einem feministischen Essay. Seine Problemstellung beschreibt der doppeldeutige, auch obszön zu lesende Titel: die Emanzipation der heterosexuellen Frau.
Damit fühlte sich Kraus schon beim Schreiben in den 1990er-Jahren verspätet, waren zu dieser Zeit doch feministische Debatten zur Dekonstruktion biologischer Geschlechter übergegangen. Nur ist Theorie das eine und Praxis das andere. Deswegen ist Kraus’ Werk auch heute, zwanzig Jahre später nun endlich auf Deutsch erschienen, von höchster Aktualität. Nicht nur wegen ihrer immer noch treffenden Kritik am intellektuell-künstlerischen Milieu; nicht nur weil die begehrende Frau, die nicht jung und nicht schön ist, noch immer ein Skandalon ist. Sondern vor allem weil Kraus den Weg einer Künstlerin nachzeichnet, die den Bewertungsrahmen ihres Schaffens selbst festlegen will.

Privat und politisch. „Lieber Dick“, schreibt Kraus gegen Ende des Romans, „ich will eine Welt gestalten, die interessanter ist als meine Probleme. Deshalb muss ich meine Probleme gesellschaftlich darstellen.“ Das hat Kraus getan: indem sie klug, ironisch und intellektuell gewitzt das Genre des Briefromans in seiner weiblichen Tradition aufgebrochen und ihre persönliche Erfahrung mit Kunst, Literatur, Theorie und Künstlerinnenschicksalen verwoben hat. Manchmal greift sie auf ein antiquiertes feministisches „Wir“ zurück und lehnt sich damit weit aus dem Fenster. Aber es ist eben diese Waghalsigkeit, die Art, wie sich Kraus exponiert, die die Lektüre von „I love Dick“ so inspirierend macht. Wie Kraus selbst schreibt: „Besteht denn nicht die größte Freiheit der Welt gerade in der Möglichkeit, Unrecht zu haben?“

 

Chris Kraus: I love Dick
Matthes & Seitz 2017
22,70 Euro

 

 

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an.sehen: Liebenswertes Ekelpaket https://ansch.4lima.de/an-sehen-liebenswertes-ekelpaket/ https://ansch.4lima.de/an-sehen-liebenswertes-ekelpaket/#respond Sat, 18 Mar 2017 00:59:55 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8468 FleabagDie Miniserie „Fleabag“ zeigt eine Einzelgängerin im Meerschweinchen-Café. Von JULIA MARTIN]]> Fleabag

Die Miniserie „Fleabag“ zeigt eine sehr einnehmende Einzelgängerin zwischen sexuellen Abenteuern und ihrem Meerschweinchen-Café. Von JULIA MARTIN

 

Eine attraktive junge Frau liegt mit ihrem Liebhaber im Bett und hat gerade mittelmäßig aufregenden Sex, als sie bemerkt, wie er sich langsam ihrem Hintern nähert. Sie stellt fest: Er möchte Analsex. „Du lässt ihn einfach machen, denn du bist betrunken und er ist extra den weiten Weg gekommen“, sagt sie – und sieht uns dabei mit einem verschmitzten Lächeln an, während wir beobachten, wie der Mann sich hinter ihr abmüht. Nur wenige Minuten später schauen wir ihr dabei zu, wie sie zu einer Rede von Barack Obama masturbiert, während ein anderer Mann neben ihr im Bett schläft.

