Kommentare zu: Aus dem Wort reißen https://ansch.4lima.de/aus-dem-wort-reissen/ Mon, 13 Dec 2021 04:03:27 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Von: Dani S. W. https://ansch.4lima.de/aus-dem-wort-reissen/#comment-91579 Mon, 13 Dec 2021 04:03:27 +0000 https://anschlaege.at/?p=27412#comment-91579 Persönlich nutze ich in der Schriftsprache „Punktierungen“ um geschlechtergerecht zu schreiben – sofern geschlechtsneutralisierende Formulierungen nicht angemessener sind. (Zum Letzeren … TOR Online: Geht das auch in schön? – 9 Tipps für geschlechtsneutrales Schreiben in Romanen.)

Die wesentlichen Gründe für meine Verwendung der Punktierung sind:
A) Die Anschlussfähigkeit an die semiotisch-semantische Bedeutung des Colons bzw. von Interpunktion.
Beispiel: „Ich kann den Satz hier beeenden. Die folgende Ergänzung jedoch kann ganz wesentlich und nicht trivial für das Verständnis sein. Und damit ist gut.“
B) Mit der Form wird Geschlecht und Geschlechtlichkeit in seiner Einfalt und seiner Vielfalt kritisiert. Der innere Widerspruch der nichtbinären Binarität wird deutlich. Die Lesenden können sich selbst ihre Form zusammenpuzzlen.

„Beamt.inn.en“ wäre ein so gegendertes Wort. Oder auch: „Jede.r“.

… wer den „generischen Maskulin“ zurückhaben will, streicht mental, was er nicht braucht. Der Punkt gibt da Orientierung.
… Personen, die dem generischen Feminin (bzw. inkludierenden Langformen) zugetan sind, können die Punkte einfach überlesen.
… wenn binäre trans Leute oder intergeschlechtliche Personen, die sich als Frau oder Mann verstehen, sich mit irgendwelchen Punkten identifizieren wollen, können sie das tun oder eben eine der beiden oberen Lesarten verwenden.
… nichtbinäre Personen (ob genderqueer, im trans oder intergeschlechtlichen Spektrum) können die Punktierungen für sich in Anspruch nehmen. Auch hier bleibt es beim Angebot.

Mit dem Colon ist auch gemeint, dass Geschlechtergrenzen Interpunktionen im Mensch-Sein sind. Es sind Differenzierungen, die auf Biologie, Identitäten und sozialen Zuschreibungen beruhen. Das gilt für endo- und intergreschlechtliche, für cis- und transgeschlechtliche, für binäre und nichtbinäre Menschen gleichermaßen. In der Realität ist Geschlecht auf allen Ebenen (Biologie, Psychologie, Soziales) komplex und kompliziert. Universell ist nur, dass Grenzen fließend sind. Daher hat jede geschlechtliche Bestimmung auch etwas Arbiträres. Die Colons im Schriftbild wollen abbilden, dass wir Differenzierungen wollen und brauchen, sie aber nur bedingt und unter gewissen Verrenkungen herstellen können.

Das Schriftbild kann aber auch einfach bloß gelesen werden. Ohne viele Gedanken. Mit dem eigenen Vorverständnis. Ein Colon ist schließlich kein großer Eingriff, kein seltenes Sonderzeichen. Es ist auch keine aus dem Rahmen fallende plötzliche Großschreibung.

Persönlich:
Zur Not kann ich mich auch auf andere Schreibweisen einlassen. Bei Texten in generisch gemeinten Binär-Formen, überlege ich mir vorher, ob ich sie lesen will, wenn kein dringender Bedarf sie zu lesen vorhanden ist. Der generische Feminin hat da den kleinen Vorteil, dass Interpunktionen (mühevoll) eingefügt werden können. Texte im generischen Maskulin brauchen für mich da mehr Verrenkungen.

Meine Reihenfolge in Bezug auf Geschlecht und Sprache sieht schlussendlich wie folgt aus:
Interpunktion > Doppelpunkt > Sternchen > Gap > Querstrich > Doppelnennung > Binnen-I > generischer Feminin > generischer Maskulin.
Solange geschlechtliche Forumlierungen nicht benötigt werden bevorzuge ich geschlechtsneutralisierende Formulierungen.

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