Ohne Filter. Die Frau, die uns solche intimen Einblicke in ihr Liebesleben gibt, ist Fleabag (deutsch: „Ekelpaket“), die namenlose Hauptdarstellerin der gleichnamigen BBC-Serie, die in Großbritannien wegen seiner expliziten Szenen als „schmutzigste Show im TV“ bezeichnet wurde. Seit Februar ist sie auch im deutschsprachigen Amazon Prime zu sehen. Fleabag ist eine 31-jährige Einzelgängerin, die in London ein schlecht laufendes Café mit Meerschweinchen-Motto führt und einen großen sexuellen Appetit hat. Sie spricht ungefiltert und ohne jeden Sinn für Feingefühl alles aus, was ihr gerade in den Kopf kommt. Dass diese Ehrlichkeit für ihre Mitmenschen unangenehm oder gar verletzend sein könnte, bemerkt sie einfach nicht. Wir als Zuschauer_innen fühlen uns ihr dennoch so nah wie unserer besten Freundin. Als selbstbewusste, leicht neurotische und exzentrische junge Singlefrau in der Großstadt scheint sich Fleabag zunächst in eine Reihe typischer weiblicher, unbekümmerter Großstadt-Heldinnen einzureihen, doch schnell bemerken wir: Irgendetwas läuft gewaltig schief in ihrem Leben.

 

Fleabag
Fleabag

 

Trauerarbeit. Die On-Off-Beziehung zu Fleabags Partner Harry läuft denkbar schlecht, das Verhältnis zu ihrer Familie ist distanziert und argwöhnisch. Ihre Schwester Claire ist eine verkniffene, gefühlskalte Karrierefrau, die ihre scheiternde Ehe zu retten versucht. Ihr Vater ist emotional unnahbar, im Umgang mit seinen Kindern unsicher. Nach dem Krebstod von Fleabags Mutter hat er sein Glück mit der eifersüchtigen, passiv-aggressiven Patentante der jungen Frauen gefunden. Als Ausgleich für seine Unfähigkeit, seinen Töchtern väterliche Liebe zu geben, schenkt er ihnen regelmäßig Eintrittskarten für feministische Vorträge und schickt sie zur Krebsvorsorge.
Am Ende der ersten Episode erfahren wir, warum Fleabags Welt aus den Fugen geraten ist: Ihre beste Freundin Boo hat vor Kurzem Suizid begangen. Plötzlich werden viele Verhaltensweisen dieser seltsamen Protagonistin verständlich. Es ist herzzerreißend mitanzusehen, wie Fleabag ohne ihre Freundin haltlos durch die Welt taumelt, auf der Suche nach Trost und Erlösung von diesem Schmerz. Fleabag sucht nach Anschluss, nach einer Verbindung wie jener, die sie nur mit Boo hatte. Ihre sexuellen Eskapaden dienen zur Ablenkung von den schrecklichen Erinnerungen, die immer wieder in Flashbacks auftauchen, ihr zynischer Humor ist lediglich ein Schutzmechanismus. Fleabag selbst bezeichnet sich ihrem Vater gegenüber als „gierige, perverse, verkommene, selbstsüchtige und moralisch bankrotte Frau“ – und wie mächtig ihre dunkle Seite wirklich ist, erfahren wir erst ganz am Ende der Staffel.

Radikale Antiheldin. Phoebe Waller-Bridge, die mit ihrem preisgekrönten Bühnenstück die Vorlage zur Serie geliefert hat und auch die Hauptdarstellerin verkörpert, zeigt eine zeitgenössische, radikale Weiblichkeit, wie sie so offen selten zu sehen war. Dabei ist besonders die Protagonistin in ihrer Komplexität so einnehmend: „Was macht die eigentlich da?“, fragen wir uns ständig und sympathisieren trotzdem immer mit ihr. Trotz aller Störrischkeit ist Fleabag eine Figur, mit der sich die Zuschauer_innen identifizieren können. Sie ist eine typische Antiheldin, dabei aber viel radikaler als Carrie Bradshaw und offensiver als Lena Dunhams Figur Hannah Horvath – und eben verdammt ehrlich, auch wenn es manchmal unangenehm ist, ihre Fettnäpfchen mitansehen zu müssen. Gerade weil Fleabag Ecken und Kanten hat, wirkt sie als Figur so überzeugend, ihre Geschichte so berührend. Und trotzdem fehlt es der Serie nicht an Humor. Und wie nebenbei werden als Draufgabe auf manchmal zynische, manchmal ironische Weise auch noch wichtige Themen wie Slut-Shaming, Eltern-Kind-Beziehungen, Verlust, Trauer und Vergebung verhandelt.

 

Fleabag
USA 2016

 

 

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an.sage: Ein Tag ohne Frauen https://ansch.4lima.de/an-sage-ein-tag-ohne-frauen/ https://ansch.4lima.de/an-sage-ein-tag-ohne-frauen/#respond Sat, 18 Mar 2017 00:30:51 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8474 Für einen Feminismus der 99 Prozent. Von JULIA MARTIN]]>

Ein Kommentar von JULIA MARTIN

 

An den Erfolg des Women‘s March, der im Januar mit weltweit ca. 3 Millionen Teilnehmer_innen stattfand, möchten die Veranstalter_innen anknüpfen und riefen am 8. März, dem Internationalen Frauen* Kampftag, zu einem generellen Streik auf, der die Demonstrationen begleiten sollte. Das Konzept des „A Day Without Women“ lehnt sich an die historischen Arbeiterinnenstreiks an, die es nur selten in die androzentrische Geschichtsschreibung geschafft haben. So haben sich Frauen* seit jeher an Protesten für bessere Arbeitsbedingungen und für Gleichstellung beteiligt, wie 1844 im Schlesischen Streik der Weber_innen, beim Women‘s Strike for Equality 1970 in New York oder beim Streik in Island im Jahr 1975, bei dem 90 Prozent aller Frauen* beteiligt waren.
Auch dieses Jahr legten Frauen* ihre Arbeit nieder, darunter Frauen* in Haus-, Pflege- und Sexarbeit, um auf benachteiligende prekäre Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Damit soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Frauen* für die gleiche Arbeit noch immer weniger verdienen als ihre männlichen* Kolleg_innen, aber auch, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Frauen*, besonders von Women of Color und migrantischen Frauen*, verschlechtert haben.
US-amerikanische Feminist_innen, unter anderen Angela Davis und Nancy Fraser, rufen daher zu einem Feminismus auf, der sich neben reproduktiven Themen auch antirassistischen Forderungen verschreibt. Die neue Mobilisierung solle ein „Feminismus der 99 Prozent“ werden, breiter gefächert sein und sich besonders antirassistischen, antiimperialistischen, antiheterosexistischen, anti-neoliberalen und arbeitsrechtlichen Forderungen widmen.
Das Bedürfnis nach einem radikaleren Feminismus knüpft an eine Kritik an, die bereits im Vorfeld des Women‘s March laut wurde. Dieser hat nämlich lange den Fokus auf einen weißen Feminismus sowie auf essentialistische Merkmale gelegt.

Auch in Deutschland und Österreich fanden in diesem Jahr wieder Demonstrationen und andere Veranstaltungen rund um den Frauen*Kampftag statt. Eine Diskussion, die eigentlich längst überwunden sein sollte, war dabei das Thema der Trans*offenheit, das immer wieder zu Grabenkämpfen innerhalb der verschiedenen feministischen Szenen führt.
Eine Zersplitterung verschiedener feministischer Strömungen und ein „Kampf der Generationen“, wie er in Deutschland gerade zwischen der EMMA und den sogenannten Netzfeminist_innen diskutiert wird, zeigen, wie unterschiedlich feministische Standpunkte leider sein können. Doch Feminismus muss notwendigerweise immer antirassistisch und anti-eurozentrisch sein, ebenso wie er trans*offen sein muss, sonst würde er die eigentliche Vision des Feminismus, nämlich die Gleichheit und Gleichberechtigung von Frauen*, verraten.
Die Tatsache, dass feministische Bewegungen wieder mehr „Mainstream“ werden, sollten wir als Chance dazu nutzen, uns zu verbünden, einander zu erklären und anzunähern. Gleichzeitig ist es eine Chance, eine breite Masse an Frauen* zu mobilisieren und auch Menschen zu gewinnen, die sich jetzt erst politisieren. Inklusion kann jetzt Praxis werden.
Der frische Wind, der aus den USA zu uns herüberweht, zeigt, wie gut intersektionale Bündnisse funktionieren können – aber auch, woran noch gearbeitet werden muss. Nehmen wir uns ein Beispiel daran. Der diesjährige 8. März hat gezeigt, dass wir trotz der Zersplitterungen vielerorts gemeinsam ein Zeichen setzen können: Für Solidarität unter Frauen*! Für Selbstbestimmung und Gleichheit! Für die finanzielle, strukturelle, physische und psychische Sicherheit von Frauen*! Und besonders: Für einen intersektionalen Feminismus!

 

 

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bonustrack: „Talentbefreite 3-Chord-Pampe“ https://ansch.4lima.de/bonustrack-talentbefreite-3-chord-pampe/ https://ansch.4lima.de/bonustrack-talentbefreite-3-chord-pampe/#respond Sat, 18 Mar 2017 00:15:10 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8470 Illustration: Ankathie KoiEs gibt strengere äußerliche „Auflagen“ für Frauen in der Popmusik als für Männer. Von ANKATHIE KOI]]> Illustration: Ankathie Koi

„Ich hasse das so sehr, dass ich meinen kompletten Verlauf gelöscht habe, damit nichts, was dem ähnlich ist, erneut bei mir angezeigt wird.“ So übersetze ich den Kommentar des Typen auf Youtube unter einem Ankathie-Koi-Video. Solche Kommentare sind recht erheiternd, da vergleichsweise sehr harmlos zu früheren Erlebnissen dieser Art. „Absolut fürchterliche Gestalten“, lautete ein Facebook-Kommentar nach unserem TV-Auftritt bei „Willkommen Österreich“, damit waren die Fijuka-Damen gemeint;
Egal, ich liebe diesen Beruf. Ich liebe es, Musikerin zu sein. Aber was ich immer hasse: Doppelmoral. Denn es gibt definitiv strengere äußerliche „Auflagen“ für Frauen in der Popmusik als für ihre männlichen Kollegen. Als Frau fällt man viel schneller durch das Raster. Fact.
Dass nicht jedes der Outfits von „Koi“ für jeden verträglich ist und auch gerne manchmal ein klein wenig an der Grenze zum Geschmacklosen, nun ja – schrammt, ist mir bewusst. Dass nicht jeder versteht, was ich damit meine, wenn ich sage: „Ich habe es noch nie so genossen, eine Frau zu sein, aber ich habe es auch noch nie so genossen, mich auf der Bühne so männlich zu gebärden wie heute“, ist mir ebenfalls bewusst. Da liegt schon noch Arbeit vor uns. Call me dumb, aber ich verstehe trotzdem nicht, dass es Lady-Gaga-Fans gibt, die meine Kleidung mit „äußerlich absolut drüber, völlig übertrieben, eine menschliche Miss Piggy, was konsumiert die Alte eigentlich?“ kommentieren.
Ein Herr B. hat damals im „Willkommen Österreich“-Chat vorgeschlagen, dass sie doch mal jemand einladen sollen, der nicht so „Kacke“ und „schwer talentbefreite 3-Chord-Pampe“ macht. Ich dachte, vielleicht ist der nette Herr eher im Jazz oder in der E-Musik bewandert. Doch beim ersten Blick auf die laut ihm für dieses Format besser geeignete Band sprang mir sogleich der Song „Dicke Titten“ ins Gesicht. Mir persönlich egal, wie jemand seine Songs tituliert (das hat jetzt auch gar nichts mit jener Band zu tun und tatsächlich ist es sogar ein Anti-Dicke-Titten-Song!), ich bin nicht streng und mit einem äußerst guten Humor gesegnet. Aber bei Herrn B. steig ich irgendwie aus. Und gleichzeitig ist meine Welt auch wieder in Ordnung. Irgendwie.

 

Ankathie Koi ist Sängerin und Komponistin. Als exaltierte Sängerin des Duos Fijuka bekannt geworden, wird sie im April diesen Jahres das Debütalbum „I hate the way you chew“ ihres Soloprojekts „Ankathie Koi“ veröffentlichen.

 

Illustration: Ankathie Koi
Illustration: Ankathie Koi

 

 

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neuland: Hommage an die Berliner U-Bahn https://ansch.4lima.de/neuland-hommage-an-die-berliner-u-bahn/ https://ansch.4lima.de/neuland-hommage-an-die-berliner-u-bahn/#respond Sat, 18 Mar 2017 00:03:13 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8478 NeulandHier geht Maniküre während der Fahrt. Von JEANNA KRÖMER]]> Neuland

alltägliche grenzerfahrungen

 

In der Berliner U-Bahn kann frau essen, lesen, flirten, sich streiten oder Make-up auftragen. Ich habe bei der Fahrt hier sogar schon mal eine Maniküre erlebt. „Knock!“, hat der Nagelknipser gemacht und die Nägel sind in alle
Richtungen geflogen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit ist etwas los: Jemand hat einen Vintage-Kassenapparat dabei und druckt damit laut Kassenbons aus. Manche zerknüllt er mit einer theatralischen Geste und wirft sie dann weg.
Ein Fahrgast telefoniert mit seinem Bruder, der angeblich sein geliehenes Auto kaputtgefahren hat. „Die Eltern haben dich adoptiert!“, flüstert er empört ins Telefon. „Jetzt ist der Vater krank und ich übernehme die Führung. Ich werfe dich aus der Familie!“
Ein anderes Mal zeichnet mich eine Künstlerin heimlich drei Stationen lang und ich tue so, als ob ich nichts merke.
Als einmal ein Betrunkener mit unglaublich schönen blonden Locken sich den italienischen Touristinnen vor die Füße wirft und sie auf Deutsch und Italienisch mit Gesang unterhält, ist das noch skurril. Als die Touristinnen aussteigen und er etwas auf Arabisch sagt und damit das Missfallen einer mitfahrenden Männergruppe erregt, wird es bedrohlich. Zuerst wird geschimpft, dann steht einer auf und stellt seinen Fuß auf die auf dem Boden liegenden Haare des Blonden. Jetzt weiß ich, wie man die Notbremse bedient.
Als ich kurz darauf eines Nachts nach Hause fahre, sitzt vor mir ein Pärchen, beide um die 18 Jahre alt. Sie liegt passiv auf der Bank, er scheint sie zu verschlingen, küsst sie mit wilden Geräuschen, streichelt unter der Jacke. Als ich gerade überlege, ob es sich um einen Gewaltakt handelt und ich mich einmischen sollte, regt sich das Mädchen, setzt sich ihrem Freund auf den Schoß und erwidert seine Küsse. Ich atme aus. Und auch wenn das fremde Schmatzen mich zugegebenermaßen etwas stört, macht Liebe sofort alles besser. Ich steige aus. Ich bin angekommen.

 

Jeanna Krömer (37) ist belarussische Journalistin, Feministin und Deutschtrainerin aus Berlin. Dies ist ihre letzte Kolumne an dieser Stelle. Bleibt mit ihr in Kontakt: jakroemer@gmail.com

 

 

 

 

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heimspiel: Realer als ein Trickfilm https://ansch.4lima.de/heimspiel-realer-als-ein-trickfilm/ https://ansch.4lima.de/heimspiel-realer-als-ein-trickfilm/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:53:47 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8480 HeimspielÜber ein Familienprojekt mit der eigenen Tochter. Von THEO HOFFNUNGSTHAL]]> Heimspiel

leben mit kindern

 

In einem ruhigen Moment während der letzten Ferien erzählt meine Tochter T. (damals acht), Mitschüler*innen hätten zu ihr gesagt, sie sei eine Lügnerin, weil sie behaupte, dass sie vier Mütter habe. „Das gibt es nicht! Und dein Papa ist tot!“ Doch eigentlich wissen alle Kinder aus der Klasse Bescheid. T. erzählt allen, die es wissen wollen (oder auch nicht), wie sich ihre vielmüttrige Familie zusammensetzt, samt Spende aus der Samenbank.
Eine dieser Mütter machte auch einen Schulbesuch und hat der Klasse das Buch „Alles Familie“ mit unterschiedlichsten Familienmodellen vorgestellt und dabei auch von unserer Familie erzählt. T.s Freund*innen kennen uns. Doch trotz dieses Vorwissens bleibt meine Tochter in den Augen mancher Mitschüler*innen eine Lügnerin. Es braucht also stichhaltige Beweise. Was kann T. solchen Verleumdungen sprachlich und bildlich entgegensetzen?
Einen Trickfilm über unsere Familie! Was ist realer als eine gut gemachte Animation? Griffbereit auf ihrem Tablet! Filmemachen ist schließlich mein Beruf. T. ist sofort begeistert. Wir beginnen die Arbeit an den Figuren, den Requisiten, feilen am Drehbuch. Doch je leidenschaftlicher ich in unser Filmprojekt „Das ist unsere Familie“ reinkippe, desto mehr lässt T.s Interesse nach. Bis sie schließlich viel lieber einen Astronautinnen-Film machen will. T. entwickelt das Drehbuch spontan vor der Kamera, während die Wickeldraht-Klebeband-Astronautinnen an Nylonschnüren ihre Abenteuer erleben: drohender Sauerstoffmangel, Abdriften des Raumschiffs, Rettung in letzter Minute.
Während der Bastel-Dreh-Schnitttage mit neuer Rollenverteilung (Buch, Regie, Schnitt: T., Produktionsassistenz: ich) haben wir beide viel Zeit, uns über die abertausend möglichen Familienkonstellationen und die ahnungslosen Erdenbewohner*innen auszutauschen.

 

Theo Hoffnungsthal hofft heimlich weiter, das Familien-Filmprojekt mit ihrer Tochter fertigzustellen. Dafür muss sie aber noch lernen, ihre eigenen Visionen nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen und stärker auf die Ideen ihrer Filmpartnerin einzugehen.

 

Heimspiel. Leben mit Kindern
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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lebenslauf: Ältere Dramen https://ansch.4lima.de/lebenslauf-aeltere-dramen/ https://ansch.4lima.de/lebenslauf-aeltere-dramen/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:49:45 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8482 LebenslaufWer hört sich Fortsetzungsgeschichten von Liebe und Kummer an? Von MICHÈLE THOMA]]> Lebenslauf

auch feministinnen altern

 

Was wäre die Gesellinnenschaft ohne sie, ohne uns? Ohne jene Wesen, die meist unbemerkt irgendwo eintreten, und auch wenn sie gehen, fällt es nicht auf. Sie haben das Stadium der Unsichtbarkeit erreicht, von dem sie oft hörten. Sie könnten alles tun, nackt auf Tischen tanzen oder terroristische Akte vollbringen. Aber okay, die Tische sind etwas hoch und anders als junge Männer haben sie auch nicht die geringste Lust zu sterben.
Die, die also irgendwie auch da sind, sind halt irgendwie auch da. Bei Kulturveranstaltungen sind sie in der Mehrzahl, ältere Dramen scheinen ein Bedürfnis zu haben, sich weiterzuentwickeln, die seltenen männlichen Begleiterscheinungen outen sich als Verschleppte. Ihrem Glaserl Wein sprechen sie eher abseits zu, vielleicht spricht es ja mit ihnen. „Lauter alte Frauen!“, dachte ich, knackige 55plusminus, angeödet. Ich hütete mich davor, von einer älteren Person weiblichen Geschlechts in ein Gespräch verwickelt zu werden, es würde sicher langatmig werden, vielleicht hatte dieser oder jener Herr etwas Geistreiches auf Lager, oder ein andrer Mensch mit Jugend und Stil.
Seit ich die Alters-Schamschwelle schamlos überschritten habe, finde ich ältere Dramen plötzlich interessant. Was sie alles zu erzählen haben! Und sie können erzählen. Die 100-jährige Künstlerin, Liebesveteranin und Kunstpionierin. Ältere Dramen sind außerdem gut. Eine Mindestpensionistin überreicht dem Bettler mit Plastikbeinen ein Scherflein, säuberlich füllt die Greisin Erlagsscheine aus, für Kinder mit schrecklichen Krankheiten in Afrika. Das letzte Reservat der Güte, eine vollkommen unkapitalistische Eigenschaft. Wer steht bei sozialen Aktivitäten hinter dem Stand, wer liest mit Volksschulkindern? Wer hört sich Fortsetzungsgeschichten von Liebe und Kummer an und grenzt sich nicht ab und sagt nicht „dein Problem“? Wer hat all das schon gehabt und war all das schon, wer ist so ein Lebensprofi? Großzügig, großmütig wie eine Großmutter.
Und wer will nicht so ein großartiges Wesen sein?
Vielleicht übertreibe ich ein bisschen.

 

Michèle Thoma hat die 55plusminus überschritten, war aber immer schon gern bei Kulturveranstaltungen.

 

Kolumne Lebenslauf
Illustration: Nadine Kappacher

 

 

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Batty https://ansch.4lima.de/batty-2/ https://ansch.4lima.de/batty-2/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:25:34 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8538 Illustration: alma w.bär...]]> Illustration: alma w.bär

Von alma w.bär.

 

Illustration: alma w.bär
Illustration: alma w.bär

 

 

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an.frage: PR-Maschinerie https://ansch.4lima.de/an-frage-pr-maschinerie/ https://ansch.4lima.de/an-frage-pr-maschinerie/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:06:08 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8476 SOS-Mitmensch hat am 1. März das Projekt „Populistenpause“ gestartet. Bis Ende des Monats sollen rechtspopulistische und -extremistische Meldungen und Aktionen möglichst ignoriert werden. „Denn nichts fürchten sie so sehr, wie nicht beachtet zu werden“, lautet das Argument auf sosmitmensch.at. VANJA NIKOLIĆ sprach mit SONJA DRIES über die Vorteile dieser Strategie.

 

Die „Populistenpause“ soll helfen zu erkennen, welche Reaktionen im Kampf gegen Rechtspopulismus schaden, welche nutzen können. Inwiefern?

Populist_innen und Extremist_innen betreiben eine große Aufmerksamkeitsmaschinerie. Sie tun alles, um uns in ihren Bann zu ziehen. Ein Trump, eine Le Pen, ein Wilders, ein Strache – sie alle feuern täglich Salven an Provokationen, Tabubrüchen, Lügen und Ungeheuerlichkeiten ab. Sie wollen damit die politische Tagesordnung dominieren und Raum für ihre Botschaften gewinnen. Öffentliche Aufmerksamkeit zu schenken oder zu entziehen ist ein Machtinstrument. Menschen, die Rechtspopulismus und Rechtsextremismus nicht einfach hinnehmen wollen, sollten mit dieser Macht bewusster umgehen. Wir können die Form mitbestimmen, wie Ereignisse oder Personen in der Öffentlichkeit dargestellt werden, indem wir ihnen Aufmerksamkeit zukommen lassen oder nicht. Die Populistenpause soll ein Anstoß dazu sein.

Aber ist es nicht auch wichtig, solchen Hasstiraden etwas entgegenzusetzen und sie zu skandalisieren?

Bei der Populistenpause geht es nicht ums Wegschauen, sondern um mehr Achtsamkeit beim Hinschauen und Reagieren oder eben um bewusstes Nichtreagieren auf rechte Provokationen. Massive rhetorische Grenzverletzungen, Rassismus, tätliche Übergriffe und Versuche der Besetzung von Machtpositionen durch Rechtsextreme müssen weiterhin skandalisiert werden – aber mit unserer Gewichtung, unseren Worten, unseren Bildern und unseren Botschaften. Darüber hinaus sollten wir uns wieder mehr darauf konzentrieren, selbst Themen zu setzen, die uns wichtig sind.

Welche Strategie empfehlen Sie, um auf den Antifeminismus der Rechtspopulist_innen aufmerksam zu machen und dagegen vorzugehen?

Ohne Feminismus gibt es keine freie, demokratische Gesellschaft. Ironischerweise betonen das inzwischen auch rechte Populist_innen, allerdings nur, wenn sie über „die Anderen“, „die Fremden“ reden. Wir empfehlen auch in Sachen Feminismus eine Balance zu finden zwischen der eigenen Themensetzung und Kritik an den Inhalten von Antifeminist_innen. Auch bei der Kritik an antifeministischen Inhalten und Tendenzen sollte darauf geachtet werden, die eigenen Begriffe, Botschaften und Bilder in den Mittelpunkt zu stellen.

 

http://www.sosmitmensch.at/populistenpause

 

 

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Material Grrrls https://ansch.4lima.de/material-grrrls/ https://ansch.4lima.de/material-grrrls/#respond Fri, 17 Mar 2017 23:00:35 +0000 https://anschlaege.at/feminismus/?p=8464 Eine Bling-Bling-Playlist. Von FIONA SARA SCHMIDT]]>

Von Bling-Bling-Girl bis Pleitegeierin: Geld regiert das Musikbusiness. Fundstücke aus der Redaktion, gesammelt von FIONA SARA SCHMIDT

 

 

LIEBE & GELD

 

Gwen Guthrie – Ain’t Nothin‘ Goin‘ On But The Rent

„No romance without finance“

Destinys Child – Independent women, Part I

„Pay my own fun, oh and I pay my own bills / Always 50/50 in relationships“

https://www.youtube.com/watch?v=0lPQZni7I18

Patti Smith – Free Money

„Oh, baby, it would mean so much to me / to buy you all the things you need for free“

Flying Lizzards – Money (That’s What I Want) (Barrett Strong Cover)

„You’re lovin‘ gives me a thrill / But you’re lovin‘ don’t pay my bills“

Gwen Stefanie – Rich Girl ft. Eve

„No man could test me, impress me, my cash flow would never ever end“

Madonna –Material Girl

„’Cause the boy with the cold hard cash is always Mister Right / ‚Cause we are living in a material world“

https://www.youtube.com/watch?v=e3wYIjI8WcI

Indigo Girls – Money Made You Mean

„Robbing Peter to pay me, and I’ll just be giving it back to Peter to feel free“

Marianne Faithfull – Love, Life And Money

„Money you made me“

Fijuka – No one gets anything from me (for free), Pt. II

„Please stop being so nice to me“

Cyndi Lauper – Money Changes Everything

„She said I’m sorry baby I’m leaving you tonight / I found someone new he’s waitin‘ in the car outside“

Jennifer Lopez – Love Don’t Cost a Thing

„Baby credit cards aren’t romance“

Shania Twain – That Don’t Impress Me Much

„Okay, so you’ve got a car / That don’t impress me much“

 

 

RICH GIRLS

 

Christiane Rösinger – Eigentumswohnung 

„Wir leben eigentlich selber prekär / Wenn das mit der Wohnung nicht wär“

Annie Lennox – Money Can’t Buy it

„ ‚Cause I’m a rich white girl and it’s plain to see / I got every kind of thing that the money can buy“

Leikeli47 – Money

„They say, ‚Damn, you changed’ / I’m like, ‚Show. You. Right.’“

Rihanna Bitch Better Have My Money

„Pay me what you owe me, don’t act like you forgot“

Missy Elliot – Ching-A-Ling

„Miss don’t flop, cause I’m a get the props“

 

 

WORKING GIRLS

 

Donna Summer – Midnight Shift

„I’m just a working girl / Just earning a living“

und

Donna Summer – She works hard for that Money

„It’s a sacrifice working day to day / For little money, just tips for pay“

Meryl Streep – Money, Money, Money (ABBA-Cover)

„I work all night, I work all day, to pay the bills I have to pay / Ain’t it sad“

 

 

GELD IST NICHT ALLES

 

Jessie J. – Price Tag ft. B.o.B.

Forget about the price tag / Ain’t about the uh cha-ching cha-ching

Meja All About the Money

„It’s all ‚bout the money / It’s all ‚bout the dumb dum / And I think we got it all wrong anyway“

 

 

 

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